Der Liedsprecher

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Joseph von Eichendorff
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Liedsprecher
Untertitel:
aus: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und Romanzen. S. 248-251
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1826
Verlag: Vereinsbuchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Universitätsbibliothek Greifswald, Signatur: 520 Bn 420; Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[248]

     Der Liedsprecher[1].

Und wo ein tüchtig Leben
Und wo ein Ehrenhaus,
Da geht der Sänger eben
Gern gastlich ein und aus.

5
Der freudige Geselle

Grüßt Pfaff und Rittersmann.
Und frische Morgenhelle
Weht all’ im Liede an.

Und kühn im Rossesbügel

10
Der Ritter waldwärts zieht,

Und das Gebet nimmt Flügel
Und überfliegt das Lied.

[249]

Denn ob’s mit Schwert, mit Liedern
Sich Bahn zum Himmel schafft;

15
S’ ist eine Schaar von Brüdern

Und eine Liebeskraft.

Wo die vereint, da ranken
Sich willig Stein und Erz,
Da pfeilern die Gedanken

20
Sich freudig himmelwärts.


Die haben diese Bogen
Kühn über’n wilden Strom
Empörter Zeit gezogen
Zum wunderbaren Dom.

25
Die Burgen sahn wir fallen,

Die Adler zogen aus,
Wehklagend durch die Hallen
Gehn Winde ein und aus.

Doch droben auf der Zinne

30
Steht noch der Heldengeist,

Der – was die Zeit beginne –
Still nach dem Kreuze weis’t

Es wechseln viel’ Geschlechter
Und sinken in die Nacht –

35
Steh’ fest, Du treuer Wächter,

Und nimm Dein Land in Acht!

[250]

Schon hat zum Kreuzeslichte
Dein Volk sich ernst gewandt,
Im Sturm der Weltgerichte

40
Tief schauernd Dich erkannt.


Nun hebt sich wieder fröhlich
Dein Haus im Morgenschein,
Die Jungfrau minneseelig
Schaut weit ins Land hinein.

45
Gesänge hör’ ich schallen,

Durch’s Grün geschmückte Gäst’
Wallfahrten nach den Hallen –
Wem gilt das froh« Fest?

Der Königssohn, Ihr Preußen,

50
Weilt auf dem Ritterschloß,

Das ist nach Adlers Weisen,
Daß er der Höh’ genoß.

Das ist des Königs Walten,
Was herrlich, groß und recht,

55
Im Wechsel zu erhalten

Dem kommenden Geschlecht.

Er hob die Heldenmale
Zu neuer Herrlichkeit,
Damit das Volk im Thale

60
Gedenk’ der großen Zeit.
[251]

Das ewig Alt und Neue,
Das mit den Zeiten ringt,
Das, Fürst, ist’s, was das treue
Herz Deines Volks durchdringt.

65
Wo das noch ehrlich waltet,

Da ist zu Gottes Ruhm
Die Kreuzesfahn’ entfaltet,
Und rechtes Ritterthum.

O, reicht dem Liedersprecher,

70
Bevor er scheiden muß,

Den hochgefüllten Becher
Zu seinem besten Gruß!

Doch einzeln nicht verhallen
Darf, was ich jetzt gedacht.

75
Was Jeder meint, von Allen,

Sey’s freudig auch gebracht!

All’ ritterliche Geister
Umringen fest den Thron,
Und auf zum höchsten Meister

80
Dringt treuer Liebe Ton:


Dem ritterlichen König
Heil, und dem Königssohn!

  1. Das vorstehende Lied wurde am 20sten Juni 1823 während der Tafel, welche des Kronprinzen von Preußen Königl. Hoheit in dem großen Rempter des Marienburger Ritterschlosses gab, von einem Freunde des Verfassers, in dem Kostüm der alten Liedsprecher, gesungen.