Beim Goldmacher in Arabien

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Textdaten
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Autor: Heinrich von Maltzan
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Titel: Beim Goldmacher in Arabien
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 757–759
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[757]
Beim Goldmacher in Arabien.


Von Heinrich Freiherrn von Maltzan.[WS 1]


Die edle Kunst der Goldmacherei, der sich in Europa im Mittelalter so viele Gelehrte oder Pseudogelehrte ergaben, die aber in unserm aufgeklärten Jahrhundert bei uns dergestalt in Mißcredit gekommen ist, daß heutzutage wohl schwerlich Jemand eingestehen wird, sich mit ihr zu beschäftigen, erfreut sich bei den Arabern noch immer einer gewissen Blüthe. Adepten, das heißt Männer, welche ein unedles Metall in Gold oder Silber zu verwandeln vorgeben, giebt es noch jetzt in Arabien. Sie sind nicht weniger geschickt im Betrügen ihrer Mitmenschen, als es manche europäische Goldköche im Mittelalter waren. Was ihnen dabei sehr zu statten kommt, ist der Aberglaube der Araber. Der Glaube an die Macht der Geister, Schätze aus Nichts hervorzuzaubern, macht es den Adepten meist ganz entbehrlich, sich mit großen chemischen Kenntnissen zu schmücken. Es ist gar nicht nöthig, den Stein der Weisen in der Retorte zu suchen. Man macht Gold auch ohne irgend ein chemisches Hülfsmittel, lediglich vermittelst einiger Zauberformeln, die man dem „Schlüssel Salomonis“ oder einem sonstigen Zauberbuche entlehnt. Als materielles Substrat genügen dabei einige Papierschnitzel, alte Fetzen von Kleidern und dergleichen werthlose Gegenstände, die man durch Magie in Gold verwandelt.

Einen Adepten, welcher dieser letzteren Art des Goldmachens huldigte, lernte ich eines Tages in Dschedda kennen. Er hieß Jussuf el Hakemi und führte in einem abgelegenen Winkel der Stadt ein mysteriöses Dasein. Fast nie ging er aus, und wenn dies geschah, so war er so verhüllt und vermummt, daß man sein Gesicht kaum erkennen konnte. Dennoch kannte ihn die ganze Stadt und erstarrte in Ehrfurcht vor dem Wundermann. Er war nicht leicht zugänglich, selbst für seine Landsleute; für einen Europäer war er vollends unnahbar. Was mich mit ihm in Berührung brachte, war ein Zufall. Jussuf besaß nämlich ein europäisches Zauberbuch, dem zwar eine arabische Uebersetzung in Handschrift beigefügt war, aber nicht Alles war übersetzt. Einige der wichtigsten Zauberformeln hatte der Uebersetzer nicht verstehen können. Diesem Mangel sollte ich abhelfen. Man näherte sich mir auf Umwegen und erforschte zuerst, ob ich auch Latein verstünde. Als man sich hierüber Gewißheit verschafft hatte, lud man mich eines Abends zu einer Versammlung im Stadttheil des Adepten ein. Um keinen Verdacht zu erregen, mußte ich mich arabisch kleiden. Zwei Männer holten mich ab und führten mich durch stockfinstere Straßen in ein abgelegenes Haus, wo ich eine kleine, aber gewählte Versammlung fand. Sie bestand aus einem halben Dutzend alter Weiber und ebenso vielen Männern von höchst ehrwürdigem Aussehen. Erstere waren, wie ich hörte, eine reiche alte Mekkanerin nebst ihrem weiblichen Gefolge. Sie war die Mäcenatin des Adepten und hatte, wie ich erfuhr, diesem nicht unbedeutende Summen vorgeschossen, um damit Zauberbücher und andere Requisiten zum Werke der Magie anzuschaffen. Man hatte sie lange unter diesem oder jenem Vorwand hingehalten, aber jetzt war ihr die Geduld ausgegangen. Sie bestand darauf, endlich einmal eine Probe der Kunst des Magiers zu sehen, ehe sie sich zu weiteren Vorschüssen herbeiließ. Diese Probe sollte nun heute Abend versucht werden, und deshalb hatte man mich geholt.

Die Männer waren die Freunde und Jünger des Adepten. Er selbst kam erst später. Jussuf war ein echter Araber,[WS 2] mit einer kräftigen semitischen Nase, einem schönen ovalen Gesicht, von langem, aber nicht sehr dichtem weißen Barte beschattet. Er sah im Ganzen ehrwürdig aus. Seine kleinen schwarzen Augen funkelten wie Kohlen und hatten einen sehr verschmitzten Ausdruck. Nach den üblichen Begrüßungen, die immer bei Arabern entsetzlich weitschweifig sind, und einem ebenso langen Einleitungsgespräch, kam er zur Sache. Er nahm mich auf die Seite und zeigte mir beim Scheine eines einzigen Oellämpchens den fraglichen Gegenstand, das heißt das Zauberbuch. Es war ein lateinisches Manuscript, auf dessen breitem Rande eine arabische Uebersetzung in ziemlich schlechter Schrift beigefügt war. Der Titel war (deutsch wiedergegeben) „Geheimniß des Schlüssels des hochweisen Salomon, Sohnes des David, Unterweisung in der Kunst ‚Rabidenadaar‘. Im Namen von Adonai, Tetragrammaton, Abiruch und Exbranor“.

Als ich das Buch durchblätterte und hier und da eine Stelle las, war ich überrascht, ja verblüfft über den Unsinn, den es enthielt. Den Anfang machte die Lehre von den Geistern. Diese besitzen eine vollständige Hierarchie. Es giebt unter ihnen Könige, Fürsten und Häuptlinge. Baalennur, unser Lucifer, beherrscht die niedrigen Geister, welche Asien und Europa bewohnen. Beelzebub beherrscht die Geister Afrikas, Elestor die der übrigen Welt. Diese Drei sind die Agenten aller energischen Handlungen. Die Menschen stehen jedoch nicht direct mit ihnen in Verbindung, sondern mit ihren Untergeistern, Klaunsch, dem Geist der Schätze und des Goldes, Irimoloch, dem Liebesteufel, Beschard, dem Wind- und Wetterbeherrscher, Raschin, dem Herrschaftsteufel etc. Da wir es hier natürlich nur mit dem Geldteufel zu thun hatten, so wurde das diesem gewidmete Capitel aufgeschlagen.

Hier befand sich ein vollständiges Recept, wie man aus Papierschnitzeln Geld machen könne. Ich will es dem Leser nicht vorenthalten. Wer weiß, ob nicht Jemand sich versucht fühlt, die Probe zu machen? Es heißt: „Willst du eine gewisse Anzahl von Geldstücken haben, seien es kupferne, silberne oder goldene, so schneide doppelt so viele kreisförmige Pergamentstücke und klebe immer zwei aneinander, eines für den Avers, eines für den Revers der Münze. Bezeichne jede Seite mit der Ziffer des Münzwerthes, welchen du zu erlangen wünschest. Mache sodann [758] den Beschwörungskreis und zeichne ebenso viele Figuren des dem Geiste Klaunsch gewidmeten Symbols, als du Münzen willst. Bringe darauf alle diese Münzen in ein Rohr und singe dann die Beschwörungsformel.“

Bei diesem Passus stockte die arabische Uebersetzung. Die Beschwörungsformel stand nur im lateinischen Manuscript. Sie war jedoch nicht lateinisch, obgleich mit lateinischen Buchstaben geschrieben, sondern ein heilloses Wischiwaschi, das wahrscheinlich ursprünglich ein verdorbenes Hebräisch sein sollte. Von einer Uebersetzung konnte deshalb meinerseits natürlich nicht die Rede sein. Es blieb mir nichts übrig, als die starre Formel mit arabischen Buchstaben zu schreiben und sie dem Magier vorzusprechen, bis er sie richtig wiederholen konnte. Solche Formeln brauchen ja nicht von den Menschen verstanden zu werden; wenn sie nur die Geister hören, das genügt. Jussuf war ganz meiner Ansicht. Er meinte, das sei eben die Geistersprache und Klaunsch werde ihn wohl verstehen.

Nun kam aber das Schwierigste, die Instruction fuhr fort: „Wenn du die Beschwörungsformel mehrere Male abgesungen hast, so lege dich auf ein Ruhebett, bleibe dort eine Stunde liegen, ohne jedoch im Geringsten an die Münzen zu denken. Gelingt dir dies, so findest du beim Aufstehen ebensoviel Münzen, als du Pergamentkreise geschnitten hast.“ Die Bedingung, nicht an die Münzen zu denken, schien mir sehr schlau erfunden. Sie konnte im Fall des Mißlingens natürlich dem Magier die beste Entschuldigung liefern. So, dachte ich, würde zum Beispiel die alte Frau, welche auf Verwandlung ihrer Papierschnitzel in Geld erpicht war, es schwerlich über sich bringen können, eine Stunde lang alle Gedanken davon zu unterdrücken, und wenn sie es selbst vermochte, wer konnte den Magier Lügen strafen, wenn er die Ausrede gebraucht, sie müsse denn doch an das Geld gedacht haben? Ich machte mich also bereits darauf gefaßt, einem Schwindel beizuwohnen, aus dem der Magier vermittelst dieser Hinterthür unbescholten hervorgehen würde. Diesmal war solches jedoch nicht der Fall.

Die Probe fand also statt. Die Papierschnitzel waren bereits geschnitten und Alles vorbereitet bis zum Absingen der Beschwörungsformel. Beim Ziehen des Zauberkreises entwickelte der Adept den ganzen Apparat gravitätischer Pantomimen, die das Herz des Beschauers mit abergläubischem Schreck füllen. Er sah dabei so übermenschlich erhaben aus, daß man nicht umhin konnte, die gelungene Darstellung zu bewundern. Weniger gut ging das Recitiren der Zauberformel. Dieser Hocuspocus war doch dem Araber zu fremdartig. Nahmen sich die Worte auf dem Papier schon wie ein heilloser Galimathias aus, so bekamen sie durch die Aussprache vollends etwas Tollhäuslerisches. Endlich war auch dies vollendet, und nun wurde der alten Mekkanerin bedeutet, sie müsse sich im Nebenzimmer eine Stunde lang auf’s Bett legen und dabei sich wohl hüten, an die Münzen zu denken. Die Alte hörte diese Vorschrift mit jenem Stoicismus an, dessen blindgläubige Adeptenjünger fähig sind. Sie glaubte steif und fest an die Macht des Wundermannes. Ob es ihr gelang, wirklich alle Gedanken an den innigsten Wunsch ihres Herzens zu verscheuchen, war natürlich nicht zu sagen. Aber sie behauptete es wenigstens, als sie nach einer Stunde aus ihrem Versteck wieder auftauchte. Unser erster Schritt war natürlich zu den Papierschnitzeln. Welche Ueberraschung! Als das Tuch aufgehoben wurde, welches vorher die Pergamentskreischen bedeckt hatte, sahen wir zu unserem Erstaunen statt derselben wirkliche Münzen. Sie waren freilich nur von Kupfer und ich erfuhr, daß Jussuf der Alten, schon ehe ich gekommen war, gesagt habe, sie müsse zuerst mit diesem unedeln Metall anfangen und dann zum Silber und später erst zum Golde vorschreiten, d. h. beides immer nach gehörigen Intervallen von einem oder zwei Monaten, denn die Geister liebten es, die Geduld der Menschen zu prüfen. Davon stand freilich nichts im Zauberbuche. Aber es war so sehr im Interesse des Adepten und er hatte es seinen Bewunderern so plausibel gemacht, daß beide Theile vollkommen befriedigt schienen. Die Alte würde freilich ganz dasselbe Resultat erlangt haben, hätte sie einen oder zwei von den vielen Thalern, die sie dem Adepten gespendet, an einer Wechselbank in klein Geld umgesetzt. Aber ihr blieb die Hoffnung, bald einmal an Stelle der Pergamentkreischen Goldstücke zu sehen, und so war diesmal der Erfolg des Adepten vollkommen.

Ich sah diesen Adepten nicht wieder, weiß also nicht, wie er sich das zweite und dritte Mal aus der Patsche zog. Daß er aber sein Geschäft sehr fruchtbringend zu machen wußte, geht daraus hervor, daß, wie mir ein Araber aus Dschedda sagte, den ich zufällig später in Aegypten traf, er nun als reicher Mann dastehen soll. Wahrscheinlich hatte die Alte und andere auf ähnliche Art Angeführte den Säckel des Wundermannes gefüllt.

Indessen sind nicht alle Jünger der edlen Goldmacherkunst so glücklich, wie Jussuf, daß sie dadurch reich werden. Auch sind sie nicht alle der Magie in so ausschließlichem Grade ergeben, wie er, sondern die meisten befassen sich mit Alchymie und rufen nur hier und da die Vermittelung des Geistes zum Gelingen des großen Werkes an. Darin gleichen ihm übrigens fast Alle, daß sie ihre Opfer auf die unverschämteste Weise betrügen. So groß ist die Glaubensbedürftigkeit der Araber, daß sie sich nicht an die augenfälligsten Widersprüche im Leben ihrer Lieblingsadepten stoßen. Diese Leute sind nämlich meist bettelarm und leben von Almosen, wenn sie nicht ganz so unverschämt im Schwindeln sind, wie Jussuf. Wenn man sie aber hört, so sind sie vor allen Sterblichen mit Glücksgütern gesegnet. Sie haben schon ganze Säcke voll Gold gezaubert und Städte, Stämme, Fürsten mit Reichthum überhäuft. Einige von ihnen besitzen auch das Lebenselixir, welches aus trinkbarem Golde bestehen soll. Sie selbst jedoch scheinen davon keinen Gebrauch zu machen, denn es sind meist höchst verwitterte Greise, bei denen eine Verjüngung gewiß nicht übel angebracht wäre. Eine ihrer Eigenthümlichkeiten ist auch die, daß sie es nie lange an einem und demselben Orte aushalten können, ganz wie die europäischen Adepten des Mittelalters, die auch von Fürst zu Fürst, von Stadt zu Stadt wanderten, überall sich Geld zum „großen Werk“ geben ließen und dann gewöhnlich im letzten Augenblick, wo man eben das Gelingen erwartete, unsichtbar wurden, um bald an einem andern Orte, aber einem recht entfernten, wieder aufzutauchen.

Einen solchen alchymistischen Landstreicher lernte ich eines Tages in Aden kennen. Er hieß Mohammed el Higazi, wurde aber gewöhnlich nur der „Golddoctor“ genannt. Dieser war sehr leicht zugänglich. Als ich ihn aus Neugierde besuchte, nahm er mich sehr freundlich auf, denn er vermuthete natürlich in mir einen Kunden, und zwar den Erstling unter den Europäern. Bisher hatten sich nämlich, wie er mir klagte, die Engländer in Aden leider stets fern von ihm gehalten.

„Es fehlt ihnen an Glauben,“ meinte er, „und der Glaube ist doch das kostbarste der Güter.“

Solche Leute scheinen immer den Glauben an ihre Kunst für ebenso heilig und ebenso nothwendig zu halten, wie den an die Religion. Ja, bei den Meisten sind Beide gar nicht zu trennen. Der Golddoctor fing damit an, mir seine Retorten zu zeigen. Er besaß deren eine höchst anständige Zahl, einige von den wunderlichsten Formen. Das Wichtigste war jedoch eine kleine Dose, auf die er geheimnißvoll mit dem Bedeuten zeigte, daß sie das „Goldpulver“ in sich berge. Mit diesem Goldpulver brauchte man nur ein unedles Metall zu bestreuen, es dann in der Retorte flüssig zu machen und man hatte es in Gold verwandelt. Ich war natürlich neugierig, eine Probe zu sehen. Dazu wollte sich jedoch der „Golddoctor“ nicht eher verstehen, als bis ich ihm einige Vorschüsse gemacht hatte. Uebrigens waren diese nicht bedeutend, denn der Goldkoch war sehr arm und ein kleines Sümmchen genügte, um ihn glücklich zu machen.

Diese ewige Armuth bei Leuten, die „Gold machen“ können, sollte doch endlich einmal das Mißtrauen ihrer Kunden erregen. Ich war begierig, zu erfahren, welche Entschuldigung unser Goldmann denn dafür anführen könne. Er wußte aber eine ganz plausible: Einmal sei es ihm nur gestattet, Gold zu machen, wenn er vorher die Geister versöhnt habe, und dies könne nur mit Geschenken geschehen. Dazu die Vorschüsse. Dann dürfe er seiner eigenen Sicherheit wegen nicht im Besitz von Reichthümern bleiben; die Araber seien so geldgierig, daß sie ihn, wenn sie ihn im Besitz großer Summen wüßten, gewiß todtschlagen würden. So bleibe ihm nichts übrig, als Gold für Andere zu machen und von dem Macherlohn zu leben. Andere Adepten brauchen die Ausrede: Es sei ihnen nur gestattet, so viel Gold zu machen, als zu ihrem Lebensbedarf nothwendig. So lebt der Adept in steten Tantalusqualen. Er sieht die goldenen Schätze stets vor sich, aber in seine Hände kommen sie niemals.

[759] Als die durch Astrologie ermittelte günstige Stunde für die Probe gekommen war, wurde das „große Werk“ unter Anrufung der Geister begonnen. Der Adept hatte auch vom „Schlüssel Salomonis“ gehört, besaß sogar ein Heft, worin die Namen der Geister und die Zauberformeln standen. Diese Namen und Formeln waren ganz andere, als die oben genannten. Sie schienen mir, so viel ich davon hörte (denn der Adept ließ mich das Buch nicht lesen), rein arabische Erfindungen. Vorher mußte ich jedoch einen fürchterlichen Eid schwören, daß ich ja nichts von diesen Namen und Formeln enthüllen werde. Die Retorte war schon in Bereitschaft, das Feuer ebenfalls. In erstere wurde nun ein Gegenstand geworfen, der mir wie ein Bleikügelchen vorkam. Ich fragte Mohammed, warum er denn eine so winzige Quantität Metall genommen habe, da es den Geistern doch wohl schwerlich darauf ankomme, wie groß die in Gold zu verwandelnde Masse sei. Jedoch einstweilen wurde ich bedeutet, zu schweigen, um das Werk der Geister nicht zu stören. Später sagte mir der Golddoctor, der Anfang müsse stets klein gemacht werden. Ich sei ja noch ein Neuling und könne von den Geistern noch keine größeren Gunstbezeigungen erwarten. Das Resultat war denn auch ein entsprechend winziges. Nach einer halben Stunde schüttelte nämlich der Adept, anscheinend aus der Retorte, wie ich aber vermuthete, einfach aus seinem Aermel ein sehr kleines arabisches Goldstückchen von der Größe eines süddeutschen Silberkreuzers, das etwa zwanzig Groschen werth sein mochte, heraus. Das war das brillante Resultat des „großen Werkes“, zu dem ich mehrere Thaler vorgeschossen hatte! Was mir am merkwürdigsten dabei vorkam, war, daß die kleine Münze ganz geprägt und zwar mit einem bekannten Gepräge, auch bereits erkaltet zum Vorschein kam. Jedoch meine darauf bezügliche Bemerkung wurde mit dem Hinweis auf die Macht der Geister abgelehnt. Diese können ja Wunder thun, also auch ein geprägtes Goldstück aus der Retorte hervorzaubern.

Mein Zweck, der lediglich der gewesen war, mich durch das wunderliche Gebahren des Adepten unterhalten zu lassen, war also erreicht. Von mir bekam Mohammed nichts mehr. Zum Unglück hatte diese Probe aber mehrere Einheimische zu Zeugen gehabt, und diese waren nun steif und fest von der Kunst des Adepten überzeugt. Einer derselben war so thöricht, ihm bedeutende Vorschüsse zu machen, wofür er natürlich das Versprechen einer recht großen Goldmasse erhielt. Da diese jedoch nicht zum Vorschein kam, so war das Endresultat ein schlimmes sowohl für ihn, wie für den Adepten. Er verlor sein Geld und Letzterer mußte sich plötzlich wieder unsichtbar machen, um sein Handwerk in einen noch jungfräulichen Boden zu verpflanzen, denn die Araber von Aden hatten geschworen, ihn todtzuschlagen.

Daß es übrigens unter den Adepten Arabiens auch ehrliche Narren giebt, die weder zum Aberglauben ihre Zuflucht nehmen, noch auch ihren Nimbus durch die Behauptung, bereits den Stein der Weisen zu besitzen, zu vermehren suchen, sondern ganz offen eingestehen, dem großen Geheimniß nur auf natürlichem Wege nachzuforschen, davon liefert uns ein Begegniß, welches der berühmte Reisende Wrede in Hadhramaut hatte, einen Beweis. Der Alchymist, den Wrede in der Stadt Amd fand, war so ehrlich, zu gestehen, daß er es noch nicht dahin habe bringen können, Gold zu erzeugen, glaubte aber an das Gelingen, wenn er erst ein Kraut gefunden habe, welches er Haschisch ed dahab (Goldkraut) nannte. Die Mitwirkung der Geister leugnete er gänzlich.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Friedrich Freiherrn von Maltzan
  2. Vorlage: Arber