Das Entenfangen mit Kürbissen

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gerstäcker
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Titel: Das Entenfangen mit Kürbissen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 332
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[332] Das Entenfangen mit Kürbissen. Das Entenfangen mit Kürbissen ist hier und da schon in Jagdkalendern und Zeitungen gewissermaßen als Scherz oder amerikanische Aufschneiderei beschrieben und behandelt worden, und doch besteht es und zwar sogar in verschiedenen Welttheilen, bei ganz verschiedenen Völkerstämmen und Nationen. Besonders wird es auf Java, und zwar hauptsächlich auf dem wirklichen Djara, der Osthälfte der Insel betrieben, wo in den offenen, von der See gefüllten Lagunen die Eingebornen gar nicht in Schußnähe an das scheue Geflügel hinankommen könnten.

Das Wasser muß aber zu dieser Jagd eine gewisse Tiefe haben, daß sie nämlich nicht zu schwimmen brauchen, sondern gehen können und die in der Nähe eines solchen natürlichen Teiches wohnenden Insulaner lassen nun, wenn sie merken, daß sich die Einen anfangen dorthin zu ziehen, eine Anzahl von Calebassen auf demselben wochenlang herumtreiben, ehe sie ihre Jagd beginnen. Die Thiere müssen sich erst förmlich an dieselben gewöhnen. Ist das geschehen, was gar nicht so lange dauert, so gleiten sie aus einem, ebenfalls schon dafür zubereiteten Versteck von Büschen in das Wasser, nehmen eine dieser Calebassen, in die kleine Löcher zum Durchsehen geschnitten sind, über den Kopf, und bewegen sich nun langsam und vorsichtig, etwa mit derselben Schnelle als eine von der Strömung oder dem Luftzug fortgeführte Calebasse der Stelle zu, wo sie eine Anzahl zusammen herumschwimmen sehen. Zwischen diesen treiben sie durch und fassen dann mit plötzlichem Griff die nächste bei den Füßen, ziehen sie unter Wasser, und stecken sie in einen, an ihrem Gürtel befestigten Sack; der nachfolgt die zweite, dritte und vierte und so weiter, so lange sie nur im Stande sind den ausersehenen Vogel auch fest zu packen und unter Wasser zu ziehen – die umherschwimmenden achten nicht darauf, oder kommen sogar noch eher zu der Stelle hin. Nur wenn der Fänger fehl greift, und die einmal berührte Ente wieder entkommt, ist die Jagd für den Tag vorbei, denn diese fliegt auf und die anderen folgen rasch dem Warnungsschrei.

Auf ganz ähnliche Art fängt auch der australische Wilde die Enten, nur daß er keine Calebassen hat. Auf dem Murray, dem Hauptstrom des Landes, halten sich das ganze Jahr hindurch zahlreiche Ketten von Enten, und in der That jedem anderen Wassergeflügel auf, und der nackte Wilde jener sonst ziemlich wildarmen Strecken weiß ihnen auf sehr geschickte Art beizukommen. Er geht bis an den Hals, oberhalb der Stelle, wo die Enten eingefallen sind, in’s Wasser, und deckt seinen Kopf so mit darum gebundenen Schilfbüscheln, daß er auf dem Wasser einem Busch irgendwo losgerissenen Schilfes gleicht, und treibt dann langsam mit der Strömung den Enten zu, die zu gewissen Tageszeiten entweder dicht am Ufer, oder auf im Strom liegenden Holz ruhig sitzen. In der Hand trägt er aber einen langen dünnen Stock, sehr häufig den zu diesem Zweck vorgerichteten Speer, an dessen unterm Ende eine dünne Schlinge befestigt ist. Ueber den Enten hält er, und weiß nun mit großer Fertigkeit die Schlinge gegen die Wasservögel hinzubringen, indem er fortwährend der Bewegung, die etwa die Strömung auf treibendes Schilf oder auf einen niederschwimmenden Stock ausüben könnte, treu bleibt. Jede Ente der er also im Stande ist, die Schlinge umzulegen, zieht er blitzschnell unter das Wasser, tödtet sie dort rasch, befestigt sie an einem, zu dem Zweck umgeschnürten Stück Bast, und fährt so lange damit fort, bis er ebenfalls einmal fehlgreift und dann die Enten, scheu gemacht, davon fliegen, wonach er sich etwas weiter im Strom niedertreiben läßt, bis er auf eine andere Kette kömmt.

Der Indianer ist, wie das Wild selber, scheu und listig, und beide ringen mit einander um ihre Existenz.

Fried. Gerstäcker.