Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 (Sozialistengesetz). Vom 8. Dezember 1878

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gesetzestext
korrigiert
Titel: Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Abkürzung:
Art:
Geltungsbereich:
Rechtsmaterie:
Fundstelle: Amtsblatt des K. Staatsministeriums des Innern, Königreich Bayern, Band 1878, Nr. 47, Seite 401–406
Fassung vom:
Ursprungsfassung:
Bekanntmachung: 8. Dezember 1878
Inkrafttreten:
Anmerkungen: Verlinkung mit frei zugänglichen Digitalisaten ist ausdrücklich erwünscht
aus: {{{HERKUNFT}}}
Quelle: Commons
'
Tango style Wikipedia Icon.svg Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia
Bild
[[Bild:{{{BILD}}}|200px]]
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[Index:|Indexseite]]


[401]

Bekanntmachungen
auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

A. Auf Grund der §§ 1 und 6 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wurden nachstehende Vereine verboten:

1) durch die k. württembergische Regierung für den Jagstkreis unterm 16. November 1878 der Gewerkverein der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenossen [402] mit dem Vororte Gmünd,
2) durch das großh. hessische Kreisamt zu Offenbach unterm 19. November 1878 der sozialdemokratische Wahlverein in Klein-Krotzenburg,
3) durch das nämliche Amt unterm 20. November 1878 der sozialdemokratische Arbeiterverein in Obertshausen,
4) durch das nämliche Amt unterm 21. November 1878 der Former-Kranken-Unterstützungsverein in Offenbach.

B. Auf Grund des § 11 des angeführten Reichs-Gesetzes wurden verboten:

I. nicht periodische Druckschriften:[Bearbeiten]

1) durch die k. Regierung, Kammer des Innern, von Mittelfranken unterm 20. November 1878
der im Verlage von C. Grillenberger in Nürnberg erschienene Stahlstich, auf welchem sich die Porträts der 12 Reichstagsabgeordneten aus der Wahl 1877 und unter denselben die Worte befinden: „Friede und Arbeit. Tod der Noth. Krieg dem Müssiggang. Brod und Gerechtigkeit. – Die Reichstagsabgeordneten des arbeitenden Volks Deutschlands. – Legislaturperiode 1877–1880“;
durch das k. preußische Polizei-Präsidium zu Berlin unterm 26. November 1878 die nachstehend unter Ziff. 2 mit 8 aufgeführten Druckschriften:
2) „Neue Stunden der Andacht.“ Psalmen in Reimform, Kriterien und Satire von Joh. Phil. Becker; erschienen in fünf Lieferungsheften. Genf 1875. Verlag der deutschen Verlagshalle zu Genf, Druck der Cooperativ-Buchdruckerei dortselbst,
3) „Neue Gedichte“ von Georg Herwegh. Zürich 1877. Verlag des Verlags-Magazin’s dortselbst,
4) „Historie populaire et parlementaire de la Commune de Paris“ von Arthur Arnould. Brüssel 1878. [403] Verlag der Librairie socialiste de Henri Kistemaeckers in Brüssel, Druck von A. Lefèvre dortselbst,
5) „L’état de la révolution“ von Arthur Arnould. Genf und Brüssel 1877. Verlag der Librairie socialiste du Rabotnik zu Genf und H. Kistemäckers zu Brüssel, Druck der Imprimerie du Rabotnik zu Genf,
6) „Le tocsin“. In russischer Sprache gedruckt mit dem Titel: Rabat, Organ der russischen Revolutionäre. Genf 1878. Verlag und Druck der Typographie des Journals „Rabat“ zu Genf,
7) „Gedichte und Lieder freisinniger und besonders sozialdemokratischem Tendenz.“ Zürich, Mai 1872. Verlag und Druck von Schriftsetzer J. Franz zu Zürich, Hottingen,
8) „Gesammelte Gedichte für das deutsche Volk“. Berlin 1871. Verlag von Otto Kapell zu Berlin, Druck von C. Ihring dortselbst:
9) durch die k. Regierung, Kammer des Innern, von Mittelfranken unterm 25. November 1878
das von der C. Grillenberger’schen Colportage-Buchhandlung in Nürnberg verbreitete „photographische Gruppenbild,“ auf welchem sich sechs weibliche Porträts mit Beifügung ihrer Namen, der Bezeichnung als russische Sozialistinnen und der ihnen zuerkannten Galeeren- und Verbannungsstrafe und in dem Mittelfelde in russischer Sprache die Inschriften finden: „Verurtheilt nach zweijähriger Einzelhaft im Gefängnisse wegen sozialrevolutionärer Propaganda. Glänzender ist eure Dornenkrone als ein Siegeskranz“;
durch die k. preußische Regierung zu Oppeln unterm 28. November 1878 die nachstehend unter Ziff. 10 mit 27. verzeichneten Druckschriften:
10) „Das Kommunistische Manifest.“ Neue Ausgabe mit einem Vorwort der Verfasser (Karl Marx, Friedrich Engels). Leipzig 1872. Verlag der Expedition des „Volksstaat“,
11) „Das A. B. C. des Wissens für die Denkenden“ von Dr. A. Douai. Leipzig 1875. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei, [404]
12) „Die allgemeine deutsche Arbeiter-Versicherungs-Genossenschaft“ von Fritz Mende. Leipzig 1870. Verlag des Lassalle’schen Allgemeinen Arbeitervereins,
13) „Rede Liebknechts über den Antrag auf Beurlaubung der gefangenen sozial-demokratischen Reichstagsabaeordneten“. Nebst einem Anhange, enthaltend Aktenstücke zur Charakteristik des Staatsanwalts Tessendorf etc. Leipzig, Genossenschaftsbuchdruckerei,
14) „Die Entwicklung Frankreichs vom 16. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts“ von A. Bebel. Leipzig 1878, Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei,
15) „Unsere Ziele“ von August Bebel. Leipzig 1872. Verlag der Expedition des „Volksstaat“,
16) Protokoll über die Generalversammlung der Gewerkschaft der Schuhmacher, abgehalten zu Cassel vom 5. bis 8. Juni 1876, Druck der Genossenschaftsbuchdruckerei in Augsburg (E. G.) 1876,
17) „Neue Stunden der Andacht“ von Joh. Ph. Becker. Deutsche Verlagshalle, Pré l’Evêque 35, Genf 1874,
18) „Der große Krach“ von Friedlich Gottlieb Schulze. Zürich 1875. Verlag der Volksbuchhandlung (J. Franz),
19) „Waldverwüstung und Ueberschwemmung“ von Georg Volmar. Druck der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig,
20) „Die Organisation der Massen“ von Karl Hillmann. Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei,
21) „Preußischer Schnaps im Deutschen Reichstag.“ Separatabdruck aus dem „Volksstaat“ 1876, Nr. 23, 24 und 25. Druck der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig,
22) „Der Deklamator“ von Julius Vahlteich. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei. Chemnitz. G. Hübner et Comp., Poststraße 27,
23) „Für und wider die Kommune.“ Disputation zwischen den H. H. Bebel und Sparig. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig, [405]
24) „Soziales aus Rußland“ von Friedrich Engels. Leipzig 1875. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei,
25) „Für die französischen Brüder.“ I. An das Volk der beherrschten Klasse von Felix Pyat. II. Die Arbeiter-Delegationen bei den Weltausstellungen. Leipzig 1876. Druck der Genossenschaftsbuchdruckerei,
26) Anti-Syllabus. Leipzig. Genossenschaftsbuchdruckerei,
27) „Die Quintessenz des Sozialismus“ von Dr. A. Schäffle. Gotha. Friedrich Andreas Perthes. 1878,[1]
28) „Der Kleinbürger und die Sozialdemokratie“ von Johann Most. Augsburg. Verlag der Volksbuchhandlung (J. Endres);[2]
durch die herzogl. Braunschweig-Lüneburgische Polizei-Direktion zu Braunschweig unterm 28. November 1878 die nachstehend unter Ziff. 29 mit 33 aufgeführten, in dem Verlage von W. Bracke in Braunschweig erschienenen Druckschriften:
29) „Zur Geschichte der Kommune von Paris“ von Wilhelm Blos, 2. Auflage, 1876,
30) „Gegen die Prügel-Pädagogen“ von Eduard Sack, 1878,
31) „Der bekehrte Nagelschmied“, Gedicht von Heinrich Roller, 1865,
32) „Anti-Syllabus“, Gedicht von Dr. Hermann Krasser,[3]
33) „Am Webstuhl der Zeit“, sozialpolitischer Roman in 3 Bänden van A. Otto-Walster, 1873;
34) durch die k. Regierung, Kammer des Innern, von Unterfranken und Aschaffenburg unterm 29. November 1878
„Kindergarten und Volksschule als sozialdemokratische Anstalten“ von Adolph Dornai, Leipzig 1876, Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei,
35) durch die k. Regierung, Kammer des Innern, von Schwaben und Neuburg unterm 29. November 1878
„Verbrechen aus Golddurst und Rache, oder Ursache und Wirkung“. Ein Charakter- und Zonen-Bild von E. Ambach. Augsburg 1877; [406]

II. periodische Druckschriften:[Bearbeiten]

1) durch das k. preußische Polizei-Präsidium zu Berlin unterm 13. November 1878,
„Die Zukunft.“ Socialistische Revüe. Erster Jahrgang. Heft 1. vom 1. Oktober 1877. Verlag der Allgemeinen Deutschen Associationsbuchdruckerei (E. G.) zu Berlin,
2) durch die k. sächsische Kreishauptmannschaft zu Zwickau unterm 15. November 1878
die Nummer 18. des „Chemnitzer Beobachter“ unter Erstreckung des Verbots auf das fernere Erscheinen dieser Druckschrift,
3) durch das k. preußische Polizei-Präsidium zu Berlin unterm 17. November 1878
die vom 4. November 1878 datirte Nummer 38 des II. Jahrganges der periodischen Druckschrift „L’avant-garde, Organe Collectiviste et Anarchiste“, herausgegeben in Chaux-de Fonds (canton de Neufchâtel, Suisse
4) durch die nämliche Behörde unterm 26. November 1878
die vom 18. November 1878 datirte Nummer 39 des II. Jahrgangs der unter Ziff. 3. aufgeführten Druckschrift,
5) durch die k. preußische Regierung zu Oppeln unterm 28. November 1878
„Die neue Gesellschaft“. Monatsschrift für Socialwissenschaft, herausgegeben von Dr. F. Wiede. Erster Jahrgang. Neues Heft (Juni 1878). Zürich. Verlag der „Neuen Gesellschaft,“
6) durch den großh. badischen Landeskommissär zu Berlin unterm 24. November 1878
die Nummer 4 der in Mannheim erscheinenden „Mittelrheinischen Familienblätter“ unter Eistreckung des Verbots auf das fernere Erscheinen dieser Druckschrift.

Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

  1. Aufgehoben am 6. Dezember 1878, siehe Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 (Sozialistengesetz). Vom 18. Dezember 1878 unter C.
  2. Siehe Johann Most
  3. Siehe Friedrich Krasser