Die Heimath von Ulysses S. Grant

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Textdaten
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Autor: R. D.
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Titel: Die Heimath von Ulysses S. Grant
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 671–672
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[671] Die Heimath von Ulysses S. Grant, dem gegenwärtigen Präsidentschaftscandidaten der republikanischen Partei in den Vereinigten Staaten von Amerika, ist die Stadt Galena in Davies County im Staate Illinois. Bekanntlich betrieb Grant hier vor Beginn des Secessionskampfes in Gemeinschaft mit seinem Vater ein blühendes Gerbergeschäft. Als der Bürgerkrieg – wesentlich durch Grant’s Heldenthaten – beendigt war, erbauten die Bürger von Galena dem sieg- und ruhmgekrönten General, ihrem früheren Stadtgenossen, ein schönes Haus, welches sie ihm, vollständig meublirt und wohnlich eingerichtet, zum Präsent machten. Das Haus ist nicht übermäßig elegant und kostbar gebaut, es ist einfach aus Mauersteinen aufgeführt; aber es hat eine prächtige Lage. Es liegt an dem östlichen Ufer des Galenaflusses auf einem ziemlich hohen Hügel, der eine wundervolle Aussicht auf die rings umher liegenden reichen Fluren gewährt. Das Haus ist zweistöckig und enthält, ausser den Küchen- und Vorrathsräumen, neun bis zehn Zimmer, die nicht übermäßig groß sind. Das Empfangszimmer (parlor) z. B. ist zwanzig Fuß lang und sechszehn Fuß tief; von hier führt ein kleiner Kreuzgang (cross hall) nach dem Speisezimmer. Dem Empfangszimmer gegenüber befindet sich eine leidliche, gut ausgestattete Bibliothek. –

Mitte September 1868 befand sich General Grant nebst seiner Frau, deren Vater, Herrn Dent, der bereits einundachtzig Jahre zählt, und seinen zwei Kindern, einer zwölfjährigen Tochter und einem neunjährigen Sohne, hier in diesem Hause, welches er der Liebe und der Achtung seiner Mitbürger verdankt. „Ich wollte eigentlich einen Badeort, z. B. Saratoga oder Long Branch, besuchen,“ sagte er zu einem Freunde, allein bei reiferem Nachdenken zog ich hierher, in dies Haus, das ich – der Exgerber – der Liebe meiner guten Nachbarn und Mitbürger verdanke. Ich sehne mich nach wohlthuender Ruhe, nach guten Freunden und aufrichtigen Herzen, und wo kann ich diese sicherer und besser finden, als in Galena?“

Außer seiner Familie hatte Grant auch noch seinen Adjutanten, den General Comstock, bei sich, der ihm die Besorgung seiner Amtsgeschäfte erleichterte.

Die Zeit vertrieb sich Grant außerhalb des Hauses namentlich durch Spazierenreiten und durch den Besuch der Orte, wo er seine alten Freunde zu finden hoffen konnte. Niemals sah man ihn ohne eine Cigarre, denn das Rauchen ist ihm bekanntlich zur Leidenschaft geworden.

Besucher nahm er ungern an, wenn es nicht alte Freunde waren; auch redete er nicht gern von politischen Dingen. Als eines Tages die [672] Rede auf die im November d. J. stattfindende Präsidentenwahl kam, erklärte er: „Ich möchte nicht gern meine gegenwärtige Stellung aufgeben; sie gefällt mir und ich kann in derselben meinem Vaterlande nützen. Dennoch aber mußte ich wohl dem Andringen von vielen meiner Freunde, die treue und wahre Patrioten sind, nachgeben und als Präsidentschaftscandidat für die Partei auftreten, die sich mit Recht am meisten rühmen kann, daß die Rebellion durch ihre Anstrengungen zu Boden geworfen worden ist. Ich bin der Ansicht, daß kein Mensch stets gerade das thun kann und darf, was er wohl am liebsten thun möchte. Da, ich nun aber einmal Candidat für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten bin, so möchte ich meinem Gegner auch nicht unterliegen.“

Und wie die Sachen gegenwärtig stehen, unterliegt es kaum einem Zweifel, daß Grant, der, während der Wahlsturm über das weite Gebiet der nordamerikanischen Union dahinbrauste, ruhig in seinem Hause in Galena lebte, der achtzehnte Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Das Wort, womit er den Brief, worin er die ihm angetragene Candidatur annahm, schloß, tönt durch die ganze Union in allen loyalen Herzen wieder: „Let us have peace – Lasset uns Frieden haben!“

R. D.