Beschreibung des Oberamts Leonberg/Kapitel A 4

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IV. Wohnorte.
1. Orte.
A. Zahl, Gattung und Areal.

Der Bezirk zählt im Ganzen 63 Wohnplätze, nämlich 3 Städte, 24 Pfarrdörfer, worunter 7 mit Marktrecht, 2 Weiler, 7 Höfe und Schloßgüter, 27 Mühlen und andere einzelne Wohnsitze. — Der Flächenraum, welchen sämmtliche Gebäude und Hofstätten einnehmen, beträgt 4102/8 M. 7,2 R.

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B. Lage, Größe und Beschaffenheit.

Auf dem weitgedehnten fruchtreichen Flachlande in Nordosten und in der Mitte des Bezirks sind die Ortschaften: Heimerdingen, Hemmingen, Hirschlanden, Münchingen, Schökingen, Kornthal, Weil dem D., Bergheim (Hof), Gerlingen, Gebersheim und Rutesheim ausgebreitet. In dem Glems-Thale, welches dieses Flachland durchzieht, liegen die Orte Eltingen und Ditzingen; Leonberg und Höfingen haben ihre Lage theilweise an den Abhängen gegen das Glems-Thal. Im westlichen Theile des Bezirks, im Gebiet des Muschelkalks, liegen die Orte mehr in den Thälern, namentlich Weil der Stadt, Merklingen und Hausen im Würmthale; in Seitenthälern des letzteren: Münklingen, Malmsheim, Renningen und Heimsheim. Im Strudelbach-Thal liegt Flacht und im Thale des Grenzbachs Mönsheim. Die übrigen Orte im Westen des Bezirks, namentlich: Wimsheim, Friolzheim, Berghof und Perouse haben eine hohe Lage. Auf den Ausläufern des Schönbuchs im südöstlichen Theil des Bezirks liegen die Solitude und der Rappenhof; in den Thälern dieses Höhenzugs Warmbronn und Seehaus. Die Lage der Wohnorte ist meist gesund und mit wenigen Ausnahmen angenehm. Der höchstgelegene Wohnplatz ist der Berghof bei Merklingen und der tiefst gelegene die Hag-Mühle bei Hemmingen. Von den Dörfern liegt Perouse am höchsten und Ditzingen am tiefsten. Die größten Dörfer sind Renningen, Eltingen und Gerlingen, die kleinsten Hirschlanden und Hausen an der Würm. Die Orte sind in geschlossenen Räumen zum Theil etwas eng gebaut, übrigens im Allgemeinen ziemlich gut aussehend und mit meist reinlichen Ortsstraßen versehen. Das schönste Dorf ist Rutesheim, welches 1837 zu 2/3 abbrannte und hierauf ganz regelmäßig erbaut und mit breiten, gekandelten Straßen versehen wurde.


2. Gebäude.
A. Anzahl und Gattung.

Das Oberamt hat nach dem neuesten Kataster:

Haupt- und Wohngebäude   4361
Nebengebäude 3514
7875

worunter für öffentliche Zwecke 188, namentlich 32 Kirchen und Kapellen, und 52 Rath- und Schulhäuser. Auf ein Wohnhaus kommen im Durchschnitt 6,8 Menschen, (s. Tabelle I.)


B. Bauart und Material.
Die Bauart ist im Allgemeinen die gewöhnliche ländliche der altwürttembergischen unterländischen Ortschaften; nur Leonberg, Weil d. | Stadt und einzelne Dörfer haben in neuerer Zeit auch ansehnlichere, mehr im städtischen Styl erbaute Gebäude erhalten. Ganz steinerne Gebäude sind, die Kirchen ausgenommen, auf dem Lande beinahe keine vorhanden, dagegen trifft man nicht selten steinerne Unterstöcke, welche in der östlichen Hälfte des Bezirks entweder aus grobkörnigem Keupersandstein, oder aus Keuperwerkstein, zuweilen auch aus Lettenkohlensandstein aufgeführt sind, während sie in dem westlichen Theil aus buntem Sandstein, oder aus Muschelkalk und Muschelkalk-Dolomit bestehen. Die übrigen Stockwerke sind aus Holz und zwar vorherrschend aus Nadelholz gebaut. Die Bedachung besteht aus Ziegelplatten, welche die Hohlziegel immer mehr verdrängen; letztere sieht man nur noch auf älteren Häusern. Die Gebäude sind meist zweistöckig und die Stallungen in der Regel im untern Stock oder im Erdgeschoß der Wohnhäuser. Nur wohlhabendere Bauern besitzen gewöhnlich abgesonderte Stallungen und Scheunen, hauptsächlich ist dies der Fall in Rutesheim, wo bei dem Neubau des Orts die Scheunen abgesondert von den Wohngebäuden gestellt wurden. Als Gebäude von architektonischem Werth sind zu nennen: die Kirchen zu Leonberg, Weil d. St. und Eltingen, das Schloß Solitude und das wegen seines hohen Alters interessante Steinhaus (Schleglerschloß) zu Heimsheim. (Siehe die Ortsbeschreibungen.)


C. Werth und Eigenthums-Verhältniß.

Der Werth an Gebäuden beträgt und zwar

a. die steuerbaren nach dem Gebäude-Steuer-Cataster [1] 3.824.775 fl.
b. der versicherten nach dem Brand-Versicherungs-Anschlag 5.912.425 fl.
es beläuft sich hienach der durchschnittliche Werth eines Gebäudes:
nach dem Anschlag für die Gebäude-Steuer auf
485 fl. 41 kr.
nach dem Brand-Versicherungs-Anschlag auf 750 fl. 47 kr.

Von den im Bezirk vorhandenen Gebäuden sind 82 Eigenthum des des Staats, 181 der Körperschaften und 7612 der Privaten.


  1. In Folge des Gesetzes vom 18. Juni 1849 erhält das Cataster Zuwachs durch die bisher steuerfreien-adeligen Schlösser u. s. w.
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