Die Heimat der „Birkenrindenen“

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Titel: Die Heimat der „Birkenrindenen“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 324
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[324] Die Heimat der Birkrenrindenen“. In den ostbayerischen Waldlandschaften hat man eine eigene Art, zu schnupfen. Dort verwahrt der ehrsame Bürger und Landmann seinen Tabak in einer flachen blauen Flasche. Hat er das Bedürfnis nach einer Prise, so schüttet er sich das erforderliche Quantum auf die äußere Fläche der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger und führt es so zur Nase, ohne sich der Finger zu bedienen. Anderwärts aber ist man der Ansicht, daß man eine richtige Prise nur aus einer Dose nehmen könne. Frankreich, wo man bereits zur Zeit Ludwigs XIII. (gestorben 1643) schnupfte und wo das Schnupfen gewissermaßen zu einem Sport ausgebildet wurde, hatte schon frühe eine förmliche Dosenindustrie, und ein Zweig davon, die Herstellung der Rindendosen, ist mit der Erwerbung Lothringens an Deutschland gelangt. Diese ursprüngliche Fabrikation wird in dem Dorfe Spittel unweit Saargemünd gegenwärtig noch in etwa 7 Werkstätten betrieben, welche mit 20 Personen jährlich 36 000 Dutzend Dosen im Werte von 20 bis 24000 Mark erzeugen. Obenan steht die „birkenrindene“ Dose, wovon etwa 7200 Dutzend, meist nach Frankreich, verschickt werden; eine billigere Sorte wird aus Buchenrinde gemacht. Beiden Sorten ist der Lederhenkel gemeinsam, der in der einfachsten Weise mittels eines Knotens am Deckel befestigt wird. Viele Schnupfer bedienen sich mit Vorliebe, wenn nicht gar ausschließlich solcher Dosen. Man findet dieselben auch bei der Landbevölkerung in Süddeutschland ungemein häufig; ihr schlichter Verschluß ist für rauhgearbeitete Bauernfinger weit praktischer als jener der feineren städtischen Dosen.