Beschreibung des Oberamts Aalen/Kapitel B 6

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Fachsenfeld,


Gemeinde II. Klasse mit 1241 Einw. a. Fachsenfeld, Pfarrd., 639 Einw. worunter 409 Kath. b. Affalterried, W, 73 kath. Einw. c. Bodenbach, Hs., 8 kath. Einw. d. Frankeneich, Hs., 5 Einw. e. Mühlhäusle, Hs., 8 kath. Einw. f. Pfannenstiel, W., 294 kath. Einw. g. Sanzenbach, Hs., 5 kath. Einw. h. Scherrenmühle, M., 10 kath. Einw. i. Schloßreute, M., 45 kath. Einw. k. Spitz, Hs., 8 kath. Einw. l. Steinfurt, Hs., 3 Einw. m. Waiblingen, W., 143 Einw. worunter 84 Kath. – Evang. Pfarrei, die Katholiken in Parz. a, c, i und k sind nach Dewangen, die in Parz. e, g und h nach Abtsgmünd; die in Parz. b nach Wasseralfingen; die in Parz. m nach Hüttlingen, eingepfarrt.

Nordwestlich von Aalen liegt diese, der räumlichen Ausdehnung nach ziemlich beschränkte und durch Wasseralfingen in zwei ungleiche Hälften getrennte Gemeinde, größerntheils auf den Liashöhen des Wellandes, jedoch auf der nördlichen Gränze in’s Kocherthal hinabsteigend und mit einer schmalen Spitze diesen überschreitend, hier also im Gebiete des Keupers, welcher bis Pfannenstiel im Haldenbachthale heraufsteigt, dem einzigen bedeutenderen Nebenthale des Kochers in diesem Bezirk, dem es nirgends an Wasser, noch den Wohnorten an Brunnen fehlt. Die Wasserkraft des Kochers wird von der Scherrenmühle benützt. Umschlossen ist die größere Hälfte des Bezirks mit Fachsenfeld selbst, östlich von Wasseralfingen und Hüttlingen, nördlich von der Ellwangschen Gemeinde Neuler und einer Hüttlinger Exclave, westlich von Abtsgmünd und Dewangen, südlich von diesem und Wasseralfingen. Die kleinere Hälfte zerfällt wieder in zwei ungleiche Bruchstücke. Die Markung von Affalterried liegt zwischen Wasseralfingen und Unterrombach, das Spitzschafhaus | mit seinen Gütern zwischen Wasseralfingen und Dewangen. Die ganze Markung umfaßt nur 1400 Morgen; davon liegt das Ackerland meist auf der Höhe und hat deßwegen auf dem Lias einen ziemlich schweren, größtentheils lehmigen, mittelmäßig fruchtbaren Boden. Sanzenbach hauptsächlich hat den leichteren Boden des Keupers, im Thale vorzüglich liegen – und zwar gute Wiesen, doch finden sich solche – zweimädig und von gutem Ertrag (durchschnittlich von 20 Centner), auch auf der Höhe von Fachsenfeld. Es ist deßwegen auch die Stallfütterung überall gebräuchlich, wobei die Race der sogen. Woachten die beliebteste ist. Die Pferdezucht ist unbedeutend, ebenso die Bienenzucht. Die Schafe, deren Zahl nicht unbedeutend ist, sind Bastarde.

Von den frühern Höfen bestehen nur noch vier; alle übrigen sind zerstückelt; damit hängt auch zusammen, daß Handelsgewächse hier eigentlich gar nicht gebaut werden. Die vorherrschenden Fruchtgattungen sind Dinkel, Roggen und Haber (mit einem Durchschnitts-Ertrag von circa 20 Simri per Morgen). Der Bau ist flürlich, doch wird auch die Brache zum Theil eingebaut. Für Obstzucht geschieht nicht wenig.

Der große Zehnte von Fachsenfeld, Bodenbach und Scherrenmühle gehörte hälftig Ellwangen, hälftig dem Spital Gmünd, der kleine Ellwangen und der Pfarrei Dewangen gemeinschaftlich, weßwegen er alternirend bezogen wurde. In Waiblingen gehörte der große Zehnte 3/6 zur Herrschaft Niederalfingen und 2/6 sammt dem kleinen zur Pfarrei Hüttlingen, 1/6 Ellwangen[ws 1]. Die grundherrschaftlichen neuen Anlagen Frankeneich, Mühlhäusle, Schloßreute, Steinfurth, Spitz und Pfannenstiel sind zehntfrei. In Affalteried haben die Herrn v. Wellwart schon 1389 den großen und kleinen Zehnten als ellwangisch Lehen besessen. Von Sanzenbach gehörte der große und kleine Zehnte nach Neuler und zum Kapitel Ellwangen.

Kirchlich war der Bezirk einst unter vier Parochien getheilt. Waiblingen gehörte nach Hüttlingen, Affalteried nach (Hofen-) Wasseralfingen und Fachsenfeld selbst nach Dewangen, zu welchen Pfarreien auch jetzt noch die katholischen Einwohner gehören. Das einstige Filial von Neuler, Sanzenbach ist jetzt sammt Mühlhäusle und Scherrenmühle nach Abtsgmünd gewiesen. Die evangelische Parochie ist erst in Folge der Reformation entstanden. Hans Sigmund v. Wellwart, dessen Vater sich bereits für seine Person zur lutherischen Kirche bekannte, begann ein öffentliches Exercitium seiner Konfession einzuführen und ließ zu diesem Zweck im Schulzimmer zu Fachsenfeld einen Predigtstuhl errichten, woselbst der Informator seiner Söhne | den evangelischen Glauben verkündigte. Am 1. Jan. 1580 erging an alle Unterthanen eine Einladung, mit ihrem Herrn das heil. Abendmahl zu empfahen. Erst 1591 beginnen, nachdem ein evangelischer Pfarrer aufgestellt war, ernstlichere Aufforderungen an alle wellw. Unterthanen, hier ihre Kinder taufen und in der Religion unterrichten zu lassen, die Sacramente zu empfahen u. s. w., letzteres auf Gründonnerstag 1592 bei 10 fl. Strafe. Ellwangen wollte die in seine Parochien zu Hofen und Unterkochen gehörigen Wellwart’schen Unterthanen zu Ober- und Unter-Rombach, im Hofherrn und Mantelhof, zum Weidenfeld, Affalteried und Attenhofen nicht von ihren alten Pfarrkirchen losreißen lassen und machte geltend, der Grundherr habe sie wider Willen zur Reformation gezwungen. Das Gegentheil hievon erklärten jedoch die genannten Unterthanen vor einem Notar 1597 und baten bei der evangelischen Kirche und dem alten Kalender belassen zu werden. – Nur in Affalteried und Attenhofen scheint Ellwangen seinen Plan durchgesetzt zu haben und wahrscheinlich das Normaljahr 1624 entschied da späterhin für die kathol. Parochie Hofen. Durch Vertrag von 1662 gestatteten die Herrn v. Wellwart, daß die kathol. Einwohner von Sanzenbach bei der Pfarrei Neuler verbleiben.

Die Parochie Fachsenfeld ist sehr unbequem zersplittert über die weit zerstreuten Wellw.-Laubachschen Besitzungen, von welchen z. B. der Mantelhof 21/2 Stunden entfernt ist. In neuerer Zeit sind auch die Evangelischen in Abtsgmünd und Hüttlingen nach Fachsenfeld gewiesen worden – seit lange aber ist die Wellw. Parochie Leinroden mit Fachsenfeld verbunden.

Schulen bestehen in Fachsenfeld eine evangelische und zwei katholische. Ganz zufällig nämlich sind alle die bei Fachsenfeld ansässig gewordenen Vaganten u. dgl. (siehe bei Pfannenstiel das Nähere) katholischer Konfession gewesen und so ist allmählig eine weit überwiegende Anzahl von Katholiken in diesen früher ganz protestantischen Bezirk gekommen. Zur Verbesserung der Zustände ist 1824 eine Industrieschule errichtet worden, in welcher 1836 das Korbflechten Eingang fand, ein Industriezweig, welcher seitdem einigen Familien in Fachsenfeld und Pfannenstiel Nahrung verschafft.

Die Gemeinde Fachsenfeld besitzt zwar kein Vermögen, aber doch auch keine Schulden, obgleich sie gar wenig wohlhabende Bürger zählt. Denn neben dem beschränkten Ackerbau besteht nur die allergewöhnlichste Gewerbsthätigkeit (von etwa 75 Handwerksleuten) und zu Nebenverdiensten gibt es an Ort und Stelle keine Gelegenheit.

Die Herrschaften Fachsenfeld und Waiblingen sind allodial gewesen | und Hans Sigmund v. Wellwart hat von Kaiser Rudolf II. den Blutbann mit Stock und Galgen erworben; er ließ nun auch bei Fachsenfeld ein Hochgericht errichten.

Heutzutage besitzen als Grundherrn 1) die Freiherrn v. König Parzelle a, c, f und l; 2) die Freiherrn v. Wellwart-Laubach Parzelle b, d, e, g, h, i, k und m.

a) Fachsenfeld, ein Pfarrdorf, 11/2 Stunden von Aalen, liegt noch auf der Höhe des Wellands, zum Theil aber bereits an dem Abhange in’s Kocherthal sehr weitläufig gebaut. Die Häuser sind fast alle von Holz, jedoch mit Ziegeldächern versehen. Ordentliche Straßen führen nur über die Furth oder Privatbrücke bei der Scherrenmühle auf die Vicinalchaussee durch’s Kocherthal und über Dewangen und Rombach auf die Stuttgarter Chaussee, weßwegen nach allen Richtungen hin diese Umwege zu machen sind.

Die Kirche, hoch gelegen und deßwegen mit ihrem weißen Thurme weithin sichtbar, ist 1591 erbaut worden von Hans Sigmund v. Wellwart, aus eigenen Mitteln; 1775 renovirt auf Kosten der Episcopalherrschaft. In Folge der Mediatisirung suchte die Grundherrschaft von der Baulast sich loszumachen, hat dieselbe aber doch wieder zum größern Theil freiwillig übernommen 1848.

Die Pfarrei ist 1580 gestiftet worden, als dem ebengenannten H. S. v. Wellwart ein Bauernhof zu Fachsenfeld heimfiel, welchen er nun zur Gründung einer evangel. Pfarrei und Schule bestimmte, nachdem bis dahin als evangel. Geistlicher ein Schloßkaplan fungirt hatte. – Während der Wirren des 30jährigen Kriegs versah längere Zeit der Pfarrer von Neubronn auch Fachsenfeld. Heinrich Wilhelm v. Wellwart vermachte später im Testament der Pfarrei 2000 fl. neben anderem für Leinroden. Deßhalb wurde es möglich, die Bitte der Unterthanen 1659 um Wiederanstellung eines eigenen Geistlichen zu gewähren. Das Patronat stund den Nachkommen Hans Sigmunds gemeinschaftlich zu. Durch den Verkauf von Fachsenfeld hat der Freiherr v. König auch hievon 1/6 erworben,5/6 besitzen die Herrn v. Wellwart-Laubach. Der keinem Konsistorium untergeordnete Pfarrer hatte früher die Weisung, nur solche Befehle anzunehmen, welche von sämmtlichen Herrschaften gemeinschaftlich ausgehen.

Der Begräbnißplatz liegt hart an der Kirche (nordöstlich vom Dorfe) und das Pfarrhaus steht daneben. Dieses wurde 1629–65, so lange die Pfarrei mit Neubronn verbunden war, als Beamtenwohnung benützt.

Eine Heiligenpflege mit dem Fonds von 600 fl. verdankt auch dem Hans Sigmund v. Wellwart ihre Stiftung.

| Das herrschaftliche Schloß hat Hans Sigmund v. Wellwart auf der Stelle eines erkauften Bauernhofs wahrscheinlich um 1567[ws 2] von Grund aus neu erbaut, es mußte aber 1829 einem neuen Schloßbau weichen, der von außen nach Lage und Aussehen nicht eben viel verspricht, dagegen innen sehr schön ausgestattet ist und umgeben von einem großen, hübsch angelegten Garten. Vermuthen läßt sich, es habe in älterer Zeit bereits ein Herrenhaus zu Fachsenfeld bestanden. Denn wir treffen (im Gefolge der Herrn v. Weinsberg) schon 1230 einen Heinricus de Vachsenvelt und 1291 wiederum einen H. de Vahsenvelt. Das Laubacher Saalbuch sagt: Fachsenfeld sey jedesmal zum Burgstall Waiblingen gehörig gewesen; stehe da. Als Besitzer von Fachsenfeld erscheinen die Herrn v. Wellwart seit Anfang des 15. Jahrhunderts, wo 1406 schon Georg I. v. Wellwart ein paar Huben nach Lorch stiftete. Späterhin gehörte Fachsenfeld der Leinroder Linie, aus welcher vormals Sigmund II. wiederholt (z. B. 1549) „zu Fachsenfeld“ heißt, nach dem Obigen aber schwerlich da saß, sondern nur dieses Gut als abgetheiltes Erbstück besaß. Sein Sohn ist der oft erwähnte Hans Sigmund gewesen, welcher das Schloß erbaute. Von seinen zahlreichen Söhnen erhielten in der Erbtheilung Philipp Jakob und Kaspar Heinrich – Fachsenfeld mit Waiblingen; von ihnen erwarb diese Güter Heinrich Wilhelm und nach dessen kinderlosem Tod wurde das Rittergut Fachsenfeld zu 21.000 fl. angeschlagen (1718 zu 52.000 fl.), Waiblingen zu 17.208 fl. Um jenen Preis übernahm Konstantin I. von der Polsinger Linie – Fachsenfeld, welches auf seinen Sohn Christoph Heinrich kam. Dessen Linie starb in der nächsten Generation aus; es kam nun 1/3 an Karl Christian Friedrich v. Wellwart, dessen Tochter mit Freiherrn Karl v. Varnbühler vermählt war; 2/3 an Heinrich Wilhelm v. Wellwart, welchem bald nachher als einzig übrigem männlichen Sprossen dieses ganzen Stammes sämmtliche Lehen und Fideicommißgüter heimfielen. Ihm erlaubte Ludwig Karl v. Wellw. vom Laubacher Stamm, Fachsenfeld aus dem fideicommissarischen Verbande zu lösen und an den genannten Herrn v. Varnbühler zu verkaufen, mit den unmittelbar dazu gehörigen Parzellen c, f, l im Jahr 1813. Der Gemahl der Sophie Ernestine v. Varnbühler, Freiherr W. F. v. König, hat 1828 von seinem Schwiegervater das Gut käuflich übernommen und seitdem das Schloß mit großen Kosten fast neu erbaut.

Während des 30jährigen Kriegs wurde, weil Kaspar Heinrich v. Wellwart ein eifriger Anhänger der Schweden gewesen war, Fachsenfeld als sein Erbtheil vom Kaiser eingezogen und wie Hohenroden dem Deutschmeister v. Stadion überlassen. Damals ist 1638 die Besitzung | aufgenommen worden. Das Schloß sammt Vorhof und Ökonomiegebäuden heißt „sehr ruinirt und im Weiler befindet sich gar kein Unterthan mehr.“ Doch scheint sich der Ort bald erholt zu haben, indem im Jahr 1660 gesagt wird, „das Weiler Fachsenfeld, welches der Zeit aber ein Dorf genannt werden will.“ – Nicht wellwartisch war ein Gut, das 1432 die dewanger Heiligenpflege erkauft hatte; das Kloster Lorch scheint seine Güter da bald wieder abgegeben zu haben. Christoph Heinrich v. Wellwart hatte 5 Unterthanen zu Fachsenfeld um 5000 fl. an den Ritterkanton Kocher[ws 3] verpfändet 1710.

Außerordentlich vermehrt hat sich die Bevölkerung von Fachsenfeld durch die bei Pfannenstiel weiter zu besprechende Aufnahme von Schutzgenossen durch die wellw. Grundherrschaft; 1718 gehörten zum Schlosse nur 20 Unterthanen.

b) Affalterried, ein Weiler, 1 Stunde südöstlich von Fachsenfeld, eben und frei gelegen, – ist durch eine Heirath wahrscheinlich als ursprünglich Ahelfingisches Besitzthum an die Herrn v. Wellwart gekommen, welche schon 1389 damit von Ellwangen belehnt wurden. Es waren ursprünglich zwei Höfe, die mehrfach getheilt worden sind. Wegen des Zehntens gab es im 16. Jahrhundert längeren Streit mit Aalen. Die niedere Obrigkeit besaß Wellwart (ältere Linie) unbestritten, die fraischliche Gerichtsbarkeit aber sprach Ellwangen an, doch sollte sie nach einem Zwischenvertrage 1662 in possessorio den Herrn v. Wellwart verbleiben. Von den Söhnen Hans Sigmunds fiel Affalterried dem ältesten zu, der auch Attenhofen erwarb, und der eine von seinen drei Urenkeln erhielt Affalterried mit Attenhofen als selbstständiges Rittergut. Nach dem Aussterben dieser Linie aber ist auch Affalterried an die Laubacher Nebenlinie gekommen.

c) Bodenbach, ein Haus im Thale am Bache dieses Namens, 1/2 Stunde von Fachsenfeld, unterhalb des Pfannenstiels gelegen, ist neuern Ursprungs.

d) Frankeneich, 1/4 Stunde von Fachsenfeld südlich gelegen, auf der Höhe, von Wald und schönen Wiesen umgeben, ein verpachtetes Schafhaus, das erst Hans Sigmund auf einem frisch gerodeten Boden angelegt hat. Es stand hier nämlich das Holz „Frankeneich“, in welchem 1533 die Dewanger dem Trieb, 1586 dem Obst und Eichelklauben entsagen mußten.

e) Mühlhäusle, ein Haus am Fuße der Fachsenfelder Anhöhe im Kocherthal gelegen, in der Nähe der Scherrenmühle, 1/4 Stunde von Fachsenfeld, ist neuern Ursprungs.

f) Pfannenstiel, ein Weiler, 1/2 Stunde westlich von Fachsenfeld am Thalabhange des Bodenbachs. Hier stand einst ein zum | Schloß Fachsenfeld gehöriges Holz Pfannenstiel. In Folge einer sehr unglücklichen Spekulation der Grundherrschaft wurde es im vorigen Jahrhundert ausgerodet und eine Kolonie gegründet. Wer irgend Lust hatte, erhielt von dem Grundherrn ein Stück Boden zur Erbauung eines Hauses, auf welches bestimmte Abgaben gelegt wurden nebst der Frohnpflicht. Natürlich fanden sich nur arme, heimathlose Leute ein, um von dieser Unterkunft Gebrauch zu machen. Viele ließen sich überhaupt nur gegen Bezahlung einiger Gulden in den herrschaftlichen Schutz aufnehmen und zogen alsobald weiter, um durch allerlei Kleingewerbe, durch Bettel und Diebstahl ihr Fortkommen zu suchen. In Folge der neuern strengern Polizei und Heimathsgesetze wurden nun auch diese Leute alle als Fachsenfelder Schutzverwandte hieher zurückgewiesen und es nahmen somit die neuen Ansiedlungen an Einwohnerzahl immer zu, während der Bodenraum sich nicht dehnen ließ. Die ganze Markung von Pfannenstiel umfaßt 72 Morgen Allmand und 51/2 Morgen Gärten und Länder, worauf noch 139 fl. 41 kr. grundherrliche Gefälle ruhten. Früherhin gab das Wollen- und Baumwollenspinnen noch Gelegenheit zu einem ordentlichen Verdienst, seit aber die Maschinenspinnerei auch diesem ein Ende gemacht hat, ist die Noth um so größer geworden. Die herumziehenden Gewerbe werfen auch immer weniger ab, und da in vielen Familien das frühere landstreicherische Leben jede Neigung zu anstrengender Arbeit ertödtet hat, so nahmen bald gewerbsmäßiger Bettel, Holzexzesse und Diebstähle überhand. Als Nahrungsmittel werden auch Hunde, Katzen und (selbst gefallene) Pferde benützt.

Bei solchen Zuständen konnte es nicht anders kommen, als daß die Pfannenstieler und Fachsenfelder bald im ganzen Lande berüchtigt wurden und daß auch die Ordentlichen schon um dieses Aber’s willen auswärts um so schwerer Arbeit finden konnten. Natürlich ist zwischen der altansässigen vorzugsweise landbauenden Einwohnerschaft und den fast besitzlosen neuen Ansiedlern wesentlich zu unterscheiden. Je hoffnungsloser aber die Lage dieser Leute war, um so mehr nahmen auch Unsittlichkeit und Polizeivergehen jeder Art, Diebstähle u. s. w. überhand, während allerdings schwere Verbrechen kaum vorkommen. Als seit 1818–19 nähere Untersuchungen über die heruntergekommensten Orte des Königreichs angestellt wurden, mußten vom Oberamte Aalen Fachsenfeld und Pfannenstiel sowie Armenweiler in die Liste der 24 allerärmsten Gemeinden aufgenommen werden (1824), welche als unfähig sich selber zu helfen, unter besondere Staatsfürsorge kommen sollten. Sehr weise richtete man diese Thätigkeit vorzugsweise auf das heranwachsende Geschlecht durch Gründung von Industrieschulen, | welche mit Brodvertheilung verbunden die Kinder vom Bettel abhalten und an nützliche Arbeit gewöhnen sollten; man unterstützte Jünglinge und Jungfrauen, um Handwerke oder die Näherei zu erlernen. 1826 wurden, um den armen Familien etwas Grundeigenthum zu verschaffen, 70 Morgen Wald bei Fachsenfeld der Grundherrschaft abgekauft, urbar gemacht und gegen einen billigen Zins ausgetheilt.

Doch allen diesen Bemühungen zum Trotz machte sich immer wieder der alte schlimme Geist auch bei der heranwachsenden Generation geltend und die beste Hoffnung ist deßwegen auf die Auswanderungen zu setzen, welche 1850 mit Staatsunterstützung in ziemlicher Ausdehnung begonnen haben nach Amerika.

g) Sanzenbach, ein auf dem rechten Kocherufer, am Bergabhang gelegener Hof, 1/2 Stunde von Fachsenfeld. Einst gehörte dieses Gut höchst wahrscheinlich zu dem noch angränzenden Mühlholze; ein Theil desselben ist im 16. Jahrhundert ausgereutet worden, es kam aber, weil der neue Hof im Ebnater Zehnten lag, zu Streitigkeiten zwischen Wellwart und dem Kapitel Ellwangen als Herrn der Pfarrei Neuler. Ein Vertrag von 1557 bestimmte, der Zehnte soll nach Neuler gehören, die Bewohner aber sich zu einer näheren Pfarrei – Abtsgmünd oder Hüttlingen halten dürfen.

h) Scherrenmühle, 1/2 Stunde von Fachsenfeld, eine stattliche Mahl-, Säg- und Ölmühle am Fuß des Scherrenbergs, neben welcher eine hölzerne Privatbrücke des Müllers über den Kocher führt. Hans Sigmund hatte dieß frühere Erblehen um 2000 fl. gekauft, die Mühle 1576 neu erbaut und sie wurde nun längere Zeit auf herrschaftliche Rechnung betrieben. Etwas weiter aufwärts, bei Waiblingen, lag die „Mittelmühle, genannt Eselsmühle“, ein ellwang. Lehen der Herrn v. Wellwart.

i) Schloßreute, ein Haus zunächst dem Pfannenstiel , mit welchem es eigentlich unmittelbar zusammenhängt, im Bodenbachthale, 1/2 Stunde von Fachsenfeld gelegen, ist ebenfalls eine neuere Ansiedlung.

k) Spitz, eine Exclave mit einem Schafhaus, 1/2 Stunde von Fachsenfeld. Ursprünglich ist hier ein Holz Namens Spitz gewesen, welches der Spital Gmünd mit Dewangen erwarb und 1364 von Ellwangen zu Lehen erhielt. Späterhin haben die Herrn v. Wellwart dasselbe erworben und zu ihrem Hofe in Treppach geschlagen. Hans Sigmund hat auch hier gerodet und ein Schäfereigut angelegt, auf welchem später ein wellw. Holzwart saß. 1803 wurde das Haus verkauft und die Schäferei ist verpachtet.

| l) Steinfurt, ein Haus, 1/4 Stunde von Fachsenfeld auf der Höhe gegen Dewangen hin, etwas in einer Mulde gelegen, neuern Ursprungs.

m) Waiblingen, ein Weiler, 1/4 Stunde von Fachsenfeld im Kocherthale gelegen, am Fuße der Thalwand, welche auf einem Vorsprung noch Spuren einer Burg trägt, Burgstall genannt. Auf dieser Burg W. läßt ein mönchischer Chronikschreiber des 15. Jahrhunderts den Kaiser Friedrich Barbarossa seine frühste Jugend zubringen, ohne alle Glaubwürdigkeit. Dagegen lebte nach einer Ellw. Urkunde 1229 Ulricus de Wabelingen, welcher im gleichen Jahre auch Ulricus de Elwangen heißt und ein Bruder gewesen ist Werners v. Rotenbach. Nähere Kunde gibt jedoch erst eine Urkunde von 1362, wonach Ulrich v. Wayblingen seiner Schwester Elisabeth die Hälfte der Burg W. und aller dazu gehörigen Güter um 130 Pfund verkaufte; im Fall er kinderlos sterbe, soll die Burg W. und alles Gut dazugehörig vor männiglich seiner Schwester und ihren Erben gehören. Möglicherweise ist Elisabeth v. W. die Gemahlin des Fritz v. Westerstetten gewesen, der 1372 das Ötting. Lehen zu Waiblingen empfangen hat. So könnte dann Waibl. mit Hohenroden an die Herrn v. Wellwart gekommen seyn, welche 1401 gerade mit Gütern zu W. von Ellwangen belehnt wurden. Die Familie der Herrn v. Waiblingen war in’s Ries übergesiedelt. Zu Pflaumloch, Goldburghausen, Trochtelfingen u. a. O. besaß dieselbe Güter und hatte längere Zeit ihren Sitz in Pflaumloch, wie die urkundlichen Bezeichnungen „zu Pflaumloch“ z. B. 1416, 1474 und 1487 beweisen; mehrere Herrn dieser Familie erscheinen als Öttingensche Lehnsmänner (wie denn Hans v. W. ein Gut zu Treppach frei machte durch Auftragung eines andern zu Fesenheim an der Wörnitz), Landgerichtsbeisitzer und Pfleger. Uns sind folgende Herrn v. Waiblingen in Urkunden aufgestoßen: Rudolf 1384; Hans 1402, 1416; Wilhelm 1454, 1463; Hans II. 1463–84; dessen Sohn Georg 1474–1508. Ein zweiter Sohn Johann v. Waibl. ist 1494–1507 Abt von Neresheim gewesen. Zuletzt findet sich noch ein Rudolf v. Waiblingen 1518, im Dienste Landgraf Philipps v. Hessen, gegen Franz v. Sickingen, und es blühte eine Familie v. Waiblingen im Hessischen fort mit dem gleichen Wappen. Dieß sind ein paar Hirschgeweihe. Das circa 1600 angelegte Wellw.-Laubachsche Lagerbuch nennt Waiblingen einen uralten, freiadlichen Burgsitz, im Haag bei Waiblingen gelegen – so Fachsenfeld jedesmal dazugehörig geweßt, sammt der Fischerey und allen Gerechtsamen, mehreren Hölzern u. s. w., auch die Schafgüter Spitz und Frankeneich gehören dazu. Die Waide im Haag und am Scherrenberg | haben Waiblingen und Fachsenfeld gemeinschaftlich zu genießen. Dagegen besaßen noch 1603 die Herrn v. Adelmann Güter zu Waiblingen und vor 1456 hatte Walther v. Hürnheim etliche Güter zu Waiblingen an Adelberg verkauft; den Übertrieb und die Waide am Scherrenberg machten die Herrn v. Hürnheim zu Wellstein streitig noch 1517–18. Waiblingen ist der Wellw. Linie in Leinroden zu Theil geworden; von Hans Sigmunds Söhnen erwarb es Heinrich Wilhelm und aus seiner Erbmasse hat Gottlieb v. Wellw.-Laubach 1663 das Gut gekauft (um 17.208 fl.), das auf diese Weise in andern Händen sich befand, als Fachsenfeld. Bis nach Waiblingen prätendirte Öttingen das Geleit und jährlich kamen deßwegen einige Geleitsreiter den Bergabhang heraufgeritten und lösten ihre Pistolen in den Burggraben.

In der Nähe gegen die Scherrenmühle zu liegt noch ein herrschaftliches Schafhaus, gewöhnlich das Kocherschafhaus genannt, dem Freiherrn v. König zugehörend.



Anmerkungen [WS]
  1. Berichtigung: 1/6 Ellwangen eingefügt
  2. Berichtigung: wahrscheinlich um 1567 eingefügt
  3. Berichtigung: Kocher eingefügt


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