BLKÖ:Weiß, Wilhelm (Arzt)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 147. (Quelle)
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Weiß, Wilhelm (Arzt und Fachschriftsteller, geb. zu Milostice im Taborer Kreise Böhmens am 7. April 1835). Nachdem er das Gymnasium zu Neuhaus in Böhmen beendet hatte, bezog er die Prager Hochschule, um an derselben die Arzeneiwissenschaft zu studiren. Im November 1859 zum Doctor promovirt, trat er zunächst in der wundarzeneilichen Abtheilung des Prager allgemeinen Krankenhauses in die Praxis. Durch seine Tüchtigkeit erregte er die Aufmerksamkeit des Professors [BLKÖ:Purkyně, Johann Evangelist Ritter von|Purkyně]], welcher ihm die Stelle eines Assistenten für die Physiologie antrug. Weiß aber, der sich für die Chirurgie entschieden hatte, lehnte ab und begab sich auf eine wissenschaftliche Reise, auf welcher er die verschiedenen Krankenhäuser in Frankreich, England, der Schweiz, in Holland und Deutschland besuchte, wodurch sich seine Kenntnisse im Gebiete der Arzenei- und Wundarzeneikunde wesentlich vermehrten. Darauf wurde er 1866 Assistent an der wundärztlichen Klinik der Prager Hochschule. Von jetzt an besonders auf operativem Gebiete thätig, erwarb er sich als tüchtiger Operateur bald einen ausgezeichneten Ruf. Mit diesen Vorzügen als Arzt und Chirurg verband er den in seinem Vaterlande ungleich wichtigeren und geschätzteren: als Deutscher ein čechischer Patriot zu sein. Bald trat er als ständiger Mitarbeiter in die čechische Zeitschrift für Aerzte „Časopis českych lekařu“ ein und übernahm dann 1870 die Stelle des Hauptredacteurs. Zugleich wurde er zum Geschäftsleiter des Vereines der čechischen Aerzte gewählt. Seine wissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich vornehmlich auf das Gebiet der operativen Chirurgie, und so veröffentlichte er im oberwähnten „Časopis“ seine Abhandlungen über Steinzertrümmerung in der Harnblase, über Amputationen, Brüche, Hohlgeschwüre u. s. w. Aber auch in deutscher Sprache verschmähte er es nicht, seine ärztlichen Beobachtungen und Erfahrungen zu veröffentlichen. So brachte die Wiener „Medicinische Presse“ im 11. Jahrgang seine Abhandlung „Ueber die incancerirten Hernien“, die (Prager) Vierteljahrschrift für praktische Heilkunde seinen Bericht von 1866 bis 1870. „über die Behandlung der pulsirenden Geschwülste“. Aber auch nach einer anderen Richtung noch besitzt Weiß Verdienste um seine Wissenschaft, und zwar nach der sprachlichen, indem er 1863 mit seinen čechischen Collegen gemeinschaftlich die Zusammenstellung einer ärztlichen Terminologie durchführte und dann 1870 im Vereine mit Dr. Chodonuský eine Terminologie der anatomischen, chirurgischen und geburtsärztlichen Instrumente und Geräthschaften in čechischer Sprache herausgab.