Beschreibung der Gemeinde Speicher
[Buchdeckel vorne] [Text angeordnet auf der Silhouette einer Art Vase]
der Geschichte und Begebenheiten
der alten Rood[UE 1] und Gemeinde
zum Speicher, was Dahin
Bezug und auch Anteil habe
von alten Zeiten hergenommen
[Ξ]
Vorred von aufeinander folgende vier Zustände der Völker und des gantzen menschlichen Geschlächts.
[UE 2]Wann man die Welt Geschichten durchgehet so stellen die Jahrbücher eines Jeden V[UE 3]
Wie Jene des ganzen menschlichen Geschlächts, uns vier aufeinanderfolgende Zustände
Welche die Menschen, wie die Sterne ihre Kreiße durchlaufen.
In dem ersten Stand der unschuld oder Patriarchen Stand, kennten die Mensch
Weder Bürgerliche Verfaßungen, nach Bürgerliche Künste und bequemlichkeiten.
Allein von Gott und der Natur ernährt, wurden sie auch geleitet durch Gott und
die Natur. Jeder Haus Vatter lebte mit seiner Familie, von andern gesöndert in
seiner Hütte, oder Kabane. Er Jagte in den Wäldern, und hütete sein Vieh, se[UE 4]
Haus und seinen Hof vertheidigte er mit eigner Hand.
Der zweite Stand wird die HeldenZeit genant. Nach einem größerm anwa[UE 5]
und vermehrung der Menschen, vereinigten sich die bisher verstreuten Stäme
und familien unter einem Kriegerschen anführer, durch friedliche Geseze. Sie fin[UE 6]
an die Erde zubauen, erlernten die Religion und die Künste, errichteten Ge-
meinden und Städte, sie fanden allbereits geschmack an den annehmlichkeiten des
Bürgerlichen Lebens; da sie aber nach ihrer alten unabhängigkeit gewohnt, so stellten
ihre Sitten ein Gemisch von ordnung und außgelaßenheit, von Sanftmuth und
Wildheit, von Bildung und Rohheit dar.
Der dritte Zustand ist das blühten alter des menschlichen Geschlächts.
Grosse Gesez geber, geben jezt den Völkern Verfaßungen, wodurch die
Bürgerliche Freyheit mit der bürgerlichen ordnung vereiniget wurde, die Welt
Weißen stellten untersuchungen über die Wunder Gottes und die ersten Gründe
der Sittlichkeit an. Geschickte Künstler verschönerten das menschliche Leben
durch Gedichte, Bilder und Gebäude, Große Feldherrn und Staats Leute
Regieren die Staaten durch kluge Verwaltung, oder vertheidigen dieselbe
durch ihre Siegreichen Waffen.
Allein dieser blühende Zustand enthält zu gleicher Zeit die Keime ihres ver-
derbens, wenn er mißbraucht wird. Die Freyen Verfaßungen geben Stof zu -
aufruhr und Anarchie, die Grübeleien der Philosophen führen schwachköpfe zu
Sophismen, die Künste und Feste nähren den Luxus und die Weichlichkeit, und
erkämpften Siege führen unterdrückung und Tyraney herbey.
Der Zustand welcher der Zustand des Verfalls kan genant werden, komt
also unvermerckt heran, und bringt Irreligion, Anarchie, Weichlichkeit, Gleichgültig-
keit, Tiranei, und endlich das gänzliche Verderben unter die Völker und die
Menschheit.
Man könte die vier Zustände des menschlichen Geschlächts seine vier Jahrzeit
oder Menschenzeitalter nennen. *) dann
[UE 7]
[2] 2
I
Einleitung
Aus den helvetischen Geschichten vor Christy geburth.
––––––
Helvetien Leitet seinen Namen von dem griechischen Worte ελφα her
welches Butter bedeutet, dieweil in dem Land viele Milchspeißen gemachet
werden. (ein Butterland).
Die ältesten Geschichtschreiber halten die Helvetier für Verwandte der Galier
die das beydseitige Gestad der Rohne [Rhone] bewohnt haten, und von den Griechen
auß Phocide [Fokida = Phokis] herstammen, welche Marseille erbauet.
Andere aber halten den Ursprung der Helvetier wie der meisten Völker
vor ungewiß zubestimen. Aber das solche alle auß Asien herstammen, dem
merckwürdigsten theil der Erden, der gleichsam die Wiege des menschlichen
Geschlächts war, unsere Geschichte nimt ihren Anfang in Asien, da trifft
man zu erst die Menschen an. Von da auß wurde der ganze Erdboden
[AU 1]bevölckert, von unßern Stamm Eltern Adam und Eva.★)
Nach der Sündfluth aber wurde Noa der allgemeine Stammvatter, von
deme sich die Menschen wieder außgebreitet haben. Hundert Jahr nach dieser
allgemeinen Überschwemung haben seine nachkommen, der Nimrod den Plan
gemacht einen so hohen Thurm zubauen der bis an die Wolcken reiche, zu einem
Zufluchtsort bey überschwemungen, aber dieser angefangene Thurm wurde durch Erd-
beben zerrüttet, und durch Streitigkeit und Verwirung die fortsezung desselben
auf gehalten, und als ein Wink der Vorsehung betrachtet. Von diesem Zeitpunckt
[AU 2]berrechnet man die erste auß Wanderung, und zerstreuung der Menschen über
die Erde, und die dadurch bewürckte VerscHeidenheit der menschlichen Sprachen.
Asien bleibte also jahrhunderte lang das Mutterland des menschlichen
Geschlächts, da wurden auch die ersten Reiche gegründet, dort kiemten
die ersten Künste und Wißenschaften empor, auch Lebten und lehrten
die ersten Stifter der drey wichtigsten Religionen, Moßes, Christus, und
Mahomet, aldort.
Von Javon[UE 8] sollen die Griechen erstlich in Asien, und nachgehends
in Europa herstammen, Asenas Gomers Sohn, wird für den Stammvatter
der Teütschen gehalten.
––––––
★Apostel G. 17.C. 26. v. Er hat gemachet das von einem blut aller menschen
geschlächt auf der ganzen Erde wohnen.
Adam soll 4000 Jahr vor Christy geburth erschaffen worden seyn den 23. Merz.
[3] 3
II
Helvetische Geschichten
Anfänglich haben die ersten Helvetier in Deütschland gewohnt u. stammen daher.
Das alte Helvetien habe drithalb hundert taußend Einwohner gehabt, 12 Städte
und 400 Dorfer, vast die gleiche gröse und Gräntzen die heüt zu Tag die Schweiz
einschliesen, und auch schon durch eine Eydgnoßschaft mit einandern verbunden gewesen.
Helvetien war in 4 Gau eingetheilt, die Einwohner in Stämme und Horden.
Das 1te Gau war das urbiginische, das 2te Ambronische gauw,
das 3te Tuginische, und das 4te Tigurinische Gau oder Haubtstämme
(genant das Thurgau und Zurichgau) und das östliche Helvetien geheißen (und
obige das Westliche Helvetien, war das Argau, Uchtland, Pais de Vaud (bernerbiet),
Waliserland und Solothurn, welche Ao. 413 zum kleinen Burgund gemacht.)
[AU 3]Die Tiguriner waren die mächtigsten, (das Zürich - Thurgauw oder auch
Arbonergau genant,) erstreckten sich bis an Alpstein oder Räthin genant.
Hiemit war auch die alte st. gallische Landschaft und auch das Appenzeller
Land darin begriffen, und vermuthlich auch schon Einwohner gehabt damahlen.
Diese alten Helvetier Lebten ein jeglicher für sich frey unter selbsterwehlten
Obern, die in Frieden Verwalter ihrer Geseze waren, im Krieg aber herschten
ihre obersten befehlshaber, Geseze und Religion standen in der hand der
Druyden (Priester) ihr außspruch war als ausspruch einer Gottheit verehrt.
Im Glauben folgten sie den sagen ihrer Vättern, sie waren Heiden,
abgöttisch, abergläubig, und ganz unwißend. Die bewohner der Alpen
waren hirten und Jäger, und in den Ebenen war das Feld gebaut, Waser
Bier und Milch sey ihr getränck geweßen, und von einfacher Lebens art. Sie
waren abgehärtete Tapfere leut, und fragten niemand nichts darnach.
Wann man sie beleidigte fingen sie leicht Krieg an, oder wenn reiche
Beute zu machen waren. Sie führten viele Kriege mit den Germanen,
bald zog eins bald auch mehrere Völcker der Helvetier und Rhätier ins
Gebieth der Römer, und schlugen sie, und wurden auch von Jhnen geschlagen.
Zu der Zeit da auß östlichen Gegenden 300’000 Streitbare Männer*)
mehr als einer Nation mit ihren Weibern und Kindern, und mit allem
Reichthum hundert überwundener Völker, von der Donau bis an Rhein
wanderten um Gallien zuplünderen, verließen auch die Tiguriner
die gerechten Sitten ihrer VorEltern und Traten zu diesem Wander-
ten Volk, und durchzogen ohne Widerstand ihre Städte, da sie schwär von
Raub an den römischen Grentzen erscheinen, zogen die Römer über die
hochen Alpen, und brachten den Krieg in das Land Helvtien, um den
Feind
*)Cimbern, Teütonen, und Ambronen. Die Helvetier Sprachen das Cältisch)
Helvetien war von klein und grösern Völckern bewohnt gewesen in den Wanderungs Z.
[4] 4
III
Begebenheiten unter den Helvetier.
Feind von Italien zuentfernen, die Tiguriner Eilten schnel in ihr Helvetisches Vatterland
zurück, und Streiteten unter ihrem helden muthigen anführer Diviko einem Jüngling, so Tapfer
am Lehmanischen See das sie vollkommen geseiget, ganz Italien erschrak und das
römische Volk in der äußersten gefahr den preis ihrer 400- Jährigen Seige, sein Reich,
und seine Freyheit zu verlieren waffnete sich mit Gelübden, Weil sie des Friedens
zu sicher genoß, fürchtete es diesen Krieg. Die Cimbern und ihre bundes Freunde die
Tiguriner giengen im Winter über das Gebürg, nach deme sie den Consul Catulus
geschlagen, die Cimbern wurden aber hernach von den Römern ganz geschlagen, und als
Diviko dieses hörte, führte er die Tiguriner wieder in das Vatterland; und sie bleiben
unangegriffen. (Zu dieser Zeit werden die Römer den Wartthurm in Herisau gebauen haben.)
Orgetorix, ein vornehmer mann bey dem Helvetieschen Volk, hate zehen taußend Leibeigene
auß der Cimbrischen Streifferey ererbt, oder im Kriegen selbst erworben: am Rheinstrom
war ein unaufhörlicher Krieg der Teütschen und Helvetier: viele geringe Flohen in seinen
Schutz, die Armen gewan er durch dargelehntes Geld; wider unmäßigen Reichthum
war kein Gesez. Dieser mann suchte die höchste macht und suchte die Helvetier
zu einer großen unternehmung und Krieg zu verleiten; nachdeme er sich des adels
versichert, kam er in die Gemeine der Eydgnosen und machte Jhnen den Vortrag
- Der unüberwindlichen Kriegsmänner, welche so wohl die Legionen des
- römischen Volks, als die Schaaren der Teütschen besiegt, sey nicht würdig
- ihr Leben über dem schweren Bau dieses rauhen Erdreichs zu verzehren
- Die Helvetier bedürfen es nicht , sich hinter Berge zu verschanzen; sie sollen
- und mögen sich in ganz Gallien die schönsten Gegenden zum Vatterland
- wählen; die Gränze werden Sie nach ihrem Willen sezen, und ihr Helden-
- muth werde ihre Vormauer seyn.“ (helvetische Landsgemeind.)
Da beschlosen die vier Gaue der helvetischen Eydgnoßenschaft.„Nach
- dieser Zeit in dem dritten Jahr wollen alle helvetier mit ihren Weibern
- Kindern, u. mit ihren Herden u. Geräthschaften, aufbrechen, und ihrer Vätte
- unfruchtbares enges Land um beßere Länder verlaßen, Jndesen soll Orge-
- torix als Gesandter die Heduer und Sequaner um Paß und Freundschaft bitten.
- Und andere Völker auch einladen an den Eroberungen des helvetischen Volk antheil
- zu nehmen.“ Hierauf gieng die Gemeine Außeinander und rüsteten sich zum abzug.
Jndeßen wurde die obrigkeit berichtet Orgetorix verschwöre sich mit vielen
benachbarten großen, um behauptung tyranischer macht. Also wurder er gefang-
en genommen weil den Gesez geber gefährlich schien solche männer frey zulaßsen, die
Häupter des Landes liesen an alle unterthanen die mahnung ergehen zum Schirm
der Geseze wieder eigen mächtige Gewalt. Weil nach dem gesez ein solcher leb-
bändig verbrandt werden soll, dieses wußte Orgetorix und starb durch seine eigene Hand.
[5] 5
IV
Außwanderung der alten Helvetier.
[UE 9]Als das Jahr der grosen Wanderung heran kam, und alle Mannschaft
auß den Gauen, gerüstet, in dem Vatterland ihr letze Gemeine hielt, *)
bestimbten sie den Tag an welchem sich das ganze Volk an dem Ausfluße
des Lemanischen Sees, am Rhan Strom versammeln solte, auß dieser zusammen-
kunft eilte ein jeglicher zum lesten mahl in seine vätterliche Wohnungen, u.
nach deme alle Helvetier die unvermögenden Greiße, Weiber, und Kinder mit
Lebens mitteln für drey Monate und ihre besten Sachen auf die Wagen ge-
laden, verbrannten sie ihre zwölf Städte, vierhundert Flecken oder Dörfer, u.
alle Häußer im Lande **) so thatten auch ihre Bundsgenoßen damit niemand
mehr zuruck kehren konte. Von den 4 Gauen waren 263’000 Helvetier, groß
an Volk ruhm und Muth; unter allen leuchtete hervor an der Spitze der Tiguriner
der streitbare Held in grauem alter Divico. 60 Jahr vor Christy geburth.
[ca. 3912] d 26. mertz, kammen 368’000 Personen zusammen, darbey obige anzahl Helvetier
92000 Streitbare Männer haten, und alles zusammen 378’000 Menschen ausge-
macht, an Cäßar schicken die Helvetier zwey Gesandte zu Genf, der in dießem
römischen Gebieth Regierte & Prokonsul oder Landvogt war, ein erfahrner groser Tapferer
Kriegsmann, der erklärte sich „die hergebrachten Grundsäze des römischen Volks gestatten
ihm nicht, einer Nation zu erlauben durch die Provinz zuziehen, u. er werde es nicht leiden“
Die Helvetier nahmen einen andern Weg, als Cäßar vernahm das die Helvetier nun
oben an der Provinz herziehen um sich nord westwärts nieder zulaßen, erschien er schnel
mit seinem Heer im Rücken des Helvetischen Heers und überfiel und schlug in der dritten
nachtwache die Tiguriner welche nach jenseits des Flußes gewesen. Am folgen-
den Tag führte er die Legionen über den Fluß. Worüber sich die Helvetier bestürzt
verwunderten, die bedrängten Celten die mit den Römer im bündnus standen,
ruften den Cäßar auch um Hielf an, und er besiegte die Helvetier an zweyen orten aber
mehr durch geschwindigkeit, List, und gute ordnung als Tapferkeit.
Die Tiguriner sandten ihren alten Greißen Divica, der die Römer
vor 50 Jahren am lemanischen See besieget und überwunden.
Dießer Sprach zu JUlius Saesar, „die helvtier laßen ihm sagen
wenn sein Volk Frieden halte, so wollen sie den Zug in die Jenigen Länder
nehmen, welche Cäßar ihnen selbst anweißen werde, er solle sie nicht bekriegen,
ohne
––––––
★) hierauß ist zu ersehen das die Helvetier schon Landsgemeinden gehalten,
wie von Celten solche auch üblich waren.
★★) also ist Helvetien zu einer Eiöde Einöde gemachet worden, und auch wieder zur Wildnis
angewachsen, wo, zu der Helvetier zeiten zweifelsohne auch in unserm Land schon
Einwohner geweßen, weil das Thurgau stark bevölckert war und unser Land darzu gehörte.
[6] 6
V
- ohne zu bedencken was vor zeiten sich zugetragen; seinen Vortheil über die
- Tiguriner soll er sich weder zum großen ruhm, nach ihme zur unehre rechnen;
- die Helvetier meßen ihre kräfte gerne in offenbarem redlichen Kampf;
- Caßar soll nicht machen das diese Gegend berühmt werde durch sein unglük.“
Cäßar antworthete: „auch er, wenn er betrachte, was die Helvetier
- den Freunden der Statt Rom in Gallin thun, erjnnere sich der vorigen
- Zeiten, als die Römer miten im Frieden ohne einige ursache von den
- Helvetern überfallen und hiedurch liecht beschimpft worden; er halte den
- bißherigen Floor ihren Waffen für ein Glük, welches ihnen die Götter dar-
- um gestattet, auf das daß nahe unglük ihnen desto empfindlicher sey.
- Doch wolle er ihnen Frieden geben, wenn sie den Heduern u. alloborgen
- Ersaz leisten, ihm aber Gaeßel Geisel ihrer Treu senden“.
Divico erwiderte „die Helvetier geben keine Geisel; sie haben
- von ihren Vättern gelehrnt Geisel zu empfangen; die Römer könten
- eß wißen.“
Da die Helvetier ausß ihrem Lager aufgebrochen folgte Cäßar mit
mehr dann 40’000 Mann, und seine Reüterey 4000 Mann stark, die wurden
aber von 500 helvetischen Rüthern geworfen, und in die Flucht geschlagen,
Die Helvetier zogen vierzehen Tag lang in schwerem langsammen zug vor
den Römer her; mehr als einmahl sprengten sie an das Lager ihrer Feinden,
Cäßar sammelte sein Fuß Volk auf einen Hügel, und ordnete die Schlacht.
Er stelte den Helvetier die ältesten und geübtesten Legionen entgegen,
mit aller römischen Kriegskunst, erinerte sie an Rom, an Pflicht,
ruhm und Rache, sie warfen ihre 7 schuh lange Spies mit gewalt von der
höhi in die engen Linien der Helvetier, die alles durchstachen, das
viele Helvetier fielen, andere sich vergeblich bemüheten die auf die Schild
geworfenen wie angeklamerten Spieß loß zumachen, auch falten die
Römer mit den Schwerter in der Hand in die eingebrochenen Linien herab,
die Helvetier mußten eine vortheilhaftere stellung suchen, und verlohren
15000 Mann von ihrer bedeckung, lang und hart dauerte wiederum der
Kampf: Die Helvetier in ihrer äußersten gefahr die kein anderes Vatt-
erland mehr haten als die Wahlstatt, bleiben ihren tapfern Voreltern
würdig;den ganzen Tag hat kein Römer einem auß ihnen den
Rücken gesehen, erst spät am Abend weichen die Helvetier nach grosem
Verlust in guter ordnung theils auf den Berg, theils zum Schuz
der ihrigen in die Wagenburg zurück.
Cäßar, wolte den Sieg nicht unvollendet lasen, und führte einen
theil seines Heers wider die Wagenburg; und erwahrtete das nach
der gefangen nehmung der helvetischen Weiber und Kindern, ihr Heer
sich ergeben würden, sie streiteten aber bis miten in der nacht *)
von der Wagenburg herab, das die meisten hier nach ihr Leben aufge-
opfert, viele wurden gefangen, und viele tausend Müttern u. Kinder
*) mit
[7] 7
VI
mit dem heer auf dem Berg auf gebrochen und vier ganze Tag und nächt durch
viele Gallische Landschaften zu den Legionen gezogen. Also kamen die Helvetier
um die blüthe ihrer Jungen Krieger, um all ihr gut, Ruhm und ansehen.
Die Weiber und Kinder, welche nach einem langen Zug in betrübnis und
groser Angst ohne brod waren schickten ihre vornehmsten Helvetier an den
Überwinder. Cäßar begegnete ihnen an der Spitze des Heers, die Gesandten
fielen zur Erden, und Baten Weinend um Frieden und mitleiden.
Cäßar Sprach, die entlaufenen Knechte und ihre Geisel und alle
Waffen sollen sie liefern. Da erschracken sie sehr, was ist ein Volk ohne
Waffen! Bey anbrechender Nacht entflohen 6000 menschen aus dem Gau
der Verbigener nach dem Rheinstrom hin, die Gallischen Völker brachten
sie zurük, hierauf wurden sie nider gemacht, Cäßar konte nicht leiden be-
trogen zu werden; da erfülten alle Helvetier, TUlingen u. Catobrigen,
hundert und zehentaußend an der Zahl, sie waren in groser besorgnis die
entwaffnete menge werde außgerottet werden, in dieser furcht erscheinen
sie vor dem überwinder. Da sprach Saesar, „Sie sollen ruhig nach ihrem
- Vatterlande ziehen, und ihre Stätte und Flecken wieder aufbauen, Er
- wolle den Allobrogen befehlen, sie mit Lebens mittelen zuversehen,
- sie sollen sich vor niemand fürchten, das römische Volk mache die Helvetier zu
- Bunds genoßen, und wölle sie beschirmen, keiner soll römischer bürger werden
- sondern die Obrigkeiten sollen das Land nach ihren Gesezen wohl regieren
Und also zogen der kleinste theil, (etwan 1/3 theil) wieder in ihr abgebrands
Vatterland zurük, die meisten aber haben sich am Rheinufer, bey Basel
nider gelaßen, und andere Ort bleibten ganz menschenlär und Einöde so
das solche wider zur Wildnus worden und angewachsen sind viele Jahr lang.
J.Cäßar vereinbarte Helvetien mit dem Jenigen theil des Reichs so man
das Celtische Gallin hiß. (Saesar, hate den Titul August hiess Erwürdig.) * )
Der Großmüthige frieden von diesem Weltbezwinger solte die Helvetier
abhalten das sie nicht den Galliern anhangen, und den Deütschen desto beser
begegnen sie genosen auch wieder viele freiheyten, aber 6 Jahr nach ihrer Zurückkehr
in ihr Vatterland nahmen sie antheil an der Gallischen Verschwörung dadurch
Verloren sie den namen römischer Bunds genoßen, und wurden wie die
Räthier, und andere besigten Völcker römischer Feldherrn und Landvögten unter-
worffen, und in die Lionische Provinz eingeschoben und dem Belgischen
Gallien beygefügt, wil Augustus die Provinzen gleich groß haben wolte.
Das war also das Schicksaal des alten Helvetischen Vatterlands,
der untergang ihrer Freyheit und unabhängigkeit, und grose entvölckerung.
Welches gegen 2000 Jahr soll bewohnt gewesen seyn, laut Rahns
–––––– Schweizer
*) JUlius Saesar wurde Römischer Kayser, ist aber 44 Jahr vor Christy -
geburth von Brutus und Caßius auf dem Rathaus erstochen in Rom.
[8] 8
VII
Rahns Schweizer Chronik meldet, „Das schon zu Aberhams des Patriarchen Zeiten
und Nini des Babilonischen Königs Selodor & Thuricus, in die helvetischen Lande
gekommen, da dieser die Stadt Zürich, Jener die Stadt Solothurn, Er-
bauen 2000 Jahr nach erschaffung der Welt“. Also verändern sich ganze Staaten
das Glük und unglük mit den Völckern abwechslen, und die menschen von jeher
suchten einander zu unterjochen und unterdrücken, nach dem lauf der Welt.
Arx neue St. Galler cronic, die Helvetier hielt man für einen Volksstamm
der Gallier; die Tiguriner machten einen Gau der Helvetier auß, der das zwischen
dem Bodensee und Zürichsee gelegene Land begriff, dieses Volk war in seiner
Lebens art, Sitten und Wuchs, seinen nachbaren, den Deütschen gleich oder sehr ähnlich.
Welche eine hohe Leibes Gestalt, weiße Gesichter, blonde Haare, blaue Augen
haten, von der Jagd und Viehzucht lebten, sich mit den rauen Häuten der
wilden Thiere bekleideten, so das sich die Hörner, welche sie an den Häuten
hängen ließen, auf den Kopf sezten, und in schlechten Hütten, die auß runden
unbeschlagenen Baumstämmen verfertiget waren, wohnten. pag. 4.
Doch waren die Helvetier weniger Wild als die Deütschen; sie wohnten in Flecken
treiben einigermaßen den Feldbau, und Wußten ihre Sprache zuschreiben, dem
unerachtet war doch das Land nach öde und mit Wäldern bedeckt; selbst die
jetzt so schönen und fruchtbaren ufer des Bodensees waren wegen den schrökl.
Waldungen unwandelbar, und so wild das nicht ein eintziger fruchtbarer Baum
gedeien konnte. Der Rhein, welchen in seinem laufe auf einer grosen Fläche
keine Dämme zwangen sich ein bett zugraben, war nicht im stande seine Waßer
fort zu schieben; er setzte selbe allenthalben ab, und bildete dadurch einen
Sumpf, der eben so lang alß der Bodensee war, und die Ebenen des Rheingaus
oder Rheinthals bis auf Ragaz hinauf bedeckte. Nach andern Geschicht schreiber fragt
[AU 4] es sich, ob eß nicht zur Zeit der Helvetier, in unserm jetzigen Appenzellerland auch schon
Hirten und Jäger gehabt, ist ungewüß, doch sehr glaubwürdig, das in Herisau wenigstens
schon gewesen, da der Wachtthurm ist gebauen worden, und die Römer da gute
Weiden und Futer für ihre pferdt gefunden haben, das aber hernach wieder zur
Wildnus Einöde worden durch die außwanderung ist ebenso glaubwürdig,
wie darvon der berühmte Geschicht schreiber Müller meldet. Pag.
Das alte Helvetien habe drithalbhunderttaußend Einwohner gehabt, ohngefehr vast
die gleiche gröse und Grentzen wie hernach die Schwiz bekommen habe.
Durch die auswanderung und Krieg verlohren die Helvetier so viele Leut das nur der drite
oder viertetheil wieder zuruk gekommen, und die meisten sich am ufer des Rheins bey
Baßel sich nidergelaßen, das die andern ort Helvetien entvölckert öd und unbewohnt
geworden, das bey 600 Jahr lang eß nicht mehr in vorigen Zustand kommen, laut M.G.
Aventicum (Wiflisburg) wurde verbrandt, kein Geschichtschreiber hat ihren lesten Tag angemerkt.
Ammianus Marzellinus erwähnt am Ende des vierten Jahrhunderts. „Jn den Gegenden
•des Peninischen Gebürgs lige Aventicum nun verlaßen, aber grose Trümmer zeugen von
•ihrem ehemals beträchtlichen Flor, man siehet nach den umkreis ihrer mauren, der pflug
•stößt auf bilder, Altäre und Gräber, die Kostbarkeit vieler Trümmer, die menge der
•münzen sind Spuhren alten Reichthums, an vielen orten sey kaum ein schuh hoch das
•Erdreich über den Trümmern gelegen, u. 8 bis 10 schuh Tief das Pflaster unter der Erden.
[9] 9
VIII
Römer waren die Ersten ober Herrn unßers Lands.
[AU 5] Unser Vatterlands Geschicht fangt (laut Walsers Appenzeller Chronick) [AU 6]
- oder 99 Jahr vor seiner menschwerdung am) zu welcher Zeit die Römer schon
ein Wart - thurm in Herisau sollen gebauen haben, dadurch den Einfall der nach
übrig gebleibenen Cimbriorum in Jtalien zu verhüten, als auch das unter ihr
Joch gebrachte Landvolk, in beständiger Pflicht zuhalten, die Römer bauten hier
und dort Vestungen und Thurme, um also die Schweiz zu einer Vor maur Jtalins
zu haben; und da sich die Römer bey dem Bodensee und der Enden herum nider-
gelaßen, und zu Arbon eine Station errichtet, so erbauten sie auch zu gleicher zeit
den heutigen Kirchen-Thurn in Herisau, und brauchten solchen zu einem Wachtthurn,
auch wurden jezuweilen Römische münzen bey Herisau in der Erden gefunden. „Auch
Bischofbergers Appenzeller Chronick setzte gleichfalls die älte des Lands Einwohner also,
weil etliche orten schon Kirchen geweßen ehemalen st.gallo in dieser Land ge-
kommen, namentlich zu Arbon, Gosau, und Herisau. So mußten auch Jnwohner seyn.
Also hetten die Römer dieses Land schon in besiz gehabt zur Zeit der Helve-
tier, weil ihre gänzliche außwanderung nur circa 60 Jahr vor der Geburth Christy *)
[AU 7] geschehen, weilen aber die Geschicht schreiber deßwegen nicht allerdings hierin über-
einstimmen so muß solches auf der ungewüßheit beruhen laßen, oder eß ist geschehen wie
der Arx in seiner neuen st. gall. Geschichten setzet die zeit der Außwanderung der
Helvetier 103 Jahr vor Christy geburth, da sie von JUlius Saesar geschlagen
worden, um sich des eroberten Landes zuversichern, legte schon Drußus, und später
der Kayser Valentinian an dem Rhein eine Kette von Festungen und Schlößern an,
die zu Bregenz und Arbon anfing, und sich bis an das meer herabzog. Diese Plätze
wurden mit römischem Kriegs volke besezt, und für das selbe nach Jtalien breite
Heeresstraßen angelegt deren zwo von Pfin nach Chur führten über Bregenz.
Bey Arbon und Romishorn, lagen die Römischen Legionen so oft das jenes des-
wegen ein Lager genant wurde, diesen aber von ihnen den namen Römerhorn bekam.
Hat Vitelius Helvetien in zwey Landvogttheyen getheilt, welche der Fluß Rüss
[AU 8] voneinander scheidete, und unser Land und das obere Thurgau wurde zu Rathia (Räthien)
geschlagen, die Tiguriner (oder Thurgäuer) wolten sich dieser Theillung nicht
unterziehen, sondern ihren alten namen behalten, auch wolten sie den vitelium
nicht für den Kayser erkennen ehe sie recht wußten, das der vorhergehende Jmperator
nicht mehr am leben sey, weil er ihnen guts gethan wolten sie dem neuen Kayser
nicht huldigen, deßwegen bekriegte er sie, und Schlug sie auf dem Bözberg auf
das Haubt, durch den Feldherrn Caecinna, da wurden sie gänzlich den
Römer unterworfen, und der Helvetische namen erloschen, unter dieser bott-
mäßigkeit mußten die Schweizer Leben bis Anno 440 oder 450 W.C.
Diese oberherrschaft sezen andere auf 400 Jahr lang das solche gedauret.
[406] haben die Burgunder West-Helvetien eroberet, und ein neues Königreich errichtet,
die vornehmen Römer offiziers waren je länger je feigere Leute, und verdorben, sie
liesen eß geschehen das die Germannen, jetzt Burgunder, den Helvetiern den größten theil
des Lands u. der Sclafen wegnahmen, und unter sich theilten.
[10] 10
IX
Länger als dreyhundert Jahre haben die Römischen Kayser nach den Formen
welche in der alten Republick brauchbar waren regiert, und konten nach ihren
eigenen Gesezen Leben, aber die römischen Sitten, gesez, Sprach und gewohn-
heiten erhielten unter den Helvetier bald die oberhand, über ihre eigene.
Sie genoßen wegen ihrem alten ruhm alle Vorzüge die ein unterworfenes
Volk wünschen dörfte. Jede Stadt, oder ort bekam zwey Vorsteher, die
Nazion konnte sich versammlen in Tagsazungen, und allgemeine Landsangelegen-
heiten behandlen, mit genähmigung des Kaysers. Römische Proconsuls regierten.
(B! Daher von Celten der ursprung der Lands Gemeinden entstanden.)
Die Römer bauten nicht nur burgen, sondern auch Städte Aventicum oder
Wiflisburg, war die haubtstatt in Helvetien, Baden machten die Römer zum
ort ihres vernügens, Arbofelix oder Arbon, war die älteste Stadt am Bodensee
und viel gröser als heüt zu Tag, das bey niderem Waßerstand die mauren von
der alten Stadt nach zusehen sind, Valera war eine Römische Vestung, welche vom
Keys. Constante wieder aufgebauen, und daher Constanz genant worden. Ao. 297.
Sie ließen das Land von ihren morästen und seinen Wälder reinigen, eß
wurden auch Prächtige Landhäußer und Landstraßen errichtet, Handel u.
allerley Gewerbe eingeführt. Eitle Pracht und Wollüstiges Leben, und schlechte
Sitten vertriebten, mit der Wilden Rohheit, und unwüsenheit, auch die alte
Einfalt und den Kriegerschen muth der alten Einwohner Helvetiens.
Wenn Rom die alpen völcker lieber hätte wollen zu freunden haben, als zu Knechten,
so würden sie für ihre freyheit wohl muthiger als unter außländischer Herrschaft
gestreiten haben, und Helvetien & Jtalien vor dem äußersten unglük verwahrt haben.
Unter der 400 Jährigen oberherrschaft der Römer mußten sich die Helvetier gefallen[AU 9]
laßen an allen einheimschen Kriegen, unruhen und empörungen, die den römischen
Staat zerrütteten antheil zu nehmen, besonders nach der Ermordung des Kaysers
Nero. Rom fiel endlich durch sich selbsten, durch seine gröse, innerliche Spaltung.
unruh, ungerechte Kriege und eroberungen. Gleich wie in vorigen Zeiten der namen
[AU 10]aller Nationen, vor dem namen der Stadt Rom verschwand, also ist aus den fol-
genden Jahrhunderten der verlaßenheit kaum das allgemeine Schicksal dieser Römer
Gräntzen bekant. Grose Monarchin vergrösern sich zum eignen untergang.
Sie fallen so bald sie niemand mehr fürchten, sagt der Geschichtschreiber Müller p. 74
Die Allemanier, schwächten von Zeit zu Zeit auch die Römische Herrschaft in
Helvetien, und machten öftere einfäll sie wurden durch zufluß der Schwaben furcht-
bar, sie beunruhigte die Römer Ao 200 und 237, fielen sie in die Helvetischen Land.
Plünderten, raubten u. Brandten aller orten bis ihnen Maximinus über den halß
kam u. sie wie das Gewild aufsuchte und nidermachte.
[260] Kamen die Allemanier wider und Ruinierten alles um den Rhein u. bodensee
[275] machten sie gleichen besuch im Rheinthal u. Bodensee, Sengten u. Brenten.
[287] Falten sie wider ein, wurden aber zuruck geschlagen von Maximinus.
[358] hat sie JUlianus zu paren getreiben das sie wider um Frieden biten mußten.
[369] Fiengen sie von neuem krieg an mit welchselseitigem glück, 371 von Römer überwunden.
[440 - 450] Drangen die Alemanier aufs neue über den Rhein, und bemächtigten sich ohne
vielen Widerstand des östlichen Helvetiens, sie theilten den größten theil des Lands
unter sich, u. der name Helvetier verschwand, so schwach u. unfähig wurden die römischen
Jmperatoren Jetzt das sie ihre unterthanen jedem frömden Volk zum raub werden liesen.
Wenig glaubten die Provintzen bey vertauschung des Jochs zu verlieren.
die
[11] 11
X
Römische Geschichten und erste Bewohner im Bergland (Jetzt Appenzell.)
Die Tiguriner (oder Thurgauer) schlugen sich freywillig zu den Alemanier,
deßwegen sie keine Sclaven wurden wie die beseigten Römer zu dieser Zeit.
Der Bodensee machte ehedeßen die Grentzen zwischen Helvetien und Allemanien
und Rhätien auß. Das ganze Gau der Tiguriner gehörte einmahl auch zu Rhätien.
Cicero & Julius Saesar sind die ältesten Scribenten die dieses Lands und ihrer
Einwohner gedencken, von lesteren wurd folgendes geschreiben.
„Als Julius Saesar in das Land kam, fand er menschen die keine stete Wohnung
- haten; die alles gemeinschaftlich unter sich theilten, keine Stätt oder mauren leiden
- konten, --- keiner hat sein eigen Feld gebaut, Sie arbeitteten mit einander, und jeglich-
- er, hat das gleiche Recht auf die Früchte des Felds --- den rhum ihrer Staats-
- Freyheit sezten sie darin Rings umher Wüsteneyen zur Gräntzen zuhaben.“
Zu den Zeiten der Römer hat der Bauernstand auf dem Flachen Land seinen
anfang genommen, und zu den Zeiten der Allemanier auf den Bergen, die
dahin entflohen haten den Boden mit groser müh und Fleiß urbar gemacht
und durch die bearbeitung des wilden Bodens erwarben sie sich ein gewüßes
Recht des besiz Standes, und sahen das Land das sie durch ihre Handarbeit
urbar gemacht haben als ihr Eigenthum an. Eigenthum forderten Geseze,
und Geschlächter wurden zu völckerschaften. Unter den Allemanischen beherr-
scheren wuchsen nach und nach die alten Helvetischen Einwohner wieder in ein
Volk zusammen, in zwo verscHeidenen Herrschaften ward um das den Römer ent-
rißene Helvetien getheilt, in dem Südlichen theil herrschten die Burgunder,
und im ostnördlichen theil die Alemanen. Jeder Allemanische Herr besas
einen meyerhof, von den Leibeigenen besorgt, öfters war diesen ein Feld-
stuk überlasen, jedoch ohne erlaubnis einiger Veräußerung und unter beding
eines Jährlichen grund Zinßes, an Vieh oder Früchten, mit vorbehalt bestimter
Tagwen und Fronen. Sie Pflügten für sich die helfte des Ackers und die helfte ihrem
Herrn, sonst arbeiteten sie ihme 3 Tage in der Wochen, die übrige Zeit war ihnen selbst.
Dafür gaben sie ihm Eyer, Hühner, Schweine, Brodt und Bier in bestimter Zahl u.
maaß, die mägde Sponnen die Wollen und machten Kleider.
Anfang der ersten Bewohner in Hohen Gegenden & Gebirg
In dem driten Jahrhundert da die Alemanier (oder Teütschen) öfters in
das östliche Helvetien eingefallen und die Römer bekrieget und alles
um den Bodensee verherret und geplündert, so verließen die Bewohner des
Thurgaus nach und nach ihr flachs und zahmes Land, und nahmen ihre zu
flucht in die Gebirge, um sich von diesen feindlichen überfällen sicher
zustellen. Diese ersten Bewohner waren abstämmling von Helvetier,
Römer, und andern Völker stämmen, weil bey diesen Wanderungs Zeiten,
haben die Einwohner sich nicht selten verändert, vermehret und verminderet haben.
Häußer waren selten, wohl aber Burgen § Thürm und Hüten dabey, in den
Gebirgen aber mögen lange Zeit nur Hirten und Jäger in Hütten gewohnt
haben, wie heüt zu Tag nach in Bergen und Alpen geschieht.
Und keine angebaute ort geweßen, sondern Waldungen, Einöden u. Wüsteney.
§ Eine burg bestand auß einem Wohn Haus u. Thurn, mit 7 bis 12 schu dicken Mauren.
[12] 12
XI
Allemanier die zweiten oberherren des Lands
[Ao. 440] Die Alemanier waren ein Teütsches zusammen gelaufenes Volk, Witenberger,
Schwarzwälder, Schwaben, *) sie waren ein groses und kriegerisches Volk, das nach
vielen überfällen endlich die Römer besigt und überwunden und das östliche
Helvetien also eroberet, diese Alemanier zerstörten Städte, Dörfer und Burgen,
alles was einen römischen ursprung hate, auß has gegen dieselbe *) sie treibten
Raub und nahmen auch Kriegs dienste bey andern, die Hirten zogen auf den
Weiden und Gemeinheiten herum, sie haten nichts als Herden und Waffen, und
groß Vieh, viele bleibten im Teütschen Walde und zogen in Einöden und machten
Sclaven auß denen besigten Römern, und Helvetier, und führten den verhaßten
namen zwischen sich und den alten Jnwohner ein, der Freyen und Leibeigenen, da sie
diese als im Krieg überwundene Feinde nach ihren Gesezen zu Sclaven machten, und
alles Eigenthums beraubte, und für ihre Herrn das Land zubauen zwang. **)
Als halb Wilde stellten sie auf lange Zeit den Fortgang der Kultur, die unter
der Herrschaft der Römer begonnen hate, oder schoben dieselbe zurük, welches vorzüg-
lich von der Christlichen Religion wahr ist, welche die Römer in den letzen
Zeiten in ihre Städte, Schlöser, u. Lager eingeführt, die meistentheils Christen waren.
Die Alemanier brachten eine andere Sprache, andere Gewohnheiten, eine andere
Regierungs art, und einen andern Gott mit sich nach Helvetien, dann es lieber
seinen Gotte Wodan, und den Bäumen, Flüßen, Bergen und Thälern, Pferdte
opferten. Die Einwohner die Einwohner flüchteten sich in die gebirge da entstuhnden Bergleut.
Helvetien verlohr durch die Eroberung seinen namen und wurde von seinen
Besigern auch Alemanien, oder Schwaben genant; welchen namen eß mit dem
über dem Rhein gelegenen Lande viele hundert Jahr lang trug.
Cäßar, machte von den Alemanier folgende Beschreibung. VI. buch 22. C.
Sie treiben nicht sehr den Ackerbau; ihre meiste nahrung besteht aus milch
Käß und Fleisch, unter ihnen hat keiner sein eigen Feld, jedes Jahr theilten ihre
Häupter die Grundstücke auß; das folgende Jahr mußten sie wieder an
andere außgetauscht werden. Dieses thun sie, damit sie sich nicht so sehr
dem Landbau ergeben, und dardurch den kriegerischen national Geist
verlieren. Damit keiner nach weitlaüfigem Land eigenthum strebe,
und seine mit brüder verschlinge; damit sie ihres kurtzen aufenthalts wegen,
von der Versuchung verwahrt bleiben, sich entweders allzu bequeme oder
allzu veste Wohnung zu bauen.“ mr 390.
—————
*) Die Alemanier haben durch ihre Zerstörung das Land wider zur Wüste ge-
macht und hingegen die Berge zu Waide gemachet, u. in beweglichen Hütten gewohnet § .
**) Bey ihnen war ein Vornehmer und ein mitlerstand, sie haten freygelaßene
Leüte, gemiethe Kne Diener, und Leibeigene unter sich.
§ 200 Jahr vor Christy geburth vereinigten sich allerley Völker, um den Mayn u.
Oberrhein, die sich Allemanen hießen, das ist allerley mann genant.
[13] 13
XII
Allemanische Geseze
Die Geseze der Allemanier waren nichts anderes als die gebräuche
welche die Völker stämme als halb wilde in ihren Wäldern beobachtet
haben, sie haten im Gesezbuch, das redet nur von ihren Wiesaten, von ihren
Kühreyen, Roßen, Bären und Wölff, und andern Wilden thieren, die sie durch
ihre abgerichten Leithunden, Schäfer Hunden, Bären und Wolff Jagdhunden
erlegten, die Hirschen zähmten *)
Auch war der mißbrauch der stärke verbotten, und das keiner dem andern [M.]
bewaffnet zu Hause komme, keiner sich zanke wann die Schar in Krieg ziehe, keiner
den Feind ins Lande ziehe oder bringe, oder sich verschwöre, auch war bestimmt wie
viel der Beleidiger für Jedes Vergehen den Beleidigten als Genugthuung, und
der obrigkeit als Schirmgeld abtragen müße. Z.B. welcher einem eine [Arx 48]
Beule schlug mußte ein gold schillig erlegen, wann das Blut auß der Wunden
bis auf die Erde floß ein bis 4 d wann die hirnschalle sichtbar wurde 2 pfenig.
Wenn das Hirn gesehen wurde zwölf d. Wer einen Freyen in der Kirchen, oder den
Pfarrhern, oder seinen Vatter ermordete, hatte von der obrigkeit nichts zubesorgen,
wenn er nur im ersten Falle vierzig Goldschillinge, im zweiten Sechshundert zalte,
und im dritten Fahle sein vermögen hergab und Kirchen Buße that. Hingegen
wurden die kein geld hatten zum zahlen, wegen schweren vergehen verurtheilt,
des beleidigten Leibeigene zu seyn. Dieses hielt ihr Leben in den schranken
Bürgerlichen Gesellschaft; und ihr Privat Leben zähmete mit heilsammen schreken
die Kirchen, sie fürchteten die Flamen der Höllen. Wer am Sontag die Kirchen
nicht besuchte derselbe verlierte die Freyheit, die Kirchen waren hellige Frey-
stette vor Knechte, vergabungen waren erlaubt, bey ihnen als Heiden.
Wann man einer Weibs Person das Haubt auf deckte oder das bein entblöste
bis zum Knie, war 6 Solidos buß, und über die Knie doppelt so viel.
Auch viele andere Bußen, z.B. wenn ein Hund Jemand Todt gebißen hate, und
die Buß nicht zahlen konnte, mußte so lang unter dem Tod geschlagenen Hunde, den
man ihme 9 schuhe hoch vor seiner Haus thüre aufhieng, auß- und einschliefen
bis das Aas verfaulet und stücke weiß herunter gefallen.
B! Die Todes Strafen wurden erst von den fränkischen Königen gemeiner ge-
macht, und die Geseze verbeßeret und zusammen getragen.
—————
[AU 11]
*) Der Schöpfer hat jedem Thier die selbst wehr eingeschafft, § z.B. die Küh oder
das Vieh wann eß wilde thier gespührt, stelte sich an einen ring oder Reyhen u. Kreys,
[Die Köpf an Köpf sezten sie]& wußten mit ihren Hörner selbige abzutreiben, u. das kleine Vieh in die mite zu nehmen u.
die Wilden Thier wurden von Hirten und Jäger gefält, erschlagen &
mit Wurfspießen gedötet, in Garn und Fallen gefangen, mit Stein werfen,
und andern Waffen, und auch mit gelehrten und darzu abgerichteten Jagd-
hunden viele erlegt worden, in Höllenen geräucht u. außgehungeret worden
& die Gemse und Gaißen stellen ihre Schildwachten auß, die wie Soldaten
abwechslen, andere können durch geschwindigkeit ihr Leben retten, oder durch stärke.
[das waren ihre Waffen] u. natürl. Selbstwehr. Die menschen haben die Vernunft sie zubeherschen.
[14] 14
XIII
Franken waren Die Dritten oberherrn in Helvetien.
und in ußerem Land und Berggegenden, über die Bergleut genant.
—————
Die Allemannen und Schwaben hatten sich in dem eroberten Helvetien nicht lange [arx 11]
ihrer Vorrechte zuerfreuen, ihre oberherrschaft daurte nur 56 Jahr lang, so wurden
[A. 496] sie von ihren Landsleuten, Franken, die sich in Gallien nidergelaßen haten,
mit Kriege überzogen, und in der Schlacht zu Zülpich gänzlich geschlagen, nicht nur
zu unterthanen, sondern so gar, wie sie eß den Helvetiern vorher selbst auch
gethan hatten, zu Leibeigenen gemacht, und das Land welches sie dieß und
jenseits des Rheins und der Donau bewohnten, in vier Hertzogthum des Fräncki-
schen Reichs verwandelt. So oft Frankreich für mehrere Könige, in zwey oder
mehrere Reiche getheilt war, gehörte der theil des Herzogthums Allemanien,
welche auf der lincken seiten des Rheins ligt, zum Königreich Austrasin, oder
Burgund, deßen Grentzen gegen Rhätien, welches damals zu Jtalien gehör-
te & König Dagobert durch ein markzeichen kentlich machte, das er in Gestalt
des mondes in einen Felßen einhauen ließ, daher der namen Monstein gekommen ist.
[534] Die genanten Bergleut in diesen Gegenden, wurden nun auch Francken [W.C.&]
genant, oder des Königs eigene Leüte, weil sie unter die Traurige Leibeigenschaft
gesezt worden, und das Lehen System eingeführt wurde *) auch die entflohenen Helvetier
[AU 12]und Allemannier wurden in Dienstbarkeit gesezt **) das aber mehr Bauren als Leib-
eigene unter den Alemanier geweßen kam daher, weil sie nur die eroberten römischen Bauren
unter das Joch gesezt haben, daher bis auf den heutigen Tag mehr Freyheit nach
in dem Hirten Lande der Schweizer, als auf den Feldern eben dieses Lands war. [M.G.]
Das ehemallige Gesez Buch, die alten ordnung und gebräuche, bleiben unter der
fränkischen Regierung eben dieselben, bis Ao. 530 der Fränkische Konig Choderik sie
hate mit neuen Vorschriften vermehren laßen, und hundert Jahr später der Dagobert I.
solche verbeßert außgehen ließ. Von auflagen wußte man nach nichts, sondern es
mußte alles in Früchten und andern abgaben entrichtet werden, und auch Frohn-
dienste gethan werden, vor die Königliche Kammer (diese war über der Thur im Thurgau.)
Der theil des Landes so zwischen den Flüßen den Goldach und Urnäschen gelegen [W.C.]
war, behielt der König vor sich, diese Einwohner stuhnden unter einem Königlichen
Amtmann der im Thurgau wohnte, und die Güter wurden Königliche oder
Kron Güter geheisen, welche die Leibeigenen vor ihren oberherren arbeiten mußten,
und die Früchte und der nutzen gehörte der Königlichen Kammer. (dieses laßt nicht ohne
Grund vermuthen das zu selbiger Zeit die Speicher entstanden zu einsammlung der Früchte)
—————
*) Das Lehen System war das alle Güter vom oberherren mußten entlehnt oder
Empfangen werden, und wann ein Hauß Vatter gestorben, fielen solche Güter wider
dem oberherren zu, und die Witib oder Kinder, mußten die Güter wieder aufs
neue empfahen, oder konten andern Lehen Bauren gegeben werden nach Belieben.
Von der Leibeigenschaft siehe hier pag. 21 **) die menge der durch die Entweichung
herrenlos gewordene curtes (Höfe) wurden ein Raub der Krone & an die Edlen vergabt.
[15] 15
XIIII
Staats- Lands- und Gerichts Verfaßung unter den Franken
Die anderentheile des Landes bekam der adel, so sich im allemanischen Krieg
Tapfer gehalten, und sich der Bauren Höfe der erschlagenen bemächtiget, diese
wurden auch den Soldaten außgetheilt nebst den Sclaven. [arx 42]
Die Herzogthümer wurden in Grafschaften, und diese in Zenten eingetheilt, und in
Bauren Höfe, diese hörten den Freyen mit ihren Sclaven; diese Freyen stuhnden
unter den Cent- und Landgrafen, und diese unter den Herzogen, alle aber
unter dem König der sie wählte.
Die st.gallischen Landschaft Lag in Allemanien im Thurgau, in der Arboner-
Zent oder Gau. Jede Gau grafschaft hatte ihren Gau grafen, und Jede Zent
einen Zent Richter, diese besorgten alle geschäfte sie möchten von Gerichtlichen, [45]
Kameralischen, Politischem, oder militarischem Belange seyn; die Zentrichter
die geringern in ihren Zenten, der Gaugraf die wichtigern, wenn sie auch
das Leben betrafen in dem ganzen Gaue. Alle vierzehen Tage mußte der
Gaugraf durch sich oder ein Stellvertreter in der Gegend wo streit entstanden
waren, unter freyem Himmel öfentlich zu Gericht sizen, und darzu auß der
nachbarschaft zwölf Beysitzer nehmen. In diesem Gerichte wurde alles nach
der aussage beeidigter Kundschaften abgethan, deren oft über zwanzig aufge-
führt wurden. Wenn man keine auftreiben konnte, entschieden die Eydschwü-
re, die feuer- und Waßerproben, oder gar der Zweykampf, den der Kläger
mit dem Beklagten bestehen mußte. Vom verlierenden theile forderte der Graf
unterpfande und bürgschaft dafür, das er dem ergangenen urtheile Genügen leisten
werde. den Richtern schwur das Volk bey den Waffen, die ihnen das theürste
und ein Zeichen der Freyheit waren.
Je am Sontag oder zweiten Sontag wurde jeder Zent versammelt von den
Grafen des Gaus, oder von den Boten des Cent grafen, wer muthwillig aus-
bleibte war zu einer Buß von zwölf Schilling verurtheilt, und am ersten Tag
im merzen kam das Volk zum Landgericht, die Rechtsform hies das urtheil Gottes.
[514] Das Land stunde unter dem Königreich Austrasia oder Westerreich, die
Haubtstadt war Metz, das Königreich hatte Clodwig der Christliche König
nebst nach drey andern Königreichen beseßen, und solche unter seine 4 Söhne
vertheilt Paris, Soßian, Orleans und Metz.
Es waren 15 fränkische Könige, bis zur Zeit des Königs Sigibert, der dem
Stift St. Gallen die Gegend geschenckt oder ein theil des Landes.
Und 27. König bis ao. 750, diese fränkische oberherschaft daurte von 496
bis 888 über Helvetien, und über das Stift St. Gallen und die Landschaft
bis ao.
[16] 16
XV
Vom Adel unter den Franken, ihrer Lehen, Wappen
Das Wort Adel stammet von dem römischen Adler her, der ihr vornehmstes Feld u. Kriegszeichen geweßen.
Der ursprung des Eydgnößischen Adels *) ist von den Zeiten her
des Königs Clodoveus, welcher zu anfang des VI. Secula nach dem über
die Alemanier erhaltenen Sieg gesucht dieses Streitbare Volk in gehor-
sam zuerhalten, und seinen verdiensten Kriegsleüt hin und wieder in den
eroberten Landen zubegnadigen, und danahen derselben verdiensten,
mit denen zu des Königs Handen gezogenen Länder und Gütern,
mehrere oder mindere, auch mit denen zu derselben anbauung zugleich
angewiesnen Leibeignen Personen, zuerst nicht Erblich sondern nur auf
sein gefallen ertheilt, und über ein - und den anderen antheil Solcher
Landen einen so genanten Herzogen geordnet, welcher auf den Fall
eines Zugs, so dann solche, welche alle Liberi, Freye und zum Kriegs-
dienst gewidmet geweßen, beruft, und diese auch mit denen ihnen
angeweißenen Pferdten und Rüstung erscheinen müßen, welches von
seinen nachfahren fort gesezt worden, und gedachte Leibeigne u. Dienstleute
zu allen ihren Diensten gebraucht, und selbigen Güter gegeben, mit
dem Beding den Jährlichen abtrag an Korn, Haber, Schaafen, Hühner, Eyer
und Geld zugeben, und haten Wohnungen Jhnen meistens auf Bühelen, Vesten
angelegt und gebaut (Bürglein genant) und darvon haben sie den namen
angenommen und behalten. Auch von ihren Thaten wegen, in ihre Schilte
theils die Zeichen von Tapfern Thieren, als Leüwen, Adler, Greifen,
theils das Zeichen ihres Bewohnungs orts und Lehen bekommen haben.[AU 13]
Folglich daraus die Wappen entstanden sind, andere auch durch erhaltene
Würden und Bedienungen von König und Kayser, darzu kommen, und
zu Grafen hernach ernant worden, welchen die Regierung der verscheide-
nen Landschaften aufgetragen worden, die den amts namen zum
Geschlächts namen gemacht, und den Vorzug über andere erworben.
Die zu Hof - und Kriegs diensten verpflichtet gewesen, wurden
Edelknecht, die aber welche solcher Dienste erlaßen und befreyt
geweßen, waren Freye, daraus der namen Freyhern entstanden
und auß denen Bauren erstlich ein Burger, und darauß ein
Amt- oder Dienstmann worden, die Güter zu Lehen empf-
angen, und einen Titul darvon bekommen. und endlich auch die
Lehen Güter erkauft. die vornehmsten Edlen waren Talto im Thurgau, Ramschwang
—————
*) Stumpfen Chronik, Es seyen 50 Gräfliche, 150 Freyherliche, und 1000[AU 14]
bis 1200 Adeliche- und Ritter Geschlächter in der Eydgnosschaft aufgezeichnet.
[17] 17
XVI
Geschichten unter der fränkischen Regierung über Helvetien.
Die Franken nahmen im V. Seculo den Christlichen Glauben
an, König Clodoveus war der erste Christliche König.
Digiberte von Austraßin gab dem Colubam & Gallo, die Er-
laubnis in Allemanischen Helvetien den Christlichen Glauben
zu verkündigen, solches geschahe wie nebenstehend beschreiben ist.
Biß dahin war da alles Heydnisch und Heydnische Tempel, also
& diese ersten Kirchen waren Arbon, Gosau, und Herisau, [W.C.]
welche bey Gally ankunft schon volkreiche Gemeinden gewesen seyen.
Die Einwohner vermischten ihr Blut und ihre Sitten in Helvetien,
das nach Verlauf einiger Jahrhundert niemand mehr wußte ob er von
Helvetischer, Römischer oder Alemanischer Herkunft ware.
Lange nach dem untergang der Helvetischen Freyheit, als auch der
namme des helvetischen Volks ganz verschwunden, wurde der verlasene
Fuß dieser Alpen von den Alemanier, Burgundionen, Ostgothen #)
Francken und Longobarden, eingenommen. Sie veranstalteten daselbst
neuen Bau des Landes; von jhnen wurde menschliche Gesellschaft
und auch die Freyheit vermehrt und vervollkomnet; von dießen
Völker stammen die dreyzehen orte, die zugewandten und unter-
thanen, des grosen ewigen Bunds der hochteütscher Lande. Mülers G. 82
Unter der Benenung Thurgau wurde damals alles Land verstan-
den welches sich zwischen dem Rhein und der Reuß von der Aar bis [43]
an Rhätien außbreitete. **) Auch unßer Jetziges Appenzellerland ge-
hörte zum Thurgau bis an Alpstein und an Rhätien lange Jahre.
Die ersten Einwohner waren Jäger und Hirten, haten ihre Hütten und
Wohnungen in den Wäldern, die Vornehmen oder der Adel ihre Burgen
und Schlößer auf den Bergen, ihre Leibeignen mußten das Feld bauen.
—————
#) Die Ostgothen und Burgundionen, dachten arianisch, näml. das Jesus Christus
dem Vatter nicht gleich sondern ähnlich, das er nicht unerschaffen sey, das unter-
suchten die Christen, da Christus bezeugte „Es wüße niemand wer der Sohn
ist als nur der Vatter“ M. G. p. 101; die Gothen brachen auß Preußen heraus.
—————
432 *) Die Burgundionen seyen ein Volk 6 bis 7 Schuh hoch gewesen, und
haben rohe Thierhäute getragen, sie nahmen ein groser theil von den
helvetischen Landen. M.G. 84. die Hörner welche an Häuten hiengen sezten sie auf ihre Köpf.
**) Dur hieß ein Waßer, Rhon ein Fluß, unter den Helvetier. Jetzt
Thurgau genant von der Dur.
[18] 18
XVII
Ankunft St. Gallo, Lehr und Ausbreittung des Christenthums.
[AU 15]Kolumban war der erste welcher mit 12 Jüngern auß denen sich
Gall als der vornehmste außzeichnete, auß der Pflanz Schule Komogels
hervorgieng, und nach Franckreich hin über fuhr, wo er an der bergkette welche
das Burgund von Lothringen scheidt, in alten drey Schlößer Klöster er-
richtete, selbe mit Burgundern und Franken bevölkerte denen er eigene
Lebens regeln vorschreib, und dem herumwohnenden Volcke 20 Jahr lang
unterricht gab. Hernach zogen sie von Maynz an den Rhein dem Zürichsee
hinauf, wo sie nicht fern von der mündung der Limat zu Wangen bey Tuggen
einen Platz fanden wie sie einen suchten. Aber als da sie das Bekerungs-
werk mit Eifer an greifen, und die opfer welche die nachbaren zu Tuggen
dem Jupiter zu bringen im Begriffe waren, in den See warfen, und selb-
sten an deren Götzen Tempel Feuer anlegten, diese darüber ergrimmet,
den Kolumban außzupeitschen, und den Gall zu morden beschlosen,
verließen sie diesen ort. Da die von Tuggen geantwortet ihnen.
unser alte Götter haben uns und unßere Vätter mit Regen und
Wärme bis dahin genugsam versehen; Wir wollen sie nicht verlasen
so lang sie wohl regieren“ - Arx p. 12 bis 20
Da sprachen die zwey männer, „nun wir gehen weg, euch wolle [G. M.]
Gott geben, das ihre alle Eurer Kinder überlebet, und im alter
hülflos und Wahnsinig sterbet.“ und kamen durch Berg u. Wald auf Arbon.
Gall, Pflegte zu lehren „Wie die Welt entstanden, wie der
mensch durch schwäche gefallen, unwißend und böse, Endlich durch
Jesum Christum von des Todes Furcht befreyet und ewiger Glük-
seligkeit versichert worden“
[610] Willimar der Pfarrer in Arbon, welchen sie auf ihrer Reise be-
sucht hatten wies ihnen den ort bey der zerstörten Stadt Bregenz an.
Dort baueten sie sich Hütten, weiheten die ehedem Christliche, jetzt
dem Götzendienst gewidmete Kapelle der Aurellia zum Dienst
des wahren Gottes wider ein, machten das Land urbar, pflanz-
ten Bäume, legten Gärten an und richteten mit Predigen (dem sich
vorzüglich Gall nebend seinem Fischfang widmete) bey den Jnnwohner
so fiel auß, das sie ohne gefahr die drey Ehernen Götzenbilder
die in der Kapelle auf gestelt waren zerschlagen und in den See
werfen, u. das Bier, welches sie dem Gotte Wodan opfern
wolten ausschütten durfen. Dieser gute Fortgang aber nahm in
zweyen Jahren mit dem Leben k. Chredebert ein Ende. Der
Herzog Gunzo gab den abgöttischen Bregenzer gehör und hieß
sie
[19] 19
XVIII
Gallus ein Sohn des Königs der Scoten, auß Irland.
sie unter dem Vorwande, das sie der Königlichen Jagd nachtheil-
brachten, von da wegziehen; und die ungläubigen brachten nach zwey
Jünger um das Leben. Kolumban zog nach Italie nach Bobio.
Gallus aber nach Arbon zum Pfarrer Willimar, da vernahm
er von seinem Helfer, dem Hildebolden dem Evangelier, Diacon des Willimars
welcher ein Jäger war, das in dem Wald ob dießer Burg sey am
Flüßchen Steinach *) eine kleine Ebne an dem Fus einiger Hügel,
von da steigen die Berge hintereinander höher und endlich zu Schnee
Gebürgen entpor, auß diesem Flüschen und einigen Brunquellen
pflegen Bären, Wölfe und Schweine, sich zulaben. Durch den anführer
fand er bald den ort wo das Flüßchen Steinach über Felßen hinab stürzt, das
ihm zu seiner absicht dienlich schein. Er sah auch den Fall den er in die Dörne
that für einen Wink der Vorsehung an, auf derselben Stelle seine zukünfti-
ge Wohnung zu nehmen, So sehr im auch sein Begleiter die Gefahr vorstellte
in dießem Wald von Wölfen und Bären gefresen zu werden.
Nachdem Gall den Platz mit Bethen und Faßten eingewiehen und
sein Brod mit einem Bären getheilt hate, da fing Gall mit seinen zwey
Jüngern mang und Theodor, in dieser Einöde die Bäume umzuhauen
die Sträuche auß zu reuten, und sich eine Hütte zu erbauen oder Zelle.
Zu selber Zeit erkranckte Frideburg die Tochter des Herzogs Gunzo in
Überlingen. Weill sie in gichterischen anfällen, die sich gewöhnlich mit Wuth
und Krämpfen äußerten, in der Person des Teufels sagte, das er nur
allein auf den Befehl des Galls ausfahren würde, durch die dringendsten
Befehle Gunzo, wurde Gall durch den Parrhern in Arbon überredt
dahin zugehen; wo in der that Frideburg also bald nach dem von Gall
verrichteten Gebethe wieder genas, auß Dank gefühl wolte ihm Gunzo
grose geschencke machen, und ihn die eben ledig gewordene Bischofswürde
zu Konstanz verleihen, Gall schlug solche aber ganz auß, und nahm
nur ein Almoßen für die Armen an. (Also muß es in dieser Gegend
auch schon Arme gehabt haben.) Vermuthlich Jäger umher gezogen.) **)
—————
*) Die Steinach entspringt im Steinegger Wald und fließt im Kloster
St. Gallen vorbey, bis auf Steinach, welches ort vermuthl. daher
den namen bekommen. Es waren nicht viele Edelleut schon im Land, sondern
**) Roschach, Goldach, Mörschweil, Gosau, die Gegend um Will, das untere Togen-
burg, waren bey ankunft Gally, schon mehr oder weniger angebaute ort.
Der Hof Goldach lag in der Arbonerzent gräntzte an den Bodensee, treib Wein-
bau und war zum theil von freyen Leuten bewohnt. 865
Das Weiden des Viehs in den Wäldern wurde Tratt geheisen 820 - Egerich Schweinweiden.
[20] 20
XIX
Gallus und seine Jünger machten die Gegend urbar.
Von anfang hate Gall mit seinen Jüngern der grosen Wildnis [Arx 18]
wenig Boden abgewinnen könen; aber nach dem er jezt dieselbe Theils
von dem Pfarrherrn Willimar, und von Talto dem Kämmerer des
Königs, und auch vom König selbst, durch das Vorwort des Gunzo
und der Frideburg, als ein eigenthum solche geschenckt bekomen hatte,
und die Zahl seiner Jünger auf zwölf vermehret, und der Bischof Johan
als auch der Zent Graf von Arbon ihme Arbeiter zusandten, gieng
der anbau so gut von statten, das man da wo bis dahin nur
wilde Thiere hauseten, Jetzt einen Acker, ein Bethhaus, und mehrere
Hütten sah, und eine Straße nach Arbon, deßen Zelle mit bewohnte
orten in die erste Verbindung setzte. Durch diesen guten Fortgang
aufgemuntert gewin Gall seine Wildnis so lieb das er dieselbe an
die Abtey Luxeul zu vertauschen sich weigerte. In keinem Fall
wollte er das Bekehrungswerk verlaßen das er an dem Heydnischen,
oder fast in Abgötterey zurük gesunckenen Christenvolke dieß - und
jenseits des Bodensees angefangen hatte. Weit herum suchte er die
Leute in ihren Wohnplätzen auf. *) lehrte Predigte, sties die Bilder
der Götzen um, und zog das Volk von den Dienste deßelben
mit einer Macht ab, die nur der besitzt der in dem allgemeinen
Rufe eines Wunderthäters und tugendhaften Manns stehet.
Darzu unterrichtete er seine Jünger, die gewüsermaßen eine gute
Pflanzschule von Glaubens Predigern und Volkslehrern waren.
Sie pflantzten ein Köhlgarten, weideten eine kleine Herde, bedienten [G.M.]
sich selbst gemachter Fischer netzen, und felten Gewild, hiedurch
zähmten sie das Land. Nachdeme Gall 26 Jahr lang sich auf [Arx 19]
solche weise um dieses Land verdient gemacht hatte, Starb er 95 **)
Jahr alt, an einem Fieber in Arbon, deßen Leichnam wurde
[640] nach seiner Zelle gebracht und daselbst in gegenwart des Bischof-
es Johan, und deß zuströmenden Volkes eingesenkt. Dahin als
zu dem Grabe eines Heilligen wurden bald von allen Orten
her Wallfahrten angestelt, opfer gebracht und Vergabungen gemacht.
—————
[AU 16]*) Diese Beschreibung zeiget Wohnplätze an, und das zuströmen des Volks,
also muß bey ankunft Gallo keine durchgehende Wildnis mehr ge-
wesen seyn, er hat eine Wildnis gesucht und sich in dem grosen Forst
Arboner Wald nidergelasen, und da geprediget, folglich müßen in
der Gegend Leut gewohnet haben denen er Predigen können.
**) Alle die mit ihme auß Irland kommen seyen über 90 Jahr alt worden.
[21] 21
XX
Wie das Stift St. Gallen das Berg- oder Appenzellerland bekomen
Sigiberte II. gehörte der theil des Lands so zwischen den Flüßen
Goldach und Urnäsch gelegen, Graf Talto war königlicher Amtmann
und Richter im Thurgau, auch über das Bergland, und übergab solches
des St. Gallen Zellbrüder, im namen des Königs *) appenzl. Cronic
[AU 17]Walsers macht das dieser theil Land vom König, ihnen nebst 2 lb. gold
und 2 lb Silber verehrt worden zu ihrem Unterhalt.
Füßlin, in seiner Staats u. Erdbeschreibung, widerspricht u. macht
dieße Schenckung ganz zweifelhaft, auß Ratperts eines mönchen Buch
der ein Adelicher von Zürich, der geschreiben hat, Graf Talto,
übergab dem heilligen mann kraft seiner gewalt, was ihme dem
König unmitelbar zugehörte, die vorgenante Wildnis, darin
Gallus seine Hütte aufgeschlagen, mit Nutzung der umligenden Wälder“
Also nicht bis an Alpstein, dann worzu hätte der frome Einsiedler
soviel gebraucht. Walafridus Strabus meldete „Pipin habe
Othmar dem ersten Abt, Geld geschenckt. Daraus hat er etwas Landes das
in der nähe des Klosters gelegen gewesen an selbiges gekauft“
Hätte Othmar dieses gethan, oder es zu thun nöthig gehabt, wenn Sigibert
dem Gallus alles Land um seine Zelle geschenkt hätte, deßgleichen meldet
dieses Buch. Pipin hat dem Othmar einige Lehen Leute in diesem Gau *)
bewilliget, auf das er mit derselbigen bey Hielfe die nothwendigen Werkstetten
zum gebrauch seiner Kloster Brüder anlegte. Auch hab er ihnen einige Zölle
von seinen Einkünften zur erhaltung der Kloster Brüder gegeben.
Und erst in Spättern Zeiten ist das Appenzeller Land nach und nach
an das Stift St. Gallen komen, theils durch Stiftung, schenckung, Kauf
und durch andere Wege. Weil eß zu diesen Zeiten ein Vortheil war ein
Unterthan des Klosters zu seyn, als unter der Gerichtsbarkeit der könig-
lichen Gau Grafen, oder dem Adel zu stehen, deßwegen daurten die
freywilligen unterwerfung, Schenckungen, und übergaben der Leuten, die
gerne des Stifts angehörige seyn wolten bey 400 Jahren immer fort
in einem weiten umkreiße, nicht nur von Bergleuten hernach Appenzeller,
sondern auch vom Thurgau, Argau, Algau, Breißgau, am Bodensee.
Das ihnen ganze Höfe und Willer geschenckt und übergeben worden von
[AU 18]König und Grafen, vom adel und andern Herrn. Das daß Stift an
Höfen, Gebäuden, Reichthum und ansehen beständig zugenommen u. vergröseret.
––––––
★) Allem anschein nach ist ihnen von anfang das Land nur zur auf sicht u.
Verwaltung übergeben worden, der ko. war ihr Oberherr, und mußte das
Stift von allen Einnahmen und außgaben Rechnung ablegen dem königl.
Amtmann im Thurgau. Hundert Jahr hernach ist hier pag. beschreibt
[22] 22
XXI
Arboner Forst oder Wald genant, im Arbonergau
gelegen, war die ehmalige Wildnus oder Einöde, da theils
nun das Appenzellerland und Speicher stehet
—————
[AU 19] Die St. Gallischen Kloster Schriften nanten diese ehmallige Wildnis
den ungeheuren Arboner Wald oder Forst, der sich über die alt St. Gallische
sche Landschaft, und über den größten theil des jetzigen Appenzellerlands
erstreckte, und an Rhätien angegränzt habe.
Des Arx neue St. Galler Geschicht meldet das bey ankunft des h.
Gallus diese Berge grose Wälder bedekt haben, von denen derjenige,
welcher später der Arboner Forst hieß, sich bis an das Flüßchen Salmsach
erstreckte, dann bis an die Steinach zurük zog, auß dieser bey Müllinen
oder Kräzern in die Sittern übergieng, auß der Sittern mit der weisen
Sittern auf den Himmelberg hinan steig, auf dem Berg Sambat abwich,
von da der Bergkette nach bis auf Monstein, der Gräntzmark des
Königs Dagoberts fortlief, sich in den Rhein hinab senckte, demselben und
dem Seeufer sich bis in die mündung der Salmsach nach zog. pag.15. *) arx.
[1155] hatte Bischof Hermann den umfang des Arboner Forstes vom Keyser Friederich I.
beschreiben laßen, deßen seit den Zeiten des hl. Galls niemals mehr gedacht
worden war. Vorhero wurde die Wildnis das Arbonergau genant auch.
Der Geschichtschreiber Müller meldet das eine alte Urkunde sage daß das
Arbonergau eine grose unübersehliche Todte Allmend gewesen (also ein
allgemeines Gemeinwerck.) Das in Waldung und Weidgang bestanden (Gemeine Güter)
[1215] Abt Ulrich der VI. (sagt die Kloster Chronik), „habe die Waldung zu Trogen *)
gegen die Arboner behauptet, die solche zu Nengersried hatten ziehen, und
sich mit Thätlichkeiten in den besizstand deßelben, wie in den von Rheinegg
hatten sezen wollen. Die Korespondenz, welche beyde Theile darüber mit einander
führten war kurz und nachdruckvoll. Die Arboner schnitten einem St. Galli-
-schen unterthane, welchen sie in diesem Walde am Holzfällen angetroffen
hatten den Fuß ab; Abt Ulrich VI. ließ hingegen sechs angesehene männer hernach
von Arbon aufheben, und gleicher weiße an Gliedern verstümmeln; und be-
wog dadurch so wohl die Arboner, alß ihren Herren den Bischof von Constanz
ihre neu außgedachte ansprüche an den ehemaligen Arbonerforst fahren zu-
laßen, und sich mit dem kleinen theilen desselben, der Jhnen davon bey
Arbon, Goldach, Untereggen und Nengersried übrig gebleiben war, zu
begnügen. § pag. 335 **) B! Der Trogner Wald war sonst die Steinegg genant.
*) Diese marken sind von der Salmsach bis an Rhein verwirt u. im Zickzak beschreiben.
B!§ Walser hat obige Geschichte etwas anderst beschreiben u. das eß im Speicher in der Schwendy geschah.
[23] 23
XXII
Von der ehemaligen Wildnis des Arbonerforst
Der gelehrte Haller in Bern, hat geschreiben „die Welt ist auß Gottes hand
alß ein Wald gekommen. Das unser Vatterland auch eine Wildnus gewesen ist wahrscheinlich.
[AU 20] Amian Marcellin Schreibte: „der zugang zum Bodensee sey durch schauervolle
Waldung verspehrt, und die Gegenden umher haben Bären, Wölfe, wilde thier,
und nach wildere menschen.“ (also waren zu dieser zeit diese wilden menschen Einwohner)
Diese beschreibung mag eine grundliche Schilderung der ersten Bewohner
geweßen seyn, weil sie sich alß Hirten und Jäger in der Wildnus aufhalten
müßen, und meistens von dem Gewild gelebt, so ist glaubwürdig, das eß auch
Wilde und rohe menschen nach gewesen sind, sonsten hetten sie sich nicht an so viele
wilde thiere wagen, und gleichsam unter ihnen Leben und wandlen, und solche
außrüthen dörfen, und das nach ohne Pulver und bley (weil das Pulver
erst Ao. 1380 erfunden worden).
Die Forste an dem lincken See ufer wegen gröse u. dunckelheit
wurde der schwarz Wald u. auf dem rechten das schwarz Holz genant.
Über dem Bodensee sey zu der Römer Zeiten, der Silva Hercini (oder
Hercinische Wald genant) gewesen, der sich von Helvetien durch ganz Deutschland
bis in Pohlen erstreckt habe, deßen länge sich auf 60 Tagreißen erstreckt habe.
Da das Kloster St. Gallen mit seiner angebauten nachbarschaft in einer
Wüste bey großen Waldung lag, zeigte sich im Arboner forste, oder dem berg-
lande *) das zwischen der Sittern und dem Rhein ligt, keine Spur eines angebau-
ten orts, nicht ein mahl in benennung der berge, Flüße und Dörfer, welche
wie St. Gallen, deutsche - und nicht rätische namen haben, sondern von den neuen
Jahrhunderten sind, da wenige den namen von ihren Besizern, sondern von den
Thieren und Waldungen, die vorher da waren, tragen, z.B. Rehetobel, und
Rechberg, Hirschberg, Schweinberg, Wolfhalden, Bärnegg, Gaiß, Hundweil, Berlach [?]
Waldstatt, Wald, Waldshaußen, (Rüthy und Schwendy, von ihrem aufrüten).
[AU 21] „Der zentgraf Waltram habe alle Rechte und ansprach die er auf diese
Wildnus gehabt dem Abt Othmar abgetreten, und Pipin beschenckte ihme mit
60 lb Silber und eine Gloken Ao. 747. St. G.G. pag 40-41. arx.
Hernach meldet die Kloster Chronik, das man annehmen könne, das auf diese Zeit
die Pläze auf welchen das Kloster St. Gallen, für seine Hirten und grosen Viehherden
in der Wildnis wohnungen errichten ließ, anfiengen angebaute ort zuwerden,
früher wurde das urbarmachen in dem Theile der Wildnis, welcher über der
Sittern ligt vorgenommen, das Gosau, Schweinberg, Ramsperg, schon angebaute
höfe waren, und in Herisau schon eine kirchen stand #das gebaute Land war in
Zelgen eingetheilt und nach Jucharten abgemeßen.
—————
*) Wann man andere geschichtschreiber dargegen hält, so heißt eß das der könig
ehe Gall in das Land kommen, seine Königliche Güter gehabt, und der adel ihre Höfe,
also eß keine durchgehende Wildnus mehr gewesen, doch mehr Waldung als
Weiden, wo Hirten und Jäger sich nur in Hütten aufgehalten und gewohnet haben
und alß nach eine Wüste mag gewesen seyn u. keine angebaute ort gehabt oder Dörfer.
[24] 24
1
Vom anfang und ursprung des Appenzeller Lands.
[AU 22] In denen Berggegenden die jetzt Appenzellerland hießen, kommen
nur Herisau und Schweinberg (oder Schwänberg) in den St. Galler
geschichten als bewohnte ort vor. (arx pag nach seiner Beschreibung)
Im ersten Vergabte schon im Jahr 837 Winiheri sein ligendes [arx 151]
Eygenthum an das St. Galler Stift. Es stand da in Herisau
eine kirchen, an welche einige freye Leute von Gosau, Flaweil,
Wolfarthschweil, Edlischweil ihre Zins Pfenige, die sie im Jahr 910
gegen das gemeldte Stift auf sich genommen hate zu entrichten an ge-
wießen würden. Nach früher machten Richo und Roadho ihre
Güter zu Schweinberg, oft gemeldtem Stifte zinßbar. urk 821.
Das übrige Appenzellerland seye nach zwischen dem zahmen Vieh des
Klosters St. Gallen, und den wilden thieren getheilt geweßen.
Diese scheinen sich größten theils in den Wadungen auf der rechten seite
der Sittern, in den Gegenden Tiefen, Trogen und des Kayenbergs.
Jene aber mehr auf der linken seiten derselben bey Hundweil, und
Urnäschen vorzüglich bey Appenzell, und auf den Jnnrooder Alpen,
auf gehalten zuhaben, wo sie nicht ganz von Bären sicher waren, die
gern dort einige Plätze zu besuchen kamen.
[UE: Mit geschweifter Klammer links nächste zwei Zeilen zusammengefasst]
B! Es hate zuerst kein Heuwachs, sonder
nur Weiden u. wildes Vieh nach.
Welche menge Wilder thieren in den Wäldern herum Jrrte, läßt
sich daraus abnehmen, das bey dem besuche den Kayser Conrad I. dem
Kloster St. Gallen gab, zwey oberhirten dieses Stifts, innert vier und
zwanzig stunden für das ganze gefolg des Kaysers, Hirsche, Bären,
und jede gatung Wildprets zu erlegen im stande waren.
Die nachbarschaft dieser Thiere mit den Viehherden, machten diesen Leuten
zur pflicht zugleich Hirten und Jäger zuseyn. Diese männer haten einen
schönen Körperbau, und lange Bärte machten dieselbe so ansehlich, das
unbekante sie für Edelleut halten mußten; sie waren stark und haaricht.
Die Güter und zins Leute welche das Stift St. Gallen an den jetzt
genanten orten in diesem Zeitraum *) erhielt, sind gegen die grose
menge der Jenigen Höfe und Huben ganz unbedeutet, welche ihm in dem
Thurgau, Zürichgau, Argau, im Breisgau, im obern Elsas und Schwarzwald
in der fürstenbergischen Baar, im Hegau und Klekgau, an der Donau,
und Nebelgau, Lindsgau u. zugehörten, das die Abtey St. Gallen schon
theils an eigenen theils an zins Gütern, viertaußend huben, also
über 160’000 Juchart beseßen hat, welche zahl man damals für ein
reiches Stift an nahm. (B!*) in diesem Zeitraum obige ort erhalten erst.)
[25] 25
2
Von den Curtus oder höfen, Roncalen, Huben, Manssus.
Schuppißen & Willer genant & von meyer und Keller.
[AU 23] Die heutigen Felcken und Dörfer waren unter den Aebten meist
nach Höf, welche nach mit großen Waldungen umgürtet und durch schnid
waren, die das Stift St. Gallen anbauen laßen waren von grosem
umfang, sie bestanden auß einer großen anzahl Zelgen, abgetheilten
Acker, Wießen, Waiden, Waldungen, oft auch Alpen und Rebbergen.
Sie haten ihre Wirthschaftlichen Gebäude, die meistens zahlreich waren.
Wohn Häußer, der Saal, der Keller, der Speicher, die Werkstätte,
die Ställe vor jede gatung viehes, die Heubehältniße u. oft auch einen
Schopf oder Bethhaus, die als Kirchen dienten bey hundert Jahren lang.
Der welchem die Abtey so einen Hof anvertraute zur aufsicht hiess
[Kehlhofmeyer] mayer, oder oberbauer, dergleichen sie nach dem gebrauche Jener
Zeiten viele haten, in Appenzell, Herisau & Altstetten. Meyerämter,
denenselben lag die Leitung des Feldbaus, und der Einzug vieler
Gefälle und Zinße ob, sie waren auch die obrigkeiten der Leute
welche auf einem solchen Hof und in denen abgetheilten Roncallen,
Huben, mansus, Schuppißen[UE 11] wohnten & Leibeigene waren.
Da wo die Höfe weniger groß waren, oder wo die meyer
sich mit dem Landbaue nicht mehr befaßen wolten, hießen die
Verwalter der Höfe Keller, und diese Höfe bekammen daher den
namen Kellhöfe, diese waren im mitelpunckt und der größte
Hof, von denen Ronkallen, Huben, Schuppißen, manßus, die meistens
nur in 30 - 40 bis 50 Jucharten bestanden, und abtheillungen von
dem Kellhof waren, die an einigen orten so groß waren als
heut zu Tag ganze Gemeinden, und deßwegen in mehrere kleine
Landwirthschaften abgetheilt wurden, weil bald eingesehen worden
das dadurch der grund zur Verbeßerung des Lands gemacht, so
wurden die grose Höfe je länger je mehr in stucke zertheilt und
ein mansus in 2 theile oder Wieler (das heißt Güter) gemacht.
Oft wurde auch ein ganz abgesönderter Hof unter die aufsicht des nächsten
meyers gesezt, die meyer dünckten sich bald zuvornehm für die Land-
wirthschaft und fiengen an sich derselben zuentziehen u. die Keller
damit zubeladen und sich nur mit dem Gerichtlichen abzugeben und
Das manche Gerichts Herrlichkeit von den mayer oder mayerämter,
genant wurden, von denen allenthalben nach vorfindliche Geschlächter sind
meyer und Keller kan man mit grund vermuthen das solche daher kommen
die fernere vertheillung der Höfen und almenden ist hier pag 281 beschreiben.
[26] 26
3
Vom ursprung der Stätte und Märkte. Fleken & Dörfer &
Handl. & Zöll zur Verbeßerung der Landstraßen &c. (handwerker.
Der Name der Städter, oder der vilains, war anfangs verächtlich
nur den Lohnleuten gegeben, die auß mangel des Landeigenthums
sich von Gewerben und Handwercken nährten; mit der Zeit konnten solche
Leute nicht länger zerstreut, der ander da, der eine dort leben. Ein Jeder,
um in seiner Kunst oder Handwerck ruhiger und ununterbrochener zu arbeiten,
bedurfte eine menge anderer Künstler und Handwercker, deren einer dem andern
in die Hände arbeittete. Ihre Hütten und Häußer bauten sie zusammen; so
Entstanden Flecken, Dörfer und Städte, wo vorher nur zerstreute Höfe ge-
weßen. Nach und nach gelang eß den Einwohnern das sie nicht mehr
alle augenblicke von ihrer arbeit weg gehen müßen, um da oder dorthin
entweder ihre arbeiten feil zutragen, oder Materialien und Werckzeuge hollen
zulassen. Die Land Eigenthümer mußten in die Stadt kommen, um
daselbst für ihre Feldfrüchte allerley Kunstarbeiten und Bequemlichkeiten ein-
tauschen zukönnen. Für Käufer und Verkäufer war eß eine ersparung der
Zeit, das sie nicht auf einen bloßen Zufall warten oder auf glük und ge-
rath hin bald da bald dorthin reißen mußten, entweder um Waaren
zuverkaufen oder einzukaufen, so bald man wußte wo man solche Waaren
haben könte, wurde Kauf und verkauf erleichteret, die Pläze zur nider-
lag der Waaren und Güter bestimt, wie auch die Zeit zu verhandlung
derselben verordnet, und so entstanden Wochen- und Jahrmärkte.
Zum erstaunen ist es, wie viel die entstehung derselben zu Kultur
des menschlichen Geschlächts, und zur Verbeßerung des Gesellschaftlichen
Zustandes bey getragen haben.
An solchen orten, wo die Waaren auß und eingetauscht wurden, ließen
sich Rathgeber und Schiedrichter nider; Es entstanden Richter u. aufseher,
einzig mit Beylegung der Streithändel oder mit Sicherung des Handels
und Wandels beschäftiget. Unvermerckt vergleich man sich darüber,
von den Waaren, welche entweder auß oder eingeführt wurden, einen
kleinen Zoll zuerstatten, und dieses Einkommen wurde ursprünglich zur
Verbeßerung der Landstraßen und Beförderung des Handels verwendet.
Es entstanden auch glückliche anstalten nicht nur zur Sicherheit auf
Wegen und Straßen, sondern auch überhaupt zur ordnung und Ruhe im
Handel und Wandel. Auß dießen volkreichen Plätzen schickte man
gegen Räubersche Haufen wohl bewehrte Leute, oder um sich vordenselben
zuflüchten verbarg man sich in den Flecken und Städten, und deswegen
wurden sie nach u. nach mit Mauren und Graben umzäunet. Die
[27] 27
4
Von Landeigenthümer und Lohnleuten &a.
Die Lohnleute, derer jeder vorher einzeln wenig bedeutete, erlangten jezt
allmählig durch ihre Vereinigung in dem gleichen Plaz, mehr ansehen; schon
konnten sie sich dem Troz der Landeigenthümer oder Edelleute widersezen.
Und endlich gar denselben durch Verträge und Bündniße gegen ihre Feinde zu-
flucht und Beystand verschaffen.
Es gab Lohnleute die durch Fleiß und Gelehrsamkeit so viel erwarben,
das sie an Einkünften den Landeigenthümern gleich wurden; je mehr sie
in ihrem öftern umgang im Täglichen Handel und Wandel so wohl an
Vermögen als Einsichten zu nahmen, desto liechter war eß Jhnen mit den
Edelleuten um die Ehre zu weteifern, u. an der offentlichen Verwaltung
antheil zunehmen. Unvermerckt mußte sich das Loos umkehren, die
Landeigenthümer, alles geselligen umgangs beraubet, immer unter Leblosen
Baumen und Pflanzen, unter der Herde ihres Viehs, hatten wenig gelegen-
heit sich im umgang mit andern aufzuklären, das viele das Felde
verließen und vermischten sich mit den Einwohner der Städten.
[alR 925.] Zufolg eines Reichs gesezes mußte von 9 Haußvatter einer, in eine neue
Stadt ziehen, und also wurden die Städte bevölckert (siehe hier p. 17.)
und dadurch die Handwerker vermehret auch, u. Burgerschaften errichtet.
Arbor Felix, oder Arbon, im Arbonergau.
[AU 24]War eine der ältesten Städte in der obern Schweiz, wenn man die über-
reste der römischen Mauren um Arbon, die jezt vom See ganz bedeckt sind,
und nur bey nidrigem Waßer bemerkt werden können, so kann man daraus ab-
nehmen das die alte Stadt viel gröser und die Waßerhöhe nidriger gewesen
sey, weil der See und Rhein durch zugeführte Stein und Schlam immer mehr ausge-
fült wird, die römischen Vestungen bestimmen die Waßerhöhe im ersten Jahr-
hundert, diese Vestung oder Burg, solle zu gleicher Zeit wie der Wachtthurm
in Herisau erbauen worden seyn von Römer, unter Kayser Drusus mit andern
Festen pläzen zur sicherheit der eroberten Rätischen Lande. *)
Ammianus Marzellinus, der unter Kayser Valentiniam die römischen
Krieger gegen die Alemanier Commendierte, hat geschreiben.
Die verscheidenen bevestigten Wohnplätze welche die Römer an den Ufern
des Sees erbaut hatten, wurden von den Alemanier und Hunen erob-
ert und verstöret“ Alles was einen römischen Namen oder Ursprung hatte.
Attila habe die alte Stadt Arbon zerstört, worvon nach viele Maurstuk zusehen.
Die Römer hatten in Arbon ein Lager wieder die Alemanier und Schwaben.
[1282] ward Arbon, von Marquard von Kemnant um 2500 Mark Silber dem Bischof
von Constanz verkauft, in dem Schloß war der bischofliche Vogt. Bischofshöre
waren die Leut so in das Bisthum gehörten. Bischoshöre wie Kirchhöre genant.
[28] 28
4
Speicher - Vorzügliche Geschichten.
Der Rood & Gemeind
Der ursprung deißes Names soll von einem Zehent-
Speicher entstanden seyn, wie Walßers Appenzeller Chronick p.99
Lautet „das vor alten Zeiten da wo die Kirchen nun stehet, ein Zehent-
Speicher gestanden, dahin man denen Aebten von St. Gallen, auß denen
umligenden Gegenden gehörige Zehenden von Früchten, wie auch Käß und
Schmalz &c. geleifert, und dahin eingesammelt worden“. Und weiters
ist keine genugsame auskunft am Tag, zu welcher Zeit, und wie
dieser Speicher entstanden, oder dahin gebauen worden.*)
Aber nicht ohne Grund ist zuvermuthen, das der Speicher schon unter
den Fränkischen König den anfang genommen, da sie ihre Königliche Güter
im Land gehabt, zwischen denen Flüßen Goldach und Urnäschen, und des
Königs Bergleute diese Cammer Güter als Leibeigene vor ihren König
und oberherren bearbeiten mußten, und die Früchte gehörten in die
[AU 25]Königliche Cammer, die über der Thur geweßen, zu Helfenschwil u. Zukenried.
Welche zur einsammlung und aufbewahrung der Früchten schon solche Speicher nöthig
mögen gehabt haben, ein starker Beweißthum ist was der berühmte
Geschichtschreiber Joh. von Müller geschreiben im Theil pag.
Das zu den Zeiten da Karl der Große sein Reich unter seine Enkel
vertheilt hatte, waren Bauren die nicht mit Leib und Blut sein
waren, und auf seinem Eigenthum hin und wider Plätze anbauten zu
seinen verstreut ligenden Speicher“ darzu machte er auch die an-
merckung“ auch im Land Appenzell heißt ein alter ort Speicher. Es seye
aber keine nattürliche außlegung zufinden. **) (Speicher alp heißt eß auch.)
—————
**) Der Name Speicher weil nichts anders sagen als Magazin, oder auf-
Behalter der Früchten, und andere sachen auf zubewahren. Es hatten auch
viele Bauren Höf solche Speicher heut zu Tag nach in der Schweiz, in Bern,
heißt es hinter den Speichern, und aller orten fast werden solche genant.
In Königsberg sind 1769 über 100 Speicher ein raub der Flammen worden,
und 1776 ein ganzer Reihen wider solche Kaufmanns Speicher abgebrandt, und 1811
widerum 134 Speicher eingeäschert worden, darin Flachs, Hanf, und andere
Waren sich befanden, und auch Getreide Speicher waren, darin Frucht aufgespeichert.
*) Die Aebte haben das Bergland erst in spätern Zeiten nach und nach
bekommen. Wie hier pag XX schon angemercket ist. Die Königliche Kammer hatte
im neuenten Jahrhundert nach Waldung zu Kobel, Diepoldsau, Widnau, Balgach u. hier.
[29] 29
4
Von Speicher so das Stift St. Gallen gehabt.
Wann der hießige Speicher nicht schon unter den Fränkischen Königen ent-
standen, so ist er unter den Aebten im achten Jahrhundert ohngefehr an-
gefangen worden, da der Kelhof im Speicher seinen anfang genomen.
Das Stift hatte deßgleichen auch einen solchen Speicher in Büren,
[AU 26](so in groß und klein Büren getheilt war.) wo die abgedankten Aebte
ihren aufenthaltung und Wohnung hatten, welche mehr als eine Tausend Jährige
Besizung von St. Gallen geweßen, da die Einkünfte von klein Büren,
mit denen von Herisau und Waldkirch, denen abgedanckten Aebten zum
Unterhalt gewidmet waren, eß stand eine Kirchen da & ein Speicher in den
die umliegende Zins leute ihre Früchte und abgaben, geben mußten. arx.134
Die neue Kloster Chronik oder St. Galler Geschichten enthalten
nichts vom Speicher, nur von Vögelisegg *) das eß in das Kämmeramt
mit vielen andern orten ihre abgaben geben müßen, wie im folgenden
Blat zuleßen ist. Erst Ao.1390 wird von einer Geschicht meldung
gethan, das Walther zum Speicher, Ulrich Kern, Hermann Müller,
Hermann Gaßer, Hermann und Gerwig Bellen, dem bruder Hanns
Sturmann eine Hofstatt zu einer Klaus gegeben. Wie darvon hier p. 21.
Weil schon vor alten Zeiten hießige Einwohner zum Speicher genant
wurden, so ist es wahrscheinlich das es nicht ein privat Speicher gewesen,
sondern ein allgemeiner Speicher dahin das Sonderamt den Zehenden
Leifern müßen, oder aber die 6 Rooden. 1te Schwendiner, 2te Rotter (ein-
theil von Teufen) 3te Speicher oder Vögelinsegger, 4te Rothenweiser,
5te Trogner, 6te Tableter, Rood. Die alle zusammen unter einen
Amann gehörten welche der Abt ihnen gab. (W.C. pag. 112)
Das Sonderamt war deßgleichen, Trogen, Gais, Riedly, Speicher,
und Rota ein theil von der gemeind Teufen heut zu Tag.
Die Aebte hatten auch 13 Rodmeister, in Jeglicher damaligen Rood 1,
welche die Steuren vertheilen und Einziehen müßen und andere Gefäll.
Der Haubtmann der Rood bekam vor seine aufsicht und Zusammen sammlung
der Zehenden, 1 Malter Frucht zur Belohnung, und weil nur 12 Rooden
geweßen, namentlich in Appenzell auch 6., 1te Schwendiner, 2te Schlatter,
3te Rikenbacher, 4te Gontner, 5te Lehner, 6t Rüttiner Rood,
& auf dieße alle Abgaben und Zehenten vertheilt waren, so wird in obigen
genanten ausern roden, Vermuthlich eine gleiche Repartition gewesen seyn.
Trogen mußte Jährlich Kilchen zehenten 15 Mutt Kernen, 15 Käs, und
11 pfund pfenig geben müßen, und 24 Mark oder 70 lb. d. Reichssteuer,
welches Speicher und andere mit Rooden auch wird getroffen haben.
*) Speicher und Vögelinsegg machten eine und eben dieselbe Rood auß.
[30] 30
4
[Ao. 162 ] Die erste muthmaßliche Beschreibung vom Speicher.
Hat hießiger Hr. Pfarrer Anhorn gemacht, wie hernach folget.
• Warum es Speicher genant werde möge er nicht wüßen, vielicht seye
• anfangs eb das Land wohl mit Häußern besezt, Ein Speicher u. behalter
• des Schmalzes und Käßes, und andern Früchten geweßen seyn, der umlig-
• enden Flecken, welche sie im Sommer auf dem Feld dieses orts einge-
• sammelt und in Speicher behalten habend, oder eß sind Reiche habliche Leute
• an diesem ort wohnhaft geweßen, bey welchen man alllezeit als in
• einem Speicher, mulchen[UE 12] hat funden zukaufen, oder eß ist ein Speicher
• an der Landstras gestanden, darvon der ganze Fleken den Namen hat
• empfangen, wie Geiß das auf latinisch Casa, eine heute heißt, den
• Namen bekommen „. Ao1624.
Dieser Herr Pfarrer Anhorn, war von Fläsch aus Mayenfeld, u. erst
3 Jahr hier. Es mögen wohl erzählungen von alten Leuten ihme zu
obiger Beschreibung anlaß gegeben haben, aber nichts grundliches gewußt
vom Ursprung des Speichers, was vor etlich hundert Jahren geschehen ist.
Hingegen Herr Pfarrer Gabriel Walßer, mag sichere außkunft
bekommen haben in Kloster Schriften, weil derselbe den freyen Zutrit
zur Canzley und Bibliothek so wohl im Kloster, als auch in der Stadt
St. Gallen gehabt; daraus er vieles zur Beschreibung seiner Chronik &
schöpfen könen.
Die neue St. Galler Geschichten vom Arx hat sehr wenig vom [arx 474]
Appenzellerland, und vom Speicher gar nichts, nur von Fügilinsegg et-
was, wie solches nebst Trogen Hundwil u. Appenzell, in das Kämmer-
amt ihre abgaben geben müßen in das Stift St. Gallen, und
dieses amt seye das schwächste geweßen von allen. Der Kämmerer
mußte die Einkünfte besorgen, wie auch die Zimmer und Kleider.
[1289] war Kämmerer oder Cammerarius, Heinrich von Güttingen, und
Ein unter Kämmerer auch gehabt.
Das Königliche Stift oder Kloster St. Gallen genant, hatte ao. 720 nach
Kastenvögte die der Königlichen Cammer von allen Einnahmen
und ausgaben, mußten Rechnung ablegen, auß dießen ist zu schlies-
en, dass die Pfleger und Kloster Brüder, nur nach Verwalter über das Ap. [Fäsy]
land geweßen, und erst in spätern Zeiten Eigenthümer oder oberherrn,
[817.] über daßselbige geworden, das sich aber die Einkünfte durch reüttung u.
urbarmachung des Bodens immer vermehrt, u. durch neue Stiftungen u. Käufe
nach und nach das ganze Land an das Kloster kommen ist wahrscheinlich. G.M. [1. Th. 201]
[31] 31
4
Das Kämmeramt hat von folgenden orten Gefell
& abgaben Bezogen, Darunter Fügillinsegge**)
Von Gosau, Strubenzell, Bernardzell, Lümischwil, Muhlen,
Wittenbach, St. Jörgen, Goldach, Tübach, Roschach, Gaisau, Höchst,
Roggenzell, Bernang, Marbach, Altstetten, Ermindius, Rötins,
Rankwil, Appenzell, Hundwil, Trogen Fügillinsegge, wie
auch Stadt St. Gallen, bezogen. und bestanden. [Swendin?]
Jn 34 Pfund 4 Calenten, 481 Schillingen, 11 Kreuzern, 230 Pfenig.
Geldes. Jn 270 Mütt 34 Viertel Kernen, 69½ Mütt Haber, 7 Mütt
Gersten, 7¼ Mütt Bohnen, 2 Mütt Erbßen, 2 Büscheln Flachs,
4 Mütt Aepfeln, 12 Malter Nüßen, 1 Saum Knoblauch, 1 Pfund Pfeffer,
36 Schweinen, 13 Schafen, 106 Jungen Hähnen, 59 Fischen, 122 Schulterblät-
tern 4 Schafmagen, 5435 Eyern, 36 Sechstheilen Weins, 2733
theils gemeinen-theils Alpkäßen *) 18 Broden, 50 Ellen Tuch, Leinen,
von Roschach, und Steinach für Fischgarne, von Altstädten ein Mantel
auß Fuchspelzen, u. siehe unten im nebigen Blat von Cammerarius &ca.
*) Ein gemeiner Käß galt so viel als drey Alpkäs, ein solcher 8 d.
**) ob Vögelisegge damals ein eigner Bezirk oder Rood geweßen, oder ob
Speicher darzu gehört, habe nichts in erfahrung bringen können außert
das Walser bey denen 6 Rooden sie nennt Speicher oder Vögelins Egger Rood. [112.]
Von der königlichen Cammer Regierung.
Die Königliche Cammer war im Thurgau, zu Helfenschwill und Zuker-
ried im Schloß, die Abtey St. Gallen, u. freye Leute waren von unbekanten
Zeiten her im Besitz der Güter welche die Höfe Helfenschwill, Billwill, Zuzwill,
Lingenwill und Zuckerriet außmachten.
Zu Helfenschwill, wohin das Kloster St. Gallen seine Güter zusammen
zog, stand 903 eine Kirchen,und zwischen Zuckenried und Bram-
genau [Braunau?], ein Bethhaus, welches von dem Priester Theoding der es
bediente, Theodingszell genant wurde, dieße Zell gehört Richbalden
zu, der sie aber im Jahre 817 mit allem was darzu gehörte dem
Kloster St. Gallen schenckte. arx. pag. 134 1.T.
[912] Schenckte König Conrad dem Abt Salomon alle Cammergüter
zu Helfenschwill, und der Bischof verschreib dieselbe nach einem Jahr
dem Kloster St. gl. mit Beding das er, u. sein Hofkaplan selbe nach
ihr Lebenlang besizen können, diese Kammer Güter waren vor Salomon
eine Belohnung seiner Hofdienste. arx pag. 117.1.T.
[32] 32
4
Hof zum Speicher genant worden.
[AU 27] Das Speicher von anfang ein Hof gewesen, wird nicht nur
im Kirchen Libel pag 30 gemeldet „das Eine Gemeind zum
Speicher, Jm Hof gestellet worden“, ob sie einen neuen Kirchenbau
unternehmen wollen „sondern der Namen im Hof ist bis in
die 1760r Jahr von Jederman so genant worden, wie eß heut
zu Tag in Trogen, das Dorf, nach im Hoof genant wird, auch Rehetobel,
und in denen Zedlen auf den alten Häußer oder Güter, heißt
eß das unterpfand lige im Hoof zum Speicher, wie in einem
alten Copia Buch genugsam zu ersehen ist. *) wie auch in Steüren hier. [240.]
Nach erzellung alter Männer waren 7 oder 8 Kellhöf die vor
altem Gerechtigkeit und antheil an Steinegg gehabt, und das
waren Trogen, Speicher, Rothen, und Teufen, und die andern
auß dem Tabelt, und was ein Kellhof gewesen sey ist alhier p 3
schon beschreiben, sie haten den Namen von Keller bekommen,
welche die Aebte auf ihren Höfen als Verwalter und aufseher
haten, die in einem oder mehr Wohnhäußer bestanden und einem
Speicher, und Städel vor jede gatung vieh auch ein Schopf oder
Bethhaus anstat einer Kirchen dabjgewesen, bey hundert Jahren
lang.Und weilen bey dem neuen Kirchenbau in Speicher
1808 unter der Stras circa 4 bis 5 schuh Tiefe Grabstätte,
bey dem Grund außgraben gefunden worden, die in Nagel-
felßen gehauen waren, so kann man nicht ohne grund vermuthen
das da ein solcher Kellhof und Bethhaus gestanden, wo die in
der Revier verstorbene Persohnen begraben worden sind, bis
ein Kirchhof in St. Lorenzen oder St. Gallen entstanden, und
dahin konnten verstattet werden. Es wurden auch grüne u. gelbe Kachlen
ofen Zeug unter der Straß gefunden, mit vielen Figuren, welches
von einem alten gebäu zeugen vom namen im hof hier, hofergmeind genant.
nach heut zu Tag.
*)Die höfe seyen im 9ten Jahrhundert eingetheilt worden.
—————
Die geschäfte u. Einkünfte waren unter die Kloster Beamtteten vertheilt.
Diese waren der Abt, der Stiftsprobst, Dekan, Keller, Küster, Portner,
Spitaler, und Kämmerer (Cammerarius) & Keller § Cellerarius), Küchemeister.
Derer ein Jeder gewiße gefälle und Zinße als Einnahme zubeziehen
und gewüse Zahlungen zubestreiten hate.
§Cellerarius mußte die Haußwirthschaft besorgen laut der Regel des H. Benedickts.
[33] 33
5
Geistliche Gerichtsbarkeit des Klosters St. Gallen.
[von 920 bis 1076.] Die Bischöfe ließen ihre Gerichtsbarkeit durch die Erz Priester [arx 257.]
verwalten, und übten dieselbe an den Sendgerichten (Synodo) sehr
schmerzhaft auß. Wenn der Erzpriester solche in einer gemeind abhalten
wollte, forderte er die seiben angesehensten Männer derselben zu sich,
und ließ sie einen Eyd ablegen, das sie ihm alle seine Fragen getreu und
Wahrhaft beantworten wollten. Darauf fragte er sie, ob sich in der
Pfarre ein Nörder, Zauberer, Wahrsager, Segen sprecher, oder ein Weib,
das sich viele Künste rühme befinde? Ob die Weiber bym Spinnen
und Wolle weben, Aberglauben trieben? Ob Jemand den Zehnten
nicht geben wolle oder mit verachtung seines Pfarrers eine andere Kirchen
besuche, dort kommuniziere, und den Zehnten dahin gebe? Ob jemand
den Wallfahrtern und Reisenden die Herberg abschlage, oder ob Je-
mand in der Nähe der Kirchen unzüchtige Lieder singe.
Die, welche die Sieben beeidigten Männer angaben, wurden also bald
vor gefordert, und wenn sie freye Leute waren, mit Bethen, Fasten,
Geldbeyträgen zufromen Wercken, die Leibeigene oder Zins Leute
aber mit Ruthen abgetraft, welche an den Sendgerichten nebst
einer Scheere und dem Evangelienbuch immer auf dem Tische vor dem Erz-
priester lagen; wolte sich jemand dieser Strafen nicht unterziehen,
über den wurde der Kirchenbann verhängt. Jn der zwischen der
Sitthern und Goldach gelegenen Pfarrey St. Gallen, hielt zufolge
eines vom Abt Bischofe Salomon III. erhaltenen, vom Kayser Karl
dem Dicken, und vom Pabst Johannes bestättigten Freyheits Briefes,
der Pfarrer nicht nur die Sendgerichte, sondern übte außert der Ehe-
scheidungen auch alle andere Rechtsame eines Erzpriesters auß.
In einem solchen Gerichte ward zu den Zeiten der hl. Wiborad eine
Kinds mörderyn von dem Volk verurtheilt, an einen Pfahl gebunden
mit Ruthen zerschlagen, der Haare beraubet, und ein Jahr lang vor
der Kirchen des hl. St. Mangs § alle Sonntag und Feyrtage in blosen
Füßen außgestelt zu werden. (§ Ao. 690 ist die St. Mangen Kirchen erbauen.)
Die Bischöfe suchten zwar vom Jahr taußend an, dem Kloster
diese geistliche Gerichtsbarkeit wieder abzunehmen, und bestell-
ten für die st.gallische Pfarrey einen besondern Erzpriester; aber
da dieser einige Weibspersonen, die sich Zauberey verdächtig ge-
macht hatten, die kalte Waßer probe zu machen zwang, und selbst
gegenwertig war, als man sie ganz entkleidet in ein fliesendes Waser
warf um zusehen, ob sie hinunter säncken, das war unschuldig, oder
aber
[34] 34
5
Alte Geschichten im Kloster St Gallen.
aber oben auf schwämen, das ist schuldig wären, so gabe er durch dieses unan-
ständige Benehmen, der Abtey die Waffen in die Hände ihre Rechtsame kräftiger
zubehaupten. Vor dem hineinwerfen wurde ein Gebäth verrichtet.
Die Bischöfe an ihren Sitten Gerichten, ließen die Leute welche sich gegen
ein Geboth Gottes oder der Kirchen vergangen hatten, mit Geißelstreichen
darfür züchtigen, deßgleichen die Kloster geistlichen wegen Fehlern wider
die ordens regel, an eine Säule binden, ihnen die oberkleider ausziehen, [189.]
und sie Geißeln laßen.
Die welche Kirchen Bußen zuverrichten hatten, stuhnden während dem Gottes-
dienst baarfus außer der Kirchen, gingen in umgängen die lesten, und das
Volk bath den Pfarrer für die Loßsprechung derselben.
Den Pabst erkante man in St. Gallen, als den allgemeinen Vatter,
und verrichtete für ihne offentliche Gebethe, man ließ sich von ihm auch die
von den Königen erhaltenen Freyheiten bestätigen.
Den Erzbischof von Maynz, nante der heil Notker einen Patriarchen,
dießer sagte von St.Gallen, das darin die Leute grob, der Glaube [175.]
roh, und der Boden überaus hart waren.
Die Pfarrer betheten die Tag Zeiten in der Kirchen, Ein Reichsgesez [172.]
legte ihnen auf, die Psalmen u. Tauf gebethe auß dem gedächtnus
herzusagen, u. in ihren Predigen die Christliche Religion wenigstes in
Haubtsäzen vorzutragen. Jeder Pfarraangehörige mußte in seine Parr-
kirch gehen, und durfte nicht andere besuchen. Die Kanzel u. der Tauf-
stein, stuhnden in der mite in der Kirchen, die Altäre waren mit Gold,
Silber, und Seidenem Zeug geziehret.
Kayser Ludwig verordnete das die Geistlichen keine Feldarbeit [180.]
thun, außert im Nothfall, Sie tragten kurze Bärt, aber etwas
lange Haare. # Sie speißten an 13. Tisch im Kloster waren ca. 100 an
der Zahl, ihre Speiß war Mus, sie hatten nach kein Buter (daraus ist
zuschließen das zu dieser Zeit nach kein Schmalz gemachet worden.)
# Sie Bätteten beym Haar und Bart abschneiden. p.255. [25.]
Die Geistlichen machten ein eigenes Gesezbuch, nach welchem die in [173.]
ihr Kloster oder Kirchen gehörige Leut gerichtet werden sollen, welches
man das Kanonische oder Kirchliche genant, und den andern Gesez-
bücher vorgezogen wurde. Kauf- Tausch- u. Vergabungs Brief wurden in der Kirche
ausgefertiget.
Die Nonen hieß man im 9.ten Jahrhundert Gottes Dienerinen 182.
[35] 35
6
Alte Geschichten unter der aebtischen Regierung.
[Ao. 877 - 912] Fangte man die Jahre von Christy geburth an zuschreiben, und vorhero [arx. 76 - 115]
wurden nach den Regierungs Jahren der Königen die urkunden geschreiben.
War das neue Jahr am Wienachtfeste angefangen. 567 von der
beschneidung Christy an gefangen gewesen.
Es war von anfang kein anderes als Egiptisches Papier, die Wachstafeln
brauchte man nur zu Konzepten und rechnungen; hernach wurde auf [185.]
Pergament geschreiben, das auß den Häuten der Wildenthiere mit solcher
Kunst zugerichtet wurde, das man es jezt in urkunden so weiß und
dünner als das feinste Postpabier antrifft. Das Pergament hat erfund-
en ein König zu Pergamo Attalus, 130 Jahr vor Christy geburth, daher
eß Pergament geheißen wurde, oder den Namen bekomen.
Das Papier ist erst 1368 durch den Antonius & Michael zu Basel
erfunden worden, ein jeder Bogen Pabier muß 31- mal durch die Hände gehen.
Die Schriften waren im anfang des neunten Jahrhunderts, durch
viele Züge und Buchstaben Verbindungen sehr verunstaltet; auch
waren grobe Schriften die mit Weyer rohren auf dickem unsauberen
Pergament geschreiben, das mehr Häuten ähnlich war.
Man konte die deutsche Sprache nicht schreiben bis im 9ten Jahr-
hundert wurde darmit angefangen. (im Eilften Jahrhundert hatte es Calender) [191 - 87]
[Ao. 890] Zu dieser Zeit wurden die zweifelhaft gewordenen Marken oder Grentzen
[AU 28]zwischen dem Thurgau und Rheingau erneuert, welche sich nach aussag der
(52 adeliche Kundschaften, 52) auß dem Bodensee in dem Thalwege des Rheines
bis am Mondstein hinauf zogen, dort am Rheinfluße bis auf Jene anhöhe,
des Schwarzenegges ansteigen, gegen das Jetzige Appenzellerlands Bergspitze,
das Rheinthal aber von Monstein bis auf Blatten gehörte als ein Theil
des Rheingaues zu dem Lindsgau. Eben so hatte eß auch fast dreyhundert
Jahre früher König Dagobert angeordnet, da er dieße Mark in den Felsen
einhauen ließ (ein halber Mond.) Schwarzenegg ligt im Appenzellerland in
der Grub, von welchem u. dem darzu gehörigen Kayenberge das Waßer
zum Theile über Oberegg in den Rhein, und anderstheils über Heiden auf
Thal fließt. Der alte Rhein ist jezt wahrscheinlich eine Jnsel worden,
welche der rechte arm des Rheines von Gaisau, der lincke deßen
Spuren nach sichtbar sind, von Stad u. Rheinegg abschneid. [151]
[36] 36
6
Anfang und Ausbreitung der Christlichen Religion.
[A 640] Gallus und seine Brüder und nachfolger Lebten viele Jahr wie [M.]
der Welt abgesagt, sie führten ein arbeitsames Leben, und waren
nach keine geistliche, nur Lehrer, und machten darneben das Land
urbar, Reuteten und pflantzten in die 80-Jahr lang, Lebten
ohne orden, haten nur einen Pfleger zum Vorsteher bis ein Abt
[Ao. 720] gesezt worden, und das Stift in einKloster verwandelt worden,
und die Benedicktinische Regel unter die Brüder eingeführt wurde.
Nach dem absterben Gall, folgte ihme in seiner Zell sein Freund
Mang, diese beyde wurden an diesen orten für Heillige gehalten,
seine Lehr Jünger und andere Gottsellige Männer, haben das ange-
fangene Werk deß Christenthums mit grosem Segen fortgepflan-
zet, und Tauften viele Land- und Bergleut. W.C.
Weillen die Einwohner vom Speicher nicht weit von St. Gallo
entfernt, und Gotts Haus Leut gewesen, so ist nicht ohne grund
zu schliesen, das in dieser nachbarschaft das Christenthum auch
frühzeitig werde außgebreitet worden seyn, weil in Arbon
auch schon vor Gally ankunft der Christliche Glauben geprediget
und gelehret worden, und an anderen orten nach früher. Schon
[290] Solle in Glarus und Ury, die Felix & Regula, das Werk
[AU 29]der Evangelisten getreiben, und alß Verfolgte dahin gekommen
seyn, als Christen, laut Tschudis Cronic pag 70 (&Müllers G.74.
Sagt das die Gothen die ersten Christen gewesen, die wider
die Schweiz bevölckert haben.
[ao. 291] sollen auch Beatus & Achatus, auß Engelland, an andern orten
in der Schweiz das Evangelium geprediget haben.
Andere Chronicken melden von entstehung der Christl. Religion.
als die Schweiz durch die Römer, u. hernach durch die Alemanier,
Eingenommen worden, Wanderten verscheidene Lehrer des Christenthums
durch die Schweiz u. versammelten kleine Gemeinden, doch ohne Kirchen
u. ohne Kirchen Geseze; den der größte theil Einwohner bestuhnden aus
Heyden; als der Franken König Ludwig im Jahr 499 die Heyden
verfolgte und auch in die Schweiz kam, so wurden die Gemeinden der
Christen immer zahlreicher, und alß das Christenthum nach in seiner
reinheit gelehret worden, waren die Schweizer frome gottsförchtige
u. doch nicht abergläubische Leute, sie hielten sich an der Bibel be-
sonders an das neue Testament, welches ihnen auf allerley weiße
bekant worden. B.C. Religion
[37] 37
7
Religion der alten Helvetier, die Heyden waren nach.
Sie dinten der Sonnen welche sie den unüberwindlichen Gott nanten, und
seine Schwöster die Göttin des Monds, auch die Götter der Schatten; sie verehrten
besonders auch den Wein Gott Bachus, und Mars den Kriegs Gott, die Venus die
Göttin der liebe, und Neptun den Gott des Meers, Pluto war der Herr u. Regent,
und Jupiter der Gott der obern Welt, diese viel Götterey gieng mit aberglauben
und unwüßenheit geparet, vergötterten sie auch ihre Verstorbenen Helden, in ihre
Gräber legte man sie mit ihren Schwertern u. nicht ohne geld, dem aufgang der
Sonnen hin, als erwahrteten sie das aufleben der Natur.
Religion der Römer, die unßer Land Bewohnten.
Diese waren von anfang auch nach Heyden, und verehrten ihre Kriegs Götter,
wie auch Son und Mond unter mancherley Namen, haten ihre Tempel, und unter
den ersten römischen Kayser, hate die Lehre Apostlen auch eingang gefunden*)
[330] als der Römische Kayser Constantin den Christlichen Glauben angenommen, ist derselbe
auch in seinen eroberten Landen ausgebreitet worden *) die Tebäische Legion habe den
Helvetern eine Schaar Evangelisten verschafft schon im Jahr 290, da sie auch unser V.
Land bewohnet mögen unter ihnen auch schon Christen gewesen seyn.
[354.] Julianus versuchte die Herstellung Läuterung u. veredlung der vorigen Religion.
Religion und Glauben der Alemanier in Helvetien.
Diese waren auch der viel Götterey ergeben, sie glaubten an alles wunderbare
und ihnen unbegreifliche gute, was ihnen Nutzen u. vortheil brachte, erkanten sie
das eß von einem Gott herkomme, wie auch das Böse so ihnen schaden oder unglück brachte.
Sie verehrten den Gott des Meers, der Flüßen u. der Quellen, im Thal an den Bächen
um bewahrung der Waßer Flüsen, vor durst, Regen u. Schnee, der Fluß Götter waren
mächtiger als die der Quellen, u. der meers Gott herrschte über sie alle. Alle Berge,
die Wälder, die Felder, der Weinstok, die Gärten, die Blumen alles hate seinen
Schuz Gott, jedes Haus und Jeder Mensch, sie verehrten die Götter auf den Höhen u.
unter den Eichen. Sie fürchteten die Geister der Natur, und die Flammen der Höllen.
Sie haten ihre Götzen u. opferten ihnen in den Wäldern, ihre Kirchen waren sehr
dunckel, man nente sie daher Gottische Bauart. Ihre Kirchen waren heillige Freystetten
für die Knechte, haten auch Kirchen gesez, wer dieselbe nicht besuchte am Sontag der
verliere die Freyheit. Ihre Priester thaten vieles hinzu zu diesen Simplen begriffen.
U. habe die Zahl der Götter vermehret. Das die Sone, Mond, u. das Feur lange der
gegenstand ihrerer anbättung waren, weil sie so viel gutes schaffen.
Von der ersten Christlichen Apostoll. Religion
Viertaußend Jahr ohngefer nach Erschaffung der Welt, erschein der Mesias, der grose
Lehrer von Gott gesandt, und steifte die Christliche Religion, als Beglücker Menschen;
*)die Greichen und Römer, waren damals die Gelehrtesten Völcker, und die Religion
Jesu fand unter ihnen großen Beyfall, das also bald nach seiner Himmelfahrth schon viele
Christliche versammlungen, gesellschaften, und Gemeinden entstanden, in den berühmtesten
Städten Ephesus, Corinth, Pilippi, und in der Haupstatt Rom, der unvernünftige
Götzendienst fieng an zufallen, die Tempel wurden darvon gelert, die heydnischen
Priester
[38] 38
7
[AU 30] Priester aber wurden darüber entrüstet und hezten die römischen Kayser gegen
die Christen als Verächter ihrer Götter auf. Es entstanden die schwärsten verfolg-
ungen, man brauchte die größten Martern, aber je mehr Christen blut vergoßen
wurde, je mehr nahm die Zahl der Christen zu. Ihre Rechtschaffenheit im Leben
und ihre Freudigkeit im Tode machten alle nachdencken aufmerksam unter
# Juden und Heyden. Über dreyhundert Jahr ließ Gott seine Kirchen also
unter schwären Verfolgungen seufzen, endlich schenckte er ihr ruhe, da der römi-
sche Kayser Constantin und seine Mutter sich selbst zum Christenthum bekenten,
und sich Tauffen liesen, und demselben offentliche Duldung zugestand, im
[400] vierten Jahrhundert, und mehrere Prächtige Tempel, und Constantinopel auch
Erbaute*) das also die Christen auf gehört eine Privat gesellschaft zu seyn.
Dem römischen Kayser zugefallen traten aber auch viele Tausende zur
Christlichen Kirchen, ohne überzeugung und ohne Beßerung des Herzens.
Das die Zeit anfieng, von welcher Christus vorher gesagt. „Die Kirchen
sey einem Acker gleich, worauf Waitzen und unkraut wachse“.
—————
*) Biß in das Seibente Jahr Hundert waren Heyden, Juden, und Christen
zu dieser Zeit aber entstand eine neue Religion unter den Türken.
[AU 31][Ca. 600.] Muhamed trat alß ein Provet hervor und rühmte sich Göttlicher
offenbarungen # und suchte die drey alten Religionen zusammen zusezen und
zu vereinigen. Er Lehrte einen einzigen wahren Gott, an den Schöpfer
Himmels und der Erden glauben und verehren, durch die reitzende schilder-
ung des Paradißes. Wußte er seinen Lehren ein solches ansehen zu-
geben, das seine anhänger sich außerordentlich vermehrten, in einem Zeit-
raum von zehen Jahren, mußte sich ihm ganz Arabin unterwerfen, er
hate das verdienst das er die abgötterey in Asien unterdrückt hat.
Seine außsprüche wurden in ein Buch unter dem Namen Alkoran,
(das heißt sammlung) zusammen getragen, welches manche treffliche Lehren
auch enthalten. Er glaubt das Gott den Menschen zur zeitlichen und
Ewigen Glükseligkeit erschaffen, u. um sie dahin zuführen, drey grose
Provethen in die Welt gesandt habe, Moßes, Christus u. Muhamed,
den größten Moßes habe den Gläubigen lauter jrdische Verheißungen
gegeben, Christus habe die unsterblichkeit der Selen, und die aufer-
stehung des Leibs ins Liecht gesezt, und seinen Jüngern die Belohnung
in der Ewigkeit versprochen. Er verwirft also weder die Lehre Moßes,
nach Christy, um sich die Juden und Griechen gefällig zu machen. Er
Starb Ao. 632 und dultete alle Religionen, seine Nachfolger aber die sich
auch Gesandten Gottes nanten, fielen mit seiner vortrefflichen Armee
in Afrika, Spany, u. Portigal ein, und wer nicht sterben wolte mußte
ihren Glauben annehmen, sie droheten ganz Europa, und zogen mehr
als ein mahl in Frankreich, wurden aber von Carl Martell geschlagen
[732] und zurück getreiben.
[39] 39
8
Von der Päbstlichen & Griechischen Religion.
Achthundert Jahre lang hat die erste Christliche Kirchen eine Lehr und
Glauben gehabt. Wie Christus und die Apostel gelehret haben.
[606] wurde der Bischof in Rom über die Lattinische Kirchen; und in Constanti-
nopel war der Patriarch Bischof über die Griechische Kirchen gesezt.
Der Pabst aber wolte allgemeiner Bischof seyn, und die Griechen
wolten ihne nicht anerkennen, oder ihme den vorzug laßen; die allgemeine
Christliche Kirchen hat bis dahin einmüthig gelehrt, das der heillige
Geist seyn daseyn und Weßen voGott dem Vatter habe, laut den
Worten: „Der heillige Geist gehet vom Vatter auß“.
Einige mönchen in Spany kammen auf den gedancken, das Er auch vom
Sohn außgehe, dieß nahm der Pabst im 9ten Jahrhundert an, u. rückte
eß ein, in das nicänische Glaubens bekentnus eigenmächtig.
Die Griechen nahmen es übel auf, und der Pabst thate sie in bann,
das sich darüber die Kirchen getrent haben, die Griechen bleibten unabänderli.*)
Die Spaltung dieser ersten Christl. Kirchen, komt nicht von der Chr.
Religion selbst her, sondern von der angemaßten gewalt des Pabstes
d. stolzen hierarchie so in der ganzen Christenheit außgeübet worden, und
sich als Statthalter Christy mit dem Urim und Thumien der untrüglichkeit Christy bede .
—————
*)Die Griechische oder orinthalische Kirchen war groß und so weitläufig, das alle
Christen im orinthallischen Kayserthum, wie auch Rusland, u. in Afrika das große
Abeßinien, auch in Pohlen sind Griechen, und in einigen östreichischen Provinzen, in
der Thürgey sehr viele, der Patriarch wohnte in Constantinopel selbst. **)
Sie gründen ihren Glauben auf das Wort Gottes, die Griechen, und Lehren das
zur Seligkeit erfordere, die erkantnus Gottes, der Glaube an Christum, und
ein Gottselliges Leben. Sie haben fünf Sakrament, wie die Päbstliche Kirchen.
die Buße, die Christus nach ihrer Lehre eingesezt hab, 2. die Salbung nach der Taufe,
3. die krancken Salbung; 4. die auflegung der hände bey der Ordination;
5. den Ehestand; diese viere sagen sie, seyen von der Christlichen Kirchen auß heill.
ursachen u. absichten vest gesezt worden. Beym heilligen Abendmahl, geben sie
[AU 32]Brodt und Wein zugleich, das Brod brocken sie in einen napf voll Wein, und geben
eß in einem Löffel den Kommmunitkanten, und reichen eß auch den kleinen Kinder.
Sie glauben keine Verwandlung des Brods und Weins in den Leib u. blut Christy,
den Wein vermischen sie in der Einsegnung mit Waßer, welches in der ersten
Christlichen Kirchen gebräuchlich geweßen. Die Täufling Tauchen sie dreymahl
[AU 33]ganz unters Waßer, nach der Taufe wird den Kindern die Firmelung u. damit
erst der Namen gegeben die heilligen werden von ihnen nur verehrt als diener
Gottes in der vereinigung mit ihren gebäten. Auß diesem ist schon zusehen
das die Griechen weniger vom ersten Christl. Glauben und Lehre abgewichen,
alß die Papisten oder Päbstl. gethan, Sie halten ihren Patriarchen nicht vor unfählbar.
—————
[A.o. 1453.] **)Constantinopel von Türcken Erobert worden u. dem griechischen Kayserthum
ein ende gemacht worden. Die fortsezung folgt im Blat
[40] 40
8
Von Einführung neuer Päbstlicher Lehren & Cerimonien.
Der Pabst ließ seine Bannstrahlen *) über ganze völkerschaften, und über Kayser und
Könige ergehen, wer ihme nicht gehorchen wolte, er setzte in solchen Fällen König und
Fürsten ab, und sezte andere an ihre stat, die nach seinem Willen Regieren und den
Pästlichen Stuhl und gewalt schüzen mußten, welcher Regent das nicht that der
wurde vor ein unchristen erklärt, und sprach die unterthanen von ihren pflichten
loß u. hezten sie zum aufruhr. Die Päbste wolten nicht nur oberherren von Rom,
sondern von der ganzen Christenheit seyn, und konten im Eilften Jahrhundert alles
durchsezen, aber nicht mit waffen, sondern unwüßenheit und Liechtgläubigkeit.
Selbiger zeit genoßen, waren die mitel, das sie die blinden menschen zu allem
zu überreden wußten, sie glaubten der Pabst habe das recht u. gewalt den
himmel zueröffnen und zu verschliesen, und das ein jeder Christ ihme glauben
u. gehorsammen müße, bey verlust der Seligkeit. Auf solche art konten alle
Jrrthümer eingeführt werden, sie mußten glauben das der Pabst als Statthlr.
Christy unfählbar sey, und deßwegen alle seine befehl und anordnungen befolgen.
—————
[# ao. 966] *) ist der Kirchenbann eingeführt worden und die gloggen Tauf, wie auch
bezeugung der unschuld durch durch das heillige Abendmahl;
[alR# 830] die verwandlung des Leibs und bluts Christy im heill. Abendmahl, (welches auch die Luther-
Lautraner glauben heut zu Tag nach) eingeführt worden. Desgleichen lange hernach von
[1200] bis 1264 ist die ohren beicht, die anbetung der Hostie, und entziehung des Kelchs
den Communicanten, der Priester Trinckt den Kelch selbst auß, und sagt dieß thu ich
für euch alle, an der ostern wochen waren alle Tag Feyertag bis 1094 nur 3 Tag bestimt.
[1225] wurde vom Pabst der erste ablaß im Land Appenzell verkündiget (darauf Theüer erfolgte).
[1248] Kreuz Predig in St. Gallen auf dem brühl gehalten worden gegen Kayser friederich.
Der Pabst erfund auch eine neue Heils ordnung darvon Christus u. seine Apostel nichts
wußten, die vergebung der Sünden, u. der himmel wurden um bares geld feil ge-
bothen. Es wurden befehle an die heill. Engel für geld außgefertiget, das wann einer
bezahlt hat u. Stürbe, sie seine Sele sogleich in Aberhams schoß tragen solten und
solche vergebungen wurden ablaß, oder Jndulgenzen genant. Aberglaube welch ein
unglük die denselben stiften, oder unterhalten, u. die gute einfalt verführen.
[AU 34][1209] Francisscus hat angefangen den Barfüßer orden einzuführen, welcher sich hernach
in viele Secten vertheilt, der Capuciener orden ist auch darvon entsprungen 1525.
[1585] sind die Capuziner auf Appenzell kommen, auf welche viel unruh verursachet, und ist
Jhnen ein Capuziener Kloster am Dorf gebauen worden, wolten auch in ausrooden
einnisten, wurden aber abgeweisen. Durch Hr. Landamann Tanners an [guglyträfes?] Schreiben.
[1414] ist wegen groser Verwirung in der Christenheit u. derselben zertrenung, das
auf ein mahl drey Päbste Regiert, ein Concilium oder die größte Kirchen versammlung
gehalten worden, Kayser, Churfürsten, Pabst & u. Cardinal in allem 60’000 Personen.
& Hieronimus u. Johan Huß von Prag wurden Lebendig verbrandt in Constanz. W.C.
[143 ] wieder ein Consilium in Baßel 17 Jahr lang gehalten worden.
[1551] war ein Consilium zu Drident, welches Jnnroden 1561 auch besiglet hat.
[1534] ist der Jesuiten orden eingeführt worden.
[41] 41
9
Von Krüzzügen gegen den Türken & ihre folgen.
[1095] Die Türcken haten das heillige Land eingenommen, u. alles daselbst mit schrecken u. mord
erfült, die Pilger konten ihre Wahlfahrten mit keiner sicherheit mehr dahin machen,
weil das Land mit Räubern bedeckt war. Es erfolgten klagen über klagen, das ein
Kreuz zug gegen diese ungläubige beschloßen wurde.
Der Pabst forderte könige u.unterthanen im namen der Religion zu diesem heill.
Krieg auf. Vergebung der Sünden u. Ewiges Leben wurde allen denen versprochen,
die sich ein Kreuz auf den Rok nähen ließen , u. dem Kreuzzug gegen die Türken helfen
mit machen, die schrecklichsten Bannstrahlen betrohten hingegen die Jenigen die den
befehlen des Pabst nicht gehorchten. Die menge der Kreuzfahrer wurde vast un-
zehlbar. Könige, hertzogen, Grafen, bischöfe, Abte, adeliche, ganze miriaden nahmen
das Kreuz an, und eß scheine als wolte sich der occident ganz entvölkern, da solche
Kreuzzüge zum fünften mahl unternohmmen wurden.
Die Religion veränderte ihren zustand durch die Kreuzzüge, aber leider verbeserte
sie ihn nicht. Die zurük gekommenne Krüzritter bauten der eine hie der andere dorthin
auß danckbarkeit für ihre erhaltung Capellen die sie Reichlich mit Reliquien be-
schenckten und heilligten, zu einer jeden solchen Capellen wurde ein Caplon ver-
ordnet der darin meß leßen mußte, nicht lange stuhnde eß an so wurden
auß diesen Capellen hin und wieder Dorf kirchen.
[1148] Das Deutsche Reich und Frankreich machten mit dem Abt Clarwal abermal
einen solchenKreuzzug, Kayser u. Könige zogen Persöhnlich mit, beyde heere
haten bey nahe 200’000 schwere Reüterrey. Das fuß volk war unzählbar, die
meisten städte und Fleken wurden außert Weiber u. Kinder entvölkert, diese
ungeheur zahlreiche menschen aber richteten dannach nichts wieder die Türken aus,
mit noth kam der zehende theil wieder zurük in ihr Vatterland.
[1188] 1228 u. 1248 war der drite, vierte u. fünfte Kreuzzug geschehen , und hernach
[1309] haben die Päbste aufs neue wieder einen solchen Kreuzzug veranstaltet, da
doch Jene Länder nicht zu erobern waren, den nach der Vorhersagung Christy
ist das Land durch den fluch der auf ihme ruhet zur Wüste bestimt, und also
gebleiben bis auf unsere zeiten.
Diese Kreuzzüge brachten die größte unordnung in die sittlichkeit, da das Pilger-
Leben viellerey außschweifungen mit sich führte, u. die Cathollischen alles mit machen
mußten was der Pabst beschlosen, sie solten Jerusalem erobern, der Jordan, den
Öllberg, die Geburths-u. Grabstätte Christy, u. der marrya, solte zu heilligen
Wallfahrten eingerichtet werden. Diese Welt gesinte u. geldgierige gedancken,
machte viele grose herrn, u. gesitlichen, zur größten anstrengung fertig u. muthig,
[AU 35]die Bräfsten Leute zogen mit in Kampf, und die schlauen Köpfe bleibten zurück,
Kauften ihre Güter u. Schlöser, das geld verthaten die Pilger Ritter auf der
Reiße, und vielle kammen wieder als betler zurük. Das wäre nach das geringste
übel geweßen, wenn nicht ein für alle zeiten fortdauerndes andencken ein Pestartiger
aussaz, durch die zurück kommenden bis auf viele hundert Jahr fort gepflanzet worden
wäre, dieses Erbstük verursachete die außschlacht die viele tausende das leben kostet.
B! Andere sezen den anfang der außschlacht schon in VI. Seculo. 574 zuerst. Bis
[42] 42
10
Im Politischen Stifts St. Gallen Vergrößerung & abnahm des Christenthums hingegen.
[AU 36] Biß in das neunte Jahrhundert wurde die erste Christliche Religion in ihrer
Reinheit gelehrt und geprediget, das Christenthum blühete im Gottshaus St. Gallen
in vollem Segen, die Wißenschaften und Lehr anstalten haben bey 300 Jahrelang den
besten fortgang gehabt, so das die gelehrtesten Proveßoren im Stift St. Gallen
gewesen, und zu selbiger zeit eine der berühmtesten Akademie in ganz Europa. Das
immer mehr Leut daherzog, durch die Würde genauer Zucht, u. guten unterricht der
[AU 37]Jugend. Aber so sehr das Stift im zeitlichen, an Reichthum, ansehen u. Gewalt
sich erhebt u. vergrößert hat. Eben so sehr war der Verfall im Geistlichen fach.
Die Verwaltung und Vermehrung der Einkünften war ihr haubt augenmerk, u. gewann
nach u. nach den Vorzug, das sie ihren orden vast darüber Vergaßen, u. gegen Religion
Wüßenschaften u. Schullen, von Zeit zu Zeit gleichgültiger wurden u. nachläßiger,
das sie nicht nur ihren alten ruhm der gelehrtheit verloren, sondern auch zugleich
das Volk in unwüßenheit, Leichtsinigkeit, aberglauben und jrthümer verfallen und
gerathen ließen u. Jahrhunderte darin steken laßen. Die Priester u. das Volk
waren vast gleich unwüsend, den mehrsten war die Bibel ein unbekantes buch.
Alle verrichtungen der geistli. mußten mit geld bezahlt werden, u. das einfaltige
Volk gab gerne den lesten Bazen her, sie zubereichern. Für allerhand Sünden erhielt Jeder-
man in Gottes Namen für geld verziehung oder ablaß, dießer wurde bis zur krämmer-
rey erhoben, kaum dörfte die vernunft gegen die Lehren der römischen kirchen ihr
Haupt empor heben, der Päbstlichen erfindungen, Jrrthümer, und befehlen waren jmmer
mehr, derselben einführung und neuen Ceremonie war kein ende. wie Hr. Decan Pfr.
Bischofberger in seiner Ap. Cronic grundlich geschreiben. pag.
man habe vor Zeiten von der Fürbit und verdienst der Heilligen, mes- u. Todten-
Dienst, u. anderen Schull- u. kloster lehren nichts gewußt, welche erst lange hernach
mit vielen andern Ceremonie entstanden, u. aufbebracht worden, durch allerhand
ordens Leut, die auß allen Nazionen in das Kloster St. Gallen von Zeit zu Zeit
gekommen, und der Eine das, der andere diß gebracht habe“ bis die reine Lehre
des Evangely je länger je mehr verdunckelt, und das Licht der Wahrheit fast
verloschen, und denen Leuten mehr nach geld u. Gut getrachtet worden, mit Vor-
geben, das durch vieles opfern, meßleßen laßen, Wahlfahrten, Allmosen
geben, Verschenckung u. vergabungen an Stifter u. Klöster, Vergebung der Sünden
und ewige Seligkeit zu erlangen sey. Das Volk mußte alles Glauben was
die Kirchen Lehrte und vom Pabst herkam u. befohlen wurde, das unwüsenheit
u. aberglauben groß u. allgemein wurden. Es entstuhnden immer mehr ordens-
leut, die darvon lebten, und das Einkommen der Klöster also suchten zuvermehren.
Das war der Religions Zustand durch alle zeiten hindurch, unsrer in Gott-
ruhenden Voreltern, von anfang waren sie Heyden *) abgöttisch, abergläubig, und
unwüßend von Gott u. Göttlichen Dingen, nach deme ihnen das Licht der Wahr-
heit und des Evangely einigermaßen geleuchtet, ist daßselbige ihnen durch
das Pabsthum wieder verfinsteret und verborgen worden. Das sie also
—————
[1014] *) Das Heydenthum erst ganz abgeschafft worden. W.C. pag.137. Jahr-
in unßerem Land, so starck war die auch der unglauben
das Volk hieng mit einfaltigem Herzen an dem Glauben ihrer Vätter.
[43] 43
11
Von Aberglauben &. Magie & der Bibel.
Jahrhunderte in diesem bedaurungs würdigen zustand leben müßen. *)
Gott aber der die menschen nach dem maß ihrer erkantnus ansiehet, wird
ihnen die Zeit ihrer unwüßenheit auch gnädig übersehen haben, und sie in
der ewigkeit zur vollkomenen Erkantnus Gottes und seines Willens haben
gelangen lasen, weillen in der zitlichkeit sie die offenbahrung seines Heilligen
Worts manglen mußten, theils weil eß ihnen zuleßen verbothen war, und […?].
[AU 38]Von der Bibel konten sie auch kein gebrauch machen, wegen der Kostbar-
keit in ältern Zeiten. Damahlen oft eine geschreibene Bibel 200 bis 300 thaler
kostete, weil die buchtruckerreyen erst Ao. 1440 erfunden worden, endlich ist
dieselbe nach vor der Reformation in das Deutsche übersezt worden, aber
erst nach der Kirchen Verbeßerung dörfte Jederman biblen kaufen u. leßen.
—————
[AU 39]*) Es war auch ein starcker, groser und unvernünftiger aber Glauben an Magie, oder
gespenster, zauberer, Lochsner, Wahrsager, Schazgraber, Hexen u. Hexen meister, u.
viele gaben sich vor dergleichen künstler auß, und das gemeine Volk war einfaltig
genug alles zuglauben, um destomehr weil die Capuzeiner und Mönchen sich der
schwarzen Künsten rühmten, und vor beschwörungen, Teufel außbannen, gestohlne
sachen wieder zurük bringen u. den Leichtgläubigen Menschen viel geld abnehmen
könten, und weil sie manch mahl etwas errathen konten durch die biecht, so bleibte
der Glaube bey vielen vest. Auch die kranckheiten des Viehs wurden bösen Leuten
oder häxen zugeschreiben, deswegen viele unschuldige Weibs bilder mußten deswegen im
verdacht seyn, nicht nur von einfältigen Leuten, sondern auch die obrigkeiten in
der Schweiz haten viele Tausende hin richten laßen und verbrennt als hexen. Sogar nach der
Reformatin geschah eß in unßerem Land Ao. 1580, 1689, und 1690 ist die leste
unholde in Trogen nach hingerichtet worden, alß eine hex und verbrent. W.C.
Und also haben sich viele Vernunft widrige Glauben Jahrhunderte lang er-
halten können, und fort geplantzet worden, bis auf unßere zeiten nach, die
obrigkeit mußte solche sachen im Grosen Land Mandat verbieten, wer wegen
gestohlnen sachen den Capuziner, und wahrsager nach laufte, zauberreyen Lochsnen
und dergleichen sachen mußten mit Straf u. Buß belegt werden.
Hr. Pfarrer Bartholome Anhorn, jünger hat ein ganzes buch über solche sachen geschreiben.
Seine absicht mag geweßen seyn die Leute auf zu klären und zu warnen, aber eß
gab vielmehr anlaß zu aberglauben, und gebrauch darvon zu machen, deswegen
solches obrigkeitlich verbothen werden müßen, und wurde bey Hausbesuchungen weggenommen.
—————
[1348 -1350] Es waren auch Juden in St. Gallen, u. des Abts Land wohnhaft. Da aber eine grose
[AU 40]Pestilenz in Teutschland gewühtet, die über 90’000 Menschen weggerafft, fieng man an
die Juden zubeschuldigen das sie die Brunnen vergifteten, u. um des Wahns willen
wurden sie aller orten grausam verfolget. St. Gallen folgte auch dem Beyspiel, sie
wurden vertreiben, theils gefangen, u. auch verbrandt, man bemächtige sich aller
ihrer Güter. Samuel Leve, der wochentl. vom gulden 2d. zins genomen, wurde als
ein Wucherer vom Abt 1000 Ducaten gestraft u. des Lands verwießen.
[44] 44
11
Von Glaubens Verbeßerung & Reformatoren.
Die Appenzeller wagten eß zuerst sich dem grosen gewalt u. zwang
[AU 41]des Pabstes zuwider sezen, man wolte sie auch mit geistl. Waffen dem Abt
wider gehorsam machen, durch Bann und in die Acht Erklärung. Aber
Die Appenzeller versammelten eine Lands gemeind und machten den Schluß darüber
„das sie nicht wollen in dem ding seyn, oder Jnterdikt, (das Bann genant wurde).
Die Geistlichen mußten ihnen die Kirchen wieder öffnen, meß lesen, Gottes dienst
halten, Tauf u. Abendmahl angedeyen laßen und welche das nicht mehr thun
wolten, Jagten sie zum Land hinaus, oder waren ihres lebens nicht mehr sicher.
Sie entsezten sich weder von geistl. nach Weltlichen gewalt, u. folgten nur ihrer ge-
sunden Vernunft u. überzeugung, u. ihre behaubtung erregte erstaunung und Ver-
wunderung in ganz Europa, über das beherzte bauren Volk. Hundert Jahr hernach
[1518] hat Pabst Leo, der X. den unverschamten ab-laß Krämer bernhardum Samson
in die Schweiz gesandt, mit volkomenen gewalt den Leuten ablaß der Sünden
vor bares geld zuverkaufen. Ein gleiches mußte auch Tetzel in Teutschland
thun, welchem sich aber Docter Marty Lauther kräftig widersezte, daß er
deßwegen auch in Bann gethan worden u. von allen geistlichen verrichtungen
außgeschlosen, obschon von anfang seine gesinungen nicht gewesen seyen, eine
Veränderung in der Religion zubewürcken, sondern nur wieder die Päbstlichen
mißbräuche zu kämpfen, die nicht mit der bibel u. gesunden Vernunft über-
einstimten, so haben seine grundlich überzeugende Schriften *) ein solches Liecht
allgemein verbreitet das viellen Taußenden also bald die augen geöffnet,
und die Wahrheit erkant, u. ist mit viellen Beyfall unterstüzt worden von **)
Geist- u. Weltlichen Personen, das Luther als ein Werkzeug Gottes den
Grund zur Glaubens Verbeßerung & Reformation gelegt u. außgeführt,
unter größtem Wiederstand vom Pabstthum, u. nicht ohne Leib u. Lebensgefahr.
[1519] Ein gleiches that auch M. Ulrich Zwingly in der Schweiz, aus dem Togen-
burg gebuhrtig, er war Prediger in Einsiedlen, wurde aber auf Zürich berufen
zum Prediger, Zwingly machte das bedingnuns, das ihme vergönt werden
möchte, nichts anders als nach dem Lautern Wort Gottes zupredigen, dieses
wurde ihme vom Rath verwilliget, und Predigte am neu Jahrs Tag das erste
mahl 1519 u. hernach mit vielem Segen und grosem Beyfall, bis er hernach Ao.
1531 im Capeller Krieg mit den 5 Cathol. orten auf dem Schlachtfeld gestorben.
[1521] War Pfarrer Benedic Burgauer zu St. Lorenzen, u. Wolfgang Weter, Helfer,
die ersten Reformatoren, mit beyhielf docter Joachim von Watt & Johs. Kesler.
[1522] hat auch Walther Klarer Pfarrer in Hundwill, wie auch Pelagus am Stein
[1521] Pfarrer von Trogen (vorhero auch in goldach die Reformation beförderet.
Und weil Pfarrer Klarer die Begebenheiten über die Reformation weitläufig be-
schreiben u. Pfr. Walser solche in seiner Appenzeller Cronik heraus gegeben, so
auch in andern Cronicken, die Folgen der Reformation umständlich zulesen sind. So
—————
[1521] *)ist vom Pabst befohlen worden des M. Lauters Schriften zu verbrenen u. zu unterdrucken.
**) Calvin war Reformator in Genf, u. führte dieselbe ein mit grosem Ernst der Zucht.
Die fortsezung pag 12.
[45] 45
12
Reformations Begebenheiten kurtze anmerkungen.
So ist nach bemerckens werth die Lands gemeind Schlüß so wegen der Reformati-
on gemachet worden, wie folgend. Vom ganzen Land Appenzell ermehret:
[AU 42]Das alle Priester im ganzen Land nichts anders weißen Lehren u. Predigen
sollen; als was sie mit heill. Schrift und mit der Wahrheit erhalten möchten,
und welcher anderst lehre dem solle muß [Mus] und brodt, auch alle Nahrung,
Schuz und Schirm abgeschlagen seyn, u. auß dem Land verwiesen werden“.
Weilen aber in meisten Gemeinden die gesinung u. denckungs art
noch verscheiden war, und viele bym Glauben ihrer Vätter bleiben wolten,
so wurde nach eine außerordentliche Lands Gemeind gehalten u. Ermehret.
[d 6.aug.] Das in allen Gemeinden sollen kirchhörinen gehalten werden
und was in Religions sachen das mehr werde, solle das mindere theil,
dem mehreren sich unterwerfen, und keine Kirchhöre der anderen diesfals
etwas einreden oder hinternis machen. Zufolg desen Kirchhörinen gehalten
[worden d 13.do.] und hierauf die Reformation den besten und gesegnesten fortgang kommen.
[AU 43] Ein groser anstos, und ärgernus vor die Catholischen ereignete sich
das die erleuchten Reformatoren nicht in allen Punckten einig waren,
sonderbar wegen brodt u. wein verwandlung in gedächtnus mahl, M.
Luther, bleibte einfaltig bey seinen Worten „das ist mein Leib. Das
ist mein Blut.“ Zwingly aber Lehrte das solches den Leib und Blut
Christy nur bedeute und vorstelle. Diese ungleiche außlegung machte
so grose Würckung u. Mißtrauen, das viele taußende wider in den Schos
der Catholischen Kirchen zurük getreten sind, und grose Krieg in Böhmen, Sachsen
Sachseßen u. Deutschland entstanden, Kayser Ferdinant der die Katholischen *)
Ständ in Teutschland meistens schon bezwungen hat, u. ein sehr Despotischer Herr war,
u. Haßer aller Freyheit, war der Protestandischen Religion äuserst übel an, weil
sie Freyheit im dencken beschüzte. Er wolte mit feuer u. Schwert Catholischen glauben
Predigen, u. gab das schreckliche gebot: wer nicht Katholisch seyn wolte, sol von
Hauß u. Hof wandern u. keine Freystädte mehr in Deutschland haben.
Ohne Gustaf Adolfs [Gustav Adolf], König von Schweden, Heldenmüthigen entschlus den
Gott in seine Sele gelegt, wäre die Protestandische Religion wieder vertilgt
worden, dann der Pabst Pius & die Catholischen ort gaben sich alle mühe deßweg.
U. verließen sich auf den Kayser, hier rief Gott den fromen kühnen Tapfn.
Helden den jungen Gustaf Adolph zu verthädigung der rechten sache. Er
beseigte den Kayser, und sobald er an die Gräntzen der Schweiz kommen,
ließ er den Schweizern sagen, sie sollen sich seiner Freundschaft versichert halten.
Er liebe freye Leut, und begehre Jhnen gleich zu seyn. —-Die grose Seige
die in diesem 30 Jährigen Kriege, das Schwedische Kriegsherr gewonnen,
waren die sichtbaren merkmal der der guten sach. ….Darauf ist der Anno
[1647r] Westphälische Frieden erfolget, und das Grund gesez für die Freyheit
[AU 44]von Deutschland, u. der Schweiz, welche zuerst vom Kayser garantiert
worden, u. die unabhängikeit der Schweizer Cantone von allen Europäischen
Königen und Fürsten unterzeichnet worden.
[46] 46
12
Auszug der merkwürdigsten Geschichten unter der
Fürstl. Aebtischen Regierung im Stift St. Gallen, als
vierte oberHr. unter welchen auch die Einwohner im Berg-
Land Appenzel & Speicher gestanden als Gottshausleut.
—————
Nach den Zeiten des Königs Dagoberts bleib seinen Nachkommenden den Morovingen,
da sie sich eines außgelaßenen Leben ergaben, nur nach ihre Königliche Würde
ohne macht übrig; in dem ihre oberhofmeister diese immer mehr an sich zogen,
hieraus entstunden verschiedene Krieg, dadurch St. Gallen Zell und der da-
bey anfangende Flecken schon mit Krieg heimgesucht geplünderet und umgekehrt w.
[Ao. 658] Die besten sachen haten sie in eine Grub gelegt, und die oberfläche mit
Flachs Samen besäet. *) Die Thurgauer am Bodensee haten auch dahin geflüch-
tet. Bischof Bosa von Constanz sezte das Stift wider in vorigen stand, und
hertzog Gottfried von Schwaben, schenckte Jhnen das Dorf Biberach.
(B.! *) Weil schon zu dieser Zeit Flachs gepflanzet worden wird eß auch
schon Spinneren u. Weber gehabt haben ist nicht ohne grund zu vermuthen.)
[A0. 690] hat Herzog Gottfried, um St. Gallen Zell das dem Haus meyer gehörige
[AU 45]Land mit feuer und Schwert verheert, deßgleichen auch um Arbon das vergrabene gefund.
[Ao. 704] hat Pabst Sisinius, etwas geld zur verbeßerung der St. Petters Kirchen die
bey der Zelle sich befand gegeben, derer ursprung unbekant war. (ohne
Zweifel wegen älte) Oberster vorsteher um diese zeit war Magul-
phus und Pfarrer daselbst, der vieles zur aufnahme der Zelle beytrug
neben ihme verwaltete ein Schaffner den Brüdern ihre güter.
[Ao. 720] Durch vorschub Graf Waltrams, Erhielten die Brüder, vom Regenten
Pipin, die Erlaubnis einen Abt zu wählen, worzu Othmar alß der
erste Abt gesezt und hernach vom Carl Marttel, der den Namen eines
hertzogs von Franckreich führte, und Regent dieser Lande war, Othmar bestät
d. und führte die benediktinische Regel unter seine Brüder ein; Bauete
einen Spittal, und errichtete eine Schulle. Das Kloster nahm zu und
bekam Güter in dem Sundgau, und andern orten wurde beträchlich
beschenckt. Der Graf Waltram so gütig wie sein herz, übergab dem Abt
Othmar, alle ansprache, die er bisher an Galli Zell gehabt hate.
Darbey war das Kloster, und alles was zu demselben gehörte, nach der
unmittelbaren Ober herrlichen Ko. gewalt unterworfen, und haten nach zur
verwaltung ihrer güter und Einkünften Kasten Vögt, die mußten von
den Jährlichen Einnahmen und außgaben des Klosters, der Königlichen
Cammer Rechenschaft ablegen. Was der Abt, oder Convent ohne die Ein-
willigung des Kasten Vogts beschlos war ungültig. War ein königlich Kloster genant.
[Ao. 757] Wurde der Abt Othmar abgesezt, und Starb im Elend 759 d 16. 9bris.[AU 46]
Er ward von seinen feinden eines Ehebruchs beschuldiget, u. war deßwegen vom Bischof
zum Ewigen Kerker verurtheilt & nach 104 Jahren vom Bischof Salomon u. Pabst heillig gesprochen.
[47] 47
12
Auszug der merkwürdigsten Begebenheiten unter den Abten.
[A 759.] Sezte der Pabst Zacharias, den Pipin zum König, nach deme die
Fränckischen König von merovingischen Stamme den Thron über 300 Jahr
lang beseßen haten. Nach seinem absterben folgte auf Jhne sein Sohn
[768-776.]Carl genant der grose. Er war ein mächtiger fürst seiner zeit; durch
[AU 47]die auserordentliche Kraft seines geistes erstreit er den Thron der
Longobarden, das Kayserthum von Rom, die oberherrschaft in Deutsch-
land. So wie er furchtbar im Kriege war, so war er auch ein vatter seines
Volks, ein freund und beschüzer der Christl. Religion, zu seinen Zeiten
war Volk und Herr einerley. Wer drey oder mehr höfe hate, zog in
den Krieg, Knechte und haushälter baueten das Land, und hate seine
zerstreut ligenden Speicher. Und ein groser Adel war im Land *)
—————
Zu diesen Zeiten waren die Sitten nach sehr einfach. Jedes haus
lebte für sich, jeder war sich selbst genug, sie waren arm und
auch frey, geschickt in vielen sachen was die Natur bedärft hat.
[AU 48]Abt Gottsbert, Waldo und Hartmuth, Stifteten eine Bibliothek im Kloster,
die mit verlauf der Zeit so angewachsen, das sie eine der vornehmsten in
Europa war, vornehmlich an Handschriften, die über tausend an der Zahl
sind, nebst anderen bewunderungswürdigen, ist ein Psalter auf baum-
rinden geschreiben, & ein Codicill da die Buchstaben mit römischen
Karaktern auf Wax geschreiben, eine andere auf Egyptisch Pabeier;
ein neues Testament auf Pergament. Griechisch und Latin, und ein
klein Kabinet mit viel alterthümer angefült. Ein Psalter mit güldigen buchst.
[Ao. 830] § Wurde anstat des Gally Bäthaus, eine Steinerne Kirchen das
Münster erbauen, in St. Gallen. Es war ein königliches Kloster zu der zeit.
Die Bergleute wurden nicht durch die Mönchen der Zell, sondern
mit den Layen Priester versehen, die Barfüßer waren ihre Prediger, in
Lattinischer Sprach nach. (§ Jm achten Jahrhundert waren nach wenig Bücher.)
__________
[AU 49]*) Nach Stumfi Cronic ware in den Eydgnösischen Landen der Adel sehr
zahlreich, Es waren bey 50 Gräfliche, 150 Freyherrliche, und 1000 bis
1200 Adeliche und Rittermäßige Geschlächter aufgezeichnet. Welche im
fall eines zugs die zum Kriegs Dienst gewidmet geweßen beruft, und diese
auch mit denen ihnen angeweißenen Pferdten und Rüstung erscheinen müsen.
Die Leibeigenen und dienstleute wurde zu allen diensten gebraucht, und
selbigen auch Güter gegeben, mit dem beding den Jährlichen abtrag an Korn,
Haber, Schaafen, Hüner, Eyer u. zugeben. Sie haten Wohnungen ihnen meistens
[Burgen] auf büchelen angelegt und gebaut, und darvon den Namen angenommen und
behalten zum Geschlächts Nammen, Land und Leute gehörten zusamen nach.
[48] 48
12
Geschichten zur Zeit der Aebten & des Stifts St. Gallen.
[Ao. 800.] Da Carl der grose, Jtalie eroberet ließ er sich Kayser nennen,
und vereinigte Frankreich, Jtalie und Deutschland mit der Kayser Krone,
nachdeme er seine grentzen vom Ebro bis an die Weichsel ausgedehnt hate,
und sich in Rom zum römischen Kayser krönen laßen. Er hate die Mächt-
igen Herzoge abgeschafft die den Königen nicht mehr gehorchen wolten, und
ließ die Regierungen der Grafen durch Gesandte untersuchen. Er schreib
den Dieneren der Kirchen u. Schullen ordnung vor. Er vertheilte sein Reich
unter seine Söhne, Lothar bekam den burgundischen theil, Ludwig den
östlichen theil.
[Ao. 814] Wurde Ludwig sein Sohn der Frome genant Kayser, der war dem Kloster
St. Gallen sehr günstig, und machte eß frey und unabhängig vom
Bischof von Constanz, das sie keinen andern oberherren mehr haten als
den König, welches ihnen sehr wichtig war. (man schreib karolingisch Römisch Kay.)
[912] War die Carolingische Line erloschen. Und kammen unter die Sächsischen
[918] Kayser und Königen oberherrschaft, der Abt u. seine Gottshaus Leute.
Jm 9ten Jahrhundert seye St. Gallen weit der volkreichste plaz gewesen,
Es waren 105 Kloster Geistliche, viele Studenten u. verpfründtete Lebten
darin, haten 200 Leib Eigene darin, das Kloster war von Werkstetten,
wirthschaftlichen Gebäuen, und Viehställen umgeben, eß war ein Gasthaus
vor Reißende erbaut, die Hell genant. (unter den Kaysern hies es ein königl. Stift 323.)
[819. ca.] Das den Sümpfen im Rheingau abgewonnnene Land, besas die königliche [149.]
Kammer * die Waldungen zu Kobel, Diepoldsau, Balgach, Widnau,
die sich an den Rhein über Griesern und Ober ried, bis auf Camor
hinauf zogen .*) über der Thur waren die königlichen Kammer im Thurgau)
Jn Altstetten Marbach und Bernang, baute man Wein, und benutzte [150. arx.]
die flächen auf den Bergen zu Alpen, und die Rieder auf den
Ebenen zu Weiden. Die Wälder waren theils gemein theils gehörten
sie Partikularen. Die Forste wegen gröse u. dunckelheit an dem linken
See Ufer wurde der schwarz Wald, u. auf dem rechten das schwarze holz
genant. Die hütten oder häußer wurden zuerst mit runden Holzstämmen gemacht.[4]
[Ao. 925.] D 1. May, kamen die Hunen und Ungerer genant, das ist fremde; auf [212]
St. Gallen, sie waren eigentlich eine Tartarische Nation, die von einer
andern vertreiben, hinter dem Schwarzen Meere hervorbrach, und sich an
der Donau niderließ. Sie waren kleine Männer hatten tiefligende augen
u. ein gräßliches aussehen. Sie brannten u. plünderten, das alles auß
dem Kloster geflohen, nur die in Klausen bey st.Mang eingesperrten Jungfrauen
bleiben zurück, die sich lieber wolten Tod schlagen laßen, als die ange-
lobte einschließung brechen; das war daß erste nonen Kloster, das
zweite war unter dem nonen böhel, das drite auf Nötgersegg.
Die Nonen haten einen Wald in Speicher in Bendlehn ob dem Moos.
Nonen Wald genant.
[49] 49
13
Lands verfaßung und Gerichtsbarkeit unter den Abten.
[Ao 1077.] Der Name Allemannien, welcher bis dahin Schwaben, Breisgau u. die jetzige [arx 305]
Schweiz, umfaßte, verlor sich in diesem zeitraume ganz, anstat deßelben kam
das Herzogthum Schwaben auf; von der Landsverfaßung und abänderung.
Die Gerichtsbarkeit der Stifter übten die Prälaten lang selbsten auß und [306]
saßen in eigner Person zu Gerichte, dieses fiel ihnen aber bald zu beschwärlich, sie
bestelten darum die Mayer u Keller, oder wo keine solche vorhanden waren Amt-
männer, solches in ihrem Namen zuthun, doch behielten sie immer entweder einen dem
Stifte nach gelegenen orte oder bezirk sich vor, die unter ihren unmittelbaren Gerichts-
barkeit stehen, u. über die u. ihre Güter kein Schirm vogt, nach Meyer das geringste
anzuorndenen haben solte, diese unterthanen wurden zum unterscheide von andern
Sonderleute genant *) sie waren in St. Gallen zahlreich, auch in Herisau. [307]
Um aber die Leute der entlegenenen höfen nicht ganz der Willkühr der Meyer
und Amtmänner zu überlaßen, giengen die Aebte im Jahr zwey oder dreymal
dahin u. hielten dort die Mayer-u. Herbst Gerichte, die Meyer, Keller, und
amtmänner dörften keine klagen annehmen die über Ligenschaften oder Erb geführt
wurden sondern eß kam dem Abte allein zu über diese gegenstände zusprechen, so
wohl diese benannten amtleute, als der Abt mußten vorkommende schwere **
verbrechen an die Schirmvögte zur bestrafung weißen, diese saßen immer bey den
Gerichts verhandlungen, besonders an den Jahr gerichten theils um zur bestrafung
solcher verbrechen bey der hand zu seyn, theils um den Richter das ergangene
urtheil zu schützen, ihm Ehrerbiethung u. Folgeleistung zu verschaffen u. die Wider-
spänigen zum gehorsame anzuhalten; Sie bezogen deßwegen von den am
gerichtfallenden u. dem Abt zugehörigen Straf geldern den drytentheil. Sie
dürften aber allein u. ohne den Abte nie zu gerichte sitzen. Die Meyer oder
Keller des Hofes, in deme Gericht gehalten wurde, haten die obligenheiten
die Pferde dieser Gerichtsherren u. ihres gefolges zufüttern, doch dörften
nicht mehr als 12 Pferd von vögten auf diese gerichts tage kommen.
Die vögte mußtem dem Abt u. deßen Meyer auch in allen Rechten, besizungen,
zinßen, Leuten, gegen Jederman schüzen, u. die ungehorsamen unterthanen zur
Entrichtung ihrer gefälle anhalten, sie bezogen deßwegen von den bewohnern
der höfe, über die sie Schirm Vögt waren, eine fest gesezte geld Summa, und
zweytheile von der Schafsteur, welches die vogtsteuer genant wurden.
Sie dörften sich aber in verleihung der Lehen, vergebung der Pfründen,
bestätigung der käufe, Ernennung der Waysen vögte, u. bestrafung
derer die fremde geheurathet nicht mischen, so sie nicht von Aebten darzu
aufgefordert, sie wurden aber gewaltthatiger von zeit zu zeit u. belegten
die Leute mit willkührlichen abgaben.
___________________
*) Sonderleut wurden alle auf Gaiß genant, und nach andern Chronicken
war das Sonderamt Trogen, Speicher, Riedly, Rothen, und die
höhenen ob St. Gallen und dem Rheinthal. [auch in Tiefen u. Herisau hatte eß Sonderleut.]
Sonderamt stand nicht unter vögten sonder unter Abte.
[50] 50
14
Bezirks-vögte, Schirmvögte, und Reichsvogttey der Kayser übers Land.
[AU 50] Der erste allgemeine Schirm vogt Wito, von Ao. 950 bis 971 - arx - [310.arx]
[AU 51][Ao. 950.] Das amt eines Schirm Vogts fieng von der zeit an, als es die Kayser
an sich u. das Reich gezogen haben u. nante solche auch Reichsvogtey.
Sie ließen durch ihre unter vögt die übelthäter hinrichten; die Jahrgerichte
besuchen u. einige gröbere verbrechen mit geld abstrafen, bezogen unter
dem Namen der Reichs vogtey nicht nur die alten den Schirmvögten be-
stimmten Strafgelder u. Gefälle, die in geld, früchten u. Schafen bestanden,
sondern forderten nach darzu eine Jährliche Steuer, von Appenzell
125 Mark Silber, (das Mark f. 2) von Hundweil u. Urnäschen 34
Mark, 12 Schilling Pfenige u. von Trogen 70 Pfund.#)
Sie maßten sich das Recht an, das in ihrer vogtey sitzende volk
sooft u. so hoch mit Steuren anzulegen als eß ihnen beliebte, wenn
sie solche nur so mäßigten das die Leute nach ihrem Stifte die zinße
entrichten konten. #) die Reichssteuer mußte von familien nicht von höfen entrichtet w.
Die Reichs vögte konnten bey den Todes Strafen nicht nach Willkühr
handeln, sondern wenn man an den Jahr- oder vogtgerichten jemand [440.]
eines schwehren verbrechens überwiesen war, mußte der Amann des
[AU 52]Abts daßelbe zuerst als halßbrechen anerkenen, u. den Schuldigen
us dem frid in unfrid erkennen, sin Leib dem gericht u. Clegeren
erloben, u. seinen freunden verbiethen, hernach den Gerichtsstaab
in die hand des Reichs vogt geben, welcher dann mit demselben
das Todes urtheil fälte“ Eben diese formalitäten hatten an
einigen orten auch bey bestrafung blutender verwundung statt.
Die Reichsvögte machtend die vorher seltenen Todes strafen häufiger
um dadurch ihr ansehen zu vermehren, die Sankt. Gallische Reichsvogtei
erstreckte sich zu keiner zeit über alle besitzungen des Stiftes, denn
das Sonderamt u. die Stadt Will stuhnden nie unter vögten, sondern [440.]
immer unmittelbar unter der gerichtsbarkeit des Abtes.
Die Kayser verpfändeten u. zerstückelten diese Reichs vogtey, sie schlug [441.]
die vogtey von Altstetten, Bernang, Marbach u. Thal zu Jener der
Stadt Rheinegg, welche die grafen von Werdenberg inne hatten,
u. sönderten so diese höfe in Rücksicht der vogtey von dem Appen-
zellerland, u. der alten Landschaft ab, mit denen selbe bis dahin
ein ganzes außgemacht haben. Ao. 950 bis 971 war Wito Schirmvogt in St. Gallen. [310.]
Man fieng um diese Zeit die vogtey in die hohe u. nidere abzu- [442.]
theilen an; die hohe war die gemeldte Reichs vogtey, welche die
huldigung, das Mannschaftsrecht, das blut gericht u. die Steuer begrief.
Die nidere welche den Edelleuten von altem her zustand,
erstreckte sich über Diebe u. Frevel. Es gab vogteyen über einzele
höfe; man fieng auch das Collaturrecht eine vogtei zu nennen
an. Die weltliche gerichtsbarkeit erlangte das Kloster St. Gallen so [47.]
mit dem ersten besiz der Ligenden güter u. Leibeigenen u. eben
so alt ist das amt ihrer Schuz- und Schirmvögte.
[51] 51
15
Hohe und nidere Gerichte, Twing und Bänne, des Lands genant.
[1200 bis 1300.] Die Reichs vogtey außgenommen, standen alle übrige zweige der hohen
und nidern gerichtsbarkeit, die man gewöhnlich unter der benennung [442]
der Gerichte, Twin und Bänne begrief, den Aebten zu, welche davon
vielfaltigen gebrauch machten. Denn sie ließen sich huldigen, legten
Zölle so gar auch in den Berggegenden zu Appenzell an, pregten geld,
behaupteten das außschließliche Recht zu Jagen, und zu fischen, verliehen
Ehhaften, und Taferne, wachten über gewicht, Maß, und Münzen, setzten
für verbrechen, für die man keine Bestrafung hate die Buße fest.
Vorzüglich aber ordneten sie die Gerichte an, da sie die besizer der-
selben auß ihren Gottshaußleuten ernanten, und dieselben jährlich im
frühlinge und herbste durch sich oder einen Stellvertreter abhielten.
Diese Gerichte waren so gleich eine Gemeins versammlung, weil bey dem-
selben unter einer Strafe alle Mannspersonen, die mehr alß vierzehen
Jahr alt waren, erscheinen mußten. Es wurden andenselben zuerst
die geschäfte der Wittwen und Waysen, dann die der Weibspersonen,
nachher jene der fremden, endlich die der Gerichtsgenoßen und zulest
die der Abtey vorgenommen. Jn den gerichten saßen die Richter
auf einem öffentlichen Platze oder an der Landstraße, in einem Kreise
herum. Außer diesem Kreise lud der Weibel nach den 4 Weltge-
genden jene vor, über welche contumaz urtheile ergehen solten;
die Weibspersonen welche vor gericht einen vertrag schließen wollten,
führten die vögte derselben dreymahl um diesen Kreiß herum, und
fragten sie Jedes mahl wieder, ob sie nach darauf bleiben, den vorhab-
enden vertrag abschliesen zu wollen. Geistliche, und Weibspersonen,
mußten vor selben sich immer durch vögte oder Weiser vertretten laßen.
Wann der Abt selbst als die höchste obrigkeit dabey war gab es davon
keine Appelation, diese hatte nur von jenen orten her statt, deren
Gerichte die Aebte nicht zubesuchen pflogen. Die Aebte von St. Gallen
entscheiden die appellation in dem hofgerichte.
Zwischen dießen Jahrsgerichten hielten die Ammänner, Mayer oder
Keller, wenn eß nöthig war auch andere gerichte, die muttgerichte hiesen.
Einem frömden (Gaste) mußte zu Jederzeit gericht gehalten werden.
Über die Ligenschaften entscheiden die Lehensherren nach Lehen gebräuchen
bey freveln aber gaben die alten auß den fränckischen Kapitularien
herstammenden bußen die Regel an die hand. Da hieß es: wann einer
sagt: du lügst der gibt 18 Schilling Pfenige ( an einigen orten 1 Pfund)
Buß; wer gegen jemand ein Meßer zuckt zalt ein Pfund, wer mit
der faust schlägt, ohne doch blutig zumachen zalt 18 Schilling Pfenige;
wer jemand verwundet Sechs Pfunde, dem Kläger drey Pfunde; wer
einen wirft 10 lb. Wer einem gegner vor sein hauß lauft herauß fordert 10lb. [445]
[52] 52
16
Vom ersten Geld und Münz prägen der Aebten.
[Ao. 949] Starb Hermann der Allemanische herzog. Durch deßen vorwort hatte Abt [arx 221]
Kralo, vom Kayser Otho I. die Erlaubtnus bewürckt, in Roschach, wo immer viele
nach Jtalie reißende Leute zusammen stoßen, einen Markt, Zoll & Münze
anlegen zu dörfen.
[Ao. 969] Erhielt die neue Stadt St. Gallen vom Kayser Otto nebst andern wichtigen [St. G.G.]
freyheiten die Münzgerechtigkeit, welches beweißet das schon um diese
Zeit etwelche handelschaft getreiben worden, weil diese gerechtigkeit nur
Commercierenden Städten gegeben worden, dan ehedeßen kammen Metalie
wenig im handel und wandel zum vorschein, nur einzele Pfenig wurden in
Würcklicher Münz bezahlt. Betrafen es sachen von grosem werth, so wurde das
Silber in Pfund und Lothen zugewogen, sonsten wurde aller werth nach mit
Ligenden Gütern und fahrnußen bezalt. Da aber die Sächsischen bergwerke
ergibiger wurden ist auch das Metal häufiger worden, eß war von anfang
nur ohngeprägtes geld, achteggende Silber stückly wurden zu 5 Bazen, [arx 159]
dicken genant. Ein Silberschilling galt nach jetzigem konventionsgelde ƒ.1.54x;
ein Goldschilling ƒ. 7.27xr, zwanzig Silberschilling machten 1 Pfund Silber,
und 72 Goldschilling 1 Pfund gold. Ein Pfenig (denarius) galt 9½ Kreuzer,
12 Pfenig machten einen Schilling (Solidus) und 40 Goldpfennige einen
goldschilling auß.
Man nahm auch am bodensee die Münzordnung willig an, welche Bischof Heinrich II.
[Ao. 1243] für die Münzstädte Konstanz u. St. Gallen festsezte. Er befahl durchselbe ein Mark
Silber in gleichem gewichte u. Schrot zu zwey Pfunden, oder zu zwey u. vierzig
Schillingen auß zu münzen. Jeder Pfarrey welche falsches, oder anders, als von
denen 6 Münzstädten geprägtes geld in umlauf setzen wird, soll das abhalten
des Gottesdiensts untersagt seyn.
Die haubtverrichtung des Münzmeisters in St. Gallen war nicht so wohl das
Münzprägen, als vielmehr das Münz oder geld wägen; da die größten Zahl.
wenn sie auch in Lauter Pfenigen bestanden, einander einzig nach Pfunden
zugewogen wurden, welches die ursach war, das man sich nachhin in den
Kaufbriefen die zahlungen in Pfund - Pfenigen Konstanzer gewichts ausbedung.
Das Silber bestand lang in einem Bleche, das so dün wie ein Laub, und nur
auf einer seiten grob und tief gepräget war. Jn St. Gallen stellte dieses
gepräg, wie in vielen andern Münzstädten ein Lamm mit einem Krüze
vor. Erst Abt Heinrich von Mannsdorf ließ auf einer Münze einerseits den
Adler, auf der andern der hl. Gall mit dem bären prägen Ao. 1414.
[Ao. 1414] Dießes ist die älteste mit einer Jahr zahl bezeichnete Münze in der Schweiz, [451]
und die drittälteste in ganz Deutschland. —- Hallers Münzkabinet
die fortsezung ist hier im 337. blat.
[53] 53
17
Geschichten unter Aebtischer Regierung. Fränken oberH-ren.
Wegen den öftern Einfällen der Ungarn und verübten grausamkeiten,
[953.] wurden die Einwohner des Fleckens St. Gallen mit dem Kloster Einig alles [arx 226.]
mit Mauren und Gräben umgeben zulaßen, u. wurde also zur Stadt St. Gallen.
Zur allgemeinen Sicherheit wurde solches vor nothwendig gehalten, dann weilen
die Raubereyen der Sarazenen, als wilde Araber, die auß Spanien ins Burg-
unde gekommen, und sie da weggeJagt worden, sezten sie sich auf die Berge von
Bündten, Sarganz, Togenburg und Appenzell, und thaten von selben herab
immerwährende außfälle auf die bewohnten Gegenden, ermordeten die Leute,
raubten das vieh und die Lebensmittel weg, verbrandten Häußer und richteten
dem Stift St. Gallen grosen Schaden zu. Sie waren so keck das sie von der
Berneck herab auf die Prozeßionen welche um die Stadt gehalten wurden, Pfeile
schoßen. Umsonst suchten die Kriegsleute der Abtey mit ihnen anzubinden;
wie flüchtige Rehe war sie bey ankunft der schwerbewaffneten Krieger ver-
schwunden, doch einmahl gelang eß dem Dekan Waldo solche nachts zu über-
fallen einige zu Tödten u. andere gefangen zu nehmen, sie haben sich geweig-
ert eine Speiße zugeniesen u. lieber Hunger starben. Auß forcht vor ihnen
konnte man weder die Berge benutzen nach das ebene Land bauen. [227]
[925#] Zufolg eines Reichs gesezes wurde jedem großen zur Pflicht gemacht, einige höfe
durch mauren u. gräben zu festen Plätzen umzuschaffen, und dieselbe mit
Landleuten zu bevölckern, das von neun Haus Vättern einer in die neue
Stadt ziehen müßen. Es ist wahrscheinlich das die Städte, Will, Utznach,
Altstädten, Rheinegg, u. Wangen, diesem Gesez ihr entstehen zuverdanken
haben wie St. Gallen. Diese entfernung vom Landbau erzeugte hernach
allerhand Gewerbe und Künste, die den unterscheid der Stadt u. Landwirth-
schaft verursachten. Die Stadt St. Gallen, bekam auch eigen gericht und
Rath von 12 Rathsherrn meistens auß Edelleuten, und die Aebte gaben
den Amman über dieses gericht. Darunter auch Tiefen gehörte.
[1004 =1024] Wurde dießer Stadt erlaubt meisterschaften nach den handwerken einzurichten.
Starb Kayser Heinrich, und mit ihme erlosch die Sächsische Line. Ist neben steh.
[von #1077 bis 1200] Die Leute wurden freywillig st. gallische Zins Leute damit sie unter dem
Schuz des Klosters das ihrige beser behalten konnten.arx pag 158.
[#1077 bis 1200.] Die Kloster geistli. haten zur bekleidung jeder Jährlich ein ledernes Kleid ein
enges u. ein weites, einen Rok, zwei ziegen felle, vier Pantoffel, zwei grose
metten schuhe, 18 ellen leinenes u. 2½ ell wollenes Tuch zu beinkleidern.
[von 820 bis 920] Da die Könige die ihnen im Felde geleisteten dienste mit höfen zubelohnen
pflogen, verdienten die Aebte von St. Gallen mit ihren Feldzügen dem [arx 167]
Kloster manche Ligenschaft. im grunde aber waren dieselben nur der
Sold vor ihre Truppen. Denn eben so viel oder nach weit mehr als sie
von den Königen empfiengen, mußten sie von dem vermögen der Abty
wieder hergeben um ihre Kriegsleute oder Vasalen mit Lehen oder geld zubelohnen.
[54] 54
17
Begebenheiten unter Regierung der Aebten.
Das Kloster und seine Gottshaus Leute kamen unter fränkische Kayser.
[1024.] Starb Kayser Heinrich, und mit ihme erlosch die Sächsische Line.
[1025.] Die Reichsfürsten haben sich wieder den Kayser empört, der Abt und
seine unterthanen aber hielten eß mit dem Kayser, deßwegen der
herzog von Schwaben, in das Appenzellerland eingefallen u. daßelbe
wie das Kloster übel beschädiget. 1032 wurde ganz helvetien wiederum unter
das septer des Reichs gebracht.
[1040] Zu dießer zeit waren die Geistlichen Herren Reich und mächtig u.
konnten sich nicht mehr wohl mit einander vertragen, weil Stolz sie
zanksüchtig machte und ein militarischer geist sie auf die unschicklichste
art beselte, das sie zu den Waffen greiften um ihre Eroberungs und
herschsucht zubefriedigen führte der Abt von St. Gallen schwäre Kriege,
von anfang brauchte er nur seine dienstmannen, den Adel und die
Ritter, die Klostergeistlichen waren zu dieser zeit in geringer anzahl; [arx 324.]
alle vom Adel, mit außschließung jedes unadelichen, die welche ämter haten
baueten sich eigne häußer, hielten grose Gast gebothe, sie suchten ihre Ehre
nicht mehr wie ehdem in vielen Kenntnißen, in strenger beobachtung der
Regel u. außübung der fromkeit, sondern sezten alles auf Kriegerschen
Muth, auf Waffen, u. auf zahlreiche haufen Krieger.
[1078.] Hat auch die Baursamme der Gottshaus Leuten, den ersten Feldzug mit
machen müßen, wegen streitiger Abts wahl, hernach ist ein zehen Jähri-
ger Krieg entstanden, und seine Fuß stapfen waren Raub und brand,
das unßer Land vieles außstehen und erleiden müßen. Doch waren
diese Kriege den Appenzeller, zum nutzen in spätern zeiten, weil sie
dadurch in der Kriegskunst geübt u. erfahren, wie auch bewafnet wurden.
So war das schon der erste schreit dardurch sie hernach die freyheit er-
kämpfen und sich zum Tapfern Volk erheben und empor schwingen konnten.
[1123.] Ist der Kriegersche Abt Ulrich gestorben, und das Land bekam wieder Ruh u.
Freiden. Das Stift aber verlohr durch diese Kriege ein beträchtliche anzahl
seiner besizungen u. Einkünften, in Breißgau in der Baar, an der Donau,
u. im kanton Bern, wo sie viel hundert Jahr zu Burgdorf eine Probstey hatten.
Die Kloster geistl. deren anzahl 130 auf 30 herabgesuncken war, und den
Kirchen schaz verkaufen mußten um nur nach Leben zu können, u. dieses machte grose
veränderung in dem Kloster, der Adel machte die mehrheit im Capitel auß, sie
fiengen an den bürgerlichen Stand ganz außzuschließen, sie haten höfe, bezogen
alle [Revünen?] vor sich, übten eigne gerichtsbarkeit auß , und ertheilten Lehen, das
man kaum mehr gewußt wer ein Kloster Geistlicher war, dann von der mite des
13. ten Jahrhunders an hörte das gemeinschafltiche Klösterliche Leben unter ihnen
ganz auf, und diese Wirthschaft der Adelichen dauerte fast 200 Jahr lang, wor-
durch das Kloster zwar wieder in das aufnehmen kommen, aber auch um der adelichen
weilen in viele Kriege verwickelt worden, u. die Gottshausleut viel geschädiget.
[1463.](Unter Abt Ulrich Rösch waren die Einkünften des Stifts ca. ƒ. 3000) Endl.
[55] 55
18
Geschichten unter den St. Gallischen Aebten.
Endlich hat der Kirchen Rath von Constanz, durch aufnahm mehrerer Kloster-
geistlichen, denen Adelichen wieder ein ende gemacht.
[1125.] Durch das absterben Kayser Heinrich, erlosch mit ihme die Line der
fränkischen Kayser. Das Kloster u. seine Gottshausleut kammen unter den Schwäbischen Kayser.
Lotharius ein herzog von Sachsen wurde Kayser, und hernach Friederich,
dieser Kayser gab dem Kloster die freyheit einen kasten oder Schirmvogt
selbst wählen zudörfen.
Vorhin stand das Kloster St. Gallen unmittelbar unter den Kaysern, u. [252 arx 322.]
hieß darum das Königliche Stift; jezt sagten die Päbste das eß ein eigen-
thum des apostolischen Stuhles, und demselben unmittelbar unterworfen sey.
Wo vordem die höchste Jnstanz in kirchlichen Streitsachen in mayns war, so
wurden solche nach Rom gezogen. Weil nach dem Jnvestiturkriege die
Päbste die oberhand erhalten haten, säumte der Römische hof nicht seinen Sieg
zu benutzen und seine Gewalt zu entwicklen, das über manches so bis dahin
die Kayser oder Bischöfe den Endscheid gegeben haten, abzusprechen anfieng.
[1253.] Und wegen besezung der Pfründen wurde von Rom auß der Abt und das
st. gallische Land in den Kirchenbann gethan und der Bischof verboth in [362 bis 365]
allen st. gallischen kirchen das abhalten des Gottesdienstes.
Nachdeme der Bischof die Stiftslande verwüstete bis auf Herisau u. das flüß-
chen Urnäschen, mit Raub u. Brand. So hat Abt Berchtold durch seine brenner-
schaar von Ermattingen durch das ganze Thurgau was dem bischof u. seinen
dienst männeren zugehörte mit feuer verwüstet. (das zwischen Reich)
Während dießen Kriegen erhob Abt Berchtold von seinen unterthanen Tausend-
fünfhundert mark Silber (ƒ. 3000) welche er vor die vogtey grüningen schuldig
[1268.] worden, dieser Abt kam von Rosenberg, wo er nach seiner gewohnheit 70 Rittern
ein Gastmal gegeben hate, nach St. Gallen zurük. Reitt, überfiel ihn eine Krank-
heit die unheilbar war, die man für eine Strafe Gottes hielt die er sich durch
bedrückung des volks zugezogen hätte. Während seiner Krankheit ließ er sich
die Rechnung über den zustand seiner Abtey vorlegen, und fand das die
Jährliche Einnahme derselben in Taußend vierhundert mark Silber bestünde,
(ƒ. 2800) das sie nur nach wenige Schulden oder verpfändete Güter hätte, und
das außer der ablößungs Summa von Grüningen, welche nach baar
da lag, ihr nach vieles an Restanzen zu gut kämmen. Von dießen machte er
vielen Klöstern u. Spitälern Stiftungen u. starb nach sechs monatlichem
[1271.] Leiden d. 10. Junj 1271. An dem begräbnus Tag sollen die Bergleut (Appenzl.)
[1271] während dem Todten amt in den Gassen der Stadt herum getanzet haben,[W.C. 161.]
und die Bürger beschimpften sein andenken in der kirchen; da sie nicht zum
opfer giengen, so das in demselben nicht mehr als vierzehen Pfenig fielen.
[1270.] Schon die Städte St- Gallen u. Wangen, Appenzeller, Hundwiller u. Grünin-
ger amte haten zusammen geschworen sich seiner übermäßiger Tyranney zuentledig.[arx 373.]
Das Kloster u. seine gottshausleut unter den vermischten Kaysern. 1138
[56] 56
18
Von der Lebensart und Nahrung im Kloster & Land Ap.
[Von 920 bis 1076] Im Kloster St. Gallen nach dem man fleisch zu speißen angefangen hatte, aß
man, nebst dem gewöhnlichen Wildprete und Schlachtviehe, das fleisch von Bären, [arx 249.]
wilden Pferden, Wisenochsen, Auerochsen, Steinböcken, Murmelthieren, u. das der
[AU 53]Faßanen, Schwännen, Pfauen, Rebhühner, Kapunen, Turteltauben, u. die kleinen auf
Vogelherden gefangenen Vögel, aller gatung fische Salmen, Lachsen, Reinlauken,
Rothfische, Walaren, Lampreten, Donauhaußen, heurlinge, Stokfisch, häringe.
Zugemüß, obst, Pfersiche, Kastanien, Kürbis, melonen, feigen, oliven,
die Schwämme genoß man mit vorsicht, dieselben vorher seiben mahl mit waser
abzukochen. Von dem Käße glaubte man sich den Greis zu ziehen wenn
man denselben nicht mit Pfefer, Wein, u. honig genos, die Ziegen Milch
empfahlen die Arzte als gesund, die Erbsen und Bieren der Blase, die nüße
dem magen, den Knoblauch den nieren schädlich, den Schnittlauch mit vielem
Weintrinken unschädlich zu machen riethen.
Ihr gewohnliches trincken war Bier, oder wenn sie sich gut thun wolten meth
oder Wein; sie machten auch auß den apfeln ein most, und aus most und
honig ein stark berauschendes getränk, dem Waßer trincken legten sie einen
hohen werth bey. Jm allgemeinen waren auch reiche herrn auß unkunde einer
guten Landwirthschaft mit den Annehmlichkeiten des genußes wenig bekant,
sie benügten sich größten theils mit den ersten bedürfnißen die auf eigenem
boden erzeugt und verarbeitet wurden, sie trugen Strohhütte, im Sommer
leinerne, im Winter wollene Röcke, die sie ververfertigen ließen.
Da man mit naturalien wenig handel treib, und Jeder das benöthigte
sich selbst an schuf, spürte niemand einen treib, seine naturproduckte über das
eigene Bedürfnis zu vervielfaltigen. Aber eben darum, weil auß man-
[AU 54]gel des absazes keiner mehr anbaute, als er brauchte, verfielen im falle
eines mißwachs, alle in die grösste Noth, und mußten vielmal Hunger
und Theurung, und die daraus entstehenden Krankheiten erleben. [251.]
—————
[1138.] Das Kayserthum kam an Conrad von Hohenstaufen herzog von
Schwaben. Dieser Kayser hat das hofgericht zu Rothweil aufge-
[1146.] richtet, unter welchem das Land Appenzell lange gestanden
wo wichtige Rechtshändel außgemacht worden.
[1204.] Abt Ulrich der IV. wurde in fürstenstand erhoben darzu
vermehrte sich seine Macht Gewalt und ansehen, als Reichsfürst.
[1208.] War ein hitziger krieg außgebrochen zwischen diesem neuen fürsten, und [W.C]
dem Bischof von Constanz, wegen dem Schloß Rheinegg, sie verheereten
ein andern eine geraume Zeit die Länder, so das Aker, Wießen und
Kornfelder mußten ungebaut ligen. Endlich kam eß im Breitfeld, ob
der Krätzern zu einer blutigen Schlacht, die Appenzeller machten den
angrief und wehrten sich mit den andern Gottshaußleuten Tapfer, das der
fürst geglaubt den Sieg auf seiner seiten zuhaben, der Graf von Kyburg kam [arx 332.]
in vollem Trapp mit seinem Kriegs Volk und machte eine gänzliche niderlage,
das mit dem Abt nur wenige darvon kammen, auf dem begräbnus Platz St. Barbara Kappelle genant.
[57] 57
19
Geschichten unter dem neuen Fürst & Abte St. Gallen.
Kappel zum andencken erbauen unter Sturtzenegg bey Wincklen, wo mancher
Tapfere Appenzeller begraben ligt, viele sind gefangen worden von ihnen.
[1209.] dieser oberzehlte Krieg entzweyte auch die beiden Städte Arbon und St. [W.C. 151.]
Gallen, da erstere auf des Bischofs, lestere aber auf des Abts seiten
waren, die Städte haten wegen einem Wald im Speicher in der Schwendy
gelegen Streit, weil jegliche Stadt denselben ansprach und endlich zu
einer grausamen Thätlichkeit gekommen, das sie einander die Füß abgehauen,
weil aber dieße Geschichte schon in Beschreibung des Arbonerwalds hier p.
so ist das mehrere dort davon zu leßen. Vom Jahr 1215 ist dort vom Abt.
[1212.] Reißete der Kayser Friderikus Regorius, durch Trogen und Speicher, auf
St. Gallen, (B! das beweiset das schon eine gangbare Straß hier gewesen.)
[1215.] Eben dieser Kayser vermitelte zwischen dem Abt und Bischof den
Krieg, das der Frieden endlich wieder hergestelt worden.
[1226.] Hat der Fürst Abt Conrad I. einen hitzigen Krieg mit dem Grafen
vom Togenburg angefangen, der den Appenzeller viel Leids u. schaden
zugefügt hat. Der Fürst bekam einen Vortheilhaften Frieden, und die
Stadt Will, und das Schloß alt Togenburg.
[1227.] Nach geendigtem Feldzug wolten die Appenzeller und Burger von St.
Gallen eine nachbarliche Schuz-Bündnis schließen, so bald der Abt dar-
von nachricht erhalten, überfiel er durch seine Ritter und Edelleut, die
Stadt, und ließ ihnen 15 neu erbaute Häußer niderreißen, und diese
Bündnis vernichten, welche gewaltsamme That aber bey den Burgern
und Appenzellern, so einen starken wider Willen verursachet, das sie
von der Zeit an gelegenheit suchten sich des Abts übermäßigen Ge-
walds zu entledigen.
[1230.] Jst der Fürst Abt, dem Kayser wieder zuhielf gezogen, wieder den
Herzog von Bayern und der Graf von Togenburg falt ins Land.
[1233.] Wurde diesßer zehen Jährige Krieg durch einen Vortheilhaften Frieden
vor den Abt beygelegt. Und das Land kam wieder zur Ruh, da
[1239.] dieser unruhige Abt Conrad verstorben. bis
[1247.] Der neu erwehlte Abt Berchtold, Krieg angefangen wegen der Stadt Will
[1249.] deßgleichen mit dem Bischof von Constanz, der dem Abt in seine
Lande gefallen u. von Herisau bis Urnäschen u. Appenzell alles ver-
brandt und verheret hat. 1250 ist Kayser Friderich II. gestorben der leste vom schwäbischen Stamme
[1259.] Abt Berchtold verfiel in einen neuen Krieg mit dem Grafen im Togenburg
wegen dem Schloß Jberg ob Wattweil.
[1260.] Dem Abt ist neu Ravenspurg von seinem Vetter Erblich zugefallen.
[1261.] War eine blutige Schlacht in der March, wo des Abts Völker
wegen Rapperschweils besiz nahm zuruk ziehen, u. viel Appenzeller gekostet.
[58] 58
19
Begebenheiten unter der Fürstlichen Regirung.
[1272] Wurde zum Kayser Erwehlet Rudolf Graf von Habspurg, den vorhero
die burger von St. Gallen als Haubtman zu ihrer Sicherheit angenommen hatten.
[1291] Starb Kayser Rudolph, diese Kayserlliche Würde bleibte ca 600 Jahr
auf dießem Stamm Haus bis Ao. *)
[1271.] Zu dieser Zeit waren 2 Aebte, Ulrich war im Kloster St. Gallen,
Heinrich hielt sich in Arbon auf, und starb Ao.
Die streitigen Abts Wahlen haben dem Kloster allemal grosen
schaden und Krieg verursachet, das Kloster hat alle Kostbarkeiten verkauft.
[1273.] Hat der Abt. zum Schirm seines Gottshaus, den Kayser zum
Kastenvogt angenommen, weil der Abt seine unterthanen suchte in bese-
erem zaum halten zu könen, da er ihnen nicht mehr trauen dörfte.
[1275.] Waren wieder zwey Streitige Abte, die gegeneinander zum Schwert
greiften, wegen denen 2 Schlößern Rosenberg und Urstein im Hundweiler Tobel
welch lesteres belagert, u. nach Erobrung vollkommen zerstört worden.
[1275] Da die Appenzeller eß mit Abt Ulrich gehalten gab er ihnen die
[AU 55]Freyheit einen eignen Landamann Erwehlen zudörfen, da aber
dieser Abt gestorben, und Abt Rumold erwehlt worden. Dießer
[1276.] suchte er diese Freyheit den Appenzeller wieder zuentziehen, das
[1277.] der Landamman Hermann von Schönenbühl, in das Schloß Clanx
geforderet u. in Eißen u. band geschlosen u. heimlich auf das Schlos
Jberg in das Togenburg geführt worden. So bald die Appenzeller dieses
erfahren belagerten sie das Schloß Clanx u. wolten den Abt auch ge-
fangen nehmen, war aber schon auf St. Gallen entwichen, nach deme
der Landamman wieder loß gelaßen worden Starb er in 5 Wochen.
Der Widerwillen der Appenzeller war auf das höchste gesteigen,
u. so gespant das eine allgemeine empörung außgebrochen wäre,
[1281] aber resignierte der Abt und wurde zu seinem nachfolger
Erwehlt Abt Wilhelm, dieser wurde aber von Pabst u. Kayser in
Bann u. Acht gethan und abgesezt, und vom Kayser als neuer Abt
Erwehlt , der Kayser kam selbst auf St. Gallen, nach deme
[1291.] *) dieser Kayser verstorben, gelangte der abgesezte Wilhelm
wieder zur Abtey u. versprach denen Appenzeller u. St. Galler
zerscheidene Freyheiten, deßwegen sie wieder ins Feld gezogen u.
die Stadt Will eingenommen. Deßgleichen zogen sie auch auf Buchhorn,
nahmen die Stadt mit Stürmender Hand und Plünderten, mitlerweilen aber
die Grafen von Werdenberg eilends auf Appenzell gezogen und hatten diese
Berge mit Raub u. brand so verwüstet u. verheret, das bis an Hundweil
so sich mit 600 Mark Silber außlößen könen, alles nidergebrandt u. grose beute
gemacht, das die zuruk kommenden Appenzeller nichts mehr als ihre in aschen ligenden
Wohnungen u. Seufzenden Weiber u. Kinder die sich in Wildnißen verkrochen hatten
u. denen Feinden alles überlaßen müßen, Jämerlich angetrofen.
[59] 59
20
Vom Schlos Falkenstein, und den wohlfeillen Preisen.
Der Schlößer, Höfen, und Boden im Land. Unter den Aebten.
—————
Das Schloß oder die Burg Falkenstein, ist ob Martis brugg oder
unter dem Tobel in der Schwendy hier gelegen an den Speicher grentz.
& an der Goldach, man siehet heut zu Tag nach alte Mauren oder über-
bleibzel darvon, obschon der Plaz mit Holz oder Waldung überwachsen
und umgeben ist. Diese Burg war der Siz der Marschälle von Falkenstein
gewesen, von welchen schon Heinrich 1215; Conrad 1227, Rudolph 1244 und
Jacob 1297, in urkunden vorkomt. Als diese außgestorben, kam
Falkenstein an einen Boler, von diesem circa 1300 an Abt Wilhelm,
und Abt Jörg verpfändete solches dem Hans Arnold von St. Gallen.
[1380] Abt Cuno lößte eß wieder, und zalte Arnolds Sohn den pfandschilling *)
[AU 56] Hundert ein und Sechzig pfund Pfenige zurük, der Hof Schuppis,
(durch den der Weg nach dießem Schloß führte heißt seit deme nach
der Weg). gehörte ins Tablet. Das Schloß Martis Tobel hieß später Rabenstein.
B! und weil deißes alte Schloß Falkenstein in der Schwendy Gegend [504.]
gestanden, so ist nicht ohne grund zu vermuthen das auch schon Einwohner
und Häußer in der Schwendy geweßen seyen zu selbiger Zeit, welches
die alte Bauart von einigen alten häußer auch beweißet dort.
[12 .] Abt Wilhelm hatte da Schloß auch bewohnt zur Zeit da das Kloster
im Verfall geweßen, suchte er den Stift durch Sparsamkeit wieder [arx 505]
auf zuhelfen, und die Schulden zubezahlen so sein vorfahrer gemachet hat.
[1326.] War eß auch der aufenthalt des Abts Hiebold wegen zunehmenden
Blödsin und von da nach der Clanz in Verwahrung komen der Abt. [15]
Clanz gieng durch Verrätherey über, von Sigberg, der sich mit Siebenzig Mark
Silber hatte bestechen laßen, an den after Abt Conrad über, nachdem
dieser es mit dem Vogte von Ramschwag u. den Bergleuten lang umsonst [418.]
belagert, u. mit großen Steinen, die man mit dem Schwenkel u. dem
Böller (eine art Wurfzeuge) hinein warf, das Schlos wurde zerstört.
*) merckwürdig sind die kleinen nidrigen Preiße in den alten Zeiten z.b.
wurde der Hof Walzenhaußen um 290 pfund Pfenig Erkauft vor Künzler.
[1432.] Kaufte der Spittal in St. Gallen, den Schochenberg in Herisau, um 45
Pfund pfenig, dieser war 305 Juchart an Acker, Holz, u. Feld, weit.
Ao. 1803 wurde dieser Schochen Berg verkauft vom Spittal ƒ. 15’000.-
und hernach verstückelt, und über ƒ. 5000 nach daran gewonnen worden.
[1292.] Hat Abt Wilhelm denen Appenzellern wegen erlittenem Brandschaden so ihnen
der Graf von Werdenberg zugefügt einige Freyheiten geschenkt u. ein Landamman erlaubt
und der Kayser, hat dem Abt wegen denen Treugeleisteten diensten in Buchhorn
die Reichssteur von 125 Mark Silber geschenckt, so die Appenzeller zahlen mußten.
[1293.] Haben die Appenzeller dem neuen Kayser Rudolf gehuldiget, welches so oft ein
neuer Kayser gesezt wurde geschehen mußte, Er bestätigte ihnen die vom Abt erhaltenen Freyheiten.
[60] 60
20
Geschichten unter der äbtischen Regierung, Bergleute betrefend.
Die Schweiz bekame von Kayser Landvögte, bis 1307. Dieselbe verjagt worden.
[1300] Der neue Abt Heinrich der II. war sehr streng gegen die Appenzeller bergleut. [W.C. 173..]
[1308.] Legte er eine steuer auf seine unterthanen von 700 Mark Silber, sie beklagten
sich deßwegen bey dem Kayser, aber mußten gleichwohl zahlen, und dem Kayser [175.]
huldigen. Der Abt schreib in 11 Monaten 8 Steuren auß, das war eilfertig.
[1319] Deßen nachfolger Abt Hiebold hingegen war ein gütiger Herr gegen die Bergleut
führte aber krieg mit dem Adel im Togenburg, das er wegen Kriegskosten,
Appenzell, Trogen, Teufen, (*hiemit auch Speicher) wie auch Hundweil u. Herisau,
versezen müsen, dem Alberto von Werdenberg um 600 Mark Silber, dieser
Graf bekam auch vom Kayser die hohe Gerichts Herrlichkeit u. war also oberHr.
über die ort, er steigerte ihnen die Reichssteuer und sind erst 1345 u. 1381 vom [178.]
Abt wieder eingelößt worden (* Ao. 1336 das Teufer u. Sonderamt a 52 lb. d. in Pfand geben.
[1345.] Hat abt Herman die Reichssteuer von 150 wieder auf 125 Mark gesezt * *) siehe hernach. [182.]
[1379#] Der neue abt Kuno zeigte sich gegen die Bergleut ungünstig und hart, er
suchte seine unterthanen wider unter die Leibeigenschaft zubringen, verwehrte
den Landleuten den freyen Zug und das Heurathen ohne seineBewilligung,
dieses gab groses Mißvernügen, weilen schon seit 1367 die zwey ämter Ap-
penzell und Hundweil, nach Freyheit gelustet, wie auch St. Gallen zeigte,
Spuren von Freyheits sinn, das Waffen glük, der von Uri, Schweiz Unter-
walden, und derselben unabhängigkeit und Steuer Freyheit, machten das der
Abt seine unterthanen bald nicht mehr in der unterwürfigkeit behalten können,
sie machten ohne des Abts wißen mit andern Bündniße, diese wurden aber
[1367.] wurden durch Vermitlung wieder aufgehoben. Doch zur Besänftigung hat
[1378. ≈] der Abt denen von Appenzell, Hundweil und Gaiß, erlaubt in den Bund der
Reichsstädte zutreten, denen Urnäschen u. Teufen, nachgefolget und Reichsländli
genant wurden. (**Abt Jörg ist 1379 gestorben.) (Kuno war Conrad der nam)
[1379.] Nahm der Abt die vier Reichs Landli vor das Recht der Schwäbischen Reichsstädt
gen Ravenspurg, die Appenzeller machten vielfaltige klagen wegen besez-
ung der amtleuten, Steuren, anlagen, Krüzzügen, worüber der Spruch zu les. [190.]
[1380.] Die Appenzeller wolten nicht huldigen nach der neuen Eids Formel. [192.]
Der Abt verklagte sie bey dem Kayser, dieser schickte ein ermahnungs Schreiben. [194.]
[1381.] haben die auf Gaiß samt dem Sonderamt (das war Trogen, Riedly, [195.]
Speicher, und ein theil von Teufen, Roten genant) vom Kayser erlangt,
das man sie gleich denen vier Reichs Ländly für keinen königlichen
Hof- oder Landgericht cittieren dörfe, sondern man solle sie da
suchen wo sie seßhaft seyen.“ welches sie umso mehr erfreut weil
sie hievor mit grosen kosten das Recht außert Lands um eine Jede kleinig-
keit suchen mußten.
[1373.] nach mehr im folgenden blat und Ao. 1379.
[61] 61
21
Geschichten unter der aebtischen Regierung.
[1390.] Abt Kuno hielt eine matreße die offentlich im Münster aufzug das [arx.]
folgendes Lied entstanden. arx pag 94.
• Der Abt hatt ein haußfrouen, ließ sie im Münster schowen.
• das doch nie mehr was geschehen, hört ich biderlüt Jehen (sagen)
• Sie hatten je ihr huß, und lebten darmit im brus,
• sie solten han gesungen u. geleßen, und in jrem Kloster sein gewesen,
• und mit einander bruoderlicht gelept, und von einander nit han gestrept,
• so mochten sy desto baß sin beliben.
[1393.]}Eine Klaus im Speicher gebauen worden. arx Siten 203 - 2. theil.
• Jm Appenzellerlande schenckten Walther zum Speicher, Ulrich Kern, Hermann
• [AU 57] Müller und Franz Gerwig Belen, dem Bruder Heinz Sturman eine Hofstadt,
• [AU 58] die unßer Frauen Büel hieß, für eine Klaus. Abt Kuno bestätigte
• solches; doch so, das dießer Bruder, und seine Nachfolger im gehorsamen,
• und die Klauße zu Lehen empfangen solle; daß, wenn keine Brüder
• mehr vorhanden wären, der Abt von St. Gallen selbe mit Schwestern
• besezen, und im abgange dießer an das Münster St. Gallen ziehen
• könnte. Ferner das die Klauße seine Bewohner erben mußte.
B! von dieser Klaus hatte man keine weitere Spuhren oder nachricht,
als das der erste zuruck gestoßene Herbrig, von alten Leuten
des Klaußen Haus genant worden, ob eß dahin gebauen
worden, da nach Waldung hier geweßen, oder hieher übern-
gesezt worden das haus, ist ungewis und im duncklen. [arx 75.]
P.S.
[1373.] Abt Jörg machte mit dem Grafen Rudolph von Montfort Feldkirch dem ältern;
u. mit der Stadt Lindau Bündnis. Seine amtleut mußten dieselbige
besieglen vor die Landleut, Ulrich Häch amman zu Appenzell, Walter Weib-
el Amman zu Hundwil u. Urnäschen, Hs Hüßler amman zu Tiefen als
seine burghüter auf den festinen, so gelang es dem Abt seine Freyheits-
lustigen unterthanen nach ruhig zuerhalten, nach deme Abt Jörg gestorben
[1379.] wolten obige 4 ämter dem neuen Abt Kuno weder huldigen nach die gewöhnl.
gefälle entrichten, er verklagte seinen Amtmann zu Appenzell Ulrich Häch, der
sich an die Spitze der mißvernügten gestelt hatte, und die vier anführer
Herman Poppart, Kunz Helibrunner, Hs in der Schwanden, Heinrich auf der
Halden, der Kayser Wenzel versprach dem Kuno hielfe u. Recht angedeihen zu las.
da die obwaltenden zwiste in den gang des Rechts eingeleitet wurden,
mußten die bergleut sich bequemen vor dem Reichstag nach dem Abte
nach der alten formel zu huldigen, und schwören, weil der Kayser Wenzel,
ein Mahnungs brief an obgenante fünf Häupter erlaßen das die Huldigung [80.]
gefälle u. Steuer wie von altersher zuleisten befahl.
[62] 62
21
Schazungs Geschichte unter Aebtischer Regierung, Krieg & Waffen.
[1380 ca.] Abt Kuno hat Jede Waffenfähige mannsperson in Rödel aufgezeichnet, eines [arx 104.]
jeden Ligenschaften, und fährendes Vermögen war geschäzt u. aufgeschrieben. *)
Jn jedem Hauße lagen die dem vermögen deßelben angemeßenen Waffen in
Bereitschaft; in wohlhabenden Häußern Harnische, Beckelhauben, Eißerne Hand-
schuhe, und Armbrüste, in minder begüterten Beckelhauben, Handschuhe, und
Helbarden, in den ärmsten Hütten Helbarden, u. oft hatten diese so bewaff-
nete Männer im freyen Felde der Rüterei der vom Scheitel bis an die fuß-
sohle mit Eißen bedeckten Edelleute die Spitze gebothen. Dieses wußte Abt
Kuno gut, deßwegen traute er den Appenzeller Bergleuten nicht wohl.
*) Laut der Schazung beßaßen z.B. in der Lener Rood zu Appenzell 90 Haus-
vätter an Ligendem u. färendem Gute. 2912 mark.
Jn der Schlatter Rood 60 Haußvätter. - 2057 do.
Jn der Schwendiner Rod 73 Hausvätter. - 1972 do.
Jn der Gunter Rood 84 Hausvätter - 2231 do.
Jn der Rütiner Rood 67 Hausvätter.{ - 2122 do.
Jn der Rickenbacher r.39 Hausvätter.{{idt2|100} }- 795 do.
Samtliche Ligenschaften in allen 6 Rooden 12089 Mark, hatten 414 Hausvätter
und in denen 414 Familien waren 290 Panzer, 299 Beckelhauben, 622 Hand-
schuhe, 291 Helbarden, 17 Armbrüste, und ein Spieß, anzutrefen, (und so auch
in andern Gemeinden oder Rooden mag eß auch gehabt haben.)
Die Reichsten Familien in Appenzell waren, die Suter, Gaißer, Stöber, auf der
Staig, Speck, Norder, am Nord, Entz, Lener, Steger, Hürler, Breißing, Häch, Schell,
Ludwig, Schwendiner, Oprecht, Niderhauser, Wildisteiner, Himmelberger,
Toppelstein, uf der Rüti, Gschwend, in der Schwendi, Tupli, Bokstelle,
u. Ulrich Bophart der amman. Auß dem copia buch abt Ulrichs.
Bartholomä an der Halden von Gunten war einer der wohlhabensten
Männer in Appenzell, er besaß 64 Mark oder s. 128 Ligenschaften.
—————
xVon Kriegen und Waffen unter den Aebten. arx 479.
[1085.] • die Weiße den Krieg zuführen, war grausam, weil der Feind, wann er auch
• ein Bischof oder Abt war, die gefangenen bis sie ihre Freyheit mit vielem
• gelde erkauften, in harten gefängnißen behielt, und in Streifzügen
• häußer u. Gebäude abbranndten, wozu man Freykorps, das die Verbrenner
• hießen errichtet, und Bogenschüzen, u. Steinschleuderer, als Besazungen in
• die Schlößer gebrauchten, man hieß sie zum unterscheide von den Edelknechten,
• die Gebur, oder gemeine Knechte. Die Schlößer und die Städte suchte man er-
• steigen, untergraben oder außhungern wegzunehmen, u. sezte den belager-
• ten mit Pfeilschießen, Stein und Feuer einwerfen zu. Viele Vesten Schlöser
• machten einen herren stark; deßwegen trachtete Jeder Edle so viele, alß ihr
• Vermögen erlaubte, zubesizen. Clanz wurde mit grosen Steinen die [arx 418.]
• man mit Schwenkel & böller hineinwarf vergebes zur übergab gezwungen,
Schaarmeister genant, waren Haubleut.
[63] 63
22
Unter der Lesten Regierung Abts Cuno über Appenzell.r
[1400.] Bißdahin waren die Appenzeller und Bergleut wie auch andere gegenden
nach gesöndert, das die wenigsten zusammen hörten, und in keiner Verbindung
mit einander standen, der abt hatte absonderliche herrschaften und Gerichts
Herrlichkeiten, in den Rooden hatte er seine amtleut und Roodmeister.
Das Volk wurden als unterthanen hart gehalten, und über die gewöhnlich.
Steuren u. Gefälle zuweilen nach mit unerträglichen Lasten u. Steuren
nach Willkühr beleget, (das solche Raubsteuren genant wurden von Bauern).
Auch seit 1079 bis in das dreyzehende Jahrhundert, mußten sie 14en
blutige feldzüg mit machen, (und Lernten dabey das Kriegswesen
das ihnen hernach aber wohl zustatten kam zu erkämpfung der freyheit).
Weil sie über ihre klagen u. beschwärden kein gehör mehr fanden weder
bey dem abt nach seinen amtleuten u. Vögten, so thatten sich die so
gedrückten Landleut heimlich versammlen, und berathschlagten wie sie
sich dem übermüthigen gewalt des Abts und seiner Kloster Vögten u.
zwing Herrn könten loos werden, und auch in die freyheit sezen wie die
Schweizer und Gott segnete ihre rathschläge, das sie sich vereinigten
und einander den Treuen handschlag gaben und gelobten für freyheit
zu siegen oder zusterben, zudem ende hin versammelten sich in Appenzell
[1402.] d. 8. Wintermonat, auß allen Rooden und Geginen, machten eine bündnis mit-
einander, und schwuren Eydlich zusammen, zu erlangung der Freyheit Leib, Ehr, blut,
und Gut zuwagen u. auf zu opfern, auch Liebs und Leids gemein zuhaben
in Einigkeit u. Tapferkeit einander Treulich zuhelfen u. einander nicht zu-
laßen, nach von einandern mehr zusöndern. Nun bekammen alle den namen Appenzel.
Diese Appenzeller suchten Hielf und Schuz bey denen Eydgenoßen, wurde aber
von meisten ihnen abgeschlagen, nur der Lobl. ort Schweiz versprach den
Appenzeller Hielf, Schuz und Schirm, und nahmen sie zu ihren Landleuten an,
gaben ihnen aus ihrem Land einen Amman, Werny Amsel, in ihr Land,
und einen Haubtmann Löry Lotbacher.
Die Glarner erlaubten ihren Landleuten (ihren Landleuten) wer
bey entstehendem Krieg denen Appenzeller freywillig zu ziehen wolle
der möge eß thun. Zufolg deßen sind bey 200 glarner, denen Ap-
penzeller zu Hielf geeillet.
Der Abt hingegen suchte Hielf bey denen Verbündeten Reichs- städten,
die suchten die sache gütig zu vermitlen aber alles laufte fruchtlos ab.
[1403.] Wurde den Appenzeller der Krieg erklärt, diese säumten auch nicht und
rüsteten sich zur gegenwehr, ließen d. 14. may den Landsturm ergehen,
und verwahrten aller orten ihre Grentzen wohl, und legten die größte
Macht 2000 Mann auf die höhi Vögelisegg. d. 15. May geschah die Schlacht.
[64] 64
22
[1403] Appenzeller Krieg mit dem Abt von St. Gallen.
auß des Arx Geschichten oder St. Galler Chronick. pag 112.
—————
Die von Appenzell traten mit den Schwyzern in ein förmliches
Bündnis, nahmen von ihnen hielfs Völcker in Sold *) und kündigten so durch
die Schwyzer mit den Eydgnoßen verbunden dem Abte allen gehorsam
auf, und fingen ihn zubekriegen an, ohne sich mehr weder von dem Adel,
nach vor den Reichsstädten zu fürchten. Die erste feindseligkeit übten
sie gegen die Goßauer auß, welche sie mit gewalt in die Kirchen
treiben, und sie vor dem Altare einen Eyd zuschwören zwangen, das sie
auf Appenzell gehören wolten. *) Nach dießen berennten sie das Schlos
Oberberg; von da zogen sie nach Waldkirch wo sie den Leuten die Kühe
wegnnahmen; zwar eroberten diese ihr Vieh zurük und schlugen die Plünderer
zurück; aber diese kamen am folgenden Tage wieder und branndten ihnen
ihr Dorf ab. Ebenso verwüsteten sie mit feuer die Schlößer Glattburg,
Eppenberg, auf solche Verrichtungen pflogen sie von Herisau auszugehen,
welches sie zu ihrem Waffenplaze gemacht haben.
B! *) Von dießer Gemeind Appenzell, bekamen in diesem Kriege alle
mit verbündeten Bergleute den Namen Appenzeller.
Si wolltent gen Schwiz schwören, mit den von Appenzell,
Es geschach darnach gar schnell, Si schwurent zu inen immer me.
Es geschach dem Land gar weh, Si gabent denen von Schwiz Sold,
ihnen was niman hold.“
Die sieben Städte an dem See, in derer Bunde Abt Kuno, als ein
Bürger von Costanz war, ermahnten und bedroheten die Appenzeller oft
durch Schreiben, und Gesandten zum Gehorsam; endlich als diese nichts
fruchteten, schickten sie ihre Bundes Armee, die bey 5000 Mann betrug,
nach St. Gallen ab. Vor dieser aber hatten die Appenzeller so wenig
furcht, das sie vor ihren augen das Schloß Roßenberg abbrannten.
Doch frommte ihnen das wenig; denn dadurch wurde der Städte-bund
veranlaßt, sich nach Herisau zuwenden, und zur Vergeltung diesen ort
nicht nur anzuzünden, sondern ihn mit seinen umgebungen ganz zu-
zerstören. Nach dießer unrühmlichen Verrichtungen, gieng die bundesarmee
wieder auf St. Gallen zurück, um von da den Speicher zu überfallen.
Aber ihr anschlag wurde unverzüglich dem Krum und Kunz, welche
auß St. Gallen entwichen, und zu den Appenzeller übergegangen waren,
von Weibern verrathen, die man Täglich sorglos auß den feindlichen
gegenden
[65] 65
23
Schlacht im Speicher an der Letzi, unter Vögelisegg.
• Gegenden in die Stadt zu und ablaufen ließ. Ein Schweizer Schaarmeister [arx 113.]
• ermangelte darum nicht, von dieser nachricht gebrauch zu machen, eilte in der
• Nacht 200 Mann auf den bedrohten Posten hin, verbarg sich dort mit
• vieler Vorsicht hinter der Lezy, welche auf dem Wege nach dem Speicher er-
• richtet war, ermahnte seine Mannschaft zum Gebethe, und bedrohte Jeden,
• der fliehen würde, mit dem gewißen Tode. Die Bundes Völker besteigen
[Ao. 1403]• d. 15. May, den Berg, ohne eine andere ordnung zubeobachten, als das die
• Rüther vorauß, die Schützen nach ihnen, und der Gewaltshaufen zu-
• hinterst giengen. Sie hatten die Letzi, die nur eine Stunde von St. Gal.
• entlegen war, bald erreicht, und fiengen selbe, weil sie keinen feind da-
• rin vermutheten, sorglos auf zuhauen an. *) unbeschreiblich war darum ihre
• bestürtzung, da die Appenzeller auß derselben auf einmahl hervorschoßen, [114.]
• und auf ihren verwirten haufen hinstürzten, von einem panischen schrecken
• ergriffen, hielten sie nicht einen Augenblick stand; die Reüterey wandte
• um, und überritt das fußvolk; Jeder floh, so gut er konnte, und die
• Zahl der Fliehenden übertraf die der nachjagenden mehr als zehenfach.
• Der Muth wuchs denen Appenzeller im nach Jagen so sehr, das zwanzig
• von ihnen den Flüchtlingen bis an die Thore der Stadt St. Gallen nach setzten,
• und die ob der Stadt ligenden Mühlen anzündteten. Sie hatten an diesem
• Tage mit einem Verluste von 8 Mann, zweyhundert fünzig feinde er-
• schlagen. Der Burgermeister von St. Gallen Joachim von Watt, welcher
• hundert Jahre darnach lebte, sezte die Zahl auf hundert sechs und neünizig tode,
• man rechnet darunter des Abtsleute Sechszig unter denen beyde Burger-
• meister von St. Gallen waren, und neun und neunzig von Konstanz,
• von Überlingen, Sechs und zwanzig, von Ravenspurg dreysig, von
• Lindau zwanzig, von Wangen sieben, und drey Edelleut, Blarer,
• Schodeler und der von Blanckenstein. Viele von den gebleibenen wurden
• im Kloster St Gallen neben der St. Peters Kapelle begraben.
• Über alle maßen grämten sich die überwundenen über den erlittenen
• Verlust und Schande; sie schleichen sich stille von St. Gallen weg, u. ließen
• die Konstanzer außgenommen, sich bis zum Frieden nie wieder im Felde
• sechen. Vom Waffen glük der Appenzeller angelockt zogen sechs hundert Schweizer
• ihnen zu hielf welche mit einigen von Unterwalden gerne in Sold genomen wurden,
• der Kampf wurde jezt ungleich; die Schweizer u. Appenzeller waren im Stande
• mit 800 oder 1000 Mann im felde zuerscheinen, denen der Abt nicht 300 M.
entgegen zustellen vermochte, das Jene ohne widerstand handlen konnten.
*)die Letzinen so um ihre Berge errichtet waren auß hoch aufeinander gelegten Tannen
u. holzstämmen erbaut Es
[66] 66
23
Appenzeller Krieg & ihrer anführer, oder Haubtleut, Löri.
[1403.] Es gelang ihnen auch sich der Schlößer Roschach, Hußen bey Bernegg, und [arx 115]
Burgau bey Oberglat zubemächtigen, welche sie wie die Letzinen mit einer
Hut von 30 bis 60 Mann besezten. Jhr anführer war ein Schweizer, genant
Lori, der sie recht zu meistern wußte. Denn er gab ihnen einen von Schweiz
zum Amman, nannte alles, auch Land und Leute das seine, behielt die geld-
summen, welche er von Edelleuten erpreßte, für sich, u. schickte sie nach hause,
ritt, obschon er zu fuß von Schweiz hergewandert war, immer ein Pferdt, ließ
sich von ihnen auf Märschen nach der art der Edelleuten seinen Spieß nach
tragen *) Sie mußten seine Tafel auf dem Spicher, wo er sich gewöhnlich
aufhielt, immer mit Fischen, welche sein Lieblingsgericht waren, versehen;
Er forderte von ihnen einen blinden gehorsam und Strafte jeden der ihm [116]
widersprach. Sie ertrugen zwar deßen übermuth auß Rücksicht derer
von Schweiz, doch brach ihnen auch einmal die gedult, sie erregten gegen
ihn einen aufstand, warfen ihm einen Stein an den Kopf, und er mußte sich
in den Pfarrhof flüchten, nebst diesem Löri waren Baumgartner,
Studer, und Geriner ihre Hauptleute * *) folgende Riemen wurden gemacht.
*)Was das nicht Gottes Rach, das eß darzu kam so schnell,
das ein Bub inn hatt Appenzell, Er sprach allweg, eß ist mein,
Leut und Land wären sin, —-, was des Gotts Hauß wär gewesen.
Dießer Löri, wurde in Oberbüren, mit einem Pfeile geschoßen, daran [124.]
er nach 5 Wochen zu Appenzell starb. Sein Körper wurde in einen sack
geschoben, auf ein Pferd geladen, und nach seinem Wunsche auf Einsiedeln
gebracht u. dort begraben. Die Appenzeller schreiben seinem übermäßigen
Fischeßen, andere seinem übermuth eß zu das er von seiner Wunden
nicht hatte genesen können.
Die Schweizer, u. Appenzeller fielen auß ihren Letzinen und Schlößern
nach gefallen über die Gottshaußleute her, plünderten, verbrannten
deren Häußer, Vertreiben oder Tödeten Jene, welche ihnen abgeneigt
waren, vorzüglich suchten sie reiche Leute aufzuheben, u. sich mit ihrem
Löse geld zubereichern. Solche züge thaten sie oft entweder von
dem Speicher, oder auß dem Roschacher Schloß herab.
[1404] Jm Merz zündeten neunzig Mann von Speicher, Roschach u. Goldach
an. Arx pag 116. 2.Theil. Ao. 1418 ist die Stadt St.Gl. bis an 17 Häuser abbronn.
- *) Ein Appenzeller Haubtmann war auch Jacob Hartsche (vermuthlich heysche.) [145.]
der mit 80 Mann an der Letzy lag.
[67] 67
24
Schlacht im Speicher, von Pfarrer Anhorns Appenzellr. Cronic.
Da nun die Aebte das Appenzellerland größten theils unter ihren gewalt
gebracht, und durch ihre Amtleute von ihrem Adel u. Dienstleuten bißwillen die
unterthanen an ihren Freyheiten, Bräuchen u. gewohnheiten, gekränckt u. beschwärt,
das die Bergleut sich bey Abt Kuno von Staufen beklagt, u. demüthig begehrten
Sie, der Täglich neuen eingeführten beschwärden vom Adel zu entladen u. zu mildern,
fanden sie kein gehör, sondern nur der Adel fand geneigte ohren. So Jagtend sie den
l und des abts Dienstleut auß dem Land, zerbrachen ihre Schlößer, die Burg
Clanz und die zwey in Herisau wurden in aschen verwandelt, das nur nach die maur-
oder Burgstöcke zusehen waren. Der Abt mit Beyhielf der Bundes Städten
wolte die Bauren zupaaren treiben, und zogen mit manchem Panner u. Fähnly.
[1403.] d.15. May, 5000 Mann stark wohl gerüstet gegen Appenzellerland die Berg-
leut gehorsam zu machen, diese aber erwahrteten den Feind an der Landwehre
in Speicher, die von Schweiz u. Glarus, der Appenzeller Helfer. hatend sich zu
Loch im Wald versteckt, u. ließen das Kriegsheer dem Speicher zu marschieren,
die Appenzeller lagen auf dem Berg Vöglisegg genant, als nun der Feind nach
herzu geruckt, Liefend die Appenzeller mit heftigem geschrey den Feind an, und
wurffend in denselben wurfstein ganz grimiglich, und die weil die Appen-
zeller den Feind oberhalb angegriffen, fielen die von Schweiz und Glarus,
unterhalb bey Loch hinden zu in den Feind unversehens, Treibend ihn in die
Flucht und erschlagen mehr als Drithalb hundert Mann.
Die Stadt St. Gallen wolte nach erlidenem Schaden nicht mehr wider die
Appenzeller Kriegen, als ihre nächste nach bauren, sondern machten Frieden mit
ihnen, darauf wurden die Sieger erst freudig u. männlich u. greifen allenthalben
um sich, und machten einen Bund mit Schweiz u. Glarus. Sie greifen Edel u.
unedel an ihre umsäßen, und nahmend jedermann an zu Landleuten u. nahmend
den Edlen ihre eigene Leut wider ihren Willen, u. hulffend ihnen das Sie ihren
Herrn weder Steuer Zins nach anders mehr gabend, u. machtend sie also Jhnen ungehor-
sam, sie lugten ein Jeder dem andern zu, u. ließen fürgahn bis man ihnen über-
legen allerorten, wann sie einander in Treuen geholfen hetten sie wohl vor komen mögen.
Aber die Appenzeller hetten sie alle vertreiben. Sie rufend die Landherren im
Thurgau, und andere dem Herzog Friederich von Östreich zu hielf an, (weil sie
mehren theils der Herrschaft Östreich Diener waren) das Er den Adel nicht also
ließ vertreiben, weil er doch des Adels u. des Lands Haupt wäre, und all
seine Vordern des Lands Schirm geweßen, Sie Reitend auch Täglich dem
Graf Herman von Sulz nach, u. Graf Hanßen von Laufen, die des
Herzogen Landvögt wärend, das sie beym Herzog schaffen das Er sich des
Kriegs annehme und ihnen zu hielf komme. Darauf die Schlacht am Stoß
auf Gais erfolget ist. Die Kriegs Waffen in 15ten Jahrhundert waren
armbrüste, Büchsen, lange u. kurze Spieß, Hellbarten, Schlachtschwerter.
[68] 68
24
Schlacht im Speicher, unter Vögelisegg, an der Landwehr.
[Ao. 1403. d. May] Auß der ältesten geschreibenen Appenzeller Cronick von dem
Hr Pfarrer Walther Klarer in Hundwill, in altem Styl
und nach domahliger Redens art beschreiben, folgendes.
—————
Als die Stett Constanz, Überlingen, Ravenspurg, Lindau, Buchhorn, Arbon,
und St. Gallen, ein zal Jaren zusammen geschworen, an die warb der Abt,
bat Sie ihm wider die seinen zu Appenzell hülff zu thun, vnd die dem Gotzhaus
helfen gehorsam machen, darauf besammleden sie ihr macht, desgleichen that der
Abt ouch vnd zogend in dißem Jar zwischen ostren vnd Pfingsten über
das Land Appenzell, vnd als Sie jetzt mit großem Volk wol v. & mann (5000)
stark kommend bis zum Speicher der Letzy zu, da lagend vor vß achzig harscher ( *)
oder frihaitt, vnd der Huff von Appenzell mit weit von jnen, doch verborg. (hbtm.)
Also griff dieser harsch (haubtmann) die Stett an, vnd alß es jetzt an ein
schlagen gieng, vnd sich menniglich vff die seiten zu fechten gekert hat, da
brachen die Appenzeller vff vß je huot, vnd fielend am andren ort in
des Apts Zug, Stachend und schlagend so mannlich an sich, das die Stett
gar bald Siglos wurdend vnd flüchtig, verlurend gar vill Volks, dann
da wurdend gewunen die Panner von Constanz, die Panner von Lindau,
die Panner von Buchhorn, die nach zu Appenzell in der Kilchen hangend,
eß kam ouch da vnb der von Blankenstein, vnd ein Blarer von Con-
stanz ein groß stark mann, der hat den Panzer ein“ ein 3 fah.
Von dießer Schlacht in Speicher, ist in Bischofbergers, & Walsers, Cronic
[AU 59]weitläufig zuleßen, wie auch andere Schweizer Cronicken, melden kurz darvon.
[Ao. 1403] d. 15. May war die Schlacht bym Speicher, in einem engen Paß an der Lezy,
unter Vögelinsegg, dahin die Appenzeller, mit denen von Schweiz sich gelageret u.
ein theil sich in dem Holz verborgen, und alß die Reichsstädt, u. Arbon, mit St. gl.
u. Abtsleuten, gegen Speicher bey 5000 Mann stark gezogen, u. gen Loch kommen
ist der angriff geschehen in der Hollen Gaß von 80 Mann, u. folgends von
dem Verborgnen Haufen der Appenzelleren, welche anfangs mit Steinen
in die Reisigen (oder Rüther) geworfen, und alß das Fußvolk nachkommen ist
ein Strenges Gefecht erfolget u. zu beiden theillen mit viel schaden zugangen, da
aber die Reißigen in der Hollen Gaß gezwungen worden hinter sich zu weichen,
ist eine große Forcht in das ganze Volk kommen, in welcher die Appenzeller, samt
denen von Schweiz Jhnen nach geEilt bis auf nögers egger höhi, u. eine geschreibene
Appenzeller Cronik macht bis auf die bleichenen hin unter seyen verfolget worden.
[Walßers Chonic] meldet das die Appenzeller die größte Macht auf Vögelisegg gelegt, verborgen im Wald,
u. 80 Mann unter Haubtmann Jacob Hartsche, an der Lezy (heut zu Tag Hinderwis genant.)
greiffen den Feind 5000 Mann stark, in der Hollen Straß herzhaft an, die anderen
kammen auch auß ihrem Hinterhut hervor u. die von Schweiz unter ihrem Haubtmann
[AU 60] Conrad Lotpacher 300 Mann, u. von Glarus ohn gefehr 200 Mann, grifften von unten-
her an, so tapfer, das der Feind weichen müßen und in die F lucht geschlagen worden
bis
[69] 69
25
Geschiechten über den Appenzeller Krieg &c.
[1403.] Die Feinde wurden bis auf Nögersegg und in das Jüch hinab verfolgt, wo
nicht nur auf dem Schlachtfeld unter großem Geschrey wühtend gefochten, geschlag.
gewürget und gedöted worden, sondern auch auf der Flucht nach viele ihr Leben laßen
müßen, das der Verlust der Feinden auf 400 Mann erschlagene gesezt worden, u.
circa 1000 Mann verwundete, andere geschicht schreiber machen nur halb so viel,
die Appenzeller haben 8 Mann verlohren nur, und 3 verwundete gehabt.
Eroberet haben sie 600 schöne eißerne Pantzer, etliche Panner und Fahnen, die in
die Kirchen zu Appenzell aufgehenckt worden sind, zudeme auch nach gros Gut
erbeutet.
wie pag 23 hier vom feindlichen verlust zuleßen ist.
Durch diese Siegreiche Schlacht wurde der weg zur Freyheit und unabhängigkeit
gebahnet und erlangt, und so viel Muth und Tapferkeit denen Appenzeller
eingeflößt das sie sich vor keinem Feind mehr förchteten sondern mit ihren Seig-
reichen Waffen den adel und ihre Feinde allerorten heimsuchten und schrecken
verbreiteten,am ärgsten waren die St. Galler daran, die Schweizer u. Appenzellr.
begegneten ihnen feindselig und der Städte Bund ließen sie hielflos, weil sie ihren
am Speicher erlitenen Verlust der Verrätherey einiger Bürger von St. Gallen
zuschreiben.
Der Schweizer Hauptman ließ während einem Waffenstillstande Stadtbürger [arx 119]
vor ihren Thoren aufheben, und wegführen, verboth den Appenzellern Vieh u. Schuld-
zinße in die Stadt zugeben, und den Wochen Markt in Appenzell zuhalten befohlen
und ließ allen Leuten die auf den Wochen Markt auf St. Gallen giengen das beyhab-
ende wegnehmen, Ließe zwey reiche Bürger den Zunftmeister Schwander, und den
Wulliweber Stöbi, aufheben, das sie ihr Leben mit grosen geld Summa kaufen mußten,
das gleiche geschah auch dem Rudolf Speißer unerachtet er sich immer als ein warmer
Freund der Appenzeller sich bezeiget. Die Bürger darüber erbittert, gingen an Söld-
ner zu werden u. sich auf den nahen Bergen mit ihren Feinden zu schlagen. Und
die Appenzeller suchten wieder die Mühlinen ob der Stadt anzuzünden u. zu ver-
brennen, die Bürger aber schlugen sie zurük, u. Tödeten ihnen dreyzehn Mann,
und brannten im gegentheil den Appenzellerisch gesinnten an etlichen orten Häußer
ab, auf Stuhlegg, Keßwil, Rüty, Schaugen, Schwendi, Loch, Hub, Weilen.
Ein anders mahl vertheidigten sie wieder die Mühlinen gegen achthundert Mann,
und erlegten zehn Mann ihnen. Sie nahmen auch denen von untertiefen an der
Letzi im Watt das Vieh weg, überfielen d. 30. Wintermonat 1403 in der Rütti
der Appenzeller - Letzihut und Tödeten 40 Mann und viele verwundet ihnen.
Die St. Galler büßten aber auch 20 Mann ein, weil vom Speicher u. Tiefen ver-
stärckung angelangt waren die sie auf dem Buch nidermachten.
Der Abt Kuno, ließ die Schweizer u. Appenzeller alß öffentliche Ruhestöhrer
in Kirchenbann u. Reichsacht thun.
Der Adel u. die Dienstmänner des Stifts hielten allenthalben Späher auf die Schweizer u. [121]
Appenzeller u. machten manchen Fang, sie führten den Krieg am Bodensee, von da greif er die Feinde
an der Letzi im Tablat, über der Egg in Neugersried an, u. nahmen da selbst das
vieh
[70] 70
25
Geschiechten über den Appenzeller Krieg &c.
[1404.] Vieh weg u. schufen es über den Rhein in Sicherheit, u. wenn sie verfolgt wurden flohen sie
nach Arbon zurück, wo eine besazung der Reichsstädte lag auf deren Hielfe sie sicher
rechnen konnten. Und so war ein beständiger kleiner Krieg und gefechte, das die
Appenzeller mußten immer auf ihrer Hut seyn u. sie gleichsam mit einer Hand
die arbeit thaten u. mit der andern Hand die Waffen hielten.
Die Kloster Chronik sagte der Krieg habe bis dahin den Appenzeller wenig [arx 123]
gefromet; viele auß ihnen waren um das Leben gekomen, andere ihr Vermög.
eingebüßt. Den ihre feinde säumten nirgens Jedem dem sie beykommen konnten
zu plündern u. zufangen, sogar ihre von Zürich zuruck gekommene Gesandten
wurden auf gehoben, u. sich das Leben mit zweyhundert Gulden erkaufen
müßen. Die Schweizer hatten allein den Vortheil nämlich Sold, u. Raub.
Selbst einzele Partikularen führten Krieg mit den Appenzellern. Der
Forster von Altstetten den sie außgeplündert hatten, vergalt es ihnen
mit gleicher Münze. Nach deme er die Zahl ihrer auf dem Spicher ligenden
Mannschaft außgekundschaftet hatte, nahm er auf seinem Rückwege in Trogen
im Bruderwald Siben stuk Vieh auß einem Stalle, u. in Appenzell 20 stuk,
u. thate die Beute in das Schloß Ems in Sicherheit, so auch gefangene Ap-
penzeller wurden dahin gethan eine zimliche anzahl, dann das gegenseitige
gefangen nehmen, Plündern, Rauben, Brennen, währte immer fort. Und der
Waffen- oder Sammelplaz der Appenzeller war im Speicher (wie hier pag 23. auch.
Endlich wurde der Frieden in Winterthur durch Schiedrichter geschloßen
zwischen den Städten und Appenzeller, wie auch Schweizern.
Der Abt Kuno aber weißte die gemachten friedens anträge von sich, weil er
wußte das die östrreichischen amtleute allenthalben Kriegsrüstungen machten,
u. der herzog Friedereich den Kriegsschauplatz betretten werde.
[1405] Als die Appenzeller diesen neuen mächtigen Feind gegen sie aufstehen sahen,
bewarben sie sich auch bey ihren Freunden allenthalben um hilfe u. erhielten
sie. Die Stadt St. Gallen trat mit den Appenzeller in ein Bündnis, und sie
erhielten zahlreiche hielfs Truppen, auch der Graf von Werdenberg gesellte sich zu
ihnen auß Verzweiflung bey, u. war der anführer des heeres.
Der Herzog, der dreytaußend Mann zusamen gebracht u. auf Arbon gefürht,
theilte seine Kriegs Völker in zwey haufen, einer führte er auf St. Gallen auf
den Höptlisberg, u. den hintern theil des Appenzellerlands zubedrohen, mit
dem andern in das Rheinthal nach Altstetten, dort in das Appenzellerland
einzutringen, morgens früh am Fraulichnams Tag mit 1200 Mann u. da
sie die höhe des Stoß berges anzuklimmen begann, kamen die Appenzell.r
auf ein mahl mit einer menge groser steine u. runder Hölzer, die sie auf
den feind herabrollen ließen u. mit einem Steinhagel einen wüthenden
angrief
[71] 71
26
Geschichten über den Appenzeller Krieg.
[1405.] angrief thaten u. nach einem kurzen gefecht die Feinde in die Flucht schlugen, und ihnen
bey vierhundert Mann gedötet. Da der herzog diese niderlage vernohmen verließ er
auch die Gegend von St. Gallen u. zog auf Arbon. Die Bürger u. Appenzeller so bey
ihnen in besazung lagen, beunruhigten den nachzug des heeres bis an den See hinab,
eroberten das Panner von Schafhaußen, u. erschlugen fünf u. dreysig Mann mit den
berühmtesten Edelleuten, der Herzog Friderich sehr unzufrieden verließ diese Landes
gegenden, ohne Frieden zu machen, nach anstalten, zur fortsezung des Kriegs gemacht,
und gab also seine Land u. Leute den Appenzeller preis, diese ermangelten
auch nicht was dem herzog, u. adel gehörte anzufallen, u. Siegten allerorten.
Durch diese herrliche Sieg im Speicher u. am Stoß erkämpften die Appenzell.r
ihre Freyheit u. unabhänigkeit von ihren oberherren.
B!(Walser schreibt in seiner Chronik auch von einer Schlacht u. Sieg so auf Wolfhalden
geschehen, die St. Galler Chronick aber wiederspricht das solche erst 1445 geschehen)
Die Appenzeller oder Bergleut, sind über 700 Jahr lang unter den Aebten
gestanden, u. von 49 Aebten beherrschet u. Regiert worden, und erst ist
[1408.] der frieden durch den Kayser Ruprecht hergestelt worden in Constanz. W.C.248.
[1409.] Die Appenzeller bestättigen neuerdingen ihre gemachte Vereinigung die Rooden
u. Gemeinden trugen ihre bis dahin gehabte Panner zusamen u. errichteten
ein allgemeines Landes- Panner mit einem aufrechten schwarzen Bären in weisem
Felde, u. beschloßen gemeinsamlich, bey der erfochtenen Freyheit zuleben oder sterben
und glaubten sich mit dem Schwert vollkomen frey geschlagen zuhaben, und gaben auch
11 Jahr lang dem Abt keine Gefäll nach abgaben mehr, der Abt aber wolte
sich nicht zur Ruh begeben sondern forderte alles ruckständige von 11 Jahren her,
verklagte die Appenzeller bey dem Kayser u. denen Eydgnoßen, welche durch [L.?]
Schiedrichter darüber gesprochen worden. (Wie in Walsers cronic pag 276 zulesen
[1411.] haben sich die Appenzeller mit den Waldstetten 7 orten ein Burg u. Landrecht gemachet.
[1421.] Waren die Appenzeller mit obigem Spruch nicht wohl zufrieden, der Abt aber
[AU 61] nach viel weniger, weil die Appenzeller durch diesen Spruch nicht nur vom
Gottshaus abgerißen, sondern gar für einen freyen Souverainen Stand
erklärt seyen, weil vor deme eigentlich nur Appenzell, Hundweil, Urnäschen
und Teufen zum Appenzellerland gehört, anJetzo werde auch Trogen, Speicher,
Gaiß u. das ganze Sonderamt, wie auch Herisau darzu gerechnet, und
bleibe ihme nur nach etwas weniges Einkommen, welches auch nach köne abge-
lößt werden. Da die Appenzeller weder den Kayserlichen nach Eidgnösi-
schem Spruch kein gehorsam leisten wolten, sondern mit gewalt alles erzwing.
wolten, u. das kriegen zu ihrem handwerk gemacht u. sich nicht zur ruh begeben
wolten, wurden sie nicht nur in Päpstli. bann gethan, und alle Sontag in allen
Kirchen der umligenden Bisthümer von den Kanzel verkündiget, welche mit
ihnen umgang pflogen in nämlichem Banne zuthun, der Päbstliche Kommisar
verklagte sie beym Kayser u. den Reichsstädten als offenbare Feinde des glaubens
an, ermahnte alle Christgläubige die Appenzeller zubekriegen u. zuvertilgen.
Der adel machte auch bündnus wider die Appenzeller, den St. Jörgenbund genant.
[1418.] Jst die ganze Stadt St. Gallen eingeäschert biß auf 17 häuser, u. 26 mensch umgekomen. [145]
[72] 72
26
Geschichten unter der neuen Appenzell. Regirung.
[1421.] Die Appenzeller heten gerne Goßau, Tablet, Straubenzell, und Wittenbach,
so ihnen mit Burg- und Landrecht verpflichtet waren, auch nach zum Land bringen
mögen, und ihre Grentzen darmit verweitern. Doch mußten sie wohl zufrieden seyn.
Das sie vom Abt befreyt und von seiner herrschaft los und ledig geworden.
[1422.] Die Appenzeller machten es ihnen zur freudigen pflicht mit denen Eydgnosen
zu feldt zuziehen, und denselben in allen Schlachten Treuen Beystand zuleisten,
und erhielten in dem Krieg wieder den herzog von Mayland, in Belenz, den
ruhm der Tapferkeit laut Tschudis Kronik. A.o. 1419 Amann zu Appenzell Hs. heer od. hör. [147.}
[1425.] zogen sie wieder mit den Eydgnoßen und dem Appenzeller Panner gegen den
herzog und erlangten einen guten Frieden.
Es gab wiederum Streit mit dem Abt, weil die Appenzeller widerspänig er-
zeigten und dem lesten Spruch kein genügen leisten wolten, sie wurden von
den Eydgnoßen darzu vermahnet, wie auch von ihrer eignen oberigkeit, aber
alles war umsonst; Sie vermeynten alß freye Leut müßen sie niemand mehr
gehorchen, ein jegl. that was ihme das, was ihme beliebte, das volk war
über die Kriegs zeiten verwildert, frech und ungehorsam worden, und haben
also die Freyheit frühzitig mißbraucht, weil nach keine gesezliche ordnung
sie im Zaum halten konnte. Der Abt nahm seine zuflucht zu dem Geistlichen-
arm dem Pabst, und der Ließ durch den Bischoff von Constanz das ganze
Appenzellerland in einen schwären Bann thun, auch diesem fragten sie nichts
darnach und machten den Landsgemeind schluß darüber, das sie nicht wollen
im ding, oder Jnderdic seyn, wie solches schon hierin pag 11 beschreiben habe.
Der Abt mußte auß dem Kloster weichen und er Starb vor verdrus.
[1426.] Den Bischoff der sie in Bann gethan schädigten sie auch an Land und Leuten wo sie konten,
das niemand mehr wußte wer herr u. meister im Land war, gegem neuen Abt
zeigten sie auch einen grosen widerwillen, der übermuth u. frechheit steigte auf
das höchste und ihr betragen zog ihnen Je länger je mehr feind auf den hals.
Der Abt dörfte 3 Jahr lang nicht mehr in das Kloster kommen, deßwegen er sich
mit dem Bischoff von Constanz u. dem Graf von Togenburg wieder zum Krieg rüstete
nebst der Schwäbischen Ritterschaft. Ein unglücklicher Schluß der Landsgemeind wurde
[1428.] erzwungen vom wilden Pöbel, ungeach die alten und verständigen Leut ein neuer
Krieg ernstlich wider rathen, so wurden diese übermehret, von denen so ihnen ein
rechtes handwerk auß dem Kriegen gemacht, aber die Krieglustigen Appenzeller
mußten erfahren das auch daß Kriegsglük veränderlich sey. Da sie zuerst in diesem
Krieg ohnweit dem Stoß auf Gais gesieget, wie auch im Schönengrund. Hingegen
aber in Goßau wurden sie zuruk geschlagen, ihnen 82 mann gedödet u. vielle ver-
wundet, eß habe meistens denen das Leben gekostet die den Krieg erpochet haben.
d. 3. Wintermonat wurden die erschlagnen auf Herisau geführt u. aldort vergraben.
d. 5. Wintermonat zog die ganze feindliche armee durch das Rheinthal, auf Honegg ob Altstetten.
u. an die grentzen Rüthy auf haußen, u. machten den angrief auf einen Tag,
die Appenzeller wurden an beiden orten wieder in die flucht geschlagen u. verloren da
[1429.] manchen Stolzen mann, eß gab Schnee, darauf im früh Jahr die Eydgnosen den frieden hergestelt.
[73] 73
27
Erste Regierungs Verfaßung des Lands Appenzell.
[Ao. 1421 & 1429] Da die Appenzeller als ein Gefreytes, Souverainnes Volk und Land, Erkent und
Erklärt worden, so hörte die oberHerrschaft des Abts ganz auf, und seine Regierung
[AU 62] war aufgelößt. Deßgleichen wurden die Appenzeller auch von den hofamte und
Gericht St. Gallen Befreyt, welches auß 12 Richtern bestanden 6 Burgern,
und 6 auß dem Kloster, dahin die Gemeinden Herisau, Trogen, und Teufer Rood
[AU 63] hiemit auch Speicher gehörten. Und mußte also eine neue Regierung eingeführt werden.
Gründung einer Democratischen freyen Volks Regierung.
1. Dieße nahm den anfang durch abhaltung der Landsgemeind, welche als
der Souverain des Lands sich versammelte, und alß ein Grundgesez an-
nahmen, das sich in allen theillen die freyen- und zahlreichern Stimm und hände
[AU 64] den außschlag geben, und also der mindere theil sich der mehrheit unterziehen
und unterwerfen solle und müse. Zufolg deßen mußten alle wichtige Lands
angelegenheiten der Landsgemeind vorgetragen, und darüber entschieden werden.
Aller Gewalt mußte von der Landsgemeind außgehen, und bestimt werden.
[AU 65] Und behielt also die Lands gemeind den höchsten Gewalt in allen Theilen vor.
2. Erwählte diese freye Volks Versammlung eine Eigne obrigkeit, mit der
Vorbehaltung des Rechts, dieselbe nach gutbefinden wieder abändern zu-
mögen, zusezen und zuentsezen, oder zubestäten aber nur auf 1 Jahr lang, damit
sie in schrancken bleiben, & den anvertrauten gewalt nicht mißbrauchen.
3. Die Kriegs Erklärungen, und Frieden Schliesen gehörte vor die Landsgemeind.
4. Die annehmung neuer Landleuten geschahe von der Lands Gemeind.
5. Hate ein jegl. freye Landmann das uneingeschrenkte Recht an einer Lands-
Gemeind vorzubringen u. zuverlangen was einer verneynte das solches
vor das gemeinsamme vatterland nutzlich und gut sein möchte, das mußte gemehret
werden. (Dieses Recht wurde aber in späteren zeit eingeschränkt u. verbotten.)
6. Neue Bundtnußen zuschließen, war ein Recht der Landsgemeind zur bestätigung.
7. Anlagen zu Kriegs- und andern Steuren, Ermehrte die Landsgemeind.
8. War die Landsgemeind Geszgeber und Geseznehmer, die zur Be-
stätigung vorgelegt und angenommen worden oder verworfen werden konten. *)
[AU 66] 9. Nach wieder erlangter mit Regierung des Rheinthals, bekam auch die
Landsgemeind das Recht alle 16 Jahr einen Landvogt in das Rheinthal zu sez.
—————
*) Die Constitution oder Landes verfaßung war zwar von anfang nicht in Schriften #
verfaßet, aber also geübt worden (weil fast nach niemand schreiben und Leßen könen)
So waren auch keine geschriebene gesez, sondern wurden nur die alten gesez theils bey-
behalten u. theils veränderet, und Erneuert, von alten gebräuchen u. gewohnheiten viel
hergenommen, u. nach erforderlichen umständen u. nothdurft eingerichtet, sie folgten den
einfachen,Jdeen ihres gesunden verstands, u. ihrem nattürlichen gefühl von freyheit, und
ahmten vieles der Regierungsform des Kantons Schweiz nach die ihre helfer u. rathgeber waren.
[74] 74
27
Und Einführung eigen Gericht & Rath der Appenzeller.
Begebenheiten unter des gemeinen Lands Appenzell
neuen- und freyen Regierung, die merkwürdigsten
Geschichten, sonderbar was die Rood Speicher
auch Betrifft, kurz außgezogen.
[XV. Seculo.] Die Appenzeller knüpften nun das Band ihrer Treu und Einigkeit immer
enger und vester zusammen, und verbunden sich auf das neue mit dem Land Eyd vor
Freyheit Vatterland, versammelten sich in Landsgemeinden, sezten eine eigne
obrigkeit auß der mite ihrer Landes Brüder, mit freyer Stim und Hand, richte-
ten eine Democratische Verfaßung und Regierung ein, gleich den Schweizer *)
Zum Haubt ort des Lands bestimten sie Appenzell, der Staab
wurde da, nebst allen nöthigen einrichtungen zu einer freyen Regierung
gemacht, und hingelegt, ein neu Rath Haus erbauen, Rath und Gericht da zu
halten Erkent, wie auch alle Lands Gemeinden, Erwehlten Landamann, Lands-
Statthalter, Lands Sekelmeister, Lands Haubtmann, Landsfähndrich, und ein
Lands bauHerr, wie auch Landschreiber, und Landweibel.
Sie hielten nach damaligen gebräuchen 1. Gaßen Gericht auf offentlichem
Plaz an der Stras, von 24 Richtern alle mitwochen, darbey der Landweib-
el den Staab führte, eß war auß jeder Rhod ein Richter gesezt, der alle un-
gebühren und Frefel dahin weißen, und zur abstrafung Leiten mußte.
2.t Es wurde auch Bußen Gericht gehalten, das grösere Verbrechen abstrafte.
3.t wurde ein geschworen Gericht eingeführt, auß 12 Richter und einem
ober richter bestehend, die nur wichtige sachen vornahmmen und entscheidten,
was durch den Eyd mußte außgemachet werden.
4.t Ein Groser Landrath worzu auß Jeglicher Rood 12 Richter waren,
die über wichtige Landes angelegenheiten sich berathen, Polizey Gesez,
und Mandat Erkenten, und über Civil Streitigkeiten End urtheil machten.
[AU 67] 5.t auch das Malifiz Gericht wurde offentlich gehalten, nach einer sehr weit-
läufigen Formel des Hochgerichts Processes und da vom Kayser Sigmund,
das Privilegium über das Blut zu richten dem Land ertheilt worden,
so wurde nach des Kayser Carl Halsgerichts ordnung verfahren, und Stok
und Galgen aufgerichtet, in Appenzell, Zeug Hauß & Spittal erbauen.
Ein gemeines Landsigel & und Canzley Sigel wurden verfertiget,
mit einem aufrechten schwarzen Bären in Weißem Feld stehend.
Deßgleichen Ein Lands Panner mit gleichem Land Wappen versehen.
—————
[AU 68] *) nach vollender Landsgemeind wurden alle Jahr in Appenzell auch also
bald Haubtmanns Gemeinden gehalten, und in jegliche Rood und Gemeind
Haubtleut und Räth gesezt, zur Versammlung neu und alt Räthen zuhalten.
Die Rood Speicher hate 4 Haubtleut 4 vermuthlich 2 hinter dem Bach auch u. 2 vor dem Bach.
[75] 75
28
Geschichte unter der Regierung des gantzen Lands Appenzell.
[AU 69]
Durch den Friedens Schluß wurde die Threu erworbne Freyheit des Appenzell.r
Lands & ihre Souverainetat wieder befestiget, indeme der Eydgnößische-
Spruch von Ao. 1421 bestätet worden. Doch mußten sie alle diejenigen Personnen,
so außert ihren Grentzen sie zu Landleuten angenommen haben ihren Eyden entlasen.
Und hinkünftig andern Herrn keine Leibeigene Leute mehr zu ihren Landleuten annehmen.
Dem Abt mußten sie vor alle anforderungen 2000 lb. Constanzer Haller zahlen.
Der Abt mußte ihnen auß dem Bann helfen, auf seine unkösten, und der Weyh-
Bischof von Constanz auf Appenzell kommen, Kirchen u. Kirchhöf wieder Weyhen,
u. die Leute durch zween Penitentzer absolvieren u. des Banns entlaßen.
Die Appenzeller waren deßen herzlich froh, dan sie glaubten daß sie kein
Glük mehr haten und nicht mehr seigen könen weil sie im Bann geweßen. Endlich
kamen sie zur ruh und frieden bis ao. 1445 der Krieg zwischen Zürich u. Schweiz ausbrochen.
[1436.] Erlangten die Appenzeller auch die hohe Gerichts Herrlichkeit, den Bann über
das Blut zurichten von Kayser Sigismundus, der ihnen zugleich auch ihre Freyheit
bestätet hat. Und also ihre unabhängigkeit und selbständigkeit erlanget.
Die Appenzeller suchten sich auch von andern Beschwärden ledig u. los zukaufen,
[1431.] hat Trogen von den Edlen von Rorschach, sich von aller Eigenschaft, Lehenschaft, und
Vogtthey Rechten außgekauft vermuthl. war ein theil vom Speicher auch darin begriff.
[1441.] haben die Appenzeller viele Rheinthaller zu ihren Landleuten angenommen, das
großen Streit abgesezt hat, weil viele dieses Landrecht begehrten u. Freyheit suchten.
[1442] soll eß den größten Schnee gemacht haben, das die Leut zu den Dächer aus müßen.
[1443.] ist der alte Züricher Krieg in Volle Flammen außgebrochen, der 10 Jahr gedauret
zwischen Zürich, und Schweiz und ihren Eydgenoßen die dem Stand Schweiz ge-
holfen und zugezogen, deß nahen sollen alle Eydgnoßen den namen bekommen haben
Schweizer, weil eß Zürich allein mit dem Kayser gehalten, wie der ganz Krieg
weitläufig in des Walsers, u. andern Cronicken zu leßen. Appenzell wolte gern
neuteral bleiben, aber sie mußten ihren alten Helfer den Schweizer, wieder helfen.
Und zogen mit 500 Männer, den 6 orten zuhielfe, belagerten 26 Tag das Städtly
u. Schloß Greifensee, u. da sich die Besazung auf gnadehin ergeben, Ließ
Landamann Reding nach den stimmen der erbiterten u. blutgierigen, die 72 Mann[G.M.]
besazung alle durchs Schwerdt hinrichten, welches eine Traurige Geschichte zulesen.
[1452.] Wurden die Appenzeller zu Ewigen (Bund und) Eydgenoßen aufgenommen.
[1458.] Jst von den 7 orten der Eydgnoßschaft, wegen neuen Händel mit dem Pfleger
Ulrich Rösch, ein neuer Spruch gemachet, und der alte von 1421 wider bestät,
und theils erläuteret worden, und zugleich auch die Grentzscheidung Erkent:
Zwischen dem Appenzellerland und dem Gottshaus St. Gallen, wie der
marchen Brief hier pag 359 zuleßen. Hiemit aber wolte sich der Abt
nicht zufrieden geben und sprach immer mehr Land an im Speicher, in Steinegg.
[1460.] wurde von den 7 orten ein neuer Spruch und marchen Brief gemachet aber
zum nachtheil der Appenzeller ausgefallen wie in der Grentz beschreibung hier 37.
[76] 76
28
Geschichten unter gemeinem Land Appenzell.
Der Pfleger Ulrich so zum Abt Erklärt worden suchte wieder neuen Strit mit den
Appenzellern und stelte ihnen nach dem Rheinthall so sie von Hr. Bayer erkauft
[Ao. 1460.] ƒ. 6000.- Er machte neue anforderungen, die in 9 Punckten weitläufig in W.C.
darvon die Klag über den Speicher nur aushebe, die also Lautet.
§ 5 „Sie wollen die Lehen von den Gütern nicht mehr Empfahen, so in des Abts
Gerichten gelegen, und die vom Speicher haben ihme gar die Lehen brief ohne Recht
u. mit gewalt in leßtem Krieg entfrömdet, sie sollen sie wider ihme herausgeben.“
Darüber ist die Erkantnus ergangen bym Eyd von den 7 Eydgnösischen orten.
„Die zum Speicher sollen die Lehen Brief eintweder dem Abt wider zuhanden stellen,
oder einen Eyd darum thun das sie solche nicht haben u. nichts darum wißen.“
Hierauf hat man die zum Speicher mit höchsten Ernst erfraget, ob sie die Lehen
brief beyhanden haben. Sie aber konten mit Eyd bescheinen das sie nichts hiervon
wüßen.“
4 § Dieses Spruchs hat der Abt erhalten, das er ihn jegliches Kirchenspiel nach seinem
gefallen, wider einen Amann sezen könne, so den Fahl beobachten u. einziehe, der-
selbe solle von dem ganzen Appenzellerland nicht gehaßet, sondern ihme vielmehr
alle hülfliche hand gebotten werden. Die nach andern 11 Punckten in W.C. 337.
[1466.] hat der Kayser denen Appenzeller, einen Gnaden Brief gegeben, das sie
[AU 70] von Frömbden Gerichten sollen befreyet seyn u. da die Hohe Gerichte nach dem
römischen Reichs Vogt zugehörten, so ist das privilegium über das Blut zu-
richten ihnen wieder gegeben worden und das besonders privat Personen
einander vor Landamann und Rath in Appenzell suchen müßen.
[1490] Die Appenzeller (St. Galler &.c.) zerstörten den neuen Klosterbau in Rorschach.
Deßwegen sie um das Rheinthall gestraft worden § hernach aber wieder
[1500] zur mit Regierung des Rheinthals zugelaßen worden alle 16 Jahr einen
Landvogt dahin zusezen. Worvon eine weitläufige Beschreibung. W.C. 359.
§ Die Appenzeller mußten dem Abt an schaden ƒ. 4500 zahlen, und seinen
Schirm orten jegl. ƒ. 1000, wie auch 600 Rheinisch guldi Straf dem Kayser.
[1513] Wurden die Appenzeller in den Gemein Eydgnösischen Bund aufgenommen
alß das 13.t ort oder Kanton der Eydgnosenschaft, wegen Treu geleisteten
Diensten in denen Feldzügen u. Kriegen ud Der Abt viel prottostierte darwider. arx 451.
[1517] haben die Appenzeller dem Abt die Reichssteuer mit 1950 ƒ. abgelößt.
[1518] deßgleichen die 100 lb. Jährlich Gült für zins, Haußdienst, Ehrschäz, gläß
Steur, Zehenden, Lämmer, Käße, Zieger, Schmalz, Staufwein, Geld und
Alprecht, mit 2000 lb.Constanzer Währung abgelößt, wie auch was
man wegen Knecht u. Mägd geben müsen, mit 1000 lb. abgelößt.
[1521] Ein Bündnis mit dem König in Frankreich geschloßen 12 ort, ohne Zürich allein,
und ist wieder erneuert worden Ao. 1549, 1565, 1582, 1602 u. 1663.
[1535] wurden die Penssionen den Appenzeller außgetheilt an 8566 Personen
männlichen Geschlächts im ganzen Land, u. bekam Jeglicher ein Gulden.
d. 16. Juli ist das viertel Korn auf 16 xr gefallen, u. das viertel apfel auch soviel.
[1554] sind widerum französische Pensionen außtheilt worden Jedem 5 bazen, nur 6565 Männer.
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Streitigkeiten mit Jnn Rooden, verursachten die Landtheillung.
[Ao. 1584.] d. 8. Jener hat Jnn-u. auß Rooden den neuen Calender angenommen, das erweckte
aber unruh, das derselbige nur bis 1590 beybehalten worden von Reformirten.
[1585.] sind die Capuziner ins Land kommen und machten wieder unruh wegen der Religion.
[1587.] wurde in Appenzell beschloßen ihnen ein Kloster zubauen, die Reformirten wurden
[1588.] in Jnn Rooden verfolget und vertreiben, die Auß Rodner nahmen sich ihrer an, und kammen
Eydgenößische gesandte und vermitelten die sach wie darüber der ganze verlauf in
Walßers Chronik pag 514, und der Vertrag im anhang pag 37 zuleßen ist.
[Ao. 1596.] kam die Bündnis mit Spany in Vorschlag, Auß Rooden wolte nicht zustimmen
u. wurden d. 5. herbstmonat in allen gemeinden Kirchhörinen gehalten u. diesere
Bündnus verworfen, in V.R., hingegen I.R. beharte darauf, und Jnn Rooden drohte
das Land zu theillen, deßen außrooden sehr froh waren, und die Landtheillung wurde
an einer Landsgemeind in Hundweil einhellig beschloßen. Jnn Rooden sezte eine eigne
obrigkeit ehe nach das Land getheilt war. Die Eydgnösischen Schidrichter kammen in
das Land, und sezten die artickel zur Landtheillung auf, diese wurden angenommen
von der Lands Gemeind. Das mannbare Volk wurde gezehlet, Jnn Rooden hatte
[AU 71] 2782 und auß Rooden 6322 Manns Personen, zusammen 9104 Mann, und diese
Landtheillung wurde an der nächsten Tagsazung gutgeheißen, und erwehlte
Jedes theill 3 Schidrichter, die das Landtheillungs Jnstrument aufgerichtet
[1599.] und besiglet. Wie in Walsers Chronik im 42. blat zuleßen.
[1597 d 28. aug.] an der Lands Gemeind in Teufen wurde die obrigkeit in aus Rooden gesezt,
und mit Ehr und Eyd den Schluß gemacht, (und hiemit die Constitution gegründet)
[AU 72]Das man künftig hin, mit mehrerer Hand und Stim nach deme ein
jeden sein Gewißen weise, die amtleute, Gericht und Rath zusezen, und
ein ander wie sein eigen Ding helfen, und vor allem Gewalt schützen, und
schirmen wolle. Jeglicher solle auch bedacht seyn, die grosse Ehre Gottes, und auf-
nahm der Reformirten Lehr und Religion best seines Vermögens zubefördern.
Dieser Schluß war hernach 1599 an einer Landsgemeind in Herisau neuer-
[Ao. 1597 d 22 9br.] dingen bestätet worden. Und keine andere Religions übung in V.R. zudulden.
An der Landsgemeind in Hundweil wurde mit mehrer Stim u. hand be-
[AU 73] schloßen den Stab, das ist Rathhaus Stok und Galgen in Trogen
zusezen, und also zum haubt ort angenommen worden, das alle malifitzische
Sachen dahin gehören und abgestraft werden müßen. Jedoch solle hinter-
der Sitern auch Rath gehalten werden, und soll mit der Landsgemeind,
klein- und großen Räthen abwechslen, und einmahl zu Trogen, das
andere mahl aber zu Herisau oder Hundweil gehalten werden.
Die weitere Landes verfaßung ist im ersten Articul des Land-
Buchs beschreiben, und in der Vorred oder Einleitung dieses Landbuchs.
[1647.] wie auch wegen Besezung der Landvogtthey im Rheinthall mußte solche
wechselweiß einmahl vor der Sitern, und das andermahl von
hinter der Sitern ein Landvogt Erwehlt werden, also auch die
Landes Beamtteten.
[78] 78
29
Von höchsten Berg und Lagen der Gemeinden.
Trogen und Speicher übersteig Zürich über 1300 schuh, das hör ligend.
Säntis der höchste Appenzellerberg ist 5374 Schuh hoch über die Wolken erhoben,
das wie über nebel auß zusehen.
Speicher wird die höchste Lag auf Streitegg haben, und auf dem Horst.
Trogen unter Buchen, Bühler auf der Buchen und Rämsern.
Teufen auf der Egg und St. Gallen ligt, nach einer obschon sehr schwanckenden
Gais, auf der Haßeltannen, bestimung 2034 fuß über dem Meer.
auß dem Erzahler
Rehetobel der Kayenberg, und Wald der Falckenhorst, am höchsten seyn.
[Ao. 1490] habe die Landvogtey Rheinthall ƒ. 1000 eintragen. Arx 429.
—————
Jnn- und auß Roodische Kriegersche aufzüg gegen einander.
[Ao. 1588] Sind Trogen, Speicher, Teufen, und Gais 1200 Mann Gliderweis
in das Dorf Appenzell gezogen, und sich die gaßen auf, für die
häuser gesezt, deßgleichen auch Jnnrooden bis aus Zil auf den
Gemeind Blaz (Bischofbergers C. pag 224) bede theil erwahrte-
ten angegriefen zu werden, welches auß Religions Eyfer geschahe, das
kein zutrauen mehr gegen einander war, und dahero auch ein aufzug
mit Wehr und Waffen von Trogen, Speicher, Teufen geschehen, bis auf
Weißegg, weil in Jnnrooden auch alles unter Waffen gestanden;
worvon hierin pag 49 das mehrere zuleßen. Jnnrooden verlaßte
sich auf das zeug Haus, wil sie alles bey handen von Waffen hatten, und die Ausrooder
auf ihre zahlreichere Mannschaft. Von Dispensationen
Wann schon die Appenzeller mehrentheils Reformiert waren, so stuhnden
sie vor der Landtheillung immer nach unter dem Consistorium zu Con-
stanz, und waren in Ehesachen nach den Päbstlichen rechten und befehlen
unterworfen, doch ungeacht deßen folgten sie ihrer gesunden Vernunft
und mehrten nicht nur den päbstliche Pann und Kayserliche Acht ab, son-
der auch über die Päbstlichen Dispensation machtend sie folgenden Schluß.
Vor etlichen Jahren hat ein Landmann seine Gefattere zur Ehe genommen,
und weil die gefatterschaft im Pabsthum genent wird eine Geistliche
freundschaft, so wolte der meßpriester diese Ehe nicht verkünden und
zusamen geben, bis eine Dispensation und nachlaßung schriftlich vom
Pabst außgebracht werde. Dieser hochzeitter nahm einen schwären sekel
voll geld und gieng darmit auf Rom, und erlangte die Dispensation
und bracht sie dem meß Priester, und die Ehe wurde vollzogen.
Als die Landleut solches vernahmen, begehrten sie an einer Lands-
Gemeind, das wann sich mehr ein solcher fall ereigne und zutrage, Ermehret
das ein Landmann seine gefattere zur Ehe nehmen mögen, künftig
und soll obiger landmann für allesamt diese Freyheit vom Pabst
erlanget haben“. Das keiner mehr müse auf Rom reißen.
dann was ums geld erlaubt sey auch ihnen erlaubt.
B! siehe hierin pag 177. -
[79] 79
30
Strittigkeiten mit den Catoliken in V.R.
Allmäliges Loßreißen der Eydgnosschaft vom Deutschen Reich im 16ten Jahrhundert [arx 639]
[1598.] Laut dem 1588 - Vertrag haben die Reformirten Jnnrooden verlaßen [W.C. 559.]
müßen, zufolg deßen wurde das gegenrecht außgeübt, das die
Catholischen auch von Außrhoden verweißen worden zu ihren Glaubens
brüder, eß waren derselben nach ca. 20/30 die sich frech u. ungehorsam
erzeigten, u. von Hr. Conrad Tanner Ritter, von Appenzell, so starck
unterstüzt wurden, das derselbe ihre sachen vor 4 Tagsaßungen ge-
treib und die Catholischen Ständ sich auch mit Eyfer ihrer angenommen.
[1599.] Wurden deßwegen 4 Schiedrichter erwehlt und darüber gesprochen.
Laut dem 1788r Vertrag, die Landsgemeind beschloß aber in ihrem
Land V.R. selbst Richter zu seyn, u. keine außwertige Weißung dar-
über anzunehmen, Tanner wurde Landamman, der viel unruh und
streit gegen V.R. angerichtet, bis er sein amt, Vermögen u. gesundheit
verloren u. außert lands eines schmerzlichen elenden Tods gestorben.
Die Katolicken um solten nach verflus 6 Monat wegziehen u. ihre güter
auch vertauschen oder verkaufen *) geschah erst bis 1612 ganz, ohne die frauen Klöster.
[1601.] Kayser Rudolf bestättigte die von seinen Vorfahrer den Appenzell.
ertheilte freyheiten.
[1602.] die Eydgnößischen Stände u. zugewandten ort, außgenommen Zürich-
erneuerten mit Heinrich dem vierten König in Frankreich ihren bund.
Paulus Gartenhaußer war Gesandter von Außrooden.
[1606.] zudenen 6000 Mann Hielfs Truppen so die Schweizer Frankreich
gab, hatte Außrooden 200 Mann geben, unter Hl. Hbtm. Lienhard
Keller, ab Gaiß hernach.
[1614.] Widerum 6000 Mann Schweizer geben, dabey der Kanton Appenzell
200 Mann gehabt u. kamen in 4 monat wieder zurük.
[1620.] Entstanden schröckliche verfolgung über die Reformirten in Bündten
eß wurden viele in häußer in Kirchen u. auf dem feld ermordet,
viele flohen in die Schweiz, Hr. Pfarrer Anhorn mitsamt seinen Parr-
kindern kam in Speicher u. wurde hier zum Pfarrer angenommen.
*) 1612 waren nach 6 gschlächter am untern Hirschberg (Walzenhausen)
Katolicken: Löch, Blater, Sonderegger, Berlocher, Geiger und, Losherr,
und weil man sie nicht mehr wolte sizen laßen, so haben sie
1612 d 23. Juli, vor dem Land Rath in V.R. zur Reformirten
Religion geschworen, u. ihnen Siegel u. brief geben worden. [119]
[80] 80
30
Vom Geschicht Schreiber Joh. von Müller über der Appenzellr. Befreyung.
Jn Zeiten des Fortgangs der Schweizer, der Bildung des Gottshauß bundes
u. allgemeiner bewegung der gemüther für die nattürlichen Recht des
Menschen, thaten sich etwa 6 Dörfer, welche nie zu vor unter gleichem Namen
vorgekommen, auß ungedult gegen harte amtleute, in eine Republik zusammen,
die bald sieghaft auß dem Gebirg hervor trat, in fünf Jahren viele grose
Panner, fünf Städte, und vier und sechszig burgen, von Kiburg bis in die
Thäller der Adige den Schreken ihrer Waffen gebracht, fast ohne beystand
sich behauptet hat, und bestehet bis auf diesen Tag; das Land Appenzell.
Dieses Gebirg haben in sehr alten Zeiten freye Männer und ihre eigene Leute
so fern der fleiß der Menschen über die Natur vermag, angebauen; sie
haben die Sümpfe getröchnet, und die Wälder außgerottet. Jhr Herr
war der König der Franken, von welchen der Zins ihrer güter u. andere
Nutzung an die Stift St. Gallen, vergabet worden, die Reichsdienste, u.
Blutbann bleiben der Krone; Es bleiben auch in ihren Rechten die Jenigen
Herren deren Knechte eine Gegend in dieser Wüste urbar gemachet
haben. So war die Gewalt nach der Manier der alten Zeiten vertheilt,
und keiner hatte sie unumschränckt. Appenzell u. Urnäschen, zu oberst
in den Thällern am Fuß des Alpsteins, unten in milden Bergen
Teufen u. Hundwil, diese vier Ländchen Steurten an das Reich, und
haben in allgemeinen sachen etwa zusamen gehalten. Die andere gegend
von der Gaiß, zum Speicher, die Höhen ob dem Rheinthall auch ob der
Landschaft St. Gallen, wurden Sonderamt genant; Gerichte sezte
alda der Abbt Hermann, von Bonstetten; von fremden Richtern
wurden sie durch den König Wenseslas befreyt. Endlich in den Westlich-
en Bergen gegen Toggenburg, da wo der fleken Herisau, anmuthig
ligt, ob der Stadt St. Gallen, selbst war das Lehen der Vogtey
Schwänberg und Meyerey zu Herisau, in der hand Rudolfs von
Roschach, dienstmans zu St. Gallen.
Es gelung dem Abt Cuno von Stauffen, das er so wohl diese Roschachischen
güter als Jene Reichsdienste an die Stift lößte, alle herrschaft über das
Bergland bekam unter seinen Gewalt; um die Grundveste derselben,
die Liebe der unterthanen um die nur gab er sich keine mühe.
Der Abbt Cuno Lebte in zeiten die der Freyheit günstig waren;
Er aber wolte das Volk in keinen sachen ehren; er war ein strenger Mann,
und auf deißen Ton herschten seine amt leute. Der obervogt auf der
Burg in Schwendi in dem inneren des Lands legte auf Käß, milch,
butter, einen ungewohnten Zoll und er hatte zwen grose hunde, zu
rennen auf Jederman der sich weigerte des Zolls; der vogt von Appen-
zell war ein unbarmherziger Eintreiber, das er beym einen Todtenfall
nicht zufrieden des besten Kleides in dem Erb, das Grab öffnen Ließ
um den Rok zu nehmen, mit welchem die armen Kinder ihren Todten
Vatter bekleidet hatten. Die
[81] 81
31
Von Appenzell.r Revolution J. Müllers Bündige Beschreibung
[Ao. 1400.] Die vom Abt an die Stift gelößten Reichssteuren erhöhte derselbe [pag T.]
um viel; die abgaben von Gütern wurden unerträglich.
Der Landman von Appenzell in reiner Bergluft auferzogen, gesund,
meistens groß, allezeit stark, durch mancherley Kampfspiele von Jugend auf
geübt, genießet einer freyen Sele: das zeigt er in allem, den er ist red-
lich in seinem thun, Leitsam durch liebe, unbiegsam wider ungerechten
Gwalt, freudig im Krieg, und von aller furcht weit entfernt; deßwegen
er auch leichter einsieht was zu thun ist, wie er überhaupt bald Jede
sache in ihrer natürlichen gestalt erblickt und beurtheilet. Als durch
die obgedachten begebenheiten Landkundig wurde, welch ein herr der Abbt
Cuno war, schöpfte jeder Haus Vatter in seiner hütte unmuth u. sorgsame
gedancken, und nach u. nach traten biderbe Landleute zusamen; manches
freyes Wort ließen sie fallen, um die gemüther der Menge zuerforschen.
Bald wurden die Gemeinden berufen; da redete, wer die offentlich.
übel am tiefsten empfand, und stelte das Exemel der Waldstette vor;
da kamen sie alle überein, das der Appenzeller an Muth für sein Land
keinem andern Volk nach gibt. Am lautesten erhob sich die Sprache der
Freyheit in den Vier Ländchen des Reichs; Trogen der hauptfleken
im Sonderamt, und Herisau trat ihnen bey; das ganze Land von
Appenzell, wo sonst jede Gemeind für sich gelebt, schloß heimlich auf
das die Vögte nichts gewahr wurden einen bund für die erhaltung
der Landes herkommen, und wider den Mißbrauch der höchsten Gewalt.
Nach dem höchsten sie hiedurch einer des andern sicher geworden, zweifelten
[AU 74] Sie nicht mehr, sezten einen Tag, machten sich auf und bemächtigten
sich der Burgen; die Vögt eilten in flucht.
St. Gallen Stift war durch Spaltungen, unglückliche Kriege, unort-
nungen u. nachläßigkeit, schon mehr als seit hundert und zwanzig
Jahren in so grose Schulden gefallen, das der unweise Abt, welcher sich
dieses unglük zu zog nicht fähig war einigen militarischen Widerstand
zuthun, zehen Reichsstette um den Bodensee u. in dem benachbarten
Schwaben mit welchen er in einem Bund war sandten auf seine Mahnung
Boten zu den Appenzellern. Das Land gab ihnen Treuen bericht seiner
bereitwilligkeit, rechtmäßige Pflichten zu leisten, u. seines entschluses
Trutz u. unrecht nicht zu dulden. Das begehrten die Appenzeller nach.
Der Abt möchte seine amtsmänner auß den Landleuten wählen die sie
ihm vorschlagen wollen“ Einen für das allgemeine Woll nützlichern
Artickel konten sie nicht begehren, wäre er genehmiget worden, der Abbt
konnte vielliecht bis auf diesen Tag dieses Lands fürst gebleiben seyn,
denn die, welche durch Reichthum u. Verstand u. Muth bey dem volck Groß
waren, würden haben wollen dem Abt nicht unangenehm seyn, damit er
sie an die führnehmsten ämter sezte, u. alle Tyraney wäre unterbleiben,
den das Volk würde nicht leicht einen vorgeschlagen haben, der fähig war
derselben Werkzeug zu seyn. Dieser Vorschlag wurde durch den Richterspruch
der Städte zu Rafenspurg verworfen, der Landleuten bund lößten sie
auf, übrigens versprachen sie mit vielen Worten, wie der Abt nichts un-
billiches begehren soll.
[82] 82
31
Eintheillung des Lands unter Aebtischer Regirung in Amteyen.
[AU 75] Unter den Aebten waren die Ammäner nach nicht mitglieder oder
Häupter der Gemeinden, sondern lediglich nur die Beamten ihren
Herrn, von welchen sie besoldet wurden. Und haben Appenzell,
Herisau, Hundweil, Trogen, und das Sonderamt solche Ammann ge-
habt. *) Wie auch Keller hatte das Stift St. Gallen, fast in
jedem dorfe einen. Und Roodmeister deßgleichen auch gesezt 13 an d. Zahl.
Das St. Gallische Land war nach den Amteyen, der Ammän-
er, und der Mayer eingetheilt, die Sonderleut aber die in mehrern
Aemter zerstreut wohnten, und vorzüglich zu Gais saßen, wo alle
Einwohner Sonderleute waren, und wo das Gericht und der Am-
mann des Sonderamts ihre Sitze haten, auch zu Tiefen hatte eß
Sonderleute. *) Ao. 1373 war Amann zu Tiefen Hans Hüßler.
Oft gehörte ein ort in mehrere solche Gericht; wie z.B. Herisau,
wo einige häußer in das Mayer Amt und die Burg Rosenberg,
einige in die Schwänberger Vogtey, und das Schloß Roßenburg,
andere in das Sonderamt, und nach andere in die Vogtey der
Freyen gehörten (die Freyen tragten lange Bärte, die Leibeigenen nur kurze) [arx.162]
Alle Aemter zusammen wurden das Gebieth, Fürstenthum, oder
Fürstenland St. Gallen genant. Und die neue und alte Landschaft #)
Jn Herisau war das Gericht Badenweil oder Baldenweil genant.
B! Von denen Amteyen wurden die Kirchhöryschreiber in Herisau immer
nach Amtschreiber genant vermuthlich von altemher.
*) Unter das Sonderamt gehörten, (nach andern Geschichtschreiber, G.M.
[AU 76] Trogen, Gaiß, Riedly, Speicher und Rotha *) (gegen Teufen
gelegen und zu selbiger gemeind gekommen, hernach der Namen aufgehört.)
Wie auch die Höhenen ob der Landschaft St. Gallen und dem Rheinthal,
gehörten in das Sonderamt. *)(Conrad Küchemeister 1328 Ammann zu Appenzell.) [19.2.T.]
Das Land war auch in Vogttheyen Eingetheilt, Appenzell, Urnäschen,
Hundwil und Teufen, waren Reichs vogttheyen.
Die Vogtthy Schwänberg die sich bis an die Urnäschen erstreckte, hiemit
Schwelbrunn, Waldstatt u. Schönengrund darzu, gehörte den Edlen von
Roschach & hats Abt Cuno erst 1390 erkauft um 1490 lb. heller, samt dem
Meyeramt in Herisau und deßelbem Einkünften, das er völliger herr über das ganz
Appenzellerland nun worden war.
#) Die neue fürstliche Landschaft wurde das Togenburg genant, welches
der Abt Ao. 1468 um ƒ.14500 Rheinische gulden erkauft hat. Und
die alte Landschaft die Gottshaus Leut.
[83] 83
32
Eintheillung der Rooden unter Aebtischer Regierung.
[AU 77] Unter der Seibenhundert Jährigen Regierung, und der 49 Äbten, haten
manche Veränderungen in der Regierung und andern sachen stat, eben
so auch in der Eintheillung des Lands welches nicht allezeit nach den
Amteyen getheilt geweßen, sondern auch in Rotten oder Rooden.
Die Gemeinde Trogen hate derselben 6, Laut Walsers C. pag 111.
Namlich die 1te Schwendiner, 2t Rother, 3t Speicher oder Vögelis-
egger, 4t Rothenweißer, 5t Trogner, und 6t Tableter Rood. *)
Alle zusammen gehörten unter einen Ammann welchen der Abt ihnen gab,
diese Eintheillung scheint von damaliger Kriegs einrichtung entsprungen
zu seyn, dann eine jegliche Rott oder Rood habe von anfang ein Panner
bekommen, und jede Kriegs Rott war für sich selbst, aber alle mußten
dem Abt zu gebotte stehen, auch wurden hauptleut gesezt darüber.
Und mit andern Gemeinden waren auch andere Eintheillungen, eine
Jegliche hate fast eine absonderliche herrschaft und Gerichts Herrlichkeiten,
von ältern zeiten her war das Land gesönderet und gehörten nicht zusammen
[1378.] Haben sich Appenzell, Urnäsch, Hundwil, und Teuffen, verEiniget u.
sind mit den Reichsstädten in Schwäbischen Bund getretten und dahero
die 4 Reichs Ländly genant worden, welche das Appenzellerland auß-
gemacht, darauf berufte sich der Abt in seiner Klag (Walsers C. 279.)
[1421.] über den Eydgnößischen Spruch „das die Appenzeller nicht nur von
Gotts Haus St.Gallen abgerißen, sondern gar für einen Souverainen-
Stand erklärt, und ihre Landmarken um ein namhaftes ergrößeret worden
vor deme hätten eigentlich nur die 4 Gemeinden Appenzell, Hundwil,
Urnäschen und Teufen, zum Appenzellerland gehört: anjetzo aber
werde auch Herisau, Trogen, Speicher, Gaiß, und das gantze
Sonderamt darzu gezehlet, die Bottmäßigkeit in dießen Landen
seye ihme entrißen, und bleibe ihme nichts mehr übrig als etwas weni-
ges Einkommen, welches mit der zeit auch könne abgelößet werden.“
[1479] da die Kirchen in Teufen gestiftet worden, sind die Marken und Grentzen
gegen Speicher also bestimt worden, vom Abt zu St. Gallen im Stiftungs Brief.
Von Metmanegg zerichtis (grad) in Steinegg das holz an der
Landleutletz.“ dieße neue Kirchhöri Teufen, nebst Bühler, hatte
damals vngefahr Siben vnnd Sibitzig feuer stett, also auch nicht mehr
häußer, vnnd Güter, so wenig war das Land nach bewohnt, das nur
zwey bis dreyhundert mann in der großen gemeind T. waren und sich bis Ao.
[1800] so wohl an güter als volk mehr alß dreimahl sich vermehret.
[84] 84
32
Neue Eintheillung der Rooden im Appenzellerland.
[AU 78] Nach deme die Appenzeller Jhre Freyheit und Selbständigkeit erlanget,
und zuwegen gebracht, ist auch eine andere eintheillung in 12 Rooden, (oder Kriegsrotten)
gemachet worden, und in 6 Jnnere und 6 außere Rhoden das Land abtheilt
worden, nach Hr.Decan Bischofbergers Cronic pag 6. wurden solche in Jnnrooden,
[AU 79] genant. 1te Schwendiner, 2te Rütiner, 3te Leener, 4te Schlatter, 5te Gonter-
und 6te die Ringgenbacher Rood. Die außern Rooden waren folgende
1te Urnäschen, 2t Herisau, 3t Hundwill *) 4te die obere- und unter Teufr.
und Trogner, Rhod samt Grub, Kurtzenberg, ober- und unter hirschberg,
samt Oberegg, haben sich durch die Theilung zu Trogen gezehlt, und Gais zu Appenz.
vormals zur Ringgenbacher Rood, kam Ao. 1598 zu auß Rooden in d. Landthl.
Vom Speicher macht unser Hr. Pfarrer B. Anhorn in seiner geschreibenen
Appenzeller Cronic „das Speicher samt der Gemeind Teufen mit etlichen
häußer in Habsach, machend eine ganze Rood, und gebend in kleinen oder einfach.
Rath 12 Mann und in zweyfachen Rath 24 Mann, B! auf Appenzell.* *)
[AU 80] *) Demnach ist in Walsers Chronik p.3 die angab nicht richtig, das Hundweil da
vor 2 Rooden gerechnet worden, weil eß hinter der Sitern 4 Rhoden geben hat,
und vor der Sitern als im grösern und volkreichern theil nur 2 Rhoden gewesen
wären. Nach dem Kirchenbau in Trogen Ao. 1417 wurden hernach die vor
dem Bach im Speicher auch auf Trogen Pfarrgenößig, bleibten aber gleichwohl
unter ihren eignen haubtleuten, und waren eine halbe Rood und mit ober-
Teufen machten sie eine ganze Rhod auß. ** *)(Anhorn u. Bischofberger sind hierin einstimig)
Und die in der Habsach waren anfangs auf Goldach Pfarrgnösig u.
[1461] hernach auch auf Trogen Pfarrgehörig worden (wie Speicher und Bendlenn.)
Bis zum Kirchenbau im Rehetobel, Habsach zur selbigen Gemeind und auch
unter selbige haubtleut kommen. Sie bekammen aber nach Streit mit Speicher,
1579] weil Habsacher auch die höltzer und Gemeinden so in der halben Rood Speicher
gelegen angesprochen, sind aber vom Landrath in Appenzell der halben Rood
[AU 81] Speicher zuerkent worden, alß ihr eigen guth wie von alters her seyn und heisen
sollen. (pag 57 hier ist das weitere zulesen Ao. 1554 hat sich Gais zu Teufen zelt worden.
**) Also ist glaubwürdig das ober- und nider Teufen, in zwey Rooden getheilt gewesen,
[1554] da die französischen Penssionen aufgetheilt worden hate Teufen nur 316 mann, i.R.C.
da die ganze Rood zusammen gehört, hate Teufen keine grösere anzahl gehabt siehe nebends.
Aber die Rhoden waren in etliche Gemeinden zerstückelet damahlen, zum
beyspeil, die Rood Speicher war vertheilt in ihrem Kirchengang auf St.Lorentzen,
Trogen, und Goldach, Bendlehn nante sich auch wie auch ganze Gemeind Bendlenn
und hate ihre gemeinsame Waldung allein, welche sie unter ihre häuser u. Güter
[1601] vertheilt haben laut Sigel u. Brief in der Tristkammer hier. Also auch ander Roden.
***) Da das Land in 4 Reichs Ländly getheilt, wird Speicher nicht zu Teufen gehört haben. Der
[85] 85
33
Ursprung der Namen, Gemeinden & Kirchhory.
[AU 82] Der Namen Gemeinden komt von den Gemeinheiten her, und wurden genant
[AU 83] Roots Gemeinden, Bannwart Gemeinden, Haubtmanns Gemeinden, u. Landsgmeinden.
Nach der Landtheillung hörte der Namen Rooden, in auß Rooden nach und nach auf,
[AU 84] dann wo eß Kirchen hate oder neu gebauen worden, bekammen sie den Namen Kirch-
hörinnen, das waren allezusammen wer zu einer Kirchhöry gehörig, und wurden an-
stat Roodgenoßen, Kirchgnoßen genant, und die Versammlungen der Gemeinden,
[AU 85] Ao.1630§] bekamen auch den Namen Kirchhöry, und das war also die dryte- oder neue Ein-
theillung in Außrooden, in Gemeinden, oder Kirchspiel, in 19 Kirchhörinnen oder mit 20 Lzbg.[UE: Lutzenberg]
Die Grentzscheidung zwischen Teufen und Speicher ist erst vest gesezt worden,
[Ao. 1678] da sich wieder etliche Höf und Haußhaltung von Speicher zu Teufen geschlagen.
[AU 86] Bischofbergers Chronik pag 472 meldet das gleiche von Rothen „das eß sich wegen
Speicher abgezogen, und zur Teufer Rood nun gehörig“ welches vor altem unter
den Trogner Haubtmann gehörig, darbey wird auch die bemerkung gemacht, *)
„Teufen habe sich von unterscheidlichen orten eine starke Gemein versammelt.“
P.S. §°Ao. 1630 waren nur nach 8 Kirchen oder Kirchhörinen, und sind bis
[Ao. 1749] auf 19 angewachsen im Land, u. Lutzenberg hörte auf Thal.
die alten Rooden waren also sehr groß weil deren nur 6 geweßen.
Das Wort Roode weil sagen bezirk, districkt, oder Gemeinde, und wird die Wurzel
des alt deutschen Kriegs worts, Rotte, dieser etwas veränderte benenung seyn.
[Ao 14 ] Und da die Appenzeller sich nach Rotten abgetheilt, wurden die Geschlächter einer
jeden Rott oder Rood, aufgeschreiben, u. die nachkommenden bleibten mit gleider dieser Rood in IR allezeit.
[Ao. 1608] haben 9 unterschiedliche Höf in Trogen, Rechtsame gehabt zu dem Gemeinmerk
hohen Altstetten, worvon und wegen außmarkung ein Pergiment gesigelter brief
in Trogen ligt *) Ao. 1479 da die Kirchen in Teufen Erbauen worden, wurde auch Rota
dahin pfarrgenößig, aber die Rooden bleibten bis zur Landtheillung.
—————
Ablösung der Steur & Zinsen, Lehenschaft (zu nebigem blat).
# Weil ein theil vom Speicher auf Trogen Parrgehörig geweßen,
und Goldach so werden sie auch an denen außlosung antheil gehabt haben.
[Ao. 1468] haben die in Trogen und Rehetobel, welche vormals gen Goldach Parrgnösig
geweßen, sich mit Trogen um den Einstand vergleichen.
[Ao. 1471] haben unter Abt Ulrich, etliche höfe in Trogen, die Schmalz Steur abgelößt,
samt der Lehenschaft selbiger Gütern, welche vom bischof Hermann an das
St. Galler Kloster kommen.
[Ao. 1495] Am freytag nach dem Creuztag, unter Abt Gotthart hat die Kirchen Trogen fl. 1
Jährlichen zins der Kirchen Goldach abgelößt.
[Ao. 1521] Hr. Pelagus am Stein [Pelagius Amstein], von Goldach auf Trogen kommen und zum Parrer ange-
nommen worden dort.
[Ao. 1475] sind die faßnacht hennen abgelößt worden um 90 Reinische gulden.
[Ao. 1517] die Reichssteur abgelößt worden, von Landamann u. Rath zu Appenzell.
[86] 86
33
Von Ablößung der Zehenden und andern Beschwärden.
[Ao. 1431] hat Trogen die Eigenschaft, Lehenschaft und alle Vogtey Recht abgelößt, von den
[AU 87] Edlen von Rorschach. (Ao. 1451 Jst die Kirchen zu Trogen gebauen worden.)
[Ao. 1454] hat Trogen, Gais, Meisters Rüty, die Lehenschaft vom Kloster St. Gallen
abgelößt. (#B! Weil Speicher eintheil auf Trogen Parrgnösig worden hatens antheil.)
[Ao. 1460] hat sich Trogen von den Pfarr rechten St. Laurentzen in St. Gallen auß-
gekauft, und dieser Brief Ao. 1511 erneueret worden. (u. eintheil Speicher darzu.
[Ao. 1461] haben sich unterschidliche höfe in Trogen und Rehetobel, welche vormals
[AU 88] gen Goldach Parrgnößig gewesen, der Parrrechten, Zinßen, und zeh-
enden, Geist- und Weltlichen Gerichten, auß gekauft: und der außkauf
war 1480 erläutert. Weil anstat dem abgelößten Kirchen Zehenden, Zins
geforderet worden, so mußten deßwegen 20 Mann von der neuen Trogner
Kirchhöri, in Appenzell Eydliche Kundschaft sagen, und ist merckwürdig
wie wenig von den zehenden vor altem hat müßen bezalt werden, wie
folgender Extract zeiget. Ao. 1462 am st. Michels Tag (der brief ligt in Trogen)
1.• Wälty Rechsteiner hat gesait, das er ein Gut kauft hab, darab giengen
• 18 Pfenig, do yech man (sagt man) eß wär Zehent, und wurdend jro acht
• von Trogen geschiben zu dem Kauf gen St. Gallen, do hörte er wol, das herr
• Conrad hörr, jech (sagte) sein bruder geb uns alß mehr für zehend als für zins.“
2.• Jtem Ruschen Häny, im Birgly, hat gesait, das er sein Vatter fragte, worum
• mit me dan ein Creutz plapert (3xr) von Birgli von einem Gut gieng,
• worum als Lützel darvon gieng, weder von den andern da nidnen, do jecher,
• (oder sagt er) eß war vor Zeiten ein Wald hie, und do er geschwänt ward *), do [AU 89]
• leid man eß hie an für ein zehenten, wo des Guts als lützel ward, das es
• nit me getragen möcht. Conrad Graf yecht, das sein Vogt
3• Jtem Hans Graf seel. gesait, das er von seinem Gut zu Holdern gen solt,
• Schilling 2 pfenig zehenten, und hab es nie anders gen, den für zehenten, von
allen seinen Gütern.“ Conrad Graf deßgleichen.
4.• Hr. Heinrich seel. von Langgenegg, nahm Cüny clein, und ditrich Grafen in
• Robach, gen Appenzell, und Rechtend da mit einander, und da der herr dann
• kam, do stund er an der Canzel, und yecht, Liebe Kind nun sind willig, dann wir
• hend der Kilchen den Zehenden behopt.“ (die ausag von andern ist gleichlautend.)
5.• Jtem So hat Bersch Rechsteiner, gsait, das sie eß allweg für zehenden gen
• haben, und nahm eß allweg für ein zehenten genommen hab, und nahms Hr. Heinrich
• seel. allweg dafür, er gedencke doch bey vierzig Jahren, u. hab nie anders gehört.“
[Ao. 1462] B! Diese waren die ersten Rechsteiner, so ich in alten Schriften gefunden, die
[von Rechsteiner] vom obern, und untern Rechstein herstammen, und den geschlächts Namen haben
werden, und auf Goldach Pfaar gehörig geweßen, und ihre vorEltern auch dahin
BeErdigt worden seyn, und dieses Geschlächt sich hernach in Trogen ausge-
breitet, das viele in selbigem Tauf buch gesehen, und nach deme auch im Speicher,
[AU 90][St. Gallen ud.] Rehetobel, Wald, Heyden, Grub angewachsen sind zum grosen Geschlächt.
[87] 87
WS: Folierung fehlend (Ausriss)
Todtenfahls ablößung und worin alle beschwärden & abgaaben best [UE 13]
[Ao. 1566] ist durch bede Hr. Landamann Megely & Thörig, u. Moritz Heß, Landschreiber, vor alle
Gemeinden des Appenzellerlands, der Todenfahl abgelößt worden, gegen Klost.
St. Gallen, „so das alle Landleut Manns- und Weibs Persohnen, und alle Jhre Kinder und
nachkommende, Ewig solcher Eygenschaft der Fählen ganz quitt, frey, Ledig u. Looß seyn
sollen (und also nun mehro das gantze Land Appenzell, von allen auswertigen
Steuren, anlagen, Zins und Zehenden frey, Ledig, und Loß ist.)
Dießer außloßungs brief meldet auch worin alle diese abgaaben bestanden,
oder wie das Kloster St. Gallen, das Land Appenzell ingehabt, folgender maßen.
Wie wol von ursprung u. anfang unßeres Gottshaus, das Land Appenzell,
in seinem begriff und zirkh , mit Leuthen und Güetteren, Gerichten, zwingen,
und Bauwen, hohen- und nideren obrigkeiten, mit allen Ehehaften, Eygenschaften,
und gewaltsamme, Zinßen, Zehenden, Geistlichen- und Weltlichen Lehen, Ehrschäzen,
fählen, geläßen, und anderem nichts außgenommen, von Römischen Königen, Lauterlich
und Lediglich, vmb Gottes Ehr, Singens, Leßens, und Bettens willen, an unßeres
Gotteshaus vergaabt worden, nachgehends auch von Päbsten, Römischen Kayser,
und Königen, jederzeit gelehnt, Befreyet, und bestättiget worden, wie das
alles dieselben Freyheiten, Brief, Sigel, und Gewarsammenen lauter zugeben
haben“ ein weitläufiger Brief ist es.
Vom ganzen Appenzellerl. mußten folgende Steuren, und Abgaaben geben werden.
| 1.tes die mayen Steur, | 5.tes Todesfall, | 11.t den Zehenden von früchten, | ||
| 2.tes die herbst Steuer, | 6.tes Ehrschatz Zahlen, | 12.t den Kirchen Zehenden *) | ||
| 3.tes die Reichssteuer, | 7.tes Lehen empƒ. | 13.t faßnacht hüner, ziger | ||
| [AU 91] 4.tes Kriegs-oder sonst | 8.tes Eigenschaften, | 14. Eyer, Käß, Schmalz, Lämmer | ||
| andere nach außerordentli | 9. Alpen gelder | 15. bußen | ||
| gefehl. Steuren & abgaben. | 10. vielle alpenrecht | 16. fischereyen & Wildbann, | ||
| Von Ehhaften. | Kirchensaz, geistl.Lehen | 17. vogt recht | ||
| hauß dienst,knecht u.Mägd | oder Colatur. | 18. geläßen, Erbgläß | ||
| 19. Staufwein, 20 Zinßen. |
und dan nach wie obsteht, das Land in seinem bezirk u. begriff, mit Leut u. gütern
Gerichten, zwingen, und baüwen, hohen u. nidern obrigkeiten nichts außgenommen.
Darin bestehete also die LeibEigenschaft.
Dieße abgaben sind nicht alle vom Kloster oder den Aebten erfunden worden, sondern
von andern herrschaften auf sie kommen, die Aebte aber haben solche vermehrt und immer
vergrößeret, das solche endlich vor die Appenzeller unerträglich geworden. Ao. 1400.
*) Der Zehnten war vor alten zeit nicht üblich, sondern ist mit dem ersten Christenthum
erfunden worden, zum unterhalt der Kirchen, und Geistlichen, und eintheil auch vor
die armen, erhaltung der Kirchen gebäuden, hernach vor den bischof u. seinen untergebenen
geistlichen, hernach aber wurde der selbe nicht mehr nach der ersten einrichtung gebrau [?.]
sondern nach Willkühr zur Pracht und übermuth angewandt nach ihrem belieben.
Der Zehenten wurde immer beträchtlicher im Appenzellerland, wegen mehr anbauung
das der Abt Ao. 1466 288 Malter nur Haber auß dießem Land gerechnet.
[88] 88
34
LeibEigenschaft worin solche bestanden und andere Beschwärden.
[AU 92] Die Römer haten schon Sclafen in Helvetien gemacht, wie hier pag zulesen.
Die Alemanier machten nach mehrere von den besigten Römer, und die Leibeig- [arx.54]
enschaft nahm schon zu dießen helvet. zeiten *) ihren anfang, die Francken aber machten widerum nach mehr
LeibEigne, und diese wurden verkauft, verdauscht u. fort weg geführt, das in solchem
Zustand das Land mit den LeibEignen an Adel u. das Stift St. Gallen kommen. […
…] diese LeibEigenschaft sey damahlen der grund geweßen, auf dem die gute
Wirthschaft und Wohlstand eines Jeden Klosters oder Kirchen herren beruhete;
welcher viele LeibEigene hatte, der könte seine höfe, die damals nach in weitem
umfange waren, gut anbauen und nach neues Land urbar machen. konten;
wer Mangel an LeibEignen hate dem verwilderte das was schon angebaut
war. Das Kloster St. Gallen besaß derselben mehrere hunderte. Ein theil darvon
wohnte im Kloster, einige als haußbediente, oder handwercker, z.b. Schneider, Schuster,
Müller, Bäker, Walcker, Degenschmiede, Schildmacher, bierbrauer, glaßbrenner
u. andere als hirten und Sennen, welche die zahlreichen herden von Pferden,
Kühen, ziegen, Schafen, u. Schweinen besorgten, u. in die Wälder welche das
heutige Appenzellerland bedeckten, die Schweine aber denen die Tannenwälder
wenig Nahrung verschafft hatten, in das Rheingau u. in einige besonders darzu
gewiedmete Wälder hintreiben.
Die zweyte Ley der Leibeigenen hielt sich entweder auf den höfen des Klo- [55]
sters auf, die sie als Knechte u. Mägde mit hielfe der zins Leuten; u. andern
Leibeigenen die darauf frohndienste thun mußten, anbauten, oder sie besorgten
jeder die ihm angeweißene huben, von der er mit seiner haußhaltung Leben, den
gesezten zins entrichten, u. Jede wochen drey Tage auf dem nächstgelegenen
Kloster hof frohn arbeiten verrichten mußten. Diese Leibeigenen wurden die
äußere familie genant. Eine Leibeigne familien hate selten weniger als eine
hube (welche 30 Juchart und eine volle hube 40 Juchart war) zu ihrem aus-
kommen, das Sie nicht von Nahrungs Sorgen geplaget waren. pag 163.
Gewöhnlich aber hatten Jeder von ihnen eine ganze hube, davon er einen zins ent-
richten mußte, die in 15 Siglen oder Eymer Bier, zwey Mäßen Brod, einem
zwölf Pfenig werthen Schweine, fünf jungen hähnen, zwanzig Eyer, u. drey
frohntage, welche die Männer mit feldarbeiten, die Weiber mit Weben
und Stricken jede wochen thun mußten; wann sie verkauft, vertauscht, ver-
schenckt oder zu Lehen geben, wurden ihre Länge gemeßen, und einen fünf-
und zwanzig Juchert feldes werth geschäzt, aber gewöhnlich wurden sie mit
der hube, welche sie bewohnten und baueten entäußeret. Es war ein die
Menschheit entehrender brauch Leibeigene zuhalten, u. so zubehandlen; aber er war
eine folge des militärischen nothzwangs. Er stamt von den alten deutschen her
die ihre kriegs gefangene arbeiten machten, hingen die Römer sie zwangen, dem Volke
zur Lust in Schau Spielen, gegen wilde thiere zu kämpfen.
[89] 89
34
Leibeigenschaft, Milderung in Todenfall, Erbschaft, Ehrschatz
[AU 93] Die Stifter und die Edlen hatten bald auß erfahrung gelernt, das eß Jhnen [arR arx 311.]
wenig fromme, wenn sie ihre eigene Leute nach den alten Gesezen der LeibEigen-
schaft ohne Eigenthümer, ohne Erbsfähigkeit, ohne Freyheit, u. ohne Ehre, diese heblen
der menschlichen Thätigkeit, ließen. Sie giengen darum, um ihres eigenen Nutzes
willen von der alten Behandlung ihrer Leute, und von ihrer vorigen Weiße,
Landwirthschaft zutreiben, allmählig ab; und ließen den Kindern von ihren
das bewegliche Gut, an einigen orten auch ihre Lehen Erben, gestatteten
ihnen Höfe, wenn sie anderswo ihr glük machen konnten, zu verlaßen; und
erließen ihnen die Frohndienste, zu welchen sie ehdem jede Wochen drey Tag
lang verbunden geweßen waren. Dieses alles geschah unter Bedingnißen,
welche die unterthanen weniger drückten u. die Herrn nicht viel einbüßen
ließen. Anstatt des Jährlichen zwey Pfenig Zinßes, den die freyen zins-
leute so wohl als auch die Leibeigenen geben mußten, wurde ein Huhn ange-
nomen, das von der Zeit ihrer Einrichtung das Faßnacht Huhn genant wurde.
Als man den Kindern erlaubte das bewegliche Gut ihrer Eltern zu erben
behielten die Herren sich davon das beste stük Vieh als Todtenfall, und die
Sontäglichen Kleider des Vatters u. der Mutter als geläs und Gewandfall
vor, wenn Jener ohne Söhne u. diese ohne Töchter starben. Man ließ die
Sitten-Verwandten lange nicht zur Erbschaft, sonder wenn der Erblaßer keine
Kinder, u. keine frau hinterließ, fiel deßen Vermögen dem Eigenthums Herren
heim, welches Recht man Erbschaft hieß. # Ligenschaften beßas außert den
Freyen selten Jemand alß eigen, sie waren samtlich ein Eigenthum der Herren
und Stifter; eben darum konnten die Kinder selbe nie von ihren Eltern erben,
sondern mußten solche von dem Herren, dem sie heim gefallen waren, wieder
begehren. Weil sie solche in den meisten Fällen erhielten, gab ihnen diese
Übung an vielen orten ein Recht darauf, und so wurden diese Leute nach
und nach zu Ligenschaften erbfähig, und ihre Güter zu Erblehen, die gewöhn-
liche Gebühr, welche bey dem antritte solcher Güter dem Eigenthums Herrn
mußte entrichtet werden, war der dritte Pfenig, auch der böße Pfenig,
oder der Ehrschaz genannt. Er bestand in sol vielen drey schilling Pfenigen,
als viele Pfunde das Gut nach abzug der Gebäude werth geschäzt wurde
und war in den st. gallischen Stiftslanden sehr üblich. Er galt für den
Lehen Zins, den andere nicht Ehr schätzige Höfe gewöhnlich zahlen mußten.
Diese Zinße, welche immer größtentheils in Naturalien bestanden war
sehr zerscheiden, auß dem berglande, Ziegen, Schafe, oder derer Häute, ab
den hohen Alpen und berggegenden Käße, Zieger, u. Fleische, wo man auf
einigen die zahl der Sennen Keßel bey andern das Maß der Milch, welche
am milchprüfungs Tage gemolken wurde, zum Zins Fuße nahm. arx 314.
Appenzell zalte 2044 A. Käse, 24 Zieger, 12 Kühe, 12 Pfund 6 Schilling.
Hundweil, 1070 Alpkäße 12 Zieger, 6 Kühe, 6 Pfund d. 2 Schilling.
[90] 90
35
Alte Geschichte so den Speicher betrefend vor Jhrem Kirchebau.
[Ao. 1459] haben Trogen, Teufen, Speicher, & Roten genant, den Kirchen Zehenden
[AU 94] zu St. Lorenzen abeglößt, dahin sie Pfarrgnösig geweßen, und auch Recht
in Steinegg u. Watt gehabt, so hat Jhnen Pfleger Ullrich dieße zwey halbe
Wald, nebst obbemeldten Kirchen Zehenden zukaufen geben um 500 lb. d.*)
und ligt der Kauf Brieff, & quitanz darvon in d. Trogener Tristkammer (oder LandArchiv.
und die anderen Gemeinden haben abschriften darvon gemacht *)
[Ao. 1538] am heill. 3.Königs Tag haben Trogen, Speicher, Teufen, & Rothen,
die gemeinsammen Wälder Steinegg & Watt, mit dem Fürsten ver-
theilt, und wegen künftigen Rechtsamen Sigl und Brief gemacht, wie
auch eine Verschreibung der Marchen, die Ao. 1547 wider Erneuret worden.
[Ao. 1542] haben die Käufer, d. obgedachter 4 Rooden, Verordnungen gemacht wegen den
Wälden Steinegg, u. Watt, und Pannwarten von jegl. Rood gesezt, die
den antheilhabren das Holz außtheillen, welches von Landamann u. Rath
in Appenzell gutgeheißen worden. Die Copey ligt hier in der Rescammer.
[#Ao. 1540] ein Spruch Brief, wegen Steinegg und Watt Holz, das sollen Bannwart gesezt
werden, welche auf jegliche feurstat gleich viel Holz außtheillen, welche
unter der Straß u. nach bey der Straß in Teufen sitzen sollen in das Watt
theilt werden, u. dan Trogen, Speicher, u. Rotten, u. die im Tobel, sollen
in Steinegg theilt werden, alles Treulich u. ohngefährlich.
[ca. Ao. 1603] Jst Steinegg u. Watt vertheilt worden von Trogen, Teufen, Speicher, Rotter,
u. weil sich Rothen, vom Speicher getrent u. zur Teufer Kirchhöri geschlagen,
so bekam Teufen die halbe Waldung, deßwegen das Watt Holz ihnen ganz
allein wird zu theilt worden seyn, Trogen u. Teufen hat diese ihre theil
Waldung vor gemeines Kirchhöry Holz behalten, hingegen Speicher hat wahrschl.
solches mit anderer Gemeinds Waldung unter die Bauren vertheilt, das
alle alte häuser u. Güter zum Speicher, theils aufem Ebni, Risl, Siz,
und andere in Stänegg ihren theil bekommen haben.
—————
[1467] *) hat der Abt die Steinegg wieder gesucht an sich zubringen, und Watt.
*) Diese 2 Wäld Steinegg und Watt in Teufen gelegen) hab das Gottshaus
St. Gallen vom Bischof von Constanz u. seinem Stift erkauft (B! damals der Trogner Wald genant.)
[(damahlen] Jezt Steinegg, und laut Kaufbrief auf Constanz gehört) und ist dieser Kauf durch 6
Eydgnösische Raths botten zustand gebracht u. gesiglet worden, deßen ungeacht hat
[Ao.1538] Abt Diethelm & Confent, wider alle Waldung angesprochen, deßwegen man endl.
was im Land Appenzell gelegen, mit dem Abt Vertheilt u. außgemachet.
Weil Speicher, Trogen, Teufen, u. ihre mit Rooden, sich auß diesen ihnen eigenthl.
u. erkauften Wälder beholzet, so hat der Abt sich darüber beklagt u. nicht mehr also
geschehen laßen wollen, deßwegen die Theillung u. abmarchung erfolget.
[91] 91
36
Alte Geschichten vor dem Speicher Kirchenbau.
[Ao. 1601] ist eine Überkomnus gemachet, und Brief Sigel aufgerichtet worden, von
der ganzen Gemeind Bendlenn genant, wie sie ihre gemeine hölzer ver-
theilt & verschreiben, das ein jegliches hauß oder guth seinen bekommenen Theil
holz oder Waldung behalten müße, und weder wenig nach viel darvon ver-
kaufen dörfen, im Fahl aber solches beschähe oder Erbs weiß außert Lands
fielle, die Bendlenner solches nicht nur mögen ziehen sondern nach dem
werth schäzen und bezahlen mögen (B! ist aber nicht mehr observiert worden.)
das die wenigsten mehr ihre theil haben.
[Ao. 1596] die Vogtkinden Schulden, wurden nur vor gut gehalten was unter dem Trogner
Haubtmann u. im Speicher der halben Rood gemachet worden ob dem Berg.
[Ao. 1608] heißt eß desgleichen „die Brief sollen geben werden unter Troger Haubtl.
oder Teufer Kirchhöri, oder zum Speicher ob dem Berg, ob dem Berg, gut
ding wie Land Recht ist. (B! ob dem Berg war ob dem Holz genant &
hernach, und Schwendy unter dem Holz) also sind die Zedel dort nicht für
gut gehalten worden, die schlechte Lag und arme Einwohner werden die ursach
darvon geweßen seyn.
[Ao. 1609] Wie Landamann u. Rath der außern Rooden, von der Stadt St. Gallen,
die Landstras übernohmen, von unserer Land Letzy unter Vögelisegg, bis
auf Trogen hinter dem Ast zur Brugg, in der grosen Segen genant, a ƒ. 400
mit denen Rechten „das die anstößer und nach pauren allen zeug, holz
und Stein, darzu bereiten und thun sollend wie von alterhero“.
worvon die Copei des briefs hier Foljo 364 zu leßen ist.
Abt Kero von Würzburg, hat das Teuchelbohren erdacht, und Abt Norbert in
St. Gallen, ließ darzu Sodbrunen graben oder Abt Rupertus Ao. 781.
—————
# Von Wayd und Alpstuberten.
[Ao. 1614] nach der Landtheilung wurde im Land Mandat alle Jahr verlesen.
„die Wayd und alpstuberten, soll dem Jungen Volk nach der
mittags Predig, damit sie ihren Muth in Zucht und Ehren nach haben
können, erlaubt seyn, und soll deßwegen ein Jeder Mesmer eine
Stund früher einläuten, um damit sie an dieselben gehen könen“.
B! Eine solche Stuberten soll im Kayen im Rehetobel auch gewesen seyn.
[92] 92
36
Almenweg Stuberten zum Speicher, von alten Zeiten her.
[AU 95] Die Almenweg stuberten genant, war eine grose Volks Versammlung und rechte
fröhl. Zusammenkunft der benachbarten Gemeinden, wo sich das junge Volk geübt hate
im Laufen und Springen, auch Ringen und Kämpfen, Stein stoßen, und andern
Lustbarkeiten mehr, wie hernach beschreiben wird; von Weid u. Alp Stuberten Mandat.
Es wurden alle Jahr 2 dergleichen Stuberten im Speicher, im Almenweg, ge-
halten, die erste am heilligen Pfingsttag, die andere siehe pag. 22.#
Es wurden von den Gemeinden RathsHerrn zur aufsicht dahin verordnet u.
im Namen der obrigkeit war der Landweibel gegenwertig, damit keine händel
und unordnung entstehen konten, und im Fahl sich so etwas ereignete der frieden
von ihme gebothen werden könne und die ungebühr konten angezeigt werden,
weillen auch hiebey alles seine schrancken und gesez hate, die observiert wurden.
1.tes das Rennen oder Laufen, wurde auf verschiedene art geübt, durch jaüchen
hier aber wurde eine art Ritterspiel so nach geahmt und vorgestelt, jndeme
sich die Jüngling in 2 haufen stelten, in einer Ebni, und an jedem Ende dersel-
ben wurden 2 Ziele bestimt, etwan in einer entfernung von 500 Schritten,
der, so eines derselben erreiche konte, ohne gefangen zuwerden, ist in Sicherheit kommen.
Wann beyde haufen nebst den Zielen angeordnet, so trat einer von dem ersten in die
Mitte und forderet einen von den anderen haufen heraus; *)dieser schickte einen ab,
um den Heraußforderer zuverfolgen. Der erste haufen schickt einen zweyten, um
den zweyten des andern haufens zu verfolgen, dieß geht so fort, bis beyde haufen
entweder auf der Lauf-bahn-, oder bis einer oder mehrer gefangen sind, jeder
haufen sammelt sich an einem der Ziele; die Gefangenen aber müsen sich auf
die Erden nieder sezen, und dero mehr Zahl bestimte den Seig zwischen diesen Partheyen.
Jedes Jahr wird 2 3 mahl ein solch feyerliches Rennen zwischen der jungen (F. 78.
Mannschaft der 4 Gemeinden gehalten, Trogen und Speicher machten den Einen-
die von Teufen und Gaiß den zweyten haufen auß (die Kleidung des jung.
Volks war im Sommer nur hembd und hosen sehr ring u. leicht) sie übten sich auch im Pferdte-
Rennen, Eyer aufleßen, Ringen u. hoßenlupf, und faustschlägen, wie im folg. blat zuseh.
[Ao. 1666] im Merzen wurde im Speicher und Trogen, ein obrigkeitliches Mandat verlesen
und darin die 2 Stuberten, so im Speicher gehalten werden am heilligen Tag
zu Pfingsten, bey 5 lb. d. Buß verbotten worden, gieng aber nicht ganz auß bis
[Ao. 1725] nachdeme hat sich die Jugend gegen funzig Jahr lang nach in diesem Ritter-
spiel geübt, die Jungen Knaben theilten sich bey ihren Zusammenkünften auch so
in 2 haufen, wie oben beschreiben, und der aufruf von einem geschach mit eben
mit diesen worten *) Ritter Ritter der hauptmann komt? Darauf je eine Parthy
die andere zufangen suchte, u. das geschach bis in die 1760r Jahr meistens auf
dem Kirchenplaz in Speicher, ohne zu wüßen den ursprung, u. was Ritter sagen wolte.
[93] 93
36
Von alten Ritter Spiel und Hausrecht u. Geseze deßwegen.
Zu Ritter geschlagen wurden die Jenigen so sich durch eine Tapfere heldenthat ausge-
zeichnet haten, oder durch andere verdienst sich dießen Ehren Titul erworben.
Wie Heinrich von Ramstein sich bey dem heilligen Grab ritterliche Würde erwarb.
[1428] und die Ehre der Teutschen Ritterschaft gerettet.
Vorhero kam Don Juan de Merlo, nach Baßel, trat auf und sprach: (M. G. 3. thl. 267
von Spanyen ist mein Edler Stamm. Hundert Länder hab ich gesehen & Tausend Städte.
aber den mann nicht, welcher vermißen hätte einen Kampf zubestehen gegen Don
Juan d. Merlo.“ Dießes hohns verdroß den Edlen Heinrich von Ramstein;
er warf den handschuh dar; sie wurden eins, wider ein ander zuthun, jeder einen Lanzenstich
[stihrch?] drey mordaxschläge, und vierzig Schwertstreiche. Eß gab so eine volksmenge von
zuschauer die nach Baßel kammen, das die obrigkeit für die erhaltung der Stadt und
freyheit sorge trug. Der grose Kampf geschah mit Lanze, Mordax und Schwert, so kühn,
so gelehrt, mit solcher anstrengung Jugendlicher Kraft und erworbner Kunst, so das
keiner dem andern viel abgewinnen mochte, beyde aber von Jedermann bewundert
wurden. Eine ähnliche art aufforderung geschah auch an der almen stuberten.
Von dem großen Regler genant, von Teufen, dieser grose starke Mann seye auf
die Almenweg stuberten mit gutem Eßen und Trincken vor bereittet worden, und
wurde von Teufer, an einer Bondtketen an diese Stuberten gebracht, das Volk
habe sich in 2 Reihen gestelt, dieser grose Regler wurde durch die mite an der
Keten auf- und abgeführt, und hate außbothen in allen theilen wer lust habe sich
mit ihme in einen Kampf einzulaßen, dieser grose Troz konte Hans Rechsteiner, auf
dem Rüscher, nicht ertragen, stand auch in die mite des Reyhens, und wehlten
den faustkampf mit einander zu thun, und gaben streich um streich einander, u.
so starke ohrfeigen (nach der erzehlung alter Leuten) das der grose Regler also bald
in unmacht gesunken seye, auch von dieserer an solle er keine gesunde stund
mehr gehabt haben, und in wenig Wochen darauf gestorben seyn.
Dieses mag also auch eine ursach gewesen seyn das die Stuberten verbothen
worden, sonst waren solche sachen nach damaligen gebräuchen erlaubt, und
das faustrecht war nicht nur im Appenzellerland üblich, sondern auch in
[AU 96] Deutschland unter Kayser Maximillian, der Stärkste war meister, und das konnte
domahlen den Streit entscheiden, das waren die ersten Kriege nach den Rauhen
Seitten der ersten zeiten, die oftmal grausam und mörderisch waren.
Jnn Rooden hate heut zu Tag nach die übung, das zwey Personen die einander
Beleidigen, einer den andern herauß fordert, weil die faustkämpfe nicht verboten,
sondern folgende Gesez bestimt sind. (welche auch vor der Landtheillung mögen gewesen seyn)
solle nie in keinem hause, besonders in keinem Wirtshaus, sondern unter freyem
himmel die Kämpfe geschehen. 2. Sollen mehrere Zeugen zugegen seyn.
3. die beiden Personen, welche kämpfen, sollen sich heraus geforderet u. zum Kampf
eingewilliget haben, welches anzeigt, das jeder glaubt dem andern an Kräften
gewachsen zu seyn. 4t.
[94] 94
36
Ausgang der Almenweg Stuberten & Lustspille.
4.) Die Kämpfer sollen keine Schlag- oder fingerringe tragen, nach boßhafter weise
ein ander auf den bauch schlagen oder stoßen, nach an andere empfindliche theile gefährliche
griffe thun, unter der androhung für den Täter, als ein schlechter Kerl angesehen und
beschimpft zu werden.
Wenn zwei Landleute kämpfen, und einer den andern zuboden wirft, oder einer
dem andern zu sehr an Kraft überlegen ist, so reißen die als zeugen dienende
Männer die Streitenden auseinander, und der handel oder Krieg ist entscheiden,
die Kämpfer söhnen sich auß, und Trincken den frieden im Wirths haus miteinander,
alle andere Schlägereien, die obige 4 Gesez nicht beobachten, werden mit Straf u.
buß willkührlich belegt.
Nach der Landtheillung sind in aus Rooden diese Gesez abgeändert u. mit
bestimter Straf u. Buß verboten worden, doch die Artickel von Frieden bieten,
Frieden brechen in Wort u. Tathen so weitläufig im Landbuch verfaßet worden
und die Schlägereyen nahmen ab, hingegen aber mehr streit u. zancksucht.
*) Ebel[UE 14] schreibt das die zweykämpfe schon in den burgundischen Gesezen Ao. 501
enthalten seyen, und nach in Appenzell bestehe diese alt deutsche Sitten.
[Ao. 1725] Walsers Chronik foljo 740) „Jn dießem Jahr sind auch die auß dem Heydenthum
-herstammende, so genannte Weyd- und Alp Stuberten, da sich das junge Volk gleich
-wie in alten olympischen Spielen im Laufen und Ringen üebte abgestelt und
verbotten worden.“ (siehe auch hier von ähnlichen Lustspeilen in St. Gallen pag 214
Die gewöhnliche Muhsic an diesen Stuberten war zauren, Jauchzen,
Kühreyen singen. In einem zürcher Calender ist folgende beschreibung.
hier werden die Spiele des alterthums getreiben, man Stoßt Steine,
man Ringet, man springet um die Wete, Jede von 2 Gemeinden
wählte sich einen Läufer, die mit einander Wete laufen mußten, da
jeder Haufen für seinen Läufer in Symptomen kam, u. an dem Sige theil nahmen
und auf gelegenheiten auch zu siegen mit Scham u. ungedult wartete. Man muste
diese Streitart untersagen, weil die Hitze der Streiter zu groß wurde.“
Die Appenzeller seyen zu ungeschick ihr Herz zuverbergen, man findt bey diesem
Volk die Frohheit der ersten Einfalt, und neben ihr den feinsten Witz, wenn
diese Leute Lieben, zürnen oder spielen, ist ihr Geist ganz gefaßt ohne Scheu,
er trit in alle ihre gleidmaßen, augen, Wangen, Zungen, Hände u. Kopf,
die Freude sizt betlern im gesicht.
Das Junge Volk suchte auch ihre freud und Ergözlichkeiten, mit Kriegs- und
so genanten Naren Rath halten, am Sontag Abend, sie haten ordentliche geseze
und wo einer darwieder handelte Strafen, sie nahmen erdichtete Prozes vor, u.
die Zuhörer mußten etwas bezahlen, das dieses nebst den bußen zusammen
gelegt und vertruncken worden, aber endlich von der obrigkeit verbothen worden.
[95] 95
37
Von der Nahrung & Lebensart der Appenzeller
# (Nebige Beschreibung gehört hieher zum anfang).
Von alten Helvetier melden die Geschichtschreiber, das Sie meistens von
einer Breye von Korn mehl, Waitzen und haber gelebt, Fleisch Speißen hielten sie
vor ungesund. Zu Gally zeiten war die Nahrung wie hier im XIX blat zusehen.
Von der Lebens art im Stift St. Gallen ist hier in 18. blat zulesen.
Von den ersten bewohner des Appenzellerlands, sind solche Jäger geweßen,
und haben meistens vom Gewild gelebt. Es hatte auch wilde Schwein u. ochsen,
[AU 97]und dergleichen genug, aber das wilde Fleisch habe die menschen grausam gemachet,
das sie auch eine wilde zornige Gemüths art bekommen haben, und Haut Kranck-
heiten wurden sie wegen solchem Fleisch genießen unterworfen.
[AU 98] Nachdeme aber das hirten Leben entstanden, die sich von Milch u. Kräuter
ernährten, wurden solche gesunder, sahen beßer auß und wurden zärter, in dem
Hirten und bauren stand war ihre Lebens art sehr einfach sie lebten nebst der
Milch, auch von Schotten, Käß, und Schmalz, und von selbst gepflanzten früchten
Korn, gersten, Waitzen, haber, Bohnen, und anderm Mehl vermischt, das es
ein schmakhaftes aber sehr schwarzes brod geweßen sey. Sie aßen wildes obst.
[Ao.1625] hat Hr. Pfarrer Anhorn hier, von damahliger Nahrung und Lebens art folgen-
des beschreiben. Das Volk ernähre sich meistens vom Vieh, Schotten, milch,
Schmalz und Zeiger, fäßten und magern Käß, Kirschen, [gemüs?] und gedörret obst
und selbst gepflanzte Früchte, waren ihre Speißen, Habermuß, gersten, Rogen,
bohnen, Waitzen, und fäßen war ihr brod, das sie selbsten verbachten, die
vermöglichern haten auch fleisch speißen, und Wein zum Trincken.
Bey dießer einfachen Lebens art, von lauter Landes Produckten, waren sie
gesund, freudig, vernügt und stark, von groser gestalt und schönem aussehen.
Vor Zeiten bekammen sie zimlich geld auß Holz und kohlen weil Jährlich bey Tausend
fuder nach St. Gallen geführt worden, das die obrigkeit eine außfuhr bestim-
ung diß wegen machen müßen, das nicht mehr alß 3 Stäfel Holz auß
dem Land verkauft werden dörfen von einem, auch ohne erlaubnis nicht mehr dörfte
Kohl bronnen werden, worüber sich die Stadt St.Gallen beklagt hatte 1579er handel.
Es wachste im Land auch viel Salnitrum oder Salpeter, daraus vieles schieß-
pulver gemachet wird, und Jährlich viel Centner in andere Länder verkauft
worden. Dießer Gewerb führte Ulrich Diezi, von Urnäschen, Ao. 1625 welcher eine
Pulver mühly und ein schönes haus daselbst gebauen.
Es wurde im Land auch vieh erzogen, und schöne Pferdte, die sie in nachbarte
Land verkauften und groß geld daraus lößten, wie auch auß molchen.
Es hatte auch viel Jmmen im Land und der honig war vortrefflich gut,
das derselbe theurer kauft wurde als von andern orten.
Jn den bergen werden viellerley Ertz, von gold u. Silber, Eißen, Stahel, u. Kupfer, oder
ander Metal verborgen ligen, die Appenzeller aber grabend dießen ungewißen dingen
nicht nach, sondern besezen die berge lieber mit schönen Kuh, u. ist Jhnen das Käß u. Schmalz
gaden das angenehmste bergwerk, u. viel boden u. vieh ihr größter Reichthum.
[96] 96
37
Speis und Nahrung der ersten Menschen & hohes alter.
Der Weiße Schöpfer hat denen ersten Menschen die anweisung gegeben
das sie allein auß dem Pflanz Reich Leben sollen. 1. buch mosy 1. C. 29 v. &.
Die vielen schmakhaften pflanzen und ihre süße Früchten versorgten sie
hinlänglich mit allen bedürfnißen des Lebens unterhalt.
So bald diese ersten Menschen auß der schönen gegend dem Paradies
weichen mußten und kleider nöthig hatten, machte Gott der herr, Adam
und seinem Weibe Röke von fellen und zog sie jhnen an. 1. B. Mosy 3.C.21. vers.
& Die Familie des Menschen Vatters legte sich auf akerbau und Viehzucht
nach dem 1. Buch Mosy im IV. Cap. 2. vers. & Erlaubte ihnen den genuß des fleischs.
Nach der Sündfluth, da das Schiff noah von den nützlichen Thieren eine
hinlängliche zahl erhalten hatte, übergab Gott den Menschen das Thier-
Reich auß drücklich wie das pflanzreich, nach 1. Buch mosy 9.C. 3. vers.
„alles was sich reget u. Lebet sey Euere Speiße, wie das grüne Kraut
„hab ich euch alles gegeben.“
[AU 99] Aber nach der Sündfluth wurden die Leut nicht mehr so alt, weil sie
nicht mehr so mäßig Lebten, und vor der großen überschwemung nur auß
dem pflanzreich einerley Speiß genoßen, als Kraut, Wurzlen u. baumfürcht.
Sie tranken auch kein Wein sondern Waßer. Auch wird davor gehalten
das die Speißen nach der Sündfluth, nicht mehr so gesund waren, weillen
die gesalzenen Waßer die Erde, Kräuter und Früchte verderbet hatten,
daher die Menschen nicht mehr so hohe alter erreichen wie unßere Stamm Eltern
und die vor der Sündfluth gelebet. Z.b. Adam lebte 930 Jahr, Eva 940,
Emos 905, Cain 910, Seth 912, nor 950, Jared 962, mathusalem
969 Jahr alt worden. Hernach von höchsten alter ist geschreiben.
Das Ao. 800 zu zeiten Carl, ein Soldat sein Leben auf 360 Jahr gebracht.
Ein Jtaliäner auf 340, ein Jndianer in Begalien auf 335 Jahr gelebet.
1536 ein Mann in Jndien 340 Jahr, in der Stadt Sio ein mann 280 Jahr
und der heill. Bischof Severus 373 Jahr, in China Leben die Leut nach bis
200 Jahr, in Rußland bis 150 Jahr, in Arabien durchgehends 120 Jahr,
in Jsland auch über 100 Jahr ohne arzney, in Engelland Thomas Paar, ist
1635 152 Jahr alt worden, im 120. Jahr nach geheurathet, er aße nichts
als butter, milch u. käß. Also nimt das Menschen alter immer ab. wie
[AU 100] Jm Appenzellerland haben sehr wenige 100 Jahr erreicht, u. darüber mehr.
1705 Anna Eglina in Urnäschen wurde 102 Jahr alt. *)
Die höchsten alter sind selten 90 Jahr und darüber, siehe im Speicher hier p. 219.
Auch vom ursprung der producten und veränderten Lebens art pag 217. &.
[97] 97
37
Obrigkeitliche Verordnungen wegen kostbaren Speißen.
Willen im Appenzellerland bis in das 18te Jahrhundert, korn, haber, gersten,
Roogen, Fäßen, Bohnen, fast alle Bauren selbst gepflanzet haben, so mußten
nach wenig Früchte vom auß Land erkauft werden, ein kleiner korn markt
war nebst der Schiffarth in Steinach, wurde aber von dort auf Rorschach zog.
[1497] d. 13. Hornung wurde der erste Korn- und wochenmarkt in roschach ge-
halten, und vom Kayser das Privilegin ertheilt nebst der zoll gerechtig-
keit bestimt.
[1533] hat ein meister von Memingen die Appenzeller gelehrt das schöne weise
Bütelmehl machen, welches weit u. breit verrühmt worden das kein
schöner weiß Mehl u. brod zufinden ist. (Roogen Brod war am nahrhaftesten.
Unßere VorEltern hatten weniger und geringe bedürfniße, sie waren
genügsamer, und in ihrer Lebens weiße ungleich einfacher, sie wußten nach
wenig von fremden Speißen und getränck, also bald nach der Landtheilung
[1612] ließ die obrigkeit in außrooden alle Kost Spilligen sachen und neue
Speißen verbiethen, z.b. unter den Leckerhaften Speißen war damals
der Biberzelten gerechnet, derselbe wurde im Land Mandat damit zu
Grempeln oder zu speilen verbothen, u. denen ungehorsamen dörfte der
Biberzelten in Wirthshäußer preis gemachet werden.
Deßgleichen wurden auch die großen Küchelten verbothen, (dann honig
und Küchly wurden vor die beßten und delikattischen speißen gehalten,
u. wurden sonderbar an heill. Abend u. heill. Tagen genoßen, wo man
in meisten häußer doch selbst Jmmen hatte, also ein Land Produckt.)
[1677] wurde das Brod tragen um die häußer verbotten, weil man das brod
von Beken vor all zu kostbar gehabt, u. hingegen selbst gebakenes brod
vor wohlfeiller u. nutzlicher nahrhafter u. weit langender gehalten.
Deßwegen aller brod grempel verbotten u. Müller u. Beken gesez und gute
ordnung vorgeschreiben worden, in allen Häußern fast wurde gebacken.
Auch wenig fremde Bäder wurden besucht sondern das Baden in den
Häußern war nach in allen Ständen üblich, eß habe nach in allen dörfern
Bäder gehabt.
Wie die Wirth eingeschränckt worden ist pag 177/178 zuleßen.
Der Mensch bedarf zu seinem Leben Waßer Feuer, Eißen, Salz Mehl, honig,
Milch, Wein, öll, und Kleidung, buch Sirach 40. C. 31. v.
[98] 98
37
Von langen Bärten & Wichtigkeit der haare.
[AU 101] Unßere Ahnen und vor Vätter ließen ihre Bärte so lang wachsen,
das sie ihnen über die Brust herabhingen, und kein Schärrmeser kam
an ihr Haupt, erst zu ende des Seibenzehenden Jahrhunderts, fangte
man hier an die Bärte abscheren zulaßen, und der erste alhier
war Rathsherr Johanes Näny, der deßwegen in gefahr kame seine
Rathsstelle zu verliehren. Lange Bärte wurden vorzeiten für eine
Zierde der Männer gehalten, u. höher als die haubthaare in Ehren
gehalten. In Kloster wurden kurze Bärt aber etwas lange haare
getragen, ihre Leibeigenen haten auch kurze Bärte und die Freyen aber [Arx 162]
lange bärte, man bätete im Kloster zum haar- u. Bart abschneiden.
Die haare sind wahre gewächse die mit ihren zwirbel wurzel in
der haut stecken, deren Körper eine harte schallen hat, und inwendig
holl sind, wan man sie mit der wurzel außreißt und in Waßer
sezt, wachsen sie wie jedes andere gewächs auch im grab wachsen
sie nach fort. So klein und veracht die haare sind gehalten, so sind
solche doch wichtig am menschlichen Körper, dieselben beschüzen
uns gegen die ungemächlichkeiten der Kälte u. der Weiter-
ung, beschirmen unßre augen, ohren. Sie führen viel un-
reine säfte auß dem Körper, daher solte man sie ohne noth nie
abschneiden, u. sie sorgfältig kämmen, weil sonst von dem un-
rath der sich unter u. zwischen ihnen sammelt Krankheiten ent-
stehen könten, bey den alten Menschen verwachsen die feinsten
haar gefäße u. wan sie verschloßen werden sie weiß oder silber-
farb, dieße sind auch zur Ehr deß Menschen, dan graue haare
sind eine Krone der Ehren, u. wie schön und Ehrwürdig ist ein
alter greis der seine graue haare mit Ehren tragen kan, auf
dem Wege der gerechtigkeit, und das solche auch unter der
gütigen aufsicht des Schöpfers stehen, beweiset weil kein haar
von unßerem haupte fallet ohne deßen Willen, und das alle
unßer haare auf unßerem haupt gezehlet, nach Evg. Math. 10. C.30 v.
Samson hate seine große stärcke im haar.
Die alten Appenzeller waren sehr haarreich, deßnahen auch stark
u. von daurhafter gesundheit, sie tragten ihre brust ofen und frey,
u. waren abgehärtete Leut, auch die wilden krußen haare mög
nach ein Zeichen der ersten Appenzeller bewohner auß der Wildnus
herkomment seyn, die Roh und Wild geweßen und gelebt haben. Die
[99] 99
38
Von Zärtlicher Lebens art & Moden der Haare.
Die entstandene zärtliche Lebens art verfeinerte zwar unßere
Zeit genoßen, aber sie wurden auch viel schwächer und zärtlicher empfl.
alß unßere VorEltern, eß gibt je länger je mehr unbartige Manns-
bilder, die weibliche gesichter haben u. abgeschwächte Körper.
An stat langen Bärten ließen viele nach schnauz stehen und Baken-
bärte wachsen, wann sie von der Wanderschaft oder fremden Landen
zuruk kamen tragten sie 1. Haarzopf, und die Kaufleut Haarsäck,
die großen Herrn aber Paruqen mit Rollen bis auf die achsel
herab hangend, welche hier in 1750r Jahren auch entstanden bey den
Herren Schläpfer & Frisuren, haarbütel bey den Bedienten.
Nach der Revolution anfangs des 19.ten Jahrhundert, ließ alles
die Haare kurz abschneiden, auch die Köpf ganz bescherren, oder
das haar über die Stirn abhangen, in ältern Zeiten hats beschorne blatten.
Das gleiche geschahe auch von Frauenzimmer, sie krußten ihre haar
u. ließen ihre Rollen u. haarlocken bis auf die augen über
die augenbrom abfallen, das also mit den haaren auch Staat
u. pracht getreiben wird wie mit andern Moden. Dargegen
die großen Frauenzimmer Frisuren hörten wieder auf.
[100] 100
38
Vom Ursprung der Bäthhäußer, Kirchen & Zehenten.
So lange die Heiden in Wälden gelebt hatten sie ihre Waldgötzen.
Vor Gally ankunft waren meistens nach heydnische Tempel § und ihre
Religion war viel ab Götterrey mit groser unwißenheit und aberglauben
geparet. Wie hier pag 7 bereits beschreiben ist weitläufig.) § Arbon Herisau, Gosau.
Nach deme das Stift St. Gallen entstanden, und von den nachfolgern Gall
das Land nach und nach ubar gemachet und Höfe angebauen worden, entstanden
[zellen] darbey auch Bäthäußer, die der ursprung der meisten Pfarkirchen waren.
Arx 1. Theil pag 168 beschreibt das entstehen derselben also.
Ein Kloster oder Reiche Güter Besitzer Bauete auf seinem Meyerhofe für
seine Zins Leute und Leibeigene, in Form eines Schofes ein bäthaus, und stelte
zur Bedienung deßelben seinen Sohn, Bruder, oder einen Leibeigenen,
nach deme er selben zum Priester hatte Weihen laßen, an.
Dießer Wohnte auf dem hofe, und bezog ab demselben sein gehalt, das
ihm der besitzer der hofes entweder in Naturalien, oder in ligenden Güter
anweiß, die aber darum, wie das Bäthaus selbst nicht aufhörten, ein
theil des Hofes zu seyn, und dem herrn deßelben zuzu gehören. Oft war
nach der Sitte Jener Zeit der Priester zugleich Pfarrer und der Verwalter
des hofes. Nur selten geschah eß, das eine Kirchen gleich bey ihrer erbauung
ein eigenes vermögen angewießen bekam, aber auch dieses war in der haupt-
sache das nämliche; dann die Stifter behielten in beyden fällen die Kirchen
und derselben Güter und Einkünfte als ihr Eigenthum, welches sie nach
belieben verkauften, vertauschten, zu Lehen gaben, Erbten, und zwar die
Kirchen wie den hof alß eine Erb maßa in Stüke getheilt, so das einem
die Kirchen halb, oder zum dryten, fünften theile zu gehören konnte, die
Geseze ließen alles dieses zu; nur Verbothen sie den Patronen das
Eigenthums Recht nicht soweit zu mißbrauchen das sie in die Kirchen ihr
Heu und Stroh versorgen, oder die Schindlen ab dem Kirchendach wegnähmen,
um ihre Häußer zu decken, und befahlen wenigstes über die Altäre
eine decke oder gewölb zuschlagen, damit nicht unrath oder Regen waßer
auf das selbe falle.
Die Leute, welche in der nähe eines hofes wohnten der eine Kirchen und
einen Geistlichen hatten, besuchten in selber den Gottes Dienst und brachten
auß Erkentlichkeit der Kirchen opfer, oder machten dem herrn des hofes
er möchte geistlich oder weltlich seyn, zum besten der Kirchen Vergabungen.
[AU 102] Ja sie bequemten sich nach und nach den Zehnten dahin zubringen oder ent-
richten, welchen Carl der Große zum behufe der Kirchen, des Priesters,
der Reißenden, und Armen zugeben befohlen, aber in diesen gegenden
niemahls in stand zubringen vermocht hatte. Alles dieses bezog der
Eigenthümer
[101] 101
39
Münster oder Kloster Kirchen in St. Gallen & Brunst.
Eigenthümer der Kirchen und des darmit verbundenen hofes, weil der hof der zur
[AU 103] Kirchen gehörte sich selbst keinen Zehenten gab, bleibt derselbe als ein Widum-
gut hernach zehent frey. Wahrscheinlich waren die Kirchen in Herisau, Goßau #
(auch auf solche weiß entstanden) welche die ersten und ältesten Kirchen waren,
[Ao. 647.] desgleichen auch Appenzell zuerst ein bäthaus geweßen, dann eine zell hieß
ein Bäthaus, die h.Kreuz Kappel genant, vermuthlich hatte der Kehlhof zum Speicher auch ein bäthaus.
[Erste Kirchen Ao. 830.] Nach deme auch das Bergland bevölckert worden, war das Münster in St.
Gallen die größte Kirchhöry, sie erstreckte sich von St. Margrethen bis auf krumen
auw, und vom Kamor bis auf Heggeschweil, die auf St. Gallen Pfarrgnösig waren.
Der grose grund stein zum münster haben 500 man und 80 ochsen auf den plaz zogen.
[1314] d 23. 8bris, Jst das Kloster mit allen Kirchen und Kappellen, samt 30 Gloken
und die Stadt St. Gallen bis auf 8 häußer abgebrandt, das Münster so schon
zum zweiten mahl abgebrandt, wurde nur ein neues Dach gemachet, die Mauren
aber sturtzten also bald eintheil ein, und mußte ein mitelmäßiges Kirchen-
gebäude gemacht, auß armuth 21 Jahre daran gearbeitet worden *) arx 2. T. 9.
Nach den Kreuzzügen enstunden wieder neue Kirchen und viele Kappellen.
*) Da Ao. 1755 das Münster in St. Gallen abgebrochen worden, wurden von
den Tapfern Edelleuten die mit Helm und Schwert da vergraben worden, ihre
Waffen wieder gefunden und außgraben, welche gröse eine ungemeine Leibsstärke beweisen.
[1499.] Abt Gotthard, ließ seine brüder Hans u. Rudolf Gill, die über Rhein in
einer Schlacht als anführer erschlagen worden, von den Feinden außlößen und in
das Münster auch mit helm u. Schwert begraben. arx 2. T. pag 444
#) Die Gloken sind in der Schweiz erst Ao. 1020 eingeführt worden,
vorhero rief man die Leute zum Gottes Dienst durch anschlagung
gewüßer breter, welche heillige Breter genant worden.
Am Krüz mittwochen haben die Appenzeller auf st.gall. Kreuzigen müsen.
[1525] der Capuziner orden hat seinen anfang genomen von Mathäus von Basins [UE 15],
einem Franziscaner, und wurden Capuziner genant wegen ihren großen spizigen Capuzen.
[1449] verkaufte Eglof von Roschach ihr Stammhaus mit vielen Wäldern, Waldrechten,
mit dem zehenden zu Egg, Schwanteln, Frauenrüthy, Kraytobel, Feuerschwendy,
Ober u. Niderau, Büel, Rechstein *) mit einigen im Fleken Rorschach stehenden
häußer, dem Stifte St. Gallen a ƒ. 2700 (so wohlfeyl waren Häußer Güter.
<nowiki*)<|nowiki> der hof Rechstein hat also den Zehenten dem Eglof geben müßen bis 1449.
Das Schloß Rossenberg bey Herisau war ein Eigenthum der 3 Kinder deß
Ritters Eglof von Roßenberg u. Zukerried, alß die Appenzeller 1403 das
Schlos verbrandt, wurde der boden hernach dem Spittal St. Gallen verkauft
um 900 pfund pfenig, nebst
[102] 102
39
Von ersten Kirchen & Kirchhöfen, unßern Altvordern.
Der Arboner Forst oder Wald, war in der kirchhöry Arbon, und in selbiger
Pfarrey, d. ist auch beweißthum weil daßiger Priester Williram dem
hl. Gall. erlaubt eine zell in diesen Wald zubauen, arbon war die erste und
älteste Kirchen in dieser Revier, ob auß hiesiger Gegend auch dahin Pfarrge-
nößig geweßen, ist zuvermuthen ungeweiß doch aus Walsers Appenzeller Cronick pag 42 meldet, „das zu
St. Galli Zeiten nach keine Kirchen im Land gewesen als Herisau, die übrigen bergeleut
haben in den nächsten Kirchen zu Arbon und im Rheinthall besucht den Gottesdienst.
Nach glaubwürdiger ist, das auf denen höfen Bethhäußer geweßen, in #)
Form eines Schopfs mit einem altar, wie nebendstehend beschreiben ist, ein starker
beweißthum darvon hat sich im Speicher gezeigt da der Grund zur neuen Kirchen
ist gegraben worden, hat man circa 5 schu Tief, Gräber gefunden in felßen gehauen,
wohin vermuthlich die ersten Einwohner begraben worden, weil Arbon zuentfernt
ware und die Weg oder Straßen dahin nicht gangbar nach eingerichtet.
Die zweite Kirchen vor hiesige Einwohner als Gottshaus leut, wird das
Münster in St. Gallen gewesen seyn, welche nach der neuen St. Galler Chronik, 62
begann, und nach fünf Jahren mit groser feyerlichkeit und in gegenwart vieler groser
Herren ist eingewihen worden, merckwürdig ist, das die damahligen Kloster-
Geistlichen, das Kloster und Kirchen eigenhändig gebauen, und gute meister gewesen
seyen, in Holz und stein arbeit, andere trugen Stein und Kalk herbey. Das münster
oder Eben diese Kirchen war, ehe des heil. Othmars erbauet worden, & die St. Peters-
Kirchen oder kapelle sey im jnnern des Klosters geweßen, und Jedermann unzugäng-
lich, u. nur deßwegen erbauet war, um darin den Gottes dienst ungestört abhal-
ten zukönen, welches in der Haubtkirche wegen der menge der Pilgrime die zu
dem grab des heil. Galls Wallfarthen nicht möglich gewesen wäre, so baute
das Kloster St. Gallen allenthalben auf seinen höfen auch Kirchen. p. 63. #)
Wird gemeldtet, das die Kloster Geistlichen in weniger anzahl lebten wie Edelleut,
und von dem Ritter geiste beseelt beobachteten sie ihre Regel in der außübung der
frommkeit nicht mehr, sondern sezten alles auf kriegerschen Muth auf Waffen und zahl-
reiche Krieger, sie errichteten Lehrpfründen besezten sie mit fremden, um nicht mehr
Studieren und lehren zu müßen, entfernten den Gottes dienst auß dem Kloster Münster
wo er in dieser Kirchen biß anhin gehalten worden, in die Kirchen des heiligen (1225)
St. Lorentzen, welche sie zu diesem Ende neu erbauet haten, sie hate keinen
Thurm nach der gewohnheit jener zeit, wo man oft die Gloken neben der
Kirchen an Balcken hieng, auf dem alten Kirchhofe stand die Kapelle
des hl. Gallus. Auf dem großen neuen Kirchhofe aber der sich zwischen dem Münster
ster, und der St. Lorenzer Kirchen, und der St. Johanes kapelle außbreitete, stand (192.
die Kapellen des hl. Grabs, des hl. Oßwalds, des h. Michaels, der sel. Jungfrauen,
und das Bein Haus. In diesen Kirchhof wurden die von St.Gallen, vom
Tablat, Wittenbach, Straubenzell, Romonten, Tiefen, Speicher, Trogen, begraben, und
[103] 103
40
Von Kirchen & Kirchöfen, der Einwohner zum Speicher.
[AU 104]und alle diese gemeinden begreif die Pfarrei St. Galen, ehedem haten auch Hundwil u. Gaiß dahin gehört.
St. Lorenzen war also die drite Kirchen, und Kirchhof unsrer in Gottruhenden
VorEltern vom Speicher. (Vor altene Leichlegi genant und Gottsacker)
[Ao. 1413] hat der Abt die Kirchen St. Lorenzen der Stadt St. Gallen wieder überlasen,
[AU 105]mit allem Einkommen, worauf Burgermeister & Rath den Thurm ganz neu auf-
führen und die Kirchen ansehlich erweitern lasen, weil Trogen, Speicher und auch Rote
Teufen dahin Pfarrgenößig waren nach, bis Trogen Ao. 1451 eine eigne
neue Kirchen erbauen, und 1460 auch den Kirchen Zehenden von St. Lorenzen
abgelößt, und die Einwohner vom Speicher und Bendlehn, vor dem Bach genant,
wurden zugleich Pfarrgenößig auf Trogen, und dahin begraben bis 1614 also
154 Jahr lang, so war Trogen die vierte Kirchen derer zum Speicher.
Die hinter dem Bach im Speicher aber bleibten nach bey St. Lorenz Kirchge-
hörig, welche Kirchhöry sich vor deme erstreckt über Trogen bis an Goldach
und auf breiten Ebnet. Worvon die beschreibung & Gräntzen pag 40 hier ist.
bis 1535 Kirchhof den Reformierten allein worden in St. Lorenzen.
[B! Ao. 1542-1570.] Walsers Appenzeller Chronik, „die Gemeinde Speicher, so auf St. Lorenzen nach St.G.
Pfarrgnößig war, laßt sich mit vorbehalt der Pfarr- Rechten außlößen, ihre
Todten im Linsibühl zu verstatten“. B und doch sey der Todten acker im Linsibuhl erst
[Ao. 1571] angelegt worden, und 1568 der St. Lorenzer Kirchhof zum Schmalzmarkt ge-
macht und der Kirchhof zur st. manga Kirchen verlegt worden wegen Kloster maur.
[Ao. 1603] W.C. „die Gemeinds gnoßen zum Speicher laßen sich um mehrerer bequemlichkeit
[AU 106]wegen von St. Lorenzen Kirch in St.Gall. außlößen, u. besuchten hinkünftig
den Gottes dienst im Linsibühl, damit sie auch besern plaz haten, laßet die
obrigkeit in St. Gallen die Kirche im Linsibühl erweitern.“ Das war also auch
die vierte Kirchen B! der Einwohner hinter dem bach im Speicher, Endlich
[Ao. 1608] zuerst das nachtmahl genosen im Linsibühl, und Endlich sich ganz auslösen
laßen von allen ferneren Rechten und ansprachen von Linsibühl mit ƒ. 1300. *)
[Ao.1614] und eine eigne neue Kirchen erbauen im Speicher, die erste nach der Reformation
geweßen, und hiemit alß die fünfte kann gezellet werden, die beweggründ
und ursach dieses Kirchenbaus ist im Kirchen Libel hier pag 30. **)
auf St Gallen wurden die Todten ohne Leichpredigen verstatten, dann erst
[Ao.1578] solche angefangen wordenzuhalten.
Die Kinder wurden alle in Latinischer Sprache getauft bis zur Reformation.
Die Speicher Kirchen Erweiterung ist hierin pag 237 beschreiben, der neu Kirchenbau
————— p
- ) die Kirchen im Linsibühl ist Ao. 1463 schon erbauen worden.
- ) Es waren biß dahin nur 8 Kirchen im ganzen Appenzellerland und doch vor
- ) Es waren biß dahin nur 8 Kirchen im ganzen Appenzellerland und doch vor
der Kirchen verbeßerung oder Reformation hat eß 25 oder 26 Priester gehabt.
[Ao.1528] war münster Prediger in St. Gallen, Adam Moßer, von Steinegg. arx 530.
[104] 104
40
Im Land wie weit sich die St. Lorentzer Kirchhöry erstrekt habe.
[Ao. 1225] Jst die erste Meldung von der St. Lorenzer Kirchen zulesen, das sie erbauen worden Arx 325.
Die St. Lorenzer Kirchhöry erstreckte sich auf Teufen, Rotter, Speicher und
Trogen, so weit als theilhaber am Steinegger Wald waren. In Trogen
wurde Ao. 1621 dieser bezirk beschreiben wie folget, (so wegen Steinegg geschehen)
weil nicht die ganze Gemeind antheil gehabt, die auf Goldach u. Altstetten, Pfärrig
geweßen gehörten nicht darzu, sondern nur bis zum Aach bach) oder der
• Goldach, wo der Rechtobler bach darin flüßt, und ist diesem Rehtobel Bach
• nach gegen aufgang der Sonen [UE:Osten] ob sich durch das Homeltobel bis in daß
• Waßer Roüschly zwischen dem Wald und Krombach, dem Waßer Roüschly nach
• in Storgelbach, und dem bach nach ob sich bis entzwerk zwischen das Ober-
• gaden und haußen Birgly, und Aby in Bartlis bächly hinter dem Neu-
• wenth, dem bächly nach aby in des Sonderes bach, und dem Bach nach
• Aby in Sonderes Mülly, von der Mülly tannen hinterwerts ob sich, dem
• bächly nach ob sich zwischen dem unter Stadel und Bernbrugg, folgends
• zwüschend Hüttschwendy, und Wehrlis Acker aufen, bis zu des haubtmann
• Hans Sturtzeneggers Haus im Nord, und dann vom End des Ebnet bächlis
• übery in das wässeren bächly, und auß demselben in das Rehhagen-
• bächly, in dem bächly nach aby in Segenbach bis zu der mülly.
• Jtem von der mülly dan richtigs ob sich zwischen dem Nistenbühl und
• Poly Waldburgers Wäd grad übery, hinter sich gegen Wysegg in die
• Tollen grad unter dem Gaden zwischend Weißegg und Bräten Ebnet, *)
• Und demselben bächly nach aben in Müllybach § so dann lezlich vom Mülly
• bach nach abi in die Goldach, bis erst gemeldes ort.
B! § der Müllybach wird heut zu Tag das klein Segly genant und
die außert dem Ast die groß Segen geheißen.
*) das sind die gräntzen auch zwischen Speicher und Trogen jetzt nach. Ausert
was sich zwischen Weißegg und Bräten Ebnet, auf Streitegg etwas verändert
durch den Spruch de 1678 mit der gemeind Teufen, & heut zu Tag seit
[AU 107]Ao. 1723 zur Bühler Gemeind gehörig, wie die grenz scheidung hierin
pag 38 zuleßen ist, das Speicher und Bühler auf der Streitegger höhe
von einander scheidet. Ulrich Girtaner Caplon zu St. Lorenzen gewesen.
Ao. 1443 Konrad Friedbold Leutpriester bey St. Lorentzen, war zugleich Pfr. in Hagenwil.
Ao. 14 waren bey St. Lorenzen nur 3 geistliche 2 Leutpriester und ein Helfer.
Ao. 1521 war Pfarrer zu St. Lorenz. Benedik Burgauer, und Wolf-
gang Weter, Helfer, in St. Gallen, diese waren die ersten
zeugen der Wahrheit und Reformatoren, nebst Docter Joachim von
Watt, und Johanes Keßler, trat ihnen bald an die seiten, die
bilder wurden abgeschafft. 1523 und die St. Lorenzen Kirchen den
Evangelischen Gottesdienst geben, und 1527 am osterfest
das erste mahl das Heil. Abendmahl darin genoßen.
[105] 105
41
Pfarrer von Trogen & Speicher, &c. und oberherren von Trogen.
[AU 108] Pfarrer in Trogen wärent der Zeit das eintheil vom
Speicher auch dahin Pfarrg nößig gewesen, aber gleichwohl unter haubtl.
und Räth im Speicher gestanden, wie auß nebenstehenden vogthey Rechnungen
zu ersehen, das nur die Pfarrer von Trogen alß Schreiber denselben
bey gewohnet haben. Trogen hat sich Ao. 1469 von der Pfarrey St. Lorentzen
außgelöst mit ƒ. 120 und eine eigne neue Kirchen erbauen, wo vor der Refor-
mation die Pfr. nicht verzeichnet sind, aber nach derselben waren folgende.
Ao.1518 war der leste Catholische Pfarrer, Burkart Limbach, der 1521 gestorben.
[AU 109]&. 1521 Jacob Enk, der bey erfolgter Reformation abgezogen ist) und 1520 [6?] kam als #
Ao.1525 Johanes Hagelin von Baßel. #Prediger Pelagi am Stein, der Pfarer in Goldach ge-
Ao.1530 Ulrich Stumpf von Zürich. weßen u. wegen der Reformation dort abgesezt
Ao.1560 Jacob Rordorf von Zürich. worden sey. arx pag 489 *) u. ermordet.
| Ao.1569 Ulrich Schlumpf, von St. Gallen Decan | Ao. 1570 ist das erste | |
| Ao. 1573 Johanes Hegely von Baßel. | Taufbuch in Trogen | |
| Ao.1575 Jacob Mersperger, von Basel | angefangen worden. | |
| Ao.1576 Johanes Ott, von Zürich | nach dem Schlus Concilii | |
| Ao.1581 Joseph Pettery, von Basel | Tridentini auch in Appenzell | |
| Ao.1584 Johanes Stumpf, von Zürich vicarius. | mußte das Taufb. erst in | |
| Richtigkeit gebracht werden, | ||
| Ao.1585 Hs Jacob Wetzikommer, von Zürich. | welches in außrodischen | |
| Ao.1587 Josua Keßler von St. Gallen | Gemeinden auch befolget | |
| Ao.1591 Johanes Küntzler, Landmann. | u. Tauf- Copulier- und | |
| Ao.1595 Casper Kolb, von Zürich. | Todten bücher angefangen | |
| Ao.1597 Johanes Kolb, von Zürich, vicarius | worden. 1570. |
Ao.1602 Heinrich Freytag, von Zürich, war der leste vor die zum Speicher die
Ao.1614 Eine eigne neue Kirchen erbauen. pag 34 zusehen ihre Pfarrer 61.
[AU 110]Trogen hate vor uralten Zeiten seine eigene Freyherren, die Baronen von Trogen
genant wurden § haten eine Vestung und Schloß ob dem Dorf auf Thrün.
Ein Baron von Trogen zur zeit der fränkischen Regierung, sey unter Abt
Ulrich Conventual im Kloster geweßen, nachdeme diese Freyherren ausge-
storben, und das ganze Land an das Römische Reich gefallen, wurde Trogen
eine Vogtthey des Reichs, u. mußte 70 lb. Reichssteuer bezahlen, Jährlich.
[Ao.1292] verehrte Kayser Adolf dem Abt Wilhelm, vor seine Treugeleistete dienste diese
Reichssteuer, und ist Trogen dem Abt Heinrich dem zweyten, mit allen hohen und
nidern gerichten samt dem Pann über das blut um 280 Mark Silber und 1100 lb. heller
verkauft worden, und ganz unter der Aebten gewalt kommen, Abt Hiltpold versezte
[Ao.1327] die vogtey Trogen, graf Ulrich von Königsegg, östreichester Landpfleger im
Thurgau, unterdeßen Herrschaft sie bis 1344 gestanden, und 1345 hat Abt
Hermann, Trogen wieder an sich gelößt u. bleib denen Aebten, bis Ao. 1405 die
[siehe arx 84] Freyheit erkämpft worden. Also war Trogen die wenigste Zeit unter den Aebten.
[Ao.1381] Abt Kuno habe Trogen u. Tiefen um zweytausend vierhundert Pfund häller gelößt, Arx 6.
[106] 106
41
Haubtleut & Räth im Speicher vor dem Kirchenbau.
Die alte Rood oder Gemeind Speicher, war vor ihrem Kirchbau
vertheilt in ihrem Kirchengang, so das die vor dem Bach genant
auf Trogen Pfarrgehörig, und die hinter dem Bach auf St. Gallen
oder St. Lorentzen, dahin ehdem Trogen und der ganze Speicher Pfarrgenös-
ig waren.
Die Speicher Rooden vor - und hinter dem Calabind bach, hatten von
altersher, schon ihre eigene Haubtleut und Räth gehabt, die man zwar
nirgend nach der ordnung aufgeschreiben findet, sondern solche nur auß alten
marcken- und Spruch briefen gezogen.
[Ao. 1542] Ein Brief wegen der Steinegg meldet „Hans Kern, der Zeit Hauptmann
zum Speicher“
[Ao.1547] haben nomine der Rood Speicher in der Steinegg die marken helfen Erneuern
„Rudolph Koller, und Thoman Geller beyde alte Haubtleut, zum
Speicher, und Hans Kern neu Hauptmann.“
[Ao.1550] Jst ein Spruch brief von der Straß und martweg durch die Schwendi alhier
von -Jacob Locher Haubtmann zum Speicher und Rudolph Koller, und
-Andereas Zidler, von Bennlehn. Spruch und Dädigungsleut“
[Ao.1579] Ein Urtels Reces von Appenzell wegen denen gemeinen Hölzer und
Gemeinden (gemeinwerk) so in der halben Rood *) zum Speicher gelegen
welche die in Habsach auch angesprochen aber der halben Rood Speicher zu ge-
sprochen worden, und sind im Namen der Speicher Rood vor Rath gestanden
die Ehrbaren Haubtleut Häny Tanner, Jag Schwendiman, und
Baschon Urscheler.
- ) B! Worum Speicher nur die halbe Rood genant wird, mag die ursach seyn
das wir Parrer Anhorn in seiner Chronick meldet „ober Teufen u.
rooten, mit Speicher eine Rood zusammen auß gemacht, vor der Land-
theillung, und 24 man in Rath geben, auf Appenzell.
[1600] War Rudolph Kursteiner, vom Speicher Siechenpfleger.
[1602] Haubtman Hans Koller, Haubtman Häni Tanner, und Othmar Schittly,
die Vogtthey Rechnung zum Speicher gehalten.
[1607] Hauptman Ully Krüsy derselben auch bey gewohnet
[1608] Haubtmann Ully Altherr, am Flecken.
[107] 107
42
Vor dem Kirchenbau im Speicher Haubtleut & Räth.
[Ao.1608] Haubtmann Wälty Rechsteiner, war auch schon Haubtmann in der alten Speicher
Rood, seine Kinder sind in Trogen getauft worden, das ist also beweisthum
weil er hier auf dem Kirchenplatz wohnhaft geweßen, das Speicherer vor
dem Kalabind bach auf Trogen pfarrgenößig geweßen, und nicht nur Bennlen
auch geben die Vogttey Rodel von der alten Rood außkunft, das der
Pfarrer von Trogen denen Vogtty Rechnungen der Speicher u. bendlenerleute
bey gewohnet.
—————
Gottes äker, oder Kirchhöf, auch Lichlegy genant im Speicher.
Die Juden kauften einen Blut aker von einem Töpfer aber
Die ersten Christen haben ihre Todten von anfang heimlich und nicht öfent-
lich verstatten dörfen zur Erden, wegen vielen Verfolgungen.
Hernach in spätern zeiten wurden dieselben in Gärten, Felßen, Häußer und
äcker begraben, weil nach keine bestimte ort darzu gewesen sind unter
den Heiden, deßnahen ist nicht ohne grund zuglauben, das hier laut der
beschreibung pag 38 hier ein Kehlhof u. bäthaus geweßen, wohin die ersten
Einwohner begraben worden, und ist desto glaubwürdiger da sich sichere Spuhren
gezeigt haben, das bey außgrabung des Fundenmends bey dem Kirchenbau 1807
in nagel Felßen gehauene gräber an Tag kommen ca. 5 Schuh Tiefe, und wann
weiters hette dörfen gegraben werden, ohne zweifel mehrere entdeckt worden
wären. Es hatten auch viele Familien gruften u. grab steine, das in die Kirchen
viele auch beerdiget worden sind. Bis absönderliche örter zu Kirchhöfen angeordnet
worden, damit das andecken der Todten beßer geehret wurden.
Der Erste bekante Kirchhof, war im Klosterplaz, der sich dem
münster nach osten gezogen, gegen die Steinach und an den rundenthurm
hin, der alte genant worden. Dahin wurden st. galler, vom Tablet, vom
Witenbach, Strubenzell, Romonten, Teufen, Trogen, Speicher, die Leichen gebracht
und vergraben, u. ehedeßen auch von Gaiß und Hundwil. arx p. 192 2 T.
Der zweite neue Kirchhof, Lag zwischen dem münster und der
St. Laurenzen Kirchen, worin auch obgedachte meistens zur Erden verstattet
worden bis 1535 bis zur Reformation, die Catholi. nach St.Vieden, und
Stadt St. Gallen u. Speicher, nach St Lorenzen beerdiget worden allein.
[1568] Jst wegen der Kloster Maur, der Kirchhof von St. Laurenzen auf St.
Mangen verlegt worden, also hat sich Speicher hinter dem Bach, auslößen lasen
[1570] hinkünftig ihre todten im Linsibühl beerdigen zulaßen. Bis Speicher
[1613] Einen eignen Kirchhof und Pfarrey errichtet hat u. 1723, 1770, und
1807 diesen Kirchhof Erweitern und vergröseret werden müsen.
[108] 108
42
Vogttey Rechnungen vor dem Speicher Kirchebau & gemeines Guti
Die alte Rood Speicher hatte vor ihrem Kirchenbau schon eigne Haubtleut u.
Räth, und allem anschein nach auch vertheilt vor- und hinderem Bach.
Dann eß waren 4 Haubtleut, und die Vogttey Rechnungen wurden gemein-
sam gehalten, eß befinden sich die Rödel oder Rechnungen von Ao. 1595 bis
zum Kirchebau Ao. 1614, und die vogt Kind darin enthalten auch von der
Schwendy, Rüthy, Kolhalden, Vögelisegg, Hochrüthy, also auch hinder dem bach
und lauten die vorträg auf den rechnungs Rödlen wie folget.
[1602]• Vogtigen Rechnung zum Speicher, sind gehalten worden auf unßer Frowentag zur
• Liechtmes, und ist dabey gsin Hopman Häny Tanner, Hoptmann Hans Koller, und
• Ottmar Schitly“
[1608]• Jn diesem Rodel werdend begrieffen die Vogtyen Rechnungen, derer zum Speicher
• und Bindlin, so geben worden von den Ersamen vnd weißen herren Haupleut u. Räthen
• daselbst, und dem Predigkanten von Trogen, so geben d. 17. Tag wolfsmonats, u.
• haben die Vögt der gestalt rechnung geben, das die hauptleut und Räth mit jnen
• wohl zufrieden und vernügt gsyn sind“
B! der pfarrer von Trogen war vermuthlich der Schreiber dieser Rödlen, und als
Selsorger derer vom Speicher u. Bindlin den Rechnungen beygewohnet, wie
auch der Rechnung des gemeinen Guts welches darin bestanden.
[1608]• Es hat Rechnung geben Hans Altherr, am Fläcken, als ein Vogt des gemeinen
• Guts, der Speicher und bindlinerleuten.
• Erstlich Soll Hans Schwendimann zu Bendlin 43 Gulden 11 bazen 2 xr.
• dabey zins auf Liechtmes des 1610 Jars“
[1612]• Es hat Rechnung geben Hans Altherr als Vogt des gemeinen Guts zum
• Speicher und Bendlin.
• Erstlich soll Hans Schwendiman zu Bindlin 54 Gulden
• dabey zinß auf Martini des 1613 -Jars.
• me soll Hauptmann Welty Rechsteiner, 3 Gulden 10 bazen.
den zins auf Martini des 1613 Jars.
• me soll Andereas Schitly 4 Gulden, zins 4 bazen,
• darbey den zins auf Martini des 1613. Jahrs.
• Summa 70 Gulden 10 bazen waren Gemeine Güter, bey dem ersten
Kirchenbau im Speicher zu einen anfang. Ao. 1613
[109] 109
43
[Copia.]
Vom Speicher Kirchen Libell, Ao. 1615.
Im Namen der heilligen hochgelobten
Dreyfaltigkeit, Gott des Vatters, Sohns, und
hellligen Geistes amen.
Zuwüßen kund und offenbahr seye, allen und Jeden, gegenwärtigen
und zukünftigen, so diesen Brief Jmmer sehen und hören werden.
Als dann das ganz Land Appenzell, die Jnneren und useren Roden,
Gemeinlich nach dem Lang und vielfaltig, doch mehr theils glücklich geführten
Kriegen, sich in dem Ein Tausend Vierhundert und Neunten Jahr,
nach Christe geburth, mit einander als Leibliche Brüder, in ein algemein
Landrecht, unter ein Panner, Stab und Sigl, fürnehmlich unter einer obrigkeit
Gricht und Rath zusuchen, und eines gleichen Landrechten zugeleben, begeben,
mit der klaren Erläutterung, das Jedes Theill, die außeren, so wohl als
die Jnneren, und die Jnneren so wohl als die außeren, Jn Landlichen sachen
mit besezung des Regiments, mit berathschlagung anderern wichtigen ge-
schäften, zu glich mit einanderen, mehren, und minderen, und kein theill
ohne den anderen nichts hochwichtiges für nehmen solle, so haben doch hernach
die von den Jnneren Roden, als welchen aller gewalt, um der ursach willen
das man alle Lands Gemeinden, Rath und gericht, alleinig bey Jhnen be-
sucht, und sie die fürnehmsten Regiments Persohnen mehr theils dem
gemeinen Mann unter Jhnen zu Appenzell aufschwäzen könten, in Jhre Hand ge-
wachsen, angefangen sich deßselbigen über heben, hinder rücks der außeren -
Roden, auch zu denselbigen zu Nachtheil solche sachen unterstanden, und mit zwang
und bochen, sonderlich ungefährlich, bey dem List verwichenen Ein Hundert Jahren
her, der Christlichen Evangelischen Religion, zu wider angefangen handlen, das
die Aus Roden des Lands Appenzell, oder auch die Evangelischen Jn den Jnneren
Rooden sich nothwendiger weiß erklagen, und verantworthen müsen.
Welche sachen so weit gerathen, das da die zwölf ort Löblicher Eydgnosschaft
Jhre Ehrbare Raths bothschaften von 1524- bis in das 1588- Jahr, under-
schiedelich vor ganzen Lands Gemeinden, im Land gehabt, die Landleuth
um Jhre Streittigkeit gütlich zu verglichen, bey welchen es doch Lenger nicht
verbleiben, den bis in das 1595- und 1596- Jahr, alda die von den Jnneren
Roden, ohne gunst, wüßen und willen, Ja gänzlich zuwider den außeren
Roden, ein bündnus und verEinigung, mit dem König in Jspanya, auf
das herzogthum Mayland Langende gemacht, und aufgericht, welche
[110] 110
[fehlt]
welche Bündnus sie die Jnneren Roden nicht mehr abkünden, oder auf-
sagen, die außeren Roden aber dieselbigen gäntzlich nicht an nehmen wollen,
und diewill nun kein Theill dem anderen wilfahren wollen, ist in folgen-
dem 1597- Jahr das Land Appenzell welches nun mehr, in die Ein Hundert
und acht und achtzig Jahr, unter einer Regierung verwaltet, durch unter-
handlung der verordneten Raths botschaften, in genauen gemeiner Löblichen
Eydgnosschaft, von einanderen gesönderet, und getheilt worden, nachdem nun
aber auß dieser ursach, die Lands Appenzell, nicht allein Jhr eigen
Weltlich Regiment in Jhre Hand gebracht, Gricht und Rath zuhalten, sonder
fürnehmlich, der gros mächtigen beschwärden, als des Lands Friedens, Feyrtage,
neuen Calender, Chor gricht zu Costanz, und viel anderer derglichen
sachen Erlediget, und die Frejheit erlangt, in Jhrem Land das heillig Evange-
lium zu öffnen, Pflantzen und förderen, und wer darwider handlete,
gebührendem Ernst nach abzumahnen, und zu Strafen.
Und als nun hierauf nach dieser beschehenen Regiments Theillung, die
Frommen, Ehrenvesten, fürsichtigen, Ehrsammen, und weisen, herren Landamman,
und Rath, der Außeren Rooden, des Lands Appenzell, mit getreuer
hielf, Jhrer Lieben vorstenderen, und Seelsorgeren, im Land alles
das Jenige angefangen so zubeförderung der Christlich-Evangelischen
Religion gereichen mögen, dargegen allen alten mißbrüchen abzu-
wehren, nach möchlichstem fleiß, so sind doch im ganzen Land, die
größten, und scheinbarlichsten Mängel, und gebrechen befunden worden
in der gemeind oder gegne zum Speicher, welche Leut bisher, in
die Statt St. Gallen, Pfarr Kinder und Kielchgnösig geweßen, die wil aber etlich
derselben ein fehren weg, ohngefehr zwo stunden wegs, von St. Gallen abgelegen
und der weg nicht allein weit und fehr, sonder die gegne nach darzu so Rauh
das vielmahlen derselbig Weg ganz verschneyt, und verwayt wird, also das
man jhn mit Lieb, schier weder Reithen nach gehen kann, auswelchen, wie auch
aus anderen ungelegenheit mehr erfolget, das die Hren Predigcanten von st. gall.
an denen Enden weder krancke, Preßhafte, Ehlende Menschen, in Jhrem anligen
besuchen, und sie aus Gottes wort Trösten, vielweniger die Jugend im
Gläubigem Gebät, wie in diesem Land gebräuchig verhören, und wo sich Mangel
befundten unter richten wollen, Jndem Sie zum Speicher, nach keine gelegenheit zu
einer Schull gehabt, Jhre Jugend daselbst anzuführen, wann dan auch, so schon
mancher Redlicher Mann mit seinen Kinderen, und gesind, die Predigen
Göttlichs worts, ime seiner ordentlichen Pfarr Kirch geen, auch flißig begehrt
zubesuchen
[111] 111
[fehlt]
zubesuchen, ist es doch mit allein von wegen weite, und böse des wegs,
sonderen auch an viellen orten, um der ursach willen, nicht wohl möglich
gsein, das ein Jeder übel vermögender haußvatter, sich und seine Kinder
nicht bekleiden könten, das sie sich des frosts Schnees erretten mögen,
wie beschwärlich und Trübseelig Es auch gsein, wann man oft wegen
Schnes gröse und bösen weiten wegs, ein Todten Leichnamm etliche Tag
in den Häußeren behalten müsen, ist Liecht zuerachten. Bejnebend
wie so gar unfüglich, die angesetzten Predig Stunden zu St. Gallen
Jhrem vieh gewerb geweßen, so ist auch nebend anderen nicht die geringste
beschwärd und klag, die grausammen schmäch- und Läster wort, so sie auf
Jhrem Kilch Weg, von des Prälaten zu St. Gallen unterthanen, in
selbiger Landschaft über unßere Christliche Evangelische Religion, habend
hören, und Schmertzlich gedulden müsen.
Derowegen in betrachtung, oberzelter und anderer viel wichtiger Ur-
sachen, haben nicht allein die herren häubter des vatterlands, Jhnen zum
Speicher Ernstlich gerathen, und an Sie begehrt, das Sie ein eigne neue Kilchen
bauen, und ein eignen Predigcanten erhalten sollend, darzu sie Jhnen alle
obrigkeitliche Hilf zubewiesen gutwillig anerbotten, sonder grad auch Jhrer
viel zum Speicher sich erklärt neben Jhrer möglichen hilf, mit Leib guth,
Ros und Karen, namhafte geld Steuren zu erlegen, obwohl es anfänglich
auch nicht allen gmeinlich gefallen wollen, und nachdem nun von Jhnen
[AU 111]Ein Gmeind zum Speicher, Jm Hof, gestellet worden, ob sie solches Jhr
vorhaben ins werck zurichten unterstohn wollend oder nit, sind sie von
oberkeits wegen herrn Conrad Zellweger, von Teufen, und Hren Johanes
Schieß, von Herisau, beyd neue und alt Landamman, Jost Jacob Landweibel, und
Herman Zidler, von Herisau, damahlen Landschreiber, wie auch etliche andere
herren mehr, Ernstlich ermahnet worden, solch Christlich werck für die
hand zu nehmen, mit guter vertröstung sie werden von anderen Evangelischen
Stätten und orten her gar gute Steuren, und hilf erlangen, wie den
auch beschehen, und hernach bemeldet wird, so habend hier auf eine ganze
Gemeind mit der mehreren Stimm und hand, angesehen, Gott dem allmächt-
tigen zu Ehren, auch zur beförderung und mehrung seines heilligen worts,
in seinem Nammen diß Christlich werck an die hand zu nehmen,
und zu volführen, zu welchem vorhabenden werck, sie auf den
19. Tag heumonat des 1613- Jahres zum Speicher, abermahlen
zusammen
[112] 112
44
zusammen kommen, zuberathschlagen wie solcher bau am füglichsten für der
hand zunehmen, die werck meister Ernamset, und hat dem nach obgemeldter
Hr. Landamman Zellweger, und Landwaibel Jost Jacob, ein Ermahnung
an sie gethan, sintemahlen ein solcher bau nicht ohne Kosten gemacht werden,
so seye von nöthen, das Sie ein algemeine Steuer, unter einander anlegen,
darzu sie nun gmeinlich gutwillig geweßen, sich mit Leib und guth zu-
dienen erbotten, und hernach folgende Steur Jeder aus eignem guten freyen
willen, ohne genöthiget oder gezwungen zugeben versprochen, den halben
Theill auf sant Lorentzen Tag, des vierzehenden, und den anderen halben-
theil auf Sant Lorentzen Tag, zu Jahr um, im fünfzehenden Jahr zuerlegen.
Namlich und des Ersten hat Haubtmann.
Wälte Rechsteiner, die hofstatt zur Kirchen, Thurn und Kilchhof, oder
Blatz der begräbnus versprochen, auch darauf sein Haus und Stadel, ab dem
Felßen /: da Jezunder die Kilchen staht :/ hinweg geschliesen, und den blatz
auf einer gemeind begehren, zur hofstat bewielliget.
Demnach hat haubtmann Hans Tanner, das Tach auf die Kielchen,
und den Helm des Thurns in seinen Kosten machen laßen, Es seyen
Schindlen, Negel, und Teckerlohn.
Sonsten haben gemeine gemeindsgnosen, wie oben angedeutet, frejwillig
zugeben versprochen, wie hernach folget.
| Haubtmann | Hans Koller | ƒ. 100.- | ||
| Christian Bruderer | 100.– | |||
| Andereas Schitlj | 20.– | |||
| Thoman Lutz | 50.– | |||
| Michael Rechsteiner | 30.– | |||
| Leonhard Lautbacher | 12.– | |||
| Jagly Altherr | 24.– | |||
| Hr. | Jacob Schwendymann | 15.– | ||
| Hans Locher, auf Horüti | 30.– | |||
| Ullrich Lancker | 14.– | |||
| Ully Horütiner | 15.– | |||
| Dietrich Schmidly | 4.– | |||
| Zachrias Krüsy | 1.– | |||
| Hr. | Ully Krüsy | 20.– | ||
| Claus Schmidly | 18.– |
[113] 113
[fehlt]
[Ao. 1613] Steur zur ersten Kirchen im Speicher.
| Entz Horütiner | ƒ. 15.– | |
| Ully Schwendiman | 50 .– | |
| Hans Rechsteiner | 5.– | |
| Conrad Sondereger | 100 .– | |
| Christian Sturtzeneger | 100 .– | |
| H. Heiny Tanners seel. hinderlaßene Witwe Einen 50lb. | 50 .– | |
| brief mit Kreften auf Marttinj im 1613 Jahr | -.– | |
| Hanß Schwendymann | ƒ 16. .– | |
| Jag Schitly | 20 .– | |
| Hans Laubacher | 12 .– | |
| Cunrad Fäst | 30 .– | |
| Ritz Graf | 14 .– | |
| Michael Höhiner | 8 .– | |
| Anderes Graf | 10 .– | |
| Hans Schwendimann, in der Au. | 8 .– | |
| Melchior Graf | 16 .– | |
| Hanß Krüsy | 1 .– | |
| Jag Rüsch | 30 .– | |
| Jag Niderer, hat laßen in seinem guth die Stein zu | –.– .– | |
| den mauren brechen, und nach | 15 .– | |
| Ully Graf | 1 .– | |
| Heny Zürcher | 50 .– | |
| Baschly Rechsteiner | 5 .– | |
| Herman Lancker, Ritzen Sohn | 8 .– | |
| Alt Herman Lancker | 35 .– | |
| Jaag Horütiner | 18 .– | |
| Hanß Sonderer | 10 .– | |
| Gally Zürcher | 4 .– | |
| Michael Schmidly | 50 .– | |
| Thony Graf, einen 60 lb. brief mit kreften auf | – .– | |
| Marttinj im 1612 Jahr | 60 .– | |
| Hanß Koller | 14 .– | |
| Ullerich Lancker | 15 .– | |
| Spamhaus Laubacher | 26 .– |
[114] 114
[fehlt]
| Joseph Graf | ƒ. 15.– | |
| Hanß Horütiner | 6.– | |
| Dryas Lancker | 16.– | |
| Jörg Sondereger | 10.– | |
| Sebastian Altherr, Seckelmr. hernach Landvogt im | –.– | |
| Rinthal, von wegen seines guths zum Speicher | 35.– | |
| Ully Koller | 50.– | |
| Heny Eggers seel. Kind | 10.– | |
| Hans Kellenberger | 6.– | |
| Heny Eugsters, seel.Kind | 8.– | |
| Hanß Altherr | 30.– | |
| Jag Schitlj, Othmars Sohn | 26.– | |
| Michael Kellenberger | 8.– | |
| Debus Hutschwender 50 lb schillig geld, zugeben nach seinem | ||
| Todt Laut eines Zedels | ||
| Gallus Sondereger | ƒ. 8.– | |
| Conrad Egger | 1.– | |
| Heny Egger | 4.– | |
| Heny Sonderer | 24.– | |
| Brosy Bodmers Frau | 5.– | |
| Hans Wirtenberger | 26.– | |
| Hans Würtzer | 20.– | |
| Hans Locher | 4.– | |
| Debus Graf | 10.– | |
| Thony Graf | 10.– | |
| Baschon Tanner | 15.– | |
| Petter Grunholtzer | 12.– | |
| Ully Schmedlj | 8.– | |
| Andereas Laubacher | 14.– | |
| Heny Koller | 40.– | |
| Hans Lancker | 26.– | |
| Conrad Egger | 6.– | |
| Alt Herman Altherr | 20.– | |
| Ully Nisply | 10.– | |
| Jag Kellenberger, der Küfer | 30.– | |
[115] 115
44
| Hans Locher, genant Rosinen Hans | ƒ. 12.– | ||
| Leonhard Krüsy | 4.– | ||
| Michael Eggers seel. Frau | 1.– | ||
| Ully Kern, genannt List | 1.– | ||
| Ully Schwendyman | 1.– | ||
| Hans Tanner, in Rütinen | 30.– | ||
| Ully Urscheler | 1.– | ||
| Hans Schwendymann, am Flecken | 20.– |
Thut also deren zum Speicher selbst willig gegebene Steur, Jsn einer
Suma zum anfang, Ein Tausend, Siben Hundert, Siben und zwanzig
gulden, an gelt, und Einhundert und Sechszig Pfund Pfenig, Schillig
Gelt, ohne die hofstatt und Tach. Dießere hie bemeldte Steuren alle
und Jede hat H. Jacob Schwendymann, auf einer gantzen gemeind begehren hin
Eingezogen, und zu der Kilchen nutz und Frommen, an Schilling geld und haubtgut
an verwendt und gelegt, hierauf habend sich die gemeinds gnosen, gmeinlich
angefangen zu dem bauen Rüsten, Steinbrechen und holz hauen, der maur
Wercks Mr. war Jacob Weyermann, genant Koch von St. Gallen, dem Tägl.
für sein besoldung worden 30 xr., seinem meister Knecht 20 xr. und dem
Pflaster knaben vierzehen Krützer;
der Meister des zimmer wercks, war urban krez von Hundwill,
welchem auch Täglich vor sein belohnung, dreysig Kreutzer, und Jedem
Knecht, achtzehen Krützer bezalt worden;
Die Stein zu gemeltem bau sind die ruchen, in die mauren wie vorgemeldt
in Jag Nideres wayd, am Ebnet, die aber, so man gehauen, in haubtmann
Ully Krüysis guth gebrochen worden, und waren baumeister, diesen bau
zuvolführen haubtmann Jacob Wälty Rechsteiner, und Jacob Rüsch, der bau-
zaller war haubtmann Hans Tanner, auf dem Rüscher. Das erste Fuder Stein
zum Kalch gehörig, hat Jaag Schitlin, Leonharten Sohn geführt;
Also Jst der Erste Stein, in Grund gelegt, am oster Zinstag
den 26 Apprillen deß 1614- Jahrs, Jn diesem währendem bau, ist sonderlich
zumercken, das zum anfang ein Viertel Kernen 11 bazen golten, da man
kurtz hernach 24 batzen dafür bezahlen müsen, auf haben eben in selbiger
Zeit gemeine Kilch gnoßen, zwey sehr schädliche hagel wetter Erleiden müsen,
hernach auf den 9ten Tag Weinmonath, acht Tag vor St. Gallen Tag
deß gemelten vierzehenden Jahrs ist die Erste Predig gehalten worden
durch
[116] 116
45
[AU 112]Durch Herren Johan Jacob Bigell von Zürich decan im Land, und der Zeit Pfarrer
zu Herisau, und ist hier auf, Hr. Johanes Gmünder von Herisau, der erste
Predicant zum Speicher in sein Lehr amt eingetretten, auf gemeltem Tag;
Und diewill nun der Bau für sich selbst nicht allein vil gekostet, dan
mit Erbauung Kilchen, und Thurns samt ab zahlung der Gloggen, ohne die angewend
Hilf des gemeinen Manns, sich auf erlofen hat, drey Tausend zwey hundert gulden,
Sonder die Nothwendigkeit nach darzu erforderet, etwas im vorrath zuhalten,
das man dem Predigcanten, von der Jährlichen abnutzung, seine besoldung geben
könte, so haben sie deßwegen nicht allein meine gnädig und gebietende Herren
und oberen, für sich selbst um ein Steur und Handreichung gebetten, sonder darbey
unterthänig angehalten, man wolle Jhnen bey allen Kilch hörenen des Lands, wie
auch gegen den Evangelischen Stätten und orthen, der Eyd gnosschaft, mit fürbit-
lichem schreiben, und sonsten beförderlich sein, welches sie sich nun gutwillig
angebotten, und haben wohl ermeldte meine gnädige herren Jhnen zum anfang
geben ƒ. 300.- und 100 lb. schilling gelt, samt etlichen Jahren lang dem
Predigcanten Jährlich eine verehrung, an die Pfrund, damit sie desto beser
gelangen mögen, und hat hierauf ein Gmeind zum Speicher, von den orthen
der Eydgnosschaft, Empfangen wie folget:
Herr Burgermeister und Rath der Statd Zürich, haben auf
mundlich anhalten haubtmann Hans Tanners, und Herman Zidlers
damahlen Landschreiber, geben lasen ƒ. 100.-, Jhrer Müntz auf welcher Reis
dem Petter Füsly Gloggen Gieser in Zürich, die Gloggen Jeder Centner
mit ƒ. 40.- bezalt, und in das Land gefertiget worden;
Herr Schultheis und Rath der Statt Bern, auf schriftliches Begehren
ƒ. 100.- Jhrer Müntz, thut gute Müntz ƒ. 87.10. bazen.
Herr Statthalter und Rath zu Glarus ƒ. 100.- Jhrer Müntz.
Herr Burgermeister und Rath der Statt Baßel ƒ. 200.-Jhrer Müntz.
Herr Burgermeister und Rath der Statt Schaffhausen ƒ. 100. guter Müntz.
Herr Burgermeister und Rath der Statt St. Gallen, und gmeine burger
der Statt St. Gallen, haben an einem 50-Pfündigen Zins Brief an
einer gült, so Jährlich ƒ. 8.- Zinß Trägt, und an barem gelt geben laßen
ƒ. 1360.- Juncker Heinrich Schlumpf, daselbst hat verehrt einen
Silbernen Kelch, wie man denselbigen, das heillig Nachtmahl des Herren
aus zutheillen gebraucht,
die Statt Wintterthur hat verehrt ƒ. 26.2 bazen
die von Altetten, im Rinthal ƒ. 25.-
[117] 117
46
Demnach ist Jhnen von den Kilchhörenen, Rooden und gemeinden des Lands
wie auch von sonderbaren Persohnen des Lands guthertziger weis verehrt und
gesteurt worden, wie hernach stat,
| die von Urnäschen | ƒ. 150 | |
| beyde Rooden zu Hundwill | ƒ. 110 | |
| die Kilchhöry, Teufen | ƒ. 110 | |
| die am Kurtzenberg | ƒ. 80.– | |
| die auf der Obereg | ” 10.– | |
| die von Herisau | ” 303.– | |
| die Kilchhöry Trogen | ” 116.– | |
| die in der Grub Ein 50 lb brief | ” -–.– | |
| die an beyden Hirschbergen | ƒ. 30.– | |
| die Kilchhöry auf Gaiß | ” 106.– | |
| Hanß Höhiner | ” 30.– | |
| Jost Jacob Landwaibel | ” 10.– | |
| Othmar Schitlin zu Trogen | ” 15.– |
Also erfindt sich, das Jhnen denen zum Speicher, auserhalb Jhrer Kilch-
höry verehrt und gesteurt worden über die ƒ. 3500.-
Und diewill wie wohl zuerachten, mehr gemelten gemeinen Gmeindsgnosen,
von anfang bis zum End des baus vill ungelegenheit für gefallen, also
das sie hilf Rath, und Zusprechen gemanglet, dan sie alwegen ohne Rath
die obrigkeit nichts wichtiges fürgenohmen, Jnsonders haben sie sich am
meisten Raths erhollet, bey den herren Neu- und Alt Landaman, herren
Conrad Zelweger, und herren Johanes Scheusen, auch Jost Jacob Landweibel,
und Herman Zidler Landschreiber, welche Jhnen nach bestem vermögen
in allen für fallenden sachen gerathen, und ist also dieser bau, in gottes
nammen angefangen, und gantz glücklich vollendet worden. Das sich nun
niemand verletzt, dan allein ein Pflaster bub, welcher aber solches
selbst verwahrloset. Und sintemallen dis ein solches werck welches
nicht allein bey dem Jetztgegenwärtigen, zu hohem danck, deren die
mit wercken, und Worten Rath, Steuer und hilf gethan, in gedäch-
nus bliben, sonderen auf die nachkommenden aufwachsen, und nicht ver-
geßen werden soll, was großer gut thatt, beyde an Seel und Leib,
Jhnen hiemit widerfahren. das
[118] 118
[fehlt]
Das sie nicht allein das heillig Wort Gottes, so Sicher ruhig, zu so guter
gelegenheit und komlicher Zeit, ohne alle gefahr anhörend könen, sonder der
hier oben, vermeldten beschwärden allen entladen worden;
Die will nun wie ob gemeldt, hoch und wohlgedachte, meine Gnädige Hren
und Oberen, Landamann und Rath der außeren Roden, des Lands Appenzel,
wie verstanden, zu diesem Christlichen vorhaben gesteurt, gerathen und
geholfen, auch auß Jhrem hohen habenden obrigkeitlichen gewalt, ohne Jemand
Einred oder fürwenden, die gemelten Kilchen zu bauen verwilliget, und Sie,
wie die anderen so vormals im Land geweßen Priviligiert, und in Jhren
Landlichen Schutz und Schirm angenohmen und Empfangen, so habend deswegen
gmeine Kilch gnosen zum Speicher, nebend unterthäniger dancksagung, die
wohl gemelden herren Landamann u. Rath, mit fleiß und Ernst gebetten und
Erbetten, daß sie des gemeinen Lands eigen secret Jnsigl zur bestättig-
um abgeschreibener dingen offentlich gehenckt an dis Libell, doch Jhnen
und Jhren nachkommenden, in anderweg ohne schaden;
So dan sintemallen wie angezeigt, Ehren gedachte herren, Hr.Conrad
Zellweger, und Hr. Johanes Scheuß, neu und alt Landamann, desgleichen Herman
Zidler Landschreiber, und Jost Jacob, Landwaibel, als damahlen Regierende
Lands amt Leuth; dieser sachen gut wüßen Tragen, auch geholfen und
gerathen, so habend gemeine Kilchgnosen, dieselbige als Jhre günstige herren
und gute Freund zu wahrhaften gezeugen der obgeschreibenen dingen erbätt
das Jhrer, Jeder zu wahrem Urkund sein eigen Jnsigl offentlich gehänck
an dis Libell; doch Jhnen allen, und Jhren Erben, in al anderweg
ohne schaden;
Dattum den lesten Tag Mayen, als man zelt, von der
Gnadenrichen geburth, unßers Lieben Herren und Einigen Erlösers
und Selligmachers Jesu Christe, Ein Tausend Sechshundert und
Fünfzehenden Jahrs;
[AU 113] Herman Zidler, von Herisau
—————
P.S. Jn unserer Speicher Rescammer, Ligt das original, dieses
Libells, hat aber wegen feuchte schaden gelitten, das nicht mehr
volkommen zuleßen ist, dieser Pergementne brief, wird hat
5 Sigl *) haben, und sind etliche Copia, darvon hin und wider
[AU 114](*Land Sigl, Landaman Zellwegers, und Landamann Schießes, Landwaibels, & Landschreibers Z.
[119] 119
49
Verfolgung der Reformirten in Appenzell.
Der HEr. Landamann Conrad Zellweger, so den Speicher Kirchenbau
(laut dem Kirchen Libell) mit gutem Rath beförderet, und eine nicht
geringe ursach darzu geweßen, muß im Speicher gestorben seyn,
laut hiesigem Todten buch, Ao. 1648, d. 15. Wintermonat beerdiget worden
im 89. Jahr seines ruhmvollen alters, Eine Anna Zellwegerin,
hat Ao. 1644, d. 30. Juny, den Hr. haubtmann Hs.Tanner, auf dem
Rüscher, hier, geheurathet, vermuthlich ist sie des Hr. Landamanns
Tochter oder nahe anverwandte geweßen. Er war zu Appenzell
gebohren Ao. 1559, und 1588 bey der Religions verfolgung, da
die Reformierten in Appenzell viel erdulten und außstehend müsen,
ist Er mit andern standhaften bekenner des Evangely d 1. May *)
von auß Rood mit vielen Roß und Wagen abgehollet worden, und
[AU 115]auf Herisau zogen. Ao. 1604 wurde er zum Landweibel erwehlt u.
[1613] zum Regierenden Landamman und ist auf den hof Gällern, in Tüfen
zogen, wo er sein hohes wichtiges amt 29 Jahr lang mit viel Lob
und ruhm verwaltet, deme sein Sohn Hans Zellweger, gewesner
Lands bauHr. Succediert Ao. 1642, aber nur bis 1646 Landamman
gebleiben, das sein Hr. vatter bey verlegnen umständen zu ihme
gesagt habe. O! Mein Sohn, köntest du mir geben dein hiz, wie
wolt ich gern dir darvor geben mein Wiz. Sein B! gros Sohn
[1680] Conrad Zellweger, wurde alß Landvogt in das Rheinthall erwehlt, &
[1683] zum Landamman, wird von Trogen geschreiben, stammte aber von Teufen,
gebohren Ao. 1631 (die Catholischen in auß Rooden mußten nach Jnn Roden.
auch ziehen.)
—————
[1588] *) D. Reformierte von Appenzell außzogen und vertreiben worden, namentl.
Paulus Gartenhauser, auf Gaiß gezogen, u. hernach in V.R.
[1597] zum Landamann erwehlt worden, und bis 1613 ruhmlich Regiert, und
mit obigem Conrad Zellweger ist auch seyn Sohn Hs. Zellweger kommen.
Deßgleichen Sabastian Heß, der Landschreiber gewesen, zugleich auch
Hs. Höhener, mit 2 Söhnen, Hans und Diacris.
Jtem Conrad Gruber u. sein Sohn Hans, Wolfgang Keller und
sein Sohn haubtmann Lienhart Keller, Daniel Fuster,
Joachim Töbely, Bartly und Joachly Scheuß,
Herman Zidler der das Landweibel u. Landschreiber ampt nach
einander vertreten, u. sich von der Evangelischen Religion nicht wolte
abwendig machen laßen, fiel in eine 6 wöchige schwäre Krankheit,
man drohete Jhne zu verbrennen, und alles Leid ihm u. den seinigen gethan
und
[120] 120
49
Reformirten von Appenzell ziehen auf aus Rooden.
[Ao. 1588] und mußte nicht nur auf seinem Todbeth viel schmäh- und Lästerliche
wort hören, sondern da er am ostern montag sel. verstorben, wolten
die Papisten von anfang nicht gestatten, Jhne in Kirchhof zubegraben,
sondern als ein Kätzer unter den Galgen zulegen*) Endlich auf
Jnständiges anhalten nach ein plaz an der Kilchhof Maur bewilli-
get worden. Deßen Frau u. Kinder, Hermann und Mareya, sind
auf Herisau zogen, nebst anderen Evangelischen Lands Kinder. Aber
welche Eltern nicht uralte Landleut, sondern zugezogne waren,
mußten gar auß dem Land ziehen & als Reformirte verwisen worden.
Paulus Jacob, der ein hochverständiger Mann, in der Jtalie-
änischen & französischen Sprach u. in der handelschaft wohl erfahren,
und das Seckelmeister amt des Lands 12 Jahr lang Lobel. verwaltet hat,
auch ein Eifriger herr in der Evangelischen Religion war, (deßen vatter auch
Jost Jacob auch wegen der Evangl. Religion von Schweiz in dieses Land
gezogen war) zog von Appenzell auf Herisau, nach möchte das nicht helfen,
sondern mußte auß dem Land auf St. Gallen mit seiner haußhaltung
sich begeben, da in Auß Rooden dieses wegen zugezognen Eltern aufgehebt,
zog er von St. Gallen wieder in das Appenzellerland auf Gaiß, allda
hat er ein schön Hauß gebauen, und sein Leben über 90 Jahr gebracht.
Er hinterlies 3 Söhne Paulus, Anthon, und Jost war 17 Jahr in V.R.
Landweibel und sein Johanes Jacob, 47 Jahr lang Landweibel gewesen.
–––––––––
*) der Religions Eyfer bey den römisch Catholischen in Jnnroden war so groß,
die Reformirten zuverfolgen, das sie die unChristlichen mitel ergriffen, wer
sich ihrer Religion nicht wolte unterwerfen, und vor ihrem Tödlichen hinscheid
nicht Bichten, soll der allgemeinen begräbnus der Gemeind beraubet seyn,
und bey den übelthäter begraben werden, welches die verfolgten Refor-
mierten vertreiben hat, in Außrooden zuziehen sich entschloßen, ob schon sie
ihre häußer und Güter um ein Spot geld verkaufen mußten, andere aber
sind wieder Catholisch worden, darunter Landamann Bodmer, auch einer war,
der sein amt der Religion vorzog, und wer nicht gebiechtet befohlen unter
den Galgen zu begraben, er aber selbst wurde vom Tod ungebiechtet
durch einen Schlagflus überfallen da er unter seiner haus thür gestanden.
Über diese unruhigen zeiten Trauten Jnn- und außer Rooden einander
nicht mehr, eß wurde in Appenzell Sturm gelaüt, da ein falsches gerücht
ergangen sie werden von Außrooder überfallen, die Gaißer mahnten die
Trogner zur hielf, das auch Sturm gelaüt worden, und Trogen, Speicher,
Rehetobel, Teufen u. zogen mit Wehr und Waffen bis auf Weißegg,
und stuhnden da lang in Schlacht ordnung bis beruhender bericht von Appenzell kommen.
[121] 121
50
Jn der Bibel befinden sich 31’173 verse, 773’692 Wörter, und
3 Millionen 566’480 buchstaben, der name Jehova komt in der
Bibel 6’855 und das Wort und 46’227 mal vor, das mittelste
Capitel in der bibel ist der 117. Psalm, und der mittelste vers
in der bibel, der 8. vers des 101. Psalms.
Zu diesem abzellen hat ein Einwohner von Neuyork 3 Jahr Täglich
8 bis 9 Stunden verwendt. Bibel, vom Preis der geschreibenen siehe pag II hier.
Das urtheil, ob die Reformation ein Glük oder unglük zu nennen sey, [arx]
kann so lange nicht einstimmig außfallen, als es katolicken u. Protestanten geben
wird. Den immer werden die Protestanten dafür halten, das die Reformation
die Christl. Religion von unerträglichen mißbräuchen gesäubert, die wahre
Gottes Verehrung wieder hergestelt, die verdorbenen Sitten verbeßeret, die
gegenwärtige aufklärung herbey geführt, und in Deutschland den Reichsständen
ihre Freyheit erhalten habe. Dahingegen die Katolicken sagen werden:
diese Revolution habe durch die erregten Kriege über mehrere menschen alter
ein namenloßes Elend gebracht, der gang der schon im fünfzehnten Jahrhunderte
begonnenen aufklärung gestelt, in der Religion mit einigem unkraute vielen
guten Waizen ausgerißen, die Grundvesten des glaubens an den Sohn
Gottes untergraben, Deutschland durch zwietracht geschwächt, endlich in den
gegenwärtigen abhängigen zustand versezt, und die Eydgnoßenschaft
unter sich entzweyet. Arx pag 511. Die Reformation hat beßern unterricht
und aufklärung veranlaßet. [arx 254.]
Von Appenzeller schreibte der
Es war ein Volk das ohne grose bedürfniße sein feld baute, und sich selbst
groß bildete, groß dachte, und gros handelte. B.C.
Vor der Reformation waren Tableter, St. Jörger, Strubenzeller, Witten-
bacher auch auf St. Gallen St. Lorenzen begraben u. Pfarrgnößig, nach
der Reformation 1535. 1546 weiß das Stift für die Kirche sein
Münster, u. die Leichlege zu St. Fiden u. St. Jörgen ihnen an.
[122] 122
50
Beschreibung von der ersten Speicher Kirchen.
[Ao. 1613 d 19. Julj] Speicher Rood wurde zu einer Kirchhöry, durch Vereinigung eines neuen Kirchenbaus.
Nachdeme der Kirchenbau zum Speicher durch die mehrer Hand beschlosen
[AU 116]worden, so heten die unter dem Berg oder Schwendy genant die Kirchen
gerne auf Holderschwendy gehabt, oder hinter dem Bach genant, weil ein groser
theil Einwohner in diesen Gegenden wohnhaft gewesen damahlen, auch die Straß
von außern Gemeinden durch die Aach, über Holderschwendy u. Vögelinsek,
auf Teufen gegangen sey. wie hier pag 201 das mehrere davon zulesen.
Doch wegen mehr Waßer quellen und zammerer Lag vor beser gefunden worden
solche in Hof *) zum Speicher zubauen, wo sie nun stehet die Kirchen.
[AU 117] Diese neue Kirchen war sehr klein nur 66 Schuh lang und 36 schuh breit
außwendig gemeßen. Sie habe einen Ebnen Himmel gehabt mit Däfer u.
auch sehr nidere Kirchen Fenster mit vielen gemahlten Schilten u. Wappen,
(die von Ständen und orten nach damahligem üblichem gebrauch verEhrungen
oder Pressenter waren.) Die haubtleut u. Räth haten im Kor in den
fordersten Stühlen ihre Siz. Und die wenigsten örter sind verkauft worden.
Es war lange keine Porkirchen, weil nur circa 600 bis 700 Einwohner
waren, die Kirchen Steur von Gemeindsgnosen & auch außwertige war ƒ. 5227.-
[AU 118]
die Kirchen, thurm, und Gloggen, ohne hofstatt u. Kirchentach koste 3200.-
also ist nach zu erbauung des Pfarrhaußes u. pfrundgeld übrig 2027.-
gebleiben, von dem Pfarrhaus bau kosten findet man nichts verzeichnet.
Der Kirchen thurm war 17 Schuh ins quadrat, und 40 Schuh hochen Maurstok,
ein kleiner Helm, die Gloggen Läden seyen nur Flugläden geweßen, die
Zeittafel nur zahlen an den Maurstok gemahlet. Eine schlichte Kirchen uhr.
[Ao. 1676] ist erst nach eine emporkirchen gemachet worden, vom meister Hs Graf, Schwarz genant,
der kosten war ƒ. 59.15x vermuthlich nur arbeiterlohn geweßen.
Eine alte Linden stuhnd hinter des Hbtm. Kellers haus, vermuthl. sit 1614
welche 1723 umgethan worden, weil die Kirchen vorwerts 16 Schuh Erweitert worden.
[Ao.1684] wurde nach eine Linden gesezt von Jag Altherren, kostete 6 bazen u. ist bis
[Ao. 1807] der stammen 14 schuh dik gewachsen u. 78 Schuh hoch, die schönste Linden weit u. breit
das sie viel Leut Reute, man konte sie aber wegen neuem Kirchenbau nicht stehen
laßen mehr, sie wurde vergantet a f 68.- habe 25 Klafter holz geben.
B! Es war vor zeiten auf vielen Kirchen plätzen in Trogen, Gaiß, Walzenhausen,
Hundweil Linden, vermuthlich zum Schuz der Kirchenfenster gesezt worden.
___________
- ) ob des haubtmann Wälty Rechsteiners guth vor alten zeiten würklich ein Kellhof
oder nur ein hoof gewesen, oder ob die circa 6 alten häuser so vor dem Kirchenbau da
waren nur da gewesen, zusammen ein Hoof genant worden, ist ungewüß wie viel häuser
gewes. dann vor altem die grosen güter meistens höf genenet worden. hier pag 26/40.
[123] 123
52
Vom Kirchen Blatz im Speicher.
[Ao. 1614.] Der erste Kirchen blaz war auch sehr klein, und wird nebst der hof-
statt zum Pfarrhaus, vom Haubtmann Wälty Rechsteiner gegeben worden
seyn. Dieser alte blaz wird von dem Pfarrhaus GartenEgg bis an & hinter
des haubtmann Kellers Haus hindurch gegangen seyn, laut erzehlung von
alten haubtleuten, das keine marchen dort waren *.)
[Ao. 1722] hat bey dem umgang zu Erweiterung der Kirchen, der Conrad Rechsteiner,
u. Hs. Rechsteiners seel. Frau Witwe Barbara Bufin, vom gemeinsamen
Röhrenbrugg boden, ein Jegliches ein Riemen boden zur Erweiterung des
Kirchen platzes verehrt der Kirchhöri. pag 327 hier auch zuleßen ist.
[Ao. 1762] deßgleichen auch Hr. Mathias Schläpfer, der seines bruders Bauren Michlen
haus genant, nebend der Kirchen stehend, vor dem hauß circa 30 oder 18 schuh breit,
der Kirchhöri geben, und nur 6 schuh Feßel platz gegen der Kirchen, u. 12 schuh
vor dem haus vorbehalten, Laut marchen büchly u. Spruch Brief.
[bis Ao. 1734 ca.] war ein Stadel an des alten Meßmers haus gegen Kirchenplatz, wohin da-
mals mr. Hs Krüsy ein Hauß baute vast auf die Mark, das vor diesem
haus nur 22 zoll von der Maur d. Kirchen platz ist, und eine mark am forderen
Egg des haußes laut Marken büchli wie auch eine verschreibung in der Trist-
kammer, das gegen dem Kirchhof nichts darf gelegt oder gebigen werden theils
wegen außsicht vom Pfarrhaus, und anders theils weil alle Zeit auf diesem
platz die Leichen abgeladen, u. von Kärren aufs Todten por gethan worden.
[Ao. 1771] hat Hr. Jacob Schläpfers sel. Fr. Agnes, zu Erweiterung des Gartens unterhalb
des Pfarrhauses ein stuk boden der Kirchhöri geben a f 22.- laut verschreibung.
Deßgleichen die hofstat zum Sprützen haus u. Rathstuben das ƒ. 44 weniger gest [iftet?]
[Ao. 1794] die Fr. haubtm. Keller, zwischen dem Pfarr garten und Fußweg ein Rimly
[AU 119]oder dreyeggli boden der Kirchhöri geben a ƒ. 11 mit dem anhang das die
Gemeind den Fußweg übernehmen u. zu allen zeiten machen müße.
Über alles obige sind die brief oder verschreibungen im Tristchammer buch zulesen.
—————
- ) Es war ein abschlag bey des hbtm. Kellers hinterem Hausegg u. bis dorthin
mußte die Kirchhöri die Straß allein machen folglich so weit ihr boden geht.
[Ao. 1794 ca.] hat der Junge Hr. Docter Keller, einen Misthof hinten an das haus gemacht,
welcher aber also bald von Hr. Vorgesezten weg erkent worden, durch an-
schickung des Regierenden Haubtmans, welchem folge gütig geleistet worden,
weil das haus nicht boden darzu hate.
[124] 124
53
Gottes Acker oder Kirchhof zum Speicher.
[Ao. 1614.] Der erste Kirchhof war auch sehr klein, desnahen man bey Erweiterung der
Kirchen Ao. 1723 denselben auch erweitteren mußte, wegen vermehrung der
Einwohner und zu nahm der Gemeind, der Kirchhof hate gegen dem bogen genant,
ein groses Thor das man mit Roß und Wagen hinein fahren konte, auch nach
erzehlung der alten Leuten in der Pestzeit Ao. 1629- und 1635- die Leichen
da hinein geführt worden seyen, desgleichen auch bau matteriale im nöthigen
fall, u. Ao. 1636 die grose gloken dahin ein geführt worden.
Der hindere Kirchhof hat man niemahl brauchen müßen außert man frömbde
unbekante Personen gestorben sind solche dahin begraben worden.
[Ao. 1771] und 1772 da krankheite und Sterbend eingerißen, wurde der hindere Kirchhof nicht
nur voll, und zu klein, das der Frau Kellers mußte boden abgekauft werden
zur Erweiterung des Kirchhofs, circa 18 Schuh weit gegen bogen a ƒ. 240.-zalt.
[Ao. 1772] welches von E.E. Kirchhöry ist genähmiget worden, und die Kösten sich be-
laufen auf ƒ. 456 mit etws kösten an Kirchenthurm. Hr. Johanes
Baumgartner, hat zur Kirchhof maur die Stein ab dem Ebni geben a ƒ. 40.-
oder das fuder a 6xr brechen laßen. Die Hr. Vorgesezten haben gut gefunden.
[1773] das Thor gegen der Straß zu machen anstat gegen bogen eine Doppelte Thür
geweßen ist.
[Ao. 1807 d.21. Julj] bey erbauung der neuen Kirchen hat man auch gut gefunden den Kirchhof nach
mahl zu Erweitern, und vom Johanes Rechsteiner a f 400 boden darzu
erkauft worden, bym ochsen gatter 23 Schuh abwerts, und bey dem Fußweg
37 Schuh abwert gemeßen, und in der länge schuh mit der abred und
bedingnus das die besizer des guts zu keinen zeiten näher als 12 schuh
gegen Kirchenhof bauen dörfen, damit man im nothfahl auch mit den
feuer Sprützen ohngehindert fahren könne.
Was weiters für Recht wegen Kirchen hof, ist ein Spruch Brief.
[Ao. 1805] mit mr. Hs Conrad Holl ochsenwirth gemacht worden, siehe Tristchammer buch. [104]
[Ao. 1809] bey dem neuen Kirchenbau ist auch etwas Boden mit ihme abgetauschet worden, damit
die Kirchen etwas zuruck gestelt werden könne, worüber auch eine Verschreibung. T.b.
deßgleichen ist auch Kirchhof boden etwas abgedauschet worden, damit die schrege egg-
maur in grede gemacht werden könne & ist von Johanes Rechsteiner 66 quadrat Schu boden
gekauft worden a 1 dubl. und dem mr. hollen geben worden; wil ers nicht anders thun wollen.
[Ao.1809] hat man auch vom Ulrich Schläpfer, hinter des alten Mesmers, ein Riemly Boden
erkauft a ƒ. 22 damit der Fußweg verbreitet u. ein tolgraben gemachet werden könne,
und ist von der Kirchhof maur 6 schuh breit boden der Kirchhöry jezunder u. zu allen zeiten.
[Ao. 1810] Jst von Hr. Hs Ulrich Schläpfer im Zaun a ƒ. 115.- ein Riemen boden erkauft
damit die Straß unter der Kirchen könne verbreitet und überen gelegt werden,
welches wegen den Kirchentriten geschehen müßen und dem fahren.
[125] 125
54
Von den ersten Gloken im Speicher & lesten neuen.
[Ao. 1613] Die große Gloken war 1260 lb. schwär, mit der auf schrift. Latinisch buchstab.
• Er sey Gott in der Höhy, und Fried auf Erden, der Thon sey G nur 1/2 Thönig.
• dem menschen ein wohl gefallen.
[Ao 1613] die zweite Gloggen war 600 lb. schwär ca. und hat die überschrift doppelt.
1.• Christy du König der Ehren, send uns deinen frieden.&. (hab im thon E.)
2.• Auß hiz und feuer bin ich gefloßen, Petter Füßly von Zürich hat mich gegoßen.
[AU 120] die dryte Glogken halte 330 lb. am Gewicht, welche Ao. 1734 versprung.
[AU 121] die vierte kleinste Gloken 110 lb. im Gewicht, welche auch 1736 abgangen ist.
Und damahlen eine neue grose Gloggen angeschafft worden, worvon die
Beschreibung hier Foljo 248 umständlich zuleßen ist, und pag 246.
[Ao. 1736] ist auf die große Gloken folgende aufschrift gemacht worden:
• So bald Du hörst die Gloken Leuten, hab im Thon D.gut.
• zum Gottesdienst thu dich Bereiten.“
[Ao. 1736] Das kleinste auch neu gegoßene Glöckly, hat des Meisters nammen
• „Ulrich und Rudolph Schalch, von Schaffhaußen,
Goßen mich 1736.“ hat am gewicht 431 lb. und im
Thon E stimt oder F.
Ao. 1811 d 8 Aug. sind die 2 alten Gloggen von 1613 auf Constanz geleif-
ret worden zum umgießen, und hat die erstere gewogen 1042 lb. schwär gewicht,
B! das obige 1260 lb. müßen Liechtgewicht gewesen seyn.
Die zweite obige hat gewogen 565 lb. schwär gewicht. war 600 lb. ca. Leichte
das kleinste glögli von 431 lb. hat man nach hier behalten, und die größte
Gloken ist auf Montlingen kommen, und gegen eine verspalte Gloken ver-
tauscht worden, und was unßer mehr wigt müßen die Montlinger geben
p den Centner ƒ 82.- und p Eißenwerck 232 lb. nach gewogen. Xr. Ca. 10 Centner zalt.
Das Joch u. was Eißen daran ist drin gelaßen worden, ist 317 lb.zalt worden p. 247.
[1811] d 12 9bris haben die Montlinger die alte grose Gloken geholt, und die neuen
Glocken sind den 10. 9bris am Sontag zuerst geläutet worden u. Eingeweyt.
[AU 122] die 5 neu gegoßenen Glocken halten am gewicht zusammen 163¾ Centner
die grose wigt 80 Centner 54 lb. , die zweite 41 Centner 66 lb..
Die 3te. do. 23 Centner 22 ½lb., die 4te. - 12 Centner 10 lb. .
Die 5te. do. - 6 Centner 26¼ lb. . Die grose Glocken hat das Speicher-
[AU 123]die 6te. alte do. 4 Centner 31 lb. oben. Wappen, mit der umschrift
„Erster Sieg vor Gott, Freyheit und Vatterland erkämpft im Speicher Ao. 1403.“
___________
[P.S.] Die Steuren so Ao. 1630 und 1635 angelegt worden sind hier pag 170 u. 172
zuersehen, wormit hier hat sollen der anfang gemacht werden. ca.
und dan wurde die anlag von Ao. 1659 darauf folgen.
[126] 126
55
Von den Kirchen Rechnugen Jm Speicher A. 1614.
Copia oder auszug, aus des Haubtmann Tanners Rechenbuch, über die Bauunkösten
der Kirchen zum Speicher, und Lautet der vortrag vom Landschreiber
Herman Zidler also.
• Auf Zinstag den 12t. Julj Ao. 1614, ward von den verordneten
• baumeisteren IJnnemmeren, und ausgeberen, Rechnung geben, vor den frommen
• Ehrenvesten fürsichtigen und Weysen Hr. Conrad Zelweger & Hr. Johanes Scheusen,
• neu- und alt Landammen, und Hermann Zydler, Landschreiber, samt den ver-
• ordneten einer Kirchhöry zum Speicher“/: hieher die Rechnung Specificieren ist zu
• weitläufig, doch ist merckwürdig das vom grosen Rath darzu abgeordnet worden
• wie an einen anderen ort wider also Lautet:/
[AU 124]• Auf Montag den 21. Novembers Ao. 1614, ward zum Speicher, die
• erste Kilchen Rechnung gehalten, in beyseyn der herren so von einem
• grosen Rath. und der Kirchhöry zum Speicher darzu verordnet./.
• Hr. Landamann Zelweger soll nach bey Rechnung ƒ. 20. 3 kr. & e.
[B!] -anmerckung, ohne Zweifel werden Deputierte vom grosen Rath den ersten Kirchen
Rechnung hier beygewohnt haben, wil /: wie das Kirchen Libel andeuttet:/ damals
—————
Die obrigkeit eine verehrung an das Pfrundgeld gemachet alle Jahr.
[Ao. 1647]• Jst Kirchen Rechnung, (im Speicher) gehalten worden, von
• Haubtmann Hs Tanner, hbtm. J.b. Schwendiman, hbtm Andereas Schittli,
• Ulyi Koller, Michel Schmidli, Ully Rüsch, und Jacob Schwendiman“
B! die rechnung aber nicht aufgezeichnet damahls nach.
[Ao. 1658]• ward Kirchen Rechnung gehalten, und von denen Rechnung Herren
• rathsam erfunden, das man einer jedwederen schuld ihr eigen blat
• zueigne, gut richtigkeit, und ordnung zuerhalten (sind keine specificat.
[Ano 1659]• demnach in den vergangenen Jahren, wegen augenscheinlichem Mangels
[AU 125]• des Kirchen guts, die gemeinen gebäud, als Kirchen und Pfarhauß,
• ins abnehmen gerathen, als habend die herren haubtl. und Räth im
• Speicher gut befunden, das wil zu dießer Zeit eine zimliche Steuer
• angelegt, und dem Mangel begegnet worden, man wie in
• anderen Kirchörinen bräüchig, einen baumeister (wil etwas Zeit
• gar keiner gesezt gewesen) verordne alles zurüste und beßeren lase
• und dann alle Jahr, die unkösten wegen des Verbauens, und gemeiner
• beschwärden ordentlich aufgezeichnet werden, wie den umstendlich
• in den folgenden Jahren zuvernehmmen sein wird, und ist
[Ao. 1659] d 11. Wintermonat, ist Kirchen rechnung im Speicher gehalten worden
• von haubtm. Michel Schmidli, Ully Rüsch, und Hanß Rechsteiner,
• in gegenwart des Predigcanten, und ward verhandlet wie folget
[AU 126]Erstlich ward erfunden an schilling geld. 2750 lb.
an geld ward gerechnet ƒ. 2167.20 xr.
[127] 127
56
Die Ersten Kirchen Rechnungen im Speicher.
[AU 127] Extract aus des alten Haubtman Hanß Rechsteiners buch die
Specificierten Ein nahmen, und Ausgaben der Kirchen
| [Ano 1659 Ausgab.] | Ao. 1660 | kr | ||||||||
| dem Pfarrer wegen der Kilchen | dem Glaser gehn | 36 | ||||||||
| Rechnung gehn | 30 kr | dem Herren wie er von haus gegangen ist | 40 | |||||||
| Michael Schmidli wegen do. | 30 kr | dem do. wegen der Kirchen Rechnung gehn | 30 | |||||||
| dem H Uly Koller wegen do. | 30 kr | dem Michael Schmidli wegen do. | -30 | |||||||
| dem Ully Rüschen wegen do. | 30 kr | dem Ully Rüschen wegen | do. | 30 | ||||||
| dem Hanß Rechsteiner weg do. | 30 kr | dem Hs Rechsteiner do. | do. | 30 | ||||||
| dem Ully Koller weg do. | 30 kr | dem Mesmer wegen | do. | 24 | ||||||
| dem Mesmer. do. | 24 kr | Adam Koller wegen der | do. | 24 | ||||||
| dem Gabriel Altherren von | ||||||||||
| wegen des wasers | ƒ 1 24 kr | Christen Bruderer wegen | do. | 24 | ||||||
| um ein glogen sal geben | 51 kr | Ully Koller wegen do. | 24 | |||||||
| dem Mesmer gehn | ƒ 2 | Jag Schieß wegen do. | ƒ 1 12 | |||||||
| dem Herren do. | ƒ 16.30 kr | dem Michel Schmidli wie er von hauß zu hauß | ||||||||
| gegangen ist & wegen der Waffenschau | ƒ 1 | |||||||||
| wie er dem ofner gehn hat | ||||||||||
| dem Hanß Koller gehn | ƒ 6 | dem Ully Rüschen wegen der Wafenschau | 30 | |||||||
| von wegen er baumeister gesein ist | dem Hs Altherr | do. | 30 | |||||||
| dem Decker gehn | ƒ. 6 | dem Hs Locher | do. | 30 | ||||||
| dem Hs Altherren in Lorenzen | dem Michel Schmidli, wegen Stür anlegen | 24 | ||||||||
| haus gehn, verziert | 22 kr | dem Thoman Schittlj | do. | 24 | ||||||
| [AU 128] dem Hans Bruderer wie er den | Hs Altherr | do. | 24 | |||||||
| Herr Spiller geholt gehn | ƒ. 5 | dem Hs Bruderer | do. | 24 | ||||||
| dem Herr Spiller gehn | ƒ. 27.24 kr | dem Hs Rechsteiner | do. | 24 | ||||||
| dem Hr dem Kappitel gehn | ƒ. 1 | dem Hs Eugster | do. | 24 | ||||||
| dem Meßmer gehn | 30 kr | dem Marty Fäs | do. | 24 | ||||||
| dem Segen Filler gehn | 6 kr | Hs Graf | do. | 24 | ||||||
| dem Hs Altherren gehn | ƒ. 10.21 kr | Ully Knechtli | do. | 24 | ||||||
| Thonnr Frener | do. | 24 | ||||||||
| wie er Baumeister gesin ist | Deias Koller | do. | 24 | |||||||
| dem Herren Armen Leuten geld | 58 kr | Conrad Grunholtzer | do. | 24 | ||||||
| dem Ully Krüsi armen L. do. | ƒ. 2.45 kr | dem man auf Gais auf die Stür erlät | 12 | |||||||
| dem Hs. Altherren, von wegen wie er baumr. | ||||||||||
| gsein ist man Jhm schuldig bliben. ƒ.19 | 27 | |||||||||
| [Ao. 1659 d 12 Jener] Einnahm | dem Hren von Jacob Schwendym. weg ƒ. 1 | 36 | ||||||||
| auß dem armen Leuten Stock | ƒ. 3 43 kr | die Kirchhöry dem do. schuldig das er im holz gsyn | ||||||||
| von der ersten Stür empfangen | ƒ. 3 27 kr | ins Hren haus glaßet | 15 | |||||||
| von Hs Rechsteiners Stul in d Kirch | ƒ. 2 | dem Hr. wegen eines bsonderbaren Capit | ƒ 2 | |||||||
| von Ully Krüsy | ƒ 1.30 | |||||||||
| von Leutenant Zürcher | ƒ.30 | dem Hr Landamen 1 ducaten | ƒ. 4 | |||||||
| Conrad Honegger | ƒ.30 | dem armmen Mann von Herisau auf die Stür | 28 | |||||||
| und Hs Bruderer gehn an Zins | dem Rüdy Sturtzeneger gehn | ƒ.48 | ||||||||
| wegen Hs Hohrüteners Zetel | ||||||||||
| die Kirchhöry dem Hs Rechsteiner | dem Segen Filler | 6 | ||||||||
| schuldig bliben | ƒ. 43 19 kr |
[128] 128
56
Die Ersten Kirchen Rechnugen im Speicher
[Ao. 1659 d 11. 8bris] ist verrechnet worden dem Meßmer das er verzehrt da er den alten
| Hr. Pfarrer Spiller geholet und wider heim begleitet für | ƒ. 7. 16 kr | ||
| Er hat 17. Tag geforderet das er auf dem Weg geweßen 15 kr | ƒ. 4. 15 kr | ||
| mehr hat er für das verfloßene Jahr Meßmerlohn empfangen | ƒ. 9. 8 kr | ||
| Hans Rechsteiner, Verordneter außzahler verrechnet (nebendstehend) | ƒ. 27. 24 kr | ||
| das er dem Hr. Pfarrer Spiller, von der gemeind wegen zur | |||
| belohnung verehrt worden (das solcher hieher kommen müßen.) | |||
| dem Hs. Rechsteiner, ist man über das nach schuldig | ƒ. 43. 19 kr | ||
| dem Hs Altherr, Baumeister, verrechnet für bauen | ƒ. 5. 4 kr | ||
| mehr das Hr. Pfr. Spiller bey ihme verzehrt (im Herbrig) | ƒ. 4. 24 kr | ||
| in allem ist man ihme nach schuldig ƒ. 24.23 kr daran ist die | |||
| *)hofstat hinterem hauß abgerechnet worden ƒ. 6— bleibt hiemit nach | ƒ. 18. 23 kr |
anmerckung. *)der Hs Altherr, hate das Wirthshaus der herbrig, dahero
genant, eß war ein altes groses hauß mit einem langen Tach u. Trink Laube.
Er kaufte vom Kirchhöri maaß boden, eine hofstatt hinder dem gedachten
Herbrig, und stoßte das alte haus dahin, und baute ein neues herberg oder
Wirthshaus, auf dem Herberig, (oder Hirschen genant hernach,) diser wider zu klein
Ao. 1706, diesere Herberg, wider weggestosen, und nach ein gröseres Becken- und
Wirths Haus dahin gebauen worden, von Häny Rechsteiner, u. Tochterm. Ringeisen:
[B!] diese obige a ƒ. 6. erkaufte hofstat, wurde Ao. 1805 circa ƒ. 1600 gerechnet oder kostet
so viel, nach deme das alte haus abgebrochen worden; u. in die Weißen hin unter gesezt.
[Ao. 1660] haben widerum die Kirchen Rechnung gehalten hier, und folgendes verzeichnet im Kirchenbuch.
Haubtmann Michel Schmidly, Ully Rüsch, und Hs. Rechsteiner, in gegenwart des Pfarrers,
und hat man bezalt an die Rechnungsherrn, Waffenschauer, u. Steur anleger ƒ. 7. 7 kr
auch hat man nebst anderem bezalt den Küfer Hs Kellenberger, um — —
neu Gschirr ƒ. 1.12 kr, und für Roßlohn dem Pfr. Spiller, 6 Tag, für Satel ƒ. 3.12 xr zusammen
und gschirr ƒ. 2. — (also des Tags 20 xr Roßlohn nur.)
Ully Bruderer auf Vögelis Ek auch wegen Roßlohn dem hr. Pfr. Spiller ƒ. 1. 36 kr
[129] 129
57
Gräntzen der Gemeind Speicher gegen Gottshaus St. Gallen.
[Ao. 1458] Nach erlangter Freyheit u. unabhängigkeit vom Abt oder Fürst St. Gallen,
ist von denen Eydgnoßen die erste Landscheidung gesprochen worden wie hier pag. 359
der Spruch und Marchen brief zuleßen, was Speicher betreffend also lautend.
auß Steinegg auf Vögelinsegg, von Vögelisegg ob Loch dem hof durch
das holz, und durch das holz nider zwischen Weyeren und Hochrüthy
in Martis Tobel“. Ao. 1459 kam der Marken Streit in Bewegung.
[AU 129] Walsers Appenzeller Chronick meldet folgendes hierüber pag. 319.
Der marcken Streit mit dem Gottshaus St. Gallen wolte sich, ungeacht des 1458
ergangenen Spruchs nach nicht sezen, und der Pfleger Ulrich sprach immer mehr Land an
als die Appenzeller ihme zugeben wollen; besonders auf der Egg und in Steinegg
im Speicher, daher mußten die Abgesandten der Sieben orten Zürich, Lucern, Ury,
Schweiz, Unterwalden, Zug, und Glarus, neuerdingen ins Land kommen, auf den
augenschein tretten u. etliche Eydliche Kundschaften verhören. Der Pfleger konte
mit seinen vorstellungen, bey denen Gesandten, soviel außrichten, das man
die mark um seiner hölzern wegen die er dieser Ende hate sonderlich in der
Steinegg, weit beser hinauf, gegen dem Appenzeller- Land zu gesetzet hat,
als sie nach dem vorigen Spruch gezeichnet worden. Der Spruch geschahe zu
großem nachtheil der Appenzellern und ward ein neuer marken- brief
aufgerichtet über dem sich die Appenzeller heftig beschwärten, das ihnen
hiedurch zuviel Land entrisen worden, so vormahl in ihre Grentzen ge
hört hatte, allein sie mußten sich gedulden, u. der Spruch ward anno
[1460] Freytag nach St. Urbans- Tag besiegelt, u. Lautet durch Speicher also die Lezy,
Soll seyn und gahn über und durch alle höhi hin in Steinegg,
[AU 130]und da dannen von der Höhi nider auf Vögelisegg, zu den
häußer als sy Jezt Stond denen von Appenzell zugehören sollend,
und fürbas von Fäglisegg ob Loch durch das Holz zwüschend
denen höfen Weyer und Hochrüti, und unten an dem Holtz das
ob Weyer lit, nider in Bernhartz bach“.
B! dieser Rechtspruch ist bey allen nachher gemachten marken verschreibungen vor-
behalten worden, und die neuen marken brief nur als erläuterungen gemacht.
[1652] Die 13te mark soll gehen, von Geisersegg über alle hohi, durch den Steinegger-
[AU 131]wald dem grath und Schneeschmelzenen nach, und wo es die breite hat soll es
miten hindurch gehen bis naher Vögelisegg, alda eine Steinerne mark mit
beider obrigkeiten wappen in gehauen und die Vierzehende ist gesezt worden
[AU 132]nächst bey der Landstras in einer Wayd*) von dieser soll eß grede u.- richtig
durch nider gehen in eine andere die Fünfzehende march mit einem schregen
grath in der Wayd genant Buchholz ob der Landstras die dan von Altstetten
naher St. Gallen geht“ das weitere ist im marken brief pag 362 hier zulesen.
[130] 130
58
Ekers Ried, Rehetobel, Trogen, Bühler, und Teufen.
[Ao. 1726 bis 28.] Jst eine haubtmarken beschreib - abmeßung der Landmarchen vorgenommen worden
von beiderseits obrigkeiten, und eine neue Mark in die Steinegg zusezen für sehr
nothwendig um beßerer richtigkeit willen angesehen worden, und also beschreiben worden.
die 13te March gehet vom Geißers berg 500 Stangen gegen morgen über
alle Höhy durch den Steinegger Wald dem grath und Schneeschmelzi nach, bis
in die breite, in ein Mark 1 bären und litt A SG; und 1 Bären
VR Ao. 1728“ (B! diese March hab 1731 sollen gesezt werden, ist aber wider
unterbliben; vermuthl. wegen unruh u. Veränderung der
obrigkeit in VR oder was die ursach gewesen ist.“ [Landhandel]
die Beschreibung der neuen Mark zeiget deutlich das wo in der Steinegg der
grath am breitesten ist, solte ab kehren nach Vögelisegg u. lautet ferners
[1726]• von dieser gehet eß miten - oder grädigs hindurch bis naher Vögelisegg alda auch
• eine Steinerne March die 14te mit 1 bären und Litt. SG, und 2 Bären
• mit Litt VR Ao. 1726 gesezt worden nächst bey der Landstras in einer
• Wayd.“ (B! eß ist also eine dreyeggige Mark gewesen & 2 seiten VR)
[1747] ist diese Mark wieder neu gesezt worden aber eine Viereggithe welche
nicht nach der Steinegg zeigte sonder einen graden grath oben hate, welche aber mit
groser prottestation gleichwohl gesezt worden, u. geheisen habe die Marchen
brief gelten bis in die 1780r Jahr da die Hr. Aman diese zeigung des graths
gegen Horst auslegen wollen, und immer mehr boden u. Waldung eingeschreiben
alß Ehrschäzig u. Fürstl. Terjtori, deßwegen Ao. 1787, d 1. Junj beder-
seits obrigkeiten den augenschein eingenommen u. Ao. 1797 d 1. Junj endlich
eine neue Landmark dahin gesezt worden mit einem Winckelgrath der
wieder in Steinegg zeigte, hin gegen wo die abkehrung in Steingegg gelte
auf der höhi Steinegg oder darunter in der breite des graths, das bleibte
wider ganz unentscheiden bym alten, weil von Fürstl. seiten es dem
hintern Ebni und Horst zu beser gefalte, wie sie eine neue Landkarten verferti-
gen haben laßen und von unserm Land nicht kan zugegeben werden also.
[AU 133] Die Gemeinds scheidung gegen Trogen, ist der Unterbach von Bräten Ebnet her Brändly- und im Segly.
Kastenloch bach, die G. Aach gegen Rehetobel und Eggersriedt, (& Mebbenegg sind Speicher Güter zuerst)
Terjtorj, die alte Rood Speicher gieng weiter gegen Teufen, weil Rothen oder Roten
genant, sich vom Speicher abgezogen, desgleichen Ao. 1678 wieder einiche höf u.
haußhaltungen sich zu Teufen geschlagen wegen der Kirchensteuer, welches
Streit zwischen Teufen und Speicher absezte, und die gemeindsscheidung erst
wie folget gesprochen worden. „ die scheidung u. der ziech beider Gemeinden
Teufen u. Speicher, soll anheben zwüschen beden Streit Eggen auf der höhi, dem hag nach
hinab, Richtigs hin überen zwüschend Sonhalden und Dieterschwendy hindurch auf die höhi,
u. von dannen hinab zwüschend dem Almenweg u. Buchschwendy, richtigs hin durch in
Steinegg an der Landleuten Lezy.“ Actum d 29. April 1678.
[131] 131
59
Meßmer und Todtengräber im Speicher.
Ao. 1614 Der erste Meßmer war
Ao. 1629 zu der Pestzeit oder Scheuhet genant, mögen mehr als ein Mesmer gewesen seyn.
Ao. 1630 J Hans Krüsy. Jahr Mesmer gewesen, u. Starb Ao. 164
In 1640 J. Herach Hochrüthner, Mesmer war lange Zeit Elend, Starb Ao. 1647, 15. Jener J.
1647 Hanß Bruderer, Meßmer, Starb Ao. 16
1660 Sara Hans genant, mag viellicht der gleiche gewesen seyn.
In 1690. J. mr.Elias Mesmer, gestorben Ao. 1
Ca. 1700 Ully Altherr, alt Bühle genant, bleibte nur 2 Jahr Mesmer. Starb Ao. 1737
74 Jahr alt.
Ca. 1708 Lierdt Bruderer, Meßmer. Jahr lang, Starb Ao. 17
1721 Christen Bruderer, 24 Jahr lang Meßmer Starb 1745, 26. Febr. 53 Jahr alt.
1745 Theias Rechsteiner, Schulmeister, schnel gestorben 1747, 21 7bris 66 Jahr alt. 2 Jahr.
1747 Ully Hochrüter (Kolly genant) Mesmer gestorben 1753, 18. Julj 67 Jahr alt. 6 Jahr
1753 Jacob Bruderer, Christens oder des alten Meßmers Sohn, ist auß Erbarmen
angenommen, weil er von Seeräuber gefangen worden & alß Sclaff in Algier
Jahr geweßen und endlich entkommen können, aber Elend nach haus gekommen.
Er starb Ao. 1755 d 10. 9br. 39¼ Jahr alt gewesen, nur 2 Jahr Meßmer.
1755 Johanes Schmidly, Meßmer 34½ Jahr lang, Starb 1790, 16. Apr. 66 Jahr. A.
1790 Johanes Kellenberger, Hänys im Gern ist) hat 2600 Leichen begraben. d. Schmidly
erst an der Martini Kirchhöry erwehlt worden.)
Er starb 1814, d. 11. hornung, 59¼ Jahr alt, und hat 1900 Todte beerdiget, und
1941 Kindern das Taufwaßer zugedient, auch 70 hohe fest die Kelch eingeschenckt.
1814 der Sohn Hs. Heinrich Kellenberger zum Meßmer u. Todten gräber angenommen w.
Ao. 1614 oder nach dem Kirchenbau, hate ein Mesmer Wartgeld Jährlich ƒ. 9.- ca. hernach
bis Ao. 1670 ist solches bis auf ƒ. 15 gesteigert worden, zudeme nach ƒ. 2 Trinckgeld und
ƒ. 1.- das ein Meßmer muß in Mannen stühlen sitzen u. acht haben zu hunden.
1760r J. Jtem fürben die Kirchen ƒ. 2.24 Schnee schoren ƒ. 1.-, p mähly 30 xr an der Kirchen Rechg
Ao. 1787 ist das Wartgeld auf ƒ. 20 gesezt worden, welche p haus Zins gerechnet werden.
Ao. 1798 widerum erhöcht worden ƒ. 10 hiemit ƒ. 30.- Ao. 1791 Meßers Hauß erkauft a ƒ. 500.
Ao. 1802 hat Johanes Sonderegger ƒ. 100 vermacht zur verbeßerung des Meßmerlohns ƒ. 4 ½ Zins
der nun auf ƒ. 34½ gesteigen Jährlich u. dann alle Fest den übrigen nachtmahl
Wein, wann eine Kanten angezehrt ist, kann der Mesmer den Wein behalten.
Wegem Meßmer haus ist vorbehalten worden, das keine gehäusig darin dörfen
genommen werden ohne bewilligung der Hr. Vorgesezten, auch das ein Jewilliger
Meßmer ein Kämmerlein Müße parat halten auf nöthigen Fall der armen oder kranken.
Ao. 1682 ist dem Mesmer um ein Mantel zalt worden ƒ. 5 von der Kirchhöry.
Ao. 1790 ist dem Meßmer der alt Rathsherr Mantel vom Rathhaus geben worden.
und eine Meßmer ordnung von Hr. Pfarrer Schlang [UE 16] aufgesezt worden.
wie eine Copia darvon pag 235 hierin zulesen ist & 1816 das Wartgeld ƒ. 50.-
Ao. 1811 Jst das Wartgeld mit Sondereggers Zins, auf ƒ. 40.- gesezt worden.
[132] 132
60
Von alten vermuthlich nach heydnischen Grabstätt zum Sp.
[Ao.1808] Alß man zur neuen Kirchen im Speicher den grund außgegraben, fand man 4 bis ca.
5 schuh tief unter der Straß (die schon seit dem ersten Kirchenbau mag da gewesen
seyn) etliche circa 6 schuh lange und 1½ schuh breite gräber in nagel Felßen gehauen,
welches vermuthen laßt das eß grabmahl oder grabstätte da wohnender *)
Heyden möchten geweßen seyn, und wann man weiters häte können nachgraben
ohne zweifel mehrere zum vorschein kommen wären, dann wann die Einwohner
vom damahligen Speicher allem anschein nach auf Arbon Pfarrgnösig gewesen,
so werden zweifelsohne keine Leichen so weit geführt worden seyn, und kein alter
Kirchhof von unseren VorEltern ist sonst bekant als in St. Gallen auf dem
[AU 134] Schmalz markt bey St. Lorentzen, *) wie nach zu den zeiten der Heyden, dero gebrauch
auch war das sie ihre gräber in Felßen gehauen haben. §
Deßgleichen wurden am gleichen orte auch alten ofenzeug gefunden.
Grüne und gelbe ofen kachlen mit schönen alten Figuren und bilder,
welche auch vermuthen laßen das solche vom alten Speicher überbleibsel
sind, der abgebrochen oder mag verstöhrt worden seyn da.
Hr. Pfarrer Zuberbühler hat deßwegen auch eine anmerckung in Thurmknopf gemacht.
§ am glaubwürdigsten ist das da hier vor altem ein Kellhof geweßen, wie
hier pag 26/27 darvon zuleßen, da bey solchen Kellhöfen als dem mittel-
punckt, ein Schopf gewesen mit einem altar, an stat einer Kirchen, dahin
die zu diesem Hoof gehörigen Persohnen auch werden begraben worden
seyn, dann der namen der häußer um die Kirchen, war im hof ge-
nant von alten Leuten, und in zedlen, bis in die 760r Jahr, entstuhnd
der nammen im Dorf, oder in der Feuerschau da solches stark ange-
wachsen und außgebreitet worden.
—————
Vom Synodo mit St. Gallen Stadt.
[Ao. 1530] haben die auß Roodischen Prediger dem Synodo in St. Gallen beygewohnt,
und die gleichförmigkeit in Haltung des heilligen nachtmahls, Kirchen-
banns, Kinder taufs beschworen & Ao. 1590 den ersten Synodo gehalt.
[Ao. 1600] Jn Außrooden ein eigen Ehegericht angeordnet worden.
[Ao. 1602] den ersten Synodo in Herisau gehalten worden von samtlichen geistl.
[Ao. 1578] die Wochen Predigen in auß Rooden angeordnet worden.
[# Ao. 1757] Jst mit der Stadt St. Gallen, der gemeinsame Synodo aufgehebt worden.
[Ao. 1615] hat man angefangen die auffart zufeyren, u. gottes dienst zuhalten an diesem Tag.
[Ao. 1673] Jst man am Pfingstmontag das erste mahl zum heill. Abendmahl gegangen.
[Ao. 1741] Jst der hohe donnerstag zu einem ganzen Feyrtag angeordnet worden.
[Ao. 1745] Wurde der Bättag auf obrigkeitlichen befehl angestelt am donnerstag.
[#Ao. 1797] Wurde der Bättag auf den Sontag gesezt, wegen Cathol. die in versprachen mit
zufeyern, welches aber vielen Leüten sehr mißfällig geweßen.
[133] 133
61
Von Pfarrer und Seelsorgeren Jm Speicher.
[AU 135] Die beschreibung darvon, ist im hiesigem Taufbuch wie folget.
Von ersten Pfarrer, die anmerkungen auß andern Schriften beygefügt.
Richtige verzeichnus aller Prediger, und Seelsorger
der gemeind zum Speicher, V.R. des Lands Appenzell.
Tex bey der
Johanes Gmünder, von Herisau, diente dieser gemeind, mit verkündigung
[AU 136] Gottes worts, vom 9. 8br Ao. 1614 bis Ao. 1621, also 7 Jahr, und wurde auf
Hundwill voziert. von hier weg, Ao. 1630 auf Herisau, &1636 zum Decan erwehlt worden.
[AU 137] Seine Frau war Barbara Köchin #. (die obrigkeit hat auf etliche Jahr versprochen wegen
welchen kleinem Pfrund geld ist laut Bibel, eine Jährl. verEhrung von d. obrigkeit geben worden.
—————
2. Stephan Knupp, Jst bey dieser Gemeind geweßen, vom 8. 7bris Ao. 1622
bis den 12. Janu 4 xbris, Ao. 1623 sage bis d 12. Janu -in allem 4 monat wohl.
Er war von Zürich, Ehmahliger Decan & Pfarer zu Herisau, gestanden, und
hat unßerem Land, bey der Landtheillung, und Collatur Streit mit dem Abt
von St. Gallen, nützliche dienst geleistet, nachdeme er aber von selbsten, den
Pfardienst & decan in Herisau, in hoffnung ausenher eine beßere Station
zufinden quittiert, sich aber in der Hoffnung betrogen gefunden; Jst er
bey hiesig erledigter Pfarrstelle, wider ins Land gezogen, und Ao. 1622 hier
zum Pfarer bestelt worden, hat der Gemeind 18 wochen gedient, aber nur
ein monat wegen Kranckheit geprediget, und alhier verstorben Ao. 1623.
Ao. 1639, d 4. April ist der erste Bättag im Land gehalten worden.
__________
[AU 138] 3te Bartholomeus Anhorn, von Flätsch aus Mayenfeld, der dasige Pfarry
26 Jahr lang versehen, Ao. 1622 ist er mit Weib und Kinder samt allen
seinen Zuhöreren, von der öster Reichischen Armme von Stadt und Land ver-
treiben, und in Speicher kommend, und ist der Gemeind von Ao. 1623, bis
den 8. Januaris Ao. 1626 vorgestanden, also nur 3 Jahr, und wurde
auf Gaiß voziert und war in dort Pfarrer bis 1640 (siehe weiters nebenstehend
) er sein Lebens end erreicht. Er hat viele Schriften hinterlaßen, in der St. Galler Bibliothec.
__________
4ter Emanuel Ullius, von Basel, hat dieser Gemeind gedient vom
25. Junj Ao. 1626 bis Ao. 1630, also 4 Jahr, hernach zoge Er wider
auf Basel. Seine Frau Elßbeth Otterdörfi, von do.
__________
5te Jacob Lavatter, von Zürich, hat dieser Gemeind gedient von 19xbr
Ao. 1630 biß Ao. 1635 hiemit 5 Jahr in den Weinberg des Herren gearbeit.
Sein Frau war Anna Bachofen.
[134] 134
[fehlt]
Erzehl. - & anmerckungen über die Hren Geistl., von alten schriften.
Ao. 1613 Joh. Gmünder, Helfer in Herisau geweßen.
[1.te] Der erste Hr. Pfarrer Joh. Gmünder, Starb Ao. 1664 76 Jahr alt.
|: Er war des Seibeten Hr. Pfarrer Nänys alhier, sein Groß vatter:| gebohren 1589.
Derselbige kam Ao. 1630 von Hundwill auf Herisau, und ist aldort bis
Ao. 1654 Pfarrer & decan verbleiben, wo Er seine Lesten 10 Lebens Jahre
Zugebracht, kann sicher nicht melden, doch will sein absterben in hiesigem Todten
buch eingeschreiben, so last sich daraus muthmasen, das er im Speicher gestorben, und
sein Leben, und hohes alter, bey seinem gros Sohn Pfarrer Näny, möchte beschlosen haben.
Zum Decan Erwehlt worden Ao. 1636. u. mit seinem Vermächtnus also
nach seinen lesten willen geäußert.
[Ao. 1664] Vermachte nach in Speicher ƒ. 20.- zur Verbeßerung des Pfarrhaußes
und ist daraus eine Sommer lauben gebauen worden gegen garten. s pag 136.
__________
[2te] Hr. Pfarrer Stefan Knupp, Jst Ao. 1597 zum Jnspectore
Erwehlt worden, nach deme aber im Land Ao. 1602 einen eigenen Synodum
angefangen, so war er dazu mahl, zum ersten, Decano ernent worden.
Von Jhme ist auch die geschichten von der Landtheillung beschreiben, wie auch andere
schriften mehr was zu seiner zeit geschehen und sich zugetragen hat.
Er war auch der Verfaßer des neuen Ehe-büchli gerichte in V.R. ordnung u. Sazung. 1606.
Ao. 1598 auch den Colatur Streit oder geistl. Lehen so der Fürst angesprochen beschreiben
mit allen weitläufigen gründen.
Die ersten Pfarrer wurden mit handauflegung, vom Hr. Decan Eingesezt worden
in gegenwart des Landamanns. (worvon nach gedruckte Predigen gehabt habe.)
Wo die herde dem Selen Hirten übergeben u. bede theil zu ihren Pflichten vermahnet.
__________
[3te] Hr. Pfarrer Anhorn, hat sich Ao. 1623 d 31. aug. Jm Speicher Copulieren lasen
mit Ursula Tannerin, von hier, Hr. Haubtmann Heinrich Tanners sel. Tochter.
Er hat eine große Appenzeller Cronick geschreiben u. ist mehr als 1 mahl so groß als
dießes buch, u. ligt in Herisau in der Canzley & in privat Händen, woraus Pfarrer Walßer,
das meiste in seine Cronick aufgenommen. Die obrigkeit hat eine abschrift von
dießer Cronic vom Schreiber Freytag in der Canzley. (Seyn groß Sohn Pfr. in Hundwil.)
Barthol.
[Ao. 1625] Pfr. Anhorn meldet darin, daß am osterfest 234 Personen zum Nachtmahl des Hr. gangen.
__________
[Ao. 1655] Wurden die Kirchen gebäter abgeänderet, welches grose wiederwärtigkeit u. Streit ver-
ursachet hat, und unruhige Kirchhörinen und Landsgemeind abgesezt, das an derselben
[16] dieße neue Kirchen ordnung und das Ehe büchly verworfen und abgemehret worden,
wie das mehrere in Walsers Chronik pag 633 zuleßen, wie stark man am alten
hieng. Hingegen 1806 ist das gleiche geschehen, das neue Kirchen gebäter eingeführt
worden, und niemand sagte kein Wort darwider, so ungleich ist die Denkungsart
weil man über die Revolution gelehrnt hat sich alle Neuerung gefallen zulaßen.
[135] 135
[fehlt]
Von Pfarrer und Selsorgeren Jm Speicher.
[1459] Jst in Baßel eine universitaet aufgerichtet & 1460 feyerlich eingeführt worden
man nante solche der Mußhafen, weil man da umsonst stud lehren könte.
[6te] Johan Heinrich Spiller, von Zürich, ist dieser gemeind vorgestanden
vom 20. xber Ao. 1635 bis Ao. 1651, also in allem 16 Jahr.
B! etwas Zeit ƒ. 5 Pfrund geld zusammen geschoßen worden weil er sich ab ƒ. 4 beklagt.
__________
[7ten] Johanes Näny, ein Herisauer, hat diese gemeind versehen vom
11. Janu. Ao. 1652 bis Ano 1670, also 18 Jahr, nachdeme Er gestorben,
wie. oder seinen nachkommen
hat die Gemeind Erwehlt. ob Er sich im Speicher einkauft, oder ob ihme oder das gemeind
1759 nur ƒ. 4 Pfrundgeld. Recht gegeben worden findet man nichts geschreibenes.
__________
[8te] Christoph Hochrüthiner, von St. Gallen. Erwehlt d. 8. May 1670.
Nachdem dieser Treue Diener, von gemeldter Zeit an, bis Ao. 1684 seinem
Herren, an dem Werck, des Freidens getreulich gedient, hat Er nach 14 Jährig
Pfardienst einen beschwährlichen Zustand, in dem Halß bekomen, welcher
Jhme zum Predigen allerdings unthüchtig gemacht; weswegen die Gemeind
nach ein und einhalb Jährigem gedult, und bey verspührung, das ganz keine
beßerung erfolgen könte oder werde, entlichen obzwaren nicht ohne sonder
grose betrubnus, zu einer neuen wahl schreiten müsen, und desnahen
Jhren willen geworfen auf.
__________
[9te] Daniel Schlumpfen, auch von St. Gallen, dieser nun ist in
der anzahl Jahren seines Pfardiensts höher gekommen als alle seine vorfahrere,
dan nachdem er d 9. nüber Ao. 1684 zum Prediger Erwehlt worden,
hat er diese Gemeind bis Ao. 1715 also in die 31 Jahr versehen, will
nun dieser Prediger in den Lesten jahren, durch widerholte gutschläg,
ganz untüchtig worden, ist nach ein halb Jährigen stilstand des diensts
derselbige bey Lebzeiten Hrn. Schlumpf, auß Sonderbarer Prüfung
Gottes, von der ganzen gemeind mit einhelligem mehr, ersezt und
bestelt worden.
__________
[10te] Christian Huber, von St. Gallen, d.10. April Ao. 1715 demme
verliehe der Hr. Jesu eigene empfindung, der neuen geburth und muth
dieselbige Kräftiglich seiner Gemeind vorzustellen, doch es gilt hier dieses
was Philip am 4., der 13. vers steht Amen. (seine Fr. Rosina Rothmündi.)
Nachdeme Hr. Pfarer Huber hiesiger gemeind, vast 6 Jahr vorgestanden
ist er mit einer Schmerzhaften Krankheit befallen, die unter viellen harten
Jnneren Kämpfen und Leiden, über die 20 Wochen gedaurt bis das er Endlich Ao. 1721
a 30 Janu. 28 Jahr 5 monat alt, sel. in seinem Erlöser entschlafen.
[136] 136
14[?]
Von hießigen Pfarrer fernere Beschreibung.
[Ao. 1659] Jst Hr. Pfarrer Spiller, Expres gehollet worden, das er wegen denen Kirchen rechnungen
denen er 16 Jahr beygewohnet, mußte auskunft geben, und vermuthlich wegen dem
hinterschlag des Kirchen guts auch verhört worden über die Streitigkeiten.
__________
[der 7ende] Hr. Pfarrer Näny, hate bis ao. 1667 nur ƒ. 4 Pfrund geld gehabt, von dieser zeit aber hat
man ihme Jährl. eine neue Jahrs Verehrung gemachet von ƒ. 10.-. Dieser Hr. Pfarrer ist
[Ao. 1670] d 24. Febr. gestorben und 37 Jahr alt worden, seine nachkommenden haben das
Portrait von ihme und das zeiget das er ein außzehrender Hr. gewesen *)
__________
[der 8te] Hr. Pfarrer Hochrüthiner, hat sich mit des Hr. Pfr. Nänys nachgelasener Frau
Witwe Barbara Studery, Copulieren laßen, Ao. 1670: d 13 8bris […?]
[Ao. 1669#] wurde an der frühl. Rechnung Erkent: das die Prediger im ganzen Land sollen
Haußbesuchungen halten, u. bey ehren u. Treuen die Selen aufzeichnen, jedoch
die Landleut allein so in Jeder Kirchhöri vorhanden, und die Hintersäs aparte.
eine Repartion wegen Schul- und Schüzergeld, erforderte die genaue Sele aufnahme.
__________
*) zu des Hr. Pfarrer Nänys Zeiten findet man das die Kirchhöri den andern Pfr.
Hochzeit gaben bezalt „Ao. 1665 dem Hr. Decan zu Trogen hat man an seiner
Hochzeit verEhrt ƒ. 7 3 bazen, 1667, dem Hr. Pfarrer in der Grub hochzeit gaab
zalt worden ƒ. 3 9 bazen von der Kirchhöri.“
[alR#] Ao. 1667 hat Hr. Pfarrer Näny angezeigt das Speicher 908 Selen habe.
__________
[d. 9te] Hr. Pfarrer Schlumpf, hat seine leste Lebens zeit bey seinem Tochtermann Hs. Rechsteiner
beschlosen an der Kolhalden, und alda 3¾ Jahr Pfrund nachlebt. Er Starb
[Ao. 1718] d 15 9ber. 67 Jahr 5 monat alt, er hate viele nachkommende im Speicher von Hanys Hanses.
So viel alte Männer von diesem Pfr. erzehlen so muß er sehr glind u. nachsichtig gewesen
seyn, die Gemeind wenig gebeßert, sondern vielmehr Frechheit u. unwüßenheit
überhand genommen, und sagt man das in seiner gegenwart auf dem Kirchenplaz viel
[AU 139]das Kegel Speil getreiben worden, wo er dann gesagt hab dieser hat gut geschlagen
darüber aber war er zu entschuldigen weil eß damahlen eine erlaubte sach war
und alle Jahr im grosen Mandat folgendes verleßen worden.
damit aber der muot und Kurzweil dem Jungen Volk und Manns Persohnen nit
gar entzogen werden, so mag man sich des Kegelspiels, und Blatenschiesens,
doch nicht auf den Kirchen plätzen, am Sontag nach der Mittag Predig, oder
Kinderlehr, bis abends zur Bätglockenläuthens Zeit gebührender maßen
wohl gebrauchen, jedoch das keiner mehr seze dann auf das höchste 2 pfenig.
Hr. Pfr. Schlumpf hat die Schull im Pfarrhaus gehabt, aber meistens durch seine Magd
Barabara Geschwendy gehalten worden, des reichen Härchlis mutter, und das sey die
eintzige magd domahlen im Speicher geweßen.
__________
[Ao. 1743] Jst der Land Synodo abgeänderet worden, anstat mitwochen auf ostern, auf mitwoch
nach der Landsgemeind gestelt worden, und 1757 mit St.Gallen der Synodo aufgehebt worden.
[137] 137
61
Von Pfarrer Gabriel Walser.
[Ao. 1721] hat die Kirchhöry die Kanzel eröffnet oder aufgestelt, und sind Compidenten gewesen
die sich um diese Pfrund beworben und angehalten oder Prob Predigen gethan.
Hr. Canditat Gabriel Walser, und Ungemuth.
[11te Pfr.] Gabriel Walßer, von Teufen, wurde erwehlt, Ao. 1721 d 5 merz, und hielte da
[AU 140]d 12. Marti seine Eintrits Predig, auß Hebr. XIII 17. vers. Jehova gebe Kraft und
gnade zu seyn ein Fürbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben,
in der Keuschheit. Er war 1695 gebohren also 26 Jahr alt gewesen bym antrit.
Dieser neue Pfarrer war sehr Lieb, ungeacht deßen aber bekam er zimlichen anstand
wegen neu- oder nachtleherer, das an einer Kirchhöre deßwegen grosen Eyfer u. unruh
entstanden, und da Hr. Pfarrer auch darin geredt und die Leut wollen besämftigen,
aber sich unbedachtsam außgedrukt, und gesagt „wie Er könte 6- oder 7- nerley Secten
ein führen, oder vorbringen die der gemeine mann nicht merken wurde“.
„Jtem das er die Teufels biblen auch im haus habe“.*)
*) B! diese so genante Teufels biblen war ein kleines Finger dickes büchly, darin
alles verkert vor gestelt ist, und den einfaltigen Leuten grosen anstos und
ärgernus geben wegem Titel, Hr. Pfr wolte den besizern heraus helfen,
kam aber darfür selbsten in verlegenheit, weil diese Reden ihme so mißfällig
auf genommen, das etliche männer vor E.E. Grosen Rath gestanden und deß-
wegen Einfragen gemacht. Darüber die Erkantnus ergangen.
„Das man gedachten Hr. Pfr. Verantworthung hierüber Einem Ehrsammen Capitel
an heim seze, welches schon die sachen beurtheillen u. nach befinden an gehörde ver-
weisen werde“ und die nachtlehren wurden verbothen und ernstl. abgestraft.
[Ao.1732] Bey dem betrübten Landhandel seye er zum zweiten mahl mit dem volk bis in den
Almenweg feindl. aufzogen, und ihnen muth u. herz zugesprochen. Das er hernach
[Ao.1733] am grosen Rath abgestraft worden, wie hier im 270. blat das mehrere zuleßen ist.
[Ao.1740] hate Hr. Pfarrer Walser, anlaß auf die Pfrund Alstetten zukommen, da man ihme
aber die Pfrund hier wochentlich a 30 kr verbeßeret, u. das Pfrundgeld von ƒ. 4 1/2
auf ƒ. 5 gesezt, hat er seine Herde nach 5 Jahr lang nicht verlaßen, endlich aber
[Ao.1745] hat er sich zum dreyer Vorschlag auf Bernegg geben laßen, und ist von Hr. beamten
einmüthig Denominiert worden, und vom Fürsten als Colatore erwehlt worden.
[AU 141]nicht ohne grosen Reuen hiesiger Gemeind, weil er sehr Lieb und ein guter angenehmer
[AU 142]und erbaulicher Prediger gewesen § ungeacht die Gemeind ihren Pfarrer öfters
manglen müßen, weil er viele Berg u. Alp reißen gemacht, wie aus seiner gemachten
Appenzeller Cronick genugsam erhellet, das er viele frömde Prediger haben müßen
zu seinem schaden, u. ob schon er mehreres Einkommen in Bernag bekommen, so ver-
beßerten sich seine häußlichen umstände dan nach nicht, das ihme seine Freunde etliche
mahl helfen, u. in seinen alten Tagen auch die obrigkeit um hielfe ersuchen müsen.
[1756] kam er nach eine Predig in Speicher zuhalten, in Bernegg habe er viel historisches in seine
Predigen einfliesen laßen, u. mußte ein vicare halten, er starb ca 1776 81 Jahr alt.
§ Er war gefällig und angenehm in seinem Umgang unterhaltend.
[138] 138
61
Vom Pfarer Johanes Walßer
[Ao. 1745] hat die Kirchhöre wiederum die Canzel aufgestelt vor die Land Canditaten, und haten
prob Predigen gethan Hr. Canditat Johan Ulrich Tobler, konte aber seine Predig nicht voll-
enden, hernach wurde er Pfarrer in der Waldstatt u. Teufen, Decan, u. wurde ein sehr
guter Prediger, das also auf eine prob Predig nicht allemahl zusehen ist.*)
Der 2te Compident war Rutz, von
Jnzwischen aber wurde Hr. Pfarrer Walser, von seinen Verwandten hier eingeladen
am Mitwochen eine Predig zuhalten, und bekam allgemeinen Beyfall, so das
[1745] d 13. achtbris Hr. Johanes Walßer, Pfr. in der Waldstatt einhellig erwehlt
[12te Pfr.] worden zu hiesigem Selsorger, Er war nicht allein ein guter Prediger von
[AU 143]Gott mit viel Geist u. Gaben außgerüstet, ein Treu Eifriger Pfarrer, bey
deme Lehr u. Leben übereinstimte, und deßwegen allgemein geliebet war, aber
es war damahlen üblich das alle Krancke besucht werden müßten, eß war ein
bößes hitziges Fieber Ao. 1757 im Speicher, dieser fleisige besucher der Krancken
Erbte daßselbige hier an der Blaten, und Predigte 1758 am neu Jahrs Tag das
leste mahl über die Worte Samu. am 7. biß hieher hat uns der Herr geholfen.
Darauf erkranckte und in wenigen Tag darauf gestorben, das derselbige schon
d. 12. Januarj zur zeitl. grabes ruh geleget worden, deme nicht nur die höchst
betrübte Fr. Witib und 8 Kinder, sondern die meisten Pfaarkinder auch nach
geweinet haben, und ein allgemeines bedaurn über die hinterlaßenen gewesen.
Der seel. Lebte 41 Jahr 6 Wochen, und vermachte den armen nach ƒ. 20.-
Die Frau Witwe mußte mit ihrer großen haushaltung in ihre Gemeinde Herisau
ziehen, sie war eine Tochter des Docter Mayor Oberteufers, daher sie auch vielle
Leut mit Medicinen sonderbar Kinder bediente, u. auch deswegen sie nicht ohne
Reuen die Gemeind verlaßen müßen, alß eine kluge Haußhaltere konte sie
den Kindern nach eine gute auf erziehung geben, das ein Sohn Pfr. auf Wolfhalden
worden.
—————
[AU 144] Dieser Gemeinde suchten den Hr. Pfarrer Zuberbühler, auf Walzenhausen,
durch 2 abgeordnete zubekommen, scheint aber das er seine gemeind nicht ver-
laßen wollen, und wurde abermahl die Cancel vor die Land Canditaten
auf gestelt, deren eine grose anzahl waren, u. die Wahl zu lange anstehen hat
müßen, das die Gemeinde sich deßen stark verpartheyet, einige aus
der baursamme giengen nach auf die Waldstatt zu Hr. Pfr. Schläpfer, weil
aber die Gemeind schon zertheilt war, wolte er eß auch nicht mehr wagen.
[AU 145]Hr. Hs Jacob Mok von Herisau, gewesner Pfr. auf Wolfhalten, H. Canditat Schlang von Schwelbrun,
Canditat Hs. Casper Scheuß, Pfrs. Sohn in der Grub, H. Canditat Koller, von Gais, bekam keine Pfrund.
Canditat Johann Ulrich Schläpfer, vom Speicher, Ulr. Adamen Hs. Ulr. Sohn, wurde keine [..]cksicht genommen,
Canditat Jacob Bäntziger, hernach Pfr. auf Stein worden, hr. Canditat Hs. Conrad Walser,
Canditat Johanes Tobler, von Tobel, der erst nach haus. Feld Prediger Starb erst 1808
gekommen jung u. Forchtsam, konnte seine Predig nicht ganz. u. überlebte alle hier benamsete.
*) ausmachen sonst man auf ihne gefallen war, er gab hernach ein vortreflicher Prediger u. Pfr. in Herisau.
[139] 139
47
Von der Pfarres Wahl Hr. Canditat Schlangs.
[1758] Nachdeme die 8 Compidenten ihre Prob Predigen gethan konnten eß die anhänger
des Hr. Pfarrer Mockens dahin leiten das Hr. Mok nach eine Predig thun mußte, um
die mehrere hand zu gewinen, das wurde offenbar, und es kammen vom Speicher, Trogen,
Teufen, u. Stein zuhörer die Jahr u. Tag in keine Kirchen mehr gegangen sind, das
gab der Schlangischen Parthey anlas auß zu streuen, als ob Hr. Pfr. Mok auch ein neu-
lehrer sey, u. konten etliche abwendig gemacht werden, der Eyfer u. viele lieblosen
reden vermehrten sich deßwegen, auf beiden Partheyen wurden die Stimfähigen
abgezehlt u. jeglicher theil glaubte die mehrere hand zubekommen, es kammen aber
auch Speichrer die in andern gemeinden sezhaft waren an die Kirchhöri, das
konten einige auch nicht leiden, weil je ein theil dem andern schuld gab von zwingen.
[d. merz] wurde endlich zur Pfarres Wahl geschriten, und der zulauf von Frömbden Volk
ist so groß worden das die Kirchen nicht faßen möchte, u. Hr. Pfarrer
Weter von Trogen, die Wahl Predig von der Räthen Stuben auf den Kirchenplaz
halten müßen, nach vollendigtem Gottes dienst wurde die Kirchhöry in der
Kirchen gehalten unter grosem gedränge, und da die mehr nicht konten ausgesprochen
werden zwischen Hr. Mok u. Schlang, so nahm die unruh überhand das herren u.
Bauren ihren Eyfer u. hitz ofenbar zeigten, und endlich mußte zum schliefen
oder hand abzehlen geschriten werden. Da eß sich ergeben das der Canditat
[13te Pfr.] Hr. Johan Philipp Schlang, 14 hände oder persohnen mehr an der Zahl
bekommen hate, (und Hr. Mok wurde in 8 Tagen darauf Pfarrer in Rehetobel.)
Der Eyfer verwandelte sich bey der Moken Parthy in Verdruß das einige Raths-
herren ihre mäntel ablegten, die anderen aber den neu erwehlten Pfarrer mit
Freuden abholten von der dorfhalden da er Wohnhaft geweßen, u. mit viellem
schießen u. lebhaften Freuden bezeugungen empfangen, die Hr. vorgesezten be-
sinten sich bey kälterer Vernunft auch eines beßern, u. legten die mäntel wider an.
[AU 146]Hr. Pfarrer Schlang aber Drachte nach Frieden u. Einigkeit, u. betragte sich so Klug
u. Christlich das er keiner Parthey den geringsten vorzug mercken liese, sondern
durch liebe u. unpartheyisches benehmen auch seine gegner suchte zuergwinen,
u. eß gelang ihme das Frieden u. Einigkeit wieder empor gekommen, wofür er
selbst Gott lobte u. danckte, und andere Friedliebende mit ihme es auch gethan.
Das unanständigste geschah nach dardurch, das immer viele in das Rehetobel u.
auf Trogen zur Kirchen giengen alle Sontag, daraus Frömbde Leuth schließen
mußten das ein widerwillen gegen Hr. Pfr. Schlang herrsche, aber eß war mehr
heimlicher widerwillen u. grol von Partheylichkeit u. Verdruß.
B! Alle diese begebenheiten hab ich umständlich beschreiben, damit daraus ersehen
werden könne in zukunft wie gefährlich eß seye eine Pfrund lange vacant stehen
zulaßen, was vor Eyfer u. Partheyen daraus entstehen können, wann eine
Herde lang ohne einen hirten seyn muß.
[140] 140
47
Herkunft des Hr. Pfarrer Schlangs & fernere Beschreibung.
[Ao. 1764] hat Hr. Pfarrer Schlang eine merckwürdige Jubel Predig gehalten, von allem dem was sich
seit dem ersten Kirchenbau Ao. 1614 zugetragen in zeit von 150 Jahren, worvon eint- u.
anders im gedächtnus behalten, u. dieser Gemeinds beschreibung bey gefügt.
[Ao. 1779] d 14. Julj ist ganz unerwahrtet eine Kirchhöri gehalten worden, und dem Hr. Pfarrer J.P.
Schlang ganz einhellig das Gemeind Recht verehrt u. zu einem Gemeindsgnos angenoh-
men worden, worvon nicht nur der Hr. Pfarrer erfreut worden, sondern auch die Gemeinds-
gnosen da sie nach hervernahmen das seine Jgfr. Tochter Anna dorothe sich nach St. Gallen
verheurathet und Hr. Pfr. den abzug von ƒ 108 1/2 lieber der Gemeind Speicher als seiner alten
gemeinde Schwelbrunen zukommen lasen wollen, die eß um seinen Hr. Großvatter
nicht verdienet haben. Dieser alte Hr. Pfr. in Schwelbrun hat ao. 1723 das Land Recht hier
erkauft um ƒ 200 mit dem anhang daß seinen Hr. Sohn Christoph Schlang, als Canditaten
die gewohnte gratification nicht zubeziehen haben solle, ƒ. 100 auß dem Landseckel.
wornach von bemeldten Hr. Pfarrer begehrt worden das er schriftlich erheiteren werde, das
er für jhne und die seinigen keinen nach Jagenden herren nicht habe, sondern ganz Liberiert
und Eyd frey stehe, worüber Hr. Pfarrer sich erklärt, das er nirgends kein Statt nach
Landrecht nicht habe, und also vielweniger einen nach jagenden herren“ darauf ist
Hr. Pfarrer u. seine Kinder mit Einhelligem mehr von der Landsgemeind erfreut worden.
Deßen Sohn Hr. Christoph Schlang war 4 Jahr Pfarrer auf Heyden & Camerarius.
Ein unglücklicher Fall verursachte das dieser Ehrwürdige greiß von der Gemeind
Heyden verstoßen worden, und in Speicher zu seinem Sohn gekommen u. da gestorben.
__________
[Ao. 1787 im Junjus] hat Hr. Pfarrer Schlang, dem Titel. HHr. Landamann, und samtlichen Hr. haubtleuth
[AU 147]und Räthen im Speicher, schriftlich vortragen laßen, wie alles der veränderung
unterworfen, so das von dennen alten Hr. Vorgesezten, die Ao. 1758 bey antrit
seines Pfardienstes, dageweßen, nur nach ein einziger gegenwertig nach am
Leben sich befinde, naml. d HHr. Landamman Zuberbühler und seyen also sit
der Zeit 17 Hren. Vorgesezte in die Ewigkeit berufen worden u. Er werde
auch bald nachfolgen müsen.
Hr. Pfarrer zeigte mit Betrübnus an, wie auch seine gesundheit die zeithero
nicht nur starcke anstöß erliten, sonderen auch gegenwärtig so wanckend, und
schwächlich seye, das er nicht mehr nach seinem wunsch und willen im stand
seye den Pfardienst zuversehen, und so viele frömbde Prediger kommen
laßen, wie er schon lange Zeit thun müßen, seye er nicht mehr im stand
zubekommen, wil in Stadt und Land mangel an Canditaten oder vacanten
Prediger seye, so sehe er sich in die nothwendigkeit versetzt, bej d Hr. Vorgesezt
um hielf anzurufen, das man Jhme ein vicare gebe, oder aber rathe das
er zu dem äußersten schreite, und die Pfrund verlaße & resignieren
solle. Darüber wurde erkent, das Er die Jenigen so Lust zum vicariat
haben möchten lase Predigen, damit man hören köne ob etwan einer anständig.
[141] 141
48
Die Gemind Speicher Bekam einen vicare, und Verbeßerte Pfrund.
[AU 148] Einem vicare vor die Gemeind annehmen, wolte viellen Gmeindsgnosen gar
nicht gefallen, Jnsonderheit das sie alle Jahr ƒ. 200.- darzu zusammen
steuren solten, machte so wenig lust zu einem vicare, das man sorgen
müßen die Kirchhöry möchte widrig ausfallen, deswegen ist von
dHHr.Vorgesezten, vor rathsamer erachtet worden, nach vor der Kirchhöry
einen umgang zuhalten, welcher an einem Tag von samtl. Vorgesezten
in der ganzen gemeind gehalten worden, um Zuerfahren was die
gemeindsgnosen deswegen vor gesinungen haben, und auf was art
man geneigt wäre zusteuren, oder die ƒ. 200.- zusammenzulegen.
Bey dißem umgang aber hat es sich gezeiget, das man vast ein-
stimmig gesinet, mit dem Hr. Pfarrer gedult zutragen, aber vor
die kleine gemeind keinen Beständigen vicare zuerwehlen, sonderen
nur das Pfrundgeld zuverbeßeren, und dann köne Hr. Pfarrer
sich Hielf verschaffen mit einem vicare oder Prediger wie im Beliebe, so lang
[AU 149]die gemeind köne darmit zufriden und vernügt seyn.
[d 17. Juljus] wurde die Kirchhöri gehalten, und die Kirchen war von frömbden und
Heimschen so stark voll, das vielle Leuth kein plaz bekommen &c.
die umfrag bey dHr. Vorgesezten falte der gemachten abfasung zuwider
nicht ein stimig oder einmüthig, sondren zwej stimmig auß.
Das erste Mehr wurde gemacht ob man einen vicare annehmen und al-
Jährlich ƒ. 200.- darzu einen zusammen schus machen wolle, das bekam wenig
händ, das zweite Mehr aber, oder ob man das Pfrundgeld verbeßere
und dann den vicare dem Hr. Pfarer überlasen wolle, gab vast ein
einhelligs Mehr, desgleichen wurde volkommen einhellig ermehret das
[AU 150]Pfrund geld wochentlich anstat ƒ. 5.- ƒ. 8 zugeben, mit Jnbegriff des
holz gelds so bis dahin ƒ. 36.- Jährlich geweßen, darzu solle ein
jewilliger Pfarer schuldig sein die Räthen- und Rath Stuben zufeuren
so oft eß nothwendig, und Endlich wurde ein neuer Umgang ermehret
zur vergröserung des K. Capitals, worzu Reichliche gaben versprochen und zalt worden,
wie hier die Steuren Fol. 250 zusehen, zusammen ƒ. 3861.- willig bekommen.
Hr. Pfarrer gab den Hr. Canditat Küng, vom Stein, den HHr. Vorgesezten
in vorschlag, welcher genehmiget worden, um so viel mehr willen viele gemeinds-
gnosen, grosen Lust gegen Hr. Küng geäußeret.
[142] 142
48
Vicary im Speicher hat Hr. Pfarrer Schlang.
[Ao. 1787 d. Julj] hat Hr. Canditat Küng, das vicariat hier angetretten, Er wurde dem gemeinen Volk
sehr Lieb, weil er sich wohl wußte einzuschmeichlen durch einen Liebreichen umgang, und
vielen besuch in die häußer, auch in seinen Predigten hate er einem angenehmen kurz
vortrag und verständlich, die Verehrungen wurden viel ihme gegeben und nicht mehr
dem Hr. Pfarrer, man hörte nicht selten wünschen, das man ihne zum Pfarrer
annehmen solte, aber zum Glück vor unßere Gemeind, wurde Küng zum Pfarrer
[d 3. 8bris.] im Schönen Grund erwehlt, und das vicariat im Speicher währte nur circa 8 Wochen *)
der alte Seelenhirt mußte also erfahren wie bald seine Schaafe Jrr geführt, und von
ihme abwendig gemacht waren, und lis am ersten Sontag absingen auß den
[AU 151]geistl. Psalmen „durch Adams Fall ist ganz verderbt.
*der Küng führte in seinem Ledigen stand ein lustiges Leben, war öfters der
Speilmann des Jungen Volks, das ihme darüber sein gewüßen solle aufge-
wachet und zur schnellen bekehrung solle gebracht worden seyn, er wolte sich durch
Demuth außzeichnenen, u. ließ einen langen bart wachsen, fangte an Lehren
zuhalten, und der Zulauf wurde so groß, das eß ihme von Geist- und
weltlichen behörden mußte untersagt werden, und weil er nicht anstöß-
iges gelehrt, so wurde ihme gerathen nach zustudieren, er gieng zu dem
endehin zu dem Hr. Proveßer Wägely, auf St. Gallen, wurde aufgenommen,
gelehrt, und aufgestelt nach auß gehaltenem Exammen und hernach leider
als Pfarrer im Schönengrund, ergab er sich der Trunckenheit, u. einem sehr
Liederlichen Leben, das er abgesezt und vom Capitel ausgeschloßen
worden, er kehrte wieder zu seinem alten handwerk zurück u. machte
Rechen u. Gablen, und hielt sich viel an catholischen orten auf und
führte ärgerliche reden, so auch Leben u. Wandel, ob Verdruß ihne so weit
darzu gebracht, oder ob seine obige bekehrung u. gezeigte Frömigkeit
nur heuchely geweßen, weil ich nicht urtheillen, sonderen nur zu einem
Warnenden beyspiel diese beschreibung gemachet haben.
Nachdeme sich einige Gemeinds gnoßen sich stark vermercken laßen, das man
zu keinem vicare mehr lust habe, entschloß sich Hr. Pfarrer Schlang, die Pfrund
wieder selbst zu versehen, bis Ao 1791 im früh Jahr machte er wiederum um
(früh Jahr) die Reiß nach St. Morizen & eine Chur mit selbigem Waßer zu-
trincken gemachet, aber ohne guten erfolg oder Efect, so das er nach seiner
heimkunft nicht mehr selbst Predigen möchte, und bis nach dem Bettag immer
frömbde Prediger von St. Gallen mußte kommen laßen.
Endlich da Hr. Decan Tobler, in Teufen, gestorben, & Hr. vicari Meyer,
in Teufen nicht mehr nöthig war, Wagte eß Hr. Pfarrer Schlang eigen-
mächtig, ohne Vorwüßen T. Hr. amt haubtleut u. Räthe u. E.E. Kirchhöry
den Hr. vicarj M. anzunehmen, das wurde von vielen außgelegt alß ein
Ein-
[143] 143
49
Absterben des Herr Pfarrer Schlang.
[Ao. 1791] Eingrif in das Colatur Recht, das man eß nicht nur dem Hr. Pfarrer, sondern
auch dem Hr. vicare Meyer hat fühlen laßen, der doch ganz unschuldig war.
So das einige mißvernügten gemüther bey der Tuben auf Vögelisegg sich auf
die Wienacht heillige Zeit erlaubt haben, den Hr. Pfarrer anzusagen das
er entweders selbst Predigen oder abdancken solle, Raths Hr. Conrad Tobler, SHww. [?]
gab einem seiner Saufkammeraten ein halben Federenthaller zum Lohn, und
der Musikant Jb. Koller, hatte die Verwegenheit solches außzurichten zum
Mißfallen aller rechtschaffner Menschen, und seinen mit Räthen.*)
Hr. Pfarrer folgte und strengte sich an in seiner größten schwachheit,
nach eine Predig zuthun, und theilte das heill. Abendmahl im Seßel sizend
das leste Mahl auß, u. war auch seine leste Predig, ohne etwas mercken
zulaßen oder zu Rügen, das aber diese begegnis ihme nicht viel ver-
druß u. herzenleid verursachet, kann man sich vorstellen, u. dardurch
ist die gemeind in üblen ruf u. mißkredit kommen, das man eß
bey der vacanten Pfrund hernach genugsam erfahren müßen, und
[AU 152]die Kranckheit umständ verschlimerten sich von dieser zeit an, grose ge-
schwulst u. Waßersucht machten seine krancken Tag sehr beschwärlich, so
das er viele Zeit Tag u. Nacht im Seßel sitzend zubringen mußte. Weil
[Ao. 1792] im May, etwas hofnung zur beßerung sich gezeigt so wurde ihme nach die
Ehre beweißen das er zum Cammeraris gesezt worden. Aber diese bes-
erung war von keiner Daur, und eß gefalte dem Herren des Weinbergs
dißen Treuen arbeiter & Knecht Gottes, in ein beseres Leben zuberufen das er
[ Ao. 1792 d 16 Julj] seel. verstorben, in einem alter 61 Jahr 34 wochen, und 34 Jahr lang
ein Treueifriger Seelsorger in unßerer gemeind geweßen, ohne alle
Menschen Forcht, daher er aber auch nach einige gegner bekommen wie oben
angemerckt habe, wegen gewüßem pxxx Fall. Thränen waren seine stillen Lobreden.
Hr. vicare Meyer, versah die pfrund 40 Wochen hier, und gefalte den
gemeinen Leuten wohl, weil man aber vorauß sehen konnte das es zwey starcke
Partheyen gab, so wurde alles angewandt das die Gemeind einig bleib,
und sind einige privat Männer angestelt worden, auß zuforschen was die
Leut gesinet seyen. Die Cantzel auf zustellen, oder einen herren ab einer
Pfrund zu nehmen, worzu sich herr Pfarrer Staub, von Walzenhaußen schon
Recommandiert hatte, darüber kammen 217 Stimmen zum canzel aufstellen,
und 112 zur Wahl schreiten, und eß hette entweders H. vicare Meyer, oder den
Hr Pfar Canditat Bäntziger troffen, darüber wurden 8 vorgesezten nach
abgeordnet einen neuen umgang zuhalten, und den Leuten vorzustellen das
Canzel aufstellen nur Partheyen gebe, und wurde auf Hr. Pfarrer in der Grub
*)Der Schwanen wirth heurathete die Fr. Pfr. Schlange u. mußte
durch eine unfriedliche Ehe büßen, bis sie geschieden worden.
[144] 144
49
Vierzehende Pfarrers Wahl im Speicher.
der Grub gedeutet, wann die Gemeind einhellig wurde, aber man könne ihne
nicht in gefahr sezen, endlich haben sich 203 Stimmen zur Wahl zuschreiten
erklärt, und nur nach ca. 100 wolten die canclen aufstellen.
[ Ao. 1792 d 8. Aug.] Wurde die Kirchhöri gehalten, und da ich eröfnet hab das die meisten
Stimmen gefallen, heute einen Pfarrer zuerwehlen, und den Wunsch geäußert
das man den Hr. Pfarrer in der Grub mit einem einhelligen mehr
möchte erfreuen, weil solches mehr Lust u. Liebe gebe, u. der Gemeind
die einmüthigkeit Ehre mache. So ist mit fast einhelligem mehr
Hr. Joh. Jacob Zuberbühler, gebührtig auß der Wadstatt, zu
hiesigem Pfarrer u. Seelsorger Erwehlt worden, der erst vor 10. Monat
Pfarrer in der Grub worden, 25 Jahr alt u. erst Ao. 1788 im May,
sich zum Lehren entschloßen, u. in Baßel Studiert nur ca. Jahr lang.
Hr. Pfarrer Höller, von Teufen that die Wahlpredig, und verhandelte
den Fischzug Pettery, auß dem Evangel. Lucas 5-Capitel 5-vers.
Es war starckes Regen weter an diesem Tag sonst hette es auserordent-
lich viel Leut an der Kirchhöri geben. Die allgemeine Red war man habe
etliche Geistliche (geistliche) gefraget, aber außert Hr. Pfarrer Schieß
auf Gais, ist keiner gefraget worden, und deme ist nur hofnung zu
mehrerem Pfrund geld gemachet worden, hette man eß bestimt so hette
er das Wort geben.Hr. Pfarrer Kuter, von St. Gallen, ist antrag
worden, aber hate Jhne nicht von seiner Vatterstadt wollen gehen laßen.
[d 15. aug.] wurde die Eintrits Predig gehalten, auß der 2te Epistel St. Pauly
an Timotheum auß dem 4. Cap. der 2.vers „Predige das Wort,
halte an, eß seye zur rechten Zeit oder zur unzeit, Strafe, dreue, er-
mahne mit aller gedult u. Lehre.
[d 7.7ber.] hat sich Hr. Pfarrer Copulieren laßen mit Jgfr. Marrya Elisabeth
Honerlag, von Trogen, T. Hr. Doct. Lands haubtmanns Tochter.
[145] 145
60
Von gelehrten Männer im Speicher &c.
Vom Speicher haben die Theologie Studiert und sich dem geistlichen stand gewid-
met.
——————————————————————————————————-
Der erste Johann Ulrich Schläpfer, Ulrich Adamen Hs. Ulrichen Sohn, von hier 1735 gebohren.
Er 1755 Examiniert und in das Capitel aufgenommen worden 175
von 175 war er vicare in Watweil im Togenburg, bis Ao. 1761
& 1758 war er auch ein Compident zur hießigen vacanten pfrund, aber er
wurde nicht als gemeinds-gnoß betrachtet, ungeacht er de- und wehmühtig angehalten
mit herzl. bite „verachtet doch die Jungen Lehrer nicht“ vielmahl wiederholt.
Er starb Ao. 1761 d 8. Juli in Watwiel, 25 Jahr 8 1/2 Monat, s.s. M. Candidatus.
[: 1779] d 14. Julj, hat Speicher Kirchhöri ihren Pfarrer Joh. Philipp Schlang zu ihrem
Gemeindsgnoß angenommend und auch ein grundgelehrter Pfr. oder geistl. gewesen
der zweite Hr. Canditat war Johann Christof Schlang, unsers Hr. Pfarrers
Sohn, der ohne eine Predig zuthun, schon bey frühen Morgen Sonne seines blühenden Lebens
dahin gewelckt, und zur größten betrübnus u. Leid seiner Eltern u. geschwüster-
ten im herren entschlafen; im alter nur 19 Jahr 7 Monat. Er war vor wenigen
[AU 153]wochen erst von Zurüh [Zürich] zuruck kommen, wo er seine Studium vollendet hatte.
—————
Von ärzten, chirurgus, & Docter Medicin im Speicher gehabt.
Der erste bekante arzt war Hauptman Jacob Baumgartner, hier,
der viele Kranckheiten, mit den Kräuter u. Hausmiteln curieren können,
und sonderheitlich mit heillung äußerlichen Schäden sich berühmt gemacht.
[1718] Jst Hr. Chirurgus Johanes Zuberbühler, von Herisau auß dem Schwänberg
[AU 154]in Speicher kommen, und durch bezahlung ƒ 15 Einzug ein Gemeindgnoß
hier worden, und ein berühmter Arzt gewesen, der nicht nur in der Revier
sondern auch in St. Gallen, wo er beym hecht alle wochen anzutrefen war & mit
Medicin die Leut versah, einen grosen Zulauf und Kundsame hatte.
Deßen Hr. Sohn Joh. Jacob Zuberbühler, widmete er auch zur arzneykunst
u. Wißenschaft, u. Studierte solche in Hall, alwo er die Docter Würde
erlangt, und nachdeme hier, Er mit unermüdetem Fleiß, Lob u. ruhm 60 Jahr
lang mit großem Segen weit und breit vielen Taußenden geholfen und
Curiert, insonderheit alß geburths helfer berühmt geweßen in der Nähe und
Ferne, bis in sein hohes alter, ungeach seiner vielen amts geschäften, da er
bis zur höchsten würde des Landamann amts gesteigen, und 1803 gestorben.
Deßen Hr. Sohn Joh. Georg Zuberbühler, zugleich auch ein berühmter
Doctor u. Wundarzt u. Geburthshelfer geweßen, aber in seiner besten Lebens
Zeit den Zoll der Natur geben müßen, u. im 39. Jahr schon gestorben Ao. 1785.
Hr. Chirurgus Joh. Jacob Tobler, war ebenfalls ein guter berühmter Docter hier.
Desgleichen auch Hr. Johs. Keller, der aber in das Thurgau u. auf Frauenfeld
gezogen, weil eß hier damahlen sonst genug Doctor gehabt hatte.
[146] 146
61
Kösten wegen abhollung des Hr. Pfarres auß der Grub.
[Ao. 1792 d 10. aug.] sind wegen abhollung des neuen Pfarres, folgende Kösten aufgelaufen
und auß dem Kirchenguth bezalt worden auf Erkandnus samtl. Vorgesezten
d. 9. & 10. aug. zusammen 50 Trager gesandt zum Haußrath abhollen,
| welche in der Grub, Rehetobel, und Speicher verzehrt | ƒ. 77 | 41 kr | ||
| die örten bey der Kronnen wegen Hr. vorgesetzten | ƒ.6 | 12 kr | ||
| örten in der Grub p. das mittag Eßen, 10 Pferdt | ||||
| nebst Koche und Stall geld zusammen zalt | ƒ. 28 | 35 kr | ||
| den Armen unterwegen außtheilt zusammen | ƒ. 3 | |||
| im Wald auf dem pferdt ein Trunck genommen | ƒ. 4 | 4 kr. | ||
| örten auf Heyden nebst 19 pferdt futteren | ƒ. 15 | 21 kr | ||
| p. Roßnegel, pulver unterwegen, und andere Kösten | ƒ. 1 | 24 kr | ||
| denen 2 Schmiden p. belohnung ½ fthr. | ƒ. 1 | 22½ kr | ||
| dem überreüther mit der Landfarb und pferdt | ƒ. 2 | |||
| dem Läufer p. etliche gäng auf Trogen, Teufen, Bühler, Heyden | ƒ. 5 | |||
| dem Leuwenwirth vor die Mahlzeit oder nacht Eßen samtl. | ||||
| Hr. Vorgesezten, nebst 30 Rüther, 8 Mussicanten, und alle | ||||
| ober officier zusammen 55 Persohnen 18 bazen | ƒ. 66 | |||
| Bedienten örten bym Leüwen, und Kronen | ƒ. 8 | 26 kr | ||
| der außschuß Comp. 60 lb. pul Pulver mit Patronenmacher | ƒ. 29 | |||
| P. 91 Soldaten bym Schäfli, gastiert, dem Mann 16 kr. | ƒ. 24 | 16 kr | ||
| die Mussicanten bym Hirschen getruncken | ƒ. 1 | 26 kr | ||
| ƒ. 273 | 47 kr | |||
| dem Hr. Pfarrer Hörler, in Teufen, p. 2 mahl Predigen | ƒ. 22 | |||
| dem Hr. Pfarrer Knuß, in Trogen p. 1 mahl Predigen | ƒ. 11 | |||
| hat aber nichts annehmen wollen lesterer. | ƒ. 306 | 47 kr | ||
| dem Hr. vicare Meyer, zalt p. außgelegte 2 Capitels gulden | ƒ. 2 | |||
| p. do. Bättags gebät | 8 kr | |||
| p. Tauf, Ehe & Todten Buch Eintragen | ƒ. 2 | |||
| [d 1. 7bris.] p. 11 Brautwagen Trager (an stat wie oben Eßen u. Trincken zahlen) | ||||
| Jhnen dißmahl den Taglohn 48 xr zalt, will das viel weniger | ||||
| kostete, als den wirth zahlen welches zur nachricht anmercke. | ƒ. 8 | 36 kr | ||
| B! Hr. Michel Schläpfer, hat der Gemeind Grub 100 beyck Thaller, | ƒ. 319 | 31 kr |
zur entschädigung versprochen ohne vorwüßen der vorgesezten, das gab verdrus mit H.L.Z.
[Ao. 1794 an der Martini-] Kirchhöre ist dem Hr. Pfr. wider Jährl.ƒ. 36 Holzgeld zugeben ermehret worden
willen Hr. Michel Schläpfer, bey der anfraag dem Hr. Pfr. solches schon gesprochen hab.
[ Ao. 1801] auf begehren einiger privat Männer, hat die Munizipalität u. gemeinds Kammer,
gut gefunden dem Hr. Pfarrer Zuberbühl.r das Pfrundgeld auf ƒ. 9 und das
Holzgeld wochentlich auf ƒ. 1 zusezen, welches von E.E. Kirchhöre genähmiget
worden. Ao. 1806 vor die Repidir Schul besuchen ƒ. 44 Erkent worden.
[147] 147
62
Vom Kirchen Gesang, und Vorsinger im Speicher &c.
[Ao. 1618] Jst das Kirchengesang in einigen Gemeinden unßers Lands zu erst eingeführt
worden. Das bekam auch widerstand insonderheit in Schwelbrun von anfang.
[Ao. 1625] meldet die St. Galler Cronick, sey in der Stadt erkent worden die Psalmen
in Tüscher Sprach zusingen worzu der erstere erlehrnet worden der 130. Ps.
„auß Tiefer Noth schrey ich zu dir“. Welcher d. 8. herbstmonat zuerst offl.
in der Kirchen abgesungen worden & vorhero in Latinischer Sprach gesungen worden
auß dießem ist zuschließen das eß sich einige Jahr wird verzogen haben.
[von A 1614] nach dem Kirchenbau im Speicher, bis das offentliche Kirchen gesang hier mag
Zu stand gekommen seyn.
Im ersten Kirchen Buch alhier findet man nichts das vorsingerlöhn zalt
worden, bis Ao. 1675 steht, dem Singer zalt worden ƒ. 16.46 ½ xr und das
wird vermuthlich Lehrlohn gewesen seyn, dann hernach der erste vorsinger
[Ao. 1676] Bartly Grunholtzer, vorsingerlohn zalt worden nur ƒ. 5.24 xr Jährl.
[Ao. 1678] ist die belohnung Jährlich auf ƒ. 4 gesezt worden, und also verbleiben bis
[ca. 1700] hat man bis auf ƒ. 7.12 zalt hat.
[Ao. 1680] circa, ist Marty Fäßt, vorsinger worden, Er Starb Ao. 1698 d 12. May.
49 Jahr alt, hat aber wenige Jahr vorgesungen, auf Jhne folgte
[Ao. 1682 ca.] Ully Fäßt, der des Martis Sohn oder groß Sohn geweßen, der
ist Ao. 1733 16. xbris gestorben, 76 Jahr alt und hernach
[Ao. 1708] findt man zuerst das zwey vorsinger geweßen, und deren Belohnung ƒ. 10.48 x
[Ao. 1712] Beiden Vorsinger zalt worden ƒ. 11.12 xr Jährlich.
[Ao. 17 ] Zum Vorsinger angenommen d. Mathias Rechsteiner & Schulmr. zugleich.
[Ao. 1732] Johanes Rüsch, vorsinger, und auch Schulmeister, der viel gesänger gehabt
im Psalmen buch, Selenmusick, und Bachofen. Blibte 22 Jahr vorsinger,
Er starb erst Ao. 1780 18. aug. Plötzlich bym ämten 84 3/4 Jahr alt worden,
nebend Jhme war zweiter vorsinger etlich Jahr lang Rüdy Klee, das
waren 2 vortreffliche Singer mit Liebl. angenehmen & guten Stimmen.
[Ao. 1754] wurde mr. Rüdy Kle, erster vorsinger biß Ao. 1770 ca. Starb er Jahr alt.
und Johanes Grunholtzer 2ter vorsinger bis Ao. 1773 13. aug. gestorben.
Lohn, der erstere hate ƒ. 13.18 x Belohnung, der zweite ƒ. 5 3/4 jährlich.
[Ao. 1770] Vorsinger Michel Bäntziger alt Schulmr. in der Schwendy, will nebend
Jhme kein zweiter Vorsinger mehr geweßen hate er ƒ.15 Jährl. Belohg.
[Ao. 1797] an der Martini Kirchhöre sind zwei neue vorsinger Erwehlt worden (hernach ƒ. 22 - 17
Adam Niderer, zum ersten vorsinger, und Jhme ƒ. 33 lohn ermehret worden von d. Kirchhöri,
Jacob Koller, zum zweiten vorsinger und dißem ƒ. 22 lohn ermehret worden von d. Kirchhöri.
[Ao. 1760r Jahren] hat Hr. Pfarrer Schlang zuerst das gesang eingeführt während dem
gebrauch des heill. Abendmahls.
[148] 148
63
Vorsinger im Speicher.
[Ao. 1798] ist zum zweiten Vorsinger angenommen worden Johanes Hörler in Haßlen.
[Ao. 1813] Martini Rechnung wurde erkent, nur ein vorsinger zuhaben u. deme
ƒ. 33 belohnung zugeben, und ist obiger Johanes Hörler, der erste worden.
Hs Heinrich Scherrer, der circa 1750 in Speicher kommen & 1786 hier einkauft sich,
war auch ein beförderer des gesangs, im Bachofens, Schmidlins, Brocks, u. andern
gesang bücher, er führte das neu Jahr gesang schon anfangs der 1750er Jahren ein,
wie auch das mußizieren mit Waldhorn, Hubo, Fagott, und auch Geigen,
er hate viele gesänger, weil eß damahlen viele liebhaber hate, man hörte
alle Tag singen in der Werkstuben im untern Kaufhaus zum arbeiten,
auch auf der Röhrenbrugg wurden zum Spinnen immer geistl. Lieder gesungen,
sein Sohn Johanes Scherrer, folgte ihme nach in dieser Lobl. übung.
Sonst hat sich seit der Revolution das junge Volk mehr mit Volks- und
Gaßen Lieder abgeben, in den Wirtshäuser wird viel gesungen & gesprungen.
[AU 155] Jst das Herr Gott wir Loben Dich, am nachmittag der Einweyung Predig hier
abgesungen worden, ohne gottes dienst, und weil vorhero lang gelehrt worden
und bekant gemacht das ein Tedeum werde abgesungen werden bey diesem
anlaß, so gab eß so viel Leut das die Kirchen solche nicht faßen mögen
und wegen starckem gedräng grose unordnung und schaden an der Kirchen
geben hat.
[149] 149
63
HE.r. Landes Beamte im Speicher geweßen folgende.
[Ao. 1597] Von Ao. 1597 bis 1612 war der erste Landsfähnrich
Hr. Petter Eugster, in der Schwendy, alte Leuth erzehlten das Er hier
in der Schwendy in der Auw wohnhaft gewesen seye, ich habe in keinen
Schriften nichts von ihme finden könen, er muste also nach auf St. Gallen, in
auf das Lynsibühl, beErdiget worden seyn vor dem Kirchenbau hier.
[Ao. 1611] war Landsseckelmeister Hr. Sebastian Altherr bis Ao. 1616, da
derselbige zum Landvogt in das Rheinthall gesezet worden von ausrooden.
Er hate ein guth im Speicher an der Kolhalden, und hat Ao. 1613 „wegen
seinem guth zum Speicher“ heißt eß im Kirchen Libel, ƒ. 35 an die neue
Kirchen hier gesteuret wie pag 27 zuleßen ist. Ob er alda wohnhaft ge-
weßen als Landsseckelmeister, ist ungewüß, von Rheinegg weg seye
Er auf Trogen zogen, weilen das hauß an der Kohlhalden während der
Landvogtthey abgebronnen sey, erzehlte man mir.
[Ao. 1701] ist zum Landsfähnrich Erwehlt worden Hr. haubtmann und gewesner
Landsbauherr Michel Schläpfer, zum Speicher, welcher das amt bis 1720
verwaltet, und Starb Ao. 1724 d 23. Febr. 77 Jahr alt, er soll ein groser
ansehlicher mann gewesen seyn, das man ihne wegen beschwärden auf dem
Schliten zur Kirchen geführt habe. Er habe weder schreiben nach geschreibenes lesen können.
[Ao. 1740] wurde zum Landshaubtmann erwehlt, Hr. Conrad Ringeisen, haubtmann
[Ao. 1738] vom Speicher, in Bendlehn wohnhaft, Er Starb Ao. 1740 d 2. Januarj
55 Jahr alt. Er sey erwehlt worden weil er von der harten Parthey gewesen.
[Ao. 1762] ist zum Landshaubtmann Erwehlt worden, Hr. Docter M. Rathsherr
Johann Jacob Zuberbühler, ein gelehrter Einsichtvoller Herr und
[Ao. 1780] wurde derselbe zum Lands Sekelmeister Erwehlt, und das folgende Jahr darauf
[Ao. 1781] zum Lands Statthalter, und nach deme seine Ehren Ämter Ruhm voll verwaltet,
[Ao. 1782] zum Regierenden Landamann Erwehlt worden. Er war 47 Jahr lang im Rath u.
[AU 156]Regiment, und während der Verwaltung seiner Landes ämter zu Gesandschaften
32 mahl abgeordnet worden, welche er nicht allein zur Ehre und besten des L.
Vatterlands, sondern auch zur allgemeiner Zufriedenheit verwaltet bis 1794
da ein Jahr vorhero eine unruhige Landsgemeind gewesen, so verlohr er allen
Lust, und merckte zum Vorauß unbeliebige auftrit sich ereignen könten,
weil von vielen Articul im Landbuch die Red war das solche müßen ver-
ändert werden, so entschloß er sich vest zu resignieren, welches auch geschehen 1794
sein überrüther war Hs. Jörg Hörler, u. Conrad Sturzenegger, u. Läufer Jacob Motely, und
Bartly Sonderegger, Jacob Koller herren Pfeiffer gewesen.
[150] 150
63
Landes Beamte im Speicher waren folgende.
[Ao. 1794] wurde zum Landsfähndrich Erwehlt Johann Bartholome Rechsteiner
Haubtmann vom Speicher, und Lands bauHr. welches lestere amt gleichwohl
nach verwalten müßen, und erst Ao. 1795 darvon entlasen worden, da
[Ao. 1795] das Landshaubtmann amt auf mich gefallen und zugleich als erster
Examminator erwehlt worden & ein mitglid zur Recruten Kammer,
desgleichen auch als Salz Factor ernant, und verordnet worden alle
Wochen auf Rorschach das quantum Korn auszutheilen 2-Jahr 8. woch. lang.
[Ao. 1796] zum Reichsvogt gesezt worden, das zwey Exicutionen beywohnen müßen.
[Ao. 1797.] Endlich zum Regierenden Lands Statthalter Erwehlt worden, da auf
das nächste Jahr aber die unruhen im Land und eine allgemeine Revolution
in der Eydgnosschaft außgebrochen, auch in unßerem vatterland die geseze
durch verordnete Deputierte auß allen Gemeinden haben sollen abge-
änderet und ein groser theil Landleut hinter der Sitern sehr unruhig gewesen,
das viele betrübte folgen abgesezt, auch 2 Landsgemeinden in Teufen zu halten
auf mich gefallen sind, weil die beden HEr. Landamann unpäßlich waren, und
in der lesten Landsgemeind in Teufen, die hiz solcher maßen bey dem Land
volk außgebrochen, wegen Hs. Conrad Bondt, das es mehr wie eine Schlacht als eine
Landsgemeind gewesen, auch an der Jahr Rechnung in Trogen nach eine hitzige
Rebellion außgebrochen auf dem Rathhauß, wie solches vorhero hinter der Sitern
auch etliche mal geschehen, und Endlich ein betrübter bürger Krieg angezetlet
worden, das man von vor der Sitern mit bey hielf der Jnnrooder mit
gewalt hat wollen hinter die Sitern bewaffnet ziehen, wolte der HEr. Landamann
Örtly, und Schreiber dies kein antheil an solchem unglücklichen unternehmen des
aufgebothenen Lands Sturms nehmen, und entschloßen uns auch zu unserer
Sicherheit uns zu resig entfernen, wie solches auch schon von dem HEr. Landamann
Zuberbühler, und Zellweger, geschehen ist, wie auch von HEr. Statthalter Scheuß,
u. Hr. Lands Fähnrich Tobler, die sich auch über Rhein begeben, so haben wir
alle 4 beamtete unsere resignation geschreiben an grosen Rath u. die Landsgemeind
geschickt, mit gründlichen Vorstellungen und Treuen Wahrungen 1798.
[Ao. 1798] ist die leste Landsgemeind gleichwohl nach gehalten worden von wenigem Volk,
und ist Johanes Hörler, ein privatmann der aber bey der Rebellion in
Trogen als anführer ein anhang bekommen, zum Lands Hbt. Erwehlt worden, es
währte aber nur nach Tag so mußte die neue Constitution angenommen werden
und da dieser sonst frome u. beredte Mann sich bey der neuen Regierung wegen
dem neuen Eyd schwehren, wider ein anhang erworben u. das volk abgemahnt
mit denen Vorstellungen in der Kirchen das heute uns segen oder Fluch vorgelegt werde.
[151] 151
64
Helvetische- und wider Lands Beamtete im Speicher gewesen.
Das man doch solle den Segen erwählen, und also die Eydleistung hintertrieben
könen, auch seine gründ u. prottistation wider den Eyd schwur dem bürger Agent
[Ao. 1798] Johanes Schläpfer, und seinem Secretar Tobler, auf Pabiere geben, das hörler endlich
auf St. Gallen gefänglich engesezt worden, und da er immer auf seine meinung ver-
harrt hat er sich darmit das unglük zugezogen, das er Malifizisch abgestraft
und mit der Ruthen ausgeschwungen worden, wie auch auf den Pranger gestelt.
[Ao. 1801] wurde der bürger Agent wegen seiner Treuen Verwaltung zum Districkts
[AU 157]Statthalter erhoben, namlich Johanes Schläpfer, und hernach während der Jnterims Rg.
[Ao. 1802] zum Lands Statthalter angenommen worden, daurte aber leider nur 9 wochen lang.
Vom 30. aug. bis anfangs novembris ist die helvetische Regierung wider angefangen
worden, und die Lands obrigkeit mußte wieder eylends abtretten.
[Ao. 1803] da laut der Vermitlungs Acte von Bonaparte denen demokratischen orten wider
Landgemeinden zuhalten erlaubt worden & eine eigne obrigkeit zuerwehlen, ist
[1803] wider zum L. Statthalter Erwehlt worden obiger Hr. Johanes Schläpfer, hier.
Die Leut glaubten wieder die alte Freyheit bekomen zu haben, siehe unten *)
[1814] wurde der geweßne bürger Distric Statthalter, von Heiden, hier wohnhaft
zum Landes Seckelmeister erwehlt naml. Hr. Conrad Tobler.
[180 ] *) vom Pfr. Huber in der Waldstatt, ein Sachs, Reisbeschreibung meldt
Der Appenzeller ist Stolz auf seine Freyheit, ob sie gleich nur nach
dem namen nach vorhanden, und ein bloßes schattenbild der ver-
gangenen Zeiten ist, daher sie der Nüße gleicht auß deßen Jnnerem
ein gefräßiger Wurm den Kernen heraus genaget hat, und die
lähren schalen übrig gelaßen.“
[152] 152
65
Speicher Rood vor der Landtheillung & Gaßengrichts.
[Ao. 1625] hat Hr. Bartholome Anhorn Pfarrer zum Speicher, in seiner Appenzeller Cronic
geschreiben „das Speicher samt der Gemeind Teufen mit etlichen häusern
in Habsach, in d. Trogner Kirchhöri*) machend eine ganze Rood, und gabend in den
zweyfahen grosen Rath 24 Mann“ (namlich auf appell.) **)
Das Speicher nur eine halbe Rood gewesen zeiget auch Sigl und Brief von
Ao. 1579, da die in Habsach die hölzer und gemeinden (oder Gemeinmerk) in
der halben Rood Speicher gelegen, angesprochen, haben Landamann u. Rath zu
Appenzell, solche der halben Rood Speicher zugesprochen wie von altersher
ihr Eigenthümlich Gut soll heißen und seyn.
Ob die andere halbe Rood die ganze Gemeind Teufen, oder nur Rothen genant
geweßen, die sich vom Speicher abgezogen, und zu Teufen geschlagen, welches
ein groser bezirk gewesen bis an Rothbach, und auch daher den Nammen haben wird,
habe nach nicht in erfahrung bringen können, eine Beschreibung deßwegen hier p. 19 zu zul.
Also sind die Rooden vor der Landtheillung nicht nach dem Kirchhörinen ***)
Eingetheilt gewesen, sondern nach altem herkommen gewüße Bezirck eine Rood
außgemacht, das in Ausrooden nur in 6 Rooden eingetheilt gewesen, wie
Jnn Rooden auch 6 Rooden hate. Speicher war eine uralte Rood gewesen.
—————
[AU 158] 1625*) auf Trogen Kirchgehörig waren zu dieser zeit # (schreibt Pfarrer Anhorn)
„Die da haußhablich sind am Rechberg, Rehetobel, Habsach, und Girthanen.“
—————
- ) Vor altem war ein Gaßengericht da man auf offner Landstras ist zu-
- ) Vor altem war ein Gaßengericht da man auf offner Landstras ist zu-
Gricht geseßen (wie in Stetten unter den Porten üblich geweßen) Dißes ist
abgeschafft u. davor ein geheimer Rath u. Gericht eingeführt worden auf dem
Rathhaus zu halten, alle Mitwochen kam das Gericht zusammen u. Straften
Frefel und legten bußen auf, es waren 24 Richter, aus Jeder Rood zwey, also
von der halben Rood Speicher 1 Richter troffen, alle wochen auf Appenzell.
Der Landweibel führte den Staab darbey.
Demnach war das geschworne Gricht, für das kammen allein die sachen
so man mit dem Eyd entscheidet u. waren der Richter 12 an der Zahl.
Es war auch auß jeder Rood einer des Raths Erwehlt, welche ein aufsehen
haben und umgang machen, wer wider die Sazungen handle, deßnahen
so man etwas vor Rath bringen solt, Rathschlagenden Sie vorhin, darumb
wirdnus von Jhnen genent Landthällicher, und bleiben allwegen im amt.
***) auß denen Cronicen erhellet, das Teufen in zwey Rooden abgetheilt gewesen,
und zur obern Teufer Rood Bühler, Rothen, und Speicher gehört haben.
[P.S.] Eine beschreibung von der Speicher Rood ist pag 20 nach Walsers Chronik & Bischofbergers.
[153] 153
66
Haubtleuth im Speicher vor -und nach dem Kirchenbau.
[AU 159]Die alte Speicher Gemeind, machte vor dem Kirchen bau 2 Rhoden auß,
[AU 160]will sie vertheilt waren in Jhrem Kirchengangn, das die vor dem bach genant
[AU 161]auf Trogen, die hinter dem Bach aber auf St. Gallen Pfargnösig waren,
Jedoch alzeit Jhre eigne Haubtleuth und Räth gehabt (wie andere Rhoden ohne so
damahls auch nach keine eigene Kirchen gehabt.) und findt man folgende haubtl.
[Spruchbrief 1550] war haubtmann Jacob Locher zum Speicher.
[1te Ao. 1542] „Hans Kern der Zeit Haubtmann im Speicher &§ (meldet der Steinegger Brief)
[2te Ao. 1579] war Haubtmann Hany Tanner im Speicher d. vor dem Kirchenbau gestorben,
Es ist auch auß dem Vogtthy Rödlen zuersehen wie hier pag 21 gemeldt wird.
[3te Ao. 1602] Haubtman Hans Koller, die vogtthy Rechnung gehalten und zur neuen gmeind
[Ao. 1614] widerum bestät worden, Er wird in Kohlhalden wohnhaft geweßen seyn
und ist bis circa 1626 haubtmann verbleiben Er Starb Ao. 16
[4te alte od. 2te neue] Haubtman Wälty Rechsteiner war auch schon vor dem Kirchenbau und
[Ao. 1614] widerum zur neuen gemeind, oder Kirchen haubtmann verbliben bis ca. 1620.
B! auß dißem 4 alten haubtleuten ist vast zuschließen das Jegliche
Rhod 2 haubtleuth möchten gehabt haben, will würckl. nach dem Kirchen-
bau eß etlich Jahr nach bey 4 haubtl. verbleiben dann zu obigen
[der 3te neue ist Ao. 1614 ca.] Haubtman Hans Tanner auf dem Rüschen, auch gesezt worden, und Hbtm.
verbliben bis Ao. 1660 ca. Er starb ao. 1662 d 27. 9bris. 79 1/2 Jahr alt, desgleichen
[der 4te ist Ao. 1614 ca.] Haubtman Ully Krüsy, war auch schon während dem Kirchenbau Haubtm.
und wird vor dem bach gewohnt haben, will in seinem guth die quader Stein
zur Kirchen gebrochen worden ohne zweifel im Töbeli. Er Starb Ao. 1635 12. Mertz
man findt weiters nichts zuleßen von verwaltung seiner haubtmann Stell.
[der 5te in 1640r Jahren] war Haubtmann Uly Koller, am Fläcken. B! nebend Hs. Schwendymann siehe
nebend stehend das mehrere von beiden haubtl. Er Starb Ao. 1668 73 Jahr alt.
[der 6te Ao. 1655 bis 1660 ca.] Haubtmann Hans Rechsteiner, auf dem Rüschen, wurde zugleich auch Landsbau Hr.
[ao. 1681] und verwalte beide Stellen bis 1694, da wird Er Resigniert haben, aber gleichwohl
nach des Raths alhier verbleiben, Er Starb Ao. 1697 a 23. April 81 Jahr und
43 wochen alt
[der 7te Ao. 1693] Haubtmann Ully Krüsy, unter der Kirchen wohnhaft zulest, vorhin an Kohlhalden.
Er wurde in seinen lesten Lebens Jahren kindisch. Er Starb Ao. 1721 d 22. Janu.
[# Ao. 1701 ca.] Haubtmann Hans Rechsteiner, Jünger auf dem Rüschen, wurde zugleich auch
[gehört in nebigs blat] LandsbauHr. Ao. 1706 Er resignierte wegen hohem alter Ao. 1720, sein nachfolger
[Ao. 1720] Haubtm. Hans Schläpfer, im Flecken Lebte aber nur wohl 1 Jahr, und Starb schon
Ao. 1721 a 27. Julj 58 Jahr 8 monat alt, hierauf habe man die haubtmannschaft dem Johs.
Rechsteiner Baschonen Sohn gerechnet, dißer aber Starb auch in der zeit, deßwegen ist nach mahl
[Ao. 1722] wider der 78-Jährige LandsbauHr. Hs. Rechsteiner wider zum haubtman erwehlt worden, und
Starb aber auch im gleichen Jahr 1722 a 24. Junj 78 Jahr alt, auf Jhne folgte Ulli Rechsteiner.
[154] 154
66
Willen nach dem Speicher Kirchenbau lange nach die Rhod recht abtheillung beybehalten worden,
und solcher gemäß Jmmer auch haubtleuth und Räth hinter dem bach Erwehlt worden,
so wil solche wie sie im zweiten Rang aufeinander gefolget hernach beschreiben.
[der erste Ao. 1618 ca. oder Ao. 20] Haubtmann Jacob Schwendimann, war Siechenpfleger, und Ao. 16 auch
zum Lands Bauherr Erwehlt bis ao. 1657) die haubtmann Stelle verwaltete
er zugleich über 40 Jahr lang, da aber die gemeinen güther unter seiner
Regierung in abgang gekommen, so machte das großen Streit in der Gmeind
wie auß dem urtel Recess de Ao. 1659 zuersehen, der in hießiger Trescamer.
Er Starb Ao. 1659 d 7. Janu., darauf sind beide neue Haubtl. gesezt worden §
[der 2te Ao. 1626 oder 1627] circa, ist Haubtmann Andereas Schitly Erwehlt worden (vor ho.hs.Koller)
Er Starb Ao. 1649 d 11. April.
[in 1650-Jahren] § Haubtmann Michel Schmidly, seye in der Schwendi hinter der Auw wohn-
haft geweßen, von seiner Verwaltung siehe hier pag 65 ein Exempel.
Er Starb Ao. 1673 19. Febr. 76 Jahr alt, ist haubtmann geweßen bis
[der 4te Ao. 1669] haubtmann Ully Krüsy, an Kohlhalden Wohnhaft, erwehlt worden.
Er Starb Ao. 1689 d 29. mertz 75 Jahr alt.
[der 5te Ao. 1688] Haubtmann Michel Schläpfer, wohnhaft auf dem Eggli, und Bendlehn,
[AU 162] wurde Ao. 1694 zum Lands bauherr erwehlt + und ao. 1701 zum Landsfähndri.
Er sey ein außerordentlicher großer dicker Mann geweßen ca. 3 ell dick.
Man hab Jhne in der lesten Zeit auf dem schliten nach zur Kirchen führen müßen
wegen ungesunden großen dicken beinen, das Landfähndrich amt hate Er
verwaltet bis Ao. 1720 und Ao. 1724 23. Febru. ist er gestorben 77 Jahr alt
und war zulest nach unter der Kirchen wohnhaft, hab 5 mahl geheurathet.
Auf Jhne ist zum haubtmann Erwehlt worden, ohne zweifel der folgende
[der 6te Ao. 1701] # B! nebstehender schon geschreibene, hbt. Hans Rechsteiner auf dem Rüscher
folget dan haubtmann Ully Krüsy bleibte bis circa 1720 h. und der
[7te] Haubtmann Hans Schläpfer im Flecken, wie nebendstehend beschreiben.
[155] 155
66
Die Haubtleuth der Gemind Speicher, im Lesten Rang.
[Erwehlt]
[der 8te Ao. 1723] Haubtmann Ully Rechsteiner, in Kalabind, wohnhaft
ein sehr ansehl. Mann über 6 schu lang, Starb an einem hitzigen Fieber.
Ao. 1729, 29. May 42 Jahr alt zum grösten Leid und Reuen des gemeinen weßens.
[der 9te Ao. 1730] Haubtmann Ullrich Schläpfer, an Kohlhalden hbtm. Hansen sel. Sohn
(war ein groser dicker Man.) wil er aber von der Linden parthy gewesen
Jm Landhandel so hat man Jhne Laut dem Landsgemeind mehr wie alle
andere entlasen müsen Ao. 1734 erst starb Ao. 1760 im Frühl. d 12. may alt 76 Jahr 1 M.
Ao. 173 hat er müßen auf den Landsgemeind stuhl helfen die mehr aussprech.
[der 10ete Ao. 1734] Haubtmann Conrad Ringeisen, wohnhaft in Bendlehn.
er wurd aber Ao. 1738 zum Landshaubtmann Erwehlt, und Ao. 1740 2. Jenner
Starb er 55 Jahr alt.
[der 11te Ao. 1738] Haubtmann Johanes Keller, auf dem Kirchen blaz wohnhaft,
hat aber Ao. 1767 Resigniert, und ist Jhme wilfahret worden.
Er Starb erst Ao. 1769 19. aug. im 70 1/2 Jahr alt, vermachte ƒ. 300.-
[der 12te Ao. 1767] Haubtmann Johanes Rechsteiner, hbtm. Ullys sel. Sohn, in
Kalabind, wurd zugleich an neu und alt Räthen zum LandsbauHren
erwehlt, und veraltete diße doppelte Ehren Stelle 23 Jahr lang, endl.
Ao. 1790 hate Er wegen 75-Jährigem alter Resigniert.
[der 13te Ao. 1790] Haubtmann Johann Bartholome Rechsteiner, schreiber diß, und
den folgenden Tag zugleich auch zum Landsbeuherren Erwehlt worden
und hernach Ao. 1794 zum Lands Fähnrich, deßnahen E.E. Kirchhöri an der
[Ao. 1794] gehaltenen Haubtmanns gemeind, die 26.igste neue Haubtmanns Wahl sit 1614
[d. 14te Ao. 1798 8br] vorgenommen, und Erwehlt Haubtmann Ullrich Schläpfer, in Steinegg, Adames
nach Annahm der neuen Constitution, ist er Districts Richter worden, auf Teufi
und der Schulmr. Hs. ulr. Rüsch, zum Supliant dahin erwehlt.
[Ao. 1799 d. 15te] d 30. Junj ist zum Stilstehenden haubtmann erwehlt worden, alhier,
Johanes Rechsteiner, im Gern, bis d 13. 8bris gedaurt & hat
ist wider als Pressident in die Municipalität die Regierung angetreten,
Räth sind d 30. Junj meistens neue Erwehlt worden 1. wider Conrad Rechsteiner, Vögeliseg,
naml. 2. Hs. Ullrich Rüsch, der Schullmeister, wurde zugleich Copieschreiber,
Johanes Rechsteiner im Fleken, Johanes Eugster, in der Schwendy aufem Wisböhel,
Hs Conrad Schläpfer, im Maß, Adam Sturtzenegger, auf Holderschwendy,
Ully Koller, auf Vögelisegg, , Michel Rechsteiner, de Heinrichs.
Jörg Leonhard Schläpfer, im Kaufhaus.
Ully Tobler, in der Schwendy.
[156] 156
66
Jm Zweyten Rang, sind nachstehende aufeinander gefolget.
[erwehlt]
[der 8te Ao. 1720 ca vor Hs. Ullj Krüsy her worden] Haubtmann Jacob Baumgartner, in Rüthenen wohnhaft.
Ein groser, autoriteischer Mann, will er aber ein anführer des volcks bym
auszug in Almenweg, im Landhandel gewesen § sihe das mehrere Pag 198 312
nach der Landsgemeind Ao. 1734 hat man Jhne entlasen müsen.
Starb Ao. 1745 a 7. Janu. 71 Jahr alt den armmen ƒ. 100.- vermacht.
[der 9te Ao. 1734] Haubtmann Ully Baumgartner, Jm Maß, nebet Bendlehn
Starb Ao. 1742 11. 9br. 73 Jahr alt, der Kirchen ƒ. 120.- vermacht.
[der 10te Ao. 1740] Haubtmann, Ully Baumgartner, in Rüthenen, und im Maaß w.
ein sanftmüthiger friedfertiger mann, an die armmen vermacht ƒ. 50.-
Starb Ao. 1770 24 9br 65 jahr alt, zulest im neuen hauß, im Maß wohnh.
[der 11te Ao. 1771] Haubtmann Johanes Baumgartner, auf dem Rüscher
Starb Ao. 1778 27. May 73 1/2 Jahr alt vermachte ƒ. 50.- an die armmen
und ƒ. 50.- an die Schullen
[der 12te Ao. 1779] Haubtmann Sigmund Baumgartner, ob dem Mas de Ulr.
Starb Ao. 1794 d 4 aug. 57 Jahr wochen alt, vergabete zusam. ƒ. 1000.-
[d. 13te Ao. 1795] Haubtmann Gabriel Rüsch, alt Landschreiber, im Dorf hat seinen
Lebens Lauf beschloßen d 16. mertz Ao. 1797 im alter 77. Jahr 11 wochen
[d. 14te Ao. 1797] Haubtmann Sigmund Baumgartner, auf dem Rüscher, der leste,
hirmit sind sit dem Kirchen Ao. 1614 bis Ao. 1798 28 Haubtleuth geweßen.
Ao. 1798 hat er die Stelle nach alß Provisorischer Haubtmann versehen - biß
Ao. 1798 d 28. 8bris eine neue Municipalität gesezt und er als President
darzu erwehlt, hat er solches nicht annehmen wollen, und den Armmen ƒ. 300.-
versprochen, das man Jhme loß laße von allen weitern Stellen man
wilfahrte, und sind ƒ. 100.- den armen, und ƒ. 200.- inß Waysenguth zalt worden.
[Ao. 1799 d. 15te] ist d 23. Junj wider eine Landsgemeind in Hundwill gehalten worden
und d 30. Junj wider haubtmans gemeinden, und ist im Speicher zum neu
Regierenden Haubtm. erwehlt worden, Conrad Schläpfer, auf der Brugg,
die ganze Regierung daurte aber nur bis d 13. 8br da mußte widerum
die Municipalität & gemeinds cammer wider antreten die Regierung.
[Ao. 1802 1.7br.] ist widerum Conrad Schläpfer zum Regierenden haubtm. erwehlt worden
und zum Stillstehenden Hr. Hs Conrad Schläpfer im Maas.
Diese Regierung aber hat wider nur 9 wochen lang gedauret u. die Municipalität
& gemeinds kammer wider entreten müßen d 7. 9bris.
[Ao. 1803] nach erlangter alten Verfaßung, ist widerum der alte haubtm. Conrad Schläpfer, zum
Regierenden- & Hs Conrad Schläpfer zum Stillstehende haubtmann Erwehlt.
Die Pressidenten & Municipalitäten sind pag 704 zusehen u. 70 hierin.
[157] 157
66
Erste Hr. Vorgesetzte zur neuen Gemeind Speicher Ao. 1614.
[Ano 1614 erste Haubtl. und Räth.] Haubtman, Wälty Rechsteiner, bleibte bis ca. Ao. 1620 Haubtmann
Haubtmann, Hans Koller, bleibte bis ca. 1626 am Leben oder Habtm.
Haubtmann Hans Tanner, Starb Ao. 1662 a 27. 9br. 79 1/2 Jahr alt,
Haubtmann, Ully Krüsy, Starb Ao.1635 a 12.Mertz,
RathsHr. Jacob Schwendiman, und Siechenpfleger Ao. 16. hernach Haubtm.
do. Andereas Schitly, hernach auch zum Haubtmann Erwehlt worden.
—————
[Ao. 1550] ist ein Spruch Brief in der Schwendi hier gemacht worden, von damahligem Hr.
Jacob Locher Hoptmann zum Speicher, und Rudolf Koller, und Anndres
Zidler, von Bennlehn, Spruch oder dädigungs Männer.
—————
[Ao. 1628 sind Haubtleuth & Räth geweßen im Speicher.] Haubtmann, Hans Tanner,
Haubtmann Andereas Schitly, (vor B Haubtm. Wälty Rechsteiner Ao.1620 ca
Haubtmann, Ully Krüsy, Haubtmann worden
Haubtmann, Jacob Schwendyman, (vor B! Habtm. Hs Koller Ao. 1618 ca.
Rathsherrn, Ully Lancker,
Rathsherrn Mathias Graf,
Ratsherrn Adam Rechsteiner,
Ratsherrn Jacob Schitly,
Ratsherrn Heinrich Koller,
Ratsherrn Casper Bäntziger
Ratsherrn Jacob Bruderer,
Ratsherrn Ully Koller,
—————
Das Waysenhauß in Herisau, im Sanngen genant, circa eine Stund vom dorf gelegen,
hat Hr. Landammann Schieß in Ao. 1620er Jahren bauen lasen, ein groses Kostbares gebäude
vor selbige Zeit, alles gewölbte Kehr, und webstuben in den Fenster sind vielle
schöne gefarbete schild und Wappen, von allen damahligen gemeinden des Lands findt
man Haubtleuth und Räth, mit Nammen und gschlächt, an diesen schilden geschreiben,
und im Speicher waren, wie obstehet 4 Haubtleuth und 8 Räth &c.
Das erste Landbuch nach der Landtheillung, so in 1630r Jahren abgefaset worden,
meldet Speicher habe 6 des Kleinen, und 4 des grosen Raths, hiemit 10 vorgesezte.
Es waren vor dem Speicher Kirchenbau, nur nach 7 Kirchen in ausrooden, die anderen
Rooden waren alle ausertlands Pfargnösig, haten aber gleichwol Jhre vorgesezte,
[AU 163]zum Exempel der ganze Kortzenberg hate nur 8 des kleinen und 4 des grosen Raths,
die am unteren Hirschberg 4 des kleinen- und 2 des grosen Raths, auf St. Margretha Pfarg.
Die am oberen Hirschberg 2 des kleinen- und 2 des grosen do. waren auf Berneg Pfährig
[AU 164]OberEg hate 2 des kleinen- und 2 des grose. do. waren auf Berneg pfährig
und also wird Speicher Rood, und Schwendi VögelysEger Rood, bis zu Jhrem Kirchenbau Jegliche auch
eigene vorgestzte gehabt haben allem anschein nach, wie Pag 58 und 59 das mehrere.
[158] 158
66
Vorgesetzte im Speicher, in 1630er Jahren. Jhre Compidenz.
[Ao.1614] Die ersten Vorgesezten im Speicher, haten wenig Compidenz.
Jndeme alle kleine Händel und Streit sachen, vor den kleinen Rath kommen,
und do zu mahlen alle 14 Tag in Trogen kleinen Rath gehalten worden,
und demselben nur die Vorgesezten von Trogen beygewohnet, auch am
kleinen Rath in andere gemeinden die Vögt gesezt worden bis zur
Verbeßerung des Lands Buchs, Ao. 1632 wurde Erkent u. beschloßen:
- Wann zu Trogen der gewohnliche wuchen Rath gehalten wird, so soll nebend den
Räthen, in der Kirchhöri daselbsten darzu verordnet und sy also ihren gewißen
Umgang habend, und will so oft daselbst Rath gehalten wird, selbigen Räthen
die Beschwärd nicht allein auf dem hals liegen, auch des Raths einer von Teufen,
einer vom Speicher, einer auß der Grub, einer ab dem Kurtzenberg, einer ab
dem untren- und einer ab dem oberen Hirschberg, einer ab der OberEgg,
und einer ab Gaiß, jeder Zeit auf Trogen in Rath verordnet werden.
B! eß wurd der wochen Rath genant, will eine wochen vor der Sitren,
und in der andren Wochen allemahl hinter der Sitren kleinen Rath war.
der kleinen Raths glider hat damahlen keine Belohnung,
sonderen nur VerEhr Wein genant.
__________
Jn den 1630er Jahren werden auch folgende des Raths im Speicher gewesen
seyn, will solche zu Kirchen pfleger gesezt worden, und sich darvon ausgekauft.
[Ao. 1629] Ully Koller im Fleken vermacht der Kirchen nach seinem Todt, das er nicht
hat wollen Kirchenpfleger seyn 50 lb.
[Ao. 1632] Jag Kellenberger, das Er nicht hat wollen Kirchenpfleger seyn ƒ. 15.-
[Ao. 1635] Ully Zürchers, Erben, von wegen das Er nicht wollen Kirchenpfl. seyn ƒ. 50.
[Ao. 1635] Ully Kollers, Erben hinderem Aker, das Er nit wollen Kirchenpfl. seyn ƒ. 50.-
Ully Jller, vermacht nach seinem Todt, das Er nicht Kirchenpfl. seyn wollen ƒ.50 lb.
[in 1630er] Jahren, war Debus Graf, alhier des Raths. Debus war Matheus der name
[ao. 1636] Hans Koller, an Kohlhalden, vermacht nach seinem Todt, das Er nicht wollen
Kirchenpfleger seyn. 50 lb.
Tomas Schitly, Versprochen das man ihne des Kirchenpflegeramts
entlaßen ƒ. 15.-
___________
[Ao. 1675 3. Junj] - hat E.E. großen Rath Erkent, das in allen Kirchhörinen, Roden, und geginen, unseres
Lands, sollen Copejschreiber gesezt werden, die des Raths sind, u. sollend keinerly
Copiaen weder von Zedel nach Briefen, weder von Predigkanten, nach Jemand
anderen sonst geschreiben werden, wann Copeyen überschickt wurden die deme
zuwider, soll solche der Landschreiber wiederum hinweg schicken, so wollen auch
die welche schon von einem Raths Freund nur unterschreiben wärend.
[159] 159
66
Haubtleuth & Räth im Speicher, in 1614er- & 1650er Jahren.
[Ao. 1642] kleine Räth im Speicher gewesen, bis Ao. 1646 die gleichen, ausgenommen die
Haubtmann Andereas Schitly, abwechslung der Haubtleuthen.
Haubtm. Jacob Schwendimann, war auch ein Wirth.
Haubtm. Hans Tanner,
RäthsHr. Ully Koller,
do. Ully Rüsch,
do. Michel Schmidly,
des großen Raths.
Debus Graf,
Jacob Schwendimann, (Jünger Kirchhöri Schreiber geweßen) pag 63.
& Copeyschreiber sind erst 1675 gesezt, oder Erkent.
Pauly Gschwend,
Hans Keller, schnider
Urich Lanker,
Hans Locher, Schwendy,
[Ao. 1646] des Raths Hans Bruderer, auf Vögelinsegg, Starb Ao. 1660 d 13. Jener.
—————
[ao. 1655] Des kleinen Raths im Speicher gewesen nach der abtheillung im Landbuch
Haubtmann Hanß Rechsteiner, (Starb 1797 23. april 81 Jahr 43 wochen alt).
Haubtm. Ully Krüsy, (an Kohlhalden, Starb Ao. 1689 29. Merz 75 Jahr alt.)
Haubtm. Michel Schmidly, (Starb Ao. 1673 d 19. Febr. 76 Jahr alt.)
RätHr. Mr. Hans Altherr, Starb Ao. 1685.-
RätHr. Mr. Hans Koller,
RätHr. Mr. Thomas Schitly,
des großen Raths folgende
Hanß Graf,
Matheus Koller,
Hans Eugster, B! Starb 1684 16. Junj
Hans Grunholtzer,
Christian Bruderer,
Hanß Grunholtzer, im Meggli, Starb 1701 d 17. 9ber.
71 Jahr 8 Monat alt.
[160] 160
66
RathsHerren So dieser Gemeind vorgestanden
| Ehrwehlt | Hans Rechsteiner, d Baschlis oder Elsen Hs. genant, | Starb Ao. 1697 d 23. April | ||
| 1650 ca. | Haubtmann worden, auf dem Rüscher & Röhrenbrug wohnhaft | 81 Jahr 83 wochen alt | ||
| ---------- | ||||
| in 1656 Jahren | Michel Rechsteiner, älter im gern wohnhaft geweß | Starb 1664 d 28. Janu. | ||
| von ihme Stammen alle Gern Michel. her, hier und | 50 Jahr alt vor dem K.bau tauft | |||
| im Rehetobel | ||||
| ---------- | ||||
| in 1680r Jahren | Michel Schläpfer, hernach Haubtmann ao. 1688 auch | Starb Ao. 1724 d 23. Febru. | ||
| LandsbauHr. 1694, und Landsfändrich 1701 | 77 Jahr alt, 5 weiber gehabt | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 1689 ca. | Ully Krüsy, Jünger, | Starb Ao. 1721 d 22. Janu. | ||
| Ao. 1693 zum Haubtmann Erwehlt worden | ||||
| ---------- | ||||
| A. 1656 ca. | Marty Fäßt, Starb Ao. 1664 70 Jahr alt wird | |||
| Pag 34 und 35 nach mehrere bey der Kirchenrechnung zuseh. | in Trogen getauft worden sey 1594. | |||
| ---------- | ||||
| in 1690 Jahren | Jacob Anderauer, der ao. 1 hier den Einzug | Starb Ao. | ||
| geben, ware von Teufen gebührtig | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1692 circa | Hans Rechsteiner, Hbt. Sohn des Raths worden hier, | Starb 1722 24. Junj 78 Jahr alt | ||
| und Ao. 1701 wurd er Haubtmann &ca. 1706 LandsbauHr. | &c. das mehrere pag 56 zu s. | |||
| ---------- | ||||
| In 1670r Jahren | Hans Koller, des Raths | Starb Ao. 16 | ||
| ---------- | ||||
| Ao. 1680 Jahre | Bartly Grunholtzer, des Raths & vorsinger 1te | wird ca. 1693 gestorben seyn | ||
| d 2. Jener 57 Jahr alt. | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1655 | Hans Graf, im Tobel, wohnhaft. | Starb Ao. 1695 a 11. mertz | ||
| 81 ½ Jahr alt | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1670 Jahren | Ullrich Schläpfer, in SteinEgg, Stein Ulrich genant | Starb Ao. 1716 a 26. mertz | ||
| ---------- | ||||
| Ao. 1690 Jahren | Mr. Hans Graf, in der Schwendy wohnhaft | Starb Ao. 1617 a 19. Junj | ||
| war ein guter baumeister sehr stark, der Schwarz genant |
[UE 17]Extract auß dem alten Kirchen Buch im Speicher
- Verzeichnus derJenigen so von der Kirchhöri belohnung
- empfangen, und wider nach obrigkeitlicher erkantnus Erlegen werden
1. Hs. Michel Schmidly ƒ. 18.-
2. Ully Rüschen seel. Erben ƒ. 12.-
3. Hans Bruders seel. Erben ƒ. 10.-
man hat Jhnen kein zins abgenommen willen das bar geld erlegt
4. Hans Altherr hat ƒ. 6 erlegt, nach schuldig ƒ. 4 ƒ. 10
5. Thomann Schitly ƒ. 10 mr soll Er von der Steur ƒ. 6 ƒ. 16
6. Marty Fäßten seel. Erben ƒ. 4
dieße ƒ. 4 waren bezahlt wann er vorsunge biß auf bleiche
Ao. 1682
7. Hans Graf ƒ. 8
8. Baschly Lancker ƒ. 6
9. Conrad Schitly soll ƒ. 14
dieße ƒ. 14.- hat Conrad Schitlis seel. witib ƒ. 98
abgelegt d 9.bris 1694.<br
[161] 161
66
Verzeichnus der geweßenen Rathsherren alhier.
| Ehrwehlt | Häny Rechsteiner, im Gern, und wohnhaft im Zung Zaun, hbtm- | Starb Ao. 1713 21. Janu. | ||
| Ao. 1697 | hs- Sohn, war des Raths. Jahr lang. | 58 Jahr alt von ihme heißt es | ||
| hat 13 First häußer u. Städel gebauen u. 13 Kinder gehabt | des vatters segen bauet den Kind[ern?] Häuser | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Adam Niderer, in der Schwendy, wohnhaft | Starb 1726 4. Febru. | ||
| war 1722 Baumeister der Gemeind. | 71 Jahr alt. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Hans Rechsteiner, de Baschon, auf der Rörenbrug hier | Starb Ao. 1721 a 5. Febr. | ||
| wohnhaft gewesen. | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1713. | Elßen Hs. Ulli genant. | Starb Ao. 1736 4. Julj gemacht | ||
| Ully Rechsteiner, hbtm-hs Sohn, im Gern. 20. | 84 Jahr alt (an die glocken ƒ. 200 | |||
| war ao. 1723 baumeister, zur Erweitterung der Kirchen | d. Kirchen und nachden armenƒ50 | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Minikus Koller, hinder der Wiß wohnhaft | Starb Ao. 1731 a 3. Aug. | ||
| 70 Jahr alt | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Johanes Näny, Pfarers seel. Sohn, beck genant, | Starb Ao. 1726 20.Junj | ||
| er war der erste RHr. das kein langen bart mehr gehabt. | 66 Jahr alt | |||
| sonsten zu dieser Zeit Hbtl. & Räth alle lange Bärt gehabt. | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1721. | Ully Rechsteiner, in Kalabind, des obigen Ullr. Sohn. | Starb Ao. 1729 a 29. May | ||
| Ao. 1723 wurde er zum Haubtman Erwehlt, man muste | 42 Jahr 18 Tag alt | |||
| schliefen oder die hände zehlen, will mit Jhme in der Wahl | * | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Michael Sonderer, in der Schwendy wohnhaft gewesen | Starb Ao. 1738 a 9. 9bris | ||
| Copej schreiber von Ao. 17 biß 1747 1736. | 76 Jahr alt | |||
| Jst Ao. 1723 im Stich geweßen, mit Ully Rechsteiner, Kalabind | * | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | # Debus Graf, (Clöslis Debus genant) in der Schwendy | Starb Ao. 17 | ||
| Mathias sonst siehe nebend stehend auch geschrieben | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1729 | Ully Baumgartner, im Maß in Bendlehn, | Starb Ao. 1742 a 11. 9bris. | ||
| Ao. 1734 ist er Haubtman worden | ins Kircheguth vermacht ƒ 120. | |||
| 73 Jahr alt. | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1 | Debus Graf […?] | Es war vor Zeiten abgetheilt | ||
| Ao. 1722 waren 3 RathsHr. in der Schwendy siehe pag. 240 | wie viele Räth vor- und auch | |||
| alle mit nammen. | hinder dem bach gesezt worden. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 1731 | Johanes Keller, auf dem Kirchen Platz Rösliwirth. | Starb Ao. 1769 a 19 aug. | ||
| Ao. 1738 ist er zum Haubtmann Erwehlt worden, | 70 1/2 Jahr alt. ƒ. 300.- vermacht. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Lierdt Schläpfer, Stain Ulrichs seel. Sohn, Steinegg | Starb Ao. 1740 a 4. mertz | ||
| vor Jhme kam in Rath, sein Bruder | 51 Jahr alt. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 1740 | Hans Schläpfer, bleibte aber nur 8 Tag des Raths. | Starb Ao. 1740 8. Junj | ||
| 54 Jahr alt. | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 172 | Jacob Kuser, wohnhaft auf dem Kirchenplatz hier, | Starb Ao. 1739 a 18. Xbr. | ||
| der klein genant. | 82 Jahr alt. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. | Ullrich Schläpfer, an Kolhalden Hbtm. Hs.Sohn im Fleck. | Starb Ao. 1760 d. 12. may | ||
| Ao. 1730 ist er zum Haubtmann erwehlt worden siehe p. 60 | 76 Jahr 1 Monat alt. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Hans Koller, im Brand, & hinter dem Acker wohnhaft | Starb Ao. 1767 Junj | ||
| hat mehr angestelt als er im stand gewesen mit | in Trogen, war aldort | |||
| seinem vermögen auszuführen, resigniert Ao. 1737 falliert. | badmeister 70 Jahr alt |
[162] 162
67
Rathsherren in der Gemeind Speicher
| Ehrwehlt | Johanes Tanner, | |||
| Ao. | war 1733 bauherr, zum neuen Helm und gloken Stuhl | Starb Ao. 1 | ||
| geweßen hier. | ||||
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| Ca. Ao. 1726 | Hans Schläpfer, Tanneren Hans genant, Holder- | Starb ano. 1740 d 7. 9bris | ||
| Schwendi & auf Hochreute wohnhaft geweßen | 61 Jahr alt. (2 gelbe Ducaten lb. | |||
| (B! oder eß mag obiger gewesen seyn auch.) | er hat hier den Einzug geben 17 | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Ullrich Schläpfer, im Flecken wohnhaft | Starb Ao. 1746 a 8. 8bris. | ||
| Er war der Reichste Mann in der Gemeind &c | 67 Jahr, 5 Wochen weniger alt, | |||
| seine Verlaßenschaft ware ca. ƒ. 90’000.- | vermacht den Armmen ƒ. 100 und | |||
| der Kirchen 6 dublonen. | ||||
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| Ao. 1720 Jahre | Johanes Zuberbühler, Chirurgus, | Starb Ao. 1740 7. Julius, | ||
| & Hr. Scherrer genant, von Herisau in Speicher kommen, | 52 Jahr alt, hiemit gebohren | |||
| war Copej schreiber, de Ao. 1736 bis 1740 hier | Ao. 1688 in Herisau | |||
| circa Ao. 1718 hat Er hier den Einzug geben ƒ. 15. | in Schwänberg, war das Stamm Hauß | |||
| Er war alle wochen in St. Gallen beym hecht, wo | u. mehr als 200 Jahr lang schon docter | |||
| er auch seine Patienten versahe viel Jahr lang. | & chirurgus gewesen, das immer von | |||
| Sein prüfender geist u. fleiß machten einen guten arzt. | den vättern auf ihre Söhne fort gepflanzt | |||
| erzehlte nur der HHr. Landamann Zbl. | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 17 | Casper Sonderer, in der Weite, in Bendlehn. | Starb ano 1747 a 7. April | ||
| Copeischreiber, von Ao. 1740 bis 1747 gewesen. | 55 Jahr alt. | |||
| hat Ao. 1738 Landsgemeind um den Landschreiber dienst | angehalten, aber nicht erlangt. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 173 | Mathias Graf, in der Auw, Schwendy, | Starb Ao. 1746 a 7.Xbris. | ||
| genant Thebus nach damahliger Redensart. | 79 Jahr alt. | |||
| den armmen vermacht ƒ 10.- | ||||
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| Ao. 173 | Johanes Gschwend, auf Horrüthy, | Starb Ao. 1750 a 23. Febru. | ||
| Ballen Hs. genant von der mutter her. | 59 Jahr alt. | |||
| den armmen 2 dubel. vermacht. | ||||
| ---------- | ||||
| 1812 | Auß dem Speicher haben um den Landweibel | Benyani Krüsy, | ||
| dienst angehalten Mr. Johanes Tobler bey der Wag | Samuel Locher etl. mahl gestochen | |||
| Mr. Johanes Altherr, an der Blaten, 2 mahl. | Rudolph Sturtzenegger, do. | |||
| Johanes Sturtzenegger des nebigen Rudolfen Sohn. | ||||
| ---------- | ||||
| Johanes Bauman ware viele 31 Jahr buben wächter | § Willen keine gute buben wächter | |||
| auf der empor Kirchen, u. hat jähr. ƒ. 6 hernach ƒ. 7 | mehr zubekomen waren so mußte | |||
| § Ao. 1771 | neue buben wächter angenommen . do. ƒ. 10. | 1789 der lohn auf ƒ. 10 gethan. | ||
| Ao. 1790 ca. haben sich die meisten vorgesezten ihre | § der Baumann ist 1771 gestorben. | |||
| Porträt auf die grose Rathstuben machen lasen | d 20. 9nbr 70 Jahr 2 ½ Monat alt | |||
| bey der Revolution aber solche wieder zuhanden genommen | ||||
| ---------- | ||||
| § Martinj | Ao. 1771 hat E.E. Kirchhöri Ermehret das alle Sontag einer | d Hr. vorgesezten anerbotten sich solches | ||
| von Hren. vorgesezten auf Porkirchen seze u. den Jungen | ungezwungen zuthun, die bauren | |||
| Leuten wache wie in anderen gemeinden auch geschehe. | aber wolten das solches gemehret werde | |||
| Ao. 1789 am ersten Sontag Jener, sind die Hr. | ||||
| baur hier zu erst auf die vorder e[…] empor- | ||||
| kirchen geseßen zu dörfen und wider aufgehört, | ||||
| hernach, u. um einen beßern buben Wächter geschaut | u. ƒ.10 Lohn bestimt. |
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Raths Glieder der Gemeind Speicher
| Erwehlt | Jacob Eugster, de Deias, in der Schwendy, | starb Ao. 1765 a 16. Janu. | ||
| § Ao. 17 | war Jahr lang des Raths, baur Driaßen | alt 76 Jahr 2 Monat alt | ||
| Jacob genant. | an die Schull. vermacht ƒ. 20.- | |||
| ---------- | ||||
| § ao. 173 | Bartly Schläpfer, de Adam, unter der Kirchen, | starb Ao. 17 | ||
| hat dise stelle Jahr best mögl. versehen. | seines alters Jahr | |||
| und ao. 17 abgedanckt | ||||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1734 | Joh. Bartly Näny, de Johs., im Maß bekes | starb Ao. 1758 a 8. Merz | ||
| war Jahr des Raths, ein sehr dicker Mann. | alt 60 Jahr, vermacht ƒ 100.- | |||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1740 | Ullerich Rechsteiner, im Gern wohnhaft. | Er Starb Ao. 1787 an dem | ||
| Danckete ab Ao. 1773, war hiemit des Raths | neu Jahrs Tag abend, seines | |||
| 33 Jahr lang, mit aller aufrichtig- & redl.keit. | alters 77 Jahr 8 Tag. | |||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1741 | Adam Schläpfer, in Steineg, Stein Ulrich Sohn, | starb Ao. 1776 10. Janu | ||
| war 35 Jahr ein Resoluten RHr. bis 1776, | alt 76 Jahr | |||
| er resigniert hat. | vermachte nach ƒ 50 den armmen | |||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1741 | Johanes Baumgartner, de Sigmund. | starb Ao 1778 27. may 73 ½ Jahr | ||
| Wurde ao. 1771 zum haubtmann Erwehlt, | alt vermachte ƒ.50.– an | |||
| hiemit 37 Jahr lang im Rath gewesen | die Armme und ƒ 50.– an | |||
| war ein beliebter Mann, in der gemeinde Leutselig und liebreich | bede Schullen. | |||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1747 | Heinrich Rechsteiner, de gern Michaels, | starb Ao 1776 de | ||
| wohnhaft auf dem Ebne, er danckete wegem | 86 ¾ Jahr alt | |||
| hohen alter ab, und hat die Stelle 25 Jahr bis | Er hat hier, das volck viel Jahr | |||
| 1772 Ruhmlich vertreten, er war der älteste RHr. im Land. | Exerciert, er war quall unter Leutenant | |||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1747 | Hr. Docter, Joh. Jacob Zuberbühler, | Ao. 1780 - zum Seckelmeister | ||
| welcher Ao. 1762 zum Landshaubtm. erwehl. | Ao. 1781 - zum LandsStatthalter, | |||
| Ein kluger, beredsamer Hr. wenig seines gleichen, | Ao. 1782 - zum Landamann, | |||
| ein Talent voller Mann mit vielseitiger erfahrung. | Ao. 1794 resigniert. | |||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1746 ca. | Jacob Schläpfer, de Ullerichs, im Flecken, | starb Ao. 1763 a 10. 8br. | ||
| war Jahr lang, ein Geliebter RHr. | 46 Jahr 11 Hebd alt | |||
| den Armmen ƒ. 100.– vermachet. | ||||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1747 | Michael Sonderer, in der Schwendy, Michaels, | gebohren Ao 1697 7bris | ||
| Copey schreiber worden Ao. 1747 biß 1765 1765 | Starb 1785, a 19. xbris 88 Jahr | |||
| ein vatterländischen weitsehender, guter Mann | 3 Monat alt vermachte ƒ 100.– | |||
| hat Ao. 1780 Resigniert, da er 33 Jahr des Raths gewes. | den Armmen & an Schullen ƒ 50.- | |||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1758 | Johanes Näny, im Maß, vor sein vatter erwel. | starb Ao. 1774 a 12. Merz | ||
| war 16 Jahr des Raths, ein Politischer Mann | hat ƒ 400.-an einem schlechten zetul | |||
| Endl. haben die Erben ƒ. 450.- geben | ||||
| ---------- | ||||
| § Ao. 176 | Leonhard Schläpfer, de Hanses, hbtm. Sohn | starb schnell Ao. 1767 bym MittagEsen | ||
| Jahr lang ein vernüpftiger RHr gewesen, | 58 ½ Jahr alt a 23. Febr. | |||
| und alß Bescheidener Mann in allen theillen sich gezeigt. | ||||
| ---------- | ||||
| § Ao. 1762 | Johanes Rechsteiner, in Kalabind hbtm. Ullrich Sohn) | wegen hohem alter er | ||
| § Ao. 1763 | Copey Schreiber bis Ao. 1771 von 1765 weg. | Ao. 1797 resigniert alß RathsHr. | ||
| § Ao. 1767 | Zum Haubtman und LandsbauHr.erwehlt & | 23 Jahr lang solche verwaltet | ||
| § Ao. 1790 | Ao. 1790 hat Er resigniert von der Haubtman- und | 1799 24. Jenner gestorben 83 Jahr alt. | ||
| Landsbauherren Stelle, und ist zum ersten RatsHr. gemacht worden | nach alten beyspiellen |
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Beschreibung der Raths Glieder, im Speicher
| Ehrwehlt | KaufHr. Mathias Schläpfer, de Michaels | starb Ao. 1776 de 10. Janu. | ||
| Ao. 1764 | war 12 Jahr ein aufrichtiger fleisiger R.RHr. | 63 Jahr alt, in die Grub ƒ 100.– | ||
| auch wohlthätig und gutherzig Jeder Zeit geweßen. | vermachte ƒ 150 an die armmen | |||
| & ƒ 150.– wie auch ƒ 100 an dieSchull | ||||
| und Kirchen an die nacht wacht ƒ 100.– | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1764 | Jacob Graf, in der Schwendy, in der Au. | starb Ao. 1781 a 6. 9bris. | ||
| Ein so aufrichtig als Redlicher Mann & alten Sitten u. | 66 Jahr 3 Monat alt | |||
| der mit seinem bruder ein groser Leinwand gewerb gehabt. | vermachte ins armmenguth ƒ 100.– | |||
| und an die Schullen ƒ 50.- | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1767 | KaufHr. Johanes Schläpfer, im Herberig | hat 1797 wegen schlechtem gehör | ||
| ein rechtschaffner, und wohldenkender Hr. geweß. | resigniert. Er starb Ao. 1802 26. merz | |||
| bis an sein Ende. Ao. 1771 hat Er ƒ. 100 geben das | 76 Jahr 21 Wochen alt, vergabete nach | |||
| Er nicht müße armenpfleger seyn, deßwegen gewilfahret. | ƒ 1000 dem Waysenhaus & ƒ 1000 an | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 1767 | Leonhard Rechsteiner, auf der Buchen, | starb 1772 29. Jennern § und | ||
| ohngeacht er weder schreiben nach lesen könen, | seine Frau d | |||
| hat er 5 Jahr die Stelle, gut mit aufrichtigkeit v[er]seh. | das ganze Hauß ausgestorben, | |||
| vermachte an die armmen ƒ 45.– | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1771 | Sigmund Baumgartner, ob dem Mas, | Starb Ao. 1794 d. 6. Aug. beErdiget | ||
| Ao. 1771 Copejschreiber worden bis Ao. 1774. | 57 Jahr wochen, in dießem | |||
| Ao. 1779 zum Regierenden Haubtm. Erwehlt worden. | Erden Leben zugebracht ƒ 1000 | |||
| an die gemeinen güther v[er]gabet | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1772 | Hr. Docter Joh. Georg Zuberbühler, war | Er Starb zur grössten Betrübnus & | ||
| damahls der Jüngste RHr. im Land, dato hier, | algemeinem Leid frömbder und | |||
| heimscher | ||||
| er war der verrühmteste Docter in Stadt & Land, und | in der helfte seiner Tagen Ao. 1785 am | |||
| hate eine sonderbar glückliche hand als geburtshelfer. | bättag, nur 39 Jahr 4 Monat alt | |||
| vermachte ƒ 150.– | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1772 | Conrad Rechsteiner, de Heinrichs, wohnhaft | Ao.1803 d 6. may hat Er seine Lebenstag | ||
| auf VögelisEG, vor sein vatter erwehlt worden, | beh. alt 74 Jahr10 ½ Monat. 30 Jahr | |||
| u. des Raths verbleiben bis Ao. 1803 & Municip. | des Raths, vergabete den armen | |||
| ƒ 25 war ein redlicher Treuer & aufrichtig | ||||
| Mann | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1772 | Sebastian Rechsteiner, in Rüthenen, | hernach auf dem Rüscher wohnhaftt | ||
| vor den designierten Ully Rechsteiner im Gern erwehlt | Ao. 1801 d 8bris gestorben, war | |||
| worden, ist biß Ao. 1798 d. 28. 8bris. des Raths ge | 76 Jahr wochen alt, die Erben | |||
| bliben hirmit 25 1/2 Jahr bis die neue Municipalität | gesezt worden vermachten ƒ 800 in das | |||
| Waysenhaus ƒ 200 auftheilt | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1774 | Gabril Rüsch, gewesner Landschreiber | Ao 1797 d 16 Mertz gestorben | ||
| von Ao 1763 bis ao. 1769 und erst des Raths | und seine lebens Tage gebracht | |||
| Ao 1774 ist er zu gleich zum Copejschreiber ernennt | auf 77 Jahr 11 Wochen | |||
| Ao 1795 wurde er zum Haubtm. erwehlt. | vergaabte ƒ 22 | |||
| hatte gute Natur gaben u. Fähigkeiten | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1776 | Ullerich Schläpfer, in SteinEG, vor sein vattr | Ao 1809 d 4. Aug war sein | ||
| in die Räth erwehlt worden. | Todes Tag, und sein alter 74 Jahr | |||
| Ao 1794 ist er an meine Stat zum Haubtm. erwehlt | woch. vergabte den armen ƒ 100 | |||
| Ao. 1798 zum Kreiß Richter bis ao. 1803 | vermacht. | |||
| ---------- | ||||
| Ao. 1776 | Michael Schläpfer, im Dorf wohnhaft, | starb ao. 1794 d 11. Xbr. | ||
| vor Hr. Maths do. erwehlt worden, unermühdeter | 68 Jahr 10 Monat alt | |||
| war 18 Jahr des Raths, (Reglen Michel genannt) | vergabet ƒ 50 an das Waysenguth, | |||
| u. ƒ 50. zur V[er]beßerung d. Schull | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1779 | Sigmund Baumgartner, auf dem Rüscher, | Ao 1808 25. April ist Er Plözlich auf der | ||
| vor sind Vatter wider des Raths worden, | Straß gestorben hinder Beglen Michels | |||
| Ao 1797 zum Regierenden Haubtmann Erwehlt. | 76 Jahr 4 monat alt. | |||
| Ao. 1798 Resigniert & ƒ 300 p entlaßung geben | die Erben vergabet in das Waysen | |||
| das Er unter d. helvetisch. Regierung nichts seyn wollen. | hauß ƒ 500.– nach |
[165] 165
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Raths Glider, der Gemeind Speicher
| Ehrwehlt | Ully Eugster, RHr. Jacob sel. Sohn, | Ao. 1797 wegen alters schwachheit | ||
| Ano. 1780 | in der oberen Schwendv wohnhaft, vor den | hat Er resigniert 17 Jahr lang des | ||
| alt Copjschreiber Sonderer erwehlt worden | Raths geweßen, u. Ao. 1806 d 7. Februs | |||
| aber hernach auch in das Dorf gezogen. | gestorben 78 Jahr 2 Wochen alt worden | |||
| hat ƒ 50.– in das Waißenhaus vermacht | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1782 | Conrad Tobler, in der unteren Schwendy, vor | Ao. 1809 d April ist Er schnel an einer | ||
| dem v[er]storbenen Jacob Graf erwehlt worden. | Enge oder stekFluß gestorben 67 Jahr | |||
| Ao. 1790 wurde er widerum Thürweibel. | 4 Tag alt, vergaabete in das Waysen- | |||
| Ao. 1799 hat er ƒ 200 gegeben, das man jhne auß der | guth ƒ 600 bar geld, u. ƒ 100 an die | |||
| Municipalitat entlaßen. | ||||
| armen außzutheilen, mußten nachzahl. | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1786 | Johann Bartholome Rechsteiner, | Ao. 1790 Einhellig zum Regierenden | ||
| schreiber dis, vor den verstorbenen Hr. Docter | Haubtmann erwehlt worden, wie | |||
| Zuberbüh. in Rath genommen worden, willen | auch von Neu- und alt Räthen | |||
| obiger Conrad Tobler, auß der Schwendy, ins Dorf | zum Lands BauHerren Erwehlt | |||
| gezogen, so häten die Schwendiger nach alter Übung | wil der alte Resigniert hat | |||
| gerne einen anderen RathsHr. gehabt, wurden aber | und an stat desen zum ersten | |||
| von denen ob dem Holz weit übermehret. | Raths glid gemachet worden | |||
| Das gab ein wenig verdrus bey denen so eß erwarttet. | ||||
| Ao. 1794 zum Landsfähndrich erwehlt worden. | ||||
| Ao.1795 zum Landshaubtmann, und Ao.1797 zum | Regierenden Statthalter u.1798r Revolution | |||
| Resigniert | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1788 an der Haubtmans Gemeind, ist im | da der RatsHr. Manttel so | |||
| Speicher ausgemeindlet worden, welches sonst | Ao. 1759 neu gemacht worden | |||
| bey Manns gedencken niemahlen geschehen ist, | & ca. ƒ 14 gekostet, ziml. zerrißen | |||
| Jedoch nichts abgeändret, sondren alle Hr. Vorgesetz- | geweßen, ist derselbe dem Mesmer | |||
| ten wider bestät worden, doch nicht alle einhellig. | gegeben worden Ao. 1790, und wider | |||
| Ao. 1809 | hat man wegen einem Regierenden haubtmann schliefen | einen neuen RHr. Mantel gemacht. | ||
| müßen, Hs Ulr. Rüsch auf der Röhrenbrugg hate | Ao. 1791 kostete ƒ 18 Lt. Kirchen Rechg. | |||
| 96 Stimmen oder händ, u. Hbt. Conrad Schläpfer 107 Mann | ||||
| ---------- | ||||
| Ao. 1794 | Jacob Eugster,bey der Linden, auf | Willen im Speicher Ao. 1798 | ||
| welchen ao. 1795 die haubtmannschaft fallen wollen | d April die neue Constitution | |||
| hat deßwegen ƒ 500 versprochen, u. ist jhme also | angenommen worden, so hat man | |||
| einhellig verschont u. willfahhret worden, und sind | die ord J. Haubtmannsgemeind nicht | |||
| die ƒ 500 in das Waysenguth zalt worden. | mehr abhalten könen, sondern nur | |||
| Ao. 1799 ƒ 200 wider geben das er auß der Municipl. entlaß. | d 1[?] April an einer Kirchhöre die | |||
| haubtleuth u. Rath alß Provisorisch | ||||
| bestätet, und nichts abgeändret auch | ||||
| so gar die Haubtleuth nicht gewechslet. | ||||
| Ao. 1795 | Hs. Ullrich Rüsch, auf der Röhrenbrugg, ist | |||
| Ao. 1797 zum Copischreiber von amt-hbtl. u. Räthen | ||||
| angenommen worden, hernach President in d. Revolution | ||||
| Ao. 1795 | Conrad Ringeisen starb 1813 xbr. im Bendlehn Raths Hr. | |||
| Ao. 1797 | Hr.außschuz haubtmann, Johann Georg | 1798 Ende der Freyheit im | ||
| Leonhard Schläpfer, vor sein Hr. Vatter erw. | Appenzell. so unßere fromme Tapfere | |||
| Ao. 1797 | Johanes Schläpfer, bey der Stegen, im Brandt, | und in gott ruhenden vor Eltern mit gut | ||
| Ao. 1797 | Johanes Rechsteiner, Ulr. im Gern. | u. blut errungen u. Erworben haben, | ||
| Ao. 1797 | Johanes Eugster, auf dem Wisböhel jb. | in d. Schlacht ao.1405 auf Vögelisegg, &c | ||
| Jnterims haubtl. | siehe die neuerwehlten Ao. 1799 30. Junj pag. 60 71 | 1798 nun steht ein Freyheits baum | ||
| & Räth | da die kayserl ins Land komen, wider eine Landsgemeind | dort, welch ungleiche Freude. |
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Municipalitaet im Speicher unter der Helvetischen Regierung.
[Ao. 1799] d 5. May, wurde alhier eine Gemeinds versamlung, oder urversamlung genant,
gehalten, u. durch offentliche Stimm u. händ folgende municipalites Gleider neu
erwehlt. Nachdeme die Stimmen zehler u. Sekretär ermehret waren, der bürger Titl. *)
| Br. Johanes Rechsteiner, im Gern, President. | diese Bürger dörften weder Ehren | |
| Br. Bartly Haas, an Kohlhalden Vice. do. | degen, nach mentel mehr in | |
| bürger Georg Leonhard Schläpfer, im Kaufhaus | die Kirchen tragen, wohl aber | |
| bürger Hs. Ulrich Rüsch, auf der Röhrenbrugg | bändel und band um den | |
| arm, das mußte den grosen | ||
| bürger Conrad Ringeißen, in Bendlehn. | Richterlichen gewalt andeuten | |
| bürger Johanes Schläpfer, in der Schupfen | & zeigen, und Er | |
| bürger Jacob Koller, in der Meglen. | zuwegen bringen, u. eine 3 färbig | |
| bürger Ully Koller, auf Vögelisegg | gugarde auf dem hut, | |
| bürger Conrad Schläpfer, auf der Brugg. | o: das alles stehet gut. |
d 10. May, ist diese Municipalitat, vom Br. Districkts Statthalter Spieß von
Teufen, in Eyd genommen worden alhier, auf der Räthenstuben.
[Ao. 1800] hat obige Municipalität offentlich in der Kirchen Loosen müßen, welche
vor dieses Jahr außtreten mußten, und hat das Loos getroffen folgende.
B. hs.Ulrich Rüsch, Jacob Koller, und Georg Lienhard Schläpfer, diese ausgetretne
sind ersezt worden mit mr. Michel Kriemler, an Kohlhalden, Hs. Conrad Schläpfer,
Gabriel Rüsch & Hs Ulrich Rüsch, weilen gut gefunden worden wegen vielen
geschäften an stat 9 Munipal.t. Glieder, 11 zusezen traf eß mehrere deswegen.
Bürger D. Statthalter Spieß, wurde in Cantons Rath erwehlt, das auf diesen
Posten wieder ein ander Tüchtigs Subiject gesucht worden, endlich wurde
der Bürger Johans. Schläpfer, gewesner Agent, districkts Statthalter von hier.
und laut dem Gesez solte wieder ein Agent auß der Municipalität
genommen werden, deßen ungeacht hat man dem außgetretenen Bürger
Georg Leonhart Schläpfer, diese verhaßte Stell übergeben als einem Pattriot.
(Also griffe man nach helvetischen ämter, wie die kleinen Kind. nach den Meser)
[Ao. 1802] da einige Municipalitäts glieder ihre Stellen 3 Jahr fleisig verwaltet, so wurde
denselben erlaubt außzutreten, auch vor den D. Statthalter Schläpfer ein ander gesezt
& d 23. May wurde derselbe Bürger Johanes Schläpfer, zum President in hiesige
Municipalität genommen, und alt haubtm. Conrad Schläpfer Brugg vice President.
3. Hs. Conrad Schläpfer, im Maas, 4. Hs. Ulrich Rechsteiner, Baschonen Sohn.
5. Johanes Rechsteiner, de bartlis, 6. Adam Sturtzenegger, Triases Sohn
7. Hs. Ulrich Rüsch, Schulmeister, 9. Bartly Tanner, Feyltrager, neu erwehlt.
8. Johanes Kriemler, Leuwenwirth, neu, 11. Hs Heinrich Meyer, Bartlis, neu erwehlt
10. Ulrich Schläpfer, im unterbach neu erwehlt. im aug. mußten sie abtreten.
*) Es mußte alles bürger genant werden weltl. & geistl. Personen.)
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Jnterims Regierung, Haubtl. & Räth & wieder eine Municipalt.
[Ao. 1802] d 30. aug. wagte man es eine Landsgemeind zuhalten, und eine eigne obrigkeit wider
zu sezen, und 1. Tag darauf mußten Haubtmanns Gemeinden gehalten werden.
d 31. aug. hier zum Regierenden Haubtmann gesezt worden, Conrad Schläpfer auf d. Brugg
und als stillstehender Haubtmann erwehlt worden, Hs. Conrad Schläpfer, im Maas.
1te Raths herr Conrad Rechsteiner, auf Vögelisegg, 2te Johanes Rechsteiner, Bartlis seel.
3te Hs Ulrich Rüsch Schullmr. & Copeischreiber, 4. Adam Sturtzenegger, Waißenpfleger.
5te. Hs Ulrich Rechsteiner, Baschones, auch Waysenpfleger.
6te mr. Johanes Kriemler, Leüenwirth. 7. Bartly Tanner, Feiltrager (Einkauf 1727)
8te Ulrich Schläpfer, im Unterbach, 9. Johanes Rechsteiner, im Flecken.
10te Conrad Graf, in Willen alle Haubtl. u. Räth neu einschwehrn müsen
so sind d 1. 7bris sind die neu u. alt Räth in Herisau, in der Kirchen gehalten worden.
Diese Regierung aber daurte nur 9 Wochen lang, so haben alle Haubtleut
u. Räth widerum abtreten, und die munizipalitäten wieder eintreten
müßen d 9bris. Welches Freud u. Leid verursachet je nach deme einer gesinnet war.
[1802] d Da der Bricht eingelaufen das in den kleinen Cantonen wieder Landsgmeinden
[AU 165]gehalten worden, so wurden im unserm Land auch also bald heimliche Zusammenkünften
gehalten, und hier ein Versuch gemachet ob man zusammen halten wolte *) Es kam aber wieder
gefährlicher bericht (gekommen) wegen solchen Lands gemeinden, so daß man den Leuten
wieder rathen Kirchhörinen zuhalten, aber sie wolten solches nicht glauben, u. da komt
weder der President Johanes Rechsteiner, nach der President der Gemeinds Kammer, eß nicht
wagen wolten eine Kirchhöry bey diesen gefährlichen aussichten zuhalten, u. die versammelten
bauren darfvon abgemahnet, so giengen sie gleich wohl in die Kirchen, und Jacob Meyer,
auf Neppenegg, war ihr President, (von Hundweil gebührtig) der führte die Kirchhöri
an, aber anstat dem bürger Titel, machte er den Titul, hochgeehrte Herrn
getreue lieben Bauren. „Wem wohl gefalt das man sich mit einander vereinige,
der heb sein Hand auf“ und eß gab einhellig das Mehr, weil alle gleich gesinet waren.
Es wurde aber damit nichts gewonnen, als das der Jacob Meyer auf St. Gallen,
abgeführt worden, und der gewesne Landweibel Waldburger, Gogy genat, der
[AU 166]in Teufen das gleiche unternohmmen # ist ihnen aber nicht viel geschehen, weil sie sich
wohl verantworthen können, das diese verEinigung nur eine Friedliche aussöhnung
zum zwek gehabt habe. *) Hr. Pfarrer Knaus, in Trogen, gab etliche getruckte bläter
heraus wegen dem Friedens Schluß zwischen Östreich u. Franckreich, das die Schweiz
[168] 168
71
Gemeinds Kammer im Speicher, während der Helvetischen Regierung.
[Ao. 1799] d May, wurde zufolg der Constitution auch eine Gemeinds Kammer, oder
Verwalter der gemeinen Güter gesezt. Und Erwehlt von der Kirchhöry worden.
President alt Statthl. Johann Bartholome Rechsteiner, Schreiber dies.
2. Conrad Rechsteiner, auf Vögelisegg, 3. Bartly Haaß an Kohlhalden & Secret.
4. Ully Koller, auf Vögelisegg, 5. Johanes Eugster, auf dem Wiesböhel.
6. Hs Conrad Schläpfer, im Maß. 7. Gabriel Rüsch, armenplfeger.
[Ao. 1800] d 16. May hat auch die Gemeinds Cammer Looßen müßen, aber nicht nöthig
gefunden in der Kirchen zu spillen, sondern auf der Räthenstuben.
Zum außtreten hats getroffen, (die nicht zugleich in der munizipal. seyn wollen)
Bartly Haas, Gabriel Rüsch, Hs Conrad Schläpfer, u. Ully Koller, also 4 glider.
Willen aber keine Kirchen Meyer mehr waren u. der Zins Einzug auch einen
Verwalter traf, so haben wir auch 2. Mitglider mehr verlangt, und sind gesezt
worden, d 18. May von der Kirchhöri, 1. Hs. Ulrich Rüsch, & Schull Cassier, u. schreiber
2. Conrad Rechsteiner, als baumeister, 3. Johanes Eugster, zum Waisenpfleger,
4. Michel Rechsteiner, armenpfleger, 5. Jacob Tobler, als 2ter Waisenpfl.
6. Hs. Jacob Scherrer, Kirchenzins Einzieher, 7. Conrad Graf Waysen einzieher.
8. Mr. Michel Metler, hat nichts angenommen, und Ulli Tobler, in der Schwendy,
desgleichen nicht angenommen, aber 4 dubl. ƒ. 44 geben das man ihne entlasen
der Metler aber hat nichts gegeben.
[Ao. 1802] d 30. aug. hat auch die verwaltungs Kammer aufgehört, weil wieder Haubtl.
und Räth gesezt worden, aber nach verflos 9 wochen auch wieder eintreten
müßen, welches gedauret, bis die Vermitlungs Acten erfolget, und uns
[Ao. 1803] wiederum Landsgemeinden zuhalten erlaubt worden von Bonaparte.
[169] 169
72
Haubtleut und Räth im Speicher, nach auflößung der Helvetischen Regierg.
[UE 18]
[Ao. 1803] hat man wiederum Haubtleut u. Räth sezen können, u. sind Folgende Erwehlt worden.
[Räth]
Hr. Hs. Conrad Schläpfer, im Maas, Regierender Haubtmann, einandern erwehlt 1808 #
Hr. Conrad Schläpfer, auf der Brugg, haubtmann. Einandern erwehlt worden 1812*)
Hr. Johanes Rechsteiner, de Bartlis, Kirchen bauHr. deßwegen aber Resigniert 1805
Hr. Hs. Ulrich Rüsch, auf der Röhrenbrugg. 1818 entlaßen.
Hr. Hs Ulrich Rüsch, Kirchhörischreiber & und Schulmr. 1808 zum haubtmann Erwehlt worden. 1827 gestorben.
Hr. Hs Ulrich Rechsteiner, im obern Maas. resigniert 1832. 1840 gestorben.
Hr. Ully Koller, auf Vögelisegg. 1823 resigniert 1824 gestorben.
Hr. Bartly Tanner, Feiltrager, hat resigniert 1814. 1833 gestorben.
Hr. Johanes Eugster, in der Schwendy. resigniert 1823.
Hr. Johanes Kriemler, Leuwenwirth, wurde ao. 1807 weggethan, Starb 1811.
Hr. Adam Sturtzenegger, danckete ab ao 1809
Hr. Johanes Schläpfer, in der Schupfen, 1812 Haubtmann worden *) 1832
[Ao. 1805] Hr. Georg Leonhard Schläpfer, im Kaufhaus, wurde zum 3te Rathsglied ernant
1831 resigniert 1840 gest.
[Ao. 1807] Hr. Jacob Tobler, an Kohlhalden, zum Raths glied erwehlt resigniert 1828 gest.1828
[Ao. 1809] Hr. Hs. Jacob Scherrer, im Brand zum Raths gleid do. 1827 gestorben.
[Ao. 1812] hr. Johanes Schläpfer, in Rathinen, zum neuen Haubtmann erwehlt worden.
1831 zum ersten Rath erwählt 1832 entlaß & 1833 gestorben
[Ao. 1812] Hr.Hs Heinrich Rechsteiner, auf Vögelisegg, des Raths worden resigniert 1817
[Ao. 1814] Hr. Johann Ulrich Zuberbühler, H.doct. Sohn. 1827 Gmdschbr. 1828 Hbtm. 1832 Ldshp. 1834 entlaßen
[Ao. 1817] Hr. Jacob Graf erwählt, z Schwendy. 1821 entlaßen, 1830 gestorben.
[Ao. 1818] Hr. Joh. Bartolome Rüsch. resigniert 1834.
[Ao. 1821] Hr. Joh. Jacob Tanner. 1828 Gemeindschbr. 1832 Hauptman 1855 resigniert.
[1823] Hr. Ulrich Schläpfer - 1835 resigniert 1839 gestorben
[1827] Hr. Jacob Krüsi. 1832 entlaßen.
[1828] Hr. Joh. Ulr. Baumgartner, 1832 entlaßen. 1841 gestorben.
[1828] Hr. Johannes Eugster. 1831. Hauptman, 1837 entlaßen. 1838 kl. Rath. 1844 resigniert.
[1831] Hr. Johannes Schläpfer, Herbrig. resigniert 1838.
[1831] Hr. Joh. Jacob Schläpfer. 1836 resigniert 1839 Hauptman. 1843 resigniert. 1844 kl.Rath. 1849 resigniert.
[1832] Hr. Joh. Heinrich Rechsteiner. Gemeinschbr. bis 1836. 1837 Hauptman. 1839 Ldsfdr. 1844 Ldssekelmsr.
[1832] Hr. Joh. Conrad Tobler. resigniert 1846.
[1832] Hr. Dr. Joh. Ulr. Rüsch. ao. 1836 Gmdschr. 1843 Hauptmann. 1847 resigniert.
[1832] Hr. Jacob Alder. a 1840 resigniert.
[1832] Hr. Johs. Kriemler a 1840 resigniert.
[1834] Hr. Dr. Gabr. Rüsch. a 1835 kl. Rath & 1838 entlaß.
[1835] Hr. Joh. Ulr. Graf. zum Hauptman erwählt 1847. resigniert 1852.
[1835] Hr. Sebastian Rechsteiner. 1842 resigniert.
[1836] Hr. Joh. Ulr. Schläpfer
[1837] Hr. Laurenz Koller, resignierte 1842. gestorben 1845.
[1838] Hr. Johs. Eugster resigniert 1849
[1838] Hr. Johs. Tobler v. Heiden. resignierte 1843/in kleinen rath gewählt 1849 entlaß. 1855
[1840] Hr. Joh. Ulr. Eugster. resigniert 1847
[1840] Hr. Joh. Jacob Scherer a 1843 entlaßen.
[1842] Hr. Johs. Zürcher. 1855 resigniert.
[1842] Hr. Joh. Ulrich Sonderegger Gmdschbr.
Fortsezung Fo. 180.
Anmerkungen des Autors
- ↑ nach Erschaffung der Welt.1656
- ↑ [Quer über Zeile 20 bis 29:] der ersten Menschen Speiß u. nahrung, vom Pflanz u. Thier Reich, siehe hier pag 37 [Seite 95]
- ↑ das Thurgau hat seinen Namen vom Fluße Thur.
- ↑ anmerckung. Die Helvetier schreibten ihre Sprache mit griechischen buchstaben.
- ↑ vor der Geburth Christy 3848 - die auß den nordischen Landen außgezogenen Cimbern zu welchen sich auch die Teutschen & Helveter geschlagens & den Römer in ihr Land gefallen u. grosen Schaden gethan. Hundertdrei Jahr vor Christi geburt.
- ↑ 129
- ↑ Jm Jahr d. Welt 3890.
- ↑ nach Christy geburt ao. 69
- ↑ M. 80. F 101
- ↑ Ao 300 wurden am allerfürchtbarsten die Gothen die auß Prüßen u. Jenen Gegenden heraus brachen,
u. das Römische Gebieth durch streiften und Plünderten, eine Nation suchte die andern zu vertreiben. - ↑ Erste gewaltige Jäger/war natürliche Waffen./die Bären wurden mit fang- Eißen oder Knäbel- Spießen erlegt und andere deßgleichen in ihrer seltenen stärke
- ↑ Das Lehen recht entstuhnd unter den Francken, da Könige ihre besizungen minder mächtigen hingaben u. sich das höhere Eigenthum unter der Leistung gewüßer Dienste außbedungen hatten, diese art der Veräußerung stieg von den höchsten ställen auf die geringern herab, wer sich keine kriegsdienste außzubedingen hatte, der lies sich etwas an Früchten oder Handdiensten bedingen, und dieses hieß man Lehen rechte.
- ↑ siehe von Wappen hier pag 99.
- ↑ die Grafen im Togenburg
- ↑ 588 - ca.
590am ende des Sechsten Jahr hundert. - ↑ Fortsezung hier pag
- ↑ 646 die Gallen Zell bleibte im ersten Jahrhunderte ihrer entstehung klein u. machte keine beträchtliche Fort schritte; sie litt wie das ganze Thurgau zu sehr durch die Kriegersche überfäll der Franken, die 680 eß überzog u. richtete mit Raub u. Brand alles zu grunde ermordete die Männer und führte Weiber und Kinder mit sich fort. arx 21. Waltram des Zent Grafen Besizungen haben an die Einöde u. Zelle des heil. Gall gegränzt, Romonten erhielt den namen des Waltrams Berg von ihme arx 23. Waltram hatte erst im achten Jahrhundert die Rechte u. ansprüche auf die Wildnis dem Abt abgetreten pag. 25.
- ↑ Es wurde das Königliche Kloster genant.
- ↑ Das in ältesten Zeiten alles eine grose Wildnis und Wüste gewesen, kan keinem Zweifel unterworfen seyn, die Welt ist auß Gottes Hand als ein Wald kommen sagt Haller.
- ↑ Die Teutschen haben bis in das Sechste Jahrhundert in Wäldern gewohnt im Stande der Wildheit, u. sich in Höhlen verkrochen Sturm u. Regen außzuweichen u. darin sich aufgehalten bis sie Wohnung oder Hütten erbauen haben von an der Sonnen getröchneten Ziegel u. Laim.
- ↑ Das Stift rechnet sich den Verdienst zu, das Land urbar gemacht zuhaben. Roschach wie Goldach u. Mörschwil, seyen vor Gally ankunft schon bewohnte ort gewesen. arx 37. pag 4 anmerkg siehe hierin & p281. wie die Wildnis zu höfen u. güter worden.
- ↑ Der name Appenzell komme von einer zell oder bethhaus so ein Abt für seine Hirten da erichtet habe, ehe eine Kirchen erbauen gewesen in Appenzell eine Kappelle Ao. 647 schon soll erbauen worden seyn x Kapel genant. Anhorns Chronik das Land hab eh St. Gallus dahin gekommen, schon kirchen gehabt das 714 Herisau Gosau 30 leutreiche Pfarreyen geweßen, das bezeugen etliche alte Jnstrument wie auch D. Vadianus & Walser.
- ↑ Es habe allerorten nur Höfe gehabt ehe Stätt u. Dörfer entstanden.
- ↑ *) Auch Altstetten war eine alte große Stadt bis ao. 1410. Da die Appenzeller eine Besazung darin gehabt, das der Herzog von Östreich solche eingenomen die Stadt verbrandt u. die Ringmauren zerstört, das selbige sither nicht mehr zu der vorigen größe gekommen, zudeme nach 1567, 1687 u. 1709 große Feursbrunste erliten.
- ↑ sihe hierin 2 Blat weiter
- ↑ Ao. 883 der Kayser hat dem Abt Hartmoten bey seiner abdankung bewilliget die Einkünfte zu Herisau Waldkirch u. Niderbüren zu Stands mäßigem außkommen der abgedankten Aebten. arx 80. I. T.
- ↑ Anhorns Chronic im hof bey der Kirchen zum Speicher genant.
- ↑ Marken
- ↑ Sie wurden in Zürich enthauptet u. ihr Siegel führte die 2 Köpfe. d ao. 291 dahero.
- ↑ #Die Juden glaubten einen einigen wahren Gott, den Schöpfer, Erhalter u. Beherrscher der Welt, u. alles was das alte Testament enthalt; aber sie erkennen Jesum nicht für den Mesias sonder erwahrten einen andern.
- ↑ Er hielt das alte - u. neue Testament für wahr, aber von Juden u. Christen verdorben; der Koran hebt bede auf u. verdient als Gottes- Wort verehrung
- ↑ des Jahrs einmahl.
- ↑ Sie nehmen zu Jegl. Kind frisch Waßer, dieweil eß von der unreinigkeit der Erbsünd soll beflecket seyn.
- ↑ capuziner namen komt von ihren großen spizigen Capuzen.
- ↑ Der aussaz den die Kreuzfahrer ehedem mit sich auß Palästina gebracht hatten, verbreittete sich so das im Linsibühl ein Sichen haus mußte gebauen werden 1219.
- ↑ Zu dieser zeit wurden die kinder bey der Taufe in das Waßer eingetaucht im Kloster.
- ↑ auß Walter Klaren Cronic
- ↑ Ao.1534 & 35 erste Edition d.ganzen Teutschen bibel, übersezt durch Luthery, er starb 1546
- ↑ anmerckung.
- ↑ die Judengaß war hinter der Brodlauben genant in St. Gallen arx.pag.31
- ↑ Ao. 1411: Widerloß gelasen von Acht u. bann bis Ao. 1429.
- ↑ Ao. 1524 die bibel hirmit ermehret u. angenommen worden. B.A.C.[Bartholomäus Anhorn Chronik] p54
- ↑ P.S. *) Die Evangangelischen u. Reformierten führen den gemeinschaftlichen Namen Protestanten, weil sie beide gegen ein hartes Edickt König ferdinante II. der sich zur römischen Kirchen wieder zurük zukehren zwingen wolte, A.O. 1529 auf dem Reichstag zu Speyer, darwieder Protestierten, deßwegen alß eine Kirchen angesehen worden.
- ↑ ob die Reformation ein glück oder unglük seye, siehe pag. 30 hier arx pag 511
- ↑ A.C. macht mit Korn besäet gewesen.
- ↑ arx 30
- ↑ Das Kloster u. Appenzell kam unter die Carolingischen Kayser
- ↑ Bibliothek im Kloster St. Gallen.
- ↑ pag 3 schon
- ↑ pag. 164 arx.
- ↑ 1273 war Schirmvogt Rudolf von Habsburg welchem st.gall. u. das Land huldigen muß. Er wurde hernach Kayser, arx 403, bestättigte den Schweizern ihre freyheiten, hernach änderte er seine gesinnungen, aber der Tod machte 1291 seinen großen plänen ein ende, sein Sohn Albert suchte solche durchzusezen u. den 3 länder seine unmitelbare Regierung aufzudringen # wurde aber von seines bruders Sohn ermordet, dieser vorfall gab den 3 Länder muße beßer an die verthätigung ihrer freyheiten zudenken. Sein nach Trohnfolger Heinrich VII. bestätige ihre freyheit und verbindung, deßgleichen hernach auch Ludwig V. hieß ihren Bund und freyheit gut.
- ↑ Schwere verbrechen mordthat nothzucht u. heimsuch (überfall in seinem haus) nachtschach, nächtlicher diebstal. arx 308
- ↑ siehe hier p. 37 den anfang der Speißen.
- ↑ fortsezung weiters ist hier p217.
- ↑ anfang der freyheit
- ↑ diese 2 Schlöser sind im Appenzell. Krieg zerstört worden 1403 - arx 336. burgen
- ↑ Gaßer &.
- ↑ Weillen 6 Männer diese hofstatt gegeben und darzu einwilligen haben müsen, so ist daraus zu schliesen, das eß gemeinwerk oder moos boden geweßen.
- ↑ so Bischofberger C.
- ↑ B! Löry
- ↑ Landsgemeind in Hundwil u. Eydgnößische gesandte deßwegen sie vermahnet haben zu erfüllung des Spruchs.
- ↑ Hofamt und gericht in St. Gallen
- ↑ im 15ten Jahrhundert haben die meisten völker sich neue Staatsverfaßungen geben.
- ↑ (In allem Landsgemeinds beschlüßen folg. als dem Souv. od. höchsten gwalt.
- ↑ Die unabhängigkeit ist ein durch das blut unßerer vorvätter erkauftes u. auf uns gebrachtes Erbgut, das wir unßern nachkomenden überliefern sollen.
- ↑ Die Landes verfaßung ist nach u. nach so eingeführt worden. # Ein alt Landsgemeind- u. Raths Protocol enthalt. solche u. erst ein Landbuch gemacht worden ca. 1500 […dt] man zuerst […chriebene] geseze.
- ↑ hohe Gericht erlanget von Kayseren Ao. 1436 & 39, 1442 & 1466 in diesem Jahr.
- ↑ Jede Rhod die Haubtm. Gd. auf besondern Plätzen gehalten.
- ↑ 1429 dadurch sind die Appenzell. vom Stift St.Gallen unabhänig worden. Die Kirchen mußten eingeweihet werden, eß war 3 Jahr lang kein Gottesdienst mehr darin gehalten arx p. 162.
- ↑ 1490 zog das Stift Jährlich nach ƒ. 700 aus dem Appenzellerland. arx 102. III T.
- ↑ anzahl der mannschaft bey der Landtheillung.
- ↑ Verfaßung der VR.
- ↑ die Jnn Rooder Cronic meldet, der Landamann habe gemehret wem wohlgefalle das Hochgricht u. was daran hange gen Trogen seze der heb sein hand auf.
- ↑ Der Schluß ists nicht eine Schickung der sache der Appenzeller, wie im nord amerykanischen Krieg, das wenn die Vorsehung beschloßen eine Nation frey zu machen, die andern wie Roboam die unweisesten Rathschläge allezeit vorziehen! 1. König XII.
- ↑ XIII. Seculo. Ulrich Häch amman zu Appenzell, Walther Weibel amman zu Hundwil u. Urnäschen, die waren des Abts amtsleut u. mußten ihme schwören. Ao. 1341 war Eglof Amman zu Appenzell Hans von Meldegg war 1347 Amman zu Hundwill, u. Schloß haubtmann der Klanz in Appenzell.
- ↑ Ao. 1632. *) Jm ersten Landbuch steht, Teufen sammt denen in Rotten, so nicht zusammen gehörend gaben 8 des kleinen u. 8 des grosen Raths, also war Rothen damals nach eine eigne Rood.
- ↑ Es waren Ämter in Appenzell, Hundwil, Urnäschen, u. Teufen, sind abts amtleut geweßen. Es waren 13 Rottenpfleger die anlagen vertheilen mußten. Arx. pag 80. *)Tablet hieß vordeme der ober Witenbach.
- ↑ XV. Seculo. Ao. 14. .
- ↑ Diese eintheill. der Rooden ist bis zur Landtheillung verbliben. Gaiß bey der Reformation zu V.R. geschlag.
- ↑ Hundwil war in 2 Rooden nur getheilt wegem Kirchgang da die ober Rood auf Appenzell, die untere auf St. Gallen gen St. Leonhard Pfärig gewesen. W.C. 86.
- ↑ Wegen Kirchgang Teufen waren auf St. Jörgen u. St. Lorenzen Pfärrig.
- ↑ Genoßne od. ungenosne
- ↑ Alpsgemeinden gahlten worden.
- ↑ wie bischofshöre genant alle angehörige des bißthums.
- ↑ Kirchhörinen u. 7 Roden geweßen.#
- ↑ #1479 war die scheidung gegen Speicher von Metmanegg zerichtigs in Steinegg das holz an der Landleutletz und mark.
- ↑ also eine vogtey gewesen.
- ↑ um diese zeit hab Abt Ulrich Trogen und Speicher den Zehnten nachgelaßen a ƒ. 500. arx.p. 385.
- ↑ *)Geschwent heißt ein Wald außgerüt u. diese ort wurden Schwendinen genant.
- ↑ siehe nebenstehend das weitere.
- ↑ Reichssteur wurde rechmäsig genant, die mit gewalt willkürl. geforderet wurden. Läbsteuern geheißen, die Raubsteuern
- ↑ *) Orgetorix, ein vornehmer angesehner Mann unter den Helvetier
hate schon 10`000 Leibeigne gehabt, wie hier pag III. zus.
Die Leibeignenleut wurden im vierzehnten Jahrhundert der stärckste handels
artickel die ein herr dem andern verkaufte verdauschte zu Lehen, zu Pfand zu Leibdinge gab.
Jeder reiche mann od. bürger auß den Städten kauften Leibeigne; das Stift kaufte einen
um 5 lb. d. z.b. Egolf von Roschach versezt 1375 die Kriemler, Haßen, Rüesch, Klein,
Helter, Eschler, Schöri, Ander, Spät, Krezer, Locher, Schmid, Schöri, u. Renhas, um 13 lb. d u. 13 Schili.
u. Jeglicher mußte ein lb. d. Steuer u. das Faßnacht hun geben, u. frondienst thun arx 171: 2. Teil.
[arx] p 20 hier auch Rothfuchs, Spät, Bächler, Stürm, Kobler, Schäfer, Keßler,
Zuber, Salmßer, waren ihre zinßleut u. eigne Leut. - ↑ Kayser Heinrich V. hat befunden das die Leib Eigenschaft sich nicht wohl zu den Lehren des Christenthums schickete, darum hat er den Gürtel aufgelößt u. dem Sclafischen dienst Luft gemacht d. viele die freyheit erlanget. Ao. 1114 anstat Leibeigne, eigneleut genant, endlich Gottshaus-Leut &bergleut. arx p. 174 2. T. genosne und ungenosne die erste waren L. Leibeigne die ungenosnen waren mehren herrn unterworfen. Die eigenen güter welche um den zehenten oder mit einer andern beschwärd ausgeliehen wurden hießen Beneficia oder Lehen. #Trogen hate Frey-Herrn deren güter frey u. Ledig und keinem Lehen unterworfen waren.
- ↑ Jn diesem Brief Steinegg ist vor altem d. Trogner Wald genant worden d 1460
- ↑ Sihe hierin pag 214, schon 1485 ähnliche Lustspille in der Stadt St. Gallen
- ↑ ca. 1492 K.Maximillian schaffte das faustrecht ganz ab u. Reichsgericht errichtet.
- ↑ & Wildpret, milch, butter und Käß
- ↑ Jhr Getränke war auß gerste u. anderem getreide, eine art wie Bier. Von Wein u. geld wußten sie nichts bis die Römer sie beides kennen gelehrt.
- ↑ Die ersten Menschen wurden 900 u. mehrere Jahr alt.
Nach der Sündflut aber erreichte keiner außert Sem ein 500 Jähriges alter,
in den folgenden 200 Jahren nur nach 200 bis 240 Jahr, gelebt.
Das die Leut kein so hohes alter mehr erreichen ist ein wahres glück,
dann viele Länder wurden so übervölckert das die viele hungersterben mußten.
So sorgte die oberste Weißheit vor alles wohl. Das durch Krieg u. sterbend
die menschen einander plaz machen müßen. - ↑ Davit schon gesagt, unßer Leben währet 70 Jahr u. wan es hoch komt sind 80ig Ps.
- ↑ Da Rom 454 Jahr gestanden haben die Römer zuerst auf Sicilien babierer kommen
u. sich abscheren laßen, das man im streit sie nicht mehr bey
den lang. bärten ergreifen könne. - ↑ ursprung des Zehenten.
- ↑ #Roschach, Goldach #Arbon,
Herisau, waren heydnische Tempel vorher - ↑ Arx p. 192 2. Theil. Hundwil & Gais filial v. St. Lorenz.
- ↑ Ao. 1520 hate die Pfarkirch St. Lorentzen, 4000 Kommunikanten, von der Stadt St.Gal., Strubenzell, Rotmonten, Witenbach, Tablet und Speicher, die den Pfarr- gottesdienst besuchen mußten arx 389. blat.
- ↑ war vor deme die Siechen Kapell genant.
- ↑ St. Lorenzen Ao. 1504 Leutpriester Johann Oderholz, helfer, Jo. Weniger St.Gl. bürger.
Ao. 1519 der Leutpriester Ramsperger an der Pest gestorben. - ↑ arx p. 646. Trogen war eine Kaplaney ehe sie zur Pfarrey gemachet
worden, dann Ao. 1422 schon war Jacob Schenck Leutpriester in Trogen. - ↑
- ) Pfarrer Pel. am Stein ist 1529 von Heinrich Läßer im Togenburg ermordet worden. arx 104 III. T.
- ↑ § Bar oder Baron heißt frey, u. waren Freyherren genant weil sie von Steuern u. anlagen frey waren.
- ↑ eß war vor altem ein hof.
- ↑ Tat. über die Worte auß Esaia 2,3. Komet laset uns auf den
berg des Herrn gehen, zum hause des gottes Jacobs,
das er uns lehre seine Wege, u. wir wandlen auf seinen Stegen. - ↑ das erste Libel Es ist auf Pergament wider neu abcopiert worden Ao. 1682 kostete ein ƒ.
- ↑ (mit Bügsly
- ↑ er war ein Glaser
- ↑ Erzehlungen von alten männer.
- ↑ die Form oder bau art wie die im Lynsibühl gewesen.
- ↑ baukösten
- ↑ der Röhrenbrug boden gieng bis an Pfarrhaus garten.
- ↑ umgeschmolz.
- ↑ do.
- ↑ 1811 25 8bris angelangt
- ↑ siehe von den neuen Glocken hier pag 426.
- ↑ Copia
- ↑ Gott mit uns.
- ↑ [quer] # in allem daran ist abgerechn beibt…..
- ↑ bis zu dieser zeit sind nach keine Kirchen-Rechnungen verschreibet
- ↑ B! man wird ohne Zweifel den Parrer [Pfarrer] begehrt haben weg. Schlechtem zustand des Kirchen guths damit er erläuterung gebe wegen den Kirchen Rechung während seinem hiesigem Pfardienst
- ↑ arx Follis 311: Die Appenzeller wolten ungeacht der ihnen von den Eydgnoßen gegebenen
Ermahnung die marken bey Steinegg nicht für gültig anerkennen bis Zürich
im namen aller orte sie bey Ehre und Eyde, u. den bündnißen aufforderte, den ergangenen
Sprüchen folge zu leisten, und im Weigerungs Falle sie zu über ziehen drohete - ↑ häuser auf Vögelisegg dem Appenzellerland zugesprochen worden.
- ↑ die breite unter der Steinegger höhi dahin eine neue Landmark hat sollen gesezt werden 1731?
- ↑
- ) im Birg nit Birt genant und Hinterwes das Buchholz.
- ↑ Grentzen gegen Trogen u. Rehetobel, Ekers Riedt, Teufen u. Bühler siehe Ao. 1479 grenz pag 20 zuerst. Ao. 1678 von der untern Metmanegg kam Josten Conraden gut zu Teufen.
- ↑ Klosterplatz od.
- ↑ Copia aus hiesigem Taufbuch.
- ↑ # des H. Samuel Kochen Pfr. zu St. Martin in Baßel ehl. Tochter, in Herisau copul.
19. Julj Ao. 1612 - ↑ die ersten Pfarrer sind mit auflegung der händen in gegenwart des Regierenden Landamanns eingesezt worden.
- ↑ Ao. 1596 wurde er Pfr. in Meyenfeld 26 Jahr lang, da in Stadt u. Land geprediget. Sein Sohn Daniel war 1623 Pfr. zu Sulgen worden u. 1635 dort gestorben.
- ↑ am Sontag
- ↑ 1717 Examminiert gebohren 1695. Hr. Decan Walser Pfr. auf Wolfh. war sein vatter, der 1730 gestorben.
- ↑ das geschah
- ↑ erweklicher
- ↑ der seine Christliche Lehren bestät mit einem frommen Wandel u. geziert. v. Thränen waren die stillen Lobredner nach seinem Tod.
- ↑ 2 Raths Hr
- ↑ Compideten
- ↑ sein amt führte er mit heilligem Eyfer, u. zierte eß mit einem Exemplarischen Leben u. Wandel in seinen Predigten war er sehr weitläufig mit Tex erklärungen, aber seine zueignung. waren Kernhaft u. recht erbaulich u. so grundl. als überzeugend.
- ↑ Hr. Pfr. Schlang verlangte ein vicare zur hielf.
- ↑ Ao. 1787 Juljus sind zwei umgäng und eine auserordentliche Kirchhöri gehalten worden wegen einem vicare &.c.
- ↑ Kirchhöri
- ↑ das Pfrundgeld wurde auf ƒ. 8.- ermehret.
- ↑ von seinem Lebens Lauf *)
- ↑ er war sonst der größte Hr. über 200 lb.
- ↑ vom gewesnen Pfr. Schläpfer in Steinegg. Starb 1813 in Straßburg.
- ↑ Hr. Scherrer genant.
- ↑ Einweyungs Predig Ao. 1810 8. April.
- ↑ das absterben dieses Landes-Vatter ist hierin pag 306 zuleßen über die Revolution ist er auch auf Feldkirch geflohen und Wochen dort verbleiben.
- ↑ nur 1 ¼ Jahr bleiben können regierg.
- ↑ #nach dem Kirchenbau im Speicher.
- ↑ siehe pag 20. alte hbtl. Ao. 1542 habtl. B!
- ↑ § Jagg Schwendimann u. Baschon Urscheler
- ↑ Jacob Locher, habtm. zum Speicher, 1550-1579.) siehe Fol. 66.
- ↑ + & Examinator
- ↑ heut zu Tag ist Walzenhausen
- ↑ Gemeind Rüthy
- ↑ Jb. Meyer, von Hundweil hielt hier eine Kirchhöre wurde auf St.Gall. [g]eführt.
- ↑ L.W. Gogy, hate das gleiche Schicksaal troffen.
Anmerkungen des Übersetzers
- ↑ Körperschaften genossenschaftlicher Selbstverwaltung als Vorläufer politischer Gemeinden
- ↑ Stempel der AR Kantonsbibliothek Trogen
- ↑ Ausriss
- ↑ Ausriss
- ↑ Ausriss
- ↑ Ausriss
- ↑ unleserliche Zeile, überfaltet oder abgeschnitten
- ↑ Wohl der hebräische Volksname Jawan aus der Bibel als Bezeichnung für die Griechen des östlichen Mittelmeers
- ↑ über Zeile 1 von fremder Hand: Kopiert
- ↑ [über Zeile 1 von fremder Hand:] Copiert
- ↑ Roncallen und Schuppissen sind Synonyme für Güter
- ↑ in einer Käserei abzuliefernde Milchprodukte
- ↑ Ausriss?
- ↑ Johann Gottfried Ebel
- ↑ Mateo de Bascio
- ↑ Johann Phillip Schlang von Schwellbrunn
- ↑ ab hier mit Einlageblatt überklebt
- ↑ Datierungen und Anmerkungen nach 1817 von fremder Hand
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