Der Kinetograph

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Der Kinetograph
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[688] Der Kinetograph. Jetzt werden bald die Theaterkritiker von ihren Zimmern aus ihr Amt versehen und den Vorstellungen der Bühne beiwohnen können. Der Erfinder des Phonographen, Edison, hat einen Kinetographen erfunden. der zu den modernen Wundern gehört, mit denen uns geniale Köpfe durch geistreiche Anwendung der Naturkräfte überraschen. Nach Edisons eigenen Aeußerungen ist der Kinetograph eine Maschine, welche das System des Phonographen mit der Photographie verbindet, so daß jemand in seinem Zimmer sitzen und auf einem gespannten Leinenschirm die nach photographischen Aufnahmen reproduzierten Bilder vergangener Theatervorstellungen, alle Bewegungen der Schauspieler etc. genau sehen sowie gleichzeitig aus dem Phonographen die Stimmen der Sänger und die Musik einer Oper genau hören kann. Jede Bewegung der Gesichtsmuskeln wird bis ins kleinste wiedergegeben. Ein Faustkampf kann in der Art vorgeführt werden, daß man nicht nur jeden Schlag deutlich sieht, sondern selbst dessen Geräusch hört. Der Apparat wird auf einen Tisch vor der Bühne hingestellt: er photographiert die szenischen Bilder, also vor allem die Bewegungen der Schauspieler in einem Tempo von 46 Eindrücken in der Sekunde und nimmt zugleich den leisesten Laut auf. Die Photographien werden dann entwickelt, und eine Projektionslinse tritt in dem Apparat an die Stelle der photographischen. Richtet man nun die Photographie her und bringt ein Calciumlicht zum Brennen, so kann die ganze Scene in dem Zimmer eines Privatmannes wiedergegeben werden, und zwar noch nach Jahren und so oft man will. da die Abdrücke dauernd und. Des Mimen flüchtige, an den Augenblick gebundene Kunst gewinnt daher Dauer in einer bisher nicht geahnten Weise, und nicht weniger wird das Gesichterschneiden des Stümpers, jede seiner falschen Betonungen verewigt. Wie leicht hat es da die Theaterkritik der Zukunft.