Die Helden

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Die Helden
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aus: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung) S. 118–121
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Helden.


A. Gegrüsset seyd mir, ihr Helden, die ihr um das menschliche Geschlecht euch aufs beste verdient gemacht!

B. Welch eine Andacht verrichtest du da?

A. Im Saale der Helden wandle ich hier, und beschaue mit ehrerbietiger Bewunderung das Antlitz derer, die unter den Menschen hoch hervorragten. –

B. Was für Gedanken aber hast du, wenn du diese Bilder der Tugenden ansiehest?

A. Ich merke mir die sonderbaren Züge, die die Natur in dem Gebäude anbrachte, in dem so edle Seelen würdig wohnen sollten.

B. Und mir fallen zuerst die Ungeheuer ein, mit denen sie als Helden beherzt und Mühevoll zu kämpfen hatten; sodann auch meistens der unwürdige Lohn, den sie zum Dank für ihre Verdienste davon trugen.

A. Giebt es einen größeren Lohn für Arbeiten und Gefahren, als daß diejenigen, die sie bestanden, im Tempel des Gedächtnißes und Nachruhms für die Ewigkeit dastehn und jedes edle Gemüth zur Nachahmung auffodern? daß sie, wie in die Zahl der Götter aufgenommen, den Studien aller Welt Gesetze geben?

B. Das, mein Freund, wars nicht, was jene edle Lichter suchten: denn im Gerücht der Menschen, in einem zweifelhaften Namenruhm fortzuleben, ist der Tugend das kleinste. Aber daß sie sich der menschlichen Irrthümer, die sie gewahr wurden, erbarmten, und mit edler Kühnheit dagegen Rettungsmittel suchten; daß wenn diese Mittel, statt mit Beifall aufgenommen zu werden, mit Schande verworfen wurden, diese Armen, nach langer Abmattung, betroffen und gereizt vom unheilbaren Uebel der Menschheit, ihre Bemühungen oft selbst verwünschen mußten, und unwillig die Erde verließen, das ists, was mir bei diesen Bildern einfällt.

A. So soll sich niemand denn, nach deiner Meinung, mit der Verbeßerung menschlicher Dinge beschäftigen?

B. Jeder Edle und Gute soll es thun, nur unter der gewissen Erwartung einer bösen Nachrede, eines Müdewerdens aller Mühe und Arbeit, zuletzt der Undankbarkeit. Alle Verbesserer der Staaten, der Wissenschaften und Religionen haben dies erfahren.

A. So sei es genug, wenn man den Seinigen Gnüge gethan hat.

B. Auch dies ist nicht immer möglich. Entweder sind die Urtheile der Menschen so verschieden, oder der göttliche Rathschluß will es also, daß uns die Welt untreu seyn soll. Wer würde auch sonst glauben, daß die Frömmigkeit der Pharisäer Heuchelei, die Rathschläge der Herodianer Diebstäle des gemeinen Guts und die Sophistereien der Cyrenenser Barbarei seyn, wenn sie nicht eben der anschaulichsten Wahrheit so leidenschaftlich und unverschämt sich widersetzten.

A. Man muß versuchen.

B. Gehe hin und versuche. Vertreibe, wie der edle Brahe, ungestalte eccentrische Kreise mit großen Kosten und sinnreich-ausgedachten Werkzeugen vom Himmel, damit du wie Er durch ungestalte barbarische Gewalt von Haab’ und Gütern vertrieben werdest.