Beschreibung des Oberamts Rottenburg/Kapitel A 3

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel A 2 Beschreibung des Oberamts Rottenburg Kapitel A 4 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
III. Natürliche Beschaffenheit.
1. Gebirge und Berge.
Nur ein kleiner Theil des Oberamts kann als eigentlich gebirgig bezeichnet werden, insofern sich der Bezirk desselben nämlich über den nördlichen Abhang der Alp bey Belsen, Mössingen, Thalheim und Öschingen erstreckt. Hier liegen der Heuberg, auf dessen höchstem Gipfel der Dreyfürstenstein sieht, wo sich nämlich die Gränzen von Würtemberg, Hohenzollern und Fürstenberg berühren; der Farrenberg, der Filsenberg, der Fürstberg, und zum Theil auch der Roßberg, insofern ein Theil des nordwestlichen Abhangs desselben in die Gemarkung nach Öschingen gehört. Besonders zeichnet sich unter diesen der Farrenberg, durch seine sargartige Gestalt, durch seine, auf der Anhöhe 174 Morgen enthaltende, Fläche, und durch die herrliche Aussicht aus. Diese erstreckt sich über das Steinlacher, Neckar- und Ammerthal, und über das Gäu hinab, über Tübingen und | Reutlingen, längs der ganzen Alpkette, bis zum Hohenstaufen und Rechberg, nach Einigen sogar bis zum Schönenberg bey Ellwangen, und dann aufwärts gegen Westen bis tief in den Schwarzwald hinein, und dann in das Innere der näheren südöstlichen und südwestlichen Alpenverzweigungen, auf den Kornbühl und dessen Kapelle, den Hohenzollern etc., eine Aussicht, reich und abwechselnd, groß und erhaben in ihrem Überblick, und zugleich freundlich und anmuthig in einzelnen Ansichten [1] Die übrigen Berge des Oberamtes ziehen sich meist in langen ein- und ausbeugenden Linien längs der Thäler hin. Besondern malerischen Reiz gewähren die Berge des Neckarthales, welche in sanften Wellen auf und niedersteigen und auf ihrer südlichen Seite ganz mit Reben umlaubt, auf ihren Höhen, so wie auf der nördlichen Seite mit Laub- und Nadelwäldern bekränzt sind. Nördlich hinter Rottenburg erheben sich leichte Hügel, immer einer über den andern ansteigend, bis zu dem Rottenburger Heuberg. Südlich | erhebt sich die Weilerburg bey Rottenburg, eine weit hervorragende Bergkuppe, worauf man eine herrliche Aussicht hat. Auch verdient noch der Wurmlinger Berg mit seiner Kapelle genannt zu werden [2].


2. Thäler.

Die am meisten zu beachtenden Thäler des Oberamtsbezirks sind:

1) Das Neckarthal. Der Neckar betritt zwischen Bieringen und Obernau den Oberamtsbezirk. Ein schmaler Wiesengrund, selten durch Ackerfeld unterbrochen, senkt sich zwischen nicht allzuhohen Hügeln, zum Theil mit Reben bepflanzt, doch zum größeren Theil mit Nadelholz bewachsen, bis Niedernau, und von da bis gegen die Papiermühle ob Rottenburg herab, die Breite ist hier in den seltenen Krümmungen so ziemlich gleich, und beträgt keine Viertelstunde. Ober Rottenburg treten die Berge und zum Theil Felsenwände | näher zusammen, und reihen sich, letztere nach Terrassen, mit Reben auf der südlichen Seite bepflanzt, rechts und links oft kaum schmalen Wegen Raum gebend, bis an die Stadt herab[3]. Durch ein, zwischen der Stadt angelegtes, Wehr geschwellt, bildet der Neckar ein großes, schönes Bassin, kaum hat er aber das Wehr überstiegen, so eilt er in das sich nun erweiternde Thal, welches sich in einer Länge von fast drey Stunden, und einer Breite von einer Stunde entfaltet, und den reichen Anblick auf die Stadt selbst und flach daliegenden Ortschaften und reiche Korngefilde und Wiesen gewährt. Aufwärts von Tübingen stellen sich drey interessante Ruhepunkte, die Weilerburg mit der Linde, der Wurmlingerberg mit seiner Kapelle und der Wartberg mit seinem Thurme, dem Auge dar. Dieses Thal dürfte zu den schönsten in Würtemberg zu zählen seyn, und wenn jene von Canstatt und Heilbronn größer in ihren Ausdehnungen und reicher in Fernsichten sind, so dürfte dieses den Preis der Anmuth und Freundlichkeit, gepaart mit Reichthum und der herrlichsten Fruchtbarkeit, erringen. 2) Das Steinlachthal beginnt in engen Niederungen südlich von Thalheim, und östlich von Öschingen [4], zieht sich durch einen Obstbaumwald nach Mössingen und Ofterdingen, wo es sich mehr in die Breite dehnt, und verläßt zwischen diesem Orte und Dußlingen den Oberamtsbezirk. | Seine Breite ist verschieden, doch nirgends eine halbe Stunde erreichend, und nur eine mehr bedeutende Ebene zwischen Belsen, Mössingen und Ofterdingen gewährend; es ist übrigens sehr fruchtbar, obschon es besonders an den Ufern des Flüßchens viele Anschwemmungen von Sand und Kieselsteinen, daher wohl das Flüßchen selbst, so wie das Thal, den Namen hat [5].

3) Das Katzenbachthal, das zwischen bemeldten Bergen unter Ofterdingen beginnt und sich gegen Dettingen, von Osten nach Westen, in einem schönen Wiesengrund ausbreitet, in dessen Mitte der Flecken Dettingen liegt, dann in eine enge Felsenschlucht zuletzt ober dem Bade Niedernau in eine Verzweigung von sieben Thälchen ausläuft[6], und sich bey dem Dorfe Niedernau zwischen hohen Nadelwäldern endigt. Es ist oft nur wenige Hundert Schritte, und ober Dettingen etwa höchstens 1/8 Stunde breit, wo es im Rückblick eine imposante Ansicht auf den Farrenberg gewährt.

4) Das Starzelthal stößt kaum mit einigen Gütern der Gemeinden Hirrlingen, Frommenhausen und Schwalldorf an den Oberamtsbezirk.

5) Eine Menge Nebenthälchen durchschneiden den mit vielen Hügeln übersäeten Grund des Oberamtsbezirks, aus welchen sich meist schwache Quellen, theils in den Neckar, theils in die andern Bäche des Oberamts ergießen. Sie sind meist eng und kurz, und werden an den einzelnen Orten, wo sie etwas Merkwürdiges enthalten, angegeben werden, oder kommen auch bey Angabe der Bäche vor [7].

|
3. Ebenen und besondere Bezirke.

Die bedeutendsten Ebenen sind die des Neckarthales von Rottenburg bis Tübingen, und dann jene in dem Steinlachthale von Belsen abwärts Mössingen, Ofterdingen etc. Die übrigen Theile des Oberamts sind mehr hoch gelegen, und mit schmalen Thälern durchschnitten, wie das Gäu und die Pläne, auf der Frommenhausen und Schwalldorf liegen.

Das Gäu (der Gau) welches die Gegend von Ergenzingen, Seebrunn, Hailfingen u. s. w. umfaßt, so wie die Steinlach zeichnen sich als Bezirke durch ihre Lage, Einwohner, deren Sitten und Gebräuche besonders aus [8].


4. Erdfälle und Höhlen

kommen in dem diesseitigen Oberamte keine irgend einer Bemerkung werth vor, nur in Frommenhausen ist ein Erdfall mit einigen Höhlen. Bey Mössingen haben sich in neuerer Zeit am Farrenberg einige Erdfälle, eigentlich Bergrutschen, gezeigt.

5. Gewässer.
a. Quellen.
Der Oberamtsbezirk ist nach allen Seiten reichlich mit Quellen begabt, und im Allgemeinen fehlt es nirgend an | Wasser; nur in äußerst trockenen Jahren wird einiger Mangel im Gäu, besonders zu Wolfenhausen und Ergenzingen, auch auf der Pläne von Frommenhausen und Schwalldorf verspürt. Das Dorf Weiler hat gar keine Quelle, und muß das Wasser mehrere Hundert Schritte abwärts des Berges holen. Die bedeutendsten Quellen sind:

i) Der Hammelhaus in dem Rommelsthale. Dieser mit noch 5-6 Quellen war es, welcher in die römische Wasserleitung gefaßt war; diese sämmtliche Quellen ergießen sich nun vereint in ein Bächlein, Seltenbach genannt.

2) Der Brunnen an der Papiermühle ober Rottenburg. Er bildet ein Bassin (Topf) nach allen Seiten ins Gevierte von 28 Schuh, und hat eine Tiefe von 12 bis 16 Schuh: er sprudelt von unten auf aus Felsen, steigt oder fällt wenig, und fließt in einer, steinernen Rinne ziemlich eilig ab. Der Brunnen ist mit gehauenen Steinen oben umher eingefaßt, und es findet sich das Wappen derer von Türkheim aus Straßburg mit der Jahrzahl 1618 daran. Kaum 15 Schritte von dem Ursprung treibt die Quelle die Papiermühle, nach einem Laufe von 200 Schritt die obere Brunnenmühle mit Gängen, und fließt nach einem Laufe von weitern 200 Schritten in den Neckar.

Reichhaltige Quellen sind ferner: die Ringelwasenquelle, welche die Brunnen am Silcherthor und auf dem Markte zu Rottenburg versieht; die Quelle im Ehinger Felde, gegen Schadenweiler hin; der Kesselbrunnen, zwischen Rottenburg und Remmingsheim; der Mönchsbrunnen, in einem Nebenthälchen unweit Dettingen; der Schallenbrunnen zu Wendelsheim etc.[9]

Mineralquellen sind sehr häufig in dem Oberamtsbezirke. Die merkwürdigsten werden in dem Abschnitte „Mineralien“ näher bezeichnet werden.

|
b. Seen

finden sich, den kleinen Buzzersee in der Markung von Bodelshausen ausgenommen, keine in dem Oberamte.


c. Flüsse und Bäche.
Unter den Flüssen ist vorzüglich der Neckar, der von Westen nach Osten das Oberamt durchfließt; zwischen Bieringen und Obernau das Oberamt betritt, und zwischen der Hirschauer und Weilheimer Markung dasselbe wieder verläßt. Bey starken Regengüssen tritt er sehr aus, und stieg 1778 gegen 12 Schuh, 1744 10 Schuh, 1739 10 Schuh, 1734 81/2 Sch., 1824 8 Sch. über seine gewöhnliche Fläche, doch verursacht er selten großen Schaden. Er hat seit Jahren seinen Lauf vielfach verändert, und ist bald an Kiebingen und Bühl, bald näher an Hirschau vorüber gelaufen, bis demselben durch den Landvogt Plank in den Jahren 1779 bis 1786 durch Grabung eines eigenen Kanals auf den Markungen Kiebingen, Bühl und Hirschau eine gerade Richtung gegeben worden. Auch in neuerer Zeit ist vielfach an seinen Ufern wegen der Zerstörung anliegender Grundstücke gebaut, und erst 1826 wieder auf eine Strecke ein neuer Kanal bey Bühl gegraben worden. Dadurch wurde wohl viel Land gerettet und gewonnen, allein die Kosten sind für die anliegenden Orte sehr beträchtlich, und bürden denselben eine große Schuldenlast auf. Auf dem Neckar besteht eine Flößerey mit Tannen-Bauholz, an Stämmen, Schnittwaaren, Theer, Harz, und gehen jährlich 150-200 Flöße, wovon mancher 800-1000 fl. an Werth beträgt, auf demselben. Es besteht darüber eine eigene, 1740 mit Würtemberg und der Stadt Eßlingen vertragene Flötzordnung, die nun bey veränderten Verhältnissen eine Abänderung bedürfte. [10] | Einflüsse in den Neckar. (a. auf dem linken Ufer.) Der Seltenbach unter Niedernau, aus den Quellen im Rommelsthale. (S. S. 43.) Der Mühlbach, aus der Quelle bey der Papiermühle. (S. S. 41.) Das Weggenthaler Bächlein, das zu Rottenburg einfließt, aber häufig vertrocknet. Der Arbach, welcher zum Theil zwischen Seebrunn und Hailfingen, dann auch aus einer Quelle gegen Oberndorf ober Wendelsheim entspringt und bey Hirschau in den Neckar sich ergießt, (b. auf dem rechten Ufer.) Der Katzenbach. Derselbe entspringt auf der Markung Ofterdingen über Dettingen im Thale zwischen Gehölze, und läuft von Osten nach Westen; eine Menge kleiner Quellwasser ergießen sich südlich und nördlich in denselben; unter Dettingen vereint er sich mit dem Krebsbache, der aus dem Buzzersee über Bodelshausen nach Hemmendorf fließt, und beyde ergießen sich (d. h. der Katzenbach vereint mit dem Krebsbache), nachdem sie zwischen Schluchten und hohen Bergen die Siebenthälchen ober dem Niedernauer Bade, wo sich ihm noch die Quelle von Weiler anschließt, in vielfachen Krümmungen dahin und am Badhause vorüber geeilt, unter Niedernau dem Dorfe in den Neckar. Dieser Bach schwillt bey langen und besonders bey starken Gewitterregen oft hoch und schnell an. | Das Schadenweiler Bächlein, das bey Schadenweiler entspringt und unter Rottenburg in den Neckar geht, aber oft austrocknet;

das Rohrhalder Bächlein, Ursprung bey Rohrhalden, Einfluß bey Kiebingen, ebenfalls oft trocken;

der Mühlbach, Ursprung in den Rammertbergen, Einfluß bey Bühl, wo er eine Mühle treibt.

Die Steinlach, auch Steinach genannt, bedeutender als alle andere Einflüsse. Sie hat zwey Hauptärme: der erste bildet sich südlich von Thalheim durch mehrere Quellen und Bächlein, als dem Weiherbach, dem Seebach, dem Wangenbach, welche in verschiedenen Gebirgsschluchten entspringen, sich vereinen, und von Süden nach Norden Thalheim durchfließen, dann die Mühle treiben, und gerade den Weg nach Mössingen nehmen. Aus dem Thale von Öschingen kommt der zweyte Arm hervor, der 11/2 Viertelstunde von da, aus Quellen des Filsenbergs und anderer Berge im Genkingerthale seinen Ursprung hat, bey Öschingen ein paar kleine Bächlein aufnimmt, und unter dem Orte eine Mühle treibt [11]. Nach der Vereinigung beyder Arme wendet sich das Flüßchen gegen Ofterdingen, und verläßt zwischen diesem Orte und Dußlingen das Oberamt, und ergießt sich bey Tübingen in den Neckar. Bey anhaltenden Regen und starken Gewitterregen schwillt dasselbe, wie alle Gebirgswasser, sehr an, und verursacht vielfachen Schaden, besonders überdeckt es die Felder, wo es sich verbreitet, mit Kies und Steinen, wovon, so wie von seiner Seichtigkeit, es den Namen Steinlach hat. Im Gomaringer Thale, hinter Öschingen, entspringt | gleichfalls ein kleiner Bach, der nach Gomaringen fließt [12]


6. Gebirgsarten und Boden.

Die Gebirgsarten, welche diesem Oberamte zur Unterlage dienen, sind mannichfaltiger, als in den bis jetzt beschriebenen Oberämtern, sie gehören in die Formation des Jurakalks in die Liasformation (Gryphitenkalk mit dem schwarzen Schiefer), in die Formation des bunten Mergels mit Keupersandstein und Gyps, und in die des Muschelkalks mit Dolomit und Rauhwacke.

Die südöstlichen Theile des Oberamts gehören noch zur Alp, sie liegen im Jurakalk; es gehören dahin die höhern Punkte der Umgebungen von Öschingen, Mössingen, Thalheim und Belsen, der Heuberg, Farrenberg und Filsenberg. Am nördlichen Fuß dieser Berge zieht sich die Formation des Gryphitenkalks mit dem jüngern bituminösen Mergelschiefer von der Gegend des Buzzersees südöstlich über Ofterdingen, Nehren, gegen Gomaringen. Die untern Theile des Steinlacher Thals haben diese Formation zur Unterlage, der Schiefer geht gewöhnlich in den höhern, der Gryphitenkalk in den tiefern Gegenden zu Tage aus. Die Gegenden zwischen dem Steinlacher und Neckarthal gehören größtentheils | zur bunten Mergelformation. Dieselbe Formation bedeckt die höhern Punkte der nordöstlich vom Neckar liegenden Gegenden; in mehreren Gegenden tritt der Keupersandstein in hinreichender Mächtigkeit hervor, um als Baustein benutzt werden zu können, wie in den Umgebungen von Dettingen, Bodelshausen, Wendelsheim, Seebrunn, Wurmlingen und auf dem Heuberg bey Rottenburg; auch Gypslager sind in dieser Formation hier und da vorkommend, namentlich bey Weiler, Hirschau, Wurmlingen und in den Umgebungen des Schadenweiler Hofs und bey Dettingen. Der bunte Mergel selbst findet sich häufig verbreitet in den Umgebungen von Rottenburg, namentlich gegen Schadenweiler, an der Weilerburg, gegen Wendelsheim. In den tieferen Gegenden des Oberamts geht die Formation des Muschelkalks in mächtigen Schichten zu Tage aus, der Neckar fließt von seinem Eintritt ins Oberamt zwischen den Bergketten dieser Formation, die oft zu steilen Felsen aufgethürmt sind, bis zur Stadt Rottenburg, unterhalb der Stadt tritt er mit bedeutender Erweiterung des Thals in die bunte Mergelformation, und bleibt nun in dieser bis er das Oberamt verläßt. Zwischen Rottenburg und Niedernau erscheinen am Ufer des Neckars die tiefern dunkelblauen Schichten des Muschelkalks, plattenförmig horizontal geschichtet, in bedeutender Mächtigkeit, häufiger findet sich in den übrigen Gegenden höher auf beyden Seiten des Neckars, eben so im Thal von Niedernau, der dolomitische Muschelkalk von feinkörnigem Bruch, großer Härte, bläulich grauer Farbe, und bedeutendem Bittererde-Gehalt. Auch er ist in vielen dieser Gegenden regelmäßig horizontal geschichtet. Die Decke der Formation bilden gewöhnlich die rauhwackenähnlichen gelblich grauen Abänderungen des Muschelkalks, die oft ein zellig poröses Aussehen besitzen, und vorzüglich auf den Anhöhen zwischen Rottenburg und Niedernau ausgezeichnet vorkommen; auch bey Eckenweiler, Ergenzingen, Hailfingen, auf der Altstadt bey Rottenburg findet sich diese Rauhwacke. Das flache Land auf der nördlichen Seite des Neckars, das sogenannte | obere Gäu, hat gewöhnlich diese obern Schichten des Muschelkalks zur Unterlage.

Von den jüngsten Gebirgsbildungen findet sich nur hier und da etwas Kalktuff. Die untern Theile des Neckarthals sind mit vielem Geröll des Neckars, oft in bedeutender Mächtigkeit, namentlich bey Kiebingen und auch auf dem linken Ufer bis zu den Anhöhen bey Rottenburg, bedeckt.

Die Bodenarten sind in diesem Oberamte sehr abwechselnd, wie sich bey dem Wechsel der Gebirgsarten nicht anders erwarten läßt. Die auf Jurakalk liegenden Gegenden besitzen die schon in den Oberamtsbeschreibungen von Reutlingen und Münsingen erwähnten Bodenverhältnisse, theils sehr schwere mit Kalksteinen gemischte Thonböden, zum Theil aber auch sehr leichte an einer schwarzen Dammerde reiche Böden. Die in der bunten Mergelformation liegenden Gegenden unterhalb Rottenburg und einzelne Seitenthäler des Neckars, besitzen ein mit Kalk und Thon, oft mit sogenanntem Leberkies und Gyps gemischtes Erdreich, ähnlich dem des untern Neckarthals. Die Gegenden nordwestlich am Neckarthal, die Umgebungen von Seebrunn, Ergenzingen, Hailfingen, welche die obern Schichten der Muschelkalkformation zur Unterlage haben, besitzen ein Kalk und Bittererde haltiges, übrigens zugleich hinreichend mit Thon und Sand gemischtes Erdreich (sogenannten Mulb-Malmboden), welcher sich vorzüglich zum Getreidebau eignet; 100 Theile eines solchen malmigen Bodens, vor dem Kalkweiler Thor bey Rottenburg gesammelt, zeigten sich bestehend aus: 31,3 feinen Quarzsand, 7,00 kohlensauren Kalk mit etwas Bittererde, 54,7 Thon mit etwas 1,1 in Kali auflöslichen Humus, 5,9 durch Glühen verflüchtigbaren Theile. Die wasserhaltende Kraft dieses Bodens war = 58 Procent, seine Consistenz = 48, die des reinen Thons = 1000 gesetzt. Im Ganzen gehört das Oberamt zu den fruchtbarsten des Landes.


7. Höhe und Abdachung des Landes.
Das Oberamt ist ziemlich uneben, und die Erhebung | seines Bodens über die Meeresfläche sehr verschieden. Die letztere steigt, wie die nachfolgende Übersicht zeigt, von 1011 bis auf 2672 P. Fuß, so daß also ein Unterschied von 1661 F. statt findet. Die niedrigste Gegend ist das Neckarthal, die höchste der noch in das Oberamt fallende Saum der Alp. Auch die Verschiedenheit der Höhe von den Wohnorten ist beträchtlich: während die niedrigsten Orte Hirschau, Bühl, Kiebingen, Rottenburg 1030-1050 F. über der Meeresfläche liegen, ist die Lage der Steinlachorte Öschingen, Thalheim, ungefähr 1730 Fuß, also 700 Fuß höher, und übersteigt selbst die Höhe der weit hervorragenden Weilerburg bey Rottenburg. Auch der Bezirk auf dem linken Neckarufer, das sogenannte Gäu, steigt zu einer beträchtlichen Höhe an; Hailfingen z. B. liegt 1330, Seebrunn 1358, Ergenzingen 1417, Eckenweiler sogar 1568 P. Fuß hoch, lezteres also noch etwas höher, als Balingen.

Das Land senkt sich von beyden Seiten gegen das Neckarthal; in den Neckar fließen auch alle Gewässer des Oberamts ab. Dieses gehört daher ganz zum Rheingebiete, gränzt übrigens auf der südöstlichen Gränze bey Thalheim ganz nahe an das Donaugebiet, so daß die Quellen der Steinlach und der in die Donau gehenden Lauchart nur ungefähr 1/2 St. von einander liegen.

Eine Übersicht der wichtigsten Höhenverschiedenheiten in dem Oberamte nebst Bemerkung der Gebirgsarten, welche zur Unterlage der Oberfläche dienen, gibt folgende Zusammenstellung:

Paris. Schuh Gebirgsarten.
Heuberg, Dreyfürstenstein 2637 Jurakalk.
Farrenberg 2537 Jurakalk.
Filsenberg 2473 Jurakalk.
Öschingen bey der Kirche 1748 Schwarzer Schiefer.
Tiefste Stelle des Orts 1700 Schwarzer Schiefer.
Thalheim, Steinlach 1727 Jurakalk.
Weilerburg 1710 bunter Mergel.
Eckenweiler am obern Ende des Orts 1568 Rauhwacke, als
oberstes
Glied der
Muschelkalkf.
Ende des Rommelsthals 1397
Ergenzingen, Schwemme 1417
Hailfingen, im obern Theile des Orts 1330
Seebrunn 1358 Sandstein
der
bunten
Mergelformation.
Rottenburger Warte 1478
Hirschauerberg 1476
Wurmlinger Kapelle im Kirchhof 1461
Weiler, am Kreuz der Kirche 1485 Gyps dieser Formation.
Fläche zwischen Weiler und Niedernau 1397 Formationsgränze zwischen Rauhwacke
und bunten Mergeln.
Bussen, im Hirschauer Walde 1450 Bunt. Merg. m. Sandst.
Mössingen, unten im Orte 1434 Schwarzer Schiefer.
Ofterdingen, Landstraße gegen 20 Sch. über der Steinlach 1310 Gryphitenkalk.
Rottenburger Kapelle, auf der Höhe gegen Niedernau 1313 Dolomit.
Altstadt Rottenburg, am Denkmal 1306 zellige Rauhwacke.
Schadenweiler, Erdfläche 1260 bunter Mergel.
Ziegelhütte, am Ende der sieben Thäler 1198 grauer Dolomit.
Obernau, am obern Theil der römischen Wasserleitung 1187 grauer Dolomit.
Wurmlingen, Schwemme 1147 Gyps.
Wendelsheim, unterer Theil 1150 bunter Mergel.
Wendelsheim, Wasserfläche des Bachs,
     4’ unter der Gränze der bunten Mergelformation
1142 Grauwacke.
Niedernau, am Badhaus 1100 grauer geschichteter
Dolomit.
Bieringen, Neckar 1088
Rottenburg, Neckar unter den Wehren 1040 blauer Muschelkalk.
Rottenburg, Erdfläche der Pfarrgasse 1063
Kiebingen, Schwemme 1033 Neckargerölle.
Hirschau, am Thor 1031
Neckar, an der Oberamtsgränze unter Hirschau 1007 bunter Mergel.
| Es muß bey Vergleichung der vorstehenden Messungen auffallen, daß oft in denselben Höhen so verschiedene Gebirgsarten zu Tage ausgehen, und es könnte dadurch deren Richtigkeit überhaupt in Zweifel gezogen werden; im südlichen Theil des Oberamts finden sich in derselben Höhe über dem Meer die Gebirgsarten des Jurakalks und Gryphitenkalks, in welcher mehr in der Mitte des Oberarms der bunte Mergel, und im nordwestlichen Theil die Gebirgsarten der Muschelkalkformation vorkommen. Durch eine Durchschnittszeichnung ließe sich übrigens leicht anschaulich machen, wie dieses möglich ist. |
8. Klima

Das mildeste Klima besitzen, wie (überall) die tiefern Gegenden, die des Neckarthals, deren gegen Süden gekehrten Bergabhänge noch bis in die Gegend von Obernau zum Weinbau benutzt werden. Rauher sind die höher gelegenen an die Alp und den Schwarzwald gränzenden Gegenden der Steinlach und das Gäu, welche auf beyden Seiten die Gränzen des Weinbaus machen. Die mittlere Jahres-Temperatur dürfte übrigens auch in den tiefsten Gegenden des Oberamts, nach den zu Tübingen in gleicher Höhe angestellten Beobachtungen kaum 7 Grad R. betragen; zu Rottenburg beträgt sie nach Beobachtungen 6,7°, in den höhern Alpgegenden beträgt sie nur 4-5 Grad.

Die Ernte tritt im Neckarthale zu gleicher Zeit, wie im Unterlande und zwar gemeiniglich gegen Ende des July, in den höher gelegenen Gegenden aber, wie z. B. von Hailfingen, Seebrunn, im sogenannten obern Gäu gewöhnlich 8-10 Tage später ein. Der Winter beginnt meist in der zweyten Hälfte des Novembers, der Frühling in der zweyten Hälfte des Aprils.


9. Naturerzeugnisse.
1. Mineralreich.

a) Metalle. An Metallen finden sich Eisenerze, und zwar Bohnerz auf der Alp im Jurakalk bey Thalheim, hier und da auch bey Rottenburg. Dichter Rotheisenstein hier und da, meist weiß, in knolligen Stücken in der Rauhwacke bey Rottenburg. Schwefelkies, am Fuße der Alp, bey Ofterdingen, theils dicht mit dem Gryphitenkalk verwachsen, theils auch dicht im Muschelkalk, wie bey Rottenburg und Niedernau, auch als Versteinerungsmittel von Ammoniten.

b) Steine. Der Jurakalk besitzt oft die Dichtigkeit des Marmors, wie in dem Oberamte Reutlingen, wird | jedoch gewöhnlich nicht als solcher benutzt, auch der dichte blaue Muschelkalk nimmt eine marmorartige Politur an [13]

Kalkspath findet sich hier und da in den Spalten des Jurakalks, als Ausfüllungsmittel der Kammern großer Ammoniten im Gryphitenkalk, auch in eyförmigen und kuglichen Drusen im Muschelkalk, wie bey Schwalldorf und beym Schadenweiler Hof.

Kalktuff, am Abhang der Alp, auch in einzelnen Ablagerungen im Neckarthal zwischen Hirschau und Rottenburg, im Rammert, hinter Dettingen, im Mönchsthal, zu Obernau bey der Mineralquelle, auch in der Steinlach, zu Thalheim etc.

Werksteine; die als Bausteine benutzt werden, besitzen Seebrunn, Wendelsheim, Dettingen, Bodelshausen und der Heuberg bey Rottenburg.

Mühlsteine, eine grobkörnige, weißgraue Sandsteinart, neben dem Kornberg, südlich von Dettingen.

Pflastersteine enthält die Muschelkalkformation von vorzüglicher Güte, hauptsächlich oberhalb Rottenburg am rechten und linken Ufer des Neckars. Fette Kalksteine, zur Bereitung von gewöhnlichem Mörtel enthält der reine Muschel-, Gryphiten- und Jurakalk. Magere Kalksteine, zur Bereitung von hydraulischen Mörteln, welche unter Wasser erhärten, sind die mit Bittererde und Thon gemischten Dolomite und Rauhwacken der Muschelkalkformation.

Gyps besitzt das Oberamt in einigen Gegenden in den untersten Schichten der bunten Mergelformation, namentlich bey Wurmlingen, Weiler, Dettingen, und in den Umgebungen des Schadenweiler Hofs, auch zu Obernau. In der Gegend von Wurmlingen ist er sehr rein, weiß und dicht, so daß er sich als Alabaster benutzen läßt, auch ober den | Weinbergen nördlich von Dettingen findet sich ein feinkörniger, dichter, weißer Gyps.

Schwerspath, nesterweise auf den Anhöhen am Neckar, nördlich von Rottenburg.

Quarz, bald derb, bald krystallisirt, in kleinen sechsseitigen Säulen, findet sich zuweilen nesterweise im Muschelkalk, zwischen Obernau und Rottenburg.

Feuersteine, gewöhnlich von schwarzer Farbe, im Muschelkalk und als Gerölle des Neckars.

c) Steinkohlen wurden schon nesterweise bey Ergenzingen und Wendelsheim ausgegraben, sie sind gewöhnlich schiefrig.

d) Versteinerungen. Die drey oben erwähnten Kalkformationen des Oberamts enthalten in mehreren Gegenden Versteinerungen. Der Jurakalk enthält im Ganzen nicht viele, nur hier und da findet man in ihm den Ammonites planulatus und annulatus und Terebratulithes lacunosus. Reicher an Versteinerungen sind die in der Gryphiten- oder Liaskalkformation liegenden Gegenden, die obern Gegenden der Steinlach, namentlich die Umgebungen von Ofterdingen, Belsen und Bodelshausen, wo sich der Gryphites Cymbium Schl. findet. In dem Bette der Steinlach bey Ofterdingen, auch zu Bodelshausen finden sich ungewöhnlich große Ammoniten (Ammonites Arietis Schl.), auf den Feldern dieser Gegend findet man nicht selten im verkiesten Zustande den Ammonites coronatus und laevigatus, Schl., und den in anderen Gegenden seltenen Nautilites aperturatus, auch den Terebratulithes varians rostratus und die platte Varietät von T. vulgaris. Am ärmsten an Versteinerungen ist im Allgemeinen die Muschelkalkformation, ob sie gleich auch hier nicht ganz fehlen, namentlich sind in dem Dolomit von Niedernau hier und da Versteinerungen angewachsen.

e) Mineralquellen.


1) Die Mineralquellen zu Niedernau. Es sind ihrer mehrere; die Hauptquellen sind in drey Brunnen gefaßt, wovon zwey vor dem Badhause und einer im Bad | selbst sich befinden. Die Quellen sind wiederholt untersucht und beschrieben worden. Im J. 1802 hat Herr Dr. Klotz die dem Orte Niedernau zunächst gegen Norden liegende, und dem Geschmack nach schwächste Quelle chemisch untersucht, und darüber eine Dissertation geschrieben; nach dieser Untersuchung sind in 1 Pfund zu 16 Unzen dieses Wassers enthalten:
Kohlensaures Natrum 2,037 Gran.
Kohlensaure Kalkerde 6,57     –
Kohlensaure Bittererde 1,714   –
Kohlensaures Eisenoxydul 1,00     –
Kieselerde 0,145   –
Bergöl 0,714  
Summe der festen Bestandtheile   12,18   Gran.

zugleich enthält dieses Wasser in 1 Pfund 23 p. Kubikzoll kohlensaures Gas.

Herr Dr. Georgii untersuchte später im Jahr 1814 die übrigen zwey Hauptquellen. Nr. 1 außer dem Hause, von der oben als untersucht angegebenen nur durch eine nicht wasserdichte Wand getrennt, und Nr. 2, in dem Gebäude befindlich.

Er fand in 1 Pfd. der Quelle Nr. 1   25,4 p. Kubikzoll kohlensaures Gas mit einer Spur von Schwefelwasserstoffgas und an festen Bestandtheilen:

Kohlensaure Kalkerde 3,5 Gran.
Kohlensaure Bittererde 0,8     –
Salzsaures Natrum 0,2     –
Salzsaure Bittererde 0,3     –
Schwefelsaure Bitterde 0,9     –
Kohlensaures Eisenoxydul 0,75     –
Kieselerde 0,07   –
Extraktivstoff 0,4    
Summe der festen Stoffe 6,92 Gran.

Die Quelle im Haus enthielt in derselben Wassermenge 20 P. Kbkz. kohlensaures Gas mit etwas Schwefelwasserstoffgas.

|
 2,6 Gran kohlensaure Kalkerde,
 0,6     – kohlensaure Bittererde,
 0,2     – salzsaures Natrum,
 0,5     – schwefelsaure Bittererde,
 0,3     – kohlensaures Eisenoxydul,
 0,05   – Kieselerde,
 0,4     – Extraktivstoff.
 4,65 Summe der festen Stoffe.

Zu den genauesten Untersuchungen über diese Quelle gehört die neueste, erst im letzten Sommer von Herrn Prof. Christ. Gmelin in Tübingen vorgenommene Untersuchung [14]. Nach dieser Untersuchung enthält 1 Pfund zu 16 Unzen des Wassers der außer dem Hause befindlichen, südlich gelegenen Quelle, welche gewöhnlich zum Trinken benutzt wird:

 6,920 Gran kohlensaure Kalkerde
 0,778   – kohlensaure Bittererde,
 0,142   – kohlensaures Eisenoxydul,
 0,066   – kohlensaures Manganoxydul,
 1,338   – schwefelsaure Bittererde,
 1,086   – schwefelsaures Kali,
 0,195   – schwefelsaures Natron,
 0,494   – chlormagnium (salzsaure Bittererde),
 0,103   – Kieselerde,
 0,026   bituminöse Substanzen.
 11,150 Summe der festen Stoffe.

An Gasarten enthielten 100,00 Raumtheile des Wassers bey 3,28 B. (der größten Dichtigkeit des Wassers) 121,4 R. Theile kohlensaures Gas, oder 1 Pfund des Wassers enthält 29,2 P. Kubikzoll dieses Gases.

Die Temperatur der Quellen von Niedernau ist nach den Jahreszeiten verschieden, sie steigt nach den Untersuchungen von Herrn Prof. Schübler vom April bis gegen Ende Julius von 5 bis gegen 11° R.

| Im Allgemeinen zeigen die Untersuchungen, daß das mineralische Wasser zu Niedernau zu der Klasse der eisenhaltigen Sauerwasser, oder sogenannten Stahlwasser gehöre, und nach Hoffmann zur vierten Klasse erster Gattung alkalinischerdiger Stahlwasser gezählt werden müsse. Nach Herr Kanzler Dr. von Autenrieth gehört es zu den stärksten Sauerwassern des Königreichs. S. Niedernau.

2) Die Mineralquellen zu Obernau. Es ist eine Quelle im Orte, welche in ältester Zeit schon bekannt war, und noch als Bad benutzt wird. Eine zweyte, reichhaltige Quelle liegt auf dem rechten Ufer des Neckars auf einer Wiese. Die Quelle ist durch Herrn Prof. Sigwart zu Tübingen untersucht worden, welcher folgendes Gutachten darüber ausstellte.

Die in die Sinne fallenden Eigenschaften des Wassers zeigen, daß es unter die vorzüglicheren Sauerwasser gehört; daß es frey von Schwefel, ist, und ein bitteres Salz, aber kein oder nur wenig Eisen enthält. Es ist klar, geruchlos, und hat einen reinen, stechenden und säuerlichen nicht dintenhaften, noch versalzenen, blos etwas bitterlichen Geschmack, ohne einen andern Beygeschmack. Aus der mit demselben angestellten Untersuchung geht hervor, daß eine würtembergische Maß dieses Wassers zu 781/8 würt. Decimal-Kubikzoll an Gasarten 65 würt. Kubikzoll oder in 1 Pfund zu 16 Unzen, 20 P. Kubikzoll Kohlensäure enthält. An festen Stoffen enthält es in einer würt. Maß 30,25 Gran schwefelsauren Kalk (Gyps), 26,75 Gran kohlensauren Kalk, 7,78 Gran schwefelsaure Magnesie (Bittersalz), 1,22 Gran salzsaures Natron (Kochsalz) mit einer Spur kohlensauren Eisenoxydul.

3) Die Spitalquelle zu Rottenburg. Sie war in früherer Zeit mehr berühmt, und die Chronik von Lutz und Lutzenhardt, so wie eine spätere Beschreibung 1800, von Bernhard Gerber, Gastgeber zu den drey Königen, auf einem Blatt in Druck gegeben, haben es sehr angerühmt. Neuere-Untersuchungen geben kein so günstiges Resultat. Das | Wasser ist dem Neckarwasser ziemlich ähnlich, nur enthält es weniger Eisentheile.

4) Die Schwefelquelle im Buzzenthal ist durch ihren Geruch nach faulen Eyern ausgezeichnet, sie hat ähnliche Bestandtheile, wie die am Fuß der Alp entspringenden Schwefelquellen von Reutlingen, Owen, Boll, auch entspringt sie, wie diese, aus der Liasformation. Das Wasser besitzt einen starken Geruch nach Schwefelwasserstoffgas, Silber wird dadurch in kurzer Zeit schwarzbraun, sein Geschmack ist bitterlich salzig. Nach einer Untersuchung von Hrn. Prof. Sigwart beträgt die Menge des Gases, welches darin enthalten ist, 1/13 des Umfangs, 4/5 desselben sind Schwefelwasserstoffgas, mit kohlensaurem Gas, von Salzen enthält es namentlich Glaubersalz und kohlensaure Bittererde. Die Quelle hatte ehedem ein Badhaus, das im dreyßigjährigen Krieg abbrannte; sie wird in den nähern Umgebungen als Bad benutzt.

Brunnenquellen. In Güte und Reinheit zeigen die einzelnen Quellen viele Verschiedenheiten. Nach den Untersuchungen von Herrn Apotheker Weißmann enthalten die einzelnen Brunnen in der Stadt Rottenburg in 1 Pfd. zu 16 Unzen folgende Menge an erdigen und salzigen Bestandtheilen:

Der Brunnen an der Brücke 3,0 Gran.
Der Brunnen auf dem Markt 3,1   –
Der sogenannte Collegii-Brunnen 3,5   –
Badbrunnen im Hagenhof des Spitals 3,6   –
Brunnen am Hechinger Thor 3,7   –
Schöpfbrunnen, außerhalb des ehemaligen
Carmeliter Kirchhofs
4,2   –
Schöpfbrunnen im Polizeyhaus 4,1   –
Schöpfbrunnen im Spiegelgäßle 4.5   –
Pumpbrunnen in der Königsstraße, bey der Schule 6,9   –
Die überwiegenden Bestandtheile bey den meisten dieser Brunnen sind salzsaure Salze mit etwas kohlensaurer Kalk- und Bittererde; Gyps enthalten sie theils keinen, theils nur sehr wenig. Freye Kohlensäure enthalten sie alle, am meisten | der Schöpfbrunnen am Polizeyhaus. Der Brunnen am Hechinger Thor und der Badbrunnen enthalten eine Spur von Eisen. Es ergibt sich aus diesen Untersuchungen, daß die laufenden Röhrbrunnen der Stadt durchgehends ein an erdigen Salzen reineres Wasser geben als die Pumpbrunnen.

Über die verschiedenen Brunnen zu Ergenzingen besitzen wir nähere Untersuchungen von Herrn Med. Dr. Bauer[15], welche im Allgemeinen ein ähnliches Resultat geben, zugleich aber zeigen, daß in dieser Gegend die Brunnen im Allgemeinen ein weniger reines Wasser enthalten, als die weniger tiefen; er fand in 1 Pfund Wasser, zu 16 Unzen, an erdigen Salzen:

1) in dem laufenden Röhrbrunnen des Orts 2,25 Gran.
2) in einem Pumpbrunnen 15’ tief 3,0     –
3) –      –           – 24’   –   4,5     –
4) –      –           – 24’   –   6,0     –
5) –      –           – 26’   –   9,25   –
6) –      –           – 28’   – 17,00   –
7) –      –           – 36’   – 11,00   –
8) –      –           – 46’   – 11,50   –

Das beym Abdampfen dieser Wasser zurückbleibende hellgraue Pulver hatte einen kaum bemerkbaren salzigen Geschmack, wurde in der Luft nur sehr wenig feucht, und bestund, nach Versuchen mit Reagenzien, vorherrschend aus kohlensaurer Kalkerde mit salzsaurer Kalkerde, Gyps, und wahrscheinlich etwas Kochsalz.

Neckarwasser, welches bey trockener Witterung den 3. July 1827 zu einer Zeit geschöpft wurde, wo der Neckar völlig klar war, und vor dem Abdampfen durch Fließpapier filtrirt wurde, enthielt in 1 Pfund, zu 16 Unzen, 3,3 Gran erdige Salze, welche nach Prüfungen mit Reagenzien vorherrschend aus kohlensaurer Kalkerde, salzsauren Salzen, etwas Bittererde und kohlensaurem Eisenoxydul bestund.

|
Pflanzenreich.
a. Hölzer und Sträucher.

 a) Laubholz.

aa) Baumarten. Quercus robur, Wintereiche; pedunculata, Sommereiche; Fagus silv., Buche; Carpinus betulus, Hagbuche; Acer pseudoplatanus, gem. Ahorn; Acer platanoides, Spitzahorn; Fraxinus excelsior, die gemeine Esche; Betula alba, gem. Birke; Betula alnus glutinosa, Schwarzerle; Tilia grandifolia, Sommerlinde, Tilia parvifolia, Winterlinde; Populus tremula, Espe; Robinia pseudo acacia, gemeine Akazie; Pyrus pyraster, Holzbirnbaum, Pyrus malus, Holzapfelbaum ; Sorbus aucuparia, Vogelbeerbaum ; Crataegus aria, Mehlbeerbaum, Crataegus torminalis, Elzbeerbaum ; Prunus cerasus, Sauerkirsche, Prunus avium, Vogelkirsche; Salix caprea, Salweide.

bb) Straucharten. Salix alba, die weiße Weide, Salix vitellina, Bandweide, Salix aurita, Salbeyweide, Salix acuminata, Werftweide, Salix viminalis, Korbweide, ferner amygdalia und rosmarinfolia; Acer campestre, Feldahorn; Prunus padus, Traubenkirsche; Ligustrum vulgare, Rainweide; Cornus Sanguinea, Hartriegel; Lonicera xylosteum, Heckenkirsche; Rhamnus catharticus, Kreuzdorn, Rhamnus frangula, Pulverholz; Evonymus europ., Spindelbaum; Ribes rubrum, rothe Johannisbeere, Ribes alpinum, wilde Johannisbeere, Ribes grossularia, Stachelbeer; Viburnum lantana, Schlingstrauch, Viburnum opulus, Wasserholder; Sambucus nigra, schwarzer Hollunder, Sambucus racemosa, Berghollunder; Berberis vulgaris, Sauerdorn; Prunus Spinosa, Schwarzdorn; Crataegus oxyacantha, Weißdorn; Crataegus aria, Mehlbirne; Mespilus cotoneaster, Quittenmispel; Rosa cinnam., Zimmetrose, Rosa Spinosissima, vielstachlichte, Rosa Gallica, Essigrose, Rosa rubiginosa, Weinrose, Rosa rubrifolia, rotbblättrige, Rosa sepium, Heckenrose, Rosa canina, Hundsrose, Rosa villosa, rauhe Rose; Carylus avellana, Haselstrauch.

cc) Staudenarten. Hedera helix, Epheu; Solanum dulcamarae, Nachtschatten; Vinca minor, kleines Sinngrün; Erica vulgaris, gemeine Heide; Vaccinium myrtillus, Heidelbeer ; Daphne mezereum, Seidelbast; Rubus idaeus, Himbeerstrauch, Rubus caesius, Ackerbrombeerstauden, Rubus fructicosus, gemeine Brombeer, Rubus tomentosus, filzige Brombeer; Cytisus nigricans, schwärzlicher Gaisklee; Cistus helianthemum, Sommerröschen; Clematis vitalba, gemeine Waldrebe; Genista sagittalis, pfeilförmiger Ginster, Genista tinctoria, Farbeginster, Genista germanica, deutscher Ginster; Ononis Spinosa, Heupechel.

|
b) Nadelhölzer.

aa) Baumarten. Pinus abies, Weißtanne, Pinus picea, Fichte, oder Rothtanne, Pinus Sylvestris, gemeine Forche.

bb) Straucharten. Juniperus communis, Wachholder.


c) Krautartige Pflanzen

auf dem Farrenberg: Gentiana lutea, verna und cruciata. Astrantia major. Caucalis grandifl. Staphylea pinata. Convallaria verticill. Actaea spicata. Aconitum lycoct. Helleborus foet. Ranunculus lanugin. Anemone hepatica und ranunculoides. Vicia sylv. Doronicum bellidiastrum. Cineraria integrifol. Centaurea mont. Serapias longif. Orchis sambuc. Carex digitata und claudestina; auf dem Filsenberg: außer mehreren Pflanzen des Farrenbergs, häufig Coronilla coron. Buphthalmum salicifol. Athamantha Liban. auf dem Heuberg: Sanicula europ. Gentiana lutea. Aconitum Napellus und mehrere der schon erwähnten.

Bey Rottenburg: Eriophorum polyst, bey Schadenweiler, Sanicum Dact. im Trieb. Sesleria coerul. auf der Altstadt; Hippuris vulgaris, bey Rottenburg; Panicum dactylon, im sog. Trieb; Melica ciliata, auf felsigten Anhöhen um Rottenburg; Asperula odorata, an der Weilerburg; Globularia vulgaris, in der Dölli etc. Lithospermum officinale, in der Dölli und im Wald gegen Niedernau; Lithospermum purpureo coeruleum, am waldigen Abhang des Hirschauer Bergs; Lycopsis arvensis, in der Neckarhalde am Wege gegen die Hammerschmiede; Menyanthes trifoliata, im Stadtwald Weyherle, unfern dem ersten Bildstöckle; Jasione montana, am Waldrand, unfern dem Wartthurm; Atropa Belladonna, am häufigsten in der Dölli; Datura stramonium, in den Krautländern zunächst der Gypsmühle; Viola mirabilis, häufig über den Hirschauer Weinbergen am Waldabhang, seltener in der Dölli. Gentiana verna, häufig im Dettinger Thal, auf der Waldwiese Afterkehl. Ribes alpinum, an Hecken in der Neckarhalde; Sanicula europaea, am östlichen Abhang der Weilerburg und im Stadtwald; Athamanta Libanotis, am westlichen Abhang der Dölli; Conium maculatum, auf dem Wurmlinger Berg bey der Kapelle; Sium falcaria, auf Getreide- Äckern; Caucalis grandiflora, auf Äckern von Kiebingen, gegen die Rohrhalde; Hyacinthus botryoides, auf grasigen Hügeln im Trichter; Convallaria verticillata, im Stadtwald und am Katzenbach, Convallaria polygonatum, an beyden Orten und in Dölli; Rumex aquaticus, am linken Neckarufer, zunächst den drey Linden, Rumex scutatus, an Felsen über den Klinglisgraben; Monotropa Hypopithis, unter Tannen in der Dölli und im Altstadtwald, und bey Niedernau; | Pyrola secunda, in der Dölli und im Nadelwald gegen Wolfenhausen, und bey Niedernau; Saxifraga Tridactylites, an einer alten Mauer, links des Fahrwegs in die Obermühle; Saponaria vaccaria, auf Äckern gegen den Weilerbrunnen; Comarum palustre, im Stadtwald-Weyherle, unfern dem ersten Bildstöckle; Hypericum humifusum, am Waldrand zwischen<!—Vorlage: zwischem--> dem krummen Steigle und Gaifizweg; Aconitum Lycoctonum, am Fuße der Waldungen im Katzenbachthal, besonders des Laubwalds; unfern der dortigen Ziegelhütte Schwalldorf zu; Thalictrum minus, auf Felsen gegen die Brunnenmühle; Helleborus foetidus, auf Anhöhen, Niedernau und Kalkweil zu; Anemone pulsatilla, am häufigsten auf der Anhöhe über dem Klinglisgraben, Anemone ranunculoides, am Waldbach bey der zweyten Brücke über Schadenweiler; Ajuga pyramidalis, hinter der Klause, gegen die Leimengrube am Rain; Teucrium Chamaepitys, an Weinbergen bey Hirschau, Teucrium chamaedris, an Bergen bey Niedernau und Hirschau etc. Euphrasia lutea, auf der Anhöhe über dem Klinglisgraben; Orobanche major, ebendaselbst; Antirrhinum spurium, auf Äckern gegen den Martinsberg, Schadenweiler und Weggenthal; Digitalis ambigua, am Abhang des Laubwalds im Katzbachthal; Lepidium latifolium, an der Wurmlinger Kapelle und am Neckar: Polygala amara, auf dem Altstadt-Berg und bey Niedernau; Orobus tenuifolius, auf dem Hirschauer Berg, gegen Wurmlingen hin; Astragalus pilosus, links am Weg auf den Wurmlinger Berg; Spartium scoparium, im Dettinger Wald; Scorzonera humilis, ebendaselbst auf dem Lausbühl; Lactuca perennis, an Felsen gegen die Brunnenmühle; Chrysocoma Linosyris, in der Dölli und auf dem Hirschauer und Wurmlinger Berg; Artemisia pontica, unfern dem Klausenkirchhof, an der neuen Waldstraße; Anthemis tinctoria, auf Äckern bey Hirschau; Centaurea nigra, zwischen dem Stadtwald und Weilerwald; Centaurea montana, im Stadtwald;

Orchis militaris, auf dem Altstadt-Berg; Ophrys corallorhiza, bey Niedernau im Wald, am Eiskeller; Carex clandestina, am westlichen Abhang der Dölli.


Thierreich.

Der Wildstand ist gering, wilde Schweine sind gar keine mehr vorhanden, und Rothwild wechselt nur vom Schönbuch aus manchmal. Hasen sind selten, Rehe ebenfalls. Außerdem kommen noch folgende vierfüßige Thiere vor: Katzen, Flößader, Stein- und Baummarder, Iltis, Wiesel, Dachs, Fuchs, Eichhorn. Im Neckar bey Rottenburg halten sich auch Fischottern auf.

| Von Vögeln kommen vor: Feldhuhn, Ringeltaube, Schnepfe, Ente, Lerche, Wachtel, rothe Milan, Hühnerhabicht, Sperber, Baumfalke, Uhu, der graue Würger, Fischreiher etc., zu den merkwürdigen Vögeln gehört der Fischadler, Falco Hal., der sich zuweilen am Neckar aufhält. An demselben zeigt sich auch der Eisvogel nicht selten. Von Singvögeln ist die Nachtigall sehr häufig bey Dettingen und Bodelshausen.

Fische besitzt der Neckar wenig vorzügliches, selten werden Aale, Hechte, noch weniger Karpfen gefangen, am meisten Barben und Weißfische. Die Bäche der Alp, so wie der Katzenbach, haben Forellen, doch nur sparsam, reicher sind sie an Grundeln und Gruppen. In dem Krebsbache werden Krebse, sowohl Edelkrebse, als gewöhnliche kleine gefangen. Ächte Blutegel kommen hier und da vor.


  1. Der Farrenberg, nach dem Heuberg der höchste, ist auch merkwürdig durch die Sage von dem Kirchlein zu Belsen und durch die Ruinen des Schlosses Andeck. Der Filsenberg bey Öschingen hat ebenfalls eine bedeutende Oberfläche, die, wie der Farrenberg, mit einzelnen Buchen, zum Theil von ungeheurer Größe, bewachsen ist, und von den Öschingern als Viehweide benuzt wird. Man sieht hier, wie auf den benachbarten Bergen von Wilmandingen und Genkingen, sehr deutliche Spuren ehemaliger Vertheidigungs-Linien, Wälle und Schanzen. Der Heuberg ist der höchste im Oberamte. S. Beschr. des Oberamts Reutlingen. Der Fürstberg ist bedeutend niedriger, als die beyden vorgenannten Berge, und eigentlich ein Ausläufer der Alp, der sich zwischen Öschingen und Nehren hinauszieht. Seine Oberfläche ist theils mit Wald, theils mit vortrefflichen Baumgärten bedeckt, und an seinem westlichen, zu Mössingen gehörigen, Abhange wird noch Wein gebaut. Auf dem Rücken des Bergs, unweit Öschingen, sieht man noch die Überreste von dem ehemaligen Schlosse Fürst, wovon der Berg seinen Namen hat. S. Öschingen. A. d. H.
  2. Im Ganzen hat man dreyerley Gebirgs- und Höhenzüge in dem Oberamte zu beobachten: 1) die Alp, wovon die Markungen Mössingen, Öschingen und Thalheim noch einen Theil einschließen; 2) der Rammert, zwischen dem Neckar, der Steinlach und dem Krebsbach. Seine Höhe bildet eine nicht unbedeutende Gebirgsebene, die sich gegen Süden allmählig in dem Fuße der Alp verliert, gegen Norden aber schnell gegen den Neckar senkt; 3) die Neckar- und Ammerscheide, ein im Grunde von dem Schönbuche durch das Ammerthal abgeschnittener, ziemlich hoher Gebirgsstock, ohne allen Zusammenhang mit andern Gebirgen, der mit der Wurmlinger Kapelle beginnt, und über Tübingen bis Lustnau hinläuft. Ein Theil dieses Gebirgszugs ist der, gemeiniglich mit dem Namen Tannenberg belegte Gebirgsstock zwischen Wurmlingen und Oberndorf, der noch mit dem Randelrein und Pfaffenberg zu dem diesseitigen Oberamte und zwar zu den Markungen Wendelsheim und Wurmlingen gehört. Er ist durch einen merkwürdigen Durchbruch bey Wurmlingen, der das Neckarthal und das Ammerthal mit einander verbindet, von dem Hauptgebirgszuge getrennt und steht überhaupt rundum frey da. Der westliche Theil des Oberamts ist ein allmähliger Übergang in das Schwarzwaldgebirge. A. d. H.
  3. Diese Felsenschlucht, offenbar das Werk eines gewaltsamen Durchbruches, wird besonders auch in Beziehung auf die Geschichte der Stadt Rothenburg merkwürdig. S. die Anmerkung darüber bey Rottenburg.
  4. Das Thal hat nämlich in seinen Anfängen mancherley Äste; ein Hauptast ist das Öschinger Thal, das von Genkingen herabzieht, und zwischen Öschingen und Mössingen ausmündet. Die Nebenäste, so wie das nach Thalheim hinaufziehende Hauptthal sind durchaus tief in das Alpgebirge eingeschnitten. Letzteres ist besonders malerisch, eine wahre Schweizernatur; die Straße zieht meist zwischen Kirschbaumreihen hin, und überall erblickt man zerstreute Wohnungen. A. d. H.
  5. Wir werden auf dieses Thal wieder bey Tübingen zurückkommen.
  6. Diese sieben Thälchen sind jedoch nur sieben Krümmungen des Thals, die den Namen der sieben Thäler führen.
  7. Namentlich verdient hier noch erwähnt zu werden das Rommelsthal, auch Rommelstall genannt, ein enges, ziemlich tief eingeschnittenes, stilles Wiesen- und Waldthal, das aus der Gegend von Ergenzingen herab, unter Eckenweiler und Nellingsheim hinzieht, und zu Obernau in das Neckarthal ausmündet, und auch durch die darin befindliche römische Wasserleitung merkwürdig ist. A. d. H.
  8. Hieher könnte auch noch gerechnet werden: der Rammert, ein großer Waldbezirk zwischen Rottenburg, Bodelshausen, Dußlingen und Bühl. Theile davon sind die Rottenburger und andere Communwaldungen und der Name Rammert hat sich eigentlich nur noch da erhalten, wo der Wald Staatseigenthum ist. Zu dem Gäu, einem Bezirke, der seinen Namen noch von der alten Gaueintheilung, ohne Zweifel von dem Nagoldgau hat, werden dermalen noch folgende Orte, zwischen der Nagold, der Ammer und dem Neckar, gerechnet: Mötzingen, Vollmaringen, Göttelfingen, Baisingen, Ergenzingen, Bondorf, Seeburg, Hailfingen, Oberndorf, ferner auch Thailfingen, Unter- und Ober-Öschelbrunn, Unter- und Ober-Jettingen, Haslach, so wie an der Ammer hin Gülstein, Altingen und Reusten, und gegen den Neckar hin noch Wolfenhausen, Remmingsheim und Nellingsheim. A. d. H.
  9. Zu den merkwürdigeren Quellen kann auch die Steinlachquelle gerechnet werden, welche am Fuße der Alp, an der Salmandinger Steige hinter Thalheim mit außerordentlicher Fülle hervorbricht, wie dies bey den Alpquellen gewöhnlich ist. A. d. H.
  10. Mühlen und Werke treibt der Neckar in dem Oberamte blos zu Rottenburg, hier aber nicht weniger, als 3 Mahlmühlen und 15 andere Mühlen und Werke, wovon jedoch zum Theil mehrere in Einem Gebäude vereinigt sind. Der Lauf des Neckars, durch das Oberamt beträgt in gerader Linie 33/8 St., nach der Thalbahn gerechnet 47.400 Fuß oder 35/8 St., nach der Flußbahn 51.400 Fuß, oder nicht ganz 4 St. Außer Rottenburg liegen übrigens nur noch die zwey Orte Obernau und Niedernau unmittelbar an dem Neckar. Das Gefälle des Neckars ist, nach den unten mitgetheilten Schüblerischen Höhenbestimmungen:
    Entfernung Fall des
    Flusses.
    Mittl. Fall auf 1000 F.
    nach der
    Flußbahn.
    nach der
    Thalbahn.
    nach der
    Flußbahn.
    nach der
    Thalbahn.
    Vieringen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
    Rottenb. unt.
    den Wehren
    28.150’ 25.800’ 48’ 1,7  1,86
    OAmtsgränze 27.500’ 25.950’ 33’ 1,2  1,21
    Zusammen 55.650’ 51.750’ 81’ 1,46 1,5  
  11. Die eigentliche und Hauptquelle der Steinlach ist die oben bezeichnete Quelle am Fuße der Salmandinger Steige. Mit ihr vereinigen sich unterhalb Thalheim auf der linken Seite der Wangenbach und Weiherbach, auf der andern Seite der Seebach. Die Vereinigung des Öschinger Astes geschieht oberhalb Mössingen, bey der Aschermartinsmühle. A. d. H.
  12. Er heißt Salenbächlein, auch Endenbächlein. S. Beschr. des Oberamts Reutlingen. In die Steinlach fließt innerhalb des Oberamtsbezirks der Buchbach, welcher an dem Heuberge entspringt und durch Belsen geht, 1/8 St. oberhalb Ofterdingen, wo er auch Hauserbach genannt wird. In denselben gehen der Gaisbach und der Wörtenbach. Der Lauf der Steinlach, von den Quellen an der Salmendinger Steige an bis an die Gränze des Oberamts beträgt in gerader Linie, 23/8 St., nach den Thalkrümmungen 47.150 Fuß oder 42/5 St. und nach den Flußkrümmungen 53.100 F. oder 49/10 St. Das Gefälle ist sehr bedeutend und beträgt von den Quellen bis an die Oberamtsgränze über 200 Fuß auf 1 Stunde. Nähere Bestimmungen werden bey Tübingen gegeben werden. A. d. H.
  13. Nach Röslers Beyträgen zur Naturgeschichte von Würtemberg findet sich zu Mössingen auch ein weißer Marmor, und in dem königl. Residenzschlosse zu Stuttgart steht eine Büste von solchem Marmor gearbeitet. A. d. H.
  14. Siehe dessen chemische Untersuchung des Sauerwassers bey Niedernau. Tübingen, 1827, als Dissertation erschienen.
  15. Siehe die Diss. Inaug. sistens topographiam medic. pagi Ergenzingen. Praes. Autenrieth, auct. Bauer. Tübingae. 1810. Anm. d. H.
« [[Beschreibung des Oberamts Rottenburg/|]] Beschreibung des Oberamts Rottenburg Kapitel A 4 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).