Deutschland auf der andern Hälfte der Erdkugel

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Autor: Theodor Kirchhoff
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Titel: Deutschland auf der andern Hälfte der Erdkugel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 320–323
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Deutschland auf der andern Hälfte der Erdkugel.

San Francisco, Ende März 1871.

Gewiß wird es Manchem in der alten Heimath eine Freude sein, zu erfahren, wie die Deutschen auf der anderen Seite der Erdkugel ein Fest zu Stande gebracht haben, das den herrlichen, ruhmreichen Friedensschluß dieses Jahres feiern sollte, und so sei denn hier der Versuch gemacht, eine gedrängte und doch anschauliche Beschreibung desselben zu geben. Begangen wurde die Feier in San Francisco am 22. März, und die Hiesigen Deutschen hatten zum würdigen Verlauf des Festes – es sollte etwas Großartiges, in Califorien nie Dagewesenes werden – wochenlang umfassende Vorbereitungen getroffen.

Wie bekannt, haben die in Californien und namentlich die in San Francisco ansässigen Deutschen schon während der Dauer des Krieges einen wahren Feuereifer für die deutsche Sache gezeigt und sind allen Städten des Auslands im Verhältniß zur Einwohnerzahl mit Geldsammlungen zum Besten der Verwundeten, der Wittwen und Waisen unserer gefallenen Krieger weit vorangegangen. Diesmal sollte es aber nicht nur ein Fest als Mittel zum Herbeischaffen von Beiträgen für den genannten schönen Zweck werden, man wollte bei der Feier des wieder hergestellten, schon lange ersehnten, glorreichen Friedens zugleich den Amerikanern zeigen, was das vereinigte Deutschthum in diesem Lande zu bedeuten habe. Seit mehreren Wochen waren denn auch die Deutschen San Francisco’s in fieberhafter Aufregung erhalten. General-Versammlungen, Comité-Sitzungen und dergl. gab es fast an jedem Tage; begeisterte Aufrufe in den Zeitungen entflammten die Gemüther und es wurde fast von Nichts gesprochen, als von dem bevorstehenden großen Friedensfeste.

Am Abende des 21. März ward denn dasselbe durch eine allgemeine Illumination aller deutschen Geschäfts- und Privathäuser sowie aller deutschen Clublocale etc. eingeleitet, an vielen Straßenecken brannten Freudenfeuer, die Amerikaner aber wurden gleichzeitig durch einen von sämmtlichen Tambours und Pfeifern der Stadt veranstalteten gewaltigen Zapfenstreich – hier etwas ganz Neues – nicht wenig in Erstaunen gesetzt. Bereits seit mehreren Tagen hatten die Zeitungen auf den großen bevorstehenden „Zapfenstreich“ aufmerksam gemacht, und die Amerikaner, die sich keinen rechten Begriff davon machen konnten, was das für sie unaussprechbare Wort zu bedeuten habe, waren massenweise in den Straßen versammelt, um ihre Neugierde zu befriedigen. Nie, seit San Francisco steht, war eine solche Trommelei hier vernommen worden. Von Marschällen geleitet, bewegte sich der riesige rasselnde Tambourzug bei Fackelbeleuchtung durch, die Hauptstraßen, gefolgt von einem starken Musikchor, dem wie die Wogen eines schwellenden Flusses eine sich militärisch ordnende Menschenmenge nachbrauste, aus deren tausend und abertausend Kehlen die „Wacht am Rhein“ in der stillen Sternennacht zum Himmel emporstieg. Die Erwartung auf die Hauptfeier ward durch diesen famosen Zapfenstreich und durch die großartige Illumination bei allen Bewohnern der großen Goldstadt unendlich gesteigert.

Am Morgen des 22. März war die ganze Stadt auf den Beinen. Schon bei Tagesanbruch sprengten berittene Trompeter durch die Straßen und bliesen in schmetternden Fanfaren Reveille, um alle Langschläfer aufzuwecken. Von Geschäften war an diesem Tage in der Stadt keine Rede; alle deutschen Kaufleute hatten sich bereits vorher schriftlich verpflichtet, am Tage der Friedensfeier ihre Geschäftslocale zu schließen, und viele der bedeutendsten amerikanischen Häuser kamen unaufgefordert diesem Beispiele nach; sogar mehrere Banken, die Gerichtssäle und die meisten Schulen waren geschlossen.

Das herrlichste Wetter begünstigte das schöne Fest. Jeder Deutsche hatte es als einen Ehrenpunkt angesehen, das Seinige zur Verherrlichung des Tages beizutragen, und nach den Landstädten Californiens waren Masseneinladungen an die dort wohnenden Landsleute ergangen, sich uns anzuschließen. Excursionszüge brachten viele Hunderte auf allen Eisenbahnen nach der Stadt; Wagen und Pferde waren dermaßen in Bedarf, daß für erstere zwanzig, fünfzig und gar hundert Dollars, und für Pferde zehn, fünfzehn bis zu fünfundzwanzig Dollars für den Festtag gezahlt wurden. Es wurden sogar Carossen aus Landstädten aus hundert und mehr englischen Meilen Entfernung herbeigeschäfft. Hatten doch die hiesigen Deutschen über hunderttausend Dollars ausgegeben, um das Fest würdig auszustatten.

Ein Massenumzug bildete die Krone des Festtags. Unter dem Donner von hundertundein Kanonenschüssen setzte sich derselbe Schlag zehn Uhr in Bewegung. In zehn Hauptdivisionen war der Festzug militärisch geordnet; voran der Großmarschall J. A. Bauer mit seinem Stabe und jede der Divisionen von mehreren berittenen Untermarschällen, angeführt. Jeder Division war selbstverständlich ein starkes Musikchor zugetheilt worden.

Die Marschälle, mit reichen Schärpen geziert, ritten die prächtigsten Rosse; – und wie herrliche Pferde giebt es in Californien! Mit fünf Trompetern zu Pferde und vier Ulanen nebst Stabstrompeter voran setzte sich der Zug in Bewegung. Alle Uniformen waren neu angeschafft worden, und man hatte weder Geld noch Mühe gespart, um sie getreu herzustellen. [322] Wir wollten den Amerikanern einmal zeigen, wie diese weltberühmten Ulanen (die englischen Zeitungen nennen sie Uhlands, Uhlars, Hulards, Ulans, Hulans, Ullands etc.) naturgetreu aussähen.

Die erste Division bestand ganz aus Cavallerie. Zuerst die „San Francisco-Husaren“, dann die „leichten Dragoner“, dann die „neue deutsche Cavallerie“, über fünfhundert Mann stark, die Escadrons nach der Farbe der Pferde geordnet; alle Reiter trugen deutsche Schärpen (schwarz-weiß-roth) und schwarze Kossuthhüte, die eine Seite aufgeschlagen und mit der deutschen Cocarde befestigt; die Escadronschefs Schärpen in Orange mit Silber. Ein solcher Reiterzug war in San Francisco noch nie gesehen worden. Ein nicht enden wollender Jubel empfing die Reiterei überall, wo sie durch die festlich geschmückten Straßen defilirte. Was aber das zuschauende Publicum anbetrifft, so war eben Jeder, der nicht krank und zu Bett lag, darunter vertreten. Fast alle Schiffe im Hafen flaggten. Die Straßen, durch welche sich der Zug bewegte, waren zu beiden Seiten schwarz von Menschen; an den bunt mit deutschen und amerikanischen Fahnen geschmückten Häusern waren alle Fenster von Damen umdrängt; Tücher flatterten frohen Gruß zu und Blumen fielen aus den Fenstern; Jungamerika aber hatte die Dächer und Laternenpfähle besetzt.

In den folgenden Divisionen marschirten in nicht enden wollender Abwechslung von Uniformen und Costümen Bürgermilitärcompagnien, Turner und Vereine aller Art. Die Irländer, welche sich hier zu Lande durch militärischen Pomp auszeichnen, waren nicht dabei, und die Franzosen waren alle auf’s Land gegangen; aber die Deutschen allein stellen auch eine imposante Heeresmacht in San Francisco vor und hatten während der letzten Wochen alle Schneider der Stadt in Arbeit gesetzt, um sich in Gala für diesen Ehrentag herauszuputzen. Die Amerikaner hatten sich durch mehrere Cadetten- und Militärcompagnien vertreten lassen, worunter die „National Guard“, die eleganteste Bürgermilitärcompagnie in der Stadt, welche blaue Beinkleider, hellrothe Waffenröcke und hohe weiße Bärenmützen trägt – eine imposante Truppe.

Eine Anzahl riesiger Triumphwagen, von je sechs reich aufgeschirrten und mit Schabracken bedeckten Pferden gezogen, zierte den Zug. Der erste derselben stellte „Die Wacht am Rhein“ vor. Der Rheinstrom mit seinen Schlössern und epheuumrankten Burgen war darauf dargestellt; Fahnen umflatterten ihn und oben saß auf einem Felsen Germania, das gesenkte bloße Schwert in der einen, die andere Hand auf einen prächtigen Schild gestützt. Sie trug ein mit Gold verbrämtes weißes Gewand, welches die Arme bloß ließ, und einen Goldhelm mit rothem Federbusch. Im zweiten großen Triumphwagen war die „Vereinigung Deutschlands“ dargestellt. In drei Etagen war derselbe aufgebaut und mit Weiß und Roth decorirt. Fasces, von breiten rothen Bändern zusammengehalten, standen an den vier Ecken; über ihnen wehten Banner mit den Inschriften: „Preußen, Schleswig-Holstein, Hannover, Baden, Hessen, Sachsen, Baiern, Württemberg.“ Die verschiedenen Flaggenstäbe waren durch Guirlanden, die sich kreuzten, verbunden. Alle vereinigten sich in dem schwarz-weiß-rothen Wappenschilde, worauf die Worte standen: „Einigkeit macht stark.“ Oben auf dem Wagen hatte auf einem rothen Thronsessel eine zweite Germania Platz genommen, mit Schwert, Schild, Lorbeerkranz und deutscher Tricolore, Goldhelm mit Eichenkranz, weißem Gewand und einer Art Brustharnisch aus Goldplättchen. Kleine Mädchen, die als Engel reizend verkleidet waren, saßen an den vier Ecken des Wagens und personificirten Glaube, Hoffnung, Wahrheit und Liebe. Der dritte, der Haupttriumphwagen, stellte den „Frieden“ vor. Im Friedenstempel, mit blauer Kuppel und Friedenssternen und inwendig rosa ausgeschmückt, der von vier Säulen getragen war, saß die Friedensgöttin in antikem Costüm, in einer Hand einen Oelzweig haltend und in der anderen einen mit schwarz-weiß-rothen Bändern gezierten Stab. Der Wagen war mit passenden Inschriften geschmückt und zeigte auch die verschiedenen Attribute von Ackerbau, Handel, Gewerbe, Schifffahrt, Bergbau etc. Die Herstellung dieser drei Triumphwagen, welche selbst einer Stadt wie Berlin Ehre gemacht haben würden, kostete nicht weniger als fünfzehnhundert Dollars. Ein anderer Wagen, der inmitten der Turner fuhr, zeigte Vater Jahn in Costüm; ein anderer Nachbildungen der Victorien von Rauch.

Der „Eureka Turnverein“ trat in Trachten des deutschen Volkes auf, von Hermann’s Zeit bis auf die unsrige. Sechs Studenten in Burschentracht, mit Kanonenstiefeln und Schlägern, eröffneten denselben; dann kam ein Trompeter in altdeutscher Tracht, darauf ein Herold des fünften Jahrhunderts, mit langem weißem Bart und Eichenkranz, hoch zu Roß. Ihnen folgten Teutonen in Bärenhäuten, mit Ochsenhörnern am Kopf und mit Keulen, Steinäxten, Bogen und Pfeilen bewaffnet, – grimmig aussehende Gesellen, welche dem neugierigen Jungamerika finstere Blicke nach rechts und nach links zuwarfen. Ein Herold des neunten Jahrhunderts schritt vier prachtvollen Rittern in blanken Schuppenpanzern und mit gewaltigen langen zweihändigen Schwertern und kolossalen Streitäxten voran. Das Jahr 1500 ward wieder von einem Herold zu Pferde und in den deutschen Reichsfarben eingeführt; zwei Rittern in schwarzer Turnierrüstung folgte ein dritter, dessen Rüstung nicht weniger als hundert Pfund wog; darauf Landsknechte und Arquebusiere in voller Bewaffnung. Hierauf kam „der alte Fritz“, vorzüglich ähnlich, hoch zu Roß, mit vier Gardisten seiner Zeit; ein Officier mit einer Abtheilung preußischer Soldaten, die schwarz-weiß-rothe Fahne und Bismarck, treffend in Kürassieruniform copirt, schlossen die Division. Man kann sich die Aufregung unter den Zuschauern kaum vorstellen, als sie diese imposante Gruppe durch die Straßen defiliren sahen. Ritter des Mittelalters, Cimbern und Teutonen, Friedrich der Große, Bismarck und preußisches Militär in San Francisco – so etwas war noch nicht dagewesen! – Meine auswärtigen Leser aber mögen sich dabei erinnern, daß es in San Francisco keine Rüstkammern und keine alte Waffenstücke giebt, und daß deshalb alles hier Nöthige neu angeschafft werden mußte.

Die vierte Division bestand fast ganz aus zwei-, vier- und sechsspännigen Wagen, in welchen Ehrengäste und die Mitglieder des „San Francisco Vereins“ (der angesehenste der hiesigen deutschen Vereine) Platz genommen hatten. Die oben erwähnte prächtig uniformirte „National Guard“ (Amerikaner) escortirte diese Division. Außerdem befanden sich im Zuge elegante Kutschen und Carossen in nicht enden wollender Reihe. Nie war ein solcher Reichthum von Gefährten bei einem Umzuge in San Francisco gesehen worden. Die Bierbrauer waren en masse auf ihren riesigen, reich decorirten Bierwagen ausgerückt. Eine starke Abtheilung von Goldjägern, in ihrer charakteristischen Tracht und mit allen Werkzeugen zum Minenbau versehen, erregte ungeheures Interesse. Die kräftigen Gestalten mit den bärtigen, sonnverbrannten Gesichtern, Pistolen und Messer im Gürtel, mit den Wolldecken, schlotterigen, breitkrämpigen Hüten, verwahrlosten, stückweise mit Sackleinwand geflickten Hosen, hohen Stiefeln, Schaufeln und Picken, und mit kurzen Thonpfeifen im Mund, waren so naturgetreu, als ob sie just auf dem Marsche nach z. B. Goldhill, Hangtown oder sonst einem reichen „Digging“ unterwegs wären. An passenden Mottos fehlte es selbstverständlich nicht, und auch ein Packesel trabte mit, der offenbar schon „manchen Sturm erlebt“ hatte und mißtrauisch die ihm zujubelnde Menge ansah. Auch ein Trapper, in Thierfelle gekleidet, hatte sich eingestellt. Die hiesige deutsche Zeitung aber, „der California Demokrat“, hatte sich durch eine Presse auf einem großen Wagen vertreten lassen und druckte unterwegs Festgedichte, die zu Tausenden in den Straßen gratis vertheilt wurden.

Der Festzug, in dem etwa achttausend Theilnehmer waren, machte in der breiten Marketstraße einen mehrere Meilen langen wohlausgeführten Contremarsch, so daß die verschiedenen Divisionen Gelegenheit bekamen, sich gegenseitig zu bewundern. In gestrecktem Galopp sprengten die Ulanen, die Marschälle und Adjutanten an den Colonnen auf und ab, und Hurrahs erschütterten die Luft. In musterhafter Ordnung langte der Zug, der etwa zwei Stunden gebrauchte, um einen gegebenen Punkt zu passiren, um ein Uhr Mittags im „City Garden“ an, wo ein Volksfest stattfinden sollte. Nachdem hier zuerst „Nun danket Alle Gott“ von den Musikchören gespielt war, wurde das Festgedicht vorgetragen, mehrere Festredner ließen sich hören, und nun begann die weit über zehntausend Köpfe zählende Menge, sich, bis die Sonne unterging, nach Herzenslust zu amüsiren, wie es in Amerika eben nur Deutsche verstehen. Nicht die geringste Unordnung oder Mißstimmung störte die Freude des Tages.

Die Turner gaben Wettspiele zum Besten, die Männerchöre sangen vaterländische Lieder, die Musik trug Concertstücke vor; dabei spielten kleine Mädchen Wettlaufen und die Knaben amüsirten sich mit Topfschlagen, Sacklaufen etc. Der deutsch-patriotische

[323] Frauenverein hatte seine Mitglieder an den Erfrischungsständen placirt und die schönsten Heben credenzten der stets durstigen Menge die Getränke; Gedenkmünzen an das Friedensfest wurden zu Tausenden von jungen Mädchen verkauft; im geräumigen Ballsaal wurde getanzt wie auf einer deutschen Kirmeß.

Als die Sonne unterging, kehrte Jedermann zurück nach der Stadt; wer Lust hatte, konnte bis an den hellen Morgen auf einem großen, in der „Platt’s Halle“ arrangirten Festball tanzen; – und als die Zeitungen am nächsten Morgen bewundernde Berichte der amerikanischen Presse über das große deutsche Fest brachten und als man beim Kaffee las, daß volle dreizehntausend Dollars eingenommen und wohl sieben- bis achttausend Dollars für die Verwundeten, Wittwen und Waisen Ueberschuß geblieben seien, da war die Freude über dieses schöne gelungene deutsche Friedensfest doppelt groß.

Die Deutschen in den californischen Landstädten haben sich San Francisco als Muster genommen und veranstalten jetzt ebenfalls Friedensfeste. Schon sind die Triumphwagen nach der fünfzig englische Meilen entfernten Stadt San José unterwegs und die Ulanen, die Ritter und Teutonen etc, sind in hohem Bedarf. Die Deutschen in San José stellten an das hiesige Generalcomité die Anfrage, ob dieses die Ulanen, das heißt deren Uniformen, nicht verkaufen oder vermiethen wollten? wir haben sie unseren patriotischen Landsleuten in der californischen Gartenstadt umsonst geborgt. San Francisco aber wird den Tag des großen Friedensfestes als einen der glänzendsten in seinen Annalen eintragen. Die hiesigen Deutschen haben den Amerikanern durch diese prächtige Feier dermaßen imponirt, daß selbst der Neid stumm geworden ist.

Die „Alta California“, das bedeutendste der hiesigen englischen Blätter, zum Beispiel sagt wörtlich, nachdem sie bereits eine sechs Columnen (größer als die der „London Times“) lange Beschreibung des Festes gegeben, in einem auf das Friedensfest bezüglichen, eine ganze Spalte langen Leitartikel:

„Welch ein Unterschied zwischen den amerikanischen Processionen, mit ihren unvermeidlichen von Bändern umflatterten Ochsen, den gemeinen Anzeigewagen und rohen Emblemen, und den Kutschen voll von schwarzgekleideten „nobodys“, und den Festzügen dieser Deutschen voll von Poesie und herrlichen geschichtlichen Darstellungen! Keine beleidigenden Mottos und Bilder gegen den gefallenen Feind waren da, nichts war zu sehen von dem niedrigen amerikanischen Malerialismus etc. Die ganze Procession war so zu sagen voll von lebendig gewordenen Gedanken, herrlich ausgeführt; die Liebe für das geehrte Vaterland, geschmückt von Kunst und Poesie, zog mit den blitzenden Colonnen durch die festlichen Straßen unserer Stadt. Wir haben anmaßendere Aufzüge in San Francisco erlebt, worin mehr Spectakel gemacht und vielleicht mehr Glanz entfaltet wurde, aber nie einen, der sich auch nur annähernd so durch Kunst und Bildung wie dieser unserer deutschen Mitbürger ausgezeichnet hat etc. etc.“
Theodor Kirchhoff.