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Chemnitz am Ende des XIX Jahrhunderts in Wort und Bild/Zehnte Gruppe

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Neunte Gruppe Chemnitz am Ende des XIX. Jahrhunderts in Wort und Bild
von Körner & Lauterbach; Wilhelm Zöllner
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[145]
ZEHNTE GRUPPE.

Bilder aus der Chemnitzer Industrie.

Zwar enthält die Einleitung bereits einen Überblick über die Entwicklung, die das Chemnitzer Grossgewerbe im 19. Jahrhundert durchgemacht hat: unser Buch würde jedoch eine grosse Lücke aufweisen, wenn nicht auch die heimische Industrie eingehender in Wort und Bild zur Darstellung gelangte. Um nun aber für dieses letzte und wichtigste Kapitel eine zweckentsprechende, auch die Einzelheiten berücksichtigende Darstellung zu erzielen, haben sich die Herausgeber seiner Zeit durch Cirkular an die Grossindustrie der Stadt um gefällige Beiträge gewendet und lassen nun die ihnen zur Verfügung gestellten Eigenberichte nebst den beigefügten Clichés oder mit den ihnen in Auftrag gegebenen photographischen Aufnahmen folgen, und zwar so, dass die betreffenden beteiligten Firmen nach der Zeitfolge ihrer Entstehung in die aufgestellten Einzelgruppen eingereiht sind. Diejenigen Firmen dagegen, welche es vorgezogen haben, dem erwähnten Cirkular keine Folge zu geben, werden wegen der Vollständigkeit und Genauigkeit des beabsichtigten Überblicks wenigstens dem Namen nach in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt werden.



Maschinenbau.


Maschinenfabrik Germania
vorm. J. S. Schwalbe & Sohn
Chemnitz.

Zu den ersten Maschinenbauwerken in Chemnitz zählt die Maschinenfabrik Germania, vormals J. S. Schwalbe und Sohn, deren Erzeugnisse sich eines weitverbreiteten Absatzes erfreuen und sind es hauptsächlich die Einrichtungen für Brauereien und Mälzereien, welche seit länger als einem Menschenalter den Ruf der Gesellschaft begründet haben, die in dieser Branche heute an der Spitze der kontinentalen Werkstätten steht.

Begründet wurde das Etablissement im Jahre 1811 von Johann Samuel Schwalbe, welcher sich dem Bau der damals aufgekommenen Baumwollspinnereimaschinen widmete und im Jahre 1820 neben seiner Maschinenfabrik noch eine Baumwollspinnerei errichtete.

Seitdem bilden Maschinenbau und Baumwollspinnerei die beiden Betriebszweige der Firma.

Als der Begründer der Firma 1845 aus seinem erfolgreichen Leben schied, hatte er in seinem Sohne Louis Schwalbe einen bewährten, tüchtigen Mitarbeiter herangezogen, der als Nachfolger das Unternehmen nach allen Seiten hin vergrösserte und schon im folgenden Jahre – 1846 – die erste in Sachsen mit Dampf betriebene Baumwollspinnerei errichtete.

Unter seiner zielbewusten Leitung wurden dann in den 50er Jahren auf dem am Fusse des Kassberges längs des Chemnitzflusses sich hinziehenden freien Felde – an der heutigen Fabrikstrasse – neue, vergrösserte Werkstätten erbaut, und seitdem bilden diese Grundstücke den Standort des im Laufe der Jahrzehnte zu so grosser Bedeutung gelangten Etablissements.

[146] Der Doppelbetrieb von Spinnerei und Maschinenbau für Baumwollspinnereizwecke ermöglichte es naturgemäss, in der Spinnerei reichliche Erfahrungen bezüglich der richtigen und vorteilhaften Konstruktion ihrer Maschinenerzeugnisse zu sammeln, und so hat sich die damalige Firma J. S. Schwalbe & Sohn ausserordentliche Verdienste um die Ausbildung und Vervollkommnung der Baumwollspinnereimaschinen erworben.

Eine Änderung trat erst ein als in den 60er Jahren die Krisis in der Baumwollbranche den Absatz derartiger Maschinen erschwerte.

Louis Schwalbe’s Unternehmungsgeist warf sich von da ab mit ganzer Thatkraft auf die eingangs erwähnte Branche der Brauerei- und Mälzereianlagen, deren Ausführung noch heute die vornehmste Spezialität des Etablissements bildet.

Im Laufe der Jahre traten dann noch die Anfertigung von Turbinen, die Einrichtung von Holzschleifereien, Pappen- und Papierfabriken, Cementfabriken, der Bau von Eis- und Kühlmaschinen, sowie Dampfmaschinen und Dampfkesseln hinzu. Speziell die letztgenannten Fabrikationszweige


Maschinenfabrik Germania.

haben sich in neuerer Zeit ausserordentlich entwickelt, die Kältemaschinen werden in den grössten Dimensionen ausgeführt, daneben Compound- und Dreifachexpansionsdampfmaschinen und Grosswasserraumkessel für hohen Betriebsdruck.

Im Jahre 1870 starb Louis Schwalbe und hinterliess die Fortsetzung des Geschäfts seinen Söhnen, von denen noch heute Herr Richard Schwalbe als alleiniger Direktor des 1873 in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Unternehmens thätig ist und die Leitung nach den bewährten Grundsätzen seiner Vorgänger mit grossem Erfolge fortführt.

Das Etablissement hat sich, der industriellen Entwicklung unseres Vaterlandes folgend, auf allen Gebieten seines weitverzweigten Betriebes eines gesunden kräftigen Wachstums erfreut, sodass der frühere reichlich bemessene Flächenraum in der Fabrikstrasse nicht mehr zureichte und seit 1896 ein [147] weit ausgedehnteres Areal im Stadtteile Altchemnitz noch hinzuerworben wurde, auf dem die neue Kesselschmiede errichtet worden ist, gegenwärtig die grösste in Sachsen. Die Kesselschmiede ist mit den neuesten und besten Hilfsmaschinen, mit feststehenden und transportablen Nietmaschinen, hydraulischen Biege- und Bördelmaschinen, elektrisch betriebenen Lauf- und Drehkrahnen und allen sonstigen bewährten Neuerungen ausgestattet, und ist durch ein normalspuriges Anschlussgleis mit der Station Niederharthau der Sächsischen Staatseisenbahnen verbunden. Durch Verlegung der Kesselschmiede nach Altchemnitz konnten die übrigen Betriebswerkstätten der Stammfabrik besser ausgebaut und nicht unwesentlich erweitert werden.

Neben seiner Baumwollspinnerei, sowie geräumigen, auf alle heutigen Fortschritte zugeschnittenen Fabrikeinrichtungen umfasst das Etablissement grosse Montier- und Arbeitsgebäude, eine Schmiedewerkstatt mit zwei Dampfhämmern, Kupferschmiede, Klempnerei, Tischlerei, Metallgiesserei und eine Eisengiesserei mit zwei Kupolöfen, die nur Maschinenguss, mehrere Tausend Tonnen jährlich für


Filiale der Maschinenfabrik Germania.

eigenen Bedarf herstellt, ohne diesem jedoch zu genügen, da noch ein bedeutender Teil Gusswaaren von fremden Giessereien bezogen werden muss.

Die Maschinenbauerzeugnisse der Germania finden ihren Hauptabsatz auf dem inländischen Markte, jedoch ist der Export, der vornehmlich Maschinen und Apparate für Brauereien und Mälzereien, sowie Eis- und Kältemaschinen für die verschiedensten industriellen Zwecke umfasst, ganz bedeutend.

Als regelmässige Exportländer sind zu nennen: Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Skandinavien, Dänemark, Russland einschliesslich Finnland und Sibirien, Österreich-Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Levante, Japan, Australien und Südamerika.

Neben der Baumwollspinnerei wurde im Jahre 1886 noch eine Fabrik für antiseptische Verbandwatten errichtet, die im Laufe der Jahre einen grösseren Umfang erlangt hat. Die Spinnereierzeugnisse, [148] Strumpf- und Webgarne, werden ausschliesslich im Inlande abgesetzt, während die in grossen Mengen erzeugten antiseptischen Verbandwatten nicht nur im Inlande, sondern in sämtlichen europäischen Staaten und auf den Hauptmärkten der aussereuropäischen Länder Verbreitung finden.

Die mit einem Aktienkapital von 3 600 000 Mark, 1 000 000 Mark Obligationen, sowie mit einem bis Ende 1899 angesammelten Reservefond von 1 100 000 Mark arbeitende Firma beschäftigt neben 110 teils technischen, teils kaufmännischen Beamten ca. 1500 Personen, ausser den vielen Monteuren und Hilfsarbeitern, die permanent auswärts thätig sind.

Vom Umfange der gesamten Anlagen einschliesslich der Baumwollspinnerei kann sich der Leser einen Begriff machen, wenn er erfährt, dass sechs Dampfmaschinen mit zusammen 730 Pferdestärken und acht Dampfkessel mit fast 1200 Quadratmeter Heizfläche die Kraft liefern.

Die Fabrikleitung hat die durch die Versicherungsgesetze auferlegten Lasten noch um freiwillige Beiträge im Interesse des Wohles ihrer Arbeiter vermehrt. Aus eigenen Mitteln wurde eine Beamten- und Arbeiterunterstützungskasse eingerichtet, die in solchen Fällen eingreifen soll, wo der staatliche Schutz unzureichend ist oder ganz versagt wird. Bis Ende 1899 hatte der am Resultat des Geschäftsganges partizipierende Fond den Betrag von 125 000 Mark überschritten.




Maschinenfabrik C. G. Haubold jr.

Der Begründer des Chemnitzer Maschinenbaues, Carl Gottlieb Haubold, wurde am 20. März 1783 in dem Dorfe Auerswalde bei Chemnitz als Sohn armer Bauersleute geboren. – Um das Zimmerhandwerk zu erlernen, trat er im Jahre 1797 bei dem Zimmermeister Mendel in Chemnitz in die Lehre. – Seine von Haus armen Verhältnisse gestatteten ihm nicht, nach seiner Lehrzeit das für seinen Beruf so sehr nötige Zeichnen zu erlernen. – Um sich die Mittel zu diesem Unterricht zu erübrigen, spielte er Sonntags mit seiner Geige zum Tanze auf. – Durch seinen grossen Fleiss hatte er es so weit gebracht, um sich in Chemnitz als Zimmermeister niederlassen zu können. – Er führte daselbst grössere Bauten aus, welche zum Teil heute noch bestehen, so u. A. das Passagegebäude am Marktplatz. Seine Wohnung befand sich im Hause Brüdergasse No. 339 und hier ist es auch, woselbst die ersten Anfänge im Maschinenbau unternommen wurden. – Als Betriebskraft diente ein Pferdegöbel. –

Von seinem Vetter Carl Gottfried Haubold auf das Wirksamste unterstützt, war es ihm möglich, die damals auf dem Grundstück der jetzt durch ihre Leistungsfähigkeit bekannten Sächsischen Webstuhlfabrik befindliche Wöhlert’sche Spinnerei, – die erste im Jahre 1800 erbaute Spinnererei Sachsens – erst pachtweise, späterhin käuflich zu übernehmen. Es war besonders das Verdienst des Vetters Haubolds, die Arbeiter und Meister anzulernen und heranzubilden.

Die Spinnerei betrieb er anfangs im alten Umfange weiter, verlegte aber einige Zeit darauf auch den vorläufig in der Brüdergasse verbliebenen Maschinenbau in die Parterrelokalitäten des Spinnereigebäudes. – Von dieser Zeit an kann der Beginn des Chemnitzer Maschinenbaues datiert werden. – Welch’ grosse Schwierigkeiten derselbe zu damaliger Zeit zu überwinden hatte, geht am deutlichsten daraus hervor, dass z. B. alle Teile mit der Hand gedreht werden mussten: Dreher wie heute gab es damals nicht, sie mussten alle erst angelernt werden. Wenn man bedenkt, dass damals Trockencylinder für Papiermaschinen, wenn auch nicht von der Grösse wie heute, aber doch schon bis zu einem Durchmesser von einem Meter, aus freier Hand gedreht werden mussten, so wird man sich die eminente Schwierigkeit, die zu überwinden war, vorstellen können. Zuvörderst waren es Baumwollspinnereimaschinen, mit deren Bau und Reparatur man sich befasste. – Nachdem der Maschinenbau einen grösseren Umfang angenommen hatte, wurde die Spinnerei ganz aufgegeben und sämtliche Räume für den Maschinenbau benutzt. – Es sind in dieser Zeit die maschinellen Einrichtungen für eine ganze Anzahl grösserer Spinnereien geliefert worden, wovon u. A. nur erwähnt seien die Anlagen der Herren Dietrich und Schmidt in Rochlitz, Fiedler & Lechla, Scharfenstein, Gebrüder Krause, Wolkenburg, C. F. Zschocke, Sachsenburg u. A. m.

[149] Nach und nach wurde die Errichtung der Maschinenbauanstalt auswärts bekannt, so dass sich auch fremde Arbeitskräfte einstellten, so u. A. Richard Hartmann, der spätere Begründer der bedeutenden Sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz. Ausser diesen haben aber auch noch eine grössere Anzahl später berühmt gewordener Männer ihr Studium und ihre Lehrzeit in der Maschinenfabrik von Haubold vollbracht, so u. A. der seelige Professor Rühlmann in Hannover, dann Beyer, Begründer der berühmten Lokomotivfabrik von Beyer, Peacock & Comp., Manchester, welcher den englischen Locomotivbau auf die höchste Stufe brachte.

Von dieser Zeit an vergrösserte sich das Haubold’sche Etablissement sehr schnell, es wurde wegen der weiten langwierigen Transporte aus den Eisenhüttenwerken eine eigene Eisengiesserei angelegt, auch wurden Ende der zwanziger Jahre die ersten Kammgarnspinnereimaschinen gebaut. – Im Jahre 1830 unternahm Haubold eine Reise nach der Schweiz, Frankreich, Belgien und England, von welcher er u. A. den ersten mechanischen Webstuhl mitbrachte, der beinahe Anlass zu einem


Maschinenfabrik C. G. Haubold jr.

Streite gegeben hätte, da die Handweber die Konkurrenz des englischen Stuhles fürchteten. – In der Maschinenbauanstalt wurden später ausser, wie erwähnt, Maschinen für Baumwoll- und Kammgarnspinnerei auch noch Maschinen für Streichgarn und Floretseide hergestellt, sowie verschiedene Maschinen für die Papierfabrikation zur Ausführung gebracht.

Im Jahre 1836 verkaufte leider nicht zu seinem Glück Haubold sein Etablissement an die Sächsische Maschinenbau-Kompagnie, welcher Anstalt er als technischer Leiter eine Zeit lang vorstand. – Nicht unerwähnt sei hierbei gelassen, dass in diesem Werke die erste Lokomotive mit Namen Pegasus gebaut wurde, welche lange Zeit auf der Leipzig-Dresdener Bahnlinie lief.

Nach der Aufgabe der Leitung der Maschinenbau-Kompagnie errichtete Haubold auf der jetzigen Hartmannstrasse in Chemnitz im Vordergebäude eine Kammgarnspinnerei, während in den Hintergebäuden von seinem Vetter, dem nachmaligen C. G. Haubold jr., der Maschinenbau betrieben wurde. – Im Jahre 1839 oder 1840 übersiedelte Haubold mit seiner Kammgarnspinnerei nach Harthau in die ehemalige Bobinetmanufaktur von Wieck und überliess die seitherigen Räume gänzlich seinem Vetter.

[150] Von dem Königlichen Ministerium des Innern erhielt er im Jahre 1845 eine Prämienauszeichnung von 1000 Thaler für die Herstellung von Webegarnen, die dem englischen Gespinnst an Güte vollständig gleich kamen. Ebenso wurde er von dem hohen Ministerium im Jahre 1835 wegen seiner hervorragenden Verdienste im Bau von Spinnereimaschinen für die Fabrikation von Floretseide durch ein Diplom öffentlich belobt. Leider führten sich damals die letztgenannten Maschinen nicht ein und musste schliesslich die versuchsweise aufgestellte Einrichtung nach Italien verkauft werden, woselbst sie glänzende Erfolge hatte.

Die Harthauer Lokalitäten gingen im Jahre 1849 in die Hände des Herrn C. F. Solbrig über, nachdem die Kammgarnspinnerei von Haubold nach Rochlitz verlegt worden war.

Am 18. Mai 1856 verstarb Haubold nach einer langjährigen, erspriesslichen Thätigkeit im Alter von 73 Jahren in Rochlitz, hochgeehrt und geachtet von allen, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten.

Die seitens seines Vetters, Carl Gottfried Haubold, unter der Firma C. G. Haubold jr. begründete Maschinenfabrik besteht heute noch im vollen Betriebe, sie wurde nach dessen Tod von seinem Sohne Friedrich Hermann Haubold, geboren 1818, gestorben 1893, in vorzüglicher Weise weiter geleitet und unter dem Fleisse und der rastlosen, umsichtigen Thätigkeit von dessen Sohne und jetzigem Besitzer der Fabrik, Carl Hermann Haubold, geboren 1845, zur vollen Blüte entfaltet. Während alle grösseren, seit Einführung des Chemnitzer Maschinenbaues entstandenen Maschinenfabriken mit der Zeit in Aktiengesellschaften umgewandelt wurden, verblieb die Haubold’sche Fabrik bis zum heutigen Tage in Privatbesitz und repräsentiert so das grösste Privatunternehmen im Maschinenbau nicht nur in Chemnitz, sondern auch in Sachsen.

Der gute Ruf, welchen die Fabrikate sowohl im In- als auch im Auslande geniessen, erforderte von Jahr zu Jahr Erweiterungen, welche gerade in den letzten Jahren in bedeutendem Umfange zur Ausführung gelangten, sodass gegenwärtig 850 Arbeiter, einschliesslich Beamte, lohnende Beschäftigung finden. Stets dem Fortschritte huldigend, hat es sich die Firma angelegen sein lassen, ihre Fabrikate durch fortwährende Verbesserungen und Vervollkommnungen auf die Höhe der Zeit zu stellen, so dass dieselben infolge ihrer vorzüglichen Konstruktion und Leistungsfähigkeit in sämtlichen Kulturstaaten gesucht und rühmlichst bekannt geworden sind.

Die Fabrikation erstreckt sich auf die Herstellung einzelner Maschinen sowie Komplett-Einrichtungen für Bleicherei, Färberei und Appretur für Garne und Gewebe sowie für Papier-, Wachstuch-, Ledertuch- und Gummifabrikation, ferner auf den in den letzten Jahren neu aufgenommenen Bau von Eis- und Kühlmaschinen, welche insbesondere vorteilhafte Verwendung in der Chokoladenfabrikation, in der chemischen Industrie, in Fleisch- und Wurstfabriken, Bierbrauereien etc. finden und sich guten Rufes erfreuen.




Sächsische Maschinenfabrik Aktien-Gesellschaft Chemnitz
vormals Rich. Hartmann.

Zu diesem umfangreichen Werke, welches seit dem Jahre 1870 unter der vorgenannten Firma als Aktiengesellschaft besteht, wurde im Anfang des Jahres 1837 von Herrn Richard Hartmann mit einer Werkstatt der Grund gelegt, in welcher drei Arbeiter Beschäftigung hatten. Während der ersten Jahre wurden vorzugsweise Reparaturen an Baumwollspinnmaschinen, später diese selbst hergestellt und fanden mit dieser Beschäftigung nach und nach 30 Arbeiter ihr Brod. Schon 1840 erhielt das kleine Werk einen bedeutenden Aufschwung durch die Erfindung und Ausführung des Florteilers (Continue) für Streich- und Tuchgarne, welche so schnellen Eingang in allen Spinnereien fand, dass Richard Hartmann den an ihn gestellten Anforderungen bald nicht mehr zu genügen vermochte. Seit der Bau dieses Florteilers immer mehr in den Vordergrund trat, ward auch der Herstellung von Streichgarn-Spinnmaschinen ein Hauptaugenmerk zugewendet und ist das Etablissement bis auf den heutigen Tag für Streich-, Vicogne-, Abfall- und Kunstwollspinnnerei, sowie Tuchfabrikation das mit allen Neuerungen und Verbesserungen vorangehende geblieben, während der [151] Bau von Baumwoll-Feinspinnereimaschinen nach und nach ganz abgestossen worden ist. Von der ursprünglichen Continue-Vorrichtung bis zu dem die Vollendung eines vorzüglichen Mechanismus darstellenden Selfaktor mit dreifacher Spindelgeschwindigkeit sind der Name Richard Hartmanns und der der Sächsischen Maschinenfabrik zu Chemnitz mit den zahlreichen Fortschritten verknüpft, vermittelst derer die gedachten Branchen den heutigen hohen Standpunkt ihrer Vervollkommnung erreicht haben.

1841 wurde die erste Dampfmaschine abgeliefert, der bald andere folgten, und bereits 1844 fanden 30 Arbeiter mit Herstellung dieser Maschinen in der damaligen Leipziger-, jetzigen Hartmannstrasse Arbeit, also auf dem Grundstück, wo sich jetzt das Werk befindet. Am 7 Februar 1848 kam die erste Lokomotive „Glück auf“ an die Sächsischen Staatseisenbahnen zur Ablieferung, Ende der 40er Jahre nahm der Webstuhlbau seinen Anfang, 1844 wurde die eigene Giesserei in Betrieb genommen, 1855 begann der Bau von Turbinen, Tangentialrädern und Mühleneinrichtungen, bald darauf die Herstellung grösserer Bergwerksmaschinen, Kunstgezeuge und Bohrapparate etc. etc., und 1857 wurde der Werkzeugmaschinenbau als besondere Betriebsabteilung eingerichtet.

Eine solche stetige Erweiterung des Fabrikationszweiges erforderte einen Neubau nach dem anderen, sowie die Anschaffung zahlreicher Hilfsmaschinen, deren Zahl 1857 bereits auf 540 gestiegen war, während die Arbeiterzahl circa 1500 betrug. Obwohl ein grosser Brand im Juli 1860 den grössten Teil der Fabrik in Trümmer legte, so gelang es der rastlosen Energie Richard Hartmanns doch, die Fabrik in kurzer Zeit wieder aufzubauen und sie im Jahre 1864 weiter durch ein grosses Werkstattgebäude für Werkzeugmaschinenbau, 1865 durch Erweiterung der Giesserei, 1868 durch Einrichtung einer besonderen Abteilung für Modelltischlerei u. s. w., sowie durch den Bau einer geräumigen Montierwerkstatt für Locomotiven zu vergrössern, sodass das Werk in letztgenanntem Jahre circa 170 Beamte und 2700 Arbeiter zählte.

Im Jahre 1870 ging das Etablissement in die Hände der Aktiengesellschaft „Sächsische Maschinenfabrik zu Chemnitz“ mit 7 500 000 Mark über und wurde weiter bedeutend vergrössert durch eine Kesselschmiede 1872/73, eine Werkstatt für den Dampfmaschinenbau 1873/74, eine solche für den Webstuhlbau 1882, eine Kupferschmiede und Metallgiesserei 1888, eine besondere Werkstatt für den Bau schwerer Webstühle 1888/89, Erweiterung der Schmiede, des Dampfmaschinenbaues und eine neue Werkstatt für den Bau von Eis- und Kühlmaschinen 1889, welcher letztere Betriebszweig 1886 eingeführt worden ist. Im Jahre 1895 wurde eine ansehnliche Erweiterung der Werkstatt für Dampfmaschinenbau und derjenigen für Werkzeugmaschinenbau vorgenommen und ferner ein benachbartes Grundstück an der Hartmannstrasse angekauft, auf dem 1896 ein Verwaltungsgebäude und eine neue Werkstatt für Spinnereimaschinenbau errichtet worden sind. Die neue Grossgiesserei kam 1898 in Betrieb, während die bisherige Kleingiesserei zu der gleichen Zeit beträchtlich erweitert wurde und kann die Belegschaft der gesamten Giesserei auf circa 800 Mann gesteigert werden.

Gegenwärtig besteht das Etablissement aus drei in Chemnitz gelegenen Grundstücken mit einem Gesamtflächeninhalt von circa 212 000 Quadratmeter, welche mit 107 Gebäuden und 23 hohen Schornsteinen bebaut sind, einem Areal in Borna und Furth, nahe bei Chemnitz, von circa 730 000 Quadratmeter und zwei Grundstücken in Altendorf bei Chemnitz von zusammen 28 500 Quadratmeter Grösse.

Das Aktienkapital wurde 1889 um 750 000 Mark, 1895 um 1 750 000 Mark und 1897 um 2 000 000 Mark erhöht, sodass es jetzt 12 000 000 Mark beträgt, und beschäftigt das Werk gegenwärtig circa 300 Beamte und 4700 Arbeiter. Im Betrieb sind 28 Dampfkessel mit 3255 Quadratmeter Heizfläche, 23 Dampfmaschinen und eine Turbine mit zusammen 2838 effect. Pferdest., sowie circa 2200 Werkzeugmaschinen und 18 Dampfhämmer. Der Wert der jährlich hergestellten Maschinen, Kessel. u. s. w. beträgt 12 bis 15 Millionen Mark, wovon in den letzten Jahren 60 Prozent für das In- und 40 Prozent für das Ausland geliefert wurden. Exportiert wurde hauptsächlich nach Russland, Spanien und Portugal, Italien, England, Belgien und Holland, Frankreich, der Schweiz, Oesterreich, Schweden, Norwegen und Dänemark, nach der Türkei, Rumänien, Serbien und Bulgarien, sowie transatlantisch nach Japan, China, Süd-Afrika, Australien, Mexiko, Brasilien, Argentinien, Chile und Venezuela. Vollständige Arsenaleinrichtungen für Geschützbearbeitung, namentlich für Herstellung grosser Schiffskanonen, für Herstellung von Artillerie-Fahrzeugen, von Geschossen und Patronen sind

[152]

Sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann.

[153] geliefert worden nach Bukarest (Rumänien), s’Gravenhaag (Holland), Trubia und Sevilla (Spanien), Tokio und Osaka (Japan), China etc.

Das Werk befasst sich mit der Herstellung von: Locomotiven und Tendern für die verschiedenen Spurweiten, Dampfmaschinen neuesten Systems für Fabrikbetrieb, elektrische Beleuchtung, sowie für Berg- und Hüttenwerke, Anlage vollständiger Walzwerke, Dampfhämmern und Hämmern, welche von der Transmission aus betrieben werden, Dampfkesseln und Dampfgefässen, selbstthätigen Kesselfeuerungsapparaten (Patent Leach), Eis- und Kühlmaschinen nach System Linde, Turbinen und Wasserrädern, garantirt in der Nutzleistung, selbstabschwimmenden Wehraufsätzen (Patent Wendler), Sägereien und Mahlmühlen, Einrichtungen von Papierfabriken, Anlagen zur Herstellung der Holzmassen auf mechanischem und chemischem Wege, Werkzeugmaschinen zur Bearbeitung des Eisens und Holzes, insbesondere für Eisenbahnwerkstätten, Arsenale und Schiffswerften, sämtlichen Maschinen für Geschütz- und Geschossfabrikation etc. Das Werk liefert ferner: vollständige Ausstattungen von Eisenbahnwerkstätten und Wasserstationen, Lauf- und Drehkrähne, patentierte Kontroll-Wäge-Apparate (System Ehrhardt) zum Messen und Regulieren der Belastung der Räder und zum Wiegen von Locomotiven, Tendern und Wagen, auf den Schienen stehend, Maschinen und vollständige Einrichtungen für Streichgarn-, Kunstwoll-, Vicogne- und Baumwollabfall-Spinnereien, Zwirnmaschinen für Baumwoll-, Vicogne, Streich- und Kammgarn-Spinnereien – Flügel und Ringsystem – sowohl, als auch für Tuchfabrikation, insbesondere patentierte Webstühle zur Herstellung von Tuchen, Buckskins, Flanellen und Möbelstoffen, Webstühle für leichte Kammgarn-, Baumwoll- und Leinenstoffe, Seide, alle sonstigen Weberei-Vorbereitungsmaschinen, als: Kettenscheer-, Leim-, Trocken- und Aufbäummaschinen, Spulmaschinen u. s. w., Appreturmaschinen, als: Maschinen zum Trocknen von Tuchen, Buckskins, Flanellen u. s. w., patentierte Garntrockenmaschinen zum Trocknen von Strähnen aus Wolle, Baumwolle, Seide u. s. w., Strähngarn-Bürst- und Schlichtmaschinen u. s. w.

Insgesamt wurden bis Ende Juni 1898 zur Ablieferung gebracht: 2338 Locomotiven, 827 Tender, 1813 Dampfmaschinen aller Systeme und Grössen, 2168 Dampfkessel, 704 Dampf- und Transmissionspumpen, 277 Dampfhämmer, 263 Laufkrähne, 321 Eis- und Kühlmaschinenanlagen, 742 Turbinen, 8484 Werkzeugmaschinen, 8037 Spinnmaschinen und Selfaktors, 6401 Krempeln, 925 Wölfe, 505 Tuch- und Garntrockenmaschinen, 35169 Webstühle, circa 19700 diverse Maschinen, circa 11 675 000 Transmissionen. Seit Bestehen der Aktiengesellschaft betrugen die Lieferungen insgesamt ca. 265 000 000 Mark.

Die Sächsische Maschinenfabrik zu Chemnitz besitzt eine Beamten-, sowie eine Arbeiter-Unterstützungskasse, ferner eine Beamten-Krankenkasse und gehört der Allgemeinen Krankenkasse und Invaliden-Pensionskasse der Maschinenfabriken und Giessereien der Stadt Chemnitz an. Ausserdem sind als Einrichtungen für Arbeiterzwecke hervorzuheben: 1. die Stiftung „Heim“, welche aus einer Anzahl ausserhalb der Stadt am Waldesrand errichteter Arbeiterwohnungen besteht, zu dem Zwecke, verheirateten Arbeitern und deren Familien gesunde und billige Wohnung zu gewähren, und welche zur Zeit von 91 Familien mit 452 Personen in 44 Häusern bewohnt wird, und 2. der am 1. Mai 1889 in Benutzung genommene Arbeiter-Speisesaal, welcher mit den vorzüglichsten Einrichtungen, namentlich zum Aufwärmen mitgebrachter Speisen, versehen ist und in welchem der Arbeiter gute und billige Speisen, sowie Getränke erhält. Der Speisesaal wird von der Arbeiterschaft selbst verwaltet, und die erzielten Ueberschüsse finden zum Wohle der Arbeiter Verwendung.




Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik
vormals Johann Zimmermann.

Nicht in Deutschland, sondern im Ungarlande, in der kleinen Stadt Pápa stand die Wiege des ersten Chemnitzer Werkzeugmaschinenbauers. Daselbst wurde Johann Zimmermann am 27. März 1820 als der Sohn gutsituierter deutscher Bürgersleute geboren. Er besuchte das dortige Gymnasium mit dem Wunsche seiner Eltern, ihn zum geistlichen Stande zu erziehen. Trotz ausgesprochener Begabung zeigte sich bald, dass er für dieses Studium keine Neigung besass, sondern das praktische Leben [154] bevorzugte. Die Gelegenheit dazu bot sich ihm in einer Fabrik für Turmuhren und landwirtschaftliche Maschinen, die sein Vetter in Grosswardein besass. In der Zeichenschule dieser Stadt wurde Zimmermann zugleich soweit geübt, das er Gesehenes und eigene Ideen richtig aufzeichnen konnte. Auf den Rat seines Verwandten[WS 1] wandte sich Zimmermann dann zu mehrjährigem Aufenthalte nach Wien. Von hier führten ihn jugendlicher Wanderdrang und der Wunsch nach weiterer Ausbildung nach München. Da er dort das Gesuchte nicht fand, fasste er mit mehreren Kameraden den Entschluss, nach Leipzig und Dresden zu gehen. Unterwegs in Chemnitz angelangt, – im Jahre 1839 – veranlasste ihn ein zufälliger Umstand, sich von seinen Gefährten zu trennen und in der in Chemnitz damals bestehenden Sächsischen Maschinenbau-Kompagnie Beschäftigung anzunehmen. Um seine früheren Pläne zu Ende zu führen, wollte er nach kurzer Zeit wieder fort, der Direktor seiner Abteilung aber verhinderte das durch die Übertragung einer guten Meisterstelle im Spinnereimaschinenbau an ihn.

Seine Erkenntniss, das es mit dieser Fabrik mehr und mehr rückwärts ging, und ein kleines, durch Sparsamkeit erworbenes Kapital veranlasste Zimmermann, sich selbstständig zu machen. Er eröffnete am 1. Juli 1844 zusammen mit einem anderen Angestellten der Sächsischen Maschinenbau-Kompagnie in der Vorstadt Gablenz eine kleine Fabrik für Spinnereimaschinen-Cylinder. Der Betrieb erfolgte durch Handschwungräder, später durch einen Göpel. Als auch diese Kraft und die gepachteten Räume nicht mehr ausreichten, mietete Zimmermann in der sogenannten Klostermühle – äussere Klosterstrasse – ein. Das traurige Jahr 1848 mit seiner geschäftlichen Krisis veranlasste Zimmermann, sich von seinem Kompagnon zu trennen, zumal dieser das Geschäft mehr und mehr vernachlässigte. Von da ab hiess die Firma Johann Zimmermann. Zu dem Darniederliegen der Geschäfte kam in demselben Jahre ein gegen ihn von seinem Konkurrenten geplanter Boykott, mit dem Zwecke, ihm seine Kundschaft abspenstig zu machen. Und dies war die Veranlassung, dass Zimmermann den bisherigen Betrieb aufgab und ein anderes Fach, den Bau von Werkzeugmaschinen, d. h., den damaligen Zeitverhältnissen entsprechend, zunächst den Bau kleinerer Drehbänke und Bohrmaschinen, begann. – Zimmermann weist in seinen uns zur Verfügung gestellten Memoiren mehrmals darauf hin, dass gerade das Übelwollen anderer ihn mehrfach zu grossen Erfolgen verhalf. –

Dieses Unternehmen des ersten fabrikmässigen Werkzeugmaschinenbaues erregte an den Biertischen der guten Stadt Chemnitz allgemeines Kopfschütteln ob seiner völligen Aussichtslosigkeit, und es gab allerlei Spott über die Tollheit des jungen Fremdlings, dass dieser sich in den Kopf gesetzt hatte, nur von dem Bedarf an Werkzeugmaschinen für die bestehenden, verhältnismässig wenigen Maschinenfabriken leben zu wollen. Diese Maschinen kaufte man ja viel besser in England, und was die Fabriken von dort nicht beziehen wollten, konnte sich ja jede mittels ihrer eigenen Werkzeugmaschinen selbst herstellen. So urteilte man auf Grund des Standes der damaligen Technik. Der Erfolg Zimmermanns widerlegte aber diese Ansichten bald. Bereits im Jahre 1852 beschickte er die erste Ausstellung – in München – und erwarb sich die erste Preismedaille.

Als die Räume der Klostermühle nicht mehr ausreichten, kaufte Zimmermann das Gehrenbeck’sche Färbereigrundstück, Rochlitzerstrasse 19. Er erbaute dort ein neues Fabrikgebäude, mit der damals in Chemnitz noch nicht gekannten Einrichtung von Gallerien und fahrendem Laufkrahn, die bald typisch auch für andere Maschinenfabriken wurde. Der Einzug in dieses Gebäude erfolgte im Jahre 1854 mit 50 Arbeitern.

Die eiserne Beharrlichkeit Zimmermanns, sich mit ganzer Kraft und mit allen ihm zu Gebote stehenden Hilfsmitteln einzig dem Werkzeugmaschinenbau zu widmen, sich dabei stetig die besten existierenden Vorbilder dienstbar zu machen und seine Erzeugnisse in Bezug auf Konstruktion, Material und Ausführung nicht nur diesen ebenbürtig, sondern vielfach überlegen zu gestalten, bildeten den Hauptgrund seines glänzenden Erfolges. Hierbei müssen wir aber auch seines Systems der Heranbildung eines tüchtigen Arbeiterstammes gedenken. Zimmermann lehrte in dieser Zeit, wo sein Geschäft noch nicht den grossen spätern Umfang hatte, oft selbst seine Lehrlinge, mit Meissel, Feile, Dreh- und Hobelzahn umzugehen und verstand es, in seine Leute den Ehrgeiz bester Leistungen zu pflanzen. Der Erziehung zu Sauberkeit und Ordnung der Arbeit diente auch die damals sprichwörtliche, musterhafte Sauberkeit und Ordnung, die in seinen Werkstätten herrschte, selbst die in Arbeit befindlichen Maschinen und Teile mussten stets „in Reih’ [155] und Glied“ stehen oder liegen. Das ist kein Selbstlob, aus Aufzeichnungen abgeschrieben, das berichtet der Verfasser dieses aus seinen Lehrjahren in der Zimmermann’schen Fabrik. In solchem Sinne war Zimmermann seinen Leuten ein wirklicher Lehrmeister, und jeder von denselben wusste, dass über ihm ein scharfes Auge wachte, dass aber auch eine offene Hand gute Leistungen anerkannte. Ein gewisser Korpsgeist und ein Stolz, in Zimmermanns Fabrik Arbeiter zu sein, war die Folge.

Mit einer selbstgeschulten Arbeiterschaft, mit den immer mehr vervollkommneten Einrichtungen der Fabrik und mit ihren Erweiterungen, zu denen auch um diese Zeit die Einführung des bis dahin in Deutschland noch völlig unbekannten Holzbearbeitungsmaschinenbaues gehört, konnte es Zimmermann wagen, im Jahre 1862 auf der Londoner Ausstellung den Wettkampf mit den Engländern im eigenen Lande aufzunehmen.

Wohl nie mehr kann die Beschickung einer Ausstellung eine solche Aufregung hervorrufen, als dies damals der Fall war. Man ging soweit, die Entfernung der Zimmermann’schen Maschinen aus



der Ausstellung von den Kommissaren zu verlangen. Das Urteil der Ausstellungsjury, bei der sich auch der greise Sir Joseph Whitworth befand, brachte Zimmermann die grosse goldene Preismedaille ein. Als Selbsterlebnis verzeichnet Verfasser dieses das interessante persönliche Zusammentreffen der beiden Männer: Joseph Whitworth und Johann Zimmermann. Letzterer liess Sir Whitworth nach stattgefundener Begrüssung durch Schreiber dieses sagen: „Wir fanden keine schöneren und besseren Modelle als die Ihrigen, darum nahmen wir sie uns zum Muster“ und Whitworth, als Gentlemann und unparteiischer Richter, klopfte freundlich lächelnd seinem grössten Konkurrenten auf dem Festlande auf die Schulter und sprach sein Urteil mit nur den drei Worten: „Very good indeed!“

Nach diesem Erfolg der Londoner Ausstellung war Zimmermanns Ruf fest begründet. Die Fabrik musste durch Neubauten und Ankäufe benachbarter Grundstücke fast alljährlich vergrössert werden.

[156] Die Pariser Weltausstellung 1867, von Zimmermann in ganz besonders grossartiger Weise beschickt, brachte der Fabrik neue Auszeichnungen.

Auch persönliche Ehrungen wurden nun Zimmermann in reichem Masse zuteil, unter anderem seine Erhebung in den erblichen Adelsstand durch den Kaiser von Österreich, die Ernennung zum Kommerzienrat, später zum Geheimen Kommerzienrat seitens der Königlich Sächsischen Regierung, seine Aufnahme als Ritter der Ehrenlegion infolge der Pariser Weltausstellung. Die Stadt Chemnitz ehrte ihn durch die Ernennung zum Ehrenbürger, ebenso seine Vaterstadt Pápa in Ungarn. Solche Anerkennungen wurden ihm ebensowohl seiner industriellen Leistungen wegen, als infolge seiner bei verschiedenen Gelegenheiten – insbesondere gegen seine Geburtsstadt Pápa in Ungarn, durch beträchtliche Stiftungen für Schule und Gemeinde, sowie gegen seine zweite Vaterstadt Chemnitz, durch die grossartige, allbekannte Stiftung von Zimmermann’sche Naturheilanstalt – zum Ausdruck gebrachten hochherzigen Gesinnung. Wir gedenken noch kurz des grossen Brandunglückes, das im Jahre 1868 die Fabrik betraf, und dem der grösste Teil derselben und fast der gesamte Modellbestand, das mühevolle Werk vieler Jahre, in wenig Stunden zum Opfer fielen. Aber in kürzester Frist wurden durch Zimmermanns Energie die Gebäude neu errichtet und neue Modelle angefertigt. Unter Benutzung der bisher gemachten Erfahrungen erstanden die Werkstätten so, dass sie mit dem erhaltengebliebenen neueren Teile ein einheitliches Ganzes darstellten.

Der Chemnitzer Maschinenarbeiterstreik im Jahre 1871 war die nächste Veranlassung zu dem Entschlusse Zimmermann’s, die Fabrik zu verkaufen. In der gebildeten Aktiengesellschaft übernahm er die Generaldirektion und erbaute nach einem schon lange gehegtem Lieblingsplane in den folgenden Jahren auf einem von der Gesellschaft angekauften grossen Grundstücke an der Emilienstrasse eine Eisengiesserei grössten Stiles und ein Fabrikgebäude für den Holzbearbeitungsmaschinenbau, das aber infolge der eintretenden ungünstigen Geschäftsjahre nicht für diesen Zweck Verwendung fand und in dem neuerdings der von der Fabrik aufgenommene Dampfmaschinenbau untergebracht wurde.

Das Aktienkapital der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik beträgt gegenwärtig 5 400 000 Mark. Die Grundstücke nehmen einen Flächenraum von 115 000 Quadratmeter ein, und die Zahl der beschäftigten Arbeiter beträgt bis zu 1000 Mann. Der jährliche Umsatz beläuft sich bis auf 3 500 000 Mark.




Sächsische Webstuhlfabrik
vormals Louis Schönherr.

Wenn enn von Chemnitzer Webstühlen gesprochen wird, dann wird auch stets des Namens Louis Schönherr gedacht werden, welcher als der Gründer des bedeutenden Zweiges des Chemnitzer Textilmaschinenbaues, des sogenannten Webstuhlbaues, zu bezeichnen ist, wenn auch schon vor Schönherr in Chemnitz mechanische Webstühle von Hartmann u. a. gebaut wurden.

Der Weber Wilhelm Schönherr aus Plauen, welcher sich im Verein mit G. F. Wieck mit der Herstellung von Bobinetmaschinen befasst hatte, wurde durch sein Gewerbe[WS 2] veranlasst, sich auf die Erfindung eines Webstuhles zu legen, bei dem zunächst nur die Arbeit des Webers erleichtert werden sollte. Solche, nach einem ganz neuen Prinzip konstruierte Webstühle wurden von Wilhelm Schönherr im Verein mit seinem jüngeren Bruder Louis in Schlema bei Aue im Erzgebirge gebaut. Sehr bald mussten die Brüder Schönherr den Versuch aufgeben, ihren Webstuhl in die Hausindustrie einzuführen, und wurde deshalb der Stuhl für mechanischen Betrieb eingerichtet, doch gelang es dem jungen Unternehmen nicht, richtig Fuss zu fassen, sodass die Brüder Schönherr 1840 nach Chemnitz kamen und bei der Sächsischen Maschinenbaukompagnie eintraten, wo es namentlich dem praktischeren jüngeren Schönherr gelang, mit Zugrundelegung des früher benutzten eigenartigen Stuhlsystems einen mechanischen Webstuhl für die Tuchindustrie herauszubilden. Beim Aufhören der genannten Kompagnie ging Louis Schönherr kurze Zeit in die Hartmann’sche Fabrik, errichtete aber 1851 mit dem Hartmann’schen Prokuristen Seidler eine besondere Webstuhlfabrik in Altchemnitz, welche, durch die zunehmende Ausdehnung veranlasst, 1854 in die Gebäude der aufgelösten Maschinenbaukompagnie übersiedelte, wo die Schönherr’sche Fabrik noch heute ihren Sitz hat. 1857 trat Seidler aus der Firma, welche dann von Louis Schönherr allein weiter geführt wurde.

[157] Der grosse Aufschwung der Schönherr’schen Fabrik, welche mit 20 Arbeitern begonnen, in 10 Jahren schon über 200, in 20 Jahren über 450 Arbeiter beschäftigte, darf wohl dem Umstande zugeschrieben werden, dass Louis Schönherr seine volle Kraft einer einzigen Specialität zuwandte und alles Neue aus sich selbst herausschaffte, sodass seine Leistungen im Bau mechanischer Webstühle zu dem Aufblühen der Weberei mächtig beigetragen haben. Namentlich ist es aber der Tuchwebstuhl, den Schönherr besonders zu höchster Ausbildung brachte.

Bis zum Jahre 1860 baute Schönherr nur Einschützen-Webstühle mit Excenterschaftbewegung, dann aber zunächst Webstühle für gemusterte Waren mit dreifachem Schützenwechsel und bis 16schäftiger Schaftmaschine, welche damals 36 Schuss in der Minute machten. Heute werden die Webstühle mit 7- und 9 fachem Schützenwechsel und bis 33 schäftiger Maschine gebaut, welche gegen 90 Schuss in der Minute machen. 1872 ging die Schönherr’sche Fabrik in die Hände einer Aktiengesellschaft über, welche unter der Aufsicht des heute noch rüstig thätigen Louis Schönherr zu der bedeutendsten Webstuhlfabrik der Welt sich emporgehoben hat.

Diese Fabrik beschäftigt sich ausschliesslich mit dem Bau von mechanischen Webstühlen jeder Art und mit allen Vorbereitungsmaschinen und Spulmaschinen für die Weberei. Die Sächsische Webstuhlfabrik ist demnach als Spezialmaschinenfabrik besonders beachtenswert, sie ist die zweitgrösste Maschinenfabrik in Chemnitz.

Auf dem 104 600 Quadratmeter grossen Grundstücke, wovon 23 858 Quadratmeter bebaut sind, befinden sich ausser zahlreichen Schuppen und Nebengebäuden 34 Hauptgebäude, meist zwei- und


Sächsische Webstuhlfabrik vorm. Louis Schönherr.

mehrstöckig. An Betriebskraft sind vorhanden: 5 Dampfmaschinen mit zusammen 350 PS und 2 Turbinen von zusammen 50 PS, welche insgesamt 737 Arbeits- und Hilfsmaschinen betreiben, und zwar: 84 Schleifmaschinen, 68 Fräs- und Hobelmaschinen, 37 Schmiedefeuer, 2 Dampfhämmer, 204 Drehbänke, 150 Bohrmaschinen, 41 Holzbearbeitungsmaschinen und 151 verschiedene Hilfsmaschinen. Die Beleuchtung erfolgt zum Teil durch Gas, das in eigener Gasanstalt erzeugt wird, zum Teil durch elektrisches Bogen- und Glühlicht, wozu 4 Dynamomaschinen vorhanden sind.

Unter den Gebäuden ist besonders die Tischlerei mit einer Gebäudelänge von 123 Meter erwähnenswert und ebenso das bedeutende, ca. eine halbe Million Mark Wert besitzende Holzlager, welches in der Hauptsache aus fichtenen Pfosten besteht und die Gewähr für die Benutzung eines vollkommen ausgetrockneten Holzes giebt, wie es ein guter Webstuhl erfordert.

Das Grundkapital beträgt 3 000 000 Mark – und die Hypotheken 1 100 000 Mark. – Die Betriebsmittel betrugen am Schlusse des letzten Geschäftsjahres 80,66 Prozent des Aktienkapitals, die bisherigen Abschreibungen 117,8 Prozent des Aktienkapitals, oder 137,1 Prozent des Gründungswertes von 1872. Die Betriebs- und Reservefonds belaufen sich auf 27,4 Prozent des Aktienkapitals und die Durchschnittsdividende beträgt seit den letzten 10 Jahren 13,8 Prozent. Der Gesamtzugang für Neuanschaffungen und Vergrösserungen ist mit 102,9 Prozent des Gründungswertes zu beziffern.

[158] Das Wachstum der Fabrik zeigt sich in der zunehmenden Arbeiterzahl und Produktion, indem im Jahre 1856 bei 150 Arbeitern der 1000ste, 1872 im Gründungsjahr der Aktiengesellschaft, bei 450 Arbeitern der 10 000ste, 1882 bei 700 Arbeitern der 20 000ste, 1887 bei 1000 Arbeitern der 30 000ste und 1895 bei 1200 Arbeitern der 50 000ste Webstuhl geliefert wurde. Inzwischen ist als Höchstbestand eine Arbeiter- und Beamtenzahl von 1400 Mann erreicht und es haben bis Ende 1899 66 625 Webstühle die Fabrik verlassen. Ausserdem wurden nahezu 7000 Vorbereitungsmaschinen Weberei geliefert.

Die Fabrik pflegt, wie schon bemerkt, alle Arten des Webstuhlbaues vom einfachsten Baumwollzeugstuhl, bis zum kompliziertesten Bukskin- und Möbelstoffwebstuhl und baut diese Stühle nicht nur nach dem Schönherr’schen Originalsystem sondern auch nach dem in neuerer Zeit zur allgemeineren Geltung gekommenen Kurbelsystem. Hergestellt werden auch ganz breite Webstühle bis zu 10 Meter Warenbreite und alle Vorbereitungsmaschinen zur Weberei, bis mit 1899 wurden so 4885 Ketten- und Schussgarnspulmaschinen, 1340 Scheermaschinen, 347 Leim- und Schlichtmaschinen und 1205 Bäummaschinen geliefert. Weiter stellt die Fabrik auch die Schützen zu ihren Webstühlen her und hat davon gegen 150 000 Stück geliefert. Ungefähr die Hälfte der gelieferten 66 000 Webstühle sind breite Webstühle für die Tuch- und Bukskinfabrikation; dies ist bei einem Vergleich mit englischen Webstuhlfabriken wohl zu beachten, welche vielleicht eine grössere Anzahl Stühle geliefert haben, welche aber meist nur leichte billige Stühle – im Werte von 100 Mark aufwärts – sind, während der Durchschnittspreis eines Tuchwebstuhles nicht unter 600 und bis zu 1500 Mark beträgt. Der Wert der Jahresproduktion der Sächsischen Webstuhlfabrik mit ca. 3000 Webstühlen ist auf ca. 3 000 000 Mark anzugeben.




Deutsche Werkzeugmaschinenfabrik in Chemnitz
vormals Sondermann & Stier.

Die Begründung des Werkes, welches ausschliesslich dem Bau von Werkzeugmaschinen für Metallbearbeitung obliegt, fällt in die Mitte des abgelaufenen Jahrhunderts, in diejenige Periode der Chemnitzer Industrie, welche unter Führung energischer und zielbewusster Männer dem hiesigen Maschinenbau die solide Grundlage für seine heutige mächtige Bedeutung bereitet hat.

Im Jahre 1857 errichtete der Techniker Carl Sondermann eine kleine Werkzeugmaschinenfabrik in Kappel bei Chemnitz, welche jedoch sehr bald dem sich kräftig entwickelnden Geschäftsgang nicht mehr genügte und 1860 in das erst gemietete, später käuflich erworbene Fabrikgebäude der einstigen Kattunfabrik von Becker & Schraps in der Auevorstadt, jetzt Beckerstrasse, übersiedelte.

Am 15. Mai 1860 trat der Techniker Heinrich Stier als Teilhaber in das Geschäft ein, und es wurde damit die Firma Sondermann & Stier begründet.

In vereinter rastsloser Thätigkeit und reicher konstruktiver Arbeit erwarb sich die Firma ein weites Absatzgebiet im In- und Auslande und begründete durch vorzügliche Leistungen den heutigen, weit über die Grenzen des Vaterlandes hinausreichenden Ruf des am 1. Oktober 1872 in eine Aktiengesellschaft unter heutiger Firma umgewandelten Unternehmens, in welchem Carl Sondermann bis zum Jahre 1885 die Leitung behielt.

Den steigenden Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit der Arbeitsmaschinen, den grossen Bedürfnissen unserer aufstrebenden Marine und Eisenbahnanlagen, der Vergrösserung und Verbesserung unserer heimischen Maschinenbauwerkstätten, sowie der starken Nachfrage des Auslandes Rechnung tragend, mussten die Betriebseinrichtungen der Fabrik fortwährend vervollkommnet und in den Stand gesetzet werden, Maschinen der grössten, insbesondere für die im Schiff-, Dampfmaschinen- und Elektromotorenbau etc. erforderlichen Abmessungen herzustellen.

Die vorhandenen Räume reichten dazu nicht mehr aus, und erst die Erwerbung des benachbarten Grundbesitzes der Oscar Schimmel’schen Fabriken ermöglichte den umfassenden Neubau der jüngsten Zeit, wodurch sich die Deutsche Werkzeugmaschinenfabrik vormals Sondermann und Stier, sowohl hinsichtlich ihrer modernen zweckmässigen Betriebseinrichtungen und ihrer Produktionsfähigkeit als auch ihrer Repräsentation den ersten Etablissements ihrer Branche würdig zur Seite stellen darf.

[159]

Direktions- und Conferenzzimmer.

Montagehalle. (Vordere Ansicht).

[160]
Maschinenfabrik J. E. Reinecker.

Die Firma J. E. Reinecker wurde am 1. Oktober 1859 von Julius Eduard Reinecker gegründet.

Derselbe übernahm an angegebenem Tage die vormals Apffel’sche Zeugschmiederei in der Bretgasse zu Chemnitz, mit der zugleich ein Eisenwarenladen verbunden war. Letzterer wurde schon nach wenigen Jahren aufgegeben, und Reinecker ging ausschliesslich zur Fabrikation von Werkzeugen über.

Unter vielen Mühen und Sorgen musste sich Reinecker vorwärts kämpfen, und erst nachdem in einer Magdeburger Firma ein regerer Abnehmer von Specialwerkzeugen für Zuckerfabrikation gewonnen war, trat eine gesundere Entwicklung des Unternehmens ein, die nach mehrmaligem Wechsel der Werkstatt im Jahre 1872 den Erwerb eines eigenen Fabrikgrundstückes ermöglichte, in welchem dem Geschäft Möglichkeit für weitere Ausdehnung geboten war. In diesem Grundstück, welches an der jetzigen Oststrasse belegen war, nahm die Firma zunächst noch langsam, aber stetig an Umfang und


Alte Werkzeugfabrik von J. E. Reinecker.

Bedeutung zu, öftere Vergrösserungen der Fabrikationsräume machten sich erforderlich, bis sich gegen Ende der achtziger Jahre das Grundstück als unzureichend für die weitere Entwickelung der Fabrik erwies und eine abermalige Verlegung derselben zur Notwendigkeit wurde.

Im Jahre 1889 wurde auf Gablenzer Flur, nahe der bisherigen Fabrik, ein grösseres Terrain erworben, welches durch mehrfache Ankäufe auf nahezu 100 000 Quadratmeter Gesamtfläche gebracht wurde, im Jahre 1890 wurde mit dem Bau der neuen Fabrikanlage begonnen und im Juli 1891 der Betrieb in der neuen Fabrik eröffnet.

Bis dahin war die einzige Specialität der Firma J. E. Reinecker die Fabrikation von Werkzeugen für Maschinenbau und Reparaturwerkstätten. Es fanden sich jedoch schon zu dieser Zeit zahlreiche Liebhaber für die von der Firma konstruierten und zunächst nur für den eigenen Gebrauch bestimmten Spezialmaschinen zur Herstellung und Instandhaltung von Fraisern, Gewindebohrern, Spiralbohrern und dergleichen mehr. Durch stetig wachsende Nachfrage wurde die Firma zu einer grösseren [161] Beachtung des Baues derartiger Maschinen hingeführt, doch konnte dieser Fabrikationszweig erst in der neuen Fabrikanlage in grösserem Umfange gepflegt werden.

Einem weiteren Interessenkreis wurde Kenntnis von den Leistungen der Firma J. E. Reinecker auf diesem Gebiete durch die Weltausstellung in Chicago 1893, welche von der Firma reichlich beschickt wurde und die ihr sehr ehrende Anerkennung sowohl seitens der Jury als auch der Fachpresse einbrachte.

Der Ruf der Firma J. E. Reinecker, schon vor 1893 in weiten Kreisen ein sehr guter, wurde durch diese Ausstellung weiter befestigt, was durch gesteigerte Nachfrage in den Erzeugnissen der Firma zum Ausdruck kam und ein rapides Anwachsen derselben zur Folge hatte, was zu den oben erwähnten ausgedehnten Erweiterungen der Anlage nötigte.

Die Entwicklung des Werkes wird am besten aus nachfolgenden Zahlen ersichtlich:

Im Jahre Flächenraum der Werkstätten etc.
qm
Zahl der Werkzeugmaschinen Zahl der am Ende des Jahres beschäftigten Arbeiter und Beamten
1859 ? 0 1
1864 ? 1 3
1867 ? 2 9
1872 300 14 25
1876 540 30 52
1880 800 56 101
1881 1040 77 134
1883 1340 88 93
1888 1340 131 175
1889 1720 177 202
1891 5324 211 236
1893 5441 240 280
1894 5649 265 295
1895 7415 314 387
1896 10095 397 556
1897 10808 498 728
1898 17330 * 571 ** 805 **
1899 24330 1150

 0* Nach Fertigstellung der in Bau befindlichen Neuanlagen.
 ** Ende Mai 1898.

Von Auszeichnungen, die in den letzten Jahren auf grösseren Ausstellungen erlangt wurden, sind zu erwähnen: 1894 Antwerpen, Grand prix, 1897 Leipzig, Königlich Sächsische Staatsmedaille.

Die Anordnung der Fabrikanlage, wie sie nach Fertigstellung der zur Zeit im Bau befindlichen Erweiterungen sich darstellen wird, ist aus umstehender Ansicht erkennbar. Durch eine Privatstrasse wird das Grundstück in zwei Teile getrennt, links von dieser Strasse liegen Lohnkontor und Portierhaus, Lager für Rohmaterial, die mit vier Dampfhämmern von 100 bis 1000 Kilogramm Bärgewicht ausgerüstete Schmiedewerkstatt, die Härterei, ein Kesselhaus mit drei Dampfkesseln von zusammen 380 Quadratmeter Heizfläche, zwei Maschinenhäuser mit drei Dampfmaschinen von zusammen 450 PS und drei Primär-Dynamomaschinen von 245 Kilowatt, die Akkumulatorenanlage, Kühlanlangen für den Kondensationsbetrieb, Kohlenschuppen, Kistenbauwerkstatt und eine vom Begründer der Firma gestiftete Badeanstalt für die Beamten und Arbeiter, ausgestattet mit 25 Brausezellen, die den Leuten unentgeltlich zur Verfügung stehen. Ein bisher für Kondensation benutztes Bassin von ca. 320 Quadratmeter Fläche soll den Arbeitern als Schwimmbassin zur Verfügung gestellt werden, da dasselbe durch Aufstellung einer Kaminkühleranlage verfügbar geworden ist.

Auf der rechten Seite der Privatstrasse befinden sich der Hauptarbeitsaal von 8600 Quadratmeter Nutzfläche, der, an die Linkestrasse anstossend, ein Untergeschoss von 1220 Quadratmeter Nutzfläche enthält, in welchem der Rohguss angeliefert und gelagert wird. Längs der Bernhardstrasse und zum Teil auch längs der Linkestrasse lagert sich vor dem Arbeitssaal das Verwaltungs- und Bureaugebäude mit Garderobehaus, welche Baulichkeiten gegen 145 Meter Strassenfront haben.

In dem Erdgeschoss des Bureaugebäudes befindet sich Garderobe für einen Teil der Arbeiter, Werkzeuglager, Tischlerei für Werkzeugkästen und Modelle, hieran anschliessend folgt die Hauptgarderobe, die in zwei Stockwerken Platz für gegen 1000 Schränke für die Arbeiter sowie Wascheinrichtung für dieselben enthält, während im dritten Geschoss der Speisesaal für die Arbeiter sich befindet. Alle Arbeiter können Zutritt und Ausgang zur Fabrik nur durch die Garderobe nehmen, an deren Ausgängen in dem Arbeitsaal die Kontrolluhren sich befinden.

Die Dachräumlichkeiten des Verwaltungs- und Garderobehauses dienen als Modelllagerräume. [162] Die verschiedenen Grössenverhältnisse der diversen Räumlichkeiten sind folgende:

Kontore und Bureaux 1216 Quadratmeter
Schmiede und Härterei 778 Quadr"tmeter
Maschinensaal 8600 Quadr"tmeter
Tischlerei und Kistenbau 690 Quadr"tmeter
Modellböden 1907 Quadr"tmeter
Schuppen und Lager 2173 Quadr"tmeter
Maschinen- und Kesselhäuser 394 Quadr"tmeter
Garderoben, Speiseräume für Arbeiter und Beamte, Bad 1572 Quadr"tmeter

17330 Quadratmeter.

Der Arbeitssaal, der sich durch ein vorzügliches Licht auszeichnet, ist im wesentlichen feuersicher angelegt. Durch ein in die Eisenkonstruktion eingelegtes System von Transmissionsbalken und Vorgelegepfosten ist die Stellung und der Antrieb von Werkzeugmaschinen mittels Deckenvorgelege in bequemster Weise ermöglicht, namentlich aber ist man hierdurch in der Lage, allenthalben eine systematische Gruppierung der Maschinen und übersichtliche Reihenstellung derselben durchzuführen.


Neue Fabrik von J. E. Reinecker in Gablenz.

Während der ältere Teil des Arbeitssaales durch ein Kreisseil angetrieben wird, ist in den späteren Anbauten ausschliesslich elektrischer Gruppenantrieb vorhanden. Die grösste der Dampfmaschinen, eine 225 PS. Tandemmaschine, ist nur für elektrische Kraftübertragung eingerichtet.

Die gesamte Fabrikanlage ist entsprechend dem neuesten Stand der Technik ausgerüstet, fast ausschlieslich in Stein und Eisen gebaut, mit Dampf geheizt und elektrisch beleuchtet. Durch die übersichtliche praktische Anlage ist erreicht, auf verhältnismässig gedrängtem Raume eine grosse Leistungsfähigkeit zu entwickeln unter den denkbar günstigsten Arbeitsbedingungen für die Arbeiter. Die Ausweise des Krankenkassenverbandes geben gerade für diese Fabrik die günstigsten Ziffern von allen an diesem Verbande beteiligten Fabriken, ein Beweis für die günstigen sanitären Verhältnisse in den Arbeitsräumen der Firma J. E. Reinecker.




Oscar Schimmel & Co. Aktien-Gesellschaft Chemnitz.
Maschinenfabrik, Eisen- und Metallgiesserei.

Die Maschinenfabrik von Oscar Schimmel & Co. wurde im Juli des Jahres 1861 als kleine Werkstatt mit kaum 10 Arbeitern in gemieteten Räumen von dem Ingenieur Oscar Schimmel und dem Maschinenfabrikwerkführer E. Spranger unter der Firma Spranger & Schimmel begründet, hat

[163]

Maschinenfabrik und Eisengiesserei von Oscar Schimmel & Co.

sich aber durch die eigenartige und gediegene Konstruktion und die vorzügliche Ausführung der von ihr gebauten Maschinen mit denselben bald in der Industrie bestens eingeführt, so dass schon nach einigen Jahren an 100 Arbeiter beschäftigt werden konnten. Schon 1867, als die junge Firma ihre Erzeugnisse erstmalig öffentlich auf einer Industrieausstellung vorführte, konnte sich dieselbe damit den 1. Preis erringen. Die dort ausgestellten Spinnereimaschinen erregten Aufsehen, weil damit mit der bisherigen Bauart solcher Maschinen (Holzgestelle, offene Lager u. s. w.) völlig gebrochen war. Die Maschinen zeigten neben ihrer wesentlicheren Grösse als bisher eine in allen Einzelheiten solide und durchdachte Konstruktion neben vielen praktischen Neuerungen, was alles bald von anderen Seiten aufgegriffen wurde. So hat die junge Firma durch ihr Vorgehen eine neue Richtung im Streichgarnspinnereimaschinenbau angegeben. Zu der genannten Zeit war es auch, dass der Teilhaber Spranger ausschied. und nachdem die Fabrik darauf kurze Zeit mit einem anderen stillen Teilhaber unter der Firma Oscar Schimmel & Co. weitergeführt wurde, ging dieselbe unter Beibehaltung der Firmenbezeichnung in den alleinigen Besitz von O. Schimmel über. Die Fabrik hatte bei ihrer Errichtung den Bau von Maschinen zur Baumwollfeinspinnerei betrieben, gab denselben aber infolge der misslichen Lage dieser Industrie in der durch den nordamerikanischen Krieg verursachten Baumwollkrise auf, trat aber später der Baumwollindustrie wieder näher durch die Einführung der Baumwollabfall- und Barchentspinnerei, der sogenannten Baumwollgrobspinnerei nach dem Streichgarnspinnprinzip. Es ist ein Verdienst der Firma Oscar Schimmel & Co., diese heute zu so wesentlicher Bedeutung gelangte Art Spinnerei überhaupt geschaffen zu haben, wie dieselbe bereits andererseits durch die Konstruktion vieler neuer Maschinen, durch welche die bisherige englische Spinnerei anderer Faserstoffe – wie Kunstwolle, Kuhhaar, Asbest, Torf etc. – in vorteilhafter Weise ersetzt wurde, sich hervorgethan hat. Dadurch, dass sich die Firma Oscar Schimmel & Co. mit der Konstruktion der von ihr gebauten Maschinen den Bedürfnissen der Praxis stets anpasste und ebenso auch eine in allen Einzelheiten genaue und saubere Ausführung und extra solide Bauart sich besonders angelegen sein liess, wuchs der Absatz der sogenannten Schimmel’schen Maschinen alljährlich zunehmend, und die Fabrik erlangte auf sicherem Wege gleichmässig ihre heutige Grösse. Nach dem Tode des Gründers, 1896, wurde die Fabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, welche unter Direktion der früheren langjährigen leitenden Beamten steht, sodass auch heute noch das Geschäft nach den Grundsätzen geführt wird, welche dasselbe gross gemacht haben. In den letzten zwei Jahren ist die in der Mitte der Stadt gelegene Fabrik verkauft und in nächster Nähe der [164] Eisenbahnstation Altchemnitz eine ganz neue Fabrikanlage mit Giesserei errichtet worden, welche auf die modernste Weise mit allen neuen technischen Hilfsmitteln ausgestattet ist.

Diese abgebildete Fabrikanlage bedeckt eine Grundfläche von ca. 40 000 Quadratmeter, wovon ca. 10 000 Quadratmeter die eigentlichen Fabrikgebäude einnehmen. Die Anlage hat direkten Anschluss an die Eisenbahn, sodass die Rohmaterialien – Eisen, Metalle, Holz, Kohlen etc. – in den Eisenbahnwagen bis an ihre Verwendungsstelle gelangen, wie anderenteils die abgehenden fertigen Maschinen gleich in der Fabrik in die Eisenbahnwaggons verladen werden können.

Die Fabrik beschäftigt ca. 600 Arbeiter und besitzt an Werkzeugmaschinen 180 Drehbänke, 40 Hobelmaschinen, 36 Bohrmaschinen, 15 Fraismaschinen, 20 Holzbearbeitungsmaschinen, 16 Maschinen zur Blechbearbeitung und 50 verschiedene allgemeine und moderne Specialwerkzeugmaschinen. Der Betrieb erfolgt durch 4 Dampfmaschinen von insgesamt ca. 300 Pferdestärken mit 4 Dampfkesseln von zusammen 340 Quadratmeter Heizfläche. Die Fabrik hat elektrische Beleuchtung und die Giesserei und Schmiedemaschinen elektrischen Antrieb. Die Giesserei ist mit zwei Kupolöfen für je eine stündliche Schmelzung von 3500 Kilogramm eingerichtet; die mit 8 Feuern arbeitende Schmiede besitzt einen Dampfhammer mit 6 Centner Bärgewicht und unterirdische Rauchabführung mit Windvorwärmung. Eine Geleisanlage durchzieht das ganze Grundstück, und beträgt die gesamte nutzbare Bodenfläche der Fabrikgebäude 20 000 Quadratmeter, wovon 7000 Quadratmeter für die Montage benutzt werden, während die übrige Fläche von den Arbeitsmaschinen eingenommen wird. Für die Aufbewahrung der Rohmaterialien sind grosse Niederlagen und Schuppen vorhanden, und sei allein bemerkt, dass die ständigen Holzvorräte einen Wert von ca. 100 000 Mark in sich schliessen. Für die Arbeiter sind in jedem Fabriksaal kippbare Waschbecken, sowie Einrichtungen zur Entnahme von kaltem und warmem Wasser vorhanden. Ein mehrzelliges Brause- und Wannenbad ist den Arbeitern zur freien Benutzung geöffnet. Die Fabrik besitzt auch eine Kantine mit Speisenwärmer und Dampfkochapparat, in welcher auch warme Speisen und Getränke gegen ganz geringes Entgelt verabreicht werden. Alles in Allem repräsentiert die neue Fabrikanlage der Oscar Schimmel & Co. Aktiengesellschaft eine Musterfabrik, eine technische Sehenswürdigkeit, zu deren Besichtigung die Abnehmer der Maschinen eingeladen werden.

Gross ist die Zahl der von der Firma geschaffenen Neuerungen an den von ihr gebauten Maschinen, so dass ihr seit dem Jahre 1877, als dem Jahre des Inkrafttretens des neuen deutschen Reichspatentgesetzes, bis jetzt bereits über 50 deutsche Reichspatente erteilt wurden. Darunter sind viele ganz originale Schöpfungen, welche, wie z. B. die Volanthüllen, eine mehrtausendfache Verbreitung erlangt haben. Täglich werden neue Konstruktionen geschaffen und die Maschinen auf Grund der gewonnenen Erfahrungen verbessert und vervollkommnet. Die von der Firma herausgegebenen Prospektabbildungen können deshalb nicht bindend für die Ausführung sein, wie dies auch bezüglich der mitgeteilten Leistungsangaben der Fall ist. Erwähnt sei noch, dass die Firma in neuerer Zeit von dem Sächsisch-Schlesischen Flachsspinnerverband mit dem Bau von Flachsspinnmaschinen betraut wurde und die Konstruktion der betreffenden, bisher nur in England gebauten Maschinen erfolgreich durchgeführt hat, wie anderenteils auch die Maschinen für Jutespinnerei aufgenommen und solche bereits zur Zufriedenheit geliefert wurden.

Die Fabrik besitzt einen gutgeschulten treuen Arbeiterstamm: so sind heute noch Arbeiter seit der Errichtung thätig, und die Zahl der 25 und 30 Jahre beschäftigten Arbeiter ist ansehnlich zu nennen, wie andererseits von einzelnen Familien drei Generationen in der Fabrik arbeiten. Darauf beruht ebenfalls die dauernde Gleichheit in der soliden Ausführung der Schimmel’schen Maschinen.




Carl Hamel, Schönau-Chemnitz.
Zwirnereimaschinenfabrik.

Die Firma wurde von Carl Hamel im Kriegsjahre 1866 in Chemnitz – Aktienstrasse – begründet. In den ersten Jahren befasste sie sich mit Reparaturbauten für die Spinnerei und später nahm sie die Fabrikation von Spindeln und Flügeln für Spinn- und Zwirnmaschinen mit auf. Im Jahre 1872 erfolgte die Verlegung der Fabrikation nach dem käuflich erworbenen Grundstück Rochlitzerstrasse. Es wurde hierauf die Fabrikation von Zwirnmaschinen betrieben. Das Geschäft entwickelte sich unter der Leitung des jetzigen Inhabers Hermann Hamel, Sohn des Begründers, der seit dem

[165]

Zwirnereimaschinenfabrik von Carl Hamel.

Jahre 1891 Inhaber ist, und 1896 erfolgte die Verlegung der Fabrikation nach dem neuerbauten Fabrikgrundstücke in Schönau. Als Specialitäten werden in dem der Neuzeit entsprechend eingerichteten Betriebe Spinn- und Spulmaschinen, sowie Weifen für alle Gespinnste hergestellt, die sich eines flotten Absatzes erfreuen. Interessenten wird ein Katalog der Erzeugnisse gern verabreicht.




Werkzeugmaschinenfabrik vorm. Petschke & Glöckner A.-G.

Diese Fabrik ist an der Augustusburgerstrasse gelegen und wurde bereits im Jahre 1873 erbaut. Die Firma Petschke & Glöckner, Maschinenfabrik, ging dann 1892 auf die Kommanditgesellschaft Petschke & Glöckner, Werkzeugmaschinenfabrik, über, letztere wurde im Jahre 1896 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Durch die gute Beschaffenheit der Erzeugnisse stieg die Produktion des Werkes, begünstigt durch eine vorteilhafte Konjunktur in der Werkzeugmaschinenbranche, seit 1896 ungemein, obgleich keine Neubauten vorgenommen wurden.


Feilenhaumaschine von Petschke & Glöckner.

Die Fabrik mit ihrem circa 600 Quadratmeter grossen Areal ist ganz in der Nähe des Stadtcentrums gelegen und ist auch noch sehr erweiterungsfähig.

Es werden als Spezialitäten gefertigt: Support-, Leitspindel- und Plandrehbänke, [166] Hobel- und Shapingmaschinen, Bohr- und Fräsmaschinen, sowie sonstige diverse Werkzeugmaschinen. Auch verschiedene Patente besitzt die Gesellschaft.

Die vorstehende Abbildung zum Beispiel zeigt eine patentierte Feilenhaumaschine, welche in drei Grössen hergestellt wird.

Im übrigen giebt der neuerschienene Katalog der Firma die beste Übersicht von deren mannigfachen Erzeugnissen.




Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Herm. Pöge.

Die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Hermann Pöge wurde im Jahre 1874 durch Herrn Hermann Pöge unter der Firma Chemnitzer Telegraphenbauanstalt Hermann Pöge unter bescheidenen Umständen gegründet und befasste sich zunächst in der Hauptsache mit der Ausführung


Fabrik der Electrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Herm. Pöge.

von Blitzableitern, Klingelanlagen und später auch Telephonanlagen. Im Jahre 1883 wurde mit dem Bau von Dynamomaschinen und der Fabrikation von Bogenlampen und aller zum Betrieb elektrischer Anlagen nötigen Apparate begonnen.

Am 1. Januar 1897, bis zu welchem Zeitpunkte bereits etwa 1000 Dynamomaschinen und Elektromotoren fertiggestellt waren, ging das Unternehmen in den Besitz einer Aktiengesellschaft über, deren Vorstand der Sohn des Begründers, Herr Willy Pöge, ist.

Die Fabrik wurde nunmehr nach Altchemnitz in einen allen Anforderungen der Neuzeit entsprechenden, 5700 Quadratmeter Grundfläche enthaltenden Neubau verlegt und durch Anschaffung weiterer, teils automatischer Hilfsmaschinen wesentlich vergrössert. Eine geschaffene Geleisanlage sorgt für bequemen Zu- und Abgang der Materialien bezw. fertigen Fabrikate.

[167] Ausser Gleichstrom-Dynamos und Elektromotoren werden auch Dreh- und Wechselstrom-Generatoren und -Motoren gebaut; insbesondere wird der Herstellung grösserer Dynamos mit direkt gekuppelten Dampfmaschinen weitgehendste Sorgfalt gewidmet.

Die Fabrik befasst sich überdies auch mit der Installation von Beleuchtungs- und Kraftübertragungsanlagen und dem Bau von kompletten Centralen für Ortschaften und Städte jeden Umfanges.




Maschinenfabrik Burckhardt & Ziesler.

Die Maschinenfabrik Burckhardt & Ziesler wurde von den Ingenieuren Hermann August Burckhardt aus Mühlberg an der Elbe und Ernst Paul Ziesler aus Sebnitz in Sachsen nach dem Zusammenbruch der Chemnitzer Maschinenbau-Gesellschaft vorm. A. Münnich & Co. –


Maschinenfabrik Burckhardt & Ziesler.

woselbst die beiden Vorgenannten als technische Beamte thätig waren – im Jahre 1865 mit kaum 10 Arbeitern begründet. Der Betrieb wurde zunächst in ermieteten Lokalitäten der ehemaligen Mettler’schen Tuchfabrik – Annabergerstrasse – aufgenommen.

Durch die fortgesetzte Ausdehnung und Vergrösserung des Geschäftes machte sich im Jahre 1886 der Ankauf eines grösseren Grundstückes – Crusiusstrasse No. 5 – und der Bau einer vollständig neuen Fabrik nötig.

In den so entstandenen, in jeder Beziehung vorteilhaft eingerichteten eigenen Werkstätten entwickelte sich das Unternehmen schnell und in so unerwarteter Weise, dass die Fabrik bald mit zu den angesehensten der Brauerei- und Mälzerei-Maschinenbranche zählte.

In dieser aufstrebenden Periode des Etablissements verstarb im Jahre 1894 der Mitbegründer Hermann Burckhardt und musste von da an die Leitung der Fabrik Paul Ziesler allein übernehmen.

[168]

Brauerei-Einrichtung in Chicago, ausgeführt von Burckhardt & Ziesler.

[169] Um nun den sich stetig steigernden Ansprüchen der Brauereiwelt an modernen – allen Ansprüchen der Neuzeit entsprechenden Apparaten etc. genügen zu können und mit den dadurch bedingten Neukonstruktionen und Verbesserungen von Maschinen nicht im Rückstande zu bleiben, associierte sich der Letztgenannte im Jahre 1897 nach dem Austritte der Burckhardt’schen Erben – mit dem Ingenieur Richard Kühnau aus Leipzig, wodurch der Fabrik ein neuer thätiger Teilhaber zugeführt wurde.

Die Fabrik besitzt für ihre verschiedenen Werkstätten die besten maschinellen Betriebseinrichtungen und baut als Specialität in Abteilung I vollständige Brauerei- und Mälzereieinrichtungen, Transmissionen und sonstige Maschinen, sowie in Abteilung II Sicherheitsaufzüge, – Fahrstühle – für Hand-, Transmissions- und elektrischen Betrieb zur Personen- und Warenbeförderung, welche Branche im Jahre 1898 wesentlich erweitert und zu einer besonderen Specialität ausgebildet wurde.

Seit Begründung der Fabrik sind ausser einer grossen Anzahl von Einzelmaschinen und Umbauten ausgeführt:

220 0vollständige Neubauten von Brauereien und Mälzereien,
258 0Darrbauten,
1 150 000 0Kilo Kesselschmiedearbeiten und
360 0verschiedene Aufzugsanlagen.

Das Absatzgebiet umfasst ausser Deutschland noch Dänemark, Schweden, Norwegen, Russland, Schweiz und die Argentinische Republik in Südamerika.

Die Firma errang sich für hervorragende Leistungen die silberne Preismedaille auf der schwedischen Brauereiausstellung in Gothenburg im Jahre 1891.




Strickmaschinenfabrik Seyfert & Donner.

Die Wirkerei, welche von England über Frankreich nach Deutschland gekommen ist und in Sachsen ihren Hauptsitz in Chemnitz und Umgegend gefunden hat, verdankt ihren Aufschwung in den letzten fünfzig Jahren in der Hauptsache mit dem Wirkmaschinenbaue, der ebenfalls in Chemnitz Aufnahme und zeitgemässe Pflege gefunden hat.

Besonders die Herstellung der jüngsten unter den in Betracht kommenden Wirkereimaschinen, der seit der 1867er Pariser Ausstellung in Europa zuerst bekannt gewordenen, in Amerika erfundenen Lamb’schen Strickmaschine, hat sich zu einem besonderen, hochbedeutsamen Gewerbebetrieb entwickelt, der, da er seine Erzeugnisse in der vielseitigsten Weise den wechselnden Anforderungen des Wirkwarenmarktes anzupassen vermag, der heimischen wie ausländischen Wirkwarenindustrie unentbehrlich geworden ist.

Das führende Haus auf dem Gebiete des Strickmaschinenbaues ist die Firma Seyfert & Donner, Beckerstrasse 7 und 9, deren Inhaber zur Zeit Herr Heinrich Hermann Donner und die Erben des verstorbenen Herrn Ernst Julius Seyfert sind. Gegründet wurde die Firma Seyfert & Donner am 1. Dezember 1875 von dem praktischen Wirkmaschinenbauer Herrn Ernst Julius Seyfert, gebürtig aus Niederneuschönberg bei Olbernhau, und dem Techniker Heinrich Hermann Donner, gebürtig aus Claussnitz, Bezirk Leipzig, und der Betrieb am gleichen Tage in der bescheidensten Weise in kleinem gemieteten Raum mit Dampfkraft, Wiesenstrasse No. 20 – jetzige Nummer 40 – Hinterhaus Parterre, unter Hinzuziehung von 4 Gehilfen und 4 Werkzeugmaschinen eröffnet.

In Erkenntniss der Wichtigkeit, welche die Strickmaschine für die gesamte Wirkwarenbranche haben müsse, wenn dieselbe für die verschiedenen Zweige derselben durchgebildet werde, wurde zunächst mit der Neukonstruktion der Maschinen für nahtlose glatte Strümpfe und gerippte Strumpflängen begonnen und die ersten wohlgelungenen Maschinen in die Hausindustrie der näheren Umgebung von Chemnitz und im Sächsischen Erzgebirge an Stelle der Handkulierstühle erfolgreich eingeführt. Bald wurde die Seyfert & Donner’sche Strickmaschine infolge ihrer soliden und zweckentsprechenden Bauart beliebt, und die Aufträge flossen reichlich zu, sodass auch bald die Zahl der Mitarbeiter und [170] Werkzeugmaschinen vermehrt werden musste und bereits nach Verlauf von 11/4 Jahr, am 27. April 1877 die einhundertste Strickmaschine vollendet werden konnte. Mit der weiteren succsesiven Vermehrung der Hilfsarbeiter und Werkzeugmaschinen ging auch die Hinzunahme weiterer Arbeitsräume Hand in Hand, sodass bereits im Jahre 1878 sämtliche verfügbaren Räume des Hinterhauses Wiesenstrasse 20 gemietet und in Benutzung genommen werden konnten. Doch schon gegen Ende 1879 wurden diese Räume wieder zu eng, und um die weitere gedeihliche Entwickelung des Geschäftes nicht aufzuhalten, musste nun zur Errichtung einer eigenen grösseren Fabrikanlage geschritten werden, zu welchem Zwecke bereits am 18. März 1880 das damals unbebaute Wiesengrundstück mit einem Teile des sogenannten Concertparkes Beckerstrasse 7, ca. 3600 Quadratmeter Flächenraum haltend, käuflich erworben und auf demselben zunächst ein zweistöckiges Fabrikgebäude mit Dampfanlage und ein an der Grenze des Bahnfiskus gelegenes Nebengebäude errichtet wurde. Im Herbst 1880 wurde das neue eigene Heim, nachdem im Juli vorher die 1000ste Strickmaschine fertiggestellt worden war, mit 48 Arbeitern und 35 Hilfsmaschinen bezogen.

Im Jahre 1883, als das Personal die Zahl 100 überschritten hatte, wurde das Fabrikgebäude um ein Stockwerk erhöht und das dreistöckige Geschäfts- und Wohnhaus an der Beckerstrasse hinzugebaut und gegen Ende des Jahres bezogen. – Nach 10jährigem Bestehen der Firma war es ihr vergönnt, die 10 000ste Strickmaschine zu versenden, da nun auch der gute Ruf derselben im Ausland befestigt worden war und zahlreiche Aufträge von daher eingingen.


Strickmaschinenfabrik von Seyfert & Donner.

Am 27. Juli 1885 wurde dem Etablissement die höchste Ehre, der Besuch Sr. Majestät des Königs Albert von Sachsen, zu teil, und es wurden die Inhaber der Firma durch diese hohe Auszeichnung zu neuer Unternehmungslust ermuntert.

Während nun bis dahin die Strickmaschine hauptsächlich als Hausindustriemaschine für Handbetrieb Verbreitung gefunden hatte, wurden durch die steigende Nachfrage von Strickwaren nach und nach auch geschlossene Betriebe genötigt, der Strickmaschine ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, und erwuchsen dadurch dem Maschinenbauer neue Aufgaben in der Herrichtung der Strickmaschine für mechanischen Betrieb. Da inzwischen auch das Problem des mechanischen Minderns, das ist das selbstthätige Überhängen von Maschen auf Strickmaschinen mit Zungennadeln, durch den Maschinenbauer Albin Beyer in Chemnitz gelöst worden war, so erwarb die Firma Seyfert & Donner käuflich das dem Vorgenannten erteilte Deutsche Reichspatent und schritt nun auch zum Baue von Motorbetriebs-Strickmaschinen. Nach mehrjährigen mühevollen und kostspieligen Versuchen gelang es im Dezember 1883, die erste patentierte selbstthätige Minder-Strickmaschine für Elementarkraftbetrieb zu vollenden und zum Versand zu bringen. Zum Glück fand diese neueste Errungenschaft der Firma wiederum günstige Aufnahme in fortschrittlich gesinnten Fabrikantenkreisen, und es musste daher nun wiederum an eine Vergrösserung des Etablissements herangetreten und im Jahre 1889 das am Chemnitzfluss entlang gelegene vierstöckige Fabrikgebäude, welches mit den neuesten Betriebsvorrichtungen für grossen Maschinenbau eingerichtet wurde, erbaut und in Benutzung genommen werden.

Im September 1892 hatte die Firma das Unglück, ihren lieben, treuen Mitbegründer und jederzeit mit liebevoller Hingabe an der Weiterentwickelung des Geschäftes mitarbeitenden Teilhaber Herrn Julius Seyfert im Alter von 54 Jahren durch den Tod zu verlieren. Von dieser Zeit ab traten die Witwe, Frau Marie Seyfert geb. Schütze, und deren Kinder auf Wunsch des Verstorbenen und in Übereinstimmung mit dem überlebenden Teilhaber Herrn, Heinrich Hermann Donner, als Teilhaber ein, während letzterer die alleinige Geschäftsleitung übernahm und im gleichen Sinne wie bisher weiterführte.

[171] Im Jahre 1896 musste zum Anbau eines Shedbaues an das vierstöckige Fabrikgebäude bis zur Grenze geschritten werden und zugleich wurde das Nachbargrundstück Beckerstrasse 9 käuflich erworben und damit der bebaute Flächenraum auf rund 7000 Quadratmeter gebracht. Im Jahre 1897 wurde eine neue, vergrösserte Dampfanlage mit 2 Cornwallkesseln von zusammen 176 Quadratmeter Heizfläche mit 50 Meter hohem Schornstein errichtet und der im Vorjahre fertiggestellte Shedbau über die ganze Breite des neu erworbenen Grundstückes hinzugebaut. Ausserdem wurde in sämtlichen Arbeitsräumen eigene elektrische Beleuchtung durch Glühlicht eingerichtet.

Im Laufe des Jahres 1899 wurden nun grosse Räume für Garderobezwecke und Wascheinrichtungen sowie ein Speisesaal für das Arbeiterpersonal auf dem Grundstück Beckerstrasse 9 gebaut, und gleichzeitig wurde das Parterre und die I. Etage dieses Fabrikgebäudes für eigene Fabrikationszwecke mit in Benutzung genommen.

Ende 1899 arbeiteten auf den Werken der Firma Seyfert & Donner, Beckerstrasse 7 und 9, ausschliesslich der Fabrikation von Lamb’schen Strickmaschinen dienend, 4 Dampfmaschinen von zusammen 140 Pferdekräften, 222 Werkzeugmaschinen und 325 Beamte und Arbeiter.



Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik Max Kaermssen.

Chemnitzer Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik Max Kaermssen.

Die Firma wurde im Jahre 1882 gegründet und befasste sich seitdem speciell mit dem Bau von automatischen Mühlen für Getreide und Holz. Die hierzu nötigen Maschinen etc. wurden bis 1884 bezogen; in diesem Jahre wurde jedoch die Fabrikation aller Müllereimaschinen in ermieteten Räumen eingerichtet. Anfangs wurde das Geschäft nur in bescheidenem Massstabe betrieben, es entwickelte sich jedoch derart, dass sich Herr Max Kaermssen entschloss, 1898 ein neues grösseres Fabriketablissement in Altchemnitz zu erbauen. Die neue Fabrikanlage liegt an der Chemnitz-Stollberger Staatsbahn und hat eigne Geleisverbindung mit dieser Bahnlinie; die maschinelle [172] Anlage ist mit den neuesten Werkzeugmaschinen, Krähnen etc. ausgestattet und hat elektrische Anlage für Licht und Kraft zum eigenen Betrieb.

Ausser dem Bau von kompletten Mühlenanlagen und Müllereimaschinen befasst sich die Firma seit 1899 mit dem Bau von grösseren Werkzeugmaschinen nach deutsch-amerikanischem System, und zwar ist vorwiegend der Bau von Plandrehbänken, Kopf- und Spitzenbänken, Hobelmaschinen, Shapingmaschinen und Stossmaschinen aufgenommen worden. Die Firma besitzt eigne Patente, welche immer lohnende Ausnutzung gewährten. In diesem Etablissement werden an Beamten und Arbeitern ca. 160 Personen in beiden Branchen flott beschäftigt.

Prämiert wurde die Firma 1896 bei der Ausstellung in Warnsdorf mit der goldenen Medaille und 1898 in der Ausstellung zu München mit der Bayrischen Staatsmedaille.



Cottonmaschinenbau der Chemnitzer Wirkwaren-Maschinenfabrik vorm. Schubert & Salzer.

Chemnitzer Wirkwaren-Maschinenfabrik
vorm. Schubert & Salzer.

Die Firma wurde 1883 von B. Salzer und A. Schubert gegründet und gehört ersterer dem Unternehmen noch heute als Direktor an. – Nachdem sich der Umfang des Betriebes bereits 1886 von den anfänglichen 5 auf 60 Arbeiter erweitert und sich auch der sonstige Umfang der Anlage entsprechend vermehrt hatte, erfolgte 1889 die Umwandelung des Unternehmens in eine Aktien-Gesellschaft mit 500 000 Mark Kapital, das 1898 eine Steigerung auf 1 000 000 Mark – 750 000 Mark [173] Prioritäten – erfuhr. Anfangs befasste sich die Firma lediglich mit dem Bau von Wirkmaschinen, System Paget und Cotton, dann wurde der Bau von amerikanischen Rundstrickmaschinen – System Standard – und von Schiffchenstickmaschinen aufgenommen.

Ein im Jahre 1896 neuerbautes, in 4 Sälen übereinander 9600 Quadratmeter Arbeitsfläche enthaltendes Fabrikgebäude ist mit seinem Erdgeschoss für den Werkzeugmaschinenbau bestimmt.

Von Werkzeugmaschinen werden insbesondere Supportdrehbänke und Shapingmaschinen, letztere nach amerikanischem Muster, gebaut.

Die in grossem Stile gehaltenen Anlagen sind mit einer 300pferdigen Verbund-Dampfmaschine mit Kondensation, 2 Kesseln von je 80 Quadratmeter Heizfläche mit mechanischer Beschickung, 2 Dynamomaschinen, Akkumulatorenbatterie, Laufkrahn und Fahrstühlen für Lasten- und Personenbeförderung versehen.

Die Fahrradwerke Salzer & Co., – Gesellschaft mit beschränkter Haftung – gegründet 1896, stellen ihre Fahrräder in derselben Fabrik her. Diese ist für den Fahrradbau mit 100 der besten Hilfsmaschinen ausgerüstet, beschäftigt etwa 140 Personen und erzeugt jährlich 3000 Stück „Salzer“-Fahrräder.




Wanderer-Fahrradwerke vorm. Winklhofer & Jaenicke, A.-G.

Die Wanderer-Fahrradwerke vorm.[WS 3] Winklhofer & Jaenicke A.-G. in Schönau gehören zu den ältesten Fahrradfabriken Deutschlands. Gegründet im Jahre 1885 unter der Firma Winklhofer & Jaenicke, hat sich das Etablissement von bescheidenen Anfängen zu einer grossartigen Anlage entwickelt, sodass es heute zu den bedeutendsten Werken zählt, welche die inländische Fahrradindustrie repräsentieren.

Ursprünglich befanden sich die Betriebslokalitäten der alten Firma in gemieteten Räumen an der Hartmannstrasse. Als dann nach Verlauf von etwa 10 Jahren das Werk sich bereits derart vergrössert hatte, dass die Zahl der Arbeiter auf über 200 Köpfe herangewachsen war, sah sich die Firma gezwungen, zur Errichtung ausgedehnterer Betriebsräume schreiten zu müssen.


Wanderer-Fahrradwerke vorm. Winklhofer & Jaenicke.

Schon am 15. September 1895 konnte der Umzug in die neue, in Schönau gebaute Fabrik erfolgen. Im Juni des darauffolgenden Jahres wurde die Firma Winklhofer & Jaenicke in die jetzige Aktien-Gesellschaft mit einem Kapital von 1 100 000 Mark umgwandelt, welches zwei Jahre später um weitere 300 000 Mark erhöht worden ist.

Die Einrichtung des Werkes kann in jeder Beziehung als eine höchst mustergiltige bezeichnet werden, und darin dürfte es auch kaum von irgend einer Konkurrenzfabrik übertroffen werden.

Ausser der Herstellung von Fahrrädern, die sich ihrer Vorzüglichkeit wegen einen Weltruf verschafft haben und infolgedessen namentlich in den höchsten Kreisen eingeführt und beliebt sind – in der Kaiserlichen Familie befinden sich allein 4 „Wanderer“ in Gebrauch – betreibt die Firma in neuerer Zeit den Bau von Fräsmaschinen, für welche eine Special-Abteilung eingerichtet wurde. Wenn das Etablissement die an seinen Fahrrädern weit und breit bekannte solide und saubere Ausführung auf den Bau von Fräsmaschinen anwendet, so wird es sicherlich in diesem neuen Fabrikationszweige ebenfalls bald zu Renommée gelangen.


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Werkzeug-Maschinenfabrik Emil Köhler, Chemnitz.

Die Fabrik begann ihre Thätigkeit am 1. October 1891 mit 5 Arbeitern und 6 Hilfsmaschinen.

In den an Erinnerungen reichem Grundstück Oststrasse 21 – vordem Augustusburgerstrasse 35 – welches früher Spinnerei, nachmals Maschinenbau – darunter Hartmann, Zimmermann und Reinecker – beherbergt hatte, wurde ein Fabriksaal gemietet, welcher sich aber nach kurzer Zeit als unzureichend


Werkzeugmaschinenfabrik Emil Kohler.

erwies. Nach und nach wurden weitere Räume hinzugenommen, sodass Anfang 1899 in 7 Arbeitssälen gearbeitet wurde.

Ende 1899 wurden 125 Arbeiter beschäftigt. Die Zahl der Arbeitsmaschinen betrug 70. Die Fabrik fabriciert als Specialität Leitspindel- und Plandrehbanke und waren bis Ende 1899 1500 Stück von diesen Maschinen fertiggestellt.




Ausser den ausführlicher beschriebenen Maschinenfabriken sind noch nachstehende Firmen als besonders erwähnenswert anzuführen:

Auerbach, Inhaber C. Rich. Meyer und Adolf C. Wolf, Webmaschinen und Webutensilien;
Auerbach & Eisermann, Inhaber A. E. Eisermann und G. R. A. Küchenmeister, Maschinenfabrik, Specialität: Drahtheftmaschinen;
Baldauf, C. G., Inhaber R. Chrz, Spritzen, Pumpen etc.;
Biernatzki & Co., Inhaber J. A. S. Biernatzki, in Hamburg, Specialität: Fraismaschinen, Räderautomaten, Abstech- und Centrierbänke, Support- und Hinterdrehbänke, Fraiser;
Bössneck, Ernst, Wirkmaschinenfabrik für reguläre Strümpfe, Socken, Hosen etc. nach System Cotton, sowie eigner Konstruktion für Stapelwaren, Flach- und Rundkettelmaschinen;
Bräuer & Co., Inhaber G. A. Bräuer und B. P. Metzner, Specialität: Drehbänke und sämtliche Maschinen der Fahrradbranche;
Brauer, F. Reinhold, Inhaber F. R. Brauer, Strumpfmaschinenfabrik;
Chemnitzer Blechbearbeitungsmaschinenfabrik, Inhaber Rich. Wagner;
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Chemnitzer Strickmaschinenfabrik, Aktiengesellschaft, Präcisionswerkzeugmaschinen und Werkzeuge;
Chemnitzer Waagen-, Copierpressen- und Maschinenfabrik von Stier & Merker, Inhaber C. P. Merker, Specialität: Präcisions-Leitspindeldrehbänke, Bohrmaschinen und Waagen aller Art;
Donath, Gebr. Nachf., Inhaber Georg Lensch, Specialität: Maschinen für die mechanische Weberei, Garndruckerei, Färberei, Bleicherei, Appretur;
Dresch, Werkzeugmaschinenfabrik, Specialität: Hobel-, Shaping- und Nutstossmaschinen, schwere Leitspindeldrehbänke;
Escher, Herm., Werkzeugmaschinenfabrik, Lager von Leitspindel- und Plandrehbänken, Hobel-, Bohr- und Shapingmaschinen, sowie Dampfmaschinen in verschiedenen Grössen neuester Konstruktion;
Franke, Gebrüder, Zwirnereimaschinenfabrik;
Fröbel, August, Webmaschinenbau;
Gläss, Bernh., Specialität: Leitspindeldrehbänke, Hobel-, Shaping-, Bohr-, Nutstossmaschinen in allen Grössen;
Glöckner, Rich., Maschinenfabrik;
Gruschwitz & Co., Inhaber W. H. Gruschwitz und H. B. Löser, Werkzeugmaschinenfabrik;
Günther, Damastmaschinenbau;
Hähle, Gebrüder, Webmaschinenbau;
Helsig, Otto, Zahnräderfabrik, Bau neuer Zahnräder mit genau gefraisten oder gehobelten Zähnen;
Hempel, G. A., Specialität: Maschinenteile für Spinnereien und Webereien, Klettenreinigungswalzen, Zwirn- und anderen Spindeln, Plattbänder, alle Sorten Krempelketten und Geschirrketten, Baumbleche für Webstühle, Hackerblätter, Wolfstifte, mechanische Webstützen etc.;
Hesse, Carl, Bau von rotierenden und Kolbenpumpen, Speise-, Centrifugal- und Tiefbaupumpen, Dampfmaschinen, Maschinen für Färbereien, Appreturanstalten, Bleichereien, Brauereien, Holzstoff- und Papierfabriken, Metall- und Eisengusshähne, Absperrventile, Exhaustoren und Ventilatoren;
Hilscher, G., Inhaber F. G. und F. M. Hilscher, Fabrik für reguläre Wirkmaschinen „System Cotton“, Schnellläufer-Patent reguläre Wirkmaschinen „System Hilscher“, zur Fabrikation von Strümpfen und Socken, sowie Hosen und Jacken, reguläre Rändermaschinen „System Cotton“ und "System Hilscher“ zur Herstellung elastischer Ränder, Spulmaschinen bis 140 Spindeln in ein und zwei Spindelreihen, sowie Rund- und Langkettelmaschinen;
Hübschmann & Kempf, Specialität für Holzbearbeitungsmaschinen und Werkzeuge, als: Bandsägen, Kreissägen, Bohr-, Stemm-, Frais-, Kehl- und Hobelmaschinen, Gehrungssägenapparate, eiserne Schraubzwingen, Hobel etc., Bestattungsapparate;
Hunger & Claus, Inhaber W. R. Claus, Fabrik für mechanische, reguläre Rändermaschinen, 2–12bändrige reguläre Strumpfmaschinen, Cottonmaschinen, Spul- und Kettelmaschinen;
Junghans, Wilh., Inhaber W. A. Junghans und E. J. Andrä, Werkzeugmaschinenfabrik, Drehbänke, Hobel-, Shaping- und Stossmaschinen in allen Grössen, ein- und mehrspindliche Revolverbänke, Bohrmaschinen, Universal-, Doppel-, Säulen- und automatische Räderfraismaschinen, Schwungradpressen, sowie Ziehpressen für Dosenfabrikation;
Knopfe, Franz, Strick-, Wasch- und Wringmaschinenfabrik;
Köhler, Bernh., Nähmaschinenfabrik, Specialität: Maschinen zum Nähen und Verzieren von Tricotagen, Strümpfen und Handschuhen;
Krauss & Röber, Inhaber G. A. Krauss, Specialität: Säge-, Gatter- und Holzbearbeitungsmaschinen aller Art und für alle Zwecke der Holzindustrie, als: Horizontal- und Bandsägegatter, Band- und Kreissägen, Bohr-, Stemm- und Fraismaschinen, Abricht-, Dicten- und Kehlhobelmaschinen, doppelt und vierfach wirkende Holzwollemaschinen, Copierdrehbänke und alle anderen Sorten Holzdrehbänke, Transmissionen etc.;
Küchenmeister, H. F., Inhaber E. O. Einenkel, Specialität: Zwirn- und Spulmaschinen;
Kupfer, Herm., Weberei- und Spinnereiutensilienfabrik;
Langer & Orlamünder, Pumpen- und Maschinen aller Art, Dreherei für sämtliche Maschinenbestandteile;
Liebau, Specialität: Maschinen und Apparate für Apotheker;
Ludwig Söhne, F. Anton, Inhaber E. Th. und A. G. Ludwig, Werkzeugmaschinenfabrik;
Ludwig, H. Alban, Strumpfmaschinenfabrik;
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Melzer, Georg, Specialität: Dreh- und Laufkrahne, jeder Art, Haspeln, Aufzugwinden jeden Systems, Aufzüge – Fahrstühle, – Feldbahnanlagen etc.;
Metzner, Hugo, Inhaber R. H. Metzner und J. Baum, Werkzeugmaschinenfabrik;
Michaelis, Hermann, Inhaber Herm. Michaelis und Georg Heinr. Kluge, Dampfmaschinen und Transmissionen, Werkzeugmaschinen für Transmissionen und elektrischen Antrieb, auch Universal Bohrmaschinen – Patent Michaelis, – Krahne, Räder etc.;
Mitzschrich, Hugo, Röstmaschinen für Kaffee, Malz, Gallus, Cacao und Paprika, Mühlen etc.;
Mossdorf & Mehnert, Inhaber E. R. Mossdorf, Fraismaschinen amerikanischen Systems für Metallbearbeitung;
Näher, E. J., Inhaber C. W. E. Näher, rotierende Pumpen und Kolbenpumpen, Kesseldampfmaschinen, patentierte Röhrendampfkessel, Feuerspritzen, Gartenspritzen, Metall- und Eisengusshähne, Absperrventile etc.;
Pilz, C. F., Armaturen für Dampfkessel und Dampfmaschinen, Pumpen für industrielle und landwirtschaftliche Zwecke, Reparaturen für Injektoren, Regulatoren, Ventile und Maschinen;
Polster & Girschick, Specialität: Drehbänke für Metallbearbeitung;
Pornitz, U., Fabrik für vollständige Bleichereieinrichtungen, Färberei- und Appreturanlagen, Gas-, Petroleum- und Benzinmotore, Warmwasserdampf- und Dampfluftheizungsanlagen, Patent-Centrifugen, Dampfkochapparate, alle Kupfer- und Kesselschmiedearbeiten, sowie Armaturen, Kupferröhren mit und ohne Lötnaht, Schlaglote;
Rabe, Friedr., Inhaber C. G. Holberg, Strickmaschinenfabrik, Specialität Rabe’s patentierte Minderstrickmaschine zum selbstthätigen Mindern und Zunehmen – Ausdecken – während des Maschenbildens, mit patentiertem Zugöffner, zur Herstellung von nahtlosen Hosen, Strümpfen, Socken, Längen, reguläre sogenannten Kugelärmeln, sowie allen anderen Arten von Strickwaren;
Rabiger, Ernst, überwendliche Nähmaschinen für Strümpfe, Handschuhe, Trikotagen, Zwickelmaschinen;
Röber, Herm., Werkzeugmaschinenfabrik, als Specialität: Drehbänke, Hobelmaschinen und Holzbearbeitungsmaschinen;
Rossberger & Schröter, Inhaber G. C. Rossberger und H. R. Pampel, Specialität: Vorreisser, alle Sorten Zahndraht für Plüsch- oder Klettenwalzen, Wollreinigungsapparate;
Sächsische Werkzeugmaschinenfabrik von Bernhardt Escher;
Sander & Graff, Inhaber F. A. E. F. Graff, Galon-, Strick-, Häkel-, Posamenten- und Rauhmaschinen;
Schubert & Co., Inhaber Commerzienrat Hermsdorf, Werkzeugmaschinen, Schnellbohrmaschinen und Kaltsägen;
Schubert, Max, O. R. Matthes, Dampfkesselarmaturen, Specialität: Manometer, Vacuummeter, Mano-Vacuummeter, Hydraulic- und Luftdruckmanometer;
Semmler & Ahnert, Inhaber Ernst Richard Ahnert, Apparate für Heizungsanlagen, Dampfkessel aller Systeme, Rohrleitungen, Façonschmiederei, Schweissarbeiten;
Serbe, Wilh., Inhaber C. R. Serbe, Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen;
Strobel, F. W., Inhaber F. W. und W. M. Strobel, Papier-, Pappen- und Holzstofffabrikationsmaschinen, sowie Turbinen und Dampfmaschinen;
Strohbach, Otto, Maschinen und Geräte für Fleischerei und Wurstfabrikation;
Stübinger, J. L., Inhaber G. A. und A. W. Wiefel, Armaturen für Maschinen, Kessel, Pumpen aller Art für alle gewerblichen Zwecke in jedem Metall;
Taubert & Schumann, Inhaber R. P. Walther, Fabrik für Maschinenteile;
Teuchner & Tänzer, Inhaber F. W. Teuchner, Specialfabrik für Eisenbahnbedarf, Drehscheiben, Schiebebühnen und Wagen für Normal- und Schmalspurbahnen, Waagen nach deutschem und amerikanischem System für Industrie, Handel und Landwirtschaft;
Thiele, Wäschemangel-, Waschmaschinen- und Eisschrankfabrik;
Hermann Ulbricht, Inhaber H. F. und J. H. Ulbricht, Dampfmaschinen, Röhrenkessel mit Armaturen, Pumpen, Transmissionen sowie auch Werkzeugmaschinen für Eisenbearbeitung;
Unger, Gebr., Inhaber A. C. und C. F. Unger, Maschinen und Geräte für Fleischer;
Vogel, Carl, Kolben- und rotierende Pumpen, Pulsometer, patentierte Condenstöpfe und Schmierpumpen für Dampfmaschinen etc.;
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Voigt, Rudolf, Inhaber E. R. verw. Voigt und P. R. Voigt, Centrifugaltrockenmaschinen – Schleudermaschinen – Patentschuss- und Kettengarnspulmaschinen jeder Art für mechanische Webereien etc., Patent-Chenillespulmaschinen, Anfeucht- und Ausschwingmaschinen für Schussspulen, Feldschmieden;
Wagner, Albert, vormals R. Drescher, Fabrik für Karren, Spannhämmer, Ballonausgussapparate, Installationswerkzeuge, Gasdruckregulatoren, Laternen, Hähne, Brenner etc.;
Webstuhl- und Maschinenfabrik vormals May & Kühling;
Weisbach, C. H., Inhaber M. P. Meissner und Geschwister Römer, Maschinen und vollständige Einrichtungen für Appretur, Färberei, Bleicherei und Druckerei, sowie für Buchbinder-Kaliko-, Wachstuch- und Ledertuchfabrikation;
Werkzeugmaschinenfabrik Union. vorm. Diehl Werkzeug- und Hilfsmaschinen, sowohl für Maschinenfabriken als sonstigen Geschäftszweigen;
Werkzeugmaschinenfabrik Vulkan;
Wiede’s Maschinenfabrik, Theodor, Aktiengesellschaft;
Windmüller & Wagner, Inhaber A. H. Wagner und G. C. Vogel, Specialität: Drehbänke, Zapfenfraismaschinen;
Wurmseider, Werkzeugmaschinen, Specialität: Hobelmaschinen, Drehbänke, Frais- und Shapingmaschinen, sowie Fabrikation von Schubleeren, Meterstäben und Winkeln;
Zwicker, E. Carl, Inhaber W. H. Mende, Seilerwerkzeuge und Maschinen;
Findeisen, C. Herm., Specialität: Aufzüge und Krahne aller Art;
Riemann, Hermann, Fahrrad-Laternenfabrik.



Eisengiesserei.


Eisengiesserei C. F. Zenker, Chemnitz.
Augustusburgerstrasse 44.

Eine der hervorragendsten Eisengiessereien am Platze ist wohl unstreitig die im Jahre 1858 von Herrn Carl Friedrich Zenker gegründete, welche sich jetzt im Besitze zweier Söhne des am 7. Februar 1897 verstorbenen Gründers, und zwar der Herren Georg Arthur Zenker und Franz Lothar Georg Zenker, befindet.

Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, erweiterte sich das Absatzgebiet durch rastlose Thätigkeit sowie solide, saubere Gusswaren sichtlich, sodass heute 250 Arbeiter von der Firma beschäftigt werden. Eine 50pferdige Dampfmaschine ist im Betriebe, während ein 12pferdiger Gasmotor zur Herstellung des elektrischen Lichtes dient.

Fabriziert wird hauptsächlich Maschinenguss und zwar nach Schablone, sowie in Sand, Lehm und Masse; auch Bauguss und Stalleinrichtungen werden gegossen. Als Specialität sind die weit und breit bekannten Zenker’schen Öfen – ohne Chamottefutter – zu erwähnen, ebenso werden noch Massenartikel mittelst Formmaschinen angefertigt.

Verarbeitet werden nur die besten Marken in schottischen, spanischen, englischen und deutschen Roheisen und beläuft sich der jährliche Umsatz auf 65- bis 75000 Zentner, die in der Hauptsache in Sachsen und Bayern verarbeitet werden.

Von dem verstorbenen Senior der Firma wurde auch nach dem hochgelegenen, wasserarmen Augustusburg eine Wasserleitung erbaut, weshalb ihn die genannte Stadt zum Ehrenbürger ernannte.

Das Etablissement ist der Neuzeit entsprechend eingerichtet, mit genügenden Ventilationseinrichtungen versehen, besitzt Speisesaal mit Speisenwärmer, sowie Waschraum und Garderobe für das

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Eisengiesserei von C. F. Zenker.

Arbeitspersonal. Unter Letzterem befindet sich eine ganz stattliche Anzahl Leute, die vom Anbeginn an in der Eisengiesserei Beschäftigung gefunden, daselbst ihre Lehrzeit absolviert haben und heute auf eine zurückgelegte Dienstzeit von 25, 30 und noch mehr Jahren zurückblicken können.




C. E. Seidels Eisengiesserei m. b. H., Chemnitz.

Diese Firma, gegenwärtig eine der bedeutendsten Eisengiessereien in dem an gewerblichen Etablissements so reichen Chemnitz, wurde am 15. September 1865 von Carl Ernst Seidel begründet. In verhältnissmässig frühem Alter schon hatte es derselbe gewagt, sich selbstständig zu machen, und trotzdem er das Unternehmen aus den kleinsten Anfängen heraus zur Entwicklung zu bringen und dabei mit sehr schwierigen Verhältnissen zu kämpfen hatte, gelang es ihm doch bald, festen Fuss zu fassen. Nachdem er zuerst in einem Fabrikgrundstück der Jägerstrasse eingemietet hatte und dort den Tiegelbetrieb mit nur 3 Mann begann, konnte er sich schon im Jahre 1867 ein eigenes Grundstück erwerben, in welches er bereits mit ca. 30 Mann übersiedelte. Die Energie und Aufopferung des Begründers, im Verein mit der vorzüglichen Ware seiner Werkstätten, ebneten der jungen Firma den Weg. Schon nach Kurzem musste ein weiteres Nachbargrundstück [WS 4] erworben werden, und immer wieder erwiesen sich die vorhandenen Räume als zu klein, sodass bis Ende der achtziger Jahre auch die benachbarten 4 Grundstücke der Fabrikanlage einverleibt werden mussten, sodass dieselbe heute 21 Gebäude zählt und einen Flächenraum von 5200 Quadratmeter umfasst. Mit der Vergrösserung der Räumlichkeiten stieg selbstverständlich auch die Arbeiterzahl, und als der Gründer im Jahre 1890 sein 25jähriges Firmen-Jubiläum, hochgeehrt von seinen Kunden und Geschäftsfreunden, [179] feiern konnte, betrug deren Zahl schon gegen 100. Leider konnte sich derselbe nicht lange seiner Erfolge erfreuen, denn schon am 2. März 1892 ereilte ihn der Tod. Die Firma wurde von der Familie fortgeführt und in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, deren Leitung heute in den Händen der Söhne des Gründers, der Herren Ernst und Alfred Seidel, liegt. Auch in den letzten Jahren hat die Fabrik grosse Umwandlungen zu verzeichnen gehabt, indem in den Jahren 1896–1899 eine vollständige Verjüngung der Räumlichkeiten stattgefunden hat, und wo früher kleine, aneinandergesetzte Gebäude standen, finden wir heute grosse, luftige und lichte Arbeitsräume, welche mit allen Einrichtungen der modernen Technik, sowie mit den weitgehendsten Schutz-Vorrichtungen für das Arbeitspersonal versehen sind. Die Firma beschäftigt heute 150 Arbeiter, welche jährlich 2 600 000 Kilogramm fertigen Guss herstellen, welcher zum grössten Teile in Chemnitz selbst Verwendung findet, obgleich auch die Firma Lieferungen nach Österreich, Thüringen, Bayern und Preussen ausgeführt hat. Hauptsächlich wird Maschinenguss in Sand, Lehm und Masse hergestellt,


Eisengiesserei von C. E. Seidel.

ferner aber auch alle Arten Bauguss, Pferdestalleinrichtungen, sowie Walzen in allen Dimensionen geliefert. Vorhanden ist eine Dampfmaschine, sowie ein Elektromotor mit 35 HP., ferner 2 Krigar’sche Kupolöfen, 1 Krigar’sches und 1 Jäger’sches Gebläse, eine komplette elektrische Lichtanlage mit 2 Dynamos nebst Akkumulatoren-Batterie, 8 Laufkrähne und 12 weitere Hilfsmaschinen.




Eisen- und Metallgiesserei von Hugo Schreiter.

Die Giesserei ist im Besitze der Gebrüder Hugo und Richard Schreiter. Sie wurde von Hugo Schreiter im Jahre 1877 errichtet, und zwar als Tiegelgiesserei mit anfänglich 1 Tiegelofen und 4 Formern. Nach und nach wurden bis 10 Tiegelöfen eingerichtet. Im Jahre 1882 wurde der

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Kupolofenbetrieb aufgenommen, und von diesem Zeitpunkte an vergrösserte sich das Werk auffallend rasch, sodass heute 200 Mann darin Beschäftigung finden und die Jahresproduktion auf 3500 Tonnen Maschinenguss gestiegen ist. Diese Leistung erscheint um so anerkennenswerter, wenn man berücksichtigt, dass es nicht gleichbleibende Massenartikel sind, die gegossen werden, sondern dass infolge der eigenartigen Verhältnisse Guss aller Art – schwerer Werkzeugmaschinen- und Dampfmaschinenguss, sehr dünnwandiger Hohlguss, eine Menge leicht wiegender, langer und sperriger Teile für Textilmaschinen und auch Formmaschinen- und Schablonenguss – geliefert werden muss. Eine unermüdliche Thätigkeit und zähe Ausdauer haben Hugo Schreiter zum Erfolg geführt.

Mit der Eisengiesserei ist ausserdem eine Metallgiesserei verbunden von erheblichem Umfange, es ist wohl die grösste am Orte. In derselben wird Metallguss in allen Legierungen und in Stücken bis 500 Kilogramm Gewicht hergestellt.

Zum Betriebe der Giesserei sind 2 Dampfmaschinen von zusammen 50 PS., 2 Kupolöfen, 6 Laufkrähne, 2 Drehkrähne und 10 Formmaschinen aufgestellt.




Stahl- und Weicheisengiesserei von G. Krautheim, Chemnitz-Altendorf.

Unter den bescheidensten Verhältnissen mit 5 Arbeitern 1888 in einem gemieteten Lokal errichtet, vergrösserte sich die Giesserei stetig bis zum heutigen Tag und ist im Begriff ein Stahlwerk von Ruf zu werden. Anfänglich wurde nur schmiedbarer Guss erzeugt, auch als der Gründer, G. Krautheim, in seine eigene Fabrik im Jahre 1891 in Altendorf übersiedelte, wo bereits mit 8 Tiegelöfen, 3 Temperöfen und einer 10pferdigen Dampfmaschine mit Kessel gearbeitet wurde. Vergrössert wurde ferner 1893 und 1895. Im Jahre 1896 wurde die Anlage durch einen bedeutenden Neubau zur Herstellung von Stahlguss vergrössert, der 1897 in Betrieb kam. Dieses Gebäude hat ca. 3100 Quadratmeter Fläche, während noch 6500 Quadratmeter unbebautes Terrain vorhanden sind. In der Neuanlage werden bereits 160 Arbeiter mit der Herstellung von Stahlfaçonguss beschäftigt. Der Stahl kann in jeder bestimmten Härte und Festigkeit geliefert werden, als Specialität wird auch [181] Werkzeugstahl und Dynamostahl erzeugt. Laut Gutachten der Physikalischen Technischen Versuchsanstalt zu Charlottenburg gehört dieser Dynamostahl zu den besten bis jetzt bekannten Sorten. Ferner werden hergestellt: Teile für Eisenbahnbedarf, wie Räder, Achsenbüchsen, Tragwinkel etc., namentlich solche Teile, welche seither geschmiedet oder gestanzt wurden. Der bei sehr hoher Temperatur erzeugte und daher ausserordentlich dünnflüssige Stahl wird aus den allerbesten deutschen, schwedischen und englischen Roheisenmarken in Tropénas-Konverter nach einem patentierten Verfahren hergestellt. Soviel bekannt, wird ähnlich wie beim Bessemer Verfahren gearbeitet, nur verwendet man kleine Birnen von ca. 1000 bis 2000 Kilogramm Inhalt. Die hohe Temperatur ermöglicht daher, den Inhalt der Birne in ganz kleine Formen zu vergiessen. An den Gussstücken müssen des Nachsaugens wegen starke Saugköpfe angegossen werden. Der Guss zeichnet sich durch eine ausserordentliche Gleichmässigkeit in der chemischen Zusammensetzung aus, über letztere wird durch 2 Analytiker fortwährende Kontrolle ausgeübt. Das Stahlwerk ist mit den neuesten Giessereieinrichtungen ausgerüstet, arbeitet mit einer 80pferdigen Dampfmaschine und einem Kessel von 100 Quadratmeter Heizfläche bei 8 Atmosphären Überdruck. Ferner sind vorhanden 2 Hochdruckgebläse für die Konverter, mehrere



Blowers, eine ausgedehnte hydraulische Hebeanlage, auch elektrische Beleuchtung. Das Werk ist bereits imstande, grosse Stahlgussstücke zu liefern, und es soll Einrichtung zur Herstellung von Stücken bis zu 3000 Kilogramm vorhanden sein.

Über die Festigkeit des erzeugten Stahles werden folgende Angaben gemacht:

No. Zerreiss-Länge Durchm. des Stabes Bruchfestigkeit Dehnung Kontraktion C Gehalt Behandlung des Stabes vor dem Zerreissen Die Probe hat geprüft:
mm mm
1 200 20 39,0 19.5 20,0 0.26 ungeglüht Technische Staatslehranstalt
2 200 20 47.8 22.5 46.2 0.21 geglüht Technische Staatslehranstalt
3 100 20 41,0 25,0 38.6 0.23 " Sächsische Maschinenfabrik
(Kreuzkopf)
4 200 20 42.6 25,0 48,0 0.20 " Giesserei (Kreuzkopf).



[182] Ausser den ausführlicher beschriebenen Eisengiessereien sind noch nachstehende Firmen als besonders erwähnenswert anzuführen:

Castan & Co., Richard, Inhaber R. O. Castan und ein Kommanditist;
Dietrich & Göhler;
Hammer, Tiegelgiesserei;
Hempel, Hermann;
Holtzthiem, Albert;
Meichsner, Stahl- und Weicheisengiesserei;
Michaelis, Hermann, Inhaber Herm. Michaelis und Georg Heinr. Kluge;
Müller, O. G.;
Näher, J. E., Tiegelgiesserei;
Paul, Carl, Zweiggeschäft in Chemnitz, Hauptgeschäft in Siegmar, Inhaber C. L., M. O. und C. O. Paul;
Richter, C. A., Inhaber C. A., F. H. und R. J. Richter;
Schnabel, K. A., Tiegelgiesserei;
Schweiger, H. J., Tiegelgiesserei;
Tauscher, Gebr., Inhaber L. A. Tauscher, Tiegelgiesserei;
Uhlemann & Gerecke, Inhaber Clara Franziska verehel. Uhlemann und W. F. Gerecke.



Metallwarenfabrikation.


Bernhardt & Philipp, Chemnitz.
Fabrik für Schrauben und Muttern, schwarz und blank, Metallschrauben und Façondreherei mit Blankzieherei, sowie für Spinnereimaschinen-Ersatzteile.

Das Geschäft wurde begründet 1842 durch den Formenstecher F. W. Bernhardt. Nachdem 1849 F. A. Philipp und 1852 W. R. Philipp in das Unternehmen eingetreten und der Betrieb in ein neuerbautes Fabrikgebäude mit Dampfkraft an der früheren Leipziger-, jetzt Hartmannstrasse,



verlegt worden war, wurde das Geschäft in demselben Jahre, 1852, unter der noch jetzt geltenden Firma eingetragen. Im Jahre 1874 schied W. R. Philipp durch den Tod aus und F. A. Philipp übergab das Geschäft 1888 an seine Söhne M. J. und O. V. Philipp, die derzeitigen Inhaber, welche den bedeutend vergrösserten Betrieb im Herbst 1898 nach der auf eigenem grossen Grundstück neuerbauten Fabrik, Limbacherstrasse 5, verlegten.

Ursprünglich wurden nur Maschinenteile, speciell für Spinnereien und Zwirnereien – Cylinder, Spindeln, Flügeln etc. – sowie Webutensilien hergestellt. Der Niedergang des Baumwollspinnerei-Maschinenbaues [183] in Sachsen und speciell in Chemnitz veranlasste nach 1868 die Inhaber, die Fabrikation von Schrauben und Muttern, anfänglich in einfachster Weise, nur in schwarzer Ware aufzunehmen. Heute bildet deren Herstellung in schwarzer und blanker Ausführung von den kleinsten bis zu den grössten Dimensionen – 1/8 bis 3" englisches Gewinde – sowie Metallschrauben- und Façondreherei nebst Blankzieherei den Hauptzweig der Fabrikation mit einer grossen Anzahl der allermodernsten Specialmaschinen, auch Automaten, meist eigener Konstruktion und Erzeugung. Nebenbei wird die ursprüngliche Branche, Anfertigung von Spinnerei- und Zwirnereimaschinenteilen, verbunden mit Eisen- und Metallgiesserei, auch fortbetrieben.

Zur Zeit werden ca. 130–140 Arbeiter beschäftigt, vorhanden sind eine 100pferdige Maschinen- und Kesselanlage, Dynamobetrieb und über 230 Arbeitsmaschinen.

Die Fabrik wurde prämiiert auf sämtlichen beschickten Ausstellungen und zwar: München 1854, Chemnitz 1867, Wien 1873, Dresden 1875, Teplitz 1879, Leipzig 1897.




J. G. Frommhold, Chemnitz.
Fabrik feiner und hochmoderner Thür- und Fensterbeschläge.

Scharf und klar hebt sich in immer greifbarer Gestalt der Begriff des „Kunstgewerblichen“ aus dem Wirtschaftsleben der Nation heraus. Fehlen auf der einen Seite dem Kleinhandwerker allzu häufig die Mittel und Vorrichtungen, etwaige Ideen nach der kunstgewerblichen Richtung hin greifbar ins Leben zu rufen oder, was doch schliesslich die Hauptsache ist, die Erzeugnisse abzusetzen – so hat meistens der Industrielle, der in Massen produziert, nicht allzu häufig ein so hohes Interesse am kunstgewerblichen Fortschritte, dass er sich die Zeit nähme, selbst als Kunstgewerbetreibender aufzutreten.

Und doch – es dringt diese grosse, an die Renaissance in ihrer Umgestaltung erinnernde Bewegung des kunstgewerblichen Lebens durch alle Schichten der Bevölkerung, sämtliche Branchen berührt sie und mit dem steigenden Wohlstand lernte der moderne Mensch die Ansprüche an die Räume, in denen sich sein Leben abspielt, höher zu stellen als vor 20 oder gar vor 40 Jahren.

In erster Linie hat sich die Metallindustrie für die kunstgewerbliche Richtung empfänglich gezeigt und sorgt in ihrer Massenproduktion für die dekorative Ausstattung unserer Bauten.


Fabrikanlage von J. G. Frommhold.

Und wenn heute auf Ausstattung der Thüren und Fenster beim Hausbau ungleich mehr Sorgfalt verwendet wird, so ist das in erster Linie das Verdienst der Firma J. G. Frommhold in Chemnitz und ihrer jetzigen Leiter, der Herren Max und Alex Frommhold, die nach den Prinzipien ihres Vorgängers, des Gründers der Firma, des Herrn Johann Gottfried Frommhold, in der erfolgreichsten Weise bestrebt sind, die Erzeugnisse ihres Etablissements immer geschmackvoller, stilgerechter und dem Charakter des Ganzen angepasster werden.

[184] Die Firma J. G. Frommhold in Chemnitz ist – das kann man ohne jede Übertreibung sagen – heute wohl das besteingerichtetste Etablissement für die Erzeugung von Thür- und Fensterbeschlägen, sowie für Blitzableiterspitzen aus Kupfer.

Am einfachen Mietshaus, wie bei der eleganten Villa, im Fürstenschloss wie an Gebäuden jeder Art sind in immer aparterer Darstellung die Thür- und Fenstergarnituren, Bänder und Basquillen, zu finden, und es wird nicht allzuviele Architekten geben, die sich nicht an der vornehmen Ausstattung Frommhold’scher Thürdrücker aus Bronze, Horn, Eisen in Verbindung mit Horn etc. erfreut hätten.

Der Entwickelungsgang des heute so bedeutenden Hauses fusst mit seinen Anfängen, – wie jede Industrie – im Handwerk.

Der Gründer des Hauses und Vater des heutigen Chefs, Herr Johann Gottfried Frommhold, war gelernter Drechsler.

Im Jahre 1844 begründete er in Chemnitz ein derartiges Geschäft in den bescheidensten Dimensionen. Ein Zufall führt ihn, dem sein Geschäft nicht genügend Gelegenheit zur Entfaltung seiner Fähigkeiten bot, einen grösseren Auftrag auf Thür- und Fenstergriffen aus Horn ins Haus. Mit dem Blicke des Fachmannes übersicht Frommhold die Zukunft dieses Artikels, der zu jener Zeit nur aus Messing hergestellt wurde.

Er beginnt diese Horngriffe in eleganter und in erster Linie solider Ausführung zu fabrizieren, seine reellen Erzeugnisse werden rasch eingeführt, die Nachfrage steigt und im Laufe der Jahre dehnt sich sein Betrieb derartig aus, dass mehrere Male zu Neubauten geschritten werden musste, deren letzter das neu errichtete imposante Fabrikgebäude an der Limbacherstrasse in Chemnitz ist.

Die Übersiedelung in diese Musterfabrik sollte der Gründer der Firma leider nicht mehr erleben. In die Leitung nach seinem Ableben teilen sich seine beiden Söhne und langjährigen Mitarbeiter, die Herren Max und Alex Frommhold, die den Artikel Thür- und Fensterbeschläge in künstlerischer Form auf eine bis dahin nicht geahnte Höhe gebracht haben.

Die neugebaute Fabrik kann thatsächlich als ein Bauwerk der modernsten Art gelten. An der Strasse etwas erhöht gelegen, sind ihre technischen, ebenso wie ihre Arbeiterwohlfahrts-Einrichtungen geradezu mustergiltige. Überall Licht und Luft in Hülle und Fülle, überall trotz der zahlreichen Specialmaschinen für Dreherei, Fraiserei, Schleiferei, Poliererei etc. die peinlichste Sauberkeit und die 100 Arbeiter, die in diesen einzelnen Abteilungen, sowie in Stanzerei, Giesserei und Galvanisierung beschäftigt sind, finden lohnende und angenehme Beschäftigung in dem im ersten Hause der Branche entwickelten Betriebe.

Freilich nicht schablonenmässige Alltagsfabrikation konnte solche Erfolge zeitigen. Von ersten Künstlern entworfene Modelle werden industriell verwertet und ein ständiges Lager von ca. 150 Zentner teils gedrehten und gefeilten, teils zisilierten Beschlägen und weiteren häufig bis zu 200 Zentner in rohem Zustande befindlichen Beschlägen und Thürdrückern zeigt die Massenhaftigkeit der Produktion.

Das Büffelhornlager ist ebenso wie die galvanische Abteilung mit ihren Dynamomaschinen für die Verkupferung resp. für Vernickeln, Vergolden etc. eine Sehenswürdigkeit.

So ist es kein Wunder, wenn die Frommhold’schen Fabrikate vielfach prämiiert wurden; – heute beziehen ebenso wie Deutschland auch Russland, Rumänien, Österreich-Ungarn, sowie Schweden und Norwegen ihren Bedarf in besseren Qualitäten dieses Artikels von der Firma J. G. Frommhold.




E. F. Barthel, Chemnitz.
Kronleuchter- und Bronzewarenfabrik.

Die Fabrik wurde im Jahre 1861 von Herrn Louis H. Barthel sen. in dem Hausgrundstücke Wiesenstrasse 6 als kleine Klempnerwerkstatt begründet und befasste sich von Anfang der 70er Jahre ab mit der Fabrikation von Gas- und Wasserleitungshähnen, sowie Beleuchtungskörpern. Das Geschäft, welches sich rasch entwickelte und im Jahre 1888 etwa 60 Arbeiter beschäftigte, hatte in seinen [185] alten Räumlichkeiten bald nicht mehr Platz, sodass sich 1888 seine Verlegung nach einem Fabrikneubau, Annabergerstrasse 26, nötig machte. Doch auch diese Räumlichkeiten zeigten sich bald als unzureichend, sodass Herr Louis H. Barthel sen. sich entschloss, seinem bisherigen Mitarbeiter, Herrn Rudolph Barthel, die Abteilung für Fabrikation von Gas-, Wasser- und Dampfarmaturen käuflich zu überlassen und somit eine Schwesterfirma gründete.

Die neubegründete Schwesterfirma Rudolph Barthel musste aber schon nach kurzer Zeit, im Jahre 1893, wegen Raummangel seine Fabrikation in das ehemalige Fabrikgebäude der Wirkwarenmaschinenfabrik


Kronleuchter- und Bronzewarenfabrik von E. F. Barthel.

Schubert & Salzer, hier, verlegen und entwickelte sich so rasch, dass sie jetzt ca. 260 Arbeiter beschäftigt.

Zu Anfang des Jahres 1895 zog sich Herr Louis H. Barthel sen. auch von der Leitung der Stammfirma gänzlich zurück und überliess das Geschäft unter Beibehaltung der Firma seinen beiden Söhnen Curt und Alfred Barthel. Seitdem befasst sich die Firma ausschliesslich mit der Fabrikation [186] von Beleuchtungsgegenständen für Gas und elektrisches Licht und erfreut sich eines guten Rufes. Die Arbeiterzahl beziffert sich auf ca. 125 Mann.

Die aus den Thüringischen Staaten und Provinzen kommende rege Nachfrage veranlasste die Firma am 1. Oktober 1899 ein Musterlager in Leipzig, Augustusplatz No. 1, zu errichten, welches sich trotz seines jungen Bestehens bereits einer guten Entwickelung erfreut.




Armaturenfabrik Rudolph Barthel.

Dieselbe wurde begründet im Jahre 1891, mit einer Arbeiterzahl von 74. – An Arbeitsmaschinen waren 47 aufgestellt.

Die Fabrik befasste sich zunächst mit der Herstellung von Gas- und Wasserleitungshähnen. Auch wurden in die Fabrikation Rotguss-Dampfventile mit aufgenommen, die infolge ihrer guten, sauberen Ausführung allgemein Anklang fanden, sodass sich schnell auch die Herstellung auf die übrigen Gegenstände der Armaturenbranche ausbreitete.

Im Juli des Jahres 1897 wurde der Betrieb nach Adorferstrasse 13 – nachstehendes Bild – verlegt und zur Zeit finden in den verschiedenen Abteilungen gegen 200 Personen Beschäftigung. Die


Armaturenfabrik von Rudolph Barthel.

Betriebskräfte sind: ein Wasserröhrenkessel mit 74 Quadratmeter Heizfläche, eine Dampfmaschine mit 80 PS, eine Dynamomaschine mit 35 PS. und zwei Elektromotoren mit 23 PS. Die Fabrik besitzt zwei Schornsteine, einen solchen von 35 Meter Höhe für die Maschinenanlage und einen 22 Meter hohen für die Giesserei.

Auf gegen 125 Arbeitsmaschinen, als Drehbänken, Leitspindelbänken, Fraismaschinen, Gewindeschneidmaschinen, Bohrmaschinen, Revolverbänken u. s. w. werden die Teile bearbeitet. Die kleinen Schrauben und Muttern, die zu Tausenden gebraucht werden, erzeugt ein dafür aufgestellter Automat, ebenso, wie für eine ganze Anzahl Verrichtungen, die früher mit der Hand geschehen mussten, heute Maschinen und Einrichtungen ausgedacht worden sind. Die Maschinen sind grösstenteils neue für Massenherstellung und der Neuzeit entsprechende.

[187] Ausserdem besitzt die Fabrik besondere Probierstationen, eine für Gas- und Wasserleitungsgegenstände und zwei für Dampfleitungsarmaturen. In letzterer befindet sich ein eigens für Probierzwecke aufgestellter Kessel für 12 Atmosphären.

Der Guss zu den Dampfarmaturen ist „Dampfmetall“ = 92 Prozent Kupfer. – Die Stücke fallen besonders innen vollständig sandfrei aus, wodurch eine bessere, sichere und dauerhaftere Abdichtung erzielt wird.

Die Gegenstände, die als Specialität und in Massen hergestellt werden, sind Gas- und Wasserleitungshähne, Rotguss- und Eisenventile, Schieber und Kondenstöpfe. Das Lager ist in allen Sorten und Grössen sehr reichlich und umfasst ständig einige hunderttausend Stücke, und der Versandt ist derart eingerichtet, dass die Aufträge, soweit die Waren natürlich vorrätig sind, am Tage des Eingangs noch zur Ausführung kommen.




Ausser den ausführlicher beschriebenen Metallwarenfabriken und Metallgiessereien sind noch nachstehende Firmen als besonders erwähnenswert anzuführen:

Barth, Tiegelgiesserei, Kunst- und Metallguss;
Chemnitzer Kupfer- und Metallwarenfabrik, Gebr. Thost;
Ficker, Gebrüder, Inhaber M. A. und H. Ficker;
Häckel, Gebr., Inhaber F. W. Häckel;
Liebermann, technische Apparate, Wasserfang-Schalldämpfer, Ölsparer, Tropfölreiniger etc.;
Lippold, Wilh., Inhaber W. R. Lippold, Rot- und Messingguss, Phosphorbronze, Weissmetall etc., Fabrik für Feuerspritzen;
Rey, Metalldreherei;
Sächsische Lampen- und Metallwarenfabrik, Wendt & Taenzer;
Schreiter, Th., Gelbgiesserei, Feuerlöscharmaturen, Stahlrohre, Mundstücke, Schlauchschrauben;
Schwarz & Co., Rudolf, Inhaber O. R. Schwarz und H. B. Schwarze, Kronleuchter, Fahrradzubehörteile, galvanische Werkstatt;
Sonnenschein, Oscar, Inhaber H. O. Sonnenschein und W. A. Albrecht, Specialität: messingvernickelte Tafelgeräte, gedrückte, gedrehte, gestanzte und gezogene Massenartikel für alle Branchen;
Vogel, Rotguss, Messing-, Bronze-, Zink-, Neusilber-, Aluminium-, Weissguss und Phosphorbronze;
Wagner, Adolph, Inhaber A. R. Wagner, Rotguss, Bronze-, Messing- und Zinkguss, Messinghähne, Ventile und alle Armaturen für Gas- und Wasserleitungen.



[188]
Chemnitzer Textilindustrie.



Spinnerei.


Chemnitzer Aktienspinnerei.

Im Jahre 1857 gründeten August Götze und die beiden Inhaber des damaligen Garngeschäftes C. Knackfuss, M. F. Bahse und C. Knackfuss, die für 60 000 Spindeln eingerichtete Aktienspinnerei zur Erzeugung von Baumwollgarnen und Zwirnen. Am 19. Mai 1857 begann der Bau, der dann Ende 1859 mit einem Gesamtkostenaufwand von 3 936 600 Mark fertiggestellt war. Nachdem im Jahre 1884 eine Erneuerung der technischen Betriebsmittel stattgefunden hatte, erweiterte


Chemnitzer Aktienspinnerei.

[189] die Aktienspinnerei im folgenden Jahre, 1885, ihren Geschäftsbetrieb durch Ankauf der vormals Nef’schen Spinnerei an der Annabergerstrasse. Im Jahre 1896 aber wurde diese Filialspinnerei an die Zwirnerei Saxonia verkauft und dafür eine neue Aktienspinnerei auf einem 18000 Quadratmeter umfassenden Areale auf Altchemnitzer Flur erbaut, die für 120 000 Spindeln berechnet, in ihrer baulichen Anlage und ihrer technischen Einrichtung als ein Musteretablissement ihrer Art gelten kann. Wenn dann die in der Stadt gelegene alte Aktienspinnerei, deren Gebäude wahrscheinlich in den Besitz der Stadt übergehen werden, verkauft sein wird, dann wird der Gesamtbetrieb der Chemnitzer Aktienspinnerei in der Neuanlage zu Altchemnitz untergebracht werden.




Zwirnerei und Nähfadenfabrik Herm. Dignowity, Chemnitz.

Die Firma Herm. Dignowity, deren Inhaber die Herren Hermann und Eduard Dignowity sind, wurde am 1. Juli 1882 von dem ersteren begründet. Herr Eduard Dignowity trat erst 10 Jahre nach der Begründung als Gesellschafter ein. Der Begründer, Herr Hermann Dignowity, ist seit 1868


Zwirnerei und Nähfadenfabrik von Herm. Dignowity.

in seiner Branche thätig und war vor seiner Etablierung Direktor der Leinenzwirnerei in Zweibrücken – 1873 bis 1877 –, später – 1877 bis 1882 – Direktor der Dresdener Nähmaschinenzwirnfabrik.

Die von ihm ins Leben gerufene Fabrikation erstreckt sich auf Baumwollnähfaden aller Art, auf Häkelgarne und Stopfgarne, welche Fabrikate aus Maco- und Sea Islandbaumwolle unter der Marke „Kronengarn“ erzeugt werden. Das Geschäft wurde nur in kleinem Massstabe begründet, entwickelte sich aber sehr rasch, und die Geschäftsleitung ist gegenwärtig bei Drucklegung dieses Werkes abermals mit einer bedeutenden Vergrösserung beschäftigt. Der Betrieb wurde in gemieteten Räumen begonnen, und es standen anfänglich nur wenige Zwirnmaschinen zur Verfügung, die aber in kurzen Pausen fortschreitende Vermehrung erfuhren. 1886 wurde eine gekaufte Fabrik bezogen und die Spindelzahl wesentlich erhöht; 1890 fand eine abermalige Erweiterung statt, 1892 wurde eine Filiale in Waldkirchen errichtet, wodurch die Spindelzahl auf 12 000 anwuchs. Hierzu kommen noch gegen 4000 Spindeln, die im Lohn beschäftigt werden. Gegenwärtig wird eine Filiale in Mohsdorf bei Burgstädt mit einer Triebkraft von 400 Pferdekräften errichtet.

[190] Der derzeitige maschinelle Apparat wird durch eine 300pferdige Dampfkraft und eine 100pferdige Wasserkraft in Betrieb gesetzt. – Gegen 400 Arbeiter und Beamte stehen der Geschäftsleitung zur Verfügung. – Das Absatzgebiet des Hauses erstreckt sich fast ausschliesslich über Deutschland, Österreich, die Schweiz, Belgien und Dänemark.

Die Entwicklung der Firma nahm von Anfang an stetig und gleichmässig ihren Fortgang. Es sind weder Krisen noch Katastrophen zu verzeichnen gewesen und lediglich der jüngste Handelsvertrag mit Österreich schränkte den Absatz nach diesem Lande ein.




Zwirnerei Saxonia, A.-G., in Chemnitz.

Die bedeutendste Chemnitzer Baumwollzwirnerei ist die Zwirnerei Saxonia. Sie wurde am 19. Dezember 1896 von der Chemnitzer Aktienspinnerei, den Herren Direktor Stark, Direktor Peters, Geheimen Kommerzienrat Herm. Vogel, Rich. Flade, Direktor Cronny in Chemnitz und Fabrikbesitzer Max Grossmann in Grossröhrsdorf gegründet. Das Etablissement arbeitet mit ca. 26000 Spindeln zur


Zwirnerei Saxonia.

Herstellung von Zwirnen – besonders baumwollenen – für die Gardinen-, Möbel- und Kleiderstoff- etc. Weberei, da diese Zwirne bisher vorwiegend von England bezogen wurden. Die Gesellschaft erwarb die früher Nef’sche Fabrik mit Areal und Motoren von der Chemnitzer Aktienspinnerei für den Preis von 350 000 Mark, verfügt über 600 000 Mark Kapital in 600 Aktien zu je 1000 Mark und verzinst 200 000 Mark Hypotheken zu 4 Prozent. Als Geschäftsjahr gilt das Kalenderjahr: die Generalversammlung findet im April statt, zu welcher jede Aktie zu einer Stimme berechtigt. Bei der Gewinnverteilung kommen 5 Prozent zum Reserve-Fond, 6 Prozent zu den Aktien-Reserven und an den Vorstand und die Beamten die vertragsmässigen Tantièmen und der Rest kommt zu den Dividenden oder zum ausserordentlichen Reserve-Fond. Die ausgestellte Bilanz am 31. Dezember 1898 verfügte über folgende Aktiven: Anlagekonto 679 392, Kassa-, Wechsel-, Effekten-, Reichsbankguthaben 21 969, Aussenstände 241 423, vorausbezahlte Feuerversicherung 1778, Waren 198 351, Verlust 2 858 Mark; die Passiven betrugen: Aktien-Kapital 600 000, Hypotheken 200 000, Accepte 196 397, Kreditoren 149 377 Mark, in Summa 1 145 774 Mark. Direktor der Firma ist Herr James Cronny, Prokurist Herr Josef Elstner, Bevollmächtigter Herr M. Dölling. Der Aufsichtsrat setzt sich zusammen aus den folgenden Herren: Vorsitzender: Direktor Stark, Stellvertretender Direktor: A. Peters, Geheimen Kommerzienrat Herm. Vogel, Richard Flade in Chemnitz und Max Grossmann in Grossröhrsdorf. Das Publikations-Organ ist der Reichsanzeiger. Die Firmenzeichnung kann der Vorstand allein, oder der Prokurist mit einem Bevollmächtigten vollziehen.




Ausser den ausführlicher beschriebenen Spinnereien sind noch nachstehende Firmen als besonders erwähnenswert anzuführen:

Arzberger, Paul, Baumwoll-, Fantasie-, Goldlahnzwirne;
Chemnitzer Nähfadenfabrik, H. Dietrich;
Solbrig Söhne, C. F., Kammgarnspinnerei;
Scharfensteiner Baumwollspinnerei, vormals Fiedler & Lechla;
Schmidt & Hahn, Inhaber: F. M. Schmidt und Emil Hahn, Specialität: Kunstzwirne.
[191]
Möbelstoff- und Mechanische Weberei.


R. Hösel & Co., Chemnitz.
Mechanische Weberei, Färberei und Appretur.

Im Westen von Chemnitz, noch mitten im Getriebe der industriereichen Stadt, Zwickauerstrasse 16/18 und Beckerstrasse 6, liegen die ausgebreiteten Etablissements der Firma R. Hösel & Co.

Aus kleinsten Anfängen heraus wurde diese Fabrik im Jahre 1845 von Kommerzienrat Robert Hösel gegründet, nachdem derselbe schon vorher, seit 1832, ein selbstständiges Webereigeschäft am Platze betrieben hatte. Der Geschäftsbetrieb umfasste damals die Fabrikation von Kleiderstoffen, deren Herstellung auf Handwebstühlen bewirkt wurde, während der Verkauf zumeist auf den Leipziger Messen stattfand.


Kommerzienrat Robert Hösel.

Der unternehmende und rührige Gründer erkannte sehr bald die hohe Wichtigkeit des inzwischen in England in Betrieb gekommenen mechanischen Webstuhles, und ihm war es vorbehalten, die ersten mechanischen Stühle Ende der vierziger Jahre in Chemnitz einzuführen, deren Aufstellung einen Markstein in dem Entwicklungsgange der Chemnitzer Weberei bedeutet.

Unter der Einwirkung des stetig wachsenden mechanischen Betriebes entwickelte sich die inzwischen auf Möbelstoffe übergeleitete Fabrikation zu immer grösserer Bedeutung. Die Firma bringt heute diesen Artikel für den Geschmack und die Bedürfnisse aller Länder der Erde in den mannigfaltigsten, einfachsten sowohl, als auch künstlerischsten Ausführungen durch eine Anzahl Reisende und Vertreter an den Markt, und bildet diese Branche einen wesentlichen Zweig ihres gegenwärtigen Betriebes.

Mit Aufnahme und mustergiltiger Erzeugung der seiner Zeit ausschliesslich in England fabrizierten Artikel Moreen und Moleskin erwarb sich die Firma schnell einen Namen in weiteren Geschäftskreisen.

Anfang der siebziger Jahre, einer Periode grossen industriellen Auflebens, führte der unermüdliche Senior, kurz vor seinem Tode, als ein neues wichtiges Glied seiner Fabrikation, die Plüschweberei in Chemnitz ein. Zunächst nur Handstuhlbetrieb, erwuchs daraus im Laufe der Zeit durch Benutzung des inzwischen konstruirten mechanischen Doppelplüschstuhles die gegenwärtig im Chemnitzer Industriebezirk ausgebreitete Leinenplüsch- und Druckmoquettefabrikation.

Neuerdings wurde dazu noch die Herstellung von Genoa-Cord in die Hand genommen.

Zu diesem umfassenden Webereibetrieb kommen noch hinzu eine eigene Färberei und Appretur, und ermöglichen deren Einrichtungen vollständige Veredelung sämtlicher Fabrikate im eigenen Hause.

Als Betriebskraft sind 4 Dampfmaschinen mit 10 Dampfkesseln in Thätigkeit und erfordert die Bedienung der gegenwärtig beschäftigten 400 Webstühle und aller sonstigen Maschinen die Arbeitskraft von annähernd 600 Personen. Ein Zeugnis für das jederzeit gute Einvernehmen zwischen der Arbeiterschaft und den Inhabern der Firma dürfte die rühmliche Thatsache abgeben, dass das Gesamtpersonal jetzt über 50 Jubilare unter sich zählt, die den festen Kern eines tüchtigen, geschulten Arbeiterstammes bilden.

[192] Die Firma ist auf allen Ausstellungen, welche sie beschickt hat, namentlich auf denjenigen zu London, München, Paris, Chemnitz und Wien prämiiert worden, neuerdings hat man von Beschickung der Ausstellungen Abstand genommen. Seit 1871 unterhält die Firma ein Zweighaus in Berlin C, alte Leipzigerstrasse 1.


Mechanische Weberei von R. Hösel & Co.

Das Etablissement wurde mehrfach durch Besuche des Sächsischen Königshauses ausgezeichnet, ausserdem wurden dem Senior Robert Hösel aus Anlass der Industrie-Ausstellung in Chemnitz 1867 das Ritterkreuz des Albrechtsordens, und anlässlich des 25jährigen Geschäftsjubiläums im Jahre 1870 der Titel Königlich Sächsischer Kommerzienrat verliehen.

In dem ganzen langen Zeitraume verblieb das Geschäft ununterbrochen im Besitze der Familie Hösel-Stadt, gegenwärtige Inhaberin ist Frau P. verw. Stadt, welche die Leitung Herrn Richard Maschner übertragen hat.

Das neue Jahrhundert findet die Firma in stetiger Erweiterung ihres umfangreichen Betriebes begriffen.




Möbelstoff-Fabrik C. F. Thümer.

Die C. F. Thümer’sche Möbelstoff-Fabrik ist eine der ältesten am hiesigen Platze. Ihre Errichtung reicht zurück bis in jene Zeit der Entstehung der Chemnitzer Möbelstoff-Industrie, als der Fabrikant die Kraft des Dampfes seinen Bestrebungen noch nicht dienstbar zu machen vermochte, sondern zur Erzeugung seiner Gewebe ausschliesslich auf die Hausweberei angewiesen war, die ihm die damals zahlreichen Hilfskräfte sowohl der hiesigen, als auch der Weber-Innungen verschiedener Gebirgsstädtchen, wie Lengefeld, Marienberg, Lunzenau u. a. boten. Hervorgegangen aus kleinsten Anfängen, wurde das Geschäft durch Carl Friedrich Thümer schon im Jahre 1833 gegründet.

Er war einer der ersten, der hier Ende der vierziger Jahre mit der Aufstellung mechanischer Webstühle vorging und seine Fabrikate fanden schon 1851 auf der Ausstellung aller Völker in London durch Verleihung der Medaille ungeteilte Anerkennung.

[193] Nach seinem im Jahre 1858 erfolgten Tode ging die Leitung des Betriebes an seinen Sohn über, an den heute noch an der Spitze des Geschäftes stehenden, jetzigen Inhaber, Herrn Robert Thümer; er verstand es, mit der stetig zunehmenden Vervollkommnung seine Erzeugnisse den vielseitigen Anforderungen der Zeit anzupassen und der Aufschwung, den es dadurch aufs Neue genommen, gab Veranlassung zur Erbauung eines bedeutend vergrösserten, den Fortschritten der Neuzeit entsprechenden Etablissements. Sowohl durch Anwendung der auf dem Gebiete der Erfindung während der letzten Decennien gebotenen, webertechnischen Verbesserungen als auch durch bauliche Vergrösserungen in dem Weberei- und Appreturbetrieb, vor Allem aber durch strenge Befolgung des von Anfang an



zum Grundsatz erhobenen Bestrebens, nur solide Waren an den Markt zu bringen, hat die Firma, deren Fabrikate wegen ihrer praktischen und geschmackvollen Ausführung in dem grossen Kundenkreis ihres weitverzweigten Absatzgebietes geschätzt werden, sich einen Ruf geschaffen, den sie sich sicher auch fernerhin zu bewahren wissen wird. Die Fabrik ist beschäftigt mit der Herstellung aller Arten von Möbelstoffen, Damasten, Dekorationsstoffen, Portieren, Tischdecken und Wagenstoffen.




Mechanische Weberei von Wilhelm Vogel.

Was nun die in Chemnitz bestehenden Fabriken für die Erzeugung von Möbelstoffen anbelangt, so ist als die bedeutendste anzuführen die vorgenannte Firma, welche in Chemnitz und Lunzenau Fabriken besitzt. Erzeugt werden alle Arten Möbelstoffe, Portieren – Gardinen und Decken – glatt und gemustert aus Baumwolle, Wolle, Jute, Leinen, Ramie und Seide, Leinenplüsch, Baumwoll- und Ramieplüsch, glatt, gemustert und bestickt, Wagenstoffe, Wolldamaste, wollene und baumwollene Moquettes und Epinglés, Moquette-Satteltaschen und -Decken, sowie Chenille-Gardinen und -Decken. Decken und Portieren in allen Stilarten bestickt, konfektioniert auf Stoff, Plüsch und Tuch. Ausser dieser mechanischen Weberei besitzt die Firma auch noch eine Papier- und Cartonpapierfabrik. Das Etablissement verfügt über 650 Webstühle und 50 Stickmaschinen und wird der Betrieb mit 500 HP. Dampf- und 810 HP. Wasserkraft unterhalten. Beschäftigt werden 950 Arbeiter und Arbeiterinnen und 130 Beamte.




Mechanische Weberei Eduard Lohse, Chemnitz.

Am 1. Juli 1827 wurde diese Weberei unter der Firma Wiedemann & Lohse gegründet, erhielt aber ihren heutigen Namen, Eduard Lohse, erst vom 1. August des Jahres 1835 ab. Der eigentliche Gründer, Herr Albert Heinrich Eduard Lohse, nahm am 3. Juli 1856 seinen Sohn, [194] Herrn Richard Eduard Lohse und seinen derzeitigen Prokuristen, Herrn Carl Heinrich Illing, als Teilhaber auf, trat selbst am 15. Januar 1872 aus dem Geschäft aus und starb am 18. April 1881 zu Dresden. Als ihm aber sein Sohn, Herr Richard Eduard Lohse, am 23. Juli 1879 mit dem Tode vorausgefolgt war, verblieb als alleiniger Inhaber Herr Carl Heinrich Illing, unter dessen Leitung das Geschäft sich eines grossen Aufschwunges erfreuen konnte.

Herr Illing bekleidete auch bei vielen städtischen und staatlichen Verwaltungen mehrere Ehrenämter, so u. a. als Stadtverordneter, viele Jahre als Handelsrichter, vom Jahre 1880 ab erledigte er die Direktorialgeschäfte der Chemnitzer Höheren Webschule und war auch Mitglied des Kreissteuer-Ausschusses. Infolge seiner Verdienste wurde er daher auch im Jahre 1885 zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt. Nach seinem Tode, am 7. Juli 1888 wurden dann sein Sohn, Herr Max Heinrich Illing und dessen Neffe, Wilhelm Eduard Weigel jr. die Inhaber.



Das Stammgrundstück der Firma Eduard Lohse liegt an der Annabergerstrasse – heutige Nummer 24 – jetzt Expedition und Druckerei der „Neuesten Nachrichten.“ Die erste Erweiterung erfolgte im Jahre 1859 durch die Hinzunahme des Gehrenbeck’schen Grundstückes in der Aue. Die Verbindung dieser beiden Grundstücke stellte man durch eine Brücke über den Chemnitzfluss her. 1882 wurde durch die Erwerbung des Nachbargrundstückes in der Aue und durch Errichtung eines Shedbaues zur Aufnahme des mechanischen Betriebes, der schon 1859 eingerichtet worden war, eine weitere bedeutende Vergrösserung geschaffen, wodurch dann das Grundstück an der Annabergerstrasse verkauft werden konnte.

Die Erzeugnisse der Firma sind alle Arten Möbel- und Dekorationsstoffe, Portieren, Plüsche etc., sowohl in glatten Genres als auch in reichen Jacquard-Dessins in grösster Vielseitigkeit. Als Specialartikel fertigt man Plüsche in Leinen, Ramie, Baumwolle und Wolle, Moquettes in Stückware und abgepassten Sitzen, Taschen- und Decken. Der Export der Firma erstreckt sich nach allen Ländern der Erde und besitzt dieselbe Vertretungen an allen wichtigen Plätzen des In- und Auslandes.

Der frühere ausschliessliche Handbetrieb, der hunderte von Stühlen allein in Chemnitz, und auch viele Stühle durch Vermittelung von Faktoren im Gebirge, als in Marienberg, Lengefeld, Zschopau, [195] Burgstädt, Mittweida u. s. w. beschäftigte, ist jetzt auf etwa 100 Stühle beschränkt worden, da die mechanische Erzeugung auch für die kompliziertesten glatten und gemusterten Waren mit und ohne Jacquardmaschinen Verwendung findet. Ein Zeichen-Atelier, sowie Patronier-Abteilung und eigene mechanische Kartenschlägerei, ferner Appretur, Dämpferei, Accommodur etc. ist jetzt in eigenen Räumen untergebracht, in denen ein Gesamtpersonal von 35 Beamten und ca. 300 Arbeitern beschäftigt wird.




Mechanische Weberei von Aug. Hübsch.



Das Geschäft wurde im Jahre 1857 unter der Firma Hübsch & Rümmler gegründet und nach dem Ableben des letzteren im Jahre 1875 von August Hübsch allein übernommen und weitergeführt. Durch Eintritt seiner zwei Söhne, den jetzigen Inhabern Alfred und Ernst Hübsch, erfuhr das Geschäft seit 1884 eine wesentliche Ausdehnung und Vergrösserung durch Einrichtung des mechanischen Betriebs. Es werden zur Zeit ca. 300 Personen beschäftigt; fabriziert werden nur Möbelstoffe in Stückware, welche nach fast allen Ländern Absatz finden.




Cohrs & Michaelis, Chemnitz.

Das deutsche Kunstgewerbe hat in den letzten 10 Jahren einen wohl ohne Gleichen dastehenden Aufschwung genommen und sich einen guten Namen nicht nur innerhalb der deutschen Reichsgrenzen, sondern in ganz Europa, in allen Weltteilen zu schaffen gewusst. Das Interesse, welches weite und weiteste Kreise des deutschen Publikums der heimatlichen Kunst entgegenzubringen begannen sowie das mehr und mehr sich herausbildende Verständniss der Interessenten haben diese Kunst der verschiedensten Branchen zu unermüdlicher Regsamkeit und fleissigem Schaffen ermutigt, und heute kann wohl mit Recht behauptet werden, dass die deutschen Kunst-Industrien jeder ausländischen Konkurrenz nicht allein die Spitze bieten können, sondern sie in vielen Punkten bedeutend überflügelt haben.

Zu den hier in Betracht kommenden Gewerben gehört in erster Linie auch die Kunststickerei für Innendekoration, eine Industrie, die vor 20 Jahren in Deutschland noch so gut wie unbekannt war und fast ausschliesslich in Frankreich gepflegt wurde. Ein sprechendes Beispiel für das Emporblühen dieses Industriezweiges in einem verhältnissmässig sehr kurzem Zeitraume bietet uns die Firma Cohrs & Michaelis, Chemnitz, die nach kaum 10jährigem Bestehen heute eine führende Stelle auf diesem Gebiete der Industrie einnimmt.

Die Firma wurde am 1. Januar 1891 von den Herren Wilhelm Cohrs und Emil Michaelis errichtet und begann ihre Thätigkeit in der ersten Etage des Hauses Annabergerstrasse 33 mit nur einigen Maschinen. Die auf denselben hergestellten Muster fanden alsbald ungeteilten Beifall, dass die Firma sich schon nach kurzer Zeit zur Aufstellung weiterer Maschinen veranlasst sah, was zur Folge hatte, dass sie 1893 Theaterstrasse 14 ein Fabrikgebäude von ca. 500 Quadratmeter mietete. Die Fabrikate fanden dauernd bei den hervorragendsten Interessenten Deutschlands wie des Auslands grossen Anklang, aus welchem Grunde sich die Firma bereits nach Verlauf weiterer 2 Jahre, 1895, zu einer abermaligen bedeutenden Vergrösserung entschloss und ihre Fabrik nach dem Grundstücke Beckerstrasse 16, mit einer Arbeitsfläche von ca. 1800 Quadratmeter, verlegte. Das Jahr 1899 brachte [196] die Notwendigkeit einer neuen Ausdehnung mit sich: die Firma mietete auf der Neefestrasse 5 ein weiteres Fabrikgebäude, sodass sie jetzt über eine Gesamtarbeitsfläche von ca. 3200 Quadratmeter verfügt, bei einem Personale von 24 kaufmännischen Beamten, 12 Zeichnern und gegen 200 Arbeiter und Arbeiterinnen.

Werfen wir noch einen Blick auf die Fabrikate dieses Hauses, so muss anerkannt werden, dass dieselben erstklassig sind und bei sorgfältigster Ausführung von gediegenem Geschmack Zeugnis ablegen. Sie bestehen in kunstvoll und stilgerecht gestickten Vorhängen und Lambrequins,



Thürportièren, Tischdecken und Möbelbezügen, sowie als Specialität in kostbaren, bestickten Seidenstoffen, wie sie für Möbel, Wandbespannungen und sonstige dekorative Zwecke Verwendung finden.

Alle Schöpfungen des Hauses entstehen in Skizze und Detailausführung in eignen Ateliers unter den Händen meist akademisch geschulter Zeichner.

Die Firma Cohrs & Michaelis hat von Anfang an das Prinzip verfolgt, nur wirklich gediegene Arbeit hervorzubringen, niemals aber versucht, der Gepflogenheit mancher Industriezweige, für recht niedrige Preise eine naturgemäss minderwertige Ware auf den den Markt zu werfen, zu huldigen, und solchem Grundsatze wird sie zweifellos auch ihr rasches Emporblühen und ihre, man kann wohl sagen, beispiellosen Erfolge zu danken haben.

Möge deshalb der Firma in ihrem ernsten Streben für wahre Kunst auch eine Zukunft beschieden sein, welche Befriedigung bringt und zu weiterem Ausbau des Geschaffenen ermutigt!

Als hervorragend in der Stickereibranche sind nur noch die Firmen Bruno Henning, kunstgewerbliche Anstalt für Dekorationen, Stickereien, Vorhänge, Tischdecken, Möbelbezüge etc. und Carl Hothorn, Fabrikation von Tischdecken und Portièren, Specialität: gestickte Decken.




[197] Ausser den ausführlicher beschriebenen Möbelstoff- und Mechanischen Webereien sind noch nachstehende Firmen als besonders erwähnenswert anzuführen:

Arens & Co., B., Inhaber B. F. C. A. Arens, Möbelstoffe;
Arberger, Paul, Specialität: Bourette-, Putz- und Scheuertuchstoffe, Nessels etc.;
Bachmann & Ladewig, Commandit-Gesellschaft, Inhaber Alfred Bachmann und Louis Ladewig, nebst 3 Kommanditen, Fabrik für Velvet- und Tapestry-Teppichen, Portièren und Decken;
Berthold, Richard, Möbelstoffe, Portièren und Tischdecken;
Börner, C. E., Möbel-, Portièren- und Wagenstoffe etc.;
Cammann & Co., Inhaber F. P. Cammann und A. W. R. Krüger, Möbelstoffe;
Dörschel & Schlesinger, Inhaber C. F. J. Dörschel und G. Schlesinger, mechanische Weberei für Möbelstoffe, Portièren und Leinenplüsche;
Dorge, A., bedruckte Leinen und Kattune;
Dürfeld, Carl, Inhaber Kommerzienrat C. Dürfeld in Einsiedel;
Eckardt & Sohn, Inhaber Rudolf Liebich, mechanische Weberei für Möbelstoffe, Portièren und Tischdecken;
Friedheim, Gebr., Inhaber Louis Friedheim in Berlin und Jul. Friedheim hier, Möbelstoffe;
Fuchs Nachf., Alexander, Inhaber J. F. Wagner, Möbelstoffe, Plüsche, Wagenripse und Tischdecken;
Geisberg, Frz., mechanische Weberei für Decken, Vorhänge, Wandbekleidungen etc.;
Giehler, Joh., Inhaber B. E. Giehler und 2 Kommanditen, Schirm- und Regenmäntelstoffe;
Goeritz, Gebr., Inhaber Mich. Max und Moritz Goeritz, mechanische Weberei für baumwollene, halbwollene, wollene, leinene und halbseidene Möbel- und Portièrenstoffe, Ripse, Damaste und Tischdecken;
Grossmann & Co., Inhaber G. Th. Grossmann, mechanische Weberei für Möbelstoffe, Leinenplüsche etc.
Haasemann, W., Inhaber Wilh. Aug. Haasemann in Hilbersdorf, mechanische Weberei für baumwollene, halbwollene, wollene, leinene und halbseidene Möbel- und Portièrenstoffe, Ripse, Damaste;
Hähle, H. A., mechanische Weberei für Möbelstoffe;
Haussen, C., Inhaber Th. Sieben, mechanische Weberei für wollene und halbwollene Möbelstoffe;
Heigis, Richard, Plüsche und Satins;
Hirsch & Bein, Inhaber Heimann Hirsch, Möbelstoffe, Portièren und Tischdecken;
Hugenberg, Otto, wollene, halbwollene und halbseidene Kleiderstoffe;
Irdel, Rebling & Jähnig, mechanische Weberei Möbelstoffe und Portièren;
Kertzscher & Liebe, Inhaber J. F. Hofmann, mechanische Weberei für Möbel- und Wagenstoffe, Moquettes, gestickte Portièren und Decken;
Knorr, O. B., mechanische Weberei für Möbel- und Vorhangstoffe, halbwollene und baumwollene Tisch- und Bettdecken;
Kornick, Eduard, Inhaber H. L. Ch. und Th. L. Kornick, mechanische und Handweberei für Möbel- und Portièrenstoffe, für Plüsche, Ripse, Damaste, Creps, Diagonals, Flaggenstoffe und Tischdecken;
Krämer F. H., Inhaber C. H. Krämer, Möbelstoffe;
Leuthold & Poser, Inhaber F. C. Leuthold.
Mauersberger, Ernst, Pulvertuche; mechanische Weberei für Möbel- und Vorhangstoffe;
Michael & Rössger, Möbel- und Portièrenstoffe;
Michaelis, Wilh., Inhaber P. O. und R. G. Michaelis, Möbelstoffe, Tischdecken;
Neumayer, L., vormals Beckert & Sohn Nachf., Portièren, Leinenplüsche, Moquette, und als Specialität: Damaste;
Ploss, Ludwig, vormals Robert Albrecht, mechanische Weberei für Möbel-, Portièren- und Wagenstoffe, Moquettstoffe, Stückwaren und abgepasst;
Pulvermacher & Meyring, Portièren, Tischdecken und Möbelstoffe;
Röders, Christian, Inhaber M. Ch. und E. G. Röders, Möbelstoffe und Portièren;
Rothe, Julius, wollene, halb- und baumwollene Portièren und Decken;
Rudert, Curt, mechanische Weberei und Appretur, Specialität: Moreens und Lustres;
Schmidt & Strubell, mechanische Weberei für Möbelstoffe, Drelle und verschiedene wollene, baumwollene und halbleinene Fantasie-Gewebe;
[198]
Schmidt & Schippel, mechanische Weberei für Möbelstoffe;
Schneider, Eugen, mechanische Weberei für Möbel-, Portièren- und Fantasiestoffe;
Schreiter, Gebrüder, Inhaber J. A. und A. E. Schreiter, Möbel- und Dekorationsstoffe;
Schubert & Co., Carl, Inhaber C. A. Schubert und 1 Commandit, Band, Litzen und Borden;
Schulen, S., Möbel- und Wagenstoffe;
Seidler & Schreiber, Möbelstoffe;
Sieler, Bruno, Inhaber Kommerzienrat Bruno Sieler, mechanische Weberei und Appretur für Moreens, halbwollene und wollene Möbel- und Portièrenstoffe, Ripse und Damaste;
Stache & Geissler, mechanische Weberei für Möbel-, Portièren- und Dekorationsstoffe aller Art;
Strasser, Inhaber J. und F. Strasser, Möbelstoffe, ein- und zweiseitige Jute- und Leinenplüsche, Plüschdecken;
Sühnel, Heinrich;
Tannenhauer, M., mechanische Weberei für Möbel-, Portièren- und Wagenstoffe;
Voigt, Louis und Wilh., Inhaber Curt Voigt und Alfred Voigt, mechanische Weberei für Möbelstoffe;
Wolff, Josef, Möbel- und Wagenstoffe;
Zipper, J. G., Inhaber A. R. und A. E. Zipper, Schirm- und Regenmäntelstofffabrik.




Strumpf-, Handschuh- und Tricotagenfabrikation.


Wex & Soehne, Chemnitz und Einsiedel.
Strumpfwarenfabrik.

Unter den ältesten Firmen der sächsischen Strumpfwaren-Industrie nimmt die Firma Wex & Soehne einen der hervorragendsten Plätze ein und ihr Name, der in allen Gegenden der Welt, wohin ihre Waren dringen, ebenso bekannt als geachtet ist, verdient in unserem Werke ganz besonders erwähnt zu werden.

Dieses Strumpffabrikations- und Exportgeschäft wurde am 1. September 1828 von den Herren Adolph Wex und Theodor Lindner gegründet und unter der Firma Wex & Lindner geführt, bis sich Herr Theodor Lindner aus Gesundheitsrücksichten von den Geschäften zurückzog und die Firma auf den verbleibenden Teilhaber Herrn Adolph Wex und dessen Schwiegersöhne, die Herren Georg Vollmer und Richard Loesner überging, welche vom 1. September 1858 ab „Wex & Soehne firmierten.

Nach dem Tode des Mitbegründers, des Herrn Adolph Wex und seines Schwiegersohnes, des Herrn Georg Vollmer, setzte Herr Richard Loesner das Geschäft eine Zeit lang allein fort, nahm sodann aber am 6. Dezember 1878 Herrn Paul Gläntzel als Teilhaber auf, welche beiden Herren das Geschäft unter Beibehaltung der Firma Wex & Soehne bis April 1890 gemeinschaftlich weiterführten, zu welchem Zeitpunkte sich Herr Richard Loesner wegen Kränklichkeit in das Privatleben zurückzog. Das Geschäft ging hierauf an Herrn Paul Gläntzel als alleinigen Besitzer über.

Die Firma befasst sich seit ihrer Gründung mit der Fabrikation von Strumpfwaren aller Art, von den billigsten bis zu den feinsten Qualitäten in Baumwolle, Wolle und Seide und hat namentlich auf dem Gebiete des Exports, speciell nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, ganz bedeutende Erfolge erzielt, indem sie auf diese Weise nicht nur den eigenen Namen in hohes Ansehen brachte, sondern auch bahnbrechend wirkte für die deutsche Industrie im allgemeinen.

Die Firma nimmt heute in der Strumpfbranche einen der ersten Plätze ein und wird an Grösse und Ausdehnung kaum von einem andern Hause der Branche übertroffen.

Als im Jahre 1860 die Erfindung der sogenannten Paget-Strumpfmaschinen durch den Engländer Paget in England Aufsehen erregte, erkannte auch die Firma Wex & Soehne die Vorteile [199] dieser neuen Erfindung sehr bald und um sich dieselbe nutzbar zu machen, sicherte sie sich das Recht der Ausübung dieses Patentes für Deutschland, nach welchem sie in eigenen Werkstätten die Herstellung solcher Maschinen vornahm und sich mit der Verbreitung dieser schnell in Aufnahme kommenden bewährten Verbesserung in der Anfertigung von Strumpfwaren energisch befasste.

Herr Paul Gläntzel, der sich besonders um die Einführung der später erfundenen, nach dem Namen des Erfinders benannten „Cotton“-Maschinen verdient gemacht hat, trug nach seinem Eintritt in das Geschäft wesentlich zur Vergrösserung desselben bei, vermöge seiner reichen Erfahrungen, welche er während langjähriger Thätigkeit in den Vereinigten Staaten und in dem Wirkwaren-Industriebezirke seines Vaterlandes zu sammeln Gelegenheit hatte, sodass ihm die Genugthuung, das Wachstum der Firma von Jahr zu Jahr ein grösseres werden zu sehen, nicht versagt bleiben konnte.



Das Geschäft wird von Chemnitz aus geleitet, wo sich in den mit der Zeit bedeutend vergrösserten und entsprechend eingerichteten Gebäuden, die Warenübernahme, die Kontore, die Appretur, Presserei, Formerei, Aufmachungssäle und Packerei befinden, während die Fabrikation teils in dem ca. zwei Stunden von Chemnitz entfernten Orte Einsiedel in zwei umfangreichen Fabrikanlagen teils unter Heranziehung der bedeutenden Hausindustrie, dort und in vielen anderen Orten des sächsischen Erzgebirges betrieben wird.

Die Firma beschäftigt in ihren eigenen Räumen, ausser dem aus ca. 50 Personen bestehenden Kontorpersonale, gegen 700 männliche und weibliche Arbeiter, wovon auf Chemnitz ca. 300 und auf Einsiedel ca. 400 kommen; die Anzahl der in der Hausindustrie für die Firma beschäftigten Arbeiter ist noch bedeutend grösser, so dass durch diese Firma eine stattliche Zahl Arbeiter das ganze Jahr hindurch guten Verdienst findet.

[200] Die eine der Fabriken in Einsiedel wurde am 5. April 1892 durch Feuer zerstört; an Stelle derselben ist seitdem ein neuer, grösserer Bau aufgeführt und mit Maschinen neuester Konstruktion ausgestattet worden.

Die Firma besitzt verschiedene Medaillen, welche sie auf den von ihr beschickten Ausstellungen erhalten hat.

Ihre Produktion ist, wie aus den vorangegangenen leicht zu schliessen, eine ganz bedeutende. Der Absatz derselben erfolgt durch zahlreiche Vertreter, sowie Kommissionshäuser, nach allen Teilen der Erde zum Ruhme der deutschen Wirkwarenindustrie, und, wir wünschen und hoffen, zur Förderung und Verbreitung derselben für fernere Zeiten.




Moritz Saml. Esche.

Die Firma Moritz Sml. Esche ist die älteste ihrer Branche, denn sie führt ihren Ursprung auf Johann Esche zurück, der vor nahezu 200 Jahren den ersten Wirkstuhl in Sachsen erbaute und in Gebrauch nahm.

Die Nachkommen des Genannten sind dem von ihrem Ahnherrn eingeführten Industriezweige treu geblieben und vererbten ihren Betrieb, diesen stetig erweiternd, immer vom Vater auf den Sohn.

Vom Jahre 1835 an wurde die Firma Moritz Sml. Esche beibehalten, deren jetzige Inhaber Kommerzienrat Eugen Esche – ein direkter Nachkomme des obengenannten Johann Esche – und Georg Wiede sind.


Strumpffabrik von Moritz Saml. Esche.

[201] Das Geschäft, das anfangs in Limbach heimisch war, wurde im Jahre 1870 nach Chemnitz verlegt, wo eine neue grosse Fabrik zu seiner Aufnahme erbaut worden war. Diese wurde durch verschiedene Anbauten erweitert und im Jahre 1886 ein mit allen Erfordernissen und Verbesserungen der Neuzeit eingerichteter Neubau ganz in Stein und Eisen aufgeführt.

Die Fabrik ist mit den neuesten und besten Maschinen versehen, und innerhalb derselben werden 500 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, während ein grosser Teil der von der Firma gelieferten Waren in den umliegenden Dörfern angefertigt und in dem Etablissement appretiert wird. Erzeugt werden Frauen- und Kinderstrümpfe, Männer- und Knabensocken und Unterkleider in allen Stärken, aus Baumwolle, Wolle und Seide, in roh, gefärbt, buntgärnig und buntgestreift für den heimischen Markt sowohl, als für den Export nach allen Weltgegenden.

An Stiftungen sind vorhanden eine solche mit einem Kapital von 60 000 Mark, aus deren Zinsen an lange für die Fabrik thätig gewesene treuverdiente Beamte und Arbeiter Pensionen und Unterstützungen gezahlt werden, und eine solche in Höhe von 10 000 Mark, welche Aussteuern an unbescholtene Arbeiterinnen bei ihrer Verheiratung gewährt.




J. M. Eisenstuck.
Inhaber: C. Theodor Günther. Gegründet 1836.

Eines der ältesten und bedeutendsten unter den Strumpf-Export-Geschäften ist dasjenige der Firma J. M. Eisenstuck. Dasselbe ist im Jahre 1836 begründet worden und hat sich in der


Strumpffabrik von J. M. Eisenstuck.

langen Zeit seines Bestehens in allen seinen Absatzgebieten eine angesehene Stellung erworben. Die Firma betreibt als Specialität das Geschäft nach überseeischen Ländern, hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, nach Canada, Süd- und Mittelamerika, Australien, Indien und Südafrika. Der Umsatz der Firma ist sehr bedeutend und gehört zu den Grössten der Chemnitzer Strumpfexporthäuser. Der Inhaber der Firma ist C. Theodor Günther. Die Firma führt eine der grössten Kollektionen in allen Arten von Strümpfen, Stapelwaren sowohl als auch Fantasiewaren, und hat fortgesetzt den Umfang ihres Geschäftes vergrössert.




Eduard Creutznach Nachfolger.

Die Firma wurde am 15. April 1839 als Strumpfwarengeschäft bescheidenen Umfanges gegründet und in ziemlich kleinem Umfange von Eduard Creutznach als Handelsgeschäft geführt. Am 1. Januar 1856 ging das Geschäft an Theodor Koerner und Louis Küchenmeister über, wobei die Firma in Eduard Creutznach Nachfolger abgeändert wurde. Da aber Küchenmeister schon im Jahre 1857 starb, so übernahm Theodor Koerner die Firma mit allen Aktiven und [202] Passiven, für eigene Rechnung. Damals beschränkte sich die Fabrikation von Strümpfen hauptsächlich auf den sogenannten Handstuhl, auf dem ein angestrengt arbeitender Mann in der Woche 1 Dutzend reguläre Strümpfe fertig bringen konnte. Seitdem haben sich gerade in der Strumpfwarenbranche grosse Umwälzungen vollzogen. Schon im Jahre 1864 wurde, durch die englischen Rundmaschinen für Socken angeregt, eine Fabrik im eigenen Hause gegründet und bereits im Jahre 1866 machte sich eine Vergrösserung derselben notwendig. Den Pagetmaschinen, denen zur Herstellung von sogenannter regulärer Ware Dampfbetrieb in Anwendung kam und ein Arbeiter zwei Strümpfe zugleich herstellen konnte, folgten in den 70er Jahren die Cottonmaschinen, die das zugleich herstellbare Quantum wieder vervielfachten. Heute gestatten die Maschinen einem Arbeiter, bis zu 24 Strümpfen auf einer Maschine gleichzeitig herzustellen und sind dies die grössten Maschinen der Welt und soweit bekannt, nur bei Eduard Creutznach Nachfolger in Betrieb, welcher dieselben in eigener Fabrik



haben konstruieren und bauen lassen. 1873 war eine weitere Vergrösserung der Fabrik nötig, die den Zukauf neuer Grundstücke nötig machte. Als dann 1881 der Betrieb im Ganzen auf 5 Grundstücke verteilt war, machte sich das Bedürfnis nach Vereinheitlichung geltend und es wurde daher die gesamte Fabrikation in der gegenwärtigen Fabrik untergebracht.

In jenen entscheidenden 70er Jahren erfolgte auch die Erweiterung des Absatzgebietes der Firma. Sie hatte bisher hauptsächlich nach Nordamerika exportiert und begann, sich nun auch Südamerika zu erobern, wobei mit der grössten Rücksicht auf die örtlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse vorgegangen wurde. Das Verfahren sicherte den Erfolg, es ist auch weiter stets befolgt worden und giebt es wohl heute kaum einen Teil der bewohnten Erde, wo Strumpfwaren gebraucht werden, mit dem die Firma Eduard Creutznach Nachfolger nicht in Geschäftsverbindung stände.

[203] Im Jahre 1878 trat der älteste Sohn, Herr Heinrich Theodor Koerner, am 1. Juli 1886 Herr Theodor Gotthold Koerner und am 1. November 1897 Herr Richard Th. Koerner als Teilhaber in die Firma ein. Die heutigen Teilhaber der Firma sind die Herren Theodor Gotthold und Richard Th. Koerner.

Die Firma fabriziert heute hauptsächlich reguläre Strumpfwaren und meistens die besseren Qualitäten, sowohl in Wolle und Baumwolle, sowie in Seide und Flor und hat sich auch die Firma seit mehreren Jahren in Deutschland einen sehr grossen Namen erworben, wo sie ihre Fabrikate unter dem Namen „Lokomotive“-Strümpfe in den Handel gebracht hat.

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika dürfte wohl jedem Käufer von Strumpfwaren die CS-Marke – Creutznachs Successors – bekannt sein.




Strumpfwarenfabrik Hermann Stärker.

Die Firma, gegründet im Jahre 1852 von Franz Hermann Stärker, jetzt im Besitz von Carl Robert Uhlich und Arthur William Stärker, des ältesten Sohnes des Gründers, befasste sich im Beginn ihres Bestehens vorwiegend als Handelgeschäft mit dem Vertrieb der Erzeugnisse


Strumpfwarenfabrik von Hermann Stärker.

der Chemnitzer Strumpfindustrie, insbesondere nach Nordamerika, eigene Anlagen waren, und zwar auf dem jetzt noch benutztem Grundstück am Einfluss der Kappel in die Chemnitz, nur für Appretur und Formerei vorhanden indess schon im Beginn der 1860er Jahre ging die Firma zur Fabrikation unter eigener Regie über, die, zunächst teils in ermieteten Räumen betrieben, bald an Umfang zunahm, indem durch fortschreitenden Ausbau des Stammgrundstücks die erforderlichen Räumlichkeiten gewonnen wurden. Eine bedeutende Erweiterung erfuhr der Betrieb der Firma im Jahre 1870 durch Gründung einer eigenen Werkstatt für den Wirkmaschinenbau. Heute sind im Wirkereibetriebe bei einer Gesamtarbeiterzahl unter normalen Verhältnissen von gegen 600, ca. 200 Wirkmaschinen, System Cotton, in Thätigkeit, ausserdem etwa 50 Arbeiter im Wirkmaschinenbau.

[204] Als eines unbestrittenen Verdienstes des Gründers der Firma Hermann Stärker sei der Thatsache gedacht, dass er der erste sächsische Industrielle war, der die hohe Bedeutung des Wirkmaschinensystems „Cotton“ für die künftige Entwicklung der Wirkereiindustrie erkannte und die ersten Schritte zu dessen Einführung in die hiesige Industrie unternahm. Die Wirkereiindustrie in ihrer heutigen Gestalt als Grossfabrikbetrieb hat somit in Franz Hermann Stärker ihrer eigentlichen Gründer zu erblicken.

Der Aufstellung einer grösseren Zahl von England bezogener Cottonmaschinen folgte bald die Erwerbung der auf dieses System bezüglichen Patente für das Königreich Sachsen und die benachbarten Gebiete und die Errichtung des erwähnten eigenen Maschinenbaubetriebes, der mit Hilfe vorzüglicher Arbeitskräfte zunächst das Maschinenmaterial für den sich stetig erweiternden eigenen Wirkereibetrieb lieferte, des weiteren aber auch sich mit dem Vertrieb und namentlich mit dem Export von Maschinen nach Ländern, die der Zollverhältnisse wegen auf eigene Fabrikation angewiesen waren, befasste.

Die manigfachen Bedürfnisse der eigenen Fabrikation mussten auch der Erfindungsthätigkeit eine lebhafte Anregung bieten und diese bethätigte sich erfolgreich in dem Bestreben, den Cottonstuhl, der in seiner ursprünglichen Gestalt lediglich auf die Einzelheiten des englischen Marktes berechnet war, all den Erfordernissen eines an alle Weltteile umfassenden Absatzgbietes anzupassen. Auch in dieser Beziehung sind von der Firma Stärker zuerst die Wege angebahnt worden, die später zu einer so allgemeinen Verbreiterung des Systems führten. Von den zahlreichen der Firma erteilten Patenten seien nur genannt Nr. 4585, Einrichtung der Wirkmaschine von Cotton zur Herstellung von Rechts- und Rechtsware 1878, Nr. 5423, Cottonstuhl zur Herstellung von Füssen mit französischer Minderung 1878, Nr. 11374, Cottonstuhl zum Wirken von Füssen, verstärkten Sohlen 1880, Nr. 56612, Flacher Wirkstuhl für geminderte Rechts- und Rechtsware 1890.

Für den Wert dieser Erfindungen spricht die Thatsache, dass die ersteren drei Patente während der vollen gesetzlichen Dauer von 15 Jahren aufrecht erhalten wurden.




Strumpf- und Handschuh-Geschäft Albert Vieweg.

Unter den Chemnitzer Strumpf- und Handschuhfabrikations- und Exportgeschäften hat sich das der Firma Albert Vieweg in der Zeit des 18jährigen Bestehens zu einem der bedeutendsten emporgeschwungen.

Ihre Erzeugnisse an mittleren und besseren Sorten von Strümpfen und Handschuhen führt diese Firma in der Hauptsache in die Vereinigten Staaten von Nordamerika, nach Canada, England, Australien und Südamerika aus und erfreut sich in diesen Absatzgebieten eines vorzüglichen Rufes, so dass selten einer der nach Chemnitz kommenden überseeischen Käufer es versäumt, bei seinen Einkäufen diesem Geschäfte seinen Besuch abzustatten.

Im Jahre 1882, in dem ehemaligen Arndt’schen Grundstücke am Kellerwege nahe der Nicolaibrücke, von dem Kaufmann Albert Vieweg begründet, nahm das Geschäft ursprünglich nur einen beschränkten Raum des Grundstückes ein, auf dem sich ausserdem noch das Arndt’sche Farbenwarengeschäft, die John’sche Färberei und das photographische Atelier von A. von Rouvroy befanden, dehnte jedoch seinen Umfang in rascher Folge mächtig aus, sodass das Farbenwarengeschäft, die Färberei und das photographische Atelier den Erweiterungen des Vieweg’schen Geschäftes bald weichen mussten, namentlich als im Jahre 1889 auf dem Grundstücke die eigene Fabrikation von Strümpfen und Handschuhen in grösserem Massstabe eingerichtet wurde und durch umfangreiche Um- und Neubauten Räumlichkeiten zur Unterbringung der mit allen technischen Neuerungen ausgestatteten Maschinen und Werkzeugen geschaffen werden mussten. Die von Jahr zu Jahr folgenden Erweiterungen gelangten 1895 durch Errichtung eines neuen Kontorgebäudes mit der Front nach der Nicolaibrücke zum vorläufigem Abschlusse.

Durch das Anfang Oktober 1896 erfolgte Hinscheiden seines Begründers, Herrn Albert Vieweg, hatte das Geschäft einen grossen Verlust zu beklagen; ein rascher Tod entriss ihn im rüstigsten Mannesalter seiner Familie und seinem Wirkungskreise und setzte seinem Schaffensdrange ein Ziel.

[205]

Strumpf- und Handschuhfabrik von Albert Vieweg.

Sein seit Begründung des Geschäftes in demselben mit thätiger und bereits 1893 als Mitinhaber eingetretener Bruder, Herr Bruno Vieweg, führt seither dasselbe für sich und die Erben des Herrn Albert Vieweg in unveränderter Weise fort.

Das Bestreben, mit Maschinen und Einrichtungen stets auf der Höhe der Zeit zu bleiben, sichert dem Geschäfte seine jetzige Bedeutung auch für die Zukunft.




Tricotagenfabrik William Janssen.

Die Firma William Janssen zählt zu den angesehensten und leistungsfähigsten Fabriken der Tricotagenbranche. Ihr Ruf ist zufolge ihres umfangreichen Exportgeschäftes weit über die Grenzen von Deutschland hinausgedrungen, und ihre Beziehungen erstrecken sich fast auf alle der Kultur erschlossenen Länder.

Gegründet wurde die Firma im Jahre 1883 und zwar in Berlin. Ungünstige Fabrikationsbedingungen am letzteren Platze veranlassten Herrn William Janssen indess bereits im Jahre 1884 die Fabrik nach Chemnitz zu verlegen, woselbst die Fabrikation in einer von der Firma C. G. Haubold jr. gemieteten, sehr alten und räumlich beschränkten Gebäude Hartmannstrasse 49, welches vor einigen Jahren einen Neubau letzterer Firma gewichen ist, mit ca. 40 Arbeitern fortgesetzt wurde.

Zufolge des Unternehmungsgeistes des Herrn Janssen, welcher zur Erschliessung neuer Absatzgebiete wiederholt grössere Reisen nach dem Auslande, so auch nach den Vereinigten Staaten, Canada und Japan, unternahm, machte sich in kurzer Zeit ein bedeutender Aufschwung im Geschäftsbetriebe bemerklich. Das Arbeitspersonal musste bereits in den nächsten Jahren auf ca. 200 Köpfe erhöht werden, die maschinelle Einrichtung wuchs dementsprechend, und die zur Verfügung stehenden Räume [206] erwiesen sich als unzureichend, sodass zunächst noch ein Lagerhaus an der Limbacherstrasse hinzugenommen und später eine Fabrikationsfiliale in der Friedrichstrasse eingerichtet wurde. Da auch diese Erweiterungen dem schnellen Wachstum der Firma sehr bald nicht mehr genügten, so schritt dieselbe im Jahre 1894 zur Errichtung eines umfangreichen Neubaues auf dem käuflich erworbenem Grundstücke Schlossstrasse 14 und verlegte dahin im Jahre 1895 ihren gesamten Betrieb. Dieses neue Fabrikgebäude wurde mit allen der Neuzeit entsprechenden Einrichtungen versehen und kann mit seinen hellen, luftigen Räumen in jeder Hinsicht als musterhaft bezeichnet werden. Zum Betriebe dienen 2 Dampfmaschinen mit 150 Pferdekräften. Gegenwärtig beschäftigt die Firma gegen 700 Arbeiter, des maschinellen Apparates und zweier Dynamomaschinen zur Erzeugung des elektrischen Lichtes und ihre Fabrikate, welche in allen Arten Unterjacken, Hosen und Hemden aus Tricot-Rundstuhlware, sowie einem zur Herstellung von Kindermäntelchen und -Mützchen, Damen-Morgenröcken und dergleichen verwendeten, sehr beliebten und wegen seiner Leichtigkeit „Eiderdaun“ genannten Stoffe bestehen, erfreuen sich allseitiger Anerkennung. Einen besonderen Ruf geniesst die Firma für die von ihr erzeugten Sportshemden und Sweaters, in welchen beiden Artikeln dieselbe stets sehr reiche und geschmackvoll zusammengestellte Kollektionen bietet. Auch die seit einigen Jahren für den Armee-Gebrauch eingeführten Tricot-Hemden fertigt die Firma in grossem Umfange und liefert dieselben in bedeutenden Mengen an die einzelnen Bekleidungsämter. Das der Firma gehörige benachbarte Grundstück, Schlossstrasse 12, ist für etwa sich nötig machende Erweiterungsbauten reserviert.




An Tricotagenfabriken erwähnen wir noch folgende Firmen:

Aram, J., Inhaber E. E. Haubold und J. b, Tricotagen;
Arnold, A., Wirkwarenhandlung;
Bach & Co., Heinrich, Inhaber Heinr. Bach, Tricotagen;
Berger, Tricotagenhandlung;
Bertram, Fried. Otto, Tricottaillen;
Chemnitzer Tricot- und Strumpfwarenfabrik, R. Müller;
Deutsch & Co., Sigismund, Inhaber M. Deutsch, Tricotagen;
Engelmann, Hermann, mechanische Tricotfabrik für Taillen, Anzüge, Handschuhe, Unterzeuge, Steppdecken etc.;
Fischer, Albin, Tricotagen;
Frank, Felix, Inhaber F. und J. Frank, sowie W. Sachs, Tricotagen;
Franz, Albert, Tricotagen-Export;
Franz, Rich. & C., Inhaber E. R. Franz und J. E Wähner, Korsetschoner und Filetjacken;
Göritz, Siegmund;
Jordan, Heinrich, Inhaber C. F. H., H. W. und C. F. Jordan in Berlin, Tricotagen;
Klopfer, Ernst, Tricotagen;
Köthe Nachfolger, Emil, Inhaber C. R. Vogel;
Küchler, Carl, Kindertricots;
Kupferberg, Bernhard, Tricotstoffe, Tricottaillen, Tricot- und Stoffanzüge, sowie Handschuhe;
Löwensberg, S., Inhaber Siegm. Löwensberg und Ferd. Herxheimer in Mainz, Tricotagen;
Marschel & Co., Aug., Inhaber M. und J. Bernstein, Tricotagen;
Möller & Horn, Tricotagen;
Rupf, Tricotagen;
Spiegel, Paul, Tricots für Theater, Künstler, Radfahrer, Turner und Ruderer;
Stein, Ernst, Fabrikation von Tricottaillen, Tricotagen, Strumpfwaren, Schürzen, Damen-, Herren- und Kinderkleider, Specialität: Sportartikel für Radfahrer, Reiter, Turner etc.;
Tischbein & Schulze, Tricotagen;
Uhlig & Herrmann, Tricotagen;
Wagner & Co., Alfred, Inhaber A. A. Wagner und O. J. Kaulfers, Tricotagen und Wirkwaren;
Weiker & Hempfing, Inhaber O. C. Weiker A. C. Ch. Hempfing, Tricotagen und Wäsche nach Mass.



[207]
Lohse & Bergmann, Chemnitz, Handschuh-Specialitäten-Geschäft.

Unsere Firma wurde am 1. Juli 1886 unter bescheidenen Verhältnissen gegründet und hat sich durch das Prinzip, „vom Besten nur das Beste zu fabrizieren“, im Welthandel eine erste Stellung verschafft.


Handschuhfabrik von Lohse & Bergmann.

Indem wir den im Handel unter dem Namen „Famosa“ bekannten, auf Rundstuhl gearbeiteten Ringwood-Handschuh einführten, gaben wir der Handschuhbranche, nicht nur einen neuen Artikel, sondern auch einen sichtlichen Fortschritt, als sich unsere „Famosa-Handschuhe“ gegenüber den alten Ringwoods durch eine weit grössere Eleganz und schönere Passform auszeichnen. „Famosa“ ist einer der beliebtesten Winterhandschuhe geworden.

Getreu unserm Prinzip werden wir auch fernerhin das alte Renommée der Firma wahren und somit unseren Teil zum Gedeihen und Ansehen der grossen Industriestadt Chemnitz beitragen.




Strumpf- und Handschuh-Export-Geschäft Kummer & Oppelt.

Die Firma Kummer & Oppelt, Strumpf- und Handschuh-Export-Geschäft, wurde im Jahre 1886 von den Herren Eugen Kummer und Louis Oppelt errichtet und hat sich in dieser verhältnismässig kurzen Zeit zu einer der bedeutendsten ihrer Branchen entwickelt.



Sie geniesst das vollste Vertrauen der Käufer und steht in grossem Ansehen. Ihre Verbindungen erstrecken sich über die ganze Welt und ihre Fabrikate finden überall gerechten Beifall. In ihrer Entwickelung schreitet sie stetig vorwärts, ihre Beziehungen fördernd und stärkend, so dass man ihr eine gesicherte Zukunft voraus sagen kann.

[208] Ausser den ausführlicher beschriebenen Strumpf- und Handschuhfabriken sind noch nachstehende Firmen als besonders erwähnenswert anzuführen:

Ansbach & Co., J., Inhaber N. Neumann in Frankfurt, alle Sorten Strumpfwaren und Handschuhe;
Berger, Max, Inhaber Meyer und Israel Berger;
Bergmann, Max;
Billig, Emil A., Inhaber E. A. Billig und A. O. Rittmeyer;
Böhme, O. Paul, Fabrik und Export aller Arten Strümpfe und Socken;
Börner, Eduard, Inhaber Alfred Güntzel, Handschuh-Export;
The Chemnitz Manufacturing Company, P. Emil Zickmantel, Handschuhfabrik;
Doehner, A., Inhaber Arw. Doehner in Dresden und W. A. und C. Vict. Doehner hier;
Dreyhaupt, Hache & Co., Inhaber E. H. Hache und C. G. Th. Roth;
Droop, Paul. E., Handschuh- und Strumpffabrik und -Versandt, Kommissions-Export;
Ende & Co., Herm., Inhaber H. Ende und B. Ramsthaler;
Engelmann, E. E., Strumpfwaren aller Art;
Findeisen & Gerste, Strumpfwaren-Export;
Friedrichs, Ernst, Strumpf-Export;
Gnauck, Eduard, Inhaber C. Arth. Gnauck, Handschuhfabrik;
Göritz, Sigmund;
Goeritz & Born, Inhaber G. Göritz hier und G. Born in Wien, Handschuhfabrik;
Gulden, Heinrich, Inhaber H. W. und P. H. Gulden, Handschuhfabrik;
Heidenheim, Oppenheim & Co., Inhaber M. Oppenheim und A. Goldschmidt;
Heller & Askonas, Inhaber Rich. Heller in Teplitz und Emil Askonas in Wien, Strümpfe und Handschuhe;
Hense & Weber, Inhaber H. Weber, Fabrik aller Sorten Stoff- und gewirkter Handschuhe;
Herfurth, Gebrüder, Inhaber M. P. Herfurth, C. E. Schuhknecht, sowie 2 Kommanditen;
Hecker & Söhne, Gottlieb, Inhaber C. Th. Riedig;
Hinkel, Otto, Inhaber Stadtrat Hinkel und Otto Max Hinkel;
Hoffmann & Müller, Inhaber C. E. A. Müller, Handschuh-Export;
Kellner & Dehling, Inhaber Meyer Berger in Zempelburg und Israel Berger, hier;
Kircheisen, Friedr., Inhaber Frz. Gust. Kircheisen;
Kühnert & Rosenthal;
Kühnert, Wachler & Neldner, Inhaber C. E. Kühnert und J. Wachler;
Landgraf, F. A., Inhaber Frdr. Alfred Landgraf, Strumpf- und Handschuhwaren-Export;
Lenneberg & Meyer, Inhaber A. und J. Lenneberg, Strumpfwaren und Handschuhe;
Macht, F. A., Inhaber C. F. O. Hagenbruch;
The Nottingham Manufacturing Company limited, A.-G.;
Peretz, Siegfried, Strumpffabrik;
Rank & Co., Richard, Inhaber R. Rank und ein Kommandit, Fabrik und Export aller Arten Strümpfe und Socken;
Reichel, Bernhard, Handschuhe;
Reisinger, C., Inhaber Conr. und R. Reisinger, Handschuhe;
Roos, Bernh., Inhaber B. Roos, alle Sorten Strumpfwaren und Handschuhe;
Rudolph, E., Strumpfwaren-Export;
Schiel, Herm.;
Seyfert & Co., Paul, Inhaber J. P. Seyfert, Fabrik für Strümpfe und Socken für Export;
Sturm & Dittrich;
Teubner, Otto, Strümpfe und Handschuhe;
Weber, Louis, Inhaber C. F. Weber, Handschuhexport;
Weiner & Pohland, Handschuhe;
Winkler & Gärtner;
Winzer & Wecker, Inhaber R. Ch. Winzer;
Zwingenberger, A.



[209]
Färberei.


Färberei Gustav Wilhelm Theyson.

Wenn man einen Rückblick auf die Entwickelung der deutschen Fabrikation wirft und die Plätze, in denen gewissermassen als Schlagadern des deutschen Industriekörpers das kaufmännische Leben am stärksten pulsiert, einer besonderen Berücksichtigung unterzieht, so ist es für den Fachmann ja seit langem feststehend, für den ferner Stehenden aber sofort bemerkbar, welche Bedeutung der Platz Chemnitz in der deutschen Industrie einnimmt. Vor wenigen Jahrzehnten noch ein kleiner aber rühriger Geschäftsplatz, indem eine für damalige Verhältnisse schon erhebliche Zahl von Fabriken betrieben wurden, ist Chemnitz heute der Mittelpunkt nicht nur eines Fabrikationszweiges, nein, einer grossen Anzahl von Industrieen geworden, deren Bedürfnisse immer neue Hilfs-Industrieen geschaffen


Färberei Gustav Wilhelm Theyson.

haben und somit das weitverzweigte Netz, welches diese Fabrikanlagen in dieser Metropole deutscher Intelligenz und deutscher Regsamkeit bilden, immer enger und dichter ziehen. Nicht in letzter Linie ist es die heute hochentwickelte Färberei und Appretur, die dem Charakter der Industriestadt Chemnitz Ihren Stempel mit aufdrückt und unter den grösseren Etablissements dieser hochwichtigen Veredelungsindustrie ist dasjenige von Theyson wohl eines der bestgeleitetsten. Vom Vater klein begründet, hat es mit der Ausdehnung und Entwickelung der Stadt und ihrer Industrie gleichen Schritt gehalten und repräsentiert sich heute als eine achtunggebietende Schöpfung deutschen Fleisses und deutscher Tüchtigkeit.

Gustav Wilhelm Theyson wurde am 21. September 1844 in Chemnitz geboren. Sein Vater, der aus Eisenach stammte, später ins Königreich Sachsen übergesiedelt war und eine Meeraner Dame geheiratet hatte, hatte zwei Jahre zuvor in Chemnitz eine Garnfärberei begründet.

[210] Der junge Theyson, welcher der Mitarbeiter und Fortsetzer des väterlichen Werkes werden sollte, erhielt zuerst auf der Bürger-, dann auf der Realschule zu Chemnitz eine sorgfältige Ausbildung und trat alsdann in die Baumwollfärberei von J. H. Bornemann in Meerane ein, um das Färbereifach gründlich und praktisch zu erlernen. Als er hier seine Lehrzeit vollendet hatte, begab er sich nach Reichenbach i. V. und machte sich daselbst mit der Kaschmir- und Tibetbranche bekannt. Eine längere Reise nach dem Auslande führte ihn nach Frankreich, Belgien, Dänemark und liess den jungen Färber diese hochwichtige Industrie auch in ausserdeutschen Städten kennen lernen und bereicherte nicht unwesentlich seine Erfahrungen. Hiermit schloss seine Studienzeit ab, welche Theyson vollständig zum Fachmann der weitverzweigten Textil-Branche gemacht hatte.

Als Theyson jr. nach dieser Zeit der Lehr- und Wanderjahre nach Chemnitz zurückgekehrt war, begann eine Periode grossen Aufschwungs für die Fabrik; gab doch die Lage der Industrie von Chemnitz, des deutschen Manchesters, für die Beschäftigung einer Färberei und Appretur grossen Stiles sehr günstige Gelegenheit zu lohnenden Aufträgen. Und von diesem Gesichtspunkte aus verfuhren die beiden Theysons – Vater und Sohn – in der Leitung der Fabrik.

Es wurde zunächst eine Stückfärberei nebst Appreturanstalt für Möbelstoffe errichtet und der Erfolg bewies, dass das von vornherein ausserordentlich sicher und trefflich geleitete Unternehmen einem wirklichen Bedürfnisse entgegen kam. Die Aufträge wuchsen und das Geschäft erweiterte sich immer mehr und mehr. Bald darauf wurden auch halbwollene Stoffe behandelt und Mohairplüsche in den Bereich der Thätigkeit gezogen. Einen neuen Impuls erhielt die Firma Theyson dadurch, dass die stets rührige und unternehmungslustige Chemnitzer Fabrikation sich der von der Mode begünstigten Herstellung von Leinenplüschen zuwandte; bedeutende Aufträge gingen dem Geschäfte zu und die Zahl der Arbeiter musste erhöht, sowie die Fabrikräume stark vergrössert werden, zumal seitdem auch die Färberei halbseidener Stoffe in Betrieb genommen wurde und sich sehr glücklich einführte. Aus den 30 Arbeitern und Beamten, mit denen Theyson sen. vor mehr als einem halben Jahrhundert sein Unternehmen begründet hat, sind heute etwa 300 geworden und die Firma Theyson nimmt in dem hochentwickelten Industrieleben von Chemnitz eine hervorragende und hochangesehene Stelle ein.




Strumpfwarenfärberei Louis Hermsdorf.

Von den Färbereien ist an erster Stelle zu nennen die Strumpfwarenfärberei von Louis Hermsdorf, deren Anlagen in Bezug auf Specialisierung der Arbeit, indem nur eine Farbe gepflegt wird, und Grossartigkeit ihresgleichen in der Welt nicht wieder finden, welche aber auch den Ruf der Chemnitzer Färberei in Bezug auf Echtheit und Schönheit der Farbe in die ganze Welt getragen hat. Der Inhaber der Färberei Louis Hermsdorf in Chemnitz, Hugo Ludwig Hermsdorf, königlicher Kommerzienrat, fing den Färbereibetrieb im Jahre 1861 an mit einer kleinen Bunt- und Schwarzfärberei für Seide und Baumwolle. Dieser gesellte sich bald die Wollfärberei und Stückappretur zu, sodass Mitte der 80er Jahre in der alten Fabrik in der Rochlitzerstrasse schon gegen 300 Arbeiter beschäftigt wurden. In diese Zeit fällt auch der Beginn von Hermsdorfs wichtigster Unternehmung, die Herstellung eines echten, durch Oxydation erzielten Anilinschwarz, zu welcher eine der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik gehörige Fabrikanlage an der Emilienstrasse gepachtet und dort der Betrieb nur auf die Herstellung dieses Echtschwarz eingerichtet wurde. Dieser Farbe gab Hermsdorf den Namen „Diamantschwarz“, welcher heute allgemein bekannt ist, und es wurde besonders die Herstellung dieses Schwarz auf baumwollene Strümpfe und Garne betrieben. Das echte, haltbare und nicht abfärbende Hermsdorf’sche Schwarz auf Strümpfe war nicht zum mindesten die Ursache, dass Schwarz zur Modefarbe bei Strümpfen wurde und rückwirkend gab der wachsende Bedarf dem Hermsdorf’schen Unternehmen eine solche Ausbreitung, dass die Färberei anderer Farben und die Stückappretur gänzlich aufgegeben wurde. Die alte Fabrik in der Rochlitzerstrasse wurde zur Färberei von Schwarz auf Garn gänzlich umgestaltet und für die Färberei von schwarzen Strümpfen eine grossartige Anlage in Wittgensdorf bei Chemnitz errichtet, worauf die gepachtete Anlage aufgelassen wurde.

[211]

Färberei Louis Hermsdorf. (Chemnitz.)

Färberei Louis Hermsdorf. (Wittgensdorf.)

[212] Die Färbereien in Chemnitz und Wittgensdorf beschäftigen insgesamt 36 Beamte und 1200 Arbeiter. Von den Beamten sind 5 Chemiker und 1 Maschineningenieur. Gefärbt werden in Chemnitz ca. 3 Millionen Pfund Wirk-, Strick- und Webgarne, in Wittgensdorf ca. 10 Millionen Paar Strümpfe, Handschuhe und Strickwaren, so dass die Gesamtproduktion ca. 8 Millionen Pfund schwarzer Ware beträgt.

Zum Betriebe der beiden Färbereien sind insgesamt 8 Dampfkessel mit zusammen 1650 Quadratmeter Heizfläche und 5 Dampfmaschinen mit zusammen 420 PS. vorhanden. Von einer in Wittgensdorf vorhandenen 65pferdigen Wasserkraft werden 50 PS. elektrisch nach entfernter liegenden Gebäuden übertragen.

Die Abholung der Rohwaren und die Rückbeförderung der gefärbten Waren wird mit 20 Paar Pferden vermittelt.




Hermann Friedrich, Färberei, Druckerei und Appretur.

Nachdem Hermann Friedrich in einer kleinen Baumwollfärberei von Chemnitz seine Lehrzeit durchgemacht, ging er in die weite Welt, um sich in der Färberei weiter auszubilden und auch um Länder, Leute und deren Gebräuche kennen zu lernen.

Nach siebenjähriger Abwesenheit kehrte er wieder heim in seine Vaterstadt, und da er auswärts Gelegenheit gefunden hatte, die Färberei mit Anilinfarben auf Baumwolle kennen zu lernen, begründete er, unter der Voraussetzung, dass diese Färberei auch in Chemnitz sich Bahn brechen werde, 1861 das Geschäft.


Färberei Hermann Friedrich.

[213] Anfänglich mit ein auch zwei Leuten arbeitend, entwickelte sich das Geschäft immer weiter, sodass nach und nach die innehabenden Räumlichkeiten zu klein wurden und die Notwendigkeit eintrat, eine grössere und modernere Färberei zu errichten, was Ende der sechziger Jahre geschah.

Längere Zeit der Einzige am Platze, welcher in der Anilinfärberei zu Hause war, verschaffte sich die Firma Hermann Friedrich bald Eingang bei allen Strumpf- und Webfabrikanten, und als dann Anfang der siebziger Jahre auch noch das Färben fertiger Strümpfe verlangt wurde und Begründer des Geschäfts sich auch diese Branche sehr angelegen sein liess, sodass er auch darin längere Zeit wieder der Erste und Einzige war, entwickelte sich das Geschäft zu einer solchen Grösse, dass 200 Leute notwendig wurden, um die eingehende Arbeit fertigzustellen.

Im Jahre 1889 wurde der Buntfärberei auch noch die Diamantschwarzfärberei zugesellt. Auch diese wusste sich einen Namen zu machen und erreichte eine Produktionshöhe von bis 4000 Pfund pro Tag. In neuerer Zeit ist der älteste Sohn des Begründers in das Geschäft eingetreten, welcher nach vollendetem Studium der Chemie und Mechanik 1896 den obengenannten Branchen noch die der Glanz-Mercerisation hinzufügte. Gearbeitet wird in dieser Abteilung nach eigens zum Patent angemeldeten Verfahren. Der Betrieb dieser Branche geschieht vermittelst Maschinen der neuesten Konstruktion und erfreut sich diese Abteilung ganz besonders grosser Aufträge, sodass selbst bei Nachtbetrieb die Lieferungen noch zu klein sind im Verhältnis zur Nachfrage. Das ganze Geschäft steht jetzt sozusagen in schönster Blüte und ist zu wünschen, dass auch fernerhin die Aufträge so fliessend wie gegenwärtig eingehen.




Gebr. Lohse, Chemnitz.
Baumwollen- und Rauchwaren-Färberei.

Das Etablissement, in welchem der Vorbesitzer, Herr Bruno Hösel, die Baumwollfärberei betrieb, wurde von den jetzigen Inhabern, Rud. und Rich. Lohse, anfang 1884 unter der Firma Gebr. Lohse übernommen und weiter ausgedehnt. Im Jahre 1886 trat durch Errichtung einer Rauchwarenfärberei



eine wesentliche Vergrösserung ein. Durch die Einführung verschiedener Specialitäten in beiden Branchen gelang es, dem Etablissement seinen heutigen Umfang zu geben. Dasselbe beschäftigt durchschnittlich ca. 200 Personen und ist nach jeder Richtung hin mit den neuesten Maschinen etc. ausgestattet.



[214]
Färberei Dr. Bethmann & Co., Chemnitz.
Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Die Firma wurde im Jahre 1897 von Grossindustriellen und Kaufleuten von Chemnitz und Umgebung gegründet und eröffnete gegen Ende 1897 den Betrieb.

Als Specialität färbt sie „Diamantschwarz“ auf baumwollene Strumpfwaren, Tricotagen, Spitzen etc., baumwollene Strumpf-, Web- und Strickgarne, Leinen, Ramie und Jute.


Färberei Dr. Bethmann & Co.

Der Aufsichtsrat besteht aus den Herren Alfred Flade, in Firma Wilhelm Flade, Chemnitz, William Stärker, in Firma Hermann Stärker, Chemnitz, und Bruno Gottschaldt, Direktor der sächsischen Webstuhlfabrik zu Chemnitz. Vorstand der Gesellschaft ist Herr Georg Webers. Das Gesellschaftskapital beträgt 650 000 Mark. Arbeiterzahl: 110.

Ausser den hier ausführlicher angeführten Färbereien erwähnen wir nur noch die wichtigsten Firmen, so die Chemnitzer Actien-Färberei und Appretur-Anstalt vormals Heinr. Körner, Ellinger & Jacobs, Ernst Gehrenbeck und Heinr. Gottschalk.



[215]
Buch- und Steindruckerei.


Buchdruckerei J. C. F. Pickenhahn & Sohn, Chemnitz.
Verlag vom Chemnitzer Tageblatt und Anzeiger.

Der eigentliche Aufschwung, den das Buch- und Buchdruckergewerbe in Deutschland nahm, datiert erst aus den 40er Jahren dieses Jahrhunderts. Waren doch die seit Gutenbergs Erfindung ziemlich ausgetretenen Bahnen bis dahin fast ohne jede Ergänzung geblieben und die Spuren der vielfachen Kriege, des 30jährigen, des siebenjährigen und derjenigen gegen Frankreich, mit ihrem Gefolge von Verarmung des deutschen Volkes hatten den einst so hohen – allerdings mehr künstlerischen – Standpunkt des deutschen Buchdruckergewerbes, wie so vieles andere im deutschen Vaterlande, auf ein recht bescheidenes Niveau gedrückt. Selbst die Zeiten des geistigen Wiederauflebens, ausgangs des vorigen und anfangs dieses Jahrhunderts, treffen ein Druckereigeschlecht, das den an dasselbe herantretenden Aufgaben wenig gewachsen war. Erst die Umwälzungen, die vom Leipziger Breitkopf, dem Reformator unserer heutigen Druckschrift, beginnend durch die Erfindungen der Eisenpresse und der Stereotypie durch Stanhope erweitert, in Friedrich Königs Schnellpresse ihren Gipfelpunkt erreichten, lenkten das im Zunftwesen erstarrte Buchdruckerhandwerk in die industriellen Bahnen, in denen es sich nun speciell in Deutschland seit ca. 50–60 Jahren in immer stärker ansteigendem Maase bewegt und nicht zum geringsten Teile an der Hebung des gesamten Kulturzustandes und des deutschen Geisteslebens mitwirken konnte.

Hat für Preussen Berlin den Ruhm, die erste Schnellpresse in Deutschland aufgestellt zu haben, so waren im benachbarten Sachsen Betriebe entstanden, die, von einsichtsvollen, rührigen Fachleuten geleitet, sich aus den kleinlichen Verhältnissen, die das erste Drittel unseres Jahrhunderts in Deutschland kennzeichnen, herausarbeiteten und mit dem Wachstum ihrer Domizile ihre eigene Ausdehnung verbanden.

Einer der hervorragenderen Druckereibetriebe Sachsens ist derjenige der Firma J. C. F. Pickenhahn & Sohn, Buchdruckerei und Verlag vom „Chemnitzer Tageblatt und Anzeiger“, Chemnitz.

Heute in den Händen der 3. Generation, kann die Firma auf ein 60jähriges Bestehen zurückblicken und der von ihr durchmessene Weg, dessen Anfang 2 hölzerne Handpressen, – dessen heutigen Stand 38 mit Dampf, Gas und Elektrizität getriebene Maschinen kennzeichnen, giebt in seinen grossen Zügen die gesamte, so umwälzend gewordene Veränderung in der Betriebsweise der Buchdruckerkunst wieder.

Der Gründer der Firma, Johann Christian Fürchtegott Pickenhahn, geboren in Leipzig am 13. April 1788, erlernte die Buchdruckerkunst von Ostern 1802 bis dahin 1807 in Leipzig in der Buchdruckerei von Johann Georg Langhoff, welche am 4. August 1799 von Berlin nach Leipzig verlegt worden war. Nach Beendigung der Lehrzeit war er in verschiedenen Buchdruckereien des In- und Auslandes thätig, zuletzt in der B. G. Teubner’schen Buchdruckerei in Leipzig.

Die Gründung erfolgte am 29. Januar 1838 in einem dazu käuflich erworbenen Hause am Nikolaigraben in Chemnitz unter der Firma J. C. F. Pickenhahn, zunächst mit zwei hölzernen Handpressen, von denen die eine, als kostbares Erinnerungsstück sorgfältigst aufbewahrt, auch heute noch ihren Platz in der später eingerichteten Abteilung für Buntdruckerei hat.

Das Unternehmen kam schnell in Schwung und sehr bald erwiesen sich die Räumlichkeiten als unzureichend, sodass bereits im Oktober 1839 die Übersiedlung nach den ermieteten Räumen der vormaligen Diakonatswohnung von St. Jakobi, des jetzigen städtischen Leihhauses, erfolgte. Inzwischen war der damals auf Reisen befindliche älteste Sohn, Friedrich Leopold Pickenhahn, zurückberufen worden, der dann am 1. April 1844 als Teilhaber in die Firma eintrat, die nunmehr J. C. F. Pickenhahn & Sohn lautete.

Anfang September 1845 erfolgte behufs weiterer Vergrösserung die Verlegung des Geschäftes in das käuflich dazu erworbene Haus in der damaligen Lohgasse, jetzigen Lohstrasse. Nachdem der [216] alte Vater Pickenhahn aus Rücksicht auf sein schon höheres Lebensalter das Geschäft an Friedrich Leopold Pickenhahn käuflich abgetreten hatte und am 13. September 1850 verstorben war, trat sein dritter Sohn, Carl Anton Pickenhahn, am 1. Juli 1851 als Teilhaber ein. Derselbe hatte seine Lehrzeit im väterlichen Geschäft bestanden und sich auf Reisen weiter ausgebildet und betrieb mit seinem Bruder das Geschäft mit bestem Erfolg weiter, bis dasselbe im Jahre 1868 in seinen alleinigen Besitz überging.

Hatte sich bis dahin schon infolge der Ausdehnung des Geschäftes die Anschaffung einer Anzahl eiserner Handpressen und mehrerer nach neuestem System erbauter Schnellpressen nötig gemacht, so trat dieses Bedürfniss noch vielmehr hervor, als im Jahre 1866 die Verlegung des Geschäftes


Buchdruckerei J. C. F. Pickenhahn & Sohn.

nach dem hierzu erworbenen Grundstück an der Theaterstrasse erfolgte, wo nunmehr ein den ausgedehntesten Verhältnissen durchaus entsprechender Neubau aufgeführt wurde, der im Jahre 1881 nach Ankauf eines Nachbargrundstückes wiederum eine Erweiterung erfuhr und gegenwärtig die auf der beigedruckten Abbildung ersichtlichen Gebäude umfasst. Hier begann die eigentliche Entwicklung zum Grossbetrieb. In den gewonnenen grossen Räumen fanden in rascher Folge Schnellpressen der neuesten Konstruktion, Zweifarbmaschinen und amerikanische Tiegeldruckpressen in den Parterresälen Aufstellung, während in den ersten Stockwerken der beiden Seitenflügel schöne grosse Säle geschaffen waren, von denen der eine für die Accidenzsetzerei und der andere für die Zeitungssetzerei eingerichtet wurde. Die zweiten Stockwerke der beiden Seitengebäude boten schöne [217] helle Lagerräume, während im Untergeschoss Abteilungen für Papierniederlage und Buchbinderei Platz fanden.

Die von der Firma seit dem 1. Juli 1848 herausgegebene Zeitung erschien ursprünglich unter dem Titel „Chemnitzer Bote“, später, wie auch heute noch, als

„Chemnitzer Tageblatt und Anzeiger.“
Amtsblatt für die königlichen und städtischen Behörden in Chemnitz.

Auch diese Zeitung hat sich bedeutend entwickelt, das Format ist wiederholt vergrössert worden, so zuletzt im Jahre 1881, als speciell für den Zeitungsdruck die erste Rotationsmaschine bei der Firma Aufstellung fand; dieser ersten folgte im Jahre 1882 die zweite und im Jahre 1887 eine dritte. So war es denn dem damaligen Inhaber Carl Anton Pickenhahn, infolge seiner unermüdlichen Thätigkeit vergönnt, zu sehen, wie gerade unter seiner thatkräftigen Leitung das Geschäft die grösste Entwicklung erfuhr.

Bedauerlicherweise musste er sich aus Gesundheitsrücksichten schliesslich vom Geschäft zurückziehen, nachdem dessen technische Leitung 42 Jahre hindurch ausschliesslich in seinen Händen gelegen hatte. Jederzeit seinen bewährten Grundsätzen getreu, hat er es verstanden, das Geschäft und namentlich das Chemnitzer Tageblatt zu hohem Ansehen zu bringen. Sein unausgesetztes Bemühen, wie überhaupt seine loyale Haltung und seine sonstigen Verdienste sind denn auch von höchster Stelle aus wiederholt anerkannt worden. Im Jahre 1879 wurde ihm von Seiner Majestät dem König von Sachsen der Titel als Kommerzienrat und im Jahre 1888 anlässlich des 50jährigen Geschäftsjubiläums das Ritterkreuz zum Albrechtsorden I. Klasse verliehen. Unterm 1. Juli 1893 überliess Carl Anton Pickenhahn das Geschäft seinen beiden Schwiegersöhnen Gustav und Richard Winkler, die es nach den Grundsätzen ihres Vorgängers seitdem gemeinschaftlich weiterführen.

Es kamen seit dieser Zeit weiter zur Aufstellung für die Zeitungsdruckerei eine 32seitige Zwillings-Rotationsmaschine aus der Maschinenfabrik von König & Bauer in Oberzell bei Würzburg und für die Zeitungssetzerei zwei „Linotype“-Setzmaschinen aus der Mergenthaler Setzmaschinenfabrik in Berlin, sowie eine Anzahl kleinerer Hilfsmaschinen.

Das im eigenen Verlag der Firma herausgegebene „Chemnitzer Tageblatt“, welches bis Ende 1899 in einer Nummer täglich erschien, gelangt seit 1. Januar 1900 täglich zweimal zur Ausgabe.

In der Accidenz-Druckerei werden alle Arten von Drucksachen und Formularen hergestellt, und ist die Firma seit vielen Jahren Lieferantin für kaiserliche, königliche und städtische Behörden, wie auch für das umfangreiche Sortiment der von dem Pädagogischen Verein in Chemnitz herausgegebenen Schulbücher.

Das bei der Firma beschäftigte Personal besteht jetzt aus 25 Beamten, 80 Schriftsetzern, 16 Maschinenmeistern und 115 Arbeitern und Arbeiterinnen.

An Maschinen sind jetzt in Betrieb: 4 Tiegeldruckpressen, 20 Schnellpressen, 2 Zweifarbmaschinen, 2 einfache Rotationsmaschinen, 1 Zwillings-Rotationsmaschine, 3 Perforiermaschinen, 4 Schneidmaschinen, 1 Gummiermaschine und 2 „Linotype“-Setzmaschinen.




Hugo Wilisch.
Buch- und Steindruckerei. – Lithographische Anstalt.

Die Firma wurde begründet am 1. Oktober 1848 von Gottfried Hugo Wilisch, aus Schneeberg gebürtig, durch Ankauf einer bis dahin von J. G. Häcker betriebenen kleinen Steindruckerei. Unter der thatkräftigen Leitung des neuen Inhabers erwiesen sich die Geschäftsräume – im Dachgeschoss des heute noch stehenden Eckhauses der Annaberger- und Moritzstrasse – sehr bald als unzulänglich und die Firma siedelte über nach dem Grundstück Langestrasse 36, das 1864 in ihren Besitz überging und ihr nach mehrfachen Um- und Erweiterungsbauten noch jetzt als Arbeitsstätte dient.

Im Jahre 1860 wurde der bis dahin ausschliesslich betriebenen Steindruckerei eine Buchdruckerei angegliedert und von 1865 an eine täglich erscheinende Zeitung nationalliberaler Tendenz, die „Chemnitzer Nachrichten“ herausgegeben, die aber im Jahre 1878 fallen gelassen ward.

Nach einer im väterlichen Hause und auswärts genossenen technischen Ausbildung trat der Sohn des Begründers, Max Wilisch, 1880 in das Geschäft ein und übernahm es 1884 zur alleinigen Fortführung.

[218] Die Firma beschäftigt sich in der Hauptsache mit Herstellung des Drucksachenbedarfs für die Chemnitzer Industrie: so vielseitig diese ist, so vielseitig sind auch die aus den beiden heute noch gepflegten Hauptzweigen, Stein- und Buchdruckerei, hervorgehenden Drucksachen. Sie umfassen sämtliche Kontorbedürfnisse im Handelsverkehr, wie auch specielle Verpackungsartikel z. B. der Strumpfindustrie, und erstrecken sich ebensogut auf kleine Etiketten wie auf vielfarbige Plakate, auf die einfache Visitenkarte wie auf umfangreiche Kataloge mit Illustrationen jeder Technik. Besonders auf diesem Gebiete zählt die Firma die meisten und hervorragendsten hiesigen Maschinenfabriken und ebenso auswärtige Verleger für feinen Werkdruck zu ihren ständigen Kunden.

Aus den letzten Jahren seien von ihren Erzeugnissen hier aufgeführt: die reich illustrierte „Festschrift des Vereins deutscher Ingenieure Chemnitz 1898“, – die „Bismarck-Regesten“ und



„Bismarck-Jahrbücher“ unseres Mitbürgers Prof. Dr. Horst Kohl – „Die beiden Masken“, ein grosses 3 bändiges Werk Ihrer Majestät der Königin von Rumänien (Carmen Sylva), aus dem Französischen des Paul de Saint-Victor übersetzt. Neben diesen Werken haben zahlreiche kleinere und grössere Bücher, auch viele englische, französische und spanische für den Schulgebrauch, die Pressen der Firma beschäftigt.




Richard Oschatz, Chemnitz.
Lithographische Kunstanstalt. – Buch- und Steindruckerei. – Lichtdruckerei.

Das Geschäft wurde von Ernst Robert Böhme im Jahre 1850 begründet; von ihm kaufte es Carl Richard Oschatz am 1. Dezember 1871; seit dessen am 20. April 1891 erfolgtem Tode führt es die Witwe, Emilie Auguste Oschatz, weiter und die Geschäftsleitung liegt in den Händen

[219]

[220] der Prokuristen Friedrich Gustav Oschatz und Friedrich Hermann Friedemann. – Bis zum Jahre 1872 gingen im Geschäft nur Steindruckhandpressen; in diesem Jahre wurde die erste Schnellpresse für Steindruck aufgestellt. Im Jahre 1876 wurde die Buchdruckerei eingerichtet und im Jahre 1895 noch Lichtdruck und Photolithographie aufgenommen. In den ersten 17 Jahren befand sich das Geschäft in den beschränkten Räumen des Hauses Lohgasse 27; im August 1867 wurde es in die Seiten- und Hintergebäude des Nebenhauses Lohgasse 29 verlegt, welche in den späteren Jahren durch Aufsetzen eines Stockwerkes, sowie durch mehrmaligen Anbau erheblich vergrössert wurden. Seit 1889 dient auch das früher als Wohnhaus benutzte Vorderhaus des Grundstückes Lohgasse 29 ausschliesslich Geschäftszwecken.

Die Firma liefert Drucksachen aller Art und zwar sowohl für den Kontorbedarf Rechnungen, Briefbogen u. s. w., als auch Reklameartikel, Prospekte, Zirkulare, Musterblätter, Preislisten, Preisbücher, von den einfachsten bis zu den feinsten mit Lichtdruck- oder buntfarbigen Illustrationen, ebenso Plakate und Ansichtspostkarten, sowie specielle Aufmachungen, zum Beispiel für die Chemnitzer Strumpf- und Handschuh-Industrie. Naturgemäss bildet die Stadt Chemnitz mit nächster Umgebung das Hauptabsatzgebiet der Firma, doch hat dieselbe auch eine grosse Anzahl treuer Kunden in vielen Städten des übrigen Deutschlands, in Österreich-Ungarn, Italien, Frankreich, England und den Vereinigten Staaten von Amerika.




Körner & Lauterbach, Chemnitz.
Lithographische Kunstanstalt. – Buch- und Steindruckerei. – Photographie und Autotypie.

Die Lithographische Anstalt, Buch- und Steindruckerei der Firma Körner & Lauterbach wurde am 1. März 1884 in bescheidenen Grenzen von dem ehemaligen Prokuristen der Firma Richard Oschatz, Herrn Johann August Fauland, auf der Poststrasse No. 18 gegründet. Da sich aber schon nach einem Jahre die gemieteten Räume als zu klein erwiesen, so wurde das Geschäft nach dem Neubau Klosterstrasse 13 verlegt. – Jetzt Restaurant „zum Prälaten.“ –

Am 30. November 1887 kam die Anstalt durch Kauf in den Besitz der Herren Körner & Lauterbach und nahm nun einen kräftigen Aufschwung, denn rastlos wurde vorwärtsgestrebt, und das Hauptprinzip des Geschäftes, nur gute Arbeiten zu liefern, und den jeweiligen Geschmacksrichtungen gerecht zu werden, bewährte sich fortan in der trefflichsten Weise.

Ausser den Aufmachungen für die hiesige Strumpf- und Handschuhbranche pflegte die Anstalt auch den feinen Kunstdruck und war dabei stets bemüht, in Plakaten, besseren Rechnungsköpfen und sonstigen merkantilen Arbeiten nur möglichst Geschmackvolles zu bieten.

Durch Unterstützung einer treuen Kundschaft war es möglich, von 1894 bis 1895 einen neuen grossen Fabrikbau Lohgasse No. 17 aufzuführen und so den schon längst gehegten Wunsch einer Vergrösserung der Geschäftsanlage zu verwirklichen.

Der Umzug nach dem neuen Fabrikgebäude war mit dem 12. Juli 1895 beendet, und die vorzüglich hellen Räume, eine eigene grosse Dampfanlage, elektrische Beleuchtung sowie mehrere neue Maschinen brachten die Anstalt zu einer Leistungsfähigkeit ersten Ranges. Nebenstehendes Bild zeigt die neue Anlage.

Um nun aber die Buchdruckabteilung auf die Höhe der Zeit zu bringen, wurde zu deren Unterstützung Mitte Juli 1898 eine eigene Photographische Einrichtung für Aufnahmen von Etablissements, Maschinen und Zeichnungen aller Art zur Herstellung von Autotypien und speciell zur Illustrierung von Katalogen eingerichtet.

Auch bei dieser Abteilung lag uns das Bestreben am Herzen, nur wirklich Künstlerisches zu leisten und so wurden keine Opfer gescheut, die vorzüglichsten technischen Mittel zu beschaffen und mit diesen ein tüchtiges Personal heranzubilden. Das vorliegende Werk, „Chemnitz am Ende des 19. Jahrhunderts“, ist vollständig in unserer Anstalt ausgeführt worden und soll zeigen, dass auch wir auf unsrem Gebiete bestrebt waren und imstande sind, nur das Beste zu wollen und zu leisten.

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[222] Zur Zeit beschäftigt die Firma gegen 100 Leute, hat 5 Steindruckschnellpressen, 6 Handpressen, 1 Bronziermaschine, 1 Gauffrierwalzwerk, 1 Gummier- und Lackiermaschine. Die Buchdruckerei arbeitet mit 3 grossen Schnellpressen und 5 Tiegeldruckmaschinen, die Photographische Abteilung mit 4 elektrischen Scheinwerfern, einer Riesenkamera, die auf Schienen fortbewegt werden muss, und mit mehreren kleinen Apparaten. Die Kupfer- und Zinkätzerei hat an Hilfsmaschinen eine Routing- und eine Façetten-Fraismaschine, eine Bandsäge etc. Die Anstalt besitzt ferner ihre eigene Buchbinderei und Prägerei, sowie mehrere Stanzmaschinen, und alle diese Hilfsmaschinen werden von einer 40pferdigen Dampfanlage, welche auch die erforderliche Kraft zur Erzeugung des elektrischen Lichtes für das ganze Etablissement liefert, in Betrieb gesetzt.

Wir wollen hoffen, dass unsere Bemühungen auch fernerhin, wie bisher, anerkennende Unterstützung finden und werden deshalb bestrebt sein, allen Neuerungen auf unserem Gebiete zu folgen, um so jederzeit mit den besten Anstalten der Branche konkurrieren zu können.

Die Geschäftsleitung liegt zur Zeit in den Händen des jetzigen Inhabers, Herrn Ernst Lauterbach und des Prokuristen Herrn Vincenz Ollmuth.




Neueste Nachrichten, Girardet, Isenburg & Co.

In niegeahnter Weise hatte sich Chemnitz zur drittgrössten Stadt des sächsischen Königreiches ausgewachsen, eigentlich viel zu schnell, als dass auch alle Gebiete diesem Wachstum entsprechend gleichzeitig richtig hätten beackert werden können. So war denn auch der Hauptfaktor der Kultur,


Druckereigebäude der Neuesten Nachrichten.

[223] die Presse, in den bisher gewohnten Gleisen geblieben, obwohl das grosse Volk Verlangen trug nach einem Organ, das seine Interessen nach jeder Richtung hin wahrnahm, nie beeinflusst durch die blaue Brille irgend einer Partei.

Diesem Bedürfniss kam im Jahre 1889 die Firma Karl Beil & Co. entgegen, die es unternahm, eine neue Zeitung zu gründen, welche neben dem Vorzug der Vielseitigkeit den der Billigkeit mit der schnellsten Berichterstattung vereinte. Am 28. bezw. 29. Oktober des genannten Jahres erschienen denn zum ersten Male die Chemnitzer „Neuesten Nachrichten.“

Das alte Patrizierhaus Annabergerstrasse 24 war von der Firma angekauft und zu einem Druckereigebäude umgebaut worden, und dort entspann sich nun schnell ein immer regeres Leben. Denn der Erfolg der ersten Nummern schon übertraf auch die kühnsten Erwartungen. Die tüchtigsten Mitarbeiter wurden herangezogen und in Berlin ein eigenes Redaktionsbureau errichtet. Heute stellen neben den anerkanntesten Trägern literarischer Namen die besten Chemnitzer Schriftsteller und



Publizisten ihre Feder gern in den Dienst dieses Blattes. Mit dem Werte des Inhaltes stieg ferner die Fülle der Inserate. Gerade die „Neuesten Nachrichten“ schufen zuerst die rechte Vermittlung zwischen Angebot und Nachfrage, unterstützten später dieses gemeinnützige Wirken noch kräftig durch die Gratisausgabe eines Arbeitsmarktes und wurden so einer der Hauptträger des täglichen Gewerbs- und überhaupt öffentlichen Lebens.

Zahlen beweisen. Da sei denn nur angeführt, dass der Königlich Sächsische Notar Herr Justizrat Dr. Enzmann am 10. März 1900 den „Neuesten Nachrichten“ einen zahlenden Abonnentenstand von über 62000 bestätigen konnte. Mithin sind die Chemnitzer „Neuesten Nachrichten“ die zweitgrösste Zeitung Sachsens. Weiter sei hier angeführt, dass im Jahre 1899 zur Herstellung der [224] „Neuesten Nachrichten“ 1 273 184 Kilogramm Druckpapier verbraucht wurden; das sind 1271/3 Doppelwaggon = 79 574 000 vierseitige Bogen in einer Höhe von 47 Centimeter und einer Breite von 67 Centimeter. Damit kann man einen Weg von 53 315 Kilometer bedecken, also eine bedeutend grössere Strecke als den Aequator, der nur etwas über 40 075 Kilometer lang ist.

Nach dem im Jahre 1897 erfolgten Tode des Herrn Karl Beil trat Herr Dr. jur. Justus Hendel in das Geschäft ein, das nun Girardet, Hendel & Co. firmierte. Um der Bequemlichkeit des Publikums Rechnung zu tragen und die Hauptexpedition zu entlasten, wurde die II. Expedition auf dem Johannisplatz 5 eröffnet und eine weitere Anzahl Stadtfilialen errichtet. Das stetige Anwachsen des Unternehmens liess im Jahre 1898 den Entschluss reifen, ein neues grosses Druckereigebäude zu erstellen, welches mit allen Errungenschaften der neuzeitlichen Technik ausgestattet sein sollte. Die Pläne zu diesem Neubau arbeitete Herr Architekt Wenzel Bürger aus und im Jahre 1899 wurde mit dem Neubau begonnen. Inzwischen trat an Stelle des Herrn Dr. Hendel Herr Hugo Isenburg und die Firma lautet seither: Neueste Nachrichten, Girardet, Isenburg & Co. Jetzt ist der Bau des neuen Druckereigebäudes vollendet. Die grossen neuen Doppel-Rotationsmaschinen von der weltbekannten Firma „Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg, A.-G. Augsburg“ erbaut, deren drei zur Aufstellung gelangten, liefern in einer Stunde je ca. 24 000 achtseitige Bogen fertig bedruckt, gefalzt und abgezählt.

So befindet sich denn das Unternehmen, obwohl es ihm an Konkurrenz nicht fehlte, in stetiger aufsteigender Entwickelung und erwirbt sich noch täglich neue Freunde.




Allgemeine Zeitung, Chemnitz.
Königstrasse 8.

Unter den am Ende des 19. Jahrhunderts in Chemnitz gegründeten grösseren Unternehmungen nimmt das der „Allgemeine Zeitung für Chemnitz und das Erzgebirge, Verlag von Geyer, Hilscher & Co., Chemnitz, entschieden eine der ersten Stellen ein. Schon die Art der Einrichtung sicherte dem neuen Unternehmen die denkbar günstigste Aufnahme zu und die erste Nummer, welche der Verlag am 19. Februar 1898, 52 Seiten stark in einer Auflage von über 140 000 Exemplaren herausgab, war das beste Zeugnis von der hohen Leistungsfähigkeit, der neuen Firma. Eine 32- und eine 16seitige Rotationsmaschine waren 2 Tage voll beschäftigt um diese ungewöhnlich hohe Auflage, zu welcher nicht weniger denn ca. 625 Centner Papier benötigt wurden, zu bewältigen.

Nicht allein, dass durch das Erscheinen der „Allgemeinen Zeitung“ die Pressverhältnisse in Chemnitz eine nicht unbeträchtliche Umgestaltung erfuhren, war es vor Allem auch der Umstand, dass die „Allgemeine Zeitung“ zu allen kommunalen Fragen selbstständig und unparteiisch Stellung nahm und mit sicherem Blick in die Zukunft oft mit eigenen, vielen Beifall findenden Ratschlägen und auch Projekten hervortrat, was derselben fortwährend neue Freunde zuführte. Bereits nach vierteljährigem Bestehen konnte sie einen notariell bestätigten Abonnentenstand von 37 266 aufweisen.

Dieser ungeahnte Erfolg spornte den Verlag an, seinen Lesern und Inserenten immer mehr zu bieten, sodass er sich entschloss, nach und nach Beilagen, teils heiteren, teils belehrenden und technischen Inhaltes heranzugeben, was der stetig sich vermehrenden Zahl der Abonnenten abermals erhöhten Zuwachs gab. Hierbei sind noch besonders zu erwähnen die Einrichtung des jederzeit mit den neuesten Telegrammen sowohl politischer, wirtschaftlicher wie auch allgemeiner Natur ausgestatteten Depeschensaales, welcher gleichfalls als Bildersaal ausgiebigste Verwendung fand. In diesem wechseln in bunter Reihenfolge die verschiedenartigsten Ausstellungen ab, z. B. von Gemälden, Amateur-Photographieen, Plakaten, Ansichtspostkarten, Stickereien und Handarbeiten etc. Ausserordentlich starken Zuspruches und Besuches hat sich auch die in der 1. Etage befindliche Volkslesehalle zu erfreuen, in welcher ca. 200 Zeitungen und Zeitschriften verschiedenster Art, Adressbücher und Lexica zur vollständig unentgeltlichen Benutzung des Publikums ausliegen. Täglich 4- bis 500 Personen besuchen den Lesesaal, doch wohl der beste Beweis, dass durch die Errichtung desselben einem

[225]

[226] wirklichen Bedürfnis abgeholfen worden ist. Nicht weniger Beifall und sehr starken Besuch erzielten auch die in den als Vortragshalle benutzten Räumlichkeiten der „Allgemeinen Zeitung“ abgehaltenen öffentlichen Vorträge.

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Arbeitslosen am Orte ist die Einrichtung des „Arbeitsmarktes“, das heisst der frühzeitigeren Veröffentlichung des Teiles des Blattes, in welchem die Stellenangebote inseriert werden, sodass es den Stellesuchenden möglich ist, sich schon Vormittags um offene Stellen zu bewerben.

Alle diese Einrichtungen werden vom Publikum auch voll gewürdigt, was durch den fortwährenden Zuwachs an Abonnenten am besten bestätigt wurde.

Um die Leistungsfähigkeit des Etablissements noch zu erhöhen, wurden am Ende des Jahres 1899 zwei Linotype-Setzmaschinen aufgestellt, dass der Erfolg unter solchen Bemühungen nicht ausblieb, lehrte die am 16. Januar 1900 bekannt gegebene notarielle Bestätigung, wonach Herr Justizrat Dr. Enzmann 56 194 zahlende Abonnenten feststellen konnte.

Infolge der mit der Zeit eingetretenen bedeutenden Erhöhung der Preise für Rohmaterialien, ganz besonders aber des Preises für Papier sah sich der Verlag veranlasst, am 1. Februar 1900 eine Erhöhung des monatlichen Abonnementspreises von 40 auf 50 Pfennig eintreten zu lassen und hierbei stellte es sich nun heraus, wie fest das junge Unternehmen bereits im Publikum Wurzel gefasst hat, denn, statt wie angenommen, einen eventuell nicht unbeträchtlichen Rückgang der Abonnentenzahl zu notieren, konnte Herr Justizrat Dr. Enzmann am 22. Februar 1900 notariell bezeugen, dass am bezeichneten Tage die Zahl der Abonnenten abermals und zwar um ca. 1000 gestiegen war, sodass das Gesamtergebnis der wirklich zahlenden Abonnenten zur Zeit 57 161 betrug. Mit dieser nach nur zweijährigem Bestehen erreichten hohen Auflage rangierte somit die „Allgemeine Zeitung“ als drittgrösste Tageszeitung des Königreichs Sachsen.

Der nach solch kurzer Zeit erreichte Erfolg wird dem Verlag der „Allgemeinen Zeitung“ ein Ansporn sein, auf dem eingeschlagenen Wege weiter zu wandeln und zu halten, was er von Anfang an versprochen: ein volkstümliches und unparteiisches, belehrendes und unterhaltendes Blatt zu bieten.

Im Zeitungswesen erwähnen wir noch die Druckereien von Alexander Wiede, Verlag des „Chemnitzer General-Anzeigers“, des „Sächsischen Landboten“, der Chemnitzer „Eisenbahn-Zeitung“ und Landgraf & Co., Verlag der „Volksstimme.“




Ausser den ausführlicher beschriebenen Buch- und Steindruckereien sowie Lithographischen Anstalten sind noch nachstehende Firmen als besonders erwähnenswert anzuführen:

Adam, Wilhelm, Inhaber M. C. Adam und R. G. Leissner, Buchdruckerei;
Baum, C. W., Buch- und Steindruckerei, Lithographie;
Geidel, J. W., Göldner & Höppner, Buchdruckerei;
Gerstäcker & Sohn, R., Inhaber A. Th., C. A. und F. C. Gerstäcker, Buch- und Steindruckerei, Lithographie;
Heyde, Gebr., Inhaber G. R. und G. Th. Heyde, Buchdruckerei;
Martin, Oskar, Buchdruckerei;
Müller, Richard, Buch- und Steindruckerei, Lithographie;
Rein, Eduard, Buchdruckerei;
Schmidt, Gebrüder, Buch- und Steindruckerei, Lithographie;
Schuster, Richard, Buchdruckerei;
Seidel & Naumann, Inhaber O. R. Naumann, Buch- und Steindruckerei, Lithographie;
Tetzner & Zimmer, Buch- und Steindruckerei, Lithographie.



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Verschiedene Industriezweige.




Die Nicolai-Mühle in Chemnitz.

Die Nicolaimühle gehört zu den ältesten Gebäuden von Chemnitz. Ausgang des fünfzehnten Jahrhunderts befanden sich vor dem alten Nicolaithor zwei Mühlen, die Chemnitzmühle und die Stangenmühle. Diese beiden kaufte Ulrich Schütz und baute an Stelle derselben im Jahre 1501 die Nicolaimühle.


Nicolai-Mühle.

Zugleich wurde der Mühlgraben von dem heutigen Sachse’s Ruhe nach der Nicolaibrücke angelegt. Die Nicolaimühle war bis 1573 im Besitz der Familie Schütz, von 1573 bis 1818 gehörte sie der Stadt. 1818 wurde dieselbe an F. W. Schade verkauft, aus dessen Familie sie 1861 auf C. E. Gaitzsch überging. Auf der Hofseite der Nicolaimühle befindet sich noch heute eine Tafel mit dem Stadtwappen aus dem Jahre 1582, sowie eine auf einen Neubau bezügliche Tafel mit lateinischer Inschrift aus dem Jahre 1604.




Chemische Fabrik von Eduard Beyer.

Weltbekannt! Wenn dies stolze Wort auf eine Stadt Anwendung finden soll, so muss sie schon durch ganz hervorragende Naturschönheiten, geschichtliche Ereignisse, durch ihre Industrie oder sonst etwas ausgezeichnet sein.

Bei Durchsicht dieses Werkes wird der Leser an der Wichtigkeit und Vielseitigkeit der in Chemnitz heimischen Industrieen und ihrer ausgedehnten Werke die Überzeugung gewinnen, dass diese es waren, welche der Stadt den Ruf „Weltbekannt“ verschafften.

Neben den alteingesessenen Maschinenfabriken, Spinnereien, Webereien, Strumpf- und Handschuhfabriken bestehen noch weitere ganz bedeutende industrielle Unternehmungen der manigfachsten Branchen, welche sich und der Stadt den Weltruf verschafften und hierzu zählt wohl in erster Reihe auch die Chemische Fabrik von Eduard Beyer.

Im Jahre 1856 begründet, entwickelte sie sich aus den bescheidensten Anfängen zu einem Etablissement, von dessen Umfang die wenigsten Konsumenten ihrer Erzeugnisse eine Ahnung haben.

Die Firma hat eine ganze Anzahl Reisende ununterbrochen unterwegs.

Die Nachfrage nach ihren Fabrikaten machte neben wiederholten Vergrösserungen der Fabrik die Errichtung von Filialen und auswärtigen Niederlagen nötig. Diese Zweigniederlassungen in Berlin,

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Chemische Fabrik von Eduard Beyer.

Versand.

[229] Düsseldorf, Hamburg, Breslau, Hannover, Königsberg, Bremen und anderen grossen Städten beziehen vom Stammhause die Waaren natürlich nur waggonweise und welche Quantitäten bei dem vom grossen Publikum als „bedeutungslos“ betrachteten Artikel Tinte in Frage kommen, kann man ungefähr beurteilen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass tagtäglich mehrere, oft 5 bis 6 und noch mehr solcher Geschirre, wie sie unser Bild zeigt, abgefertigt werden. Der jährliche Ausgang beträgt weit über Zwanzigtausend Centner.

Namentlich vor Eintritt des Frostes und im Frühjahr, wenn die Händler ihre Läger wieder komplettieren, findet der Versand in einem Umfange statt, dass Manche staunend fragen würden: „Wohin mit diesen Tinten?“ oder „Ist Tinte ein solcher Konsumartikel.“

Welch’ enorme Massen von Glas, Kisten und Rohmaterialien aller Art hereinbefördert werden, dies kann man auch an dem eben erwähnten Ausgang der Waaren beurteilen.

„Beyer’s Tinten“ sind aber ja auch überall vertreten und geschätzt und es wird wenige Erdenwinkel geben, wo „Beyer’s Tinten“ noch nicht hingekommen wären.

Sehr oft schon ist der Firma von Reisenden aus den fernsten Weltteilen Mitteilung geworden, dass man dort unerwartet „Beyer’s Tinten“ vorgefunden und in froher Erinnerung an die alte Heimat zum Reisebericht benutzt haben.

Sowie die Lokomotiven Chemnitzer Ursprungs in allen Ländern brausend ihre Bahnen ziehen, und Chemnitzer Gewerbefleiss und Industrie verkünden, so befördern sie auf ihren Fahrten auch allerwärts „Beyer’s Tinten“ und schaffen sie hinaus zum Ruhme ihrer Erzeuger.




Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloss-Chemnitz.

Die Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloss-Chemnitz, am 11. März 1857 mit einem Actien-Kapital von 750 000 Mark durch die Herren Advokat Kölz, Robert Winckler, Friedrich Gottlieb


Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloss-Chemnitz.

[230] Gehrenbeck und Louis Benndorf gegründet, entwickelte sich nach anfangs wechselndem Glück, welches zum grossen Teil dem Mangel an Erfahrungen zuzuschreiben ist, zu einem der besten Unternehmungen seiner Art unter Leitung des Direktors Bernhard Michaelis (1871–1887) und der Thätigkeit tüchtiger Braumeister, Friedrich Reinhardt (1871–1879) und Philipp Wohlfahrt, welch’ letzterer seit 1879, zur Zeit noch seines Amtes waltet.

Von 8215 Hektoliter Umsatz im ersten Betriebsjahre stieg derselbe von Decade zu Decade auf 25 734, 58 760, 92 632, 129 237 Hektoliter im Jahre. Die Rentabilität liess seit dem Jahre 1872 nichts zu wünschen übrig. Die gezahlten Dividenden sind von deutschen Brauereien kaum übertroffen worden.

Im Jahre 1883 wurde die 1876 dem Betriebe übergebene Konkurrenzbrauerei „Chemnitzer Societätsbrauerei in Altendorf“, welche dem Wettbewerbe erlag, angekauft und einverleibt.

Die Aktien-Lagerbierbrauerei zu Schloss-Chemnitz steht hinsichtlich ihrer Einrichtungen auf der Höhe der Zeit und es ist mit Rücksicht auf ihre Grundlage zu erwarten, dass ihre Erfolge in Zukunft den früheren entsprechen werden.

Der Aufsichtsrat besteht aus den Herren Stadtrat Richard Winkler, Chemnitz, Vorsitzende: Kommerzierats Eugen Esche, Chemnitz, stellvertretender Vorsitzender Generalkonsul Wilhelm Woelker, Leipzig, Bernhard Michaelis, Dresden, Obermedizinalrat Flinzer, Chemnitz. Vorstand: Ernst Julius Arthur Theodor Klapp.




Max Arnold, Chemnitz.
Fabrik für antiseptische Verbandstoffe.

Zwischen Wissenschaft und Technik findet ein fortwährender Austausch von Anregungen statt; die Fälle, wo eine wissenschaftliche Entdeckung einen ganzen Industriezweig schuf, sind häufig genug, besonders in der neuesten Zeit. Eines jener Etablissements, das in dieser Hinsicht so recht als ein Kind seiner Zeit bezeichnet werden kann, ist die Fabrik antiseptischer Verbandstoffe von Max Arnold in Chemnitz.

Die Entdeckung der antiseptischen Behandlungsmethode durch Professor Lister gab den Anlass zu ihrer Begründung. Die Firma selbst entstand schon 1871 und ging im Jahre 1873 zu ihrer jetzigen Branche über, um als erster Fabrikant in Deutschland Verbandstoffe fabrikmässig mittels maschineller Einrichtung herzustellen.

Eine Wanderung durch dieses musterhaft geleitete Etablissement bietet den interessantesten Einblick in die verschiedenartigen Zweige der Verbandtechnik. In der ersten Abteilung wird die beste egyptische und amerikanische Rohbaumwolle gereinigt, um dann nach erfolgter Bleiche und Entfettung zu Verbandwatte verarbeitet zu werden. Die Imprägnierung erfolgt im Laboratorium mit Hilfe einer Menge, je nach der Eigenart der betreffenden Chemikalien aus Metall, Glas Steingut oder Holz gefertigter und mit der Central-Dampfleitung verbundener Apparate. Hier finden wir auch den grossen Sterilisierungsapparat zur Sterilisation des Verbandmaterials, sowie verschiedene Handmaschinen zum Streichen und Schneiden von Pflastern, zum Ausringen von Stoffen und endlich mancherlei Pressen und Centrifugalmaschinen und ähnliche maschinelle Einrichtungen. Im Untersuchungslaboratorium wird dann jedes einzelne Präparat vor seiner Verausgabung ebenso auf seine Güte und auf seinen Gehalt geprüft, wie die zur Verwendung kommenden Rohmaterialien selbst.

In einer besonderen Abteilung sind Arbeiterinnen beschäftigt, die Präparate elegant zu verpacken und für den Versand und Export fertig zu stellen. Auf Bindemaschinen, welche selbstthätig messen, schneiden und wickeln, können täglich mehrere tausend Binden hergestellt werden. Die peinliche Sauberkeit aller Lokalitäten berührt den Besucher auf das Angenehmste und die ganze Einrichtung der Fabrik zeugt von der langjährigen Erfahrung und Sachkenntnis ihres Besitzers. Seitdem Lister das Carbol in der Wundbehandlung einführte, hat sich die Zahl der Antiseptika erheblich vermehrt und die Fabrik von Max Arnold ist diesen Fortschritten der Wissenschaft in der gewissenhaftesten Weise gefolgt, sodass sie auch die weitgehendsten Anforderungen erfüllt, welche die moderne Verbandtechnik zu stellen vermag. Binden jeden Stoffes und jeder Form, imprägnierte Verbandwatten, Gazen, [231] Seide, Kompressen, Schläuche, Tücher, Eisbeutel, Gummi, Pflaster, Patentkissen, Zwirne etc. – alles liefert sie in den mannigfaltigsten Formen und Modifikationen, wie die Wundbehandlung sie erfordert.

Aber nicht nur die einzelnen Materialien werden dort hergestellt, sondern auch Verband-Etuis und Verbandkästen stellt die Fabrik in der verschiedensten Ausstattungen her. Da finden wir das einfache Verbandpäckchen, wie es die Kriegssanitätsordnung vorschreibt, die Jagd- und Reise-Verband-Etuis bis zu den grössten Verbandkästen für Familien, Eisenbahn-Verbandkästen, für kleinere und grössere Stationen, sowie für fahrende Eisenbahnzüge, Samariter-Stationen, Verbandstaschen für Feuerwehr und manches andere. –

An nationalen und internationalen Ausstellungen hat sich die Fabrik verhältnismässig wenig beteiligt; aber wo auch die Fabrikate von Max Arnold erschienen, überall wurden ihnen stets die höchsten Auszeichnungen zu Teil, so in Brüssel 1876, Halle a. Saale 1881, Brüssel 1884 und Melbourne 1888/89. Die vorstehenden Angaben sollen und können nur ganz sumarischer Natur


Verbandstofffabrik Max Arnold.

sein. – Mit Einführung der Verbandstoffbranche hat Arnold für Chemnitz und dessen Umgebung eine neue Industrie geschaffen, welche heute hunderten von Arbeitern lohnenden Verdienst und den Gemeinden gute Steuerobjekte gebracht haben. Dass eine Persönlichkeit, wie der Schöpfer dieses Etablissements auch im öffentlichen Leben seinen Mann stellen würde, ist klar.

Das Vertrauen seiner Mitbürger sandte ihn mehrere Jahre hindurch als Vertreter der Bürgerschaft in die Stadtverordneten-Versammlung. Dann wurde Arnold zum Stadtrat gewählt, welche Ehrenstellung er 12 Jahre hindurch bekleidete und bei seinem Ausscheiden aus dem Ratskollegium in Anerkennung seiner Verdienste um das Wohl der Stadt Chemnitz den Ehrentitel „Stadtrat“ vom Königl. Ministerium auf Allerhöchsten Vortrag verliehen erhielt.



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Verbandstofffabrik Franz Meusel & Co.
Gegründet im Jahre 1881.

Wenn in früheren Zeiten rasch ein Notverband benötigt war, so fehlte es oft an Allen und froh war man oft schon, ein wenig alte Leinwand, gleichviel von welcher Sauberkeit, zu finden. Wie anders ist das heute, in den Tagen einer hochentwickelten Samariterpflege! Verdanken wir aber diese den bekannten Bestrebungen eines Prof. Dr. Esmarch, so darf sich der Begründer der obigen


Fabrikate der Firma Franz Meusel & Co.

Firma rühmen, mit einer der Ersten von den Vielen gewesen zu sein, welche zu ihrem Teile diese Bestrebungen mit praktischem Erfolge unterstützten. Schon vor 18 Jahren wusste er mit seinem damals ganz neuartigen Verbandskasten weite Kreise zu interessieren, so dass sich ihm, da er nicht selbst Chemiker und doch nur die besten Stoffe verwenden wollte, die grösste Deutsche Verbandstofffabrik zu jener Zeit deshalb liierte. Die nachmalig entstandenen berufsgenossenschaftlichen Normalverbandkästen sind in einer Anzahl von 36 000 Stück verbreitet. Die weiterhin geschaffene [233] Feuerwehrsanitätstasche „Saxonia“, sich der Fürsprache einer ersten Autorität im Feuerwehrwesen, des Herrn Branddirektor Weigand erfreuend, wird von den meisten sächsischen Feuerwehren, vielfach aber auch von anderen Deutschen, sowie ausländischen Korps geführt. Die einschlägigen Fabrikate der Firma erhielten die Medaille der Ausstellung für Unfallverhütung – Berlin 1889 – und sind ständig ausgestellt im Reichsversicherungsamt in Berlin.




Reisszeugfabrik E. O. Richter & Co.

Die Reisszeugfabrik in Firma E. O. Richter & Co., Inhaber Herr Emil Oskar Richter, ist aus den kleinsten Anfängen hervorgegangen. Herr Richter begann die Zirkelfabrikation anfang der 70er Jahre in seiner Uhrmacherwerkstätte an der Poststrasse – jetzt Mosella-Haus – und siedelte 1879 nach der Turnstrasse über, wo er sich ausschliesslich dieser Fabrikation widmete. 1888 bezog die Firma das Melanchtonstrasse 4 selbst erbaute Fabrikgebäude, welches im Laufe der Jahre wesentlich vergrössert wurde. Die Zahl der Beamten und Arbeiter beträgt zur Zeit 124.

Die Firma hat sich durch ihre vorzüglichen Fabrikate einen Weltruf erworben, denn dieselben werden nicht nur in Deutschland gekauft, sondern auch nach allen Ländern versandt.




Max Kohl, Chemnitz.
Werkstätten für Präzisionsmechanik und Elektrotechnik.

In nächster Nähe des Altchemnitzer Bahnhofs erhebt sich an der Adorferstrasse die 1899 bis 1900 erbaute neue Fabrik des Herrn Max Kohl, von der das nachstehende Bild eine Gesamtansicht giebt. Der Bau wurde nach eigenen Plänen in kurzer Zeit durch Herrn Baumeister Paul Fiedler in Chemnitz auf einem 8000 Quadratmeter grossen Grundstück aufgeführt. Die Gebäudefront an der Adorferstrasse ist 65 Meter lang, die lichte Tiefe beträgt 16 Meter. Es besitzt Souterrain, 4 Geschosse und Dachgeschoss. Zwei grosse Treppenhäuser und ein Fahrstuhl dienen dem Verkehr und Gütertransport zwischen den einzelnen Etagen. Der Haupteingang, von dem wir ein Bild geben, befindet sich an der Adorferstrasse.


Haupteingang.

Durch ihn gelangt man unmittelbar in das im ersten Stock gelegene geräumige Hauptkontor. Dieses steht mit den übrigen im ersten Stock gelegenen Räumen, welche der Verwaltung des Geschäfts und der technischen Prüfung der Apparate dienen, in direkter Verbindung. Hierdurch wird die Leitung der Verwaltung wesentlich erleichtert. Die nächsten beiden Bilder zeigen von diesen Räumen das Experimentierzimmer und auch das Röntgenlaboratorium.

Das Experimentierzimmer hat dieselbe Einrichtung, wie sie ein modernes Lehrzimmer für Physik einer höheren Schule besitzt. Im Vordergrund des Bildes sieht man den Experimentiertisch, darüber eine Soffittenbeleuchtung, welche den Hörerraum im Halbdunkel lässt. Rechts an der Fensterwand sieht man in der Nähe der Decke

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Werkstätten für Präzisionsmechanik und Elektrotechnik von Max Kohl.
Ansicht der neuen Fabrik Adorferstrasse 20.

[235] einen Elektromotor, welcher die Verdunkelungsvorrichtung bethätigt. Die Hinterwand des Zimmers trägt eine Anzahl Schalttafeln zur Entnahme von Gleichstrom in beliebigen Spannungen von 2 bis 220 Volt um je 2 Volt steigend und von Stromstärken bis 500 Ampère aus der eigenen Gleichstromanlage der Fabrik oder zur Entnahme vom Dreh- bezw. Wechselstrom aus dem Leitungsnetz des städtischen Elektrizitätswerkes. In der Mitte des Zimmers sieht man eine Projektionslaterne für wissenschaftliche Projektionen.

Das Röntgenlaboratorium zeigt 2 vollständige Instrumentarien für Photographie und Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen und für die therapeutische Behandlung des menschlichen Körpers mit Strömen hoher Frequenz nach d’ Arsonal. Dieses Laboratorium steht den Chemnitzer Ärzten stets gern zur Verfügung.

Im ersten Stock befindet sich auch ein feuerfestes Archiv für Schriftstücke, Holzschnitte, Preislisten u. s. w., deren Verlust ausserordentlich schwer zu ersetzen sein würde.

Im zweiten und dritten Obergeschoss befinden sich das technische Bureau, 3 Säle für die mechanischen Werkstätten, und ein feuerfester Raum für die Zeichnungen und Modelle. Die Säle


Ansicht des Haupt-Kontors.

sind 4 Meter hoch und erhalten von beiden Seiten Licht, weshalb dieselben sehr hell sind. Neben jedem Saal befinden sich Wasch- und Kleiderräume. Im Dachgeschoss sind die Lagerräume für die vielen Gegenstände aus Glas, Hartgummi u. s. w. untergebracht, welche für die Fabrikation der Apparate gebraucht werden.

Hier befindet sich ferner das Lager der Bedarfsartikel für die elektrischen Installationen, ein photographisches Atelier und ein Kopierraum für Lichtpausen.

Das Parterregeschoss wird von der Betriebstischlerei eingenommen, welche in die Poliertischlerei und die Maschinentischlerei zerfällt. Letztere zeigt unser Bild.

Im Souterrain ist die Lackiererei, die Klempnerei und die Spulenwickelei untergebracht. Weiter ist hier eine grosse Trockenkammer für Holz eingerichtet.

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Ansicht des Experimentierzimmers.

Ansicht des Röntgen-Laboratoriums.

[237] In der Mitte des Grundstückes steht das Maschinen- und Kesselhaus, von dessen Inneren wir eine Ansicht geben.

Die 75pferdige Dampfmaschine treibt mittelst Riemen die Generator-Dynamomaschine von 50 Kilowatt Leistung an. Diese Dynamomaschine versorgt die ganze Fabrik mit Kraft und Licht. Das Maschinenhaus ist zur Aufnahme eines zweiten Maschinenagreggats derselben Grösse eingerichtet. Der Kessel besitzt automatische Feuerung, „System Leach“ mit Antrieb durch Elektromotor. Die Kraftübertragung ist ausschliesslich elektrisch. In jedem Saale, in welchem Kraft gebraucht wird, ist ein Elektromotor passender Grösse aufgestellt, welcher im Wege des sogenannten Gruppenantriebs sämtliche Maschinen dieses Saales antreibt. So werden in den mechanischen Werkstätten je 60 Drehbänke, kleine Fräsmaschinen und dergleichen durch einen 10pferdigen Elektromotor angetrieben. Elektrischer Einzelantrieb würde in diesem Falle ganz unvorteilhaft sein. Die Beleuchtung ist ebenfalls ausschliesslich elektrisch und erfolgt durch 900 Glühlampen und 12 Bogenlampen. Für die


Ansicht eines Saales für Präzisionsmechaniker.

Beleuchtung ausserhalb der Betriebszeit, bei stillstehender Dampfmaschine, sorgt eine Akkumulatorenbatterie von 260 Ampère-Stunden Kapazität.

Der Geschäftsbetrieb erstreckt sich auf die Herstellung von Apparaten für den physikalischen Unterricht, Einrichtungen physikalischer und chemischer Hörsäle und Laboratorien, von Röntgeninstrumentarien, Mess- und Kontrollapparaten für die Textil- und Papierindustrie und auf die Herstellung elektrischer Licht-, Kraft- und Telephonanlagen.

Zur Zeit – August 1900 – besteht das Personal aus 30 Beamten und 200 Arbeitern.

Die Gründung der Firma erfolgte im März 1876 durch Herrn Max Kohl, der bis heute alleiniger Inhaber der Firma ist. Die ursprünglichen Geschäftsräume, Poststrasse 51, erwiesen sich im Jahre 1896

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Ansicht der Maschinen-Tischlerei.

Inneres des Maschinenhauses.

[239] als zu klein und es erfolgte die Übersiedelung in die Fabrik an der Beckerstrasse 17. Da diese sich in kurzer Zeit als ebenfalls unzureichend erwies, so wurde der im Vorstehenden beschriebene Neubau ausgeführt, welcher für 400 Arbeiter ausreicht. Das Grundstück erlaubt noch weitere Vergrösserungen der Baulichkeiten um das vierfache.

Da der physikalische und technische Unterricht voraussichtlich einen immer breiteren Raum sowohl in den deutschen, als den ausländischen Schulen einnehmen wird und die Vermehrung der technischen Schulen weiter fortschreitet, so geht das Unterehmen einer guten Zeit entgegen.

Das Absatzgebiet erstreckt sich auf die ganze Welt und vergrössert sich von Jahr zu Jahr.

Auf den beschickten Weltausstellungen erhielt die Firma in Chicago 1893 2 Preise und in Paris 1900 die goldene Medaille. Dieselbe Auszeichnung wurde ihr 1897 in Leipzig zuerkannt.




Chemnitzer Tapetenfabrik Max Langhammer, Chemnitz.

Diese Tapetenfabrik wurde von dem Vater des jetzigen Inhabers gegründet und von Max Langhammer im Jahre 1876 übernommen. Sie gehört heute innerhalb Deutschlands zu den grössten Betrieben dieser Branche.

Der jetzige Inhaber hat es sich zur Aufgabe gestellt, Tapeten herzustellen, die in der billigen,


Tapetenmuster der Firma Max Langhammer.

[240] als auch in der teueren Preislage höheren kunstgewerblichen Anforderungen entsprechen. Er ist bemüht gewesen, Muster und Farbenstellung in moderner und selbstständiger Auffassung zu bringen. Seine Fabrikate finden namentlich auch in der besseren Preislage in allen Kulturländern Absatz. Er hat sich bei diesem Streben, den Artikel künsterisch zu heben, der Unterstützung von fachmännisch gebildeten Künstlern zu erfreuen gehabt.

Der Inhaber dieser Firma Max Langhammer, hat vor vier Jahren in seiner Branche eine Organisation gegründet, welche es sich zur Aufgabe machte, für die Fabrikanten und Händler angemessene Preise zu sichern, die Verkaufsart zu regeln und die Branche kunstgewerblich zu heben. Diese Organisation erfreut sich der Unterstützung der meisten Tapetenfabrikanten und deutschen Händler. Sie hat nach dem Ausspruch der Beteiligten diejenige Wirkung herbeigeführt, die beabsichtigt war. Diese Organisation fand auch Anerkennung im Auslande und man bestrebt sich in einer Reihe von anderen Staaten, dieselbe auf die betreffenden Länder zu übertragen. Sie war auch vorbildlich für eine grössere Zahl anderer deutscher Industriezweige.




Paul Kohl, Chemnitz.

Einen bedeutenden Vertreter eines neuen, bei dem allergrössten Teile des Publikums so gut wie unbekannten Erwerbzweiges besitzt Chemnitz in der Firma Paul Kohl. Dieselbe ist eines der ersten und renommiertesten Briefmarkengeschäfte der Welt und die über ganz Europa ausgedehnte Kundschaft kann bei ihr nicht nur ihre Wünsche betreffs Briefmarken irgend welchen Landes bis zurück zu den ältesten Ausgaben befriedigen, sondern bemittelte Sammler können auch ihre kühnsten Wünsche betreffs der kostbarsten Raritäten, die bisweilen nur in wenigen Stücken existieren, befriedigen.

In vielen Kreisen ist der Wert, die Bedeutung und schliesslich die Rentabilität einer verständig und planvoll angelegten Briefmarkensammlung garnicht bekannt. Man sammelt ja mancherlei: alte Schmucksachen von Silber und Gold, altes Porzellan, alte Bücher, Handschriften etc. Die Briefmarken bieten jedoch als Sammelobjekt besondere Chancen und haben vor allen Dingen einen viel grösseren Interessentenkreis, ja einen Weltmarkt. Wertvollere Marken und auch vollends Raritäten sind kleine Wertpapiere geworden, die an Börsen und auf Auktionen immer gehandelt werden.



Natürlich kann sich nicht Jeder die ausgesuchten Prima-Raritäten der altdeutschen und der europäischen Staaten kaufen, da dieselben hoch im Preise stehen und der allergrösste Teil der Sammler für seine Liebhaberei nur mässige Mittel aufwenden kann oder will. Auch solche Sammler haben aber in den letzten Jahren recht wohl ihre Rechnung gefunden; es gab eine grosse Anzahl Interessenten, die nur die seit 1890 erschienenen Marken sammelten, die sie bald nach deren Ausgabe noch billig erwarben; ein Teil dieser Marken, zum Beispiel solche von kleinen Emissionen englischer Kolonien, provisorische Marken und dergleichen stiegen bald im Preise und brachten ihren Eigentümern guten Nutzen. – Jetzt wäre besonders für jüngere oder weniger bemittelte Leute zu empfehlen, eine Sammlung von den seit 1900 neu ausgegebener Marken zu beginnen, aber nur in tadellosen Stücken.

[241] Vor Kurzem ist von dem Vater des Briefmarkensammelsports in Deutschland, Herrn Dr. Moschkau in Oybin, folgende Notiz in den Blättern erschienen, die auch auf den erzieherischen Nutzen des Markensammelns für Kinder hinweist. Sie ist gewiss der Beachtung wert und lautet:

„Ein Wort für das Briefmarkensammeln. In einer Zeit, wo alles sammelt und wo alles für sammelnswert erachtet wird, darf man wohl erneut auf den Wert des Briefmarkensammelns hinweisen. Während allerhand Sammelmoden auftauchten um immer wieder abseiten gelegt zu werden, blüht das Briefmarkensammeln nun schon ein halbes Jahrhundert und wird als wichtiges Sammelgebiet für alle Zeit einen hervorragenden Platz beanspruchen. Reich und arm, alt und jung, Gelehrter und Laie, Männlein und Weiblein, die höhere Tochter und der Schüler – sie alle sammeln Briefmarken, deren Studium einweiht in die Länderkunde und Geschichte aller kultivierten Staaten der Welt, die uns bildlich vorführen Regenten und Staatsmänner, Wappen und Schriftzeichen fremder Länder, die uns einweihen in die Kultur- und Naturgeschichte, das Münzwesen und andere wissenswerte Dinge der entferntesten Weltteile. Dabei gewährt das Sammeln, Sichten und Einordnen der Briefmarken nach den vorhandenen trefflichen Handbüchern in die Sammelbücher einen angenehmen und unterhaltenden Zeitvertreib, welcher die Stunden der Muse in erwünschtester Weise kürzt und nach Berufsthätigkeit irgend welcher Art erfreuende Erholung und Zerstreuung bringt. Da nun, entgegengesetzt anderen Sammelgebieten, wo die aufgewendeten Mittel kaum je wieder einzubringen sind, das Briefmarkensammeln noch immer einige Aussicht bietet, wenn man sich ihm einmal entschlägt, dies fast ohne Opfer zu thun, und eine wohlgeordnete, sauber gehaltene Sammlung im vollen Sinne des Wortes eine Art „Sparbüchse“ darstellt, so darf man behaupten, dass keine Sammelliebhaberei so reiche Lichtseiten bietet wie die von Briefmarken.“

Die Firma Paul Kohl versorgt die Sammler auch mit den nötigen Briefmarken-Katalogen, Albums etc., in welch’ letzterem die oft sehr kostbaren Schätze untergebracht werden. Diese Albums unterscheiden sich von den früher üblich gewesenen dadurch, dass sie permanent sind, weil jederzeit neue Blätter eingeschoben, alte entfernt werden können u. s. w., sodass ein Umkleben der Sammlungen ausgeschlossen ist. Diese Albums werden zum Teil hochelegant ausgestattet. Künstlerisch ausgeführte heraldische Wappentafeln sind der schönste Schmuck für dieselben. Um diese Wappentafeln, welche von den ersten Heraldikern entworfen und gezeichnet worden sind, dem grossen Publikum zugängig zu machen, sind diese Kunstwerke von der Firma Paul Kohl in Postkartenform herausgegeben worden und finden so bei allen Kunstfreunden und Heraldikern etc. des In- und Auslandes weite Verbreitung. Das Wappen von Natal bringen wir hier zum Abdruck, die Wappen selbst sind in reichstem Buntdruck hergestellt. Im gleichen Verlage erschien auch eine ganze Anzahl von Ansichten deutscher Baudenkmäler, Burgen etc., und hat sich die Firma Paul Kohl durch ihre Verlagswerke schnell einen guten Ruf als Kunst-Verlagsgeschäft erworben; sie ist durch viele goldene Medaillen im In- und Auslande ausgezeichnet worden.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Verwanden
  2. Vorlage: Cewerbe
  3. Vorlage: Wanderer-Fahrradwerkev orm.
  4. Vorlage: Nachbargrundsück