Beschreibung des Oberamts Freudenstadt/Kapitel B 41

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Wörnersberg,
mit der Reesenmühle und der untern Sägmühle.
Gemeinde III. Kl., Dorf, mit 244 Einw. – Pfarrfilial von Grömbach.


Am nordöstlichen Ende des Oberamtsbezirks 5 Stunden nordöstlich von Freudenstadt liegt auf einem zwischen dem Zinsbach- und dem Dürrbach-Thälchen hinziehenden Flachrücken der freundliche, etwas weitläufig in die Länge gebaute Ort, dessen zum Theil sehr ansehnlichen Gebäude mit schönwüchsigen Obstbäumen umgeben sind. Beinahe in der Mitte des Orts steht an der Hauptstraße die sehr alte, übrigens unansehnliche Kirche (Kapelle), auf deren westlicher | Giebelseite ein hölzernes Thürmchen (Dachreiter) sitzt. Von den auf demselben hängenden 2 Glocken ist die größere im Jahr 1489, die kleinere 1485 gegossen worden. Das nichts sagende Innere der Kapelle bewahrt als seltenen Kunstschatz einen kleinen Altarschrank, der 4 aus Holz vortrefflich geschnittene Figuren, die Mutter Gottes mit dem Jesuskinde, den heil. Sebastian, den heil. Joseph und den heil. Georg enthält. Auf der Predella ist das Tuch der h. Veronica (Schweißtuch) sehr gut gemalt; die Thürflügel sind ruinirt. Die Kirche, welche früher eine eifrig besuchte Wallfahrtskapelle gewesen seyn soll, ist Eigenthum der Gemeinde, und von dieser im Bau zu unterhalten.

Das an der Hauptstraße stehende Schulhaus, welches auch die Wohnung des Lehrers und die Gelasse für den Gemeinderath enthält, wurde im Jahr 1842 neu erbaut.

Der Ort ist mit gutem Trinkwasser, das 7 Ziehbrunnen und ein laufender Brunnen liefern, hinreichend versehen; letzteren ließ Ankerwirth Jacob Friedrich Frei in den Jahren 1843/44 mit einem Kostenaufwand von 4000 fl. von der Grömbacher Markung herleiten. Das Abwasser desselben speist ein laufendes Brünnlein, auch genießen die Gemeindeeinwohner von Seiten des etc. Frei die wohlwollende Vergünstigung den Hauptbrunnen benützen zu dürfen, wodurch dem früher öfters eingetretenen Wassermangel begegnet ist. Eine Wette ist auf den Fall der Feuersgefahr angelegt.

Die im Allgemeinen kräftigen, wohlgewachsenen Einwohner sind fleißig, geordnet und haben viel kirchlichen Sinn; 2 Familien bekennen sich zu den sog. Neukirchlichen. Die Nahrungsquellen des Orts fließen neben einigem Feldbau und Viehzucht hauptsächlich aus dem Waldbesitz. Jeder Ortsbürger hat eigenen Wald, der bei einzelnen sehr beträchtlich ist; die Vermöglichen treiben Handel mit Holz und Schnittwaaren, besonders sind es die Holzhändler Burkhardt und Frei, welche denselben in’s Große ausdehnen. Im Allgemeinen sind die Verhältnisse der Einwohner befriedigend, indem auch die Minderbemittelten Gelegenheit finden, sich durch Arbeiten in den Waldungen und bei der Flößerei ihr Auskommen zu sichern. Der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt 60–70 Morgen, der mittlere 30–40 Morgen und der geringste 10–12 Morgen. Früher hatte die Gemeinde bedeutende Waldungen, welche seit etwa 30 Jahren an die Ortsbürger vertheilt sind.

Die verhältnißmäßig mittelgroße Markung bildet einen Bergrücken, der von den Thälern des Zinsbachs und des Dürrenbachs auf zwei Seiten begrenzt wird und bei der Vereinigung beider Thäler | in einer Spitze ausläuft. Die Hochebene des Rückens wird größtentheils für die Landwirthschaft benützt, die Abhänge sind mit Wald bestockt.

Der im Allgemeinen ziemlich fruchtbare, übrigens sehr düngerbedürftige Boden, besteht aus der Verwitterung des thonigen bunten Sandsteins, dem eine günstige Beimengung von Lehm zukommt. Das Klima ist bedeutend milder als bei Freudenstadt und die Obstzucht, welche sich mit Mostsorten, Zwetschgen und Kirschen beschäftigt, gewährt nicht selten einen erheblichen Ertrag; auch werden viele Nußbäume, die hier freudig gedeihen und guten Ertrag liefern, gepflegt. Die Getreideernte tritt um nur 8 Tage später ein als im Gäu; Gewitterschaden ist selten.

Bei dem Feldbau ist die Wechselwirtschaft die übliche; es kommen von Getreide hauptsächlich Roggen, Hafer und erst in neuerer Zeit Dinkel zum Anbau, überdieß werden Kartoffeln, Futterkräuter (dreibl. Klee), Riesenmöhren, Erbsen, viele Rüben, Hanf und Flachs gebaut; letzterer geräth gerne. An Aussaat rechnet man auf den Morgen 6 Simri Winterroggen, 4 Simri Sommerroggen, 6–8 Simri Hafer und 11 Simri Dinkel und erhält einen durchschnittlichen Ertrag von 21/2–3 Scheffel Roggen, 5–6 Scheffel Hafer und 6 Scheffel Dinkel pr. Morgen. Die früher höher gestandenen Preise eines Morgens Acker bewegen sich von 30–70 fl.; von den Wiesen kostet ein Morgen 400 fl. Das Getreideerzeugniß wird im Ort verbraucht und überdieß noch ziemlich viel Früchte von Außen gekauft. Die Wiesen sind sehr ergiebig und liegen mit wenigen Ausnahmen im Zinsbachthale, wo übrigens einzelne durch das Flößen zuweilen Schaden leiden; sie können durchgängig bewässert werden und liefern einen durchschnittlichen Ertrag von 35 Ctr. Heu und 16 Ctr. Öhmd pr. Mrg.

Der Rindviehstand (Landrace) ist im Verhältniß zu der Einwohnerzahl beträchtlich und wird durch einen Farren, den die Gemeinde einem Bürger in Verpflegung gibt, nachgezüchtet. Das Vieh wird auf die Herbstweide und junges Vieh in die Waldungen getrieben. Einiger Handel mit Vieh, wie etwas Viehmastung findet statt.

Die Schweinezucht hat ganz aufgehört, dagegen werden ziemlich viele Ferkel aufgekauft und für den eigenen Bedarf gemästet.

Vicinalstraßen führen nach dem 1/4 Stunde nordwestlich gelegenen Mutterorte, nach Altensteig, nach Edelweiler und nach Pfalzgrafenweiler, wo der Weg in die Stuttgart-Freudenstadter Landstraße einführt.

Zu der Gemeinde gehören 2 am Zinsbach gelegene Sägmühlen (die Reesenmühle und die untere Sägmühle); sie liefern viele | Schnittwaaren, die, wie auch das Lang- und Scheiterholz auf dem Zinsbach in die Nagold verflößt werden.

Die Gemeinde hat wenig Vermögen (s. hierüber die Tabelle III.)

Wörnersberg gehörte zur hohenbergischen Herrschaft Wildberg und die Herren von Neuneck trugen es von den Grafen von Hohenberg zu Lehen. Mit Wildberg kam die Oberlehensherrlichkeit 1364 an Kurpfalz (vgl. Reichsständ. Archiv. Urk. 1, 17), 1440 an Württemberg. Die Hälfte des Ortes brachte Sophie von Neuneck ihrem Gatten Rudolf von Ehingen zu; durch dessen Erbtochter kam sie an Hans Urban von Closen, von diesem 1614 an Württemberg. Die andere Hälfte erwarb Württemberg 1625 von Wildhans von Neuneck.

Antheil am hiesigen Zehnten hatte vor Zeiten das Frauenkloster zu Hallwangen, genannt Engelthal, das Priorat Kniebis und die Nicolauspflege in Dornstetten.


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