Die ältesten Privilegien und Statuten der Ludoviciana

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Textdaten
Autor: Hermann Wasserschleben
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Titel: Die ältesten Privilegien und Statuten der Ludoviciana
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Entstehungsdatum: 1881
Erscheinungsdatum: 1881
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Erscheinungsort: Gießen
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Informationen zum Text[Bearbeiten]

Das vorliegende Werk wurde 1881 vom deutschen Rechtshistoriker Dr. Hermann Wasserschleben vorgelegt. Das Werk enthält den Wortlaut teils auf Deutsch und teils auf Latein verfasster Dokumente der Universität Gießen. Die in Wasserschlebens Werk aufgeführten Dokumente reichen zurück bis 1607. In diesem Jahr wurde die lutherische Universität Gießen von Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt gegründet, nachdem die benachbarte Universität Marburg (Landgrafschaft Hessen) calvinistisch geworden war, was zahlreiche Marburger Professoren nach Gießen trieb. Die heutige Justus-Liebig-Universität hieß bis 1945 Ludwigs-Universität (latinisiert: Ludoviciana). Für umfassende Darstellungen der Gießener Universitätsgeschichte sei auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel sowie auf die unten aufgeführte Forschungsliteratur verwiesen.

Forschungsliteratur[Bearbeiten]

  • Carl, Horst u.a.(Hrsg.): Panorama 400 Jahre Universität Gießen, Frankfurt 2007.
  • Felschow, Eva-Marie; Lind, Carsten: Ein hochnutz, nötig und christlich Werck. Die Anfänge der Universität Gießen vor 400 Jahren, Gießen 2007.
  • Ludwigs-Universität - Justus-Liebig-Hochschule 1607-1957. Festschrift zur 350-Jahrfeier, Gießen 1957.
  • Moraw, Peter: Kleine Geschichte der Universität Gießen 1607-1982, Gießen 1982.
  • Schmidt, Erwin: Die Hofpfalzgrafenwürde an der hessen- darmstädtischen Universität Marburg/Gießen (= Berichte und Arbeiten aus der Universitätbibliothek Gießen 23), Gießen 1973.
  • Werner, Norbert (Hrsg.): 375 Jahre Universität Gießen 1607–1982. Geschichte und Gegenwart, Gießen 1982.

Enthaltene Quellen in anderer Form:

  • Privilegia et leges, ab illustrissimo principe ac Domino, Domino Ludovico Hassiae Landgravio, Comite in Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenheim et Nidda etc. Domino nostro clementissimo, Academiae Giessenae clementer concessa d. 12. Octobr. ann. 1607, auf der Website von Gerhard Koebler (Koebler, Stand 6.6.2018)

Transkription[Bearbeiten]

[1] Kapselschrift


Wasserschleben, H.

Die ältesten Privilegien und Statuten der Ludoviciana (Programm Giessen 1881)


Bibliothek Geschichtswissenschaften

EB 53.6200

Mittelalterliche Geschichte [3] Die unten abgedruckten Urkunden sind zum grössten Theil aus einer Sammlung von bis in das 15. Jahrhundert hinaufreichenden Dokumenten ausgewählt, welche sich in einer von meinem Vorgänger im Kanzleramte, Geh. Rath Professor Dr. Birnbaum, mir zur Obhut übergebenen Kiste befindet. Eine zum Zwecke der Inventarisirung von mir vorgenommene genauere Durchsicht hat ergeben, dass die Mehrzahl dieser Urkunden sich auf Verhältnisse der Universitäten Marburg und Giessen bezieht und unter diesen einige in hohem Grade geeignet sind, über die ältesten Statuten und die Geschichte unserer Landesuniversität Aufklärung zu geben. Indem ich diese hier zum ersten Male vollständig veröffentliche, bemerke ich Folgendes:

Landgraf Ludwig V. gründete im Jahre 1605 ein Gymnasium illustre zu Giessen und erhob dasselbe, nach dem Eintreffen des kaiserlichen Privilegiums Rudolph‘s II., zur Universität. Die Privilegien, welcher der Landgraf am 14. Oktober 1605 dem Gymnasium und am 12. Oktober 1607 der Universität verlieh, sind im Wesentlichen gleichlautend, die Statuten der letzteren aber ausführlicher, wenngleich auf der Grundlage der Gymnasialstatuten zusammengestellt. Die alten Statuten der Marburger Universität, welche Landgraf Philipp der Grossmüthige dieser unter d. 31. August 1529 verliehen hat,[1] sind bei Abfassung der Giessener Statuten nicht benutzt.


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Ich habe unten sub I. Diese ältesten Privilegien und Gesetze unserer Universität, von welcher sich unserer Sammlung zwei Originalexemplare mit wohl erhaltenem in rothem Wachs ausgedrücktem grossem Siegel befinden, vollständig abdrucken lassen. Die Privilegien und Statuten des Gymnasiums sind nur einem Originale vorhanden. In einem Programm des Rektors der Landesuniversität Prof. Dr. Valentini v.J. 1720: Privilegia studiosorum Gissenium, sind zum ersten Male die alten Privilegien der Hochschule v.J. 1607 gedruckt worden; die bisher nicht gedruckten Statuten blieben in Geltung bis zur Ueberführung der Giessener Universität nach Marburg i.J. 1625, sind aber vielfach in die neueren, übrigens weit ausführlicheren, Marburger Statuten v.J. 1629, z.Th. Wörtlich, übergegangen, welche letzteren nach der Restauration der Ludoviciana in Giessen i.J. 1650 auch für diese massgebend geworden sind. Auf die alten Statuten v.J. 1607 hat meines Wissens zuerst aufmerksam gemacht der Rektor der Ludoviciana im J. 1763, Ludwig Gottfried Mogen in einem Programm: De statutis antiquis academiae Gissenae (Gissae 1763). Es heisst hier p. 5.: „Illa (die alten Statuten) data sunt Darmstadii die Octobris duodecimo, anno supra millesimum et sexcentesimum septimo. Exstant in Archivo Academiae Gissenae duo exempla authentica. Utrumque una cum antepositis privilegiis in charta pergamena forma regali eleganter scriptum est. Unum et praestantius quidem, decem, alterum octo folia continet. Illud semper in Academiae, hoc in Principis archivo servatum est, usque dum, latis statutis novis, et hoc quoque Academia ad servandum transmissum fuit. Utrumque ipsa Serenissimi fundatoris Ludovici V. manu propria corroboratum et utrique appensum est sigillum cerae rubrae impressum, cujus magnitudo pollicarem latitudinem fere quadruplicat.“ Es sind diess unzweifelhaft die beiden in unserer Sammlung befindlichen Exemplare.
    Zur Charakteristik der „Privilegia et leges“ bemerke ich, dass Landgraf Ludwig V. sich namentlich in dem Fundationsbrief für das Gymnasium näher über die Veranlassung zu der neuen Stiftung ausspricht: „ Und hat uns hierzu vornemlich anlas und ursach gegeben, dieweil der hochgeborne Fürst, unser freundlicher liber Vetter, Bruder und Gevatter, Landgrafe Moritz zu Hessen etc. kurz-verrückter Zeit in unser der Fürsten zu Hessen gemainer Universitet zu Marpurg ohne unsern Vorwissen und Willen, newe enderung sowohl in der Religion als [5]
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den Kirchengebräuchen und Ceremonien fürgenommen, auch diselbige Universitet allein zu sich zu ziehen und uns und unsere beliebte Gebrüdere darvon auszuschliszen understehet, uns aber, wie nicht wenigers unsere Landschaft unverantwortlichen fallen wollen, unsere Stipendiaten und Landkinder bei solcher eingeführten newerung zu Marpurg zu lassen oder dahin zu schicken.“ In der unten (II) abgedruckten Schenkungsurkunde des Bürgermeisters und Raths der Stadt Giessen v.J. 1606 ist ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Landgraf Ludwig „uf ihrer fürstlichen gnaden underthanen vleissige und underthenige Bidt zuvorderst Gott dem Almechtigen zue ehren und Beförderung der christlichen reinen Religion unverenderter Augspurgischer Confession in ihrer fürstlichen gnaden Stadt und Vestung Giessen eine ansehnliche Schulle angericht.“ Der Landgraf bestimmt ferner, dass an der unveränderten Augsburgischen Konfession, der Apologie und dem Luther‘schen Katechismus allzeit festgehalten, „auch von den Theologis oder Professoribus, so wir oder unsere Erbenn und Nachkommen yederzeit zur selbigen hohen schuell gnädig gebrauchen werden, weder offentlich noch heimblich bey zeitlicher unnd ewiger Ungnade Gottes darwidder nichts in lectionibus, disputationibus unnd dergleichen gelehret, geschrieben oder eingeschobenn werden soll.“ Alle Renten und Gefälle, welche der Universität überwiesen sind, sollen derselben verbleiben „zu ewigen tagen (es wehre dann sach, dasz die Universitet zue Marpurg wiederumb in vorigen stand gebracht unnd uns die Administration derselbigenn ebensowohll als Landgrave Moriczen gelässen)“. Nachdem der Landgraf im Allgemeinen angeordnet hat, dass die neue Hochschule dieselben Privilegien und Immunitäten geniessen soll, mit welchen sein Grossvater Philipp der Grossmüthige die Universität Marburg begnadigt habe, enthält die Urkunde noch einige besondere Bestimmungen: Das ganze Corpus academicum, Lehrer und Lernende, Weiber, Wittwen, Kinder, Gesinde und alle der Universität Angehörige sollen den Rektor als ihre Obrigkeit anerkennen und ihm Gehorsam leisten, „unnd thun unsz weitter nichtsz, alsz wasz bekandtlich criminal ist, vorbehalten“. Eigenthümlich ist die für die Studenten und Angehörigen der Universität geltende Anordnung, dass sie „in der ganzen Gieszer gemarkung, esz sey im waldt oder feldt, naher hohem und niderigem wildtpreth, wüldten Ant unnd andern Waldtvögellen, wasz dessen sein mag, nichtsz auszgenomenm pirschen

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unnd heczen, unnd wasz sie schieszen oder fangen zu sich nehmenn unnd behaltten mögen“.[2] Alle Professoren und Universitäts-Angehörigen sollen von jeglichen „bürgerlichen Beschwerungen, Ungeldt unnd acciss“ frei sein.
 Das Verhältniss der alten Giessener Statuten zu den Marburger Statuten v. J. 1629 ergiebt sich aus den unten bei einzelnen Abschnitten angegebenen Parallelstellen.
 Die unten sub Nr. II und III abgedruckten Urkunden enthalten Schenkungen der Stadt Giessen, die erstere v. 1. oktober 1606 befindet sich im Original in der erwähnten Kiste, die zweite v. 14. Maerz 1651 ist aus der in der Universitäts-Registratur aufbewahrten Sammlung von Rescripten und andern Dokumenten (Vol. I. pag. 622) entnommen.
 Die Kaiserliche Konfirmationsurkunde der Giessener Universitätsprivilegien v. Rudpolh II. v. 19. Mai 1607 ist zwar bereits mehrfach gedruckt, z.B. in Winkelmann‘s gründlicher Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld (Bremen 1697) S. 446. 447, aber unvollständig, dieselbe ist unten sub NR. IV aus dem Originale in extenso abgedruckt.
 Valentini berichtet in seinem Programm: Privilegia studiosorum Gissensium, Giessae et Francofurti 1720 p. 8 aus den „annalibus Academiae Marburgensis in perpetuam rei memoriam pergameno inscriptis“ von der Comitiva, welche die Universität Marburg oder vielmehr der jedesmalige Dekan der juristischen Fakultät derselben von Kaiser Ferdinand II. i.J. 1630 erhalten habe und welche i.J. 1632 nebst den akademischen Gesetzen „in ipso publicationis legum Academicarum actu anniversario, jussu Principali, in majori ad Lanum Collegio et cathedra Civibus et in universum omnibus Auditoribus“ vorgelesen worden sei. Hierauf heisst es: „An cum altera Comitiva, quae anno supra millesimum sexcentesimo quinquagesimo Amplissimo Facultati Juridicae Gissenae a Sacratissimo Imperatore gratiosissime concessa fuit, simile quid contigerit, in annalibus non legitur. Dolendum autem est Privilegium hoc nobilissimum ab avara manu,


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nescio quo pignoris titulo et retentionis jure surreptum esse, cujus repetitionem aut si mavis renovationem duodecim abhinc annis post festum seculare Academicum a Sacra Caesarea Majestate quidem humillime petiimus, sed nondum obtinuimus.

  Da in den Universitätsakten weder das Original noch eine Abschrift jenes Privilegiums vorhanden war, wandte ich mich nach Wien, um von dort eine Abschrift desselben zu erhalten. Die durch gütige Vermittlung meines verehrten dortigen Kollegen, Herrn Hofraths und Professors Dr. Siegel in den Wiener Archiven angestellten Nachforschungen waren völlig erfolglos, indem daselbst keinerlei Anhalt für eine jemals der Giessener Juristenfakultät ertheilte Komitive gefunden wurde. Dagegen gewährte das Grossh. Haus- und Staatsarchiv zu Darmstadt ausreichende Aufklärung. In demselben befindet sich ein Heft „Die Juristen Facultät zu Giessen und von Keys. Reichshoffcantzley annoch praetendirte unausgelöste Palatinat betreff.“ Aus demselben, dessen Benutzung ich der Grossh. Archivdirektion verdanke, geht hervor, dass die vom Landgrafen Georg zu Hessen erbetene Ausdehnung der vom Kaiser Ferdinand II. i. J. 1630 der Juristenfakultät zu Marburg ertheilten Komitive auf die Juristenfakultät zu Giessen von Kaiser Ferdinand III. unter d. 10.Octob. 1650 erfolgt, das vollzogene Dokument aber durch Zahlung der betreffenden Taxen und Gebühren nie ausgelöst worden ist. Unter dem 20/30 Mai 1675 wurde von dem Landgräfl. Agenten in Wien eine Kopie des Privilegiums nach Darmstadt eingesandt, um „sich darinnen zu ersehen und des auslösens halber zu entschliessen; pro taxa werden 100 Ducaten gefordert“.

  Im J. 1705 wurde die Angelegenheit, wie aus den alten Universitätsakten hervorgeht, wiederum in Wien angeregt durch Vermittlung des Reichskammergerichts-Präsidenten Grafen Friedrich Ernst zu Solms-Laubach, aber auch hier in soweit ohne Erfolg, als eine Auslösung weder einer neuen Ausfertigung, noch einer vidimirten Kopie nicht stattgefunden hat. Die für die hiesige Juristenfakultät i.J. 1650 in Wien ausgestellte Komitive ist wegen nicht erfolgter Auslösung offenbar später kassirt worden, wesshalb in den dortigen Archiven kein Konzept derselben vorhanden ist. Das bereits in einem in den archivalischen Akten befindlichen Schreiben der Giessener Juristenfacultät v. J. 1675 erwähnte Gerücht,


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dass das Original der Komitive sich in den Händen der Erben des verstorbenen Kanzlers Schütz befinde, welche dasselbe jure retentionis bis zur Bezahlung des noch ausstehenden Restes der Kanzler-Besoldung an sich genommen, und worauf die oben mitgetheilte Stelle aus dem Programm des Rektors Valentini anspielt, ergiebt sich hiernach als gänzlich unbegründet. Die freilich nie wirksam gewordene Komitive lasse ich unten (Nr. V.) aus der im Archiv befindlichen Kopie abdrucken. Dieselbe stimmt im Wesentlichen mit der von Kaiser Ferdinand II. d. 4. Dezemb. 1630 dem Dekane der Marburger Juristenfakultät ertheilten in dem oben erwähnten Programm von Valentini abgedruckten Komitive überein; nur darin besteht eine Differenz, dass die Marburger Komitive dem jedesmaligen Dekane der Juristenfakultät, die Giessener dagegen der Juristenfakultät verliehen ist, mit der Bestimmung, dass den Titel und Namen eines Comes Palatinus der jedesmalige Dekan dieser Fakultät führen und dass über alle aufgeführten Privilegien „von der gantzen Juristen-Facultät bey der Universität zu Giessen jedesmahls collegialiter exercirt und conferirt und die darüber ertheilende instrumenta in Nahmen und sub sigillo gesambder Facultät ausgeführt werden" sollen.


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I[3]

Privilegia et leges, ab illustrissimo principe ac Domino, Domino Ludovico Hassiae Landgravio, Comite in Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain et Nidda etc. Domino nostro elementissimo Academiae Giessenae clementer concessa d. 12.Octobr. ann. 1607[4]

  Von Gottes gnaden Wir Ludwig Landtgraff zu Hessen Graff zue Katzenellnbogenn Dietz Ziegenhainn vnndt Niedda etc. Thun kunth hiermitt offentlich bekennende, Demnach wir vnnsz ausz Christlichem eyffer vnnd sorgfältigkeit bedächtlichen zu gemüth gezogenn, welcher gestaldt der Allmächtige güthige Gott vnnsz in den fürstlichenn standt vnnd Ambt der obrigkeit geseczt, auch mit Landt vnnd Leuthen, zuuorderst aber mit der reinen wahren vnnd alleinsehligmachenden Lehr vnnd dem heilligenn wortt Gottesz, inn allermaszen solches inn den Prophetischen vnnd Apostolischen schrieften den bewehrten Symbolis vnnd der ohnueränderten Augspurgischen Confession so in Anno 30 Kayszer Carolo quinto von den protestirenden ständten zu Augsparg übergeben worden zu sambt deroselbigen Apologi vnnd Catechismo Lutheri gnädiglichen begabet, darfür wir seiner Göttlichen Allmacht billich dankbar seyn, welche Lehr von Vnsern löblichen VorEltern Fürsten zue Hessen etc. nicht allein mitt gefahr vnnd zuseczung Landt vnnd Leuthe mit sonderem Christlichem eyfer bisz alm unnsz lobpreyszlich vnnd mit mercklichem segen Gottes vnnd gedeylichem vfkommen ruhe vnnd wohlfahrt dero Landt vnnd Leuthebestendiglichen geführet, defendirt vnnd erhalttenn, sondern auch darinnen wir von vnsern kindtlichen tagen bisz anhero vfferzogen vnnd vnderrichtet worden, darbey wir dann auch vermittelst Göttlicher verleyhung


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die Zeit vnnsersz lebensz bestenndiglichen zu verharren entschlossen vnnd vnnsz darneben nichtsz höhersz angelegen, dann dasz wir solche Christliche Lehr swohll bey vnsern Landten vnd Leuthen erhaltten vnnd forttpflanzen, alsz auch vff vnsere Posteritet vnd Nachkommen transmittiren vnd bringen mögen, vnddt aber zu erhalttung vnnd forttpflanzung reiner vnnd gesundter Göttlicher Lehr, der heillsamen Justitien vnnd gottsehligen weszen vnnd wandelsz negst Göttlicher begnadigung nichts nützlichers, fürträglichersz vnnd nothwendigers, alsz wolbestellte schuellen anzuordtnen vnnd zu fundire, inn welchen alsz desz heilligen Geistesz officinen so wohl zu kirchen vnnd schuellen, alsz auch dem welttlichen Regiment vnnd guter Policey tägliche Personen auferzogen vnnd vnderrichttet werden.

  Dass wir derohalben Gott dem Allmächtigen zu ehren lob vnnd Preysz auch aus trewherziger landtvätterlicher vnnd Christlicher Affection vnnd Liebe gegen vnsere Landten vnnd Leuthen, auch der lieben Posteritet vnnd Nachkommen zeitlichem vnnd ewigem gedeyen vndt wohlfarth ein Universitet vnnd hohe schuell[5] mit nicht geringen kosten vnd nohtdürfttigem vnderhalt, der Professorn vnd praeceptorn vnd andern dartzue gehörigen Personen nicht allein zue Giessen angeordtnet, sondern auch dieselbige mit sonderbaren privilegien vnnd freyheiten, auch nützlichen vnnd heillsammen legibus, satzungen vnnd ordtnungen, in allermaszen dieselbige in dieszem brieffe von Puncten zu Puncten gesetzt vnnd hierunden beschrieben seyndt, wissentlich vnnd wohllbedächtlich begnadiget, bewiddumbt vnnd versehen haben.

  Unndt[6] haben vnnsz hierzu anlasz gegeben bedenckliche vnndt wüchtige Ursachenn, deren in denen dabenor vnserm Gymnasio ertheiltten privilegien mitt mehrerm melldung geschieht. Neben dem vnsere getrewe vnnd gehorsame Ritter vnnd Landtschaft sich solchesz vnsers Christlichen Vorhabensz nicht allein höchlichem vnnd hertzlichen erfräwet, sondern vnsz auch rath vnndt that vnd alle getrewe hülff vnnd vnterthenige handtbiethung zugesagt.

  Damitt nun bey dieszem Christlichen vnnd hoch nöthigen werck vmb so viell


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  1. Dieselben sind ebenfalls in der oben erwähnten Kiste enthalten, und zum ersten Male von Hildebrand in der Urkundensammlung der Universität Marburg (Marburg 1848) S.19 u. ff. abgedruckt worden.
  2. Diese Jagdgerechtigkeit wurde bis zum Jahre 1809 ausgeübt, seitdem aber ist sie stets verpachtet, im J. 1866 aber zum grössten Theile abgelöst worden.
  3. In den Anmerkungen sind die Abweichungen der Privilegia et Statuts Gymnasii Gisseni v. 14. Oktober 1605 angegeben
  4. Die Statuten des Gymnasiums haben die Ueberschrift: Privilegia et statuta Gymansio Giesseno concessa
  5. Gymnasium vnd Schule: das
  6. In den Statuten des Gymnas. steht statt dieses Satzes bis "geschieht" Folgendes: Vnd hatt vns hirzu vornehmlich anlas vnd Ursach gegeben, dieweil der hochgeborne Fürst, vnser freundlicher liber Vetter, Bruder vnd Gevatter, Landgrafe Moritz zu Hessen kurzverrückter Zeit in vnser der Fürsten zu Hessen gemainer Universitet zu Marpurg ohne vnsern Vorwissen vnd willen, newe enderung, sowohl in der Religion als den Kirchengebräuchen vnd Ceremonien fürgenommen, auch diselbige Universitet allein zu sich zu zihen, vnd uns vnd vnsere beliebte Gebrüdere darvon auszuschliszen vnderstehet, vas aber, wie nicht wenigers vnsere Landschaft vnverantwortlichen fallen wollen, vnsere Stipendiaten vnd Landkinder bei solcher eingeführten newerung zu Marpurg zu lassen oder dahin zu schicken.

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mehr ein glücklicher beharrlicher forttgangk[1] von Gott dem Allmächtigen, welcher anfangk, Mittel vnnd Ende allesz guthen ist, zu hoffen vnndt zu gewartten seyen möge, so wöllenn, beuehllen vnnd verordtnen wir, dass über dieszer vnserer verordtnung vnnd fundation steiff vnnd fest, allermeinst aber über der reinen ohnverfälschten religion vnnd dem wahren sehlligmachenden wortt Gottesz, so in den Prophetischen vnnd Apostolischen schrieften gegrünndet vnnd in den Hauptsymbolis, deszgleichen ohngeänderter Augszburgischer Confession, so Anno 30 vnser in Gott ruhender herr GrossVatter Landgraf Philippsz christmilter gedächntnusz neben andern Reichszständen Kayszer Carlen dem fünften zue Augspurgk übergeben, deroselben Apologi vnnd Catechismo Lutheri erclähret ist, vonn vnsern Erben vnnd Nachkommen Fürsten zu Hessen etc. mit rechttem Gottsehlligen eyffer vnuerücktt gehalten, auch vonn den Theologis oder Professoribus, so wir oder vnsere Erben vnnd Nachkommen yederzeit zur selbigen hohen[2] schnell gnädig gebrauchen werden, weder offentlich noch heimblich, bey zeitlicher vnnd ewiger Vngnader Gottes darwidder nichts in lectionibus, disputationibus vnnd dergleichen gelehret, geschrieben oder eingeschoben werden soll.[3]

  Wir wollen auch, dasz allesz daszjenige, so wir an gebäwen jährlichen einkommenn Renthen vnd gefällen oder wie dasz nahmen haben moge, zu solcher fundation übergeben, verordtnet vnnd verwiddumbt oder insz künfttigk von vnnsz oder andern noch mehr hierezu gestiefttet werden wirdt, bey solcher hohen [4] schuelln gelaszen vnnd vonn Vnsern Erben Erben oder Nachkommen Fürsten zu Hessen etc. oder sonsten niemanden darvon genommen, noch zue ewigen tagen, allermaszen wir unsz in vnserm dabevor dem Gymnasio ertheillten privilegio erclähret[5] inn andere usus oder zu andern sachenn verwendet werde. Wir privilegiren vnnd befreyen auch hierneben solche vnsere hohe schuel vnnd Universitet[6] vnnd than solchesz mit wohllbedachten muth, rechttem wissenn vnnd zeitlich gehabttem Rath für vnnsz, alle vnsere Erben vnnd Nachkommen jegenwärttigk vnnd craftt dieszer vnserer fundation vnnd bewiddumung inn der allerbesten form maasz vnnd gestaldt, wie daszelbige nach geistlichen vnd welttlichenn rechtenn herkommen vnnd gewohnheiten am bestendigsten vnnd


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  1. ein erwünschter vnnd bestendiger anfang gemacht, auch aller glücklicher beharlicher Forttgang: das
  2. fehlt das
  3. eingeschoben vnnd darauf mit Gottes gnadt zum fürderlichsten mit den Lectionibus fortgeschritten werden sollte: das
  4. hohen fehlt das
  5. ew. tagen (es wehre dann sach, dass die Universitet sue Marparg wiederumb in vorigen stand gebracht vnnd vns die Administration derselbigenn ebensowohll als Landgrave Moriezen gelassen): das
  6. solche vnsere Schule vnd Gymnasium: das

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cräffttigsten beschehenn soll, kann oder mag, mit nachgesetzten freyheiten vnnd privilegien, vnd wöllen, dasz über solchen Freyheiten steiff vnnd fest gehaltten vnnd darwidder vonn unsern Erben vnnd Nachkommen keinswegsz gethan werde inn keinerley weisze noch wege, wie solchesz Menschensinne immer erdeckenn möge, Allesz getreulich vnnd sonder gefehrde. Vnnd seindt diesz die privilegia mehr besagter vnserer Universitet.[1]

  Erstlichen wöllenn wir diesze vnsere Universitet[2] mit allen denen privilegien vnnd immuniteten begnadiget vnnd in allem gleichmäszige Freyheiten gegeben habenn, mit welchen weillandt der Hochgeborne Fürst vnser geliebtter Herr Grossvater Landgrane [sic!] Philippsz der eltter etc. lobsehlliger gedächtnusz die Universitet zue Marpurgk begnadiget vnd begabet hatt, inn allermasszen gemeltte Universitet Marpurgk dieselbige biszdahero inn brauch vnnd übung gehabtt.

  Vnder denselbigen soll nun diesz das fürnehmbste sein, dasz das ganze Corpus Academicum,[3] dasz ist, alle, so darinn lehren vnd studirenn tam docentes quam discentes, deren Weiber, Wittiben, Kinder vnd gesindte, vnd alle der Universitet[4] angehörige glieder, den Rectoren für ihre Obrigkeit erkennen, ehren vnnd haltten vnnd ihme allen gehorsamb laisten, darinnen dann ihme vonn vnsern Räthe vnd Beambtten, wer die auch seyenn (auszgescheiden der bekandtlichen Criminalsachen) kein eintragk geschehen soll. Allso soll der Rector macht haben, diejenige so vnder ihme vnd der Universitet[4] angehörigk seindt, wenn sie den Statutis vnnd legibus zie widder handelln oder leben, nach einsez yeden verwürckunge zu strafen, zu welchem behuef wir denn unserer Universitet[4] ein Carcerem verstattet habenn, vnnd thun vnnsz weiter nichtsz, alsz wasz bekandtlich criminal ist, vorbehalten.

  Damit auch die Studenten vnnd andere der Universitet[4] angehörige Personen ye biszweilen ihre recreationem vnnd erlustigung haben mögen, so wöllen wir ihnen hiernebensz die begnadigung gethann vnnd verwilliget habenn, thun dasz auch in Crafft dieszesz brieffsz, dasz sie in der ganzen Giesser gemarckung esz sey im waldt oder feldt, naher hohem unnd niderigem wiltperth, wüldten Ant vnnd andern Waldtvögellnn, wasz dessen sein mag, nichts auszgenommen, pirschenn vnnd heczen, vnnd wasz sie schiessen oder fangen zu sich nehmen vnnd behaltten mögen.

  Wir wollen auch, dass die Professores vnnd alle der Universitet[4] angehörige, vonn allen bürgerlichen beschwerungen frey seinn sollen, vnnd ihnen ihr wein vnnd


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  1. vnsers Gmnasii: das
  2. vnser angehendt Gymnasium: das
  3. dass diess gancze Gymnasium: das.
  4. a b c d e dem Gymnasio: das.

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13

getränck wasz dessen zu ihrer hauszhalttung von nöthen, ohne allesz Vngeldt vnnd acciss frey passiret werde, also auch da deren einer oder mehr Studenten am tisch hielte, soll daszjenige, wasz an bier über der Mahllzeit aufgehet, denselbigen frey passiren, vnnd sie desz Vngeldtsz vnnd acciss von solchem bier befreyet sein, doch dasz keine parthierung hierunter gebraucht werde.[1]

  Jnngleichen sollen sowohll den studenten, alsz andern der Universität[2] angehörigenn ihre bücher, mehll vnnd geträncke, dasz sie zu ihrer Notturfft haben müssen, inn vnserm Landt zollfrey passiren, doch dasz hierunter keine gefahr gesucht oder gebraucht werde.

  Esz soll auch die verordtnung geschehen, dasz ye zu zeitten durch Rectorem, Decanum, vnnd wehn wir mehr darczu verordtnen werden, die habitationes so die Studenten bey den Bürgern diengen, besehen vnd geschäczet, damitt sie nicht übernommen, wie in gleichem, dasz die tische nicht überseczet werdenn.

  Vnndt dieweill zue einer Universität[3] ein Notarius, Apothecker, Buchtrücker vnnd Buchbiender von nöthen, so wöllen wir dieselbige der bürgerlichenn beschwerden auch befreyet habenn.

  Esz ist auch vnser gnädiger will vnnd mainung, wenn in sachen etwann a sententia rectoris et professorum appellirt würde, dass keine appellation anderszwohinn gehenn oder verstattet werden soll, dann ahn vnnsz selbstenn.

  Damitt auch sowohll der Rector alsz ein yede facultet in commendationibus testimoniis vnnd andern fürfallenden sachen, sich einesz eigenen Sigilli zu gebrauchen, so haben wir gemeltte facultates vnnd eine yede in sonderheit mit einem besonndern Sigillo versehen.

  Wasz dann sonsten andere sachen betriefft, so bey dieszer vnserer angerichtten hohen[4] schuell vorfallenn möchten, darüber hierinnen oder auch in obangezogenen der Universitet Marpurgk gegebenen privilegien vnnd Statuten (so wir hiehero zugleich erholen) kein decision oder ordtnung befindtlich, dieselbige wpllen wir vnnsz iederzeit nach beschaffenheit zu erörttern vnnd aller billichkeit inn einem vnnd anderm vnnsz darauf zu erelehren hiermit in gnadenn erbottenn vnnd vorbehaltenn habenn.

  Solcher vnser künfftiger verurkundteter verordtnung sollen vnser Rector, Professores, Studiosi vnd inszgemeinn alle vnserer universitet[5] angehörige Mitglieder vnnd verwantthen sich nicht wenigersz alsz diszer jegenwerttiger vnnd viellbesagtter


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  1. was aber den Professoribus solcher gestaldt ann weinn vfgehet, darüber sollen sie vnser schriftlichenn erclerung gewärttig seinn: das.
  2. dem Gymnasio: das.
  3. einem Gymnasio: das.
  4. hohen fehlt das.
  5. vnserm Gymnasium: das.

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erkennen und mitzutheilen, die Abschrifft gegen dem Original conferiren vnnd alszdann Ime dasz Original wiederumb zuzustellen vnnd volgen zu lassen. Dasz demnach vff heut im Dato hernegst bestimpt ahn mehrgemeltem Vnserm Kays. Cammergericht, welches damals der Edel vnser vnd des Reichs lieber getrewer Carl Fugger Freyherr zu Kirchberg vnd Weissenhorn, vnnsers Kays. Cammerrichters Amts Verweser, sampt andern ime von Vns vnnd des heyligen Reichs Stände wegen zugeordneten Vrtheilern vnd Assessorn in vnserm Namen vnd an vnser statt in vnser vnd des heyligen Reichs Statt Speyer besessen hatt. Hieruff Decret vnd Bescheidt ervolgt, also gerichtlich verlesen vnd publicirt worden: In sachen begerter Insinuation Privilegii et Confirmationis vffgerichteter Universitet zu Giessen, Herrn Ludwigen Landtgrauen zu Hessen, auch Rectorn vnd Professorn der Vniversitet daselbsten am zehendten Novembris jüngst gerichtlich einkommen, ist dasselb doch vorbeheltlich des heyligen Reichs Ober- vnd Gerechtigkeit auch menniglichs Einreden dargegen iederzeitt vorzubringen, soviel recht, hiermit angenommen, darüber dergestaltt Vrkundt erkandt vnd D. Amando Wolffen sein der Restitution Originalis halben be- schehen begeren zugelassen. Vrkundt diesz briefs mit anmit anhangendem Vnserm Kays. Insiegell beerefftigt, der geben ist in vorbenanter vnser vnd des heiligen Reichs Statt Speyer, den ersten Tag Monats De- cembris, nach Christi vnsers lieben herrn geburth Im Sechzehnhundert vnd Siebenten, Vnserer Reiche des Röm. vnd Böheimischen im Drey vnd dreissigsten vnnd des Hungarischen im Sechs vnd dreissigsten Jahre. Nun folget der Inhalt angeregts Privilegii also verlautendt:

 Wir Rudolff der Ander von Gottes gnaden Erwöltter Römischer Kaiser, zu allen zeitten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Böheim, Dalmatien, Croatien vnnd Sclavonien König, Ertzhertzog zu Oesterreich, Hertzog zu Burgundt, zu Brabandt, zu Steyer, zu Kärntten, zu Crain, zu Lutzemburg, zu Württemberg, Obern vnd Niedern Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marggraue des heyligen Röm. Reichs zu Burgaw, zu Mähren, Ober vnd Nieder Lausznitz, gefürster Graue zu Habsprug, zu Tyrol, zu Pfirdt, zu Kyburgk vnd zu Görtz, Landtgraue zu Elsäsz, Herr auff der Windischen Marekh, zu Portender vnd zu Solmsa). Bekennen öffentlich mit diesem Brieff, vnnd thuen kundt allermeniglichen: Alsz vns der Hochgeborne Ludwig Landtgraue zu Hessen, Graue zu Catzenelenbogen, Dietz, Ziegenhain vnd Nidda unser unser lieber Oheimb vnnd Fürst vntertheniglich vorbringen lassen, wie S. L. verschiener Jahren gemeinem Nutz der Jugent, auch dem Studio zu guetem, in seiner Statt Giessen ein Universitet vnd hohe Schul auffrichten lassen, mit unterthenigster Bitt, dass wir alsz Römischer Kayser ime dieselbige gnedigst zu confirmiren vnd zu bestettigen, auch sie mit den Privilegien, Begnadungen vnd Freyheiten, damit andere Vniversiteten im heyligen Reich versehen weren, zu begaben gnedigst geruheten; darauf haben wir angesehen solches Sr. L. vnterthenig zimblich pitten vnnd erpiehten, auch die ansehenlichen Intercessionen, so von vnderschiedtlichen Chur- vnd Fürsten, sowohl der catholischen Religion, alsz auch Augspurgischen Confession für S. L. beschehen, vnnd darumb mit wolbedachtem muth, gutem Rath vnnd rechtem wissen, die obgedachte Sr. L. auffgerichte Vniversitet vnnd hohe Schul zu Giessen gnedigst confirmirt vnnd bestätt, sie auch mit den Freyheiten, Privilegien vnnd Gnaden, so, wie obgemelt, andere Universiteten vnnd hohe Schulen im heyligen Reich haben, am fürstendigsten begnadet vnnd befreyet, thun dass auch hiemit aus Römischer Kays. Machtt wissentlich in Crafft dieses Briefs also, dass sie allenthalben für ein Universitet vnnd hohe Schul gehaltten vnnd geehrt werden vnnd sich deren frewen, gebrauchen unnd geniessen solle vnnd möge, von allermenniglich vnuerhindert, doch Vnsz vnnd dem heyligen Reich an vnser Obrigkeit vnnd sonst andern an iren Rechten vnnd Gerechtigkeiten vnvergreifflich vnnd vnschädtlich. Vnnd gebieten darauff allen vnnd jeglichen Churfürsten, Fürsten, geistlichen vnnd weldtlichen, Prälaten, Grauen, Freyen Herrn, Rittern, Knechten, Hauptleuthen, Landtvogten, Vitzdomben, Vogten, Pflegern, Verwesern, Amptleuthen, Schultheiszen, Bürgermeistern, Richtern, Räthen, Burgern, Gemeinden vnnd sonst allen andern vnsern vnnd des Reichs Vnterthanen vnnd getrewen vnnd vornemblich allen andern Universiteten

Sachkommentar[Bearbeiten]

  1.  Es handelt sich hier offenbar um einen Lesefehler. Zu lesen ist "Salins". Vgl. Univ. Gießen (Hrsg.): Die Universität Gießen von 1607 bis 1907. Beiträge zu ihrer Geschichte. Festschrift zur dritten Jahrhundertfeier, Bd. 1, Gießen 1907, S. 63.

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im heyligen Reich, auch unsern erblichen Fürstenthumben vnnd Landen, dasz sie die obgedachte Vniversitet zu Giessen bey dieser vnserer Kayserlichen Confirmation, Begnadigung vnnd Freyheit gentzlich bleiben, sie deren geruhwiglichen gebrauchen vnnd geniessen lassen, vnnd darwider nit bekümmern noch beschweren, noch dasz andere zu thun gestatten, in kein weisz, alsz lieb einem Jeden sey vnser vnnd des Reichs schwere Vngnad vnnd straff, vnnd darzu eine Poen, nemblich Zwantzig Markh Löttigs Goltts zu uermeiden, die ein Jeder so offt er freuendtlich hiewider thette, Vns halb in Vnser vnnd des Reichs Cammer, vnnd den andern halben Theil gedachter Vniversitet zue Giessen vnablöszlich zu bezahlen verfallen sein solle.

 Mit Vrkundt diesz briefs besiegelt mit vnserm Kayserlichen anhangenden Insiegell. Geben auff Vnserm Königlichen Schlosz zu Praag den Neunzehenten Tag des Monats May, nach Christi vnsers lieben Herren Erlösers vnd Seeligmachers gnadenreichen geburt Sechtzehnhundert vnd Siebenten, Vnserer Reiche des Römischen im zwey vnd dreissigsten, des Hungarischen im Fünf vnd dreissigsten vnd des Böheimischen auch im Zwei vnd dreissigsten Jahre.a) Rudolff. Ad mandatum sacrae caes. Majestatis proprium. L. von Stralendorff. G. Hertel.

Ad mandatum dom. Electi Schweickhardt Kegele L.
Imperatoris proprium s. Verwalter. subscr.


Auf der Aussenseite der Vrkunde: Vrkundt Insinua
Taxa Sechtzehen gulden tionis Privilegii vffgerichter
viertzig acht Creutzer. Vniversitet zu Giessen.


Das Kais. Siegel i. rothem Wachs hängt a. d. Urkunde.
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V.b)

 Extensio weyl. Keyszer Ferdinands des andern der Juristen-Facultät zu Marpurg den 4. December ann. 1630 ertheylten Palatinatzc) auff Landgraff Georgens zu Hessen jetzige Facultät zu Giessen.

 Wir Ferdinand der Dritte von Gottes Gnaden Erwählter Röm. Keyszer zu allen Zeiten Mehrer des Reichs in Germanien, zu Hungarn, Böheimb, Dalmatien, Croatien und Schlavonien König... bekennen offentlich mit diessem Brief und thun kund allermänniglich, wie wohl wir ans Röm. Keyszerl. Höhe und Würdigkeit, darein unsz der Allmächtige nach seinem göttlichen willen gesetzet hat, auch angeborner güthe und mildigkeit allezeit geneigt seind, nicht allein eines jeden unsers und des heyl. Röm. Reichs underthanen und getrewen, sondern auch auch gantzer Communen und corporum ehr, nutz, auffnehmen und bestes zu betrachten und zu befördern, so würdet doch unser Keyserl. gemüth mehrers bewegt, denen Communen und universiteten unser gnad und sanfftmüthigkeit mit zu theilen, auch ihren Nahmen in höhere ehr und würde zu setzen, darin sich verschiedene wohl qualificirte, und sonderlich unserer Keyserl. beschriebenen Rechten trefflichen erfahrene Subjecta, Doctores et Professores befinden, welche zu unszerer und des heyl. Röm. Reichs Zierde, Nutzen und Frommen mit ersprieslicher information der Jugend rühmlichen scriptis und in offenen truck gegebenen operibus in und auszerhalb Reichs gute nützliche officia praestirt, und sich darmit alsz tugendhaffte Leuthe umb den gemeinen Nutzen und Bestes wohl verdient

Sachkommentare[Bearbeiten]

  1.  Das Inkrafttreten des Gießener Universitätsprivileges lässt sich also auf den 19.05.1607 datieren.
  2.  Für eine ausführliche Darstellung zur im Folgenden thematisierten Gießener Juristenfakultät im 17. Jahrhundert siehe Karl Alfred Hall: Die Juristische Fakultät der Universität Gießen im 17. Jahrhundert, in: Ludwigs-Universität - Justus-Liebig-Hochschule 1607-1957. Festschrift zur 350-Jahrfeier, Gießen 1957.
  3.  Vgl. Erwin Schmidt: Die Hofpfalzgrafenwürde an der hessen- darmstädtischen Universität Marburg/Gießen (= Berichte und Arbeiten aus der Universitätbibliothek Gießen 23), Gießen 1973

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gemacht, auch durch solche ihre getrewe und nutzliche dienste unser und des Heyl. Röm. Reichs wohlfahrt und auffnehmen gemehrt, geziehrt, befördert und erhalten wird.

 Nachdem unsz dann der hochgeborne Georg Landgraff zu Hessen, Graf zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda, Isenburg und Büdingen, unser lieber Oheimb und Fürst underthänig zu erkennen gegeben, was gestalt Sr. Ld. dero universität bey jetzo im heyl. Röm. Reich vorgegangenen und erfolgter Veränderungen nacher Giessen transferirt und unsz gehorsamlich ersuchen lassen, wir wolten gnädigl. geruhen, dasjenige privilegium Comitivae et Palatinatus, so weiland unser in Gott ruhender Herr Vatter, Keyszer Ferdinand der ander glorwürdigen angedenckens der Juristen-Facultät zu Marpurg den 4. Dec. ann. 1630 ertheylt, auff Sr. Lb. jetzige Juristen-Facultät zu Giessen zu extendiren. Vndt wir nun gnädigl. angesehen, wahrgenommen und betrachtet, dasz Sr. Lb. dero Juristen-Facultät zu Giessen mit solchen wohl qualificirten Subjectis Doctoribus et Professoribus besetzet, welche unszerer Keys. beschriebenen rechte und satzungen mit sonderbahrem fleisz und dexterität zu information der studirenden Jugend, und zu ihrem selbst eigenen unsterblichen ruhm illustriret und geziehret, auch noch täglich in solchem fleisz und geschicklichkeit fortsetzen, und dann hinführo nicht weniger zu thun und zu erzeigen gehorsambst ehrbiethig seind, auch wohl thun sollen und mögen.

 Wenn auch über diesses alles wir gnädigl. Erwogen die gemeinnutzige sehr angenehme redliche und trewe Dienste, welche unsz und dem heyl. Reich vorgesagter Landgraff Georgens zu Hessen Ld. erzeiget hat und noch erweissen thuet, darumb auch wir Sr. Ld. mit sonderbahren Keys. Gnaden und allem Gutem beharrlich gewogen, geneigt und beygethan seind und bleiben und Sr. Ld. alsz eines rechten Liebhabers aller ehrlichen studien, teutsches löbl. und Fürstliches gemüth so weit erkand haben, dasz Sr. Ld. alle Ihrer universität zu Giessen wiederfahrende guthathen sehr werth achten und Ihro selbst dadurch gratificieren lassen... So haben wir demnach in ansehung dessen allen, mit wohlbedachtem muth, gutem rath und rechtem wissen aus sonderbahren Keys. Gnaden und selbst eigener bewegnusz oberwähntes unsers in Gott ruhenden herrn Vatters weyl. Keysers Ferdinand des Andern Christmildesten angedenckens Sr. Lb. Juristen-Facultät zu Marburg den 4. Dec. Ann. 1630 ertheyltes Keys. Palatinat auff ermelte Juristen-Facultät bey der Universität zu Giessen extendirt und dieselbe in die Ehr und würde unserer Keys. Pfaltz- und Hoffgraffen erhöhet, gewürdiget und gesetzet, auch zu der Gesellschaft, Schaar und Gemeinschafft anderer unserer Comitum Palatinorum zugeeignet, gegleichet, gesellet und zugefügt, erheben, würdigen und setzen jetztbenannte dieselbe Juristen-Facultät zu Giessen in die Ehre und würde, zueignen, gleichen, gesellen und fügen dieselbe zu der Schaar, Gesellschaft und Gemeinschafft anderer Comitum Palatinorum von Röm. Keysz. Machtvollkommenheit wissentlich und wohlbedächtlich in Crafft diesses Briefs, und meinen, setzen und wollen, dasz nun hinführo die Juristen-Facultät zu Giessen, wie andere Comites Palatini alle und jegliche Privilegia, Gnad, Freyheit, Ehr, Würde, Vortheil, Recht und Gerechtigkeit haben, sich derselben frewen, gebrauchen und geniesen, von recht und gewohnheit, von allermänniglich unverhindert.

 Wir geben auch hiermit ermelter Juristen-Facultät zu Giessen unszere vollkommene Macht und Gewalt, dass Sie an unserer Statt und in unserem Nahmen, die Persohnen, so sie darzu tauglich und geschickt achten wird (welches wir ihrem gewissen und Bescheidenheit heimbgestellt haben wollen) zu Notarien, öffentlichen Schreibern und Richtern creiren und machen solle, also dasz dieselben offene gemeine Schreiber, Notarien und Richter, durch das heyl. Röm. Reich, auch unser Erbkönigreich, Fürstenthumb und Lande, für solche gehalten, und aller undt jeglicher privilegien, Freyheiten, Gnaden, Ehren, Würden und Vortheylen, auch ihres Ambts allenthalben und in allen gerichtlichen und in andern Handlungen, Contracten, Testamenten, letzten willen und allen andern sachen und Geschäfften Ihr ambt berührend, gebrauchen, treiben, üben und nieszen sollen und mögen, alsz andere gemeine offentliche Schreiber, Publici Notarii genannt, und richter von unsern Vorfahren am heyl. Röm. Reiche oder unserer Keysz. Gewald


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gemacht und creiret, solches alles haben, gebrauchen, genieszen und üben von recht und gewohnheit ungehindert allermänniglich. Doch solle gedachte Juristen-Facultät zu Giessen solche Notarien, so Sie jederzeit wegen diesser Begnadigung creiren und machen wird, an unser auch unserer Nachkommen am heyl. Röm. Reiche statt und in derselben und unserm, auch des heyl. Reichs Nahmen in gebührlich gelübd und ayd nehmen, Inmassen ihnen solch gelübd und ayd von solcher ämbder wegen zu thun gebühret, getrewlich und ohne gefährde.

 Die vorgenante Juristen-Facultät zu Giessen soll und mag auch Mansz- und weibspersohnen, Edel und unedel (allein Fürsten, Graffen und Freyherrngeschlecht ausgenommen) jung und alt, die auszerhalb der heyl. Ehe geboren seind, wie die Nahmen haben, legitimiren und ehelich machen und mit denselben ihrer Macul und Vermailigung der uhnehelichen geburth halben dispensiren, solche unschuldige Macul und Vermailigung von ihren gäntzlich aufheben, abthuen und vernichten und Sie in die ehr und würde des ehelichen Stands setzen und erheben, also dasz denen sowie obstehet von ihr der Juristen-Facultät zu Giessen geehelichet und legitimiret, solch ihr uneheliche geburth weder inner noch ausserhalb Gerichts noch sonsten in keine andere weisze zu keiner Schmach, Schand, Veracht- oder Verkleinerung fürgehalten, noch Sie alsz wie obgehöhret unschuldige, deren in einigen Händeln oder sachen, geistlich oder weltlichen, entgelten, sondern für Ehelich gehalten und zu allen ehren, würden, bürgerlich- und andern ämbdern, Zunfften, Handwerken und Gesellschaften, wie andere, so von Vatter und mutter recht ehelich geboren seind, angenommen und zugelassen werden und derselben, auch aller und jeglichen Gnaden, Freyheiten, Vortheilen, rechten, Gerechtigkeiten und guten Gewohnheiten, mit geistlichen und weltlichen, bürgerlichen und andern Lehen und ämbdern zu haben, zu empfahen, anzunehmen und zu tragen, Leben und all andere gericht und recht zu besitzen, urtheil zu schöpfen und recht zu sprechen, in allen und jeglichen ehrlichen und redlichen Handlungen, Ständten und sachen, und des alles empfänglich, darzu tauglich, passirlich und guth, auch aller erbschafften, es seye durch testament, letzten willen, Donation oder ab intestato und in alle andere weege theilhafftig und fähig sein, auch sich dessen alles und jedes sambt und sonderlich frewen, gebrauchen und geniessen sollen und mögen. Doch denen andern ehelichen natürlichen Erben in ab- und aufsteigenden Linien derselben Geschlechte an ihren gebührenden Erbschafften und legitima unvergriffen und unschädlich.

 Gleichergestalt geben wir auch obbenannter Juristen-Facultät bey der Universität zu Giessen noch ferner unszere vollkommene Macht und Gewalt, Vormündere, Curatores, Vögte und pfleger, so von andern gegeben und gesetzt worden, zu confirmiren, auch selbst zu setzen und zu verordnen, und wiederumb aus redlichen, rechtmässigen ursachen zu entsetzen, auch Söhn und Töchter zu adoptiren undzu arrogiren, und solche adoptirte und arrogirte, auch andere Ehelich und unehelich geborne und legitimirte Persohnen zu emancipiren und Sie vätterlichen Gewalts, desgleichen leibeigne Leuthe undt Knechte Ihrer Leibeigenschafft und Dienstbarkeit zu erlassen und zu erledigen, mit den minderjährigen und unvogtbahren, ihres unvollkommenen alters und Mangel halben, zu dispensiren, Decret und authorität zu interponiren.

 Weiter die Verleumbder und infamirte Persohnen tam juris quam facti zu restituiren, Sie auch wiederumb nach aufgehebder Schmach die ihnen zugefuegt werden mögte, zu übung aller handlung in- und auszerhalb gerichts fähig, tauglich und geschickt machen, alles nach ordnung unszerer Keyszerl. geschriebenen Rechten und des Heyl. Röm. Reichs Satzungen und herkommen.

 Ferner geben wir auch gedachter Juristen-Facultät in der Universität zu Giessen noch weiter unsere vollkommene macht und gewald, dass Sie Poetas Laureatos nach befundener Qualification und darzu gehöhriger Geschicklichkeit creiren, machen und denselben lauream concediren könne, solle und möge. Desgleichen thun und geben wir auch offternannter Juristen-Facultät zu Giessen diesse besondere Gnad und Freyheit, dasz Sie ehelichen redlichen Leuthen, die Sie dessen würdig erachten würden (welches

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wir dann ihrem gefallen und Bescheidenheit heimbgestellt haben wollen) einem jeden nach seinem Stand und Weesen, Zeichen, wappen undt Kleinoth mit schild und helmb geben und verleihen, dieselben wappen und lehen-genosz machen, schöpffen und erheben solle, kann undt mag, also dasz alle dieselben Persohnen, so obgedachte Juristen-Facultät in der Universität zu Giessen, mit wappen, Cleinothen, Schild und Helmb, wie obstehet, begraben und fürsehen würde, auch ihre eheliche Leibserben und derselben Erbens Erben, Mansz- und weibspersohnen, solche Zeichen, Wappen und Cleinoth mit Schild und Helmb für und für in ewigkeit haben, führen und sich deren in allen und jeden ehrlichen und redlichen sachen, Handlungen und geschäfften, zu schimpff und ernst, in stürmen, streitten, Kempffen, gestechen, gefechten, Gemählden, Panieren, Insiegeln, Pettschafften, Cleinodien, Begräbnissen und sonst an allen orthen und enden, nach ihren ehrn nothurfften willen und wohlgefallen gebrauchen, auch darzu alle und jede Gnaden, Freyheiten, Ehr, Würde, Vortheil, recht und Gerechtigkeiten mit Aembdern und Lehen, geistlichen und weltlichen anzunehmen, zu haben, zu empfahen und zu tragen, mit andern unsern und des heyl. Röm. Reichs wappen. und Lehens genossen Leuthen, Lehen und all andere gericht und recht zu besitzen, urtheil zu schöpffen und recht zu sprechen, auch des alles theilhafftig, würdig, empfänglich und darzu tauglich, schicklich und guth sein, in Geist- und weltlichen Ständen und sachen, sich dessen alles freyen, gebrauchen und geniesen sollen und mögen, alsz andere unsere und des heyl. Reichs, auch unsere Erbkönigreich, Fürstenthumb und Lande, Lehens und Wappens genossene Leuthe solches alles haben, von recht oder gewohnheit ungehindert allermänniglichs. Doch solle gedachte Juristen-Facultät ihr fleiszig Aufmerken haben, dasz Sie in Crafft diesser unserer Keyszerl. Freyheit und Gnade, unsern Röm. Keys. oder Königl. Adler, auch andrer unserer Erbkönigreich, Fürstenthumb und Lande, wie nicht weniger anderer Fürsten, Graffen oder Freyherrn alt erblich wappen und Cleinoth, auch insonderheit Jemanden, wer der oder die wehren, nicht allein keinen offenen helmb, weder auch eine noch mehr Königl. Cronen auff dem Helmb, im Schild oder sonsten in andere weege (welches wir unsz denn hiermit austrucklich und ernstlich vorbehalten haben wollen) nicht verleyhe oder gebe.

 Darzu geben wir der Juristen-Facultät bey der universität zu Giessen noch ferner unser sondere Vollmacht und Gewalt, also und dergestalt, dasz Sie von allerhand Privilegien, instrumenten, urkundten, Brieffen und schrifften, wie die Nahmen haben mögten, da Sie von Jemanden derenthalben ersucht werde, ein oder mehr transumpt machen, dieselbe vidimiren, und unter Ihrem auffgetruckten und anhangenden Siegel authentisiren solle und mögte, welchen transumpten undt vidimusen dann allenthalben inner-ausserhalb gerichts vollkommener Glauben zugestelt werden solle, in allermassen alsz ob Sie von einem Fürsten, Prelaten, Graffen, Freyherrn, Herren, Stattgemeinde Land oder anderm Gerichte vidimirt und authentisirt weren.

 Den Titul und Nahmen eines Comitis Palatini soll jedesmahl derjenige Professor Juris, welcher Decanus Facultatis Juridicae Gissensis ist, tragen und haben, so lang er Decanus Facultatis sein wird, und also jederzeit der Titul und Nahmen Comitivae dem Decanatui anhangen.

 Ueber alle vor specificirte previlegia, concessiones et actus sollen von der gantzen Juristen-Facultät bey der universität zu Giessen jedesmahls collegialiter exercirt und conferirt und die darüber ertheilende instrumenta in Nahmen und sub sigillo gesambder Facultät ausgefertiget werden.

 Wir und unsere Nachkommen am Heyl. Röm. Reich sollen und wollen mehrgedachte Juristen-Facultät zu Giessen, so lang die universität daselbst in weesen und Verfassung verbleibt, bey diessen unsern hievorbeschriebenen Kaiserl. Gnaden, Gaben, Freyheiten und Privilegien steth und festiglich handhaben, schützen und schirmen, auch darwieder weder wenig noch viel über kurtz oder lang ausgehen laszen, und ob das hiebevor von unszern Vorfahren oder unsz selbst beschehen wehre oder noch inskünfftig aus Vergesz und Unwissenheit beschehe, so soll doch solches alles kein Krafft, Macht und Würkung haben, welches wir auch jetz alsz dann und dann alsz jetz aus Röm. Keyserl. Machtvollkommenheit in Crafft diesses



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Briefs hiermit wohlbedächtlich auffgehebt, cassirt, vernichtet, abgethan und demselben gantz und gar derogirt haben wollen. Und gebiethen darauff allen und jeden Churfürsten, Fürsten, Geistlichen und weltlichen, Prelaten, Grafen, Freyen Herrn, Rittern, Knechten, Landmarschallen, Landshauptleuthen, Landvögten, Hauptleuthen, Vitzdomben, Vögden, Pflegern, Verweesern, Ambleuthen, Landrichtern, Schultheiszen, Bürgermeistern, Richtern, Räthen, Kündigern der Wappen, Ehrnsolden, Persekanten, Bürgern, Gemeinden und sonst allen andern unsern und des Reichs, auch unserer Erbkönigreich, Fürstenthumb und Lande underthanen und getrewen, in was würden, Stand oder weesen die seind, ernstlich und festiglich mit diessem Brieff und wollen, dass Sie die offternante Juristen-Facultät zu Giessen bey allen obbeschriebenen unsern underschiedlichen Keyserl. Gaben, Gnaden, Privilegien und Freyheiten gäntzlich und in alle weege handhaben, schützen, schirmen, und in solchem allen nicht hindern noch irren, sondern Sie in denen aller und jeder insonderheit obberührter massen ohne einigen eintrag, irrung oder Verhindernusz geruhig undt würklich frewen, gebrauchen, geniessen und gäntzlich darbey bleiben laszen, auch hierwieder nicht anfechten, betrüben, beleidigen oder beschwehren, noch das andern zu thun gestatten, in kein weisz noch weege, alsz lieb einem jeden sey unser und des Reichs schwehre Ungnad und Straff und darzu ein poen, nemblich Sechzig Marck löttiges Golds zu vermeiden, die ein jeder, so offt er freventlich hierwieder thäte, unsz halb in unser und des Reichs Cammer und den andern halben Theil viel gedachter Juristen-Facultät bey der universität zu Giessen unnachläszlich zu bezahlen verfallen sein solle.

 Mit urkund dieszes Brieffs besiegelt mit unserm Keyserl. Anhangenden insiegl, der geben ist auff unserm Schlosz zu Ebersdorff den 10. Octob. in. 1650.

Ferdinand
vt.
Ferdinand Graff Curtz
ad mandatum etc.

Wilhelm Schröder.

G. Dietterlin.

          
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