Die Camenzer Nasen

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Die Camenzer Nasen
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 283–284
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
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[283]
871) Die Camenzer Nasen.
Abendzeitung 1821. Nr. 63.

Als zu Anfange des 30jährigen Krieges die Stadt Camenz, welche zu den Anhängern des Böhmenkönigs Friedrichs V. von der Pfalz gehörte, von der Armee des Kurfürsten Johann Georg (1620) bedroht ward, schickte dieselbe, da auch die in ihr liegenden Mannsfeldischen Söldner nicht fechten wollten, [284] Gesandte an den Kurfürsten, welche Gnade für die Stadt erflehen sollten. Wie nun derselbe die Abgeordneten zukommen sah, sagte er lächelnd: „ha, ha! die haben’s gerochen!“ Dieses wurde sodann sprichwörtlich, so daß man von dem, welcher eine Unannehmlichkeit im Voraus sieht, und sie abzuwenden bemüht ist, sagte: der hat eine Camenzer Nase.[1]


  1. Davon hießen die Camenzer spottweise die Riecher, während der Spottname der Bautzner Träbersäcke war, weil das Bautzner Bier Klotzmilch weit und breit berühmt war. Man nannte sie auch Luchsstecher, weil im Jahre 1621 in einem Gewölbe der großen Mühle daselbst ein Luchs (oder nur eine große Katze?) gefangen worden sein soll. Die Görlitzer nannte man Wendehüte, weil man ihnen politische Achselträgerei Schuld gab, die Zittauer Kühtreiber, weil sie vorzüglich Viehzucht betrieben, die Laubaner Zwiebelfresser, weil sie sich eifrig mit dem Bau dieses Gewächses befaßten, und die Löbauer Krautmaler, weil, als im Juni 1632 die dort unter Maradas liegenden Kaiserlichen mehrmals Kraut verlangt hatten, die Bürger mit den Worten, sie könnten ihnen kein Kraut malen, ihnen dasselbe verweigert hatten, und man nachher ihre große Armuth, welche nicht einmal ein so gewöhnliches und wohlfeiles Gewächs habe herbeischaffen können, damit bezeichnen wollte. Ein Spottlied aus dem 15ten Jhrdt. auf die Sechsstädte, führt Haupt Bd. II. S. 138 an, es lautet so:

    Die Görlitzer kennen wir wol mit jren rothen Hütten,
    Wenn sie wider die Feinde ziehn, man heißt sie Wendehütte;
    Die Sittischen kennen wir wol mit jren grauen Hütten,
    Wenn sie wider die Feinde ziehn, tragen sie ein frisch Gemütte;
    Die Baudisser kennen wir wol mit jrem bösen Biere,
    Wenn sie wider die Feinde ziehn, so haben sie kein gut Geziere;
    Die Laubener kennen wir wol mit jren schwarzen Bärthen,
    Wenn sie wider die Feinde ziehn, wie gern sie wieder kehrten;
    Die Camitzer kennen wir wol mit jren rothen Stiefeln,
    Wenn sie wider die Feinde ziehn, so wollen sie sich mit ihn kiffeln;
    Die Lobischen kennen wir wol, sie liegen vor der Heiden,
    Wenn sie wider die Feinde ziehn, wollen sie sich mit jn scheiden.