Der Schimmel des Königs

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Autor: H.
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Titel: Der Schimmel des Königs
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aus: Die Gartenlaube, Heft 17, S. 272
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Ein großzügiges Geschenk
Blätter und Blüthen
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[272] Der Schimmel des Königs. Der in Nr. 50 Ihres geschätzten Blattes, Jahrgang 1867, mitgetheilte Artikel: „Aus einem Fürstenschlosse“, giebt dem Unterzeichneten Veranlassung, zu beliebigem Gebrauch Ihnen von einer edelmüthigen That eines Fürsten zu erzählen, der neben den Schwächen, die er mit seinem Stamme theilte und die seinen Sohn schließlich aus dem Lande trieben, auch manche Züge der größten Menschenfreundlichkeit zeigte, welche es wohl verdienen, in weiteren Kreisen bekannt zu werden.

In dem kleinen hannover’schen Städtchen S. lebte zu Anfang der vierziger Jahre ein junger Arzt B., welcher durch übergroße Anstrengung bei Ausübung seines Berufes sich einen schweren Typhus zugezogen hatte. Da er vollständig ohne eigenes Vermögen und nur auf den Ertrag seiner Praxis angewiesen war, so stellte sich in seiner aus Frau und drei kleinen Kindern bestehenden Familie bald Noth und Mangel ein. Als nach glücklich überstandener Krankheit der Zustand des Kranken aber starke Bouillon, Wein etc. erheischte, konnte die arme Frau solche nur beschaffen, indem sie ein Stück aus dem Haushalte nach dem andern verpfändete.

Da will es der Zufall, daß ein früherer Universitätsfreund des Arztes, S., dessen Weg ihn hier durchführt, seinen Freund besucht. Obwohl die Frau den Zustand ihres Haushalts nach Kräften zu verbergen sucht, so durchschaut S. doch bald die Sachlage, und B. ist offen genug, ihm mitzutheilen, daß er keine Hülfe für sich sehe, da er auch nach vollständiger Genesung seine Praxis auf den umliegenden Ortschaften nur wieder aufnehmen könne, wenn er ein Pferd besitze, ein solches aber nicht anschaffen könne. S. theilt, nach Hannover zurückgekehrt, seinem Vater, der Kammerdiener des Königs Ernst August ist, die Lage seines Freundes mit und bittet ihn, den königlichen Herrn auf letzteren aufmerksam zu machen. Das geschieht. Ernst August läßt darauf durch den jungen S. in aller Stille die Pfandscheine, welche die Frau B. ihm einhändigen muß, einlösen und seinen Oberstallmeister zu sich kommen.

„Welches ist das sanfteste Pferd in meinem Marstalle?“ redet er ihn an.

„Das ist der Schimmel, den Ew. Majestät immer reiten,“ lautet die Antwort.

„Soll gesattelt werden, will’s fortschicken!“

„Aber, Majestät,“ wendet der Stallmeister ein, „das können Ew. Maj. gar nicht entbehren, da Sie dasselbe schon seit längeren Jahren reiten und nur an dieses Pferd gewöhnt sind.“

„Ganz einerlei,“ erwidert der König, „haben wollen, keinen Widerspruch leiden.“

Zwei Tage darauf wird Morgens frühzeitig an der Thür des Arztes in S. geklopft. Die Frau sieht hinaus, erblickt aber Niemand. Dagegen ist an den Thorweg ein Schimmel festgebunden. In den Satteltaschen findet sich weiter nichts, als die quittirten Pfandscheine und zwei Scheine des Kornhändlers N. und des Weinhändlers O. zu S. Der erste lautete: „Gegen Vorzeigung dieses Papiers liefere ich dem Inhaber einen Wispel Hafer,“ und der Weinhändler verspricht dem Ueberbringer vierundzwanzig Flaschen Chateau Lafitte. Beide haben jedoch nie erfahren, wer die genannten Gegenstände bei ihnen kaufte und bezahlte, und erst nach dem Tode des Königs Ernst August hat die Frau ihrem Manne den Namen seines königlichen Wohlthäters nennen dürfen.
H.