Beschreibung des Oberamts Ravensburg/Kapitel B 19

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19. Gemeinde Zogenweiler,
bestehend aus 23 Parzellen mit 575 kathol. Einwohnern. Der Gemeindebezirk liegt nordwestlich von R., größtentheils sehr hoch über den Quellen der Ettishofer Ach. Die Hoheit, d. h. Niederger. und Besteurungsrecht und ebenso auch die Grundherrschaft, waren theils landvogteiisch, theils Ravensburgisch (von Schmaleck her), zum Theil auch Rehlingisch, die hohe und forstl. Gerichtsbarkeit übte die Landvogtei allein aus, welche ihr eigenes Amt „Zogenweiler“ hatte. An der Grundherrschaft hatte auch das Kloster Weingarten Theil; an seine Stelle ist durch den Kauf von 1810 der Graf v. Beroldingen getreten. In kirchlicher Beziehung ist der Gemeindebezirk in 3 Pfarreien, die er enthält – Rinkenweiler, Wechsetsweiler und Zogenweiler und noch in die auswärtigen Pfarreien Dankertsweiler, Fleischwangen und Horgenzell getheilt. Den Großzehnten zu Zogenweiler, Furt, Luft und Schlatten und zum Theil zu Bettenweiler, Rehmetsweiler und Unter-Schoren haben das Kollegiat-, jetzt Kirchen-Stift Markdorf und die Pfarrstelle Z., den kleinen und die übrigen Zehnten an den gen. Orten letztere allein zu beziehen; zu Rinkenweiler bezieht den Gr. Zehnten von 282 Morgen die k. Kammer, von 901/4 M. der Meßner, von den sg. Ehehäften oder Einfängen die Pfarrstelle, von 7 Morgen; die Kl. Zehnten Letztere mit Ausnahme| der dem Meßner zehntbaren Felder; zu Beckenweiler hat den Groß- und Klein- Zehnten die k. Kammer (früher Weingart.) zu 2 Drittel, die Pfarrei Rinkenweiler zu 1 Drittel; zu Bettenweiler die k. Kammer, von 8 M. die Pfarrstelle, dieselbe den Klein-Zehnten. Von den übrigen Parzellen bezieht die Zehnten theils die k. Kammer, theils die Kirchenpflege in Pfärrenbach.
  • 1) Zogenweiler, ein k. Pfarrweiler mit 1 Schildwirthschaft und Brauerei, 3 St. nordwestlich von R., 2100 P. F. über der Meeresfläche, an der Kornstraße mit 46 Einw., CA. Friedrichshafen, vormals landvogt. G.H. ist zum Theil das Colleg.-Stift Markdorf und die Ortskirchenpflege, das Übrige ist grundeigen. Das Patronatrecht ist seit 1806 königlich, früher war die Kirche dem Stift Markdorf einverleibt. Die Pfarrkirche zum heil. Felix und St. Regula wurde mit Ausnahme des Chors 1830, das Pfarrhaus 1832 neu gebaut. Die Baulast der Kirche und des Pfarrhauses hat die Kirchenpflege Markdorf; zu dem neuen Pfarrhaus wurden 1500 fl. aus dem Intercalarfonds beigetragen. Das Schulhaus ist ebenfalls neu; die Schule selbst wurde erst 1829 errichtet, vorher hatten die Kinder nach Rinkenweiler und zum Theil nach Schmalegg in die Schule zu gehen. Nach 22jähriger Vacatur ward die – viel reichlicher als zuvor dotirte – Pfarrstelle im J. 1834 wieder besetzt. Der Pfarrsprengel umfaßt außer sechs unten besonders bezeichneten Parzellen jetzt den ganzen übrigen Gemeindebezirk, nachdem 1829 der Pfarrort Wechsetsweiler mit dem Hof Görtbild damit vereinigt und 1810 von der Pfarrei Fronhofen die Parz. 7, 11, 16 u. 21 zugetheilt worden sind. Die Kirche wurde 1305 von Heinrich von Ittendorf dem Bürger Gremlich zu Pfullendorf geschenkt. Nachher wurde sie bischöfl. Constanzisches Lehen und 1382 wurde Hans von Rietheim damit belehnt. Der Sohn des letztern verkaufte sie an das Collegiat-Stift Markdorf um 488 Pfd., das sich die Kirche 1440 einverleiben ließ. In Zogenw. selbst schenkte Konrad v. Zusdorf 1198 dem Kl. Weingarten 1 Hof. Der Ort betreibt eine gute Landwirthschaft.
  • 2) Absenreute, W. mit 20 Einw., vormals Ravensburg. G.H. Gr. v. Beroldingen; es soll der Sitz eines adeligen Geschlechts gewesen seyn.
  • 3) Adelmühle, früher auch Adlersmühle, H. mit Mahl- und Säge-Mühle, auch Hanfreibe am Feuertobelbach. 7 Einw., vormals Ravensb. G. R. Spital R.|
  • 4) Beckenweiler, W. mit 35 Einw., Fil. von Rinkenw., vor 1811 von Haßenweiler, s. o.; vorm. landvogt. G.H. neben der k. Kammer (vorm. Weingart.) die Badische Kirchenpflege Ilmensee (von 1 Hof); die Kirchenpflege Haßenweiler (von 1 G.). Die Schenken von Schmalneck und Winterstetten eigneten mit den Rittern von Haßenweiler und von Haßenstein 1293 dem Kloster Weingarten einen Hof, welchen letzteres 1287 von Heinr. v. Neufra gekauft hatte. Von Ortolf v. Haßenweiler kaufte das Kloster 1304 Zehnttheile zu B. mit der Hub, gen. Zogenweiler. Es soll hier früher auch der Sitz eines adeligen Geschlechts gewesen seyn.
  • 5) Bettenweiler, W. mit 88 Einw., Fil. von Rinkenw., vorm. landvogt. G.H. neben dem C.A. die Kirchenpflegen Zogenweiler und Rinkenweiler, das Spital Ravensburg und Rechts-Consulent Volz in Biberach, vorm. auch die Karmeliter in R., das Kloster Löwenthal etc.
  • 6) Blümetsweiler, W. mit 18 Einw. Fil. von Fleischwangen, vorm. Weing. und 1 Hof landvogt. G.H. ist theils die k. Hofkammer, theils v. Rehling. Bl. gehörte ehemals den Herren v. Dankertsweiler, 1311 verkaufte Mechtild, Wittwe Bertholds v. D., mit Zustimmung ihrer Söhne das Gut Funkengut gen. in Bl.(ad culturam 6 boum se extendens), und 1318 verkaufte Konrad v. D. seinen Hof daselbst.
  • 7) Fenkenmühle, am Feuertobelbach, H. mit Mahl- und Säge-Mühle, auch Hanfreibe, 6 Einw., Fil. v. Fronhofen; G.H. von Rehlingisch.
  • 8) Furth, W. mit 23 Einw., wie P. 3.
  • 9) Görtbild, Hs. und Schildw. mit 7 Einw., vorm. landvogt., s. o.
  • 10) Hartobel, Hs. mit 1 Einw., wie P. 2.
  • 11) Klitzistobel, Hs. mit 7 Einw., wie P. 7. Es ist ohne Zweifel derselbe Hof, der früher unter dem Namen „Clainztobel“ vorkommt, v. Pflummern in seiner Metamorphosis setzt hieher das Stammhaus der von Tobel, mit der Bemerkung, daß es früher ein Kunkellehen von der Grafschaft Heiligenberg gewesen. Vergl. Tobel, Gem. Berg.
  • 12) Liebenreute, W. mit 16 Einw., wie P. 2. Hg. Welf übergab 1090 sein Eigenthum in Liebenreuti dem Kl. Weingarten, einen Hof und Güter erhielt das Kloster von Guta, Rudolphs von Schmalneck Gattin.
  • 13) Locher, H. mit 12 Einw., wie P. 1.
  • 14) Luft, W. mit 24 Einw., vorm. landvogt. G.H. von Rehling und Stift.-Verwalt. (Heilig-Kreuz) Ravensburg.|
  • 15) Nehmetsweiler, W. mit 36 Einw., Fil. von Horgenzell, vorm. Ravensburgisch. G.H. theilweise Stiftungs-Verwalt. Ravensburg und Stift.-Pflege Berg, auch F. Salm. Rentamt Baindt.
  • 16) Ober-Schoren, H. mit 10 Einw., Fil. von Fronhofen, vorm. landvogt. G.H. Stiftungs-Verwalt. (Heil. Kreuz) Ravensb.
  • 17) Ober-Waldhausen, W. mit 15 Einw., wie P. 2.
  • 18) Rinkenweiler, kathol. Pfarrw. mit 128 Einw., vorm. landvogt. G.H. neben der k. Kammer (vorm. Weingarten) die Stift.-Pflegen Ravensb. und Rinkenweiler. R. hat Kirche und Schule und 1 Schildwirthschaft. Die Pfarrkirche zum heil. Stephan ist alt, das Pfarrhaus wurde 1798 neu gebaut. Die Baulast von jener hat die Kirchenpflege, von diesen die k. Kammer. Das Patronat, vormals Weingartisch, ist jetzt königlich. In den Pfarrsprengel gehören in dem diesseitigen Gem. Bezirke außer R. die P. 4 u. 5, sodann noch 4 P. aus der Gemeinde Haßenweiler und 1 von Kappel. Der Ritter Heinrich der Stammler (vermuthlich aus dem Geschlechte der Rinkenburg oder Haßenweiler) schenkte 1284 seine Güter in R. dem Kl. Weingarten. Das Patronat und Pfarrwiddum von R. gehörten von den ältesten Zeiten her dem Kl. Petershausen bei Konstanz, wahrscheinlich von Gebino von Pfrungen herrührend, der um das Jahr 1070 dem Kloster Petershausen schenkte, was er in Ringinwilare besaß. Das Widdum, von welchem die eine Hälfte die Pfarrstelle, die andere Hälfte der Widdumbauer besaßen, mußten nach dem Vertrag von 1439 an Petershausen geben: die Pfarrstelle jährl. 1000 Gangfische und 6 Sch. und der Widdumbauer 650 Gangfische und 6 Sch. und 2 Vrtl. Veesen. Im J. 1621 verkaufte Petershausen seine Rechte an Weing, um 8000 fl. Ehemals soll R. auch der Sitz eines adeligen Geschlechts gewesen seyn.
  • 19) Röthenbach, H. mit 8 Einw., Fil. von Horgenzell, vormals landvogt. G.H. Kirchenpflege Horgenz.
  • 20) Schlotten, H. mit 3 Einw., vorm. landvogt. G.H. Stift.-Verw. (Seelhaus) Ravensburg.
  • 21) Schwarzhäusle, H. mit 5 Einw., vorm. Ravensb.
  • 22) Unter-Schoren, H. mit 2 Einw., wie P. 16.
  • 23) Wechsetsweiler, kath. Pfarrw. mit 58 Einw., vorm. landvogt. G.H. neben der k. Kammer (vorm. Weingarten) Stift.- Verw. Ravensb. und Orts-Kirchenpflege. Der Ort liegt sehr hoch, auf der östlichen Seite der Schussen wohl am höchsten, und genießt eine herrliche Aussicht. In ältern Zeiten war Wechsetsw. mit dem Hof Görtbild, Fil. von Haßenweiler, bis 1690 von dem Kl. Weingarten ein Pfarrhaus erbaut und mit den Einkünften der aufgehobenen| Kaplanei Haßenweiler und einigen von der Gemeinde dazu gestifteten Gütern eine eigene Pfarrei zu W. errichtet wurde, wozu Görtbild als Filial gehörte. Im J. 1829 wurde die Pfarrstelle mit der von Zogenweiler vereinigt.

    W. ist ein sehr alter Ort, der unter dem Namen Werinpertivilare schon im J. 818 vorkommt, s. S. 68. Wernschweiler, Wertschweiler wird der Name in späterer Zeit gewöhnlich geschrieben gefunden. Im J. 1284 verkauft Heinrich v. Haßenstein das Eigenthum eines Hofes das. an Weing., so wie 1318 Burk. v. Dankertsw. seine Güter. 1589 verschreibt Ulr. von Hörningen, als Herr von Beyenburg, dem Kl. Baindt für seine Enkelin, des Georg Truchseß von Ringingen Tochter, welche Klosterfrau in B. war, die Vogtrechte und den Kirchensatz der Kapelle zu Wechsetsweiler und Winterbach, mit Vorbehalt der Auslosung gegen 200 Pfd. Dieses Auslosungsrecht verkauft derselbe mit der Burg Beyenburg 1404 an Weingart., welches auch wirklich (1471) diese Rechte an sich zog; nachdem schon 1394 Weissenau an dasselbe Wechsetweiler mit Leuten und Obrigkeit verkauft hatte. Die Allmanden wurden in dem 1770er Jahrgängen, consolidirt mit dem Privatvermögen der Bürger, unter diese vertheilt.