Der fromme General

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Christian Fürchtegott Gellert
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der fromme General
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Drittes Buch. S. 249–250
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[249]
Der fromme General.


Ein Spötter der Religion
Und auch ein großer Prinz; denn trägt nicht mancher Thron
Noch Spötter der Religion?
Sprach einst mit einem tapfern Greise

5
Und ihrem großen Freund, nach kühner Spötter Weise,

Von ihr in einem Ton, aus dem ein Stolzer lacht,
Der kein Gesetz erkennt, als das er selbst gemacht.

     Prinz, sprach der General, Sie kränken meinen Glauben,
Und wollen mir, mir altem Mann,

10
Des Lebens Trost, den Trost im Tode rauben!

Was hab ich Ihnen denn gethan?
Nichts, rief der Fürst, Ihr seyd ein tapfrer Mann,
Ihr seyd mein bester Unterthan,
Bis auf den frommen Aberglauben:

15
Nur den verlaßt! „Nein, den verlaß ich nicht.“

Auch da nicht, wenn ichs Euch befehle?
„Nein, dieß ist wider Ihre Pflicht.
Gott ist nur Herr von meiner Seele,
Und alle Fürsten sind es nicht.“

20
Wie aber, wenn ich Herr von Eurem Leben wäre?

Dieß sind Sie, sprach der Greis; ich hab es unverzagt,
In mehr als einer Schlacht, für Sie, mein Fürst, gewagt;
Und itzt wag ichs zu Gottes Ehre.

[250]
     Thor! rief der Prinz, wie wenn nun keiner wäre?
25
Wie, wenn ich dich, daß keiner ist, belehre?

„So hätt ich Lust, ein Bösewicht zu seyn,
Und würde, wär kein Gott, auch keinen König scheun;
Und meiner würden in dem Heere
Gewiß noch viele tausend seyn.

30
Dieß, Prinz, dieß fließt aus Ihrer Lehre!“