Christ. Doppler’s neueste Leistungen auf dem Gebiete der physikalischen Apparatenlehre, Akustik, Optik und optischen Astronomie

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Autor: Bernhard Bolzano
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Titel: Christ. Doppler’s neueste Leistungen auf dem Gebiete der physikalischen Apparatenlehre, Akustik, Optik und optischen Astronomie
Untertitel:
aus: Annalen der Physik und Chemie, Band 148
Herausgeber: Johann Christian Poggendorff
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1847
Verlag: Johann Ambrosius Barth
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Text von California, Kopie auf Commons; Tafel I von Gallica, Kopie auf Commons
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[530]
III. Christ. Doppler’s neueste Leistungen auf dem Gebiete der physikalischen Apparatenlehre, Akustik, Optik und optischen Astronomie;
dargestellt von Dr. B. Bolzano.


Seit ich die in Bd. 60, S. 83 bis 85 dieser Annalen aufgenommenen »Bemerkungen über die neue Theorie Professor Doppler’s, in der Schrift: über das farbige Licht der Doppelsterne u. s. w.,« eingesandt habe, sind von demselben Gelehrten bis jetzt nicht weniger als zwölf Abhandlungen[1] an’s Licht gestellt worden, deren jede manche neue, und einer ferneren Beachtung und Untersuchung werthe Gedanken darbietet. Da zu besorgen steht, daß diese Abhandlungen nicht Allen, für die ihr Inhalt wichtig seyn muß, zu Gesichte kommen, um so weniger weil mehre derselben aus ihrem Titel eben nicht errathen lassen, was für verschiedenartige Gegenstände sie besprechen: so habe ich mich, aus bloßer Liebe zu einer Wissenschaft, deren Fortschritte seit einem halben Jahrhunderte bereits nie für mich gleichgültig gewesen sind, der kleinen Mühe unterzogen, hier eine kurze Uebersicht dieser Gedanken zu liefern. Ich habe mich hiebei nicht an die Ordnung, in der die Gegenstände in den Abhandlungen selbst vorkommen, sondern an ihren inneren Zusammenhang gehalten, und sie daher [531] bloß nach den Wissenschaften, in welche sie zunächst gehören, abgetheilt; was mir für den Zweck dieser Blätter jedenfalls geeigneter schien.


I. Zur Physikalischen Apparatenlehre.

Apparate, deren Gebrauch sich nicht bloß auf eine einzige Kunst oder Wissenschaft beschränkt, gehören eben deshalb nicht dieser einzigen an, und werden somit entweder in der Wissenschaft, auf deren Lehrsätzen ihre Einrichtung vornehmlich beruht, oder noch zweckmäßiger in einer eigenen Wissenschaft, der wir den Namen der physikalischen Apparatenlehre geben, beschrieben. Zu den Maschinen, die Doppler bereits in früheren Jahren ersonnen [2], kommen in den uns jetzt vorliegenden Abhandlungen nachstehende Apparate und Operationsmethoden hinzu.

1) Das von ihm sogenannte optische Diastamometer (optischer Fernmesser) [3], eine Art Fernrohr, mit dem man die Entfernung jedes nicht allzufernen terrestrischen Gegenstandes durch bloßes Anvisiren mit einer für die meisten Zwecke mehr als zulänglichen Genauigkeit erfährt; ein Werkzeug, das alle bisherigen Distanzmesser an Brauchbarkeit und an Bequemlichkeit entschieden übertrifft, und für die verschiedenen Zweige der practischen Feldmeßkunst, der Kriegswissenschaft, der Seefahrtkunde und m. a. Künste und Lebenszwecke wichtige Dienste verspricht. Die Einrichtung beruht auf dem bekannten Umstande, daß die von dem Objectivglase eines Fernrohrs erzeugten Bilder um desto näher an dessen Brennpunkt heranrücken, je mehr die Gegenstände sich entfernen; daher das Ocularglas dem Objectiv näher gerückt werden muß, um den Gegenstand deutlich zu sehen, und eben aus dieser nöthig gewordenen [532] Verschiebung ein Schluß auf die Entfernung des Gegenstandes selbst gemacht werden kann. Die große Schwierigkeit, wie dieß mit einiger Genauigkeit geschehen kann, wenn, wie bei Entfernungen, die vielfach größer sind, als die Focalweite des Objectivglases, die Bilder kaum um ein Merkliches noch auseinanderrücken, sucht Doppler durch die höchst sinnreiche Einrichtung zu beseitigen, daß er statt jedes der beiden einfachen Gläser, des Objectivs sowohl als des Oculars, eine Verbindung zweier Linsen setzt, deren eine convex, die andere concav ist, und zwar in solcher Weise, daß die Zerstreuungsgläser und , Fig. 8, Taf. I, bedeutend stärker als die Sammellinsen und sind; daher sich das Bild, das allein in erzeugt hätte, durch nach versetzt findet; zu welcher Stelle hin die für ein gegebenes Auge unverrückt bleibende Verbindung der Gläser und in der Ocularröhre so nahe geschoben wird, bis man den Gegenstand ganz deutlich sieht; worauf dann eine am äußeren Theile des Apparats längs angebrachte Scale die Entfernung des Gegenstandes angiebt. Man begreift bald, wie ein so eingerichtetes Fernrohr bei sehr mäßiger Länge dasselbe leisten könne, was eines aus zwei Convexlinsen bei einer ungemein großen Länge noch kaum geleistet hätte. Weil übrigens, wie sich die Bilder entfernterer Objecte hinter einem convexen Glase zusammendrängen, so umgekehrt die Bilder sehr nahe (innerhalb der Brennweite) liegender Gegenstände weiter als diese selbst auseinandertreten: so übersah es Doppler auch nicht, daß dieser Umstand benutzt werden könne, um kleine und in die Tiefe gehende Abstände zu messen; wie dieß z. B. zu der Bestimmung der Tieflage einzelner Organe bei Infusorien oder vegetabilischer Gebilde, zur Messung der Unebenheiten rauher Körper und in so manchem anwendbar wäre, wo eine andere Messungsmethode nicht anderen Falle, erwünscht werden kann. Indessen begnügt er sich hier nur mit der Andeutung dieses Gedankens, wie er denn überhaupt am Schlusse geschickte Optiker auffordert, seine dießfälligen Ideen erst durch Versuche vollständiger zu erproben.

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Taf. I Fig. 8

[533] 2) Ein Mittel, periodische Bewegungen von ungemeiner Schnelligkeit wahrnehmbar zu machen und zu bestimmen [4].

Betrachten wir einen in periodisch wiederkehrender Bewegung begriffenen Gegenstand durch eine mit einer Oeffnung versehene Scheibe, die sich in gleicher Zeit herumdreht: so ist klar, daß unser Auge den Gegenstand immer nur in derselben Phase seiner Bewegung und an derselben Stelle erblickt. Erfolgen nun diese congruirenden Eindrücke auf das Auge innerhalb einer Zeit, die kürzer ist als die bekannte Nachwirkung eines Lichteindrucks währt, d. h. ist jene Umdrehungszeit kürzer als 0,35 Sec.: so erscheint uns der Gegenstand ganz, als ob er ruhte, in seiner eigenthümlichen Gestalt und Farbe. Das ist auch noch der Fall, wenn sich die Scheibe langsamer als das Object bewegt, doch so, daß ihre Umlaufszeit genau ein Vielfaches von jener des Objects, und jedenfalls auch noch kürzer als 0,35 Sec. ist. Dieser Umstand nun erschließt uns die Möglichkeit, Bewegungen von jeder auch noch so großen Geschwindigkeit der sinnlichen Wahrnehmung und Berechnung zugängig zu machen, sofern nur auch die Bewegung der Scheibe gehörig regulirt und ihre Geschwindigkeit gemessen werden kann. Zu diesem Zwecke räth der Verf., eine mit einer oder auch mehreren gleich weit abstehenden Oeffnungen versehene Scheibe an das gezähnte Drehrad der Sirene von Cagniard de la Tour zu befestigen, und diese durch Zuführung von Luft in eine allmälig zunehmende Bewegung zu versetzen, während man durch die vor dem Auge vorübereilenden Oeffnungen nach dem bewegten Objecte sieht. Der Umstand, daß wir uns schon durch die sich immer gleich bleibende Tonhöhe von der gleichförmigen Bewegung der Scheibe versichern, die Anzahl ihrer Umdrehungen aber durch den angebrachten Zählapparat ermitteln können, läßt erwarten, daß wir die periodische Bewegung des Objects mit einem hohen Grade von Verläßlichkeit werden bestimmen können. In vielen Fällen wird [534] es auch dienlicher seyn, statt die Wahrnehmung des Objects periodisch zu unterbrechen, die Quelle der Beleuchtung selbst in eine periodisch intermittirende zu verwandeln; wozu nur nöthig ist, die rotirende Scheibe unmittelbar vor der Lichtquelle anzubringen, und dafür zu sorgen, daß dem Objecte nur durch die Oeffnung der Scheibe Licht zukomme.

3) Manchen gewiß sehr dankenswerthen Beitrag zu Kunst des Schleifens im Allgemeinen, und insbesondere der Gläser und Metallspiegel liefert uns Doppler [5], indem er nachweist:

  1. daß es in allen denjenigen Fällen, wo es sich darum handelt, eine möglichst glatte (spiegelnde) Oberfläche zu erzeugen, zweckmäßig sey, den sogenannten Schleifer nie so stark anzudrücken und nie so schnell fortzuführen, daß die Theilchen des Schleifmittels (z. B. des Schmergels) in den zu schleifenden Körper sich gleichsam einhaken und auf denselben somit als eine Art von Feile einwirken; sondern vielmehr dahin zu sehen, daß diese Theilchen immer in einer rollenden Bewegung fortgleiten.
  2. Es wird mit Berufung auf hierüber angestellte eigene sowohl als fremde Erfahrungen bewiesen, daß es ein Vorurtheil sey, man könne bei einer bloß rotirenden Bewegung des Schleifers keine vollkommene Glätte erreichen, weil sich stets Streifen oder Ringe, oder ein sogenannter Strich erzeuge. Doch wird empfehlen,
  3. so oft es thunlich ist, für den Schleifer ein gleiches Material, z. B. Glas bei Gläsern zu mahlen; ingleichen
  4. denselben von Zeit zu Zeit in die Höhe zu heben, daß neue Schleiftheilchen unter ihn kommen. Es wird ferner
  5. erwiesen, daß es in allen Fällen, wo keine ebene oder sphärische Oberfläche erzeugt werden soll (also [535] z. B. bei Ellipsoiden) nöthig sey, sich eines Schleifers zu bedienen, der dem zu schleifenden Körper nur eine Art von Spitze darbietet;
  1. daß man diesen Schleifer nie in der Richtung der Normale, sondern in schiefer Richtung auf die zu bildende Fläche müsse einwirken lassen; so zwar, daß
  2. jede Stelle der Fläche, die eine andere Krümmung hat, auch von einer anderen Stelle des Schleifers berührt wird.

4) Sind die so eben in Aussicht gestellten Fortschritte in der Kunst des Schleifens errungen, so wird auch eine bis nunmehr unerreichbare Vervollkommnung unserer katoptrischen sowohl als dioptrischen Sehwerkzeuge ermöglicht. Es kann nämlich nicht ferner gezweifelt werden an der Möglichkeit, Spiegel sowohl als Gläser von jeder beliebigen Krümmung ihrer Oberflächen zu liefern. Doppler begnügt sich, ein Paar zu diesem Zwecke geeignete Maschinen zu beschreiben, am genauesten Eine zur Schleifung elliptischer Spiegel, gleichviel nach welchem aus einer Ellipse entnommenem Bogenstücke sie gekrümmt seyn sollen. Ein Umstand von großer Wichtigkeit, weil – wie gezeigt wird – keineswegs der um den Scheitel des Ellipsoïds, sondern ein nach der beabsichtigten Vergrößerung verschieden gelegener Theil zwischen den beiden Axen die tauglichste Krümmung für einen katoptrischen Spiegel darbietet.

5) In Beziehung auf Spiegel empfiehlt uns der Verf. [6] auch noch ein eigenes Gemisch aus Silber und Zink, welches nach seinen hierüber angestellten Versuchen den höchsten Grad der Politur annimmt; und räth auch, sie möglichst dünn und in eisernen Formen von bedeutender Masse zu gießen, damit die Abkühlung möglichst beschleunigt werde.

6) Das von der Form dieser Spiegel No. 4 Gesagte gilt übrigens in seinem ganzen Umfange erst, wenn die von Doppler hier zuerst vorgeschlagene Construction der katoptrischen Sehwerkzeuge befolgt wird, bestehend darin, [536] daß man statt zweier, nur einen einzigen Spiegel gebraucht, den man so stellt, daß der vom Gegenstande kommende Strahl schief, ungefähr unter einem Winkel von 45° einfällt, und der reflectirte mit ihm sonach einen rechten Winkel bildet. Durch diese bei Fernröhren eben so wie bei Mikroskopen anwendbare Einrichtung werden, selbst wenn die sphärische Gestalt noch immer beibehalten wird, folgende Vortheile[WS 1] erreicht:

  1. die erzeugten Bilder besitzen wegen der nur einmaligen Reflexion eine bedeutend größere Lichtstärke; und haben
  2. besonders in der Mitte des Gesichtsfeldes nicht jene Dunkelheit, worüber man bei den bisherigen katoptrischen Werkzeugen klagt;
  3. sind von den Schwierigkeiten und Fehlern befreit, die eine genaue Zusammenstellung der beiden Spiegel verursacht;
  4. da alle Strahlen hier schief auffallen, so werden sie (wie bekannt) nicht nur vollständiger, sondern auch regelmäßiger zurückgeworfen, da ja selbst Flächen, die bei senkrecht auffallenden Strahlen gar keine Spiegelung zeigen, spiegeln, sobald sie schief gehalten werden.

Bei der elliptischen Form erhalten überdieß

  1. die durch das Ocular angesehenen Bilder einen viel höheren Grad von Vollkommenheit, da sie von den Fehlern der Kugelabweichung frei sind.
  2. Die Mikroskope aber werden wegen der größeren Entfernung des Objecttisches vom Tubus eine noch viel bequemere Beleuchtung als selbst jene von Amici verstatten.
  3. Spiegelfernröhre endlich, nach diesem Princip erbaut, müssen an Lichtstärke sowohl als an Präcision des Bildes die Teleskope Newton’s, Gregory’s und Cassegrain’s weit übertreffen; und es ist in der That zu bewundern, daß man es auch bei Anwendung des Paraboloïds zu Brenn- oder Beleuchtungsspiegeln [537] bisher noch unterließ, eine andere als Scheitelparthie zu benutzen.

7) Nachdem der Verfasser die Gründe angegeben, warum er beim Fernrohre eine beträchtlich höhere Vervollkommnung, namentlich eine bedeutend stärkere Vergrößerung des Bildes, als eben jetzt schon durch Herschel’s und Roß’s Riesenteleskope geleistet worden ist, kaum mehr für möglich erachte, beklagt er, wie uns däucht, sehr mit Recht, daß hinsichtlich auf das Mikroskop (von dessen Vervollkommnung sich doch die Naturkunde, die Heilkunst und mehrere andere Wissenschaften die wichtigsten Dienste versprechen können), nicht einmal dasjenige geleistet worden sey, was man füglich schon auf dem bisherigen Standpunkte der Wissenschaft zu leisten vermocht hätte. Er spricht nun den sehr billigen Wunsch aus, daß man, nachdem wir bereits so viele mit Königlicher Munificenz errichtete und mit den kostbarsten Instrumenten ausgerüstete Tempel Uraniens haben, endlich auch ein mikroskopisches Observatorium mit einem Riesenmikroskope erbauen möge. Nach seinem Vorschlage wäre hiezu nichts weiteres erforderlich als ein einstöckiges Gebäude von etwa 40° Länge, und nöthigenfalls selbst nur 5° Breite; in dessen erstem gegen Süden gelegenen ebenerdigen Zimmer sich der Objectivtisch befände, versehen mit allen möglichen Beleuchtungsapparaten für durchscheinende sowohl als dunkle Gegenstände (bei welcher Gelegenheit der Verf. erinnert, daß er ein Mittel kenne, das Sonnenlicht mit Absonderung fast all seiner Wärmestrahlen zu concentriren). In dem unmittelbar über diesem befindlichen Zimmer des ersten Stockes wäre der einzige unter einem Winkel von 45° schief gestellte Spiegel, der etwa 20 Mal vergrößern würde, wenn er eine Brennweite von 2° hätte, wobei er etwa 2’ lang und 14’’ breit seyn könnte. Das Licht von den Objecten fiele durch ein hinreichend großes Loch in dem Fußboden auf diesen Spiegel, und würde in einer nahezu horizontalen Richtung in den anstoßenden finsteren Gang geworfen, an dessen Ende es durch einen Oculareinsatz von etwa [538] 1000facher Vergrößerung aufgefangen, dem Auge den Gegenstand in einer 20000fachen linearen Vergrößerung darstellen würde. Ein solches Riesenmikroskop würde nun nebst den schon No. 6 erwähnten noch folgende Vortheile gewähren:

  1. Den zu betrachtenden Objecten könnte jeder nur immer beliebige Grad der Beleuchtung durch Sonnen- oder Hydrooxygengas-Licht ertheilt werden.
  2. Darum, und wegen ihrer im Vergleiche zur Entfernung vom Spiegel außerordentlichen Kleinheit, würden sie ein sehr helles und vollkommen scharf begränztes physisches Bild dem Ocular darbieten.
  3. Auch wäre das Gesichtsfeld hier ein viel weiteres, und es würden somit kleine sich bewegende Körper, wie Infusorien, sich nicht gleich wieder der Beobachtung entziehen; ja es könnten selbst größere Körper, z. B. Glieder des menschlichen Leibes, in ihren organischen Veränderungen mikroskopisch beobachtet werden, woraus sich vielleicht gar manche Aufschlüsse über die Natur gewisser Krankheiten, und Mittel zu ihrer Diagnose sowohl als Heilung ergeben würden u. s. w.

8) Ein Apparat, um jede noch so geringe Abweichung eines Lichstrahls von seiner Bahn auf das Genaueste zu messen. [7] Die Sache beruht auf dem sehr einfachen Gedanken, daß ein Lichtstrahl (Fig. 9, Taf. I), der auf eine spiegelnde Cylinderfläche so auffällt, daß er sie in entweder genau oder doch nahezu berührt, durch die geringste Ablenkung in seiner Richtung von derselben Fläche dergestalt reflectirt wird, daß seine neue Richtung mit der ersten einen vielfältig größeren Winkel bildet, als der ursprüngliche Ablenkungswinkel war. Ist nämlich die Entfernung , der Halbmesser , so findet sich, und in Secunden ausgedrückt:

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Taf. I Fig. 9

[539]

und wenn man vernachlässigen kann:

Also z. B. wenn , und der Winkel nur 0,001 Sec. beträgt, so ist Sec., d. h. 129400 Mal so groß als . Und wenn dieser Strahl von da auf einen zweiten spiegelnden Cylinder von derselben Größe fiele, wo aber nur wäre, so erhielte man einen Ablenkungswinkel, der schon mehr als 22 Millionen Mal überträfe. Doppler wählt nun zu seinem Meßapparat in der That zwei Cylinder und (Fig. 10, Taf. I) von 1 Zoll Durchmesser, beide in Nuthen beweglich, deren die eine auf den Strahl , dessen Ablenkung gemessen werden soll, nahezu senkrecht, die andere nahezu ihm gleichlaufend ist. Erst stellt man so weit zurück, daß es vom Strahle noch nicht berührt wird, zieht den Cylinder in seiner Nuthe gegen zurück, und giebt der Diopter eine solche Lage, daß der von irgendwo in reflectirte Strahl durch sie gesehen wird; worauf man den Cylinder mittelst einer Stell- und Mikrometerschraube dem Strahle wieder so sehr nähert, als es nur möglich ist, ohne eine Ablenkung desselben zu bewirken. In dieser Stellung nun läßt man beide Cylinder, bis jene den Strahl aus seiner Lage verrückende Ursache eingewirkt, und ihn aus in versetzt hat. So klein auch der Winkel seyn mag, wird doch der Winkel groß genug seyn, um ihn zu messen, und rückwärts aus ihm den ersteren zu berechnen.

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Taf. I Fig. 10

9) Endlich beschreibt Doppler [8] ein Photometer oder einen Apparat zur Messung der Lichtintensitäten, von dem er in der Folge einen höchst wichtigen Gebrauch macht. Dieß Instrument besteht aus einer matt schwarzen Platte aus Blech oder sonstigem Material (Fig. 11) von etwa 8 bis 12’’ Länge und etwa 8’’ Breite mit einer Querwand [540] bei , deren veränderliche Breite so verkürzt werden kann, bis der Beobachter, der das mit einer Handhabe bei nach unten zu, und bei durch eine sattelähnliche Vertiefung zur Aufnahme des Gesichtsvorsprungs versehene Instrument vor sich nimmt, einen entfernten Gegenstand mit beiden Augen zu sehen beginnt, und demnach mit jedem einzeln nur die Hälfte des ganzen Gesichtsfeldes übersieht. In und sind Dioptern mit veränderlichen, doch genau meßbaren Aperturen angebracht. Zu diesem Zwecke schlägt Doppler vor, diese Oeffnungen nicht kreisrund, sondern rechteckig einzurichten, etwa indem man zwei über einander liegende feine Doppelplättchen so anbringt, daß sie sich mittelst Mikrometerschrauben nähern und entfernen lassen, und eine bequeme Ablesung der Seiten des Rechtecks gestatten. Bei Gegenständen, die mit freien Augen gar nicht mehr sichtbar sind, wird man statt bloßer Dioptern zwei möglichst gleiche Fernröhre anzubringen haben.

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Taf. I Fig. 11

Dieß Werkzeug nun dient zur Messung der Lichtintensitäten zweier Objecte, deren das Eine durch das Eine, das andere gleichzeitig durch das andere Auge gesehen werden kann, wenn man die Aperturen so lange ändert, bis beide Objecte einen ganz gleichen Eindruck auf das Auge machen, wo dann begreiflich aus der Verschiedenheit der dazu nöthigen Aperturen auf die verschiedene Intensität des Lichts der Objecte geschlossen werden kann. Wie man sich zu helfen habe, wenn die Empfindlichkeit der Augen für das Licht ungleich ist, muß man bei dem Verf. selbst nachlesen. [9]

[541]
II. Zur Akustik, Optik und allgemeinen Wellenlehre.

1) Die sehr einleuchtende Wahrheit der allgemeinen Wellenlehre, auf welche Doppler zuerst aufmerksam machte [10], daß nämlich die Einwirkung, die ein in Wellenbewegung begriffenes Mittel, auf einen diese Wellen auffangenden Gegenstand ausübt, eine Veränderung erfahren müsse, wenn dieser Gegenstand selbst, oder das Mittel oder das die Wellen erregende Object ihre gegenseitige Stellung mit einer Geschwindigkeit ändern, die nicht ganz unbeträchtlich ist im Vergleiche zu dem bei dieser Wellenbewegung stattfindenden Geschwindigkeiten, – ist zu viel umfassend und zu fruchtbar in ihren Anwendungen, als daß sie durch das Wenige, was Doppler darüber in jener Abhandlung, oder in seinen Bemerkungen dazu [11] gesagt, hätte erschöpft werden können. Wieder nur einige besondere Fälle also jetzt zunächst in Beziehung auf den Schall, betrachtet Doppler unter der Ueberschrift: Methode, die Geschwindigkeit, mit der die Luftmolekel beim Schalle schwingen, zu bestimmen. [12] Eine Locomotive fährt auf geradliniger Bahn von über gegen (Fig. 12, Taf. I). An dem Orte , wo die Maschine bereits eine gleichförmige Geschwindigkeit erreicht hat, steht ein Beobachter, der aufmerkt, an welcher Stelle der Ton eines mit der Maschine selbst forteilenden Toninstruments einen ganz gleichen Eindruck auf sein Ohr macht, wie der Ton eines in aufgestellten, das jenem ganz gleich tönt. [542] Bezeichnen wir durch die Geschwindigkeit, welche die durch das Instrument in Schwingung versetzten Lufttheilchen eben in der zur Einheit angenommenen Entfernung von demselben im Punkte ihrer ursprünglichen Ruhelage (wo jene Geschwindigkeit am größten ist) erreichen, und die Entferneng durch , so ist die Intensität des Schalles, den das in ruhende Instrument in haben muß, und die des Instruments in , wenn die Entfernung in , in eben diesem Orte , wo einen constanten Factor bezeichnet. Wenn also und einander gleich sind, findet sich .

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Taf. I Fig. 12

Ich übergehe das Uebrige, zumal sich voraussetzen läßt, der Leser werde die Möglichkeit der Lösung auch der letzten Aufgabe in dieser Abhandlung von selbst schon begreifen: auf welche Weise nämlich ein Blinder, der nichts anderes, als die bald steigenden, bald niederfallenden Intensitäten eines in einer Ellipse mit gegebener Geschwindigkeit sich fortbewegenden Toninstruments beobachtet, die Elemente dieser Ellipse zu bestimmen vermöchte. Jedem fällt ein, auf welche ähnliche Aufgabe in der Astronomie dieß deute.

2) Eine andere, von Doppler zuerst zur Sprache gebrachte [13] Wahrheit lautet, daß jeder Wellenstrahl, der in ein rotirendes Medium einfällt, während der Zeit seiner Bewegung durch dasselbe, nebst der bei seinem Ein- und Austritte etwa stattfindenden gewöhnlichen Brechung noch eine eigene Ablenkung erleide, welche zunächst nur in der Rotation des Mediums begründet ist, und um so bedeutender wird,

  1. je größer die Winkelgeschwindigkeit dieser Rotation,

[543]

  1. je länger der Weg, welchen der Strahl in dem Medio durchläuft, und
  2. je geringer die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Strahles in diesem Medio ist.

Doppler nennt diese Ablenkung die rotatorische, und es ist offenbar, daß der Ablenkungswinkel , wenn die Länge des Weges in dem Mittel in Meilen , die Fortpflanzungsgeschwindigkeit darin gleichfalls in Meilen , und die Umdrehungszeit des Mediums in Secunden ist:

sey.

3) Ist der in Rede stehende Wellenstrahl von einer so zusammengesetzten Natur, wie das Licht, d. h. besteht er aus Strahlen, die eine verschiedene Fortpflanzungsgeschwindigkeit haben, so begreift man leicht, [14] daß diese rotatorische Ablenkung auch eine Zerstreuung jener verschiedenartigen Strahlen zur Folge haben müsse. Es ist nämlich, wenn und die beziehungsweisen Fortpflanzungsgeschwindigkeiten zweier sich durch dasselbe Mittel bewegenden Strahlen sind, der Unterschied ihrer Ablenkungswinkel oder die Dispersion

Doppler bemerkt, daß durch bloße rotatorische Ablenkung zuweilen sogar eine Reflexion in sich selbst; in anderen Fällen eine Dispersion nach allen Richtungen hervorgebracht werden könne; daß parallele Strahlen nach ihrem Austritte durch bloße rotatonische Brechung divergent werden, daß endlich selbst Interferenzphänomene zum Vorschein kommen können, u. m. A.

4) Besondere wichtig ist die Anwendung, die Doppler von diesen Lehren zu einer entscheidenden Prüfung der neueren Undulationslehre beibringt. Es seyen etliche, etwa fünf gläserne und eben so viele spiegelmetallene Cylinder von ungefähr 2’’ Durchmesser so zusammengestellt, daß ein homogener Lichtstrahl, den man in möglichst centraler [544] Richtung auf den ersten gläsernen Cylinder leitet, bei ruhendem Mechanismus nach seinem Austritte möglichst tangentiell auf einem nicht allzu nahen fixen Metallcylinder auffällt, von welchem reflectirt, er den zweiten Glascylinder abermals möglichst diametral trifft u. s. w. Hinter dem letzten Spiegelcylinder befinde sich eine Diopter, die so fixirt wird, daß bei unbewegtem Mechanismus das Auge den Lichtstrahl wahrnimmt. Setzt man hierauf die Glascylinder in Bewegung, so muß, wenn diese auch noch lange nicht so schnell ist, als die zu einem ähnlichen Zwecke von Hrn. Dr. Ballot [15] verlangte, der Strahl verschwinden, und eine andere Stellung für die Diopter aufgesucht werden. Aus dieser Ortsveränderung der Diopter läßt sich nun auf die bei dem Strahle stattgefundene rotatorische Brechung schließen. Und stellt man solche Versuche mit den verschiedenfarbigen Lichtstrahlen an, so muß es sich zeigen, ob diesen eine ungleiche Fortpflanzungsgeschwindigkeit zukomme, wie es die neue Undulationslehre will, oder nicht.

5) Noch eine bisher unbeachtet gebliebene Veränderung in den Weltenstrahlen muß nach Doppler’s gewiß begründeter Bemerkung eintreten, unmittelbar an der Stelle, wo zwei Fortpflanzungsmedien, selbst zwei ganz gleichartige, aneinandergränzen, oder wo auch nur Ein solches Medium an einen Körper mit reflectirender Oberfläche gränzt, so oft sich beide in einer relativen Bewegung (von hinlänglicher Geschwindigkeit) gegen einander befinden. Diese Veränderung, wiefern sie (was der gewöhnlichste Fall seyn muß) auch auf die Richtung des Strahles sich erstreckt, und bald in einer völligen Reflexion desselben besteht, nennt Doppler die motorische Brechung oder Reflexion; begnügt sich jedoch [16] nur die einfachsten hier möglichen Fälle in Betracht zu ziehen, indem [545] er das Medium, aus dem der Wellenstrahl herkommt, als ruhend, und den angränzenden Körper, der entweder ein gleichartiges Medium oder ein reflectirender ist, in einer bloß geradlinigen Bewegung annimmt. Hier nun glaubt er beim Schalle, wo es geständlich nur longitudinale Schwingungen giebt, mit aller Zuversicht behaupten zu dürfen, daß ein Schallstrahl, der aus einer ruhenden Luftschicht an eine bewegte (sey es auch übrigens völlig gleichartige), in senkrechter Richtung anlangt, hier nicht in derselben, sondern in derjenigen Richtung fortschreiten werde, welche die aus seiner bisherigen Geschwindigkeit und der des neuen Mediums hervorgehende Resultante angiebt. Unter dieser Geschwindigkeit des Schallstrahles will er jedoch hier nicht seine Fortpflanzungs- sondern seine Schwingungsgeschwindigkeit, nämlich diejenige verstanden wissen, welche die Luftmolecule in ihren anfänglichen Ruhelagen haben. – Fällt aber der Schallstrahl auf eine reflectirende Oberfläche, so wird in ähnlicher Weise behauptet, daß seine Reflexion nicht in sich selbst, sondern in derjenigen Richtung erfolgen werde, welche wir durch Zusammensetzung seiner entgegengesetzten Bewegung mit der des reflectirenden Körpers erhalten. Doppler trägt auf Versuche an, durch welche dieß Alles auf einer Eisenbahn erprobt werden könne, und meint, daß wir auf diese Art auch einen Aufschluß auf die Mulecularbewegung der Lufttheilchen, wohl gar auf ihren Abstand von einander, gewönnen. Aehnliche motorische Ablenkungen, meint er, müssen auch bei dem Lichte stattfinden; obgleich er das wegen der eigenthümlichen Ansicht, welche so manche Vertheidiger der Undulationstheorie über die Lateralschwingungen des Lichts aufgestellt haben, nicht mit gleicher Zuversicht zu behaupten wagt. Um aber hierüber zu einer Entscheidung, und dadurch auch zu klareren Begriffen über die Natur des Lichts zu gelangen, verweist er auf den Weg der Beobachtung; und es ist in der That kaum zu bezweifeln, daß durch den I., 8) beschriebenen Apparat ein Mittel dargeboten sey, [546] das Vorhandenseyn einer motorischen Ablenkung beim Lichte, wäre sie auch noch so gering, wahrzunehmen [17].

6) Wenn wir unter der Optik, wie es ihr Name sogar erheischt, nicht eine bloße Lehre vom Lichte, sondern auch vom Sehen selbst verstehen, so gehört auch folgende Entdeckung Doppler’s [18] recht eigentlich zur Optik. Jeder Gegenstand, dessen auf die in unserem Auge befindliche Netzhaut entworfenes Bild so klein ausfällt, daß es nur eine einzige ihrer Papillen einnimmt, wird eben deshalb von uns als etwas Einfaches, daran wir keine Mehrheit der Theile, und darum auch keine Umgränzung und Gestalt unterscheiden, wahrgenommen. Zu dieser Entdeckung (welche ganz analog mit einer anderen Beobachtung ist, nach der auch unser Tastsinn an eine ähnliche Gränze gewiesen ist; indem wir nur dann das Gefühl von zwei auf uns einwirkenden Gegenständen erlangen, wenn zwei verschiedene Papillen unserer Gefühlsnerven gleichzeitig angegriffen werden) gelangte Doppler durch eine sehr einfache Vergleichung. Es war ihm nämlich von der einen Seite bekannt, daß man den kleinsten Gesichtswinkel, unter dem unser Auge ein Object nur noch als einen untheilbaren Punkt erblickt, auf ungefähr 40 Sec. schätze; und von der anderen Seite wußte er, daß der Durchmesser einer Nervenpapille [547] der Retina nur etwa Par. Zoll betrage. Indem er nun berechnete wie groß der Bogen sey, den zwei aus dem Mittelpunkte der Krystalllinse unter einem Winkel von 40 Sec. gezogene Halbmesser an der Retina einschließen, fand sich der eben erwähnte Durchmesser einer Papille.

7) Diese rein physikalische Entdeckung veranlaßt Doppler zu sagen, daß die jodirte Daguerre’sche Platte eine beträchtlich größere Empfindlichkeit für das Licht äußere, als unser menschliches Auge; womit er freilich nichts Anderes meint, als daß diese Platte Lichteindrücke aufnehme von Gegenständen, die, von der Platte aus betrachtet, sich unter einem bedeutend kleineren Gesichtswinkel als 40 Sec. sind, darstellen müßten. Er schließt dieß, weil die feinen Quecksilberkügelchen, welche die Einwirkung des Lichts auf der Platte niederschlägt, einen viel kleineren Durchmesser als Zoll haben [19]. Dieser Umstand nun läßt sich, wie Doppler zeigt, zur Vervollkommnung unserer Sehkunst, namentlich zur Beobachtung solcher Objecte benutzen, die ihrer Entfernung wegen unter einem Gesichtswinkel <40’’ erscheinen. Richten wir nämlich auf einen solchen Gegenstand ein Fernrohr, und schieben an der Stelle, wo sich das Bild des Objects erzeugt, eine jodirte Silberplatte ein, so wird sich auf dieser ein aus kleinen Quecksilberkügelchen zusammengesetztes Bild jenes Gegenstandes entwerfen. Und da diese Kügelchen eine sehr starke Beleuchtung vertragen und ein sehr starkes Reflexionsvermögen besitzen, so wird es möglich seyn mit einem guten Mikroskop [548] dieß Bild noch wahrzunehmen, ja seiner Größe nach zu messen, wenn der Gesichtswinkel desselben auch bedeutend <40’’ ist. Gewährt z. B. das Objectivglas des Fernrohrs für sich allein auch nur eine 14malige, das Mikroskop aber eine 1200malige Vergrößerung, so wird der Gegenstand noch gesehen und gemessen werden können, wenn der Gesichtswinkel auch nur Sec. beträgt.

8) Wie bei dem Schalle (in II., 1)) lehrt Doppler uns auch beim Lichte die Geschwindigkeit, mit der die Aethertheilchen in unserer Nähe schwingen, berechnen; nämlich durch die Veränderung in der Intensität des Lichts, welches derselbe leuchtende Gegenstand, z. B. ein Stern, uns zusendet, wenn wir bei ziemlich gleicher Entfernung einmal uns ihm entgegen, einmal uns von ihm wegbewegen mit einer Geschwindigkeit, welche mit der zu berechnenden in einigen Vergleich kommt. Zur Messung der beiden Lichtintensitäten bedient man sich des I., 9) beschriebenen Apparats, und wählt absichtlich Sterne, deren Licht sehr schwach und dem Erlöschen nahe ist; wo sich erwarten läßt, daß der Geschwindigkeitsunterschied in der Bewegung unserer Erde zu oder ab (etwa 9 Meilen in der Sec.) eine nicht unbeträchtliche Veränderung in der Intensität erzeugen werde. Je nachdem nun die Hypothese der longitudinalen oder jene der lateralen Schwingungen die wahre ist, wird sich entweder in den Quadraturen oder in der Conjunction und Opposition der stärkste Lichtunterschied ergeben; und man wird also nebst der gesuchten Schwingungsgeschwindigkeit des Lichts

9) auch in Erfahrung bringen, welche von jenen beiden Hypothesen die richtige sey.

10) Aus der bekannten Schwingungsgeschwindigkeit endlich wird sich nach einer bekannten Formel auch die Größe der Excursion der Aethermolecule bestimmen lassen.


III. Zur optischen Astronomie.

Diese Benennung erlaubt sich Doppler demjenigen Theile der Astronomie zu geben, zu dessen Kenntniß uns [549] bloß durch Anwendnug der ehedem nicht beachteten optischen Lehrsätze ein Weg gebahnt wird. Wie umfangsreich dieser Theil mit der Zeit zu werden Hoffnung giebt, und wie viele bisher für ummöglich gehaltene Entdeckungen über die Natur, Größe und Entfernung der Himmelskörper durch die Mittel, auf deren Gebrauch uns Doppler nur bisher aufmerksam gemacht hat, in Aussicht gestellt werden, ist in der That überraschend.

1) Bloß der Gedanke der rotatorischen Ablenkung eines Lichtstrahls [20], wie vielfältig läßt er sich nicht zur Erweiterung unserer Himmelskunde benutzen!

  1. Bei den Bedeckungen der Fixsterne durch die Planeten, besonders durch Jupiter, muß durch die Atmosphäre derselben eine bald größere, bald geringere rotatorische Ablenkung bewirkt werden, die bei dem letztgenannten wohl bis auf 26 Raumsecunden anwachsen dürfte, somit auch der Beobachtung zugänglich seyn, und durch ihre Größe aus einen Rückschluß auf die Größe und Rotationsgeschwindigkeit seiner Atmosphäre erlauben wird.
  2. Eine ähnliche Ablenkung muß bei den Verfinsterungen der Monde durch ihre Hauptplaneten stattfinden, und kann, z. B. bei dem vierten Jupitermonde, einen Unterschied von einer halben Minute Zeit in seinem Verschwinden oder Wiedererscheinen zur Folge haben.
  3. Die Frage, ob das Zodiacallicht nur ein Theil der Sonnenatmosphäre sey, wird sich entscheiden lassen, wenn wir beobachten, ob der Distanzunterschied zweier Sterne, davon bald nur der Eine, bald Beide außerhalb dieses Lichtes erscheinen, in angemessener Weise sich ändere oder nicht.
  4. Bei den Beobachtungen der Fixsterne und Planeten durch den Schweif eines Kometen, zumal um die Zeit seines Periheliums, muß sich eine große Ablenkung zeigen; bei dem im J. 1843 mußte sie Grad betragen.

[550]

  1. Auch die höchst schwierige Frage, ob ein gegebener Nebelfleck eine rotatorische Bewegung habe, und von welcher Winkelgeschwindigkeit sie sey, wird sich, wie der Verf. zeigt, durch die Beobachtung der eigenthümlichen Ablenkung, welche das Licht eines nahen Fixsternes durch ihn erleidet, zuweilen beantworten lassen.
  2. Auch die Höhe unserer Erdatmosphäre ließe sich durch Vergleichung der rotatorischen Ablenkung am Horizont und im Zenith bestimmen u. m. A.

2) Aus der von ihm zuerst aufgestellten rotatorischen Ablenkung der Wellen wagt es, obgleich nur schüchtern, Doppler [21] das Aberrationsphänomen zu erklären, wenn anders vorausgesetzt werden darf, daß eine solche Ablenkung beim Lichte stattfinde.

3) Ein Problem, zu dessen Lösung wir bis jetzt gar keine Aussicht gehabt, war unstreitig die Bestimmung der Entfernungen und der wahren, ja auch nur der sogenannten scheinbaren Größen, d. h. der Gesichtswinkel, auch nur der nächsten, geschweige denn der entferntesten Fixsterne. Unser Gelehrte eröffnet uns einen doppelten Weg zu diesem nie gehofften Ziele. Der Eine brauchbar in dem fast von allen Anhängern der Undulationstheorie vorausgesetzten Falle, daß in freiem Aether gar keine Absorption des Lichts statt habe, der andere, sofern das Gegentheil gilt. Beide beruhen jedoch auf einer im Anfange unvermeidlichen Voraussetzung, daß der große Unterschied, den wir in dem Lichtglanze der Fixsterne gewahren, nur von ihrer verschiedenen Entfernung oder Größe, keineswegs aber von einer wesentlichen Verschiedenheit der Leuchtkraft der Theilchen an ihren Oberflächen selbst herrühre; eine Voraussetzung, die in der That um so annehmbarer ist, je wahrscheinlicher es ist, daß diese Körper alle einen nahezu gleichen Ursprung und ihr Leuchten eine allen gemeinschaftliche Ursache habe. [551]

  1. Erleidet das Licht bei seinem Fortgange im Weltraume keine Absorption, so vermindert sich die Lichtintensität eines sich uns als ausgedehnt darbietenden Körpers durch keine Entfernung, indem die Leuchtkraft jedes Punktes zwar verkehrt, wie das Quadrat der Entfernung, abnimmt, allein in eben diesem Verhältnisse auch die scheinbare Größe des Körpers abnimmt. Ist er uns aber schon so weit entrückt, daß er bloß als ein unausgedehnter Punkt erscheint, d. h. (II., 6)) ist sein Gesichtswinkel kleiner als 40’’ geworden: dann muß seine Lichtintensität nur eben im verkehrten quadratischen Verhältnisse seiner Entfernung abnehmen.
    1. Vergleichen wir nun mit dem I., 9) beschriebenen Intensitätsmesser zwei Sterne, deren Gesichtswinkel und sind, und sind die Occularaperturen, bei denen uns beide von gleicher Intensität erscheinen, und , so muß
      seyn. Wir werden somit durch wiederholte Anwendung dieses Verfahrens in den Stand gesetzt, nach und nach die Gesichtswinkel aller Sterne wenigstens im Verhältnisse unter einander kennen zu lernen, und würden somit diese auch in ihrem Bogenmaaße bestimmen können, wenn wir das Bogenmaaß nur eines einzigen derselben, z. B. des Sirius, erführen.
    2. Um zu diesem Ziele zu gelangen, hat der Verf. den sinnreichen Einfall, mit einer oder auch mit beiden Dioptern des Photometers eine Röhre von wenigstens 10’ Länge zu verbinden, welche an ihrem vorderen Ende mit einer metallenen Platte geschlossen ist, in der nur eine sehr kleine kreisrunde Oeffnung von etwa Einem Duodecimalpunkte angebracht ist. Richtet man diesen Apparat mit Einer seiner Röhren nach der Sonne, so übersieht man nur einen so kleinen Theil ihrer Scheibe, daß dieser ganz das Aussehen eines strahlenden Sternes hat; und beliebigenfalls [552] auch von diesen Strahlen befreit werden kann, wenn man die Oeffnung mit Terpenthin ausfüllt. Verschafft man sich jetzt noch eine Lichtquelle, die sich bei Tag und bei Nacht in ganz gleicher Weise erzeugen läßt, und vergleicht man diese Lichtquelle einmal mit der Sonne, ein andermal mit einem Sterne, z. B. Sirius, so hat man, wenn die Gesichtswinkel bei Sonne und Sirius und , die Aperturen und sind; der Gesichtswinkel bei der Lichtquelle , und die Apertur, um sie der Sonne gleich zumachen, , um sie dem Sirius gleich zu machen, ist:
      und somit:
      Da man nun aus der bekannten Länge der Röhre und dem Durchmesser der Oeffnung berechnen kann, so findet sich der Gesichtswinkel des Sirius, und dadurch auch der eines jeden anderen Sternes.
    3. Um nun zu einer Bestimmung der absoluten Entfernungen zu gelangen, erinnert der Verf. [22], daß wir (nach II., 8)) wenigstens bei sehr vielen Sternen im Stande sind zu bestimmen, mit welcher Geschwindigkeit ihr Licht in der Nähe unseres Auges schwinge. Wissen wir also von einem solchen Sterne zugleich, daß er sich zu gewissen Zeiten mit einer bekannten Geschwindigkeit, welche das eine Mal , das andere Mal ist, gegen uns bewege, und beobachten wir die Veränderung, welche durch diese Bewegungen in seiner Lichtintensität entsteht, indem wir die Aperturen, die ihn in gleichem Lichte zeigen, und messen, so findet sich, wenn seine in beiden Fällen nicht merklich unterschiedene Entfernung heißt: [553]

Ich gestehe offen, daß mir diese Methode, zu berechnen, von einer sehr beschränkten Anwendbarkeit scheint, weil wir doch nur in den seltensten Fällen die Geschwindigkeiten und zu bestimmen im Stande seyn dürften. Haben wir übrigens , so ist es freilich leicht, aus und dem Gesichtswinkel , die absolute Größe des Sterns, d. h. den Durchmesser zu berechnen.

  1. Glücklicherweise ist aber die hier zu Grunde liegende Voraussetzung, daß sich das Licht durch den ganzen Weltraum hin ungeschwächt verbreite, selbst nicht sehr wahrscheinlich, und der entgegengesetzte Fall, wenn eine Absorption, und zwar eine in gleichen Weiten ziemlich gleiche Absorption besteht, bietet ein Mittel von viel allgemeinerer Anwendung dar, die verschiedenen Entfernungen der Sterne gerade aus der verschiedenen, bei ihnen stattgefundenen Lichtschwächung selbst zu bestimmen. In diesem Falle giebt nämlich die in (a, α) vorgeschriebene Methode den Gesichtswinkel stets etwas kleiner an, als er in Wirklichkeit ist, und der Unterschied zwischen dem wahren und dem nach dieser Art berechneten ist um so größer, je entfernter der Stern ist. Legen wir aber die uns irgend woher schon bekannte Entfernung eines der nächsten Fixsterne als Einheit zur Messung anderer Entfernungen zu Grunde, und bezeichnen wir den Theil des Lichts, der auf jenem der Einheit gleichen Wege absorbirt wird, durch , so daß der übrigbleibende Theil ist, so bleibt auf einem Wege, der Mal so lang ist, nur der Theil , und es besteht die Gleichung:
    Besäßen wir also ein Mittel, wodurch sich die wahren Gesichtswinkel bei allen Sternen, ganz unabhängig davon, ob es eine Absorption des Lichts giebt oder nicht, ausmessen lassen, so könnten wir bloß [554] dadurch, daß wir durch das Photometer bestimmen, die Entfernung und dann aus und auch die Durchmesser aller Sterne berechnen, wenn wir nur erst noch durch jenen einen, dessen Entfernung zur Einheit angenommen wird, vermittelst der für ihn stattfindenden Gleichung bestimmen.
    Ein solches Mittel aber bietet uns Doppler’s II., 7) beschriebenes Verfahren dar, durch welches wir uns daguerreotypische Bilder von jedem beliebigen Sterne verschaffen können, die – wenn sie auch wegen der Umdrehung der Erde in die Länge verzogen seyn sollten, durch ihre Breite jedenfalls uns einen leichten Schluß auf den wahren Gesichtswinkel des Sternes gestatten, da eine Lichtabsorption das Bild wohl matter machen, aber nicht seine Dimensionen verändern kann, wenn anders nicht etwa auf der daguerre’schen Platte eine Art Irradiation, ähnlich der auf der Retina des Auges, stattfindet, was wenigstens noch Niemand beobachtet hat [23].

4) Man begreift von selbst, wie sich durch dieses Verfahren auch entscheiden ließe, ob in dem durch den Weltraum verbreiteten Aether eine Lichtschwächung wirklich bestehe oder nicht. Fände sich nämlich für den Gesichtswinkel eines Sternes immer der gleiche Werth, man mag derselben nach 2, a, β oder nach 2, b, β bestimmen, so wäre das Vorhandenseyn des letzteren Falles erwiesen.

5) Haben wir einmal nach II., 8) die Geschwindigkeit berechnet, mit der die Aethermolecule bei dem von irgend einem Sterne in unser Auge gelangenden Lichte schwingen, und kennen wir bei diesem Sterne zugleich dessen Entfernung und Größe, oder nur dessen Gesichtswinkel , so ergiebt sich hieraus auch die Geschwindigkeit , [555] mit der die Aethermolecule eben dieses Lichtes in der Entfernung =1 von ihrer Lichtquelle schwingen, weil ist. Zeigte es sich, daß dieses in der That für alle Himmelskörper einen gleichen Werth hat, so wäre die Rechtmäßigkeit der gleich im Anfange No. 3 gemachten Verraussetzung einer gleichen Leuchtkraft der oberflächlichen Theilchen bei allen Sternen factisch erwiesen. Stellte sich aber ein Unterschied heraus, so erachtet man leicht, wie dieser zur Correction der ohne seine Berücksichtigung gefundenen Werthe von und benutzt werden könnte, und Anlaß zu einer Menge neuer Untersuchungen gäbe.

Und so wäre denn jetzt vollauf zu thun für alle Physiker und Astronomen! Jedem, der Muße hat, wäre Gelegenheit geboten zu sehr verdienstlicher Beschäftigung, zu Versuchen und Beobachtungen, die, wie immer sie ausfallen mögen, die Wissenschaft fördern, und deshalb auch einer dankbaren Anerkennung entgegen sehen dürften. Was Dopplern selbst belangt, so fühle ich mich schließlich verpflichtet zu bemerken, daß er gar nicht zu Denjenigen gehört, welche sich von dem Erfolge ihrer Erfindungen allzu sanguinische Hoffnungen machen, daß er die Einwürfe und die Schwierigkeiten, die der Ausführung seiner Vorschläge entgegenstehen, größtentheils sehr wohl kenne, auch in den Abhandlungen ihrer erwähnt und manche auf sehr befriedigende Art gehoben hat, wovon ich begreiflicherweise, um nicht weitläufig zu werden, hier nichts mittheilen konnte.


  1. Ich übergehe bei dieser Zählung absichtlich Doppler’s im J. 1845 enschienene Abhandlung: „Ueber die bisherigen Versuche des Aberrationsphänomens,“ (die wie die übrigen, bis auf eine einzige unten anzuführende Ausnahme, aus den Abh. d. K. Gesellschaft d. Wissensch. in Prag besonders abgedruckt, und in Commision bei Borrosch und Andrä zu haben ist), weil hier doch eigentlich keine neue Lehre aufgestellt, sondern nur die Unhaltbarkeit der bisherigen Erklärungen jenes Phänomens gezeigt wird. Auch auf den Inhalt der in diesen Annalen selbst schon, Bd. 68, S. 1 bis 35, aufgenommenen Abhandlung Doppler’s: „Bemerkungen zu meiner Theorie des farbigen Lichtes der Doppelsterne u. s. w.“ werde ich hier keine Rücksicht nehmen, weil ich voraussetzen darf, daß sie den Lesern schon bekannt sey.
  2. Hieher gehören besonders sein Cyklograph zur Verzeichnung von Kreisbögen mit sehr großem Halbmesser, und sein Instrument zur Verzeichnung der Cartesischen Curven.
  3. Siehe die erste der „zwei Abhandlungen aus dem Gebiete der Optik.“ Prag 1845.
  4. Siehe die zweite der nur erwähnten „Abhandlungen a. d. Gebiete der Optik. (Das Mittel ist übrigens nicht neu, unter Anderen schon von Savart angewandt worden. P.)
  5. In der reichhaltigen Abhandlung: „Ueber eine wesentliche Verbesserung des katoptrischen Mikroskops; mit sechs lithographischen Tafeln. Prag 1845.“
  6. In Henßler’s Zeitschrift. Mittheilungen v. J. 1844. S. 389.
  7. In der letzten der „drei Abhandlungen aus dem Gebiete der Weltenlehre u. s. w. Prag 1846.“
  8. In den „Beiträgen zur Fixsternkunde. Prag 1846. S. 5 u. ff.“
  9. Nebst den hier aufgezählten hat Doppler’s fruchtbares Talent noch mehrere andere Maschinen und Apparate erdacht, die theils schon in der Wirklichkeit ausgeführt, ihre Brauchbarkeit erprobten, theils in Modellen oder nur in Beschreibungen dem Gutachten der Prager K. Gesellschaft der Wissensch. vorgelegt wurden, ohne dem größeren Publico bisher noch bekannt geworden zu seyn. Ich will nur einige hievon nennen. Ein Gesichtswinkelmesser (Ommato-gonio-meter) mißt mit der größten Schnelligkeit den Gesichtswinkel, unter welchem sich ein Paar Objecte unserem Auge dargeboten haben; eine Kniehebel- und eine Hebladen-Presse von eigenthümlichen Baue; davon die erste bereits [541] im Großen ausgeführt in einer Fabrik den gehegten Erwartungen bestens entspricht; ein Instrument zur Construction der Eisenbahncurven; ein Mikroskop, bei welchem der Gegenstand, so nahe er auch der stärkeren Vergrößerung wegen an das Objectivglas herangerückt werde, dennoch von oben herab so Intensiv, als man nur immer wünscht, beleuchtet werden kann; u. a.
  10. In der Abhandlung: „Ueber das farbige Licht u. s. w.
  11. In diesen Annalen, Bd. LXVIII, S. 1 bis 35.
  12. In der ersten v. d. „drei Abh. a. d. Gebiete der Wellenlehre u. s. w.
  13. In der Abhandlung: „Ueber eine bei jeder Rotation des Fortpflanzungsmittels eintretende Ablenkung der Licht- und Schallstrahlen u. s. w. Prag 1844.“
  14. S. d. zweite der schon erwähnten „drei Abhandlungen u. s. w.“
  15. In diesen Annalen, Bd. 66, S. 321.
  16. In der letzten der „drei Abhandlungen a. d. Gebiete der Wellenlehre u. s. w.“
  17. In einer noch ungedruckten Abhandlung, die jedoch schon am 18. Juni 1846 in einer Sitzung der physikalisch-mathematischen Section der Prager Gesellschaft der Wissenschaften vorgelesen wurde, hat Doppler auch schon die Erfolge betrachtet, welche zum Vorschein kommen, wenn zwar die Quelle der Wellenbewegung und der Beobachter ruhen, aber das Fortpflanzungsmittel sich bewegt, oder auch das gerade Gegentheil statthat. Offenbar sind dieß Voraussetzungen, welche nicht nur beim Schalle wenn er vom Winde fortgetragen wird, ingleichen bei den Wellenbewegungen des Wassers und anderen tropfbaren Flüssigkeiten gar oft vorkommen; sondern die auch beim Lichte im Weltraume, wenn einzelne Parthien des Aethers oft mit namhafter Geschwindigkeit sich fortbewegen, eintreten müssen. Die gefundenen Ergebnisse sind äußerst merkwürdig, und erklären manche bisher schon wahrgenommene Erscheinung.
  18. In den „Beiträgen zur Fixsternkunde.
  19. Ich erlaube mir zu bemerken, daß neuere Versuche, die Hr. Corda in Gegenwart Mehrer angestellt hat, dasjenige, was Doppler über diesen Gegenstand a. a. O., S. 18, sagt, näher dahin berichtigt haben, daß die größten, in dem dunkeln Theile eines Daguerrotyp-Bildes befindlichen Quecksilberkügelchen bereits bei einer maligen Vergrößerung wahrgenommen werden, daß es dagegen in den mattweißen Parthien des Bildes auch so kleine giebt, daß erst eine 690malige Vergrößerung sie als untheilbare Punkte erblicken läßt. Versuchte Messungen gaben für die größten den Durchmesser von 0,000080, für die kleinsten aber kaum 0,000015 Par. Zoll.
  20. S. d. Abh. „Ueber eine bei jeder Rotation eintretende Ablenkung u. s. w.“
  21. Siehe „Drei Abhandlungen aus dem Gebiete der Wellerlehre u. s. w.“, S. 27.
  22. Beiträge zur Fixsternkunde, S. 26.
  23. Mir däucht eine solche Irradiation gleichwohl aus chemischem Grunde sehr wahrscheinlich; doch meine ich, daß es durch Doppler’s Photometer möglich seyn sollte auch sie zu bestimmen und in Rechnung zu bringen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Vorheile