BLKÖ:Weiß, Karl (geb. 1826)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 128. (Quelle)
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Weiß, Karl (Schriftsteller, geb. in Wien am 13. Februar 1826). Obgleich er im Taufscheine Weis geschrieben steht, bedient er sich doch der Schreibung Weiß. Der Sproß einer Bürgerfamilie Wiens, besuchte er 1837–1842 theils bei den Piaristen in der Josephstadt daselbst, theils in deren Convicte zu Krems [129] das Gymnasium und machte 1842/43 den ersten Jahrgang der Philosophie an der Wiener Hochschule durch. Eine schwere Krankheit nöthigte ihn, die Fortsetzung der Facultätsstudien aufzugeben, und so trat er im October 1843 in die Kanzleipraxis des Wiener-Magistrates ein, bei welchem er im Jänner 1844 als Practicant beeidet wurde. Diese untergeordnete Beamtenlaufbahn war aber nichts weniger als nach dem Sinne des strebsamen jungen Mannes, der sich bemühte, die Lücken seines Wissens zu ergänzen und sich eine literarische Bildung zu erringen. In dienstfreien Stunden trieb er mit allem Eifer Geschichte, Philosophie, schöne Literatur und Sprachstudien, und in diesem Selbstbildungsdrange ward er mächtig gefördert durch den Assistenten an der Bibliothek der bildenden Künste in Wien, Dr. Gustav Heider [Bd. VIII, S. 208], der zu ihm in verwandtschaftlichen[WS 1] Beziehungen stand, ihm in den Studien eine bestimmte Richtung gab und ihn mit Männern in Berührung brachte, die nicht ohne Einfluß auf seine weitere Entwicklung blieben, wie Camesina, Feil, R. v. Eitelberger, Th. v. Karajan, Dr. E. Melly, Adolf Schmidl und Andere. Indessen thaten seine literarischen Bestrebungen seinem Pflichtgefühl als Beamter keinen Eintrag. Bald erregte er im Amte die Aufmerksamkeit des Bürgermeisters Ritter von Czapka, durch den er 1845 zur Dienstleistung in die Präsidialkanzlei berufen und infolge seiner Tüchtigkeit am 1. December 1847 außer seinem Range zum Kanzlei-Accessisten befördert wurde. Diese Stellung ermöglichte ihm nicht nur die leichtere Beschaffung der Hilfsmittel zu seinen weiteren literarischen Studien, sondern gab ihm auch Gelegenheit, einen tieferen Einblick in die Gemeindeverwaltung zu thun, welche bei einer Großcommune wie Wien einen ebenso interessanten als complicirten Apparat bildet. Auch zeigte sich Weiß bald so verwendbar, daß in dem denkwürdigen Bewegungsjahre 1848 eine wichtige Zuweisung der anderen folgte, indem er gleich nach den Märztagen einem Untersuchungsbureau der Senatsabtheilung für Criminalangelegenheiten, im Juli dem im Ministerium des Innern aufgestellten Arbeitercomité, Ende October vom Vicebürgermeister N. v. Bergmüller neuerdings der Präsidialkanzlei und nach der Constituirung der Gemeindevertretung und der Wahl des |Dr. Joh. Casp. Seiller zum Bürgermeister dem Präsidial- und Gemeinderathsbureau zugetheilt wurde. Nach der Regulirung der städtischen Aemter im October 1851 vom Gemeinderathe der Stadt Wien zum Kanzlei-Official befördert, kam er infolge seiner literarischen Thätigkeit mit dem damaligen Präsidial-Secretär A. Josephy, der selbst lebhaftes Interesse für Kunst und Literatur besaß, in nähere Beziehungen, und dessen Einfluß erwirkte ihm auch zuerst die Gelegenheit, sich durch wichtigere Conceptsarbeiten, welche eine höhere stylistische Gewandtheit erforderten, bemerkbar zu machen. Nun war das Eis gebrochen; Bürgermeister Seiller sprach seine schriftliche Anerkennung über die Arbeiten des Kanzlei-Officials aus, womit der Weg zu dessen weiterer Entwicklung im dienstlichen Geschäfte und seiner Vorrückung im Amte gebahnt war. Indessen machte sich Weiß immer mehr und mehr mit den Gemeindeverhältnissen vertraut und widmete sich vorwiegend dem Studium der Geschichte Wiens und insbesondere der mit dessen Neugestaltung im Zusammenhange stehenden Vorkommnisse. [130] Dabei drängte sich ihm unwillkürlich der Gedanke auf, daß eine Großgemeinde wie Wien auch eine Bibliothek besitzen müsse, in welcher nicht nur alle auf die Geschichte und das Culturleben der Stadt, ferner die wichtigsten auf das Gebiet der österreichischen Gesetzgebung, der Rechts- und Staatswissenschaften bezüglichen Werke, sondern auch alle Schriften vorhanden sein sollten, welche über die Einrichtung der Verwaltung anderer größerer Städte des In- und Auslandes Aufschluß enthalten. Die Durchführung dieses Gedankens, dessen Verwirklichung bei einer Gemeinde wie Wien, welche eine große Vergangenheit besitzt und unter der autonomen Gestaltung des Gemeindelebens, wie auch der Entwicklung Oesterreichs als Großstaat einer stets größeren Zukunft entgegengeht, war eine nicht geringe Aufgabe und hatte bei dem Umstande, daß man im Vormärz in dieser Richtung eine fast ans Unglaubliche grenzende Indolenz bewiesen, und also Alles von Grund auf erst zu schaffen war, auch ihre Schwierigkeiten. Doch wurde Weiß in der Ausführung seines Gedankens von seinem Gönner Josephy in sehr wirksamer Weise unterstützt, und Bürgermeister Seiller, auch bald für die die Idee der Anlage einer Stadtbibliothek gewonnen, erwirkte 1855 vom Gemeinderathe die dazu erforderlichen Geldmittel. So erhielt denn Weiß den Auftrag, nach seinem Entwürfe unter Josephy’s Leitung die Bibliothek einzurichten und neben den übrigen Berufsarbeiten zu verwalten. Am 23. März 1858 erfolgte seine Ernennung zum Kanzleidirections-Adjuncten, doch mit einstweiliger Befassung in außerordentlicher Verwendung beim Präsidialbureau, von welcher er auch erst nach dem Rücktritte des Bürgermeisters Dr. Seiller und der Zusammensetzung einer neuen Gemeindevertretung vollständig enthoben ward. Indessen blieb die Bibliothek in seiner Verwaltung, nunmehr aber unter unmittelbarer Ueberwachung eines von dem neuen Gemeinderathe eingesetzten Comités, welches auf alle Anschaffungen maßgebenden Einfluß nahm. Als dann 1863 infolge Gemeinderathsbeschlusses die Trennung des Archivs von der Registratur vollzogen und die Bestellung eines Archivars und Chronisten der Stadt Wien systemisirt wurde, erfolgte am 26. November 1863 im Concurswege seine Ernennung zu letztgenannten Posten mit gleichzeitiger Verleihung der Bibliothekarsstelle, und so hatte er als Archivar, Bibliothekar und Chronist der Reichshauptstadt jene Stufe erklommen, welche es ihm gestattete, seine ganze Kraft dem längst gehegten Plane zu widmen, eine Geschichte der Stadt Wien zu schreiben. Von dieser Zeit ab beschäftigte er sich auch unablässig und ausschließlich mit Studien und Forschungen über die Vergangenheit Wiens. Dabei bemühte er sich, mit Unterstützung der Mitglieder des Bibliothekscomités und den vom Gemeinderathe stets anstandslos bewilligten Geldmitteln die Stadtbibliothek nach dem von ihm entworfenen Plane einzurichten und zu vervollständigen. Zu diesem Behufe machte er zahlreiche Erwerbungen, durch welche ebensowohl der administrative Zweck der Bibliothek gefördert wurde, als auch diese sich bald als der Sammelpunkt aller auf die Topographie, Geschichte und die verschiedenen Zweige des Culturlebens der Stadt bezüglichen Schriften und Darstellungen in Bild, Karten und Plänen zu gestalten begann. In dem von Franz Tschischka [Bd. XLVIII, S. 52] [131] geordneten Archiv begann Weiß zu dessen besserer Nutzbarmachung die Anlage eines chronologischen Urkundenrepertoriums und einer Sammlung von Regesten über die in anderen Archiven enthaltenen auf Wiens Geschichte Bezug habenden Urkunden. Auch vermehrte er das Archiv durch Einverleibung der wichtigeren Acten der Präsidialregistratur der Jahre 1783–1847. Eine neue, den heutigen archivalischen Grundsätzen entsprechende Aufstellung des Urkundenarchivs mußte aus räumlichen Rücksichten bis zur Uebersiedlung in das neue Rathhaus aufgeschoben werden. Daneben wurde aber Weiß auch nach anderen Seiten hin, namentlich von der Gemeinde selbst in Anspruch genommen, so erstattete er auf Grund neuer archivarischer Forschungen historische Gutachten zur Lösung verschiedener rechtliche Ansprüche der Gemeinde berührender Fragen, wie über das Eigenthum verschiedener Armenfonde, der Linienwälle und mehrerer vom Stadterweiterungsfonde beanspruchter Grundflächen. Dann lieferte er zu den von dem damaligen Bürgermeister-Stellvertreter Dr. J. Newald ausgearbeiteten und im Drucke veröffentlichten „Vorlagen zur Revision der Gemeindeordnung“ die geschichtliche Entwicklung der Wiener Gemeindeverfassung von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1860, ferner eine Darstellung der Entstehung der einzelnen öffentlichen Volksschulen Wiens, des städtischen Bauamtes, der städtischen Kasernen am Salzgries und am Getreidemarkt. Er gab auf Grund eines von ihm verfaßten Gräberbuches über die in den Friedhöfen Wiens beerdigten Leichen hervorragender Personen die Anregung zur Schaffung einer besonderen Anlage für die Grabstätten berühmter Personen auf dem Centralfriedhofe; entwarf die Programme zu den von Bürgermeister Dr. Felder herausgegebenen die Jahre 1867–1876 umfassenden großen Verwaltungsberichten. sowie zur plastischen und malerischen Ausschmückung des neuen Rathhauses; er hatte nach dem, wieder auch von ihm ausgearbeiteten Plane die historischen Ausstellungen der Stadt Wien in den Jahren 1873 und 1883 in Ausführung zu bringen; 1873 die Leitung des städtischen Waffenmuseums zu übernehmen; 1879 an der Durchführung des zur Feier der silbernen Hochzeit des Kaisers Franz Joseph I. und der Kaiserin Elisabeth veranstalteten großen Festzuges mitzuwirken. Außerdem wurde er während der Verwaltung der Bürgermeister Dr. Felder, Dr. J. Newald und E. Uhl zu schwierigen außerordentlichen Arbeiten verwendet, so fiel ihm besonders während der Amtsdauer des Ersteren die Aufgabe zu, die Tagespresse über die wichtigsten Begebenheiten im Gemeindeleben in laufender Kenntniß zu erhalten. 1882 ertheilte ihm der Gemeinderath den Auftrag zu einer Studienreise nach Deutschland, Frankreich und Belgien, um die daselbst gewonnenen Erfahrungen dann bei der Einrichtung des Archivs, der Bibliothek, des Waffenmuseums und des zu errichtenden historischen Museums im neuen Rathhause benützen zu können. Werfen wir nach dieser Darstellung seiner zunächst im amtlichen Berufe entwickelten Thätigkeit noch einen Blick auf sein literarisches Schaffen. Dasselbe reicht bis in das Jahr 1845 zurück, wo der damals Neunzehnjährige unter dem Pseudonym Karl Struve kleinere schöngeistige Arbeiten in den Zeitschriften „Der Sammler“, „Sonntagsblätter“ und „Die Gegenwart“ veröffentlichte. Die erste selbständige Schrift, welche er [132] anonym herausgab, ist die politische Broschüre: „Die Octobertage Wiens. Eine historische Darstellung vom Standpunkte des Rechtes und der Wahrheit“ (Leipzig 1848), in welcher er der damals herrschenden Stimmung über die Zustände der Stadt nach der Verhängung des Belagerungszustandes Ausdruck zu geben versuchte. Unmittelbar darauf begann er über die Geschichte der dramatischen Dichtung in Wien seine Studien, deren Ergebniß das Buch ist: „Die Wiener Haupt- und Staatsactionen. Ein Beitrag zur Geschichte des Theaters in Wien“ (Wien 1854, Gerold’s Sohn); darin verfolgt er die Anfänge der dramatischen Darstellungen in Wien und wies der Erste auf den reichen Schatz von handschriftlich vorhandenen Volksschauspielen aus dem Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, auf die sogenannten Haupt- und Staatsactionen hin, welche in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrt werden. Im Anschluß daran erschienen 1856 von seiner Feder ausführliche Beiträge zur Geschichte der älteren dramatischen Dichtung in Wien, welche in Dr. Schmidl’s „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst“ und im Abendblatte der „Wiener Zeitung“ abgedruckt sind. Fast ausschließlich in einem Kreise von Männern verkehrend, von welchen damals die ganze Bewegung zur Wiederbelebung des Studiums der Denkmäler mittelalterlicher Kunst in Oesterreich ausging, nahm er gleichfalls an diesen Bestrebungen lebhaften Antheil. Auf Antrag Gustav Heider’s, der mit Anderen an der Spitze der Bewegung stand, wurde er 1856 berufen, die Redaction der unter der Leitung des Freiherrn von Czörnig, Präsidenten der von diesem ins Leben gerufenen k. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunstdenkmale, von diesem Institute unter dem Titel: „Mittheilungen der k. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunstdenkmale“ herausgegebenen kunstarchäologischen Monatschrift zu übernehmen. Diese Stellung erforderte, daß Weiß sich nun eingehend mit der Kunst des Mittelalters und der neueren Zeit beschäftigte. Mit Unterstützung Czörnig’s, der die archäologischen Bestrebungen in Oesterreich mächtig förderte, dann Heider’s und Anderer gelang es ihm auch, fast alle hervorragenden Kunstforscher und Archäologen in Deutschland und Oesterreich-Ungarn, wie M. Ackner, Freiherrn von Ankershofen, F. Bock, Camesina, A. Essenwein, E. Henszlmann[WS 2], Ipolyi, Kukuljewvicz, Lepkowski, Lübke, Meßmer, F. Müller, A. Roggenbach, J. Romer, Freiherrn von Sacken, Schnaase, A. Schultz, Springer, Wocel, Wolfskron, A. Woltmann u. A. zur Mitarbeiterschaft an den „Mittheilungen“ und dem damit in Verbindung stehenden „Jahrbuche“ zu gewinnen. Als dann 1863 Freiherr von Czörnig die Stelle des Präsidenten niederlegte, gab auch Weiß seinen Redactionsposten auf und führte nur noch vom April 1864 bis Ende 1865 die Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift für Wissenschaft und Kunst“, welche eine Beilage der „Wiener Zeitung“ bildete. Von dieser Zeit ab widmete er sich im Einklange mit seiner amtlichen Stellung ausschließlich den Studien über die Geschichte und Topographie Wiens. Im Auftrage des Wiener Gemeinderathes gab er nun infolge seiner eigenen Anregungen die geschichtlichen Werke heraus: „Geschichte der Rathhauscapelle zu St. Salvator in Wien“ (Wien 1861), zur Feier des fünfhundertjährigen Bestandes derselben; [133] – „Niclas Meldemann’s Rundansicht der Stadt Wien, aufgenommen während der ersten Türkenbelagerung (1529). Reproducirt von Albert Camesina, mit erläuterndem Text von Karl Weiss“ (Wien 1864); – „Geschichte der öffentlichen Anstalten, Fonde and Stiftungen für die Armenversorgung in Wien“ (ebd. 1867); – „Der älteste Plan der Stadt Wien. Aus den Jahren 1438–1455. Reproducirt von A. Camesina, mit erläuterndem Text von Karl Weiss“ (ebd. 1869); – „Urkundliche Beiträge zur Geschichte der Befestigung Wiens im XVI. Jahrhundert. Mit Plänen von A. R. von Camesina“ (ebd. 1881); – ferner leitete er im Auftrage des Gemeinderathes die Herausgabe des großen Prachtwerkes: „Huldigungsfestzug der Stadt Wien, anlässlich der Feier der silbernen Hochzeit des Kaisers Franz Joseph I. und der Kaiserin Elisabeth“ (ebd. 1880–1881) und verfaßte zu diesem Werke den die zehnte Lieferung umfassenden Text; – dann schrieb er gleichfalls im Auftrage des Gemeinderathes die Broschüre: „Herr Onna Klapp und die Bürger Wiens im Jahre 1683“ (ebd. 1883), die große nicht im Buchhandel erschienene mit Abbildungen des neuen und alten Rathhauses ausgestattete „Festschrift aus Anlass der Vollendung des neuen Rathhauses“ (Wien 1883) und auf besonderen Wunsch des Bürgermeisters Uhl die anonym in zwei Auflagen erschienene Broschüre: „Das bedrängte Wien. Eine politisch-financielle Studie“ (Wien 1885), welche nicht geringes Aufsehen und eine heftige Polemik in ungarischen, čechischen und polnischen Blättern hervorrief. Schließlich begann der Gemeinderath auf den von Weiß gemachten Antrag und nach dem von ihm festgestellten Plane die Herausgabe der „Wiener Geschichtsquellen“, deren erste Abtheilung „Die Wiener Stadtrechte und Freiheiten“, bearbeitet von Dr. J. A. Tomaschek[WS 3], in zwei Bänden 1876 veröffentlicht wurde. Im Auftrage des Wiener Ingenieur- und Architectentages gab Weiß anläßlich der XIV. Versammlung deutscher Architecten und Ingenieure das Werk heraus: „Alt- und Neu-Wien in seinen Bauwerken“ (Wien 1864), von welchem schon im folgenden Jahre die zweite vermehrte und verbesserte Auflage erschien. In Gemeinschaft mit Bruno Bucher schrieb er: „Wiener Bädecker. Wanderungen durch Wien und Umgebung“ (Wien 1868; zweite erweiterte Aufl. 1870 und dritte verbesserte Aufl. gleichzeitig in französischer und englischer Sprache 1873). Als eigentliche Frucht seiner langjährigen historischen Studien folgte nun das Werk: „Geschichte der Stadt Wien. Zwei Abtheilungen in einem Bande“ (Wien 1872; zweite umgearbeitete und verbesserte Auflage in 2 Bänden ebenda 1882/83). Für die im Verlage des Vereines für Vaterlandskunde von Noe herausgegebene „Topographie der Stadt Wien“ (Wien 1876) bearbeitete er das 1. und 2. Heft des zweiten Bandes der Topographie des Landes Niederösterreich, und für die im Verlage von F. Manz herausgegebenen „Rückblicke auf die Gemeindeverwaltung der Stadt Wien in den Jahren 1838–1848“ (Wien 1875[WS 4]) schrieb er die Darstellung des verdienstvollen Wirkens des in der Revolution 1848 vielfach verketzerten Bürgermeisters Ritter von Czapka. 1863 rief er den Wiener Communalkalender ins Leben, dessen 25. Jahrgang 1887 erscheint. Dieses städtische Jahrbuch enthält seit 1863 eine von Weiß zusammengestellte Chronik der wichtigsten örtlichen Begebenheiten und eine Darstellung des Beginnes und der Fortschritte der Stadterweiterung. Außer den bisher angeführten größeren, theils selbständig in [134] Druck gelegten, theils in andere Werke aufgenommenen Arbeiten seiner Feder sind auch in mehreren periodischen Schriften seine Artikel erschienen, welche theils mit seinem ganzen Vor- und Zunamen oder mit den Anfangsbuchstaben derselben: K. W. bezeichnet sind. Herausgeber dieses Lexikons beklagt es, außer Stande zu sein, wenigstens die Uebersicht der historischen und biographischen dieser Skizze anreihen zu können, und beschränkt sich auf Angabe der folgenden: im Illustrirten Familienbuch des österreichischen Lloyd von 1851–1854: „Prinz Eugen von Savoyen“ – „Wallenstein“ – „Beiträge zur Theatergeschichte Wiens“; in den Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst (Beilage zur „Wiener Zeitung“) 1855: „Zur Geschichte des Zeitungswesens in Wien“; 1856: „Beiträge zur Geschichte des deutschen, insbesondere des Wiener Theaters“; in den Mittheilungen der k. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmäler von 1856 bis 1863: „Zur Geschichte der Reliquiarien“ – „Beschreibung der Kirche zu Maria am Gestade in Wien“ – „Beschreibung der Kirche zu Straßengel in Steiermark“ – „Beschreibung des Domes in Agram“ (auch im Sonderabdruck erschienen) – „Beschreibung des Schatzes im Stifte Klosterneuburg“; im Jahrbuch der k. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale von 1856–1860: „Der romanische Kelch im Stifte Witten in Tirol“ (auch im Sonderabdruck erschienen); in den von Eitelberger, Heider und Hieser herausgegebenen Mittelalterlichen Kunstdenkmälern des österreichischen Kaiserstaates, im I. Bande: „Der romanische Leuchterfuß im Domschatze zu Prag“; in Czartoryski’s „Recensionen und Mittheilungen über bildende Kunst“ 1864: „Die Strömungen des Wiener Kunstlebens“; in den Blättern für Landeskunde von Niederösterreich 1856: „Zur Geschichte des Rathhauses in Wien“; im Wiener Communalkalender 1863: „Die Wiener Stadtrechte“ und 1865 „Der Burgfriedensstreit“; im Jahrbuch des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Bd. II: „Raphael Donner“; in Lützow’s „Zeitschrift für bildende Kunst“ 1880: „Biographie des Oberbaurathes Friedrich Schmidt“; in Brockhaus’ „Unsere Zeit“ 1872: „Die Entwicklung Wiens in den Jahren 1848–1870“; ferner war Weiß von 1854 ab ständiger Mitarbeiter der „Wiener Zeitung“, in deren Haupt- (Morgen-) wie Abendblatte zahlreiche die Geschichte und das Kunstleben Wiens, sowie sämmtliche die Gemeindeverhältnisse der Gegenwart berührende Aufsätze aus seiner Feder stammen; auch gehörte er mehrere Jahre (1854–1856) dem Wiener politischen Blatte „Oesterreichischer Lloyd“ als Kunstreferent an, redigirte 1876 das „Kunstblatt“ der „Neuen Freien Presse“, wie er denn auch für die genannten Journale als auch für die „Presse“ mehrere Feuilletons und Artikel über communale Tagesfragen schrieb. Auch an dem im Nachmärz sich in erstaunlicher Rührigkeit entwickelnden Vereinsleben nahm er thätigen Antheil, so bei der Gründung des Wiener Alterthumsvereines, des Vereines für Landeskunde in Niederösterreich und des Wiener Dombauvereines, an welch’ letzteren zweien er seit ihrer Gründung als Ausschußmitglied wirkt; dann besorgte er während der ganzen Dauer des für die Restauration des St. Stephansdomes von der [135] kaiserlichen Regierung (185 –1880) eingesetzten Comités die Geschäfte eines Schriftführers. Diese amtliche und literarische Thätigkeit blieb in den maßgebenden Kreisen nicht unbeachtet und ungewürdigt. Von seiner Majestät dem Kaiser erhielt er anläßlich der Ueberreichung seiner „Geschichte der Rathhauscapelle“ 1862 die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft; aus gleichem Anlasse für sein Buch: „Alt- und Neu-Wien in seinen Bauwerken“ 1874 eine Brillant-Busennadel; für seine „Geschichte der Stadt Wien“ 1872 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und nach Durchführung der historischen Ausstellung im Jahre 1884 den Titel eines k. k. Regierungsrathes; der Magistrat der Stadt Wien aber ertheilte ihm 1850 das Bürgerrecht, während der Gemeinderath die Leistungen des verdienten Mannes vielfach durch ehrenvolle schriftliche Anerkennungen würdigte.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: verwandtschaflichen.
  2. Vorlage: F. Henszlmann.
  3. Vorlage: F. Tomaschek.
  4. Vorlage: 1846.