Beschreibung des Oberamts Herrenberg/Kapitel B 13

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Mönchberg,


Gemeinde III. Klasse, Dorf mit 465 Einw., wor. 2 Kath. Pfarrfilial von Kayh; die Kath. sind nach Altingen eingepfarrt.
Der 1/8 Stunde nördlich vom Mutterort – und 1 Stunde südöstlich von der Oberamtsstadt – gelegene Ort, besteht aus| zwei Theilen, aus dem eigentlichen Mönchberg und aus dem ehemaligen Benzingen und Bronn. Der erstere Theil hat eine hohe, äußerst freundliche Lage auf einem schmalen Vorsprung der Schönbuchsterrasse, von dem man eine ausgezeichnet schöne Aussicht über das Gäu und an einen großen Theil des Steilabfalls der Alp genießt. Am westlichen Ende der Häusergruppe, welche aus meist kleinen, etwas armselig aussehenden Wohnungen besteht, liegt auf der äußersten Spitze des Vorsprungs die 1748 in einem ganz einfachen Styl erbaute Kirche. Sie bildet im Verein mit dem von der früheren Kirche noch stehen gebliebenen, vereinzelten Thurm und einer schönwüchsigen, kräftigen Linde eine sehr malerische, der ganzen Umgegend zur Zierde gereichende Partie. Hier stand früher ein Mönchshaus (siehe unten), nebst Kirchlein[1], Öconomiegebäuden und einem Meßnerhaus, das später einem Forstknecht zur Wohnung diente; sämmtliche Gebäude waren mit einer namhaften Mauer umfaßt und wurden 1748 mit Ausnahme dieser und des Thurms von der früheren Kirche abgebrochen und an ihre Stelle die Kirche auf Kosten des Kirchenguts erbaut, wozu jedoch die Gemeinde die Frohnen hergab und einen Geldbeitrag leistete; unter der Kirche befindet sich gegenwärtig noch ein großer Keller (sog. Kapuziner-Keller). Der frühere Klosterhof dient nun als Begräbnißplatz. Der 15 Fuß von der Kirche nördlich stehende viereckige Thurm ist sehr alt und stammt noch aus der früh romanischen Periode; er ist in seinen untern Theilen massiv und hat schräge eingehende, rundbogige Fensterchen; an der östlichen Seite desselben befindet sich ein halbrunder Chorschluß, Absis, da früher das unterste Stockwerk des Thurms als Chor der ehemaligen, an die Westseite angebauten Kirche diente. In seinen oberen, in neuerer Zeit aufgebauten Theilen, besteht er aus Holz und ist von einem einfachen Zeltdach gedeckt. Die beiden Glocken wurden 1736 und 1784 gegossen. Das Innere des untern Stockwerks zeigt noch Reste von ehemaligen Wandmalereien, auch befindet sich in demselben eine viereckige Wandnische, welche die Stelle des Sacramenthäuschens vertrat. Der Thurm gehört der Gemeinde, die Kirche hingegen hat die K. Hofdomänenkammer zu erhalten. In der Ortschronik von Gültstein, wo das ehemalige Mönchsklösterlein auf dem Mönchsberg näher beschrieben ist, wird unter Anderem angeführt, daß der Klostersaal mit biblischen Historien bemalt und die Jahrszahl 1532 angeschrieben gewesen sei. Die| Zahl gibt ohne Zweifel das Jahr an, in welchem die Gemälde gefertigt wurden; aus der gleichen Periode werden auch die Wandmalereien im Thurme stammen.

Die im östlichen Theil des Orts gelegene Schule ist ein unansehnliches Gebäude, in welchem sich auch der 1851 errichtete Gemeinde-Backofen befindet; der Schullehrer wohnt in einem abgesonderten, der Gemeinde gehörigen Hause unfern der Kirche. Neben der Volksschule besteht auch eine seit 1852 errichtete Nähschule.

Auf dem Mönchberg befindet sich kein Brunnen, die Einwohner müssen daher ihr Wasser in dem unteren Theile des Dorfes (Benzingen und Bronn), das Kochwasser aber beinahe 1/4 Stunde östlich vom Dorfe am Abhange des Schönbuchs holen; in der Nähe der Kirche ist eine Wette angelegt, die übrigens bei anhaltend heißer Witterung eintrocknet.

Der untere Theil des Dorfes, das ehemalige Benzingen und Bronn, liegt in einer Entfernung von einigen hundert Schritten theils am Fuß, theils am Abhang des Mönchbergs; derselbe besteht ebenfalls aus meist unansehnlichen Gebäuden, und enthält das vor etwa 30 Jahren erbaute Rathhaus.

Mit Wasser ist dieser Ortstheil hinreichend versehen, indem sich hier zwei stark laufende Brunnen befinden, die das ganze Jahr hindurch gleichmäßig fließen; die Quelle des einen entspringt im Keller des Gemeinderaths Barth, wo sie, aus einer Felsenspalte hervordrängend, interessante Sinterbildungen ansetzt. Nach ganz kurzem Lauf speist sie den Brunnen, dessen Ablauf eine Wette füllt, an der das Gemeindewaschhaus steht. Die andere Quelle entspringt unweit der ersten und speist den zweiten Brunnen. Beide Brunnen sind sehr gipshaltig, auch soll der erste Salztheile führen, daher er der Salzbrunnen und sein Abfluß der Salzgraben genannt wird; es muß daher für den unteren Dorftheil das Kochwasser in ziemlicher Entfernung östlich vom Ort geholt werden, wo es zuweilen auch ausgeht, so daß man zu den Brunnen in dem 1/2 Stunde westlich vom Ort gelegenen Gültstein seine Zuflucht zu nehmen genöthigt ist.

Die Einwohner sind minder ansehnlich, blaß und nicht so kräftig gebaut, wie die Bewohner des Gäus; Halbkretine und Kropftragende waren früher nicht selten; eine Erscheinung, die ohne Zweifel in dem gipsführenden Wasser, verbunden mit schwerer Arbeit und schlechter Nahrung, ihren Grund hat; übrigens zeigen sie viel Gutmüthigkeit, Fleiß und Sparsamkeit. Ihre Vermögensumstände sind, mit Ausnahme einiger Vermöglichen, im Allgemeinen gering und| ihre Haupterwerbsquellen bestehen in Ackerbau, etwas Viehzucht, besonders aber in Obstbau, der, wie in dem Mutterort Kayh, sehr fleißig betrieben wird; der Handel mit Obst gewährt mancher Familie Unterhalt. Die ärmeren Einwohner nähren sich kümmerlich durch Handel mit Gips und Taglohnarbeiten. Der begütertste Einwohner ist im Besitz von 25 Morgen.

Die Markung, gegen Westen, Norden und Osten an die Markung Gültstein und gegen Süden an die Markung Kayh grenzend, ist die kleinste im Bezirk, und für den Bedarf der Gemeindeangehörigen unzureichend, daher diese sich auf der Markung Gültstein angekauft haben, wo sie gegen 600 Morgen Felder besitzen.

Die klimatischen und Bodenverhältnisse, und bedingt durch diese, auch die landwirthschaftlichen, sind dieselben, wie in dem nahe gelegenen Mutterort Kayh (siehe die Ortsbeschreibung von Kayh).

Von den gewonnenen Früchten wird ein Theil nach Außen, besonders nach Tübingen, verkauft. Der höchste Preis eines Morgens Acker beträgt 300 fl., der mittlere 150 fl. und der geringste 100 fl.

Von den Wiesen, welche im Durchschnitt ein sehr gutes Futter erzeugen, können etwa 10 Morgen bewässert werden. Ihre Preise bewegen sich von 100–350 fl. per Morgen.

Der Weinbau ist schon längst abgegangen; eine Kelter stand bei dem ehemaligen Mönchhaus, zu dem sie gehörte.

Die Gemeinde besitzt 236 Morgen Waldungen, welche, mit Ausnahme von einigen jüngeren Nadelholzkulturen, im 40jährigen Umtriebe bewirthschaftet werden und einen jährlichen Ertrag von 50 Klaftern und 1500 Stück Wellen abwerfen. Hievon erhält jeder Bürger jährlich 1/2 Klafter und 15 Stück Wellen; der Rest wird um 100–120 fl. verkauft.

Etwa 20 Morgen Weiden werden nebst der Brach- und Stoppelweide zur Schäferei um 175 fl. jährlich verpachtet.

Die Rindviehzucht, welche verhältnißmäßig der im Mutterort gleich steht, wird durch zwei tüchtige Landfarren, die ein Ortsbürger im Namen der Gemeinde um 80 fl. jährlich hält, nachgezüchtet.

Von Gewerben sind drei durch Pferde getriebene Gipsmühlen, zwei Schildwirthschaften und ein Krämer zu erwähnen.

Durch eine Vicinalstraße, welche auf die 1/8 Stunde westlich vom Ort vorbeiführende Herrenberg-Tübinger Landstraße führt, ist Mönchberg mit der Umgegend in Verbindung gesetzt.

Auf der Markung befinden sich sechs Gipsgruben und östlich vom Ort, am Saume des Waldes, ein grobkörniger, weißer Keupersandsteinbruch, der Stubensand und gute Bausteine liefert.

| Das Kapitalvermögen der Gemeindepflege beträgt 1200 fl. und das der Stiftungspflege 1000 fl. (Tab. III.); unter der letztern Summe befinden sich Armenstiftungen, deren Zinse im Betrag von 18–20 fl. jährlich unter die unbemittelten Einwohner vertheilt werden. Im Jahr 1854 erhielt die Gemeinde von der Joh. David Schuler’schen Stiftung in Heilbronn zur Unterstützung kranker Armen ein Kapital von 500 fl.

Die Grundlasten verhalten sich wie bei der Gemeinde Kayh. Mönchberg war früher Filial von Gültstein und wurde erst im Jahre 1833 kirchlich der Gemeinde Kayh zugetheilt; deren Pfarrer nun alle gottesdienstlichen Verrichtungen in Mönchberg zu versehen und alle Sonn- und Feiertage daselbst zu predigen hat.

Der Ort war früher pfalzgräflich tübingisch; als Gumpolt von Gültlingen im Jahre 1361 hiesige Weinberge erkaufte, stellte er den Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen den Scheerer am 4. April in Betreff der Vogtrechte sicher (Schmid Urk. 173). Mit Herrenberg kam er am 10. Febr. 1382 an Württemberg (Schmid Urk. 193).

Den Namen Mönchberg führt er von einer Colonie des Klosters Hirschau, welches viele Güter und Einkünfte, auch zwei Keltern hier hatte; in kirchenräthlichen Zeiten gehörte er in die Kloster Hirschauer Pflege zu Gültstein; ursprünglich war in Mönchberg selbst eine Pflege des genannten Klosters.



  1. 1491, Merz 1. Vicarius Constantiensis plebano in Gilstein concedit facultatem capellam in Mönchberg de novo construendi (St.A.).


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