Deutsche Dichter – Moritz Hartmann

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Titel: Deutsche Dichter – Moritz Hartmann
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aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 269-271
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Deutsche Dichter.
Die Gartenlaube (1859) b 269.jpg

Moritz Hartmann

Auf dem reichbevölkerten Dichterparnaß Oesterreichs ragt unbedingt Moritz Hartmann als eine der ersten Größen mächtig unter seinen Zeitgenossen hervor. Er hat das Glück, nicht nur in Oesterreich, sondern auch im „Reich“, wie die echten Oesterreicher sagen, anerkannt zu sein, und sein Name wird nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande mit großer Achtung genannt.

Da der Dichter mit seinen Werken „auf die Straße“ hinausbaut, so ist es gewiß der richtigste Vorgang, wenn man sein Leben aus diesen Producten, die es, insofern sie organisch sind, getreu wiederspiegeln müssen, musivisch zusammenbaut. Die hier folgende biographische Notiz ist ein auf diesem Wege gewonnenes Resultat.

Moritz Hartmann ist am 15. October 1821 zu Duschnik, einem kleinen Dorfe in Böhmen, das mitten im Walde liegt, geboren und stammt aus einer gewerbthätigen, dort angesehenen Familie. Er schildert die Erinnerungen aus seiner Kindheit in seinem Buche: „Der Krieg um den Wald“ und zugleich die alten Traditionen, die sich dort noch an das Andenken des Kaisers Joseph knüpfen, der mit den dynastischen auch die Interessen des Volkes, das er beherrschte, im Auge hatte.

Den ersten Unterricht erhielt Moritz Hartmann von Hauslehrern, die weitere Ausbildung auf den Gymnasien von Jungbunzlau und Prag. Für ein begabtes und strebsames Talent war in jenen Lehranstalten nicht in reichem Maße gesorgt; man verfolgte den Schlendrian einer hergebrachten dürftigen Methode, die der Jugend jene kräftige Geisteskost vorenthielt, an der sich in Ländern mit freien Institutionen die Talente für das praktische Leben und für die Wissenschaft und Kunst leichter entwickeln. Die Erziehungsresultate dieser Anstalten wurden eben in ihrer dienstwilligen Zahmheit für die Bureaukratie verwendet. Die jungen Leute, deren Ehrgeiz darüber hinausging, wurden als verloren aufgegeben und hatten keine Anwartschaft auf Aemter und Würden. Unser junger Poet war einer von diesen Paria’s; die geringen lateinischen und griechischen Kenntnisse, die ihm die amputirten Schulbücher gestatteten, erweiterte er möglichst auf eigene Faust und eröffnete sich damit den Eingang in die classische Welt, von deren Zaubern er bald so mächtig ergriffen wurde, daß er, unter dem bezwingenden Eindrucke homerischer und horazischer Rhythmen, die sogenannten Brodstudien an den Nagel hing. Mit der deutschen Literatur und ihren Großwürdenträgern wurde er nur aus Fragmenten und Sammelwerken bekannt; von ihren jüngsten Bestrebungen wußte er, als er nach Prag kam, auch nicht das Geringste; so bekam er von Lenau, mit dem er später in so intimem Verkehre stand, nur durch ein fliegendes Blatt Notiz; [270] ein einziges Lied, das es von diesem düstern Poeten enthielt, genügte, um ihn dauernd zu fesseln und ihm die Ahnung zu vermitteln, daß es außer dem Göttinger Dichterbunde noch bedeutende Talente geben müsse. Ein Freund, mit dem ihn das Universitätsleben in Prag, in das er nach den humanistischen Studien eintrat, in Berührung brachte, machte ihn mit den Stimmführern der neuesten Literatur bekannt, von denen ihm aber weniger die übermüthigen Kritiker, die an den alten Autoritäten vermessen schüttelten, als die Dichter imponirten, die ihm durch Productionen den Beweis einer eigenen Schöpfungskraft führten. Von Prag wagte er 1838 seinen ersten Ausflug nach Norddeutschland, von dem gleichsam sein späteres Wanderleben datirt. In den „Erzählungen eines Unstäten“ geschieht dieses Ausfluges im „goldenen Haar“ Erwähnung. Seine ersten poetischen Versuche, die er aber schüchtern hinter Schloß und Riegel verbarg, fallen in jene Epoche.

Von 1840–1844 treffen wir Moritz Hartmann in Wien; er hatte schon auf das Drängen von Freunden mehrere kleine Gedichte in belletristischen Zeitungen veröffentlicht, die sofort eine ungewöhnliche Begabung verriethen. Die Schriftsteller, mit denen er nach und nach bekannt wurde, nahmen ihn trotz seiner Jugend für einen Ihresgleichen. Lenau faßte schon nach der ersten Begegnung eine lebhafte Sympathie für ihn und eiferte ihn durch sein Lob, mit dem er gewöhnlich sehr sparsam war, zur rührigsten Production und zur Zusammenstellung seiner Gedichte auf. Er trug sich selbstverständlich mit großen epischen Gedichten aus der Hussitenzeit; das rauschende Leben und Treiben in Wien hatte zu viel Verlockendes, als daß der junge Poet, den man überall gerne sah und aufnahm, sie fertig ausführen konnte; es verblieb bei Fragmenten, die einen schönen Schmuck seiner ersten Gedichtsammlung: „Kelch und Schwert“ bilden. Da er sich von dem väterlichen Hause durch die künstlerische Richtung, die, weil unpraktisch, nicht nach dem strengen Willen des Vaters, wenn auch nach dem still geheimen Wunsche der Mutter war, unabhängig gemacht hatte, mußte er sich ohne dessen Unterstützung durchzuhelfen suchen. Er trat in ein reiches Bankierhaus als Hofmeister; daß er seine Aufgabe gewissenhaft erfüllte, erhellt aus dem Umstande, daß seine einstigen Eleven, die ihm den ersten Bildungsimpuls zu danken haben, jetzt seine Freunde und, was noch mehr gilt, auf dem Felde der Wissenschaft tüchtige und trotz ihrer Jugend schon ausgezeichnete Arbeiter sind. In Wien hatte sich damals unter der strebsamen Jugend eine politische Opposition geltend gemacht, die bei allen Gefahren, von denen sie auf Schritt und Tritt bedroht war, eifrigst erhalten wurde. An dieser Opposition, die als den ärgsten Frevel den Censurdruck betrachtete, betheiligte sich der junge Poet und suchte mit seinen Liedern die Fesseln zu zerbrechen, welche den Geist umschnürten und wund drückten. Im Jahre 1842 machte er von dem „Capua der Geister“, wie Grillparzer die Kaiserstadt benannte, einen Ausflug nach Italien, nach der Schweiz und nach Süddeutschland. Die Erinnerung an seinen Wiener Aufenthalt und an diese Reise klingt in den „Erzählungen eines Unstäten“: „Dur und Moll“, „Miß Ellen“, „Nessuskleid“, „die Samaritanerin“ und „die Patrioten“ nach.

Im Herbst 1844 ging Moritz Hartmann nach Berlin und Leipzig, in letzterer Stadt veröffentlichte er: „Kelch und Schwert“. Diese Gedichtsammlung, in der sich ein frisches und gesundes Talent offenbarte, wurde von der Kritik und von dem Publicum freudig begrüßt, so daß sie in kurzer Zeit eine zweite Auflage erlebte. Diese Veröffentlichung, mit der er offen und heftig die Fehler und Gebrechen seiner Heimath und ihrer Regierungsweise rügte, verschloß ihm die Rückkehr, so lange die politischen Verhältnisse Oesterreichs in dem Statu quo, ante verblieben. Sein Buch wurde von der österreichischen Censur mit dem „damnatur und deleatur“ belegt, was dem Absatze nicht schadete, da man sich in Wien trotz aller Präventivmaßregeln die verbotenen literarischen Erscheinungen zu verschaffen wußte.

Im Jahre 1845 machte er eine Reise durch Deutschland, und knüpfte viele interessante Bekanntschaften mit bedeutenden Männern an; sein liebenswürdiges Auftreten in allen gesellschaftlichen Kreisen erhöhte noch die Sympathie, die man schon für sein Talent hatte. Moritz Hartmann macht vielleicht darin eine löbliche Ausnahme, daß bei ihm der Mensch noch das Interesse für den Dichter steigert; der Erklärungsgrund liegt aber darin, daß beide organisch verwachsen sind. Er gibt sich äußerlich nicht anders, als in seinen Büchern; die Person dementirt nie deren Inhalt. Er setzte sich nach dieser Rundreise für einige Zeit in Brüssel fest, wo er für die „Grenzboten“ thätig war, die für Oesterreich einen ungefährlichen Liberalismus predigten.

Im Jahre 1846 kam Moritz Hartmann zum ersten Male nach Paris, und ging hier viel mit Béranger, Alfred de Musset, Venedey, Heinrich Heine und A. um. Sein erster Pariser Aufenthalt vermittelte ihm außer künstlerischen Beziehungen, zu denen es ihn vorzugsweise drängte, noch einen klaren Einblick in die Debatten der Parteien, und er reifte sich durch diese Erfahrung gleichsam zum politischen Charakter. Seine Rückkehr von der Weltstadt an der Seine, aus der er ein buntes Bilderbuch interessanter Erinnerungen mitbrachte, nahm er, nach einem kurzen Aufenthalte am Rhein, über Hannover nach Leipzig, wo er sich wieder für einige Zeit festsetzte, nur einen neuen Band Gedichte, der bei G. Wigand erschien, zu sammeln und zu ordnen. Diese neue Sammlung rechtfertigte vollkommen die Erwartungen, welche das Publicum und die Kritik an sein Talent stellte. Auch diese verfiel dem „damnatur“ der österreichischen Censur; dies neue Lebenszeichen seines Talents konnte die Regierung seiner Heimath nicht milder gegen ihn stimmen; es war daher ein vermessenes Wagstück, daß er ihre Grenzen überschritt, um seine Mutter zu besuchen, an der er mit abgöttischer Verehrung hing. Er entkam nur durch die eiligste Flucht der Verfolgung, welche dienstwillige Angeber auf seine Person gehetzt hatten. Der Abschnitt: „Heimkehr und Flucht“ in den „Zeitlosen“, der zu dem Schönsten gehört, was Hartmann poetisch producirte, schildert dies für seine Freiheit bedrohliche Intermezzo seines Lebens.

Im Winter 1846–1847 verblieb Moritz Hartmann in Berlin und beschäftigte sich mit ernsten historischen Studien, um sich die nöthigen Grundlagen für die Tragödie zu schaffen, der er sich nicht Knall und Fall wie die leichtsinnigen Dramatiker, die jeder Aufgabe gewachsen zu sein glauben, zuwenden wollte. Er entwarf und vollendete ganze Scenen eines Trauerspiels: „Johanna“ aus der Geschichte Neapels, die, obwohl sie Bruchstücke verblieben sind, eine starke Begabung für das dramatische Fach verrathen.

Zu Ende des Jahres 1847 ging er nach Prag, fest entschlossen, sich allen Strafconsequenzen zu unterwerfen, die seine Regierung, deren Censurgesetze er durch die Veröffentlichung seiner Gedichte ohne das „Imprimatur“ des Revisionsamtes verletzt hatte, über ihn verhängen würde. Es wurde auch sofort ein Preßproceß gegen ihn anhängig gemacht und mit ihm erst auf freiem Fuße verhandelt. In dieser Ungewißheit über den Verlauf seiner Angelegenheit schrieb er ein Trauerspiel: „Sie sind arm“, in dem seine Richter gewiß keinen Milderungsgrund gefunden hätten, da er die socialistischen Ideen nicht verleugnete, die sich schon überall in Schrift und Rede kundgaben. Sein Proceß führte, obgleich man ihm versprach, er würde mit einer Geldstrafe wegkommen, zu seiner schließlichen Verhaftung, von der ihn jedoch nach kurzem die im März 1848 ausbrechende Revolution befreite. Er war politisch gewiegter, als die Meisten, die sich an der Revolution betheiligten; seine Reisen, sein Aufenthalt in constitutionellen Ländern, sein vertrauter Umgang mit hervorragenden Persönlichkeiten bewirkten, daß er in politischen Dingen kein Neuling war. Das erkannte seine Umgebung, die mit der Sympathie für den Poeten auch Vertrauen auf seine Erfahrung hatte.

In Prag bildete sich ein deutsches Comité, das gegen das überwiegende Czechenthum mit seinen separatistischen Bestrebungen Front machte. Die Slaven verfolgten schon seit einer Reihe von Jahren ein antideutsches Ziel; sie drapirten sich zu diesem Behufe mit einer künstlich erzeugten Literatur, für die sie alle Mittel der Reclame in Verwendung setzten. Hatten sie früher geheim und listig minirt, so traten sie jetzt offen hervor; das entschiedene Auftreten dieser Partei war noch ein Glück, weil man sich gegen die von ihr ausgehende Gefahr waffnen und wehren konnte. Darauf wurde er, Moritz Hartmann, in den Nationalausschuß gewählt, mit dessen Constituirung man eine harmonische Ausgleichung der dualistischen Bestrebungen bezweckte. Es zeigte sich nur zu bald, daß die Slaven die Macht in die Hand zu bekommen suchten; geschickter als die Deutschen manövrirend, hatten sie diese bald überstimmt. Hartmann kämpfte mit allem Eifer dagegen; da er nicht die gehoffte Unterstützung von Seite seiner Partei fand, trat er aus dem Nationalausschusse aus. Er wurde im April nach Wien an den Kaiser deputirt; Zweck dieser Deputation war, die deutschen Wahlen für das Frankfurter Parlament zu befürworten und zu betreiben. Der Erzherzog Franz Karl und Minister Pillersdorf, die ihn mit seinen Begleitern zu diesem Zwecke empfingen, versprachen ihre [271] Unterstützung; die Wahlen wurden jedoch nicht in dem beabsichtigten Sinne durchgesetzt. Seine Rührigkeit in Prag hatte auf ihn derart aufmerksam gemacht, daß ihn die Stadt Leitmeritz als Volksvertreter für die Nationalversammlung in Frankfurt wählte. Er nahm seinen Sitz auf der Linken, also bei der liberalsten Partei des Parlamentes und sprach und stimmte nur für jene Vorschläge, die von ehrlich gewissenhaften Männern, welche stets die Wohlfahrt des deutschen Volkes im Auge hatten, ausgingen.

Während des September-Aufstandes in Frankfurt zeigte er aber noch persönlichen Muth in der größten Gefahr. Von seiner Partei beauftragt, mit den Führern der Truppen zu unterhandeln, daß die Feindseligkeiten eingestellt würden, bis ein bestimmter Befehl von dem Reichsverweser ausginge, unternahm er es, im prasselnden Kugelregen die Kämpfer auf den Barricaden zu beschwichtigen, die erbittert das Feuer von Seite des Militairs erwiderten. Es gelang ihm nur ein geringer Waffenstillstand; wie ein Wunder aber muß es erscheinen, daß er damals mit heiler Haut wegkam. Selbst seine Gegner legten damals für ihn Zeugniß ab, daß er sich in diesem Momente auf die unerschrockenste Weise benommen hätte, und man wollte ihm für diese Probe seines Muthes einen Dank in der Nationalversammlung votiren, den er aber bescheiden ablehnte.

Im October wurde er mit Robert Blum und Julius Fröbel von seiner Partei nach Wien, das sich gegen ein mächtiges Belagerungsheer zu vertheidigen suchte, abgeordnet. Er dankte es nur dem Zufalle, nicht mit seinen Collegen in demselben Hotel zusammengewohnt zu haben, daß er, als die Stadt genommen war, nicht gleich ihnen verhaftet und dem Militair-Standgerichte unterworfen wurde. Ein sicheres Versteck rettete ihn vor den Nachforschungen, die man überall hielt; es gelang ihm endlich „post tot discrimina rerum“, sich von dort nach Berlin und weiter nach Frankfurt zu flüchten, wo er einen erschütternden Bericht über seine gefahrvoll traurige Sendung abstattete.

Im Januar 1849 veröffentlichte Moritz Hartmann die ersten Hefte seiner „Reimchronik“; selten hatte eine literarische Erscheinung in Deutschland einen so ungeheueren Erfolg, der um so verdienstlicher ist, da ihn nicht allein die politische Tendenz, sondern eigentlich die poetische Kraft, die darin wirkte, vermittelt hatte. Die „Reimchronik“ ist ein glänzender Beweis, daß in unserem Poeten immer ein Stück Ulrich von Hutten steckte, mit dem er den rhythmischen Schwung des Ausdrucks und zugleich die Ehrlichkeit der Gesinnung gemein hat. Wie dieser Dichter mußte er sich, nachdem er noch dem „Rumpfparlamente“ in Stuttgart beigesessen, dessen Auflösung durch Waffengewalt erlebt und die letzten Züge der Revolution in Baden durchgemacht hatte, wieder auf die Flucht und auf das Wandern verlegen; er ging in das Berner Oberland und später an den Genfer See, wo er mit Jakoby und H. Simon mehrere Monate blieb. Hartmann hat nie, wie andere Flüchtlinge, sein Märtyrerthum ausgebeutet und gleichsam Interessen von seinem Unglücke gezogen; er wollte nicht von fremdem Mitleid haben, was er sich durch eigene Geisteskraft erringen konnte. Darum warf er sich auch sofort auf die literarische Production. Sein Roman: „Der Krieg um den Wald“, das epische Gedicht: „Adam und Eva“, das letzte Heft der „Reimchronik“, „die Verbannten von Locarno“, „Kalotes“ in den „Schatten“ sind die Resultate seines Aufenthaltes am Genfer See, den er hierauf mit einer kürzeren Rast in Bern vertauschte, wo er sich an ein größeres Gedicht: „Donna Juana“ machte, das aber nach vier fertigen Gesängen Fragment verblieben ist.

Aus der Schweiz ging er nach Paris, von dort nach England, Irland und Schottland und später nach Belgien und Holland. Die „Contraste“ und die „Indo-germanische Geschichte“ in den „Erzählungen eines Unstäten“, wie auch seine „Briefe aus Irland“, die er an das „Deutsche Museum“ schickte, beweisen, daß er auf diesen Fahrten nicht unthätig war.

Den Winter von 1850 bis 1851 brachte er in Paris zu und verwendete den nächsten Frühling, Sommer und Herbst zu einem Ausfluge nach der Provence und Languedoc, dessen schriftstellerische Frucht sein „Tagebuch“ und „Glorie“ und „der blinde Wilhelm“ in den „Erzählungen eines Unstäten“ sind. Den Winter 1851 bis 1852 blieb er wieder in Paris und war hier Augen- und Blutzeuge des Napoleon’schen Staatsstreiches. Im folgenden Sommer trat er eine Reise nach der Bretagne an, auf der er Volkslieder sammelte und deren interessante Eindrücke er in reizenden Artikeln verarbeitete, die im „Deutschen Museum“, im „Stuttgarter Morgenblatte“ und im „Frankfurter Museum“ veröffentlicht wurden.

Im Februar 1853 wurde Moritz Hartmann in Mazas verhaftet; die Vorrede zu den „Erzählungen eines Unstäten“ beschreibt ausführlich diese Verhaftung und deren weiteren Verlauf; sie ist vielfach von deutschen Blättern geplündert worden und das Lesepublicum kennt sie auf diesem Wege in allen ihren Details. Man kann sie mit gutem kritischen Rechte ein stylistisches Meisterstück nennen, das wie eine gelungene Ouvertüre das Werk, dem sie vorsteht, eröffnet und dafür harmonisch und sympathisch stimmt.

Nachdem er früher noch eine Reise nach London gemacht hatte, ging er im Jahre 1854 als Correspondent für die „Kölnische Zeitung“ nach der Türkei und auf alle Schauplätze des orientalischen Krieges. Er hatte sich vor dieser Reise durch einen Sturz vom Wagen ein Beinleiden zugezogen, das er anfänglich nicht beachtete, das ihn aber schon im Oriente empfindlich quälte und nach seiner Rückkehr durch achtzehn Monate auf das Krankenlager warf, nachdem er vergeblich seine Heilung in Wildbad, wohin er unter fremdem Namen ging, gesucht hatte. Seine Freunde und Verehrer, die ihn während dieser langen Leidens-Epoche besuchten, wissen nicht genug seinen Muth und seine Geduld zu rühmen, die er mit wahrhaft philosophischer Ergebung an den Tag legte. Er war sich seines gefährlichen Zustandes bewußt und hatte die Ueberzeugung, daß er nur wie durch ein Wunder gerettet werden könnte. Dies Wunder vollbrachte ein in Paris lebender deutscher Arzt, Gruby, da ihn schon alle übrigen Aerzte aufgegeben hatten.

Im Sommer 1858 wieder hergestellt, machte er einen Ausflug nach Deutschland, wo er zugleich die Herausgabe von drei Büchern: „Zeitlosen“, „Bretonische Volkslieder“ und „Märchen“ besorgte, welche literarische Trias den verdientesten Erfolg hatte. Gegenwärtig lebt Moritz Hartmann in Paris, hat aber für die nächste Zeit eine Reise nach Afrika vor.

Man sieht aus dieser Biographie, bei der wir uns absichtlich auf Thatsachen beschränkten, daß der geschilderte durch und durch deutsche Poet ein reiches Leben hinter sich hat und daß er eine harte Schule durchmachen mußte. Ihm ist aber nie der Muth und die Jugendfrische abhanden gekommen; er ist eben nicht eine verzagte, sondern eine resolute Natur, die sich trotz alledem ihren Weg macht.

Es ist nicht zu viel gesagt und kein übertriebenes Lob, wenn wir Moritz Hartmann den besten Dichtern anreihen, die Deutschland mit Stolz jetzt sein nennen darf; und er hat noch nicht seine letzte Karte ausgespielt, die, wie Hafis singt, jedenfalls ein „gewinnend Aß“ sein wird.