Beschreibung des Oberamts Tettnang/Kapitel B 19

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19. Gemeinde Schomburg,
bestehend aus 15 Parzellen mit 851 Einwohnern.
Der vormals Östreichische und früher Montfortische Gemeindebezirk Schomburg liegt an der östlichen Grenze gegen das Oberamt Wangen; mitten durch geht die untere Argen und die Landstraße von Tettnang nach Wangen; seine Lage ist hoch und bergig, Luft und Klima sind gesund, aber etwas rauh; er hat viele Waldungen, der Obstbau ist unbedeutend, der Feldbau dagegen gut. In dem Bezirk sind mehrere Weiher, die meisten um Primisweiler. Als Nebengewerbe wird die Spinnerei fleißig betrieben. Die Gemeinde gehört zum C. A. Tettnang, in kirchlicher Beziehung ist sie unter die Pfarreien Haslach und Primisweiler| getheilt. Die Schulen sind in den beiden Pfarrorten. Die Zehnten beziehen die Pfarreien von ihren Pfarrsprengeln, mit Ausnahme geringer Theile, welche der Staat, der Spital Wangen und die Präsenzpflege Ravensburg zu beziehen haben. Den größten Theil der Gefälle bezieht der Staat, nach ihm die Kirchenpflegen Pfärrich, Amtzell und Haslach, die Pfarrei und Kaplanei Haslach, die Pfarrei Primisweiler, die Präsenz Ravensburg etc.
  • 1) Schomburg k. W. mit 38 Einw., Filial von Haslach, 4 St. östlich von Tettnang, an der Argen. Im Thale unten liegt die Ziegelhütte, an der Mitte des Thalrandes liegen ein Paar Höfe und oben auf dem steilen Rande, kühn gebaut, das noch gut erhaltene massive Schloß Schomburg, von welchem aus man eine schöne Aussicht auf die Tyroler- und Schweizer-Alpen genießt. Der Ort hat eine Schildwirthschaft und Bierbrauerei. Gegenüber von Schomburg stehen noch wenige Reste der sogenannten Hochburg (s. auch Parz. 7). Zwei zu dem Schloß gehörige eigenthümliche Güter wurden zusammen 1820 von der Königl. Finanzkammer für 11.000 fl. verkauft. Das jetzige Schloß war ein Sommer-Aufenthalt der Grafen von Montfort und wurde im Jahre 1754 erneuert. Es ist auf den Trümmern der alten festen Burg Schomburg erbaut. Burg und Zugehör bildeten eine eigene Herrschaft, welche in späterer Zeit zur Reichsritterschaft (Algau und am Bodensee) gehörte. Die alten Besitzer der Burg und Herrschaft Schomburg sind unbekannt; vielleicht waren es die in den älteren Urkunden der Umgegend vorkommenden Schauenburg, Schowenburg.[1] Die Grafen von Montfort erwarben die Herrschaft im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts. In der Erbtheilung des Grafen Haug von Montfort, vom Jahr 1309, ist Schomburg unter den Montfortischen Besitzungen noch nicht aufgezählt; in der Theilung der Grafen im J. 1338 dagegen erhält Gr. Wilhelm, nebst andern Gütern, auch Schowenburg, die Burg und was dazu gehört. Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts blieb Schloß und Herrschaft Sch. im Besitze der Grafen von Montfort; 1408 verkauft Graf Hugo v. Montfort mit seinem Sohn, Graf Ulrich, an Georg und Conrad die Sieber, Bürger zu Lindau, die Burg und Veste Schomburg, Burg und Burgstall mit aller Zugehörde,| um 3170 Pfund Heller. Als Zugehörungen der Burg sind im Kaufbriefe aufgeführt: das Vogtrecht zu Haslach, die Höfe Halbrechts, Rembrechts, Giselharz, zu Haslach zum Schowiß (Schauwies), das Vogtrecht zu Brünisweiler über mehrere Güter, 1 Gut zu Wiggenweiler, 2 Güter zu Hiltensweiler, 2 Höfe zu Jussenweiler, 1 Hof zu Primisweiler, 1 Hof zu Reuti, 1 Hof zu Löwenhorn, des Zellershof auf dem Berg, 6 Höfe und Güter zu Niederwangen, der Niederhof zu Berg, der Hof zu Neuratz, der Hof zum Wambrechts; die zu Schomburg gehörigen Vischenzen, dazu alle Leute etc. – 1515 verkauft Ulrich Siber zu Schomburg, Bürger zu Lindau, die Herrschaft Sch. an Anton Röm, Bürger zu Augsburg, seinen Vetter um 6000 fl., der sie 1549 an Friedrich Hundpiß von Waldrams zu Pfaffenweiler um 12.000 fl. verkauft. Von den v. Hundpiß kam die Herrschaft 1638 an die Brüder Sigmund Friedrich und Christoph Wilhelm v. Freyberg, welche sie aber nach einigen Jahren an die Gläubiger der Hundpiß überließen, die sie 1659 an den Grafen Hugo v. Montfort gegen Übernahme der Schulden übergaben. So kam Sch. wieder an die Montforte und theilte von da an die Schicksale der Herrschaft Tettnang.
  • 2) Batten, H. mit 15 k. Einw., Filial von Haslach, an der Haslach, ein allodificirtes Lehengut.
  • 3) Bauren, H. mit 8 k. Einw., Filial von Haslach, ein allodificirtes Lehengut.
  • 4) Halbrechts, W. mit 8 k. Einw., Fil. von Haslach, auf einer Anhöhe liegend, mit vortrefflicher Aussicht. Ein Gut daselbst ist ein allodificirtes Lehengut, das zweite ein Erblehen der Krone.
  • 5) Haslach, kath. Pfarrweiler mit 117 Einw., an der Haslach, in ebener, angenehmer und gesunder Lage, 510 W. F. über dem Bodensee. Die Pfarrkirche zum heiligen Stephan und das Pfarrhaus werden von der Kirchenpflege erhalten, im Fall der Unzulänglichkeit mit Beistand der Großzehntherren. Das Pfarrhaus wurde 1802 von beiden Theilen neu gebaut. Das Schulhaus wurde 1819 erbaut. An der Kirche ist neben dem Pfarrer auch ein Kaplan angestellt, die Stelle ist aber dermalen unbesetzt. Der Ort hat eine Schild- und Schenkwirthschaft. Die Pfarrei Haslach ist alt, denn die Kaplanei war schon im J. 1325 neben ihr vorhanden. Das Patronatrecht war ehemals St. Gallisch. Der Ort selber kommt schon im Jahr 882 aus Gelegenheit einer Schenkung vor, welche ein gewisser Cunzo mit Gütern zu Tettnang und Haslach (Hasalacha), im Argengau, an das Kloster St. Gallen machte, s. S. 85. Im Jahr 1588 verlieh der Abt von St. Gallen das Patronatsrecht dem Friedrich Humpiß von Waldrams in Schomburg, als Mannslehen. Nachdem die Familie der Humpiß-Schomburg| ausgestorben war, scheint das Kloster das Patronat wieder an sich gezogen zu haben, denn bis 1804 war dasselbe St. Gallisch. Von St. Gallen erhielt die Pfarrei auch ihre Hülfspriester, die Pfarrer aber waren immer vom Kloster St. Gallen erwählte Weltpriester. 1805 kam mit dem Ort auch das Patronatrecht an Bayern und sofort 1810 an Würtemberg. Der Pfarrsprengel besteht dermalen außer Haslach aus 8 Parzellen von Schomburg, 8 Parzellen von Neukirch und der Parzelle Siglisberg, Gem. Pfärrich, Oberamt Wangen. Mehrere davon wurden der Pfarrei erst 1812 zugetheilt. Ehemals gab es auch Ritter von Haslach: Conradus miles et Wolfhardus de Haslach sind Zeugen in einer Urkunde von 1241, über den Verkauf von Torkenweiler an das Kloster Weißenau. Vielleicht saßen sie auf der Burg Hohburg, bei Schomburg, vielleicht gehörten sie aber auch einem andern Haslach an.
  • 6) Hiltensweiler, W. mit 88 k. Einw., Filial von Primisweiler, an der Landstraße von Wangen nach Lindau, mit 1 Schildwirthschaft und 1 großen von der obern Argen getriebenen Mahl- und Sägemühle. In H. ist eine Kapelle zum h. Clemenz, die aus ihrem Fonds unterhalten wird. Es werden darin jährlich zwei Messen gelesen. Die Güter in H. sind alle Eigenthum.
  • 7) Hochbühl, H. mit 8 k. Einw., Filial von Primisweiler, auf dem steilen linken Abhang der Argen dem Schloß Schomburg gegenüber mit den Ruinen der alten Hochburg, s. Hiltensweiler und Schomburg. Daselbst ist eine Ölmühle.
  • 8) Hugelitz, H. mit 9 k. Einw., Filial von Haslach, an der Argen, ganz von Wald umgeben in feuchter unfruchtbarer Lage.
  • 9) Kernaten, ehemals Kemnaten, W. mit 60 k. Einw., Filial von Primisweiler, an der Argen, mit 1 Ölmühle und 1 Hanfbleiel. Jakob der Gesell von Kempnaten, Bürger zu Wangen, erhielt 1387 von dem Kloster Langnau ein Gut zu einem rechten Zinslehen, gelegen zu Kempnaten. Über die Bedeutung des Namens siehe Biberach, S. 121.
  • 10) Mittenweiler, W. mit 8 k. Einw., Filial von Primisweiler, nahe an der östlichen Oberamtsgrenze und an der Hauptstraße von Tettnang nach Wangen, bestehend aus 1 herrschaftlichen Lehen und 1 eigenthümlichen Gut.
  • 11) Primisweiler – Primenschweiler, Brünnensweiler, kath. Pfarrweiler mit 263 Einw., an der Landstraße von Tettnang nach Wangen, ganz oben gelegen, 522 W. F. über dem Bodensee, mit 1 Schildwirthschaft. Das Patronat ist Königlich. Der Ort bildete einen Bestandtheil der Herrschaft Schomburg; 6 Güter gehören zu der Kirche Pfärrich, Oberamt Wangen, 3 zu der Kirche Amtzell. Die Pfarrkirche zum h. Clemenz wurde 1831| mit Hülfe milder Beiträge erweitert. Die Baulast liegt auf der Kirchenpflege, ebenso die des Pfarrhauses. Die Schule für den Pfarrsprengel ist im Orte, das Schulhaus wurde 1819 von der Gemeinde erbaut. Die Pfarrei ist sehr alt, man setzt ihre Gründung in die ersten Zeiten des Christenthums, das Patronatrecht hatte das Kloster Meererau bei Bregenz. Durch einen Vergleich kam es 1722 an das Hochstift Constanz. Im Jahr 1809 zog Bayern das Patronat an sich, von dem es mit dem Orte an Würtemberg überging. Der Pfarrsprengel besteht aus 6 Parzellen der Gemeinde.
  • 12) Rembrechts, W. mit 69 k. Einw., Filial von Haslach; das Kloster Weißenau hatte hier vormals 2 Lehen, 1486 von den v. Humpiß zu Senftenau und 1630 von den v. Humpiß zu Amtzell erkauft. Die übrigen Güter waren eigen. „Reginbrechtiswilare,“ das in einer Urkunde bei Neugart vom Jahr 862 vorkommt, ist schwerlich unser Rembrechts, da jenes im Nibelgau lag.
  • 13) Rhein, W. mit 113 k. Einw. und 1 Schildwirthschaft, Filial von Primisweiler. Nach der östreichischen Archivaltabelle von 1804 bestand R. aus 3 Lehen der Kirchenpflege Amtzell, 1 der Kirchenpflege Pfärrich und 11 Erblehen des Religionsfonds von Kloster Langnau her, die übrigen waren Eigenthum.
  • 14) Schauwies, W. mit 40 k. Einw., Filial von Haslach, 1 Lehen gehört zur Kirchenpflege Pfärrich.
  • 13) Ziegelhütten, H. mit 7 k. Einw., Filial von Haslach.

  1. 1334 schenkt Gözwin v. Schowenburg dem Kloster Weingarten den Hof in der Wis, und 1335 für das Seelenheil seines Bruders Manegold dem Kloster Weißenau Ettisweiler bei Wangen.