Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 33

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33. Pfitzingen,
Evang. Pfarrdorf III. Klasse, mit 284 Einw., darunter 2 Kath., die nach Niederstetten eingepfarrt sind.


Der schön und freundlich aussehende sehr wohlhabende Ort liegt in Obstbäumen auf der Höhe zwischen dem Aspach- und dem Vorbach-Thal, da wo ein kleines Thälchen sich westlich gegen das Aspach-Thal zu neigen beginnt, und war früher mit Graben und einer Mauer umgeben, wovon noch Reste vorhanden sind; daran standen zwei Thorthürme, das obere und das untere Thor. Die wohlgebauten Häuser sind z. Th. von Stein und haben neben sich große steinerne Scheunen; an dem stattlichen alterthümlichen Wirthshaus zur Krone führt eine steinerne Doppeltreppe, mit der Jahreszahl 1774, hinauf. Gegenüber das „alte Schlößchen“, ein ehemaliges Jagdschlößchen, schön mit Epheu bewachsen, und mit einem großen ummauerten Bauernhofe verbunden; ein Vorbau des Gebäudes zeigt noch steinerne Renaissancefenster.

Die Kirche wurde in den Jahren 1857 und 1858 massiv aus Sandsteinen im romanischen Stil auf Staatskosten neu erbaut durch Bauinspektor Pflüger in Hall. Dieselbe hat eine kleine Vorhalle, und in der Lünette des Haupteingangs die Inschrift: Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth. Psalm 83. 2. Erbaut 1857.

Das Innere bildet einen weiten lichten, durch die Emporen dreischiffigen Raum.

Der Thurm, ein alter Ostthurm, ist unten herauf noch alt, hat oben neue romanisirende Schallfenster und endigt in ein achtseitiges, mit Schiefer bedecktes Zeltdach, an seiner Nordseite steigt ein steinernes Wendeltreppenthürmchen hinauf. Von den drei Glocken hat die größte die Umschrift:

Osanna heis ich.
in gottes er leut ich.
bernhart lachaman gos mich
 1515.

Auf der zweiten mit gothischem Lilienfries umzogenen, steht:

Aus dem feuer ich flos.
christof glockengiesser zu norinberg mich gos
anno 1599.
| Die dritte Glocke hat die gleiche Verzierung und Umschrift, nur fehlt die Jahreszahl, wie die zweite, und wurde ohne Zweifel gleichzeitig mit ihr gegossen.

Die Kirche besitzt einen alten Abendmahlskelch von Silber und vergoldet, der, wahrscheinlich am Tage der Schlacht von Herbsthausen vergraben, später wieder aufgefunden wurde. – In der 1857 abgebrochenen alten Kirche fanden sich noch um den Altar einige Gräber mit darauf liegenden Grabplatten, in denen man außer den Gerippen nichts fand. Auf einer dieser Grabplatten stand die Jahreszahl MCCC . . . und nach einer in dem 1857 abgebrochenen Altar gefundenen, aus der Zeit der Reformation stammenden Urkunde (jetzt auf dem Rathhaus) wurde die 1258 erbaute Kirche an Mariä Geburt dem h. Bonifacius geweiht. Diese Grabplatten, die leider damals entfernt wurden, gehörten ohne Zweifel dem Ortsadel (s. u.) an. Die Burg der Herrn von Pfitzingen scheint bei der Kirche gestanden zu sein, in deren Nähe man beim Graben häufig auf Spuren von Gebäulichkeiten stößt. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Stiftung, in zweiter Linie auf der Kirchengemeinde.

Der Friedhof wurde in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts außerhalb des Ortes angelegt, das Pfarrhaus 1840/41 erbaut, seine Unterhaltungspflicht hat die Stiftung, die subsidiäre der Staat und die Kirchengemeinde je zur Hälfte.

Das Schulhaus, auch für Herrenzimmern, wurde 1824 erbaut und enthält auch die Wohnung des Schulmeisters. Außer der Volksschule besteht noch eine Fortbildungsschule für die Sonntagsschüler.

Als Rathhaus wird ein gemiethetes, sonst nicht bewohntes Lokal benützt. Armenhaus besteht keines, weil keine Arme im Orte sind.

Gutes Trinkwasser liefern 2 laufende und 32 Pumpbrunnen; in trockenen Sommern entsteht zuweilen Wassermangel; es befindet sich aber in der Nähe des Orts eine Quelle, die nie versiegt. – Ein Feuersee ist angelegt worden. Der Abfluß der Brunnen bildet einen kleinen Bach, der bei Herrenzimmern in den Aspach fließt.

Durch den Ort führen die Vicinalstraße von Niederstetten nach Mergentheim (über Herrenzimmern) und die von Weikersheim nach Adolzhausen, weitere nach Vorbachzimmern und Laudenbach. Ein Bruch mit guten Sandsteinen besteht.

| Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind durchaus günstig; der größte Grundbesitzer hat 112, der Mittelmann 50, die ärmere Klasse 12–14 Morgen Feld; auf angrenzenden Markungen haben die hiesigen Bürger etwa 200 Morgen Güter. – Hohenlohe-Bartenstein besitzt auf der Markung 68 Morgen Feld und 27 Morgen Wald; Hohenlohe-Jagstberg gegen 70 Morgen Feld.

Die Haupterwerbsquellen bestehen gleichmäßig in Feldbau, Viehzucht und Weinbau. Zwei Schildwirthschaften und die gewöhnlichen Handwerker sind im Ort.

Der Boden ist fruchtbar, meist seichtgründig, aber nicht steinig oder sumpfig; das Klima mehr mild als rauh.

Die Landwirthschaft ist in gutem Zustand und wird mit großem Eifer betrieben; verbesserte Ackergeräthe sind allgemein, die Düngerstätten zweckmäßig angelegt. Man baut von Getreidefrüchten vorherrschend Roggen und Gerste und kann 500 Centner Dinkel, 1500 Ctr. Gerste, 600 Ctr. Haber und 800 Ctr. Roggen nach außen zum Verkauf bringen.

Der Futterkräuterbau ist von Bedeutung, besonders mit Klee und Esparsette; der Wiesenbau nicht ausgedehnt, aber das Futter gut; die Wiesen sind zweimähdig, etwa 24 Morgen können bewässert werden.

Der Weinbau ist ziemlich bedeutend, die meisten Weinberge jedoch liegen auf der Markung von Vorbachzimmern (s. d.).

Die Obstzucht kommt allmälig in bessere Aufnahme; man zieht Luiken und Bratbirnen vor, von Steinobst pflegt man Pflaumen und Zwetschgen. Ein Baumwart ist aufgestellt. Die Jungstämme werden von Vorbachzimmern und besonders von Amlishagen bezogen.

Die Gemeinde besitzt nur 25 Morgen Wald, während Private 225 Morgen besitzen. – Aus dem Wald bezieht die Gemeinde jährlich 80 M., aus 14 Morgen Weide, Allmanden und der Brach- und Stoppelweide 1080 M., aus der Pferchnutzung 1300 M.

Die größeren Güterbesitzer halten Pferde; die Rindviehzucht, hauptsächlich Neckarschlag, wovon auch ein Farren aufgestellt ist, steht in Blüthe, ebenso der Handel mit gemästetem Vieh.

Die Schäferei gehört der Gemeinde und ist an einen fremden Schäfer verpachtet, welcher im Sommer 400, im Winter 200 Bastardschafe auf der Markung laufen läßt.

| Das Vermögen der aus kleinen Stiftungen zusammengekommenen kirchlichen Stiftung beträgt 1580 Gulden, reicht aber nicht aus.

Der Ort soll früher größer gewesen sein, das „Hofstättle“, drei Gärten umfassend, war früher mit Gebäuden versehen und gehörte wahrscheinlich zur alten Burg. Bei Grabarbeiten stößt man vielfach auf Mauerreste und Gebäudeschutt. Über die Markung führte die sog. Kaiserstraße nach Mergentheim und weiter nach Frankfurt, jetzt ein geringer Feldweg. – Der Sage nach stand ferner in einem jetzt ausgestockten Walde der Schillinger Thurm, gegen Niederstetten zu, am Fußweg auf der Markungsgrenze, von welchem aber nur noch einige Steinhaufen vorhanden waren, die jetzt auch verschwunden sind. Dabei wurden zahlreiche mittelalterliche Münzen gefunden. – Ein Kapuziner soll in den Gängen der früheren Burg umgehen.


Pfitzingen, alt Pfuciche, Pfussech, wohl von althochdeutschem phuzi = Brunnen (puteus) und der Ableitungssilbe ah, ech, ich,[1] hat im zwölften Jahrhundert eigenen Adel, welchen H. Bauer (Württ. Jahrb. 1847. II, 140 f. W. F. 8, 873.) für eine Nebenlinie, wenn nicht den Grundstamm der ältesten Hohenlohe, der Herren von Weikersheim, hält. Nach dem Aussterben dieses Ortsadels (oder Herabsinken in den Bürgerstand? vgl. die Pfitzinger in Rothenburg unten 1372. 1379. 1490.) fällt der Ort an die Hohenlohe, welche damit die von Finsterlohe (1372. 1379. 1490. 1494. 1499.) belehnen, während einzelne Güter an die v. Gabelstein (1321) den Deutschorden (1321) die Hornburg und Pfitzinger (1372. 1379. 1490.) u. A. kommen. Seit dem 15. Jahrhundert bildete Pfitzingen mit Herrenzimmern und Rüsselhausen ein Hohenlohisches „Ämtlein“, welches 1728 mit dem Amt Bartenstein vereinigt wurde.

Pfarrer: Nikolaus Burkhardi 1477. Nik. Wernher 1495. Ewald Reuß (Reg. 1518–26.) Seb. Stoll 1556. M. Thom. Otto v. Gönningen 1581. M. Franz Jak. Moser v. Tübingen 1595. N. Stiefenberger „ein vortrefflicher Astrologus“ 1618. Kasp. Hermann 1646. M. Ulr. Hursich v. Lindau 1650. M. Mich. | Flemmig 1680. Phil. Gottf. Harder 1708. Joh. Fried. Seeger 1709. M. Joh. Phil. Moser 1714. Wilh. Mart. Gebhard 1747. ... Andr. Fried. Dorsch 1791. Dan. Konr. Schnell 1818. Joh. Fried. Aug. Theod. Krauß 1831.

1103. Bei einer Schenkung Diemars v. Röttingen an das Kloster Hirschau sind Zeugen Gundelo de Pfussech und seine Söhne Bernger und Konrad. Cod. hirs. 45.

Anfang des 12. Jahrh. Konrad v. Pfuciche Zeuge in einer Kloster Komburger Urk. U.B. 1, 405.

1155. Konrad v. Puzecke Zeuge in einer Würzburg-Kloster Lochgarter Urk. U.B. 2, 94.

1163. Derselbe Zeuge in einer Würzburg-Kloster Schönthaler Urk. U.B. 2, 146.

1169. 1181. 1183. 1184. Adelbertus, Albertus de Phuzeche, clericus, Zeuge in Würzburger Urkunden. Mon. bo. 37, 91. 116. 123. 129.

c. 1170. Conradus de Pfuzecke im Anniversarbuch des Klosters Schönthal. Wib. 4, 27.

1171. Adelbert v. Pfuzicha Zeuge in einer Würzburg-Kloster Schönthaler Urk. U.B. 2, 161.

1258. Mariä Geburt. Die dem hl. Bonifazius gewidmete Kirche wird eingeweiht (Orig. in Pfitzingen.)

1321. Zürch v. Gabelstein und seine Ehefrau Mya verkaufen ihre Äcker in der Mark Pfützig, zu Breitenfelden gelegen, für 41/2 Pfd. an DO. in Mergentheim. W. F. 4, 196.

1360 s. Weikersheim.

1372. Hohenlohische Lehensträger in Pfitzingen sind: Beringer und Götz v. Finsterlohe, Seyfried Hornburg und Diether Pfützinger. Wib. 4, 108.

1379. Götz v. Finsterlohe kauft von Hans Pfitzinger, Bürger zu Rothenburg, den Bauhof zu Pfitzingen nebst 7 Morgen Holz bei Schönthal um 540 Pfd. Hllr. Biedermann, Altmühl 247.

1403 s. Weikersheim.

1411. Albrecht v. Hohenlohe schenkt der Frühmesse in Markelsheim für einen Jahrstag in der Pfarrkirche daselbst einen Hof zu Pfützig in dem Dorfe gelegen. Wib. 3, 77.

1455. Graf Albrecht v. Hohenlohe vertauscht seine Güter und Gilten in Pfitzingen an Deutschorden. St.A.

1490. Peter v. Finsterlohe erhält zu Mannlehen: Pfitzingen das Dorf und die Vogtei, ausgenommen 2 Höfe, die ehedem der Pfützinger gewesen sind, und 3 Gütlein, welche des jungen Albrechts v. Finsterlohe sind, welche Höfe und Gütlein nicht Lehen sind. (B.)

1494. Peter v. Finsterlohe weist, mit Einwilligung des Lehensherrn, Grafen Kraft v. Hohenlohe, seine Tochter Elisabeth mit 400 fl. Heiratsgut auf sein Dorf Pfützingen an. (B.)

1495. Der Pfarrer von Pfitzingen, Nicolaus Wernher, erhält von Graf Kraft v. Hohenlohe die Ermächtigung, seine Stelle mit Friedrich Froben, des Bischofs v. Würzburg Kaplan, zu vertauschen. Wib. 1, 174.

1499. Peter v. Finsterlohe hat 2 Höfe in Pfitzingen,

| 1504 das Dorf Pfitzingen zu Lehen. (B.)

1517. Weiprecht v. Finsterlohe verkauft das Dorf Pfitzingen an den Grafen Georg v. Hohenlohe.

1517. Die Grafen Albrecht und Georg v. Hohenlohe versprechen ihrem Amtmann zu Weikersheim, Hans v. Züllenhard, die Pfarrei Pfitzingen für einen seiner Söhne. Wib. 1, 174.

1518-1526. Ewald Reuß v. Laudenbach, Pfarrer in Pfitzingen, zieht mit Erlaubnis des Grafen Albrecht v. Hohenlohe noch 3 Jahre, während welcher Zeit er einen Vikar stellen soll, auf eine Universität (Wittenberg?) Als er aber hernach bei seiner Wiederkehr das Salve regina und andere Gesänge sammt der Messe abthat, auch sich in den Ehestand begab, wurde er verhaftet und in Bartenstein gefangen gehalten, bald aber wieder freigelassen, gegen das Versprechen, sich nicht zu rächen, auf die Pfarrei zu verzichten und sie, wenn allgemein den Priestern die Verehlichung gestattet würde, wieder anzutreten. Er wurde später Pfarrer in Vorbachzimmern. Wib. 1, 298.

1550. Die den Einsturz drohende Kirche wird renovirt. (Mitth. von Hrn. Pfarrer Krauß.)


  1. Anders Bacmeister Alem. Wand. 30: „Das ph erscheint undeutsch; liegt ein fremdes Pusiâcum zu Grunde? Keltische Personennamen sind Pusinna, Pusinnio etc. Alles in allem ist Pfitzingen wohl genau das gleiche Wort wie Fussach im Vorarlberg, das seiner Lage nach recht wohl ein kelto-römisches Pusâcum gewesen sein könnte.“
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