BLKÖ:Wohlgemuth, Ludwig Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 57 (1889), ab Seite: 238. (Quelle)
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Wohlgemuth, Ludwig Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien 25. Mai 1788, gest. in Pesth 18. April 1851). Er trat im September 1796 zur militärischen Ausbildung in die Wiener-Neustädter Akademie, aus welcher er am 6. November 1805 als Fähnrich zu Colloredo-Infanterie Nr. 36 ausgemustert wurde. Im Regimente rückte er im Februar 1809 zum Lieutenant, im October desselben Jahres zum Oberlieutenant vor. In der Zwischenzeit, 1807, als Inspectionsofficier und Correpetitor der Mathematik in der Neustädter Akademie in Verwendung, erbat er sich bei Ausbruch des Krieges 1809 seine Eintheilung bei der activen Armee und übernahm erst nach Abschluß des ersten Pariser Friedens 1814 definitiv die Professur der Mathematik in genannter Akademie. Seine genialen Vorträge, welche das Denkvermögen und den Scharfsinn der Zöglinge zu entwickeln verstanden, und von denen nur bedauert wurde, daß sie nie im Druck erschienen sind, lenkten die Aufmerksamkeit des damaligen Generaldirectors Erzherzog Johann auf den tüchtigen Officier, der im October 1815 in seiner Anstellung zum Capitänlieutenant bei Lindenau-Infanterie Nr. 29, im November 1829 zum Hauptmann vorrückte und nach Beendung des Curses zur Dienstleistung bei der Truppe einberufen wurde. Bei verschiedenen Anlässen dem Generalstabe zugewiesen; sah er sich im April 1831 zum Major und Landwehr-Bataillonscommandanten bei Hohenlohe-Infanterie Nr. 17 befördert und als solcher auch den größeren Waffenübungen in Italien beigezogen. Im December 1834 kam er als Oberstlieutenant zu Erzherzog Stephan-Infanterie Nr. 58 und am 26. März 1836 als Oberst und Regimentscommandant zu Koudelka-Infanterie Nr. 40, wo ich diesen ebenso ausgezeichneten als humanen Stabsofficier persönlich kennen zu lernen Gelegenheit [239] hatte. Am 6. Jänner 1844 wurde er Generalmajor und erhielt eine Brigade in Mailand. Daselbst bekam er im denkwürdigen Bewegungsjahre 1848 Gelegenheit, alle seine Soldatentugenden, Tapferkeit, Entschlossenheit, Umsicht und Hochherzigkeit zu erproben, denn Wohlgemuth war nicht bloß ein tapferer Soldat; sondern auch ein durch und durch edler Mann, dessen äußere sympathische Erscheinung auf Jeden den wohlthuendsten Eindruck machte. Am 18. März genannten Jahres nahm er das Gouvernementsgebäude mit Sturm und deckte dann den Rückzug der Armee auf der Straße nach Lodi. Am 31. März führte er 7 Bataillone, 3 Escadronen und 3 Batterien der bedrängten Festung Mantua zu Hilfe und brach am 6. April mit 4 Bataillonen Kaiser-Jäger, den ersten Bataillonen der Oguliner und Gradiscaer Grenzer, 2 Escadronen Radetzky-Huszaren und 1 Cavallerie-Batterie auf, um die Vorposten von Goito bis Vallegio zu beziehen. Am 8. rückte ein feindliches etwa 10.000 Mann starkes Corps so rasch gegen Goito vor, daß er kaum Zeit hatte, die Vorposten des Jägerbataillons einzuziehen und die Brücke zu sprengen. Sofort entspann sich ein heftiges Geschütz- und Kleingewehrfeuer, und der Versuch des Feindes, durch eine Furth die Unseren zu umgehen, wurde dreimal abgewiesen. Vier Stunden lang leistete er der weit überlegenen feindlichen Masse energischen Widerstand; erst als Besorgnisse wegen mangelnder Artilleriemunition eintraten und unsere Truppen empfindliche Verluste erlitten hatten, zog er sich nach Massimbona zuruck. Durch diese hartnäckige Haltung hatte aber das 1. Armeecorps Zeit gewonnen, sich zu sammeln, an den Mincio zu rücken und einen feindlichen Uebergang bei Pozzolo zu verhindern. Am 24. April besetzte Wohlgemuth mit seiner Brigade Pastrengo. Am 28. Nachmittag von General Bes mit Uebermacht angegriffen, warf er den Feind zurück, und nur seine numerische Schwäche – 6000 Oesterreicher gegen 20.000 Piemontesen – verhinderte ihn den gewonnenen Vortheil durch eine Verfolgung des Feindes auszunützen. Die Kämpfe der nachfolgenden Tage gegen den weit überlegenen Gegner nöthigten ihn, da er feindlicherseits von einer Umgehung bedroht war, zum Rückzuge, der auch staffelweise in guter Ordnung und ohne Verlust an Mannschaft und Geschütz ausgeführt wurde. Am 29. Mai fand der Angriff auf die verschanzte Linie des Feindes bei Curtatone statt. In der Relation über dieses Gefecht, in welchem die Brigade Wohlgemuth als Reserve den Sturm auf die Schanze mit einer Bravour ohne Gleichen unterstützte, wird Wohlgemuth unter Denjenigen genannt, welche „zu diesem für die österreichischen Waffen so ruhmvollen Erfolge durch ihre umsichtige Leitung und ihr tapferes Verhalten am meisten beigetragen haben“. Neue Lorbern pflückte der General am folgenden Tage bei Goito, bei der Einnahme von Vicenza am 20. Juni und dann bei Somma-Campagna am 22. Juli, wo er als Commandant der Avantgarde des 1. Armeecorps sich dieser festen Stellung des Feindes bemächtigte und dessen Centrum durchbrach. Bei seiner am 16. December 1848 erfolgten Beförderung zum Feldmarschall-Lieutenant wurde er zur Armee in Ungarn eingetheilt, aber er blieb einstweilen noch bei jener in Italien, wo er im Feldzuge 1849 neue Beweise seines Heldenmuthes gab. Am 21. März war er mit einem Theile seiner [240] Brigade auf das rechte Ufer des Mincio übergegangen, als er in der Richtung von Gambolo Kanonendonner vernahm. Nun hatte er den Befehl, mit seiner Brigade dem 1. von Wratislaw commandirten Armeecorps nach Garlasco nachzurücken. Das heftige Geschützfeuer aber ließ ihn vermuthen, daß die Unseren in einen harten Kampf verwickelt seien. Er dirigirte sonach einen Theil seiner Truppe nach dieser Richtung. Eine Miglie von St. Siro stieß er auf unsere Reserveartillerie und den Train, der eben ein Défilé passiren sollte, wo ein Umkehren unmöglich war. Er suchte demnach rasch über diesen Train hinauszukommen. Es war aber auch die höchste Zeit, denn schon stieß er auf den mit einem Streifcommando auf Vigevano entsendeten Oberstlieutenant Schantz, der vor der feindlichen Uebermacht weichen mußte, und nun war auch unser Reservepark der größten Gefahr ausgesetzt. Da machte der General Halt; sammelte die vor St. Siro zersprengte Mannschaft des Streifcommandos, traf mit noch 3 Compagnien die nöthigen Vertheidigungsmaßregeln und rückte dann mit den noch zur Verfügung gebliebenen 13 Compagnien gegen die mit imposanter Macht vordrängenden Piemontesen an. Viermal griffen diese die Unseren an, und ebenso oft wurde der Angriff mit dem Bajonnet abgewiesen. Die Uebermacht des Gegners, welche General Chrzanowski commandirte, war eine so große, daß es des ganzen Heldenmuthes unserer Truppe bedüurfte, um Stand zu halten. Da, im entscheidenden Augenblicke, warf General Wohlgemuth mit dem Reste der ihm zu Gebote stehenden Truppe in einem Bajonnetangriffe den Feind so entschieden zurück, daß dieser sofort gegen Vigevano sich zurückzog. Er würde den errungenen Vortheil zur weiteren Verfolgung des Gegners und zur Erstürmung Vigevanos benützt haben, wenn nicht die eintretende Dunkelheit es geboten hätte, den Kampf zu endigen. Der Sieg der Unseren aber war von entscheidender Folge, denn nicht nur war unser Reservepark, der sonst sicher in die Hände des Feindes gefallen wäre, gerettet, sondern die Piemontesen sahen auch ihre Absicht, sich zwischen dem Ticino und unserer Armee festzusetzen, was für den Ausgang des Feldzuges von bedenklichen Folgen gewesen wäre, dadurch vereitelt. Als dann der Sieg von Novara am 23. März folgte, wurde General Wohlgemuth vom Feldmarschall Radetzky mit der Siegesnachricht nach Wien entsendet, und nun übernahm er sein Commando in Ungarn. Am 11. April 1849 kam er in Neutra an. Mit dem ihm zugewiesenen selbständigen aus drei Brigaden bestehenden Corps fiel ihm die Aufgabe zu, die Grenzlinie zu sichern, was bei der Uebermacht des Gegners im insurgirten Länder unmöglich war und durch den Tag bei Nagy-Sárló, 10. April, auch seine Bestätigung erhielt. Doch hatte er sich ungefährdet nach Neutra zurückgezogen und die Waag behauptet, wo er die Ruhmestage in der Lombardie erneuern sollte. In der zweiten Periode des ungarischen Feldzuges erhielt er das Commando des 4. Armeecorps und eröffnete mit dem siegreichen Treffen bei Pered am 21. Juni die Initiative der nun folgenden glänzenden Tage dieses unheilvollen Krieges. Denn nun kamen die Einnahme von Raab am 28. Juni und die beiden Schlachten bei Komorn am 2. und 11. Juli, mit welchen er sein kriegerisches Wirken beschloß. Für die Tage von Goito und Pastrengo wurde ihm im Capitel des Jahres 1848, nachdem er bereits früher mit dem Commandeurkreuze [241] des Leopoldordens ausgezeichnet worden war, das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens verliehen, worauf am 3. December 1848 seine Erhebung in den Freiherrenstand erfolgte. Nach Beendigung des ungarischen Feldzuges erhielt er im Capitel vom Jahre 1850 für den Sieg bei Vigevano das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens. Auch hatte ihn der Kaiser am 14. Juli 1849 zum Inhaber des 14. Infanterie-Regimentes, vormals Hrabowsky, und früher schon, am 11. April 1849, zum Civil- und Generalgouverneur von Siebenbürgen ernannt. Dies war ein hohes Zeichen kaiserlicher Huld, und Wohlgemuth war der rechte Mann, in das aus vielen Wunden blutende, durch Parteiungen zerrissene, von den Wehen des Krieges hart mitgenommene Land den Segen der Ordnung zu bringen. Und er brachte ihn. Seiner Energie und Kraft, verbunden mit Leutseligkeit und Unparteilichkeit, sämmtlich Eigenschaften, die diesen Vertrauensmann des Monarchen adelten, gelang es, die aufgewühlten Leidenschaften der sich feindselig gegenüber stehenden Nationalitäten zu dämpfen, ihnen Vertrauen einzuflößen, den Weg der neuen Staatseinrichtungen zu ebnen und das Gedeihen derselben festzustellen. Die Bewohner des Landes erkannten es auch an, und als er, um einem höheren Rufe nach Wien zu folgen, Siebenbürgens Hauptstadt Hermannstadt verließ, 24. Februar 1851, verliehen ihm die dankbaren Bürger das Ehrenbürgerrecht. Der General kränkelte schon in Siebenbürgen in letzter Zeit sehr bedenklich, als er in Pesth ankam; steigerte sich das Uebel bald so, daß es einen tödtlichen Ausgang nahm. Der Freiherr war erst 63 Jahre alt. Am Ostermontag (21. April) wurden ihm noch die letzten kriegerischen Ehren erwiesen. Von Pesth ward die Leiche nach Hietzing überführt, nachdem am 23. April in Wien die eigentliche Leichenfeier stattgefunden hatte. In einem dem wackeren Krieger gewidmeten Nachruf heißt es treffend: „Feldmarschall-Lieutenant von Wohlgemuth, der unter den schwierigsten Verhältnissen und im dichtesten Kampfgewühle dem Charakter seines Namens „wohlgemuth“ entsprach, gehört in jeder Beziehung zu den intelligentesten und ausgezeichnetsten Führern der österreichischen Armee; jedem höheren Befehle unbedingt Folge leistend, forderte er ein Gleiches von seinen Untergebenen und war in dienstlichen Verhältnissen ebenso streng und gerecht, als er in außerdienstlicher Beziehung durch seine Liebenswürdigkeit den Vorgesetzten ganz vergessen machte.“ Bedeus von Scharberg versucht in seinen Aufzeichnungen eine Charakteristik des Generals zu entwerfen. Dieselbe ist, ohne ein Uebelwollen von Seite Bedeus’ anzunehmen, sehr befangen und unrichtig. Es ist die Anschauung eines omnipotenten Beamten, der es nicht versteht, wenn ein Soldat in dessen Angelegenheiten eingreift, die aber nach solchen Greueln, wie sie in Siebenbürgen stattgefunden, ganz anders zu handhaben sind, als in Zeiten eines ungestörten Friedens, in denen diese Herren nach ihrer Schablone zu regieren pflegen. General Wohlgemuth war mit einer geborenen Freiin von Strada verheiratet.

Friedenfels (Eugen v.). Joseph Bedeus von Scharberg. Beiträge zur Zeitgeschichte Siebenbürgens im neunzehnten Jahrhundert (Wien 1877, Braumüller, gr. 8°.) Bd. II, S. 121 [Herr Friedenfels schreibt von einer „eisernen Zuchtruthe des Wohlgemuth’schen Regimentes. die das Land in Ordnung und Parition, aber auch im stummen Ingrimm erhielt“. [242] Als wenn man ein von allen Greueln des Bürgerkrieges zerrüttetes Land, in welchem Alles von oberst zu unterst gekehrt war, mit Glacéhandschuhen anfassen konnte! Wie hatte Herr von Friedenfels geschrieben, wenn Haynau mit der Pacification betraut worden wäre?) S. 128, 138, 141, 143, 159, 167, 187 bis 190, 193, 195, 287, 334, 361, 366. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1856, Staatsdruckerei, kl. 4°.) Bd. II, S. 1436–1441. – Der Kamerad (öster. Soldatenblatt, 4°.) 1862, S. 195. – Majláth (Johann Graf). Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg, Friedrich Perthes, gr. 8°.) Bd. V, S. 442. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, kl. 8°.) XXIX. Jahrgang (1851) I. Theil, S. 310–319. – Notice historique sur le baro de Wohlgemuth par St. Maurice Cabany (1851).Oesterreichischer Soldatenfreund. (Wien, 4°.) 1851, Nr. 50. – Oesterreichisches Bürgerblatt (Linz, 4°.) 1851, Nr. 68. – Schlesinger (Max). Aus Ungarn (Berlin 1850, Duncker, gr. 8°.) S. 365 und 366. – (Steger’s) Erinnerungsblätter (Meißen und Leipzig, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 753. – Strack (Joseph). Die Generale der österreichischen Armee. Nach k. k. Feldacten und anderen gedruckten Quellen (Wien 1850, Jos. Keck und Sohn, br. 12°.) S. 510-526. – Svoboda (Johann). Die Zöglinge der Wiener-Neustädter Militärakademie (Wien, schm. 4°.) Sp. 295–299.
Porträts. 1) Gez. und lith. von Kriehuber (Wien, Paterno. Fol.). – 2) Nach Kriehuber lithogr. von Dauthage (ebd., 4°.). – 3) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in der Leipziger „Illustrirten Zeitung“ XIII. Bd., 11. August 1849, Nr. 319 [auch nicht eine Spur von Aehnlichkeit]. – 4) Auf einem Blatte gemeinschaftlich mit Königin Luise von Preußen, König Friedrich Wilhelm Ill. von Preußen. Fürst Windisch-Grätz, August von Kotzebue und A. F. Castelli (Stahlstich von Karl Mayer’s Kunstanstalt in Nürnberg. Verlag von C. A. Hartleben in Pesth, gr. 12°.).