Das ablegte Clavier

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Titel: „Das ablegte Clavier“
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 514
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Hierzu auch: Am „alten abgelegten“ Claviere, Heft 52, S. 863 u. 864
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[514] „Das abgelegte Clavier.“ Als wir die gewiß kühne, aber so wohlbegründete Bitte jenes Lehrers um ein altes, abgelegtes Instrument zum Druck gaben, überkam uns ein Gefühl, als ob wir dem Wohlwollen unserer Leser doch eine etwas starke Zumuthung gemacht hätten und wir waren auf ein beschämendes Fiasco gefaßt. Es waren aber nur wenige Tage nach der Expedirung der Nr. 22 der Gartenlaube verflossen, so mußten wir mit inniger Freude eingestehen, daß denn doch das gute Herz in Deutschland unverwüstlich ist und daß es in keiner Noth, sie heiße wie sie wolle, ganz vergeblich angesprochen wird. Es wanderte nicht bloß in die Stube des bedürftigen Schullehrers ein stattlicher Flügel, – fast jeder folgende Tag nach diesem ersten Anerbieten brachte ein neues, so daß in diesem Augenblick uns noch über zehn Instrumente die Verfügung freigestellt ist.

Allerdings sind, ohne daß über Erfolg oder Nichterfolg der gewagten Bitte noch ein Wort bekannt war, auch aus den Reihen der Schullehrer Stimmen bei uns eingegangen, welche sich „der Rede ihres Vorgängers“ wortgetreu anschlossen, und darum ersuchen wir die Besitzer der Instrumente, sich darüber zu erklären, ob sie auch für diese „Nachfolger“ ihr Anerbieten gelten lassen wollen. In mehreren dieser Briefe wurden uns Leiden und Entbehrungen von Lehrern und ihren Familien offenbart, welche die des ersten Bittstellers bei weitem übertrafen; für solche Kreuzträger ist es ein Wunder des Himmels, wenn die Musik ihnen noch Trost und Erholung bringen kann, und um so dringender ist unser Wunsch, vor Allen ihnen das Glück, das ihnen unerreichbar erschienen, zu bescheeren.

Die Mehrzahl der menschenfreundlichen Schenkgeber hat zwar die Verschweigung ihrer Namen gewünscht, um aber wenigstens eine Art Quittung und zugleich Hinweisung auf die Standorte der ausgebotenen Instrumente zu geben, lassen wir eine Bezeichnung derselben folgen. Außer dem ersten Instrument, welches von Frankfurt a. M. aus seinen jetzigen Besitzer erfreute, wurden noch zur Verfügung gestellt: in Leipzig ein Fortepiano; in Friedberg in Hessen „ein gebrauchter Wiener Flügel“; in Waldenburg in Schlesien ein sechsthalboctaviger Flügel; in Baiersdorf bei Nürnberg ein Flügel; im Forsthaus bei Limbach in Sachsen ein Flügel; in Schwarzhammer bei Marktleuthen in Baiern ein Flügel; in Zöschlingsweiler bei Lauingen in Baiern ein „abgelegtes Clavier“; in Hamburg ein tafelförmiges Pianoforte von sechs Octaven; in Jakobsau bei Lessen in Westpreußen ein Clavier; in Oster-Terp bei Lügumkloster in Schleswig ein Fortepiano von sechs Octaven.

Auch Baargelder sind für denselben Zweck eingegangen; da aber der ursprüngliche Zweck bereits vollständig erreicht ist, so fragen wir bei den Gebern hiermit an, ob die Verwendung jener Gaben als Unterstützung für die Transportkosten obiger Instrumente ihre Genehmigung hat.