Des Herrn Dr. Jonathan Swifts wo nicht unverbesserlicher doch wohlgemeynter Unterricht für alle Arten unerfahrner Bedienten

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Jonathan Swift
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Des Herrn Dr. Jonathan Swifts wo nicht unverbesserlicher doch wohlgemeynter Unterricht für alle Arten unerfahrner Bedienten, aus vieljähriger sorgfältiger Aufmerksamkeit und Erfahrung zusammengetragen
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1748
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Frankfurt und Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel: Directions to Servants. 1731
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
Text auch als E-Book (EPUB, MobiPocket) erhältlich
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Swift-Unterricht für alle Arten unerfahrner Bedienten-1748.djvu
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[I]
Des
Herrn Dr. Jonathan Swifts
wo nicht unverbesserlicher
doch wohlgemeynter
Unterricht
für alle Arten
unerfahrner Bedienten,
aus
vieljähriger sorgfältiger
Aufmerksamkeit u. Erfahrung
zusammengetragen.
Aus dem Englischen übersetzt.
Frankfurt und Leipzig
1748.

[III]
Vorbericht des Uebersetzers
an seine geliebten Brüder und Schwestern, die Bediente
insgemein.


Liebe Brüder u.Schwestern.

Ein Uebersetzer ist es, der euch diesen Namen anitzo beyleget. Dieß ist euch bisher noch wohl so leicht von keinem solcher Herren wiederfahren. Meine übrigen Brüder aus diesem Orden sind viel zu hochmüthig dazu. Ich hingegen verabscheue ihren Hochmuth von ganzem Herzen, und das wird mir auch vermuthlich ein jeder glauben, so bald ich ihn, auf das Ehrenwort eines ausgelernten Laquayen, versichere, daß ich [IV] wirklich euer Mitknecht und eurer Brüder einer sey.

Schon im vierzehenten Jahre meines Alters ward ich in euren Orden aufgenommen, und ich habe nunmehro schon vier und zwanzig Jahre die Regeln desselben auf das strengste beobachtet, und allerley gute und böse Schicksale darinn erfahren.

Ich habe auf einer bekannten Sächsischen Universität das Licht dieser Welt erblicket. Von meinen Eltern will ich nicht viel Rühmens machen. Ich habe immer die Thorheit dererjenigen verachtet, die sich mit ihren großen Eltern und Voreltern breit zu machen gesucht. Ich würde auch so leicht keinen Glauben finden; weil ich gestehen muß, daß mich meine Eltern nicht länger, als bis in [V] mein vierzehntes Jahr, ernähren konnten. Um diese Zeit legten sie mir den Befehl auf, für mich selbst zu sorgen. Die Nohtwendigkeit machte mich zu einem gehorsamen Sohne, und ich war nunmehro nur auf Mittel bedacht, diesen Befehl auf das bequemste auszurichten.

Das Studentenleben hatte mir immer sehr angenehm geschienen. Konnte ich nun gleich selbst kein Studente werden: so suchte ich doch wenigstens dadurch an dieser Leute Glückseligkeit Antheil zu nehmen, wenn ich mich in ihre Dienste begäbe. Kurz, ich ward ein so genannter Studentenjunge. Nebst meinem eignen Nutzen suchte ich die Ehre meiner Herren jederzeit auf das eifrigste zu befördern. Ich habe ihnen, ohne Ruhm zu melden, in ihren Kriegen [VI] wider die Philister wichtige Dienste geleistet. Manchem unter ihnen bin ich nützlicher, als sein pedantischer Herr Hofmeister selbst gewesen. Durch mich hatten sie Gelegenheit die Welt, ja was noch mehr ist, die galante Welt, und zwar den schönern Theil derselben kennen zu lernen. Nachdem mich bisher fast alle zwey oder drey Jahre meine Herren verlassen hatten: so kam ich endlich bey einem in Dienste, bey welchem ich mich so einzuschmeicheln wußte, daß er mich nicht von sich lassen wollte. Ich mußte ihn auf seinen Reisen durch Engeland, Frankreich und Holland begleiten. Bey ihm hatte ich ein vortreffliches Leben, und er würde nicht unterlassen haben mein Glück zu machen, wenn ihn nicht eine Krankheit, die er sich an den Hals gereiset hatte, und die er [VII] aus Frankreich mit gebracht, bald nach seiner Zuhausekunft, zu meinem größten Leidwesen, in das Grab geschicket hätte. Nach der Zeit bin ich bey so vielen und mancherley Herrschaften in Diensten gewesen, daß ich des Dienens überdrüßig geworden. Durch die sorgfältige Beobachtung der Regeln meines Ordens habe ich es auch endlich so weit gebracht, daß ich den gefährlichen Rath meines Bruders, des Verfassers des folgenden Werkes, auf die Landstraßen zu gehen,[1] nicht nöthig habe zu ergreifen. Mit einem wohlgespickten Geldbeutel, den ich mir durch meine Geschicklichkeit zu erwerben gewußt, und andern kleinen persönlichen Vorzügen, habe ich einem artigen Kammermädgen, das sich auch nicht arm gedienet hat, dermaßen gefallen, daß [VIII] wir mit dem ehesten einander heyrathen, und in einer angenehmen Gegend am Strande ausser der Stadt eine Wirthschaft anlegen werden, wo mir insonderheit der häufige Besuch meiner bisherigen Brüder und Schwestern besonders angenehm seyn soll.

Bevor ich aber meinen bisherigen Orden verlasse, habe ich mich doch erst um euch, meine lieben Brüder und Schwestern, durch die Uebersetzung des gegenwärtigen Buches, verdient machen, und mir dadurch bey euch ein ewiges Denkmahl stiften wollen. Ich überliefere euch dadurch einen Schatz, der mit keinem Gelde zu bezahlen ist. Werdet ihr dieses Buch fleißig lesen, oder es euch vorlesen lassen: so wird solches ohne Nutzen und Ergetzen niemahls abgehen, und die Ausübung der in demselben vorgeschriebenen [IX] Regeln, wird eure zeitliche Glückseligkeit befördern. Wenn ihr es nur erst recht kennet: so wird euer so geliebter Till Eulenspiegel, welches sonst eines eurer Hauptbücher zu seyn pfleget, nebst andern seines gleichen, guten Friede vor euch haben.

Wie oft habe ich mir in meinen ersten Dienstjahren dergleichen Buch gewünschet, um nicht immer erst durch Schaden klug zu werden. Ich habe in den Bibliotheken meiner Herren Studenten oft weit fleißiger, als sie selbst, herum gesuchet, um darinn einen dergleichen Unterricht aufzutreiben, aber alles vergeblich. Fand ich ja noch etwas, das hieher gehören sollte: so war alles so trocken, und verdrießlich geschrieben, daß einem dafür grauen mögte. Für die Herrschaften war darinn gut [X] genug gesorget, aber der armen Bedienten ward ganz vergessen. Ich wunderte mich zum höchsten, daß eine so große Menge unnützer Bücher hätte können geschrieben werden, und daß hingegen niemand auf eine so nützliche Materie verfallen wäre. Daß der unnützen Bücher aber eine so große Menge seyn müßte, schloß ich ganz deutlich daraus, weil so viele unter meinen Herren, die ganze Stuben voller Bücher hatten, dadurch weder reicher, geschickter noch glücklicher wurden, wenn sie auch gleich noch so fleißig darinn lasen. Ich beneidete die Jäger, Fischer, Fechtmeister, Tänzer, Spieler, Hebammen, ja selbst die Spitzbuben, als welche, wie ich wohl ehe von meinen Herren gehöret hatte, alle so glücklich wären, gedruckte Vorschriften von den Regeln ihrer Kunst lesen zu können. Ich wünschte von ganzem [XI] Herzen, daß die große Menge dererjenigen Bücher, die meine Herren philosophische nannten, im Abgrunde des Meeres liegen mögten. Ich habe genugsam aus ihren eigenen Unterredungen, die ich oft mit angehöret, und dadurch ich fast ein halber Gelehrter mit geworden, eingesehen, daß der wenigste Theil von ihrem Inhalte nützlich sey. Mit allen fürchterlichen Zauberwörtern, die sie daraus lernen, können sie ja nicht einen Hund aus dem Ofen locken. Wozu nützt es, solche Sachen erst aus den Büchern zu lernen, die ein jeder Mensch von sich selbst weiß, wo er nicht dummer ist, als ein Vieh? Wenn mir, nach einer von meinem Herrn empfangnen Prügelsuppe, der Puckel schmerzte; so empfand ich wohl, daß er mir nicht sanfte that, ohne daß ich jemahls aus einem Buche gelernet hatte: Ein Ding kann [XII] nicht zugleich seyn und auch nicht seyn. Daß ein Theil weniger sey, als ein ganzes, durfte ich nicht erst aus philosophischen Büchern lernen. Ich erfuhr es zur Genüge, wenn mir meine Herren, aus allerhand Ursachen, etwas von meinem Lohne abzuziehen pflegten. Daß aus Nichts Nichts werden könne, habe ich an dem Exempel verschiedener meiner Herren gesehen, die so dumm wieder nach Hause reiseten, als sie auf die Universität gekommen waren, weil sie zum Studiren so geschickt waren, als der Esel zum Lautenschlagen. Hinweg mit solchen unnützen Grillen, gedachte ich, ein kluger Unterricht für Bediente sollte mir weit lieber seyn. Mein Wünschen aber war vergebens.

[XIII] Endlich fand ich doch, wie ich in Engeland war, das, was ich so lange gewünschet. Mir kam allda das Werk unsers theuren Bruders zu Gesichte, das ich euch itzo übersetzet liefere. Ich fand die Regeln, die er darinn gegeben, den Grundsätzen, die ich mir durch manchen Schaden und lange Erfahrung selbst gemacht, vollkommen gemäß, und befand mich bey der fleißigen Ausübung derselben vortrefflich wohl, wobey ich mir tausendmahl wünschte, daß ich das Buch gleich im Anfange meiner Dienstjahre mögte gehabt haben.

Aus herzlicher Liebe zu euch, meine Brüder und Schwestern, und euch eure Dienste erträglicher so wohl, als auch einträglicher zu machen, entschloß ich mich, es ins Deutsche zu übersetzen. Allein [XIV] dieß war mir eine ungewohnte Arbeit, und ich getraute mir nicht öffentlich damit zu erscheinen. Ich hatte aber einen Nebenbedienten in einem gewissen Hause, der studiret hatte. Dieser war durch einige kleine Dienste, die ich ihm erwiesen, mein besonderer Freund geworden, und übernahm es, meine Arbeit auszubessern, und sie so einzurichten, daß sie sich konnte sehen lassen. Ein Nebenbedienter, der studiret hat, scheinet wohl manchem eine wunderliche Sache. Dieser gute ehrliche Mensch glaubte gleichfalls in seinem Sinne nichts weniger, als ein Bedienter zu seyn; dennoch aber war er es in den Augen meiner Herrschaft, die ihn nicht höher als einen Bedienten hielte. Er war nicht beständig in unserm Hause, sondern mußte nur alle Tage einige Stunden hinkommen, und seine Beschäfftigung [XV] bestand darinn, den Kindern meiner Herrschaft die lateinische Sprache, vermittelst einer großen Ruthe, von hinten zu, oder wie ich wohl eher von meinen lateinischen Herren gehöret, a posteriori in den Kopf zu bringen. Er hatte einmahl ein gutes Wort für mich geredet, wie mich meine Herrschaft wegjagen wollte. Zur Erkenntlichkeit dafür erinnerte ich meine Herrschaft oft, wenn sie Gäste baten, ihn mit zu bitten. Dieß machte ihn zu meinem besondern Freunde. Ich bedaure nichts mehr, als daß dieser gute Herr Magister vor kurzem in seinem Berufe, mit der Ruthe in der Hand, in dem Hause meiner Herrschaft für Aergerniß gestorben; denn er hatte mir versprochen, mir zu meiner Uebersetzung eine recht gelehrte Vorrede zu machen, an deren Statt ihr euch aber itzo mit [XVI] meiner schlechten Arbeit behelfen müsset.

Doch mir genüget, daß ich meinen Hauptendzweck in Ansehung der Uebersetzung selbst erreichet. Ich muß nur noch dieses hinzusetzen. Da das Werk in Engeland geschrieben; so ist es auch nach den Englischen Umständen eingerichtet. Kluge Bedienten werden aber schon von selbst die darinn gegebenen Regeln auf ihre eigene Umstände anzuwenden wissen, wozu ich ihnen denn auch in einen paar Anmerkungen einige Anleitung gegeben. Für einfältige Bediente aber ist dieß Werk nicht geschrieben. Die werden dennoch ihr Glück nicht machen, wenn ihnen auch noch so viel Regeln vorgeschrieben würden.

[1]
Swift-Unterricht für alle Arten unerfahrner Bedienten-1748 17 b.jpg


Regeln,
die
alle Bediente insgemein angehen.

Wenn euer Herr oder eure Frau einen Bedienten bey Namen rufet, und derselbige ist nicht zugegen: so hat niemand von euch nöthig zu antworten; denn sonst würde eurer Arbeit kein Ende. Die Herrschaften geben es auch zu, wenn ein Bedienter nur komme, wenn er gerufen wird; so sey es schon genug.

Wenn ihr einen Fehler begangen habt: so beisset nur brav um euch, bietet eurer Herrschaft den Kopf, und stellet euch, als wenn euch großes Unrecht wiederführe. Das wird eurem Herrn oder eurer Frau gar bald ihre Hitze benehmen.

Sehet ihr, daß eurem Herrn von euren Mitbedienten Schaden wiederfähret: so entdecket solches bey Leibe nicht, ihr mögtet sonst eine Plaudertasche genennet werden. Doch [2] findet sich hier eine Ausnahme, im Fall es ein Bedienter ist, so bey der Herrschaft in besonderer Gunst stehet, der wird mit Recht von dem ganzen übrigen Gesinde gehasset. Die Klugheit verbindet euch alsdenn einem solchen Günstlinge alle nur mögliche Fehler aufzubürden.

Der Koch, der Kellner, der Stalljunge, der, so zu Markte gehet, und ein jeder anderer Bedienter, der mit den Ausgaben des Hauses etwas zu thun hat, muß nicht anders verfahren, als wenn alle Güter seines Herrn zu seiner einzigen Verrichtung müßten verwendet werden. Zum Exempel: Wenn der Koch die Rechnung machen kann, daß seines Herrn Einkünfte sich auf tausend Thaler des Jahres belaufen: so schliesset er vernünftiger Weise daraus, daß für tausend Thaler Essen genug im Jahre angeschaffet werden könne, und daher hat er gar nicht nöthig sparsam zu seyn. Der Kellner schliesset eben so. Dieß kann auch der Stalljunge und der Kutscher thun, und so kann eine jede Art von Ausgabe zu eurer Herrschaft Ehre eingerichtet werden.

Wenn ihr in Gegenwart fremder Leute einen Verweis bekommt, (welches aber mit Erlaubniß unserer Herren und Frauen ein [3] unartiges Verfahren ist,) so geschicht es zuweilen, daß jemand von den Fremden ein gutes Wort zu eurer Entschuldigung fallen läßt. In solchem Falle habt ihr einen guten Vorwand euch selbst zu rechtfertigen, und ihr könnt daraus mit Recht schliessen, wenn euch euer Herr nachgehends, bey andern Gelegenheiten, einen Verweis giebt, daß er Unrecht habe. In dieser Meynung werdet ihr um so viel besser gestärket werden, wenn ihr die Sache euren Mitbedienten vorstellet, die sie gewiß zu eurem Vortheile entscheiden werden. Derohalben, wie ich auch schon vorhin gesaget habe, wenn ihr einen Verweis bekommt: so beklaget euch, als wenn euch großes Unrecht wiederführe.

Es geschicht öfters, wenn Bediente auf Gewerbe ausgeschicket werden, daß sie etwas länger ausbleiben, als zu einem solchen Gewerbe nöthig ist, etwa zwo, vier, sechs oder acht Stunden, oder dergleichen Kleinigkeit, denn die Versuchung war auch gar zu groß, und Fleisch und Blut kann nicht allemahl widerstehen. Wenn ihr wieder zu Hause kommt: so stürmt der Herr, die Frau schilt, von Mondur ausziehen, ausprügeln und wegjagen wird alsdenn den Augenblick gesprochen. Da müßt ihr aber von Rechts [4] wegen eine ganze Reihe Entschuldigungen im Vorrathe haben, die zureichend sind, euch bey allen Gelegenheiten Dienste zu leisten. Zum Exempel: Euer Oheim wäre diesen Morgen viele Meilweges her zur Stadt gekommen, euch zu sprechen, und wollte morgen mit anbrechendem Tage schon wieder weg. Ein guter Bruder von euch, auch ein Bedienter, dem ihr, wie er ausser Diensten gewesen, Geld geliehen, wäre damit weg nach Irrland[2] gelaufen. Ihr hättet von einem alten Mitbedienten Abschied genommen, der zu Schiffe nach Grönland gegangen. Euer Vater hätte euch eine Kuh zu verkaufen geschicket, wozu ihr vor neun Uhr des Abends keinen Kaufmann bekommen können. Ihr hättet von einem lieben Vetter Abschied genommen, der am Montage sollte gehenket werden. Ihr hättet unterweges einen Fuß verrenket, und wäret gezwungen gewesen drey Stunden in einem Laden zu bleiben, bis ihr wieder einen Schritt hättet thun können. Ihr wäret mit einem Nachtstuhle oben aus einem Dachfenster herab begossen [5] worden, und hättet euch geschämet, eher nach Hause zu kommen, als bis ihr euch wieder rein gemacht hättet, und der Gestank verflogen wäre. Die Werber hätten euch mit Gewalt zu Soldaten machen wollen. Ihr hättet euch mit ihnen herumgeschlagen; wäret aber darüber in die Wache genommen und vor den Richter geführet, der euch drey Stunden aufgehalten, ehe er euch zum Verhör gelassen, da ihr denn noch endlich mit der größten Schwierigkeit wieder frey gekommen wäret. Ein Gerichtsbedienter hätte euch aus Irrthum als einen bösen Schuldner beym Kopfe genommen, und euch den ganzen Abend in der Wache sitzen lassen. Man hätte euch gesagt, euer Herr wäre in ein Weinhaus gegangen, und hätte daselbst ein Unglück gehabt. Ihr wäret darüber so bekümmert geworden, daß ihr ihn in mehr als hundert Weinhäusern von einer Ecke der Stadt bis zur andern gesuchet.

Haltet immer die Partey der Handwerksleute wider euren Herrn. Wenn ihr ausgeschicket werdet, etwas zu kaufen: so dinget niemahls darauf; sondern bezahlet großmüthiger Weise, was euch abgefordert wird. Dieß gereichet eurem Herrn zu großer Ehre, und kann euch auch einige Schillinge in den [6] Beutel jagen. Und hat euer Herr zu viel bezahlet: so müßt ihr gedenken, er kann den Verlust besser tragen, als ein armer Handwerksmann.

Lasset euch niemahls so tief herunter, eine einzige andere Arbeit nur mit einem Finger anzurühren, als wozu ihr eigentlich angenommen seyd. Zum Exempel, wenn der Kutscher besoffen oder nicht zu Hause wäre, und dem Diener anbefohlen würde, den Stall zuzumachen: so ist die beste Antwort: Um Vergebung, mein Herr, ich habe nicht gelernet, mit Pferden umzugehen. Wenn auch nur ein einziger Nagel in einem Winkel an einer Tapete losgegangen wäre, und dem Laquayen würde befohlen, sie wieder vest zu machen: so kann er sagen: Er verstehe sich auf dergleichen Arbeit nicht; der Herr könne ja nur nach einem Tapezirer schicken.

Herren und Frauen pflegen gemeiniglich mit den Bedienten zu schelten, daß sie die Thüre nicht hinter sich zu machen. Allein niemand von ihnen bedenket, daß die Thüren erst offen seyn müssen, ehe sie zugemacht werden können, und daß es gedoppelte Arbeit sey, die Thüren offen und zuzumachen. Es ist daher der beste, kürzeste und leichteste Weg, keines von beyden zu thun. Wenn ihr aber [7] so oft damit gequälet werdet, die Thür zuzumachen, daß ihr es nicht leicht vergessen könnet: so schlaget die Thüre, wenn ihr hinausgehet, so stark zu, daß die ganze Stube davon erschüttere, und alles rassele, was darinnen ist, damit euer Herr und eure Frau dadurch überzeuget werden, wie gut ihr ihre Befehle in Acht nehmet.

Findet ihr, daß eure Herren oder Frauen anfangen, was von euch zu halten: so suchet Gelegenheit, doch auf eine ganz höfliche Weise, euch merken zu lassen, als wenn ihr nicht länger bleiben wolltet. Wenn sie nach der Ursache fragen, und es das Ansehen hat, als wenn sie euch nicht gerne missen wollen: so antwortet, ihr wolltet so gerne bey ihnen bleiben, als ein Mensch von der Welt. Es könnte doch aber einem armen Bedienten nicht verdacht werden, wenn er sich zu verbessern suchte. Ein Dienst wäre kein Erbgut. Eure Arbeit wäre groß, und der Lohn nur geringe. Alsdenn wird euer Herr, wo er großmüthig ist, euren Lohn des Jahres lieber um einige Thaler verbessern, als daß er euch gehen lassen sollte. Schlägt euch aber diese Hoffnung fehl, und ihr habt doch nicht Lust wegzugehen: so bringet jemand von euren Mitbedienten auf eure Seite, der eurer Herrschaft [8] sage, er habe euch so viel gebeten, daß ihr geblieben wäret.

Könnt ihr des Tages zu einem guten Bissen kommen, den hebet auf, um euch in der Nacht mit euren Nebenbedienten lustig dabey zu machen; nehmet auch den Kellner mit in eure Gesellschaft, wenn er euch einen guten Trunk verschaffen will.

Schreibet eure und eures Schätzgens Namen mit dem Rauche vom Lichte an den Küchenboden oder in der Gesindestube, um dadurch eure Gelehrsamkeit zu zeigen.

Wenn ihr ein junger, hübscher und ansehnlicher Kerl seyd, und eurer Frau bey Tische etwas ins Ohr zu sagen habt: so leget eure Nase dicht an ihre Backen, oder wenn ihr keinen unangenehmen Athem habt: so laßt ihr denselben gerade ins Gesicht ziehen. Ich weiß es aus der Erfahrung, daß dieses in verschiedenen Häusern sehr gute Folgen nach sich gezogen hat.

Kommet niemahls eher, als bis ihr drey- oder viermahl seyd gerufen worden: denn das thun nur Hunde, die gleich kommen, so bald als ihnen nur gepfiffen wird. Und wenn der Herr ruft: Wer ist da? so ist kein Bedienter verbunden zu kommen: denn niemand von euch heisset: Wer ist da?

[9] Wenn ihr alle eure steinerne Töpfe unten in der Küche zerbrochen habt, welches gemeiniglich alle Woche einmahl geschiehet: so können an deren Stelle kupferne Töpfe eben die Dienste thun. Ihr könnt Milch darinn kochen, heisse Suppe oder auch Bier darein thun, und im Falle der Noth lassen sie sich auch als Kammergeschirre gebrauchen. Ihr könnt sie daher ohne Unterschied anwenden, wozu sie gut sind. Waschet und reibet sie aber niemahls ab, ihr mögtet sonst das inwendige Zinn abreiben.

Obgleich in der Gesindestube Messer für euch sind, damit ihr essen könnet: so müßt ihr doch dieselben schonen, und bloß eurer Herrschaft Messer gebrauchen.

Lasset es euch zur beständigen Regel dienen, daß keine Bank, kein Stuhl oder Tisch in der Gesindestube oder in der Küche mehr als drey Beine habe, als welches eine alte und beständige Gewohnheit in allen Häusern gewesen ist, die ich jemahls gekannt habe, und welche sich, wie man saget, auf zwo Ursachen gründet. Die erste ist, weil dadurch angezeiget wird, daß Bediente allezeit in armseligen Umständen sind. Und fürs andere wird es für eine Art der Demuth gehalten, daß die Tische und Stühle der Bedienten [10] zum mindesten ein Bein weniger, als die Tische und Stühle ihrer Herrschaft, haben. Ich gebe es zu, daß diese Regel in Ansehung der Köchinn gemeiniglich eine Ausnahme gehabt habe, der durch die alte Gewohnheit ein bequemer Stuhl zugelassen worden, um nach der Mahlzeit darinn zu schlafen; und dennoch habe ich selten gesehen, daß solche Stühle mehr als drey Beine gehabt haben. Es wird aber diese ansteckende Lähmung der Bedientenstühle von den Philosophen zwoen Ursachen zugeschrieben, von welchen man bemerket, daß sie in Staaten und Reichen die größten Unruhen verursachen. Ich meyne die Liebe und den Krieg. Ein Stuhl, eine Bank oder ein Tisch ist das erste Gewehr, so in einem allgemeinen Streite oder Scharmützel aufgenommen wird. Und wenn wieder Friede gemacht ist: so müssen die Stühle, wenn sie nicht stark genug sind, in einem Liebeshandel gemeiniglich am meisten darunter leiden; denn die Köchinn ist mehrentheils stark bey Leibe und schwer, und der Kellner fällt den Stühlen durch sein Trinken beschwerlich.

Es ist mir allezeit ärgerlich gewesen, wenn ich gesehen habe, daß Dienstmädgen so unartig gewest, daß sie, wenn sie auf der Straße [11] gegangen sind, ihre Röcke aufgestecket haben. Es ist eine närrische Ursache, die sie anführen, daß ihre Röcke sonst garstig würden, da sie doch ein so leichtes Mittel dawider haben, indem sie nur drey- oder viermahl ein Paar reine Treppen auf und nieder gehen dürfen, wenn sie zu Hause gekommen.

Wenn ihr auf der Straße stille stehen müsset, mit einem bekannten Bedienten in derselben Straße zu schwatzen: so lasset eure Hausthür offen, daß ihr ohne Anklopfen wieder hineinkommen könnet. Sonsten würde es eure Frau nur erfahren, daß ihr aus gewesen wäret, und ihr würdet einen Verweis bekommen.

Ich ermahne euch auf das ernstlichste zur Einigkeit. Allein verstehet mich wohl. Ihr könnet euch unter einander zanken, so viel als ihr wollet, gedenket nur beständig daran, daß ihr einen allgemeinen Feind habet. Das ist euer Herr und eure Frau. Und alsdenn habt ihr eine gemeinschaftliche Sache zu vertheidigen. Glaubet mir, der ich es aus einer langen Erfahrung weiß: Wer aus Bosheit gegen seinen Nebenbedienten seiner Herrschaft etwas überträgt, wider den wird sich alles übrige Gesinde zu seinem Verderben verbinden.

[12] Der allgemeine Versammlungsplatz für alle Bedienten sowohl im Winter, als im Sommer, ist die Küche. Da müssen die großen Angelegenheiten des Hauses in Ueberlegung gezogen werden, sie mögen den Stall, die Viehzucht, die Speisekammer, das Waschhaus, den Keller, die Kinderstube, den Speisesaal, oder Madame ihre Kammer anbetreffen. Hier seyd ihr in eurem eigenen Elemente. Hier könnet ihr in aller Sicherheit lachen, schreyen und zanken.

Wenn jemand von den Bedienten besoffen nach Hause kommt, und nicht aufwarten kann: so müßt ihr alle insgesammt eurer Herrschaft sagen, daß er ganz krank zu Bette gegangen sey. Alsdenn wird eure Frau so gutherzig seyn, und etwas Gutes für den armen Kerl oder das arme Mädgen verordnen.

Wenn euer Herr und eure Frau zusammen ausgehen, des Mittags irgendwo zu speisen, oder auf einen Abendbesuch: so dürft ihr nur bloß einen Bedienten im Hause lassen, der auf die Thüre und Kinder Acht gebe, wenn einige da sind. Wer zu Hause bleibet, der muß sich darauf gefaßt machen, ihr möget eine kurze oder lange Zeit wegbleiben. Er kann sich indessen durch den Besuch seines Schätzgens die lange Weile vertreiben, ohne in Gefahr [13] zu seyn, daß er betroffen werde. Diese Gelegenheiten müßt ihr niemahls fahren lassen, weil sie nur sehr selten kommen, und ihr seyd allezeit sicher genug, wenn nur ein Bedienter zu Hause ist.

Wenn eure Herrschaft zu Hause kömmt, und eines Bedienten gebraucht, der eben aus ist: so müßt ihr sagen, er sey nur den Augenblick aus dem Hause gegangen. Sein Vetter, der auf dem Todbette liege, habe ihn hinholen lassen.

Wenn euer Herr euch bey Namen rufet, und ihr von ungefehr bey dem vierten Rufe antwortet: so dürft ihr euch gar nicht übereilen. Und wenn ihr gescholten werdet, daß ihr so langsam kommet: so könnet ihr mit allem Rechte sagen, ihr wäret nicht eher gekommen, weil ihr nicht gewußt hättet, warum ihr wäret gerufen worden.

Wenn ihr eines Versehens wegen einen Verweis bekommt: so murret, wenn ihr aus der Stube und die Treppe heruntergehet, so laute dawider, daß man euch deutlich hören könne. Alsdenn wird man glauben, daß ihr unschuldig seyd.

Wenn jemand kommet, eure Herrschaft zu besuchen, wenn sie nicht zu Hause sind: so beschweret euer Gedächtniß nicht mit den Namen [14] solcher Personen; denn ihr habt in der That gewiß sonst viele andere Dinge zu behalten. Ueber dieses ist das die Arbeit eines Pförtners. Die Schuld liegt an eurer Herrschaft, daß sie keinen haben. Wer kann alle Namen behalten? Ihr würdet doch nur darinnen irren; denn ihr könnt ja weder lesen noch schreiben.

Wenn es möglich ist: so bringet eurem Herrn oder eurer Frau niemahls eine Lüge vor, wenn ihr euch nicht die Hoffnung machen könnet, daß sie wenigstens in einer halben Stunde nicht dahinter kommen können. Wenn jemand von den Bedienten abgeschaffet wird: so müssen alle seine Fehler vorgebracht werden, obgleich die meisten von ihnen dem Herrn und der Frau niemahls bekannt gewesen, und aller Schade, den andere angerichtet haben, muß alsdenn einem solchen zur Last geleget werden. Da müßt ihr alles nach der Reihe her erzählen.[WS 1] Wenn ihr gefraget werdet, warum ihr ihnen von solchen Dingen niemahls vorher Nachricht gegeben: so müßt ihr antworten, ihr hättet der Herrschaft keine Aergerniß machen wollen. Sie hätten auch über dieses vielleicht denken mögen, ihr thätet es nur aus Neid und Mißgunst. Wo kleine Herren und Jungfern im [15] Hause sind, die hindern das Gesinde gemeiniglich gar sehr an ihrem Vergnügen. Das einzige Mittel dawider ist, dieselben mit allerhand Kleinigkeiten zu bestechen, und auf eure Seite zu bringen, damit sie Papa und Mama keine Historien von euch erzählen.

Euch Bedienten, deren Herrschaften auf dem Lande leben, rathe ich, wenn ihr Trinkgeld machen wollet, daß ihr euch allezeit in gehöriger Ordnung, wie die Orgelpfeifen, hinstellet, wenn ein Fremder Abschied nimmt, so daß er nothwendig mitten zwischen euch hindurch muß. Er muß entweder unverschämter seyn, oder weniger Geld bey sich haben, als gewöhnlich ist, wenn er euch alsdenn entwischet, und nachdem er sich gegen euch aufführet, vergesset nicht ein andermahl, wenn er wiederkömmt, euch wieder gegen ihn zu bezeigen.

Wenn ihr mit baarem Gelde ausgeschicket werdet, etwas in einem Laden zu kaufen, und es fehlet euch zu solcher Zeit eben am Taschengelde: so behaltet das Geld für euch, und nehmet die Sachen auf Rechnung. Dieß gereichet sowohl zu eures Herrn, als auch zu eurer Ehre; denn er wird durch eure Recommendation ein Mann, der Credit hat.

[16] Wenn eure Frau euch nach ihrer Kammer hinaufholen läßt, euch etwas aufzutragen: so bleibet ja in der Thüre bestehen, haltet sie offen, spielet mit dem Schlosse, so lange sie mit euch redet, und lasset ja den Schlüssel nicht aus der Hand, ihr mögtet sonst vergessen, die Thüre wieder hinter euch zuzumachen.

Wenn es sich zuträgt, daß euch euer Herr oder eure Frau einmahl in ihrem Leben mit Unrecht einer Sache beschuldiget: so seyd ihr ein glücklicher Bedienter. Ihr dürft alsdenn weiter nichts thun, als bey jedem Fehler, den ihr begehet, so lange ihr in ihren Diensten seyd, sie dieser falschen Beschuldigung zu erinnern, und zu versichern, daß ihr in der Sache eben so unschuldig seyd.

Wenn ihr Lust habt, eure Herrschaft zu verlassen, und ihr seyd zu blöde dazu, ihnen den Dienst aufzukündigen, aus Furcht, sie böse zu machen: so ist das beste Mittel, daß ihr auf einmahl grob und unordentlich werdet, und zwar weit stärker, als ihr es gemeiniglich gewohnt seyd, bis die Herrschaft es nöthig findet, euch abzuschaffen. Wenn ihr weg seyd: so machet zur schuldigen Rache eurem Herrn und eurer Frau bey allen Bedienten, die ihr kennet, und die ausser Diensten sind, [17] einen solchen bösen Namen, daß es Niemand so leicht wage, bey ihnen in Dienste zu treten.

Einige zärtliche Frauen, denen bange ist, daß sie sich erkälten, haben bemerket, daß Mädgen und Diener unten im Hause öfters vergessen, die Thüre hinter sich zuzumachen, wenn sie zur Hinterthüre aus- oder eingehen. Diese haben erfunden, eine Rolle an die Thüre, und über derselben einen Strick zu machen, an dessen Ende ein großes Stück Bley bevestiget ist, vermittelst dessen die Thüre von sich selbst wieder zufällt, aber auch dabey große Kraft erfordert, sie offen zu machen, welches für Bediente eine entsetzliche Arbeit ist, deren Geschäffte es oft erfordern, daß sie über 50mahl in einem Morgen aus- und eingehen müssen. Allein, was kann ein guter Witz nicht ausrichten? Kluge Bediente haben wider diese unerträgliche Beschwerlichkeit ein herrliches Mittel ausfündig gemacht. Sie wissen die Rolle auf eine solche Art aufzubinden, daß das Gewicht des Bleyes nicht die geringste Wirkung thun kann. Ich für meinen Theil wollte aber lieber die Thüre beständig offen halten, und einen schweren Stein unten vor derselbigen hinlegen.

[18] Die Leuchter der Bedienten werden gemeiniglich zerbrochen. Denn nichts kann ewig währen. Allein hierinn könnt ihr euch auf mancherley Art helfen. Ihr könnt euer Licht gar bequem in den Hals einer Bouteille stecken, oder mit einem Klumpen Butter an die Wand kleben, es in eine Puderschachtel setzen, oder in einen alten Schuh, oder in einen gespaltenen Stecken, oder in den Lauf einer Pistole, oder in sein eigenes Tallig auf einem Tische, oder in eine Kaffekanne, oder in ein Bierglas, in eine Milchkanne, in einen Theetopf, in eine zusammengedrehete Serviette, in einen Senftopf, in ein Dintenfaß, in einen Markknochen, in ein Stück Teig, oder ihr könnt auch ein Loch in ein Brodt schneiden, und es da hineinsetzen.

Wenn ihr die benachbarten Bedienten zu euch bittet, daß sie sich des Abends mit euch lustig machen sollen: so lehret sie eine besondere Art, an das Küchenfenster zu klopfen, oder anzukratzen, so daß ihr es hören könnet, eure Herrschaft aber nicht, als welche ihr zu einer solchen Unzeit nicht erschrecken müsset.

Schiebet alles, was versehen wird, auf ein Schooßhündgen, oder auf eine Katze, davon [19] die Herrschaft viel hält, auf den Affen, auf den Papagey, auf ein Kind, oder auf einen Bedienten, der erst abgeschaffet worden. Durch die Beobachtung dieser Regel setzet ihr euch selbst ausser Schuld, thut niemand Schaden, und ersparet eurem Herrn oder eurer Frau die Mühe und den Verdruß zu keifen.

Wenn es euch an gehörigen Werkzeugen zu einer Arbeit fehlet, womit ihr beschäfftigt seyd: so bedienet euch eher aller Mittel, die ihr nur erfinden könnet, als daß ihr die Arbeit unverrichtet lasset. Zum Exempel, wenn der eiserne Haken, womit das Feuer umgerühret wird, nicht bey der Hand, oder zerbrochen ist: so nehmet die Zange dazu. Fehlet euch die Zange: so nehmet die Röhre des Blasebalges, die unrechte Seite der Feuerschaufel, den Stiel des Feuerbesens, das äusserste Ende eines andern Besens, oder eures Herrn spanisches Rohr. Fehlet euch Papier, einen Vogel zu sengen: so zerreisset das erste Buch, das ihr im Hause antreffet. Wischet eure Schuhe, wenn euch die Schuhbürste fehlet, an das Ende eines Vorhangs, oder an eine dammastene Serviette. Reisset die Schnüre, womit eure Liberey besetzt ist, [20] herab, und machet Strumpfbänder daraus. Fehlet dem Kellner etwan ein Kammertopf: so kann er den großen silbernen Becher dazu gebrauchen.

Es sind verschiedene Arten, das Licht auszulöschen. Dieselben müßt ihr alle wissen. Ihr könnet mit dem Ende des Lichts an die getäfelte Wand laufen, welche den brennenden Docht alsobald abnimmt. Ihr könnt es auf den Fußboden legen, und es mit eurem Fuße austreten. Ihr könnt es umkehren, und so lange halten, bis es in seinem eigenen herabtröpfelnden Fette ersticket, oder ihr könnet das brennende Ende tief in die Leuchterpfeife hineinstecken. Ihr könnet es so lange um den Kopf herumschwingen, bis es davon ausgehet. Wenn ihr zu Bette gehet, und euer Wasser gelassen habt, könnt ihr es in den Nachttopf stecken. Ihr könnet auf die Finger und den Daumen speyen, und den Docht so lange kneipen, bis er ausgehet. Die Köchinn kann mit dem Lichte in die Mehltonne fahren. Der Stalljunge kann es in eine Tonne mit Haber, oder in ein Bündel Heu, oder in einen Haufen Streu hineinstecken. Die Hausmagd kann ihr Licht dadurch auslöschen, daß sie mit demselben gegen [21] einen Spiegel anläuft, welcher durch nichts so rein wird, als durch den Lichtschnuppen. Die geschwindeste und beste Art aber unter allen ist, das Licht auszublasen, wodurch das Licht rein bleibet und leichter wieder angezündet werden kann.

Nichts ist in einem Hause schädlicher, als eine Plaudertasche. Es muß daher eure Hauptbemühung seyn, euch insgesammt wider dieselbe zu vereinigen. Ein solcher Bedienter mag zu verrichten haben, was er will: so müßt ihr alle Gelegenheit in Acht nehmen, seine Arbeit unnütze zu machen, und ihm in allen Dingen zuwider zu seyn. Zum Exempel, wenn der Kellner ein solcher Briefträger ist: so zerbrecht ihm die Gläser, so bald er nur die Speisekammerthür offen stehen lässet, oder verschliesset die Katze, oder den Haushund darinn. Das wird eben so gut seyn. Verleget eine Gabel oder einen Löffel, so daß er ihn niemahls wieder finden kann. Ist es die Köchinn: so werfet, so bald sie den Rücken wendet, einen Klumpen Ruß, oder eine Handvoll Salz in den Topf, oder rauchende Kohlen in die Pfanne, so unter dem Braten stehet, oder reibet den Braten an der Wand des Schorsteins, oder verstecket den Schlüssel zum Bratenwender. [22] Ist ein Lakey im Verdachte: so mag die Köchinn ihm seine neue Liberey hinten auf dem Rücken schmutzig machen, oder wenn er die Treppe mit einer Suppenschüssel hinangehet: so kann ihm die Köchinn mit einem vollen Kochlöffel folgen, und die Suppe aus demselben über die ganze Treppe bis in das Speisezimmer tröpfeln lassen, und denn kann die Hausmagd ein solches Lärmen darüber machen, daß es die Frau höre. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Folgemädgen dieses Fehlers schuldig sey, um sich dadurch einzuschmeicheln. In solchem Falle muß die Wäscherinn in der Wäsche ihre Hemder zerreissen, und sie nicht halb rein waschen. Wenn sie sich darüber beklagt: so muß man im ganzen Hause sagen: Sie schwitze so sehr, und habe eine so garstige Haut, daß sie in einer einzigen Stunde ihr Hemde weit schmutziger machen könne, als die Köchinn in einer ganzen Woche.

[23]
Unterricht für Bediente.
Das erste Kapitel.
Unterricht für den Kellner.

Ich finde durch meine vieljährige Bemerkung, daß ihr, Kellner, in Ansehung meines Unterrichts für Bediente, die Hauptperson seyd.

Weil sich eure Beschäfftigung vor andern auf so vielerley Dinge erstrecket, und die grösseste Aufmerksamkeit erfordert: so will ich, so gut ich mich nur darauf besinnen kann, die verschiedenen Theile eures Amtes durchgehen, und meinen Unterricht darnach einrichten.

Wenn ihr bey dem Schenktische aufwartet: so traget alle mögliche Sorge, daß ihr euch eure Mühe und eurem Herrn seine Gläser ersparet. Zum ersten, weil alle diejenigen, so an einer Tafel zusammen speisen, für Freunde gehalten werden: so laßt sie alle aus einem Glase trinken, ohne dasselbe wieder auszuspühlen. Dieß wird euch viele Mühe ersparen, und ihr dürfet nicht Gefahr laufen es zu zerbrechen. Gebet niemand etwas zu trinken, bis er es zum wenigsten dreymahl gefordert. Dadurch werden einige aus Bescheidenheit, und andere aus Vergessenheit desto seltener fordern, und solcher Gestalt wird eures Herrn Getränke ersparet.

[24] Wenn jemand ein Glas abgezapftes Bier verlanget: so schüttelt erstlich die Bouteille, um zu sehen, ob auch was darinn ist. Alsdann kostet sie, zu sehen, was darinn sey, damit ihr euch nicht irret. Endlich wischet den Mund der Bouteille mit eurer flachen Hand ab, eure Reinlichkeit zu zeigen.

Machet lieber, daß der Stöpsel oder Propf in dem Bauche als in dem Munde der Bouteille sey. Und wann der Stöpsel versauert riecht, oder weisser Keim in eurem Getränke schwimmet; so wird euer Herr desto mehr davon behalten.

Wenn ein geringer Mensch, ein Priester vom Lande, der Präceptor der Kinder, oder ein Anverwandter, der eurer Herrschaft Gnade leben muß, etwa mit bey der Tafel ist, wovon ihr sehet, daß sich der Herr und die Gesellschaft nicht viel machet, als welches niemand leichter entdecken und bemerken kann, als die Bediente: so müßt ihr und der Lakey es euch angelegen seyn lassen, dem Exempel derer, so vornehmer sind, als ihr, zu folgen, solchen Personen weit schlechter, als den übrigen, zu begegnen. Ihr könnt euch eurem Herrn oder eurer Frau durch nichts gefälliger erzeigen.

Wenn jemand gegen das Ende der Mahlzeit dünne Bier verlanget: so gebet euch nicht die Mühe hinunter in den Keller zu gehen; sondern giesset die Tropfen und Neigen der verschiedenen Becher, Gläser und Schenkteller in [25] ein Glas, kehret aber der Gesellschaft den Rücken zu, damit man es nicht merke. Wenn hingegen jemand gegen das Ende der Mahlzeit starkes Bier verlanget: so erfüllet das größte Gefäß damit bis an den Rand, dadurch wird euch der größte Theil davon anheim fallen, damit ihr euren Nebenbedienten einen guten Willen machen könnet, ohne die Sünde zu begehen, eure Herrschaft zu bestehlen.

Es giebt noch eine andere Art, ein Spörtelgen zu machen, welches eben so ehrlich ist, dadurch ihr Gelegenheit habt alle Tage den besten Theil einer Bouteille Wein für euch zu behalten. Ihr müßt glauben, daß hübsche Leute eben nicht darnach sehen, was noch in einer Bouteille übrig bleibet. Setzet ihnen daher allezeit nach der Mahlzeit eine frische vor, wenn auch gleich nicht über ein Glas von der andern wäre getrunken worden.

Sorget vor allen dafür, daß eure Bouteillen nicht angekommen sind, ehe ihr dieselben füllet. Blaset zu dem Ende ganz stark in den Mund einer jeden Bouteille, und wenn ihr alsdenn nichts, als euren eignen Athem riechet; so füllet sie den Augenblick.

Wenn ihr hinunter geschicket worden eiligst etwas zu trinken heraufzuholen, und ihr sehet, daß es nicht laufen will: so gebet euch nicht die Mühe das Luftloch zu öffnen; sondern blaset stark in den Hahn: so wird es euch alsobald in den Mund tröpfeln. Oder öffnet das Luftloch, [26] haltet euch aber nicht damit auf, es wieder zu zumachen, euer Herr mögte nur zu lange auf euch warten müssen.

Wenn ihr Lust habet einige von eures Herrn besten Bouteillen zu kosten: so leeret so viele bis unter den Hals davon aus, als ihr nöthig habt. Vergesset aber dabey ja nicht die ausgeleerten mit reinem Wasser wieder anzufüllen; damit ihr eures Herrn Wein nicht vermindert.

Man hat in den letzten Jahren eine herrliche Erfindung hervorgebracht, wie man bey dem Schenktische am besten mit dem starken und dünnen Biere umgehen könne. Zum Exempel, ein Herr fordert ein Glas starkes Bier, und trinket es nur halb aus. Ein andrer fordert dünne Bier. Denn giesset ihr den Augenblick das von dem ersten übergebliebene in die große Kanne, und füllet das Glas mit dünnem Bier, und so macht es in beyden Fällen, so lange die Mahlzeit währet. Dadurch erreichet ihr einen dreyfachen großen Endzweck. Erstlich ersparet ihr euch die Mühe das Glas zu spühlen, und folglich auch die Gefahr es zu zerbrechen. Zum andern seyd ihr gewiß versichert, daß ihr den Herren das rechte Bier gebet, das sie verlangen. Und endlich seyd ihr überzeuget, daß auf diese Art nichts umkomme.

Weil die Kellner gar leicht vergessen können ihr Getränke zeitig genug hinauf zu bringen: so seyd darauf bedacht, daß ihr das eurige allezeit zwo Stunden vor der Mahlzeit oben habet. [27] Setzet es auch an einen Ort in der Stube, der am hellesten von der Sonne beschienen wird, damit die Leute sehen, daß ihr nicht nachläßig gewesen seyd.

Einige Kellner haben die Gewohnheit das Bier aus den Bouteillen ganz langsam auszugiessen, und das Dicke auf dem Boden zu lassen. Eure Gewohnheit aber laßt seyn, die Bouteille perpendiculär zu halten, und das Dicke und Dünne fein durch einander spielen zu lassen. Der Nutzen ist zwiefach, ihr habt mehr einzuschenken, es wird auch kein Tropfen umkommen, und für den Schaum wird man nicht sehen können, daß es dicke sey.

Wischet eure Teller, Messer und die beschmutzten Tische mit den Servietten und Tischtüchern ab, die des Tages sind gebraucht worden. Denn es ist doch ein Abwaschen. Ueberdieses schonet ihr dadurch eure groben Wischtücher, daß sie nicht zu sehr abgenutzt werden, und zur Belohnung solcher guten Haushaltung, ist mein Urtheil, daß ihr euch mit Recht der feinsten dammastenen Servietten zu Nachtmützen für euch bedienen könnet.

Wenn ihr eure Teller reiniget: so lasset die Materie, womit ihr sie rein machet, in allen Ritzen derselben sitzen, damit man sie deutlich sehen könne; denn sonsten mögte eure Frau nicht glauben, daß ihr sie rein gemacht hättet.

Bey keiner Sache erhellet die Geschicklichkeit eines Kellners so sehr, als bey dem Verfahren [28] mit den Lichtern. Es kann zwar auch andern Bedienten ein Theil dieser Beschäfftigung zufallen. Weil ihr doch aber die Hauptperson dabey seyd: so will ich meinen Unterricht in diesem Artikel bloß an euch ergehen, und es euren Nebenbedienten überlassen, sich dessen bey vorfallenden Gelegenheiten zu Nutze zu machen.

Damit ihr also erstlich verhütet, daß nicht bey Tage Licht verbrannt werde, und damit ihr eures Herrn Lichter ersparet: so bringet niemahls eher Licht hinauf, als bis es schon eine halbe Stunde dunkel gewesen, ihr möget auch deswegen noch so oft gerufen werden.

Lasset eure Lichterpfeifen allezeit bis an den Rand voller Tallig seyn, an welchem noch der ausgelöschte Docht des alten Lichtes sitzet, und denn setzet die frischen Lichter oben drauf. Ihr setzet sie zwar dadurch in Gefahr herunter zu fallen, allein die Lichter werden doch dadurch um so viel länger und schöner vor der Gesellschaft scheinen. Zu andern Zeiten setzet zur Veränderung eure Lichter ganz los in die Pfeifen, um zu zeigen, daß sie bis an den Boden rein sind.

Wenn euer Licht für die Pfeife zu dick ist: so schmelzet es so lange im Feuer, bis es darinn passet, und, um den Dampf zu verbergen, wickelt es halb in Papier.

Ihr müsset nothwendig in diesen letzten Jahren bemerket haben, wie sehr die Leute in dem Gebrauche der Lichter ausschweifen. Ein guter [29] Kellner muß alle Mittel anwenden, ihnen die Lust dazu zu benehmen, um dadurch beydes seine Mühe und seines Herrn Geld zu ersparen. Dieß kann nun auf verschiedene Weise geschehen. Zum Exempel, wenn euch befohlen wird Lichter auf die Lampetten zu stecken.

Lampetten sind große Lichtfresser, und ihr, die ihr allezeit den Vortheil eures Herrn vor Augen haben müsset, müßt alle eure Kräfte anwenden solchem Unwesen abzuhelfen. Ihr müßt es euch daher angelegen seyn lassen, das Licht mit beyden Händen dergestalt in die Pfeife zu drücken, daß es so zu stecken komme, daß alles Fett davon auf den Fußboden herabtröpfele, wenn es nicht das Kopfzeug einer Dame, oder die Paruque eines Herrn auffängt. Ihr könnt auch das Licht so los darauf stecken, daß es an das Glas der Lampette falle, und es in Stücken zerbreche. Dies wird eurem Herrn manchen schönen Thaler, so wohl für Licht, als auch an dem Glashändler, und euch selbst viele Arbeit ersparen: denn zerbrochene Lampetten können nicht gebrauchet werden.

Lasset die Lichter niemahls zu tief abbrennen, sondern gebet sie, als eine rechtmäßige Sportel, eurer Freundinn, der Köchinn, ihre Küchenaccidenzen dadurch zu vermehren; oder wenn solches in eurem Hause nicht erlaubet wird: so gebet sie euren armen Nachbaren, als ein Allmosen, die oft für euch laufen müssen.

Wenn ihr Brodt röstet: so stehet nicht müssig [30] dabey darauf Acht zu geben; sondern legt es auf die Kohlen, und lauft zu euren andern Verrichtungen. Wenn ihr wieder zurück kommet, und findet, daß es durch und durch geröstet sey: so schabet die verbrannte Seite ab, und traget es auf.

Wenn ihr euren Schenktisch aufzieret: so setzet die besten Gläser so nahe an der Ecke des Tisches, als ihr könnet, dadurch werden sie einen gedoppelten Glanz von sich geben, und eine viel feinere Figur machen. Das Schlimmste, so daraus entstehen kann, ist, daß nur ein halb Dutzend darüber zerbrochen werden, welches in eures Herrn Beutel eine Kleinigkeit ist.

Spühlet die Gläser mit eurem eigenen Wasser, eurem Herrn das Salz zu ersparen.

Wenn etwas Salz auf dem Tische verschüttet wird: so laßt es nicht umkommen; sondern wenn die Mahlzeit vorbey ist: so nehmet das Tischtuch mit dem Salze zusammen, und schüttet hernach das Salz in das Salzfaß, damit es des andern Tages wieder könne gebrauchet werden. Der kürzeste und sicherste Weg aber ist, wenn ihr das Tischtuch abnehmet, die Messer, Gabeln, Löffel, Salzfässer, Stücken Brodt und Brocken von den Speisen alle mit einander in das Tischtuch aufzuwickeln, so seyd ihr gewiß, daß nichts verlohren werde, ihr mögt es denn für besser halten, es für die Bettler aus dem Fenster auszuschütten, damit sie die übergebliebenen Brocken mit desto größerer Bequemlichkeit essen mögen.

[31] Lasset die Hefen vom Weine, Bier und anderem Getränke in den Bouteillen. Sie zu reinigen, ist nur Zeit verlieren. Denn es kann alles auf einmahl bey einer allgemeinen Reinigung geschehen, und so habet ihr eine bessere Entschuldigung, wenn ihr sie zerbrechet.

Wenn euer Herr viele angekommene, oder sehr unreine und gleichsam mit einer Rinde überzogene Bouteillen hat: so rathe ich euch auf euer Gewissen, dieselben zu allererst in dem nächsten Bierhause für Bier oder Brandtewein zu vertauschen.

Wenn eurem Herrn eine Botschaft gebracht wird: so begegnet eurem Nebenbedienten, der die Botschaft bringet, freundlich. Gebt ihm das Beste zu trinken, das ihr nur habet, eurem Herrn Ehre zu machen. Er wird euch bey der ersten Gelegenheit ein gleiches wiederfahren lassen.

Nach dem Abendessen, wenn es dunkel ist, traget eure Teller und euer Porcellängeräthe zusammen in einem Korbe im Dunkeln weg, um das Licht zu ersparen. Denn eure Speisekammer ist euch bekannt genug, daß ihr es schon im Dunkeln wegsetzen könnet.

Wenn zum Mittagsessen oder des Abends Gesellschaft erwartet wird: so machet, daß ihr alsdenn nicht zu Hause seyd, damit man nichts haben könne, was unter euren Schlüsseln ist. So wird euer Herr sein Getränke ersparen und seine Teller nicht abnutzen.

[32] Nun komme ich auf den wichtigsten Theil eurer Haushaltung, nämlich die Abzapfung des Weins, worinn ich euch drey Tugenden anpreise: die Reinlichkeit, die Sparsamkeit und die brüderliche Liebe. Lasset eure Stöpsel von der längsten Art seyn, der ihr nur habhaft werden könnet. Dieses wird euch etwas Wein in dem Halse einer jeden Bouteille ersparen. Was die Bouteillen anlanget: so nehmet die kleinsten, die ihr nur finden könnet. Dadurch wird die Zahl der Dutzende vergrößert werden, welches eurem Herrn gefallen wird. Denn eine Bouteille Wein bleibt doch immer eine Bouteille, sie mag mehr oder weniger halten. Und wenn euer Herr die rechte Anzahl seiner Dutzende hat: so kann er sich nicht beklagen.

Eine jede Bouteille muß erst mit Wein geschwenket werden. Denn es könnte leicht einige Unreinigkeit bey dem Ausspühlen darinn geblieben seyn. Einige pflegen aus einer übelangebrachten Sparsamkeit ein Dutzend Bouteillen mit demselben Weine zu schwenken. Ich rathe euch aber, zu desto mehrerer Vorsichtigkeit, den Wein bey einer jeden andern Bouteille zu verändern. Ein halbes Nössel kann genug seyn. Habt Bouteillen bey der Hand, diesen Wein aufzuheben. Das wird eine gute Sportel für euch seyn, ihn entweder zu verkaufen, oder mit der Köchinn auszutrinken.

Zapfet euer Weinfaß niemahls zu tief ab, und setzet es auch nicht auf die Neige, der Wein [33] mögte sonst trübe werden. Wenn es anfängt, langsam zu laufen, und der Wein noch nicht wölkicht ist: so gebet dem Fasse einen guten Stoß, und bringet eurem Herrn alsdenn ein Glas davon. Der wird alsdenn eure Vorsicht loben, und euch den ganzen Rest als eine Sportel übergeben, so mit eurem Amte verbunden ist. Des andern Tages könnt ihr das Faß auf die Neige setzen, und innerhalb vierzehn Tagen ein oder zwey Dutzend Bouteillen klaren Wein bekommen, womit ihr alsdenn machen könnt, was ihr wollt.

Wenn ihr den Wein in Bouteillen abzapfet: so stecket euren Mund, nebst einem guten Stücke Toback, voller Stöpsel. Dieß wird dem Wein den wahren Geschmack nach der Traube geben, der allen guten Beurtheilern des Getränks so angenehm ist.

Wenn euch befohlen wird, eine verdächtige Bouteille auszugiessen: so gebet ihr, wenn etwa ein halb Nössel heraus ist, mit der Hand einen geschickten Stoß, und zeiget darauf in einem Glase, daß der Wein anfange, trübe zu werden.

Wenn ein Faß Wein oder anderes Getränke in Bouteillen abgezapfet werden soll: so spühlet eure Bouteillen kurz vorher, ehe ihr anfanget. Nehmet euch aber in Acht, daß ihr sie nicht austrocknet. Durch solche gute Wirthschaft wird euer Herr einige Stübgen bey jedem Fasse ersparen.

[34] Hier ist es die rechte Zeit, da ihr zur Ehre eures Herrn eure Freundschaft gegen eure Nebenbediente, insonderheit aber gegen die Köchinn, bezeigen müsset. Denn was heissen doch einige wenige Flaschen aus einem ganzen Fasse? Machet sie aber in eurer Gegenwart trunken, es mögte sonst andern Leuten gegeben werden, und eurer Herrschaft dadurch zu nahe geschehen. Rathet ihnen aber, wenn sie trunken werden, daß sie zu Bette gehen, und sagen lassen, daß sie krank sind. Diese letzte Behutsamkeit müssen billig alle Bediente von beyderley Geschlechte anwenden.

Wenn euer Herr findet, daß sein Weinfaß nicht so viel hält, als er sich davon vorgestellet: was ist alsdann natürlicher, als daß das Faß leck geworden; daß der Weinküfer es nicht zu rechter Zeit gefüllet; daß der Kaufmann ihn mit einem Fasse, so die rechte Maaße nicht hält, betrogen?

Wenn ihr nach der Mahlzeit Wasser zum Thee heraufbringen sollt, welches in vielen Häusern mit zu eurer Verrichtung gehöret: so giesset, um das Feuer zu ersparen, und desto geschwinder fortzukommen, das Wasser aus dem Topfe, darinn Kohl oder Fische gekochet worden, in den Theekessel. Dieß wird das Theetrinken viel gesunder machen, und dem Thee die Säure und Schärfe benehmen.

Gehet rathsam mit euren Lichtern um, und lasset die, so auf den Lampetten, im Saale, auf [35] den Treppen und in der Laterne stecken, so lange in der Pfeife brennen, bis sie von sich selbst ausgehen. Euer Herr und eure Frau werden eure Sparsamkeit loben, so bald sie es riechen.

Wenn ein Herr eine Schnupftobacksdose oder ein Zahnstocherfutteral nach der Mahlzeit auf dem Tische liegen lässet und weggehet: so sehet solches als ein Theil eures Trinkgeldes an. Denn das ist bey allen Bedienten erlaubt, und ihr thut dadurch eurem Herrn oder eurer Frau kein Unrecht.

Wenn ihr bey einem Landjunker dienet, und Herren und Damen in einem Hause speisen: so unterlasset niemahls, ihre Bediente, und insonderheit den Kutscher, zur Ehre eures Herrn, betrunken zu machen. Diesen Leuten müßt ihr durch alle eure Handlungen eine besondere Achtung bezeigen, als welches die besten Richter davon sind. Denn die Ehre eines jedweden Hauses stehet in den Händen der Köchinn, des Kellners und des Stallknechts, wie ich hernachmahls erweisen werde.

Putzet die Lichter bey der Abendmahlzeit, so wie sie auf dem Tische stehen. Dieses ist der sicherste Weg. Denn wenn etwa das noch brennende Abgeschneutzte aus der Lichtputze fallen sollte: so habt ihr noch die Hoffnung, daß es in eine Schüssel mit Suppe, in eine Reismilch und dergleichen fallen kann, darinn es den Augenblick mit gar wenigem Gestanke ausgehen wird.

[36] Wenn ihr die Lichter geputzet habt: so laßt die Lichtschere allezeit offen. Denn das Abgeschneutzte wird alsdenn von sich selbst zu Asche brennen, und kann also nicht herausfallen und das Tischtuch garstig machen, wenn ihr die Lichter wieder putzet.

Damit das Salz hübsch eben in dem Salzfasse liegen möge: so speyet in eure flache Hand, und drücket es damit nieder.

Wenn ein Fremder nach der Mahlzeit mit eurem Herrn weggehet: so vergesset nicht, euch ihm in voller Person zu zeigen, und folget ihm bis an die Thüre. Wenn ihr Gelegenheit habt: so sehet ihm gerade ins Gesichte; das bringet euch vielleicht einen Gulden ein. Wenn er aber eine Nacht da gewesen ist: so krieget die Köchinn, die Hausmagd, den Stallknecht, den Küchenjungen und den Gärtner auf, daß sie euch begleiten, und sich in dem Wege des Fremden zur Thür in zwo Linien gegen einander über stellen, und ihn mitten hindurch gehen lassen. Führet der Fremde sich dabey artig auf: so wird er Ehre davon haben, und eurem Herrn wird solches nichts kosten.

Wenn ihr Brodt bey Tische schneiden wollet: so habt ihr nicht nöthig, euer Messer erst rein zu machen. Denn wenn ihr nur einen Schnitt thut: so wird es sich schon von sich selbst rein machen.

Stecket euren Finger in jede Bouteille, um zu fühlen, ob sie auch voll sey. Dieses ist der sicherste Weg, die Wahrheit zu erfinden.

[37] Wenn ihr hinunter in den Keller gehet, Bier heraufzuholen: so machet es ja genau auf folgende Weise. Haltet euer Gefäß zwischen dem Zeigefinger und dem Daumen der rechten Hand, doch so, daß die flache Hand in die Höhe gerichtet ist. Das Licht haltet zwischen den andern Fingern derselben Hand, so daß es sich an den Mund eures Gefässes anlehne. Mit der linken Hand ziehet den Stöpsel der Röhre des Fasses heraus, stecket ihn mit der Spitze in den Mund, und behaltet die linke Hand frey, um sie, wenn es die Noth erfordert, zu allerley Zufällen ungehindert zu brauchen. Wenn das Gefäß voll ist: so nehmet den mit Speichel wohlbefeuchteten Stöpsel wieder aus dem Munde. Denn da der Speichel eine klebrichte Materie ist: so wird der Stöpsel dadurch um so viel vester in der Röhre zu stecken kommen. Sollte ja etwas Tallig in das Gefäß tröpfeln: so könnt ihr es gar leicht (wenn ihr daran gedenket) mit einem Löffel, oder vielmehr mit einem Finger, wegnehmen.

Verschliesset allezeit eine Katze in der Kammer, wo ihr eure porcellänene Teller aufhebet, es könnten sich sonst Mäuse hineinschleichen und sie zerbrechen.

Ein guter Kellner bricht allemahl in zween Tagen die Spitze seines Propfenziehers ab, indem er versuchet, welches härter sey, die Spitze des Propfenziehers, oder der Hals der Bouteille. Um in solchem Falle den Mangel eines Propfenziehers [38] zu ersetzen: so bedienet euch, wenn durch den abgebrochenen Propfenzieher der Stöpsel beschädiget ist, einer silbernen Gabel. Und wenn die Stücke des Stöpsels mehrentheils herausgezogen sind: so werfet den Hals der Bouteille so lange in den Schwenkkessel, bis er rein gemacht wird.

Wenn ein Fremder oft bey eurem Herrn speiset, und euch nichts giebet, wenn er weggehet: so seyd auf allerley Mittel bedacht, ihm euer Mißvergnügen zu verstehen zu geben, und sein Gedächtniß zu stärken. Zum Exempel: Wenn er Brodt oder zu trinken verlanget: so thut, als wenn ihrs nicht höret; oder schicket es zu jemand anders, der erst nach ihm gefordert. Wenn er Wein fordert: so laßt ihn erst ein wenig warten, und denn so schicket ihm dünne Bier. Gebt ihm immer unreine Gläser. Schicket ihm eine Gabel, wenn er einen Löffel fordert. Gebt dem Lakayen einen Wink, daß er ihm keinen Teller hinsetze. Durch diese und dergleichen Mittel könnt ihr um einen Gulden reicher werden, ehe er aus dem Hause gehet, wenn ihr nur die Gelegenheit in Acht nehmet, euch vor ihm sehen zu lassen, wenn er Abschied nimmt.

Wenn eure Frau das Spiel liebet: so ist euer Glück auf immer gemacht. Ein mäßiges Spiel kann euch alle Wochen einige Gulden einbringen. Und in einem solchen Hause wollte ich lieber Kellner, als Beichtvater, oder gar [39] Haushofmeister seyn. Es bringt lauter baar Geld, und wird ohne Mühe verdienet; eure Frau mögte denn von der Art seyn, daß sie von euch verlangte, entweder Wachslichter dafür anzuschaffen, oder es mit einigen andern Bedienten, die in besonderer Gunst bey ihr stehen, zu theilen. Es mag endlich auch noch so schlimm gehen: so sind doch die alten Karten eure. Und wenn die Spieler hoch spielen, oder verdrießlich werden: so werden sie die Karten so oft verändern, daß euch die alten einen ziemlichen Vortheil einbringen können, wenn ihr sie entweder in einem Kaffehause, oder an solche Leute verkaufet, die gerne spielen mögen, die sich aber keine neue Karten anschaffen können. Wenn ihr beym Spiele aufwartet: so sehet ja zu, daß ihr den Spielern neue Pakete Karten zuwege leget. Alsdenn werden die, so unglücklich spielen, oft neue nehmen, ihr Glück dadurch zu verändern. Bisweilen wird auch ein altes Spiel Karten gar bequem mit unter die neuen durchlaufen können. Seyd vor allen besonders dienstfertig, wenn gespielet wird, und vergesset ja nicht, Lichter bey der Hand zu haben, der Gesellschaft hinauszuleuchten, und haltet allezeit eure Präsentirteller mit Wein bereit, ihnen zu geben, so bald sie fordern. Sehet aber zu, daß ihr es mit der Köchinn ausmachen könnet, daß an solchen Abenden nicht gespeiset werde, weil dadurch viel in eures Herrn Haushaltung ersparet wird, und das Abendessen euch doch nur um einen ansehnlichen [40] Theil eures Einkommens bringen würde.

Nach den Karten ist nichts so einträglich für euch, als die Bouteillen. Zu dieser Sportel habt ihr keine Nebenbuhler, ausgenommen die Laquayen, die sie euch oft zu stehlen und für Bier zu verkaufen pflegen. Ihr seyd aber verbunden, allen solchen Mißbräuchen in eures Herrn Hause vorzubeugen. Der Laquay hat von dem, was bey einer allgemeinen Abzapfung in Bouteillen zerbrochen wird, nichts zu verantworten. Es können aber der zerbrochenen Bouteillen so viel seyn, als eure Bescheidenheit zulassen kann.

Der Vortheil von den Gläsern hat so wenig auf sich, daß es kaum der Mühe werth ist, davon zu gedenken. Er bestehet bloß in einem kleinen Geschenke, so euch der Glashändler machet, und einigen Schillingen, die das Dutzend, für eure Mühe und Geschicklichkeit, sie anzuschaffen und auszusuchen, mehr kosten muß. Wenn euer Herr einen guten Vorrath von Gläsern hat, und ihr oder eure Nebenbedienten einige davon zerbrechet, ohne daß es euer Herr weiß: so haltet es so lange geheim, bis nicht Gläser genug mehr da sind, den Tisch damit zu besetzen. Alsdenn saget dem Herrn, daß die Gläser alle sind. So wird er sich nur ein- für allemahl darüber ärgern, welches ihm gesunder seyn wird, als wenn er sich ein- oder zweymahl in der Woche ärgern müßte. Ein guter Bedienter ist auch verbunden, [41] seinem Herrn und seiner Frau so selten, als nur immer möglich ist, Verdruß zu machen. Die Katze und der Hund können euch bey solcher Gelegenheit gute Dienste thun, indem ihr auf dieselbigen die Schuld schieben könnet. Fehlende Bouteillen müssen nothwendig halb vom umlaufenden Volke und fremden Bedienten gestohlen, halb aber von ohngefehr bey einem allgemeinen Abzapfen zerbrochen seyn.

Wenn ihr eure Messer wetzet: so machet den Rücken davon so scharf, als die Schneide. Es wird dieser Vortheil damit verknüpfet seyn, daß, wenn die Leute, so damit essen, finden, daß die eine Seite stumpf sey, sie es mit der andern versuchen können. Damit ihr zeigen möget, daß ihr euch keiner Mühe bey dieser Arbeit verdriessen lasset: so wetzt sie so lange, bis ihr einen guten Theil des Eisens und selbst des silbernen Handgriffes wegwetzet. Dieses setzet euren Herrn in guten Credit, und ist ein Zeichen, daß er gute Haushälter habe. Der Goldschmied wird sich euch auch schon einmahl mit einem Geschenke erkenntlich dafür erweisen.

Wenn eure Frau findet, daß das Bier nicht laufen will: so wird sie mit euch schelten, daß ihr vergessen habt, den Pflock in das Luftloch zu stecken. Allein dieß ist ein großer Irrthum. Denn nichts ist leichter zu begreifen, als daß der Pflock die Luft in dem Gefäße zurückhält, wodurch das Bier verdorben wird. Daher er billig herausgelassen werden muß. Wenn sie [42] aber darauf bestehet: so müßt ihr, um die Mühe zu verhüten, das Luftloch ein Dutzendmahl des Tages zu öffnen, und wieder zuzumachen, welches für einen guten Bedienten unerträglich ist, den Zapfen des Nachts halb herausziehen. Alsdenn werdet ihr mit dem kleinen Verluste von etwa drey oder vier Bouteillen finden, daß das Bier ungehindert laufen wird.

Wenn ihr eure Lichter zubereitet: so wickelt sie in ein Stück braun Papier, und steckt sie so in die Pfeife. Laßt das Papier das halbe Licht bedecken. Dieß läßt schön, wenn Fremde kommen.

Thut alles im Finstern, eurem Herrn das Licht zu ersparen.


Das andere Kapitel.
Unterricht für die Köchinn.

Ob ich gleich gar wohl weiß, daß es bey vornehmen Leuten schon lange eine Gewohnheit gewesen, einen Koch, und zwar von der französischen Nation, zu halten: so werde ich mich doch, weil meine Schrift eigentlich nach dem allgemeinen Gebrauche der Edelleute und Herren beydes in der Stadt und auf dem Lande eingerichtet seyn soll, zu euch, Jungfer Köchinn, als zu einem Frauenzimmer, wenden; wiewohl ein großer Theil von dem, was ich sagen will, für beyde Geschlechte nützlich seyn kann. Euer Amt [43] folget natürlich auf das vorhergehende. Denn euer und des Kellners Vortheil sind mit einander verbunden; eure Belohnung ist gemeiniglich gleich, und ihr werdet bezahlet, wenn andere in ihrer Rechnung betrogen werden. Ihr könnet des Nachts auf eurer eigenen Hand die Leckerbißlein mit einander verzehren, wenn die übrigen im Hause zu Bette gegangen sind. Bey euch alleine stehet es, einen jedweden von euren Nebenbedienten zu eurem guten Freunde zu machen. Ihr könnet den kleinen Herren und Jungfern einen guten Bissen zustecken, oder eine gute Suppe verschaffen, und dadurch ihre Zuneigung gewinnen. Ein Zank zwischen euch ist euch beyden sehr gefährlich, und pflegt sich gemeiniglich so zu endigen, daß einer von euch fortgeschaffet wird; bey welchem unglücklichen Zufall es wohl nicht so leicht seyn wird, mit jemand anders eine solche Vertraulichkeit wieder aufzurichten. Ich fahre also fort, Jungfer Köchinn, euch euren Unterricht zu ertheilen, und bitte euch, daß ihr jemand von euren Nebenbedienten in dem Hause dahin vermöget, daß er euch denselben allemahl einen Abend in jeder Woche, wenn ihr zu Bette gehen wollet, vorlese, ihr möget in der Stadt, oder auf dem Lande, dienen; denn meine Lehren sind auf beyde Fälle eingerichtet.

Wenn eure Frau bey der Abendmahlzeit vergessen sollte, daß kalte Küche im Hause ist: so seyd ja nicht so dienstfertig, daß ihr sie daran [44] erinnert. Nichts ist gewisser, als daß sie derselben nicht nöthig gehabt. Wenn sie des andern Tages daran gedenken sollte: so sagt: Sie habe noch keinen Befehl dazu gegeben, und es sey auch schon verzehrt. Um aber nicht zu lügen: so bedienet euch derselben mit dem Kellner, oder einem andern guten Bekannten, ehe ihr zu Bette gehet, nach Belieben.

Schicket niemahls bey der Abendmahlzeit ein Bein von einem Vogel hinauf, so lange noch eine Katze oder ein Hund im Hause ist. Sollte aber keines von beyden Thieren da seyn: so müßt ihr den Ratten, oder einem fremden Windhunde, die Schuld geben.

Es würde eine übele Haushaltung seyn, eure grobe Küchentücher mit dem Abwischen der Teller zu verunreinigen, die ihr hinaufschicket. Denn das Tischtuch kann eben dasselbe verrichten, und es wird doch bey jeder Mahlzeit verändert.

Machet eure Spiesse niemahls rein, wenn sie sind gebrauchet worden: denn das Fett, so von der Speise darauf gelassen wird, ist das beste Mittel, den Rost davon abzuhalten. Und wenn ihr sie hernach wieder gebrauchet: so wird dasselbe Fett die inwendige Seite des Bratens fein feuchte erhalten.

Wenn ihr in einem reichen Hause dienet: so ist das Braten und Kochen der Speise für die Würde eurer Beschäfftigung viel zu niederträchtig, und es ist euch eine Ehre, daß ihr nichts [45] davon verstehet. Ueberlasset also diese Arbeit gänzlich dem Küchenmensche, ihr mögtet sonst die Ehre des Hauses, darinn ihr dienet, beleidigen.

Wenn ihr zum Marktgehen gebraucht werdet: so kaufet euer Essen so wohlfeil, als ihr nur könnet. Wenn ihr aber eure Rechnung vorzeiget: so seyd in Ansehung der Ehre eures Herrn zärtlich, und setzet den höchsten Preis an. Dieses ist ausser dem nicht mehr als billig: denn niemand kann für den Preis wieder verkaufen, dafür er einkaufet, und ich bin euch gut dafür, daß ihr ganz sicher dabey fahren werdet. Schweret darauf, ihr hättet nicht mehr gegeben, als was der Fleischhauer oder Hühnerhändler gefordert. Wenn euch eure Frau befiehlet, ein Stück Essen zur Abendmahlzelt aufzuheben: so müßt ihrs nicht so verstehen, daß ihr alles zusammen aufheben sollt. Ihr könnt daher die Hälfte davon euch selbst und dem Kellner zu Gemüthe führen.

Gute Köchinnen können sich mit demjenigen, was man mit Recht Trödelarbeit nennet, nicht behelfen, als welches eine Menge Zeit erfordert, und wobey doch wenig ausgerichtet wird. Zum Exempel, kleine Vögel zuzubereiten, welches einen Haufen Küchengeräthe erfordert; imgleichen Nebenspiesse zu gebrauchen, welches, wie ich im Vorbeygehen erinnere, gänzlich unnöthig ist. Denn es ist eine lächerliche Sache, daß ein Spieß, welcher stark genug ist, einen Lendenbraten von einem Ochsen umzuwenden, nicht [46] auch fähig seyn sollte, eine Lerche mit umzudrehen. Wenn indessen eure Frau eigensinnig wäre, und befürchtete, daß ein großer Spieß die Lerche von einander reissen mögte: so legt sie hübsch in die Pfanne, so unter dem Braten stehet. Denn das Fett, so von dem Schöpsen- oder Ochsenbraten auf die Vögel fället, ist so gut, als wenn sie ordentlich am Spiesse begossen würden, und dadurch wird beydes Zeit und Butter ersparet. Denn welche verständige Köchinn wollte wohl ihre Zeit mit Lerchenrupfen zubringen? Wenn ihr also die andern Mägde oder die kleinen Jungfern im Hause nicht zu Hülfe kriegen könnet: so machet eure Sachen kurz, und senget sie entweder oder ziehet ihnen das Fell ab; an der Haut wird doch nichts verlohren, und das Fleisch bleibt, wie es allezeit gewesen.

Wenn ihr zum Marktgehen gebrauchet werdet: so laßt euch von dem Fleischhauer keinesweges mit einem Stücke Rindfleisch und einer Kanne Bier abspeisen. Denn das ist, meiner Meynung nach, wenn man es gewissenhaft betrachtet, nichts als ein Betrug eurer Herrschaft. Nehmet dieses euer Accidens lieber allezeit an baarem Gelde, wenn ihr nicht zu Borge holet, oder laßt euch Pfund-weise eine Erkenntlichkeit geben, wenn ihr die Rechnungen bezahlet.

Der Küchenblasebalg pfleget gemeiniglich nichts nütze zu seyn, weil das Feuer mit der Spitze desselben umgerühret wird, wenn die [47] Feuerzange oder Schaufel nicht bey der Hand ist. Zu dem Ende leihet den Blasebalg aus eurer Frauen Schlafkammer. Der wird am wenigsten gebrauchet, und ist daher gemeiniglich der beste im ganzen Hause. Und wenn ihr ihn ja beschädigen, oder mit Fett besudeln solltet: so könnt ihr noch wohl gar so glücklich seyn, daß er euch gänzlich zu eurem Gebrauche überlassen wird.

Sorget dafür, daß allezeit ein Laufjunge nicht weit vom Hause sey, den ihr ausschicken könnet, und der bey regnigtem Wetter für euch zu Markte gehe. Dadurch könnt ihr eure Kleider ersparen, und euch bey eurer Frau in einen so viel bessern Credit setzen.

Wenn eure Frau euch das Bratenfett überläßt: so sorget, zur Dankbarkeit für ihre Freygebigkeit, dafür, daß euer Essen genugsam gekochet und gebraten werde. Behält sie es aber zu ihrem eigenen Nutzen: so lasset ihr Gerechtigkeit wiederfahren; und ehe ihr es an einem guten Feuer solltet fehlen lassen: so belebet dasselbe dann und wann mit dem abtröpfelnden Fette und mit geschmolzener Butter.

Schicket euren Braten mit Spielen wohl versehen hinauf, damit er fein rund und ansehnlich ins Auge falle. Wenn ihr dann und wann am gehörigen Orte eiserne Spielen anbringet: so wird er so viel schöner lassen.

Wenn ihr einen langen Braten zuzurichten habt: so sorget hauptsächlich für den mittelsten [48] Theil desselben, und lasset die äussersten Theile roh. Die können zur andern Zeit dienen, und solchergestalt wird das Feuer ersparet.

Wenn ihr eure Teller und Schüssel rein machet: so bieget den Rand einwärts, damit sie desto mehr in sich fassen können.

Habt allezeit ein großes Feuer in der Küche, wenn nur eine kleine Mahlzeit ist, und die Herrschaft ausserhalb Hauses speiset, damit die Nachbaren, so den Rauch sehen, eurer Herrschaft Haushaltung loben. Wenn aber große Gesellschaft gebeten ist: so seyd so sparsam mit euren Kohlen, als nur möglich ist; denn wenn ein ziemlicher Theil der Speisen halb roh bleibt: so wird solches ersparet, und kann des folgenden Tages gebrauchet werden.

Kochet euer Essen allezeit in hartem Wasser: denn ihr könnt nicht allezeit Fluß- oder Brunnenwasser haben. Und wenn denn eure Frau bemerket, daß euer Essen nicht allemahl von einerley Farbe ist: so wird sie mit euch schelten, als wenn ihr Schuld daran wäret.

Wenn ihr viel Vögelwerk in der Speisekammer habt: so laßt die Thüre, aus Mitleiden mit der armen Katze, offen, zumahl, wenn sie gut mauset.

Wenn ihr bey regnigrem Wetter nothwendig selbst zu Markte gehen müsset: so nehmet eurer Frauen schlechtesten Kleider, die eurigen zu ersparen.

Haltet drey oder vier alte Weiber, die [49] beständig in der Küche zu eurem Dienste sind, und die ihr mit einer Kleinigkeit bezahlen könnt, indem ihr ihnen nichts, als die übergebliebenen oder verdorbenen Speisen, ein wenig Kohlen und alle Kohlenasche, geben dürft.

Um unruhige Bediente aus der Küche zu halten, lasset allezeit den Haspel an dem Bratenwender stecken, daß er ihnen auf den Kopf falle.

Wenn ein Klumpen Ruß in die Suppe fallen sollte, und ihr es nicht gut wieder herausbringen könnet: so rühret sie nur wohl um. Das wird der Suppe einen hohen Geschmack geben.

Wenn ihr etwa eure Butter schmelzen solltet: so seyd deswegen unbesorgt, und schickt sie nur hinauf; denn geschmolzene Butter ist allezeit besser zur Tunke, als ungeschmolzene.

Schabet den Boden eurer Kessel und Töpfe allezeit mit einem silbernen Löffel, damit sie nicht einen kupferigten Geschmack bekommen.

Wenn ihr Butter zur Tunke hinauf schicket: so seyd so sparsam, daß sie halb aus Wasser bestehe, welches auch viel gesunder ist.

Wenn eure Butter, nachdem sie geschmolzen ist, nach Kupfer schmecket: so ist es eures Herrn eigene Schuld, weil er euch keine silberne Schüssel zur Sauce geben will. Habt ihr aber eine silberne, und die Butter schmeckt räuchericht: so schiebt die Schuld auf die Kohlen.

Gebrauchet niemahls einen Löffel zu Dingen, die ihr mit euren Händen thun könnet, damit ihr eures Herrn Schüsseln nicht zu sehr abnutzet.

[50] Wenn ihr merket, daß ihr das Mittagsessen nicht zu rechter Zeit fertig kriegen könnet; so ziehet die Uhr zurück, denn könnet ihr auf eine Minute fertig werden.

Lasset dann und wann eine rothe glüende Kohle in die Pfanne unter den Braten fallen, damit der Rauch vom Fette in die Höhe steige, und dem Braten einen hohen Geschmack gebe.

Ihr habt die Küche als euer Putzzimmer anzusehen. Ihr dürft aber eure Hände nicht eher waschen, als bis ihr nach dem nothwendigen Häusgen gewesen, euren Braten an den Spies gebracht, eure Vögel zurecht gemacht, euren Salat zubereitet, ja gar das andere Gericht hinaufgeschicket habt: Denn eure Hände würden durch die mancherley Dinge, so nothwendig durch dieselbe gehen müssen, noch zehnmahl so unrein werden. Wenn aber eure Arbeit vorbey ist: so könnt ihr euch einmahl für allemahl waschen.

Einen einzigen Theil eures Putzes will ich euch nur erlauben, indessen daß eure Speisen braten oder kochen, nämlich euren Kopf zu kämmen. Dabey verlieret ihr keine Zeit; denn ihr könnet über die Sachen, die ihr bratet oder kochet, stehen, und mit der einen Hand dieselben handhaben, wenn ihr indessen euren Kamm mit der andern gebrauchet.

Wenn ja etwas von euren Haaren mit den Speisen hinauf kommen sollte: so könnt ihr nur sicher die Schuld auf den Laquay legen, [51] und sagen, daß er euch vexiret habe; wie denn diese Herren bisweilen schalkhaft sind, zumahl wenn ihr ihnen einen in die Bratenpfanne eingetunkten Bissen, oder ein Schnittgen vom Spiesse versaget, noch mehr aber, wenn ihr ihnen einen Kochlöffel voll heisse Suppe auf die Beine giesset, oder sie mit einem heimlich hinten angesteckten Tischtuch zu ihrem Herrn hinauf schicket.

Zum braten und kochen laßt euch das Küchenmensch keine andere als große Kohlen bringen. Die kleinen hebet auf zum Feuer, das oben bey Tische gebraucht wird. Die ersten sind zur Zubereitung der Speisen am besten. Und wenn sie alle sind, und euch etwa eine Schüssel nicht gut geräth: so könnt ihr die Schuld darauf schieben, daß ihr nicht Kohlen genug gehabt. Es werden auch über dieses die Aschensammler gewiß übel von eures Herrn Haushaltung reden, wenn sie nicht häufige Asche, darinn noch frische und große Kohlen sind, bekommen. Auf diese Art könnt ihr euer Essen so verfertigen, daß ihr Ehre davon habet, ein Werk der Liebe thut, die Ehre eures Herrn befördert, und euch bisweilen für eure Gutherzigkeit gegen die Aschenweiber einen guten Trunk Bier zuwege bringen.

So bald ihr das andere Gericht hinauf geschicket habt: so habt ihr in einem großen Hause bis an das Abendessen nichts mehr zu thun. Waschet daher eure Hände, zieht eure völligen [52] Kleider an, und macht euch mit euren Bekannten bis neun oder zehn Uhr des Abends lustig. Aber speiset vorher.

Lasset jederzeit zwischen euch und dem Kellner eine genaue Freundschaft seyn, denn euer beyder Nutze beruhet auf eurer Einigkeit. Der Kellner bedarf öfters eines stärkenden Leckerbißgens, und ihr noch öfterer eines guten kühlen Trunks. Seyd indessen behutsam mit ihm: denn er ist bisweilen ein unbeständiger Liebhaber, weil er den großen Vortheil hat, daß er die Mädgen mit einem Gläsgen Sekt, oder rothen Wein mit Zucker ankörnen kann.

Wenn ihr eine Kalbsbrust bratet: so vergesset nicht, daß euer Schatz, der Kellner, gerne das beste Stückgen davon essen mag. Schaffet es daher bis an den Abend auf die Seite. Ihr könnt sagen: die Katze, oder der Hund sey damit fortgelaufen, oder ihr hättet gefunden, daß es verdorben, oder von den Fliegen betragen worden. Es siehet auch über dieses auf der Tafel eben so gut ohne dasselbe, als mit demselben aus.

Wenn ihr die Gesellschaft lange auf die Mahlzeit warten laßt, und das Essen gar zu stark gekocht ist, welches gemeiniglich zu geschehen pfleget: so könnt ihr mit Recht eurer Frau die Schuld geben, die euch so übertrieben, das Essen hinaufzuschicken, daß ihr gezwungen, es zu sehr gekocht oder gebraten hinauf bringen zu lassen.

Wenn euch euer Essen fast bey jeder Schüssel nicht geräth, was könnt ihr dafür? Ihr [53] seyd ja von dem Laquayen, der in die Küche gekommen, vexiret worden. Und zu beweisen, daß es wahr sey, so suchet Gelegenheit böse zu werden, und giesset einen Kochlöffel voll Brühe auf eine oder zwo der Libereyen. Ueber dieses sind auch gewisse Tage in der Woche gar zu unglücklich, und es ist unmöglich gutes Glück an denselbigen zu haben. An solchen Tagen habt ihr also eine rechtmäßige Entschuldigung.

Wenn ihr eure Teller eiligst herab nehmen müsset: so fasset sie so, daß ein Dutzend zugleich auf den Küchentisch herabfallen, die euch alsdenn gleich zur Hand sind.

Die Zeit und Mühe zu ersparen, schneidet eure Aepfel und Zwiebeln mit einem Messer: denn manierlich erzogene Leute mögen den Zwiebelgeschmack gerne an allem haben, was sie nur essen.

Klebet drey oder vier Pfund Butter mit euren Händen zusammen. Denn werfet den Klumpen gegen die Wand, recht über euren Küchentisch, so daß ihr sie in Bereitschaft habet, Stückweise herunter zupfen zu können, nachdem ihr sie nöthig habet.

Wenn ihr eine silberne Saucepfanne zum Küchengebrauche habet: so nehmet die Regel von mir an, sie oft niederzuwerfen, und beständig schwarz zu halten. Dieß wird zu eures Herrn Ehre gereichen; denn solches beweiset, daß bey ihm beständig eine gute Haushaltung gewesen. Machet der Saucepfanne Platz auf [54] dem Herde, dadurch, daß ihr mit derselben die Kohlen wegräumet.

Gleichfalls, wenn ihr einen großen silbernen Löffel in der Küche zum Gebrauche habet: so lasset das halbe Blatt davon durch das beständige Scharren und Umrühren mit demselben abgenutzet werden, und sagt oft aus Kurzweil: Dieser Löffel ist meinem Herrn keinen Dienst schuldig blieben.

Wenn ihr eurem Herrn des Morgens eine Suppe oder dergleichen hinaufschicket: so vergesset nicht mit eurem Daumen und zween Fingern Salz auf den Rand der Schüssel zu streuen: Denn, wenn ihr euch eines Löffels, oder einer Messerspitze dazu bedienen wolltet; so würdet ihr Gefahr laufen das Salz an die Erde fallen zu lassen, und das würde ein Zeichen eines Unglücks seyn. Gedenket nur daran, euren Daumen und eure Finger rein zu lecken, ehe ihr das Salz anrühret.


Das dritte Kapitel.
Unterricht für den Laquay.

Da eure Beschäfftigung von einer vermischten Beschaffenheit ist: so breitet sich dieselbe in eine Menge von Verrichtungen aus, und ihr habt die schönste Gelegenheit, der Günstling eures Herrn und eurer Frau, oder der jungen Herren und Jungfern zu seyn. Ihr seyd der schöne Herr im Hause, in welchen alle Mädgen [55] verliebt sind. Bisweilen seyd ihr das Muster eures Herrn in Ansehung der Kleidung, und bisweilen ist er das eurige. Ihr wartet bey allen Gesellschaften bey Tische auf, und folglich habt ihr Gelegenheit die Welt zu sehen und kennen zu lernen, und euch auf die Menschen und ihre Sitten zu verstehen. Es ist wahr, eure Einkünfte sind nicht sonderlich, ihr möget denn mit Geschenken ausgeschicket, oder beym Thee auf dem Lande aufwarten. Ihr werdet aber in der Nachbarschaft Herr genannt, und macht bisweilen euer Glück, und vielleicht wohl gar mit eures Herrn Tochter. Ich habe manche von eurem Orden gekannt, die gute Stellen bey der Armee bekommen haben. In der Stadt habt ihr euren eigenen Sitz in den Opern- und Comödienhäusern, wo ihr Gelegenheit habt witzige Köpfe und Kunstrichter zu werden. Ihr habt keinen abgesagtern Feind, als den Pöbel und eurer Frauen Folgemädgen, die euch zuweilen einen Laufjungen zu nennen fähig sind. Ich habe eine wahre Hochachtung für eure Verrichtung; denn ich habe einsten die Ehre gehabt, ein Mitglied eures Ordens zu seyn, welchen ich aber thörigter Weise verlassen, und mich so weit erniedriget habe, daß ich eine Bedienung in dem Zollhause angenommen. Damit aber ihr, meine Brüder, ein besseres Schicksal erlangen möget: so theile ich euch hier meinen Unterricht mit, welcher eine Frucht vieles Nachsinnens und [56] vieler Anmerkungen, wie auch einer siebenjährigen Erfahrung ist.

Um die Geheimnisse anderer Häuser zu erfahren: so erzehlet die Geheimnisse eures Herrn; so werdet ihr euch sowohl auswärts als im Hause in Gunst setzen, und eine Person werden, daran viel gelegen ist.

Laßt euch niemahls auf der Straße mit einem Korbe oder einem Bündel in der Hand sehen, und traget nichts, als was ihr in eurer Tasche verbergen könnet; sonst würdet ihr euren Stand nur beschimpfen. Diesem nun vorzubeugen, haltet allezeit einen Laufjungen, der euch eure Sachen nachtragen muß. Und fehlet es euch am Gelde: so bezahlet ihn mit einem guten Stücke Brodt, oder sonst einem Stücke Essen.

Laßt einen Jungen erst eure eigene Schuhe rein machen, damit ihr die Kammer nicht unrein machet, denn laßt ihn auch eures Herrn Schuhe putzen. Haltet ihn ausdrücklich zu diesem Gebrauche, und für euch zu laufen, und bezahlet ihn mit den übergebliebenen Brocken von Speisen. Wenn ihr auf ein Gewerbe ausgeschicket werdet: so verrichtet zugleich etwas von euren eigenen Geschäfften, und besuchet bey solcher Gelegenheit euer Mädgen, oder trinket einen Krug Bier mit einem eurer Cameraden, dadurch wird viel Zeit gewonnen.

Es ist eine große Streitigkeit, wie ihr auf die bequemste und artigste Weise bey den Mahlzeiten eure Teller halten sollet. Einige stecken [57] ihn zwischen den Rahmen und Rücken des Stuhls. Dieß ist gewiß ein artiges Mittel, wenn der Stuhl darnach gemacht ist. Andere halten aus Furcht, der Teller mögte niederfallen, denselben so fest, daß ihr Daumen bis an die Mitte der holen Seite des Tellers reichet, welches aber, wenn ihr einen trockenen Daumen habet, kein sicheres Mittel ist. In solchem Falle rathe ich euch, den Ballen eures Daumes wohl mit eurer Zunge anzufeuchten. Was die närrische Gewohnheit anbetrifft, den Rücken des Tellers sich an eure hohle Hand anlehnen zu lassen, welche einige Damen anpreisen: so ist dieselbe überall ausgepfiffen, indem sie so vielen Zufällen unterworfen ist. Andere hingegen sind so fein abgerichtet, daß sie den Teller ganz unter ihren linken Arm stecken, welches das beste Mittel ist ihn warm zu halten. Dieß kann aber gefährlich werden, wenn ihr eine Schüssel wegnehmen sollet, da euer Teller jemanden von der Gesellschaft auf den Kopf fallen könnte. Ich gestehe es, ich habe immer etwas gegen alle diese Arten einzuwenden gehabt, als welche ich oft versucht habe. Ich preise euch daher die vierte Art an, welche darinn bestehet, euren Teller bis an den Rand, und zwar denselbigen mit eingeschlossen, an eurer linken Seite zwischen eurer Weste und eurem Hemde hineinzustecken. Dieß wird ihn wenigstens eben so warm halten, als wenn ihr ihn unter den Arm stecket; dieß wird ihn so verbergen, [58] daß Fremde euch für etwas mehr als einen bloßen Bedienten ansehen, als welcher zu gut dazu ist einen Teller zu halten. Dieß wird verhüten, daß er nicht fallen könne, und in solcher Stellung liegt er bereit, daß ihr ihn den Augenblick ganz warm herausbringen, und jedem Gast, den ihr abreichen, und der ihn gebrauchet, geben könnet. Endlich findet sich bey dieser Art noch eine andere Bequemlichkeit, daß ihr, wenn ihr währender Zeit eurer Aufwartung nöthig habet zu husten, oder die Nase zu schneuzen, den Augenblick euren Teller herausziehen, und den holen Theil desselben dicht vor eure Nase oder euren Mund halten, und solcher Gestalt verhüten könnet, daß ihr nichts von euren Feuchtigkeiten auf die Schüsseln oder auf den Kopfputz der Damen versprützet. Ihr sehet, daß Herren und Damen solches bey dergleichen Gelegenheiten mit einem Hute oder einem Schnupftuche eben so machen. Ein Teller aber wird dadurch nicht so leicht verunreiniget, und kann auch eher wieder rein gemacht werden, als eines von beyden. Denn wenn euer Husten oder Schnauben vorbey ist: so dürft ihr euren Teller nur wieder in die vorige Stellung bringen, da ihn denn euer Hemde gleich im Hineinstecken reinigen wird.

Wenn ihr die größten Schüsseln abnehmet und aufsetzet: so thut solches mit einer Hand, um dem Frauenzimmer die Stärke und Kraft eures Rückens sehen zu lassen. Thut solches [59] aber allezeit zwischen zwo Damen, daß, wenn euch die Schüssel etwa entgleiten sollte, die Suppe oder Sauce alsdann auf ihre Kleider falle, und den Fußboden nicht schmutzig mache. Durch diesen Kunstgriff haben zween meiner Brüder, meine werthen Freunde, vollkommen ihr Glück gemacht.

Lernet alle neumodische Wörter, Flüche, Lieder und Brocken aus Komödien, die euer Gedächtniß nur immer fassen kann. So werdet ihr das Vergnügen von neun Frauenzimmern unter zehn, und neun und neunzig Stutzern unter hunderten ein Dorn in den Augen werden.

Sehet zu, daß zu gewissen Zeiten, insonderheit während der Mahlzeit, wenn Personen vom Stande zugegen sind, ihr und eure Brüder alle zusammen auf einmahl aus dem Zimmer seyd. Dadurch werdet ihr euch selbst von der Abmattung durch das Aufwarten ein wenig erholen, und zu gleicher Zeit der Gesellschaft Zeit lassen, freyer zu reden, ohne daß sie sich eurer Gegenwart wegen zu zwingen nöthig haben.

Wenn ihr auf ein Gewerbe ausgeschicket werdet: so bestellet dasselbe in euren eigenen Worten, wenn es auch bey den vornehmsten Personen seyn sollte, und nicht in den Worten eures Herrn, oder eurer Frau. Denn wie sollten sie es so gut verstehen, was zur Bestellung eines Gewerbes gehöret, als ihr, indem ihr bey der Sache hergekommen seyd. Bringet aber die Antwort niemahls eher, als bis sie euch abgefordert [60] wird, und dieselbe allezeit in eurem eigenen Stil.

Wenn die Mahlzeit vorbey ist: so traget einen großen Haufen Teller auf einmahl nach der Küche, und wenn ihr an die erste Stufe der Treppe kommet: so laßt sie alle vor euch hinunter rollen. Es ist kein angenehmerer Anblick oder Schall, zumahl, wenn es silberne Teller sind; der Mühe nicht zu gedenken, die ihr dabey ersparet. Und alsdenn werden sie zugleich ganz nahe an der Küchenthüre liegen, wo sie ganz bequem zum Abwaschen können abgelanget werden.

Wenn ihr ein Gericht Essen in einer Schüssel hinaufbringet, und es euch aus der Hand fällt, ehe ihr in das Speisezimmer gekommen seyd, so daß das Essen auf die Erde fället, und die Sauce versprützet wird: so nehmet das Essen fein sauber auf, wischet es mit einem Zipfel eures Rockes ab, legt es wieder in die Schüssel, und bringt es zu Tische. Wenn eure Frau nach der Sauce fraget: so saget, dieselbe solle auf einem eigenen Teller nachgebracht werden.

Wenn ihr ein Gericht auftraget: so tunket mit dem Finger in die Brühe, oder lecket mit der Zunge daran, um zu probiren, ob sie auch gut sey, und sich für eures Herrn Tisch schicke.

Ihr könnt am besten beurtheilen, was für Bekanntschaft eure Frau halten müsse. Wenn sie euch daher ausschicket an ein Haus, das ihr nicht leiden könnet, ein Compliment oder ein Gewerbe zu bestellen: so bringet die Antwort [61] auf solche Weise vor, daß daraus eine unversöhnliche Streitigkeit zwischen beyden entstehe. Oder wenn ein Laquay aus demselben Hause mit eben solchem Gewerbe kommt: so verdrehet die Antwort, die sie euch zu ertheilen heisset, auf solche Weise, daß das andere Haus es als eine Beleidigung annehmen müsse.

Wenn ihr keinen Jungen haben könnet, der an eurer Statt die Schuhe rein mache: so putzet eures Herrn Schuhe mit dem untersten Theil der Vorhänge, einer reinen Serviette, oder mit eurer Frauen Schürze.

Habt euren Hut im Hause allezeit auf dem Kopfe, ausser, wenn euch euer Herr ruft. Und so bald als ihr ihm zu Gesichte kommet: so nehmet ihn ab, eure Höflichkeit dadurch zu bezeigen.

Scharret den Gassenkoth an euren Schuhen nicht auf der vor der Thüre liegenden Matte, sondern an dem Eintritte, oder unten an der Treppe, ab. Ihr werdet den Vortheil[WS 2] davon haben, daß man glaubet, ihr seyd schon eine Minute länger zu Hause gewesen, und die Matte wird desto länger halten.

Bittet niemahls um Erlaubniß auszugehen: denn so wird man es allezeit wissen, daß ihr abwesend seyd, und euch für einen faulen und herumlaufenden Kerl halten. Da ihr hingegen, wenn ihr ausgehet, und es niemand merket, vielleicht den Vortheil haben könnet, zu Hause zu kommen, ohne daß man euch vermisset hat. Ihr dürft auch euren Nebenbedienten nicht sagen, [62] wenn ihr ausgegangen seyd: denn sie werden gewiß sprechen, ihr wäret noch vor einigen Minuten im Hause gewesen; welches auch die Pflicht aller Bedienten ist.

Putzet die Lichter mit euren Fingern, werfet das Abgeputzte an den Fußboden, und tretet es alsdenn aus, den Gestank zu verhüten. Dieses Verfahren wird die Lichtputzen gar sehr schonen, daß sie nicht zu bald abgenutzet werden. Ihr müßt sie gleichfalls dicht an dem Tallig wegputzen: denn darnach laufen die Lichter, und die Küchenaccidentien der Köchinn bekommen dadurch einen Zuwachs. Dieses aber ist eine Person, bey welcher ihr nach allen Regeln der Klugheit gut angeschrieben zu seyn trachten müsset.

Wenn nach der Mahlzeit gebetet wird: so nehmet, nebst euren Mitbrüdern, die Stühle hinter den Leuten weg, so daß sie, wenn sie sich wieder setzen wollen, alle auf die Erde fallen. Dieß wird die ganze Gesellschaft lustig machen. Ihr müßt aber ganz bescheiden seyn, bis ihr hinaus in die Küche kommet, da ihr denn euren Nebenbedienten die kurzweilige Historie erzählen könnet.

Wenn ihr wisset, daß euer Herr in der Gesellschaft sehr beschäfftigt ist: so kommt hinein, und stellet euch, als ob ihr etwas in der Stube rein machen wollet. Und wenn er darüber zürnet: so sagt, ihr hättet gemeynet, daß er geklingelt hätte. Dieß wird ihn abhalten, daß er sich [63] nicht zu sehr in die Geschäffte vertiefe, oder sich durch zu vieles Reden abmatte, oder seine Gedanken gar zu sehr anstrenge, als welches alles seiner Gesundheit schädlich ist.

Wenn euch befohlen wird, die Scheere eines Hummers aufzumachen: so stecket dieselbe zwischen den Angeln der Thür des Speisesaals. Auf diese Art könnet ihr es allmählig thun, ohne Gefahr zu laufen, das inwendige Fleisch ganz zu zerquetschen, welches sehr oft geschiehet, wenn ihr es mit dem Hausschlüssel oder einer Mörselkeule verrichten wollet.

Wenn ihr einem von den Gästen einen unreinen Teller wegnehmet, und sehet, daß das unreine Messer oder die Gabel auf dem Teller lieget: so zeiget eure Geschicklichkeit, nehmet den Teller auf, und schüttet das Messer und die Gabel von demselben auf den Tisch, ohne dabey die Knochen oder die überbliebenen Brocken von dem Essen mit herabzuschütten. So wird der Gast, der mehr Zeit hat, als ihr, das Messer und die Gabel, die er schon gebrauchet hat, selber abwischen.

Wenn ihr Jemanden ein Glas Bier oder Wein bringet, das er gefordert hat: so stosset ihm nicht auf die Schulter, oder rufet, mein Herr, oder Madame, hier ist das Glas. Das würde unhöflich seyn, und das Ansehen haben, als wenn ihr es ihm mit Gewalt hineinzwingen wolltet; sondern stellet euch an der rechten Seite der Person, und wartet ihre Zeit ab. Stösset [64] sie aus Unachtsamkeit das Glas mit dem Elbogen herunter: so ist es ihre, und nicht eure Schuld.

Wenn eure Frau euch ausschicket an einem regnichten Tage, eine Miethkutsche zu holen: so kommet in der Kutsche zurück, um eure Kleider und die Mühe des Gehens zu ersparen. Es ist besser, daß der Saum ihres Rockes von euren kothigen Schuhen besudelt, als daß eure Liberey verdorben werde, und ihr euch erkältet.

Nichts ist einem Menschen von eurem Stande so unanständig, als daß ihr eurem Herrn auf der Straße mit einer Laterne leuchten müsset. Es ist daher eine ehrliche Verschmitztheit, alle Künste anzuwenden, euch davon los zu machen. Es zeiget über dieses auch noch an, daß euer Herr entweder arm, oder geizig seyn müsse, welches die beyden ärgsten Eigenschaften sind, die ihr in eurem Dienste antreffen könnet. Als ich mich in diesen Umständen befand: so bedienete ich mich verschiedener kluger Hülfsmittel, die ich euch hiemit anpreise. Bisweilen nahm ich ein Licht, welches so lang war, daß es an die Spitze der Laterne reichte, und sie verbrannte. Mein Herr aber befahl mir nach einer guten Prügelsuppe die Spitze mit Papier zu bekleben. Hierauf bediente ich mich eines mittelmäßigen Lichtes, steckte es aber so lose in die Pfeife, daß es sich nach der einen Seite hinlehnete, und den vierten Theil des Horns verbrannte. Hernach nahm ich ein Stückchen Licht, einer halben Spanne [65] lang, welches ganz in die Pfeife hineinsunk, und wovon das Lötwerk schmelzte, daß also mein Herr sich genöthiget sahe, den halben Weg im Dunkeln zu gehen. Darauf mußte ich ein Stück Licht, einer Spanne lang, an die Stelle stecken, wo die Pfeife gewesen war. Ich stellte mich aber, als wenn ich fiele, that das Licht aus, und zerbrach darauf alle blecherne Theile der Leuchte. Endlich ward er gezwungen, aus lauter Sparsamkeit, sich einen eigenen Jungen zum Leuchtentragen zu halten.

Es ist sehr zu beklagen, daß die Herren von unserm Handwerke nur zwo Hände haben, die Teller, Schüsseln, Bouteillen und dergleichen aus dem Speisezimmer zu tragen. Und das Unglück wird dadurch noch größer, daß allezeit eine von diesen Händen erfordert wird, die Thüre zu eröffnen, wenn man mit seiner Last beladen ist. Ich rathe daher, daß die Thür allezeit nur vorgeschoben bleibe, so daß ihr sie mit dem Fuße öffnen könnet. Alsdenn könnet ihr euch vom Bauche an bis zum Kinne mit Tellern und Schüsseln beladen, und sonst noch eine gute Menge anderer Dinge unter dem Arme mit fortschleppen, welches euch manchen sauren Tritt ersparen wird. Sehet aber zu, daß eure Last nicht eher niederfalle, als bis ihr aus der Stube, oder, wenn es möglich ist, so weit weg seyd, daß man euch nicht mehr hören könne.

Wenn ihr an einem kalten regnichten Abend mit einem Briefe nach dem Posthause geschicket [66] werdet: so gehet in die Schenke, und trinket daselbst so lange, bis man glaubet, daß ihr euer Gewerbe ausgerichtet habet. Bedienet euch aber hernach der ersten der besten Gelegenheit, den Brief sorgfältig zu bestellen, wie einem ehrlichen Bedienten zukommt.

Wenn ihr nach der Mahlzeit Caffee für das Frauenzimmer zurecht machen sollet, und der Topf etwa von ohngefehr überkochet, da ihr indessen hinaufgelaufen seyd, einen Löffel zu holen, ihn umzurühren, oder an etwas anders denket, oder mit dem Kammermädgen um einen Kuß ringet: so wischet den Topf rein mit einem Schüsseltuche ab, bringt euren Caffee dreist hinauf, und wenn eure Frau ihn zu schwach findet, und euch fraget, ob er nicht übergekochet sey: so leugnet es schlechterdings; schweret, ihr hättet mehr Caffee, als sonst, hineingethan; ihr wäret keinen Fußbreit davon gewichen; ihr hättet euch rechte Mühe gegeben, ihn besser, als gewöhnlich, zu machen, weil eure Frau Besuch hätte; die Bedienten in der Küche könnten es alle bezeugen. Alsdenn werdet ihr finden, daß das andere Frauenzimmer sagen werde, euer Caffee sey sehr gut, und eure Frau wird bekennen, daß sie keinen Geschmack habe. Sie wird sich künftig selbst nicht trauen, und nicht so fertig seyn, Fehler daran zu finden. Dieß müßt ihr aus der Bewegung eures Gewissens thun: denn der Caffee ist sehr schädlich, und aus Liebe zu eurer Frau müßt ihr derselben den Caffee so [67] schwach, als möglich, geben. Und wenn ihr Lust habet, jemand von den Mädgen mit einem guten Schälgen Caffee zu tractiren: so könnt und sollt ihr aus diesem Grunde den dritten Theil vom Caffee abnehmen, um für die Gesundheit eurer Frau zu sorgen, und ihres Mädgens Gunst zu gewinnen.

Wenn euch euer Herr zu jemanden von seinen Freunden mit einem geringen Geschenke schicket: so gehet so sorgfältig damit um, als mit einem Diamantringe. Und wenn auch das Geschenk nur aus einem halben Dutzend Aepfel bestehen sollte: so laßt den Bedienten, der euer Gewerbe annimmt, sagen, ihr hättet Befehl, sie mit euren eigenen Händen zu überliefern. Dieß wird von eurer Sorgfalt und Behutsamkeit zeugen, allen Zufällen und allem Irrthum vorbeugen, und der Herr oder die Frau kann euch nicht weniger, als ein Dutzend Schillinge zum Trinkgelde geben. Wenn euer Herr dergleichen Geschenk bekömmt: so laßt den, der es bringet, eben dasselbe thun, und gebet eurem Herrn einen Wink, der seine Freygebigkeit reizen möge: denn Bediente müssen sich als Brüder einander beystehen; zumahl, da es alles zu eurer Herrschaft Ehre gereichet, als welches ein Hauptpunct ist, den ein jeder guter Bedienter zu beobachten hat, und wovon er allein der beste Richter ist.

Wenn ihr nur einige Häuser weit weggehet, mit einem Mädgen zu schwatzen, oder in der [68] Geschwindigkeit einen Krug Bier zu trinken, oder einen von euren Brüdern zum Galgen führen zu sehen: so laßt die Thür offen, daß ihr nicht nöthig habet anzuklopfen, und euer Herr nicht erfahre, daß ihr ausgegangen seyd: denn eine Viertelstunde kann seinen Diensten keinen Abbruch thun.

Wenn ihr nach der Mahlzeit die übergebliebenen Stücken Brodt abnehmet: so leget sie auf unreine Teller, und drücket sie mit andern Tellern, die ihr darüber setzet, nieder, so daß sie kein Mensch anrühren mag. Auf diese Weise kann ein gutes und gewöhnliches Accidens für euren Laufjungen daraus werden.

Wenn ihr eures Herrn Schuhe mit eigener Hand rein machen müsset: so gebrauchet das schärfste Taschenmesser dazu, und wenn ihr sie trocknet: so setzet sie mit den Zehen nur einige Zolle weit vom Feuer: denn nasse Schuhe sind gefährlich, und über dieses werdet ihr sie durch solchen Kunstgriff desto eher für euch selbst bekommen.

In einigen Häusern schicket der Herr öfters zum Weinhause, eine Bouteille Wein holen zu lassen, und ihr seyd gemeiniglich die Boten. Ich rathe euch, die kleinste Bouteille dazu zu nehmen, die ihr nur finden könnet. Dem ohngeachtet lasset euch ein volles Quartier zapfen, so werdet ihr einen guten Trunk für euch selbst haben, und eure Bouteille wird doch voll werden. Um einen Stöpsel zur Bouteille dürft ihr euch [69] gar nicht bekümmern: denn euer Daumen, oder ein Bißgen beschmutztes und gekauetes Papier kann dieselben Dienste thun.

Bey allen Streitigkeiten mit Sänftenträgern oder Kutschern, wenn sie zu viel fordern, und euer Herr euch hinunter schickt, mit ihnen zu handeln, habt Mitleiden mit den armen Kerlen, und sagt eurem Herrn, daß sie keinen Pfenning fallen lassen wollen. Es ist euch nützlicher, euren Antheil an einem guten Kruge Bier zu haben, als eurem Herrn einen Schilling zu ersparen, welches für ihn doch nur eine Kleinigkeit ist.

Wenn ihr an einem dunkeln Abend eure Frau mit der Fackel begleitet, und sie in der Kutsche fähret: so gehet nicht neben der Kutsche her, dadurch ihr euch nur ermüden und garstig machen würdet; sondern begebt euch auf eure gehörige Stelle hinten auf, und haltet die Fackel vorwärts über das Verdeck der Kutsche herüber. Wenn sie des Putzens nöthig hat: so schlaget sie an die Ecke der Kutsche.

Wenn ihr eure Frau des Sonntags zur Kirche gebracht habt: so habt ihr wenigstens zwo volle Stunden, die ihr mit euren Cameraden in der Schenke oder über einem guten Rinderbraten und einem frischen Trunke zu Hause mit der Köchinn und den andern Mägden zubringen könnet. Und in der That, es haben auch die armen Bedienten so wenig Gelegenheit, vergnügt zu seyn, daß sie nicht die geringste davon fahren lassen müssen.

[70] Traget niemahls Socken, wenn ihr bey Mahlzeiten aufwartet, sowohl eurer eigenen, als auch derer, die zu Tische sitzen, ihrer Gesundheit wegen. Denn gleichwie das meiste Frauenzimmer den Geruch der Zehen junger Mannspersonen gerne haben mag: also ist derselbe auch ein allgemeines Mittel wider die Dünste.

Suchet euch einen solchen Dienst aus, wo die Farben eurer Liberey eben nicht zu bunt, noch zu unterscheidend sind. Grün und Gelb verrathen den Augenblick euer Handwerk. Und das thun auch alle Arten von Schnüren, ausgenommen Silber, welches euch aber selten zu Theil wird, es sey denn bey einem Herzoge, oder bey einem jungen Verschwender, der eben erst sein eigener Herr geworden. Die Farben, die ihr euch hauptsächlich zu wünschen habt, sind blau, oder dunkelgelb mit Roth gefüttert, welches, nebst einem geborgten Degen, einer geborgten Mine, eures Herrn Wäsche, einer natürlichen und geübten Dreistigkeit, euch einen Titel geben kann, welchen ihr wollet, wenn ihr nicht bekannt seyd.

Wenn ihr Schüsseln, oder andere Sachen aus dem Speisezimmer traget: so nehmet eure beyde Hände so voll, als nur möglich. Denn ob ihr gleich darüber zuweilen etwas verschütten, zuweilen etwas fallen lassen solltet: so werdet ihr doch am Ende des Jahres finden, daß ihr viel ausgerichtet, und überflüßige Zeit ersparet habt.

Wenn euer Herr oder eure Frau auf der Straße gehen: so haltet euch an der einen Seite, [71] und gehet, so viel als möglich ist, mit ihnen in einer Linie. Denn wenn die Leute dieses sehen: so werden sie entweder gedenken, daß ihr nicht zu ihnen gehöret; oder daß ihr ihres gleichen seyd. Wenn sich aber einer von ihnen umkehren, und euch etwas sagen sollte, so daß ihr nothwendig euren Hut abnehmen müsset: so brauchet dazu nur euren Daumen und den einen Finger, mit den übrigen aber kratzet den Kopf.

Zur Winterszeit zündet das Feuer im Camine des Speisezimmers erst einige Minuten vorher an, ehe das Essen hinaufgebracht wird, damit euer Herr sehe, wie sparsam ihr mit seinen Kohlen umgehet.

Wenn euch befohlen wird, das Feuer umzurühren: so wehet allezeit erst die Asche mit dem Feuerwedel davon.

Wenn ihr um Mitternacht eine Kutsche besorgen sollt: so gehet nicht von der Hausthür ab, ihr mögtet sonst nirgends zu finden seyn, wenn man eurer nöthig hätte; sondern bleibet da stehen, und schreyet, wenn es auch über eine halbe Stunde währen sollte: Kutscher! Kutscher!

Ob ihr Herren in der Liberey gleich das Unglück habet, daß euch alle Leute spöttisch begegnen: so habt ihr doch Gelegenheit, ein munteres Gemüth beyzubehalten, und bisweilen ein ansehnliches Glück zu machen. Ich war ein vertrauter Freund eines von unsern Brüdern, der bey einer Hofdame Laquay war. Sie hatte eine ansehnliche Stelle, war die Schwester eines [72] Grafen, und die Wittwe eines Mannes von Stande. Sie bemerkte etwas feines an meinem Freunde; ihr gefiel die besondere Artigkeit, womit er vor ihrer Sänfte herging und seine Haare unter den Hut steckte, so sehr, daß sie ihm allerley Gefälligkeiten erwies. Eines Tages fuhr sie in ihrer Kutsche spazieren, und Thomas stand hinten auf. Der Kutscher verfehlete des Weges, und hielte vor einer privilegirten Capelle still, in welcher dieses Paar an einander verheirathet ward, und worauf Thomas in dem Wagen an der Seite seiner Frau wieder zu Hause kam. Zum Unglücke aber lehrete er sie das Brandteweintrinken, woran sie starb, nachdem sie vorher alles ihr Silberzeug versetzet, um Brandtewein dafür zu bekommen, und nun ist Thomas bey einem Malzhändler Tagelöhner.

Boucher, der berühmte Spieler, war ein anderer aus unserer Brüderschaft, und wie er 50000 Gulden reich war: so mußte sich der Herzog von *** alle Tage auf das unverschämteste wegen einer rückständigen Schuld seines Lohns, den er in seinen Diensten verdienet, mahnen lassen. Ich könnte noch viele zum Exempel anführen, und insonderheit einen, dessen Sohn eine von den vornehmsten Stellen bey Hofe hat. Es ist aber genug, daß ich euch folgenden Rath gebe, der darinn bestehet, gegen jedweden frech und grob zu seyn, insonderheit gegen den Beichtvater, gegen das Folgemädgen und gegen alle Bediente in vornehmer Leute [73] Häusern, die mehr sind, als ihr. Ihr müßt euch auch eben nicht viel daraus machen, wenn ihr dann und wann mit Füßen gestoßen, oder mit dem spanischen Rohre bewillkommet werdet. Eure Vermessenheit wird doch endlich gut für euch ausfallen, und ihr werdet anstatt der Liberey vielleicht gar bald eine Fahne zu tragen bekommen.

Wenn ihr hinter einem Stuhle bey Mahlzeiten aufwartet: so spielet beständig mit den Händen an dem Rücken des Stuhls, damit der, hinter welchem ihr stehet, wissen möge, daß ihr bereit seyd, ihm aufzuwarten.

Wenn ihr porcellainene Teller hinuntertraget, und dieselben etwa fallen lassen solltet; wie sich denn dergleichen Unglück öfters zuzutragen pfleget: so müßt ihr euch damit entschuldigen, es wäre euch unterweges ein Hund zwischen den Beinen durchgelaufen; das Kammermädgen hätte von ungefehr die Thür aufgemacht, und sie euch just bey eurem Eintritte entgegen geschlagen; es wäre ein Besen an der Thür gestanden, der euch entgegen gefallen; euer Aermel wäre am Schlüssel, oder am Knopfe des Schlosses behangen blieben.

Wenn euer Herr und eure Frau in der Schlafkammer zusammen reden, und ihr einigen Verdacht habet, daß ihr oder eure Cameraden an ihrem Gespräche Theil nehmet: so horchet, zum gemeinen Besten aller Bedienten, vor der Thür, und wendet eure gesammten Kräfte an, allen [74] Neuerungen vorzubeugen, die eurer gemeinschaftlichen Sache nachtheilig seyn könnten.

Seyd nicht stolz im Glück. Ihr habt ohne Zweifel gehöret, daß sich das Glück umdrehe, wie ein Rad. Wenn ihr einen guten Dienst habet: so sitzet ihr oben auf dem Rade. Gedenket, wie oft ihr die Mondur habet ausziehen müssen, und wie oft ihr mit den Füßen aus der Thüre gestoßen seyd, da ihr allen euren Lohn vorher aufgenommen, und denselben auf ausgeflickte Schuhe mit rothen Absätzen, auf halbvertragene Peruquen, auf ausgebesserte gestickte Handkrausen verwandt hattet, wozu über dieses noch eine hochaufgelaufene Rechnung des Krügerkellers und der Brandteweinbude hinzu kam. Der benachbarte Brandteweinbrenner, der euch vorhin zu winken pflegte, auf einen wohlschmeckenden Bissen Ochsenmäuler hinüber zu kommen, welchen er euch umsonst gab, und nur, was ihr zu vertrinken pflegtet, anschrieb, brachte, so bald ihr nur mit Unwillen weggekommen waret, den Augenblick die Rechnung zu eurem Herrn, sich von eurem Lohn bezahlen zu lassen, der euch aber nicht einen Heller mehr schuldig war; worauf ihr von den Gerichtsdienern in jedem heimlichen Keller verfolget wurdet. Gedenket, wie bald ihr schäbigt und kahl wurdet; wie bald eure Schuhe und Strümpfe zerrissen; und wie ihr genöthiget wurdet, einen alten Libereyrock zu leihen, damit ihr euch nur sehen lassen könntet; wie ihr einen andern [75] Dienst zu erhalten suchtet; wie ihr euch heimlich in die Häuser schleichen mußtet, wo ihr nur einen alten Bekannten hattet, verstohlner Weise einen Bissen Brodts zu erlangen, um nur Leib und Seele zusammen zu halten; und wie ihr überhaupt in dem niedrigsten Stande des menschlichen Lebens waret, welcher, wie das alte Lied saget, der Zustand eines Laquayen ist, den man weggejaget hat. Gedenket, sage ich, an alles dieses in eurem blühenden Zustande. Entrichtet eure Abgiften gehörigermaßen an eure jüngern Brüder, die der weiten Welt überlassen sind. Nehmet einen von ihnen an, der nach eurer Pfeife tanzen müsse, den ihr in den Geschäfften eurer Frau ausschicken könnet, wenn ihr Lust habet, ins Bierhaus zu gehen. Stecket ihm dann und wann heimlich ein Stück Brodt und einen Bissen kalter Speise zu. Eurer Herr kann es schon missen. Und wenn er es noch nicht so weit hat bringen können, daß er eine Herberge bezahlen kann: so laßt ihn im Stalle, oder im Wagenraum, oder unter der Hintertreppe liegen, und preiset ihn allen Herren, die in euer Haus kommen, als einen vortrefflichen Bedienten an.

In dem Amte eines Laquayen alt werden ist das Unanständigste unter allen Dingen. Wenn ihr also findet, daß eure Jahre herankommen, ohne daß ihr Hoffnung habet, eine Stelle bey Hofe, oder ein Commando bey der Armee zu erhalten, oder dem Haushalter in seinem Amte zu [76] folgen, oder über die Einnahme eures Herrn gesetzet zu werden, (welche beyden letzten Stellen ihr aber nicht, ohne Lesen und Schreiben zu verstehen, erlangen könnet) oder auch endlich mit eures Herrn Anverwandtinn oder Tochter davon zu laufen: so rathe ich euch schlechterdings, euch auf die Landstraßen zu begeben, welches die einzige Ehrenstelle ist, so euch noch offen bleibet. Da werdet ihr viele von euren alten Cameraden antreffen, ein zwar kurzes doch lustiges Leben führen, und bey eurem Ende noch dazu eine Figur machen, wozu ich euch einigen Unterricht ertheilen will.

Der letzte Rath, den ich euch gebe, betrifft eure Aufführung, wenn ihr zum Galgen gebracht werdet, welcher euch, wegen Bestehlung eures Herrn; wegen eines Einbruches; weil ihr auf die Landstraßen gegangen, und weil ihr in einer Zänkerey, da ihr betrunken gewesen, den ersten, der euch vorgekommen, erstochen habet, wahrscheinlicher Weise gar leicht zu Theile werden kann, und welches einer von diesen drey Eigenschaften beyzumessen ist, entweder eurer Liebe zu guter Cameradschaft, eurer Großmuth, oder der gar zu großen Lebhaftigkeit eurer Geister. Euer gutes Bezeugen in diesem Artikel wird eure ganze Brüderschaft betreffen. Leugnet die That mit den feyerlichsten Verwünschungen. Hundert von euren Brüdern werden, wenn sie nur zugelassen werden können, vor dem Gerichte warten, und bereit seyn, euch vor demselben auf Befragen [77] einen guten Character beyzulegen. Laßt euch nichts zum Bekenntnisse bewegen, als die Versprechung des Pardons, wenn ihre eure Cameraden entdecken wollet. Wiewohl dieses alles ist doch, wie ich glaube, umsonst. Denn wenn ihr gleich einmahl los kommet: so werdet ihr doch ein andermahl dasselbe Schicksal erfahren müssen. Lasset euch eine Rede durch den besten Scribenten von Newgate verfertigen. Gutherzige Mädgen werden euch mit einem weissen holländischen Hemde und einer weissen Mütze mit einem rothen oder weissen Bande versehen. Nehmet von allen euren Freunden zu Newgate auf das zärtlichste Abschied. Steiget mit Muth auf den Karren. Fallet auf eure Knie. Hebet eure Hände in die Höhe. Haltet ein Buch in der Hand, wenn ihr gleich kein Wort lesen könnet. Leugnet die That noch unter dem Galgen. Küsset den Büttel, und verzeihet ihm, und so fahret wohl. Ihr werdet ansehnlich auf Kosten der Brüderschaft begraben werden. Den Wundärzten wird nicht eines von euren Gliedern zu Theil werden, und euer Nachruhm wird dauren, bis ein gleichberühmter Nachfolger an eure Stelle treten wird.


Das vierte Kapitel.
Unterricht für den Kutscher.

Ihr seyd schlechterdings zu nichts verbunden, als auf den Bock zu steigen, und euren Herrn oder eure Frau zu führen.

[78] Laßt eure Pferde so wohl abgerichtet seyn, daß sie, wenn ihr auf der Straße halten müsset, und eure Frau einen Besuch ableget, so lange stille stehen, daß ihr in eine benachbarte Schenke gehen, und mit einem Freunde ein Gläsgen trinken könnet.

Wenn ihr nicht Lust habt zu fahren: so sagt, die Pferde haben sich erkältet; sie seyn nicht beschlagen; der Regen thue ihnen Schaden, mache ihre Haut rauhe, und verderbe das Geschirre. Eben dieses kann sich auch der Reitknecht zu Nutze machen.

Wenn euer Herr bey einem guten Freunde auf dem Lande speiset: so trinket so viel, als ihr nur immer erlangen könnet. Denn es ist eine ausgemachte Sache, daß ein guter Kutscher niemahls besser fährt, als wenn er besoffen ist. Und dann zeiget eure Geschicklichkeit. Fahret auf ein Haarbreit an einem Abgrunde vorbey, und saget, ihr fahret niemahls so gut, als wenn ihr trunken seyd.

Findet ihr, daß ein anderer Herr eines von euren Pferden gerne leiden mag, und daß er euch ausser dem Bezahlen des Pferdes einen guten Willen zu machen Lust hat: so beredet euren Herrn, es zu verkaufen, weil es so viele Fehler hat, daß ihr euch nicht unterstehet, mit ihm zu fahren, und noch dazu übertrieben ist.

Habt einen Jungen an der Hand, der des Sonntags an den Kirchthüren auf eure Kutsche Achtung gebe, daß ihr und eure Brüder, die andern [79] Kutscher, unterdessen in der Schenke vergnügt zusammen seyn könnet, wenn euer Herr und eure Frau in der Kirche sind.

Sehet zu, daß eure Räder in gutem Stande sind, und machet, daß, so oft als möglich ist, neue gekauft werden, es mögen euch die alten als ein Accidens zufallen oder nicht. In dem ersten Falle wird es zu eurem ehrlichen Vortheile gereichen; in dem andern aber wird es eine gerechte Bestrafung des Geizes eures Herrn seyn, und ausser allem Zweifel wird sich euch der Wagenmacher dafür erkenntlich bezeigen.


Das fünfte Kapitel.
Unterricht für den Reitknecht.

Ihr seyd derjenige Bediente, auf welchem die Sorge für die Ehre eures Herrn bey allen Reisen gänzlich beruhet. Eure Brust ist das einzige Behältniß für dieselbe. Wenn er zu Lande reiset, und in Wirthshäusern logirt: so wird ein jeder Schluck Brandtewein, ein jeder Krug Bier, so ihr ausserordentlicher Weise trinket, seinen Character erheben. Seine Ehre soll euch daher lieb seyn. Und ich glaube, ihr werdet euch in beyden Stücken nicht gar zu sehr einschränken. Der Schmied, des Sattlers Knecht, die Köchinn in der Herberge, der Hausknecht, der Stalljunge, alle diese müssen an eures Herrn Freygebigkeit Theil nehmen. So [80] wird sein Ruhm von einem Lande in das andere wandern. Und was kann auch ein Stübgen Bier oder ein Nössel Brandtewein in seiner Herrlichkeit Beutel ausmachen. Wenn er auch zu der Zahl dererjenigen gehören sollte, die sich weniger aus ihrem guten Namen, als aus ihrem Geldbeutel, machen: so muß doch eure Sorge für den erstern um so viel größer seyn. Seinem Pferde fehleten zwey neue Eisen, das eurige mußte neue Nägel haben. Hat er euch für Heu und Haber etwa mehr gegeben, als zur Reise erfordert wird: so kann der dritte Theil davon genommen und in Bier und Brandtewein verwandelt werden. Solchergestalt wird seine Ehre durch eure kluge Veranstaltung beybehalten, und es verursachet ihm selbst wenige Kosten. Oder, wenn sonst kein Bedienter mit reiset: so läßt sich die Sache vortrefflich zwischen euch und dem Wirthe in der Rechnung abmachen.

So bald ihr also vor einer Herberge absteiget: so überliefert eure Pferde dem Stalljungen, und laßt ihn damit nach dem nächsten Wasser galloppiren. Hierauf fordert einen Krug Bier: denn es ist die höchste Billigkeit, daß ein Christenmensch eher trinke, als ein Vieh. Ueberlasset euren Herrn der Sorge der Bedienten in der Herberge, und eure Pferde der Sorge der Stallbedienten. So sind beydes er und sie in den besten Händen. Ihr müßt aber für euch selbst sorgen. Laßt euch was Gutes zu essen geben, [81] trinket getrost, und gehet zu Bette, ohne euren Herrn zu beunruhigen, der in weit bessern, als euren, Händen ist. Der Hausknecht ist ein ehrlicher Kerl, liebet die Pferde von ganzem Herzen, und würde für aller Welt Gut den stummen Creaturen nichts zuwider thun. Seyd zärtlich gegen euren Herrn, und saget den Bedienten, daß sie ihn nicht zu früh aufwecken. Esset euer Frühstück, ehe er aufgestanden ist, damit er nicht auf euch warten dürfe. Machet, daß ihm der Hausknecht sage, der Weg sey sehr gut und die Meilen kurz. Rathet ihr ihm aber, noch ein wenig länger zu warten, bis sich das Wetter besser aufkläre: denn es könnte leicht an zu regnen fangen, und er würde ja nach der Mittagsmahlzeit noch Zeit genug haben.

Laßt euren Herrn vor euch aufsteigen: denn das will sich der Höflichkeit wegen nicht anders schicken. Wenn er die Herberge verlassen will: so laßt ein gutes Wort für den Hausknecht fallen, was für Sorge er für die Pferde getragen, und setzet hinzu, ihr hättet niemahls höflichere Bediente angetroffen. Lasset euren Herrn vorher wegreiten, und wartet ihr so lange, bis euch der Wirth noch einen guten Schluck Brandtewein gegeben. Denn galoppiret durch die Stadt, oder das Dorf in voller Eile hinter ihm an, er mögte sonst auf euch warten, und zeiget dadurch, wie gut ihr reiten könnet.

Wenn ihr zugleich ein Stück von einem Pferdearzt seyd, wie billig ein jeder guter Reitknecht [82] seyn muß: so versorgt euch mit Seckt, Brandtewein oder starkem Biere, um die Füße eurer Pferde alle Abend damit zu reiben, und seyd ja nicht sparsam damit; denn wenn auch schon etwas verbraucht wird: so wißt ihr doch am besten, was ihr mit dem, was übrig bleibt, anzufangen habt.

Sorget für eures Herrn Gesundheit, und laßt ihn lieber lange Reisen thun. Saget, die Pferde sind schwach, und vom harten Reiten schon am Fleische abgefallen. Sagt ihm von einem guten Wirthshause vor, das noch fünf Meilen näher ist, als er zu gehen willens war; oder lasset eines von den Hufeisen seines Pferdes, welches los war, des Morgens nicht bevestigen; oder machet, daß der Sattel dem Pferde in die Seite steche; oder gebt ihm die ganze Nacht und des Morgens keinen Haber, damit es auf dem Wege müde werde; oder treibet eine dünne eiserne Platte zwischen dem Eisen und dem Huf hinein, damit es Halte mache, und alles dieses thut aus vollkommener Zärtlichkeit für euren Herrn.

Wenn ihr euch sehen lasset, um bey einem Herrn in Dienste zu treten, und der Herr euch fraget, ob ihr euch auch wohl zu betrinken pfleget: so gestehet frey, daß ihr ein Liebhaber von einem guten Trunke seyd; es sey aber eure Weise, ihr möget trunken oder nüchtern seyn, eure Pferde niemahls zu versäumen.

Wenn euer Herr Lust hat auszureiten, um [83] frische Luft zu schöpfen, oder sich ein Vergnügen zu machen, und ihr eurer besondern Geschäffte wegen nicht recht wohl mit ihm reiten könnet: so gebt ihm zu verstehen, die Pferde müßten nothwendig Aderlassen und purgiren, sein eigen Reitpferd hätte sich überfressen; oder der Sattel müßte neu ausgestopft werden; oder der Zügel wäre zum Riemer gebracht worden, um ihn auszubessern. Dieß könnt ihr ehrlicher Weise thun, weil dadurch weder den Pferden, noch eurem Herrn Unrecht geschiehet. Ihr leget zu gleicher Zeit dadurch an den Tag, was für eine große Sorge ihr für die armen unvernünftigen Thiere traget.

Wenn ein Wirthshaus in der Stadt ist, wohin ihr mit eurem Herrn reitet, da ihr mit dem Hausknecht oder dem Wirthe wohl bekannt seyd, und die Leute im Hause etwas auf die andern Wirthshäuser zu sagen haben, und eurem Herrn das ihrige anpreisen: so kann euch solches, wenn ihr ihnen darinn behülflich seyd, zu eurem Vortheil und zu eures Herrn Ehre ein Paar Krüge Bier, oder ein Paar Schlücke Brandtewein mehr einbringen.

Wenn euer Herr euch ausschicket, Heu zu kaufen: so handelt mit solchen Leuten, die am freygebigsten gegen euch sind. Denn da ein Dienst kein Erbgut ist: so müßt ihr nicht den geringsten rechtmäßigen und gebräuchlichen Vortheil fahren lassen. Kauft euer Herr es selbst: so thut er euch Unrecht. Um ihn also [84] seine Schuldigkeit zu lehren: so habt ihr immer an dem Heu was auszusetzen, so lange es währet.

Wenn ein geschickter Reitknecht mit seinem Heu und Haber wohl umzugehen weiß: so kann er sich dadurch vortrefflich mit Bier und Brandtewein versorgen. Wiewohl dieß erinnere ich nur beyläufig.

Wenn euer Herr bey einem Freunde auf dem Lande speiset, und gleich kein Reitknecht da, oder derselbe ausgegangen ist, oder die Pferde gar nicht sind gewartet worden: so krieget jemand von den Bedienten im Hause auf, der das Pferd halte, wenn euer Herr aufsteigen will. Dieß müßt ihr auch thun, wenn euer Herr auch nur auf einige Minuten bey seinem Freunde einspricht. Denn Nebenbediente müssen sich freundschaftlich gegen einander beweisen, und betrifft dieses auch eures Herrn Ehre: denn er kann doch wenigstens nicht umhin, dem, der das Pferd hält, ein Trinkgeld zu geben.

Auf langen Reisen bittet euren Herrn um Erlaubniß, den Pferden Bier zu geben. Bringet 2 Quartiervoll in den Stall, giesset ein halbes Nössel in eine Schale; und wenn sie nicht trinken wollen: so müßt ihr und der Hausknecht das beste dabey thun. Vielleicht haben sie in einem andern Wirthshause bessere Lust zu trinken. Denn ihr müßt nicht vergessen, diesen Versuch in jedem Wirthshause anzustellen.

Wenn ihr mit euren Pferden, um ihnen frische Luft schöpfen zu lassen, aufs Feld reiten [85] sollet: so übergebt sie einem Pferdejungen, oder einem andern seines gleichen. Solche Jungen sind leichter, als ihr, und also können ihnen die Pferde mit wenigerm Schaden zum Wettreiten anvertrauet werden. Diese können sie auch über Hecken und Graben setzen lehren, ihr aber könnt indessen einen freundschaftlichen Krug Bier mit euren Brüdern, den andern Reitknechten, austrinken. Zuweilen aber könnt auch ihr mit euren Brüdern, zur Ehre eurer Pferde und eurer Herren, in die Wette reiten.

Entziehet euren Pferden zu Hause niemahls Heu und Habern, sondern füllet die Krippe bis oben an. Es würde euch selbst schlecht gefallen, wenn man euch euren Unterhalt entzöge. Und wenn sie gleich nicht allemahl Lust zu fressen haben: so müßt ihr doch bedenken, daß ihre Zungen nicht geschickt sind, etwas zu fordern. Wenn schon das Heu an die Erde geworfen wird: so ist doch kein Verlust dabey; es macht gute Streu, und ersparet das Stroh.

Wenn euer Herr von einem Freunde auf dem Lande Abschied nimmt, wo er eine Nacht gewesen ist: so seyd auf seine Ehre bedacht. Macht, daß er erfahre, wie viel Bediente von beyderley Geschlechte im Hause sind, die ein Trinkgeld erwarten, und gebt ihnen ein Zeichen, daß sie in zwo Reihen auf ihn warten, wenn er aus dem Hause gehen will. Bittet aber euren Herrn, daß er das Geld dem Kellner nicht anvertraue: denn er mögte die übrigen betriegen. [86] Dieß wird euren Herrn nöthigen, desto freygebiger zu seyn. Ihr könnt auch wohl Gelegenheit nehmen, ihm zu sagen, daß dieser oder jener Herr, bey welchem ihr zuletzt gedienet, so und so viel an die Bediente gegeben, da ihr denn noch einmahl so viel nennen könnet, als er willens seyn mag zu geben. Vergesset aber nicht, den Bedienten zu sagen, was für einen guten Dienst ihr ihnen geleistet. Dieß wird euch Liebe, und eurem Herrn Ehre zuwege bringen.

Ihr könnt es sicher wagen, öfterer trunken zu seyn, als der Kutscher, er mag auch zu seiner Rechtfertigung einwenden, was er will; denn ihr setzet Niemandes Hals, als den eurigen, in Gefahr, und das Pferd wird schon so viel Sorge für sich selbst tragen, daß es mit einer Verrenkung oder dergleichen Kleinigkeit davon kömmt.

Wenn ihr eures Herrn Reiserock tragen müsset: so wickelt euren eigenen in demselben, und schnüret sie mit einem Riemen vest zusammen. Kehret aber die inwendige Seite von eures Herrn Rock auswärts, um die äusserste Seite für Nässe und Koth zu bewahren. Wenn es nun anfängt zu regnen: so ist eures Herrn Rock zuerst bereit, daß er ihm kann gegeben werden. Wird er auch gleich etwas mehr beschädiget, als der eure: so kann er es besser thun. Denn eure Liberey muß immer erst ihr Probejahr aushalten.

Wenn ihr in die Herberge kommt, und die [87] Pferde nach einem scharfen Ritte naß, kothigt und sehr heiß sind: so laßt den Hausknecht sie so gleich bis an die Bäuche ins Wasser führen, und laßt sie trinken so viel sie wollen. Vergesset aber auch nicht, sie zum wenigsten in aller Eile eine gute Meile galoppiren zu lassen, damit sie wieder abtrocknen, und das Wasser in ihren[WS 3] Bäuchen warm werde. Der Hausknecht versteht sein Handwerk schon; ihr könnt seiner klugen Vorsorge nur alles überlassen, und indessen ganz geruhig in der Küche einen Krug Bier und ein Glas Brandtewein trinken, euer Herz wieder zu laben.

Fällt eurem Pferde eines von dem Vörderhufeisen ab: so seyd so sorgfältig abzuspringen, und es aufzuheben. Reitet darauf, so geschwind als ihr könnet, mit dem Hufeisen in der Hand, damit ein jeder Reisender, der euch begegnet, eure Sorgfalt sehen möge, nach dem nächsten Schmiede, und laßt es den Augenblick wieder aufschlagen, damit euer Herr nicht auf euch warten und das arme Pferd so kurze Zeit als möglich ohne Hufeisen seyn möge.

Wenn euer Herr bey einem Freunde logiret, und ihr gleich findet, daß das Heu und der Haber gut ist: so beklaget euch doch überlaut darüber. Dieß wird euch den Namen eines fleißigen Bedienten zuwege bringen. Gebt den Pferden so vielen Haber, als sie nur immer essen können, so lange ihr da seyd. Ihr könnet ihnen nachher einige Tage lang in den Wirthshäusern [88] so viel weniger geben, und den Haber, den sie hätten haben sollen, in Bier verwandeln. Wenn ihr aus dem Hause seyd: so saget eurem Herrn, sein Freund, bey dem er gewesen, wäre ein rechter Filz; er hätte euch nichts als Buttermilch oder Wasser zu trinken gegeben. Dieß wird eures Hrn. Mitleiden reizen, und er wird euch in der nächsten Herberge einen Krug Bier mehr zu trinken erlauben. Solltet ihr euch aber einmahl zufälliger Weise in einem fremden Hause besaufen: so kann euer Herr solches nicht übel nehmen; denn es hat ihm nichts gekostet. Das müßt ihr ihm auch sagen, so gut als ihr in solchem euren Zustande könnet, und ihm zu Gemüthe führen, daß es beydes zu seiner und des fremden Herrn Ehre gereiche, wenn der Bediente eines Freundes freundlich bewillkommet werde.

Ein Herr muß seinen Reitknecht allemahl lieben, ihm eine hübsche Liberey und einen mit Silber besetzten Hut geben. Wenn ihr so geputzet seyd: so habt ihr alle Ehrenbezeugungen, die eurem Herrn unterweges wiederfahren, euch selbst zuzuschreiben. Daß er nicht einem jeden Fuhrmann ausweichen muß, hat er der Höflichkeit zu danken, die er erst aus der andern Hand, und zwar von der Hochachtung erhält, die man für seine Liberey hat.

Ihr könnt dann und wann eures Herrn Reitpferd einem eurer Nebenbedienten, oder auch einem artigen Mädgen, auf einen kurzen Ritt leihen, oder es auch wohl auf einen Tag vermiethen; [89] denn das Pferd wird doch nur verdorben, wenn es nicht gebrauchet wird. Wenn aber euer Herr das Pferd eben selbst nöthig hätte, oder den Stall sehen wollte: so müßt ihr auf den verfluchten Kerl, den Hausknecht, schelten, daß er ausgegangen ist, und den Schlüssel zum Stall mit sich genommen hat.

Wenn ihr gerne eine Stunde oder etliche mit euren Cameraden in einem Bierhause zubringen mögtet, und es euch an einer zureichenden Entschuldigung eures Aussenbleibens fehlet: so geht zur Stall- oder Hinterthür heraus, und stecket einen alten Zaum, eine Gurt, oder ein Steigbügelleder in eure Tasche. Wenn ihr wieder kommet: so gehet mit demselben Zaum, der Gurt oder dem Steigbügelleder in die ordentliche Hausthür hinein. Alsdenn aber müßt ihr diese Dinge offenbar in der Hand tragen, als wenn ihr vom Gürtler herkämet, der sie ausgebessert hätte. Seyd ihr nicht vermisset worden: so ist alles gut. Wenn euch aber euer Herr begegnet: so werdet ihr den Ruhm eines sorgfältigen Bedienten erlangen. Ich weiß, daß dieß mit gutem Erfolge ist ausgeübet worden.


Das sechste Kapitel.
Unterricht für den Haushofmeister.

Des Lord Peterboroughs Haushofmeister riß sein Haus nieder, verkaufte die Materialien [90] davon, und überließ dem Lord die Sorge für die Wiederaufrichtung. Nehmet Geld von den Pächtern dafür, daß ihr sie in Einforderung ihrer Schulden übersehet. Erneuert die Pachtcontracte, und suchet euch dadurch zu bereichern. Verkaufet Hölzungen. Leihet eurem Lord sein eigen Geld. (Gilblas saget sehr viel davon, und auf diesen berufe ich mich.)


Das siebente Kapitel.
Unterricht für den Thürhüter.

Wenn euer Herr ein Staatsminister ist: so laßt ihn für keinen Menschen zu Hause seyn, als für seinen Hauptschmeichler, oder für seinen Schriftsteller, der in Pension bey ihm stehet, oder für seinen gemietheten Spion und Zeitungsträger, oder für seinen gewöhnlichen Drucker, oder für seinen Stadtanwald, oder für seinen Erfinder neuer Fonds oder für einen Actienhändler.


Das achte Kapitel.
Unterricht für das Kammermädgen.

Die Beschaffenheit eurer Beschäfftigung ist nach dem Stande, dem Hochmuthe oder dem Reichthume der Dame, so ihr dienet, unterschieden. Es soll dieses Werkgen eigentlich für alle Arten von Häusern eingerichtet seyn. Ich [91] finde daher ziemliche Schwierigkeit dabey, die Beschäfftigung zu bestimmen, wozu ihr eigentlich gemiethet seyd. In einem Hause, wo ziemliche Mittel sind, seyd ihr von der Hausmagd unterschieden, und in dieser Absicht ertheile ich euch meinen Unterricht. Der Hauptplatz eurer Verrichtungen ist die Kammer eurer Dame, in welcher ihr das Bette machet, und alles in Ordnung setzet. Wenn sich eure Herrschaft auf dem Lande aufhält: so müßt ihr die Zimmer besorgen, darinn die Damen schlafen, die eure Herrschaft besuchen, und das bringt euch euer meistes Trinkgeld ein. Euer gewöhnlicher Schatz ist, so viel mir bekannt, der Kutscher. Wenn ihr aber unter zwanzig Jahren, und noch ziemlich hübsch seyd: so kann vielleicht ein Laquay ein Auge auf euch werfen.

Laßt euch den Laquay, euren Schatz, helfen, eurer Dame Bett zu machen. Und wenn ihr bey einem kürzlich verheyratheten Paare dienet: so könnt ihr und der Laquay, bey Aufnehmung der Bettücher, die artigsten Anmerkungen machen. Wenn diese unter der Hand ausgebracht werden: so kann sich das ganze Haus daran ergetzen, und sie können auch unter den Nachbaren bekannt werden.

Bringet das nothwendige Geschirr nicht herunter, daß es die Mannspersonen im Hause sehen; sondern giesset es aus dem Fenster, und zwar um eurer Dame Ehre willen. Es schickt sich gar nicht für Bediente männliches Geschlechts [92] zu wissen, daß hübsche Damen dergleichen Geschirr nöthig haben. Scheuret auch den Kammertopf nicht; denn der Geruch ist sehr gesund.

Wenn ihr von ohngefehr mit dem Ende eines Besens Porcellaingeräthe auf einem Cabinette, oder auf einem Camine zerbrechen solltet: so setzt es zusammen, so gut sichs will thun lassen, und stellet es hinter das andere hin. Wenn denn eure Frau es endlich einmahl gewahr wird; so könnt ihr sicher sagen: es wäre längst zerbrochen gewesen, ehe ihr noch einmahl in ihren Dienst gekommen. Dieß wird eure Dame mancher Stunde Aergerniß überheben.

Es trägt sich bisweilen zu, daß ein Spiegel auf eine oder andre Art zerbrochen wird, denn ihr habt bisweilen anders wohin zu sehen, wenn ihr die Stube kehret. Das lange Ende des Besens stößt indessen an das Glas, und zerbricht es in kleine Stücklein. Dieß ist das größte von allem Unglück, und dem Ansehen nach fast kein einziges Mittel dawider. Ein dergleichen unglücklicher Zufall trug sich auch einst in einem großen Hause zu, wo ich die Ehre hatte Laquay zu seyn. Ich will doch die besondern Umstände davon erzählen, um die artige Erfindung des armen Kammermädgens bey einem so plötzlichen und fürchterlichen Vorfalle zu zeigen. Es kann euch solches vielleicht zu bessern Erfindungen Anlaß geben, wenn euer Unstern euch etwa dergleichen verursachen sollte. [93] Das arme Mädgen hatte einen großen japanischen Spiegel durch einen Besenstoß zerbrochen. Sie bedachte sich nicht lange, faßte einen bewundernswürdigen kurzen Entschluß, schloß die Thüre zu, schlich sich in den Hof, brachte aus demselben einen großen Stein drey Pfund schwer in die Kammer, legte ihn auf den Caminheerd recht unter den Spiegel, zerbrach eine Scheibe eines Fensters, das nach dem Hofe hinausgieng, verschloß die Thür, und gieng zu ihren andern Verrichtungen. Zwo Stunden darnach gieng die Lady in die Kammer, sahe den Spiegel zerbrochen, den Stein darunter liegen, und eine ganze Scheibe im Fenster eingeschmissen. Aus allen diesen Umständen machte sie den Schluß, den das Mädgen gewünschet hatte, daß nämlich ein Müßiggänger aus der Nachbarschaft, oder vielleicht ein fremder Bedienter, aus Bosheit, oder von ohngefehr, oder aus Unachtsamkeit den Stein hineingeworfen, und den Schaden angerichtet hätte. Bis so weit gieng alles gut, und das Mädgen glaubte ausser aller Gefahr zu seyn. Zu ihrem Unglücke aber mußte der Henker einige Stunden hernach den Pfarrer des Kirchspiels in das Haus hineinführen. Die Dame erzählte ihm natürlicher Weise den Zufall, der sie, wie ihr leicht gedenken könnet, ganz unruhig gemacht hatte. Der Pfaffe, der eben mehr priesterliche Eigenschaften als eine Ochsenstimme besitzen, und gar die Mathematik verstehen mußte, untersuchte die [94] Lage des Hofes, des Fensters und des Camins, und überzeugte die Dame gar bald, der Stein hätte den Spiegel nicht anders erreichen können, er hatte denn in seinem Fluge aus der Hand, so ihn geworfen, drey Wendungen nehmen müssen. Es ward bewiesen, daß das Mädgen denselben Morgen die Kammer gekehret, und sie ward auf das genaueste examiniret. Sie betheurete aber auf ihre Seligkeit, daß sie es nicht gethan hätte; sie wollte in seiner Ehrwürden Gegenwart einen körperlichen Eyd auf der Bibel ablegen, sie wäre, mit einem Worte, so unschuldig, als das Kind im Mutterleibe. Dem ohngeachtet ward das arme Mensch weggejaget, welches ich aber, in Ansehung ihrer so artigen Erfindung, für ein gar zu hartes Verfahren halte. Es kann euch dieses indessen doch in einem gleichen Falle zum Unterrichte dienen, damit ihr eine andere Historie erfindet, die besser an einander hänge. Ihr könntet, zum Exempel, sagen: da ihr eben mit eurem Besen beschäfftiget gewesen, sey ein heftiger und plötzlicher Blitz in das Fenster hineingefahren, der euch fast gänzlich geblendet. Ihr hättet dabey den Augenblick ein Klingen als von zerbrochenem Glase auf dem Caminheerde gehöret, und wie ihr das Gesichte wieder erlanget; so hättet ihr gesehen, daß das Spiegelglas in kleine Stücke zerbrochen gewesen. Oder ihr könnt auch sagen: ihr hättet bemerket, daß das Glas etwas staubigt ausgesehen, und als ihr es ganz [95] gelinde hättet abwischen wollen: so müßte, glaubtet ihr, die Feuchtigkeit der Luft den Leim des Rahmen aufgelöset haben, und daher wäre es zu Boden gefallen, da ihr es nur eben angerühret. Das hätte dem Besten, ja der Herrschaft selbst, begegnen können. Oder so bald das Unglück geschehen ist, könnet ihr die Bänder zerschneiden, womit der Spiegel an der Wand befestiget gewesen, und ihn solcher Gestalt platt auf die Erde fallen lassen. Da müßt ihr den Augenblick voller Schrecken zu eurer Dame laufen, es ihr erzählen, und auf den fluchen, der ihn aufgehänget hat. Ihr müßt dabey sagen: ihr wäret noch eben zum Glücke darunter weggekommen, daß er euch nicht auf den Kopf gefallen. Ich biete euch diese Mittel aus einem Verlangen an, das ich besitze, die Unschuld zu vertheidigen. Denn ihr müßt gewiß unschuldig seyn, wofern ihr nicht das Glas mit großem Fleisse zerbrechet, welches ich aber auf keine Weise entschuldigen will, ihr müßtet denn besonders große Ursache dazu gehabt haben.

Beschmieret die Feuerzange und Schaufel überall mit Oele, nicht nur um den Rost davon abzuhalten, sondern auch zu verhüten, daß gar zu geschäfftige Leute durch das Rühren im Feuer eures Herrn Kohlen nicht gar zu sehr vermindern.

Wenn ihr eilfertig seyd: so kehret den Staub vom Boden in einen Winkel der Stube zusammen, [96] lasset aber den Besen darauf stehen, damit er nicht zu sehen komme, denn das würde euch nur Verdruß zuwege bringen.

Waschet eure Hände nicht eher, und macht auch eher keine reine Schürze vor, als bis ihr eurer Dame Bette gemacht, es mögte sonst eure Schürze kraus, und eure Hände wieder garstig werden.

Wenn ihr des Abends die Fensterladen in eurer Dame Schlafzimmer zumachet: so lasset die Fenster selbst offen, um frische Luft herein zu bringen, damit es gegen Morgen nicht so sauer in der Kammer rieche.

Wenn ihr die Fenster der frischen Luft wegen offen lasset: so lasset auch Bücher, oder sonst was auf den Fensterbänken liegen, damit sie der frischen Luft gleichfalls theilhaftig werden.

Wenn ihr eurer Dame Kammer kehret: so haltet euch nicht damit auf, die unreinen Hemder, Schnupftücher, Hauben, Nadelküssen, Theelöffel, Bänder, Pantoffeln, oder was euch sonst im Wege lieget, aufzuheben; sondern feget alles zusammen in einen Winkel, so könnt ihr alles in einem Klumpen aufheben und Zeit ersparen.

Bey heissem Wetter die Betten zu machen, ist eine beschwerliche Arbeit, die euch gar wohl einen Schweiß heraus pressen kann. Wenn euch nun die Schweißtropfen vom Gesichte herunterlaufen wollen: so wischet sie mit einem Zipfel der Betttücher ab, damit sie nicht auf dem Bette zu sehen kommen.

[97] Wenn eure Frau euch befiehlet ein Porcellaingeschirr auszuspühlen, und es von ungefähr entzwey bricht: so bringt es hinauf, und schweret, ihr hättet es nur eben mit der Hand berühret, da wäre es euch in der Hand in drey Stücke gegangen. Hier muß ich euch sowohl, als euren Nebenbedienten, die Lehre geben, daß ihr es niemahls an einer Entschuldigung dabey fehlen lasset. Das thut eurem Herrn keinen Schaden, und verkleinert euer Versehen. Als in diesem Falle würde ich schon nicht auf euch schelten, daß ihr das Geschirr zerbrochen; es ist gewiß, daß ihr es nicht mit Fleiß gethan habt, und die Sache ist möglich, daß es euch in der Hand hat zerbrechen können.

Traget eurer Frauen Hemder, wenn sie dieselben ausgezogen hat. Sie werden euch die eurigen ersparen, und dadurch nicht um ein Haarbreit schlechter werden.

Wenn ihr einen reinen Ueberzug über das Hauptküssen eurer Frau ziehet: so befestiget solchen wohl mit drey starken Nadeln, er mögte sonst in der Nacht wieder herunter gehen.

Wenn ihr Butter und Brodt zum Thee aufsetzet: so laßt alle Löcher in eurem Brodte voller Butter seyn. Dieß wird das Brodt gegen die Mahlzeit feucht erhalten. Laßt bloß an dem einen Ende einer jeden Schnitte das Zeichen eures Daumen zu sehen seyn, um eure Reinlichkeit dadurch zu zeigen.

Wenn euch befohlen wird eine Thür, einen [98] Kasten, oder ein Cabinett aufzuschliessen, und es euch an dem rechten Schlüssel dazu fehlet, oder ihr denselben vor den andern, die in dem ganzen Bunde sind, nicht auskennet: so probiret den ersten Schlüssel, den ihr hineinkriegen könnet, und drehet ihn mit aller Leibeskraft um, bis entweder das Schloß offen gehet, oder der Schlüssel abbricht: Denn eure Frau würde euch gewiß für eine Thörinn halten, wenn ihr zurückkämet, und nichts ausgerichtet hättet.


Das neunte Kapitel.
Unterricht für das Aufwartemädgen.

Zween Zufälle haben den Vortheil eurer Beschäfftigung gar sehr verringert. Erstlich die verdammte Gewohnheit, die unter den Damen ist, daß sie ihre alten Kleider für Porcellainsachen vertauschen, oder daß sie dieselbe in Stücke zerschneiden, Stühle, Schirme und Küssen damit zu überziehen, und dergleichen. Zum andern, die Erfindung der kleinen Kästgen, die verschlossen werden können, darinn sie ihren Thee und Zucker verschliessen, ohne welchen ein Aufwartemädgen doch ohnmöglich leben kann. Ihr werdet dadurch gezwungen braunen Zucker zu kaufen, und Wasser auf die Blätter zu giessen, die schon alle Kraft und allen Geschmack verlohren haben. Ich habe noch kein vollkommenes Mittel wider diese beyden Uebel ausfündig [99] machen können. Indessen was das erste anbetrifft: so halte ich dafür, es sollten sich billig alle Bediente in einem Hause zu ihrem gemeinen Besten mit einander verbinden, alle solche Porcellainweiber von dem Hause abzuhalten. Was aber das andere anbetrifft: so habt ihr sonst kein ander Mittel euch zu helfen, als durch einen falschen Schlüssel, welches aber schwer und gefährlich zu bewerkstelligen ist. Was aber den Umstand anbetrifft, ob ihr auch ehrlich daran handelt, daran zweifle ich im geringsten nicht, indem euch eure Frau eine so gerechte Ursache dazu giebet, weil sie euch dadurch ein lange hergebrachtes und rechtmäßiges Accidens entziehet. Eure Frau giebt euch zwar dann und wann etwa eine halbe Unze Thee; allein was ist euch mit einer solchen Kleinigkeit gedienet? Ich fürchte daher, ihr werdet gezwungen werden, gleichwie eure andern Schwestern, euren Thee zu Borge zu holen, und ihn hernach von eurem Lohn, so weit derselbe zureichen will, zu bezahlen, wie wohl ihr diesen Schaden leicht auf eine andere Art ersetzen könnet, wenn eure Frau schön, oder ihre Töchter reiche Erbinnen sind.

Wenn ihr in einem großen Hause dienet: so kann es vielleicht geschehen, daß euer Herr ein Auge auf euch wirft, wenn ihr auch nur halb so hübsch als eure Frau aussehet. Bey solchem Falle suchet ihn so gut zu rupfen, als es nur immer möglich ist. Erlaubet ihm niemahls [100] die geringste Freyheit, auch nicht einmahl euch die Hand zu drücken, wenn er nicht zugleich eine Guinea mit hineindrücket. Machet solchergestalt, daß er euch allmählig für einen jeden neuen Anfall, den er auf euch thut, bezahlen müsse. Laßt ihn das, was ihr ihm vergönnet, allezeit gedoppelt bezahlen, und setzet euch immer dabey zur Wehre, und drohet, ihr wollet schreyen, oder es seiner Frau sagen, wenn ihr gleich sein Geld nehmet. Fünf Guineen dafür, daß er eure Brüste betastet, ist fast noch zu wohlfeil, wenn ihr euch gleich mit aller Macht dawider zu wehren scheinet. Erlaubet ihm aber niemahls die letzte Gunst, wenn er euch nicht hundert Guineen, oder wenigstens eine jährliche Einkunft von zwanzig Pfund giebet.

In einem solchen Hause werdet ihr, wenn ihr hübsch seyd, unter dreyen Liebhabern die Wahl haben, nämlich den Capellan, den Haushofmeister, und eures Herrn Laquayen. Ich wollte euch wohl hauptsächlich rathen, den Haushofmeister zu erwählen; allein wenn ihr von eurem Herrn solltet geschwängert werden: so müßt ihr euch den Capellan erwählen. Der Laquay eures Herrn ist, meiner Meynung nach, der schlechteste von diesen dreyen. Denn so bald er die Liberey ableget, pfleget er gemeiniglich eitel, oder ein schlechter Kerl zu seyn. Und wenn er nicht etwa eine gewisse Beförderung erhält; so pflegt die Landstraße seine äusserste Zuflucht zu werden. [101] Vor allen muß ich euch für eures Herrn ältesten Sohn warnen. Wenn ihr Geschicklichkeit genug dazu besitzet: so müßte es freylich wunderlich kommen, daß ihr es nicht dahin bringen solltet, daß er euch heyrathen, und zu einer Dame machen müßte. Ist er aber ein ausschweifender, liederlicher junger Mensch, (denn eines oder das andere muß er doch nothwendig seyn,) so vermeidet ihn wie den Satan; denn er frägt eben so viel nach seiner Mutter, als ein ausschweifender Mann nach seiner Frau, und nach tausend Versprechungen werdet ihr doch nichts als einen dicken Bauch, oder eine verliebte Krankheit, oder vielleicht beydes zugleich von ihm zu gewarten haben.

Wenn eure Frau unpäßlich ist, und nach einer schlimmen Nacht, die sie gehabt hat, des Morgens noch ein wenig schläft, und alsdenn ein Laquay kömmt, der nachfragen soll, wie sie sich befindet: so müßt ihr ein solches Compliment nicht verlohren gehen lassen; sondern sie so lange leise rütteln, bis sie erwachet, ihr die Bothschaft ansagen, ihre Antwort erwarten, und sie alsdann ausschlafen lassen.

Wenn ihr das Glück habt einer jungen Dame, die große Mittel besitzet, aufzuwarten: so müßtet ihr sehr einfältig seyn, wenn ihr nicht fünf oder sechs hundert Pfund damit verdienen solltet, sie anzubringen. Erinnert ihr oft, sie sey reich genug eine Mannsperson glücklich zu machen. Es finde sich keine wahre Glückseligkeit, [102] als bey der Liebe. Sie habe die Freyheit ihre Wahl nach ihrem eigenen Gefallen, und keinesweges nach dem Unterrichte ihrer Eltern einzurichten, die niemahls einer unschuldigen Leidenschaft ihre Freyheit lassen. Es finde sich eine sehr große Menge hübscher, artiger und angenehmer junger Mannspersonen in der Stadt, die sich ein Vergnügen daraus machen würden, zu ihren Füßen zu sterben. Der Umgang zwoer verliebten Personen sey der Himmel auf Erden. Die Liebe sowohl als der Tod mache einen jedweden Stand gleich. Wenn sie auch ihre Augen auf einen jungen Menschen werfen würde, der unter ihrem Stande wäre: so würde sie ihn doch durch die Heyrath zu einem vornehmen Menschen machen. Ihr hättet gestern den artigsten Fähndrich von der Welt gesehen. Wenn ihr 40000 Pfund reich wäret: so sollten dieselben alle zu seinen Diensten bereit stehen. Bemühet euch darnach, daß jedermann wisse, bey was für einer Dame ihr dienet, in welcher Gunst ihr bey derselben stehet, und wie sehr sie sich allezeit eures Rathes bediene. Findet euch oft in den öffentlichen Spatziergängen ein. Die hübschen Mannspersonen werden euch allda gar bald entdecken, und sich bemühen, einen Liebesbrief in euren Ermel oder euren Busen hinein zu practiciren. Reisset solchen aber mit Wuth heraus, und schmeisset ihn auf die Erde, wenn ihr nicht wenigstens zwo Guineen mit demselben vergesellschaftet findet. In solchem Falle aber [103] stellet euch, als wenn ihr es nicht merket, und als wenn er doch nur ein wenig mit euch habe hasiliren wollen. Wenn ihr nach Hause kommet, so stellet euch, als wenn ihr den Brief von ohngefehr in eurer Dame Kammer fallen liesset. Findet sie ihn, und wird böse darüber: so bezeuget, ihr wisset nichts davon. Ihr besinnet euch bloß, daß ein hübscher, junger Mensch um einen Kuß mit euch gerungen, und ihr glaubet, der müsse es seyn, der euch den Brief in den Ermel oder Rock gestecket. Er wäre auch in der That die schönste Mannsperson gewesen, die ihr jemahls gesehen. Sie könnte den Brief ja nur verbrennen, wenn sie wollte. Wenn eure Dame klug ist: so wird sie in eurer Gegenwart ein ander Papier verbrennen, und den Brief lesen, so bald ihr hinunter gegangen seyd. Ihr müßt dieses so oft versuchen, als ihr es mit Sicherheit thun könnt. Laßt aber denjenigen, der euch die Briefe am besten bezahlet, die schönste Person seyn. Wenn sichs ein Laquay unterstehet, einen Brief ins Haus zu bringen, der euch, ihn an eure Dame zu übergeben, soll geliefert werden: so werfet ihm denselben an den Kopf, wenn er auch von einem eurer besten Kunden käme. Heisset ihn einen unverschämten Schelm und Spitzbuben, und schlaget ihm die Thür vor der Nase zu. Laufet hinauf zu eurer Dame, und erzählet ihr, als eine Probe eurer Treue, was ihr gethan habet.

Ich könnte mich bey dieser Materie sehr weitläuftig [104] aufhalten, aber ich traue eurer eignen Klugheit in diesem Stücke sehr vieles zu.

Wenn ihr bey einer Dame dienet, die ein wenig zu Galanterien geneigt ist: so werdet ihr ziemliche Schwierigkeiten dabey finden, alles klüglich einzufädeln. Drey Dinge sind nothwendig. Erst müßt ihr wissen, wie ihr eure Dame am besten vergnügen könnet, hernach wie allem Verdacht bey ihrem Manne und im Hause möge vorgebeuget werden, und endlich und hauptsächlich wie sich euer eigner Vortheil am besten dabey besorgen lasse. Wenn ich zu dieser wichtigen Sache einen vollständigen Unterricht ertheilen wollte: so würde solches ein weitläuftiges Buch erfordern. Alle Zusammenkünfte zu Hause sind beydes für eure Dame und euch selbst gefährlich. Sehet daher zu, wo es möglich ist, daß ihr sie an einem dritten Orte zusammen bringen könnet, zumahl wenn eure Dame, wie solches sehr häufig zu geschehen pfleget, mehr als einen Liebhaber unterhält, wovon ein jeglicher oft eifersüchtiger als tausend Ehemänner, zu seyn pfleget. Es können über dieses bey dem klügsten Verfahren öfters die unglücklichsten Zufälle entstehen. Ich habe gar nicht nöthig euch zu erinnern, denen hauptsächlich eure Dienste zu widmen, die sich am freygebigsten gegen euch beweisen. Wenn aber indessen eure Dame etwa ihre Augen auf einen hübschen Laquayen werfen sollte: so werdet ihr schon so großmüthig seyn, euch in ihren Sinn [105] zu schicken, als welches eben nichts wunderliches, sondern vielmehr ein natürlicher Appetit ist. Dieses ist doch noch immer der sicherste von allen Liebeshändeln im Hause. Vor diesem hatte man auch den wenigsten Verdacht darauf, bis er endlich in den neuern Zeiten allgemeiner geworden. Die größte Gefahr dabey ist, daß diese Art Herren, die mit allerhand Waaren handeln, bisweilen nicht gar zu gesund sind. Und denn sieht es für euch und eure Dame sehr schlecht aus, wie wohl doch auch für dergleichen Zufälle eben nicht aller Rath verlohren ist.

Doch die Wahrheit zu sagen: so muß ich gestehen, daß es eine große Verwegenheit von mir sey, euch in der Handhabung der Liebeshändel eurer Dame einen Unterricht ertheilen zu wollen, darinn doch eure ganze Schwesterschaft schon so erfahren und so tief gelehrt ist, ohngeachtet die Sache weit schwerer ist, als der Beystand, den meine Brüder, die Laquayen, ihren Herren bey gleicher Gelegenheit zu leisten pflegen. Ich überlasse daher die Abhandlung dieser Sache einer geschicktern Feder.

Wenn ihr ein seidenes Kleid, oder einen Kopfschmuck in einen Kasten verschliesset: so lasset ein Ende davon heraushangen, daß, wenn ihr den Kasten einmahl wieder offen machet, ihr wissen könnet, wo ihr es wieder finden sollet.


[106]
Das zehnte Kapitel.
Unterricht für die Hausmagd.

Wenn euer Herr und eure Frau auf acht Tage oder länger auf das Land reisen: so machet ihr Schlaf- oder Speisezimmer nicht eher, als eine Stunde vorher rein, da ihr sie wieder zu Hause erwartet. Solcher Gestalt wird die Stube zu ihrem Empfange vollkommen rein seyn, und ihr werdet der Mühe überhoben werden, sie so bald wieder zu reinigen.

Ich kann mich recht über diejenigen Damen ärgern, die so stolz und gemächlich sind, daß sie sich nicht die Mühe nehmen können, in den Garten zu gehen eine Rose abzupflücken; sondern wohl gar in dem Schlafzimmer selbst, oder wenigstens in einem dunklen daran liegenden Cabinette ein garstiges Geräthe haben, dessen sie sich zu ihren übelsten Nothwendigkeiten bedienen. Ihr pfleget gemeiniglich diese Geschirre abtragen zu müssen, welche nicht nur die Kammer, sondern auch alle Kleider, so darinnen sind, anstecken, wenn man ihnen zu nahe damit kömmt. Um sie diese ärgerliche Gewohnheit abzulehren, so nehmet ihr Bediente, denen diese garstige Pflicht oblieget, dieß Geschirr wegzutragen, den Rath von mir an, daß ihr solches offenbar die große Treppe, in Gegenwart der Laquayen, hinunter traget, und wenn jemand an die Hausthür klopfet, die Thüre offen machet, wenn ihr [107] noch das volle Gefäß in Händen habet. Wo anders noch was helfen will; so wird dieß gewiß machen, daß sich eure Dame die Mühe nimmt, ihre wehrte Person an einem gehörigen Orte auszuleeren, damit ihre Unsauberkeit nicht allen männlichen Bedienten im ganzen Hause vor Augen geleget werden dürfe.

Lasset ein Gefäß mit unreinem Wasser, darinn der besudelte Hader noch lieget, einen Kohleneimer, eine Bouteille, einen Besen, den Kammertopf, oder andre dergleichen Dinge, die sich eben nicht schicken vor jedermanns Augen öffentlich hingeleget zu werden, entweder an einem finstern Orte, oder sonst auf dem dunkelsten Theile einer Hintertreppe liegen, daß sie nicht gesehen werden. Wenn denn die Leute darüber fallen, und sich beschädigen: so ist es ihre eigene Schuld.

Leeret die Kammergeschirre nicht eher aus, als bis sie ganz voll sind. Sollte sich dieses bey Abend zutragen; so giesset sie auf die Straße hinaus, des Morgens aber giesset sie in den Garten. Denn es würde eine unendliche Arbeit seyn, bey jedem solchen Vorfalle, von dem öbersten Boden des Hauses und dem höchsten Zimmer, unten in das Hinterhaus hinunter zu steigen. Waschet dieselben aber niemahls mit anderm Wasser, als eurem eigenen. Welches reinliches Mädgen wollte wohl in andrer Leute Urin herumstöhren? Es ist auch über dieses, wie ich schon vorhin bemerket habe, dieser Geruch [108] wider alle Dünste sehr gut, deren Unbequemlichkeiten eure Damen doch sehr oft unterworfen zu seyn pflegen.

Stoßet die Spinnweben mit einem nassen und kothigten Besen herab. Sie werden sich desto fester daran hängen, und desto besser darnach herunter gehen.

Wenn ihr den Caminheerd der täglichen Stube des Morgens abkehret: so traget die Asche von dem vorigen Abend in einem Siebe hinunter. Was beym Heruntertragen herausfällt, wird in der Stube und auf der Treppe anstatt hingestreuten Sandes dienen können.

Wenn ihr das Meßing- und Eisengeräthe des Stubencamins gescheuret habt: so laßt den nassen und unreinen Wisch[WS 4] auf dem nächsten Stuhle liegen, damit eure Frau sehe, daß ihr eure Arbeit nicht versäumet habet. Beobachtet dieselbe Regel, wenn ihr die meßingenen Schlösser rein machet, bloß mit diesem Zusatze, daß ihr die Spuhren eurer Finger an den Thüren lasset, um zu zeigen, daß ihr es nicht vergessen habt.

Lasset eurer Frauen Nachtgeschirr den ganzen Tag in ihrem Kammerfenster stehen, damit es ausgewittert werde.

Bringet keine als große Kohlen in den Speisesaal und in die Kammer eurer Frau. Sie geben das beste Feuer, und wenn ihr sie zu groß findet; so könnet ihr sie ja auf dem marmornern Caminheerde klein machen.

[109] Wenn ihr zu Bette gehet: so geht ja sorgfältig mit dem Feuer um. Blaset daher das Licht mit eurem Athem aus, und stecket es alsdenn unter euer Bette. Der Geruch davon ist sehr gut wider die Dünste.

Ueberredet den Laquayen, der euch geschwängert, daß er euch heyrathe, ehe ihr sechs Monate schwanger gewesen. Und wenn eure Frau fragt, warum ihr einen so nichtswürdigen Kerl nehmen wollt; so antwortet: ein Dienst sey kein Erbgut.

Wenn ihr das Bette eurer Frau gemacht habt: so setzt den Kammertopf darunter, aber auf solche Art[WS 5], daß ihr den Bettvorhang zugleich mit hinunter schiebet, damit er hübsch in die Augen falle, und eure Frau ihn bey dringender Nothwendigkeit sogleich finden könne.

Verschliesset eine Katze oder einen Hund in einer Stube, oder einem Cabinette, damit sie einen Lärmen darinnen machen, den man im ganzen Hause höre. Es können dadurch Diebe abgeschrecket werden, die einzubrechen und zu stehlen willens sind.

Wenn ihr gegen Abend eine von den Stuben rein machet, die nahe bey der Hausthüre liegen: so giesset das unreine Wasser aus der Hausthüre. Sehet aber nicht vor euch; es mögten sonst Vorbeygehende, die von solchem Wasser begossen werden, euch für ein unhöfliches Mensch halten, und glauben, ihr hättet es mit Fleiß gethan. Wenn der Begossene aus [110] Rache die Fenster einschlägt, und eure Frau mit euch schilt, und euch ausdrücklich befiehlet, ihr sollet das garstige Wasser an den gehörigen Ort bringen: so habt ihr ein leichtes Mittel dawider. Wenn ihr ein Zimmer oben im Hause rein machet: so bringet das Wasser hinunter, lasset aber dabey auf allen Treppen bis zur Küche hinab, das Wasser häufig aus dem Eimer laufen. Eure Last wird dadurch nicht nur leichter werden, sondern ihr werdet eure Frau auch dadurch überzeugen, daß es besser sey, das Wasser aus dem Fenster zu giessen, als es die Treppe hinunter zu tragen. Ihr werdet über dieses bey Winterszeiten tausend Comödien darüber haben, wenn ihr sehet, daß bald dieser, bald jener wegen des gefrornen Wassers auf die Nase fällt.

Kläret die marmornen Caminheerde mit einem Tuche, den ihr in Fett eingetunket. Nichts in der Welt giebt ihnen einen bessern Glanz. Eure Frau kann ihre Röcke ja nur selbst in Acht nehmen, daß sie sie nicht daran verunreinige.

Um eure Frau zu überzeugen, daß ihr die Stube rechtschaffen rein gemacht habt: so lasset das unreine Wasser an dem Fuß der tapezierten Wände allenthalben eine halbe Elle hoch hinaufsprützen, ohne es wieder wegzumachen.


Das eilfte Kapitel.
Unterricht für die Viehemagd.

Eure beschwerlichste Arbeit ist das Buttermachen. Thut heisses Wasser in das Gefäß, [111] darinn ihr die Butter machet, wenn es auch gleich im Sommer ist, und machet eure Butter dicht am Feuerherde, und zwar von Milchrahm oder Sahne, so acht Tage alt ist. Hebet Sahne für euren Schatz auf.


Das zwölfte Kapitel.
Unterricht für das Kindermädgen.

Wenn ein Kind krank ist: so gebet ihm zu essen und zu trinken was es haben will, wenn es der Doctor gleich ausdrücklich verboten. Denn das, wozu wir in einer Krankheit Lust haben, bekommt uns gut. Die Arzeney schmeisset zum Fenster hinaus. Das Kind wird desto mehr von euch halten. Ihr müßt ihm aber verbieten, es nachzusagen. Macht es eben so mit eurer Frau, wenn sie krank ist, und versichert sie, es werde ihr gut bekommen.

Wenn eure Frau auf die Kinderstube kommt, und ein Kind mit der Ruthe züchtigen will: so reisset es ihr mit Wuth aus den Händen, und saget ihr, sie sey die grausamste Mutter, die ihr jemahls gesehen. Sie wird zwar mit euch schelten, aber dennoch in ihrem Herzen desto mehr von euch halten. Erzählet den Kindern Gespensterhistorien, und schrecket sie damit, wenn sie nicht stille seyn wollen.


Das dreyzehnte Kapitel.
Unterweisung für die Amme.

Wenn ihr ein Kind fallen lasset, so daß es lahm darüber wird: so bekennet es niemahls. Stirbt das Kind; so ist alles gut.

Richtet es in die Wege, daß ihr, so bald es möglich ist, wieder schwanger werdet, damit ihr zu einem andern Dienste bereit seyd, wenn das Kind, so ihr säuget, sterben oder entwehnet werden sollte.


Das vierzehnte Kapitel.
Unterricht für die Wäscherinn.

Wenn ihr eure Wäsche beym Plätten mit dem Eisen senget: so reibet die Stelle mit Kalk oder [112] Puder. Wenn nichts helfen will: so reibet es so lange, bis es entweder herausgehe, oder in Stücken zerreisse.

Wenn eure Wäsche auf der Linie oder auf einer Hecke hänget, und es an zu regnen fängt: so reisset sie mit größter Geschwindigkeit herunter, wenn ihr sie gleich darüber zerreisset. Der beste Ort, wo ihr sie hinhängen könnet, sind junge Fruchtbäume, zumahl wenn sie blühen. Das Leinen wird darauf nicht zerrissen werden, und bekömmt einen angenehmen Gerruch.


Das funfzehnte Kapitel.
Unterweisung für den Haushalter.

Ihr müßt euch jederzeit mit einem Laquayen gut stehen, auf den ihr euch verlassen könnet, und ihm sagen, Achtung zu geben, wenn das andere Gericht abgenommen wird, daß es unbeschädigt zu euch gebracht werde, damit ihr und der Haushofmeister auch einen guten Bissen bekommet.


Das sechszehnte Kapitel.
Unterricht für die Hofmeisterinn oder Französinn.

Sagt, die Kinder haben schlimme Augen, Jungfer Liesgen wolle sich nicht beym Buche halten lassen. Lasset eure Jungferchen fleißig Histörgen, Romanen und alle Comödien lesen, die zur Zeit der Regierung des Königs Carls II. und Königs Ludwig geschrieben sind, um ihre Natur sanftmüthig und ihr Herz zärtlich zu machen.

Ich, als Uebersetzer dieses Werks, kann meinen deutschen Landesleuten hierzu insonderheit die schönen neuen weltlichen Lieder, die Historie vom Herzoge Herpin, vom Kayser Octavianus, von der schönen Magellona etc. anpreisen. NB. Die Wandesbecker Zeitung muß ja nicht vergessen werden.


  1. S. Seite 75. 76.
  2. Ich glaube, daß ein jeder so witzig seyn werde, daß ihm der nächste Ort, in welchem er sich aufhält, einfalle. Wie leicht wird nicht einem Hamburgischen Bedienten statt Irrland Wandsbeck einfallen?

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: erzhälen
  2. Vorlage: Vorheil
  3. Vorlage: ihnen
  4. Vorlage: Tisch; im englischen Original: clout
  5. Vorlage: Arr

Seite 90: Gilblas, Histoire de Gil Blas de Santillane (Die Geschichte des Gil Blas von Santillana) von Alain-René Lesage (1668–1747)