Beschreibung des Oberamts Böblingen/Kapitel B 14

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14. Neuweiler
mit der Eschmühle,
ein Dorf mit 283 evangelischen Einwohnern, liegt 11/2 Stunden südöstlich von Böblingen und 1/2 Stunde nördlich von seinem Mutterort Weil im Schönbuch am Anfang eines Seitenthälchens des Aichthals. Der kleine, an der Vicinalstraße von Schönaich nach Weil im Schönbuch gelegene Ort, welcher eigentlich nur aus zwei längs der reinlichen Ortsstraße hingebauten Häuserreihen besteht, verräth nach seinem Äußeren mehr Wohlhabenheit als man bei näherer Nachfrage findet. – Die kleine, etwas düstere Kirche, die übrigens für die Gemeinde Raum genug hat, liegt frei am| südlichen Ende des Orts und ist mit einem 181/2 Ruthen großen, ummauerten Begräbnißplatz umgeben. Ursprünglich war sie nur eine im romanischen (byzantinischen) Styl erbaute Capelle, an die, wie eine am Chor angebrachte Jahreszahl zeigt, im Jahre 1488 das Chor im germanischen (gothischen) Styl angebaut wurde. Das Chor mit hohen, spitzbogigen, gothisch gefüllten Fenstern ist höher als das Schiff und trägt auf seinen östlichen Giebeln ein Thürmchen (einen sogenannten Dachreiter), das ihm 1795 aufgesetzt wurde. Auf demselben hängen 2 Glocken, von denen die größere die Inschrift hat: „Christian Adam Kurz und Sohn in Reutlingen 1837.“ Die kleine hat keine Inschrift und scheint nach ihrer Form sehr alt zu seyn. Die Unterhaltung der Kirche steht der Gemeinde zu. Das gelb getünchte mit einem vorstehenden Schweizerdach versehene Schulhaus, in dem sich zugleich die Rathsstube und die Wohnung des Lehrers befinden, liegt ziemlich in der Mitte des Orts, es wurde im Jahre 1840 mit einem Aufwand von 4000 fl., an denen der Staat 400 fl. beitrug, erbaut und ist gegenwärtig in gutem Zustand. An der Schule unterrichtet nur 1 Lehrer. Neuweiler ist mit laufenden Brunnen, die sehr gesundes Wasser liefern, hinreichend versehen. Das Clima ist rauh, da die Nordwinde freien Zutritt haben, während gegen Süden sich das Terrain bedeutend erhebt und der warmen Luft das Eindringen nicht gestattet. Frühlingsfröste sind daher sehr häufig und die Ernte tritt um 8–10 Tage später ein als in dem nahe gelegenen Schönaich. Die Felder liegen meist eben und haben einen mit verwittertem Stubensandstein gemengten Lehmboden, der in geringer Tiefe den Sandsteinfelsen selbst zur Unterlage hat und deßhalb ziemlich unergiebig ist. Unter diesen ungünstigen Verhältnissen ist es erklärlich, warum die Einwohner trotz ihres Fleißes und ihrer eingezogenen Lebensweise, dennoch in den Vermögensumständen zurück sind. Die Hauptnahrungsquelle derselben besteht in Feldbau, den sie im üblichen Dreifeldersystem umsichtig betreiben. Man baut hauptsächlich Dinkel, Hafer und nur wenig Roggen. Der Morgen erfordert an Dinkel 1 Scheffel Aussaat und erträgt 5–6 Scheffel. In der Brache werden Kartoffeln, Kraut, Futterkräuter, namentlich Luzerne gebaut. Die Ackerpreise sind 50–100–300 fl. pr. Morgen. Die meist einmähdigen Wiesen können nicht bewässert werden und liefern einen geringen Ertrag; ihre Preise bewegen sich von 60–200 fl. pr. Morgen. Von geringer Bedeutung ist der Obstbau, da die felsige Unterlage des Bodens und die häufigen Frühlingsfröste demselben hemmend entgegen treten. Der Ertrag, bestehend in Mostobst und Zwetschgen, wird im Ort selbst verbraucht. Die Gemeinde erhielt im Jahre| 1822 vom Staat für eine Schönbuchsgerechtsame 65 Morgen Waldungen, von denen 16 Morgen mit Nadelholz, die übrigen mit Laubholz gut bestockt sind. Der jährliche Ertrag derselben beläuft sich auf 16 Klafter und 600 Stück Wellen, hievon erhält jeder Bürger 1/8 Klafter und 10 Stück Wellen. Die Weiden werden um einen Jahrespacht von etwa 200 fl. mit etwa 90 Stück Bastarde, die im Ort Überwinterung finden, beschlagen; die Wolle findet ihren Absatz bei Tuchmachern in der Nachbarschaft. Die Rindviehzucht ist in mittelmäßigem Zustande und gibt sich nur mit einer gewöhnlichen Landrace ab, die durch gute Farren erhalten wird. Was die Gewerbe betrifft, so dienen diese nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen.

Die Gemeinde ist unbemittelt und hat nicht nur kein Capitalvermögen, sondern noch einige tausend Gulden Schulden. Das Vermögen der Stiftungspflege besteht in 300 fl., deren Zinsen für Brod an Unbemittelte verwendet werden. Eine Stiftung vom Kloster Bebenhausen herrührend, reicht den Armen jede Woche 20 Pfund Brod.

Den großen, kleinen und Heuzehenten, welche früher dem Kloster Bebenhausen zustanden, bezieht der Staat, mit Ausnahme eines kleinen Distrikts, auf welchem diese Rechte der Pfarrei Holzgerlingen zustehen.

Zunächst (nördlich) am Ort soll nach der Sage auf einem zwischen 2 Thalchen liegenden Vorsprung, „Hanwald“ genannt, eine Burg gestanden seyn, von der übrigens keine Spuren mehr sichtbar sind. b) Die Eschmühle liegt an der Aich 1/8 Stunde nördlich von Neuweiler; sie hat 1 Mahlgang und 1 Gerbgang, welche nur für die nächste Nachbarschaft thätig sind.

Neuweiler gehörte den Pfalzgrafen von Tübingen; Gotfried, von dieser Familie, verkaufte den 15. Mai 1295 alle Güter, welche ihm und seinem Vetter Graf Eberhard gehörten, an das Kloster Hirschau, wozu Eberhards Bruder, Graf Rudolf der Scherer, den 1. Juli 1301 seine Bestätigung ertheilte (Besold 392).

Sonst hatten allhier noch Güter und Leute Dieterich und Conrad von Altdorf; diese geriethen mit dem Kloster Bebenhausen wegen des Gerichts in einen Streit, welcher durch Kundleute den 16. Januar 1313 dahin entschieden wurde: das Kloster besitzt das Gericht und besetzt es, nimmt Frevel, Wetten und Einungen, hat die Bußen von dem, was es innerhalb Etters besitzt (Reyscher Statutarrechte 187). Sofort kam der Ort an das Kloster Bebenhausen, welches hier noch mehrere Erwerbungen an Gülten, Leibeigenen, Liegenschaften (1412, Juni 6., eines um 190 fl. rhn. erkauften Gutes) machte. Im Jahre 1327 verzogen sich Burkhard Ritter,| Heinrich, Friederich und Albrecht, Vogt genannt von Dürmenz, für 67 Pfund Heller aller Ansprach an dieses Kloster.