Camenzer Wochenschrift, 23. März 1848
Die Wochenschrift erscheint 2 Mal wöchentlich, Sonntags und Donnerstags, und kostet vierteljährlich 7 Ngr. 5 Pf., für welchen Preis sie durch die Post zu beziehen ist. Einzelne Nummern kosten bei 1 ganzen und ¾ Bogen 6 Pf., bei ½ Bogen 4. Pf. – Inserate, die darin aufgenommen werden sollen, wolle man gef. bis Sonnabend Mittag und Dienstag Abend einsenden.
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Bekanntmachung.
[Bearbeiten]Zur Vornahme der Wahl eines Landtagsabgeordneten für den 19. städtischen Wahlbezirk und eines Stellvertreters für denselben, sowie nach Befinden eines besonderen Vertreters der zu gedachtem Wahlbezirke gehörenden Landstädte bei den Oberlausitzer Provinciallandtagen, welche zu Budissin auf dem Rathhause daselbst Statt finden wird, ist
anberaumt worden.
Indem daher die ernannten Wahlmänner, an welche übrigens noch besondere Ladung ergeht, andurch vorgeladen werden, an gedachtem Lage zu der oben bemerkten Zeit an dem bezeichneten Orte sich persönlich einzufinden und gemeinschaftlich die Wahl eines Landtagsabgeordneten und sodann auch die Wahl eines Stellvertreters für denselben, nicht minder, was die Wahlmänner von Elstra, Königsbrück und Pulsnitz anlangt, nöthigen Falls die Wahl eines besonderen Vertreters dieser Städte bei den Oberlausitzer Provinciallandtagen den gesetzlichen Vorschriften gemäß zu vollziehen, wird dies zugleich mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Liste der zu Abgeordneten Wählbaren und ein Verzeichniß der Wahlmänner an den Rathhäusern zu Budissin, Elstra, Königsbrück und Pulsnitz, ingleichen an dem interimistischen Rathslokale zu Camenz, und die Liste der zu Provinciallandtagsdeputirten Wählbaren an den Rathhäusern der drei mit namhaft gemachten Landstädte zu Jedermanns Einsicht öffentlich aushängen, und daß etwaige Bemerkungen und Reclamationen spätestens bis zum achten Tage vor der Wahl bei dem unterzeichneten Wahl Commissar anzubringen, spätere Einwendungen aber nach §. 63 des Wahlgesetzes vom 24. September 1831 nicht weiter als ein Hinderniß der Wahl zu betrachten sind.
Zeitereignisse.
[Bearbeiten]Inland. „Die Wahlen in Sachsen“ Unter diesem Titel ist neulich in Leipzig eine mit ebenso viel Gewandtheit als Scharfsinn verfaßte Brochüre erschienen, die der Staatsb. Ztg. als Extrabeilage beigefügt war. In dem ersten Theile wird nicht allein Sachsens Verfassung, „die engherzigste Deutschlands,“ das Regierungssystem der frühern Minister beleuchtet, sondern auch der dadurch erwachsene bedeutende Nachtheil hervorgehoben u. sodann auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Landtagswahlen aufmerksam gemacht, denn Sachsen bedarf „einer Kammer, die nicht blos freisinnig schwatzt und sonst. Alles beim Alten läßt, sondern Muth und Entschlossenheit hat etc.“ An einer andern Stelle heißt es: „In den Hånden der wenigen Wähler liegt die Zukunft Sachsens! Die Gegenwart wälzt die Verantwortlichkeit
[2] auf ihre Seele, die Geschichte wird sie richten, streng aber gerecht!“ Im zweiten Theile dieser Schrift wird endlich auf diejenigen Männer aufmerksam gemacht, welche vorzüglich geeignet sind, als unabhängig, freisinnig und tüchtig ihre Wahlbezirke zu vertreten und heben wir daraus hervor: Ein weiter zu nennender Wahlbezirk ist der 19., aus den Städten Baußen, Camenz, Pulsniß, Elstra und Königsbrück bestehend. Bisher war dieser Bezirk vom Justizamtmann Hensel zu Camenz, dem Bruder des Radicalen Adolph Hensel in Zittau, freisinnig vertreten. Aber wahrscheinlich hat derselbe Erfahrungen gemacht über die Unabhängigkeit der Beamten, welche ihm die Abgeordneten - Wirksamkeit verleidet haben; er mag nicht mehr in die Kammer. - Seine Stelle würde der Bürgermeister Haberkorn von Camenz nicht nur ersehen, sondern es steht demselben sogar eine große Entschiedenheit der Gesinnung, ein fester und ehrenwerther Charakter zur Seite. Er wird jedenfalls immer mit den entschieden Liberalen stimmen. Als Stellvertreter würde Advokat Tzschirner in Bautzen Beachtung verdienen; er hat sich als Stadtverordneter nicht nur in kurzer Zeit große Anerkennung erworben, sondern er hat dort den günstigsten Einfluß ausgeübt.“ –
Der König hat dem Justizminister Dr. Braun den Vorsitz im Gesammtministerium übertragen und den Grafen Holzendorff, früher Commandant in Leipzig und als Bürgerfreund beliebt, zum Kriegsminister ernannt. Als Candidaten zum Cultusministerium nennt man den Abg. Oberländer. –
Die in Leipzig am 12. d. stattgehabte Versammlung der Liberalen Sachsens war zahlreich besucht. Zuerst beschäftigte man sich mit Aufstellung eines Programms der Volkswünsche – sämmtlich die, welche in den verschiedenen Adressen enthalten und die bereits mehrentheils durch die Zusicherungen des neuen Ministeriums erledigt worden. Der andere Gegenstand der Berathung war: die Beschickung der auf die nächste Zeit anberaumten Zusammenkunft von Vertretern der verschiedenen deutschen Länder zu Frankfurt a. M., Behufs der weiteren Ausführung der entworfenen Grundzüge eines deutschen Parlaments. Dazu ward von der Versammlung Blum und Biedermann gewählt, und da der erstere ablehnte, trat an seine Stelle der Abgeordnete Todt.
In Leipzig fand am 17. d. nach Eingang der Nachricht über das neue Ministerium allgemeine Illumination statt; in Dresden wird Mittwoch, den 22. illuminirt, an welchem Tage die Beeidigung des Militairs auf die Verfassung erfolgt.
Bedeutende Volksversammlungen hatten in Zwickau, Chemnitz, Crimmitschau etc. statt, bei denen es mehr oder minder scharf herging; jetzt hat sich Alles wieder beruhigt und jubelt über das neue Ministerium, worein man noch den Abg. Todt haben möchte.
In Leipzig wurde am Abend des 18. Márz im Odeon eine „Arbeiterversammlung“ gehalten. Sie war sehr zahlreich besucht. Ein Schriftsetzer, Herr Skrobeck entwickelte in långerer Rede die wichtigen Folgen der jetzigen Bewegung für den Arbeiterstand, wies nach, wie es jetzt erst, unter den Zuständen der Freiheit, möglich sey, die Stellung der Arbeiter im Staat zu besprechen und eine Verbesserung ihrer Lage zu erstreben, wünschte die Bildung eines Gesellenvereins zu weiterer Ausbildung der Gesellen, mit Hülfs- und Krankenkassen u. dergl., und schlug schließlich eine Petition an das Gesammtministerium vor, in einem der Ministerien der Finanzen oder des Innern einen Rath als Vertreter der arbeitenden Klassen zu ernennen, der das Land bereise und aus dem Munde der Arbeiter und Arbeitercomité’s sich über die Arbeiterzustände vergewissere. Nicht allein dieser Sprecher, sondern auch alle andern Arbeiter, die nach ihm sprachen, erklärten sich auf das Entschiedenste gegen den Communismus, und ermahnten namentlich auch dazu, durch eine ruhige, würdige Haltung die Befürchtungen niederzuschlagen, als herrsche in diesen Klassen ein gewaltthätiger, gegen die Mittelklassen feindlicher Sinn. Da die zweite Abtheilung des Kunst- und Gewerbevereins meist aus Gesellen besteht, so schlug man vor, diesem Ver- eine beizutreten, die Petition aber soll öffentlich ausgelegt werden. Durch die musterhafte [3] Ruhe und Ordnung, welche in dieser Versammlung herrschte, haben die Arbeiter bewiesen, daß auch sie für die Segnungen der Freiheit reif und ihrer würdig sind. (Stsbztg.)
Deutschland. Nur sehr wenige deutsche Fürsten haben ihren Völkern noch nichts gewährt, und während man in Baden, Würtemberg, Baiern, Hessen und Sachsen die früheren aristokratischen Ministerien abgedankt und an deren Stellen volksthümliche Männer berufen hat, ja sogar auch Oesterreich diesem Beispiele gefolgt ist, denkt man in Hannover und Braunschweig das Volk mit den selben Versprechungen hinzuhalten, die man seit bereits 33 Jahren gegeben. Mögen die neuen Vorgänge in Berlin und Wien diese hartnäckigen Fürsten eines Bessern belehren und den Wünschen des Volkes geneigter machen, denn auch der König von Preußen, – der doch in der Thronrede bei Eröffnung des Vereinigten Landtags am 11. April 1847 sehr energisch erklärte: „keiner Macht der Erde solle es gelingen, ihn zu bewegen, das natürliche, gerade in Preußen durch seine innere Wahrheit so mächtig machende Verhältniß zwischen Volk und Fürst in ein constitutionelles zu wandeln, und daß er es nun und nimmermehr zugeben werde, daß sich zwischen unsern Herr Gott im Himmel und sein Land ein beschriebenes Blatt, gleichfalls eine zweite Vorsehung eindraͤnge, um uns mit seinen Paragraphen zu regieren“ – ist andern Sinnes geworden, leider aber erst, nachdem viel Bürgerblut vergossen worden. (Siehe unten die Nachr. aus Berlin.)
Nach 33jähriger Thätigkeit hat der deutsche Bundestag gefunden, daß die alten freien deutschen Reichsfarben, Schwarz, Roth, Gold, ein vortreffliches Abzeichen für ein einiges und freies Deutschland abgeben und diese zu tragen erlaubt. Deutsche Maͤnner: v. Gagern, Ihstein, Romer, Welcker, Stettmann, Binding, Willich schreiben zum 30. März eine Versammlung von frühern oder jezigen Staͤndemitgliedern nach Frankfurt a. M. aus, um die Freiheit und das Wohl Deutschlands in der That zu berathen und den Anfang eines deutschen Volksparlaments zu gründen, In dieser Sache kann kein Aufschub, keine diplomatisch-langsame Verhandlung eintreten, denn 30 Jahre der Geduld sind nachzuholen; wer nicht mit will, moge zurückbleiben!
Am Odenwald und Spessart, wo Baden, Wuͤrtemberg, Baiern und Hessen-Darmstadt zusammenstoßen, wo vor 300 Jahren der Bauernkrieg ausbrach, sind jetzt wieder die Bauern im rohesten Aufstande. Aber darüber kann man sich nicht wundern: diese Leute fordern jetzt noch fast dieselben Befreiungen von Lasten und Plackereien, die sie schon vor 300 Jahren vergeblich verlangten. Man hat die Zeit ohne den nöthigen Fortschritt vorüber gehen lassen, es ist daher ganz natürlich, daß die Bauern die jetzigen Ideen’, welche Deutschland erregen, zunächst auf ihr noch sehr im Argen liegendes materielles Wohl beziehen und nach ihrer Art Verbesserung fordern. Hätte man ihren feudalen Zustand früher zeitgemäß reformirt, so würden jetzt keine Schlösser abgebrannt und keine Gewaltthaten verübt werden. –
Frankreich. Die franzoͤsische Republik scheint nicht auf festen Fuͤßen zu stehen, ihre wunden Punkte sind die Arbeiterfrage und die Geldklemme. Die letztere ist offenbar eine Folge der vorigen Regierung, aber die jetzige Umwaͤlzung, das augenblickliche mißtrauische Zuruͤckhalten des Verkehrs hat die tiefe Zerruͤttung der finanziellen Lage aufgedeckt und blosgelegt, welche unter Louis Philipp planvoll versteckt und täuschend vertagt wurde, Die Arbeiterfrage wird noch große Verlegenheiten und gewaltige Stuͤrme erregen, aber sie konnte nicht långer verschoben werden, sie liegt unabweislich in den jetzigen socialen Verhaͤltnissen und muß gelöst werden. Der provisorischen Regierung wird dies wahrscheinlich nicht gelingen, sie hat jedoch den Muth gehabt, sie aufzugreifen und ihre Lösung vorzubereiten, die übrigen Völker werden an den Versuchen lernen. Bis jetzt haben die europäischen Fuͤrsten diese Frage fortwährend abgewiesen und bei ihnen lag die egoistische Meinung im Hintergrunde: wir werden noch so hinkommen und uns forthelfen und wollen lieber diese unangenehme Loͤsung den Nachkommen überlassen, sie werden nun aber doch an deren Lösung nun bald denken muͤssen. [4] Das Dr. Tablg berichtet aus:
Berlin, 19. März. Ich habe wahrscheinlich das traurige Vorrecht, der Erste zu seyn mit einem Bericht über die unerhörten Ereignisse des gestrichen Nachmittags und der vorigen Nacht. Nicht ein Auge habe ich geschlossen, und ich bin noch so konsternirt, daß ich kaum meine Gedanken sammeln kann; denn Sie müssen wissen, es war gestern hier eine förmliche Revolution (nicht Auflauf oder Aufruhr etc.) im Gange, und es sind nach einer oberflächlichen Schätzung an 300 Personen vom Volke und vom Militair getödtet worden, ohne die Verwundeten zu rechnen. Man spricht gar von 1000 Todten auf beiden Seiten. Nicht blos mit Kleingewehr, sondern auch mit Kartätschen ist unter’s Volk gefeuert, welches Letztre sich diesmal nicht blos mit Steinwürfen, sondern mit Schußwaffen vertheidigt hat. – Der Zusammenhang ist ungefähr folgender. Gestern gegen Mittag war eine, aus hiesigen Stadtverordneten und einigen Rheinländern (worunter namentlich der Abgeordnete von Camphausen) bestehende Deputation beim König, um Preßfreiheit u. dgl. m. zu erbitten. Der König bewilligte das Verlangte auf der Stelle. Und sofort machte der Magistrat Dies durch Anschlagzettel an den Straßenecken öffentlich bekannt. Während nun dem Könige eine Dank und Glückwunschadresse dargebracht werden sollte und auf dem Schloßplatze eine zahlreich versammelte Menge ein Lebehoch ertönen ließ, kamen Personen von der sogenannten Schutzkommission ins Schloß gerannt und erklärten gegen die befehlshabenden Offiziere des dort aufgestellten Militairs: „sie könnten das Volk nicht mehr bewältigen und das Einschreiten des Militairs sey erforderlich.“ Dies geschah denn auch, und so entstand das Blutbad.
Der preußische Absolutismus, der sich von Gottesgnaden dünkte, ist endlich von Volkesgnaden überwunden worden. Die preußische Dynastie hat sich, statt in Purpur, in das Blut des Volkes gehüllt; zwischen der blutgedrängten Dynastie und dem preußischen Volke ist jedes Band zerrissen. – Den letzten Nachrichten von Reisenden zufolge bis zum 19. Morgens ist eine Anrede des Königs vom Balkon herab mit der weiß und schwarzen Fahne mit Steinen beantwortet und dem Rufe nach schwarz-roth-gold. Drei Regimenter sollen zum Volke übergetreten seyn. Der Aufstand war nun vollends organisirt. Der Kampf dauerte bis 19. früh fort, unter dem Sieg des Volkes. Der König soll gefangen, ein Prinz (Karl oder Waldemar) erschlagen seyn. Vor acht Tagen will hätte Friedrich Wilhelm Kaiser von Deutschland werden können. Glück für uns, daß er es nicht gemerkt hat.
Gegen Mittag (den 19.) wurde ein Erlaß, Aufhebung der Censur und ein neuverheißenes Preßgesetz an den Ecken angeschlagen. Die Berliner, welche den großen Unterschied zwischen Preßgesetz ohne Censur und Preßfreiheit nicht kannten waren in großer Freude darüber. Man jubelt: und viele Haufen brachten dem Könige Vivats. Ein Volksredner setzte dem Volke auseinander, daß die Preßfreiheit ganz etwas Anderes und dem Erlaß nicht zu trauen sey. Die Freude legte sich; man verlangte die Entfernung des Mili airs. Indem hieß es vor dem Schlosse, wo viele Tausend Bürger unbewaffnet standen: das Militair rückt aus! (aus dem Schlosse). Die Dragoner drangen gegen das Volk vor und suchten es zu zerstreuen, hieben flach, bisweilen auch scharf, ein. Das Murren begann. Die Infanterie (12tes Regiment) rückte vor und gab zwei Salven auf die unbewaffneten Bürger. Die neuschateller Schützen aber schossen ihren Offizier, der Feuer kommandirte, zuerst vom Pferde, traten zu den Bürgern über und übergaben ihre Büchsen. Es war gegen 4 Uhr. Da fielen zwei Schüsse an der Gertraudenbrücke, das Signal der Bürger zum Aufstande. Man bewaffnete sich nach Möglichkeit; die Waffenläden lieferten den Bürgern auf Unterschrift ihres Namens die Waffen aus, der Kampf wurde organisirt. Alle Wagen jeder Gattung wurden zu Barrikaden benutzt, die Frauen warfen Stühle, Tische u. dgl. aus den Fenstern zu diesem Zwecke; Dächer wurden abgedeckt, um die Steine gegen das Militair zu gebrauchen. Die Erbitterung wurde tödtlich. Die Dragoner und das Kaiser Franz Regiment (größtentheils Polen) gingen zu den Bürgern über. Die Artilleriekasernen und die Kanonen (Eisen).Gießerei brannten am Abend. Die Salven mit Kanonenschüssen gemischt dauerten bis ½4 Uhr Morgens. Die Bürger hatten noch nicht die Oberhand. Bis hieher kämpften noch keine Proletarier, kein Geselle, Lehrbursche etc., nur anständig gekleidete Bürger; man hoffte den nächsten Tag auf die Hilfe der untern Stände. Militair von außen wird nicht weiter in die Stadt gelassen, die Bürger haben die Thore besetzt; die frankfurter und schlesische Eisenbahn hat den Transport von Militair nach Berlin versweigert. Das Blutbad in Berlin ist schrecklich. Die rheinischen Abgeordneten (Beckerath, Camphausen) sollen vom Könige den 19. bis 4 Uhr Nachmittags die Zusage der Forderungen der Rheinländer verlangt haben, ohne welche die Rheinprovinzen sich lossagen würden. Die Zusage ist bis dahin nicht erfolgt, und Briefe vom Rhein lassen vermuthen, daß die Ablösung der Rheinländer schon ausgesprochen sey. – Komme dort, was Eins ist sicher: die Politik deutscher Kabinette hat aufgehört, die Politik des Volkes, ein einiges starkes großes Deutschland, beginnt. Ihr erstes Bestreben muß seyn, mit Frankreich ein Integritäts-Bündniß zu schließen. Polen wird sich erheben, Rußland wird der preußischen Dynastie Hilfe bieten; es wird den Tod finden. Das [5] polnische Reich mit fenen Lánterstrecken, deren fremdartige Beimischung nicht stark macht, muß wieder hergestellt werden; es ist die natürliche Schuhmauer gegen Rußland. In Krakau soll schon am 18. die Republik proklamirt seyn. Der Krieg darum wird unvermeidlich werden, der Sieg der Freiheit über die Barbarei kann nicht zweifelhaft seyn; die deutschen Ostseeprovinzen lassen sich wiedergewinnen, Rußland mag sich nach Asien weiter verbreiten. Bu diesem Kriege mögen die deutschen Soldaten herbeieilen, die seit 33 Jahren nichts thaten als öfters mit dem wehrlosen Bürger als Schergen der Fürsten Händel begingen, zu diesem Kriege mag Frankreich ein 100,000 Arbeiter schicken, die man dort nicht zu beschäftigen weiß.
Die neuesten Berichte aus Berlin melden, daß am Sonntag früh 7 Uhr das Feuern eingestellt, der Landtag einberufen und Amnestie für alle politischen Vergehen bewilligt, in Folge Letzterer am 21. d. die gefangenen Polen freigegeben und eine allgemeine Bürgerbewaffnung gewährt worden. Auf dem Landtage soll zuerst über eine Constitution verhandelt werden. Ueberhaupt hat der König Alles, was die Bürger verlangen, zugesichert und er wird auch Wort halten müssen, da die Gewalt in den Händen der jetzt mit königlichen Waffen versehenen Bürger ist. – Das Ministerium ist entlassen, und der Dr. jur. Bornemann und der freisinnige Camphausen zu Ministern ernannt, zu den übrigen Ministerien werden eben falls volksthümliche Männer berufen.
daß er von nun an, ohne zu wanken oder zu weichen, den liberalen Principien huldigen werde, es hätten ihm nur die rechten Rathgeber gefehlt. Das ist ein ehrliches, offenes Wort!
Die Staatsbürgerztg. vom 22. d. enthält einen sehr guten Artikel von R. Blum, „Der Fürstencongreß,“ den wir vielleicht im Sonntagsblatte mittheilen werden. Wir heben daraus hervor, daß Gesandte von Baden, Hessen, Würtemberg, Nassau, Baiern in Leipzig angekommen, die erklärten, daß sie im Auftrag ihrer Regierung gekommen, um Sachsen und Preußen vorzuschlagen, sofort an die Neugestaltung Deutschlands durch augenblickliche Zusammensehung eines deutschen Parlaments mit ihnen Hand anzulegen. Mit Sachsen hoffte man einig zu werden, dann wollte man nach Berlin gehen. Sollte Preu- ßen sich weigern, dann gehen die Bevollmächtigten wieder nach Hause und der Plan ist, mit ausdrücklicher Zustimmung der deutschen Fürsten! – deutsche Föderativrepublik auszurufen und all die Maßregeln der Kraft und des Aufschwunges hervorzurufen, die nöthig sind, mit dieser Staatsform den Widerstand zu besiegen, zu zerschmettern. –
Getreidepreis in Camenz,
[Bearbeiten]| Rthl. | Ngr. | bis | Rthl. | Ngr. | |
|---|---|---|---|---|---|
| Korn | 3 | 5 | — | 3 | 13 |
| Weitzen | 5 | 5 | — | 5 | 25 |
| Gerste | 3 | — | — | 3 | 10 |
| Hafer | 1 | 25 | — | 2 | — |
| Heidekorn | 3 | — | — | 3 | 8 |
| Hirse | 7 | 5 | — | 7 | 15 |
Butter, die Kanne 15 Ngr. — 3 Pf.
Gestorben sind:
[Bearbeiten]In der Stadt. Den 20. März: Hr. Joh. Gottlieb Klengel, emer. Cantor und Organist aus Stolpen, alt 86 Jahr 5 Monate, gest. an Altersschwäche.
In den eingepfarrten Dörfern. Den 20. März: Johann Gottlob, Johann Gottlob Pötschke’s, Bauers in Cunnersdorf Sohn, alt 5 Wochen, gest. an Krämpfen.
In der Hauptkirche predigen:
[Bearbeiten]Am Bußtage Vormittags Herr Past. Prim. Richter über 1. Joh. 2, 2; Nachmittags Hr. Archidiac. Lehmann über Hebr. 3, 12–14.
Am Sonntage Reminiscere Vormittags Hr. Collab. Schwarz über 1. Petri 1, 13–16; Nachmittags Hr. Archidiac. Lehmann über Ev. Joh. 11, 1–16.
'Dienstags darauf, Nachm. 3 Uhr, Hr. Arch. Lehmann.'
Benachrichtigungen.
[Bearbeiten][223] Oeffentlicher Verkauf.
[Bearbeiten]Folgende Commungrundstücke:
- 1., die mit No. 692a. bezeichnete, vor dem Garten der Frau Gasthofsbesitzerin Bleyl gelegene Lehde,
- 2., die mit No. 718 bezeichnete am Hutberge gelegene Lehde von 43 □R. und
- 3., die mit No. 748 versehene, ungefähr 82 □R. enthaltene Lehde an der Lükkersdorfer
Grenze,
sollen künftigen
Nachmittags um 3 Uhr, an Ort u. Stelle öffentlich an den Meistbietenden, jedoch unter Vorbehalt der Auswahl unter den Licitanten, verkauft werden.
Kauflustige haben sich zu gedachter Zeit am äusseren [6] Seite:Camenzer Wochenschrift 1848-03-23.pdf/6 [7] Seite:Camenzer Wochenschrift 1848-03-23.pdf/7 [8] Seite:Camenzer Wochenschrift 1848-03-23.pdf/8