Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung. Theil II Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt: Arnsdorf bis Oberlössnitz
Kirchdorf, 6,1 km ostsüdöstlich von Radeberg.
Die Kirche (Fig. 1) besteht aus dem schmäleren Altarhaus, dem nach Norden zu breiteren Schiff; dazwischen ein Triumphbogen im Spitzbogen. Die Sakristei ist nach Süden zu angebaut; dahinter ein zugemauertes Fenster; dies mit Bezug auf eine Restaurirung bez. 1840. Ein weiterer moderner Anbau nach Westen zu. An der Ostseite drei Strebepfeiler, die pultdachförmig abgedeckt wurden.
Das Altarhaus ist durch ein Rippennetzgewölbe geschlossen. Das Profil der Rippen ist aus zwei übereinander stehenden Kehlen (Fig. 2) gebildet.
Im Schiff eine horizontale Putzdecke. Ueber dem Dache ein einfacher Thurm von achtseitiger Grundform mit Schiefer eingedeckt. Eine Holzsäule im Schiff hilft ihn tragen. Wetterfahne bez. 1875.
Ueber der südwestlichen Eingangsthüre unter einer Spitzverdachung bez.:
Dieses Gotteshaus ward | an der Stelle des alten durch Feuer Ao. 1631 zerstörten, Ao. 1638 erbaut und 1840 durch | milde Gaben verschönert.
Unverkennbar ist der Chor älter und gehört dem 15. oder beginnenden 16. Jahrhundert an. 1888 wurde die Kirche restaurirt.
Altar, Holz, bemalt. Ein Aufbau mit korinthischen Pilastern, Gebälk, Spitzverdachung und Kreuz. Zwischen den Säulen unten eine Nische, darüber ein rechteckiges, mit Relief verziertes Feld. Das Ganze dürfte 1840 entstanden oder wesentlich verändert sein; es ist in den Formen und Verhältnissen steif und wenig gelungen.
[2] Orgel, in einfachen Barockformen, wohl bei der Erneuerung von 1715 entstanden, stand früher in der Kirche zu Niederstriegis, ist vom Orgelbauer Hess 1805 erbaut und wurde 1850 hierher versetzt. Das Orgelgehäuse gehört anscheinend der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an.
Kanzel. Die vier Felder der Brüstung noch in Renaissanceformen, getrennt durch consolartig gebildete Pilaster. Im Fries unten bez.:
in Bezug auf die vier Evangelisten, die früher auf die Felder gemalt waren; seit 1888 einfache vorstehende Füllungen. Sie hatte bis dahin die Inschrift:
Gott zu Ehren hat Johann Walther, Erb- und Landrichter allhier, diese Kanzel mahlen lassen. Das geschah 1729. Den Formen nach ist sie um 1638 entstanden.
Die auch hinter dem Altar sich hinziehenden Emporen und das Gestühl sind einfach, aus neuerer Zeit.
Grosse Glocke, 67 cm hoch, 86 cm unterer Durchmesser. An der Krone zwischen zwei Stableisten Inschrift mit einer Maske (Fig. 3), darunter ein Blattkranz in Renaissanceformen. Bez.:
Kleine Glocke, 56 cm hoch, 67 cm unterer Durchmesser. Oben an der Krone zwischen zwei kräftigen Ornamentstreifen bez.:
Darunter eine Münze des Kurfürsten Friedrich August. Unten am Mantel einerseits zwei Kindengel mit einem Kranze in dem das hebräische Zeichen Jehovah. Andererseits bez.:
An den Glockenaufhängern vier männliche Masken. Am Bolzen beistehende Marke.
Taufbecken, Zinn, 60 cm im Durchmesser, einfach, muldenförmig, bez. 1637. Zur 250jährigen Jubelfeier des Bestehens der Kirche im Jahre 1888 erneuert, wobei der Rand abgearbeitet wurde. Er hat folgende Bezeichnung:
Marken und Beschau sind entfernt worden.
Taufschüssel, Zinn, 30 cm im Durchmesser, einfach, am Rande bez.:
Dazu Dresdner Stadtmarke u. beistehendes Meisterzeichen.
Zwei Standleuchter, Zinn, 63 cm hoch, mit dreitheiligem Fusse auf Kugeln, kräftig profilirtem Schafte, oben tellerförmig. Bez.:
In ausgesprochenen Barockformen. Ohne Marken und Beschau.
[3] Denkmal eines Geistlichen, Sandstein, angeblich in dem Altarplatz eingelassen, infolge festen Belages unzugänglich.
Nach Angaben des Cantors Störzner ist der Stein bez. 1570. | 17. J. W. P. 15.
Kreuz, Sandstein, etwa 1,30 m hoch. Im Volksmunde als der Schwedenstein bezeichnet.
Jetzt äusserlich an der südöstlichen Friedhofsmauer, gänzlich eingemauert.
A. Walther'sches Gut, 31 B.
Holztafel, auf weissem Grunde schwarze Schrift, etwa 60 cm breit, 80 cm hoch. Bez.:
Verehre die Gottheit die alles erschuf | Das ist der Menschheit ihr erster Beruf. | Erkenne dich selbst vergieb deinem Feind | Behandle einen jedem als Bruder und Freund. Glaube ein Wesen, das über dir wohnt, | Das Böse bestraft, das Gute belohnt.
Jetzt über der Hausthüre in Brüstungshöhe des ersten Obergeschosses.
Dorf, 10,7 km östlich von Dresden.
Rittergut. Das Schloss ist an drei Seiten von einem Teiche umgeben, die vierte bildet der Wirthschaftshof. Es ist ein schlichter Bau des 18. Jahrhunderts. Durch die Hauptthüre gelangt man in den Vorsaal, daran schliessend in der Achse des Baues die Treppe. Der erste Lauf führt zu einem Balcon an der Rückseite, von dem Freitreppen herabführen. Weiterhin in der Achse eine Brücke über den Teich und eine stattliche französische Gartenanlage mit aufsteigenden Terrassen. Am Ende ein breites Sandsteinbecken (Fig. 4) zwischen Treppen, eine mit wasserspeienden Kartuschen und Delphinköpfen verzierte [4] Rampe und darüber auf stämmigem Postament eine mächtige Muschel aus Sandstein. Darüber eine zweite Schale, deren Seiten mit Pfeifen verziert sind.
Die Anlage gehört der Zeit um 1720 an, nur die zweite Schale ist neuer. Sie ist leider vielfach verwachsen.
Ein Delphinkopf ist in die Umfassungsmauer nach der Strasse zu eingefügt.
Kirchdorf, 3,8 km südlich von Radeberg.
Die jetzige Kirche muss als einheitlicher Bau auf Grund einer dem 16. Jahrhundert entstammenden Anlage angesehen werden und ist 1701 begonnen worden. Im Grandriss ist sie ein rechteckiger Raum; der Chor ist im halben Achteck geschlossen, mit vier Strebepfeilern versehen; nach Süden zu ist die Sakristei angebaut; nach Norden ein Anbau von 1901. An der Westseite legt sich der breite quadratische Thurm vor, dessen unterer Theil im Jahre 1864, wie im Schlusssteine der Thüre bezeichnet, eine Verstärkung nach aussen hin erfahren hat. Er behält bis zur Höhe des kräftigen Hauptgesimses die quadratische Grundform bei; die Ecken sind durch Lisenen markirt. Im mit Schiefer eingedeckten Dache erfolgt ein allmählicher Uebergang zum Achteck, wobei jedoch die verbrochenen Eckseiten schmäler blieben. Die bewegte Dachlinie wird durch zwei übereinander stehende kehlenartige Einziehungen, mit geschweifter Abschlussform darüber, gebildet. Wetterfahne bez. 1721. Die Thurmfenster im Stich bogen geschlossen, an dem oberen Schlusssteine der Nordseite bez. 1719. Ueber dem unteren alten Fenster der Westseite um den Schlussstein ein Kranz, bez. J. N. G. | 1702.
Im Innern eine flache Decke mit kräftiger Kehle und Gesims, der Chorraum mit runden und ovalen Feldern, die von Stuckleisten eingefasst sind. Der Chorraum ist um eine Stufe höher als das Schiff.
Ueber kräftigen Säulen (Fig. 5) bauen sich die Emporen an der West- und Nordseite theilweise in zwei Geschossen auf; sie sind im Grunde roth bemalt, darauf wurden weisse Adern abgesetzt. Die Brüstungen sind durch eigenartige nach unten eingezogene Pilaster oder einfache Leisten in Felder getheilt, die mit zahlreichen biblischen Darstellungen handwerklicher, aber mit unverkennbarem Geschick in der Erzählung des Vorganges durchgeführter Malereien versehen sind; dargestellt ist namentlich die Weltschöpfung, das Weltende, Christi Leiden, Sterben, Auferstehen und das Gericht. Die Arbeiten gehören der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an. Besondere Durchbildung hat die Orgelempore erfahren durch freistehende Dockenstellungen in der Brüstung (Fig. 6).
Betstube, im ersten Stock an der Nordwestseite, seitlich [5] oval begrenzte, vertiefte Brüstungsfelder, ebenfalls mit den oben beschriebenen Malereien versehen, die übrigen Flächen mit kräftigem Rankenwerk belebt, in Weiss mit schwarzer Contour.
Hinter dem Altar, beiderseitig, Ueberreste von Betstuben, Theile von Brüstungsfeldern, getrennt durch nach unten verjüngte Pilaster. Die theils vorstehenden Füllungen mit Blumen bemalt, die tiefer liegenden mit Figuren, rechts hinter dem Altar:
- St. Franciscus mit dem Lamm auf dem Rücken,
- St. Michael mit dem Schwert und der Waage,
- St. Nikolaus mit dem Anker,
- St. (?) mit dem Kreuze in der Linken,
- St. Franciscus von Assisi mit der Lilie in der Rechten, und
- St. Eulogius oder St. Augustinus mit einem Herz in der linken Hand.
Die Darstellung dieser Heiligen, wieder in handwerklicher Malerei auf Holz, in Temperafarben, gehört - merkwürdigerweise ebenfalls dem 18. Jahrhundert, die der beiden letzten dem Umbau von 1901 an.
Als Abschluss über der Brüstung ein durchbrochener Aufsatz, auf einer ovalen Scheibe bez. 1713. Daneben mehrere Monogramme. Es ist wahrscheinlich, dass diese Jahreszahl die Entstehung der Malerei angiebt.
Beim Umbau durch Architekt Kandler 1901 wurden die an der Südseite liegenden Betstuben abgebrochen und Brüstung und Aufsatzstück als ein Ganzes hinter dem Altar aufgestellt.
Besondere Beachtung verdient noch das Gestühl. Es ist auf rothem Grunde mit weissen Adern bemalt. An den Rückenlehnen einiger Bänke findet sich kräftiges fortlaufendes Rankenwerk mit Blumen aufgemalt, auf rothem Grunde weiss, grün oder blau, theils mit kräftiger schwarzer Contour begrenzt. Auf einigen Zugangsthüren zu den Bänken grössere Malereien: Vasen mit Blumen oder Blumenanordnungen in Bauernmalerei, deren kräftig naive Durchführung in Zeichnung und Farbe zu erfreulichen Ergebnissen führte. Diese Malereien dürften spätere wohl erst zu Ende des 18. Jahrhunderts von den Besitzern geschaffene Aufbesserungen des Gestühls sein.
Altar (Fig. 7), Holz, geschnitzt, Bemalung neu, sehr stattliches Werk, baut sich über dem steinernen Altartische auf. In der Mitte des Altars ein rechteckiges Feld von einem kräftigen wulstartigen Rahmen eingefasst; seitlich je zwei freistehende korinthisirende Säulen mit kräftigem Gebälk, die sich über in reichem Barock gegliederten, mit geflügelten Engelsköpfen versehenen Consolen erheben (Fig. 8). Als seitlicher äusserer Abschluss nach oben zwei knieende geflügelte Engelsfiguren, die Hände und das Haupt erhoben, in sehr bewegten Formen. Ueber den inneren, im Gebälk verkröpften Säulen eine durchbrochene Rundbogenverdachung. In der Durchbrechung ein weiterer Aufbau, ein quadratisches Feld mit einem aufgeschlagenen Buche, darüber zwei Zweige mit einem Kelche, durch ein Stichbogengesims abgeschlossen. Darüber von Wolken und einem Strahlenkranze [6] umgeben der Name Jehova in hebräischen Buchstaben. Auf dem Buche
links bez.: Das Brodt das | wir brechen, Ist | das nicht die Ge | meinschaft des Leibes Christi?
rechts bez.:
Ueber dem Buche bez.:
Im Friese des Gebälkes die Zahl 1706, als das Jahr der Erbauung des Altars.
In dem rechteckigen Mittelfelde ein Bild in reichem Barockrahmen, in Oel auf Leinwand gemalt, 185:153 cm messend: Christus am Kreuze, links vorn Johannes, rechts zwei Frauen, die eine am Kreuze knieend, Maria Magdalena, beide Hände umschlingen es, das Haupt ruht an dem Fusse des Gekreuzigten, [7] die andere Maria steht rechts davor mit gefalteten Händen und blickt mit erhobenem Haupte nach dem verscheidenden Gekreuzigten. Im Hintergrunde erblickt man die Umrisse der Stadt.
Die Malerei gehört der Entstehungszeit des Altars an, ist aber von E. Winterstein 1865 namentlich an Köpfen und Händen, sowie im Hintergrunde übermalt worden. Der Altar befindet sich in gutem Zustande und ist bei der Renovation 1901 übermalt worden.
Kanzel, aus Holz, Bemalung erneuert, sie baut sich über einer gewundenen Säule in fünf Seiten des Achtecks auf, die einzelnen Felder sind durch consolartige kräftige Schnitzereien getrennt, in den vier Füllungen Rundbogenumrahmung mit Kämpfergesims und Schlussstein. Dieselben tragen die vier Evangelisten. Diese sind sitzend mit den entsprechenden Attributen dargestellt und handwerklich durchgeführt. Im Fries darunter bez. S. Matthaeus. S. Marcus. S. Lucas. S. Jobañes.
Ueber der Kanzel der Schalldeckel achtseitig, mit kräftigem Gebälk, darüber vermitteln an den Ecken bogenartige Anläufer den Uebergang zu einem Aufbau, der in einem Kreuze ausklingt. Zwischen den Bogen durchbrochene, äusserst willkürlich geformte Bekrönungen. Im Fries bez.:
Die Kanzel wurde bei der Renovation im Jahre 1901 mehr nach Osten zu versetzt. Stil und Durchführung handwerklich; aus der Zeit um 1712.
Orgel, erneuert, bedeutend vergrössert, wobei die alten Schnitzereien, gut durchgeführte durchbrochene Akanthusranken, mit verwendet wurden.
Taufengel, in Holz geschnitzt, 170 cm hoch, hält in der rechten Hand eine Schale, die linke zum Zeichen des Kreuzes erhoben, der Kopf ist nach oben gerichtet, in dem langen walligen Haar ein Lorbeerzweig. Der linke Fuss wird von einer Wolkenschicht umgeben, aus der ein Kindengelsköpfchen herausschaut. Der rechte Fuss nach hinten erhoben. Das leichte Gewand ist sehr stark bewegt.
Die Figur ist in gutem Zustande, jetzt unterhalb der Kanzel aufgestellt; geschickte Arbeit des 18. Jahrhunderts, die 1901 neu bemalt wurde.
[8] Ueberreste wohl eines Denkmals von Holz, bestehend aus einem Gebälk, im Fries bez.:
Jetzt an der Westseite an der Rückenlehne des Gestühls befestigt.
Drei Glocken vom Jahre 1883, von Fr. Gruhl in Kleinwelka gegossen.
Zwei Kesselpauken, gut erhalten, auf dem Kirchboden.
Taufschüssel, Zinn, ganz einfach, schalenförmig, 375 mm im Durchmesser gross, am Rande bez.:
Ohne Marken und Beschau.
Abendmahlkanne, Silber, vergoldet, 16 cm hoch, 122 mm Fussweite, von einfach cylindrischer Form mit überhöhtem Deckel. Seitlich bez.:
Gemarkt mit Dresdner Beschau, beistehenden Marken und einer bez.: C. G. Jnger – mann mit Bezug auf den Goldschmied C... G... Ingermann),
Abendmahlkanne, Zinn, 20 cm hoch, 14 cm im unteren Durchmesser, einfach, bez.: Der Kirche | zu | Groserkmannsdorf. | 1794.
Gemarkt mit Dresdner Beschau und der Marke des E. G. Herrmann, Dresden.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 193 mm hoch, 135 mm Fussweite, mit sechspassigem Fuss, rundem Knauf, glockenförmiger Cuppa. Aus dem 18. Jahrhundert. Ungemarkt.
Patene dazu, 125 mm Durchmesser. Gleichfalls ohne Marke.
Krankenkelch, Zinn, 120 mm hoch, 82 mm Fussweite, von plumper Form. Ungemarkt.
Patene dazu, 95 mm Durchmesser.
Gemarkt mit nebenstehender Marke und Dresdner Beschau.
Hostienschachtel, Zinn, rund, 125 mm Durchmesser. Der Deckel mit beistehendem naiv und kräftig gravirtem Kreuze, das auf älteren Ursprung hinweist. Im Fusse aber eine Marke: Engel, einen Hammer in der Rechten, unter einer Königskrone, die dem beginnenden 19. Jahrhundert angehört.
Erbgericht. Vor der Kirche nach der Strasse zu gelegen, oft umgebaut. Am südöstlichen Giebel ist ein ehemaliger Schlussstein vermauert, bez.:
Kirchdorf, 15,5 km nordöstlich von Dresden und 7,4 km nordwestlich von Radeberg.
[9]
Die Kirche, ein einheitlicher Bau, saalartig, nach Osten im halben Achteck geschlossen, der Thurm als besonderer Bautheil gegen Westen angelegt, nordöstlich die Sakristei mit einer Betstube darüber.
Aeusserlich schlichte Stichbogenfenster, die Emporen überschreitend. Der Zugang erfolgt durch den Thurm von der Südseite. Dieser ist bis zur Dachhöhe quadratisch, darauf achtseitig; eine gefällig geschweifte Haube mit Laterne und Dach schliesst ihn ab.
Wetterfahne, bez.:
in Bezug auf Charlotte Sophie Gräfin von Hoym und Heinrich Ludwig Burggrafen zu Dohna.
Der Thurm wurde 1863 durch einen Quaderunterbau nach aussen verstärkt.
Im Innern erhielt sich eine ältere, wohl dem 15. Jahrhunderte angehörige Thüre (Fig. 9), die von der Kirche nach der Sakristei führt, letztere mit flachem Kreuzgewölbe. An ihrer Nordseite auf eingemauertem Steine bez:
wohl in Bezug auf den damaligen Pastor M. Gottfried Siegmund Fleischer (1747–1775).
Eine schlichte horizontale Putzdecke schliesst den Saal ab.
Emporen, bläulich gestrichen, sehr derb und handwerklich, über schwerfällig profilirten Säulen, an der Süd- und Nordseite in zwei Geschossen, nach Westen zu in einem Geschoss.
Orgel und Taufgestell erneuert.
Altar und Kanzel, vereinigt, bemalt. Der erstere baut sich über korinthischen Säulen auf Postamenten mit Gebälk auf, seitlich durch Lorbeerzweige begrenzt, in der Mitte die Thüre zur Kanzel. Ueber den Säulen je eine weibliche Figur ohne Embleme. Dazwischen ein Aufsatz, korinthische Säulenstellung in der Mitte, im rechteckigen Felde die Kreuzigung, auf Holz gemalt. Darüber ein ovales Bild, Christus betet in Gethsemane, seitlich Anläufer mit Kindengeln. Der linke hält eine Säule, der rechte ein Kreuz.
Die alte Predella ist unzugänglich, auf der neuen die Kreuzabnahme, Copie nach L. Cranach, 1880 vom Prinzen Ernst von Schönburg-Waldenburg auf Gauernitz geschenkt.
Die Kanzel bietet nichts Beachtenswerthes. An der rechten Säule, seitlich der Thüre, erhielt sich eine vierfache Sanduhr. Der Altar ist auf der Rückseite bez.:
Der Aufbau und die Durchführung ist eine sehr handwerkliche, ohne Verständniss für Formen und Verhältnisse.
[10] Opferstock (Fig. 10), von rechteckiger Grundfläche, Sandstein.
Jetzt in der Sakristei.
Glocken. Die grosse 78 cm im unteren Durchmesser, 64 cm hoch. An den Aufhängern vier männliche Masken. Am Halse zwei gleichartige Ornamentstreifen, dazwischen bez.:
Am Mantel zwei Kindengel mit Lorbeerkranz, darin: Jehova (hebräisch), darunter bez. MDCCLXXXVI.
Die kleine 67 cm im unteren Durchmesser, 54 cm hoch. Wie die grosse durchgebildet, bez.:
An zwei Seiten je ein Münzenabdruck.
Taufschüssel, Zinn, 53 cm im Durchmesser, äusserlich achtseitig, innerlich rund. Dazu die nebenstehenden Wappen der Schönfeld und Grünrod bez.:
in Bezug auf Jonas von Schönfeld und Martha geb. v. Rülcke, vermählt 1603.
Gemarkt mit Dresdner Beschau und wie nebenstehend.
Jetzt in der Schule zu Kunnersdorf.
Zwei Altarleuchter, Zinn, 387 mm hoch, 20 cm Fussweite. Ueber dem kräftig breiten Fusse der reich gegliederte Stiel, Kehlen und Wülste abwechselnd, der Hals tellerförmig mit Dorn. Sie dürften wohl der Zeit um 1670 angehören. In letzter Zeit anscheinend erneuert.
Ohne Marken und Beschau.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 18 cm hoch, 13 cm Fussweite. Mit sechspassichtem Fusse, rundem Stiel und Cuppa, sonst einfach gearbeitet, noch in Renaissanceformen. An der Fussplatte schwer erkenntlich bez.:
Er war seit 1690 Pastor in Grünberg und kam 1701 nach Ottendorf.
Ohne Marken.
Patene, 125 mm im Durchmesser.
Hostienschachtel, Silber, 82 mm Durchmesser, von einfacher Form, am Mantel reich getriebenes Rankenwerk, auf dem Deckel eine Blüthe. Auf dem Boden bez. M. Gottlob Burckhart. Dieser war 1701–1702 Pastor im Orte.
Ungemarkt.
Abendmahlkanne, Zinn, 15 cm hoch, 15,5 cm im Durchmesser, einfach wie die vorige gearbeitet. Am Bauche bez. S. M. S. | 1706.
Dresdner Beschau und die nebenstehende Marke.
[11] Abendmahlkanne, Zinn, einfach, 17 cm hoch, 15,5 cm im Durchmesser, Deckel überhöht, gedrückte Form, bez. 1731.
Dresdner Beschau, Marke unklar.
Dorf, 4 km südöstlich von Dresden.
Ehemalige „Grüne Wiese“. Das Grundstück grenzt an den Landgraben und die Strasse Seidnitz-Dresden. Die alten baulichen Anlagen dürften um 1876 entfernt worden sein, soweit sie noch standen; die jetzigen Baulichkeiten, Gartenanlagen und Figuren gehören dieser Zeit an. An der Seite nach dem Landgraben erhielten sich zwei hübsche steinerne Rococobänke, 2 m lang, mit sehr bewegter Grundform. Vor der einen seitlich ein Postament, 70 cm hoch, in den Ecken Lisenen, unten aufgerollt, mit zierlichem Rococo-Ornament. Zwischen den Pilastern ebenfalls sehr bewegte Flächen. (Pläne in der Sammlung für Baukunst an der K. Technischen Hochschule.)
Gut Nr. 24. Rundbogenthor mit seitlicher Rundbogenthüre, kräftige einfache Umrahmung, bei ersterem äusserlich mit Stabprofil. Am Kämpfer kräftige vorstehende Quader. Im Schlusssteine bez. J. G. K. | 1774.
Die älteren Hofthore sind meist von dieser Anordnung. Sie treten theils allein, theils in Verbindung mit einem Gebäude nach der Strassenseite zu auf.
Dorf, 11,2 km östlich von Dresden.
Ruine, jetzt überwachsen. Es ist noch erkennbar die Vorburg, deren Mauern am Rande einer vorspringenden Bergzunge liegen. Darüber die etwa 12:20 m breite, ovale Burg, deren Thüre sich noch insofern erhielt, als ein (alter?) Pfosten in situ steht. Der Zugang vom Thale aus ist ebenfalls noch erkennbar. Bergseitig trennt ein tiefer Abschnitt die Burg von der benachbarten Höhe.
Die Mauern, die aus Bruchstein aufgeführt sind, stehen theilweise noch in der Höhe von 2 bis 3 m. Kunstformen, aus denen auf das Alter des Baues geschlossen werden könnte, bemerkte ich nicht.
Rittergut. Das Herrenhaus, dessen Hausthüre mit seinen schönen Bronzegriffen auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts weist, hat um 1800 einen Umbau erfahren, wobei namentlich die Giebelseite umgestaltet wurde. An den Ecken zwei mächtige Pinienäpfel, in der Front drei Hochreliefs, Darstellungen griechischer Gottheiten im Stil des Pettrich. Wohl in Gips (?).
Das Hofthor in schlichter, aber würdiger Ausbildung, gleichfalls um 1800.
Dorf, 15,3 km nordnordöstlich von Dresden.
Das Schloss. Die Anlage des jetzigen Schlosses entstammt dem 16. Jahrhundert. 1603 wurde es vom Kurfürsten Christian angekauft und blieb mit der kurzen Unterbrechung von 1607-16 beim kurfürstlichen Hause bis 1657. Aus dem Aktenstück: Renovation der Schlösser H. S. A. Loc. 4449 geht hervor, dass 1638 ein Dach über das Schloss gebaut wurde, wohl nach einem Brande während [12] des dreissigjährigen Krieges. Dieses Dach war schon 1654 so verfault und beschädigt, dass man das Eingehen der Mauern und Gewölbe befürchtete. Am 5. Oktober 1654 erhielt der Baumeister Ezechiel Eckhardt den Auftrag, einen anscheinend unbedeutenden Umbau vorzunehmen. Bald darauf ging das Schloss in den Besitz der reichen Freiherren von Rechenberg über. Unter diesen scheint der Neuausbau sich vollzogen und das Schloss im Wesentlichen seine heutige Gestalt erhalten zu haben. 1699 fiel es an den kurbrandenburgischen Feldmarschall Heino Heinrich von Flemming. 1729 entstand in der benachbarten Brauerei Feuer, das auch das Schloss bis auf das Erdgeschoss zerstörte.
Bis 1732 dauerte die Wiederherstellung. Die Ausführung der Zimmermannsarbeiten wurde dabei George Bähr übertragen. Adam Friedrich Graf von Flemming legte den grossen „Lustgarten“ daneben an und erhielt von August dem Starken die Erlaubniss zur Anlage einer Fasanerie. Von ihm rühren auch die schönen Thore nach dem Hof und Garten her.
1756 wurde die Subhastation über den Besitz verhängt, wobei das Schloss an die Gräfin Charlotte Sophie von Hoym geb. Gräfin von Beichlingen fiel. Nach deren Tode 1808 folgt im Besitz bis 1824 Graf Dohna, unter dem auch Kügelgen das Schloss kennen lernte, wie er es in seinen „Erinnerungen eines alten Mannes“ schildert. – Verschiedentlich noch wechselte Hermsdorf seinen Besitzer, bis es 1865 mit einen Theil der inneren Ausstattung an die fürstliche Familie von Schönburg-Waldenburg kam, der es seitdem gehört.
[13]
Das Schloss (Fig. 11) liegt inmitten eines ummauerten und von Mauer und nassem von der Röder durchflossenem Graben umgebenen rechteckigen Hofes, dessen Ecken von vier runden, gedrungenen Thürmen besetzt sind.
Auf diesen in Ziegel gedeckte welsche Hauben. Somit zeigt diese Anlage eine nahe Verwandtschaft mit der ursprünglichen, gleichfalls im 16. Jahrhundert entstandenen Moritzburg. – Auf der Südwestseite, die ehemals durch eine Zugbrücke mit dem inneren Schlosshofe verbunden war, liegen die Wirthschaftsgebäude, südöstlich der Park.
Die erwähnten Eckthürme, sowie die unteren Theile der Ringmauer gehören noch dem 16. Jahrhundert an; charakteristisch ist die kräftige Wulst in der Gleiche des Hofes, die an verschiedenen sächsischen Festungsbauten jener Zeit wiederkehrt. Der Thurm rechts vom Eingange (Fig. 12) wurde 1777 als Kapelle geweiht.
[14] Der Rundraum (Fig. 13) ist durch vier rechteckige und vier halbkreisförmige Nischen erweitert. In ersteren die Fenster. Die Pfeiler sind durch Pilaster und vor diesen durch schlanke Hermen gegliedert. An den Stichgewölben der viereckigen Nischen Sonne, Mond und Sterne und – über dem Eingange – drei Kinder, darunter eines auf einem Todtenkopfe ruhend. Ueber dem Gesimse stehen an der Rundkuppel acht musicirende Engel, in einem zweiten Kreise sieben Engel, die auf erhobenen Händen das Mittelfeld halten, in diesem Gottvater mit der Weltkugel. All dies in Stuck, von kräftigen decorativen Formen im Stil des endenden 17. Jahrhunderts. Die Weihe von 1777 bezieht sich demnach wohl nur auf eine Neuherstellung.
Der an der Rückseite links vom Eingange gelegene Thurm dient mit dem anschliessenden Gebäude als Brauerei (Fig. 14). Früher war er jedenfalls vom Hofe aus zugänglich, jetzt gelangt man von der Aussenseite über den Schlossgraben ins Innere. Das ganze Untergeschoss dieses Brauhauses ist überwölbt, unter dem Thurme mit flacher Kuppel, im Uebrigen mit Kreuzgewölben. Eine Thüre mit Renaissancerahmen, etwa aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die in das Gewölbe eingezwängte Art der Versetzung des Rahmens und die nachträgliche Erweiterung des Bogens lassen darauf schliessen, dass diese Thüre anderswoher stammt. Wahrscheinlich gehört sie zu dem Schlossbau des 16. Jahrhunderts, zu dessen noch erhaltenen Fenstergewänden sie passt.
Die Brauereieinrichtung stammt noch aus dem 18. Jahrhundert; die Braupfanne trägt am Griffe die Bezeichnung: Veth 1751. – Das Thurmdach ist im 18. Jahrhundert abweichend von den Hauben der übrigen Thürme als Mansarddach aufgeführt.
Zwischen Brauhaus und Schloss führte ein Weg mehrere Meter hinunter, [15] und durch ein Thor hinaus auf den Obstgarten vor dem Schlosse. Thurm und Brauhaus mit dem daneben liegenden Thorwege bilden von hier aus eine reizvolle Gruppe.
Die beiden anderen Thürme sind nicht ausgebaut und dienen jetzt Wirthschaftszwecken.
Ein Theil des Hofes in der Mitte zwischen den vorderen beiden Thürmen ist unterkellert und dient als Milchkeller.
Der Haupteingang zu dem Schlosshofe geschieht über eine Brücke.
Hofthor, mit vier Steinpfeilern (Fig. 15). Ueber den beiden inneren Pfeilern grössere Vasen in Sandstein von bewegter Form, mit kräftigen Fratzen, darauf das Wappen der Flemming und Ahlfeld, sowie die Jahreszahl 1721. Auf den äusseren Pfeilern kleinere Vasen mit Monogrammen aus A v F und C H A. (Charlotte Henriette von Ahlfeldt.)
Der Garten vor dem Schlosse mit den beiden Springbrunnen wurde erst im 19. Jahrhundert angelegt.
Das Schloss selbst ist ein langgestreckter, im Wesentlichen viereckiger Bau von unregelmässigem Grundrisse (Fig. 16 und 17). Vor die Mitte der Façade, etwas nach Innen eingerückt, so dass die Façadenflucht gebrochen verläuft, legt sich ein achteckiger Treppenthurm, flankirt von zwei kleineren; der rechts stehende bildet die Ecke des Gebäudes, links
[16][17] setzt sich dies noch jenseits des Thurmes fort. Das hier durch einen Verbindungsbau angeschlossene schmucklose Haus wurde 1816/17 erbaut.
Symmetrisch zum Mittelthurm führen zwei Portale (Fig. 18) ins Innere. Ihre hölzernen Thürflügel geben sich durch die derben und barocken Schnitzereien als Arbeiten nach der Mitte des 17. Jahrhunderts zu erkennen. Dagegen spricht die sie umrahmende fein profilirte dorische Ordnung mit kräftigen Säulen, ebenso wie
die Console des Bogen-Schlusssteins für das 16. Jahrhundert. Noch deutlicher erkennt man in einigen Fenstergewänden Arbeiten dieser Zeit (Fig. 19). Das Profil dieser Gewände ist eingezogen, läuft sich aber nicht in der üblichen Art auf der Abschrägung des unteren glatt gelassenen Theiles todt, sondern steht hier auf einer hohen mit Kerbschnitt verzierten Basis, wie sie die spätgothische Zeit mit Vorliebe anwandte. So sind mit besonderer Sorgfalt die unteren Fenster des rechten Thurmes gearbeitet. Auf zwei Gewänden derselben nebenstehendes Steinmetzzeichen. An anderen Fenstern kommen diese [18] gothisirenden Basen in verschiedenen Variationen vor, besonders häufig in der flaschenartigen Form (Fig. 19, der seitliche Theil), bei der die Erinnerung an den gothischen Ursprung noch mehr zurücktritt. Daneben kommen aber auch Gewände in normaler Renaissancebildung (Fig. 20) vor, namentlich auf der linken Seite und über dem Erdgeschoss, hier oben mit zwei Ausnahmen, an der Hinterfront sogar ausschliesslich.
Die Umfassungen scheinen demnach in den unteren Theilen der Frührenaissance, etwa der Mitte des 16. Jahrhunderts anzugehören. Die normal gebildeten Fenster dürften späterer Zeit angehören, da sie noch im 17. Jahrhundert in Uebung blieben, und noch bei der Wiederherstellung nach einem Brande von 1729 heisst es in dem betreffenden Steinmetzenanschlage, dass eine Anzahl Thür- und Fenstergerüste „mit ehemals gebräuchlichem Sims“ anzufertigen seien.
Der mittlere Giebelaufbau ist wahrscheinlich erst nach 1729 hinzugefügt, ebenso die in lebhafter Contour aus Sandstein ausgeführte Spitze des Mittelthurms; 1724 wurde sie noch mit Schiefer gedeckt. Die obersten Geschosse der Seitenthürme mit den Hauben wurden erst 1758 aufgesetzt.
Vor der Mitte der südlichen Schmalseite ein Altan von 1730. Die oberen Fenster und die Dachgaupe auf dieser Seite sind modern.
Die Rückseite besitzt ausser einigen Fenstergewänden ähnlich den erwähnten nichts Bemerkenswerthes.
An der Façade Reste von Bemalung aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.
Unter dem mittleren Thurme führt eine kleine Thüre in den Schlosskeller, dessen Tonnengewölbe nichts Erwähnenswerthes bieten.
Im Innern ist das Erdgeschoss der Länge nach durch eine Scheidemauer getheilt, ähnlich wie im Schlosse Schönfeld; nur auf der Seite nach dem Garten zu nimmt ein schmaler Saal die ganze Tiefe des Gebäudes ein. – Den Eintretenden [19] empfängt eine langgestreckte weiträumige Vorhalle (Fig. 21) von etwa dem dritten Theile der ganzen Gebäudefläche. Da der Einbiegung der Façadenmauer durch den nach Innen gerückten Treppenthurm nur eine geringe Krümmung der gegenüberliegenden Längsmauer entspricht, so ist die Gestalt der Vorhalle
eine ganz unregelmässige, dadurch aber perspectivisch wirkungsvoller als bei regelmässig rechteckiger Anlage. – An den Schmalseiten der Halle Thüren in reicher architektonischer und ornamentaler Umrahmung; in der inneren Längsmauer sechs Thüren (Fig. 22), 95 : 190 cm im Lichten gross, die mit ihren Supraporten in Stuck ein höchst geschmackvolles und harmonisches Ganzes bilden. Die Thürflügel mit tüchtigen, originell erfundenen Schnitzereien, gleich den beiden derberen doppelflügeligen Eingangsthüren aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
[20]Die zweiflügelige Thüre nach dem Treppenthurme im Schnitzwerk einfacher, aber mit schönen, breit aufgelegten Eisenbeschlägen. – Originelle Consolen unter den Kreuzgewölben der Vorhalle. Während hier die Gewölbe selbst nur umrahmte Feldertheilung erhalten haben, sind die Decken der übrigen durchgehends gewölbten Räume des Erdgeschosses mit reichem figürlichen Schmuck in kräftigem Relief versehen, nur in dem Gartensaale sind die jedenfalls auch hier vorhanden gewesenen Stukkaturen später entfernt. Alle diese jetzt weiss übertünchten Stuckarbeiten zeigen ein kräftiges, aber noch gemässigtes Barock und tragen gleich den Thürschnitzereien das Gepräge lebendiger Frische und Schaffenslust. Wie die Thüren, so müssen auch die Stukkaturen in der Mitte des 17. Jahrhunderts oder kurz nachher entstanden sein. – Von der übrigen Ausstattung dieser Räume hat sich nichts weiter erhalten als einige Stühle in der Vorhalle. – In einem der Räume eine wohl früher im Thurme angebrachte, 23 : 45 cm grosse Glocke, bezeichnet mit 1739.
Das Obergeschoss wurde nach dem Neubau von 1729, 1758 und verschiedentlich im 19. Jahrhundert verändert.
Man tritt von der Wendeltreppe aus in einen Vorsaal; rechts von diesem sind die Räume durch eine der unteren entsprechende mittlere Längsmauer getrennt, [21] links dagegen ist ein schmaler Corridor eingeschoben, durch den auch das Obergeschoss des Nachbargebäudes mit dem Hauptgebäude in Verbindung steht.
Der Mittelsaal zeigt noch die alte Grundanordnung, ebenso der rechts anstossende. Die einfache Eintheilung der Wände in Felder gehört anscheinend noch der Zeit um 1758 an, ebenso eine Anzahl von Spiegeln, Consoltischen, Stühlen und Tischen in reicher Rococoschnitzerei. Diese Einrichtungsstücke gehören zum ursprünglichen Schlossinventar. Der zweite Saal links hat in leicht geschwungenen, geschnitzten und vergoldeten Rococorahmen gefasste Supraporten, Kindergruppen, grau in grau, als Reliefs behandelt. Zwei scheinen der Zeit um 1758 anzugehören, eines spätere Ergänzung zu sein.
Der nach dem Garten zu gelegene Speisesaal wurde erst in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgebaut.
In den vorderen Sälen sind die Wände durch Wandteppiche verziert.
Wandteppiche, gegen 31/2 m hoch, mit Darstellungen aus dem chinesischen Hofleben.
1. Der auf einer Sänfte von vier Männern getragene Kaiser, dem vier Reiter folgen, naht dem Tempel. Ein Mann streut vor ihm Blumen aus, ein weissbärtiger Priester steht am Fusse vor dem Heiligthum, im Hintergrunde eine Pagode. Ueber den Reitern Palmen. Mit Borde 4,82 m lang.
2. Der Kaiser sitzt auf goldenem Thron, hinter ihm ein weisser Elefant mit seinem Wärter und ein Krieger. Ein phantastischer Zeltbau beschattet den Thron. Im Hintergrunde sieht man eine Pagode. Links unten eine vornehme Frau in einem Rollstuhle, von zwei Personen begleitet; vor ihr kniet ein Sclave; rechts vier knieend Anflehende, die Gaben, Vasen, Früchte, darbringen. Mit Borde 5,50 m lang.
3. Fünf Personen ernten Ananas. Im Hintergrunde eine zweite Gruppe vor einem Häuschen. Mit Bordüre 2,60 m lang.
4. In einem zierlichen Pavillon sitzt eine Prinzessin am Putztisch, hinter ihr zwei bedienende Frauen, vor ihr ein knieender Jüngling, der ihr Geschmeide darbietet (Fig. 23). Gegen 1,80 lang.
5. Unter einem reichen Zelt ein Festmahl; zwei Speisende am runden Tisch, links eine Lautenspielerin, rechts drei Bedienende, vorn ein Knabe (Fig. 24). Die rechte Borde fehlt. Gegen 2,70 m lang.
Die Borde ist bei allen Wandteppichen die gleiche, bemerkenswerth durch die Einfügung von Chinesenköpfen als Mittelstücken.
Die Gobelins sind von vorzüglicher Erhaltung und meisterhafter Durchbildung. Namentlich die Kleiderstoffe, die Teppiche etc., aber auch die Gesichter und sonstigen Einzelheiten sind von bewundernswerther Sorgfalt und Feinheit des Gewebes.
Die Teppiche wurden zu Ende des 18. Jahrh. von der Gräfin Hoym erworben. Aehnliche Teppiche finden sich im Schloss Compiègne. 1742 legte Boucher 8 Skizzen chinesischer Sujets der Manufaktur von Beauvais vor. 1755 wurde „la tenture chinoise“ von Fontenay ausgeführt. Ferner fertigte J. J. Dumont dort „les délassements chinois“.
Vergl. Jules Gaiffrey, Histoire de la Tapisserie, Tours 1886.
Zwei Gemälde, je 1,98 m lang, gegen 2,10 m hoch. Auf Leinwand in Oel.
Das eine stellt die Moschee des Sultans Achmed I. (1609–1614 erbaut)
[22]und das Hippodrom mit dem Obelisk Theodosius des Grossen, der broncenen Schlangensäule und dem Obelisk des Constantinos Porphyrogenetos dar; das andere wohl die grosse Wasserleitung beim Dorfe Pyrgos; beides in Constantinopel. Die Bilder dürften um 1750 entstanden sein. Leider stark nachgedunkelt und durch alte Lacke beeinträchtigt. Interessant ist auf beiden Bildern die sorgfältig behandelte Staffage.
Vier Gemälde, 95 cm breit, ca. 2 m hoch. Auf Leinwand, in Oel.
Lebensgrosse Darstellungen weiblicher Figuren, die bezeichnet sind als: Une Turquesque de Condition – Fille Turque – Dame Grecque dans son Apartement – Fille de Bulgarie. Die sorgfältig behandelten, zum Theil sehr reichen Costüme dürften zuverlässige Aufschlüsse geben, so dass den Bildern kulturhistorischer Werth beizumessen ist. Der künstlerische Werth ist nicht gleich hervorragend. Um 1750.
Bildniss König Augusts III. Auf Leinwand, in Oel.
Grosses Repräsentationsbild, wohl nach Sylvester.
Auf das schöne Meissner Porzellan, wohl meist aus fürstlich Reuss’schem Besitz, sei hier hingewiesen.
Der südöstliche neben dem Schlosse gelegene ausgedehnte Park (Fig. 11) entstand aus einer Mischung französischer und englischer Gartenbaukunst.
Der in geometrischen Formen gezogene Graben, mit der Achse auf das Gartenportal und die Thüre der Seitenfront des Schlosses gerichtet, sowie einzelne Wegachsen und Rondeln werden auf den vom Grafen Flemming um 1730 nach französischer Art angelegten Lustgarten zurückzuführen sein. Das Uebrige [23] entspricht dem englischen Gartentypus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Reiz der Anlagen wird gesteigert dadurch, dass die Ufer ziemlich steil sind und die Wege an den Lehnen zu diesen angelegt wurden. Die Seen mit ihren Inseln und der Graben erhielten dadurch eine besondere Bedeutung.
Den Mittelpunkt der mehr wagerechten Gartenanlage bildet der Apolloplatz (Plan Nr. 4), von dem strahlenförmig Wege zur Volière, zum Parkthor und zu einem modernen Denkstein für das 1876 eingegangene, vom Prinzen Georg von Schönburg im böhmischen und französischen Feldzuge gerittene Pferd Titania führen. Der parallel zum Graben den Park durchschneidende Weg endet in ein Aha.
Im Park finden sich folgende Schmuckstücke:
[24] Volière, quadratischer, verputzter Holzbau von 485 cm äusserer Seitenlänge, mit zwei vergitterten Thüren, zeltförmigem Dache auf grosser Hohlkehle, bekrönt von einer Holzvase. Auf der Kehle und den Wänden Reste von gelb, hellbraun und weiss gemalten Chinoiserien derber Art. Um 1720.
Statue, Herkules, Sandstein, ohne die abgebrochenen Füsse ca. 170 cm hoch. Der Halbgott holt nach rechts mit beiden Armen zum Schlage mit der Keule aus. Auf dem zurückgebogenen Kopfe, der Schulter und der Scham das Löwenfell. Sehr verstümmelt.
Derbe Arbeit in der Art Permosers. Um 1720.
Jetzt an die Gartenmauer hinter dem Schloss gelehnt.
Statue, Apollo, Sandstein, 210 cm hoch, auf schlichtem Postament, nach links vorschreitend. Die Linke erhebt die sehr beschädigte Leier, die Rechte hält das flatternde Gewand. Rückwärts an ein Postament gelehnt. Die Nase fehlt.
Flotte Arbeit gleicher Herkunft.
Statuengruppe (Fig. 25) dreier Kinder, Sandstein, 130 cm hoch. Auf neuerem Postament steht der kreuzförmige Sockel. Ein Kind sitzt am Boden, das zweite schreitet darüber hinweg und hält ein drittes bei lebhafter Körperwendung ein. Bez.: Bitkow Fecit.
Die keck durchgeführte, sehr geschickt componirte Arbeit steht in der Hauptachse am Ende des Parkes.
Die linke Hand und die Finger der Rechten, sowie die Füsse des dritten Kindes fehlen. Um 1720.
Denkmal, Sandstein, runder Schild unter zerbrochener Vase; darauf die Inschrift:
Traurig süsser Ort | Wie gern weilt ich bei Dir | Unterdess der Geist | Bei ihrem Geiste ist.
[25]
Kirchdorf, 10,9 km südöstlich von Dresden.
Die Kirche wurde angeblich im Jahre 1495 von Dionysius von Carlowitz, Vorwerksbesitzer hier, auf seine Kosten erbaut. Der Bau (Fig. 26) war ein schlichtes Rechteck und reichte nach Osten zu nur bis an den in drei Seiten des Achtecks geschlossenen Altarplatz; dieser wurde wohl 1774 angebaut. Der Sakristeianbau mit der Betstube darüber gehört derselben Zeit an. Die westliche Vorhalle stammt von 1896. Vordem befand sich an dieser Stelle eine gleichmässige, zweiseitige Freitreppe, die direct zur Orgelempore führte.
Der Bau ist äusserlich (Fig. 26) schlicht, die seitlichen korbbogenartigen Fenster sind in ihren beiderseitigen tiefen Leibungen noch Reste der ältesten Anlage. Die Gewände haben einfaches Kehlenprofil. Der Umbau vom Jahre 1774 legte um sie eine kräftige Umrahmung mit oberem Vorsprung und Schlussstein. Unter dem Vorsprung ein Tropfen.
Der Hauptzugang erfolgt an der Nordseite, von der Strasse her durch eine Stichbogenthüre; über deren Umrahmung ein Fries, in dessen Mitte ein Schlussstein mit Krone, bez. IESUS, seitlich Eichenzweige. Eine kräftige gerade Verdachung schliesst darüber ab; über dieser auf moderner Tafel bez. 1500–1900.
Der ältere Zugang liegt an der Südseite, nach der Elbe zu; dort sind eine vermauerte Rundbogenthüre und verschüttete Sockelreste noch bemerkbar.
An den Ecken einfache Lisenen, die in einem kräftigen Hauptgesims verlaufen. An der Westseite ein modernisirter Giebelaufbau, früher wohl mit [26] schlichten Renaissanceanläufen, darüber der Thurm, achtseitig in derben Barockformen, eine tiefe Kehle mit weit ausladender Zwiebel darüber.
Die Fenster am Altarplatze haben nur innerlich tiefe Leibung, sind aber äusserlich übereinstimmend mit den übrigen durchgebildet.
Die Sakristei ist in drei Jochen mit Kreuzkappen eingewölbt.
Auf dem Dache nach der Südseite zu eingedeckt in den Ziegeln die Zahl 1790. Wetterfahne bez. 17 | 1741. | 04.
Im Innern eine horizontale Decke über einer hohen Kehle und kräftigem Gesims. Die Emporen haben zwei Geschosse nach Süden und Norden zu und gehören der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an; sie bauen sich über derben, kräftigen, einfach profilirten Säulen auf. Brüstung in rechteckige Felder getheilt. Die westliche Orgelempore ist modern.
Altar und Kanzel vereinigt, ersterer aus Sandstein, neu bemalt, letztere aus Holz. 2,30 m breit, etwa 7 m hoch. Der Altar baut sich über einem zweifachen Postament mit einer oben verkröpften Säulenstellung auf, über dem Architrav ein doppelter Fries mit Gesims, bez. Kommet her zu mir alle. Darüber in runder Begrenzung, von gedrückten Anläufern umgeben, ein Relief: Jonas, vom Walfisch ausgespieen; oben Christus der Auferstandene mit der Siegesfahne in der linken Hand, die rechte erhoben. Als oberster Abschluss der Säulen zwei Evangelisten, sitzend, links Marcus, rechts Matthäus, mit ihren Attributen. Seitlich von den Säulen, auf Consolen stehend, zwei moderne Figuren, 57 cm hoch: links Petrus, rechts Johannes.
Zwischen den Säulen die Kanzel. Die Brüstung einfach in fünf Felder getheilt. Ueber der fein profilirten Rundbogenthüre im Schlusssteine bez. 1774. Darunter ein Kreuz. Oben auf der Rückseite bez. W. 1774. Unter der Kanzel zwischen den untersten Postamenten in der Predella ein Hochrelief: die Einsetzung des Abendmahls, in Sandstein, 48 : 87 cm messend. Christus in der Mitte, seitlich je sechs Jünger, links Petrus, rechts Johannes neben dem Herrn. Demselben gegenüber Judas Ischariot mit dem Beutel, er langt die linke Hand hinüber. Der Gesichtsausdruck der einzelnen Figuren zwar etwas schematisch, doch nicht ohne feierliche Stimmung. Aufbau der Architektur ohne Verhältnisse der einzelnen Theile handwerklich durchgeführt.
Der Altar entstand zu verschiedenen Zeiten. Es liegt eine etwa um 1580 entstandene Arbeit im Stil des Hans Walther zu Grunde, der das Relief der Predella, die Säulen und die sie bekrönenden Figuren angehören. Die Postamente der Säulen sind von Holz und nachträglich angefügt. Die Anläufe und andere Theile der Bekrönung dürften um 1660 entstanden sein, die Kanzel 1774 in den Altar gesetzt worden sein.
Abendmahlkelch, Silber, 20 cm hoch, 15 cm Fussweite. Mit sechstheiligem Fuss, Stiel und rundem Knauf. Cuppa nach unten breit. Der ganze [27] Kelch besitzt kräftige, gedrungene Form noch im Renaissancestil. An der Fussplatte bez.:
Ungemarkt.
Patene, 165 mm im Durchmesser. Mit beistehenden Marken, theils abgearbeitet.
Abendmahlkanne, Zinn, 19 cm hoch, 122 mm im unteren Durchmesser, einfach, cylindrischer Bauch mit Ausgussschnauze. Bez.:
Gemarkt mit Dresdner Beschau.
Jetzt in der Sakristei zu Pillnitz.
Abendmahlkanne, Zinn, 19 cm hoch, 13, cm im unteren Durchmesser, einfach. Der cylindrische Bauch verjüngt sich nach oben ein wenig, der Ausgussansatz fehlt, seitlich vertikaler Henkel. Auf dem Deckel bez. R. H. | 1731.
Marken unklar.
Zwei Teller, Zinn, 235 mm im Durchmesser, einfach, am Rande beistehendes Wappen.
Auf dem Boden gemarkt mit Dresdner Beschau und der nebenstehenden Marke.
Crucifixus, in Holz geschnitzt, bemalt. Das Ganze mit dem Postament 90 cm hoch, der Gekreuzigte 43 cm hoch.
Eine derbe handwerkliche Arbeit wohl zweite Hälfte 18. Jahrh.
Bildniss des Pfarrers M. Gottfried Rüdinger, † 1680.
Auf Holz, in Temperafarben, mit Oel übermalt, 69 : 86 cm messend. Brustbild.
Der Verstorbene mit langem weissen Haar, auf dem Kopfe eine schwarze Perücke, mit Schnurr- und Kinnbart, in schwarzem Talar. Beide Hände halten ein Buch. Das Gesicht ist im Ton sehr roth, der schwarzgraue Hintergrund lässt die einzelnen Farben noch mehr verschwimmen.
Sehr beschädigte, aber anscheinend nicht unbedeutende Malerei. Um das Bild ein breiter Holzrahmen, bemalt grün und golden, Lorbeergewinde, über das sich Weinranken legen. In der Mitte der vier Seiten je eine grosse Blüthe.
Unter dem Rahmen eine Draperie mit oberem Feston aus Sandstein, auf schwarzem Grunde mit Gold bez.:
Das Bild ist wiederholt übermalt worden, der Holzrahmen leider durch den Wurm sehr zerstört.
An der Nordseite befestigt.
Denkmal der Frau Rosina Rüdinger, † 1641.
Sandstein, leider neu übermalt. Eine 80 cm breite und 173 cm hohe rechteckige Platte, oben und unten je eine an den Ecken abgerundete Tafel von Anläufern [28] begrenzt, mit Inschrift. Dazwischen Christus am Kreuze im Flachrelief, die Kreuzarme endigen im Dreipass. Am Fusse des Kreuzes kniet ein Weib, die Hände an das Kreuz gelegt. Die übrige Fläche neben dem Kreuze wird durch zierlich geformtes Rankenwerk in italienischer Art belebt. Oben bez.:
Am Kreuze oben bez. I.N.R.I.
Untere Tafel bez.:
Um den Rand bez.:
Die Füsse am Gekreuzigten beschädigt. Anläufer schon in Spätrenaissanceformen, Rankenwerk noch Frührenaissance. Tüchtige handwerkliche Arbeit.
An der Südseite eingemauert.
Denkmal des Georg Wilhelm Trosche, † 1694.
Einfache Bronzeplatte, 29 : 57 cm messend, bez.:
Dessen Gedaechtnus in Segen.
An der Nordseite des Altarplatzes eingemauert.
Denkmal des Christoph Ferdinand von Brandenstein, † 1788.
Sandstein, 260 cm hoch, etwa 140 cm im Durchmesser.
Eine mächtige Säulentrommel mit Fuss und Kopfgesims, vorn vorstehende Tafel mit der Inschrift, unter derselben schlingen sich zwei derbe Blattfestons hervor. Oben über einer Platte sitzt ein trauernder Knabe, den rechten Arm auf einer Urne (?), aus der Wasser strömt, wohl als Sinnbild des Elbstroms. Die Linke hält die (beschädigte) Lebensfackel in das Wasser. Bez.:
Er ward gebohren in Panis | bey Neustadt an der Orla | am XXVI. april MDCCLXX | badend ertrank er im Elbstrome bey Pillnitz am IV. sept. MDCCLXXXVIII.
Derbe wirkungsvolle Arbeit. Die Hände des Knaben beschädigt, durch Epheu leider sehr verwachsen.
Im östlichen Friedhofe aufgestellt.
Sandsteintafel, auf rothbraunem Grunde, seitlich abgerundet, 37 : 87 cm messend, golden bez.:
Auf der ersten Empore nach Süden zu eingemauert.
Friedhof, mit einer Mauer umgeben, der Zugang erfolgt von der Nordseite [29] durch je eine Rundbogenthüre und Thor. An der Nordseite Denkmäler der Familie Rüdinger, einfache Platten, um 1680.
Zwei weitere Denkmäler daneben aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Rococoformen. Inschrift meist unkenntlich. Besondere Beachtung verdienen einige Denkmäler in den Formen des Empire, nach 1800 entstanden.
Plantagengut, westnordwestlich der Kirche. An der Strasse ein Rundbogenthor, im Schlusssteine bez. F. J. V. L. E., darum zwei Zweige, unten: 1689.
Keppschloss. Im modernisirten nordwestlichen Theile des grossen Parkes ein Gartenhaus, rechteckiger Bau an einer Berglehne. Der Zugang erfolgt durch eine Freitreppe an der östlichen Schmalseite, mit hübscher Deckenbrüstung. Nach Süden zu in der Mitte ein Balcon, der in dem sichtbaren Untergeschoss als Vorbau mit Nische ausgebildet ist. Das einfache Balcongitter mit dem Monogramm C M und einer 16 zackigen Krone in Bezug auf Camillo, Grafen Marcolini.
Das Aeussere des schlichten Baues wird durch einfache Lisenen belebt, die sich in die Unterglieder des kräftigen Hauptgesimses verkröpfen. Die Balconthüre mit einfacher Profilirung. Innerlich ein grosser Raum ohne ältere Formen. An der westlichen Schmalseite ein moderner Anbau.
Das Haus soll früher mit einer Kegelbahn in Verbindung gestanden haben.
Künstliche Ruine in der Form eines Rundbaues, gegenüber dem Eingange eine rechteckige Erweiterung, die auch äusserlich ausgesprochen ist. Seitlich einfaches Spitzbogenfenster mit abwechselnd vorstehenden Quadern. Vor der Zugangsthüre eine toscanische Säulenstellung. Ueber dem Gebälk eine einfache Brüstung.
Kirchdorf, 6,4 km nordwestlich von Dresden.
Die Kirche (Fig. 27) war angeblich eine dem h. Laurentius geweihte Kapelle. Das Relief dieses Heiligen (Fig. 28) befindet sich noch auf dem Gewölbe-Schlussstein der Thurmvorhalle. Sie dürfte wohl als einheitlicher Bau um 1500 entstanden sein. Dafür sprechen das theilweise noch in dem alten Zustande erhaltene Sockelprofil, eine tiefe Kehle zwischen Plättchen, ferner eine einfache Spitzbogenthüre an der südöstlichen Chorseite, mit ihren Kehlprofilen und Ueberschneidungen. Der quadratische Thurm hat noch in drei Stockwerken seine alten Formen. Sein Hauptthor wurde bei dem Umbau 1869 im unteren Theile umgearbeitet. Die einzelnen Stockwerke sind durch Gesimse mit tiefen Kehlprofilen gegliedert. Im dritten Stock südlich und nördlich erhielten sich zwei Vorhangfenster. Das Maasswerk ist nur an der Nordseite theilweise noch erhalten; südlich hat man es durch Holzpfosten ergänzt.
In Höhe des Dachbodens an der südöstlichen Thurmecke umstehende Zahl (Fig. 29) und das grosse Zeichen (Fig. 30) auf den kräftigen Ortquadern. Desgleichen ist das Gesims des zweiten Stockwerkes durchgängig um den Thurm, [30] also auch innerlich herumgeführt, was zu der Annahme berechtigt, dass das Schiff früher viel niedriger ausgeführt war. Ein weiteres Steinmetzzeichen (Fig. 31) liess sich innerlich an der Ostseite des Thurmes nachweisen.
Der achtseitige obere Theil wurde 1869 durch die Baumeister Gebrüder Ziller in Oberlössnitz aufgebaut, worüber eine Tafel in dem vierten Geschoss
berichtet. Bis zu diesem Jahre schloss der Thurm nach der Süd- und Nordseite durch einfache Renaissancegiebel mit Satteldach wohl aus der Zeit von 1680 ab. Es wird dies auch durch eine Kirchenrechnung bestätigt, dass im Jahre 1680 für einen Kirchenbau 2025 Thlr. 9 Gr. 3 Pf. ausgegeben worden sind.
Gleicher Zeit gehört wohl der südöstliche, in der Breite des östlichen Joches gehaltene Sakristeianbau an, mit seinen aufgeputzten Diagonalrippen und einfacher, 46 cm im Durchmesser grosser Rosette, die etwa 7 cm vorsteht.
Nach Osten schliesst die saalartige, vier Joche lange Kirche in drei Seiten des Achtecks ab; der Thurm ist westlich angebaut. Die Fenster wurden beim Umbau durchgängig erneuert, desgleichen in einzelnen Theilen die Strebepfeiler.
[31] Laut Kirchenrechnung wurde das Innere 1750–56 erneuert. Es wurde eine horizontale Decke angelegt, auf der sich ein Gemälde befand, das den Heiland nach Apoc. Johannis 1, V. 16 darstellte.
Die Holzdecke, die zweigeschossigen Emporen, das Gestühl, die Orgel, sowie das Taufgehäuse sind durchweg erneuert. Im Untergeschoss des Thurmes erhielt sich das gothische Gewölbe mit Rippenprofil aus Schräge und Kehle.
In der Mitte ein Schlussstein, 50 cm im Durchmesser, darauf St. Laurentius mit dem Rost (Fig. 28). Zwischen Thurm und Schiff eine 2,96 m breite, spitzbogige Oeffnung, die äusserlich und innerlich gleichartig durchgebildet ist.
An der Westthüre erhielt sich äusserlich der alte Thürklopfer mit durchbrochenem Beschläge, Eisenblech, zwei Figuren, vielleicht Adam und Eva, umgeben von Rankenwerk, unten bez. 1680. | G. W.
Auch die Sakristeithüre hat noch die alten Schlösser und Beschläge. Innerlich auf einem kunstvollen Schnappschloss Eisenblechbeschlag; dargestellt ist auf diesem ein Mann mit einem Weibe, darum Rankenwerk mit Halbfiguren und Köpfen.
Altar (Fig. 32). Stattliches Werk in Holz geschnitzt, marmorartig bemalt, blaugrau und roth, 3,53 m breit, gegen 6 m hoch. Bei geschweifter Grundform seitlich je eine freistehende übereck angeordnete korinthische Säule auf Postament, dahinter doppelte Pilaster. Oben ein kräftiges verkröpftes Gebälk mit den Anfängen einer Stichbogenverdachung. Zwischen dem seitlichen Säulenbau in der Mitte eine breite nischenartige Oeffnung, korbbogenartig geschlossen, mit dem Kanzelzugang, oben in der Mitte die Taube, seitlich sind die geschweiften Flächen mit zierlichem Rococoschnitzwerk versehen. Die Kanzel ist in die Nische eingeschoben, [32] ebenfalls von geschwungener Grundform mit leichtem Rococoornament in den Füllungen und auf den verbrochenen Ecken.
Oben über dem Bogen ist vom Gebälk nur das Gesims in leicht geschwungener Form durchgeführt. Darüber ein Dreieck, umgeben von Wolkenhimmel mit beflügelten Kinderköpfchen und einem goldenen Strahlenkranze. Das Dreieck, hebräisch „Jehova“ bezeichnet, auf einem lichtdurchlassenden Stoffe. Seitlich auf den Verdachungsanfängen zwei knieende Engel.
Beiderseitig vom Altar auf Postamenten vor der Säulenstellung zwei in Holz geschnitzte Figuren. Rechts: Paulus, predigend, in der rechten Hand das Schwert, die linke erhoben, der Mund ist geöffnet; langes, stark bewegtes Kopf- und Barthaar lässt vom Gesicht. nicht viel frei. Links: Petrus (Fig. 33), den Kopf nach rechts gewendet, in der rechten Hand zwei Schlüssel, in der linken ein Buch. Der linke Fuss ist vorgesetzt mit starker Hüftenbewegung.
Beide Figuren sind tüchtige, künstlerisch durchgeführte Arbeiten. Ganz besonders verdienen die hochgegürteten, im oberen Theile starkbewegten Gewänder Beachtung mit ihrem grosszügigen Faltenwurfe.
Laut Kirchrechnung fertigte den Altar der Bildhauer Joh. Gottfr. Knöfel, er erhielt für die Bildhauerarbeit 130 Rthlr.; die Tischlerarbeit lieferte Joh. Peter Petani aus Dresden, die Malerarbeit Georg Friedrich Müller. Das Ganze kostete 385 Rthlr. 6 Gr. 8 Pf. und wurde den 31. October 1756 eingeweiht.
Die Orgel war ein Werk des Hoforgelbaumeisters Hähnel, wurde 1752 vollendet und kostete 2081 Rthlr. 20 Gr. 1 Pf., während sie nur mit 1400 Rthlr. veranschlagt war.
Die alten Glocken. Die grosse bez. Verbum Dei manet in aeternum, dazu die Namen des Superintendenten, des Pfarrers Böhme, des Schullehrers Andr. Großer und der damaligen Kirchväter. Im Jahre 1682 gegossen.
Die mittlere, bezeichnet wie die vorige, von Mich. Herold 1677 gegossen.
Die kleinere bez.:
Die kleinste von Michael Herold zu Dresden 1676 gegossen.
Die jetzigen drei Glocken sind 1869 von Johann Gotthelf Große gegossen.
[33] Ein Crucifixus (Fig. 34), in Holz geschnitzt, an einfachem kräftigen Holzkreuz, unten ein geschweifter postamentartiger Untersatz mit Todtenschädel und Knochen. Die Figur, 1 m hoch, ist eine gute Arbeit. An der rechten Hand fehlen die Glieder zweier Finger. Die Figur wurde leider bei einer Renovation mit Gold übermalt. Es dürfte vielleicht diejenige sein, die Adam Gottfr. Mitreuter zu Dresden 1695 spendete.
Jetzt in der Thurmhalle südlich aufgestellt.
Vortragkreuz, besonders reizvolles Stück, mit vergoldetem Kreuze aus durchbrochenem Eisenblech, dem Christus in Blei und bemalter durchbrochener Darstellung des Sündenfalles.
Bez. Memento mori. 18. Jahrh.
Jetzt in der Sammlung des K. S. Alterthumsvereins zu Dresden, Nr. 257.
Laut Inventar der Kirche wurde das Kreuz 1884 dorthin überwiesen, desgleichen eine Figur in Holz geschnitzt, nach Angaben Prof. Steches, wohl St. Laurentius, etwa 75 cm hoch. Ueber den Verbleib der letzteren ist mir nichts bekannt.
Zwei weitere weibliche Figuren, handwerklich in Holz geschnitzt, etwa 70 cm hoch, dem Ende des 17. Jahrhunderts angehörig, wurden mit Einwilligung des Alterthumsvereins 1884 verkauft.
Abendmahlkanne, Zinn, 25 cm hoch, 15,5 cm Fussweite. Einfach, cylindrisch, mit Ausgussansatz, stark überhöhtem Deckel, kräftigem Fussprofil. An dem Deckel eingravirt ein Oval, darum Strahlen, bez. Jehova. Darunter bez.:
[34] Unter dem Ausgusse am Bauche eingravirt der Gekreuzigte, rechts ein Engel mit einem Kelche, dessen Herzblut auffangend. Seitlich bez.:
Das ist das wahre Blut | unsers Herrn Jesu Christi; vor unsre Sünde am Creutze vergossen.
Siehe das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde träget.
Im Boden bez.: Johann Gottlob Vogel | Kirch-Vater | in Micken.
Dazu Dresdner Beschau und die nebenstehende Marke.
Die Kanne dürfte der Zeit um 1680 angehören.
Hostienschachtel, Silber, vergoldet, 12,5 cm im Durchmesser, 8,5 cm hoch. Einfach cylindrisch, Deckel wenig überhöht, darauf ein Crucifixus eingravirt. An der Fussplatte und am Deckel das getriebene Profil wie bei der Kanne. Bez.:
Im Boden gemarkt wie beistehend.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 218 mm hoch, 130 mm Fussweite. Genau wie der vorige geformt, am Fusse bez.:
Es dürfte sich dies nur auf eine Erneuerung der Cuppa beziehen. Laut Kirchrechnung wurde die Cuppa 1828 vom Goldarbeiter Schiller umgegossen (!).
Ungemarkt.
Patene, 155 mm im Durchmesser, auf dem Rande im Kreise ein einfaches Kreuz. Bez.:
Marke theils abgearbeitet, noch wie nebenstehend erkenntlich.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 22 cm hoch, 15,5 cm im unteren Durchmesser, mit sechspassigem Fuss und Stiel, rundem Knauf. Am Fusse bez.:
Ungemarkt. In den Formen später Renaissance.
Patene dazu, 152 mm im Durchmesser, bez.:
Eine weitere Patene, 152 mm im Durchmesser, mit abgearbeiteter Umschrift, bez.: gebohrne Martin . . . . . . . . . . 17 . .
Abendmahlkanne, Silber, vergoldet, 175 mm hoch, 129 mm Fussweite. Einfach cylindrisch, auf der Fussplatte und am Deckel einfache Form eingeschlagen, seitlich vertikaler Henkel, seitlich am Bauche beistehendes Wappen, bez.: S. V. K. | 1717. in Bezug auf Simon von Kerssenbrock und seine Gemahlin, anscheinend eine geb. von Monjou.
Im Boden gemarkt wie nebenstehend.
Taufschüssel, Zinn, 49,5 cm im Durchmesser. Einfach schüsselförmig, auf dem breiten Rande bez.:
Ungemarkt.
Zwei Altarleuchter, Zinn, 42,5 cm hoch, 23,7 cm Fussweite. Mit breitem, kräftigen Fuss, der Schaft sehr bewegt profilirt, Kehlen, Rundstäbe und kräftige [35] Birnenformen wechseln mit einander ab. Oben der schüsselförmige Kelch mit Dorn versehen. Die ganze Mantelfläche ist passicht behandelt. Am Fusse bez.:
Ungemarkt.
Bildniss des Pfarrers M. Christian Kühn, † 1719.
Brustbild, in Oel, auf Leinwand, 74 : 92 cm messend, oval begrenzt.
Der Verstorbene, in weisser Perücke, kleiner Halskrause, hält in der linken Hand ein Buch, die rechte weist darauf. Bartloses Gesicht. Ueber dem Rahmen eine goldene Krone, rechts Lorbeer, links Palmenzweig, unten auf Holzdraperie bez.:
Die Farbe ist durchweg rissig, theils schon abgefallen.
An der Südseite der Thurmhalle.
Gedenktafel, Bronze, 82,5 cm hoch, 57 cm breit, oben und unten kreisförmig begrenzt, sonst einfach. Bez.:
Auf der Nordseite in der Thurmvorhalle eingemauert.
Ueber der Hauptthüre an der Westseite befindet sich noch eine kleine Bronzetafel, rechteckig, 24 : 38 cm messend, bez.:
Gedenktafel, Bronze, 61 cm breit, 81,5 cm hoch, einfach, geschweift, oval, bez.:
A. XP. Ω.
In der Thurmvorhalle an der Nordseite eingemauert.
Bildniss des Pfarrers M. Johann Friedrich Escher, † 1791.
Brustbild, in Oel, auf Leinwand gemalt, 72 : 94 cm messend.
Das bartlose, ausdrucksvolle Gesicht wird von weissem Kopfhaar begrenzt, kleine Halskrause auf dem schwarzblau getönten Talar. Die linke Hand liegt auf einem geöffneten Buche, die rechte zeigt danach. Im Hintergrunde rechts und links der untere Theil zweier Säulen mit Unterbau, kaum noch erkenntlich. Schwarzbrauner Hintergrund. Holzrahmen. Unten eine Draperie aus Pappe, bez.:
Das Bild ist leider von unberufenen Händen übermalt und ausgebessert worden. Jetzt wenig farbig.
In der Thurmvorhalle.
[36] Pfarrhaus. Südöstlich vor der Kirche gelegen, im Jahre 1686 erbaut. In der Grundform ein regelmässiges Rechteck mit dem Eingange in der Mitte. Auffallend ist auch hier, wie in Döhlen (Heft XXIV), die geräumige, etwa in der Mitte angeordnete Halle im Erdgeschoss mit dem eingebauten Treppenhause, um die sich die Wohnräume gruppiren. Die Giebelseiten sind mit Krüppelwalmdach versehen.
Schlichte Hausthüre an der Hofseite, im Rundbogen geschlossen, mit kräftiger Rustica umrahmt, Schlussstein bez. 1686.
In der Grenzmauer zwischen Pfarr- und Kirchhof eine einfache abgefaste Rundbogenthüre.
Kirchdorf, 4,2 km östlich von Radeberg.
Kirche. Anscheinend frühgothischer Bau, von dem jedoch wenige erkennbare Reste übrig blieben. Im Grundriss ein schlichtes Rechteck; die Sakristei später nach Südosten angebaut. Spätere Anbauten: an der Südseite eine Vorhalle, wohl vom Umbau von 1735–1736 stammend, und nach Westen zu ein Gerätheraum.
Aeusserlich nach Osten und Westen zwei spitze Giebel; an ihnen erhielten sich noch die ganz schlichten frühgothischen Anfänger, kräftige Kehle mit Platte, ferner einfache Steinkreuze als obere Abschlüsse. Dachreiter von achtseitiger Grundform mit glockenförmiger Haube.
Das Innere hat an Stelle der früheren mit 48 Tafeln bemalten Decke eine solche in flachem Verputz erhalten. Emporen nach allen Seiten, die südliche von 1735. Diese waren an den Brüstungen ebenfalls mit Gemälden versehen. Altar und Kanzel als ein Aufbau in steifen Formen, wohl von einem Umbau aus den Jahren 1786–1787 stammend. Die Kanzel stand früher an der Südseite.
An der Westseite im Innern der Kirche sind bescheidene Reste der alten gothischen Spitzbogenthüre sichtbar. Von dem gothischen Beschlage dieser Thüre ein Band im Besitze des Herrn Friedensrichter Seelig in Langebrück. Interessante Arbeit wohl des 15. Jahrhunderts (Fig. 35).
Zwei Glocken vom Jahre 1870. Von den älteren war eine bezeichnet: Wolf Hilger gos mich Anno MDLXXV, die andere war 1718 von Michael Weinhold gegossen worden.
Auf dem Kirchboden Ueberreste der früheren, 1787 beschafften Orgel in Spätrenaissanceformen, gut geschnitztes bemaltes Rankenwerk, das Werk des Kleinröhrsdorfer Einwohners Mierisch.
Altarbild, Relief, die Dreieinigkeit, in Holz geschnitzt, bemalt, 110 cm hoch, 90 cm breit, im Stichbogen geschlossen. In der Mitte Gottvater, sitzend, [37] auf dem Haupte die Krone, mit langem Vollbart, hält vor sich mit beiden Händen den horizontalen Arm des Kreuzes, an diesem der Heiland. Ueber ihm die Taube. Daran, seitlich zwei gedrehte Kerzen, rechts und links hinter Gottvater halten zwei Kindengel ein Tuch. Dahinter ein ornamentirter Goldgrund.
Treffliche Arbeit aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, namentlich der Gottvater ist von grosser Würde und feierlichem Ernst.
Das Relief ist in dem jetzigen Altaraufbau unter der Kanzel eingesetzt und im Jahre 1901 bei Renovation der Kirche übermalt worden.
Weibliche Figur, in Holz geschnitzt, Reste von Bemalung noch sichtbar, 96 cm hoch. Das lange Gewand, überhaupt die ganze Stellung der Figur ist sehr schematisch durchgeführt. Die Arme sind erhoben, die Hände liegen auf der Brust. In dem oben horizontal abgeschlossenen Kopfe ist ein Dorn sichtbar. Vermuthlich diente die Figur als Trägerin einer Kanzel.
Bis auf die abgeschlagene Nase ist die Figur noch gut erhalten.
Handwerklich durchgeführte Arbeit wohl der Mitte des 16. Jahrh.
Jetzt auf dem Boden des Pfarrhauses.
Der auferstandene Christus, in Holz geschnitzt, bemalt, 70 cm hoch, um den Körper ein stark bewegter Umhang, der den Oberkörper theils frei lässt. Die rechte Hand nach vorn erhoben, die Siegesfahne in der Linken fehlt, nur der Ansatz ist noch sichtbar. Wohl vom Schalldeckel der alten Kanzel.
Jetzt über der Pfarrhausthüre unter einem alten Unterbau in Renaissanceformen aufgestellt. Handwerkliche Arbeit der Zeit um 1600.
Kupferstich, 31 : 18 cm messend, Ende 18. Jahrhundert, von Christian Gottlieb Liebe, einem Schüler Oesers: der Crucifixus. Derb ausgemalt, in Rahmen.
Der Stich hängt in der Sakristei; sehr beschädigt.
Taufschüssel, Zinn, 35 cm Durchmesser, 5 cm tief, bez.:
Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke und nebenstehendem Zeichen
Hostienteller, Zinn, 155 mm im Durchmesser, bez.:
Dazu Dresdner Stadtmarke und die nebenstehende Marke.
Abendmahlskanne, Zinn, 22 cm hoch, 13,5 cm im unteren Durchmesser. Der cylindrische Mantel und der überhöhte Deckel sind reicher profilirt, seitlich ein vertikaler Henkel. Am Mantel bez.:
Auf dem Deckel: Der Kirche | zu | Klein Reersdorff | 1797.
Im Deckel nebenstehende Marke unklar. Dazu Dresdner Stadtmarke.
Abendmahlkelch, 35 cm hoch, die glockenförmige Kuppa 10 cm weit, bez.: K. S. H. Obitz. 1810.
[38]
Denkmal des Pfarrers Johann Gottfried Kretzschmar, † 1795, und seiner Ehefrau Sophia Elisabeth Kretzschmar, † 1785.
Sandstein, 185 cm hoch, 90 cm breit.
Sockelunterbau von quadratischer Grundfläche, darüber eine stark verjüngte, cannelirte Säule, seitlich zwei elliptische Tafeln mit der Bezeichnung, unten zwischen diesen ein Buch, oben um die Säule Gehänge, als Abschluss nach oben ein vasenartiger Aufbau. Im Sockel vorn zwischen zwei einfachen Feldern ein Kelch. In klassicistischen Formen. Die Inschriften beziehen sich auf Johann Gottfried Kretzschmar, Pfarrer, geboren in Wehlen bei Pirna am 6. November 1724, gestorben am 23. October 1795; links auf Sophia Elisabeth geb. Hentzschelin, in Dresden geboren 1737, gestorben am 31. März 1785.
An der östlichen Friedhofsmauer aufgestellt.
Bis auf die Schrift in gutem Zustande.
Denkmal des Johann Gottlieb Kretzschmar, † 1795.
Sandstein, 210 cm hoch, 80 cm breit.
Ein kräftiges Postament mit dem Leichentext, mit einfachen Platten profilirt. Darüber ein Obelisk mit einem Fels, auf dem sich die Bezeichnung findet. Als oberer Abschluss dient eine Vase. In kräftigen Empireformen. Unter Anderem bez.:
An der östlichen Friedhofsmauer aufgestellt. Gut erhalten.
Mühle, Nr. 26. Ueber der einfachen Hausthüre, im Stichbogen geschlossen, eine rechteckige Holztafel mit dem Müllerwappen, plastisch durchgeführt ein halbes Rad, darunter Zirkel, Winkel und Hammer, gehalten wird das Ganze beiderseitig von zwei Löwen. Nach unten zu schliessen zwei gekreuzte Blattzweige ab. Bez.: Ora et labora | C. W. P. | J. G. P. 1793.
Kirchdorf, 3,5 km südöstlich von Radeberg.
Kirche (Fig. 36), spätgothischer Bau, 1689–1691 und 1712 umgebaut. Der Chorraum im halben Achteck geschlossen, nach Norden zu ein zweigeschossiger Anbau, der durch eine einfache gotische Sandsteinthüre (Fig. 37) mit ersterem verbunden ist. Der untere Theil, früher Sakristei, ist in der Tonne eingewölbt, darüber die herrschaftliche Betstube von 1691, die von aussen zugänglich und äusserlich als Fachwerksbau ausgebildet ist. Die jetzige Sakristei wurde im Jahre 1874 nach Süden zu angebaut. An das Altarhaus stösst das etwas breitere Schiff, beide sind von einander durch einen spitzbogigen Triumphbogen getrennt. Weiter nach Westen zu liegt in gleicher Breite das Thurmhaus, das angeblich erst 1864 angebaut, zu dieser Zeit aber wohl nur mit neuen Fenstern und Thüren versehen wurde. Im Aufriss gehören zur ältesten Bauzeit der Sockel (Fig. 38) des Chores mit den drei darüber liegenden, theils nach unten zu vermauerten Fenstern. Der Thurm wurde 1724, 1766 und 1797 umgebaut
[39]und 1827 angeblich um 9 Ellen verkürzt und das Dach des Schiffes über ihn hinweg nach Westen weitergeführt. Ueber dem Schiffe ein Dachreiter (Fig. 40) mit Brett- und Schindelbekleidung. An der Süd- und Nordseite am obersten Gesims bez. 1827.
Die Kirche war noch mit Schindeln eingedeckt, der frühere Theil des Thurmes nach Westen zu dagegen mit Ziegeln. 1902 wurde der ganze Bau umgedeckt.
Im Innern der Chorraum einheitlich als Netzgewölbe eingewölbt; Rippenprofile zwei übereinanderstehende Kehlen (Fig. 39), die sich an den Stellen bei B überschneiden. Im Schiff horizontale Holzdecke durch Profilleisten in länglich rechteckige Felder getheilt. Emporen an der Süd- und Westseite theils in zwei Geschossen. An der letzteren wohl noch Ueberreste einer älteren Brüstung (Fig. 41), der übrige Theil vom 17. Jahrhundert in derben Renaissanceformen.
Sämmtliche Fenster- und Thürumrahmungen im Schiff und Thurme sind 1827 erneuert worden, ebenso das Hauptgesims. 1902 wurde das Innere ausgemalt.
[40] Altar. Am Altartische ist die alte gothische Platte aus Sandstein noch erhalten, das Profil eine Schräge mit Platte darüber. Der Aufbau, aus Holz, bemalt, eine freistehende dorische Säulenstellung über Postamenten, mit Gebälk darüber und durchbrochener Spitzverdachung, in derselben das Auge Gottes, umgeben von Wolken und einer Strahlenkrone. Seitlich von den Säulen Anläufer.
In der Predella zwischen den Postamenten ein ovales Bild, in Oel, auf Holz, 40 : 80 cm messend: Christus betet in Gethsemane, links die schlafenden Jünger, dahinter die anziehenden Feinde. Darüber als Hauptbild, in Oel, auf Holz, 65 : 90 cm messend: die Himmelfahrt Christi mit den Jüngern.
Das Ganze, vor Allem der Aufbau, ist eine derbe handwerkliche Arbeit wohl von 1691.
Kanzel, Holz, bemalt, über einer gedrehten Säule, besitzt noch Theile einer älteren Anlage: vier Felder der Brüstung. Jedes Feld hat im oberen Theile die übliche Rundbogenstellung mit Schlussstein und Kämpfergesims, im unteren Theile ein schmales rechteckiges Feld, beide sind eingefasst durch Rollwerk, oben als Abschluss kräftiges dorisches Gebälk, an den Seiten Triglyphen. Die Kanzel ist an der Südseite des Triumphbogens aufgestellt.
Glocken. Die grösste von 1484, 80 cm hoch, 96 cm unterer Durchmesser, oben an der Krone zwischen zwei Schnuren bez. (Fig. 42):
Die mittlere, 60 cm hoch, 75 cm unterer Durchmesser, oben zwei Schnuren, unbezeichnet.
Die kleine aus neuerer Zeit, unbezeichnet.
[41]Sammelbecken, Zinn, 19 cm Durchmesser, tellerförmig, in der Mitte mit einem emporstehenden Ringe, auf drei Füssen ruhend. Bez.:
Mit Dresdner Stadtmarke und beistehender Marke.
Zwei Altarleuchter, Zinn, 495 mm hoch, 200 mm im unteren Durchmesser, mit sehr kräftig weitausladendem Fusse, in Renaissanceformen durchgeführt. Am Fusse bez.:
Ohne Marken und Beschau.
Hostienschachtel, Zinn, 1864 mit Plüsch überzogen, 7,5 cm hoch, 13,5 cm im Durchmesser, einfach cylindrisch, seitlich bez.: Kirche | Kl. Wollsdorf. 1710.
Im Deckel Dresdner Stadtmarke und die beistehende obere Marke
Deckelkanne, Zinn, 25 cm hoch, 10,5 cm Fussweite. Mit schön geschwungenem Griff, Schnauze, Deckel und Deckelgriff. Am Fusse bez.:
Ungemarkt.
Abendmahlkelch, Zinn, 12,5 cm hoch, 8,5 cm Fussweite, einfach, kurzer Stiel, mit breiter Fussplatte. Ungemarkt.
Abendmahlkanne, Zinn, 34 cm hoch, 155 mm im unteren Durchmesser, von einfacher Form, mit vertikalem Henkel, auf dem Deckel bez.:
Gemarkt wie nebenstehend.
Crucifixus, aus Holz geschnitzt, 60 cm hoch. Handwerkliche Arbeit, stark mit Kalkfarbe überstrichen. Vielleicht ein älteres Werk, jedoch nicht mehr seiner Ursprungszeit nach erkennbar.
Jetzt an der Rückseite des Altars befestigt.
Reste eines Todtenschildes des Ernst George von Döhlau.
a) Degen, mit in Eisen geschnittenem Griffe, durchlöcherter Stichplatte, gebläuter und gravirter Klinge. Diese zeigt Ornament und einige nur theilweise lesbare Sprüche:
b) Zwei Fahnenstangen, eine mit hübscher durchbrochener Spitze (Fig. 43), die andere mit der schwarzen Trauerfahne, die auf beiden Seiten ein aufgemaltes goldenes Monogramm aus E G v D und die Jahreszahl 1683 trägt, in Bezug auf Ernst George von Döhlau, Kammerherr und Oberküchenmeister.
Erblehngericht. Wohnhaus nach Westen zu an der Strasse gelegen, zweigeschossiger Bau mit Gurt- und Hauptgesims, einfache [42] glatte Fensterumrahmungen. Vom Hofe aus an der Ostseite zwei kräftige, im Stichbogen geschlossene Thurmumrahmungen, im Schlusssteine derselben ein liegendes Lamm im Relief, darunter eine Kartusche, bez. G. H. M. | 1773.
Zwei Thorpfeiler, seitlich, nördlich vom Wohnhause, über dem Kopfgesims Vasen mit zwei Henkeln, seitlich Gehänge.
Zwei Thorpfeiler, jeder von einer Sandsteinfigur bekrönt, darstellend Bauernbursche und Bauernmädchen, 1 m hoch. Ersterer ruhig stehend, die Rechte an einem Baumstamme. Die linke Hand und Hutkrämpe fehlen. Das Mädchen rechend.
Hübsche Arbeiten des 18. Jahrh.
Rittergut. Das Herrenhaus besteht aus drei Theilen: den schlichten architektonischen Formen nach der älteste ist der südliche, massive, zweigeschossige mit Mansardendach versehene Bau, der im Erdgeschoss einen Saal mit Kamin in Stuckmanier und zwei Hinterzimmer, im Obergeschoss mehrere Räume enthält. Er gehört, soweit die wenigen Kunstformen erkennen lassen, der Zeit um 1720 an. Aeusserlich im Erdgeschoss kräftiger Putzquaderbau, im ersten Stock gequaderte Eckarmirung.
Im Anschluss an diesen Bau befindet sich ein weiterer Bautheil, der in den Geschosshöhen bescheidener, im Obergeschoss aus Fachwerk gebildet ist. Aeusserlich zeigt dieser die Formen der Zeit um 1790, doch weisen beispielsweise die schmiedeeisernen Gitter der Ostfenster auf eine frühere Entstehung.
Der nördliche Bau entspricht wieder mehr dem südlichen.
Der Südbau erhebt sich über einer ansehnlichen Futtermauer. Vom Thale der schwarzen Röder herauf führt eine vornehme Treppenanlage. Die Futtermauer dient dazu, den Park horizontal zu gestalten.
In der Achse des Mittelbaues steht eine Statue, Bacchus, in Sandstein ca. 2 m hoch, auf rechtwinkeligem Postament. Die Linke ist eingestemmt, die Trauben haltende Rechte ruht auf einem Baumstamme, das vorgezogene rechte Bein spielt. Um rechte Schulter und linke Hüfte ein Mantel. Tüchtige Arbeit der Zeit um 1750.
Hofthorpfeiler mit kräftiger Platte, über der zwei barocke, mit Masken und Gehängen verzierte Vasen. Etwa von 1720.
In der Achse des Parkes gegen die Strasse zu Gartenthorpfeiler aus Sandsteinquadern, nach vier Seiten lisenenartige Vorsprünge, Kopfgesims mit feinem Halsgliede, darüber Vasen in urnenartiger Form. Wohl um 1750.
Wegkreuz (Fig. 44), von derben Formen, 90 cm über den Boden vertieft vorragend, 68 cm breit, 42 cm dick. Auf der Rückseite ist ein Richtschwert dargestellt. Es hat einen 22 cm langen Griff, 23 cm lange gerade Parierstange und 5 cm breite Klinge.
[43]
Kirchdorf, 8 km nördlich von Dresden.
Die Kirche brannte 1802 ab. Die jetzige Anlage ist ein einheitlicher Bau aus den Jahren 1810 und 1811. Sie erhebt sich auf einer Anhöhe und besteht aus einem rechteckigen Saale, nach Osten angebauter Sakristei und einer nach Westen gerichteten Vorhalle.
Das Aeussere zeigt durchgehende Stichbogenfenster, Ziegeldach und über der Mitte des Saales einen Dachreiter von quadratischer Grundform, dessen seitliche Wandungen mit Schiefer verkleidet sind, während das flache Kuppeldach in grün gestrichenem Blech eingedeckt ist. Das Ganze mit den weniger hohen Anbauten ist trotz seiner Einfachheit nicht ohne malerischen Reiz.
Das Innere bietet wenig Beachtenswerthes. Schlichte Emporen in zwei Geschossen an drei Seiten, nach Süden, Westen und Norden. Der kunstlose Altar und die Kanzel in einem Aufbau.
Reste eines Altars. Ein Bischof, in Holz geschnitzt, 95 cm hoch, ohne Bemalung, bartlos, auf dem Kopfe die Mütze, die rechte Hand hält ein Buch; in langem faltigen Gewand. Das Gesicht, der linke Arm, die rechte Hand und die Füsse mit dem Untersatze sind stark wurmig und zerstört.
Ein Bischof, in Holz geschnitzt, 93 cm hoch, ohne Bemalung. Das Gesicht wird durch Vollbart umrahmt, auf dem Kopfe die Mütze, das lange faltige Gewand lässt einen Theil der Beinkleider, die in die Schuhe gezogen sind, noch frei. Beide Arme fehlen, Kopf und Füsse beschädigt.
Weibliche Figur, in Holz geschnitzt, 94 cm hoch, Reste von Bemalung am Oberkörper noch erkenntlich. Der Kopf ist durch eine Haube bedeckt, das Haar fällt beiderseitig daraus hervor über die Schultern, um den Hals eine Kette. Ein langes faltiges Gewand bedeckt den Körper, dessen Bewegung nach der rechten Seite durch das vorgestellte Bein ausgesprochen ist. Arme abgeschlagen, Gesicht und Untersatz beschädigt.
Alle drei Figuren stammen aus einem Altarwerke und sind ausdrucksvolle Arbeiten der Zeit um 1480.
Jetzt auf dem Sakristeiboden.
Zwei Glocken. Die grosse, 89 cm im Durchmesser, 70 cm hoch, am Mantel bez.:
Am Halse bez.:
Die kleine, 71 cm im Durchmesser, 55 cm hoch. Am Halse ebenso bezeichnet.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 190 mm hoch, 123 mm Fussbreite. Sechspassichter Fuss, runder, eierstabartig behandelter Knauf und Stiel, sonst einfach. Marken abgearbeitet. Wohl erste Hälfte des 18. Jahrh.
[44] Abendmahlkanne, Zinn, 17 cm hoch, 17 cm im unteren Durchmesser. Einfach gedrückte Form, Bauch nach der Fussplatte zu als flache Kehle, auffallend breit gezogen, flacher Deckel mit kugelförmiger Ueberhöhung in der Mitte.
Seitlich vertikaler Henkel. Auf der ganzen Oberfläche ist Rankenwerk eingerissen, am Mantel vorn ein springendes Reh und seitlich dazwischen je ein liegendes.Auf dem Deckel bez.: A. E. G. 1743., am Bauche bez.:
Auf dem Henkel eine Marke, die andere abgearbeitet.
Crucifixus, 96 cm hoch, Figur aus Alabaster, 32 cm hoch, an einem schwarzen Holzkreuz, über einem kräftigen Postament mit weitausladender Fussplatte befestigt. Der Gekreuzigte hängt sehr tief. Breites Lendentuch mit Quasten. Oben ein Schriftstreifen aus Alabaster, bez IESUS NAZAREN REX IUDEORUM. Am Fusse des Kreuzes ein Todtenschädel. An der vorderen Seite des Postaments eine Kartusche in ausgesprochener Barockform, seitlich je ein Spitzquader, alles aus Alabaster genau wie in Lausa gearbeitet. An der Rückseite der Fussplatte bez. F. G. M. 1800. Es dürfte sich diese Zahl wohl nur auf eine Erneuerung beziehen. Die Arme des Gekreuzigten sind angebrochen.
Das Ganze ist eine besser durchgeführte Arbeit des endenden 17. Jahrh. (?)
Klingelbeutel, einfach, bez. K. K. 1801.
Kirchdorf, 10 km nordwestlich von Dresden.
Die Parochie wurde nebst Collatur 1354 vom Bischof Johann I. dem Archidiakonat zu Briessnitz, das hier einen Vicar hielt, übergeben. 1429–30 wurde sie mit dem ganzen Orte von den Hussiten zerstört. Vor 1477 dürfte der Wiederaufbau begonnen haben, auf den die Sandsteintafel am Thurm Bezug nimmt.
Die Kirchenacten vom Jahre 1656, welche Herr Pfarrer Hiecke gütigst zur Einsicht überliess, berichten:
Am 25. September 1656 wurde auf den neu erbauten Kirchenthurm Knopf und Fahne aufgesetzt, nachdem ihn „der Schwedische General Hannß Banner, bey wieder das ganze Röhmische Reich geführten schwerren Kriege Ao̅. 1637 den 14. Marty nebenst Glocken, Kirche, Pfarr und Schule, wie auch ganzen Marckflecklein, so über 100 Baustädte bestehet, totaliter eingeäschert.“ – Der Kupferschmidt hat 20 fl. 14 gr., der Maler 20, der Schlosser 20 Thlr. dafür bekommen. Churfürst Johann Georg I. schenkte zum Bau 250 Gulden, ausserdem 114 Stämme Eichen-, Kiefern- und Tannenholz aus der Dresdner Haide. „Weiter verehret der Schwedische damals in Leipzig gelegene General fünfzig Gulden, sowie 44 Thlr. die gesambten Bergkherren auß der Residenz Stadt.“
[45] Der Baumeister war der Churf. Landbaumeister Ezechiel Erhardt, „so den Thurm besichtiget und den Grund auf einen Leinenboden tüchtig undt richtig befunden.“ – 150 Thlr. erhielten der Zimmermeister Martin Günther und sein Mitkonsort Georg Fuchß, beide von Altdresden, 165 Thlr. der Maurermeister Christopf Baumgarten von Ruppendorf.
Verschiedene Arbeiten wurden in den Jahren 1678–79 vom Maurermeister Andreas Hoffmeister ausgeführt, unter anderen wird die Erbauung einer „neuen Sakristeij und Empohrkirche“ erwähnt.
Eine grössere Thurmreparatur erfolgte 1745.
Die jetzige, südöstlich gelegene Sakristei wurde 1853 erbaut.
Die Kirche erhielt in den Jahren 1884–85 ihre derzeitige Gestalt durch Karl Weißbach und Architekt Barth in Dresden. Aus den von Herrn Geheimrath Professor Weißbach zur Verfügung gestellten Unterlagen geht hervor, dass sich der Umbau in der Hauptsache auf eine Verbreiterung des saalartigen Schiffes erstreckte, welches früher 11,50 m hatte, jetzt aber 17,50 m lichte Weite hat. Der Thurm erhielt an Stelle seiner glockenförmigen Haube und Laterne gothische Formen. Der gothische Chor im Osten [46] behielt seine alte Gestalt (Fig. 45). Er ist in drei Seiten des Achtecks geschlossen, an welche sich noch zwei gerade Joche nach Westen zu anschliessen.
Der Strebepfeiler-Sockel, das Hauptgesims (Fig. 46), wie das Maasswerk sind fast nur aus Kehlen und Platten profilirt. In der Achse ein dreitheiliges Ostfenster (Fig. 47), die seitlichen Fenster sind einfacher gehalten (Fig. 48).
Im ersten südöstlichen Joche zeigt sich äusserlich ein vermauertes zweitheiliges Fenster mit Maasswerk, das im oberen Theile in einem Kreise zwei Fischblasen enthält. Einzelne Stücke im Maasswerk sind erneuert.
Der Chor ist überwölbt mit einem Rippennetzgewölbe, das Rippenprofil zeigt eine kleine und grössere Kehle. Auf den Kreuzungen der einzelnen Rippen sind plastische sechszackige Sterne aufgesetzt.
Alt sind ferner der Unterbau des westlich angebauten Thurmes, zwei Geschosse hoch, in quadratischer Grundform; am Sockel erhielt sich die Kehle in überarbeitetem Zustande.
An der nordwestlichen Seite eingemauert eine Sandsteintafel (Fig. 49), bez.:
Das Schiff der Kirche erhielt nach der Zerstörung von 1637 eine Holzdecke durch Meister Andreas Schirmer von Tharandt. Er wurde den Acten nach am 4. Nov. 1645 mit der Arbeit betraut, worüber sich folgende Notiz vorfindet: „Es verdinget unsere Kirchfahrt die Decke der Kirche alhier umb und vor Einhundert undt sechzig gulden, daß er solche nach dem muster der Grumbacher Kirchen Decke verfertige.“
Die alte Wetterfahne, aus durchbrochenem Eisenblech in Barockformen hergestellt, bez. 17 † 46 | Jesus. Jetzt im Pfarrgarten.
Altar. Laut Kirchrechnung wurde der Altar im Jahre 1638 von „Zacharie Heegewald, Churf. Sächs. fürnehmer Bildenhauer eingefaßet, kost mit seinen [47] 4 Taffeln von Alabaster als die Geburt, die Tauffe, die Aufferstehung und Himmelfahrt 130 Thlr. Das Futter darzu und das Mahlerwergk kostete 130 Thlr.“
Leider wurde dieser Altar beim Umbau beseitigt; es erhielten sich nur folgende Theile:
Drei Alabasterreliefs, als: 1. die Geburt, 25 : 34 cm messend (Fig. 50);
2. die Taufe, von derselben Abmessung (Fig. 51);
3. die Himmelfahrt, im Kreise begrenzt, 48 cm im Durchmesser (Fig. 52); als oberster Abschluss vom Altar; sechs Jünger rechts und sechs Jünger links vom Heiland. Das Ganze umgeben von kräftigem Rollwerk, 110 : 150 cm messend.
Leider sind die Alabasterreliefs vielfach mit Farbe überstrichen, so dass sie jetzt Skizzen ähnlicher sehen als ausgeführten Arbeiten. Kunstgeschichtlich sind sie bemerkenswerth als urkundlich beglaubigte Arbeiten Hegewalds.
Das vierte Relief wurde vom Kirchenvorstande verkauft.
Unter der Himmelfahrt, auf einer Sandsteinplatte, im länglichen Oval begrenzt, ist die Einsetzung des Abendmahls handwerklich aufgemalt. Christus in der Mitte, vor ihm Johannes, links fünf weitere Jünger, rechts die sechs anderen. Das Ganze diente wohl als Predella.
Jetzt im Confirmandensaale.
Weitere Reste vom früheren Altar sind nachfolgend beschriebene Statuen:
1. Der Salvator mundi, Sandstein, 67 cm hoch, auf der Weltkugel stehend, in langem Gewande, mit einem Umhang um die Schultern und den Hals. Der linke Arm ist abgeschlagen, die rechte Hand beschädigt. Die Figur bildete wohl früher den oberen Abschluss vom Altar.
2. Apostel Paulus (Fig. 53), Sandstein, 77 cm hoch, mit langem Vollbart, [48] in der linken Hand ein Buch, in der rechten das Schwert mit abgeschlagenem Griffe.
3. Apostel Johannes (Fig. 54), Sandstein, etwa 77 cm hoch, bartlos, mit langem Umhang um Schultern und Hals, lockigem Kopfhaar, in der linken Hand einen Kelch, darüber mit einer Schlange.
4. Beflügelte weibliche Figur, Sandstein mit Holzflügeln, 60 cm hoch, stark bewegt. Das rechte Bein ist vorgeschoben und steht auf einer Kugel. Das faltige Gewand lässt Unterschenkel mit den Füssen und die Arme frei. Der linke Arm ist abgeschlagen, der rechte Fuss beschädigt.
5. Beflügelte weibliche Figur, Sandstein, 55 cm hoch, mit stark bewegtem
Gewand und Kopfhaar. Die Beine und Holzflügel sind abgeschlagen. Beide Hände halten einen gebogenen Stock.
Es sind dies alles tüchtige, sorgfältig durchgeführte Arbeiten, die leider im nördlichen Treppenhause ungünstig aufgestellt sind und durch Kalkanstriche an Feinheit eingebüsst haben.
Holztafel mit Renaissanceumrahmung durch Anläufe und Rollen gebildet, im Rechteck 35 : 43 cm messend. Die Verkündigung in abgeschlossenem Raume mit Leimfarbe, noch erkenntlich ist die Jungfrau mit einem Buche, oben ein Engel in Wolken. Malerei sehr handwerklich. 17. Jahrhundert.
Auf dem Pfarrboden.
Gemälde, der segnende Heiland.
Auf Leinwand, in Oel, 81 : 111 cm messend, Brustbild.
Das Gesicht wird von rothbraunem Kinn- und Schnurrbart umrahmt, hinter dem Haupte ein weisser Schein. Um den Oberkörper ein rother Umhang. Die [49] rechte Hand ist segnend erhoben, die linke trägt die Weltkugel mit einem Kreuz. Unbezeichnet.
Im Thurme unter der Glockenstube. Stark beschädigt.
Zwei schmiedeeiserne Gitter, je 1,40 m lang, in hübschen Rococoformen. Der mittlere Theil einfacher, mit vertikalen Stäben, die eine Seite und der obere Theil in sehr bewegten Formen, gefüllt unter Zuhülfenahme von geschmiedetem Eisen. Oben in der Mitte das eine bez. 1755, das andere bez.: J. S. A.
Beide Gitter bildeten bis zum Jahre 1884 den seitlichen Abschluss des Altars.
Rest der Kanzel. Es erhielt sich die Brüstung in vier Seiten des Achtecks. An den Ecken freistehende dorische Säulen mit attischer Basis, darüber ein kräftiges Gebälk. Im Gesims Zahnschnitt. Zwischen den Säulen vertiefte Rundbogenöffnungen, seitlich kräftige Diamantquaderung, in denselben aufgemalt die vier Evangelisten, entsprechend bez.: S. Mattheus. S. Marcus. S. Lucas. S. Johanes. Alle stehen schreibend an Pulten, hinter ihnen die entsprechenden Attribute.
Jetzt im Confirmandensaale als Lehrpult benutzt.
Schalldeckel, achtseitiges Gebälk, bez. Ihr seid es nicht die da reden.
Meister Andreas Schirmer von Tharand erhielt 1642 60 Thlr., der Maler 40 Gulden für die Kanzel.
Jetzt auf dem Pfarrhausboden.
Figur des auferstandenen Heilandes, in Holz geschnitzt, 57 cm hoch, mit rothem Umhang, der linke Arm erhoben. Hände und Unterarme und linker Fuss sind abgeschlagen.
Tüchtige handwerkliche Arbeit. Wohl früher oberer Abschluss des Schalldeckels.
Ueber den alten Taufstein wird berichtet, dass er „von Herrn Bastian Walthern, weil H. Heegewald drüber verstorben, verfertiget worden, kost 50 Thlr., das Mahlwergk davon 30 Thlr., die Decke 12 Thlr.“
Der Taufstein wurde 1887 der Diaspora-Gemeinde Rosendorf i. B. geschenkt.
Orgel. Im Jahre 1651 wurde eine solche von Tobias Weller, Orgelmachermeister, gefertigt; es wurden ihm 1651 am 15. April 200 Gulden, am 18. November 100 Gulden und 1652 am 13. Januar 122 Gulden 18 gr. „zu voller genüge wegen des neuen verfertigten Orgelwergkes außgezaldt“.
Vier Glocken. Die erste und grösste vom Jahre 1834.
Die zweite, 81 cm hoch, 112 cm im unteren Durchmesser. Am Halse zwischen zwei kräftigen Schnuren bez.:
Johan Hillger consul fecit MDCXXXVIII aetatis suae LXXII.
Die Schriftzeilen sind durch je einen plastischen Kopf getrennt. Darunter ein Blattkranz.
Die dritte, 74 cm hoch, 91 cm im unteren Durchmesser, wie die vorige durchgeführt. Am Halse bez.:
Die Absätze der Schrift sind durch je einen Kopf getrennt.
Die vierte und kleinste vom Jahre 1871.
Der Glockengiesser Johann Hilliger erhielt 1649 über 1000 Thlr. für die Glocken.
[50] Gemälde, der Leichnam Christi.
Auf Leinwand, in Oel, 118 : 160 cm messend.
Der Körper liegt in einem weissen Tuche. Kopf und Barthaar sind dunkelbraun. Die linke Hand ruht auf der Brust. Die Farbe ist sehr verblichen. Auf der Rückseite bez.: Dona dedit | B. G. Weinart. | 1800.
Im Thurme unter der Glockenstube.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 18 cm hoch, 13 cm Fussweite, mit sechspassichtem Fuss, Stiel. Knauf mit Roteln. Auf demselben gothisches Maasswerk gravirt. Roteln bez. IHESVS. Darüber am Stiel bez. MARIA †. Darunter am Stiel bez. ANNA S †. Auf einem Fusspass aufgelegt: Christus am Kreuze, plastisch, seitlich links Johannes, rechts Maria gravirt. Die seitliche Wand der Fussplatte ist nicht durchbrochen. Ungemarkt. Anfang 16. Jahrhundert.
Zwei Altarleuchter, Messing, 443 mm hoch, 192 mm Fussweite, mit breitem glockenförmigen Fusse, reich profilirtem Stiel, im oberen Theile birnenförmig. Oben ein breiter tellerförmiger Abschluss mit einem Dorn. Der eine bez.:
Der andere bez.:
Hostienschachtel, Silber, vergoldet, 8,5 cm im Durchmesser, 6 cm hoch, einfach, auf drei Kugeln. Am Mantel kräftige Ranken und Blüthen gravirt, auf dem Deckel das Lamm mit der Siegesfahne. Innerlich bez.:
Dazu beistehende Marken, nach denen die Schachtel in Dresden gefertigt ist. Vergl. Rosenberg a. a. O. Nr. 625.
Abendmahlkanne, Silber, vergoldet, 16 cm hoch, 128 mm Fussweite, von einfach cylindrischer Form, mit vertikalem Henkel und Ausgussansatz. Die Mantelfläche ist aufs Reichste mit Rankenwerk und Blumen gravirt. Unter dem Ausguss in einem mit Aehren umgebenen Oval, bez.:
Gemarkt wie die Hostienschachtel, theils abgearbeitet. Die Kanne dürfte der Gravirung nach von demselben Meister geschaffen sein.
Abendmahlkanne, Zinn, 17 cm hoch, 15,5 cm Fussweite, von einfacher gedrückter Form, mit vertikalem Henkel und Aufgussansatz. Bez.:
Ungemarkt.
Abendmahlkanne, Zinn, 21,5 cm hoch, 17 cm Fussweite, sehr stattlich aber einfach. Am Deckel bez.:
[51] Am Mantel bez.:
Dresdner Beschau, Marke unklar.
Vortragkreuz, in Holz geschnitzt, Figur 31 cm hoch, vergoldet. Auf den Kreuzarmen schmiedeeiserne Blüthen, viertheilig. Der vertikale Arm bez. IN | RI. Unten ein Todtenschädel.
Eine vortreffliche, sorgfältig durchgeführte Schnitzerei aus der Zeit um 1750.
Im Treppenhause seitlich vom Thurme.
Crucifixus, Messing, versilbert, 43 cm hoch, an schwarzem Holzkreuze mit kräftigem geschweiften Unterbau. Der Körper hängt ziemlich tief. Das Haupt mit der Dornenkrone ist nach oben links gerichtet.
Gute Arbeit wohl der zweiten Hälfte des 18. Jahrh.
In der Sakristei.
Crucifixus, an einem neuen Holzkreuze. Der Gekreuzigte, 36 cm hoch, von Messing, vergoldet. Auf den im Dreipass endigenden Kreuzarmen drei beflügelte Engelsköpfe. Am Fusse des Kreuzes Gebeine.
Im Confirmandensaale.
Denkmal des Pfarrers M. Augustin Brescher, † 1675.
Sandstein, 95 cm breit, 200 cm hoch.
Der Geistliche in voller Amtstracht, mit starkem Kinn- und Schnurrbart, in langem Talar, er hält in der linken Hand ein Buch, in der rechten ein Käppchen. Im Hintergrunde eine flache Nische. Die Inschrift auf der Umrahmung ist gänzlich zerstört. Die Nase ist auch abgeschlagen. Der untere Theil steckt im Erdboden. Derbe Arbeit.
Am Chor äusserlich an der Ostseite aufgestellt.
Bildniss des Pfarrers M. Johann George Lucius, † 1694.
Auf Leinwand, in Oel, 103 : 130 cm messend, Brustbild.
Volles bartloses Gesicht, schwarzes Käppchen auf dem Kopfe. Beide Hände halten ein Buch. Besser durchgeführte Arbeit. Bez.:
Darunter ein schwer erkenntlicher Bibelspruch.
Das Bild mit kräftigem einfachen Renaissancerahmen fand sich im Thurme unter der Glockenstube in leider sehr zerstörtem Zustande.
Reste eines Grabdenkmals, bestehend aus zwei lebensgrossen Figuren aus Sandstein, rechts ein Mann, Chronos (Fig. 55), die Zeit beflügelt, das bärtige Haupt aufwärts gerichtet, der linke erhobene Arm hält das stark bewegte Hüftentuch; die rechte Hand zeigt wohl nach der nicht mehr vorhandenen Grabinschrift.
Links ein klagendes Weib (Fig. 56), eine Todesgenie in sehr bewegtem faltigen Gewande, die linke Hand hält eine Fackel, der rechte erhobene Arm führt mit der Hand ein Tuch nach dem Gesicht. Seitlich von beiden Figuren sind die Reste einer durchbrochenen Brüstung in Barockformen, ein kleines Gefäss steht darauf.
[52] Beide Figuren sind vortreffliche, ausdrucksvolle Arbeiten, nicht ohne tiefere Beseelung. Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. An der Ostseite äusserlich aufgestellt, es wäre ein geschützter Standort sehr erwünscht.
Denkmal des Caspar Christian Kober, † 1738, und zweier Frauen, der Johanna Sophia, † 1704, und der Anna Maria, † 1733.
Drei lebensgrosse Marmorbüsten.
In der Mitte: Caspar Christian Kober (Fig. 57), mit bartlosem vollen Gesicht und langer starker Perücke auf dem grossen Kopfe. Ein Unterkleid schliesst den Hals eng ab, darüber ein Rock. Die Oberarme sind durch einen Umhang verdeckt, der das Ganze abschliesst.
Rechts: Frau Johanna Sophia, mit weit ausgeschnittenem Oberkleide. Das gescheitelte, schematisch behandelte Haar wird am Hinterkopfe durch einen Kopfaufputz verdeckt. Der obere Theil der Ohrmuschel ist mit eingeflochten.
Links: Frau Anna Maria, ganz ähnlich wie die Vorige durchgeführt. Das gescheitelte Haar ist in Zöpfe geflochten, die in den Nacken fallen.
Technisch geschickte Arbeiten von kräftigem Realismus, doch ohne Belebung.
Dazu gehören drei Marmortafeln, schwarz mit weissrothen Adern; zwei davon schmäler, 59 : 102 cm messend, und eine breiter, 72 : 120 cm, oben geschweift, seitlich und unten gerade begrenzt.
Die linke bez.:
Die mittlere bez.:
Die rechte bez.:
Die Büsten und Tafeln sind beim Umbau 1884 ganz unverstanden auseinander gerissen worden. Die ersteren stehen jetzt in der Betstube an der Nordseite des Altarplatzes in Höhe der ersten Empore, die letzteren sind im Schiff nördlich unter der Empore eingemauert.
Auf dem Friedhofe an der Kirche das Grab des Prof. Dr. Richard Steche, des ersten Inventarisators der Kunstdenkmäler Sachsens, † 3. Jan. 1893. mit einem Bildnissrelief von Epler.
[54] Der Friedhof im östlichen Theile des Ortes wurde im Jahre 1602 angelegt. Seitlich rechts vom Eingang eingemauert eine Spitzverdachung, 58 : 160 cm messend, die seitlichen Ecken sind verbrochen, in der Mitte ein vertieftes Dreieck, darin im Relief ein Todtenschädel mit gekreuzten Knochen und einem Kreuze. Unten an der glatten Umrahmung schwer erkenntlich bez.:
Es dürfte dies wohl ein Theil des Crucifixes sein, das auf dem Friedhofe stand.
Pfarrhaus. Im Wesentlichen erhielt sich die alte Anlage. Im Grundriss ein Rechteck, etwa in der Mitte der grosse Hausflur mit dem Treppenhaus; beiderseitig schliessen sich die Räume an. Einfache, symmetrisch angeordnete Rundbogenthüren führen nach der Küche und einem Vorrathsraum; beide jetzt als Wohnräume benutzte Räume sind in zwei Jochen mit einfachen Kreuzkappen eingewölbt. Auf der anderen Seite zwei gerade Thüren.
Im Obergeschoss ist an der Treppe ein grösserer Vorraum. Die Zimmer sind um einen etwa in der Mitte liegenden Corridor nach zwei Seiten zu angeordnet.
Im Untergeschoss tiefe geräumige Keller mit aus Quadern hergestellten Tonnengewölben.
Das Aeussere ohne ältere Bauformen, vom Jahre 1824, 1890 erfolgte nach Süden zu ein grösserer Anbau der im Obergeschoss den Confirmandensaal enthält.
Schrank, Holz, von einfacher Form, bemalt mit kräftigem Rankenwerk der Zeit um 1680.
Auf dem Pfarrboden.
Holztisch, naturfarbig, auf vier nach unten auseinander gespreizten Beinen, die aus einfachen Brettern, geschweift geschnitten, hergestellt sind. Oben zwei Riegel, darüber die schlichte Tischplatte. An diesem Tische wurden 1645 die Verhandlungen zwischen Schweden und Sachsen abgehalten, die am 27. August zu einem Waffenstillstand führten. Dieser ging dem Westfälischen Frieden voraus.
Jetzt in der Pfarre.
Bildniss des Kurfürsten Johann Georg I.
Auf Leinwand, in Oel, 107 : 129 cm messend, Kniestück lebensgross.
Das ausdrucksvolle Gesicht mit den grossen blauen Augen wird umrahmt von einem weissen Kinn- und Schnurrbart und dergleichen anliegendem Kopfhaar, am Halse eine breite Spitzenkrause. Darunter an einer Kette ein Anhenker mit einer Frauenbüste. Ein kurzer Rock schwarzblau mit gleichfarbigen Beinkleidern. Die rechte Hand hält ein Schwert oder einen Stab. Links ist der untere Theil mit dem Arme unkenntlich. Der dunkle Hintergrund geht mit dem Bilde ganz zusammen. Oben links bez.:
Mit einfachem Holzrahmen. Im Thurme unter der Glockenstube durchlöchert und sehr beschädigt vorgefunden.
[55] Rechteckige Holztafel, 92 cm hoch, 260 cm breit, schwarzer Grund mit goldener Schrift, bez.:
Inschrift ist mit Schnörkelwerk umgeben. Unten bez. 1648.
Auf der zweiten Empore der Westseite aufgehangen.
Bildniss Dr. Martin Luthers.
Auf Leinwand, in Oel, 105 : 210 cm messend.
Der Reformator steht lebensgross vor uns im langen schwarzen Talar, mit vollem Gesicht, dunklem Kopfhaar. Am Halse ist die kleine weisse Binde sichtbar. Beide Hände halten ein Buch. Im Hintergrunde rechts eine Bibliothek und eine Sanduhr, links ein aufgeschlagenes Buch, auf dem Rücken bez.: Biblia Sacra.
Zu den Füssen Plattenfussboden. Aus der zerstörten Bezeichnung noch erkenntlich: D. LVT . . . Ge . . . hardt . . . . . wig.
Unter der Glockenstube im Thurme ohne Rahmen vorgefunden. Die Farben sind sehr zurückgegangen.
Brunneneinfassung (Fig. 58) in Sandstein, aus sechs Steinen bestehend, gefunden in einem Weinberge beim Gasthaus „Heiterer Blick“. Ein Kreis von 112 cm lichter und 156 cm äusserer Weite, an den sich zwei Flügel anlegen; auf diesen standen die eisernen Säulen für das Ziehwerk. Ganze Breite 210 cm.
[56] Die Brüstung ist 95 cm hoch und in feiner Weise profilirt. Auf der 73 cm hohen Fläche etwa dreissig tanzende, trinkende, mit einem Wagen und sonst spielende Kinder.
In Zusammenhang mit dem Brunnen soll eine Inschrifttafel mit der Jahreszahl 1560 gefunden worden sein. Da nun diese Zahl durchaus mit dem Stil des Werkes übereinstimmt, so dürfte gegen die Nachricht kein Zweifel zu erheben sein.
Die Frage, wer der Meister dieses reizenden Werkes ist, kann mit Sicherheit nicht beantwortet werden. Man hat an italienische Meister gedacht, aber Juan Maria Padovano verliess Dresden schon 1553. Ich möchte Hans Walther für den Verfertiger halten.
Jetzt in der Sammlung des K. S. Alterthumsvereins zu Dresden.
Kirchdorf, 12 km nordöstlich von Dresden.
Kirche, ohne deutliche stilistische Reste. Doch scheint die Choranlage erst 1682 an den älteren Westbau angefügt zu sein. Im Grundriss ein Rechteck; gegen Norden ist die Sakristei und eine Betstube angebaut. Ein weiterer Anbau nach Westen aus neuerer Zeit, wohl von 1846. Alles in schlichten Formen. Fünf Rundbogenfenster, drei nach Süden und eins nach Osten und Norden zu mit tiefen Leibungen, nach aussen und innen kleinere Fenster im Westbau, eine Thüre mit geradem Sturz an der Nordseite des Chors bez.: 1682. Ein gemauertes Gesims schliesst die Kirche gleichmässig ab, darüber ein spitzes, nach Osten zu abgewalmtes, nach Westen zu in einem Giebel endigendes Dach.
Ein spitzer, achtseitiger, westlich vom Mittel angeordneter Dachreiter in gothisirenden Formen überragt die Dachfläche. Wetterfahne, bez. 1891, vordem 1798. Bei einer früheren Erneuerung am Thurme fand man das Jahr 1575 auf einem Schiefer eingeritzt.
Die alte Thurmuhr wurde im Jahre 1898 entfernt, wobei sich auf einer Eisenschiene des alten Uhrwerks die Buchstaben G. K. 1609. eingeschlagen fanden. (Jetzt im Besitze des Herrn Friedensrichter Seelig.)
Die Decke im Innern der Kirche war bis zum Jahre 1846 ebenfalls bemalt mit dem jüngsten Gericht, Himmelreich und Hölle, dazu die Umschriften:
Jetzt alles einfach weiss überstrichen.
Emporen, auf derb ausgearbeiteten Holzsäulen, nach Osten, Westen, Norden und theilweise nach Süden zu angeordnet. Auf den Schwellenhölzern der Brüstung kräftige Quaderung nach zwei Seiten, oben schliesst ein Gesims ab.
[57] Bis zum Jahre 1846 war die Füllung handwerklich in viereckigen Feldern bemalt mit biblischen Bildern und Sprüchen.
Nördliche Empore auf einem Brett bez. 1772.
Die Bemalung der Emporen mit einem chocoladenfarbigen Ton erfolgte 1883 auf Anordnung des Akademischen Rathes zu Dresden.
Altärchen, bemalt. Es erhielt sich die Predella, darüber der mittlere Theil in rechteckiger Umrahmung, seitlich eine dreifache Stellung gedrehter Säulen, am Schafte Weinranken, über postamentartigem Aufbau, oben ein kräftiges Gebälk. In der Predella, seitlich im Halbkreis begrenzt, 22 : 61 cm messend, Bild in Temperafarben auf Holz gemalt, die Einsetzung des heiligen Abendmahls, sehr zerstört, Jesus in der Mitte, links Johannes, rechts Petrus. Darunter bez.:
In dem mittleren Theile in Temperafarben auf Holz gemalt, 29 : 38 cm messend, das Christuskind in der Krippe liegend, links die Eltern, rechts weitere zerstörte Figuren, oben in geöffneten Wolken ein Engel mit Spruchband, bez.:
Das Ganze ist eine handwerkliche, derbe Arbeit, jetzt in der Sakristei, die seitlichen Theile und der Aufbau fehlen, Malerei ist auch sehr zerstört.
Das Altärchen gehört der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an.
Der jetzige Altaraufbau besteht in einer kräftigen Umrahmung mit einem Bilde in Oel auf Leinwand gemalt, die Auferstehung Christi, 1883 von Karl Gottlob Schönherr gemalt.
Kanzel, übermalt, an der Südseite in vier Seiten abgeschlossen, sie baut sich über einer modernen Console in der üblichen Form auf, an den Ecken gedrehte Säulen auf Postamenten, unten ein Kugelabschluss, dazwischen Rundbogenöffnung mit Kämpfergesims und Schlussstein. In den Oeffnungen waren die vier Evangelisten aufgemalt.
Das Ganze aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, handwerklich derb durchgeführt, theilweise erneuert: so die Console und das obere Gesims. Im Fries die alte Bezeichnung: verbum Dei manet in aeternum.
Taufstein (Fig. 59), Sandstein, 76 cm hoch, mit quadratischem Fusse, darüber die runde kräftige Beckenform, an dem cylindrischen Mantel in vier Feldern ausgearbeitete Inschrift in lateinischer Renaissanceschrift.
Wie viell ewer ge | tavft sein, die haben Christvm Jesvmm (!) angezogen.
Rom. 6.
Alle die in Jesum Ch | ristvm getavfet sindt | die sindt in seinem | todt getavft.
Johan 3.
Es sey den das Jemandt | gebohren werde, aus dem wa | ser und geist so kan er nicht | in das reich gotts komen.
Disen Tavffstein habn die | Edllen und viel tvgentsam | frawen Sibillav vnd Fraw | Sabina von Grvnradin ge | borne von Schinffld (Schönfeld) erbawt. | ano̅. 1605.
[58] Der Stein ist ausser Gebrauch und steht in der Sakristei; am Fusse oben beschädigt.
Zwei Glocken. Die grosse, 74 cm hoch, 83 cm im unteren Durchmesser, am Halse zwei starke fadenförmige Schnuren, der Schlag weit ausladend.
Unbezeichnet.
Die kleine, 55 cm hoch, 70 cm im unteren Durchmesser, am Halse zwischen zwei feinen fadenförmigen Schnuren bez.: O rex glorie veni cum pa(c)e. (Fig. 60).
Darunter ein weiterer Streifen, in demselben 17 Plaketten, und zwar die vier Evangelisten, allegorisch, in rundem Rahmen mit Schriftrolle in willkürlicher Reihenfolge; der Adler zweimal; der Löwe und Stier zusammen fünfmal, beide schwer von einander zu unterscheiden; der Engel einmal; ferner dreimal die Kreuzigung, Johannes und Maria am Fusse; einmal die Taufe am Jordan; und eine unkenntliche Plakette. Ausserdem in Vierpassumrahmung drei solche mit einem bartlosen Kopfe. Am Glockenmantel ein Wappen mit einem Löwen, ausserdem eine Bracteate, deren Prägung nicht erkennbar ist. Die Plaketten scheinen auf den Gussmantel aufgesiegelt.
Im Glockenklöppel beistehende Marke eingeschlagen.
Die Glocke scheint trotz der älteren Schriftformen dem 14. Jahrhundert anzugehören.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 21 cm hoch, 148 mm Fussweite. Sechspassiger Fuss, auf dem gothisirenden Knauf bez. IEHSVS.
Gemarkt mit Dresdner Beschau und beistehender Marke.
Wohl 17. Jahrh.
Abendmahlkanne, Zinn, 225 mm hoch, 14 cm Fussweite. Mit Henkel, Deckel und Schnauze. Bez.: Der Kirche | zu Langebrück | 1786.
Mit Dresdner Beschau und nebenstehender Marke.
Abendmahlkanne, Zinn, 23 cm hoch, 14 cm im unteren Durchmesser, einfach, mit cylindrischem Bauche, bez.: Der Kirche | zu Langebrück | 1766.
Gemarkt mit Dresdner Beschau und abgearbeiteter Marke.
Denkmal des Försters Johann George Bruhm.
Sandstein, 210 cm hoch, 84 cm breit.
Ein sarkophagartiger Unterbau, vorn ein Lorbeerkranz mit einem liegenden Hirsch, darüber eine Kartusche mit der Inschrift, hinter derselben eine obeliskartige Endigung, oben von Wolken umgeben der Kopf des Verstorbenen.
[59] Inschrift leider bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Das Ganze ist in ausgesprochenen Rococoformen. Letztes Viertel 18. Jahrh.
Denkmal des Försters Johann George Bruhm, † 1755.
Sandstein, 220 cm hoch, 115 cm breit.
Ein felsiger Unterbau, darüber rechts eine Kartusche, links ein Knabe, dazwischen liegt ein Hirsch; über der Kartusche zwölf rollenartige Gebilde auf Scheiben mit Namen bezeichnet, wohl die Kinder des Verstorbenen. Seitlich grenzen sehr bewegte Formen, oben ein Wolkenhimmel mit beflügelten Köpfchen. Aus der sehr zerstörten Inschrift geht hervor:
In sehr bewegten Rococoformen.
Denkmal wohl eines Geistlichen.
Sandstein, 220 cm hoch, 130 cm breit.
Einfacher Unterbau, darüber glatte Platte mit einer liegenden weiblichen Figur; diese hält in der Linken einen Kelch, rechts stützt sie sich auf ein Buch. Dahinter baut sich ein Crucifixus im Flachrelief auf. Der Stein wird seitlich durch bewegte Formen, oben durch eine geschweifte Verdachung mit Wolkenhimmel darüber begrenzt. Inschrift und Feinheiten im Ornament sind leider gänzlich zerstört. Zweite Hälfte des 18. Jahrh.
Denkmal wohl eines Geistlichen.
Sandstein, 310 cm hoch, 130 cm breit.
Felsartiger Unterbau, durch Tuchgehänge in der Mitte verdeckt, darüber Todtenschädel, gebrochene Kerze und ein Buch im Flachrelief. Zwei im Umriss sehr bewegte Kartuschen, beiderseitig gleichartig angeordnet, bauen sich darüber auf; zwischen beiden entwickelt sich nach hinten zu ein Kreuz, dessen Arme von Strahlen und Wolken umgeben sind, oben schliesst ein Kranz mit Zweigen ab.
Das stattliche Denkmal in Rococoformen hat durch die Witterung stark gelitten. Inschrift unkenntlich.
Alle vier Denkmäler sind durch einen dorischen Säulenbau geschützt, der sich an der Nordostnordseite des Friedhofes befindet.
Im Besitze des Herrn Friedensrichter Seelig, der eine reiche Sammlung meist volkskundlicher Alterthümer zu eigen hat, befindet sich eine Anzahl Jagdlappen von den kurfürstlichen und königlichen Jagden. Graue Leinwand von verschiedener Grösse. Die ältesten etwa 43 : 24 cm messend, darauf gedruckt, einseitig, ein Jäger in der Tracht nach dem dreissigjährigen Kriege, in der rechten Hand hält er die seitlich stehende Büchse. Der linke Arm ist in die Seite gestemmt. Der Druck der Figur ist schwarz oder ziegelroth.
Von 1681, mit dem aufgedruckten Kurwappen, unten bez.16–81.
17 . 14.
[60] Von 1738 dieselbe Art, mit rothem Schild, schwarzer Umrahmung und rother Krone.
Von 1742 und 1744 mit kartuschenartiger schwarzer Umrahmung des Wappens auf rothem Grunde, oben die Krone, seitlich bez.17 . 42.
Die Lappen sind theilweise beiderseitig bedruckt und messen bis zu 54 : 72 cm.
Aus dem 19. Jahrhundert finden sich solche von 1828, 1829, 1838 und 1888 vor, mit dem einseitig aufgestempelten königlichen Wappen.
Dorf, 8,7 km östlich von Dresden.
Wohnhaus, Fährstrasse Nr. 17, als Fachwerksbau im ersten Obergeschoss ausgeführt. Der Giebel nach der Strasse zu angeordnet. Hofseite, im Erdgeschoss theilweise offene Halle auf modernen Holzsäulen. Alte Formen erhielten sich an den Rahmen- und Balkenhölzern (Fig. 61).
Denkmal der Caroline Friederike Neuber, † 1760.
An Stelle des modernen Denkmals befand sich bis 1897 ein einfacher, vom Oberlandbaumeister Krubsacius entworfener und vom Bildhauer Friedrich Feige 1775 errichteter Stein (Fig. 62), mit folgender, vom bekannten Satyriker Rabener verfassten Inschrift:
Dem verdienten Andenken | einer Frau voll männlichen Geistes, | der berühmtesten Schauspielerin ihrer Zeit, | der Urheberin des guten Geschmacks | auf der teutschen Bühne, | Carolinen Friedericken Neuberin | geb. Weissenbornin aus Zwickau | welche | nachdem sie Dreyßig Jahre hindurch | sich in Teutschland Ehre gemacht | endlich zum Lohne ihrer Arbeiten | Zehn ganze Jahre lang | alle Beschwerlichkeiten des Alters und der Armuth | nur von wenig Freunden unterstützt | mit christlicher Grossmuth | gelassen ertragen hatte | aus dem durch Bomben eingeäscherten Dreßden | mit schon kranken Leibe flüchtend | hier in Laubegast elend starb | und in Leuben armselig begraben [61] ward | widmeten diesen Stein | einige Kenner ihrer Verdienste | und Liebhaber der Kunst | in Dreßden | Im Jahre 1776.
Vergl. Reden-Esbeck, Caroline Neuber und ihre Zeitgenossen. Leipzig 1881, S. 346/347.
An den Ecken Lorbeergehänge, an der Rückseite ein Lorbeerkranz und ein Eichenzweig an einem Bande, seitlich eine tragische Maske mit Dolch, an der anderen eine Schalmei mit Lorbeerzweigen. Bez.: Feige. – Gerhardt ren. 1832 – E. Hornickel 1877. mit Bezug auf die Erneuerungen.
Nach dem „Magazin der Sächs. Gesch. II. Dresden 1785, S. 685“ war das Monument 6 Ellen hoch, 3 Ellen ins Gevierte breit, bestand aus 3 Stücken Pirnaischem Sandstein und erhob sich über einem Untersatz von 2 Ellen Höhe.
Inschrifttafel, Sandstein, 57 cm im Geviert, im Garten des Gasthauses Stadt Amsterdam. Bez.: Hier starb | Caroline Neuber | den 30. November 1760.
Das Sterbehaus selbst ist abgebrochen worden.
Kirchdorf, 13 km nordöstlich von Dresden.
Kirche (Fig. 63). Lausa wird als Pfarrdorf 1346 in der Matrikel des Meissner Bisthums mit erwähnt. 1637 brannten die Schweden Pfarre mit Nebengebäuden nieder, wobei auch die Kirche sehr litt. Sie erscheint jetzt als einheitlicher Bau aus der Zeit um 1650, wofür die einfach abgefasten Rundbogenthüren, in der Sakristei, das gekuppelte Fenster (Fig. 64) und vor allen Dingen das Netzgewölbe im Thurme mit den etwa 8 cm hohen aufgeputzten Rippen sprechen. Sie bildet im Grundriss ein Rechteck ohne ausgesprochenen Chor, die Sakristei nach Nordosten erweist sich als ein weiterer Anbau der Zeit um 1660. Nach Südwesten ein Anbau mit einer Thüre, die im Schlusssteine bez. Anno 1729. Der Thurm ist nach Westen vorgebaut.
Das Aeussere ist schlicht, die im Spitzbogen geschlossenen Fenster des Schiffes sind einheitlich umgearbeitet, im 19. Jahrhundert zwei sogar über das durchgeschlagene Hauptgesims geführt und eine Thüre an der Südseite eingebrochen worden. Das kräftige gemauerte und verputzte Hauptgesims, das den Bau einheitlich abschliesst, gehört dem Bau von 1729 an.
Der Thurm (Fig. 65), bis Firsthöhe quadratisch, dann durch flache Abschrägung achtseitig, entwickelt sich bei dieser Grundform durch geschweifte Dachform und zwei weitere nach oben schmäler werdende Laternen zur stattlichen Höhe.
Wetterfahne, bez. G. v. N. | 1786.
Im Innern eine einfache Putzdecke. Die Emporen ziehen sich in zwei Geschossen an der Süd- und Nordseite hin; die nach Westen zu gelegene mit der Orgel hat nur ein Geschoss. An der Südseite erhielt sich noch auf den Balken und Unterzügen derbe kräftige Quaderung wohl aus der Zeit um 1660.
[62]
Altar und Kanzel wohl seit 1789 (?) als ein Ganzes, in Holz geschnitzt, neu bemalt.
Der erstere, ein kräftiger einfacher Unterbau, auf Holz in Temperafarben bemalt: die Einsetzung des heiligen Abendmahls, 53 : 124 cm messend, handwerkliche und bunte Arbeit der Zeit um 1660. Christus steht in der Mitte, um den Tisch sitzen die zwölf Jünger, seitlich stehen beiderseitig drei männliche Figuren, wohl Bildniss der Stifter.
Ueber dem Unterbau eine dorische Säulenstellung mit Gebälk und einfachem Abschluss nach oben, dazwischen die Kanzelthüre, oben bez.:
Die Kanzel, in fünf Seiten des Achtecks geschlossen; an den Ecken gebrochene Pilaster auf Postamenten. Zwischen diesen Korbbogenöffnungen mit Kämpfergesims, in den Oeffnungen lebhaft ausschreitende männliche Figuren mit stark bewegten Gewändern, die Evangelisten darstellend, im vorderen Felde Christus.
Nach unten schliesst ein kräftig profilirter Unterbau ab, nach oben ein Gebälk.
Die Behandlung und Arbeit der Figuren ist sehr handwerksmässig. Sie sind modern übermalt und stark lackirt. Zweite Hälfte des 17. Jahrh.
An der Westseite der herrschaftlichen Betstube ein hübscher Wandschrank in kräftigen Uebergangsformen zum Barock, eine Renaissance-Umrahmung mit schwarzen aufgesetzten Profilleisten, oben eine Verdachung, die äusserste Begrenzung bilden allseitig die bekannten Anläuferformen, willkürlich zusammen gezogen, oben in der Mitte eine Maske. Um 1660.
[63] Die vom Jahre 1855 stammende Orgel wurde später wieder erneuert.
Die drei Glocken wurden 1872 von Große in Dresden gegossen.
Reste eines Ofens. Vier steinerne Füsse, deren oberer Theil einseitig als Renaissancemasken ausgebildet; durch viele Anstriche sind leider die Feinheiten verloren gegangen. Ueber den Füssen ein eiserner Kasten, an den Schmalseiten im Relief Blumenkorb und Blumen, an den Langseiten gleichartig ein Engel in Wolken mit Fruchtgehängen, darunter drei weibliche Figuren, eine liegend, die zwei anderen halten sie, links vorn ein Fruchtkorb. Unten bez.:
Die Füsse aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrh., der Kasten aus dem Ende des 18. Jahrh.
Taufschüssel, getriebenes Kupfer, vergoldet, 52,5 cm im Durchmesser, mit breitem Rande. Im Innern gedrehte Buckeln nach Art der venetianischen Schüsseln, daran in einer
kreisförmigen Begrenzung weiter eine ringsum laufende Legende in den bekannten, den kufischen nachgeahmten, daher inhaltslosen Schriftzügen, die viermal dieselbe kurze Formel (Fig. 66) wiederholen. (Vergl. Otte, Kunstarchäologie, I. Bd., Fig. 229.) Ein reicher getriebener Blumenkranz schliesst sich an die Inschrift an. Interessante Arbeit wohl des 16. Jahrh.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 19 cm hoch, 12,5 cm Fussweite, mit sechspassichtem Fuss, Stiel, Knauf mit Roteln, bez. IHESVS. Auf den sechs Fusspässen gravirt: die vier Evangelisten mit den symbolischen Attributen, ferner das Schweisstuch der Veronica und das Kurwappen Sachsens; das letztere wohl in Bezug auf den Kurfürsten Christian II., der 1603–7 Schloss Hermsdorf besass. Die eiförmigen Einschnitte auf dem Knauf haben schon ausgesprochene Renaissanceform, desgleichen die Fussplatte und die breite Cuppa, so dass der Kelch der Zeit um 1600 angehört. Ungemarkt.
Abendmahlkelch, Silber, 17 cm hoch, 9,5 cm Fussbreite, mit sechspassichtem Fuss, rundem Stiel und Knauf, einfach, auf dem Fusse zwei Wappen, [64] das Bindtauf’sche bez. G. V. B., und das Ziegesar’sche bez. M. V. Z. | 1611. mit Bezug auf Georg von Bindtauf und Marie oder Magdalene von Ziegesar.
Patene, 7,5 cm im Durchmesser, mit dem Wappen der Bindtauf, bez. G. V. B.
Beides ungemarkt. Unterhalb der Fussplatte bez. 14 lot.
Crucifixus, in Holz geschnitzt, Figur 38 cm hoch, neu vergoldet, handwerklich durchgeführt. Die Füsse liegen neben einander, Kopf nach rechts geneigt. Der Körper hängt tief. Das schwarze Kreuz erhebt sich über einem gleichfarbigen Postament. An der vorderen Seite desselben eine gefällige Kartusche, seitlich je ein Spitzquader, beides in Alabaster hergestellt. Die Arbeit gehört wohl der ersten Hälfte des 18. Jahrh. an.
Vortragkreuz, Figur 29 cm hoch, aus Eisen, vergoldet, unter den Füssen eine Schlange mit Todtenschädel. Der Gekreuzigte hängt auffallend tief. Auf einem Streifen bez. 17. JPD. 35.
Abendmahlkanne, Zinn, 18 cm hoch, 14,5 cm im unteren Durchmesser, einfach flacher Deckel, mit vertikalem Henkel, bez. Kirche zu Lause. | 1739.
Im Deckel abgearbeitete Marke, Meister bez. J. C. Bosigre, dazu Dresdner Beschau.
Klingelbeutel, Messingdeckel mit Rococo-Ornament versehen.
Zwei Teller, Zinn, 21 cm im Durchmesser einfach, bez. L. K. 1767. J. M. S. Der eine auf der Rückseite: K. z. Lausa, der andere: K. z. L.
Dazu beide Dresdner Beschau, der eine Teller mit der beistehenden Marke des Aug. Jahn, auf dem anderen mit einer abgearbeiteten.
Jetzt in der Sakristei.
Abendmahlkanne, Zinn, 21 cm hoch, 16 cm im Durchmesser, einfache kräftige Form. Bez. Kirche zu Lausa. 1796.
Gemarkt mit Dresdner Beschau und der beistehenden[WS 1] Marke.
Gemälde, auf Holz gemalt in Temperafarben, 96 cm breit, 126 cm hoch, die Auferstehung, Christus über der Grabesplatte von Wolken umgeben. Im Vordergrund und seitlich sieben Grabeswächter, die, entfliehend, theils vor Entsetzen hingestürzt sind.
Die im Detail sorgfältige ziemlich bunte Malerei. Die in Verkürzung schwelgende Auffassung der lebhaft bewegten Gestalten lässt den Maler als echten Romanisten der Florisschule erkennen.
Begrenzt wird das Bild durch kräftige Holzumrahmung, seitlich erhielten sich noch zwei einfache Pilaster. Rechts unten bez.:
Das Bild ist in schlechtem Zustande, Farbe theils abgefallen. Es dürfte zu dem Aufbau eines grossen Denkmals gehören.
Reste wohl eines Denkmals. Es erhielt sich eine breite einfache Umrahmung, theils mit Rollwerk darauf, in dieser ein Bild auf Holz gemalt, welches leider bis zur Unkenntlichkeit zerstört worden ist; einige Theile sind gänzlich herausgeschlagen. Auf der Rückseite Reste der Schrift, aus der hervorgeht, dass es einer „Frau Barbara des ernvesten Herrn Hansen“ Gattin gewidmet war.
[65] Das der Zeit um 1600 angehörige Bild dürfte seiner kräftigen Umrahmung nach der mittlere Theil eines Denkmales sein.
Jetzt auf dem Kirchboden.
Denkmal des Pfarrers Theodor Schumann, † 1632.
Sandstein, 96 cm breit, 170 cm hoch.
Der Verstorbene, lebensgross, mit grosser Halskrause, langem Talar. Das Gesicht umrahmt ein Vollbart, in der linken Hand ein Buch, in der rechten eine Kappe, oben links ein beflügeltes Engelsköpfchen, rechts beistehendes Wappen des Schumann.
Die Figur besser durchgearbeitet, theilweise schematisch behandelt. Am Rande bez.:
Der untere Theil des Steines ist durch das aufgeschüttete Erdreich verdeckt; scheint theils erneuert worden zu sein.
Jetzt an der Ostseite des südlichen Anbaues aufgestellt.
Denkmal des Pfarrers Friedrich Gräfe, † 1688.
Sandstein, 95 cm breit, 185 cm hoch.
Als oberer Abschluss dient eine geschweifte Verdachung mit einem Todtenschädel, unter dieser ein Kelch, gehalten von zwei Kindengeln. Unter diesem ein draperieartig aufgehängtes Tuch, unter Anderem bez.:
Darunter der Leichentext.
Das Denkmal, in ausgesprochenen Barockformen, steht an der Ostseite der Kirche und befindet sich in gutem Zustande.
Denkmal des Pfarrers George Büttner, † 1738.
Sandstein, 90 cm breit, 195 cm hoch.
Ueber einem Sockel eine vertikale Platte mit der Inschrift, durch eine geschweifte Verdachung abgeschlossen, darüber seitlich und in der Mitte Wolken, in letzteren ein Kelch mit der Oblate. Aus der Bezeichnung geht hervor: George Büttner, geboren 1670 in Gersdorf, 1702 Pfarrer in Grünberg, von 1709–38 in Lausa.
An der Ostseite des südlichen Anbaues aufgestellt. Gut erhalten, in einfachen, derben Barockformen.
Denkmal des Försters Christian Schulze, † 1759, und seiner Ehefrau Johanna Dorothea, † 1758.
Ein Unterbau, nach oben breiter werdend, darüber beiderseitig zwei Kartuschen mit je einer Kindfigur, die linke hält ein flammendes Herz, die rechte einen Anker. Hinter den Kartuschen entwickelt sich der Aufbau weiter in sehr geschweiften Formen, oben ein Aufsatzstück mit einem Hirsch, darunter unter [66] einer Krone ein Jagdhorn. Aus der schwer erkenntlichen Inschrift ergiebt sich rechts in der Kartusche:
An der Ostsüdostseite aufgestellt. Bis auf die theils unkenntliche Inschrift noch gut erhalten.
Denkmal des Pfarrers Johann Erhard Möckel, † 1762.
Sandstein, 110 cm breit, 175 cm hoch.
Ein einfacher schmaler Fuss, darüber ein herzförmiges breites Mittelstück, in der Mitte das Lamm mit der Siegesfahne, seitlich Leichentext. Darüber ein schlanker Aufbau, eine sich nach oben verjüngende Platte mit der Inschrift, durch geschweifte Verdachung abgeschlossen, in der Mitte derselben ein Kelch, unten seitlich links eine trauernde Figur, rechts eine Urne. Unter Anderem bez.:
An der Ostseite des südlichen Anbaues aufgestellt. In sehr bewegten Barockformen, noch gut erhalten bis auf die Inschrift.
Denkmal des Pfarrers Jonathan Glasewaldt, † 1768.
Sandstein, 72 cm breit, 182 cm hoch.
Ueber einem einfachen Sockel eine Platte als Haupttheil mit der Inschrift, seitlich flache lisenenartige Vorsprünge, auf deren oberen Theil Kartuschen mit Lorbeergehänge. Oben eine seitlich gerade, nach der Mitte zu stark überhöhte Rundbogenverdachung mit Kelch darüber. In dem Rundbogen ebenfalls Kartusche mit Lorbeergehänge. Aus der Bezeichnung ergiebt sich:
Anno 1739 ward er als Pastor zu Wilschdorf, 1762 als Pastor alhier in Lausa vociret.
Nachdem er 29 Jahr sein Amt treulich verwaltet ist er am 5. Martij Anno 1768 verstorben.
An der Ostnordostseite aufgestellt. Bis auf die theils zerstörte Inschrift noch gut erhalten. Das Ganze, vor Allem die Kartuschen sind in zierlichen Rococoformen ausgebildet.
Denkmal des Pfarrers Christian Friedrich Karg, † 1787.
Sandstein, 230 cm hoch, 76 cm breit, theils vergoldet.
Ein postamentartiger Unterbau mit Wahlspruch und Gehänge in der Füllung. Darüber ein langgezogener, schlanker Aufbau, mit Gesimsabschluss oben, darunter gebundene Schleifen mit einem Lorbeerkranz. Ueber dem Kopfgesims des Postaments ein Kelch und ein Buch beiderseitig auf einem Tuche, in der Mitte eine gebrochene Kerze. Den oberen Abschluss bildet eine Vase. Aus der Bezeichnung in dem Kranze geht hervor:
[67] An der Ostseite aufgestellt. Handwerklich durchgeführt; Empireformen kommen schon zur Geltung.
Denkmal der Charlotte Dorothea von Schönberg, † 1789, und ihrer Mutter Charlotte Sophie Gräfin von Hoym, † 1808.
Sandstein, 180 cm breit, 230 cm tief.
Das Ganze sarkophagartig behandelt. Unten ein glatter kräftiger Sockel, darüber dergleichen Stützen, oben eine einfache Abdeckplatte als Spitzverdachung ausgebildet, seitlich und an den Ecken derselben Stirnziegel, deren Schotten aus weissem Marmor aufgesetzt sind. An der Stirnseite befand sich ein Falter als Sinnbild der entwichenen Seele, aus demselben Material; es erhielten sich am Denkmal nur die Fühler. Der Falter in der Pfarre.
Die stark nach vorn geneigten Grabplatten sind links bez.:
Rechts bez.:
Die Zahl 1748 stimmt nicht mit anderen Angaben, nach denen die Gräfin 1743 geboren wurde.
An der Ostseite aufgestellt. Die rechte seitliche Akroterie ist abgeschlagen. Der Aufbau ist in strengen, einfachen, klassicistischen Formen durchgeführt.
Denkmal der Frau Catharina Dorothea Petzold, † 1793.
Sandstein, 80 cm breit, 245 cm hoch.
Ueber einem Sockel baut sich ein glatter Stein auf mit der Inschrift, oben eine gerade Kopfplatte, darüber eine Vase mit Tuchgehängen seitlich. Bez.:
Offenbahrung . Joh. 1. 17.
Das Denkmal ist an der Südostseite aufgestellt, gut erhalten, in den Formen des Empire.
Denkmal der Marianna Amalia Burggräfin und Gräfin zu Dohna mit ihrem Kinde, † 1805. 1,70 m breit, 5 m hoch.
Eine einfache, breite Fussplatte aus Granit, darüber ein mächtiger Granitquader als Postament mit der Inschrift auf eingelassener weisser Marmorplatte, über dem sich das eigentliche Denkmal in Sandstein aufbaut.
Ein wuchtiges schlichtes Kreuz, etwa 3,5 m hoch, über dasselbe fällt ein [68] Tuch herunter, dessen breiter Saum mit Sternen bedeckt ist, am Fusse des Kreuzes ein eiserner Anker, links eine Urne aus weissem Marmor. Am Postament bez.:
Entschlafen den 10. Sept. 1805.
Wiedersehen!
An der Ostseite der Kirche aufgestellt, jetzt noch in gutem Zustande; es zeichnet sich durch stattliche Abmessungen, eine vornehme Einfachheit in dem geschlossenen Aufbau bedeutend vor den anderen Denkmälern, zumal einer Dorfkirche, aus. In ausgesprochenen klassicistischen Formen durchgeführt.
Denkmal der Frau Maria Fürstin Reuss zu Lobenstein, † 1810.
Einfache Eisenplatte in abgeschrägter Sandsteinumrahmung. Bez.:
Im östlichen Theil des Friedhofs.
Denkmal des Herrn Constantin Grafen zu Stolberg-Wernigerode, † 1817.
Einfaches eisernes Kreuz, der horizontale Kreuzarm bez.:
Selig sind die Todten die in dem Herrn sterben.
Im östlichen Theile des Friedhofs.
Denkmal der Frau Caroline Wilhelmine von Heynitz, † 1825.
Einfache weisse Marmorplatte, 58 : 108 cm messend, eingelassen in eine Zarge, bez.:
Das Grabmal befindet sich im östlichen Theile des Friedhofs.
Der Friedhof wird durch eine Mauer begrenzt, der Hauptzugang erfolgt durch ein schlichtes Thor an der Westseite, die Oeffnung ist im Korbbogen geschlossen und der Kämpfer durch eine einfache Platte betont, durch Vorlagen ist die eigentliche Portalumrahmung von der Mauer gelöst. Der Schlussstein bez. + 1776 L Den Thoraufbau schliesst nach oben ein Ziegeldach ab, wodurch der malerische Reiz des Ganzen erhöht wird. Eine einfache Rundbogenpforte an der Südseite nach der Strasse zu.
Pfarre. Interessanter Bau aus der Zeit kurz nach dem dreissigjährigen Kriege.
Erhalten hat sich die alte Balkendecke, ein Wandschrank in schlichten Renaissanceformen, die Wandbogen zur Stütze der Mauerlatten, die Gesammtdisposition des Hauses.
[69]
Schrank, in Form einer geschweiften Kommode und eines Aufsatzes mit reich bewegtem oberen Abschluss. In Oel gemalt, mit landschaftlichen Darstellungen. Reizvolle Arbeit der Zeit um 1750. Besitz des Pfarrers.
Fundstück (Fig. 67), in gebranntem Ton, ursprünglich etwa 9 cm, jetzt bei fehlenden Füssen 7 cm lang. Derbe, kindlich ausgeführte nackte männliche Gestalt, anscheinend ein Kind mit herausgestreckter Zunge. Gefunden bei Lausa. Angeblich ein Christuskind des 14. Jahrhunderts. Ich sehe keinerlei Grund zu dieser Annahme. Eine ähnliche Figur wurde unlängst bei Cotta gefunden.
Jetzt in der Sammlung des K. S. Alterthumsvereins, Inv.-Nr. 33 q. 2.
Kirchdorf, 20 km nordöstlich von Dresden.
Die Kirche, ohne ältere Baureste, zerfällt in das östlich gelegene, rechteckige Altarhaus, das um ein Geringes breitere Schiff, die nach Osten angebaute Sakristei und einen weiteren Anbau nach Westen zu, der erst vom Jahre 1896 stammt. Ueber dem Schiff ein achtseitiger Dachreiter mit spitzem Zeltdache. Wetterfahne bez. 1876.
Das Hauptgesims fehlt, die Sparren gehen über die Mauerflucht hinaus und sind durch ein schräges Brett verschalt. An der Ostseite des Altarhauses kräftige geputzte Eckquaderung. Eine Rundbogenthüre, einfach abgefast, nach Westen zu. Die Fenster sind im Korbbogen geschlossen. Diese Formen deuten wohl auf die Zeit um 1680. Die Emporen, an der West-, Nord- und Ostseite, sind in rechteckige Felder getheilt und marmorartig bemalt, gelb, roth, weiss und blau. Die horizontale Holzdecke liegt in dem Altarraume, der wohl ein späterer Anbau ist, höher als im Schiff, und ist durch Leisten in rechteckige Felder getheilt. Auf gelben Grund in den einzelnen Feldern gemaltes Ornament, weiss und blau. Die Formen der Malerei mit ihrem Bandwerk, Gehängen, Blumen u. s. w. weisen auf das erste Viertel des 18. Jahrhunderts, doch dürfte die Malerei selbst als Erzeugniss eines ländlichen Malers wesentlich später entstanden sein.
Das Gestühl, einfach, in kräftigen Formen, an den Rückenseiten gemalte Tuchgehänge auf bläulichem Grunde.
Altar, bemalt weiss, roth, braun. Im Aufbau eine dorische Säulenstellung auf Postamenten, oben ein Gebälk, darüber über den Säulen Obelisken, in der Mitte durchbrochener Aufsatz, theils mit Rollwerk. Zwischen den Säulen in einer Rundbogenfüllung, auf Holz gemalt, Christus am Kreuze, links Johannes, rechts Maria, im Hintergrunde die Stadt. Unten in der Predella zwischen den Postamenten die Einsetzung des Abendmahls, auf Holz gemalt, sehr handwerkliche Arbeit. Seitlich von den Säulen als äussere Begrenzung durchbrochene Anläufer [70] und in diesen je ein Pelikan, der seine drei Jungen mit eigenem Blute füttert, im Fries bez.:
Auf den Postamenten bez. :
Eine in der Durchführung der Schnitzerei und Malerei geringe Arbeit.
Kanzel, in späten Renaissanceformen, in Holz geschnitzt, neu bemalt, Brüstung in fünf Seiten des Rechtecks geschlossen. Die Anordnung im Aufbau ist die übliche. An den Ecken auf Postamenten mit Masken dorische Säulen, freistehend, darüber ein Gebälk, im Fries Console über den Säulen. Zwischen diesen Rundbogenöffnung mit den Evangelisten aufgemalt, seitlich Rollwerk, Kämpfergesims, als Schlussstein beflügelter Engelskopf. Zwischen den Postamenten rechteckige Felder, bez. S. Mattheus. S. Marcus. S. Lucas. S. Johannes. Fünfte Oeffnung bez.:
Schalldeckel, sechsseitig, mit kräftigem Gebälk, über jeder Seite ein durchbrochener Aufsatz in gleichen Formen, in der Mitte über dem Deckel Christus, in der linken Hand die Weltkugel mit dem Kreuze, die rechte erhoben. Im Fries
bez.:Auf der unteren Seite des Deckels bez.:
Die Kanzel mit dem Schalldeckel ist in neuerer Zeit durch eine Uebermalung in seiner Wirkung beeinträchtigt worden.
Taufstein, aus Thon gebrannt, neu bemalt, eine quadratische Fussplatte darüber der kräftige vierseitige Unterbau für das eigentliche Becken mit Festons geschmückt. Der Deckel ist stark überhöht, in derben Formen profilirt. Die Architektur bewegt sich schon ganz in einem nüchternen Zopfstil. An der Fussplatte seitlich bez. Lehmann. Fecit. 1794.
Orgel, hinter dem Altar, in derben handwerklichen Formen, im Oberbau mit den Pfeifen dreitheilig, der mittlere Theil höher geführt. Seitlich erhielt sich Malerei, auf blauem Grunde kräftiges Rankenwerk weiss aufgemalt, theils mit schwarzer Contour.
Glocken. Die grosse, 75 cm hoch, 87 cm im unteren Durchmesser. Am Halse zwei breite Ornamentstreifen, Masken mit Weinranken, in schönen Renaissanceformen sehr reich durchgebildet, zwischen beiden Streifen, ein solcher mit 21 Wappen der Kurund der Regalien Sachsens, plastisch dargestellt. Am Anfang beiderseitige Abdrücke einer Münze. Die Wappen stehen etwa in folgender Reihe: 1. Sachsen. 2. Cleve. 3. Thüringen. 4. Oberlausitz. 5. Pfalz Sachsen. 6. Magdeburg. 7. Jülich. 8. Die Mark. 9. Brena. 10. Regalienschild. 11. Ravensberg. 12. Altenburg. 13. Eisenberg. 14. Orlamünde. 15. Henneberg. 16. Pfalz Thüringen. 17. Niederlausitz. 18. Berg. 19. Pleissen. 20. Meissen. 21. Kurschild. An den Aufhängern sechs männliche Masken. Bolzen im unteren Theile achtseitig, [71] mit vertieften Stichbogenformen versehen. An dem Glockenmantel ausserdem das Dresdner Stadtwappen, sehr reich durchgebildet, seitlich bez.:
Mittlere Glocke, 57 cm hoch, 70 cm im unteren Durchmesser. Um 1500 Am Halse zwischen zwei Schnüren bez.:
Schrift wie Fig. 68.
Kleine Glocke, 29 cm hoch, 34 cm im unteren Durchmesser. Am Halse bez.
Schrift wie Fig. 69.
Crucifixus, Bronze, 37 cm hoch, der Gekreuzigte hängt auffallend tief. Der Kopf ist nach rückwärts gewendet, der Blick nach oben.
Tüchtige Arbeit wohl der Zeit um 1600, aus der Walther’schen Schule stammend.
Crucifixus. Figur 90 cm hoch, in Holz geschnitzt, handwerkliche rohe Arbeit. Auf den Kreuzarmen die vier Evangelisten in sehr kleinlicher Durchbildung mit Schriftstreifen, oben bez. Marcus, links Johannes, rechts Lucas, unten Mathaeus.
Die Arbeit entzieht sich durch den niedrigen Stand ihrer Kunstleistung der geschichtlichen Abschätzung, sie dürfte jedoch wahrscheinlich dem 16. Jahrhundert vielleicht sogar einer früheren Zeit angehören.
Jetzt an der südlichen Schiffswand.
Abendmahlkelch, Zinn, 215 mm hoch, 110 mm im Durchmesser, mit glockenförmigem Fuss, birnenförmigem Stiel, Cuppa eigenartig cylindrisch geformt, nach unten kurz abgerundet, wie beistehend bez.
Ungemarkt.
Abendmahlkanne, Zinn, 17 cm hoch, 15 cm im unteren Durchmesser, sehr gedrückte Form, mit überhöhtem Deckel und vertikalem Henkel. Am Deckel bez.: Matheus. | 16 König. 99.
Mit nebenstehenden Marken.
Abendmahlkelch, Zinn, 135 mm Loch, 100 mm im unteren Durchmesser, einfacher runder Fuss, Stiel und Knauf, Cuppa mehr halbkreisförmig. Bez.: K. Leppersdorf | 1726.
Patene, 153 mm im Durchmesser.
Beide ungemarkt.
[72] Abendmahlkanne, Zinn, 21 cm hoch, 16 cm im unteren Durchmesser, einfach, am Mantel bez. Kirche zu Leppersdorf.
Dresdner Beschau, Marke unkenntlich.
Zwei Vasen, Zinn, 235 mm hoch, 110 mm im unteren Durchmesser, amphora-artig, mit zwei vertikalen, diametral stehenden Henkeln, birnenförmigem Bauch, engem Hals, einfachem Ringfuss. Das Ganze passicht behandelt. Am Bauche bez.:
An̅a Rosina Gneißin. | d. 1. Januar 1777.
Zwei Standleuchter, Zinn, 58 cm hoch, auf drei Klauenfüssen mit Kugeln, drei Seitenflächen des Fusses mit Rococokartuschen und Ornament. Der Schaft ist reich profilirt, der Kopf tellerförmig mit einem Dorn. In einer Kartusche beide bez.: C. M. | i. L. | 1784.
Dazu in einem Rechteck bez. C. G. Neumann, Dresden. Marke selbst unklar. Dresdner Beschau.
Taufschüssel, Zinn, einfach, 40 cm im Durchmesser, bez.:
Leppersdorff, den 26. Octbr. 1794.
Gemarkt wie nebenstehend.
Kirchdorf, 8 km südöstlich von Dresden.
Die ältesten Bautheile der Kirche gehen bis auf etwa 1500 zurück. Urkundlich werden Ausbesserungsarbeiten von 1610, 1674, 1704 und 1728 erwähnt. Die alte Kirche wurde 1901 abgebrochen, doch blieb infolge der Bemühungen einiger Kunstfreunde der Thurm stehen.
Die Kirche war ein Bau gothischen Stiles, doch mit einer Reihe von Umgestaltungen, die wohl zumeist der Erneuerung von 1610, aber auch jener von 1704, 1783 und 1856–1857 angehörten. Die wohl alte Wölbung war mit Stuckverzierungen versehen, Emporen eingebaut; das Ganze malerisch, aber in nicht gutem Zustande. Leider sind Pläne der alten Kirche meines Wissens nicht aufgenommen worden. Die Ansicht (Fig. 70) verdanke ich dem Erbauer der neuen Kirche, Architekt K. E. Scherz. Andere Ansichten im Pfarrarchiv. Sie zeigen die noch gothischen, aber wohl 1610 mit neuem Maasswerk versehenen Fenster in einfachen barocken Umrahmungen. Die Fenster waren im Stichbogen geschlossen und überschnitten die Emporen. Eigenartig waren die beiden Nordthüren der Kirche, von denen eine in den Thurm eingemauert wurde. Das breite Thürgewände ist sowohl äusserlich, als auch in der Leibung nach Art des gothischen Maasswerkes belebt. Drei flache Kehlen stossen spitz zusammen, in der Mitte oben ein beflügelter Engelskopf. In der Mitte des Sturzes ein Schlussstein mit Todtenschädel und Gebein, bez. 1704. Reste der zweiten Thüre in den Thurm vermauert.
[73] Der erhaltene quadratische Thurm (Fig. 71) ist nach seinen Profilen gothisch. Auch das Gesims scheint noch in diese Stilzeit zu gehören, später jedoch verändert worden zu sein. Das Dach ist allseitig abgewalmt und trägt einen spitzen achtseitigen Dachreiter.
Kanzel, Sandstein, bemalt. Sie baut sich über einer kräftigen Säule mit starker Anschwellung nach der Mitte zu auf. Das Kapitäl ist durch einfache
Profile, Plättchen, Wulst und Platte betont. Der Fuss würfelförmig mit Wulst darüber, Ecken oben abgeschrägt. Brüstung in fünf Seiten des Achtecks in eine kräftige Platte eingelassen, deren Stirnseite mit gering ausladendem Profil mit Zahnschnitt versehen ist. An der unteren Seite kräftige Diamantquaderung. Die Brüstung schliesst in leichtem Gesims ab.
Das vordere Füllungsfeld zeigt eine geringe Vertiefung im Stichbogen geschlossen, darauf in Oel gemalt Christus am Kreuze.
Am Fusse beiderseitig zwei Engel mit aufgeschlagenen Büchern, dahinter drei Männer, die anscheinend den Gekreuzigten verspotten.
[74] Die übrigen vier Felder im Rechteck begrenzt, auf vorstehenden Platten bezeichnet mit Bibelsprüchen, und zwar:
Fig. 71. Leuben, Thurm der alten[WS 3] Kirche.
- 1. Matth. XI. Kommt her zu mir etc.
- 2. Esa: LIII. Fürwahr, er trug etc.
- 3 Matth. VI. Trachtet am ersten etc.
- 4. Johann. 3. Also hat Gott die Welt geliebt etc.
Schalldeckel, Holz, 1856 neu bemalt, achtseitig, schlichtes Gesims, an den Seiten geschweifte Aufsätze, in der Mitte quadratische Ueberhöhung, daran Johannes der Täufer als Prediger in der Wüste, die Rechte erhoben.
Das Ganze sehr ärmlich wohl erst aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrh.
Jetzt im Thurme aufbewahrt.
Sanduhren, wohl aus dem 17. Jahrh.
Taufstein, 1 m hoch, 80 cm Durchmesser (Fig. 72), Sandstein, in Form eines Römerglases, mit breitem cylindrischen Fusse, wenig ausladender Cuppa, in vier Felder getheilt. Am Fusse flach ausgearbeitete kreisförmige Felder, drei mit Sternen gefüllt, das vierte leer. Cuppa oben am Rande bez.:
alle Völcker und teuffet sie im Namen des Vaters und des Sons
und des heiligen Geists. matt. 28.In den Feldern bez.:
- 1. rom. VI. wir sind sampt | Christo durch die Tauf | begraben in den Todt. | . ano 1610.
- 2. gal. 3. wie viel euer ge | tauft, die haben Christum | angezogen. | tit: 3. durch das Bad der Widergeburt und erneu | erung des heiligen Geists.
- 3. marc. X. lasset die Kind | lein zu mir komen und | weret inen nicht denn | solcher ist das Reich Gottes.
[75]
- 4. marc. 16. wer da gleubet und ge | tauft wird der wird se | lig werden wer aber nicht | gleubet der wird ver | dammet werden.
Gemälde auf Glas (Fig. 73), 35 : 46 cm messend, St. Anna selbdritt mit dem Christuskinde auf dem rechten Arme, auf der Mondsichel in einer Rundbogenumrahmung stehend. Die kleine jugendlich gebildete Figur der Maria in blauem Mantel zu ihren Füssen knieend, zu Christus emporschauend. Sta. Anna mit einem Strahlenglorienschein ist in ein gelbes Untergewand und einen rothen Mantel gekleidet. Den Kopf bedeckt, nur das Gesicht frei lassend, ein weisses Kopftuch. Der kleine Heiland ist nackt. Der Hintergrund ist durch den gelben Querbalken, der die beiden Kapitäle der Säuleneinfassung mit einander verbindet, zweigetheilt. Der obere Theil hellroth, der untere Theil grün, einem herabhängenden Teppich vergleichbar.
Beide Theile sind mit Granatapfelmuster durch Schwarzlothmalerei ornamentirt. Das Schriftband zu Füssen der Figuren ist ergänzt und bez. sedelitz
Das Fenster wurde in der neuen Kirche im zweiten unteren Fenster Nordseite eingesetzt.
Nach der in der Sammlung für Baukunst befindlichen Zeichnung des ursprünglichen Zustandes ist neu: Das früher bekleidete (?) Christuskind, der Körper der Maria. Doch dürften hier nachträglich aufgefundene alte Stücke verwendet worden sein.
Gemälde auf Glas (Fig. 74), 35 : 46 cm messend, das Alnpeck’sche Wappen auf lebhaftem rothen Grunde aufgemalt. Auf dem Schilde Kunstgelb und Schwarzlothmalerei mit einem nach rechts schauenden goldgelben Adlerkopf, darüber der Helm mit Helmzier und Decke. Seitlich zwei freigebildete Säulen mit Blattwerk, oben entwickeln sich Aeste heraus, auf denselben Blätter mit beflügelten Kindern. Unten auf einem Bandstreifen bez.:
Jetzt in dem unteren nordwestlichen Fenster des Langhauses der neuen Kirche eingesetzt.
Das Fenster ist nach einer vor der Restaurirung von 1835 hergestellten Zeichnung in der Sammlung für Baukunst in allen wesentlichen Theilen alt. war jedoch ganz willkürlich zusammengestellt worden.
[76] Die Glasgemälde sind 1835 durch Vermittelung des K. S. Alterthumsvereins restaurirt worden.
Aus dieser Zeit stammt wohl das Fenster mit der Anbetung der Könige (Fig. 76), ein merkwürdiges Zeugniss der ersten Versuche im 19. Jahrhundert, die alte Technik wieder aufzunehmen.
| Wetterfahne, auf dem alten Thurme, bez.:
1875. | J H G V O H. | repari: 1776. | vern: 1846. | 1674. | |
| In Bezug auf Johann Georg von Osterhausen auf Lockwitz.
Reste einer Emporen-Dockenbrüstung (Fig. 77), in sehr kräftigen Formen, das Brüstungsgesims fehlt. Reste eines Holzgitters, vom Altarplatze, in strengen schlichten Formen, bez. M. 17. T. F. 81. A. Die aus der Restaurirung von 1610 stammenden Theile der Inneneinrichtung sind jetzt zu einer kleinen Sammlung im Thurme vereint. |
[77] Die Glocken wurden nach Karbitz in Böhmen geschenkt; sie gehörten dem 19. Jahrhundert an.
Lade, Holz, bemalt, 17 cm breit, 16 cm hoch, von rechteckiger Grundform, auf Füssen, an den Seiten Vertiefungen, drei im Stichbogen, eine gerade abgeschlossen, seitlich Quaderung, Deckel pyramidal überhöht. In der einen Füllung das Lamm mit der Siegesfahne. An den Schmalseiten bez.:
An der Langseite bez.:
Am Deckel bez.:
Obere Inschrift:
Sargschild, Silber, 16 : 24 cm messend. In geschweifter Form Ornament eingerissen, bez.:
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 243 mm hoch, 14 cm Fussbreite. Mit glockenförmigem Fusse und Cuppa, birnenförmigem Stiel, schmucklos bis auf Blätter an letzterem. Bez. Leuben Ao̅. 1773.
Mit Dresdner Beschau, der Jahresmarke Q und dem nebenstehenden Monogramm.[WS 4]
Denkmal des Hans Dehn Rothfelser, † 1561 (Fig. 78).
Das Denkmal stammt aus der Frauenkirche zu Dresden und ist Heft XXI, Seite 66 besprochen; es wurde 1876 auf dem Leubener Kirchhof aufgefunden, 1877 [78] durch den K. Alterthumsverein restaurirt und in der alten, jetzt in der neuen Kirche aufgestellt.
| Rest eines Denkmals der Frau Maria Elisabeth Weller, † 1735.
Sandstein, 86 cm hoch, 170 cm breit. Erhalten hat sich der mittlere Theil mit der Inschrift, eine geschwungene Platte, und nebenstehende Wappen der Bucher und Weller von Molsdorf. Darüber ein Gesims nach oben zu eingezogen, über dem ein Tuch hängt; das letztere bez.: |
Die Platte bez.:
Bildniss des Pfarrers Christoph Schlintzky, † 1727.
Auf Leinwand, in Oel gemalt, 62 : 78,5 cm messend, Brustbild.
Auf dem Kopfe ein schwarzes Käppchen, Gesicht bartlos, kleine Halsbinde über dem schwarzen Talar. Die rechte Hand hält ein Buch. Hintergrund rothbraun, oval begrenzt.
Das Bild ist 1891 erneuert. Bez.:
In der Sakristei aufgehängt.
Friedhof. Vor dem Dorfe an der Strasse nach Gruna gelegen, mit einer Mauer umgeben; er wurde 1675 angelegt. Es erhielt sich das einfache Rundbogenthor mit kräftiger einfacher Umrahmung und Viertelstabprofil. Schlussstein bez.: 1694. | Renov. | 1802 | und | 1832. Das Thor ist jetzt zugemauert.
In demselben nach der Strasse zu der obere Theil eines Denkmals eingemauert, Sandstein. Oben das Lamm mit der Siegesfahne, seitlich beflügelte Köpfe, darunter eine Krone, unter der ein Tuchgehänge hervorkommt. Nur bezeichnet mit dem Leichentext. Wohl um 1720.
Vergl. Festschrift zur Einweihung der Himmelfahrtskirche zu Leuben am 16. Mai 1901.
[79]
Dorf, 2,7 km nordöstlich von Radeberg.
Rittergut. Rundbogenthor, seitlich Sitzplätze, Nische in den Gewänden, Archivolte reich profilirt, es wechseln Karnies und Viertelstab, an der Oeffnung ein breites Glied mit kräftigen Quadern besetzt. Der Uebergang von der Archivolte zu der Nische wird durch eine Muschel gebildet.
Das Thor bildet den Zugang zu einem Keller und ist seitlich von der Strasse in eine Mauer des Gutshofes eingebaut. Es gehört wohl der Zeit um 1650 an. Der untere Theil mit den Bänken ist leider im Erdreich versteckt.
Weisse Mühle. Rechts von der Hausthüre, etwa 2 m über dem Fussboden, erhielten sich zwei Wappen, das Schönfeld’sche und das Schönberg’sche in Sandstein. Durch öftere Anstriche sind die Feinheiten verloren gegangen.
Bez. oben:mit Bezug auf . . . . . . . . . . . .
unten:mit Bezug auf Moritz von Schönfeld auf Wachau.
Kirchdorf, 20,7 km nordöstlich von Dresden, 8,7 km nördlich von Radeberg.
Die Kirche, ein Rechteck mit vorgelegtem Thurm im Westen. Ueber die Bauzeit berichtet eine Sandsteintafel im zweiten Obergeschoss des Thurmes nach Westen zu, bez.:
Das Aeussere zeigt sehr schlichte Formen. Der Thurm hat romanische Anklänge und steigt in zwei Geschossen quadratisch, im dritten Geschoss achtseitig auf. Im Innern der Kirche an drei Seiten Emporen in zwei Geschossen, Decke in Korbbogenform als Rohrputzdecke ausgeführt. Im Uebrigen sehr nüchtern und anspruchslos.
Flügelaltar (Fig. 79). Der Mittelschrein, 155 cm hoch, 106 cm breit, ist ausgezeichnet durch die obere Bekrönung im Stichbogen. Hier und am Postament durchbrochene Verzierungen. Drei Figuren, je etwa 95 cm hoch. In der Mitte Sta. Katharina (?), mit einem Buche in der Linken; Finger der Rechten und Embleme abgebrochen. Zu ihrer Linken Sta. Barbara, die den Thurm frei in der Rechten hält, und Sta. Dorothea mit dem Körbchen. Der Faltenwurf ist breitgezogen und knitterig; bemerkenswerth sind die feinen bewegten Hände. Der Hintergrund gemustert, unter Gold in Schwarz geritzt, oben ein blauer Himmel mit Sternen.
Im rechten Flügel vier kleine Figuren: Papst Urban, St. Nikolaus, Sta. Ottilie mit dem Buche, darauf zwei Augen, eine gekrönte Heilige ohne Embleme, die Hand fehlt. Im linken Flügel: Petrus und Paulus, Sta. Margaretha mit dem Drachen, und eine Heilige, der das Emblem fehlt. Die kleinen Gestalten sind durch Bewegtheit und Lebendigkeit ausgezeichnet.
[80] Auf der Rückseite die Verkündigung, in Tempera gemalt, zu Häupten des Engels das Spruchband. Sehr zerstört.
An den Seiten des Schreines anmuthiges, farbiges Ornament, Blattranken. Am Sockel das Wappen der Maltitzschen oder Miltitzschen Familie. Um 1510.
Jetzt in der Sammlung des K. S. Alterthumsvereins, Inv.-Nr. 883.
Vergl. Flechsig a. a. O. S. 37 a, Tafel 48.
[81] Der jetzige Altar bildet mit der Kanzel einen Aufbau; unter der Kanzel ein Bild in Oel auf Leinwand gemalt, Christus umgeben von elf Aposteln, rechts bez. Hein. Arnold | Prof. pinx. | 1842.
Der Maler war der Sohn des 1797 zu Lomnitz verstorbenen Pfarrers Christian Gottlieb Arnold.
Drei Glocken vom Jahre 1881, gegossen von J. G. Große in Dresden.
Taufgehäuse, Holz, bemalt. Ueber einem einfachen, sechsseitigen Fusse vermitteln Consolen in Renaissance-Barockform den Uebergang zu dem sechsseitigen Becken, ein stark überhöhter Deckel schliesst nach oben ab.
Handwerkliche derbe Arbeit; dürfte den Formen nach mit der Taufschüssel 1648 hergestellt worden sein.
Jetzt auf dem Pfarrboden.
Bild in Oel auf Leinwand gemalt, 106 : 147 cm messend, Christus vor den Richtern. Auf der rechten Seite wird Christus gebunden vor den orientalisch gekleideten Pilatus geführt, der auf einem Throne unter einem rothen Baldachin sitzt. Neben diesem im Halbkreise 19 weitere, mit Namen benannte Richter unter einem grünen Baldachin, vorn rechts sitzen zwei weitere Richter vor einem Tische, im Hintergrunde sieht man durch zwei Bogenstellungen die Stadt und das schreiende jüdische Volk. Rechts seitlich bez.:
Unten an der Langseite bez.:
Bunte, nur kulturhistorisch beachtenswerthe Arbeit, die sich im Schlosse zu Moritzburg ebenfalls vorfindet.
Unten beistehendes Wappen des Musterschreibers Paul Kayser.
Das Bild hängt an der Orgelempore. Die Farben haben stark gelitten.
Zwei Altarleuchter, Bronze, 42 cm hoch, 18 cm im unteren Durchmesser. Mit kräftigem Fusse, kurzem zusammengedrängten Stiel, oben ein Teller mit einem Dorn, unten nebenstehendes Wappen mit der Jahreszahl 1573 aus Bronze aufgesetzt. Das Wappen kommt in Sachsen nicht vor, wurde jedoch von der Tiroler Familie Iphofer geführt.
Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 207 mm hoch, 140 mm Fussbreite. Mit sechspassigem Fuss, Stiel und Knauf, über demselben am Stiel bez. IHESVS.
Am Fusse bez.:
[82]
| R. v. K. dazu das Wappen des Karras (Fig. 80).
M E. V. S. – G. K. mit demselben Wappen. M. G. K. gleichfalls mit demselben Wappen. C. D. P. L. mit dem Wappen Fig. 81. C. HB. mit dem Wappen Fig. 82. |
Am Fussprofil Renaissance-Ornament. Dazu die nebenstehende Marke. Der Fuss dürfte älter sein als Kelch und Knauf, die wohl erst dem endenden 17. Jahrhundert angehören.
Patene, Silber, 17 cm im Durchmesser, mit denselben Marken.
Taufschüssel, Zinn, 50 cm im Durchmesser, einfach, mit breitem sechsseitigen Rande, im Innern rund, bez. Salomon Grei | mius Pastor | A. 1648.
Dresdner Beschau, dazu die nebenstehende Marke.
Abendmahlkanne (Fig. 83), Silber, vergoldet, 17,5 cm hoch, 16 cm im unteren Durchmesser, an dem cylindrischen Bauche reich getriebenes Blumenwerk mit Kindern, an dem vertikalen Henkel ein weiblicher Kopf. Deckel überhöht. Auf der unteren Seite der Fussplatte bez.:
Dazu die nebenstehende Marke, eine zweite ist unkenntlich.
Hostienschachtel, Silber, oval, 9 : 12 cm im Durchmesser, 4 cm hoch, seitlich und auf dem Deckel reich getriebene Früchte, auf dem Boden bez.
Dazu die nebenstehende Marke.
[83]Die Kirche wurde 1705–8 vom Dresdner Rathszimmermeister George Bähr errichtet, 1898/99 vom Architekt Karl Emil Scherz umgebaut. Der Bau bestand aus einem oblongem achteckigen Saal (Fig. 84 u. 85), in dessen südöstlicher Schmalseite der Altar mit Kanzel steht.
An den gegenüberliegenden drei Seiten befanden sich zwei schlichte Emporen (Fig. 86). Der Raum war aufs Einfachste gegliedert. In den Ecken Pilaster, die das Kranzgesims und die grosse Kehle tragen. Die Decke flach verputzt mit einigen Stuckleisten. Das Aeussere (Fig. 87 und 88) ist nicht minder einfach. Ueber den langen Stichbogenfenstern breite Verdachungen; die Thüren in derber Barock-Architektur. Am Nordwestthore die Inschrift: Deo redditum; am Nordwestthore: Proximo datum.
Ueber dem elbseitigen Südwestthore eine Sonnenuhr mit im Stuck angetragenem, bandartigen Zifferblatt.
An den Kirchenecken Lisenen mit Ortsteinen, über dem mit verzierten grossen Kehlen versehenen Hauptgesims ein achtseitig abgewalmtes Mansardedach, das den achteckigen Dachreiter mit geschickt profilirter Haube trägt.
Die später angebauten Betstuben sind wieder entfernt worden.
Hinter dem Altar die Sakristei, von der man direct auf die Kanzel gelangt.
Der Altar (Fig. 89) ist in Stuckmarmor ausgeführt, besteht aus einer mehrfach verkröpften Pilaster- und Säulenordnung mit abgebrochenen Giebelanschwüngen, zwischen denen sich Palmenwedel und ein riesiges flammendes [84] Herz erheben. Auf dem geschwungen profilirten Fries Engelsköpfe. Seitlich an den Pilastern auf Consolen die etwa lebensgrossen modernen Statuen des Johannes und Paulus.
In der Mitte über dem Altartische die kräftig vorkragende Kanzel, auf deren Brüstung ein Relief. Die Thüre ist in ihrem oberen Abschluss durch Ornament verziert.
Hinter dem Altar an der östlichen Umfassungsmauer zwei Sandsteintafeln eingemauert. Die rechte:
[85]Die linke:
[89] Unter der rechten Inschrift links:
Rechts:
Steintafel, auf der Rückseite neu eingesetzt, bez.:
Denkmal des Conrectors J. V. Merbitz, † 1704.
Bronzeplatte, 62 : 65 cm messend, gegossen, mit erhabenen Buchstaben und Schreiberzügen. Bez.:
Gemarkt: Fecit Gottfrid Stengel in Pirnae.
Denkmal der Frau J. M. Arnold, † 1716.
Bronzeplatte in Form eines Vierpasses, 57 : 67 cm messend. Mit gravirter Inschrift und schönen Schreiberzügen.
Die Inschrift ergiebt, dass Johanna Margaretha, M. Johann Arnolds Frau, Tochter des Conrectors M. Johann Valentin Merbitz, am 5. Juli 1686 geboren, am 24. April 1708 verheirathet, in Loschwitz am 27. März 1716 gestorben ist. Am Schlusse:
Mein Schatz, ruh wohl in Deiner Gruft |
Denkmal des M. F. Wolff, † 1722.
Bronzeplatte von 64 : 90 cm, gegossen mit erhabener Schrift, darüber dem Auge Gottes, darunter dem (beschädigten) Wappen der Wolf. Bez.:
Denkmal der Frau J. S. Arnold, † 1723.
Bronzetafel im Vierpass, 57 : 67 cm messend, mit gravirter Inschrift, aus der hervorgeht, dass Johanna Sophia, die Tochter des Pastors M. Johann August [90] Eichfeld zu Grögis, dort am 2. October 1685 geboren wurde, am 2. October 1718 den Magister Johann Arnold heirathete und in Loschwitz am 23. October 1723 starb. Dazu die Verse:
Mein Schatz, wir sind sehr Früh geschieden |
Denkmal der Frau K. E. Boerner, † 1730.
Bronzetafel, 35 : 45 cm messend, mit der gravirten Inschrift:
Gemälde des Gekreuzigten, auf Leinwand, in Oel, 105 : 142 cm messend. Am Fusse ein grosser behauener Stein, am Kreuze sich hinaufwindend eine Schlange. Eine spätere Nachahmung des van Dyck, hinsichtlich des Körpers wie des Lichteffectes. Zweite Hälfte 18. Jahrh.
Bildniss des Pastors Johann Arnold, † 1732.
Auf Leinwand, in Oel, oval, 60 : 85 cm messend.
In schwarzen Locken, Bäffchen und Amtsrock, in der Linken die Bibel. Bez.:
Rentoilirt und sehr stark übermalt.
Bildniss Melanchthons. Copie des 17. Jahrh. nach Lukas Cranach.
Auf Leinwand, in Oel, 73 : 145 cm messend. Bez.:
Victoriastrasse Nr. 9. Denkmal, dem Weinbau gewidmet, in Gestalt einer Säule, etwa 7 m hoch (Fig. 90).
Ein quadratisches Postament mit glatter Fuss- und Kopfplatte, auf der eine toscanische Säule steht; darüber ein Würfel und als oberster Abschluss, auf Kugeln ruhend, ein kurzer Obelisk mit einer bemalten Wetterfahne in Gestalt eines Bacchuskopfes mit Windwolke. Postament und Säule sind aus einem granitartigen, sehr harten Gestein, Würfel und Obelisk aus Sandstein. An drei Seiten des Würfels Sonnenuhren in verschiedener Art angeordnet. Dazu zwei Seiten bez.:
- 1. sicut umbra dies nostri (?).
- 2. Jesu Führe Mich. | Die Zeit fleucht schnell dahin | laß uns Herr Christi Dir sehen | Weil du der Weinstock bist | und Wir in Dir die Reben. | 1674.
Der Obelisk bez.:
- 1. Renov. | 1792. | J. W. G. | Bin .. r.
- 2. Johann. Darüber ein überarbeitetes, schwer zugängiges Wappen.
- 3. Ren. Ano.
- 4. 1753. | J. A. J. | Friedrich – Müller.
Das Denkmal steht im östlichen Theile des Gartens und ist gut erhalten.
Fährgasse Nr. 45. Das alte Fährhaus, an der Elbe gelegen, von rechteckiger Grundform, das massive Erdgeschoss an einer Schmalseite offen, [91] an der anderen die Treppe zu dem Fachwerkobergeschoss. An der inneren Längsseite zwei grosse Rundbogenöffnungen mit niedriger Brüstung. Im Obergeschoss primitive Balkendecke mit Einschub. Die Fenster sitzen unsymmetrisch. Das Mansardedach hat an der östlichen Schmalseite eine andere Neigung als an den übrigen.
Fährgasse. Die alte Erbschänke, nördlich vor dem Fährhaus gelegen. Die im Obergeschoss rechteckige Grundform ist in der Hälfte der Westseite im Erdgeschoss um 80 cm eingezogen, die vorstehenden Balken im Obergeschoss vermitteln den Ausgleich. Nordöstlich ein grosser Anbau für die Weinpresse. Der Zugang erfolgt durch eine Rundbogenthüre, seitlich derselben zur Beobachtung ein kleines Stichbogenfenster. An der vorgezogenen Ecke daneben aufgeputzt: H. B. H. 1697. An den Ecken der Zugangsseite westlich aufgeputzte Eckquaderung. Die geraden Giebel an den Stirnseiten sind einfach mit Schalung versehen.
Das massive Erdgeschoss enthält etwa in der Mitte einen Vorraum mit der Treppe zum Obergeschoss, seitlich rechts, also südlich, legt sich daran die alte Schänkstube mit hübscher profilirter Balkendecke und diagonal verlegtem Einschub. Eine geräumige Küche und die nördlich gelegenen Kellerräume, theils in der Tonne, theils mit Kreuzkappen eingewölbt, vervollständigen das Ganze. Im Fachwerkobergeschoss schlichte Wohnräume mit einfachen Balkendecken. An den Thüren erhielten sich die alten Beschläge.
Bautzner Strasse Nr. 18. Schloss Albrechtsberg, an dessen Stelle vorher das Bergpalais des Lord Findlater stand. Stiche von C. F. Sprinck und C. Beichling geben die Ansicht desselben nach der Elbe.
Nach denselben bestand der symmetrische, klassicistische Bau aus einem zweigeschossigen Hauptgebäude, an das sich beiderseitig eingeschossige Flügel anlegten, die im Obergeschoss als Terrassen ausgebildet sind. Vor denselben grosse Freitreppen mit drei im Rundbogen geschlossenen Thüren.
Das Hauptgebäude, der mittlere Theil vorgeschoben drei Achsen breit, seitlich in den verbrochenen Ecken je ein Fenster. Im Obergeschoss sind die Oeffnungen [92] im Rundbogen abgeschlossen. Vor diesen Theil legt sich eine Vorhalle auf sechs dorischen Säulen. Seitlich derselben je zwei Fenster. In den Rücklagen daneben je drei weitere, die alle gerade abgeschlossen sind.
Das Gurtgesims und die Brüstungsgesimse sind um den Bau herumgeführt. An den Schmalseiten spitze Giebel mit grosser Rundbogenöffnung, seitlich ein gerades Fenster.
Das Dach ist allseitig abgewalmt. In der Mitte über quadratischem Unterbau ein runder Thurm, im unteren Theil geschlossen, darüber acht korinthische Säulen mit Gebälk und kuppelartigem Abschluss. Vor dem Hause grössere Terrassen.
Das Ganze dürfte den klassicistischen Formen nach um 1820 erbaut sein.
Bautzner Strasse Nr.3 (Fig. 91 u. 92). Das Gebäude wurde für die Chausseegeldeinnahme um 1800 erbaut. Ein schlichter eingeschossiger Bau mit steilem Mansardedach darüber; an der vorderen Seite auf einfachen Consolen eine Spitzverdachung über dem Hauptgesims. Die Schmalseiten als gerade Giebel abgeschlossen. [93] Der Grundriss (Fig. 92) giebt ein typisches Beispiel eines ländlichen Beamtenhauses jener Zeit.
Carolastrasse Nr. 37. Das Wohnhaus, ein schlichter, zweigeschossiger Bau, in Form eines Winkels, ist an der Ostseite des Mordgrundes gelegen. Im ersten Obergeschoss der Südseite ein hübscher Saal, drei Achsen breit. In der Mitte der Schmalseiten zwei einfache Kamine in Sandstein; als Kopfgesims dient eine kräftige Kehle mit Plättchen und Stab. Darüber ein Aufbau, seitlich gerade
begrenzt, oben mit einem Stichbogengesims abgeschlossen. In der Mitte eine Stichbogenöffnung mit einfacher Umrahmung, mit moderner Malerei. Das Gesims umzieht den ganzen Raum, der mit einem Spiegelgewölbe abgeschlossen ist. In der Mitte des Spiegels eine Windrose in Kreisform, ein Zeiger, der mit einer Windfahne über dem Dache in Verbindung steht, giebt das Wetter an. Die Rose ist bezeichnet: Kalt, Warm, Trucken, Feichte (vergl. die gleiche Einrichtung im Dinglinger’schen Hause, Heft XXIII S. 683). Die Malerei der Decke ist aus neuerer Zeit. Im Erdgeschoss eine einfache Kaminumrahmung. Der Keller mit Fallthürverschluss.
[94] Im Garten wurden nach der Seite des Mordgrundes Terrassen in verschiedenen Höhen angelegt, die an der südwestlichen Ecke durch einen Pavillon (Fig. 93), ihren Abschluss finden. Links führt eine Treppe nach dem steilabfallenden Hange, der an der westlichen Seite durch Plattformen in verschiedenen Höhen zugängiger gemacht worden ist. Der Pavillon, ein unregelmässiges Achteck, mit Austritt an der steil abfallenden Südseite.
Unter demselben im Erdgeschoss eine nischenartige Erweiterung mit einer Maske, Sandstein, 32 : 37 cm messend, stark beschädigt; grosse Augen, der Mund weit geöffnet. Die seitlichen Rollen und Anläufe stark beschädigt.
An den Achteckseiten eine schmale lisenenartige Umrahmung. Fenster gerade, die Thüren im Korbbogen abgeschlossen. Darüber einfaches Zeltdach. Die Decke im Innern einfach mit grosser Hohlkehle.
Weibliche Figur, Sandstein, 140 cm hoch. Der kleine, nach rechts geneigte Kopf mit gewelltem Haar. Der Körper, grösstentheils nackt, wird im unteren Theile vorn und auf dem Rücken durch ein straff angezogenes Tuch verdeckt. Beide Hände halten es oben und unten. Das linke Bein ist vorgestellt; der Unterkörper auffallend schlank; die einzelnen Körpertheile von voller, weicher Form. Das Ganze eine derbere Arbeit, stark überstrichen, gut erhalten. In einer Wandnische der Terrasse vor dem Pavillon aufgestellt, auf einfachem Postament.
Zwei männliche Figuren, Sandstein (Fig. 94), an dem Verbindungsgange zwischen Terrasse und Pavillon aufgestellt, auf Postamenten. Beide scheinbar historische Personen des klassischen Alterthums von unklarer Charakteristik.
Die linke 172 cm hoch. Das bartlose Gesicht nach links gewendet, auf dem Haupte ein Helm mit Federbusch. Die Tracht erinnert an die eines römischen Legionärs. Hals, der obere Theil der Brust, Unterarme und die Beine sind nackt, ein fein gefalteter Rock fällt bis auf die Schenkel. Der linke Arm hält ein an der Seite stehendes Schwert, der rechte, scheinbar erhoben, ist abgeschlagen.
Die rechte 162 cm hoch. Das linke Bein vorgestellt, die linke Hand ruht auf einem Schild, die rechte ist an die Seite gestemmt. Der Oberkörper ist nackt, ein kurzer Rock reicht knapp bis an die Schenkel. Das Schwert hängt an Riemenzeug auf der linken Seite nach hinten zu. Das bartlose Haupt mit dem runden Helm ist erhoben. Um den Rücken hängt ein Tuch.
[95] Beide Figuren sind stark übermalt und beschädigt. Die Feinheiten haben sehr gelitten. Man erkennt deutlich das Bestreben, sich der Antike anzulehnen, was besonders durch die schlanken Formen und Verhältnisse bestätigt wird.
Bessere künstlerische Arbeiten, die man dem Thaddeus Ignaz Wiskotschill zusprechen darf, dessen Figuren im Marcolinischen Palais ganz ähnlich durchgeführt sind. Vergl. Heft XXII, S. 581–84.
Im östlichen Theile des Gartens erhielt sich eine Kegelbahn. Ein langgezogener, unregelmässiger Pavillon mit Zeltdachabschluss und Ziegeln eingedeckt. In Verbindung damit die Bahn, mit Satteldach abgedeckt; die lange Fläche wird durch Lisenen in Felder getheilt und ist theils verschlagen, theils mit Sprossen in diagonaler Richtung gefüllt.
An der Carolastrasse zwei kräftige Thorpfeiler, seitlich scharirt, oben über der Platte kurze Obelisken als Aufsatz.
Kirchdorf, 13 km nördlich von Dresden.
Bereits im 15. Jahrhundert wird ein „Lager der Jäger zum Isenberge“ urkundlich erwähnt (vergl. Heinrich Haug, Das kurfürstliche Amt Dresden vom 14. bis zum 19. Jahrhundert, Dresden 1902, S. 33).
Kurfürst Moritz begann 1542 den Bau des Jagdschlosses nachdem vorher die Umfassungsmauer aufgeführt worden war; 1546 war der Bau vollendet (vergl. H.-St.-A. Bau zu Moritzburg 1558–1661, Bl. 84, Loc. 4455). Der Bau steht auf einer zwischen 1722 und 1730 durch Abgrabung zu einer Insel umgebildeten Landzunge, die den früher Moselbruch genannten Schlossteich vom Kapellenteich trennte. Das Schloss ist auf Felsboden erbaut, war dreistöckig, das unterste Geschoss massiv, die oberen in Fachwerk. Die Verbindung zu den einzelnen Stockwerken bewerkstelligte ein aussen angebauter Wendelstein. Das Herrenhaus war nahezu im Quadrat von einer einen Hofraum bildenden massiven Mauer umgeben, an deren vier Ecken runde, dreistöckige Thürme sich vorbauten. Die Thürme hatten geschweifte Hauben. Der Eingang ins Innere erfolgte nur durch den südöstlichen Thurm, über dessen Thoröffnung in Stein die Inschrift: A. C. 1542 sich befand. Ueber dem Eingange zum Wendelsteinthurm war eine steinerne Inschrifttafel folgenden Inhaltes angebracht:
| Ich eines Fürsten Jagthauss, Wer mich veracht, der bleibe drauss. Ob ich nicht iedem gefallen thu, Lass mich allein, behalt sein ruh. |
Für den Bau waren verausgabt worden 13 698 fl. 12 gr. 8 ₰, davon für den Maler 885 fl., den Steinmetz 448 fl., den Bildhauer 85 fl.
Die Bauleitung soll Hans Dehn Rothfelser gehabt haben. Dies wird bestätigt durch den Umstand, dass Kurfürst August am 3. April 1565 bei den [96] Erben dieses anfrug, ob sich noch Risse des Schlosses sich in deren Besitz befinden. (H.-St.-A. Cop. 345, Bl. 143.)
Im Jahre 1555 wurden die Keller unter dem Herrenhause aus dem Felsen ausgearbeitet, ausgemauert und in Tonnen eingewölbt. Ferner wurden die Dachstuben im obersten Stockwerke „wohnlicher“ hergerichtet, Böden, Dächer und Stallungen fertiggestellt. 1562 wurde ein „Wasserkünstler“ des Herzogs Ernst von Braunschweig, der damals in Herzberg arbeitete, nach Moritzburg berufen. (H.-St.-A.: Bauamt betr. 1572, Loc. 4449, Bl. 4.)
Von 1582–1584 wurden umfassende Verbesserungen vorgenommen, die sich, da das Fachwerk der Giebel als morsch befunden wurde und die Giebel selbst sich
nach vorn geneigt hatten, zu einem Umbau ausdehnten. Die Pläne hierzu lieferte der Oberzeugmeister Paul Buchner; der Baumeister Peter Kummer (H.-St.-A. Cop. 476, Bl. 337) und der Zimmermeister Mertens Heidehan führten den Bau (Fig. 95, 96 und Fig. 97) aus. Mit Anschwüngen gezierte Giebel wurden aufgesetzt. der Wendelstein erhöht und mit neuer Dachhaube versehen. Innerhalb der nördlichen und südlichen Umfassungsmauern wurden Stallungen erbaut, über diesen Wohnräume eingerichtet und diese durch Gänge untereinander verbunden. Ein brückenartiger Bau stellte die Verbindung zwischen Schloss und Umfassungsmauer her. Der Umbau kostete 3362 fl. 7 gr. 10 ₰. Gewände, Säulen und Gesimse wurden durch den Dresdner Steinmetzen Melchior Bartelt verfertigt, der Hofmaler Heinrich Göding bemalte und vergoldete die Wetterfahnen. Ferner lieferten: Schmiedearbeit Hans Albrecht, Kannegiesserarbeit Salomon Lingke, Tischlerarbeit Christoph Christmann, Ziegeldeckerarbeit [97] Martin Kummer, Kleiberarbeit Donat Lange, Töpferarbeit Melchior Hannsen, Malerarbeit Hans Frischheintz, Schlosserarbeit Hans Göbel Glaserarbeit Martha Heroldin, die Uhr richtete Peter Hacke aufs neue zu.
Auch 1590–1591, unter Kurfürst Christian I. wurden erhebliche Beträge für Moritzburg verrechnet, zusammen 6270 fl. 12 gr. 9 ₰, und auch nach diesen
forderte Buchner 650 fl. für Verbesserungen (H.-St.-A.: Bau zu Moritzburg etc. 1588–1661, Loc. 4455, Bl. 9.) Gebaut wurden die gewölbten Pferdeställe und der Heuboden darüber. Malerarbeiten führte Daniel Bretschneider aus.
Ein unter der Regierung des Administrators Herzog Friedrich Wilhelm (1591–1604) unter Buchners Anweisung geschnitztes Holzmodell (jetzt im Königlichen Grünen Gewölbe zu Dresden) zeigt das Schloss dieser Zeit. Nach diesem Modell sind die Fig. 95, 96 und 97 gezeichnet.
Der südöstliche Thurm hiess der Jägerthurm, Pagen- oder Kellereithurm, der nordwestliche der Küchenthurm, der nordöstliche der Amtsthurm, Amtsschösser- oder Brückenthurm und der südwestliche der Backhausthurm oder Junkerthurm.
[98]Im November 1593 reicht Buchner einen Vorschlag ein, die Moritzburg durch Wall und Graben noch mehr zu sichern, „weil man von dem Walde an die Schiesslöcher kommen kann“ (vergl. H.-St.-A. Loc. 7299). Hierauf wurde zwischen 1594–98 eine zweite Ummauerung aufgeführt und in dem so gebildeten
zweiten äusseren Hofe ein Zwinger mit kleineren Gebäuden, Hundeställen und dergl. angelegt, der 1603–1604 zum Thiergarten erweitert wurde.
Am 22. April 1602 gelangte in Gegenwart Kurfürst Christian II. eine vom Dresdner Bildschnitzer Christoph Walther gefertigte Statue zur Aufstellung, und zwar wurde „ein von Stein gefertigter Hirsch, Jäger und Hund auf die bekannten steinernen Säulen gesetzet.“ Laut Inventar über Moritzburg vom Jahre 1614 befanden sich am Hause im Hofe zwei steinerne grosse bemalte Statuen, ein Hirsch mit 16 Enden, „darbey auch ein Hundt, so an den Hirsch jaget“ und unter dem Hirsche eine Schlange, die andere aber stellte einen in Lebensgrösse gebildeten grün angestrichenen Jäger vor, der auf der einen Seite einen Hirschfänger, auf der anderen ein Horn trug, mit halbhohen Stiefeln bekleidet war und in der rechten Hand ein Glas, in der linken einen Sauspiess hielt; bei ihm ein [99] weisser Hund. 1637 waren dem Hirsche die vorderen Läufe abgeschlagen, der Jäger von dem Postament, das mit vergoldeten Löwenköpfen geziert war, heruntergeworfen und zerbrochen worden, „welches die schwedischen Soldaten, als sie daselbst logirt, sollen gethan haben“. Kurfürst Johann Georg II. liess 1661 durch den Bildhauer Wolff Ernst Brehnen „einen neuen Jäger von Stein verfertigen,“ der aber bereits im Jahre 1693 wiederum in sehr schadhaftem Zustande war.
Die Statue dürfte jene sein, die jetzt an der Südwestecke der Schlossinsel steht (Taf. I). Denn die Tracht weist sie der Zeit um 1600 an, die Ausführung und einige Details auf spätere Arbeit. So finden sich am Waidmesser das Kurwappen, an der Waidtasche aber das sächsisch-polnische Königswappen. Die Statue ist von Sandstein, 2 m hoch, bekleidet mit Filzhut, darauf einem Stutz, kurzer Jacke, Pluderhosen und Stiefeln. Der Jäger bläst nach rechts (?), in der Gegenhand hält er den Sauspiess, zur Seite ein kleiner Hund. Vergl. die Statuen des Jagdschlosses Grillenburg (Heft XXIV, S. 44).
Die Statue an der Südwestecke ist neu.
1603–1604 wurde das Tafelgemach erneuert und dessen „Symbole“ reparirt, „auch darinnen der zinnerne Wassertrog und Hirsch sambt desselben Wasserläuffte“ hergestellt. „Ao. 1614 wurde des Ambtsschössers oder der Brückenthurm und das Kohlgewölbe oder nunmehr neue Kellereithurm vollends ausgebaut.“ 1635 fanden Ausbesserungen an den Thürmen durch den Baumeister Ezechiel Eckhart statt. 1654–1656 wurde ein neues Backhaus unter dem Junkerthurm und ein Seitengebäude gegen den Moselbruch-Teich ausgebaut. In den Jahren 1658–1661 wurde das ganze Schloss – auch äusserlich – erneuert. Der Kurfürst liess die Gemächer neu ausmalen, die Wendeltreppe am östlichen Stalle erhöhen; unter dem Jäger- oder Pagenthurm wurde eine neue Kellerei eingebaut. Am Eingange zum Wendelstein im Hofe wurde eine 10 ℔. schwere, vom Kupferschmied Tobias Bertram in Dresden gefertigte kupferne Tafel angebracht, mit der Inschrift:
| J. G. D. II. C. |
| Ich ergetze meinen Fürsten, Den nach Jagtlust pflegt zu dürsten; Kurtzweill ist hier gut zu treiben, Wer nicht kann, der lass es bleiben. |
| 1658. |
Im Inventar vom Jahre 1709 wird diese Tafel „ein Block mit der goldenen Schrift“ im Kirchengewölbe unter der Kirche erwähnt; sie ist vielleicht daselbst unter dem Bewurf erhalten. Nach der erhaltenen Baurechnung des Landbaumeisters Ezechiel Eckhart waren von 1656–1664 aufgeführt: der Bau des Seitengebäudes zwischen dem Schössereithurm und dem Küchenthurm, 39 Ellen lang und 12 Ellen breit, des Wendelsteins, „darauf der Trompeterstuhl steht“, eines Pferdestalles im Holzhofe, die Erhöhung des Wachhauses um ein Geschoss mit Thürmchen und Wendeltreppe, eine Aufziehbrücke. Der Gesammtaufwand betrug 5127 fl. 11 gr. 1/2 ₰. Auch wurde im Jahre 1660–1662 ein neuer Teich, der Kapellenteich, dem Moselbruchteich gegenüber südlich vor dem Schlosse angelegt.
[100]Am 1. November 1661 wurde der Grundstein zu der nach dem Entwurfe des Oberlandbaumeisters Wolff Caspar von Klengel durch den Unterbaumeister Johann Albrecht Eckhart an der Westfront der Umfassungsmauer erbauten Schlosskapelle gelegt, welche 1672 vollendet war (vergl. H.-St.-A. Loc. 4455, Loc. 1318). Den Zustand, in den das Schloss nunmehr versetzt worden war, giebt Fig. 98 nach den Plänen des K. Hofbauamtes und Fig. 99 wieder.
Zur Erbauung der Schlosskapelle reichte Eckhart am 26. Januar 1661 einen ungefähren Kostenanschlag von 1395 fl. 20 gr. 2 ₰ ein, der des Kurfürsten Johann Georg II. Genehmigung erhielt. In den Grundstein legte der Kurfürst eine Kapsel mit einer Flasche rothen und einer Flasche weissen Weines und eine kupferne Kapsel mit drei für diese Feierlichkeit geprägten Denkmünzen und ein Schriftstück, dessen Abschrift im Hauptstaatsarchiv (Nachricht der Grundsteinlegung etc. betr. Loc. 4455, Bl. 30) sich befindet.
Wegen dieses Kapellenbaues musste die Verbindungsmauer zwischen Jäger- und Backthurm abgebrochen und Nebengebäude errichtet werden, die seitlich an die Kapelle anstiessen und von wo aus der Eintritt zu den Emporen geschaffen wurde. Die Ausgaben für den Kirchenbau betrugen 10 544 fl. 10 gr. 83/4 ₰.
[101] Laut der Kirchenbaurechnung waren unter Anderen am Bau beschäftigt; Hofzimmermeister Matthes Schumann in Dresden, die Steinbrecher Matthes Tiebel und Peter Schulze in Beerwalde, „brachen den felsigen Grund aus“, Steinmetz Johann Albrecht Eckhardt, Maurermeister Mertens Möser, die Stukkateure Giov. Materno, Domenico Galli und Antonio Trenello, der Glockengiesser Andreas Herold, der Kupferschmied Tobias Bertram, der Nadler Michel Schober, der Klempner Christoph Fleischer in Dresden, der Kannengiesser Caspar Scheidereisser, der Bildhauer Heinrich Krockner fertigte die Rahmen zum Altar, eine Krone über die Kanzel, zwei Malteser Kreuze und vier Gesprenge in die Dachungen, die Hoftischler Christian Hennemann und Michel Bilz. Die Säulen drechselte Gottfried Müller in Dresden. Weiter wurde beschäftigt der Hofschlosser Michel Lohse, der Glaser Samuel Wildenhain, die Schmiede Hans Haubold in Eisenberg und
Georg Häbold in Coswig. Der Hofmaler August Schumann vergoldete die Fahnen und strich die Fenster. „40 fl. an Maler Friedrich Schreivogel, von einer Fassung um das grosse Stück oben am Gewölbe in der Capelle, welches der Oberhofmaler Johann Fink verfertiget, von 28 Ellen in der Länge und 1/2 Elle in der Breite von Gold und Blau zu machen incl. 10 fl. für Vergüldung des Lorbeerkranzes auch das güldene Astragali umb das grosse Gemälde in der Kirche.“ „114 fl. 6 gr. – ₰ oder 100 r. „an Johann Fincken, Oberhofmaler, von dem grossen Stücke Oval-Decken-Malerei in der Kirche, welches der vorher übergebenen Bezeichnung nach in der Länge 91/2 Ellen und Breite 6 Ellen in sich hält, von Oehlfarben zu verfertigen.“ Seilerarbeit lieferte Georg Fuchs, Büttnerarbeit Michael Pidig in Radeburg und Georg Dietrich in Gävernitz.
Die oben erwähnte Denkmünze zeigt auf dem Avers einen Obelisk, an dem der Namenszug J. G. 2 zwischen den Schwertern und Palmzweigen befestigt und
[102]mit einem geschlossenen Helm bedeckt ist. An der Spitze das Auge Gottes; unten am Postament wieder ein Auge, das auf die Erde schaut. Zur Rechten sieht man unter einer Krone die aufgeschlagene Bibel, deren eines Blatt die eherne Schlange, das andere den Gekreuzigten, das Bild des Alten und das Gegenbild des Neuen Testaments vorstellt. Zur Linken die Kurschwerter in einem Lorbeerkranze unter dem Kurhut.
- Umschrift: Pro Fide et Patria. Die Inschrift auf dem Revers: Numm. inaugur. in Memor. templi ad arcem Moritzburg instituto sereniss. D. D. Johannis Georgii II. Elect. Sax. extructi cusus et ispa electoris manu lapidi angulari impositus. D. 1. Novemb. A. M.DC.LXI.
(Vergl. Tentzel, Tab. 55 p. 543.)
Auf der zur Einweihung der Kapelle 1672 geprägten Medaille zeigt der Avers die Innenansicht der Kapelle und den Kurfürsten vor dem Altar auf den Knieen liegend. Um den Rand bez.:
- Herr ich habe lieb die Staedte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnet.
Dazu das Chronogramm auf 1672. VVEIHVNG DER MORITZBVRGER CAPEL. d. 24 Junii.
Auf dem Revers befindet sich derselbe Obelisk wie auf der Denkmünze zur Grundsteinlegung mit dem Wahlspruch Sursum Deorsum zu beiden Seiten.
Die Umschrift giebt in ihren Anfangsbuchstaben Namen und Titel des Kurfürsten:
Und Bestaendge Christenlieb.“
Die Kapelle (Fig. 100) ist 17,20 m lang, 10,50 m breit und 13,10 m hoch. Sie liegt im ersten Obergeschoss. Das durch Pfeiler in drei Schiffe gegliederte und überwölbte Erdgeschoss dient zu Wirthschaftszwecken. Mit dem geschweiften [103] Dach erhält der Bau eine Höhe von 23,5 m, mit dem Dachreiter von 46,2 m. Die Kapelle ist nach Westen orientirt. Sie besteht aus einem rechtwinkeligen Raum mit dem Altar an der westlichen Schmalseite, gegenüber einer Fürstenempore, die auf zwei Pfeilern und drei Bogen eingebaut ist. Die westlichen Hälften der Langhauswände sind durch je drei Fenster durchbrochen, ebenso die Westwand. Die östlichen Hälften sind undurchbrochen und nur dekorativ gegliedert. Ueber der bis 1723 offenen Eingangsthür im Innern der Kapelle befindet sich eine weissgeaderte, von einem Stück Lorbeerkranz eingefasste und mit dem Kurhute und den Kurschwertern verzierte Marmortafel mit folgender Inschrift:
IMP. ARCHIM. ET ELECT. | HAS AEDES SACRAS IN HONOREM
NOMINIS | DIVINI TVM SVÆ POSTERORVMque PIE | TATE
EXERCITANDÆ E FVNDAMENTO | IN HANC FORMAM EXTRVI|
CVRAVIT. A. SAL. M.DC.LXXII.
Darunter: Fridericus Augustus Rex. Pol. et El. Sax. restauravit Año. M. DCCXXVIII.
In der Nähe der alten Eingangsthür befinden sich oben an den beiden Langwänden das sächsische Wappen und die Kurschwerter, darunter zwei gleichlautende hebräische Inschriften.
Die Decke ziert ein ovales ca. 2,7 m langes und 1,7 m breites Gemälde, Christus von Engeln in den Himmel getragen, von Oberhofmaler Johann Fink. Das Bild ist in den scharfen Tönen und der Härte der Zeichnung den Arbeiten Bottschildts verwandt. Die in den Formen ziemlich leere Fassung um das Deckenbild ist vom Maler Friedrich Schreivogel gemalt.
In der Mitte der Langseiten ist südlich die Sakristei angebaut, von der eine Treppe zur holzgeschnitzten Kanzel führt. Der Sakristei gegenüber befindet sich an der Nordwand ein gleicher Anbau, ein unterer Raum und darüber eine Loge. Auf die vier Thürfüllungen zur Sakristei und zum gegenüberliegenden Raume sind in gelb und weiss mit Leimfarbe Szenen aus der biblischen Geschichte gemalt: Rebekka am Brunnen; Moses, Wasser aus dem Fels schlagend; und dergl. Ebenso sind die Rückseiten der Thüren bemalt. Auch auf der oberen Empore, die mit bunter Ledertapete, wahrscheinlich Arbeit von Pierre Mercier, ausgeschlagen ist, hängen drei Bilder, wie die Thürfüllungen in der Kapelle mit Leimfarben gemalt, in grünem Rahmen; Szenen aus der biblischen Geschichte. Zwei 0,68 m hoch, 1,30 m breit; eines, Gesetzgebung auf dem Berge Sinai, 0,80 m hoch, 1,30 m breit; geschickt ausgeführte dekorative Arbeiten. Die Sakristeiwände sind mit bedruckter Leinwand bekleidet.
In dem im Jahre 1851 vollständig erneuerten Kapellenthurme befindet sich ein Geläute von drei Glocken, welche von Andreas Herold in Dresden gegossen wurden und 441 fl. 12 gr. kosteten. Das Metall hierzu lieferte die Seigerhütte Grünthal.
Die erste Glocke, 0,70 m hoch, 0,70 m Durchmesser, 6 Ctr. 95 ℔ . Metall. Inschrift:
SACELLUM DEO OPT. MAX. SACRUM ESSE VELLET, IDEM ET HAC
CAMPANA CURAV. AN. CHR. M.DC.LXV. ELECTORAT. IX.
FECIT ME ANDREAS HEROLD.
[104] Die zweite Glocke, 0,55 m hoch, 0,70 m Durchmesser, 3 Ctr. 84 ℔. Metall. Inschrift:
PRINCEPS. AO : M.D.C LXV.
FECIT ME ANDREAS HEROLD.
Die dritte Glocke, 0,45 m hoch, 0,55 m Durchmesser, 1 Ctr. 84 ℔ Metall, trägt die gleiche Inschrift wie die zweite.
Der 1851 erneuerte kupferne vergoldete Knopf des Thurmes ist 0,71 m hoch, 0,60 m weit. Der ursprüngliche war von Tobias Bertram gefertigt und von Martin Löwe in Dresden vergoldet. In ihm lag: eine Büchse, darin die Denkmünze auf die Grundsteinlegung, eine solche von 1630 auf die hundertjährige Jubelfeier der Uebergabe des Augsburgischen Glaubensbekenntnisses und die kursächsischen Münzen vom Jahre 1665; ferner ein Zettel mit der Aufschrift: „Meister Johann Dietze, Bürger vndt Kupferschmidt machte mich zu vndt setzte diesen Knopf auf den 14 October 1665“. In den neuen Knopf wurden gelegt: ein Schriftstück über die Neuaufführung des Thurmes; die im alten Knopfe vorgefundenen Gegenstände; ein kupfernes Kästchen, worin ein Abdruck des Augsburgischen Glaubensbekenntnisses von 1630, eine Denkschrift über die Gründung und Erbauung der Schlosskapelle, und die sächsischen Münzen vom Jahre 1851. Ferner mehrere neuere Schrift- und Drucksachen.
Die kupferne vergoldete Wetterfahne des Kapellenthurmes ist 1,40 m lang, 0,90 m breit, Gewicht 45 ℔., vom gleichen Meister wie der Knopf verfertigt. Ein im Jahre 1665 sichtbarer Komet war die Veranlassung, dieser Wetterfahne die Form eines Kometen zu geben; sie trägt in ihrer Fläche die Jahreszahl 1665.
An die Westwand der Kapelle angelehnt ist der Altar, eine in Holz hergestellte, etwas sperrige barocke Säulenarchitektur. Ueber den verkröpften Säulen Vasen, zwischen ihnen ein Gemälde, die Himmelfahrt Mariä, unten die Apostel um das leere Grab versammelt, auf Holz gemalt, unbekannten Meisters. Höhe ca. 3,30 m, Breite ca. 2,50 m.
Der Altartisch von weichem Holz, schwarz angestrichen. Die Füllungen sind von fleischfarben geadertem Marmor, deren 1,80 : 0,79 m messende Vorderplatte folgende Inschrift trägt:
dann die Kurschwerter im Lorbeerkranz, darunter M. DC. LXXII
Ursprünglich, bis 1728, befand sich im Altare das Gemälde, die Himmelfahrt Christi, vom Maler Stephano Cattaneo, dat. 1669, auf Leinwand gemalt, das 1902 in Dresden von O. Nahler restaurirt wurde.
Ueber Cattaneos Bild befand sich bis zum Jahre 1728 ein kleines Rundbild im Altare gefasst, der heilige Geist in Gestalt der Taube, vom Maler Johann Finck, an dessen Stelle jetzt eine vergoldete Holzschnitzerei, strahlende Sonne mit Kranz und mit I. H. S., angebracht ist.
Der Altar selbst ist nicht katholisch geweiht, enthält aber ein altare portabile. Auf dem Altartische befindet sich nämlich in einem Holzrahmen ein [105] herausnehmbarer Stein, unter dem Reliquien bewahrt sind und auf dem sich angeblich folgende Inschrift befindet:
Anno 1721 die 12 Maji Reverendissimus perillustris, ac Amplissimus Dominus Dominus, Anselmus, Ordinis S. Bedicti, Monasterii S. Nicolai Vetero Pragae Abbas, consecravit hoc Altare portatile in honorem Beatae Mariae Virginis et omnium sanctorum specialiter autem in honorem . . . . . (unleserlich) quorum reliquias in eodem inclusit.
Der Stein wurde 1901 in Dresden ausgebessert.
Kanzel, in Holz geschnitzt, wahrscheinlich ein Werk des Hoftischlers. Christian Hennemann.
Auf der unteren Empore der Ostwand eine Orgel, 1,20 m breit, 2,20 m hoch, in sehr zerstörtem Zustande. Die Orgel stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist mit Chinesenmalerei und mit Emailbeschlägen, worauf chinesische Landschaften sich befinden, geschmückt.
Figur, Christus an die Staupsäule gebunden, 1,20 m hoch, Sockelbasis
52 cm breit, 27 cm tief, aus fleischfarbigem, rothgefleckten Marmor.
Der krasse Naturalismus, der den Bildhauer die rothen Flecken des Steines zur Bildung von Blutflecken und Blutbeulen benutzen liess, sowie die Bildung des schmerzverzerrten Antlitzes lassen auf die Hand eines deutschen Meisters des endenden 18. Jahrhunderts schliessen.
Rechts vom Altare aufgestellt.
Zwei Gemälde: 1. Die Stäupung Christi, 1,65 m breit, 1,10 m hoch, Halbfiguren. Unbekannter Meister. 2. Thomas betastet die Wundmale des Herrn, 1,55 m breit, 1,05 m hoch. Ebenfalls Halbfigurenbild, vom gleichen Meister wie Nr. 1.
An der Nord- und Südwand, nahe dem Altare, aufgehängt.
Ein Crucifixus, 1,38 m hoch, um 1740.
Zwei Leuchter, 0,42 m hoch, um 1740/50.
[106] Zwei Apostelfiguren, Petrus und Paulus, 51 cm hoch, um 1740, gemarkt mit den Schwertern.
Alle 5 Stücke weisses Meissner Porzellan, nach Modellen von Johann Joachim Kändler. Auf dem Altare.
Den Zustand, in dem sich das Schloss zu Ende des 17. Jahrhunderts befand, giebt wie gesagt Fig. 98 u. 99 nach einer alten Zeichnung wieder.
1686 wurde der in den Felsen eingehauene Brunnen angelegt, der noch erhalten ist und sich im Schlosse nächst dem Küchenthurm befindet.
[Bild][(-)] [107] Unter Kurfürst Johann Georg IV. (1691–94) wurden die von Buchner erbauten Giebel abgetragen und das Haus um ein viertes Stockwerk erhöht, 1693 ein besonderer Thiergarten bei der Moritzburg angelegt.
Kurfürst Friedrich August liess durch den Oberlandbaumeister Matthias Daniel Pöppelmann im Jahre 1720 Pläne und Entwürfe einreichen, die 1722 bis 1730 zu einem völligen Umbau und einer bedeutenden Erweiterung des Schlosses führten. (Taf. I). Das untere Geschoss des Schlosses wurde mit Gewölbe versehen und eine Vor- bezw. Eingangshalle hergerichtet, im ersten Obergeschoss wurden an Stelle der kleinen Zimmer nun 3 Säle angelegt. Von der Eingangshalle aus wurden beiderseitig östlich und westlich grosse, durch Lichthöfe führende Haupttreppen bis in das zweite Obergeschoss geleitet. Die vier runden Thürme und die Verbindungsbauten wurden erhöht, so dass sie nicht mehr niedriger wie das Schloss und die Kapelle waren, sondern mit diesen eine einzige geschlossene Baugruppe bilden. Die Mauerflächen der Fronten wurden glatt gelassen, Pöppelmanns prachtvoller Entwurf, auf dem die Front durch vorgelegte Lisenen geschmückt erscheint, wurde leider nicht ausgeführt. Doch waren die glatten Wände durch eine aufgemalte Architektur geschmückt. Rund um das Schloss baute man in Stockwerkhöhe eine breite doppelte Terrasse, die südlich und nördlich durch Apparaillen-Fahrbahnen und östlich und westlich durch grosse doppelte Wangen-Freitreppen erstiegen wird.
Diese Terrassen sind mit einem Sandsteindockengeländer versehen, auf dessen Postamenten Vasen, Kinderfiguren und lebensgrosse Piqueure in Sandstein Aufstellung fanden. Unter den Terrassen sind Stallungen, Remisen und andere Wirthschaftsräume eingebaut. 8 Wachthäuschen, auf jeder Schlossseite zwei, stehen an der Grenze der Anlage, südlich und nördlich noch je ein grosses Eingangsthor, auf dessen steinernen Pfosten grosse Vasen sich befinden. Die Landzunge, auf der das Schloss stand, wurde durch Ausschachtung zur Insel verwandelt. Eine Rechnungsablage über diesen Schlossumbau ist nicht aufzufinden. Doch lässt Fig. 101, eine Ansicht des Schlosses von Westen, vermuthen, dass mit dem Ausbau der Südfront begonnen wurde, denn hier erscheint diese fertig gestellt, die Nordfront aber noch in altem Zustande.
Nach Pöppelmanns Baubericht vom Jahre 1725 betrug der Kostenaufwand für den Rohbau 42 338 r. 5 gr. 111/2 ₰. Neben Pöppelmann waren im Jahre 1726 unter anderen thätig: die Architekten Baron Raymond Leplat, Zacharie Longuelune, Landbaumeister Johann Christoph Knöffel, die Kondukteure: Kapitän Carl Friedrich Pöppelmann, Johann Jacob Rousseau, Raymond Leplat, die Maler: Akademienmeister Louis Silvestre, Lorenzo Rossi, Johann Baptista Grone, die Zeichnerin Anna Maria Werner, die Maler: Christian Trauschke, Johann Christian Kastel, die Bildhauer: Balthasar Permoser, François Coudrai, Jean Vinache, Johann Benjamin Thomae, Christian Kirchner, der Vergolder Henri Hulot, der Tapetenmacher Pierre Mercier, der Steinmetz Johann Friedrich Kändler, der Hofmaurermeister Christoph Schumann, der Hofzimmermeister Christian Berthold.
Durch diesen Umbau hatte das Schloss im Wesentlichen seine heutige Gestalt erhalten. Ueber nachträgliche Veränderungen siehe unten.
[108]Das Schloss (Fig. 102) liegt nun auf einer rechteckigen, von Quaimauern eingefassten, wie oben gesagt künstlich hergestellten Insel von rund 225 : 1271/2 m. In der südnördlichen Schmalachse führen zwei Dämme mit verschnittenen Linden über den Teich, der dicht vor der Schlossterrasse durch je eine Brücke überschritten wird.
Neben der Brücke stehen je zwei Wächterhäuser, jedes eine kleine Wohnung enthaltend. Die Bauten sind schlicht und ausgezeichnet durch die grosse Kehle unter dem Hauptgesimse.
In der Längsachse der Schlossinsel bauen sich Arme kreuzförmig vor, so dass die Gesammtbreite auf 202 m steigt. Hier liegen in der Mitte über kleine Treppen zugängliche Häfen und neben diesen je zwei kleine Pavillons von einfachen Formen. An den Ecken der ganzen Insel kräftige, jetzt figurenlose Postamente.
Die Insel ist mit französischen Gartenanlagen geschmückt.
In der Hauptachse führen beiderseitig 38 m lange Rampen zu der eigentlichen Schlossterrasse empor, die ein Viereck von 90 : 95 m mit im Mittel vorgelegten Rundtheilen bildet. In der Querachse ersteigt man die Terrasse durch Freitreppen.
Die Terrasse enthält in den Eckflügeln Stallungen und Wirthschaftsräume. Man erkennt im Kellergeschosse (Taf. Ia), in wie weit das Schloss auf einem Felsen steht, die vier alten Eckthürme und alle über diese hinaus liegenden Theile aber zur Gleiche des alten Schlosshofes erhöht werden mussten. Die Keller unter dem alten Schloss sind, wie oben gesagt, in den Fels eingesprengt. Neben dem Kapellenflügel und dem Speisesaalflügel sind kleine Höfe zur Belichtung der unteren Räume angeordnet.
Die Terrasse ist umgeben von einer Ballustrade, auf der 44 Vasen, 44 Kinderfiguren und 4 grössere Statuen, sämmtlich in Sandstein, stehen. Jede von diesen
erhebt sich über einem Postament, das durch Reliefgehänge verziert ist. An
den breiteren Postamenten der Ost- und Westseite Reliefs mit Jagdemblemen.
Gegen Süden zu beginnen die Reihe der die Ballustrade schmückenden Gestalten je ein Piqueur, circa 2 m hoch (Fig. 103), mit einer eingestemmten Hand,
[Bild][(-)] [109] die andere das grosse Jagdhorn haltend, prächtige Gestalten in der Tracht der Zeit, zu ihren Füssen je ein kauernder Hund. Zwei weitere Piqueure stehen zu beiden Seiten der Südfront, gleich gross, auf den Spiess gestützt, die Gegenhand in die Seite eingestemmt.
Die Vasen sind von der verschiedenartigsten Gestalt, gegen 90 cm hoch, (Fig. 104) vielfach mit Thieren, Jagdemblemen, Reliefs mit Kindergruppen verziert. Ein System ist in der Aufstellung nicht eingehalten, die dekorativen Gestaltungen auf den Postamenten fehlen.
Die Kindergestalten, gegen 95 cm hoch, zeigen meist nackte Knaben in allerhand Beschäftigung, oft von lebhafter Bewegung, meist mit irgend einer Beziehung auf Jagd, Beize, Fischerei, Hundezucht.
In den letzten Jahren sind viele der Sandsteinarbeiten in sehr sorgfältiger Weise durch Einsetzen von Vierungen ausgebessert worden.
Die Grundrissdisposition (Fig. 105, 106, 107) lässt die Entstehung aus mehreren älteren Bautheilen noch gut erkennen. Die mittleren drei Räume mit der unlängst auf zwei Reihen Pfeilern überwölbten Durchfahrt entsprechen dem Bau des 16. Jahrhunderts. Westlich und östlich legen sich zwei Höfe an, in die die beiden je vierläufigen Doppeltreppen und ein Verbindungsgang zum Mittelraum eingebaut sind. Neben den Höfen entstanden so an der Nord- und Südfront lange Fluchten stattlicher Räume. Der Kapelle entsprechend wurde nach Osten ein Flügel angebaut, der im Obergeschoss den grossen Speisesaal beherbergt. Schmale südnördlich gelegte Flügel verbinden den Mittelbau mit den Thürmen.
Die Schauseiten (Fig. 108) sind sehr einfach und zwar ist die südliche der nördlichen völlig gleich. Die Fenster haben nicht einmal ein Gewände. Nur
[110]
[112] das Thor zeigt eine derbe Ausschmückung und auf dem Schlussstein das Monogramm aus A R und die Jahreszahl 1727. Darüber einen Balkon mit einem (alten?) schmiedeeisernen Gitter, das wieder jenes Monogramm trägt.
Ebenso die mit dem polnisch-sächsischen Königswappen verzierte Fensterverdachung. Unter dem Hauptgesims einige Hirschköpfe mit Geweih.
An der Westfront ein Balkon mit schmiedeeisernem Gitter, über 6 barocken Steinkonsolen, die Fenster reicher ornamentirt. Das mittlere bez. 1727.
[Bild]
[(-)] [113] Der Reiz des Baues liegt ausschliesslich in der Gruppirung der Massen. Früher zeigte er noch eine gemalte Lisenenarchitektur (Fig. 101).
Die Inneneinrichtung, soweit Mobilien in Frage kommen, entzieht sich hier der Behandlung, da eine Inventarisation des Kunstbesitzes des Allerhöchsten Königshauses anderweit erfolgen soll. Doch seien einige Räume hervorgehoben.
Die frühere Durchfahrt enthält vier Tische in rothem, weissem und grünem sächsischen Marmor und einfache Marmorkamine. Die Architektur ist gleichfalls sehr einfach.
Der durch zwei Geschosse reichende Mittelraum des Obergeschosses über der Durchfahrt, Steinsaal genannt, beherbergt ebenfalls zwei solcher Marmortische. Der Fussboden ist mit Sandsteinplatten belegt, die Wände ganz schlicht behandelt, weissgestrichen, nur über den Thüren gemalte (alte?) Verdachungen. Zahlreiche Geweihe sind als Schmuck verwendet. An den Langseiten, hoch hinauf geführte, sonst schlichte Kamine.
Der Monströsensaal, (Taf. III) so genannt nach den hier angebrachten, unregelmässig gebildeten Hirschgeweihen mit drei Fenstern, drei Thüren und zwei Ofennischen, in der Mitte der Südfront des Hauptbaues, zeigt ein reich stukkirtes und vergoldetes Gurtgesims und eine ähnlich behandelte Decke. Ueber den Thüren barocke gemalte Aufsätze, die [114] Wandflächen geschmückt mit kolossalen Gemälden auf Leder, neuerdings restaurirt und mit neuer Stuckdecke versehen.
Der gegenüber an der Nordfront liegende Billardsaal (Taf. IV) mit grau in grau gehaltenen grossen Darstellungen der vier Jahreszeiten, über den Thüren und eben solchen Gemälden. Die Decke einfacher.
Der Speisesaal (Taf. II) mit einer auf drei Korbbogen ruhenden Musikerempore, deren Pfeiler korinthische Pilaster zieren. An den Langseiten Kamine, über denen Spiegel sich befinden. In der diese umrahmenden Stuckarchitektur die Reliefmedaillons König August II. und III. Sonst sind die Wände architektonisch nicht gegliedert. Der Saal wirkt vorzugsweise durch seine ausgezeichneten Massverhältnisse. Den Hauptschmuck bilden die zahlreichen Hirschköpfe mit Geweihen.
Die Thürme beherbergen in jedem ihrer vier Geschosse eine aus drei oder vier Räumen bestehende Wohnung. In den sie mit dem Hauptbau verbindenden Flügeln liegen Treppen, Degagementstreppen befinden sich in den Thürmen selbst.
Einen besonderen Reiz verleihen den Räumen die zahlreichen alten Oefen und die von Mercier hergestellten Ledertapeten.
Ueber den nach Norden führenden Damm gelangt man vom Schloss in den Königlichen Hofgarten, einer französischen Anlage von etwa 230:146 m Grundfläche die ausgezeichnet ist durch die grossen verschnittenen Taxusbäume zu Seiten des Hauptweges. Auf den Thorpfeilern Sandsteinvasen mit dem Zeichen A. R. in denen Gewächse stehen, zwei schlichte zweigeschossige Gärtnerhäuser von quadratischer Grundform, je 3 Achsen breit. An der Südfront dieser das sächsisch-polnische Wappen, an der Gartenseite das Zeichen aus A. R., je in einer Barockkartusche.
Am südlichen Eingange zum Schlosse zu beiden Seiten des Weges:
Zwei Postmeilensäulen, Obelisken, auf Sockeln, 4,40 m hoch, 0,77 m Sockelbreite. Ausser dem ausgemeisselten Namenszuge A. R., dem kursächsischen und königlich polnischen Wappen ist inschriftlich die Entfernung nach den benachbarten Städten und Ortschaften, in Postmeilen, sowie ein Posthorn und die Jahreszahl 1730 verzeichnet.
[Bild][(-)]
[Bild][(-)] [115] Die Schwaneninsel, im Schlossteich, 0,3 km westlich vom Schloss; darauf ein kleines Haus.
Im Allgemeinen wurde, wie gesagt, das Schloss in der Folgezeit wenig geändert.
Die Kapellenfenster wurden 1737 und 1738 erneuert und dafür 364 r. 18 gr. gezahlt. 1740 sind die beiden Blechdächer über den steinernen Haupttreppen durch Ziegeldächer ersetzt worden. Kostenaufwand hierfür 409 Thlr. 13 gr. 6 ₰.
1743 wurde nach einem Anschlag des Oberlandbaumeisters Knöffel mit einem Kostenaufwande von 1791 Thlr. 5 gr. das Bruchsteinpflaster der Terrassen entfernt, die beiden Rampen, desgleichen die Gänge um die Balustrade durchgehend mit Sandsteinplatten belegt. Dieses steinerne Plattenlager wurde 1769
Fig. 114. Moritzburg. Fasanerieschloss. Zustand[WS 5] zu Ende des 18. Jahrhunderts.
wieder entfernt, an seine Stelle ein Guss aus Masse angebracht, welche Aenderungen 3654 r. 18 gr. Kosten verursachten. Im gleichen Jahre wurden die Terrassenmauern des Untergeschosses, die aus Bruchsteinmauer errichtet waren, mit Sandstein belegt, die schadhaften Baluster auf der Terrasse herausgenommen und durch neue ersetzt, die Freitreppen ausgebessert. Von den auf den Balustraden befindlichen Statuen waren 29 Vasen und 27 Figuren zu reparieren und 17 Vasen und 13 Figuren neu zu beschaffen. Es wurde excl. der Steine, der Maurer- und Handlangerlöhne, Klammern etc. für 1 Vase 45 r., für 1 Figur 120 r. Arbeitslohn dem Bildhauer gezahlt.
In den Jahren 1773, 1784, wo der Einsturz des Thurmes drohte, und 1786 wurde das Dach der Kapelle ausgebessert und nach dem Berichte des Oberlandbaumeisters Exner 1786 ein neues Sparrenwerk über der Herrschaftsempore in der Kapelle eingezogen und mit kupfernen Dachblechen gedeckt. Eine Kupferbedeckung erhielten die vier runden Thürme im Jahre 1789. Wahrscheinlich [116] hierbei wurde den Laternen ihre jetzige Gestalt gegeben. Das Kupfer hierzu lieferte die Saigerhütte Grünthal.
Eine grössere Bauausführung am Thurme der Kapelle fand 1851 statt, wobei derselbe neu abgeschaalt und mit Schiefer gedeckt wurde. Die Bauausführung leiteten Hofbaumeister Krüger und der Amtszimmermeister Ernst Adam. Der Knopf wurde durch einen neuen aus getriebenem Kupfer ersetzt, der vom Glockengiesser und Kupferschmied Friedrich Gruhl in Kleinwelka bei
Bautzen gefertigt und vom Gürtlermeister Friedrich Gottlob Centner aus Bautzen in Feuer vergoldet worden war. Der neue Knopf wurde am 14. October 1851, am gleichen Tage, an dem vor 186 Jahren die Anbringung des ersten stattfand, aufgesetzt. Seit 1791 ist das Schloss mit einer Blitzableiteranlage versehen, welche 1881 durch den Techniker Venus in Dresden erneuert, 1886 und 1887 durch Aug. Kühnscherf & Söhne in Dresden erweitert wurde. Zur Gesammtanlage waren 1224,90 m Kupferseil nöthig.
Die im Jahre 1584 erwähnte Schlossuhr (der Uhrmacher Peter Hacke [117] reparierte sie) wurde im Jahre 1619 durch eine neue, vom Uhrmacher Balthasar Hohmann gefertigte, ersetzt (vergl. F.-A. Loc. 35913). 1659 erhielt der Uhrmacher Caspar Richter für Reparatur der Schlossuhr 12 fl. 18 gr. 1671 wird die Schlossuhr sowie zwei Seigerschellen im Wendelsteinthurme erwähnt. 1705 hatte der Landuhrmacher Joh. Christoph Maibach die Aufsicht über die Uhr. Beim Umbau 1722–1730 erhielt die Uhr ihren Platz im Kapellenthurm. 1881 wurde die alte Uhr aus dem Kapellenthurm entfernt und eine neue durch den Thurmuhrenfabrikanten Julius Hiemann aus Leipzig auf der Mitte der südlichen Schlossfaçade in einem kleinen Uhrthürmchen angebracht, welches der Amtszimmermeister Ernst Adam in Eisenberg baute. Das Zifferblatt aus 2 mm starkem Eisenblech hat 1,20 m Durchmesser, die Stundenglocke 440 mm,
die Viertelglocke 320 mm unteren Durchmesser. Die Uhr kostete 1086 Mark, die alte Uhr wurde auf 50 Mark taxiert und dem Lieferanten in Abrechnung gebracht.
Die Wetterfahnen wurden 1791 bei Legung der Blitzableiteranlage vom Hofschlosser Wöhler erneuert, und zwar zwei neue Adler von Kupfer auf den Jäger- und Amtsthurm, die beiden Adler auf dem Back- und Küchenthurm und die grossen Sterne darüber ausgebessert. Die neue Anlage kostete 418 r., wovon 140 r. für die Vergoldung der vier grossen Knöpfe nebst Kapseln, Sternen, kleinen Knöpfen und Adlerkronen gezahlt wurden.
Wesentliche Umgestaltungen in der innern Einrichtung des Schlosses fanden unter König Albert statt.
[118]Am grossen Teiche, ca. 1,85 km östlich vom Schlosse, wurde 1728 das Fasanengehege errichtet und 1769 für Kurfürst Friedrich August III. das Fasanerieschloss (Fig. 110, 111, 112) erbaut. Die Vollendung scheint sich bis 1782 hingezogen zu haben, das lehrt die auf die Erbauung des Fasanerieschlosses geprägte Medaille, die auf der Vorderseite die Ansicht des Schlosses Moritzburg mit den projectirten Lisenen an der Hauptfront zeigt und der Inschrift oben: Mauricebourg, unten: Gravé 1782. Auf der Rückseite ist das Fasanerieschloss mit Volière, Hafen mit Mole und Leuchtthurm abgebildet. Auf dem Teiche sieht man die vom Hamburger Schiffszimmermann Petzold 1789–1790 erbaute Fregatte, die 1812/13 zu Grunde ging. Oben die Inschrift: La Faisanerie De Mauricebourg, unten: Dedié. A. S. Excell. Le Comt. Marcol. Par S. T. H. Serv. Stieler.
Das Schloss ist ein quadratischer Bau von 13,4 m Geviert im Grundriss. Zum Untergeschoss führen von den vier Seiten Freitreppen über eine niedrige Terrasse, die durch künstliche Felsen gebildet ist. An der Terrasse sind die verschiedenartigsten Pflanzen und kleine Thiere, wie Eidechsen, Schlangen, Frösche und dergl., und als deren Eckfiguren vier verendende lebensgrosse Hirsche in Sandstein mit ächtem Geweih gemeisselt. Der Sockel des Hauses steigt schräg an. Die Fassaden (Fig. 110) zeigen eine sehr schlichte Lisenenarchitektur mit Stichbogenfenstern. Nur in der Hauptachse gegen West und Ost Rundbogenfenster. Auf dem Bau sitzt ein allseitig abgewalmtes, kräftig geschweiftes Dach, dessen Traufrinne sich in geschwungener Linie verläuft. Auf dem Dach eine von Balustraden umgebene Plattform und auf dieser eine Laterne, über der zwei metallene Chinesenfiguren unter einem Schirme angebracht sind. Diese dienen als Wetterfahnen und geben durch Kopfnicken die Windrichtung an.
Sehr bemerkenswerth ist das Innere als ein Zeugniss der Bestrebung, aus der Weiträumigkeit wieder in die Enge zu gelangen. Die Räume sind geradezu winzig, das Empfangszimmer rechts vom Eingange etwa 3:4,5, die Bibliothek 2:2,6 m. Der grösste Raum des Obergeschosses ist 4,6:5,9 m. Beachtenswerth [119] ist dabei das Geschick, mit dem im Erdgeschoss eine Kaffeeküche und andere Degagements in die Räume eingefügt wurden.
Die Ausstattung zeigt schon starke Hinneigungen zum Empire und die Vorliebe für Chinoiserie. Von den Räumen sei bemerkt: Der nordwestliche Eckraum mit einer Stuckdecke, auf der in Oelfarbe farbig behandelte Bäume. Das anstossende Arbeitszimmer mit einem Belag aus einer gewürfelten Intarsia, der mit gestickten chinesischen Stoffen bekleidete Südwestraum, das Toilettenzimmer mit einer Ofennische und schrankartig ausgebildeten Ausgang nach einer Treppe. Das Federzimmer mit Wandbelag aus bunten Federn, das zierliche Toilettenzimmer in der Mitte
der Ostseite mit einer Nische aus Stuckmarmor, darin einem als Urne ausgebildeten Ofen, die Bibliothek in der Nordostecke, in der sich ein Klappbett befindet, das sich in die Wand einfügt und, durch Bücherrücken verziert, einer Bibliothek ähnelt. Der Ofen ist einer Rokoko-Kommode nachgebildet.
Bemerkenswerth ist die hübsche noch barocke Anordnung der ins Obergeschoss führenden Treppe (Fig. 113), in dem die drei Räume gegen Osten (?) wenig künstlerische Gouachemalereien auf Stoff als Wandbekleidung zeigen. Dargestellt sind Genrescenen in der Art des Teniers. Der Hauptsaal ist schlicht vertäfelt, die Decke leicht stuckirt, an den Schmalwänden zwei Landschaften in Oel, eine bez. J. C. Malcke, Pinx 1771.
Eine eingehendere Schilderung der Einrichtung des Baues liegt ausserhalb des Rahmens der Inventarisation.
Vom Schloss ab führt in dessen Achsen je ein Weg.
Der Weg nach Osten wird flankirt von zwei Statuen in Sandstein, lebensgross, links eine Tänzerin mit lebhaft bewegtem, vorgesetzten linken Fuss, nach rechts sich wendend, in beiden Händen das leichte Gewand haltend. Rechts eine Jägerin, mit dem Jagdhorn in der Linken, die Rechte auf den Kopf eines anspringenden Hundes gelegt.
Hügelab führt der Weg (Fig. 114) zu einem nach dem grossen Teich führenden Halbrund, das durch vier kolossale Sandsteinvasen gebildet wird. Diese sind fast 2 m hoch und haben die Formen der Zeit um 1780.
Durch das Vorziehen eines Steindammes von Süden her wird hier ein Hafen gebildet. Auf der Spitze des Dammes ein Leuchtthurm (Fig. 115), rund, in den beiden unteren Geschossen massiv, im ersten Geschoss mit vier Balkonen und Eisengittern an diesen, das dritte Geschoss eine Laterne in zierlicher Holzarchitektur.
Weiterhin liegt im Teiche eine kleine Insel, die zu einer mit Bastionen versehenen Festung ausgestaltet wurde, und neben dieser eine zweite, die sogenannte Bäreninsel, auf der sich ein aus dieser Zeit stammendes Gebäude befindet, das innen als Zimmer ausgestattet wurde.
Diese unter Kurfürst Friedrich August III. angelegten Bauten zeigen die dem Geiste der Zeit angemessenen spielenden Formen.
Südöstlich vom Schloss liegt ein mit Dachreiter bekrönter quadratischer Speicher, der die Reste der alten Lustschiffe des Teiches beherbergt.
Südlich legten sich an die Schlossterrasse zwei achteckige Vorbauten und an diese war früher ein Garnhaus [Volière] (Fig. 116) angerückt, das unter Graf Camillo Marcolini erbaut wurde. Es war aus Lattenwerk hergestellt und bildete ein Haus mit mehreren kuppelartigen Aufbauten, das sich dem abfallenden Gelände gemäss entwickelte.
[121] Jetzt befindet sich hier eine Terrassenanlage.
In der Achse gegen das Schloss zu steht in einer Nische die Statue des Bacchusknaben, Sandstein, 1,30 hoch, dem ein Vogel eine Traube zum Mund trägt; in der Linken hält er Sonnenblumen. Zu seiten des tiefer liegenden Parterres östlich ein kleines Sandstein-Brunnenwerk mit barock geschwungener Schale und vier Fröschen auf einem Felsen, als Wasserspeier, westlich zwei Statuen, Bauernknabe und Bauernmädchen, Sandstein, je 1 m hoch, die aus Holzbutten Wasser ausgiessen. Vor dem Parterre zwei lebensgrosse Statuen, Sandstein, Mädchen deren einer Amor einen Rosenkranz zuträgt, während der anderen (Fig. 117), fast unbekleideten, Amor in Brusthöhe zufliegt. Auf der Brüstung über der Nische zwei Putten in Sandstein, 90 cm hoch, einer mit einem Füllhorn, der andere mit einem Helm. Dieser in der Art des Knöffler.
Nach Westen zu führt eine Schneise, in gerader Linie zum Jagdschloss. In diese ist ein Wasserlauf gelegt, der durch eine etwa 100 m vom Fasanerieschloss im sogenannten Hirschgarten gelegene Fontaine gespeist wird. Auf dieser eine Figurengruppe in Sandstein; zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts (Fig. 118). In der Mitte eines Bassins sind künstliche Felsen zu einem Hügel aufgeschichtet, auf dem eine nackte Frauenfigur (Leda?) mit einem Schwane sitzt; diese ist von spielenden Putten umgeben. An den Stufen der Felsen sind mit einander und mit Delphinen spielende Putten angebracht. Ebenso auf der Rückseite. Das aus dem Bassin entströmende Wasser wird durch offene Rinnen, die mit Steinplatten ausgelegt sind, in der Richtung zum Schlosse geleitet. In der Nähe der Grotte befinden sich zu jeder Seite drei, zusammen sechs Vasen, in Sandstein, auf Postamenten (Fig. 119 u. 120). Höhe der Vasen 2,30 m, Sockel 1,50 m hoch, 0,92 m breit, 0,88 m tief. Vier der Vasen sind mit grossen Widderköpfen geziert, auf zweien ländliche Feste (Bacchusfest, Entenjagd) durch Putten in Relief dargestellt.
[122] Nach Norden steht am Fasanerieschloss eine lebensgrosse Sandsteinstatue einer Jägerin (Diana?), lebhaft bewegt, auf dem Rücken einen Köcher, an den Baumstamm gelehnt ein Bogen. Vor ihr bildet der Felsensockel des Schlosses eine Rampe, vor der wieder eine Steinbank und darüber ein sein Nest bewachender Adler in Stein angebracht ist. Naturalistische Felsen mit Gethier und Pflanzen umgeben die Bank (Fig. 121). Gegenüber zwei lebensgrosse Sandsteinstatuen, ein Mann mit einem Wildschweinskopf in der Rechten und einer Muschel in der Linken und eine wenig umhüllte Mädchengestalt mit einem Hündchen (Fig. 122). Weiterhin ein kleines Waldwärterhaus.
Gegen Nordosten die Oberforstmeisterei, ein schlichter Bau in |_| Form, eingeschlossen mit hoher Mansarde. In diesem werden von 1724 stammende Jagdlappen, die mit Jägerfiguren und Wappen bedruckt sind, aufbewahrt.
Gegen Südwesten verschnittene Hecken, jetzt nach hinten zu in imposanter Grösse aufsteigend, welche die Anfangsbuchstaben der Namen des Kurfürsten und seiner Gemahlin A. F A. (Amalie. Friedrich August.) bilden.
Nicht weit davon ein Waldwärterhaus, in dessen Hof Reste der alten Volière.
Auf einem künstlichen, durch Rampen und Terrassen gegliederten Hügel im Walde, 900 m nordöstlich vom Schlosse Moritzburg am Kreuzungspunkte verschiedener Schneisen, steht das Hell-, Höllen- oder Hellenhaus (Fig. 123 u. 124). Es ist dies ein viereckiger Bau von 11,3 m im Geviert, mit abgeschrägten Ecken, zwei Geschossen, Mansardendach. Im Erdgeschoss befinden sich ausser der [123] Treppe und einem Hausflur 7 Räume, deren grösster 4:3,7 m hat. Vier davon sind dreieckig gebildet. Im Obergeschoss nimmt ein Speisesaal den grössten Theil des neben der Treppe freibleibenden Raumes ein. Den Rest füllen zwei Dreieckzimmer. Die Ausstattung der Innenräume ist sehr einfach.
Die Aussenarchitektur zeigt wieder schlichtes Lisenenwerk.
Die Anlage des Schneisensystems begann 1691, in welchem Jahre der Geometer Hans August Nienburg das Revier vermessen hat. Im Jahre 1703 sollte auf Befehl des Königs Friedrich August die nach Meissen zu führende projectirte Schneise als Kunststrasse erbaut werden. Durch einen 0,9 km westlich vom Schlosse im Walde gelegenen Berghügel, die sogenannte „Hohburg“, früher „Ziegenhübel“, wurde zu diesem Zwecke ein Tunnel ausgebrochen. Der Tunnel ist 130 Schritte lang. Derselbe ist unbenutzt liegen geblieben, da die Strasse nicht weitergebaut wurde.
Die wichtigste Aenderung in den ersten Regierungsjahren Augusts des Starken war die Herstellung des grossen Schlossteiches sowie der Schlossinsel durch Verbindung der vorhandenen und Ummauerung mit massiven Ufermauern. Der südöstlich vom Schloss gelegene Kapellenteich wurde mit dem nordwestlichen Schlossteich vereint, jedoch selbst fast auf die Hälfte verkleinert. Dagegen wurde der südlich vom Schloss gelegene Pressteich zugeschüttet, an dessen Stelle jetzt ein Theil des Ortes Eisenberg liegt. Ein Zipfel des westlich vom Schloss gelegenen Moselbruches wurde durch Anlage der Strasse an der Südseite, von der nun Schlossteich genannten Wasserfläche abgetrennt. Der Schwanteich, das grosse und kleine Jägerhaus in Eisenberg, das Berbisdorfer Teichhaus, das Laubhaus und Kreierhaus waren schon unter Kurfürst Johann Georg I. erbaut worden.
An der Strasse am Schlossteich zum Fasanerieschloss führt eine massive, mit durchbrochener Sandsteinbrüstung versehene, einbogige Brücke, die anscheinend um 1800 entstand, über den den Forst durchziehenden Kanal.
Wolfsmonument, 1 Stunde westlich von Moritzburg, in der Nähe des Forsthauses Kreier im Walde, 4,50 m hoch, unterer Sockel 1,60 m lang, 1,30 m [124] breit, 0,10 m hoch. Sitzender Wolf auf Postament, Sandstein. Die Figur des Wolfes etwa Lebensgrösse. Inschrift um den oberen Sockelabsatz:
Darunter Vorderseite:
Hertzog Johann Georg zu Sachsen Churfürst. | Sigmund Adolph von Ziegesar Jägermeister. | Joachim von der Schulenburgk. | Ditterich von Taube Stallmeister. | Sebastian Bronsart Jägerm. zu Schleusingen. | Hanns von Taube. | Hanns Bassel Virstmeister. | Hanns Stoll, | Claus Ringk, | Caspar Hütter, | Jäger. | Hanns Albrecht von Bernstein. | Wolff Heinrich Bert Oberförster. | Christoph Wolff Wildmeister. | Hanns Dentzer Windehetzer. | Hanns Georg Eckhardt, | Michael Förster, | Caspar Dichtel, | Christian Günther, | Georg der Beyer, | Besuchknechte.
Rechte Seite:
Anno Chr. 1672 den 4 September alss der Durchlauchtigste Chur Fürst zu Sachsen und Burgkgraf zu Magdeburgk Herr Herr Johann Georg der Ander bey dero Regierung den ersten Brusst Hirsch von 16 Enden so 5 Ctr. 4 ℔ gewogen uff den Friedewalde geschossen haben seine Churfürstliche Durchlauchtigkeit dieses Wald Zeichen welches von Dero hochgeehrtestem H : Vater Christseeligster Gedechtnüs Anno 1618 den 20 Aprilis aufgerichtet und anitzo durch die Länge der Zeit vonn dem Wetter ruiniret und eingangen wiederumb auffs neue aufsetzen und verfertigen lassen.
Linke Seite:
Im Jahr 1618 den 20 Aprilis hat auff den Friedewalde an hiesigem ortte der Durchlauchtigste Churfürst zu Sachsen und Burggraf zu Magdeburg Herr herr Johan George der Erste kegenwärtigen Wolff behetzet und geschossen, zu welcher Gedächtnüsse höchstgedachte Seine Churf. Durchl. dieses Waldt zeichen verferttigen und auffrichten lassen. Worbey sich befunden:
Rückseite:
Heinrich von Taube, | Christoph von Liebenau, | Hanns Wilhelm Römer, | Philip von Roden, | Wolff Otto von Lindenau, | Friederich von Stoer, | Hanns Heinrich von Zaschwitz, | Sigmund Levin von Utenrodt, | Christoph von Preuss, | Edel Knaben bey der Jägerey. | Christoph Körner, | Hanns Sittich, | Christoph Haase, | Forst Knechte. | Hanns Bassel Ober-Förster. | Christoph Schergott Vester genant, | Balthasar Günther, | Hanns Schülz zu Meissen, | Martin Petzoldt, | Forst Knechte. | Anthoni Brum Jäger Jung So den Wolff | geschossen.
[125] Jagdobelisk, Sandstein, 2 m hoch. Sockel, 0,72 m breit, 0,68 m tief. Inschrift:
An der Radeburger Strasse in der Nähe des Fasanerieschlosses.
Zum Andenken ist dieser Platz im Jahre 1827 durch eine Umpflanzung und im Jahre 1861 durch einen Denkstein vom hiesigen Forstpersonal bezeichnet worden.
Das Landesgestüt und Landstallamt, König Albert-Allee Nr. 110. Auf den Pfosten des jetzt zugemauerten Thores zum Stallgebäude befinden sich die Sandsteinbüsten der kurfürstlichen Hofnarren Fröhlich und Schmiedel, die, auf die Arme gestützt, herabschauen. Das schlichte Gebäude mit seinen Stallungen in |_| Form, zweigeschossig, mit Mansardendach. An dem Eingange beider Strassenflügel das sächsisch polnische Wappen und das Monogramm F. A. 3 R. in barocken Kartuschen. Aehnlich das Forstrentamt.
Die Wohnhäuser, längst der grossen, vom Schloss in dessen Achse 3 Kilometer nach Süden führenden geraden Allee, weisen vielfach auf eine Entstehung im 18. Jahrhundert.
Dorf, 10 km nordwestlich von Dresden.
Obere Bergstrasse Nr. 30. Das Grundstück dürfte im 18. Jahrhundert im Besitz des Dr. Caspar Christian Kober gewesen sein, der nach den Inschriften 1713–1729 die Gebäude errichten liess. Vergl. oben (S. 52) sein Denkmal in der Kirche zu Kötzschenbroda. Das Wohnhaus, an der Bergstrasse gelegen, zeigt eine symmetrische, rechteckige, zweigeschossige Anlage, südlich und nördlich die Langseiten. Das Aeussere in schlichten Barockformen.
Das Innere. Im Erdgeschoss eine geräumige Vorhalle, an der hinteren Seite die Treppe zum Obergeschoss, westlich Räume für die Presse, östlich Wirthschaftsräume, Küche und Zubehör. Eine Mittelmauer theilt die einzelnen Räume wieder.
Im Obergeschoss mündet die Treppe auf einen geräumigen, in der Mitte liegenden Vorsaal, der mit dem hochliegenden Garten verbunden ist, die übrigen Räume gruppiren sich darum; in der Mitte nach vorn ein dreifensteriger Saal mit verbrochenen Ecken an der Mittelmauer. Zierliche Stuckleisten in sehr gebrochenen, bewegten Barockformen erhielten sich im Obergeschoss an den einzelnen Decken. Westlich wurde im Jahre 1877 ein Flügel angebaut.
Lusthaus auf dem Bergrücken in der Achse des Wohnhauses gelegen und durch eine Freitreppe mit demselben verbunden. Eine fast quadratische Grundform (Fig. 126) aus Unter- und Obergeschoss mit je einem Raume bestehend. Der Zugang zum Obergeschoss erfolgt von Norden über eine Freitreppe. Unter
[126]deren Podest ist der Eingang für das um fünf Stufen vertiefte, in der Tonne eingewölbte Untergeschoss, an dessen Seiten sich steinerne Bänke hinziehen. Die spärliche Beleuchtung erfolgt durch kleine Schlitzfenster. Das Obergeschoss nach drei Seiten je drei gerade abgeschlossene Fenster mit einfacher Umrahmung. Die nördliche Zugangsthüre trägt über dem Sturz eine gefällige Barockkartusche mit beistehendem Kober’schen Wappen, oben eine Krone, unten mit einem aus D, C, C und K gebildeten Monogramm. Der Sturz darunter bez. M.D.CC.XXIX. Ein kräftiges, geputztes Hauptgesims (Fig. 125), darüber ein Zeltdach, in Ziegeln eingedeckt. Die Wetterfahne bez. D. C. C. K. 1729.
Vor dem Gebäude nördlich eine stattliche, von einer Mauer umgebene Terrasse mit Freitreppe (Fig. 126).
Die seitlichen Wangen mit gut erhaltener Dockenbrüstung. Reste von französischen Gartenanlagen nördlich vor der Terrasse. Nach Süden zu ein tiefer liegendes, abgerundetes Plateau, das mit der Terrasse früher durch die zwei seitlichen, jetzt vermauerten Thüren verbunden war. Westlich bei dem Rücksprung der hohen Grenzmauer ist ein kleiner quadratischer Raum eingebaut. Er diente scheinbar für eine Abortanlage oder als geschützter Sitzplatz für einen Bergwächter. Das Dach ist jetzt zerstört.
Winzerhaus. Ein schlichter Bau mit theilweise massivem Erdgeschoss von 230 cm lichter Höhe und verschaltem Fachwerk-Obergeschoss. Rechteckige [127] Grundform mit Anbauten an der nördlichen hinteren Langseite für den Backofen und einen Wirthschaftsraum; der letztere wohl neueren Ursprungs.
Die südwestliche Grenzmauer vor dem Hause, mit gerader ummauerter Thüre durchbrochen, trägt im Sturz auch die Bezeichnung D. C. C. K. 1724.
Zufahrtsthor für das Lusthaus seitlich südwestlich vor dem Winzerhause gelegen, einfach rechteckige Thorpfeiler mit abgeschrägter Plinthe, der eine bez.: D. C. C. K. 1713.
Pavillon im östlichen Theile des Bergabhanges gelegen. Ein achtseitiger verputzter Fachwerksbau, 3,25 m im Innern weit, mit geraden Thür- und Fensteröffnungen. Ueber dem Ziegeldache eine kräftige Kugel mit Kehle und Fussplatte darunter. Oben die Fahne, bez. D. C. C. K. 1713. Das Ganze wohl aus Eisenblech geschmiedet.
Friedrichstrasse Nr. 28. Das Grundstück wurde um 1710 vom Feldmarschall Graf Aug. Chr. von Wackerbarth durch den Ankauf mehrerer Weinberge zusammengebracht. Nach seinem Tode (1734) verkaufte dessen Adoptivsohn die Besitzung an die gräflich von Rex’sche Familie, 1780 übernahm sie der Banquier Baron von Gregory. Seitdem haben die Besitzer oft gewechselt. Bis 1846 war das Grundstück abermals im Besitz eines Grafen Wackerbarth.
Das Hauptgebäude ist 1853 im Aeusseren umgestaltet worden. Es erhielt sich die Raumdisposition (Fig. 127, 128), die stattliche zweiarmige Treppe, mit dem Podest in der Mitte, die an das Wackerbarths Palais in Dresden (Heft XXIII, S. 605) und mithin an Wackerbarths bevorzugten Architekten Knöffel erinnert; ferner erhielt sich der Saal hinter der Treppe und die eigenartig angeordneten Flügelbauten, die je mit einem Chambre de lit abschliessen; endlich das theilweise sehr reiche Parquet, im Hauptsaale des Obergeschosses einige bescheidene Kamine, ähnlich jenen im Spitzhaus in Oberlössnitz. Im letzten Saale des Obergeschosses links drei auf grobe Leinwand mit Wasserfarben gobelinartig gemalte Bilder, 5,30:2,60, 2,80:2,60 und 1,70:1,10 m messend. Auf den beiden grösseren sind phantastische Landschaften mit Ruinen, Vieh, Menschen, Brücken und Gewässern dargestellt. Eine ist bezeichnet mit einer undeutlichen, anscheinend griechischen Inschrift. Auf der kleinen eine Ansicht des Grundstückes Wackerbarths Ruhe in seinem ursprünglichen Zustande.
Der Hauptbau war von einfachster Lisenenarchitektur und mit einem hohen Walmdache bedeckt. Die Nebenbauten erhielten sich in ihrem ursprünglichen Zustande.
Kapelle (Fig. 129), 1775 angeblich vom Oberlandbaumeister Knöffel in der Achse des Hauptbaues theilweise in den Berg eingebaut, indem das ansteigende Terrain für Terrassen geschickt ausgenutzt wurde. Von dem Hauptgebäude führt eine breite Treppe zur ersten Terrasse empor, unten zwei Stufen, hierauf sechsmal je fünf Stufen mit sehr breiten Podestzwischenräumen. Von der Höhe der ersten Terrasse an erfolgt der Zugang zur zweiten Terrasse durch zwei seitlich angeordnete Rampen von viertelkreisförmiger Gestalt; sie liegt über der ersten 5,70 m.
In ihrer Höhe baut sich die eigentliche Kapelle auf. Im Grundriss äusserlich [128] ein regelmässiges Achteck, innerlich kreisförmig, nach Norden zu in Breite der Achteckseite ein rechteckiger langgestreckter Anbau, zwei kleine Räume enthaltend; zu dessen Seiten führen Treppen empor, von deren oberen Podest eine
Thüre nach dem Dachboden mit dem Thürmchen und den Glocken führt. Der Fussboden des Hauptraumes liegt vier Stufen über der zweiten Terrasse. Ueber
einer mächtigen einfachen Sockelplatte baut sich das Hauptgeschoss auf. Zwischen verkröpften lisenenartigen Vorsprüngen im Rundbogen abgeschlossene Fenster mit kräftig profilirter Sandsteinumrahmung. An zwei Seiten nach Osten und Westen zu treten den Fenstern verwandte Thüren auf, über den Rundbogen rechteckige [129] seitlich profilirte Vertiefungen, in deren Mitte eine etwas vorstehende Tafel. Ein kräftiges Gebälk, (Fig. 130), bildet den Abschluss nach oben. An der vorderen Seite ein frontonartiger Aufbau mit der (erneuerten) Uhr, jetzt mit Zinkumrahmung
abgeschlossen. In der Mitte krönt das Ganze ein hölzernes, vom Dresdner Zeughause (vergl. Heft XXII, S. 420) stammendes, dort 1779 aufgesetztes Glockenthürmchen. Das Dach ist neu gedeckt worden.
Die Malerei des Inneren gehört der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an.
[130] Die Grundform der zweiten, untermauerten, mit Dockenbrüstung (Fig. 132) versehenen Terrasse vor der Kapelle schliesst sich dieser eng an. Die Vorderseite zeigt in der Mitte eine profilirte Tafel. Oben schliesst ein architravirtes Gesims mit kräftiger Platte ab; in der Mitte der Brüstung das Wappen der Gregory.
Zwischen den zwei seitlichen Pfeilern eine grosse, an den Seiten profilirte Tafel mit der theilweise zerstörten Inschrift:
In der Mitte wird die Tafel unterbrochen durch die Architektur eines Brunnens. Eine weibliche, kräftig und ausdrucksvoll modellirte Maske mit weit geöffnetem Munde, darunter ein weit ausladendes, muschelartig durchgebildetes Becken. Vor der ganzen Wandfläche zieht sich ein unter Terrain liegendes Bassin hin, dessen Einfassung theilweise mit vertikalen Tropfen belebt wird. In den seitlich angrenzenden Feldern der zweiten Terrasse nischenartige, im Rundbogen abgeschlossene Vertiefungen, einfach profilirt, in denen Bänke stehen. Die Architektur berechtigt die Annahme, dass Knöffel den Bau geschaffen habe.
Originalpläne in der Sammlung für Baukunst in der K. Techn. Hochschule.
Die Parkanlage ist in ihren Hauptzügen noch zu erkennen, so namentlich der Vorgarten mit seinen Steinbänken. Pläne dieser befinden sich ebenfalls in der Sammlung für Baukunst in der K. Techn. Hochschule.
Glocken. In dem Kapellenthürmchen eine grosse Glocke, 57 cm hoch, 114 cm im unteren Durchmesser; in derselben hängt eine kleinere, durch einen vertikalen Zapfen in der grossen befestigte Glocke. Die kleine ist 36 cm hoch und 77 cm im unteren Durchmesser. Beide Glocken haben gedrückte Formen mit weit ausladendem Schlag. Am oberen Theile des Mantels eine durch Ornamente begrenzte Inschrift. An den Bügeln der Krone der grossen Glocke männliche Masken. Beide Glocken zwischen dem schon erwähnten Ornament bez.:
Am Mantel bez.:
Also stammen diese Glocken auch vom Dresdner Zeughause.
Jakobsthurm (Fig. 133 u. 134). Nach Nordosten zu gelegen auf dem Höhenzuge in den Berg hinein gebaut. Er ist im Grundriss kreisförmig, hat je eine Oeffnung nach den vier Seiten, drei Fenster und eine Thüre, letztere nach
[131]Norden zu; davor eine Freitreppe. Der Aufbau ist schlicht, Thüre und Fenster mit glatter Sandsteinumrahmung, oben ein einfaches Gesims aus kräftiger Platte mit Abwässerung bestehend. Es bildet den Uebergang für ein kuppelartiges Gewölbe. Darauf steht auf einem Stufenunterbau eine Statue, Sandstein, ein Knabe, die linke erhobene Hand hat früher etwas gehalten. Der Kopf ist danach gerichtet. Die rechte hält ein theilweise um den Körper geschlungenes Tuch.
Aeusserlich ist der Thurm abgeputzt. Ueber der Thüre eine doppelte, jetzt stark verwitterte Rococokartusche, links anscheinend ein Schild, rechts eine unklare Inschrift, erkennbar noch die Jahreszahl 1743. Im Innern ist die Kuppelwölbung sichtbar.
Um den Thurm zieht sich in einem Abstande von 125 cm nach den drei Seiten, an denen das Terrain steil abfällt, eine oben abgeschrägte Mauer. Sie ist durchbrochen von rechteckigen, sich nach hinten verjüngenden Schlitzen. Im Untergeschoss des Thurmes ein grottenartiger, theils in den Felsen eingearbeiteter vom Abhange des Berges zugängiger Raum.
Auf den Bergen. Das Grundstück wurde vor einigen Jahren von Neufriedstein abgetrennt. Das Lusthaus, jetzt Friedsteinburg (Fig. 135), behielt den alten Zustand am besten; es wurde in den Theuerungsjahren 1771–72 von Kaufmann Ehrich erbaut, deshalb auch Denkmal der Wohlthätigkeit genannt. Es besteht aus einem in der Tonne eingewölbten Untergeschoss und einem Obergeschoss.
Der Grundriss (Fig. 136) setzt sich zusammen aus einem achtseitigen, 4,70 m hohen Mittelbau, an den sich seitlich fast quadratische Räume anlegen. Ersterer ist im Dache pavillonartig hervorgehoben und schliesst in einer regelmässigen achtseitigen Plattform ab. Das Obergeschoss ist mit einem Umgang versehen,
der sich an der Rückseite als Terrasse erweitert und an der vorderen Seite vor dem Pavillon um sechs Stufen erhöht. Das Untergeschoss wird durch kleine Fenster spärlich beleuchtet, die vordere Seite, in Quadermauerwerk, wird durch drei Nischen unterbrochen, von denen die mittlere dem Umgang entsprechend höher geführt ist. Davor legt sich in der ganzen Breite eine Terrasse an, von der eine Treppe hinabführt.
Bis auf den zierlichen Rococokamin (Fig. 137) bietet das Innere nichts Beachtenswerthes. An der Nordostseite wurde 1891 ein eingeschossiger Raum angebaut.
Unterer Theil einer Denktafel, Sandstein, 90 cm breit, 40 cm hoch, die Profilirung schon im Empirestil. Auf der geraden Platte unklar bez.:
[133] Der obere Theil eines Ofens, gebrannter Thon, obeliskartig durchgebildet,
von quadratischer Grundform, unten 75 cm breit, 240 cm hoch. Ausgesprochene
Empireformen der Zeit um 1800. Der Ofen steht seit einigen Jahren im Garten
und ist bereits stark beschädigt.
Mittlere Bergstrasse Nr. 88. Altfriedstein. Schlichtes, 1740 erbautes Wohnhaus mit einem 1,80 m im Innern breiten Dachreiter. Ausserdem ist noch ein Glockenspiel angebracht, mit drei schüsselförmigen Glocken. 1902 theilweise umgebaut.
In diesem eine Glocke, 27 cm hoch, 55 cm im unteren Durchmesser, von gedrückter Form, am Halse bez.:
An der Bergseite eine Futtermauer mit drei Bogenstellungen in der mittelsten, ein kleines Brunnenwerk (Fig. 138) aus der Zeit um 1790. In dieser ein kleiner wasserspeiender Delphin und ein einfaches Becken, darüber ein fächerartiges Ornament.
Moritzburger Strasse Nr. 23, Pfarrtöchterheim Neufriedstein.
In der Achse des Lusthauses gelegenes Weinberghaus von stattlichen Abmessungen, vor der Südfront ein klassicistischer Säulenvorbau. Treppen führen von hier herab bis auf die Friedrichstrasse. Mehrfach umgebaut und erweitert.
Obere Bergstrasse Nr. 62, Bad-Hôtel. Vor der Hausthüre wie im Wirthschaftsgarten sind aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
stammende Kinderfiguren, in Sandstein, aufgestellt, und zwar Malerei mit Palette und Leinwand, Bildhauerei mit Büste, Herbst mit Wein, Winter mit Pelz und Kohlenbecken. Diese vier ca. 1 m hoch. Fischer mit einem Fisch, Hirt, ein Lamm tragend, zwei Schnitter mit Aehren und ein Tuch über den Kopf haltend. Diese etwas kleiner.
Ferner eine originelle Sonnenuhr in Sandstein.
Im Hofe des stattlichen, aber völlig umgebauten Grundstückes die Inschrift MDCCXCI.
[134] Paradiesstrasse Nr. 18 (Hoher Berg). Stattliches Grundstück, östlich an den Lössnitzgrund angrenzend, eine Einfriedigungsmauer umgiebt das Ganze.
Das älteste Gebäude ist das Wohnhaus, am westlichen Abhange zum Lössnitzgrunde gelegen. Es zeigt die durch eine Mittelmauer bedingte Raumanordnung. In der Mitte ein Vorraum mit den Zugangsthüren von aussen und zum Garten, seitlich die eingebaute Treppe mit gefälliger, hölzerner Dockenbrüstung (Fig. 139), wohl aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Die Schmalseite südlich mit fünf Fenstern, davor eine dorische, um 1800 angebaute Vorhalle auf vier Säulen. Das nur im Architrav ausgebildete Gebälk umzieht den Bau auch weiter als Gurtgesims. Ueber einem schlichten Hauptgesims erhebt sich das allseitig abgewalmte Dach.
An der nördlichen Schmalseite Anbauten für Wirthschaft und Stallung. Auf einem dieser ein hübscher
Dachreiter mit figürlicher Wetterfahne. Im Innern erhielten sich ältere Formen
nicht.
Moritzburger Strasse Nr. 45. Mohrenhaus. Ueber dem Kellereingang ein Kopf als Schlussstein (18. Jahrh.). Die Baulichkeiten gehören dem 19. Jahrhundert an.
Friedrichstrasse Nr. 24. Malerisches Weinbergshaus, Erd- und Obergeschoss mit Giebelausbau, das letztere in verputztem Fachwerk hergestellt. Im Grundriss ein Rechteck. Durch das stark ansteigende Gelände veranlasst, dient das Erdgeschoss für Wirthschaftszwecke. Eine durchgehende Mittelmauer theilt das Ganze in der Länge; an der Ostseite eine angelegte Freitreppe mit kräftiger Dockenbrüstung (Fig. 140). Ein geräumiger Vorraum mit der Holztreppe für das Dachgeschoss.
Aeusserlich ein reizvoller Dachaufbau, nach der Strasse zu ein Giebel, seitlich gestreckt und kehlförmig gezogen; oben eine Spitzverdachung mit zierlichem Holzgesims.
[135] Friedrichstrasse Nr. 30. Winzerhaus. Rechteckiger Bau, aus Erdgeschoss mit versenktem Obergeschoss bestehend. Das Dach ist allseitig abgewalmt und ladet stark über die Umfassungswände aus. Die Eingangsthüre auf dem geraden Sturz bez. 1802.
Dorf, 8 km nordwestlich von Dresden.
Mittlere Bergstr. Nr. 54. Ein zweigeschossiger Bau (Fig. 141), aus der Zeit um 1600, von fast quadratischer Grundform. Später wurde nördlich der
Pressraum eingeschossig angebaut und 1896 um ein Geschoss erhöht. An der Rückseite, westlich, wurde 1867 ein Stallgebäude mit Schuppen angefügt. An der südwestlichen Ecke ein gewaltiger Strebepfeiler mit Pultdachabschluss.
Die schlichten, kleinen, rechteckigen Fenster im Erd- und Obergeschoss sitzen unsymmetrisch und sind zur Hälfte mit kräftiger Fase versehen.
Malerischer Dachaufbau: südlich und nördlich Vollgiebel, östlich und westlich je eine stattliche Dachgaupe. Die kräftigen horizontalen Gesimse mit den Eckanläufen sind vorgemauert und geputzt. Eine Spitzverdachung bildet den obersten Abschluss. Die Anläufe ruhen auf einer durchgehenden Brüstung.
[136] Die alte Raumeintheilung dürfte sich in der Hauptsache erhalten haben. Im Erdgeschoss (Fig. 142) nordöstlich der geräumige Vorraum, mit der Holztreppe zum
Obergeschoss mit gedrehten Docken (Fig. 143) am Geländer und einer breiten Steintreppe nach dem Keller. Letztere ist mit Fallthüre verschlossen.
Nach hinten zu schliesst sich die Küche an mit dem grossen Schornstein. Die Räume des Obergeschosses (Fig. 144) theilweise verändert.
Auch hier findet nach oben eine Verstärkung der Umfassungsmauer in beiden Geschossen durch Stichbögen zwischen einfachen karniesartigen Konsolen statt. In den einzelnen Räumen einfache sichtbare Balkendecken.
Der rechte Thorpfeiler des grossen Grundstückes bez.: 1715.
Weinbergsgrundstück an der Grundstrasse Nr. 74. Fig. 145 giebt die Lage nach einem Plane des 18. Jahrhunderts. Von dem Strassenthore führt ein steiler
[137][138] Weg bergan, zu dessen Rechten das Wohnhaus steht. Die jetzt vor dem Hause sich erhebende Terrasse ist neu, die auf ihr aufgestellten Figuren stammen aus Böhmen oder Wien.
Links dehnen sich die Wirthschaftsgebäude aus, unter denen die Weinpresse besonders hervortritt.
Etwa in der Achse des Hauptbaues führt eine wohl 300 m lange 1747–1750 erbaute Treppe nach dem Höhenzuge. Im unteren Theile theilweise entfernt.
Als oberster Abschluss dient ein nischenartiger Bau (Fig. 146), der seitlich mit der Grenzmauer verbunden ist. Im Grundriss (Fig. 147) halbkreisförmig, eine flache Nische theilt denselben nochmals nach hinten zu. Vor der Nische drei Stufen.
[139] Der Aufriss zeigt seitlich zwei kräftige, gemauerte und verputzte Pfeiler mit einem Kopfgesims, Viertelstab mit kräftiger Platte; darüber baut sich eine hölzerne Stirnwand im Stichbogen auf, die Brettstösse sind durch aufgelegte Leisten verdeckt. Innerlich dahinter ist das Ganze als halbe Flachkuppel verschalt und verputzt, äusserlich Zinkabdeckung.
Dieser Bau dürfte ebenfalls der Zeit um 1750 angehören.
Im Nachbargrundstück nach der unteren Strasse zu ein Rest eines Brunnenwerkes: Ein Flussweib hebt ein Kind empor. In Sandstein, etwa lebensgross. Wohl Anfang 18. Jahrh.
Dieses Grundstück ist erst vor einigen Jahren abgetrennt worden.
Das Wohnhaus wurde spätestens seit 1653 für Kurfürst Johann Georg II. gebaut und unter Kurfürst Johann Georg III. vollendet. Es blieb mit dem ganzen Grundstück in staatlichem Besitz bis 1889, wo es an Private verkauft wurde. Der letzte Besitzer, General von Suckanoff-Podkolzine liess den Bau sorgfältig restauriren. Das Wohnhaus (Fig. 148) besteht aus einem überwölbten Erdgeschoss, einem Obergeschoss in verputztem Fachwerk, einer vorgelegten Wendeltreppe und Walmdach. Von schlichtem Aeussern bis auf den im 18. Jahrhundert aufgesetzten wirkungsvollen Dachreiter. Die Fenster des Obergeschosses sind gekuppelt und durch eine schlichte Brettumrahmung zusammengefasst. Die Wetterfahne mit dem Kurwappen und der Jahreszahl 1677 dürfte erst nachträglich vom Thurme auf den Dachreiter gesetzt worden sein.
Das zu Seiten der Thüre angebrachte Meissner Stadtwappen ist erst vom General von Suckanoff hierher versetzt worden. Die Herkunft des Wappens ist unbekannt.
Das ganze Obergeschoss (Fig. 149) ist in seiner alten Einrichtung erhalten und eines der bemerkenswerthesten Beispiele der Dekorationsweise des 17. Jahrhunderts. Es ist mit Fachwerkbau ausgeführt und besteht aus einen mittleren, vom theilweise eingebauten Treppenthurm zugänglichen Saal von 7 m Geviert, der die ganze Hausbreite einnimmt und zwei kleinere Seitenräume auf jeder Seite. Ueber die beim Bau beschäftigten Künstler ist nichts bekannt.
[140] Der Mittelsaal.
Der mittlere Saal (Taf. V) mit steinernem Plattenfussboden von rechteckiger Grundform nimmt die ganze Tiefe des Gebäudes ein. In der Mitte der Nordseite greift das Treppenhaus mit drei Seiten des Achtecks herein. Hier liegt die Zugangsthüre. An den Schmalseiten je ein Kamin aus Sandstein (Fig. 150), von derber Form. Seitlich je zwei rechteckige, 185 cm hohe, 85 cm breite Thüren nach den übrigen Räumen. An der Südseite zwei gekuppelte Fenster, nach Norden zwei einfache. Das Ganze symmetrisch angeordnet. Die Wände sind 2,34 m hoch, mit Holz verkleidet und grün und weiss bemalt. Zu Grunde
gelegt ist eine dorische Pilasterstellung auf Postamenten mit kräftigem Gebälk, durch welche die Wandflächen in rechteckige Felder getheilt werden.
a) In den 72 cm breiten und 150 cm hohen Feldern aufgemalt in Rundbogenöffnungen weibliche Figuren. An der Nordseite:
- Benevolentia. In der linken Hand einen Beutel, in der rechten Schmuckgegenstände, zwischen den nackten Füssen ein Huhn mit zwei Eiern.
- Vigilantia. Mit rothem Umhang, in der rechten Hand einen Stab, in der linken eine Sanduhr. Unten sieht rechts ein weisser Pudel hervor,
- Fortitudo. Von herausfordernder Haltung, um das
- Mansuetudo. In langem weissen Gewande mit rothem Umhang, in der rechten Hand einen Bettelstab, die Linke flehend hervorgestreckt.
- Heroitas. In rothem Hermelinkleide. In der erhobenen linken Hand den Reichsapfel, in der rechten ein Scepter. Auf dem Haupte einen Turban mit der Krone.
- Temperantia. Rothe Blumen in dem lockigen Haar, barfuss, in blauem Kleide mit grünem, stark bewegten Umhang. In der linken Hand eine muschelartige Schale, die rechte schenkt aus einem Kruge ein.
- Pietas. Junges Mädchen, barfuss, den Kopf erhoben, die Augen nach oben gerichtet. Der linke Arm drückt ein Buch an die Brust.
- Magnanimitas. Kriegerin in sehr bewegter Stellung, der rechte Arm zieht das links hängende Schwert heraus. Die nackten Füsse mit rothen Sandalen. Ueber dem weissen Unterkleid ein rothes Panzerhemd mit blauer Feldbinde. Das lange rothbraune Haar fällt unter einem Helm hervor.
An der Südseite:
- Justitia. Vier rothe Blumen in den Haaren. Der linke, erhobene Arm hält eine Waage, die rechte Hand ein Schwert. Ein schleierartiges durchsichtiges Unterkleid mit rothem Umhang bedeckt den Körper.
- Sapientia. Oberkörper auf der rechten Seite entblösst. Im linken Arm ein aufgeschlagenes Buch, die rechte Hand zeigt darauf. Zu den Füssen eine Lanze und ein Spiegel.
- Dignitas. In weissem Unterkleid mit kurzem goldenen Ueberkleid und langem Schultermantel. Auf dem Haupte ein Diadem, in der linken Hand eine Krone, in der rechten ein Scepter.
- Intellectus. Barfuss. Die rechte Hand zeigt nach oben, die linke liegt mit dem Zeigefinger an der Schläfe.
An der Westseite:
- Animositas. Auf dem nach links gewendeten Kopfe ein Helm mit Federbusch. Ein gelbes Unterkleid, blaues Panzerhemd mit rothem Umhang bedeckt den Körper. In der rechten Hand ein erhobenes kurzes Schwert. Der linke Arm hält einen Schild.
- Constantia. Mit nacktem Oberkörper und Beinen. In der rechten Hand eine Urkunde. Seitlich am linken Beine ein Postament mit männlicher Büste, auf der sich der linke Arm aufstützt. Auf dem Haupte eine Zinnenkrone. Der Leib wird von grünem Panzerhemd mit blauem Unterkleide bedeckt.
- Artium cognitio. Figur nach rechts gewendet. Im Haar ein Sternendiadem. In der einen Hand die Embleme der Bildhauerei und Malerei, eine Figur und Palette und Pinsel. In der anderen eine Tafel. Zu den nackten Füssen rechts ein zugeschlagenes Buch und ein Himmelsglobus. Links der Stab des Aeskulap. Die Beine werden bis zum Oberschenkel von durchsichtigem Gewebe bedeckt.
- Prudentia. Frauengestalt in faltigem Gewand, mit der Rechten einen Spiegel sich vorhaltend, in der Linken eine sich ringelnde Schlange.
b) In den Fensterbrüstungen an der Nordseite zehn Bilder, je 58 : 71 cm messend, auf Holz gemalt.
- In einem Raume sitzt ein gekrönter alter Mann, um ihn herum drei jugendliche Weiber, ein viertes steht hinter ihm, alle mit nacktem Oberkörper; sie halten eine Spindel. Unten bez.:
Ehre von sich, vm der wollust willen.
[142]
- Landschaft, vorn ein Mann, der einem Pferde den Schweif emporhebt. Das Thier schlägt den Mann. Oben bez.:
Macht vndt gewaldt haben.
- Weinberg und Kornfeld, unten bez.:
- Ein Altar mit rothem Tuch umhangen, darauf ein brennendes Feuer, ein Kreuz mit darangelehnten Gesetzestafeln, Schwert und Scepter gekreuzt. Unten bez.:
Potentaten.
- In Wolken zwei Figuren, die obere in der rechten Hand ein flammendes Herz auf einer Tafel; mit der linken reicht sie einen Palmenzweig der unteren Figur, die im rechten Arme ein Buch mit Lorbeerzweig hält. Bez.:
- Weibliche Figur mit Helm, vor sich einen Schild. In der rechten Hand einen Speer mit rothem Tuch. Bez.:
- Ein offener Rundtempel mit flacher Kuppel und Krone darüber. Unten bez.
- Ein Huhn deckt fünf Kücken mit den Flügeln; darüber Mond und Sterne. Unten bez.:
dass Röm. Reich den Erdboden.
- Ueber einer Heidelandschaft thront Jupiter mit Krone und Scepter und Blitzen. Links von ihm der Adler und die Justitia mit Schwert und Waage. Bez.:
- Bacchus auf einer Tonne, weinbekränzt, mit der Rechten einen Pokal emporhaltend. Ein geflügeltes Pferd sprengt auf ihn zu. Unten bez.:
kann und vermag.
c) An der Südseite vier Felder mit Bildern, durchschnittlich 80 cm breit,
70 cm hoch.
- Ein geschlossener Raum, in der Mitte vor einer Nische sitzt ein Weib, in der rechten Hand einen Palmenzweig, in der linken ein Document mit zwei Siegeln. Seitlich beiderseitig zwei Säulen. Am Schaft Schriftstreifen, über dem Kapitäl auf den vorderen Säulen je eine Königskrone, auf den hinteren ein Bischofshut, die höchste weltliche und geistliche Stellung andeutend. Oben bez.:
- In einer parkartigen Landschaft ein Obelisk auf einem Postament, oben eine Krone. Oben bez.:
Ihre Herrn, Gott aber alle.
- Eine öde Landschaft, vorn in der Mitte ein Knochenmann, mit erhobenem Arme hält er ein Scepter, in der andern Hand eine Krone. Zu den Füssen eine andere solche mit zerbrochenem Scepter. Links vorn ein Buch mit geschlossener Schlange darauf. Oben rechts bez.:
[143]
- Vier schlafende Kraniche, die Köpfe in die Flügel gesteckt, auf kleinen Inseln von Wasser umgeben. In der Mitte vorn ein fünfter, wachend, mit erhobenem Kopfe, einen Stein mit der linken Kralle haltend. Oben bez.:
d) Auf den Thüren je zwei übereinander sitzende Felder.
An der Ostseite:
Auf der ersten Thüre oben in Wolken ein Auge, darunter die Sonne. Auf einem Bande bez.: Gottes Auge siehet des Tages undt. – Unten das Auge mit Mondsichel und Sternen, bez.: des Nachts auff die Seinigen.
Zweite Thüre. Oben: Ein knieendes Weib umschlingt eine Säule, auf der ein Taubenpaar sitzt. Bez.: Eintracht gefelt GOTT vnd Menschen. Unten ein sechsseitiger Altar mit einem brennenden Feuer, bez.: Stätiges Gebet erlanget Zeitliches u. Ewiges.
Westseite: Erste Thüre. Oben: Christus am Kreuze auf einem Hügel, unter den Füssen ein Spruchband, bez.: Scopus vitae meae Christus. Unten: Ein Obelisk auf Postament, oben an zwei Seiten je ein Flügel. Quer darüber ein Spruchband, bez.: immobilis.
Zweite Thüre. Ein Löwe in gespannter Stellung, oben bez.: Der hier wachet, schläffet nicht. Darunter in einem Zelte ein im Bett liegender Mann. Oben bez.
e) An dem Treppenhausvorbau. Auf der Thüre äusserlich und innerlich zwei Köpfe in einer derben Kartusche aufgemalt. Links in der verbrochenen Seite ein vertikal stehendes Schwert in der Mitte, unten von Wolken umgeben zweimal zwei Augen und zwei Ohren sichtbar. Oben bez.:
Rechts an einer Säule eine Schlange. Bez.:
Auf den Postamenten der Säulen Kartuschen mit ovalem Feld. Ueber dem Gebälk weitere rechteckige, durch Leisten umrahmte Felder. Diese sind an den Langseiten theilweise mit Malereien versehen.
An der Südseite:
- Ein Stillleben. Unten goldene Gefässe, Tonnen und Säcke mit Geld. Oben: in Wolken von einem Palmenzweige umschlungen Krone, Scepter, Bischofsstab, Schlüssel, Schwerter u. s. w. Unten bez.:
- Ein brauner Adler mit gespannten Flügeln, erhobenem Kopfe und geöffnetem Schnabel, bez.: Der Meister aller Thiere.
- Ein Phönix, aus Flammen hervorfliegend, oben bez.: Der behertzte Vogel in Fewer.
- Ein Wallfisch mit geöffnetem Maule, bez.: Der Gröste Fisch in Meer.
- Ein fliegender Adler mit angezogenen Beinen, unten bez.:
- Das Kurwappen, daraus wachsen je mit einer Krone abschliessende Rautenzweige. Hinter dem Wappen ein breiter weisser Schriftstreifen, roth bez.:
Kron dass Hauss Österreich – geziehret.
f) Kaminthüre. In länglich rechteckigem Felde ein schwebender nackter [144] Knabe mit einem breiten Bandstreifen umschlungen, in der Rechten eine Fackel, hinter dem Kopfe goldene Flammen. Band bez.: nutz und schad.
Die andere Thüre. Ein knieender, nackter Knabe, links vorn ein Weinstock mit Trauben, den er anbindet. Auf dem stark bewegten Bande bez.:
g) Die Holzdecke wird im Obergeschoss einheitlich gebildet durch die freiliegenden Balken, dazwischen eingeschobene Leisten, die reckteckige Felder bilden mit entsprechenden Stegen. Im mittleren Raume achtzig Füllungsfelder, in denen theils auf dem Erdboden, theils auf Bäumen sitzende Vögel aufgemalt sind. Das Ganze ein farbenreiches Bild, doch ohne einheitliche Wirkung, mehr mit Betonung des Zoologischen. Wahrscheinlich von Albert Eckhaut gemalt.
[145] Nebenräume:
Südöstlicher Raum. Aehnlich geschmückt wie der Mittelraum. Die Holzverkleidung ist etwas niedriger und einfacher. An Stelle der Pilaster treten freiere, hermenartige Formen, die sich oben in eine Kartusche verbreitern. In den rechteckigen
Feldern in nischenartiger Oeffnung aufgemalte nackte Putten von voller, kräftiger Körperbildung mit entsprechenden Emblemen und bezeichnet:
1. Musica mit Posaune. 2. Dialectica mit Buch. 3. Rhetorica mit erhobenen Händen. 4. Astronomia mit Fernrohr und Weltkugel. 5. Geometria mit Zirkel und Papier. 6. Arithmetica mit einer Zahlentafel. 7. Pictura mit Palette und Pinsel. 8. Grammatica, in den Händen einen Schriftstreifen mit lateinischem Alphabet. 9. Unbezeichnet, Emblem unklar.
[146] Ueber dem Gebälk weitere rechteckige, mit Leisten umrahmte Felder, in denen Büsten in Rundbogenöffnungen auf braunem Sockel, theilweise mit grossem Kopfaufputz, aufgemalt sind:
| 1. Sibylle Cymeriene. | 5. Sibylle Eristree. | 9. Sibylle Cimaine. |
| 2. Sibylle Delphique. | 6. Sibylle Europeane. | 10. Sibylle Samienne. |
| 3. Sibylle Agrippine. | 7. Sibylle Phrigiene. | 11. Sibylle Helespontique. |
| 4. Sibylle Lubique. | 8. Sibylle Persique. | 12. Sibylle Tiburtine. |
Die übrigen Felder über den zwei gekuppelten Fenstern werden durch Weinranken mit Trauben gefüllt. In den Fensterbrüstungen kräftiges grünes Rankenwerk.
In der Decke 24 rechteckige Felder, darin aufgemalt stark bewegte von Wolken umgebene Putten. Die meisten halten Blumen in den Händen, nur einer umschlingt mit seinen dicken Aermchen einen Pfauhahn.
Der Ofen (Fig. 151) mit neuem Unterbau, die vorstehenden Architekturtheile, Gesimse, Säulen, Masken u. s. w. grün und weiss glasirt. Die Füllungen mit den Fruchtgehängen sind weiss.
Auf den zwei Thüren zwei Füllungsfelder, unten eine Kartusche, oben eine halbe Putte mit einer weissen Lilie. Ueber der ovalen Begrenzung bez.: brauch den morgen. Auf der anderen ein schlafender Knabe, auch eine weisse Blume haltend, bez.: leg ab Sorgen.
Der nordöstliche Raum (Fig. 152). Fast genau wie der vorhergehende in Architektur und Malerei durchgeführt. Nur die Putten in den unteren Füllungen sind von kräftigem grünen Rankenwerk umgeben. Die weiblichen Büsten sind unbezeichnet bis auf eine: Amazones. Die Decke besitzt 16 Felder. An der Ecke der Nordseite ist ein kleiner Raum bis zu Gesimshöhe abgetrennt, einst wohl ein Zimmercloset, 90 : 115 cm gross, oben mit gerader Decke abgeschlossen. Durch eine Thüre zugängig. Auf den Thürfüllungen Kartuschen, oben mit Masken, unten ohne solche.
Der nordwestliche Raum von gleicher Grundfläche und Architektur wie der letzte. Closeteinbau wie in diesem. In den unteren Feldern acht aufgemalte nackte Frauengestalten; sie befinden sich im Wasser und sind umgeben von Fischen und Krebsen, eine andere ist mit einem Seehund, eine dritte mit einem Haifische dargestellt.
In den Fensterbrüstungen schwimmende, grosse Fische, von Schilf umgeben.
Die oberen Felder der Wandungen sind unbemalt, bis auf die über den zwei gekuppelten Fenstern, wo wieder Weinranken auftreten.
Die Decke zeigt 16 Felder. Dargestellt sind verschiedene Gattungen von Fischen überlebensgross, theilweise in Verbindung mit Putten. Hübsche eigenartige Arbeiten.
Auf der einen Thüre im Oval oben Sonne, unten Mondsichel, dazu je eine Hand aus Wolken und das astronomische Zeichen der Venus in einer Kartusche, seitlich bez.: suche das Licht – und nicht die Finsternis.
Auf der anderen Thüre oben eine Kartusche mit Kinderkopf und Gehänge, unten das Zeichen der Erde.
[Bild]
[(-)] [147] Der fünfte und letzte Raum (Taf. VI), südwestlich gelegen, entspricht dem südöstlichen in Grösse und Architektur. Die unteren Felder sind von breiterer Form. Darauf gemalt jugendliche weibliche Gestalten in Verbindung mit Hunden von verschiedenen Rassen. Rechts von der Thüre bez.: Diana. Die Brust und die Füsse sind nackt, das Haar ist mit Blumen geschmückt, auf dem Rücken theils Felle, theils Pfeil, Bogen und Speer.
In den zwei gekuppelten Fensterbrüstungen lebensgrosse Hunde verschiedener Art. Ueber den Fenstern wieder drei Weinranken. Die übrigen oberen Felder sind unbemalt.
In den 24 Deckenfüllungen Säugethiere aufgemalt, unter anderen:
Ein Wildschwein, dazu bez.:
auss, zwischen der grossen und kleinen | Straube, in einem Jagen gefangen
worden, und uffen Rücken feist gewesen alss diss mass (Strich von 10 cm) auff der
Brust auch (Strich von 6 cm) 31/2 Elle lang. 13/4 Elle 3 Zoll hoch. 1 Elle 2 Zoll breith.
31/2 Elle 4 Zoll dücke.
Ein brauner Bär, bez.:
ein Lustig kampf-Jagen | gehalten, und unter andern mit gehetzt und gefangen, 1. Behr,
so gewogen 8 Cr. 20 ℔. Ist auffen Rücken feist gewessen als diss mass auss weist (Strich
von 11 cm) | Auff der brust als diss mass (Strich von 8 cm) 41/4 Ellen Lang aufgerichts
21/2 Ellen 1/2 Zoll übern Rücken Lang, 21/4 Ellen 31/2 Zoll hoch auf allen vieren und 33/4 Ellen
4 Zoll Dicke.
Ein Hirsch, bez.:
Dhl. von Rotha auss | nacher Leipzigk verreisset, unterwegens Anno | 1629. den 27. Novembr.
in der Zwenkawer Harthe | in einem Jagen von Ihre Fürstl. Durchl. | selbst geschossen
worden, gewogen 5 Cr. 15 ℔.
Ein Wolf, bez.:
Ein weiterer Hirsch, bez.:
auss den 17. | Augusti in Patitzer gemein holtz uff | Patitzer Feldern, in einem Jagen |
uffm Laufft gefangen, ist schwer gewesen | 8 Cr. 25 ℔. an 12. Enden. Ist uffm Zem |
mel feist gewesen, alss diess Maass (Strich von 8 cm) | vnd 33/4 Ellen 4 Zoll Lang | 21/2 Elle
hoch, 1 Elle 1 Zoll Breith, 31/2 Elle Dicke.
Zu einem Reh mit drei Hinterbeinen, bez.:
Bürgerholze an des H. | von Bromnitz Landtvoigts grentze im FuchsJagen, in | Netzen
durch die Stellleute todtgeschlagen worden..
Auf der einen Thüre unten ein Ornament, oben eine aus Wolken hervorlangende Hand und Waage. Oben bez.: Gleich und Recht. Auf der anderen Thüre unten ebenfalls Ornament, oben eine Erdkugel, darüber zwei verschlungene Hände in einem Ringe. Bez.: Dort ewig = hier zeitlich.
Bildniss des Paul Knoll, angeblich des ersten Winzers in der Lössnitz, auf Leinwand, in Oel, 78 : 65 cm messend, Brustbild.
Rothbraunes, derbes lächelndes Gesicht mit langherunterhängendem Schnurrbart. Ueber dem bis zur Schulter herabfallenden dunklen Kopfhaar ein Barett mit rothen und weissen Federn. Rother Wams bedeckt den Oberkörper, beide
[148][149] Arme sind erhoben, die linke Hand hält eine kurze Tabakspfeife, die Rechte ein gefülltes Weinglas.
Das Bild, eine handwerkliche Arbeit ohne individualisierende Züge, gehört noch dem 17. Jahrhundert an, wurde angeblich beim Verkauf der Hoflössnitz von Herrn Freih. von Gregory erworben. Jetzt im Grundstück Sorgenfrei.
Vergl. H. Beschorner. Die Hoflössnitz bei Dresden in den Dresdner Geschichtsblättern XIII. 1904, Nr.1f.
Weinberghaus, auf der Höhe über der Hoflössnitz. Der fast quadratische Grundriss (Fig. 153, 154) enthält im Erdgeschoss kleinere Wirthschaftsräume; nach hinten zu ist in der Mittelachse eine zweiarmige Freitreppe für das Obergeschoss angebaut. Dieses enthält einen nach vorn gelegenen grossen Saal, seitlich in demselben je einen Kamin mit Sandsteinumrahmung (Fig 155). Aeusserlich (Fig. 156) schlichte geputzte Ecklisenen, die kleinen Stichbogenfenster mit einfacher Umrahmung, die Rundbogenthüren abgefast. Das Hauptgesims setzt sich zusammen aus Platten mit einem kräftigen Viertelstab. Ueber dem Ganzen ein eigenartiges welsches Dach mit achtseitigem Dachreiter, dessen 3,50 m breite Laterne durch eine Wendeltreppe in der Mitte als Aussichtspunkt verwendbar wird.
Der Bau dürfte um 1680 entstanden sein. Leider wurde im Jahre 1901 seitlich je ein Flügel angebaut, wodurch die charakteristische Geschlossenheit des alten Baues beinträchtigt worden ist.
Das Wohnhaus.
Schulstrasse Nr. 52. Umfangreiches Grundstück mit hübschen französischen Gartenanlagen, einheitliche Anlage aus den Jahren 1786–89. Eine breite Allee führt von der Strasse nach dem im westlichen Theile des vorderen Gartens [150] gelegenen Herrenhauses von |_| förmiger Grundform. Sie mündet vor dem Hause auf einem halbkreisförmigen Vorplatze. Beiderseitig legen sich an das Haus breite Durchfahrtsthore an, über deren Pfeilern gefällige eiförmige Empirevasen mit Eichenlaubgehänge stehen. Rechts reiht sich ein einstöckiges Wohnhaus für
die Bedienung, Thüre bez. MDCCLXXXVII, dahinter ein gesonderter Bau für Stallung und Weinpresse, bez. MDCCLXXXVIII, links ein geräumiger Bau mit dem Gartensaale an. Vor diesem und seitlich in östlicher Richtung Terrassen, die letztere um sechs Stufen erhöht. Etwa in ihrer Mitte liegt rechtwinkelig die Verbindung mit einem nordöstlich gelegenen Pavillon.
[151] Der kleine rechteckige Hof des Wohnhauses ist für sich durch vier Pfeiler mit Holzgitter abgeschlossen.
Das Herrenhaus (Fig. 157), ein zweigeschossiger Bau, die vordere Seite mit dem Eingang in der Mitte, im ersten Obergeschoss acht Fenster Front, von denen die vier mittleren und je zwei seitliche eine Gruppe bilden. Ueber der ersteren ein malerischer Dachaufbau in Holz, bez. SORGENFREI, daneben in Blech gebildete Blumen- und Stoffgehänge, seitlich zwei Empirevasen. Darüber der quadratische Thurm, dessen Ecken etwas verbrochen sind. Das leicht geschweifte Dach ist in Kupfer eingedeckt. Wetterfahne in Gestalt des Gregoryschen Greifen. Vor dem Hause ein Gartenzaun mit Lattenthor bez.: A D N. 52 und dem Alliancewappen der Gregory und Friderici (?)
Die mittlere Rücklage hat einen ähnlichen Dachaufbau unter dem Dachreiter wie vorn. Die Dachfenster sind im Stichbogen abgeschlossen, mit einfachem Gesims und Rococovase darüber versehen.
Das Innere. In der Mitte des Erdgeschosses in der ganzen Tiefe und zwei Drittel der Breite des Mittelbaues eine Hausflur. Die symmetrisch zu einander liegenden Hausthüren vorn und hinten nehmen seitliche Lage zu ihr ein: Wohnräume östlich und Wirthschaftsräume westlich daran gelegen. Die Treppe für das Obergeschoss im nordöstlichen Flügel. Sie führt in einem geraden Lauf nach oben und mündet auf einen breiten hellen Corridor, der das Gebäude in der ganzen Länge von Westen nach Osten durchzieht. Die Zimmer erhalten dadurch alle direkten Zugang.
Im Thurme zwei Glocken ineinander aufgehangen. Die grössere oben 33 cm hoch, 76 cm weit, an den Henkeln vier Masken, die, wie das Ornament am Halse, schon Empireformen besitzen. Oben bez.:
Am Mantel das Gregory’sche Wappen.
Die kleinere, 26 cm hoch, 56 cm im Durchmesser. Das Ornament am Halse und am Schlage noch in zierlichen, losen Rococoformen. Oben bez.:
Das Gartenhaus.
Das Gartenhaus ist zweigeschossig, von rechteckiger Grundform. Ein Saal nimmt die ganze Länge des Gebäudes ein und geht durch beide Geschosse. In der Mitte der Rückseite ein Vorraum, seitlich rechts die Treppe zu den oberen Räumen. Das schlichte Aeussere mit glattem Sockel und kräftigem Hauptgesims. Die vordere Thüre bez. M.DCCLXXXIX. Ueber dem allseitig abgewalmten Dache Fenster mit breiten Umrahmungen.
An der hinteren Langseite in Nischen zwei Oefen aus Thon in klassicistischen Formen. Ueber dem Unterbau ein Akanthuskelch, aus dem sich eine kräftige Vase aufbaut; oben ein breiter Ring, mit dem drei schlanke Füsse, die auf dem Unterbau ruhen, verbunden sind.
Der nördliche hintere Abschluss nach dem Wirthschaftshofe wird durch eine Böschungsmauer mit Holzzaun gebildet. Erstere ist in der vertikalen Achse des Herrenhauses nischenartig geöffnet und mit einem Wandbrunnen versehen. An der steinernen Wandung des Bassins, die felsartig behandelt, Pflanzen, plastisch gearbeitet, auf der vorderen geschwungenen Umrahmung eine Schildkröte. Das [152] Brunnenbecken als Muschel gebildet, darüber der Wasserzufluss mit kräftiger Rohrfassung. Seitlich rechts kniet ein nackter Knabe, Sandstein, 92 cm hoch, mit kleinen Flügeln im Rücken, der linke Arm ruht auf dem Rohre, der rechte ist erhoben, der Kopf nach oben rechts gewendet. Die Arbeit ist vielfach beschädigt und mangelhaft ergänzt.
Seitlich vor der geschweiften Einfassung des Bassins auf Postamenten zwei Figuren, 78 cm hoch, in Sandstein. Rechts: ein nackter Knabe, an einem Stamme stehend, er hält mit der linken Hand ein Notenbuch, die rechte zeigt darauf. Eine formlose Arbeit; stark beschädigt.
Links: ein ähnlicher Knabe, 80 cm hoch, der linke Fuss steht auf einem Spaten, den er mit den Händen vor sich hält. Der Kopf ist nach rechts gewendet. Bessere Arbeit, stark beschädigt.
Zwei weitere Figuren und eine Vase erhielten sich auf den Pfeilern, die zwischen dem Holzgitter der hinteren Bassinumrahmung stehen. Letztere in der Mitte, 80 cm hoch, in Sandstein, zierliches Rococo. An der breiten Kelchwandung lockere Blumenranken.
Rechts davon: ein nackter Knabe, 80 cm hoch, das linke Bein ist vorgeschoben, die rechte erhobene Hand hält einen Ball, die linke ist auf einen Stamm gestützt, der Kopf wenig nach links gewendet. Hübsche Arbeit, besser erhalten.
Links: ein ähnlicher Knabe, er schlägt mit einem in der rechten Hand befindlichen Hammer auf ein Herz (?), das er mit der linken in einer Zange auf einen Amboss hält. Besser durchgeführt.
Zwei Figuren an der südlichen Treppe vor dem Gartensaale sind durch Epheu gänzlich umwachsen, für mich unzugänglich.
Es erhielten sich ferner an dem Wege zum Pavillon zwei Postamente. An dem rechten vorn plastisch ein Pfeil mit Köcher, an dem linken Lorbeergehänge, darauf Rococovasen.
Im vorderen Theile des Gartens ein Brunnenbecken in Rococoformen über einer eiförmigen Vase, letztere 55 cm im Durchmesser, 58 cm hoch. Oben ein breiter Ring mit Blumen und Blättern geschmückt. An der Cuppa, plastisch, vier beflügelte Knaben, zwischen vertikalen Stäben, an denen sich Pflanzen emporwinden.
Vor dem Herrenhause am Vorplatze zwei reich gegliederte Thorpfeiler mit Kopfgesims. Darüber gefällige Empirevasen, deren Henkel durch zwei verschlungene Thiere mit langen Schwänzen und grossen Köpfen gebildet sind. Am Gefässbauche Wasserpflanzen.
Im südwestlichen Theile des Gartens ein Bassin von langgezogener Grundform, die Schmalseiten sind in geschweifter Form abgeschlossen. In der Mitte eine Sphinx (Fig. 158), Sandstein, 1 m breit, 80 cm hoch, über einem felsartig bearbeiteten, 40 cm hohen Sockel. Der an die Brust gedrückte Delphinkopf wird seitlich von den Vordertatzen gehalten; er ist sehr beschädigt. Eine auffallend steife, klassicistische Arbeit.
Pavillon, aus Lattenwerk im nordöstlichen Theile des Gartens, 14 Stufen über dessen Niveau gelegen. Regelmässige achtseitige Grundform, 6,40 m im Innern weit. Ein glatter Sockelunterbau in Sandstein, darüber der Aufbau in Holz. Die Ecken sind lisenenartig behandelt, an zwei Seiten, vorn und hinten, [153] Stichbogenthüren. In den anderen Feldern grosse Rundbogenfenster. Die Zwischenräume sind mit Leisten in diagonaler Richtung gefüllt.
Das Dach flach kuppelartig in Metall eingedeckt, in chinesischer Art. An den Ecken beflügelte Drachen. Ein weiterer von grösserer Abmessung in der Mitte über dem Dache als Wetterfahne. Im Innern der flachen Kuppel chinesierende Malerei.
Von den im Gregory’schen Besitz befindlichen Bildern seien einige hervorgehoben.
Bildniss des Christian Friedrich Gregory.
Auf Leinwand, in Oel, 74 : 101 cm messend. Ganze Figur.
Der Knabe in einer rothen Husarenuniform, neben einem Tische auf dem die Pelzmütze liegt. Die rechte Hand liegt darauf. Auf den Schultern eine Attila mit Pelzbesatz. In der Linken der umgeschnallte Säbel.
Bunte handwerkliche Arbeit. Wohl 1750.
Bildniss der Johanna Sophia Gregory, geb. Knauth, † 1757.
Auf Leinwand, in Oel, 74 : 101 cm messend. Vollbild. Das Gegenstück zu dem Vorigen.
Als Mädchen in rosafarbigem Kleid, breiten Reifenrock, ausgeschnittenen Leibchen mit Spitzen eingefasst. Auf dem Kopf ein Federstutz. Auf der Rechten ein weisser Falke an einer Schnur, die von der Linken gehalten wird. Sehr lebhaft in der Farbe.
Auf der Rückseite bez.: Johanna Sophia Gregory geb. Knauth. 1757. 11 Jahr alt. † 1757 in Dresden.
Bildniss des Hans Heinrich Gregory, † 1764.
Auf Leinwand, in Oel, oval, 25,5 : 27,5 cm messend. Brustbild.
Das bartlose rosige Gesicht ist nach links gewendet, braune Augen, volles braunes Haar. Weisses Halstuch.
Auf der Rückseite bez.:
geb. 21. Febr. 1695, cop. 1725, † am 10. Decbr. 1724
Originalgemälde in den Händen des Johann Ludwig Gregory in Amsterdam 1788,
Copie erhalten.
Das Bild ist also nach einem Originalgemälde kopiert und 1788 hierher gekommen. Stark übermalt, doch keine geringe Arbeit.
Bildniss des Albert Friedrich Gregory, † 1776.
Auf Leinwand, in Oel, oval. 24,5 : 27,5 cm messend. Brustbild.
[154] Graugrüner Grundton. Ein braunes bartloses nach links gewendetes Gesicht. Gewelltes, gepudertes Kopfhaar mit schwarzer Schleife; dunkler Rock, weisses Spitzenhalstuch.
Auf der Rückseite bez.:
in Dresden † 15. Sept. 1776. | 1762 gemalt.
Bildniss eines Unbekannten, Pastell, oval, 230 : 275 mm messend. Brustbild.
Ein volles, bartloses, freundliches Gesicht mit braunen Augen, seitlich gewendet, das Haar gewellt und gepudert. Ein hellgrüner Rock bedeckt den Oberkörper.
Das Bild erinnert in seiner eigenartigen Auffassung an Werke von Raphael Mengs.
Bildniss des Frhr. von Gregory.
Auf Leinwand, in Oel, 60 : 77 cm messend. Brustbild. In sitzender Stellung.
Geistreiches, bartloses Gesicht, eine hohe Stirn mit wenig Kopfhaar, Kopf wenig nach links gewendet. Weisses Halstuch, dunkelbrauner Rock mit breitem Kragen, der linke Arm ist auf ein Tischchen aufgelegt, die Hand hält ein Buch.
Der Grundton klar, hellbraun. Seitlich rechts im Hintergrund ein rother Vorhang.
Bildniss der Frfr. von Gregory. Gemahlin des vorigen von gleicher Grösse und Art, in sitzender Lage nach rechts gewendet. Das zarte, feine Gesicht wird von gewelltem, dunkelbraunen Haar begrenzt. Im Haar ein weisses Band. Ein weisser Einsatz über der Brust. Das blaue Kleid darunter gegürtet. Die Hände liegen auf dem Schoss übereinander.
Auch hier der klare braune Grundton, der nach dem Rande zu dunkler wird. Beide Bilder sind gute Arbeiten, die wohl an Werke des Anton Graff erinnern, ohne diese jedoch zu erreichen.
Bildniss eines Unbekannten, auf Leinwand, in Oel gemalt, 58 : 73 cm messend. Brustbild. Der Kopf und der Körper sind nach rechts gewendet, das frische, feingeschnittene Gesicht mit Anflug von Schnurrbart, um den Hals eine weisse Binde, das schwarzgraue Haar ist gepudert und gewellt, hinten eine dunkle Schleife. Grundton graubraun. Das Ganze erinnert sehr an Anton Graff, es ist in sehr gediegener Technik durchgeführt, manierfrei. Stark übermalt. Umgeben von einfachem Empirerahmen.
Bildnisse einer Unbekannten. Auf Leinwand, in Oel gemalt, 60 : 72 cm hoch. Brustbild; in schlichtem Empirerahmen.
Der Körper und das bartlose, feine Gesicht sind nach links gewendet. Das gewellte Haar ist gepudert, hinten eine schwarze Schleife.
Hals und Brust mit weissem Tuch bedeckt, darüber eine hellgrüne Weste und dunkelgrauer Rock.
Das Bild erinnert sehr an Anton Graff, ist jedoch etwas glätter als die meisten von dessen Arbeiten. Um 1800.
Rechte Gesichtshälfte und Nase stark übermalt.
Bildniss des Grafen Philipp Karl von Alvensleben, Königl. preuss. Kabinetsminister, † 1802.
[155] In Pastell, 230 : 275 mm messend. Brustbild, oval.
Die Figur, auf hellbraunem Grundton ist nach links gewendet. Das lange, vornehme Gesicht bartlos, blaue Augen, das gepuderte weisse Haar ist über den Ohren stark gewellt, oben glatt, eine schwarze Zopfschleife im Nacken. Um den Hals ein weisses Tuch, darüber der blaue Rock.
Treffliche Arbeit. Auf der Rückseite bez.: peint par Schmied.
Ferner bez.:
am Sächs. Hofe.
Obere Bergstrasse Nr. 75, Ecke Hoflössnitzstrasse. Zweigeschossiger Bau (Fig. 159), in der Grundform rechtwinkelig. Das Erdgeschoss massiv, das
Obergeschoss in verputztem Fachwerk. An der südwestlichen Ecke ein Vorbau eingeschossig, früher als Zugang dienend, jetzt zugemauert, mit Korbbogenthüre, darüber ein gerader Giebel mit leicht profilirtem Gesims und Satteldach dahinter. Ueber der Kreuzung der Flügelbauten, also südwestlich, ein stattlicher Dachreiter, achtseitig in Fachwerk, von 3,15 m innerem Durchmesser. Die seitliche Wandung in Zink beschlagen, mit Spitzbogenöffnungen durchbrochen, darüber ein flach gekehltes Zeltdach mit Knopf und Wetterfahne, letztere in Gestalt einer weiblichen Figur; in der einen Hand scheinbar eine Traube, in der anderen ein Monogramm E M, wohl in Bezug auf den Hofbuchdrucker Meinhold, der das Grundstück im 18. Jahrh. besass. Für das Innere lässt sich die alte Raumeintheilung nicht mehr genau feststellen.
[156] Kellergeschoss in der Tonne eingewölbt, unten davor eine abgefaste Rundbogenthüre; der obere Zugang ist neu. Im Obergeschoss einseitige Zimmeranordnung nach der Strasse zu, die Hofseite mit Corridoren.
Die Abbildung zeigt den alten Zustand mit dem Eingang durch den Vorbau.
Figur, Sandstein, 68 cm hoch. Der Sommer als ein nackter Knabe mit grossem Schlapphut, auf dem Rücken ein mit der Linken gehaltenes Getreidebüschel. Zierliche, leider sehr beschädigte Arbeit; auf dem nordöstlichen Thorpfeiler.
Das Gegenstück dazu, der Winter, liegt zerschlagen im Garten: eine weibliche Figur, barfuss, in einen Pelz gehüllt, seitlich ein Kohlenbecken.
Figur, Winzer, 69 cm hoch, auf quadratischem Postament, mit langen Stiefeln, Kniehosen und kurzem Rock. Die linke Hand greift nach dem breiten Hut, unter dem volles lockiges Haar hervordringt. Unten seitlich eine Kanne. Im vorderen Theile des Gartens.
Die anmuthige Arbeit stark übermalt und sehr beschädigt. Die Figuren stammen von etwa 1750.
Im Dachreiter eine Schlagglocke von breiter gedrückter Form, 15 cm hoch, 32 cm im unteren Durchmesser. Oben bez.:
Obere Bergstrasse Nr. 77. Ein geräumiger Bau, das Erdgeschoss massiv, das Obergeschoss in Fachwerk. An der Bergseite über Holzsäulen eine jetzt zugebaute Galerie. Südwestlich an der Strasse ein rechteckiger Vorbau, mit abgewalmtem Dach, darüber eine gefällige Renaissance-Wetterfahne, bez. 16. E. B. 49. Das Innere lässt nicht mehr mit Sicherheit auf die alte Anlage schliessen.
Obere Bergstrasse Nr. 88. Malerische, regelmässige, zweigeschossige Anlage mit breitem Mittelbau, der an der vorderen und hinteren Seite im halben Achteck geschlossen ist. Das Obergeschoss in Fachwerk, die verschalten Flächen nur noch theilweise erhalten. An der vorderen Seite seitlich vom Mittelbau je drei Fenster. An den Schmalseiten, östlich und westlich, deren zwei.
Ueber dem mit steilem Mansardendache kuppelartig bedeckten Mittelbau eine Wetterfahne, bez. G. S. 1770.
Das Innere ist vielfach verändert worden. Zweifellos bildete der Mittelbau mit der jetzt theilweise vermauerten Thüre eine grosse Halle, in die die Treppe eingebaut war. Die übrigen Räume legten sich seitlich an und waren durch eine Mittelmauer getrennt.
Zugang und Treppe sind in neuerer Zeit in den westlichen Theil verlegt. Der nordwestliche Anbau dürfte auch später angefügt sein.
Ledenweg Nr. 7. Das stattliche, zweigeschossige Herrenhaus mit seiner rechteckigen Grundform von 13 Fenster Front dürfte in der Mitte des 19. Jahrhunderts seine jetzige Gestalt erhalten haben. Den äusseren Formen nach ein einheitlicher Bau dieser Zeit. Ob eine ältere Anlage verwendet worden ist, konnte ich nicht nachweisen.
In dem umfangreichen Parke finden sich an einer Treppenstufe und an Böschungsmauern verschiedene Jahrzahlen auf Sandsteinquadern. Im oberen Theile 1791, 1792, 1793. Oestlich neben dem Herrenhause 1794, 1795. An einer Terrassenstufe bez. G. B. Aō. 1792. Auf der Terrasse einige Kugeln, Aufsätze von entfernten Thorpfeilern der alten Einfriedigungsmauer. Eine derselben bez. 1797.
Schulstrasse Nr. 51, Ecke Strakenweg. In der Einfriedigungsmauer eine Rundbogenthüre, einfach abgefast. Oben bez. 1660.
Das Wohnhaus wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts umgebaut, die Raumeintheilung verändert, ein Stock aufgesetzt und der Dachaufbau in anderer Gestalt durchgeführt.
Grundstrasse. In der Grenzmauer nach der Strasse zu ein Schlussstein vermauert, bez. H. M. | M.DC | LXXXIII.





