Der Freyer

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Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Der Freyer
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 209
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[209]
Der Freyer.


Ein Freyer bat einst einen Freund,
Ihm doch ein Mädchen vorzuschlagen.
Ich will dir zwey, versetzte jener, sagen,
Dann wähle die, die sich für dich zu schicken scheint.

5
     Die erste hat, nebst einem Rittersitze,

Ein recht bezauberndes Gesicht,
Liebt den Geschmack, spricht mit dem feinsten Witze,
Und schreibt die Sprachen, die sie spricht.
Sie spielt den Flügel schön, und kann vortrefflich singen,

10
Und malet so geschickt, als es die Kunst begehrt.

Und in der Wirthschaft selbst giebt sie gemeinen Dingen
Durch ihre Sorgfalt einen Werth.
Allein bey aller Kunst und allen ihren Gaben
Hat sie kein gutes Herz.

15
     Die andre sieht nicht schön,

Wird wenig im Vermögen haben,
Und von den Künsten nichts, die jene kann, verstehn;
Doch bey Verstand und einem stillen Reize,
Der, ohne daß sies sieht, gefällt,

20
Besitzt sie, frey von Stolz und Geize,

Das beste Herze von der Welt.
Was thätst du wohl, wenn dich die erste haben wollte?
Ach, fieng der Freyer an, wenn dieß geschehen sollte:
So spräch ich zu der ersten Nein,

25
Um dadurch bald der andern werth zu seyn.