Der Rabe von St. Jakob

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Textdaten
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Autor: H. W.
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Titel: Der Rabe von St. Jakob
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 96
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[96] Der Rabe von St. Jakob. Nach der mündlichen Mittheilung eines sehr hochbetagten Herrn, des quiescirten Patrimonialrichters Forster, besaßen vor etwa zwanzig Jahren die Benedictiner des Schottenklosters zu St. Jakob in Regensburg einen gezähmten Raben, der einige Worte nachsprechen konnte. Dieser Vogel war der Liebling des ganzen Klosters. Im Winter war sein gewöhnlicher Platz vor dem Empfangzimmer oder auch in diesem, im Sommer dagegen im Garten bei der Kegelbahn. Am deutlichsten pflegte der Rabe, wenn ein Fremder in’s Kloster trat, zu rufen: „Pater Joseph, Pater Joseph!“ oder auch: „Was willst Du?“ Da geschah es eines Abends, das ein befreundeter Gutsbesitzer, der einen Hühnerhund bei sich hatte, durch die Gartenthür bei der Kegelbahn eintrat. Bevor noch die freundlichen Klosterbruder die Anwesenheit des Hundes bemerkten, hatte dieser den Raben schon jagdgerecht gestellt. Indem der Rabe sich widersetzte, that der Hühnerhund ein Gleiches, ohne ihn aus dem Auge zu verlieren. Die Klosterbrüder hatten Sorge, es möchte ihrem Lieblinge etwas widerfahren, und baten den Besucher, seinem Hunde zu rufen. Dieser aber entgegnete, es geschähe dem Raben sicherlich nichts. Da diese Fixirung in der Länge dem Raben nicht zusagte, so stand er endlich auf und ging dem Hunde entgegen, indem er plötzlich fragte: „Was willst Du?“ Mit einem Satz machte der Hühnerhund kehrt, schlich mit eingezogenem Schweife in einen Winkel des Gartens und war lange nicht zu bewegen, wieder hervorzukommen.

H. W.