BLKÖ:Winckelmann, Johann Joachim

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 56 (1888), ab Seite: 264. (Quelle)
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Winckelmann, Johann Joachim (Archäolog, geb. zu Stendal in der Altmark am 9. December 1717, ermordet in Triest am 8. Juni 1768). Obwohl die Erinnerung an diesen großen Alterthumskenner und -Forscher zunächst nur durch den Ort seiner Ermordung an Oesterreich [265] geknüpft ist, so wollen wir doch, da sein Grab und Denkmal in Triest sich befinden, in Kürze seiner gedenken. Der Sohn eines Schuhmachers in der alten Stadt Stendal in der Altmark, besuchte er zunächst die Schule seines Geburtsortes, dann das kölnische Gymnasium in Berlin. 1738 begab er sich nach Halle, wo er Theologie und classische Literatur, 1741 nach Jena, wo er Mathematik und Arzeneiwissenschaft studirte. Da sich ihm gar keine Aussichten für eine staatliche Bedienstung darboten, nahm er 1742 einen Hauslehrerposten zu Heimersleben bei Halberstadt an, welchen er schon 1743 mit einer Conrectorstelle zu Seehausen in der Altmark vertauschte. 1748 aber trat er als Bibliothekar in die Dienste des sächsischen Ministers Grafen von Bünau zu Nöthewitz bei Dresden. Prophetisch fast erscheinen die Worte, welche der Graf über Winckelmann äußerte, als dieser voll Enthusiasmus über Antiken sprach. „Winckelmann“, rief er aus, „ist ein Narr, und es wird ein Ende voll Schrecken mit ihm nehmen.“ Und leider nahm es ein solches. Während seiner Anstellung bei dem Minister Bünau übten die vielen werthvollen Kunstschätze Dresdens und der Verkehr mit Künstlern und Kunstkennern, wie Oeser, Hagedorn, Lippert und Anderen, einen tiefwirkenden anregenden Einfluß auf ihn und entwickelten seine Liebe zur Kunst durch Anschauung und Vergleichung zu einem hohen Verständniß derselben. Er richtete seine Aufmerksamkeit zunächst auf die Geschichte und das Wesen der bildenden Kunst und brannte daher vor Begierde, Italien, als die Heimat der Kunst, zu besuchen und die alten Denkmäler derselben an Ort und Stelle zu studiren. Nachdem er mit dem päpstlichen Nuntius Archinto, der ihm in Rom einen Bibliothekarposten in Aussicht stellte, bekannt geworden, trat er 1754 zur katholischen Kirche über. Dieser Zusage ging es jedoch wie vielen anderen dieser Art im Leben; sie war gesprochen worden, aber in Vergessenheit gerathen, und Winckelmann blieb noch ein volles Jahr in Dresden. Während dieser Zeit ununterbrochen mit seinen Kunststudien beschäftigt, legte er die Ergebnisse derselben in dem Werke nieder: „Gedanken über die Nachahmungen der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst, nebst einem Sendschreiben und den Erläuterungen dieser Gedanken“. 3 Theile mit 3 KK. (Dresden 1755, 2. verm. Aufl. 1756, 4°.). Erst im Herbste 1755 gelang es ihm, sein längst gehegtes Vorhaben, die Römerreise, auszuführen, und zwar mittels eines kurfürstlichen Reisestipendiums, und so klein dasselbe war, es brachte ihn an das Ziel seiner Sehnsucht, in die ewige Stadt. Daselbst nahmen sich die Cardinäle Passionei, Albani und Archinto, selbst Kenner und warme Förderer der Alterthumswissenschaft, und der geniale Maler Raphael Mengs seiner freundlich an. Winckelmann aber widmete seine Zeit auf das gewissenhafteste dem Studium alter und neuer Kunstwerke. Im Frühling 1758 besuchte er Neapel, Portici, Herculanum und Pompeji und ging dann im Herbste nach Florenz, um im Auftrage des Barons Stosch dessen berühmte Gemmensammlung zu ordnen und zu beschreiben. Nachdem er mit dieser Arbeit fertig geworden und dieselbe im Druck erschienen war, wurde er zu Anfang des Jahres 1760 Bibliothekar und Aufseher der Alterthümersammlung des Cardinals Albani. 1762 besuchte er als Begleiter des Grafen Brühl zum zweiten Male Neapel und dessen Umgebungen, und [266] nach seiner Rückkehr 1763 zum Oberaufseher aller Alterthümer in und um Rom ernannt, schrieb er nun, da er Erfahrung und Muße genug besaß, eine Reihe der lehrreichsten und gediegensten Werke über antike Kunst, dieser Wissenschaft ein neues und reiches Feld erobernd, worin er bis heute wohl gewürdigt und nachgeahmt, aber nicht erreicht wurde. Sein Hauptwerk indeß bleibt immer die „Geschichte der Kunst des Alterthums“, 2 Theile (Dresden 1764, Walther, gr. 4°. mit 24 KK.), von welchem nach seinem Tode die Akademie der bildenden Künste in Wien (Rath Riedel) eine 2. verm. Ausgabe (Wien 1776, Binz, gr. 4°.) veranstaltete. Mit diesem Meisterwerke, welches, wie es in der Natur der Sache liegt, später wohl Zusätze und Berichtigungen erhalten hat, erscheint er als der eigentliche Schöpfer und Begründer der Kunstwissenschaft. Er ist in derselben nicht etwa ein trockener Darsteller der gesehenen alterthümlichen Objecte, sondern in Darstellung und Styl gleich mustergiltig, ja geradezu classisch, erhebt er sich bei der Beschreibung der Kunstwerke antiker Plastik zu dichterischem Schwunge. So hatte er sich in seiner neuen Heimat vollends eingelebt, und nur Abschied wollte er nehmen von seinem Vaterland jenseits der Alpen und seine Jugendfreunde drüben begrüßen, als er sich zur Abfahrt nach dem Norden rüstete. In froherregter Stimmung trat er denn auch seine Reise im Frühjahre 1768 an. Am 10. April verließ er in Begleitung des Bildhauers Cavaceppi die ewige Stadt. Als er die italienische Grenze überschritten und vor sich die Tiroler Berge sich aufthürmen sah, wurde er schwermüthig und rief zu seinem Gefährten: „Sehen Sie doch, welch’ schreckliche und schaudervolle Gegenden, welch’ unermeßlich emporsteigende Gebirge!“ Und diese Melancholie verließ ihn nicht mehr, je weiter er reiste. Die Sehnsucht, zurückzukehren, wuchs mit jeder Stunde. Beim Anblick der deutschen Häuser rief er aus: „O, welch’ abgeschmackte Bauart, sehen Sie doch nur die spitz zulaufenden Dächer!“ Bor Augsburg noch wollte er bereits umkehren und machte den Reisegefährten schon um seine Gesundheit besorgt. In Regensburg aber ließ er sich nicht mehr halten und beschloß die Rückreise über Wien und Triest. Am 12. Mai traf er in ersterer Stadt ein und wohnte im Hause eines Herrn Schmidtmeyer. Nun machte er seinen Besuch bei dem Fürsten Kaunitz, und zwar in Begleitung Cavaceppi’s. Dieser klagte theilnehmend dem Fürsten, Winckelmann sei fest entschlossen, nach Italien zurückzukehren. Kaunitz ergriff des gelehrten Forschers Hand und sprach: „Wie können Sie das Herz haben, Ihren lieben Freund in einem fremden Lande zu verlassen? Ich bitte Sie, was ich bitten kann, ändern Sie doch diesen Vorsatz.“ Winckelmann, von diesen Worten tief ergriffen, brach in Thränen aus, das Wort versagte ihm im Munde. Da faßte Cavaceppi seines Gefährten Hand und sagte mit sanften Worten: „Lieber Freund, Sie thun nicht gut aber weil es Ihnen so gefällt, so tragen Sie nur Sorge für sich selbst. Ich empfehle Sie Gott!“ Diese Scene ergriff Winckelmann sosehr, daß er erkrankte, in ein Fieber verfiel und mehrere Tage das Bett hüten mußte. Von Kaunitz hatte er eine goldene Schaumünze zum Andenken erhalten. Nachdem er sich von seinem Unwohlsein erholt, stellte ihn Baron Sperges der Kaiserin Maria Theresia vor. Huldvoll empfing ihn dieselbe, wohlwollend den Wunsch aussprechend, [267] ihn für Oesterreich zu gewinnen, namentlich für Wien. Dann beschenkte Sie ihn mit einer goldenen und einer silbernen Medaille. Von dem Gedanken an die Rückkehr nach Rom war er nicht mehr abzubringen, und so reiste er am 28. Mai allein von Wien ab, seinem Verhängniß entgegen. Am 1. Juni Mittags um 12 Uhr traf er in Triest ein und stieg im großen Gasthof am Petersplatz ab, wo er im zweiten Stockwerk das Zimmer Nr. 10 bezog. Im kleinen Nebenzimmer Nr. 9 wohnte schon zwei Tage Franz Arcangeli aus Campiglio im Toscanischen. Dieser war wegen Diebstahls, den er in Wien begangen hatte, zu vierjähriger öffentlicher Arbeit in Eisen im dortigen Gnaden-Stockhaus und zu nachheriger Verweisung aus allen deutschen Erblanden verurtheilt worden. Infolge einer Amnestie aus Anlaß der Vermälung des Erzherzogs Leopold wurde seine Strafzeit verkürzt und er schon im Mai 1767 seiner Haft entlassen. Im Mai 1768 kam er, nachdem er sich in der Zwischenzeit in seiner Heimat und dann in Venedig herumgetrieben, nach Triest und stieg im Gasthofe, in welchem Winckelmann später einkehrte, ab. Bei der Wirthstafel traf er mit dem Gelehrten, der sein Tischnachbar war, zusammen. Ein Verkehr entspann sich zwischen Beiden, der arglose Winckelmann wurde vertraulich. Arcangeli begleitete ihn auf allen Gängen in Triest, bekam aber auch Kenntniß von einigen werthvollen Goldstücken, welche jener mit sich führte. Da er selbst keinen Heller im Besitz hatte, beschloß er den Raubmord Winckelmann’s, um sich des Geldes zu bemächtigen. Nun nahte der Tag der Abreise desselben nach Rom. Da vollbrachte am 8. Juni, zwischen der 10. und 11. Stunde Vormittags Arcangeli die entsetzliche That, indem er Winckelmann erst halb erdrosselte und ihm dann fünf Stiche versetzte. Durch das Geräusch, welches der Mordanfall veranlaßte, wurde ein vorübergehender[WS 1] Diener aufmerksam, öffnete die Thür und sah, wie der Mörder mit einem Knie auf der Brust seines Opfers lag. Als sich Arcangeli entdeckt sah, ergriff er die Flucht. Winckelmann, obwohl zu Tode getroffen, konnte noch alle an ihn gerichteten Fragen beantworten, sein Testament dictiren und um Gnade für seinen Mörder bitten! Um 4 Uhr Nachmittags hauchte er seine Seele aus. Der Mörder wurde am 14. Juni in Planina, das auf der Flucht zu erreichen ihm gelungen war, angehalten und nach Triest gebracht. Obwohl er beim Verhöre in seinen Aussagen sich wiederholt widersprach, gestand er doch seine That und den Vorsatz, Winckelmann zu berauben, ohne Rückhalt ein. Der Proceß währte nur kurz. Am 12. Juli fand das letzte Verhör statt, am 16. Juli wurde das Urtheil auf Tod und durch das Rad einstimmig ausgesprochen und am 20. Juli der Mörder lebendig von oben nach unten gerädert, bis die Seele aus dem Körper schied. Wir unterlassen es, die verschiedenen Ausgaben der Werke Winckelmann’s einzeln aufzuzählen, da solche Angaben doch nur für den Bibliophilen Werth haben; wohl aber gedenken wir der Gesammtausgaben, deren erste in französischer Sprache unter dem Titel: „Oeuvres complètes, édition superbe, 7 vols, avec 250 fig. et vign.“ (Paris 1790 et s. [Typog. soc. in Bern] 4°., 40 Rchsthl.) erschienen ist. Diese französische Ausgabe muß aber sehr selten sein, da sie in J. M. Quérard’s „La France littéraire“ (Paris 1827, Firm. [268] Didot, 8°.) fehlt, während in derselben alle Uebersetzungen der einzelnen Schriften Winckelmann’s genau aufgezählt werden. Eine deutsche Ausgabe der Werke Winckelmann’s, herausgegeben von K. L. Fernow, H. Meyer und Jos. Schulze, nebst Register von K. G. Siebelis, erschien in 8 Bänden mit 63 KK. und des Autors Porträt in Dresden 1808–1820 bei Walther in gr. 8°. (Preis 23 Thlr., Velin 34 Thlr.). In dieser Ausgabe enthalten der erste und zweite Band die kleineren Schriften mit 24 KK., der dritte bis sechste die Geschichte der Kunst des Alterthums mit 31 KK.; der siebente Band die deutsche Uebersetzung des Trattato preiiminare etc. mit 8 KK.; der achte Berichtigungen zum 3. bis 7. Bande, ein allgemeines Sachregister und Verzeichniß der sämmtlichen Künstler und Schriftsteller; als Nachtrag dazu erschienen noch Winckelmann’s Briefe von 1747 bis 1766, herausgegeben von F. Förster. Ob eine neue 1838 bei Walther in Dresden begonnene Ausgabe seiner Werke zu Ende geführt wurde, ist mir nicht bekannt. Ueber Weiteres, wie über Winckelmann-Bildnisse, Winckelmann-Feste, das Winckelmann-Museum und die zu seinem Gedächtniß in Triest, wo er gemordet, und in Stendal, wo er geboren worden, errichteten Denkmäler, sowie über die umfangreiche seinem Leben und der Beurtheilung seiner Arbeiten gewidmete Literatur geben die folgenden Quellen reichen Aufschluß.

I. Biographische Quellen. Friedrichs (C.). Winckelmann. Ein Vortrag (Hamburg 1862). – Goethe (Joh. Wolfg. von). Winckelmann und sein Jahrhundert (Stuttgart 1803, 8°.) und in allen vollständigen Ausgaben der Werke Goethe’s. – Gurlitt (Joh. Gottfried). Biographische und literarische Nachricht von J. J. Winckelmann (Magdeburg 1797,4°.). –– Derselbe. Zwei Nachträge zur Biographie u. s. w. von J. J. Winckelmann (Hamburg 1820 und 1821, 4°.). – [Christian Gottlob Heyne|Heyne (Christian Gottlob)]]. Lobschrift auf Winckelmann (Cassel 1778, auch Leipzig 1788, 8°.); diese Schrift wurde von der Akademie der Alterthümer zu Cassel gekrönt und von Charles Brack ins Französische übersetzt (Göttingen 1783, 8°.). – Jahn (Otto). J. J. Winkelmann, eine Rede (Greifswalde 1849, 8°.). – Justi (Karl). Winckelmann. Sein Leben, seine Werke und seine Zeitgenossen. 2 Bände (Leipzig 1866, gr. 8°.) [das weitaus beste und erschöpfende Werk, das über den großen Alterthumsforscher vorhanden ist. Mit deutscher Gründlichkeit und Gediegenheit in Forschung verbindet es französische Eleganz und Grazie in Behandlung des dankbaren Stoffes]. – Krach (A.). Erinnerungen an Winckelmann. Abhandlung. Zur 100jährigen Feier von Winckelmann’s Aufnahme ins kölnische Gymnasium am 18. März 1735 (Berlin 1833); – Morgenstern (Karl v.). J. Winckelmann. Rede (Leipzig 1805, 8°.). – Petersen (Christian). Erinnerung an J. J. Winckelmann’s Einfluß auf Literatur, Wissenschaft und Kunst (Hamburg 1842, 8°.). – Rönnefahrt (J. G.). Johann Joachim Winckelmann (Stendal 1859) [anläßlich der Enthüllung des Winckelmann-Denkmals in Stendal herausgegeben]. – Rosetti (Domen. v. Dr.). Joh. Winckelmann’s letzte Lebenswoche. Ein Beitrag zu dessen Biographie. Aus den gerichtlichen Originalacten des Criminalprocesses seines Mörders Arcangeli herausgegeben... mit einer Vorrede vom Hofrath Böttiger und einem Facsimile Winckelmann’s (Dresden 1818, Walther, 8°.) [ebenso wegen der authentischen Nachrichten über Winckelmann’s Aufenthalt in Triest, seine Ermordung, als auch wegen der mannigfachen in den Noten angeführten Quellen wichtig. Ist in dem folgenden Werke: „Il sepulcro di Winckelmann etc.“ ins Italienische übersetzt]. – Derselbe. Il sepulcro di Winckelmann in Trieste. Motto: „Honorificentius jacent viri illustres in sepulcro incognito, quam in minus egregio, si noscatur. Boccaccii Epist. ad Franc, de Brossano“ (Venetiis dalla Tipografia di Alvisopoli 1823. A spese dell’autore. Vorrede, IV und 343 S.. 8 lith. Tafeln und 1 Facsimile, 4°.). [Diese inhaltreiche Schrift enthält auch die Uebersetzung [269] von Rosetti’s „Winckelmann’s letzte Lebenswoche“. In der „Monografia di Winckelmann (S. 149–284) ist eine ausführliche Darstellung aller artistischen und literarischen Werke von und über Winckelmann enthalten. Die Abbildungen stellen dar: 1. Winckelmann’s Bildniß nach Maron; 2. seine Büste nach Döll mit der Inschrift, die sich jetzt in der Protomothek des Capitols darunter befindet; 3. Die Vignette zu Ehren Winckelmann’s von der Wiener Ausgabe seiner Geschichte der Kunst; 4. Abbildung der von Reiffenstein seinem Andenken gewidmeten Glaspaste; 5. Copien der von d’Hancarville und Oeser zu seinem Andenken entworfenen[WS 2] Zeichnungen und 6. Abbildung des Monumentes. Alles mittelmäßig ausgeführt von Kunicke. – Starck (Bernhard K.). Johann Joachim Winckelmann, sein Bildungsgang und seine bleibende Bedeutung (Berlin 1867, C. G. Lüderitz, gr. 8°.) [diese Schrift bildet auch das 42. Heft der von Rud. Virchow und Fr. v. Holtzendorff herausgegebenen „Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge“]. – Sternberg (A. v.). Künstlerbilder. 3 Bd. (Leipzig 1861, 8°.) [der zweite Band behandelt, zwar novellistisch, doch geschichtlich treu das Leben Winckelmann’s]. – Zeitung für die elegante Welt, 1824, Nr. 24, 25 und 26: „Zwei ungedruckte Briefe Joh. Winckelmanns“ [welche in der Daßdorf’schen Sammlung der Briefe Winckelmann’s fehlen, beide aus Rom Februar und März 1761 und an den Grafen von Bünau gerichtet). – Dryfhout (A.). Lofrede ter urgedochtnis von J. Winckelmann (Middelburg 1797/98). – Winckelmann’s Briefe an seine Freunde, mit literarischen Anmerkungen. Herausgegeben von Daßdorf. 2 Bände (Dresden 1777). – Winckelmann’s Briefe an den Herrn H. (Hofrath Heyne) in den Jahren 1766–1768 (Frankfurt 1776, 8°.). – Winckelmann’s Briefe an seine Freunde in der Schweiz. Herausgegeben von Usteri (Zürich 1778). – Briefe an einen seiner vertrauten Freunde (Muzel und Stosch) in den Jahren 1756 bis 1786 nebst einem Anhang Briefe an verschiedene andere Personen. Herausgegeben von Joh. Ev. Biester. 2 Theile (Berlin 1781, 8°.). – Winckelmann’s Briefe von 1747 bis 1769. Herausgegeben von Fr. Förster. 3 Bände (Berlin 1824–1825). – Winckelmann’s Briefe an einen Freund in Lievland (Herrn von Berg). Mit einem Anhang: Anmerkungen über die Alterthümer in Rom (von Joh. Ev. Gruner) (Coburg 1784, gr. 8°.). – Historisches Taschenbuch. Herausgegeben von Fr. von Raumer (Leipzig, Brockhaus, 12°.). Neue Folge, 7. Jahrg. 1866: Justi: „Ueber die Studien Winckelmann’s in seiner vorrömischen Zeit“. – Meusel (Johann Georg). Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1816, 8°.) Bd. XV, S. 184–193. – Nordische Revue (früher „Russische Revue“). Von W. Wolfsohn. Bd. I (1864) 1. (Juli-) Heft: „Johann Joachim Winckelmann“.
II. Porträts. Casanova del. G. C. Kilian sc. (8°.). – Casanova del. P. Colin sc. (8°.). – A. Maron p. 1768. M. Steinla sc. 1822 (4°.) – A. Maron p. L. Sichling sc. (Fol.). – A. Maron ρ. J. F. Bause sc. 1776 (Fol ). – M. Eßlinger sc. (12°.). – R. Mengs p. C. Senff sc. 1804 (kl. 4°.). – R. Mengs p. M. Blot sc. 1815 (Fol.) – Nach Angelica Kaufmann J. E. Haid sc. 1782 (4°.) Schzkst. – Angelica Kaufmann p. et sc. 1764 (4°.) radirt und höchst selten. Das Original dieses besten Bildnisses Winckelmann’s befand sich im Besitze des Malers Zeller in Zürich und ging 1856 in das Eigenthum des Banquiers Pestalozzi über. Die damals 21jährige Kaufmann hatte das Bild für Rathsherrn Füßli in Zürich gemalt. – Ang. Kaufmann pxt. R. Rahn sc. (gr. Fol.). – Ang. Kaufmann pxt. d’Alton sc. (4°.) selten. – J. Appold sc. (Kunstv. des österr. Lloyd in Triest, 4°.). – A. Rosmaesler sen. sc. (Zwickau, Gebr. Schumann, 4°.). – R. Mengs pxt. Landon dirext. (8°.) Umriß. – Ohne Angabe des Zeichners und Stechers mit der Unterschrift: „Abbé Winckelmann“ (8°.).
III. Denkmäler zum Andenken Winckelmann’s. Denkmal in Triest. Dasselbe kam auf Anregung und unablässige Förderung des Triester Advocaten Dr. Dominik von Rosetti, der oft auch Rossetti geschrieben erscheint, zustande. Es ist aus Marmor in einer Halle an jener Wand der Triester Kathedrale St. Just aufgestellt, längs welcher sich der steile Weg zu ihr hinauf zieht. Zwei Stufen führen zu einem Fußgestelle, auf dem ein Sarkophag sich erhebt; oben stellt eine sitzende fast nackte Figur von sehr schönen [270] Umrissen den geflügelten Genius Winckelmann’s vor; ihr rechter Arm ruht auf seinem erhaben gearbeiteten Bildnisse, das in Form eines Medaillons mit einer Schlange umgeben ist; neben ihr liegt eine umgekehrte Fackel. Die Figur des Genius zeigt in ihrer ganzen Haltung tiefe Trauer. Winckelmann’s Verdienste um die Kunst sind unten an der Vorderseite in einem Basrelief, worauf der Sarkophag ruht, angedeutet. Man sieht da Winckelmann, mit einer emporgehaltenen Fackel in der Linken, über griechische, römische und ägyptische Trümmer schreiten. Es folgen ihm die Malerei, Bildhauerei und Baukunst mit ihren Emblemen; hinter diesen Figuren sieht man deren noch drei weibliche: die Geschichte, Kritik und Philosophie vorstellend. Die Archäologie selbst zeichnet in sitzender Stellung ihre Wahrnehmungen auf eine Tafel. Die Langseite des Sarkophags enthält folgende von Dr. Labus [Bd. XIII, S. 453] verfaßte Inschrift: „Joanni Winckelmanno | Domo Stendelia | Praef. Monumentis. Romae curandis. egerundis | maxima. Politioris. Humanitatis. Laude. florenti | qui. adita. Vindobona. Sedem. Honoris. sui. Repetens. Nefaria. manu. hac. in. urbe, peremptus est. | VI eid. Jun. An. MDCCLXVIII. Agens. a L. m V. d. XXX Tergestini. Atrox. Facinus. aversati | aere conlato fac. cur. | an MDCCCXXIV | explanatori. praestantissimo. antiquitatis.“ Das Denkmal, ein Werk guten Geschmackes und in bewundernswerther Feinheit ausgeführt, ist die Schöpfung des venetianischen Bildhauers Antonio Bosa. An den Wänden der Halle befinden sich kleine Nischen, in welche die Namen derer, welche Beiträge geliefert haben, eingegraben sind. Abbildungen des Denkmals enthalten die Leipziger „Illustrirte Zeitung“ von J. J. Weber, im XVI. Bande auf S. 401; die „Illustrirte Welt“ (Stuttgart bei Hallberger) 1859, S. 108 und die „Illustrirte Chronik der Zeit“ (Stuttgart bei Schönlein) 1878, S. 164, sämmtlich im Holzschnitt. Als Quellen zur Geschichte des Denkmals sind zu verzeichnen das Stuttgarter „Kunstblatt“ 1820, S. 343; 1825, Nr. 15; „Hesperus“ Bd. XVIII, Nr. 22; Bd. XIX, Nr. 18 und 1823, Nr. 8, 78, 310; Theodor Hell’s „Abendzeitung“ 1819, Nr. 196 und 1820, Nr. 289 und 290. – 2. Denkmal in Stendal. Auch Stendal, die alte Hauptstadt in der Altmark, wollte als Geburtsort Winckelmann’s den großen Kunstforscher ehren, und so trat Anfang der Fünfziger-Jahre ein Comité zusammen, das die Errichtung eines Denkmals beschloß und die Ausführung desselben dem Bildhauer Ludwig Wichmann übertrug. Am 18. October 1859 fand die feierliche Enthüllung statt. Das Denkmal zeigt auf einem auf drei Stufen ruhenden hohen Sockel den berühmten Kunstforscher in aufrechter, etwas seitwärts geneigter Stellung. Die Hand des rechten auf einen antiken Kopf gestützten Armes ist im Begriffe, Etwas in eine gerade vor die Brust gehaltene Tafel zu zeichnen. Eine Abbildung des Denkmals brachte die Leipziger „Illustrirte Zeitung“ im XVI. Bande 7. Juni 1851, Nr. 414, S. 401. – 3. Denkmal in Dresden. Zur Erinnerung an Winckelmann’s mehrjährigen Aufenthalt in Dresden, in dessen Kunstsammlungen er den eigentlichen Grund legte zu seinen so erfolgreichen Kunststudien, wurde auch in dieser Stadt die Aufstellung eines Denkmals beschlossen und das Treppenhaus der königlichen öffentlichen Bibliothek als der Ort erwählt, wo das Denkmal seine Stätte finden sollte. Dasselbe besteht aus einem von Broßmann modellirten in Bronze gegossenen Reliefporträt, welches auf eine Platte sächsischen Serpentinsteins aufgesetzt ist, wozu Architect Stecher den architectonischen Schmuck entworfen hat. Bei der Enthüllung hielt Professor Dr. Hettner die Festrede.
IV.[WS 3] Winckelmann-Museum. Ein solches hat der bekannte Archäolog Peter Kandler [Bd. X, S. 427], Advocat in Triest, im Jahre 1842 angeregt. Die Bezeichnung Winckelmann-Museum ist nicht als eine Sammlung von Objecten aufzufassen, die zu Winckelmann in irgend einer Beziehung stehen, wie etwa das Thorwaldsen-Museum die Arbeiten Thorwaldsen’s sammelt und aufbewahrt, sondern um eine dauernde Huldigung dem großen Forscher in der Stadt darzubringen, wo er als Opfer gemeiner Raublust sein frühes Ende fand, erhielt das Municipalmuseum, welches auf Anregung und Betreiben Dr. Kandler’s zu Stande kam, den Namen Winkelmann-Museum. Auf Anregung Dr. Kandler’s trat ein Verein zusammen, welcher die Mittel zur Bildung des Museums aufbrachte, das am 8. Juni 1843, an demselben Tage, an welchem vor [271] 75 Jahren Winckelmann als Opfer des Meuchelmörders Arcangeli fiel, eröffnet wurde.
V. Winckelmann-Feier. Von Rom – wenn ich nicht irre, von dem berühmten Archäologen Dr. Emil Braun – ging der Gedanke aus, am 9. December jedes Jahres, als dem Geburtstage Winckelmann’s, im archäologischen Institute zu Rom eine Winckelmann-Feier zu begehen, anläßlich deren verschiedene an die Bestrebungen des berühmten Archäologen anknüpfende auf Kunst und Kenntniß alter Kunst sich beziehende Vorträge gehalten werden. Diesem löblichen Vorgänge haben sich später verschiedene andere Städte, wie Bonn, Göttingen, Berlin u. s. w. angeschlossen, welche diesen Gedenktag in der Cultur- und Kunstgeschichte der Völker in entsprechender Weise feiern.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: vorübergeher.
  2. Vorlage: entworfenenen.
  3. Vorlage: III.