Beschreibung des Oberamts Blaubeuren/B 1

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B.
Orts-Beschreibung.


1. Blaubeuren mit der Thalmühle, Bleiche, Papiermühle und zwey Ziegelhütten.
[1]

Blaubeuren, eine evangelische Oberamtsstadt, 43/4 St. von Ulm und 19 St. (über Urach 21 St.) von Stuttgart, unter 48°, 24′, 44″ Breite und 27°, 27′, 28″ Länge, mit 1813 Einwohnern. Den großen Zehnten hat der Staat und zum größern Theil die Universität Tübingen zu beziehen; den kleinen Zehnten aus einzelnen Gärten die Stadtpfarrey, der er schon 1568 überlassen wurde.

Die Stadt ist der Sitz eines Oberamts und Oberamts-Arztes, eines Oberamts-Gerichts und Gerichts-Notars, eines evangelischen Dekanat-Amts, eines Cameral-Amts, eines Forst-Amts, eines der vier niedern Seminarien für evangelische Geistliche und einer Post-Verwaltung. Über den Namen der Stadt sind verschiedene Ableitungen versucht worden; die natürlichste und richtigste Ableitung aber ist wohl die von der | Blauquelle, an der die Stadt liegt, Blautopf (Blaubronn, Blauborn) genannt. Zwar führt die Stadt einen blauen Bauer in ihrem Wappen; aber man kennt ja den Ursprung solcher Stadt- und Schall-Wappen. Buron, Bronn, Born bezeichnete im Altdeutschen, wie noch jetzt, eine Quelle, Blauburon wurde der Name auch ehemals häufig geschrieben, und Blavifons übersetzten ihn die alten Klostersmönche. Die Stadt liegt in einem tiefen Kessel der Alp, an der Ach und dem Ursprung der Blau (S. die Karte). Die Lage ist eine der ausgezeichnetsten, die man sehen kann; fast rundum von hohen, steilen, mit ungeheuern Felsen besetzten Bergwänden umgeben, bietet Blaubeuren mit seiner Umgebung ein äusserst malerisches Bild dar. Eine Vorstellung davon gibt das Landschäftchen zu diesem Hefte, das nach einem Gemälde des Herrn Ober-Finanzraths Autenrieth von Dörr in Heilbronn, gefertigt ist. Durch die Stadt zieht die Landstraße von Urach und von Kirchheim nach Ulm; eine Nebenstraße geht von ihr aus durch das Ach- und Schmiechenthal nach Ehingen hinab. Die Stadt ist mit Mauern und zum Theil mit Gräben versehen, hat 3 Thore, das obere, mittlere und untere Thor, und eine Vorstadt. Einen besondern Bestandtheil bildet das Kloster, das mit seinen Nebengebäuden wieder seine eigenen Mauern und Thore hat. Die Stadt hat ein gutes Aussehen; sie ist zwar unregelmäßig gebaut, hat aber reinliche Straßen, gute und wohlgebaute, darunter viele neue Häuser, und zeichnet sich in dieser Hinsicht vor vielen andern würtembergischen Landstädten vortheilhaft aus. Die Bauart ist die gewöhnliche; aus Mangel an Sandsteinen werden Tuff- und Kalksteine, häufig auch Backsteine gebraucht. Ausgezeichnete und merkwürdige öffentliche oder andere Gebäude befinden sich, das Kloster ausgenommen, nicht in der Stadt, obgleich in ältern Zeiten manche adeliche Geschlechter in der Stadt wohnten, z. B. die v. Grafeneck, v. Stadion, und die v. Gaisberg[2].

| Das Kloster, worin das evangelische Seminar seinen Sitz hat, und innerhalb dessen Mauern auch der Sitz des Forst- und Cameralamts sich befindet, ist hauptsächlich wegen seiner Kirche merkwürdig, und diese wieder vorzugsweise wegen ihres schönen Hochaltars. Die gegenwärtigen Klostergebäude sammt der Kirche sind, nach den noch vorhandenen Inschriften, ein Werk des 15ten Jahrhunderts, erbaut von 1467–1496 unter den Äbten Ulrich Kundig, Heinrich Schmid (Fabri), dessen Wappen, ein Hufeisen, sehr häufig vorkommt, und Gregorius Rösch. Die Kirche hat eine sehr ansehnliche Größe; da sie aber längst nicht mehr gebraucht wird, so ist vor ungefähr 20 Jahren das Schiff derselben zu einem herrschaftlichen Fruchtkasten eingerichtet und durch eine Mauer von dem Chor geschieden worden. In dem Chor, sowie in dem Kreutzgange und an andern Orten, findet man noch mehrere Denkmäler – Wappen, Grabsteine und Inschriften von Äbten und Edelleuten, namentlich auch von den Grafen v. Ruck und Pfalzgrafen von Tübingen, den Grafen von Helfenstein, den Schenken von Winterstetten etc. Der Chor ist rundum mit Stühlen von künstlichem Schnitzwerk besetzt[3]. | Das Merkwürdigste darin ist jedoch dermalen noch der Hochaltar mit seinen sehenswürdigen, altdeutschen Kunstwerken. Er ist mit doppelten Flügelthüren versehen, worauf aussen die Leidensgeschichte Christi, innen aber die Geschichte Johannis des Täufers gemalt, sodann in halberhabener Arbeit die Geburt Christi und die Ankunft der Weisen dargestellt sind. In dem Altargebäude selbst sind in ganzen Figuren Maria mit dem Jesuskinde, zur Rechten Johannes d. T. und der h. Benedikt, zur Linken Johannes d. Evang. und Scholastika, die Schwester Benedikts, in mehr als Lebensgröße, in dem untern Felde aber Christus und die Apostel in Brustbildern, sämmtlich in Holz geschnitzt und bemalt, dargestellt. An dem Altar finden sich die Jahrzahlen 1494 und 1495. Der Meister der Schnitzwerke ist Georg Sürlin von Ulm. Ihm werden gemeiniglich auch die Gemälde zugeschrieben; der Maler soll aber Stöcklen geheissen haben. Man erzählt sich das Märchen, daß nachdem Sürlin sein Werk vollendet hatte, die Mönche ihn gefragt haben, ob er sich getraue, noch einen schönern Altar zu machen, und als er dieß bejahte, haben die Mönche ihm die Augen ausgestochen. Obgleich seines Augenlichts beraubt, habe Sürlin dann doch noch sein eigenes Bild geschnitzt. Wahr ist, daß sein Bild noch jetzt zur Seite des Altars sich befindet. Darunter ist zu lesen: „Anno Domini 1493 elaborata sunt haec subsellia (d. h. die Chorstühle) a Georio Sürlin de Ulma, hujus artis peritissimo.“ Die Altarbilder haben fast sämmtlich noch ein ganz frisches und wohlerhaltenes Aussehen, ob sie gleich manche Spuren des Muthwillens und der Rohheit an sich tragen, wie denn z. B. über einen Kopf weg der Name „Manz v. Ehingen“ eingekratzt ist[4]. Noch wallfahren katholische Christen an Mariä | Heimsuchung zu Hunderten zu dem Altar. In dem Hofe des Klosters liegt ein Stein, der Freystein genannt. Nach der gemeinen Sage wäre dieser Stein ein Asylstein gewesen, dergleichen in mehreren Klösterhöfen, z. B. in Pfullingen sich befanden. Nach Ergenzingers Beschreibung aber wäre derselbe das Fußgestell von einer Bildsäule Johannis d. Täufers gewesen, wobey vor Erbauung des Klosters die alte St. Joh. Capelle gestanden habe. Das Eine widerspricht jedoch nicht dem Andern.

Die Stadtkirche hat nichts Ausgezeichnetes; es befinden sich darin ein paar Denkmäler, wovon das Neubronnerische wegen einer damit verbundenen Stiftung erwähnt zu werden verdient. Es besteht in einem verschlossenen Gemälde, die Kreutzigung Christi darstellend, mit den Wappen Neubronners und seiner Frau auf den Flügelthüren (s. u.).

Bevölkerung und Nahrung.
Die Bevölkerungs-Verhältnisse der Stadt sind schon vorne berührt; im Allgemeinen sind sie nicht günstig; es stirbt der 23te bis 24te Mensch. In dem oben berechneten Zeitraum von 10 Jahren sind 723 Menschen gestorben, und dagegen nur 701 geboren, also 23 mehr gestorben als geboren. Wenn daher die Einwohnerzahl seit 1812 um 113 zugenommen hat, so geschah dieß durch äussern Zuwachs. Der Nahrungsstand der Einwohner beruht theils auf dem Feldbau, theils auf Gewerbe und Handel. Es herrscht vergleichungsweise mehr Wohlstand in der Stadt, als in vielen andern Landstädten, obgleich das Vertrauen auf ein reiches Spital demselben nicht immer förderlich war. Der Feldbau ist durch die ausserordentlich kleine Stadtmarkung sehr beschränkt[5]. | Es kommt in Blaubeuren kaum 4/5 Morgen Land, Weiden und Öden eingeschlossen, auf 1 Menschen. Übrigens haben die Blaubeurer viele Äcker auf den Markungen von Seißen und Asch. Das Ackerfeld liegt größtentheils auf der Höhe der Alp und der Bau ist deßwegen sehr beschwerlich. In dem Thale befinden sich dagegen schöne Wiesen, welche meist mit Obstbäumen bepflanzt sind und der an sich wilden Gegend wieder ein mildes, freundliches Ansehen geben. Nicht unbedeutend ist die Viehzucht, namentlich auch die Schweins- und Schafzucht, wie schon oben erwähnt ist. Bey seinem beschränkten Güterbesitze sieht sich der Blaubeurer hauptsächlich auf den Gewerbsfleiß verwiesen. Dieser ist auch wirklich nicht unbedeutend, und hat in neuerer Zeit sichtbar zugenommen. Das Hauptgewerbe ist die Leineweberey; gut und mit Absatz nach Aussen werden ferner betrieben: die Wollenweberey in Tüchern und Zeugen, die Rothgerberey und mehrere andere schon vorne erwähnte, zum Theil minder gewöhnliche Gewerbe, wie die der Blättersetzer, Feilenhauer, Melber etc. Die Stadt hat auch eine bedeutende Bleiche (s. u.), eine Papierfabrik, eine Essigsiederey, 8 Mahlmühlen mit 29 G., 2 Öhl-, 2 Säge- und 2 Gypsmühlen, 1 Lohmühle, 1 Walke, 1 Hanfreibe, 1 Eisenhammer, 2 Ziegelhütten, 17 Schildwirthschaften und 6 Brauereyen. Der Handelsverkehr ist ebenfalls nicht unbedeutend; die Stadt hat insbesondere 2 der bedeutendsten Leinwand-Handlungen des Königreichs (s. o.); auch hat sie 6 Jahrmärkte und einen kleinen Frucht-Wochenmarkt. Im Allgemeinen ist der Wohlstand sichtbar im Zunehmen, was schon in der häufigen Erbauung neuer Häuser und in der Verbesserung der alten sich ankündigt.


Kirchen- und Schulwesen; Anstalten etc.
Blaubeuren hat blos eine Kirche, worin Gottesdienst gehalten wird, die Stadtpfarrkirche. Die Klosterskirche wird | schon längst nicht mehr gebraucht. An der Pfarrkirche sind ein Stadtpfarrer, der zugleich Dekan ist, und ein Helfer, der zugleich Pfarrer in Weiler ist, angestellt. Ihr Sprengel beschränkt sich auf die Stadt und die oben bemerkten Zugehörungen. Das Patronat, das in frühern Zeiten klösterlich war, ist nun königlich; die Baulast der Kirche hat die Armenkastenpflege, die der beyden Wohnhäuser der Geistlichen der Staat.

Die Schulanstalten bestehen in einer lateinischen und Realschule mit einem Präceptor und einem Gehülfen, und in 2 deutschen Schulen, einer Knaben- und einer Mädchenschule mit 2 Schulmeistern und 2 Provisoren. Ein ganz neues, großes, vom Spital gebautes, Schulhaus vereinigt sämmtliche Anstalten. Schon seit 1806 besteht auch eine Industrieschule im Nähen, Stricken und Spinnen mit einer Lehrerin.

Die wohlthätigen Anstalten bestehen in einem Spital, einer Armenkastenpflege, in einem Siechenhaus und einigen besondern Stiftungen.

Das Spital ist eines der reichsten im Königreiche. Dasselbe besitzt neben schönem Grundeigenthum und grundherrschaftlichen Rechten ein verzinsliches Capital-Vermögen von 88.000 fl., zu dem Grundeigenthum gehören 3.033 Morgen Waldungen, die Grundherrschaft erstreckt sich über die Dörfer Pappelau, und theilweise Markbronn, Dietingen und Ringingen, ferner über den Weiler Gleißenburg, den Ziegelhof, sodann über Lehen und Gefälle zu Asch, Beiningen, Erstetten, Feldstetten, Seißen, Nellingen, Sunderbuch, Suppingen, Steinenfeld und Weiler[6]. Ferner besitzt das Spital das Patronatrecht auf die Kirche und den Schuldienst zu Pappelau, und den großen und kleinen Zehnten daselbst, so wie zu Gleißenburg und Ziegelhof und theilweise zu Beiningen, Gerhausen, Steinenfeld und Weiler. Zu Pappelau, Markbronn, | Dietingen, Gleißenburg und Ringingen hatte das Spital, wie bey den einzelnen Orten näher angemerkt ist, in ältern und zum Theil bis auf die neuern Zeiten hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Unter den Lehen des Spitals befanden sich 25 Falllehen, welche in neuern Zeiten alle allodificirt und in Zinsgüter verwandelt worden sind. Das Einkommen des Spitals beträgt in Geld berechnet 9633 fl., in vorigen Zeiten, bey größeren Fruchtpreisen, höherem Zinsfuß, Steuerfreyheit etc. stieg es wohl auch auf das Doppelte. Die Lasten, welche auf dem Spital, neben seiner Verpflichtung gegen die Armuth und neben den Verwaltungskosten ruhen, sind: die Besoldung sämmtlicher Schullehrer der Stadt, des Pfarrers zu Pappelau und theilweise des Schullehrers daselbst und zu Beiningen, Beyträge zur Besoldung des Stadtpfarrers und des Helfers zu Blaubeuren, und Theilnahme an Ausgaben für Kirchen- und Schulzwecke, wo andere Mittel nicht ausreichen. Die Verpflichtung gegen die Armuth erfüllt es durch Austheilung von Geld, Holz und Lebensmitteln und durch Aufnahme und Verpflegung der Bedürftigsten in dem Spitalgebäude, worin sich dermalen etlich und dreißig befinden. Neben den Armen werden auch s. g. Pfründner aufgenommen. Der eigene Haushalt der Anstalt hat längst aufgehört, die unmittelbare Verwaltung wird von einem Hauspfleger und einem Oberpfleger geführt.

Die Zeit der Stiftung des Spitals ist ungewiß; in dem Spitalgebäude ist ein Geistlicher an die Wand gemalt, mit der Inschrift: „Dieser ist der Stifter und Anfänger an dem Gotteshaus und Spital zum h. Geist, 1420, Herr M. Johannes Rueß er mit Namen heißt, die frommen Megenhart haben auch das Beste wohl dabey gethan“ etc. Dieser Rueß wird auch insgemein als der Stifter des Spitals betrachtet. Der Bau desselben soll im J. 1420 von ihm angefangen worden seyn. Die Megenhart waren ein sehr reiches und viel begütertes Blaubeurer Geschlecht. Der Anfang des Spitals war jedenfalls klein, und nur durch gute Verwaltung, deren sich die Anstalt auch in neuern Zeiten noch zu | erfreuen hat (der jetzige Spital-Oberpfleger Gräter hat deßwegen die goldene Verdienst-Medaille erhalten), ist es zu seinem ansehnlichen Vermögen gelangt. Das Meiste wurde in den Jahren 1439 bis 1506 durch Kauf erworben. Durch den s. g. Visitationsbrief des Herzogs Ulrich vom J. 1537 erhielt das Spital mit den beiden andern wohlthätigen Anstalten seine feste Einrichtung.

Der Armenkasten ist durch den obengenannten Visitationsbrief mittelst Vereinigung der Almosenpflege mit den geistlichen Pfründen der St. Peterspflege, der Liebfrauenpflege, mit der St. Jakobs-Bruderschaft und den Vigiligeldern gebildet worden. Er steht unter besonderer Pflege und hat die Kirche mit Uhren und Glocken, das Schulhaus, den Gottesacker und die Kirchengeräthschaften zu unterhalten, für arme Kinder das Schulgeld zu bezahlen, und theilweise den Präceptor, Meßner, Zinkenisten etc. zu besolden. Da aber sein Vermögen, das in 5341 fl. besteht, dazu weit nicht hinreicht, so muß die Spitalpflege ins Mittel treten.

Das Siechenhaus, Sondersiechenhaus, das ebenfalls seine eigene Pflege hat, ist theils ein Filial des Spitals, worin arme Stadtangehörige, welche in dem Spital nicht untergebracht werden können, aufgenommen werden, theils hat es nach seiner ursprünglichen Bestimmung solche Arme zu verpflegen, welche an eckelhaften oder ansteckenden Krankheiten leiden. Auch hat die Anstalt zu verschiedenen Besoldungen beyzutragen. Sie hat, wie der Armenkasten, ihre eigene Verwaltung; beyde Pflegen würden um so zweckmäßiger mit der Spitalpflege verbunden werden, als sie von dem Spital unterstützt werden müssen. Das Vermögen des Siechenhauses besteht in Capitalien und Grundzinsen; jene betragen dermalen 8185 fl. Das Haus steht vor dem obern Thor und ist mit einer Mauer umgeben; 1824 wurde dabey noch ein besonderes Krankenhaus erbaut.

Die besondern Stiftungen sind folgende:

1) Drey Stipendien, jedes zu 10 fl. jährlich, die das Spital kraft des Visitationsbriefs an studirende Theologen aus der Stadt zu reichen hat;
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2) Das Neubronnerische Stift, 1000 fl., wovon die Zinse jährlich an die Armen auszutheilen sind, gestiftet 1605 von Martin Neubronner von Ulm. Die Stiftung hängt mit dem Denkmal in der Pfarrkirche zusammen, das deßwegen am Christfeste geöffnet wird, und bis zum Dreykönigstage offen bleibt. Neubronner war ein reicher Bürger in Ulm. Er wollte 1000 fl. stiften, wenn ihm erlaubt würde, sein Epitaphium in dem Münster zu Ulm anzubringen. Weil er aber kein Patricier war, wurde er mit seinem Gesuch abgewiesen. Im Verdruß fuhr er nach Blaubeuren und fand dort geneigte Aufnahme.
3) Das Seefriedische Stift, gestiftet im Jahr 1813 von dem verstorbenen Stadtschreiber Seefried. Die Stiftung besteht in 1000 fl. zur jährlichen Vertheilung der Zinse unter die Armen des vormaligen weltlichen Oberamts, und wieder in 100 fl. für die Schuljugend in Blaubeuren und Gerhausen.
4) Das große Stift, nach und nach gestiftet von 82 Personen. Die Zinse, welche sich jetzt auf 310 fl. belaufen, werden jährlich unter die Armen vertheilt.
Andere, kleinere Stiftungen übergehen wir hier. Dagegen verdient noch das s. g. Aussteuer-Institut eine Erwähnung, das im J. 1807 errichtet wurde. Es besteht in einer Art von Lotterie, woran alle unverheirathete Personen des Oberamts Theil nehmen können. Jeder Theilnehmer legt wochentlich 1 kr. ein; am Ende des Jahres wird die Einlage in Portionen zu 100 fl. verloost, die Gewinnste werden aber nicht sogleich, sondern erst am Tage der Verehelichung ausbezahlt und bis dahin verzinst. Die Anstalt steht unter einer besondern Commission und hat gegenwärtig einen solchen Umfang, daß jährlich 6 Gewinnste verloost werden können.

Die Brunnen-Anstalten beruhen auf einem doppelten Brunnenwerk an der Blau, wodurch die Stadt und das Kloster reichlich mit Trinkwasser versehen werden. Ein anderes Quellwasser gibt es nicht.

Der Begräbnißplatz liegt eine Achtelstunde von der Stadt an der Gerhauser Straße.

Der Gemeinde-Zustand der Stadt ist gut, und wie aus der Tabelle zu ersehen ist, fast ganz schuldenfrey. Die Einkünfte sind, da die Stadt wenig Eigenthum hat, gering, und die Ausgaben müssen zu 1 Drittel durch Umlagen gedeckt werden (s. die Tabelle IV.). Das Stadtwappen enthält einen blaugekleideten, bekränzten Bauer in gelbem Schilde, | welcher in jeder Hand ein Hirschhorn hält. Sattler erzählt in seiner „historischen Beschreibung von Würt.“ S. 529, daß K. Friedrich III. im J. 1488 persönlich nach Blaubeuren gekommen sey, und bey dieser Gelegenheit die Stadt mit diesem Wappen begnadigt haben solle. Allein der noch vorhandene Wappenbrief[7] ist vom J. 1471 und zu Regensburg ausgestellt. Auch wurde der Stadt damit ihr Wappen nicht erst verliehen, denn sie führte dasselbe schon früher, sondern nur erneuert und bestätigt. Der Wappenbrief sagt ausdrücklich, daß der Kaiser auf Bitten des Ulrich von Westerstetten, damaligen Obervogts von Blaubeuren, geruht habe, das Wappen „von Neues“ und sondern Gnade zu verleihen.


Geschichte des Klosters.
Die Geschichte der Stadt hängt größtentheils an der Geschichte des Klosters, die wir deßwegen hier vorausschicken wollen. Auf dem vor der Stadt gelegenen Ruckenberg saßen die Dynasten von Ruck. Drey Brüder dieses Geschlechts, Hugo, Anselm und Sigiboto faßten den Entschluß, ein Kloster zu stiften. Sie wählten dazu den Ort Egelsee, Egelshö, (Egolfs-Höhe) auf dem Hohenwang, einem rauhen waldigen Bezirk auf der hohen Alp, zwischen Feldstetten, Laichingen und Westerheim[8], wo eine dem h. Egidius geweihte Kapelle und ein Schloß stand, das im J. 1309 von Conrad v. Ehingen mit dem Dorfe Westerheim an Graf Ulrich v. Helfenstein verkauft wurde. Bald aber sahen sie, daß eine so rauhe Gegend, ohne Wasser, ohne Mühle, ohne Garten für ein Kloster nicht tauge; sie beschloßen deßwegen, dasselbe (wie weit es mit dem Bau zu Egelsee gekommen, ist nirgends gesagt) in die Nähe ihrer Stammburg an den Blautopf zu versetzen. Hier stand eine dem Täufer Johannes geweihte Kapelle; Sigiboto schenkte sie im J. 1085 mit dem | Boden, worauf sie stand, um darauf das Kloster zu erbauen. In demselben Jahre noch wurde die alte Kapelle abgebrochen und mit dem Bau des Klosters angefangen. Die ganze Familie unterstützte die neue Stiftung[9]. Anselm besorgte endlich auch die Besetzung des Klosters. Er wendete sich zu dem Ende an den Abt Wilhelm in Hirschau und erhielt aus dieser berühmten Pflanzschule den ersten Abt, Atzelin mit einer Anzahl von Brüdern. Das Kloster wurde dem Täufer Johannes, dem Schutzpatron der alten Kapelle, geweiht und die Regel des h. Benedikts darin eingeführt. Um das Werk zu vollenden, reiste die Schwiegertochter Anselms und Gemahlin Heinrichs, die Gräfin Adelheid de Enziberg nach Rom, und brachte, nebst vielen Reliquien, einen | päpstlichen Bestätigungs- und Schutzbrief von Papst Urban II. vom J. 1099 zurück. Papst Adrian IV. und seine Nachfolger Martin IV., Johann XXII., Martin V. und Bonifaz IX. nahmen das Kloster durch Urkunden v. J. 1159, 1284, 1285, 1334, 1398 in ihren Schutz[10]. Aber merkwürdiger Weise findet man nicht eine einzige kaiserliche Urkunde; Blaubeuren blieb immer ein landsäßiges Kloster.

Die Schirmvogtey des Klosters blieb bey der Familie der Stifter und ihren Nachkommen, den Pfalzgrafen von Tübingen, wie die päpstlichen Bullen von den Jahren 1159 u. 1247 und andere Urkunden beweisen. Das Recht dazu folgte im Grunde von selbst schon daraus, daß die Stiftungsgüter dem Kloster, wie es sich zeigt, nicht mit vollen vogteylichen und obrigkeitlichen Rechten überlassen worden sind. Im Jahr 1267 war nach den unten angeführten Urkunden Pfalzgraf Rudolph noch Schirmvogt. Aber bald darauf ging die Schirmsvogtey mit der Herrschaft Blaubeuren auf die Grafen von Helfenstein über. Im Gedränge seiner Schulden versetzte Graf Johann v. Helfenstein dem Kloster selbst die Schirmsvogtey, löste aber dieselbe wieder ein und stellte im J. 14O7 eine Urkunde darüber aus, daß ihm Abt und Convent neuerdings gehuldigt und ihn und seine Nachkommen als ihre einzigen rechten Herren, Schirmer und Kastvögte anerkannt haben. Von den Grafen v. Helfenstein ging endlich die Klostersvogtey mit Blaubeuren im J. 1447 auf Würtemberg über.

Die Freyheiten des Klosters betreffend, ist Folgendes zu bemerken. Durch die oben angeführte Urkunde v. J. 1267, IX. Cal. Jan. befreyt der Pfalzgraf Rudolph das Kloster für immer von der Vogtey innerhalb der Klostersmauern und über die 5 Klostersmühlen. Er that dieß in Gegenwart vieler Zeugen an dem Altar der Klosterskirche, zum Ersatz für den vom ihm und seinen Vorfahren dem Gotteshause zugefügten Schaden, und weil keine Last den Menschen schwerer drückt, als die | Schmach der Unterwürfigkeit – „quia nulla sarcina magis premit hominem quam ignominia servitutis.

Durch Urkunde von demselben Tag und Jahre ertheilt Rudolph, im Einverständnisse mit den Bürgern von Blaubeuren dem Kloster Rechte und Freyheiten in der Stadt; und zwar soll es 1) von seinen Leibeigenen und Zinsleuten, die in der Stadt wohnen, das Hauptrecht, „mortuarium, quod vulgo val et hobreht dicitur“ beziehen dürfen; 2) sollen die Leute des Klosters von allen Steuern und Diensten der Stadt frey seyn; 3) sollen die Kinder der Zinsleute und Leibeigenen des Klosters ohne Einwilligung des Abts und Convents mit keinem Fremden, der nicht leibeigen oder zinsbar ist, eine Heirath eingehen dürfen, und Dorfleute, die ihre Kinder in die Stadt verheirathen, sollen von dem Abt gestraft werden; 4) soll derjenige, der in böslicher Absicht in die Stadt zöge, um für den Fall seines Todes dem Kloster das, was ihm gebührt, zu entziehen, sein ganzes Vermögen verwirkt haben – also Maßregeln gegen das Pfahl-Bürgerrecht.

Durch die Urkunde vom J. 1407 erklärt Graf Johann v. Helfenstein für frey und der Vogtey nicht unterworfen: Machtolsheim, Seißen, Rottenacker, Erstetten und Ringingen, Leut und Gut, was nehmlich das Gotteshaus daselbst besaß, mit Ausnahme des Kirchensatzes zu Ringingen und des alten Vogtrechts über die Kirche zu Seißen. Eine ähnliche Urkunde über die von dem Kloster geleistete Huldigung und über die Schirmsvogtey, dann über die von der Vogtey und Gewaltsame ausgenommenen Klosterbesitzungen stellte nach dem Kauf von Blaubeuren, 1448, Graf Ludwig v. Würtemberg aus.

Die Besitzungen des Klosters vermehrten sich in der Folge durch neue Schenkungen und durch Käufe. Aber im 14ten Jahrhundert war dasselhe durch schlechten Haushalt so weit herab gekommen, daß es seiner Auflösung nahe war. Glücklicher Weise kamen ihm fromme Seelen zu Hülfe, worunter sich insbesondere Heinrich Kraft von Ulm und seine Gattin Adelheid auszeichneten (s. Seißen und Machtolsheim), und dem Abt Gregor verdankte es die Wiederherstellung | eines geordneten Haushalts. Ein, gleichwohl unvollständiges, Verzeichniß der Erwerbungen und Besitzungen des Klosters findet sich in Cleß „Landes- und Cultur-Geschichte“ C. S. 11–15. Die Haupt-Bestandtheile waren und blieben die Orte Lautern, Machtolsheim, Rottenacker, Seißen, Weiler und Winnenden, sodann Antheil an Altheim, Allmendingen, Beiningen, Dietingen, Erstetten, Feldstetten, Niederhofen, Ober-Dischingen, Ringingen, Schaiblinshausen, Steinenfeld, Westerheim und Wippingen, ferner Güter zu Betzgenried, Gospach, Groß- und Klein-Eißlingen, Gruibingen, Hohenstatt, Ulm, Tübingen etc; die Patronate in den 4 erstgenannten Dörfern, so wie zu Blaubeuren; Laichingen mit Sontheim, Suppingen und Feldstetten, zu Pfäffingen bey Tübingen, Lonsee und Urspring, Oberamts Ulm. Das Wappen des Klosters bestand in einem Lamm mit der Siegesfahne.

Die Schicksale des Klosters sind gröstentheils mit denen der Stadt verbunden (s. u.). Es befand sich häufig in sehr bedrängten Umständen, den Hauptschlag aber erhielt es durch die Reformation. Der Anfang wurde damit im Jahr 1535 gemacht. Der Abt Ambrosius Scheerer fügte sich und ließ sich mit einem Leibgeding abfinden; aber die Mönche widersetzten sich längere Zeit nicht ohne kräftige Unterstützung. Sie wichen endlich der Gewalt, wählten aber in ihrem Exil im J. 1548, nachdem Scheerer gestorben war, zu Markdorf den Conventualen Christian Tübinger zum Abt, und dieser nahm, begünstigt durch das in demselben Jahre eingeführte Interim, auch wirklich Besitz von der Abtey. Erst nach dem Augsburger Religionsfrieden, 1555, setzte Herzog Christoph das Reformationswerk wieder fort. Bekanntlich sollte die Reformation in den würt. Mannsklöstern nur die Änderung in Lehre und Einrichtung, nicht aber die Aufhebung der Klöster zum Zweck haben, und um jeden Schein einer Säcularisation zu vermeiden, sollten die Klöster fortwährend besetzt bleiben. Herzog Christoph erließ zu dem Ende seine neue Klosterordnung vom 9. Jan. 1556. Um diese in Blaubeuren einzuführen, wurde eine Commission | dahin geschickt, und mit dem Abt Christian und seinen noch übrigen 7 Conventualen unterhandelt. Durch eine unter dem 19. März 1556 abgeschlossene, und von dem Abt und dem Landhofmeister Hans Dieterich von Plieningen unterzeichnete Übereinkunft, machte sich der Abt verbindlich, der neuen Ordnung nichts in den Weg zu legen, und zu seinen Conventualen noch 6 neue Novizen nebst zwey Klosters-Präceptoren anzunehmen und zu unterhalten. Im Übrigen blieb der Abt mit 2 ältern Conventualen bis an sein Ende bey der katholischen Religion[11]. Mit ihm schließt sich die Reihe der kath. Äbte, und die der evangelischen beginnt im J. 1562 mit dem bekannten Reformator Matthäus Aulber, und schließt mit dem Prälaten M. Heinrich David Cleß im J. 1810. Ein Verzeichniß sämmtlicher Äbte, mit Ausnahme des letzten, findet sich in Sattlers Topogr. Geschichte von Würt. S. 537 f. Eine Unterbrechung in der Reihe der evang. Äbte führte der dreißigjährige Krieg herbey. In Folge des Ferdinand’schen Restitutions-Edikts wurde der Abt Schickard am 10. Septbr. 1630 von seiner Stelle vertrieben und der kath. Abt Raymund (von Augsburg) an dieselbe gesetzt. Raymund mußte zwar mit den katholischen Mönchen, womit jetzt das Kloster wieder bevölkert worden war, bey Annäherung der Schweden im J. 1632 fliehen, und es wurde Joh. Osiander als evang. Abt eingesetzt; allein die Nördlinger Schlacht führte die Flüchtigen 1634 neuerdings in das Kloster zurück, und dieses blieb dann auch in ihrem Besitze bis zu dem westphälischen Frieden, in Folge dessen der Abt Raymund mit seinen Mönchen abziehen mußte.

| Das Kloster Blaubeuren blieb fortwährend der Sitz eines evang. Seminars, die Unterbrechung vom J. 1810–1818 ausgenommen, während welcher Zeit die vier Seminarien in zweyen, zu Schönthal und Maulbronn, vereinigt waren.

Die Verdienste des Klosters Blaubeuren als eines Mönchsklosters zu untersuchen und zu schildern, kann hier nicht der Ort seyn, doch mögen einige Bemerkungen noch Platz finden. Atzelin, der erste Abt des Klosters, stiftete in dasselbe einen Sallustius glossatus, Cicero de amicitia et de senectute, Ovidii opera und andere classische Schriften, was schon eine gute Meinung erwecken muß. Unter den folgenden Äbten zeichnete sich insbesondere Heinrich Schmid (Faber, Fabri, 1477–1497) aus. Er war ein Hauptwerkzeug des Grafen Eberhard im Bart bey der Stiftung der Universität Tübingen, und wurde auch von dem Papst in der Bulle vom 11. May 1476 zu seinem Commissarius dabey ernannt. Ihm dankte Blaubeuren auch eine Buchdruckerey, aus der das erste in Alt-Würtemberg gedruckte Buch ausgegangen ist, und zwar gedruckt von Conrad Mancz zu Blaubeuren 1475[12]. Christianus Tubingius, der letzte kath. Abt, machte sich durch seine Chronik des Klosters, ein sehr schätzbares Denkmal der vaterländischen Geschichte, verdient. Daß sich das Kloster Blaubeuren, wie die Benediktiner-Klöster überhaupt, auch um die Cultur des Landes verdient gemacht habe, ist kaum zu bezweifeln, wahrscheinlich wäre ohne dasselbe in der wilden Gegend des Blautopfs nie eine Stadt Blaubeuren entstanden.

Zum Beschluß erwähnen wir hier noch einiger vornehmen Besuche des Klosters. Im J. 1503, vor Weihnachten, verweilte Kaiser Maximilian I. drey Tage in dem Kloster; ebenderselbe übernachtete 1504, Freytags vor Jakobi darin; sein Sohn Philipp übernachtete im Herbst 1503 daselbst; beyde ließen dem Kloster ein Glas mit ihren Wappen | mahlen. Mit dem K. Maximilian verweilten 1503 auch Herzog Albert und Markgraf Friedrich von Brandenburg in dem Kloster und ließen das gleiche Andenken zurück. Wie es mit dem von Sattler (Top. G. S. 529) angeführten Besuche des K. Friedrich III., 1488, sich verhalte, ist zweifelhaft, da die erzählten Nebenumstände unrichtig sind.

Der Ursprung der Stadt ist unbekannt; Sattler gibt sich in seiner „Topogr. Gesch.“ S. 524 alle Mühe zu beweisen, daß die Stadt älter sey als das Kloster: bey genauerer Prüfung der Umstände muß man sich aber von dem Gegentheil überzeugt fühlen. Ausser andern Gründen sprechen hauptsächlich folgende dagegen:

1) bey der Stiftung des Klosters und bey den vielen, von den Grafen von Ruck und ihrer Familie gestifteten Gütern, wird auch nicht mit einem Wort eines Orts Blaubeuren gedacht; gewiß wäre dieß aber geschehen, wenn der Ort schon vorhanden gewesen wäre.
2) Viele Häuser der Stadt, selbst das Rathhaus, das Spital, das Schulhaus etc. zahlen Grundzinse an das Kloster, die ohne Zweifel daher rühren, daß die Häuser auf den Grund und Boden gebaut wurden, den das Kloster bey seiner Stiftung mit der St. Johanniskirche erhalten hat.
3) Die Stadt Blaubeuren hatte nicht einmal, wie oben bemerkt wurde, eine eigene Markung, sondern sie ist ein eingeschobener Ort, der erst entstanden ist, nachdem die Ortsmarkungen schon gebildet waren.
Man wird sich den Ursprung der Stadt wohl am richtigsten auf folgende Weise zu denken haben. Ursprünglich stand an dem Blautopf von den ältesten Zeiten her, und ohne Zweifel seit Einführung des Christenthums in der Gegend, die oben gedachte Johannis-Kapelle, die vermutlich ihren Ursprung der Blauquelle verdankt, und mit Rücksicht auf die Taufe der ersten Christen, Johannes d. T. geweiht worden ist[13] S. 11. | In ihrer Nähe mögen zuerst einige Mühlen gebaut worden seyn, Mühlen sind es auch, welche die Stifter des Klosters diesem daselbst schenkten. Das Kloster hatte Handwerks-, Dienst- und Arbeitsleute in der Nähe nöthig, dieß gab Veranlassung zur Ansiedlung, zur Entstehung eines neuen Orts in seiner Nähe; das Kloster brachte Verkehr in die Gegend, dadurch entstanden Märkte in dem Ort, die anfänglich in dem Kloster selbst gehalten wurden[14]; der Marktflecken wurde endlich ummauert und so entstand eine Stadt.

Wann der Ort Stadtrecht erhalten habe, ist unbekannt; daß es aber schon frühzeitig geschehen seyn muß, beweisen die oben angeführten Urkunden des Pfalzgrafen Rudolphs vom Jahr 1267, worin nicht nur von einer Stadt und Stadtgemeinde, Civibus und Civitate, sondern auch von Stadtmauern, „in dicta civitate intra muros vel extra“ die Rede ist. Die Erhebung zur Stadt und zu städtischen Freyheiten konnte dem Kloster gegenüber um so leichter gehen, als die Einwohner wenig oder gar keinen Grundbesitz hatten und also keine Lehens-Verhältnisse im Wege standen. Steinhofer berichtet in seiner Chronik, II. 74: „1122 hat die Stadt Blaubeuren unter dem dritten Abt ihren Anfang genommen;“ dieß mag seyn, wenn aber die Erbauung und Ummaurung von Blaubeuren den Grafen v. Helfenstein zugeschrieben wird, so ist dieß, wofern man sie nicht als Glieder des Hauses Ruck betrachten will, unrichtig.

Herren von Blaubeuren waren anfänglich offenbar die Dynasten von Ruck und Pfalzgrafen von Tübingen. Als Herr von Blaubeuren handelt der Pfalzgraf Rudolph | noch im J. 1267 nach den oben angeführten Urkunden. Um diese Zeit aber ging der Besitz von Blaubeuren an die Grafen von Helfenstein über; das Jahr ist nicht bekannt, allen Umständen nach aber geschah es zwischen 1267 u. 1270. S. 10. Von den Grafen v. Helfenstein kam Blaubeuren durch Kauf im J. 1447 an Würtemberg. Der Zoll war jedoch schon vorher, 1446 und früher, von den Helfenstein an die Reichsstadt Ulm veräussert worden, und diese Stadt hatte deßwegen auch bis zum Jahr 1802 ihr Zollhaus in Blaubeuren. Der Lehens-Verhältnisse der Herrschaft Blaubeuren ist schon S. 9 gedacht.

Die Rechte und Freyheiten der Stadt ruheten in der städtischen Verfassung und waren die gewöhnlichen anderer Landstädte. Von der Gräfin Anna von Helfenstein erhielt die Stadt, unter Bestätigung ihrer Freyheiten, im J. 1381 die Zusicherung, daß sie mit keiner Satzsteuer angegriffen werden, sondern nur ihre althergebrachte Steuer und Umgeld zu entrichten haben solle[15]. Im Jahr 1418 ertheilte der K. Sigismund der Stadt das Recht, zwey Jahrmärkte auf St. Franziski und St. Johannis d. T. zu halten. Wahrscheinlich aber war dieß nur eine Erneuerung älterer Markt-Gerechtigkeiten. 1584, 1606 und später wurden die Märkte vermehrt. Ein besonderes und der Stadt Blaubeuren zu verschiedenen Zeiten bestätigtes altes Recht, war auch das der s. g. „großen Zunft.“ Es gehörten nehmlich zu derselben alle Handwerker die in Blaubeuren keine besondere Zunft bildeten, und es zählte dieselbe Meister von fast allen Gegenden des Landes. Von der Ertheilung des Wappens war oben schon die Rede.

Wann Blaubeuren eine eigene Pfarrkirche erhalten habe, ist nicht bestimmt anzugeben; sie muß aber wenigstens schon im 14ten Jahrhundert bestanden haben, denn im J. 1343 kommt ein gewisser Marquart als Kirchherr und Dekan | zu Blaubeuren vor, und eine päpstliche Bulle vom J. 1363 bestätigt die Einverleibung der Pfarrkirche in das Kloster. Um die Zeit, wo fast überall Predigtämter entstanden, stiftete 1474 auch der Kaplan Conrad Vettach von Weiler ein Predigtamt zu Blaubeuren, welche Stiftung nachher die Stadt weiter ausführte[16]. Ausser diesen beyden Stellen waren mehrere Kaplaneyen bey der Kirche gestiftet: 1362 bestätigte der Bischof die von der Bürgerschaft gestiftete Frühmeß; 1365 stiften Graf Ludwig von Öttingen, als Helfensteinischer Vormünder und die Gräfin Agnes die alte von Helfenstein, von Schlüsselberg genannt (von dem zweyten Gemahl), geb. Gr. v. Würtemberg, eine ewige Messe; 1407 stiftet die Gräfin Anna von Helfenstein, geb. v. Öttingen, die St. Jakobs-Kaplaney (nach Sattler eine Meß auf dem St. Peters- und Pauls-Altar); 1489 stiftete der Priester Hans Stainer eine ewige Meß auf den Altar des h. Kreutzes in der Pfarrkirche – h. Kreutz-Kaplaney; 1424 wird die schon 1406 von Graf Johann von Helfenstein und der Bürgerschaft begonnene Stiftung der St. Sebastians-Pfründe vollendet. Alle diese geistlichen Stellen, welche zum Theil auch von Conventualen des Klosters versehen wurden, hörten nach der Reformation auf, und wurden auf die eines Stadtpfarrers und Helfers zurückgeführt.

Die Reformation begann in Blaubeuren noch im J. 1534. Am 22. Dec. d. J. schrieb Herzog Ulrich an den mit Bestellung von evang. Pfarrämtern beauftragten Ambros. Blaurer[17]: „deßgleichen ir Fleiß fürwenden wollt, damit der auch zuwegen gebracht werd, der Plaubeyren mit predigen versehen soll. Ist auch onnot das Wir unserm Vogt dieser pfarr halb schreiben lassen, dann die Collatur statt (steht) dem Abt daselbst zu. Sobald derselbig vorhanden, wollt sollichs hieher in unser Canzley zu wissen thun, haben wir bevelch | geben, gedachten unsern prelaten seynthalb ze schryben, das er ohn zweyfel wird zugelassen werden.“ Von dem weitern Verlaufe findet sich nichts aufgezeichnet. Über die Einführung der Reformation in dem Kloster ist S.115 und über die Verbindung einer Special-Superintendenz mit der Stadtpfarrey S. 12 nachzulesen. Welchen Anfechtungen die Stadt wegen ihres evang. Glaubens ausgesetzt war, wird gleich nachher gezeigt werden.


Die Schicksale

der Stadt und einzelne merkwürdige Ereignisse betreffend, findet sich noch Folgendes zu bemerken. 1391 (nach Sulgers Zwiefalter Annalen, 1390), da Blaubeuren von den Grafen von Helfenstein an Lutz von Landau verpfändet war, (s. oben) wurde Blaubeuren von den Ulmern, im Bunde mit andern Reichsstädten, überfallen, erobert und im Besitz behalten, bis Lutz von Landau im folgenden Jahre vor die Stadt rückte und sie an Mariä Himmelfahrt wieder eroberte. 1519 stand Herzog Ulrich zu Blaubeuren mit 30.000 Mann, und wollte sich hier dem Eindringen des schwäbischen Bundesheeres widersetzen; aber die 14.000 Schweizer, die er bey seinem Heere hatte, verließen ihn, der Herzog mußte fliehen, und der Obervogt Wolfgang v. Rechberg übergab die Stadt dem Bunde.

Im 30jährigen Kriege, 13. Septbr. 1630, wurde die Stadt und das Kloster von einer österreichischen Commission förmlich in Besitz genommen, und die katholische Religion sollte nicht nur in dem Kloster, sondern auch in der Stadt wieder hergestellt werden. Im Jahre 1632 wurden die Österreicher zwar von den Schweden wieder vertrieben; aber nach der Nördlinger Schlacht, 1634, kehrten sie abermals zurück, und es nahm nun die Erzherzogin Claudia, Wittwe des Erzherzogs Leopold, im Namen ihrer noch unmündigen Söhne von Stadt und Amt, als von einem verwirkten österr. Lehen, Besitz. Die Verfolgungen wegen der Religion begannen neuerdings, die evangel. Geistlichen wurden abgeschafft | und es wurde den Einwohnern verboten, einen andern, als den katholischen Gottesdienst zu besuchen und ihre Kinder durch einen andern, als einen katholischen Geistlichen taufen zu lassen. Dennoch blieben sie der evangelischen Lehre getreu, und verbanden sich gegenseitig eidlich, nicht davon abzulassen. In dieser Zeit wurden viele Kinder zu Ulm und in ulmischen Orten, namentlich in Bermaringen, wo die evang. Lehre noch in Ausübung geblieben war, getauft. Claudia blieb im Besitze von Blaubeuren bis zum westphälischen Frieden. Während ihrer Herrschaft, 1642, wagte es „die muntere Besatzung von Hohentwiel“ einen Streifzug bis ins Ach- und Blauthal zu machen, wobey sie nicht nur das Kloster Urspring heimsuchte, sondern am 31. Okt. auch Blaubeuren überfiel, das Kloster plünderte und den kath. Abt Raymund gefangen mit sich fortschleppte. Auf ihrem Rückzuge wurde sie in der Nähe des Dorfs Ittenhausen von den Zwiefalter Bauern, unter Anführung der Herren von Schilzburg und von Maisenburg angegriffen, die Beute wurde ihr wieder abgejagt und der Prälat befreyt[18].

Kraft des westphälischen Friedensschlusses, Art. IV., mußte Blaubeuren mit Allem was dazu gehörte, dem Hause Würtemberg wieder zurückgegeben werden. Dieß geschah auch noch am Schlusse des Jahrs 1648; wegen der Lehensfälligkeit, welche früher schon bey dem Regierungs-Antritt des Herzog Friedrich I. so vielen Kampf verursacht hatte, dauerte der Streit noch bis 1692 fort, wo er endlich verglichen wurde[19].

Im J. 1502 entfloh Herzog Ulrich der Pest in Stuttgart und hielt sich einen Monat lang in Blaubeuren auf. Aus nicht minder unangenehmer Veranlassung verweilte der Herzog später daselbst. Am 11. Oktbr. 1516 war nehmlich Ulrich von dem Kaiser zu Augsburg wegen seines Vergehens gegen Hutten und die herzogliche Gemahlin Sabina, und | wegen seines ungehorsamen Ausbleibens auf die an ihn ergangenen Ladungen in die Acht erklärt worden. Aber der Herzog fand Fürsprecher, und die Sache wurde in den Weg gütlicher Übereinkunft eingeleitet. Herzog Ulrich wurde zu dem Ende zu einer Zusammenkunft mit einer K. Commission auf den 17. Okt. nach Blaubeuren geladen. Die Commissarien waren der Cardinal v. Gurk, Wilhelm v. Wolfstein und der Propst von Waldkirch, wozu noch die pfälzischen und würzburgischen Gesandten kamen. Der Herzog fand sich an dem bestimmten Tage mit 4000 Mann seines besten Fußvolks und 200 reisigen Pferden ein, und stieg in dem Amthaus in der Stadt ab. Die Commissarien trafen nach ihm Abends von Augsburg mit einem großen Gefolge und 200 Pferden ein, und wurden in dem Kloster einquartirt. Am folgenden Morgen wurden sie von dem Herzoge bewillkommt. Nach dem Mittagessen verfügte sich der Herzog abermals, in feyerlichem Aufzuge mit Trommeln und Pfeifen und Zinkenbläsern, in das Kloster, und es begannen nun die Unterhandlungen. Der Cardinal setzte dem Herzog „mit verdrüßlichen Vorträgen“ bis in die späte Nacht hinein zu, so daß die Leute des Herzogs wegen ihres Herrn in Besorgniß geriethen, und einer davon Nachts 11 Uhr unangemeldet in das Zimmer trat, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Endlich zog sich der Herzog um Mitternacht wieder mit Trommeln und Pfeifen zurück. Am andern Morgen kam dann der s. g. kaiserliche Machtspruch ins Reine, wornach sich der Herzog der Regierung auf 6 Jahre begab, seiner Gemahlin einen Jahrsgehalt aussetzte, und für die Huttenschen 27.000 fl. zu bezahlen versprach. (Vergl. Sattler Hz. I. S. 222 f.) S. S. 14 u. 15.

Unter den Unfällen welche die Stadt betrafen, waren auch mehrere Überschwemmungen, durch Wassergüsse von der Alp veranlaßt. Die Jahrgänge und der Stand des Wassers finden sich an dem obern Thore eingehauen, auch sonst aufgezeichnet: Es sind die Jahre 1621, 1651, 1683, 1657, 1701, 1721, 1724, 1731, 1752. Am 8. Juli 1752 erreichte die | Überschwemmung eine Höhe von 10 Fuß unter dem Thore, noch höher aber war der Stand am 4. Sept. 1809, wo er auf 12 Fuß, 71/2 Zoll stieg und die Fluthen einen Wagen mit Mann und 2 Pferden in der Stadt mit sich fortrissen[20]. Im J. 1730, den 12. Juny, kam bey dem Markte Feuer aus, wodurch 12 Gebäude in Asche gelegt wurden.

In der Nähe von Blaubeuren liegen und sind auch dahin eingepfarrt:

a) die Thalmühle, eine Mahlmühle 300 Schritte südlich von der Stadt an der Ach, gemeiniglich Damühle (und ehemals Mühle zu Grockenhofen) genannt. Die Mühle wurde 1554 von dem Abt Christian an das Spital verkauft, ist aber jetzt Privat-Eigenthum;

b) die Papiermühle, eine Papierfabrik 1 Viertelstunde von der Stadt, an der Ach oberhalb der Thalmühle. In früherer Zeit stand hier eine Mahlmühle, Wißmühle (Wiesenmühle, von den angrenzenden Wiesen) genannt, welche dem Kloster gehörte. Die Fabrik liefert Schreib- und Druckpapier aller Art, und der Fabrikant arbeitet mit 6 Gehülfen. Zu der Fabrik gehört ein weiter oben an der Ach liegendes Stampfwerk. Zwischen beyden liegen eine Loh- und eine Walkmühle, womit aber keine Wohnung verbunden ist;

c) die Bleiche, 1 Achtelstunde unterhalb der Stadt, sie enthält dermalen 3 Wohn- und verschiedene Gewerbs-Gebäude, nebst einer Öhl- und Gypsmühle und einer Hanfreibe. Die damit verbundene Bleichanstalt wurde im J. 1726 von der Stadt Blaubeuren und einer dortigen Privatgesellschaft errichtet, und erhielt von dem Herzog Eberhard Ludwig das Privilegium, daß ausser ihr und der Bleiche zu Urach nirgends im Lande gebleicht werden soll. Zu Erbauung der Bleichgebäude | wurde den Unternehmern 1 halb Tagwerk von der herrschaftichen Brühlwiese für den Preis von 100 fl. und einen jährlichen Zins von 3 fl., zur Auslegung der Bleichtücher aber ein weiterer Platz von derselben Wiese pachtweise überlassen. Da die letzten Bleich-Inhaber sich mehr mit Nebengewerben, als mit der Bleiche beschäftigten, und man von Seiten der Regierung um so mehr einen bessern Betrieb der Bleichanstalt wünschte, als in der Unvollkommenheit der vaterländischen Bleichen ein Haupthinderniß der würt. Leinwand-Fabrikation lag, so wurde der Hofapotheker Haußmann in Ludwigsburg im J. 1827 zum Ankauf der Bleiche veranlaßt, der sie dann auch mit großem Kostenaufwand in den gehörigen Stand stellte, und nun in Verbindung mit einem, auf der Bleiche wohnenden, Bruder mit aller Thätigkeit und Einsicht betreibt, so daß die Anstalt sich bereits ausnehmend gehoben hat, und nach den gelieferten Proben zu der Erwartung berechtigt, daß die schweizerischen Bleichen, zu welchen besonders bei der feineren Waare die Leinwand-Handlungen bisher ihre Zuflucht nehmen mußten, in Zukunft gänzlich entbehrt werden können[21]. Der Betrieb einer Potaschensiederey und eines Mahl- und Gerbgangs hat dagegen ganz aufgehört.

Von den 3 Wohnhäusern führt das eine, das auf dem linken Ufer der Blau steht, und ganz neuerlich erst zu der Bleiche gekauft wurde, den Namen St. Niklaus. Es hat diesen Namen von einer Kapelle St. Nikolaus, welche hier gestanden hatte. Die Sage will, daß die Kapelle so alt als die vormalige St. Johanniskirche, und eine Einsiedlerwohnung bey derselben das erste Haus zu Blaubeuren gewesen sey. Gewiß ist, daß ein Nonnenkloster dabey war; denn nicht nur gedenkt seiner Tübinger in seiner Chronik mit der Bemerkung, daß im Jahr 1155 die Kirche der Frauen bey der | Quelle Gießelsbach neben St. Niklaus von demselben Bischof Gerold von Altenburg geweiht worden sey, der wenige Tage vorher auch die Kirche zu Weiler geweiht hatte, sondern es erzählen auch Brusch und andere, daß das Fräulein Adelheid, die Gründerin des Klosters Weiler, im J. 1280 in dem Nonnenkloster bey Blaubeuren, worin sich damals 60 Schwestern befunden haben sollen, begraben worden sey[22]. Mehr aber erfährt man nicht von diesem Kloster, als daß die Gräfin Maria von Helfenstein, geb. Prinzessin v. Bosnien, vor ihrem Ende (sie starb 1403) dem Kloster zu St. Nikolaus 5 Pfd. vermachte.

Übrigens gehört sowohl die Bleiche mit St. Nikolaus als auch die Papiermühle noch von frühern Zeiten her in die Gerichtsbarkeit der Gemeinde Weiler, welche dieselbe früher im Namen des Klosters ausübte.

d) Die Ziegelhütten: 1) die Ziegelhütte am Fuße des Ruckenbergs, 2) die Ziegelhütte auf der Alp. Beyde sind Privat-Eigenthum; die letztere liegt auf der Grenze der Markung gegen Asch und wurde erst im J. 1826 erbaut.

Unter die Merkwürdigkeiten der malerischen Umgebung von Blaubeuren gehören der Blautopf (s. S. 28), der Blauenstein und der Ruckenberg mit dem Metzgerfelsen und den Ruinen von Ruck.

Blauenstein hieß eine der 3 Burgen, welche Blaubeuren umgaben. Im J. 1447 verkauften die Grafen von Helfenstein an Würtemberg Gerhausen, Ruck und Blauenstein die Vestinnen. In Joh. Öttingers, dem Herzog Joh. Friedrich zugeeigneten Landbuch vom J. 1624 (Handschrift) heißt es: „Blawenstein die Vöstung ist gleichfalls meines gnädigen Fürsten und Herrn aigen, aber ziemlich zergangen, und wird allein im Tach erhalten.“ Jetzt ist kein Stein mehr davon übrig und des vielbedeutenden Titels „Festung“ ungeachtet, ist man nicht einmal über die Lage mehr einig. Sie lag aber auf einer Felsenspitze über der Stadt, | auf dem Platze, auf dem in spätern Zeiten das s. g. Blauhäuslein, ein hölzernes Blockhaus, stand, und der von der Alp durch einen Durchschnitt getrennt ist. In alten Rechnungen finden sich folgende Einträge darüber: 1616, „die Vestin Blauenstein, genannt Blauhäuslin;“ 1628, in der Rubrik: „an der Vestung Blauenstein verbauen,“ im Zusammenhang: „das Haus Blaustein, welches von allen vier Seiten frey und deßwegen gefährlich zu repariren.“ Die ganze Reparatur bestand in Zimmermanns-Arbeit, so daß die s. g. Festung damals schon nichts weiter, als eine Art von Blockhaus gewesen zu seyn scheint. Als solches stand Blauenstein auch in spätern Zeiten noch, bis es im J. 1773 auf den Abbruch verkauft wurde. Wahrscheinlich war die ganze Festung blos ein Wachtthurm, eine Warte der Stadt gegen die Alp und ein Vorposten von Ruck und Gerhausen, welcher die Straße nach Ulm deckte. Von Bewohnern der Burg findet man so wenig, als von ihrem Erbauer eine Spur. Die Sage will, daß von da eine Mauer in das Thal gegen das Siechenhaus herabgeführt habe.

Ruck war die zweyte der Vesten, von welchen Blaubeuren umgeben war. Sie stand auf der südlichen Spitze des gegen die Stadt vorspringenden Ruckenbergs. Es sind noch einige gleichwohl unbedeutende Reste davon übrig. Ob das Schloß seinen Namen von dem Berge, oder der Berg von dem Schlosse erhalten habe, oder ob der Name von den Erbauern und Bewohnern des Schlosses herrühre, bleibt ungewiß. Daß der Name Ruckenberg vollkommen in der Form des Berges begründet ist, wurde schon vorne S. 19 bemerkt. Indeß hat auch die historische Ableitung des Namens, auf die wir nachher kommen werden, Vieles für sich. Der Umfang des Schlosses scheint, nach den jetzigen Spuren zu urtheilen, nicht sehr groß gewesen zu seyn; doch weiß man, daß das Schloß ein Viereck bildete, in dessen Mitte sich ein Hof befand, daß es einst 3 Thürme hatte, und daß etwas tiefer ein Vorwerk stand, worin Stallungen und andere Nebengebäude sich befanden. In welche Zeit die Erbauung der | Burg falle, ist unbekannt, aber gewiß ist, daß sie schon im 11ten Jahrhundert stand, und daß sie der Sitz der mächtigen Dynasten oder Grafen von Ruck war, aus deren Hause die Pfalzgrafen von Tübingen hervorgingen. Tübinger nennt sie in seiner Blaubeurer Chronik gemeiniglich Pfalzgrafen von Tübingen, bemerkt jedoch ausdrücklich, daß sie anfänglich unter der Benennung von Ruck vorkommen. Als Comes de Rugga ist auch Graf Sigiboto, der 1085 die St. Johanniskirche zur Stiftung des Klosters schenkte, in dem Todtenbuch des Klosters eingetragen[23]. Diesem Sigiboto folgte in dem Besitze von Ruck sein Sohn Sigfrid, und heißt daher auch Sigefridus de Rugga. Endlich wird auch noch Sigfrieds Sohn, Hartmann, auch Hermann gen., als Graf v. Ruck bey der Stiftung des Klosters Blaubeuren aufgeführt. Er starb als Mönch in dem Kloster, und mit ihm soll nach Tübinger der Stamm der Dynasten von Ruck, d. h. diejenige Linie, welche den Namen Ruck führte, erloschen seyn. Die Besitzung Ruck fiel nun der pfalzgräflichen Linie Tübingen zu, und es wohnten jetzt deren Vögte auf der Burg. Zu diesen gehören: Albertus de Ruka, der in einer Urkunde vom J. 1188, wodurch Pfalzgraf Rudolph von Tübingen dem Kloster Bebenhausen ein Gut zu Altdorf freyte, als Zeuge erscheint; Conradus advocatus de Rucca, mit dem Beisatze „de ministerialibus“ als Zeuge in einer Urkunde des Pfalzgrafen Rudolphs vom J. 1191; ferner Albertus de Rugge, in einer Urkunde des Pfalzgrafen Wilhelm, vom Jahr 1244, dat. Asperg; sodann in 2 Blaubeurer Urkunden vom J. 1267 Albertus dapifer de Rugge, Anshalmus de Rugge, milites. Von den Pfalzgrafen kam Ruck, wie Blaubeuren, an die Grafen v. Helfenstein, welche ohne Zweifel damals schon im | Besitze von Gerhausen waren. Nach Tübinger (S. 293) soll jedoch die Burg Ruck zuvor Eigenthum des Klosters Blaubeuren geworden, von diesem zu einer Viehhaltung benutzt, und nachher erst dem Helfensteinischen Haus überlassen worden seyn. Von den Grafen von Helfenstein wurde Ruck mit Blaubeuren im J. 1447 an Würtemberg verkauft, und war lange Zeit der Sitz der würt. Obervögte von Blaubeuren. Als solcher saß, 1564, ein Graf Sebastian v. Helfenstein selbst auf der Burg. Noch im J. 1624 wohnte, nach Öttingers Landbuch, ein Obervogt auf Ruck, und in den Rechnungen kommen um diese Zeit noch ein Pulverthurm, eine Uhr und Wasserpferde, welche für die Burg gehalten wurden, vor. Erst nach dem 30jährigen Kriege scheint die Burg als Amtssitz verlassen worden zu seyn, doch wurde 1655 dem Untervogt noch erlaubt, jährlich 10 fl. auf ihre bauliche Unterhaltung zu verwenden. Sie erhielt sich auch fast noch ein Jahrhundert lang, und es soll während dieser Zeit Wirthschaft darin getrieben worden seyn; 1730 saß noch ein Forstknecht darin. Im J. 1751 wurde endlich ihr Urtheil gesprochen, das baufällige Schloß wurde an das Kloster (den herzogl. Kirchenrath) für 750 fl. verkauft, und mit ihren Steinen wurde das armselige Kirchlein in Gerhausen erbaut. Bald werden auch die letzten Spuren vollends davon verschwunden seyn, und sie wären es bereits, wäre nicht ein 1823 versuchter Verkauf von der K. Finanzkammer wieder zurückgenommen worden. Werfen wir noch einen Blick auf dieselbe und ihre merkwürdigen Bewohner.

Daß die Grafen, oder richtiger gesprochen, die Dynasten von Ruck[24] und die Pfalzgrafen von Tübingen zu Einem Geschlechte gehört haben, wird durch die Geschichte von Blaubeuren ganz ausser Zweifel gesetzt; daß ein Ruck das Stammhaus gewesen sey, ist gleichfalls nicht zu bezweifeln, und wird seiner Zeit noch bey Tübingen näher nachgewiesen werden. | Ob aber unser Ruck oder ein Ruck in Rhätien die eigentliche Stammburg und die Wiege des Geschlechts war, ist eine andere Frage. Man ist fast allgemein der Meynung, daß die Dynasten von Ruck und mit ihnen die Pfalzgrafen von Tübingen aus Hohen-Rhätien abstammen, und seitdem Johannes v. Müller im J. 1805 in der Jenaer Literatur-Zeitung (Nro. 160) die Frage aufgeworfen hat: „sollte das Haus Ruck nicht Ruchaspermont seyn?“ hat diese Meynung noch mehr Beyfall gefunden. Wir wollen ihr nicht geradezu widersprechen, da sie sich unstreitig mit sehr guten Gründen vertheidigen läßt: aber eine Beobachtung können wir hier nicht unterdrücken, die sich uns so oft während unserer Untersuchungen aufgedrungen hat, und dieß ist die Beobachtung einer unverkennbaren Verbindung des Hauses Ruck mit den Grafen v. Helfenstein. Diese Verbindung drückt sich nicht nur in dem vermischten und ineinander greifenden Güterbesitze, sondern auch und noch mehr in der auffallenden Nachfolge in dem gleichen Besitzthume aus. Belege dazu liefert die Geschichte unsers Oberamtsbezirks überall, wir fügen denselben noch folgende bey. Im J. 861 stiften Rudolph und sein Sohn Erich das Kloster Wiesensteig. Die in der Stiftungs-Urkunde genannten Orte und der ununterbrochene Besitz des Hauses Helfenstein darin zeigen, daß Rudolph und Erich die Ahnherren des Helfensteinischen Hauses waren, so wie daß ihre Herrschaft bis an die Blau und über den Umkreis, in dem man später die Dynasten von Ruck antrifft, sich ausdehnte. Nach einer Anmerkung Neugarts war schon Rudolph Pfalzgraf des Königs Ludwig, um dessen willen er zum Theil die Stiftung zu Wiesensteig macht. (Cod. dipl. II. S. 344.)

Ums Jahr 1000 lebte Adelbert, Pfalzgraf von Tübingen, Herr von Gerenhusen und vom Brenzthal[25]; sein Enkel Hugo, der im J. 1060 erscheint, wird bei Brusch u. A. Graf von Ruck und Herr von Gerhausen u. Brenzthal | genannt. Beurkundet sind: der Pfalzgraf Mangold und seine Söhne Mangold, Albert, Ulrich u. Walther, der Bischof von Augsburg, durch die Stiftungsurkunden des Klosters Anhausen im Brenzthal (s. die päpstliche Bulle v. J. 1125, und weitere Urkunden bey Besold). Sie schenken nicht nur ihr Allodium Anhausen, sondern auch noch mehrere andere Orte und Güter des Brenzthals oder Brenzgaus, und waren also im Besitze des Bezirks. In eben diesem Besitze aber befinden sich in der Folgezeit die Grafen v. Helfenstein. Graf Ulrich v. Helfenstein z. B. verkauft im J. 1302 die Burg Herrwartstein mit dem Dorf Springen (jetzt Königsbronn) und andern Orten an den K. Albrecht, und bey der Theilung in dem Helfensteinischen Hause, 1356, erhält Graf Ulrich d. j. von Helfenstein unter Anderem auch das Brenzthal und die Vogtey über die Brenzthalischen Klöster. Den gleichen Wechsel der Nachfolge findet man in den Ruckischen Gütern selbst; sogar der Platz Egelsee, wo die Dynasten von Ruck zuerst das Kloster Blaubeuren stiften wollten, lag in Helfensteinischer Herrschaft und der ganze Bezirk bis auf neuere Zeiten in Helfensteinischem Wildbann.

Sollte man unter diesen Umständen sich nicht zu der Ansicht berechtigt finden: Ruck und Helfenstein haben Einem Stamme angehört, einem Stamme, der seine Wurzel an der Donau, wo die Pfalzgrafen von Tübingen auch das Kloster Marchthal stifteten, vielleicht auf dem Bussen, dem Sitze des Schwagers Karls des Großen, des Grafen Gerolds hatte[26] und sollte nicht von unserem Ruck aus ein Zweig der Dynasten dieses Namens nach Rhätien verpflanzt worden seyn und sich dort ein zweytes Schloß Ruck erbaut haben, wie sich ein späterer Zweig der Pfalzgrafen, der Graf Heinrich v. Montfort, Bischof von Chur, ein zweytes Schloß Herrenberg im J. 1255 dort erbaute[27].

| Mit dieser Ansicht stimmt auch der ungenannte „edle und gelehrte Beförderer“ in Schwabs Bodensee, Stuttgart, 1827. S. 140, und Herr Reg.-Direktor v. Raiser in seiner „Guntia“ S. 34, so wie in seiner Geschichte von Elchingen, Zeitschrift für Bayern, 2r Jahrg. 1r Bd. 1817. S. 138 ff. überein.

Das Wappen der Dynasten von Ruck, das sich noch hier und da in der Klosterskirche und an dem Kloster findet, bestand in einem viereckigen, in vier gleiche Felder getheilten Schilde, zwey von gelber und zwey von rother Farbe.

An dem Ruckenberg steht der Metzgerfelsen. Dieser ungeheure Felsen, an welchem die Straße von Blaubeuren nach Ulm vorüber führt, gegen die er senkrecht abgeschnitten ist, soll seinen Namen von einem Metzger haben, der in der Nacht von einem Geiste (vermutlich Weingeiste) irre geführt, sammt seinem Hund und Kalbe von demselben herunter stürzte und das Leben verlor. Der Felsen besteht aus hartem Marmor, der geschliffen auf milchweißem Grunde schöne braune Zeichnungen darstellt, und schon wegen seiner ungeheuern Masse zu den Merkwürdigkeiten der Gegend gehört.



  1. Schriften über Blaubeuren, hauptsächlich das Kloster: Sattler „Topographische Geschichte von Würt.“ S. 522 bis 538. Cleß „Kirchlich-politische Landes- und Cultur-Geschichte von Würt.“ B. S. 202 ff. u. an a. O. „Chronicon Christiani Tubingii de fundatione monasterii Blauburensis“ geschrieben ums J. 1521 von einem Blaubeurer Mönch und nachmaligen letzten kath. Abt des Klosters, und abgedruckt in Sattlers „Geschichte von Würt. Grafen IV.“ S. Beylage Nro. 73. „Breve rudimentum historiae mon Blabyr. 1747.“ von dem Klosters-Präceptor und nachmaligen Abt Ergenzinger, in Handschrift auf der K. Bibliothek. Mosers „Anmerkungen über den Art. 4. des Osnabrückischen Friedensschlusses, den Streit zwischen Östreich und Würtemberg wegen Blaubeuren betreffend“ in dessen „Miscell. jurid. hist.T. I. S. 35–47. Sodann handeln von Blaubeuren Felix Fabri, Crusius, Besold, Brusch u. A. Die gegenwärtige Geschichte der Stadt und des Klosters ist größtentheils aus Urkunden geschöpft, wovon ein großer Vorrath in dem K. Staats-Archiv und zum Theil noch in Blaubeuren selbst vorhanden ist.
  2. Die Oberamtey, das Dekanathaus, das s. g. große Haus, des Küfers Michler Haus, des Fuhrmanns Matteis Haus waren ehemals von Adeligen bewohnt.
  3. Zu beyden Seiten des Eingangs stehen die Bildnisse des Pfalzgrafen Friedrich von Tübingen und seiner Gemahlin mit den Inschriften: „Fridericus Palantinus ego contuli Sancto Johanni Baptiste ecclesiam Sancti Albani in Laichingen et molendinum Ulme“ und links: „et uxor ejus.“ Sodann kommt rechts das Bildniß Heinrichs mit der Inschrift: „Henricus comes quinque allodia Hadenhula, Wineden, Hohenhülina, Berghulen, Tragenwyler;“ ferner das Bildniß Anselms und seiner Gemahlin mit: „Ego cum conjuge mea Berchta contuli villam que dicitur rotenacker et hödorf et fui fundator dimidie partis ecclesiae; Anselmus comes, Berchta uxor ejus.“ Weiterhin findet sich auch noch ein Bildniß mit der Unterschrift. „Adelheit comitissa“ (des Pfalzgrafen Sigibotos Gemahlin). Auf der linken Seite steht ein Bildniß, vermuthlich des Pfalzgrafen Sigibots, darunter: „contuli S. Johanni Baptiste ...“ das Übrige ist verdorben; eben daselbst die Bildnisse der Söhne Sigibotos mit der Inschrift: „Sigfridus comes, Waltherus comes, filius ejus;“ sodann zu Sigfrids Bild: „hic fuit fundator dimidie partis hujus ecclesie et dedit Treffensbuch, Waldsteten, Calmunzbuch, in dotem ecclesie, cum decimis in Sussen;“ zu Walters Bild : „Ego et frater meus Wernherus, clericus, contulimus agrum Benelgrüb et Altenthal.
  4. In Akten liest man folgende Verordnung: „Weil der schöne Altar und die Klosters-Chorstücke mit Namen-Einschneiden und sonst sehr verwüstet und ruinirt worden; so hat eine hochfürstliche Kloster-Visitation 12. Decbr. 1720 und 13. Jan. 1721 deßwegen einen ernstlichen Rezeß gestellt, des Inhalts, daß welcher Alumnus solchen Altar ferner also verunehren würde, derselbe prima vice mit der poena carceris per triduum angesehen, secunda vice aber gar rejicirt werden solle.“
  5. Allen Umständen nach hatte Blaubeuren ursprünglich gar keine Markung; die Markungen der benachbarten Orte Weiler, Seißen, Asch etc. stoßen noch jetzt hier zusammen, und auf den Bildwiesen bey der Thal- und Papiermühle, haben die von Asch und Sunderbuch noch ein Weiderecht. Das Ackerfeld auf der Alp, der Hauptbestandtheil der jetzigen Markung, gehörte ohne Zweifel einst zu Asch; noch jetzt bezieht die Universität Tübingen, Namens der Kirche zu Asch, den Zehnten daselbst und ein Theil der Güter von der jetzigen Blaubeurer Markung steuert nach Asch. Der kleine Bezirk im Thale gehörte vormals theils zum Kloster, theils zu dem Schloß Ruck.
    WS: Die auf der nächsten Seite fortgesetzte Anmerkung wurde hier vervollständigt
  6. Die s. g. Spitalmühle zu Blaubeuren wurde schon 1709 von dem Spital für 1000 fl. verkauft. In ältern Zeiten war sie klösterliches Lehen, und sie gibt daher noch jetzt Zinse und Gülten.
  7. Er ist abgedruckt in dem Schwäb. Magazin vom J. 1779. S. 327 f.
  8. Beschreibung des Oberamts Münsingen, S. 152.
  9. Am thätigsten war dabey Anselm, am wenigsten nahm sich Hugo der Stiftung an, vielleicht weil er das Amt und Lehen der Pfalzgrafschaft inne hatte und dadurch entfernter von dem Stammsitze war, auch wohl keinen oder wenig unmittelbaren Antheil mehr an den Stammgütern hatte. Sigiboto stiftete Süßen (Seißen). Nach seinem bald erfolgten Tode setzte seine Gemahlin Adelheid, eine geborne Gräfin von (Egisheim im) Elsaß mit ihren Söhnen das Werk fort; die Mutter schenkte eine Mühle und den Hügel dabey, und mit dem Sohne Sigfried die Kirche und die Zehnten zu Seißen; der Sohn Werner stiftete den Hof Altenthal, Walter das jetzt unbekannte Gut Berwigsgrube, Sigfried, der dem Vater in der Herrschaft Ruck folgte, übernahm die Hälfte der Baukosten, und stiftete (Güter zu) Treffensbuch, Waldstetten (Feldstetten?), Calminesbuch (Kälblinsbuch, s. Suppingen), und sein Sohn Hermann oder Hartmann noch 2 Mühlen an der Blau, nach Felix Fabri und Besold (S. 912) auch den Blautopf mit dem Fischwasser bis Neideck. Die Brüder Sigibotos, Hugo und Anselm stifteten, jener den Hof Granheim und Neccenbainde (?), beyde miteinander Beiningen und Wippingen, Anselm insbesondere aber mit seiner Gemahlin Berchta, die eine Gräfin von Grüningen gewesen seyn soll, Rottenacker und Heudorf, nachdem sie schon vorher die Hälfte der Klosters-Baukosten übernommen hatten. Ihre Söhne, Hugo und Heinrich folgten dem Beyspiele der Eltern; Hugo, anfänglich unzufrieden mit der Vergabung der Güter, schenkte nachher selbst Güter zu Suppingen, Asch, Gerhausen, Winnenden etc. und mit seinem Sohne Friedrich die reiche Kirche zu Laichingen und eine Mühle in Ulm. Heinrich stiftete Hadenhülen, Berghülen, Hohenhülen, Tragenweiler (meist abgegangene Orte) und seinen Antheil an Rottenacker, Heudorf und Winnenden. Es ist bey den meisten dieser Schenkungen zu bemerken, daß wie gewöhnlich häufig bloße Theile eines Dorfs mit dem Namen des Ganzen bezeichnet wurden.
  10. Die Urkunden sind abgedruckt bey Besold, Doc. rediv. S. 909 ff.
  11. In der St. Peterskapelle an der Klosterkirche steht sein Grabmal; aber das Jahr seines Todes ist nicht darauf ausgedrückt, sondern dafür Raum gelassen, so daß es scheint, der Grabstein sey noch bey Lebzeiten des Abts gefertigt worden. Abt Christian hatte noch das Unglück, vor seinem Ende mit seinen 2 ältern Conventualen längere Zeit in der Gefangenschaft auf Hohen-Urach zu sitzen, weil er beschuldigt war, Gold, Silbergeschirr und Kleinodien aus dem Kloster weggeschafft zu haben.
  12. Zapf „Älteste Buchdrucker-Geschichte Schwabens.“ Ulm 1791. S. 263.
  13. Die ältesten Kirchen hatten gemeiniglich entweder die Jungfrau Maria oder den Täufer Johannes zum Schutzpatron. „Die Johanniskirchen sind fast immer die ältesten und ersten eines Landes, zur Zeit, wo man das Christenthum eingeführt. Sie wurden dem Johannes d. T. deßhalb gewidmet, weil darinnen binnen einem weiten Umfang alle Taufen verrichtet werden mußten zu drey bestimmten Zeiten des Jahres“ etc. Rede über die h. Schutzpatronen, von K. H. v. Lang. Nürnberg, 1829.
    WS: Die auf der nächsten Seite fortgesetzte Anmerkung wurde hier vervollständigt
  14. Papst Adrian IV. verbannte sie aus dem Kloster und verbot ihre Abhaltung in seinen Mauern durch eine Bulle vom J. 1159 unter Androhung des Bannfluchs. Eine Haupt-Veranlassung zu den Märkten haben vermuthlich die Wallfahrten gegeben.
  15. Die althergebrachte Steuer war vermuthlich die s. g. Herrensteuer, welche die Stadt unter diesem Namen auf den heutigeu Tag noch neben der allgemeinen Steuer bezahlt. S. S. 84.
  16. Sattler „Top. Gesch. IV.“ S. 65. 90. Ein Streit der Stadt mit dem Kloster über das Ernennungsrecht, wurde zu Gunsten der erstern entschieden.
  17. Sattler Herzoge III. Beyl. 26. S. 136.
  18. S. Beschr. des Oberamts Münsingen; Sulger Anal. Zwif. II. S. 261 Sattler Hz. VIII. S. 40.
  19. Sattler Gesch. v. Würt. Hz. V. S. 164; VII. S. 109, 212; VIII. S. 27, 40, 185-236; IX. S. 2.
  20. Die Alten hatten für die Abwendung solcher Noth durch den s. g. Stadtgraben gesorgt, der auf der westlichen Seite der Stadt, von dem obern Thore zu dem untern hinläuft; und wie die Einrichtungen beweisen, offenbar blos den Zweck hatten die Gebirgswasser darin von der Stadt in die Ach abzuleiten. Es scheint aber, daß diese zweckmäßige Anstalt in neuern Zeiten vernachläßigt werde.
  21. Ganz neuerlich wurden dem Bleiche-Inhaber nicht nur die bisherige Pachtwiese von 20 M., sondern auch noch weitere 28 M. nebst einem öden Waldboden von 28 M. von dem Staat um einen ermäßigten Preis käuflich überlassen.
  22. Bruschius Chronol. monast. f. 175.
  23. Der Herr Direktor von Raiser nimmt in seiner Schrift: Guntia, Augsburg 1823. S. 29 auch jenen Sigiboto, der in einer Urkunde der Stadt Augsburg vom J. 1056 erscheint, für einen von Ruck; da jedoch in der Urkunde nur von einem „Nobilis quidam Sigepoto“ die Rede ist, so lassen wir sein Geschlecht dahingestellt seyn. (Vergl. „Geschichte der Bischöfe von Augsburg,“ von Braun, 1r Bd. Augsburg, 1813.
  24. In persönlicher Beziehung können sie allerdings Grafen genannt werden; in Beziehung auf ihre Stammherrschaft Ruck aber waren sie unabhängige Dynasten.
  25. Stengel Comment. rer. Aug. Vind. VII. G. 34.
  26. Man vergl. die Beschreibung des Oberamts Riedlingen S. 218 f. Würtemb. Jahrb. 1826. S. 44 ff. S. 69 ff.
  27. Vergl. Arx Gesch. von St. Gallen, II. S. 540. Herrenberg bey Tübingen war bekanntlich ein alter Sitz der Pfalzgrafen.
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