Bei Gläserhall und muntern Weisen

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Bei Gläserhall und muntern Weisen
Untertitel:
aus: Eichenlaub und Fichtenreis
Herausgeber: Wilhelm Achilles
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1901
Verlag: Verlag von Wilhelm Achilles
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Erscheinungsort: Leipzig-Eutritzsch
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 20–21
Kurzbeschreibung:
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15. (1885.)

     Mel.: Sind wir vereint zu guter Stunde etc.

     1. Bei Gläserhall und muntren Weisen und rascher Rede frisch und frei, sind wir versammelt, dich zu preisen, vieledle Deutsche Turnerei, zu rühmen dich in allen Stücken, für dich, du Herrliche, zu glühn, und dir aufs blonde Haupt zu drücken den Kranz aus schlichtem Eichengrün.

     2. Wir liebten dich in jungen Tagen, als Alles Licht und Freude war, und werden treu dein Banner tragen mit ernstem Blick und – grauem Haar. Tritt uns das schöne Bild der Treue in Vielen vor die Augen doch, und daß ihr Beispiel sich erneue – wir sind noch jung – wir hoffen’s noch!

     3. Wenn wir sie nicht im Kreise fänden, in dem sie eichenhaft geragt – wir mißten sie! In ihren Händen liegt mehr, als sich die Jugend sagt; und zögen sie die Stirn in Falten und blickten sie voll Unmuts drein – laßt euch trotz alledem die Alten von Herzen lieb und teuer sein!

     4. Sie murren wohl, jedoch im Herzen, das sich in Sturm und Not bewährt, da flammt die Glut, die unter Schmerzen sie treu und unverzagt genährt. Sie täuscht kein Schein und jeder Lüge wischt ihre Hand die Schminke fort, und Liebe nur ist ihre Rüge und wohlgemeint ihr Tadelwort.

     5. Was aber kann es Schönres geben, als einen Mann mit greisem Haupt, der zähe hängt am vollen Leben, der mit der Jugend hofft und glaubt, dem noch in Freuden und in Leiden das Auge froh und zornig blitzt? Den Jüngling höchstens, der bescheiden im ernsten Männerrate sitzt.

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     6. Sie haben ihn in trüben Stunden nach Männerart an seinem Ort besonnen und gefaßt gefunden und wägen drum sein zögernd Wort. Es geht im Rate nicht verloren sein überzeugtes Ja und Nein – der wilde Most hat ausgegohren und gab bei Zeiten einen Wein!

     7. Das ist dein Ruhm und deine Ehre, dein Schild für alle Mäkelei, du schöne, königliche, hehre, vieledle Deutsche Turnerei: Wo deine ernsten Zauber walten, da reift zum Mann der Jüngling schnell, da bleibt bei den geprüften Alten die Seele frisch, das Auge hell.

     8. Und solchen Geist in uns zu schüren, der Straucheln nicht, noch Schwanken kennt, dir eine Heerschar zuzuführen, die jauchzend deinen Namen nennt, den Blick alltäglich zu erheben zu deiner Augen Wunderschein, - das soll auch fürder unser Streben und unsres Lebens Krone sein!