Bemerkungen über einen Versuch, angestellt von mehren Mitgliedern der vom Niederländischen Institut damit beauftragten Commission, zur Prüfung der Frage, ob die dem Oele zugeschriebene wellenstillende Wirkung begründet sey

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Textdaten
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Autor: Antoine Lipkens
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Titel: Bemerkungen über einen Versuch, angestellt von mehren Mitgliedern der vom Niederländischen Institut damit beauftragten Commission, zur Prüfung der Frage, ob die dem Oele zugeschriebene wellenstillende Wirkung begründet sey
Untertitel:
aus: Annalen der Physik und Chemie, Band LX
Herausgeber: Johann Christian Poggendorff
Auflage:
Entstehungsdatum: 1843
Erscheinungsdatum: 1843
Verlag: Johann Ambrosius Barth
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft: Comptes rendus. Tome 16, p. 684
Quelle: Scans auf Commons, Google
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IX. Bemerkungen über einen Versuch, angestellt von mehren Mitgliedern der vom Niederländischen Institut damit beauftragten Commission, zur Prüfung der Frage, ob die dem Oele zugeschriebene wellenstillende Wirkung begründet sey;
von Hrn. Lipkens.
(Compt. rend. T. XVI p. 684. — Aus einem Briefe an Hrn. Arago.)


Der Compte rendu der Sitzung der Academie vom 13. Febr. d. J. enthält in einer von einem Mitgliede des Niederländischen Instituts mitgetheilten Note die Resultate der Versuche, welche die damit beauftragte Commission über die Eigenschaft des Oels, die vom Winde erzeugten Wellen zu stillen, angestellt hat[1], eine Eigenschaft, welche Hrn. van Beek zu dem Vorschlag veranlaßte, bei der Regierung darauf anzutragen, daß sie untersuchen lasse, ob dieselbe zur Schützung der Deiche und Meeresbauten gegen die von den Wogen verursachten Beschädigungen angewandt werden könne.

Da ich, als Mitglied des Instituts, beauftragt war, gemeinschaftlich mit zwei meiner Collegen einen Bericht über diesen Vorschlag zu machen, so glaube ich, daß es nicht unpassend seyn wird, in dem Augenblick, da eine Commission der (Pariser) Academie der Wissenschaften sich mit derselben Frage beschäftigt, Ihnen einige Betrachtungen über das von mir studirte Phänomen [557] vorzulegen, ein Phänomen, das, meiner Meinung nach, vernünftigerweise nicht in Zweifel gezogen werden kann.

Diese Meinung, die ich auch in meinem Bericht an das Institut ausgesprochen habe, gründet sich nicht nur auf die Behauptungen einer großen Anzahl Gelehrte aller Länder, sondern auch auf directe von mir angestellte Versuche, die mir vollkommen entscheidend zu seyn scheinen.

Ich bedaure, sonach mit meinen gelehrten Collegen, die andere Resultate erhielten, in Widerspruch zu stehen; allein ich kann mich darüber nicht wundern, nachdem ich gesehen, daß ihre Versuche gerade unter solchen Umständen angestellt wurden, daß sie nicht gelingen konnten. In der That sagen sie selbst: »der Wind war nur von mittlerer Stärke und blies aus Südwest,« mithin parallel der Küste. Wie konnte man aber nur erwarten, daß das jenseits der Brandung in’s Meer geschüttete Oel, am Ufer, wo zwei der Herren zur Beobachtung geblieben, die Wellen beruhigen werde? Ueberdieß hatte man es zur Zeit der Versuche mit den Wellen zu thun, die wirklich vom Winde gebildet werden, wie die, welche bei stürmischem Wetter gegen die Deiche anprallen? Gewiß nicht; man hatte nur die undulatorische Bewegung des Meeres bei steigender Fluth zu besänftigen , und sicherlich hat noch Niemand behauptet, daß das Oel diese Eigenschaft besitze. Beim Zurückfahren durch die Brandung gossen die Herren, wie aus Verzweiflung, den Rest ihres Oels in die Wogen; allein ebenfalls ohne Erfolg; auch dieß ist ganz natürlich, denn das Gegentheil würde ein wunderbares Phänomen gewesen seyn. Wer wüsste nicht, daß die Brandung sich bildet, selbst bei vollkommener Windstille, jedesmal so wie die Fluth steigt, und daß sie ihren Ursprung nicht dem Winde verdankt, sondern der Böschung, die gewöhnlich am Boden des Meeres existirt, in einiger Entfernung von der Stelle, auf welcher hernach die Wellen [558] sich aufrollen, die man einige Augenblicke zuvor, nachdem sie auf die Unebenheit des Bodens gestoßen sind, ihre Gestalt verlieren und jenen unregelmäßig bewegten Wasserstreifen bilden sah, welchen man Brandung nennt.

Nach Allem diesen bin ich der Meinung, daß, selbst wenn man glaubte, die Existenz des besagten Phänomens in Zweifel ziehen zu müssen, wenigstens in den Versuchen der Commission des Niederländischen Instituts dazu kein genügender Grund vorhanden ist; sie hat mit solcher Uebereilung experimentirt, daß sie nicht nur den günstigen Augenblick nicht abwartete, sondern gar den Tag festsetzte, an welchem, Wind oder nicht, ein Phänomen untersucht werden sollte, das wesentlich vom Winde erzeugt wird. Hätte man die Höflichkeit gehabt, den Urheber des Vorschlags und der drei ersten Berichte mit zu den Versuchen einzuladen oder wenigstens zu benachrichtigen, daß man dergleichen anstellen wollte, so würden die Sachen anders ausgefallen seyn.


  1. Siehe S. 316 dieses Bandes.