Beschreibung des Oberamts Gerabronn/Kapitel B 30

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30. Gemeinde Spielbach,
bestehend aus 9 Parcellen mit 722 Einwohnern.

Der Bezirk nimmt neben den anstoßenden Gemeinden Wildenthierbach, Schrotzberg und Leutzendorf die höchsten Punkte der Hochebene (zwischen 1600 und 1700 württ. Fuß) ein und gehört deßhalb zu den rauhesten Theilen des Oberamts. Die ganze Fläche zeigt lediglich keine Abwechslung, als die der Culturarten und der dem ganzen Plateau eigenen hier jedoch nur in geringen Schwingungen ausgeprägten Wellenform; Berge, Thäler und Gewässer fehlen gänzlich, außer daß im Herbst und Frühjahr der Abfluß der zu dieser Jahreszeit ergiebigeren Quellen bei Spielbach einen unbedeutenden Bach bildet, der sich am westlichen Ende des Dorfs in einen Erdfall verliert. An Brunnenquellen fehlt es dagegen in keinem Ort. Ihren Ablauf sowie das Schnee- und Regen-Wasser nehmen die überall vorhandenen durch die Klüfte des Kalkgebirges entstandenen Erdfälle auf. Bei Schöngras waren früher drei Seen; sie sind aber längst trocken gelegt und in Wiesen verwandelt. Der Boden gehört fast ohne Ausnahme der geringsten Klasse des Oberamts an, überdieß ist derselbe flachgründig und meist auf undurchlassendem Untergrund liegend. Hieraus erklärt sich die geringere Ertragsfähigkeit, als sie sich in den übrigen Theilen des Bezirks findet. Der Luftzug ist immer stark, meist aus Osten, die Luft selten mild. Nebel sind selten, Reif und Spätfröste dagegen häufig. Gewitter kommen höchst selten vor, und daß es je gehagelt habe, kann sich Niemand erinnern.

In den Orten Hummertsweiler und Enzenweiler ist die Rindviehweide noch nicht aufgehoben. In Spielbach, Unter-Eichenroth, Heiligenbronn, Ober-Eichenroth, Schöngras mit Seehöfle ist der größere Theil der Einwohner gering bemittelt. Der Bezirk grenzt mit Heiligenbronn und Enzenweiler an Bayern. Ober-Eichenroth und Schöngras mit Seehöfle gehören zur Pfarrei Leutzendorf; die übrigen Orte bilden die 2 Pfarrsprengel Spielbach und Heiligenbronn. Die Ortschaften sind sämmtlich weitläufig gebaut, die Wohnungen je mit einem Garten (einer Paindte) umgeben, die Häuser großentheils von gemauertem Fachwerk, selten von Stein erbaut, meist einstockig und manche derselben noch mit Stroh bedeckt. Man zählt 124 Haupt- und 111 Neben-Gebäude. Auf der Staatsdomäne Schöngras besitzt der Staat 6 Wohn- und Ökonomie-Gebäude. Handlohn (5 %) und Sterbfall (11/2 %) sind, so weit sie dem Staat zum Cameralamt Creglingen zustanden, im Jahr 1833/34 und 1836/37 (mit Ausnahme von Bovenzenweiler und Unter-Eichenroth) abgelöst worden. Die dem Staat| gehörige Jagd ist an die Gemeinden und Privaten verpachtet. In sämmtlichen Orten, Schöngras ausgenommen, sind Gemeinderechte. Das Vermögen der Gesammtgemeinde besteht aus 200 fl. verzinslichen Capitalien und 1170 fl. sonstigen Ausständen. Die Communkostensumlage beträgt 610 fl. Sämmtliche Orte des Gemeindebezirks gehörten bis 1802 zu Rothenburg (s. Brettheim und Leutzendorf) und bis 1810 zu Bayern. Nach allen in Betracht kommenden Umständen ist anzunehmen, daß mit Ausnahme von Böhmweiler, das zur Burg Linthal gehört hatte, in älterer Zeit alle übrigen Orte, wie Leutzendorf, zur Veste und dem Landgericht Rothenburg gehörten (s. Leutzendorf).

a. Spielbach, evang. Pfarrdorf mit 203 Einwohnern, vom Oberamtssitz über 5 St. entfernt liegt an der Nachbarschaftsstraße zwischen Niederstetten und Rothenburg und zwischen letzterer Stadt und Schrotzberg in einer kleinen Vertiefung. Die kleine Kirche mit ihrem spitzen Thurm, dann das Pfarr- und Schul-Haus liegen am östlichen Ende des weitläufig gebauten Dorfes, dessen Hauptmerkwürdigkeit die in großem Umfang betriebene Bierbrauerei von Krauß mit eigener Malzmühle ist. Vom Zehenten, von 1797 bis 1802 zum Steueramt Rothenburg gehörig, steht nun dem Staat der Neubruch-, der große und kleine Zehente vom größten Theil der Markung zu; von dem übrigen besonders versteinten Theil bezieht ihn aber die Pfarrei Tauberscheckenbach in Bayern, der auch einiger Heuzehenten zusteht. An dem Staatszehenten war früher das Stift Neumünster in Würzburg zu 2/3 und das Steueramt Rothenburg zu 1/3 betheiligt.

Zur Pfarrei und Schule Spielbach gehören Spielbach, Unter-Eichenroth und Bovenzenweiler, welche früher Bestandtheile der dem Stift Neumünster in Würzburg zuständig gewesenen Pfarrei Leutzenbronn waren, bis im Jahr 1504, nachdem ein Johannes Ruppert zur hiesigen Filialkirche eine eigene Pfründe gestiftet hatte, der Propst des Neumünsters mit Zustimmung des Bischofs die Trennung von Leutzenbronn und Bildung einer eigenen Pfarrei aus den genannten drei Orten gestattete, die sodann bis 1802 von der Reichsstadt Rothenburg besetzt wurde, weßhalb das Patronat nun der Krone gebührt. Die Kirche ist dem heil. Eucharius geweiht. Der Geistliche versieht zugleich die Pfarrei Heiligenbronn. Das Pfarrhaus in Spielbach ist daher beiden Pfarreien gemeinschaftlich. Da für Heiligenbronn der Staat, für Spielbach aber die Kirchenpflege, subsidiär die dortige Pfarrgemeinde, baupflichtig ist, so hat 1841 beim Neubau desselben diese 281/827 und der Staat 519/827 übernommen. Die Baupflicht am Schulhaus liegt der Schulgemeinde ob. Der Begräbnißplatz für die Pfarrgemeinde ist| der Kirchhof zu Spielbach. Das Vermögen der Kirchen- oder Stiftungs-Pflege besteht bloß in 195 fl. verzinslichen Capitalien.

b. Böhmweiler, früher Behm- oder Beben-weiler, mit 76 evang. Einwohnern, liegt 1/2 St. östlich von Spielbach. Zehentherr ist der Staat, zuvor war es das Stift Neumünster zu Würzburg.

Der Ort war früher Eingehörung der zur Herrschaft Brauneck gehörig gewesenen Burg Linthal (nun Lichtel), die 1399 vom Bisthum Würzburg, an das sie heimgefallen war, durch Kauf an Rothenburg, dann an Privaten und endlich 1462 nebst dem dazu gehörigen Gericht wieder an Rothenburg kam und von da an bei der Reichsstadt verblieb.

c. Bovenzenweiler, Weiler mit 45 evang. Einwohnern, 1 St. westlich von Spielbach, in ältern Zeiten Bonifaciusweiler, vom Volk aber Bonzenweiler genannt. Den Neubruchzehenten bezieht der Staat, der große und kleine Zehente aber gehört der Stadt Oehringen.

In den ältesten Zeiten war der Ort laut der Sage zu der uralten Bonifacius-Kirche in Oberstetten eingepfarrt, und nach den Centprotokollen in Niederstetten gehörte er zur dortigen Cent.

d. Enzenweiler, Weiler mit 44 evang. Einwohnern, 1 St. südlich von Spielbach, gehört zur Pfarrei Spielbach. Bis 1802 gehörte 1/3 des Zehentens nach Würzburg, 1/3 zum Steueramt Rothenburg und 1/3 Privaten. Nun bezieht der Staat den Neubruch- und großen Zehenten und ist am kleinen Zehenten mit 5/6, die Bürgerschaft aber mit 1/6 betheiligt.

e. Heiligenbronn, Pfarrweiler mit dem Keutelhof, 124 evang. Einwohner, östlich 3/8 St. von Spielbach gelegen ist seit 1810 mit Böhmweiler, Hummertsweiler, Enzenweiler, Reuthachsen und Schwarzenbrunn, beide Oberamts Mergentheim, zu einer eigenen Pfarrei mit der Kirche und Schule in Heiligenbronn vereinigt. Zuvor ehe sie 1810 von Bayern getrennt wurden, pfarrten diese Orte nach Leutzenbronn. Die Pfarrei wird jedoch nicht besetzt, sondern durch einen jeweiligen Pfarrer zu Spielbach versehen. Der Schullehrer wird vom König ernannt.

An der Kirche zum h. Sebastian ist die Stiftungspflege und an dem Schulhaus die Schulgemeinde baupflichtig. Das Vermögen der Stiftungspflege beträgt nur 243 fl. verzinsliche Capitalien. Der Begräbnißplatz für den Pfarrsprengel ist der hiesige Kirchhof. Der Zehente, früher nach Würzburg gehörig, steht nun dem Staat zu. Bis 1802 hatte der deutsche Orden hier 1 (vogteilichen) Unterthanen. Die hiesige Kirche wurde i. J. 1099 von Emhard, Bischof zu Würzburg, dem Kloster Amorbach überlassen. 1449| im Städtekrieg stießen 20 bewaffnete rothenburger Bürger, die von einem Beutezug von Herrenzimmern heimkehrten, auf eine markgräfliche Schaar. Sie flüchteten sich in die Kirche von Heiligenbronn und wehrten sich tapfer. Da zündeten die Feinde die Kirche an und fingen die, welche vom Chor herabsprangen, mit den Schwertern auf. Sie kamen sämmtlich um.

f. Hummertsweiler, Weiler mit 35 evang. Einwohnern, 1/2 St. östlich von Spielbach gehört zur Pfarrei Heiligenbronn. Der Zehenten wie zuvor.

g. Ober-Eichenroth, früher auch Euchariusroth, Weiler mit 72 evang. Einwohnern, zur Pfarrei Leutzendorf gehörig, 7/8 St. südlich von Spielbach war früher theilweise hohenlohesch bis im Jahr 1605 Austauschung an Rothenburg stattfand. Zehenten wie zuvor. 1525 wurde der Ort durch Adam von Thüngen und Genossen ausgeplündert.

h. Schöngras mit Seehöfle oder Fischhaus, Weiler mit 17 evang. Einwohnern, 3/4 St. südlich von Spielbach gehört zur Pfarrei Leutzendorf. Die ganze Markung mit den vorhandenen Maiereigebäuden und der Wohnung eines Forstwarts ist seit dem Jahr 1838 eine Staatsdomäne. Die dazu gehörigen auf 18 Jahre verpachteten Grundstücke belaufen sich auf 228 Morgen und sind zehentfrei.

Der Ort, früher Schöngros geschrieben, gehörte bis vor etwa 30 Jahren dem Hospital Rothenburg, von da aber bis 1838 einem Privaten in Weikersheim. 1399 übergaben Hans von Schöngros und Catharine, seine eheliche Wirthin, ihren Antheil an Schöngros an den Hospital zu Rothenburg für Leibgeding.

i. Unter-Eichenroth, Weiler mit 87 evang. Einwohnern, 1/2 St. südlich von Spielbach. Vom großen und kleinen Zehenten bezieht der Staat 1/3 und die Herren von Eyb zu Dörzbach 2/3. 1525 Mittwoch nach Exaudi wurde der Ort durch Adam von Thüngen und Genossen ausgeplündert.


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