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Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung. Theil II Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt: Okrilla bis Zitzschewig

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Autor: Cornelius Gurlitt
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Titel: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung. Theil II Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt: Okrilla bis Zitzschewig
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: In Commission bei C. C. Meinhold & Söhne
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: commons
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Reihe: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Heft 26
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[157]
Okrilla.

Dorf, 18,5 km nordöstlich von Dresden.

Grossokrilla.

Fig. 160. Grossokrilla, Ofen in der Wildmeisterei.

Ehemalige Wildmeisterei, jetzt Gut Nr. 8 zu Kleinokrilla. Stattliches Wohnhaus, an der Strasse gelegen, bestehend aus Erd- und Obergeschoss. Aeusserlich schlicht, mit einfachen Fensterumrahmungen und kräftig profilirtem Holzgesims. Im ersten Obergeschoss Vorraum, einfacher Kamin mit Gesimsabschluss. Stuckleisten finden sich noch theilweise an den Decken der Zimmer.

Ofen (Fig. 160), von rechteckiger Grundform. Die Kacheln aus Thon sind roth, weiss und grün gefärbt. Ueber vier Füssen ein Unterbau mit entsprechendem Gesims oben und unten.

Darüber an der Langseite eine Stichbogenöffnung, seitlich Lisenen mit Kartuschenwerk, oben geschweifte Verdachung, Maske in der Mitte. Ein überhöht stark eingezogener Aufsatz bildet den Abschluss nach oben. Die Schmalseiten sind ähnlich durchgebildet, jedoch ohne Durchbrechung.

[158]
Kleinokrilla.

Wohnhaus Nr. 20. Es erhielten sich zwei Figuren, Knaben, etwa 75 cm hoch, in Sandstein, der eine steht auf dem linken Thorpfeiler, auf dem Kopfe einen Hut; der andere im Garten, leider neu bemalt, er hält den Hut in der rechten Hand. Arbeiten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrh.


Ottendorf.

Kirchdorf, 10 km nordöstlich von Radeberg.

Die jetzige Kirche baute Architekt Fischer in Dresden 1874–75 nach Plänen des Architekten Altendorf aus Leipzig, wobei der Bau mehr nach der Strasse zu gerückt wurde. Der alte, 1873 durch Blitzschlag zerstörte Bau bestand nach Sachsens Kirchen-Galerie aus einem im Grundriss rechteckigen Raume, der Chor war im halben Achteck geschlossen, nach Westen stand der Thurm. Ein weiterer Anbau nach Norden diente der Sakristei. Grössere Bauarbeiten wurden laut Kirchrechnungen an der alten Kirche 1609–11, 1647 und 1684 vorgenommen.

Drei Glocken, im Jahre 1875 von J. G. Große gegossen.

Zwei Altarleuchter, Zinn, versilbert, 285 mm hoch, 310 mm Fussweite; über einem kräftigen Fusse ein gleichmässig durch Kehlen und Wulste abwechselnd profilirter Stiel, oben ein tellerförmiger Abschluss mit einem Dorn. Bez.: Anna Elisabetha Hackerin. | Anno 1673. In Bezug auf die Gattin des Pfarrsubstituten Elias Hacker. Ohne Marken und Beschau.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 175 mm hoch, 105 mm Fussbreite; einfach, mit sechspassichtem Fuss und Stiel, birnförmigem, sechstheiligen Knauf. Am Fusse bez. A. 1708. | G. J. D. K., in Bezug auf Gabriel Knöfel, königlichen Mundschenken in Dresden, der den Kelch 1708 schenkte.

Patene dazu, 138 mm im Durchmesser, einfaches Kreuz in kreisförmiger Begrenzung am Rande.

Dazu auf beiden die nebenstehenden Marken.

Hostienschachtel, Silber, vergoldet, 5 cm hoch, 9 cm im Durchmesser, einfach, auf dem Deckel gravirt das Lamm mit der Siegesfahne, umgeben von einem Strahlenkranze. Unten bez. J. G. K. | 1711.

Dazu nebenstehende Marken.

Achtseitige Flasche, Zinn, 19 cm hoch, 106 mm breit, ohne Fuss. Der Deckel wenig ansteigend, mit kugelförmigem Abschluss. Achteckseite bez.:

Kirche | zu Ottendorff | 1748.

Ungemarkt.

Taufschüssel, Zinn, 57 cm im Durchmesser, schüsselförmig, auf dem breiten Rande bez.:

Wert verehrt in die Körche zu Otten Dorf Von Martin Löschen Aō. 1705. De. 31. oct.
Lasset die Kindlein zu mir Kommen und Wöhret ihnen nicht Denen Solche ist
das Reich Gottes. Luce. am. 18. Cap.

Ungemarkt.

Die letzten drei Stücke seit einigen Jahren in Besitz des Herrn Friedensrichter Seelig in Langebrück.

[159] Abendmahlkelch, Zinn, 198 mm hoch, 108 mm Fussweite, mit rundem Fuss und gleichem kurzen Stiel, in der Mitte ein schwaches Profil weit ausladend. Die auffallend grosse Cuppa verkehrt kegelförmig gestaltet. An derselben gravirt zwei Zweige mit dem Monogramm C. F. J. A. P. | 1679.

Ohne Marken.

Abendmahlkanne, Zinn, 206 mm hoch, 155 mm Fussweite, von einfach cylindrischer schlanker Form. Der Ausgussansatz und der Deckelverschluss darüber sind roh erneuert. Am Mantel bez. G. J. D. K. | 1708.

Dresdner Beschau, Marke unklar, abgenutzt.


Pieschen.

Dorf, 3,5 km nordnordwestlich von Dresden.

Die Beschreibung der Alterthümer ist irrthümlich in Heft XXIV aufgenommen. Siehe daselbst Seite 99.


Pillnitz.

Kirchdorf, 12 km südöstlich von Dresden.

Die ältere Kirche

wurde 1594 von Christoph vom Loß erbaut, 1628 mit einer Mauer umgeben, 1722 abgebrochen, und stand da, wo jetzt der Speisesaal sich befindet. Im April 1596 wurde sie mit grosser Feierlichkeit eingeweiht. Sie war 21 m im Lichten lang und 5,4 m breit, der Thurm 28 m hoch. Sie scheint noch gothisierende Formen besessen zu haben.


Bergkirche.
Der Bau.

Die neue Kirche wurde 1723–1727 an der Lehne der Weinberge mit Benutzung von Einrichtungsgegenständen der älteren erbaut. Die Bauleitung unterstand dem Grafen Wackerbarth und dem Oberlandbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, die Bildhauerarbeiten fertigte Johann Benjamin Thomä, die Maurerarbeiten Christian Schumann. Der Grundriss (Fig. 161) zeigt ein schlichtes Rechteck, wobei der Altarplatz nur durch eine Stufe betont worden ist. Sakristei nach Nordosten in das ansteigende Gelände angebaut. Der Hauptzugang (Fig. 162) erfolgt von der Mitte der südlichen Breitseite durch eine stattliche Freitreppe, den örtlichen Verhältnissen entsprechend. An der Westseite ein weiterer Zugang über eine Freitreppe. Der Aufbau ist nicht minder schlicht. Die durchgehenden Fenster sind im Stichbogen geschlossen und mit Sandsteinumrahmung versehen. Die Thüre an der Südseite erhielt eine reichere Durchbildung: die Umrahmung ist einfach profilirt, seitlich eine Lisene, über einem Fries eine abgebrochene geschwungene Verdachung, in dieser eine Doppelkartusche, links mit dem kursächsischen, rechts mit dem polnischen Wappen, darüber die Königskrone, darunter der Namenszug FAR, in Bezug auf König August den Starken. Ueber dem Thore befand sich eine Inschrift, die übermalt wurde. Reste wieder sichtbar. Die Thüre an der Westseite hat eine einfache, [160] kräftig profilirte Umrahmung. Das Dach ist an beiden Schmalseiten abgewalmt; in der Mitte ein hölzerner Dachreiter, der sich bis Firsthöhe quadratisch, dann achtseitig in derben Barockformen aufbaut. Das geschweifte Dach ist in Schiefer eingedeckt. Wetterfahne bez. A. R. Po. 1727. (?) (Augustus Rex Poloniae). Darüber eine Krone.

Im Innern flache Decke mit einfachen Stuckleisten, und kräftiger Kehle; darunter ein Gesims. Emporen, an der Süd-, West- und halben Nordseite in zwei Geschossen auf quadratischen Säulen. Die Brüstungen sind in lange rechteckige Felder getheilt.


Die Kirchenausstattung

wurde beim Bau von 1727 aus der alten Schlosskirche herübergenommen.

Fig. 161. Pillnitz, Bergkirche, Grundriss.

Altar (Fig. 163), Sandstein, in einigen Theilen vergoldet, 270 cm breit, 585 cm hoch. Die Predella trägt zwei Wappen, links das Lösersche (und zwar nur das Reh und darüber ein undeutliches kleeblattartiges Gebilde), rechts das Bünauische. Der übrige Raum wird durch Anläufe und Rollwerk gefüllt, beiderseitig ein beflügelter Kindengel. Begrenzt wird sie seitlich durch Postamente, darüber gewundene, korinthisirende Säulen, am Schaft Weinranken. Am Kapitäl zwischen den Voluten beflügelte Köpfe. Auf den Seiten der Postamente Anläufer und Rollen, vorn ein beflügeltes Köpfchen. Architrav und Fries sind in der Mitte unterbrochen, das Gesims dagegen geht durch.

In der Mitte zwischen den Säulen in Relief die Einsetzung des Abendmahls, 132 : 173 cm messend. Christus in der Mitte, vor ihm zur Rechten Johannes, zur Linken Petrus und drei (?) andere Jünger, darunter Judas Ischariot mit dem Beutel in der linken Hand, links die sechs anderen Jünger. Der Herr hat die rechte Hand segnend erhoben. Auf dem Tische eine Schüssel mit dem Osterlamm, der Kelch daneben. Hinter der Abendmahlgruppe baut sich eine vierfache Säulenarchitektur auf, darüber Rippengewölbe.

Der Altar wird seitlich begrenzt durch consolartiges Volutenwerk. Darüber steht rechts eine männliche Figur, 1 m hoch, mit Vollbart, in der Linken ein Buch, in der Rechten einen Schwertknauf, barfuss in bewegtem Gewande; links eine ähnliche Figur, in der rechten Hand ein Buch, das Emblem in der linken fehlt. Wohl Petrus und Paulus.

[161] Ueber dem verkröpften Säulengebälk je eine beflügelte Figur sitzend, auf den Anfängen einer geschweiften Verdachung. Die Linke hält an einer Lanze einen Schwamm, die Rechte ein Kreuz. Oben in reich bewegter Umrahmung ein Relief, Christus in Gethsemane, rechts in Wolken ein Engel mit dem Kreuz, im Vordergrund die schlafenden Jünger sitzend und liegend. Den obersten Abschluss des Altars bildet eine Statue des Auferstandenen, der die rechte Hand segnend erhebt. Auf der Rückseite bez.:

Johannes George Kretzschmer. bilthauer in Dresden den 19. 8 ber. | anno 1648.

Fig. 162. Pillnitz, Bergkirche, Hauptzugang.

Der von Günther von Bünau, vielleicht zu Ehren seiner 1649 verstorbenen Gemahlin Christiane Elisabeth Löser aus dem Hause Gropstädt, gestiftete Altar ist gut erhalten, in vorzüglichem festen Material hergestellt. Die Architektur hat schon ausgesprochene Barockformen jener Art, wie sie die Folgezeit überall ausbildete. Das Ornament hat schon jene teigartig weichen, überhängenden Formen der letzten Renaissance, die Figuren sind von stark manierirter Bewegung, doch bekundet sich überall ein kräftiges, formensicheres Können.

Kanzel, in Sandstein. Die Brüstung in vier Seiten des Sechsecks geschlossen, über einer sechsseitigen Säule. An den Ecken der Felder dorische Säulen über Postamenten mit Gebälk, im Fries Triglyphen. Zwischen den Säulen Rundbogenöffnungen, seitlich im Bogen Quaderung, darunter Kämpfergesims und Rollwerk. Ueber der Säule ein wulstiger Uebergang mit Consolengesims.

Schalldeckel, in Holz, sechsseitig, ein Gebälk, darüber Anläufer, Aufsatz fehlt, innerlich Gesims, vertieft, mit Consolen. Nur die Brüstung und die Reste des Schalldeckels gehören einer älteren Anlage des 17. Jahrhunderts an, deren derbe Renaissanceformen etwa jenen des Altars entsprechen. An der Nordseite aufgestellt. Aufgang modern.

Taufstein, Sandstein, 108 cm hoch, ein kräftig profilirter Fuss, mit geschweiftem, [162] runden Stiel, darüber weit ausladend die Cuppa, cylindrisch, oben und unten mit Gesims, am Leibe mit vier Feldern, einfachen Tafeln, die von Rollwerk begrenzt sind. Der Deckel von Holz, achtseitig, überhöhte Form, an den Seiten beflügelte Kindköpfe, umgeben von Rollwerk; vier weitere ähnliche Köpfe liegen sich gegenüber auf vier Seiten des Deckels. Ein Kreuz schliesst oben ab. Wohl von demselben Meister wie der Altar. Um 1650.

Fig. 163. Pillnitz, Bergkirche, Altar.

[163] Orgel aus neuerer Zeit.

Drei Glocken. Die grosse, 70 cm hoch, 86 cm im unteren Durchmesser, an den Aufhängern vier männliche Masken. Am Halse zwischen Weinranken bez.:

Anno – 1800 – goss – mich – Heinrich – August – Weinholdt – in Dresden.

Fig. 164. Pillnitz, Denkmal des Christof vom Loss.

Am Mantel vorstehende zwei gleiche Münzabdrücke, desgleichen ein Lorbeerkranz von zwei Kindengeln gehalten, hebräisch bezeichnet: Jehova.

Die mittlere, 1873 von J. G. Grosse gegossen.

Die kleine, 43 cm hoch, 57 cm im unteren Durchmesser, am Halse zwei starke Riemen, dazwischen bez.:

Anno M.D.XCVI. sic transit gloria mundi.

Darunter ein breiter Ornamentstreifen, Rankenwerk mit Halbfiguren in Renaissanceformen.

Zwei Messingleuchter, 40 cm hoch, 23 cm Fussweite. Mit kräftigem, breitem Fuss, kurzem, reich gegliedertem Stiel, oben der tellerförmige Hals mit einem Dorn. Unbezeichnet. Wohl zweite Hälfte 17. Jahrh.

Klingelbeutel aus rothem Sammet, darauf gestickt zwei Zweige mit Krone, bez. J. F. B. | 1774.

Taufschüssel, Zinn, 57 cm im Durchmesser, mit breitem Rand, einfach.

Ungemarkt.


Denkmäler.
Denkmal eines Herrn von Pflugk.

Consolartiger Unterbau aus Sandstein, 88 cm breit und 65 cm hoch, darüber Aufbau aus Alabaster, 96 cm breit, 110 cm hoch.

Ueber dem Unterbau, der unten mit einem beflügelten Köpfchen abschliesst, baut sich das eigentliche Alabasterdenkmal auf. Zunächst ein breiter Sockel, auf diesem im Relief rechts fünf knieende, in der Haltung schematisch durchgeführte Männer mit um die Schulter gehangenen Mänteln, in den rechten Händen Hüte haltend; links fünf weibliche Figuren, die dritte davon noch jugendlich, alle in langen faltigen Mänteln, die Hände gefaltet, Kopfhaube und Kinnbinde.

Darüber eine Pilasterstellung, seitlich Anläufe, die oben in einem Thierkopfe endigen. Auf den Pilastern je vier Wappen auf Scheiben:

[164]
Pflugk, bez. V. P. Schönberg, bez.: B. V. S.
Minckwitz, bez. E. V. M. Könneritz, bez. M. K. (?)
Schleinitz, bez. D. V. S. Miltitz, bez. D. V. M.
Bünau, bez. D. V. B. Liederbach, bez. D. L.

Ueber den Pilastern ein Gebälk in dorischer Ordnung, hoher Fries mit Triglyphen, dazwischen Löwenköpfe. Das Gesims schliesst oben mit einer Spitzverdachung ab. In derselben die Dreifaltigkeit in Relief: In der Mitte Gottvater sitzend: Er hält vor sich den Gekreuzigten, links auf seiner Schulter sitzt die Taube. Seitlich rechts ein Schild, bez. 15.. Das linke ist leider herausgebrochen. Beide gaben wohl das Sterbejahr des im Denkmal Verewigten.

Zwischen den Pilastern ein Relief, 46 : 52 cm messend. In der Mitte die Auferstehung, Christus schwebt über dem Sarge in Wolken, seitlich hinter ihm halten Kindengel ein Tuch, vor dem Sarge die Wächter, unten links ein grosser Walfischkopf, der ein todtes Weib ausgespieen hat, hinter demselben liegt ein Todtengerippe, das nach ihr langt. An dem Sandsteinconsol die Wappen der Pflugk und der Schönberg.

Diese tüchtige Arbeit ist an der nordöstlichen Ecke der Kirche eingemauert, leider vielfach bestossen, einzelne Stücken der Umrahmung sind abgeschlagen. Von Christus, einem Wächter und einem knieenden Mann im Sockel fehlen die Köpfe. An dem Gerippe ist der rechte Oberschenkel herausgeschlagen, desgleichen in der Verdachung der linke Schild mit einem Theile der Jahreszahl.

Das Denkmal gehört dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts an und dürfte aus der Schule des Hans Walther hervorgegangen sein. Die Herstellung aus Alabaster weist auf die Entstehung in Dresden, wo Juan Maria Nosseni die Brüche von Weissensee zu bildnerischen Arbeiten verwendete.

Denkmal des Christof vom Loß, † 1609. (Fig. 164.)

Sandstein, unbemalt, 230 cm hoch, 113 cm breit.

Der Verstorbene stehend, überlebensgross, in voller Rüstung, langes Kopfhaar mit Kinn- und Schnurrbart. Mit breitem Leinwandkragen, über die linke Schulter eine Feldbinde, die linke Hand auf den Helm gestützt, der auf einer Console liegt, in der rechten den in die Seite gestemmten Feldherrnstab. Die einzelnen Platten der Rüstung sind mit gefälligem Renaissancewerk verziert. Ueber der Figur eine Tafel mit der Inschrift durch Rollwerk begrenzt, seitlich zwei beflügelte Figuren. Dazu die Wappen der vom Loß, von Bernstein, von Lindenau, von Pflugk. Auf der Tafel bez.:

Wir warten auf die sehlige Hofnung | der Erscheinung der Herligket des | grossen Gottes und unsers hey | lands Jhesu Christi. Tit. 2: Ja kom herr Jhesu. apoc: 22.

Am Rande bez.:

Ao. dni 1609 den 4. april frue zwische 8 und 9 uhr ist derweiland edle gestr. und
ehren: Christof v. Los auf Pilnitz und Kraupa Kais. Mait. Raht und des h. Reichs
Verordneter Pfennigmeister auch Churf. Sechss: vornehmer geheimbter Raht im h.
Christo seeliglichen entschlaffen und den 12. hernacher in dieses von ihme selbsten
lengst zu vor verordnetes Ruhestedte beigesetzt worden. seines Alters 64 Jhar 2 Monat
2 Tage dem Gott gnade.

Das Denkmal ist an der Ostseite hinter dem Altar aufgestellt. Beachtenswerthe tüchtige Arbeit. Die Köpfe der Figuren oben an der Tafel sind abgeschlagen.

[165] Denkmal der Frau Ursula vom Loß, † 1632.

Sandstein, 102 cm breit, 220 cm hoch, einfach rechteckig begrenzte Tafel, oben eine Kartusche mit Maske, seitlich Anläufe. In der Mitte etwas vertieft Christus am Kreuze, dessen Arme im Dreipass geschlossen, oben die Inschrifttafel. Unter dem Kreuze ein Hügel mit Gebeinen. Darunter eine weitere Tafel, ähnlich wie die obere begrenzt. Seitlich folgende Wappen:

Loß, bez. D. V. L. Schleinitz, bez. D. V. S.
Schleinitz, bez. D. V. S. Ruckershausen, bez. D. V. R.
Drachsdorf, bez. D. V. D. Lichtenhayn, bez. D. V. L.
Schleinitz, bez. D. V. S. Schleinitz, bez. D. V. S.
Köckeritz, bez. D. V. K. Starschedel, bez. D. V. S.
Schleinitz, bez. D. V. S. Pflugk, bez. D. V. P.

Fig. 165. Pillnitz, Denkmal der Anna Sophia v. Bünau.

Untere Kartusche bez.:

Gal. 2. v. 10. | Ich lebe, aber doch nun nicht ich, Sondern Christus | lebet in mir, der MICH geliebet hatt und sich selbs | für MICH dargegeben.

Obere Kartusche bez.:

Es seij ferne von mir rühmen denn allein von | dem Kreutz unsers Herrn JESU CRISTI durch welchen mir die Welt gekreuziget ist, und ich der Weltt.

Am Rande bez.:

Die Hoch Edle, Ehrenreiche und vieltugendsame Fraw Ursula v. Loß, geborne von Schleinitz, aus dem Hause Lathayn (?) des hoch Edlen u: Gestrengen Herrn Joachim vom Loß uf Pilnitz, Sönfeld, Kraupa, Jeßen, Borten u. Reinhartsgrimme Röm. Keyß: M. Raths des H. Reichs Pfennig. Meist: auch Churf. D. zu S: geheimbden u. Kam̅er Raths, el: Ehegemahl Starb in Herrn JESU im Jahr 1632 ihres Alt . . . . . Jahr . . . . . . . Wochen.

Das Denkmal ist hinter dem Altar an der Ostseite eingemauert und in der Durchführung dem der Frau Martha vom Loß ähnlich.

Denkmal der Anna Sophia von Bünau, † 1637. (Fig. 165).

Sandstein, 115 cm breit, 120 cm hoch.

Auf einer rechteckigen Platte im Relief in der Mitte das verstorbene Kind im Todtenhemd, die Hände gefaltet, beflügelte Kindfiguren führen die Verstorbene. An den vier Ecken folgende Wappen der

von Bünau, vom Loß,
von Mühlen, von Schleinitz.

Das rechte Wappen ist zerstört. Am Rande bez.:

den 21. Octob. Aō. 1637. ist in Gott seelig abgeschieden Anna Sophia von Binau. Der leib alhier in der Erden einer frölichen Aufferstehung erwartet.

Ferner auf einer Tafel (nach A. von Minckwitz, Geschichte von Pillnitz, Dresden 1893) bez.:

Infantum de more mori tutissima mors est,
Qui sapis infantum discito more mori.

[166] Das Denkmal ist an der Nordwestecke eingemauert, im unteren Theile zerstört und von der Bank verdeckt.

Denkmal der Frau Sophia Sibylla von Bünau, † 1640. (Fig. 166.)

Sandstein, 95 cm breit, 180 cm hoch, einfache rechteckige Platte, darauf oben und unten kleinere Kartuschen mit biblischen Inschriften, seitlich durch Anläufer begrenzt. In der Mitte als Hauptstück in ovalem Felde im Relief Christus am Kreuze. Am oberen vertikalen Kreuzarme eine Taube mit ausgespannten Flügeln, darunter der Gekreuzigte in üblicher Stellung, die seitlichen Kreuzarme schliessen im Dreipass ab. Das Oval wird durch Anläufe begrenzt, dazu die Evangelistensymbole. In der oberen Kartusche bez.:

Fig. 166. Pillnitz, Denkmal der Frau Sophia Sibylla von Bünau.

Esai X 56. | Die gerechten wer | den wegkgerafft:

in der unteren bez.:

Ich liege undt schlaffe gantz mit frieden ps: 4.

Am Rande bez.:

Die Hoh Edle und viel Ehrentugendreiche Fraw Sophia Sibylla | von Bünaw geborne vom Loß Erb: und Lehens fraw uf Pilnitz, des auch Hochedlen Gestrengen Herrn Günthern von Bünaw | Churfs. S. Haupmans hertzliebste gemahlin starb in dem Herrn Jesu | sanft und Selig am 6. November Allhiro begraben den 9. Novembr. 1640. Ihres Alters 20 Jhar 6. Wochen 1. Tag dero Gott genade.

An der Nordseite unter der Kanzel eingemauert, gut erhalten. In Uebergangsformen zum Barock.

Denkmal der Frau Martha vom Loß, † 1645.

Sandstein, 98 cm breit, 185 cm hoch, einfache, rechteckig begrenzte Platte, oben und unten Kartuschen, die obere begrenzt durch Anläufe, seitlich beflügelte Figürchen, unten beflügeltes Köpfchen. In dieser die Wappen der Köckeritz und Loß. In der unteren der Leichentext, an den Ecken Anläufe, seitlich Gehänge, oben und unten beflügelte Köpfe, bez.:

Psalm. 116. v. 8. | Du hast meine Seele aus | dem Tode gerissen, Meine, augen | von den Threnen, meinen fuß | vom gleiten.


In der Mitte bez.:
Die Hoh Edle Ehrenvieltugendt | reiche Fraw Martha vom Loß, gebohr | ne Köckeritzin Des weil. Hoch Edlen Gestren | gen undt vesten Herrn Nicols vom Loß aus | dem Hauße Pölnitz Churf. S: Raths. Oberaufsehers der Graffschafft Mannsfeldt | undt Haubtmans zu Sangerhaußen hindlaßene Fraw witbe, welche den 9. Decemb. Anno | 1587 gebohren und mit wohlermelten ihren lieben | Ehejuncker Aō. 1602 verheirat worten auch nach | deme sie mit demselben eine nuwohl ohne ehese | gen doch fridliche Ehe beseßen desselben Anno 1638 begebenen Todesfall, fo | genst in Ihren misenen (?) witben | Stand verharret undt am 1. Junij 1645 in Gott Seliglich endschlaffen Ihres alters 57 Jhar | 5 Monath 3 Wochen 1 Tag gott | verleihe ihr eine sanffte ruhe undt | am Jüngsten tage eine fröliche auf | ferstehung zum Ewigen Leben.


[167]
Köckeritz. Loss.
Köckeritz, bez. D. v. Köckr. Ponikau, bez. D. v. Bonik.
Pflugk, bez. D. v. Pfluck. Einsiedel, bez. D. v. Einsied.
Adelsheim, bez. D. v. Altzaun. Carlowitz, bez. D. v. Karlw.
Haras, bez. D. v. Harraß. Haugwitz, bez. D. v. Haugw.
Lindenau, bez. D. v. Lindebe. Minkwitz, bez. D. v. Minckw.

In der unteren Reihe:

Rechberg, bez. D. v. Rehebe.
Schreibershofen, bez. D. v. Schreib.
Helfenstein, bez. D. v. Helffens.
Schleinitz, bez. D. v. Schl. . . . .
Schönberg, bez. D. v. Schem.
Lindenau, bez. D. v. Linden.

Das Denkmal ist in Spätrenaissanceformen sauber durchgeführt. Jetzt hinter dem Altar an der Ostseite vermauert. Vergl. Fig. 163.

Denkmal des Freiherrn Slawata von Chlumb und Köschenbergk, † 1654, nebst seiner Tochter Johanna Sophia.

Einfache Sandsteinplatte, 100 cm breit, 192 cm hoch.

Unten in der Mitte rundes Feld mit einem Todtenschädel, Sanduhr und Knochen und zwei Wappen, dazu die Stammbäume mit den jeweiligen Wappen.

Die oben stehenden sind folgende:

Das Wappen links bez.: Anna Glawatin gebohrne Freyhin von Smirzitz.

äusserlich bez.: Frau Mutter.

Das Wappen rechts bez.: Hedwirka Smirzitztin gebohrne Freyhin von Hasenburgk.

äusserlich bez.: Großmutter nach der Mutter.

Das mittlere Wappen am Rande bez.:

Margareta Hasenburgin geborne Fürstin von Münsterbergk Gräfin zu Oleschnitz und . atz.(?)

äusserlich bez.: Groß Groß Mutter nach der Mutter.

In der Mitte ein Doppelwappen, links bez.:

Maria Magdalena Slawatin geborne Freyhin Kitzinawa von Renembrita.

rechts bez.:

Johann Albrecht Freyherr Glawata von Chlumb und Koschinbergk.

Die untenstehenden Wappen sind bezeichnet. Das linke:

Groß Mutter nach dem Vater. (Elisabeth Slavata) geborne Freyhin von (Neuhaus).

Das rechte: (Groß Groß Mutter nach der Mutter).

(Anna zu Neuhauß gebohrene Löben, Freyhin von Roßinthathal und Blekey).

Unter den drei oberen Wappen bez. :

Alhier ruhen in Gott Der Hoch Wohl geborne Herr Herr Johann | Albrecht Freyherr Slavata Von Chlumb und Koschenbergk, ist | Aō 1654. den 4. Januar in Christo seelig entschlaffen, hat im Exilio | 26 Jahr und 6. Monath zugebracht seines Alters 61. Jahr (und 6 Monat). Und neben Seiner Gnaden lieget begraben dero hertzliebstes Töchterlein Johanna So | phia mit hernach Hochbenandten Seiner Gnaden Hertzliebsten Ge | mahlin erzeuget, welches Anno 1642 am 8. Katharinstag Ihres alters drithalb Jahr Todes verblichen derer Seelen Gott gnädig sein wolle.

Das Denkmal ist an der Nordseite eingemauert, im unteren Theile zerstört und durch das Gestühl theils verdeckt. Die eingeklammerten Stellen sind nach von Minckwitz ergänzt.

[168] Denkmal des Günther von Bünau † 1659.

Sandstein, 87 cm breit, 175 cm hoch, einfache Platte, die Inschrift ist anscheinend entfernt oder nie ausgeführt worden. An den Seiten folgende Wappen:

Loß, bez. D. V.L. Bünau, bez. D. V.B. Loß, bez. D. V. L. Starschedel, bez. D. V.S.
Pflugk, bez. D. V. P. Drachsdorf, bez. D. V. D.
Bernstein, bez. D. V. B. Ruckershausen, b.D.V.R.
Schönberg, bez. D. V. S. Lichtenheyn, bez. D. V. L.
Leutsch, bez. D. V.L. Schleinitz, bez. D. V. S.
Minckwitz, bez. D. V.M. Bünau, bez. D. V.B. Loß, bez. D. V.L. Schleinitz, bez. D. V. S.

Nach von Minckwitz (a. a. O. S. 117), der die Inschrift noch zu lesen vermochte, ist Bünau am 6. April 1604 in Tetschen geboren und am 18.(?) April 1659 in Dresden gestorben.

Todtenschild des Günther von Bünau, † 1659.

Aus Holz, bemalt, 120 cm breit, 160 cm hoch. In der Mitte eine achtseitige Tafel mit dem Bünau’schen Wappen, seitlich auf breitem Rande Wappen plastisch aufgesetzt, oben eine Kartusche mit der Inschrift, unten ein Todtenschädel mit Knochen, seitlich gedrückte Anläufer in Spätrenaissanceformen. Bez.:

Herr Günther von Bünaw aus | dem Hause Tetzschen auf Pilnitz Krie | ges Hauptman und Geschlechts Altister.

Umgeben von 16 Wappen, die wie folgt bezeichnet sind:

d. v. Bunaw. d. v. Mileu (?).
d. v. Ebelebē. d. v. Kepler.
d. v. Starsched. d. v. Bunaw.
d. v. Löser. d. v. Bila.
d. v. Schleinitz. d. v. St. . sched. (Starschedel).
d. v. Schleinitz. d. v. Schleitz (Schleinitz).
d. v. Schönberg. d. v. Ußa.
d. v. Pflug. d. v. Miltitz.

Das Epitaph ist hinter dem Altar an der Ostseite oben aufgehangen und gut erhalten.

Bildniss Luthers, 47 : 62 cm messend, auf Holz in Oel, Brustbild. Gesicht und Hände in rosigem Ton, mit roth und weissem Halskragen und schwarzem Mantel. In den Händen ein schwarzes Buch. Hintergrund hellblau. Rechts über der Mitte bez. 1546. Dazu das Zeichen des Lukas Cranach, die geflügelte Schlange mit dem Ringe.

Das Bild ist eine sorgfältig durchgeführte Werkstättenarbeit.

An der Brüstung der Orgelempore aufgehangen.

Bildniss Melanchthons, Brustbild, 62 : 84 cm messend, auf Holz in Oel. Rothes Unterkleid, dunkler Pelzrock, beide Hände halten ein in Schweinsleder gebundenes Buch. Graugrüner Hintergrund. Unten auf einer weissen Leiste bez.:

Philippus Melanthon. | natus anno 1497. | mortuus 1560.

Das Bild ist wohl durch Uebermalung mit grauen und braunen Tönen verändert worden oder gar blos Copie nach Cranach. Das eine Auge bestossen. Mehrere Wurmlöcher. In der Sakristei.

[169]

Das Schloss Pillnitz.
Das alte Schloss.
Das alte Schloss brannte am 1. Mai 1818 nieder. Die Ruinen wurden alsbald abgetragen. Es stand an der Stelle, wo bald danach der neue Speisesaal sich erhob, das anstossende Logengebäude lag in der Achse des jetzigen Hofes zwischen den an den Speisesaal anschliessenden Flügeln. Wohnhaus, Scheunen und Ställe des alten Schlosses wurden 1578 auf 500–1000 fl. geschätzt und als „geringe“ bezeichnet. Christof vom Loß, der 1610–1633 das Gut besass, baute das Wohnhaus von Grund aus mit mehr als 20 grossen und kleinen Gemächern, Sälen, Stuben und Kammern auf. Nach den erhaltenen Plänen (Fig. 167; vergleiche den genaueren Plan bei A. von Minckwitz) bestand der Bau

Fig. 167. Pillnitz, Lageplan vor 1818.

aus vier Flügeln, die einen Hof umgaben, einem geschlossenen Theil gegen Nordwesten und einem langen Flügel gegen Westen zu. Die Aussenarchitektur ergiebt als wahrscheinlich, dass der älteste, dem 16. Jahrhundert angehörige Theil der Nordwestflügel (Fig. 168) mit seinem bastionartigen Eckbau nach Westen und zwei Vorlagen war. Dazu gehört anscheinend der im Hofe errichtete Treppenthurm. Dieser Bau war dreigeschossig und mit schlichten Renaissancegiebeln versehen. Der nordsüdliche Theil dürfte der Loß’schen Zeit angehören und zwar zugleich mit dem nördlich und westlich den Hof abschliessenden Bautheilen (Fig. 169 und 170). Bezeichnend sind hier die geradlinig aufsteigenden Giebel, wie sie in Sachsen vor dem dreissigjährigen Kriege öfter vorkamen.

Der ebenfalls mit Renaissancegiebeln verzierte lange Westflügel, der mit einem kurzen, nach Norden sich erstreckenden Querbau abschloss, entstand angeblich wohl unter dem Besitzer Heinrich von Bünau, der 1681–1694 das Gut allein besass. Es wird als das „Logengebäude“ bezeichnet. Doch dürfte es sich in dieser Zeit nur um einen Ausbau gehandelt haben. Im Erdgeschoss dieses Bautheiles befanden sich Küche und Brauhaus

Reichere Kunstformen scheint der Bau zur Zeit des Brandes nicht mehr besessen zu haben. Er stand dem Schloss Schönfeld in baulicher Beziehung nahe und wirkte wie dieses bei bescheidenster dekorativer Ausbildung durch die belebte Massenvertheilung.

Obelisk, aus Sandstein, auf Postament, bekrönt von einer profilirten Spitze, bedeckt mit barockem Flachornament der Zeit um 1650.

Es standen zwei solche Obelisken vor der Ostfront des Schlosses, einer

[170]

Fig. 168. Pillnitz, das alte Schloss, Ansicht von Nordwesten.

Fig. 169. Pillnitz, das alte Schloss, Ansicht von Südosten.

Fig. 170. Pillnitz, das alte Schloss, Ansicht von Südwesten.

[Bild]

Schloss Pillnitz, Ansicht von Südwesten. (Taf. VII)

[(-)] [171] wurde beim Brande von 1818 zerstört, der andere dann auf dem „Löwenkopf“ genannten Unterbau eines früheren Lusthauses an der Elbe wieder aufgerichtet.

Der Umbau hat seinen Namen von einem Löwenkopf (Fig. 171) der an der Stromseite in das Mauerwerk eingefügt ist. Dieser hat eine Zunge von Eisen und ist stark in Cement ergänzt. Nach der Wölbart des Kellerraumes im Unterbau und nach der Behandlung des Kopfes dürfte auch dieser Theil der Mitte des 17. Jahrhunderts angehören.

Die Bauthätigkeit König Augusts des Starken.

Das Schloss kam 1694 in Besitz des kurfürstlichen Hauses, wechselte jedoch öfter, bis es 1718 endgültig an König August überging.

Fig. 171. Pillnitz, Schloss, Löwenkopf.

Die Bauthätigkeit begann mit dem Abbruch der Kirche, Neubau der Bergkirche (siehe oben S. 159). Gleichzeitig begann die Aufführung umfangreicher neuer Bauten.

Das Wasserpalais entstand 1720–1721. (Taf. VII). Der Bau wurde ausgeführt unter dem Namen des orientalischen oder indianischen Lustgebäudes oder Palais gegen die Elbe (nach von Minckwitz) unter Oberleitung des Grafen August Christoph von Wackerbarth, durch die Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune. Auch der Architekt Raimund Leplat wird 1721 als an der Einrichtung thätig bezeichnet. Er streckt sich in einer Länge von 59,5 m an der Elbe hin, von der herauf eine grossartige Treppenanlage zur Gartenhöhe emporführt. Auf den Treppenwangen und deren massiven Brüstung liegen zwei grosse Sphinxe in Sandstein, trefflich decorative Arbeiten aus der Entstehungszeit des Baues. Sie legen die landseitige Vorderpratze je auf eine Kugel und schauen auf den Strom zu. Die Treppe bildet zugleich eine Art Hafen.

Im Erdgeschoss (Taf. VIIa.) befinden sich Wirthschaftsräume. In der Achse führen in dieses drei Arkadenöffnungen mit einer barocken, in der Art des Pöppelmann gehaltenen Architektur. Zwischen den Pilastern Gehänge. Im mittleren Schlussstein das Monogramm A. R.

Dahinter toskanische Säulen mit einem Hals aus Tropfsteingebilden.

Zum Hauptgeschoss (Taf. VIIa.) führt eine zweite Freitreppe empor. Ueber den Arkaden eine stattliche Terrasse (Fig. 172), die seitlich über barocken, weit ausladenden Konsolen an der Fassade hingeführt ist. Ein schmiedeeisernes Gitter zwischen Steinpostamenten schliesst Terrasse und Konsolengang ab. In der Mitte das Monogramm A. R. 1725. Das Gitter zeichnet in seinen Stäben die Konturen vasenartiger Balustre.

[172] Die Architektur des durch drei Risalite gegliederten Bergpalais ahmt chinesischen Stil nach. Die Wandflächen sind durch aufgemaltes Lisenen- und Rahmenwerk gegliedert. Ueber den drei Risaliten erhebt sich je ein mezzaninartiges Obergeschoss, während die verbindenden beiden Rücklagen ursprünglich nur eingeschossig waren. Sie sind tief roth gestrichen.

Fig. 172. Pillnitz,
Schnitt durch das Wasserpalais.

Ueber diesem Mezzanin zieht sich als abschliessendes Gesims eine grosse Hohlkehle hin, die mit ziemlich derben Chinoiserien bemalt ist. Dargestellt sind meist Jongleure und scherzhafte Scenen, und zwar zumeist roth auf gelbem Grunde, in den Seitenbauten grau auf weissem Grunde, im Mittelbau blau auf rothem Grunde.

Nach älteren Abbildungen deckt sich die jetzige Bemalung nicht mehr ganz mit der ursprünglichen. Namentlich fehlt die aufgemalte Lisenen-Architektur. Sichtlich haben Erneuerungen stattgefunden.

Die stark geschwungenen Dächer – über dem Mittelrisalit in Mansardenform – und die mit Hauben versehenen, dekorativ angebrachten Schornsteinköpfe sowie der mittlere kleine Dachreiter sollen den fremdartigen Eindruck verstärken.

Fig. 173. Pillnitz, Mittelbau des Wasserpalais, Ansicht von der Gartenseite.


In Widerspruch zu diesem stehen die vier korinthischen Säulen vor dem Mittel der landseitigen Front. Sie sind zwar durch Tropfwerk an den Basen als „ländlich“ gekennzeichnet, aber doch durchaus im Zeitstil empfunden. Die Kapitäle ziert das Monogramm und Wappen Augusts des Starken und der Weisse Adlerorden (Fig. 173). Zwischen den Säulen an der Rückwand chinesirende Malereien, welche Porzellangetäfel nachahmen.

Die Säulen stehen auf einer vor dem Hause sich hinziehenden, über einige Stufen zugänglichen Terrasse. Sie tragen das Hohlkehlengesims und das den Anbau überdeckende Mansardendach. Die Balcons, die sich an der Flussseite vor den Seitenflügeln des Hauptgeschosses in Höhe der gartenseitigen Terrasse

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Schloss Pillnitz, Zimmer weil. König Alberts. (Taf. VIII)

[(-)]

[173]

Fig. 174. Pillnitz, Schloss, Bergpalais, Ansicht von der Gartenseite.

[174] und vor dem Mittelbau im Mezzaningeschoss hinziehen, treten an der Gartenseite nur vor den Seitenflügeln auf.

Das Innere zeigt zwar noch im Wesentlichen die alte Raumdisposition, darunter den durch zwei Geschosse reichenden Festsaal in der Achse, doch hat sich von der Einrichtung wenig erhalten. Im Saale zwei Kamine aus rothem Marmor.

Symmetrisch zum Wasserpalais wurde 1722–23 das Bergpalais (Taf. VIIa und Fig. 174) als eine genaue Wiederholung errichtet.

An den Bau dieser beiden Palais schloss sich 1723 der des Venustempels, der 1818 abbrannte. Es war ein achteckiger Speisesaal mit zwei anstossenden Zimmern, an die sich zwei weitere solche schlossen. Die Architekturformen waren jenen des Wasser- und Bergpalais verwandt. Der Saal hatte einen Durchmesser von 28 Ellen (15,8 m) und eine Höhe von 25 Ellen (14,15 m). Seinen Namen erhielt er von der Galerie weiblicher Schönheiten, mit der er geschmückt wurde. Der südöstliche Anbau wurde als katholische Hofkapelle errichtet und im Juli 1724 eingeweiht. Angeblich soll diese ein Altarbild von Lukas Cranach und sechs weitere Altarblätter besessen haben, die aus dem Freiberger Dome stammten.

Zu beiden Seiten des Wasser- und des Bergpalais entstand je ein Gewächshaus in Holz, je 75 Ellen (42,5 m) lang.


Die Bauthätigkeit unter Kurfürst Friedrich August III.

Seit 1765 wurde Pillnitz vielfach von der kurfürstlichen Familie als Sommersitz benutzt und später erheblich erweitert. Man trug die vier Gewächshäuser zu beiden Seiten des Wasser- und Bergpalais ab und begann die jetzt stehenden Flügelgebäude zu errichten. Die am Bergpalais wurden 1788, die am Wasserpalais 1789 und 1791 begonnen und gleichzeitig die Galerien zwischen den älteren und neueren Palais errichtet. Der Architekt dieser Bauten dürfte der Oberlandbaumeister Christian Friedrich Exner gewesen sein, von dem wenigstens feststeht, dass er 1789–90 die Terrasse vor dem südwestlichen Flügelgebäude und die dazu gehörige Ufermauer baute. An der inneren Einrichtung dürfte Christian Traugott Weinlig bedeutenden Antheil gehabt haben.

Die Aussenarchitektur der Flügelgebäude nimmt im Wesentlichen die des Mittelbaues auf. Jedoch sind die Achsen grösser, die Gliederungen des schlichten, hier plastisch ausgebildeten Lisenenwerkes feiner. Die grosse Hohlkehle und die Dachformen wurden beibehalten, jedoch nicht die chinesirenden Malereien. Die Säulen der Gartenseite zeigen ein sehr streng und fein behandeltes korinthisches Kapitäl.

An der Elbfront ist der Consolengang in gleicher Form fortgesetzt, wie an den Gartenfronten die Terrassen, so dass überall der Zugang zu den Räumen direkt von diesen erfolgen kann.

Die Grundanlage wird bedingt von dem Bedürfniss, durch die grossen langgestreckten Bauten gute Corridorverbindungen zu schaffen. Im Hauptgeschoss führt daher ein balconartiger Gang an der Elbseite des Wasserpalais hin. Die

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Pillnitz, Schloss, Bergpalais, Grundriss des Hauptgeschosses
Pillnitz, Schloss, Wasserpalais, Grundriss des Erd- und Hauptgeschosses. (Taf. VIIa)

[(-)] [175] Fronten bestehen aus Wohnräumen, hinter denen je ein mit secundärem Licht versehenes und vielfach durch Wendeltreppen mit den Schlafzimmern im Mezzanin verbundenes Dienerzimmer sich befindet.

Skizzen und Entwürfe zu der überaus reizvollen Innendecoration der Neubauten erhielten sich in der Sammlung für Baukunst an der Königl. Technischen Hochschule. Im Bau selbst erhielten sich nur zwei Räume des östlich an das Bergpalais anstossenden sogenannten Kaiserflügels.

Frühstückzimmer weiland König Alberts. Bemerkenswerth ist die überaus zierliche Decoration der Fensterwand mit Malerei und Stuck (Taf. VIII), bei der sich die Kunst Pompejis schon in grosser Feinheit bemerkbar macht. Ueber den Fenstern in Rundbogen eine Relieftafel und je zwei Vasen seitlich, eine in der Mitte, dazwischen Guirlanden, die Reliefs in der Art der Wedgwood-Porzellane. Ein kleines Reliefmedaillon über dem Pfeilerspiegel. Wände, niedere Lambris und Thüren einfach gehalten, das Holzwerk weiss gestrichen.

Arbeitszimmer weiland König Alberts. Die dreiachsige Fensterwand ist auf das Vornehmste mit klassischem Rankenwerk in Stuck und zwischen diesen mit farbig gemalten Medaillons geziert. Ueber dem Spiegel Medaillon und Vase. Der Ofen (Fig. 175) befindet sich in einer stukkirten Nische.

Gleichzeitig mit den die Flügelgebäude mit den Palais verbindenden Galerien wurden die Zwischenbauten des Obergeschosses zwischen den Mittel- und Seitenrisaliten der Palais ausgebaut und die Dächer einer entsprechenden Aenderung unterworfen.

Das neue Palais.

Nach dem Brande von 1818 wurden von den Landständen dem Könige 60,000 Thaler zum Neubau des Schlosses dargeboten. Am 29. October erfolgte die Grundsteinlegung, 1822 wurde der Mittelbau vollendet, am 10. Mai 1823 der Festsaal in Gebrauch genommen, 1822–23 entstand der Küchenflügel, 1826 wurde der Kapellenflügel fertig gestellt, am 16. Juni 1830 die Kapelle geweiht. Bauleitender Architekt war der Oberlandbaumeister Christian Friedrich Schuricht.

Nach dem Lustgarten zu nimmt die Façade die Architektur der Flügelbauten, namentlich deren Säulenstellungen, auf. Die Hauptachse wird von einer hohen Attika und über dieser von einem kleinen Thurme bekrönt. Nach der tiefer liegenden Westseite erscheint der Bau zweigeschossig. Im Erdgeschoss war die Achse des den Festsaal beherbergenden Mittelbaues sowohl als der Flügel durch eine echt dorische Säulenstellung gekennzeichnet. Die Architektur ist einfach und vornehm, die Fensterumrahmungen sind schlicht. Nur in den Seitenachsen Verdachungen. Der Fehler der Zeit, die Anwendung zu grosser Ornamente, zeigt sich namentlich an der Westfront des Saalbaues.

Von besonderem Interesse sind unter den Innenräumen der Festsaal und die Kapelle.

Der Festsaal (Taf. IX) ist quadratisch, an jeder Seite von sechs freistehenden uncannellirten korinthischen Säulen von eigenartiger Bildung. Darüber weit gespannte Flachbogen und Gewölbzwickel, die zu der kassettirten Rundkuppel überführen. Die Malereien sind von Carl Christian Vogel von Vogelstein.

[WS 1] [176] Die Kapelle besteht aus einem einfachen Saal mit Chorabschluss aus dem Achteck, der durch korinthische Pilaster gegliedert ist. Ueber dem Gurtgesims eine grosse Kehle, darauf gemalt Engel mit Festons. Im Spiegel der Decke drei Fresken. Zwischen den Säulen weitere Fresken. Schlichte Kanzel

Fig. 175. Pillnitz, Schloss, Ofen im Bergpalais.

an einer Schrägseite, ebenso schlichter Altar mit einem Gemälde, Auferstehung Mariä, Copie nach Correggio.

Künstlerisch erhält der Raum durch die Fresken Vogels von Vogelstein (gemalt 1817–26) Bedeutung. Diese sind hart und bunt; namentlich das Blau und Grün haben wohl nachträgliche Veränderungen erfahren. Aus den Bildern spricht jedoch ein starkes Gefühl für Ausdruck und eine herzliche Ergriffenheit.

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Schloss Pillnitz, Festsaal. (Taf. IX)

[(-)] [177] Gleichzeitig mit dem Schloss (1824) entstand die Schlosswache, ein schlichter Bau mit abgeschrägten Ecken, davor ein toscanischer Giebel mit vier Säulen und schlichtem Gebälk. Die Rücklage einfach in Putz gequadert. Verglichen mit den gleichzeitigen Bauten Schinkels und Klenzes in Berlin und München zeigt sich schon an der Behandlung der Säulenordnung die Rückständigkeit der Dresdner Kunst jener Zeit, deren Formen noch durchaus im 18. Jahrhundert wurzeln.


Der Park.

Zwischen dem Berg- und dem Wasserpalais wurde eine wagerechte Fläche hergestellt und diese als Lustgarten durch geometrisch umrahmte Beete getheilt. In diesen Beeten waren Flächen für verschiedene Spiele und in der Mitte vier Springbrunnen angeordnet. Schon seit 1712 schlossen sich an den Lustgarten die sogenannten Charmillen, beschnittene Baumhecken, vor denen sich je ein kleiner Wasserlauf mit kleinen Springbrunnen („Wasserlichtern“) hinzog, „Säulen, woran die Schwenkseile,“ standen an den Eingängen zu den Hecken.

Die Hauptallee wurde 1725 durch eine Allee verlängert, welche seit 1766 als Maillebahn benutzt und 1790 mit einem Aha abgeschlossen wurde.

Fig. 176. Schloss Pillnitz.
Steinmetzzeichen an der Orangerie.

In der Maille steht eine Vase, Sandstein, auf 180 cm hohem, 1 m breitem Postament, selbst gegen 2 m hoch, in Form einer Urne mit eigenartigen Henkeln. Auf dem Halse zwei Medaillons mit Köpfen, auf dem Bauche je drei Gestalten, tanzende Genien in Flachrelief. Wirkungsvolles Schmuckstück aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.

Von den alten Vorkehrungen für die verschiedenartigsten Spiele haben sich Zeichnungen in der Sammlung für Baukunst an der Kgl. Technischen Hochschule erhalten.

Hinter dem Bergpalais befand sich der Schlossgarten und in diesem die Orangerie, das frühere Ringrennen-Haus mit achteckigem, höheren Mittelbau und zwei seitlichen Flügeln. Die Architektur dürfte von Longuelune stammen, der 1731 als in Pillnitz thätig bezeichnet wird. Nur die grosse Kehle im Hauptgesims mahnt an den chinesischen Stil des Schlosses. Ueber dem Achsenthor ein Wappenschild mit der Königskrone und dem Monogramm A. R, umgeben von Emblemen des Ballspieles.

Der Mittelbau ist in grossen Sandsteinquadern, die Flügel unter reichlicher Verwendung von Putz ausgeführt. Die Steine zeigen Steinmetzzeichen (Fig. 176), wie diese ähnlich an den königlichen Bauten jener Zeit öfter vorkommen.

[178] Der englische Garten entstand seit 1778, den Abschluss bildete 1789 der Bau des sogenannten Englischen Pavillons (Fig. 177), der sich neben einem

Fig. 177. Pillnitz, Schloss, Englischer Pavillon.

See erhebt. Die Zuflüsse sind mit Knüppelbrücken überdeckt, im See eine Insel mit dem Bronzeabguss der Juno Ludovisi.

[179] Der Pavillon ist kreisrund und umgeben von acht Paaren als Monolithe gebildeter, fein profilirter jonischer Säulen. Dazwischen die Fenster oder

Fig. 178. Pillnitz, Schloss, Englischer Pavillon, Innenraum im Erdgeschoss.

Nischen. Ueber der Thüre das Monogramm F. A. Bemerkenswerth ist die Verwendung sehr grosser Steine und die schlichte Detaillirung. Ueber dem Hauptgesims ein sehr feines gusseisernes Brüstungsgitter und ein Umgang, hinter [180] dem sich ein zweites Lisenengeschoss und darüber die Kuppel erhebt. Diese schliesst mit einer Vase ab.

Im Erdgeschoss ein reizender Innenraum (Fig. 178) mit einem Pflaster aus weissem und rothem Marmor, die Wände aus graugrünem Stuckmarmor, darauf

Fig. 179. Pillnitz, Schloss, Statue einer Vestalin.

Stuckranken und kleine Medaillons mit weissen Figuren auf rosa Grund. Die Thüren sind grün bemalt und mit Spritzmalerei verziert. Zierliche Stuckdecke.

Der obere Raum ist weiss bemalt, auf den weissen Holzverkleidungen sind Schmetterlinge, Raupen und Puppen in naturwissenschaftlich getreuer Weise [181] aufgemalt. Die sehr reizvolle Anlage steht, wenigstens in ihrer Innenausschmückung, der Kunst Weinligs nahe.

Neben dem Pavillon eine Statue (Fig. 179), Vestalin, in karrarischem Marmor, ca. 150 cm hoch, die Linke erhoben, mit der Rechten aus einer Flasche Oel in eine Lampe giessend, die auf einem runden, mit Relief geschmückten Altar steht. Ein Schleier fällt von dem mit dem Lorbeer geschmückten Kopfe herab und ist

Fig. 180. Pillnitz, Schloss, Chinesischer Pavillon.

über den Körper mit Schnüren gehalten. Auf schlichtem Sandsteinpostament. Bez.: Alexr. Trippel inventor in Romma 1781. Das Werk ist wenig belebt und etwas schwerfällig in den Körperformen. Es gehört der Zeit des zweiten Aufenthalts Trippels in Rom an.

Vergl. C. H. Vogler, Der Bildhauer Alexander Trippel, Schaffhausen 1893, S. 57.

In dem Baumgarten hinter der Orangerie der sogenannte Chinesische Pavillon (Fig. 180), welcher 1804 erbaut wurde. Rechteckiger Bau mit vorgestellten, mit Stoff umkleideten Holzsäulen und phantastisch chinesischem Gebälk. Darüber geschweifte Blechdächer. Als Bekrönung eine Windfahne in Gestalt eines Drachen. Im Innern ein mit chinesischen Landschaften bemalter Raum, [182] dessen kassettirte Decke ein grosses Auge und darüber eine gemalte Luft zeigt. Fenstersprossen, Thüren, die Balustraden zwischen den Säulen in chinesirendem Lattenwerk. Der Bau ist in seinen Formen dem bekannten Werke von William Chambers, Designs of Chinese buildings u. s. w. (London 1757) entlehnt.

Der unter Kurfürst Friedrich August III. sich entwickelnden englisch-romantischen Gartenbaukunst entspricht auch die Anlage von Wasserfällen (1780–83), Wegen und Schmuckanlagen in dem neu erschlossenen Friedrichsgrunde und einer künstlichen Ruine (1785) am Ausgang dieses Grundes. Dieser gothisch gedachte Bau besteht aus Vorraum und Zimmer. An der südwestlichen Ecke ein runder Erker, an dessen Brüstungshöhe ein Band von Quadern um den Bau herumgeht. Auf den Quadern einfach vertieftes Ornament, vierpassartige Blüthen. Die Gothik ist überall in der der Zeit eigenartigen missverstandenen Weise behandelt. Im Innern des Zimmers an der Ostseite ein Sandstein-Kamin in ausgesprochenen Empireformen, seitlich grenzen zwei vorgelegte Pfeiler an. In Breite des Kamins ist ein Risalit nach oben durchgeführt, das sich im Gesims verkröpft. Darüber eine kräftige Hohlkehle.


Wirthschaftsbauten.

Restaurationsgebäude, in einfacher Lisenenarchitektur, die Zwischenflächen mit Putzfugen, wohl aus dem Ende des 18. Jahrh.

Presshäuser, am Fusse der Weinberge gelegen, in derber klassicistischer Architektur, in der Mitte eine Vorlage mit grossem Thor, bez.: MDCCCXXVII. Darüber ein Gebälk mit Spitzverdachung. Im Fries Weinranken. In der Verdachung das Königliche Wappen. Die langgezogenen Seitenflügel in entsprechender Weise ausgestattet.

Die übrigen Wirthschaftsgebäude sind im 19. Jahrhundert zumeist völlig umgebaut worden. An der nordöstlichen Ecke des Weinberges steht die (wohl künstliche) Ruine eines Rundthurmes, etwa 5 m im Durchmesser, aus Bruchsteinen aufgebaut. Vorn einfache Spitzbogenthür, nach hinten zu eine gerade Thür.

Weiter westlich ein Obelisk aus Bruchsteinen über einem quadratischen Unterbau. Das Ganze etwa 6 m hoch.

Wächterhäuser an der Berglehne von Pillnitz nach Oberpoyritz. Eines von achtseitiger Grundform, etwa 2,40 m breit, seitlich an zwei Seiten kleine runde Oeffnungen, vorn und hinten einfache gerade Thür. Das in Ziegeln eingedeckte Dach schliesst mit stumpfer Sandsteinspitze.

Ein zweites von runder Grundform, etwa 4 m im Durchmesser, mit kräftiger umrahmter Thüre, seitlich kleine runde Oeffnungen, durch kräftige vorstehende Steine belebt. Die Dachfläche wird durch einen Schornstein belebt. Eine eigenartige Putztechnik der Wandflächen erhöht die malerische Wirkung.

Ein drittes von quadratischer Grundform, 3,10 m[WS 2] breit. Nach Westen zu führt eine Treppe nach dem Untergeschoss durch eine Rundbogenthüre. Ueber dem Holzgesims ein Zeltdach.

[183]
Porsberg.

Dorf, 13,7 km südöstlich von Dresden.

Felsengrotte, künstlich hergestellt, ein achtseitiger Raum, die verbrochenen Seiten schmäler, an zwei geraden Seiten kleine Fensteröffnungen, die durch den etwa 2,50 m starken Felsen gebrochen sind. An der dritten, geraden Seite die Thüre und an der vierten ein hübscher Kamin, aus gelb- und blaugrauem Marmor in Empireformen. Darüber ein Spiegel mit Empiregehänge, dessen weisse Umrahmung aus Gips hergestellt ist. Der Raum ist durch eine flache achtseitige Kuppel abgeschlossen, einige Seiten mit kleinen Lichtöffnungen. Links eine französische, rechts eine italienische Inschrift, die im Jahre 1860 König Johann wieder herstellen liess.

Kurfürst Friedrich August liess 1780 einen Fussweg von der Meixmühle nach dem Borsberge anlegen, worauf die Grotte vom Grafen Marcolini für den Kurfürsten gebaut wurde. Die den Kurfürsten verherrlichenden Inschriften liess dieser entfernen; es sind dies die oben erwähnten. Die Möbel der Grotte kamen vor einigen Jahren nach Pillnitz.


Radeberg.

Stadt, 16 km nordöstlich von Dresden.

Die Kirche.

Die Kirche dürfte 1486 entstanden sein, brannte 1714 völlig aus, konnte erst 1730 wieder geweiht werden, wurde 1808 innen und aussen verputzt und ausgemalt, ferner in den Jahren 1887–89 durch die Architekten Weidenbach und Käppler in Leipzig umgebaut. Der Grundriss (Fig. 181) zeigt den jetzigen Zustand. Der südlich vom Schiff stehende Thurm wurde auf dem Standplatz des früheren von Grund auf erneuert. Die einfache, spätgothische Thüre (Fig. 182) mit der Jahreszahl 1498 (Fig. 182, 183) versetzte man von der Nordseite nach Süden als äussere Zugangsthüre für die Sakristei nach dem Vorraume zu. Der langgezogene Chor ist mit drei Seiten des Achtecks geschlossen, an den Achteckseiten stehen vier Strebepfeiler. Nach Westen zu legt sich das breitere Schiff in rechteckiger Grundform an. An der Südseite, am Kreuzungspunkte zwischen Chor und Schiff, die Kanzel. Alte Architekturformen erhielten sich nicht. Gesimse und Fensterumrahmungen wurden durchgängig erneuert.

Von dem 1730 errichteten Altar erhielt sich der oberste Abschluss, eine Sonne, in Holz geschnitzt, 1,50 m breit, 2 m hoch, in der Mitte das Auge Gottes in einem Dreieck von Strahlen umgeben, darum blaue Wolken, oben ein Baldachin mit seitlichem Tuchgehänge, auch von Strahlen umgeben, über demselben eine Kugel.

Ferner erhielt sich von einer Betstube der Aufsatz, eine in Holz geschnitzte Doppelkartusche, links das Kurwappen, rechts das polnische Königswappen, darüber die Krone mit dem Reichsapfel.

[184] Ein Wetterhahn von Eisenblech, jetzt auf dem Grundstück Loschwitz, Körnerweg Nr. 8. Diese Gegenstände sind im Besitze des Baumeisters Würdig, der die Radeberger Kirche umbaute.

Fig. 181. Radeberg, Grundriss der Kirche.


Kirchenausstattung.
Kanzel (Fig. 184), Sandstein, geschliffen, theils neu vergoldet, Reste früherer

Fig. 182. Radeberg, Kirchenthür.

Anstriche noch vorhanden, sehr stattliches Werk. Sie baut sich über einer kräftigen Console in sehr bewegter Grundform auf.

Fig. 183. Radeberg, Jahreszahlen an der Kirchenthür.

Brüstung oben und unten durch Gesims begrenzt. An drei Seiten derselben Kartuschen, in der inneren Begrenzung entsprechend bezeichnete Reliefs, vorn in der Mitte im Flachrelief Christus predigend, zur Seite die Apostel; auf einem Bande darüber bez.:

Jesu concionanti Matt. | Bredige | das Wort, halt an | Timot IV. v. 2.

Rechts in der Kartusche: ein Altar mit brennender Kerze und aufgeschlagenem Buche, oben bez.:

Secundo jubileo Aug. Conf. (?) | Das Wort des | Herrn bleibet | ewig.

Links in der Kartusche: ein Kreuz, von Zweigen umgeben, oben bez.:

Pietas Gerhardorum. | Meine Schafe | hören meine stimme. Joh.


[185] Zwischen den Kartuschen die Statuen der vier Evangelisten, in sehr bewegter Stellung und faltigem Gewande, je 60 cm hoch, mit ihren symbolischen Attributen.

Fig. 184. Radeberg, Kanzel.

Auf dem Fusse der Console die Statue des Moses, 57 cm hoch, mit den Gesetzestafeln, auf einen Stab gestützt.

Der Schalldeckel, Sandstein, von runder Grundform, überhöht, verjüngt sich nach oben und endigt in einem Kreuze.

Das Ganze ist eine beachtenswerthe, kräftig decorative Arbeit des Bildhauers Johannes Christian Feige in Dresden. Vergl. Müller, Vergessene Dresdner Künstler S. 70.

Taufstein (Fig. 185), Sandstein, 107 cm hoch, achtseitig, in sehr bewegten feinen Barockformen, künstlerisch durchgeführt. Gleichfalls 1730 von Feige gefertigt.

Zwei Altarleuchter, Messing, vergoldet, 56,5 cm hoch, 28 cm im unteren Durchmesser, unten ein breiter kräftiger Fuss, der Stiel darüber, reichgegliedert, wird nach oben schwächer, obere Endigung schüsselförmig mit Dorn. Am Fusse bez.:

Dieses Verehrt der Kirchen zu Radeberck
Hr. Joh. Christian Wilhelm Königl. Pohln.
u. Churf. Saechs. Hoff Büttner. Mstr. in der
Haupt-Zeug Haus Kellerey zu Dresden.
den 19. May. Anno 1720.

Taufschüssel, Kupfer, vergoldet, 46 cm im Durchmesser, tellerförmig, im Boden in kreisförmiger Begrenzung, 16 cm breit, im Relief getrieben, Adam und Eva im Paradiese, in der Mitte der Baum des Lebens, über den Köpfen der Figuren Spruchbänder. Als hinterer Abschluss dient eine Zinnenmauer. Um das Relief legt sich ein breiter Kranz schön getriebenen Blumen- und Rankenwerks.

Das Ganze eine tüchtige Arbeit wohl der zweiten Hälfte des 17. Jahrh.

Zwei Altarleuchter, Zinn, 34,5 cm hoch, 18,5 cm im unteren Durchmesser, mit auffallend breitem Fusse, reichgegliedertem Stiel mit Birnform, oben tellerförmiger Abschluss mit Dorn. Sie gehören wohl der ersten Hälfte des 18. Jahrh. an und wurden 1748 der Kirche geschenkt. Ungemarkt.

Die älteren Altargefässe sind vor einigen Jahren sämmtlich gestohlen worden.

Die Glocken gehören dem 19. Jahrhundert an.

[186]
Der Kirchhof

war noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts ringsum mit Mauern umgeben und hatte zwei Thore, nach dem Stadtgraben und mittelst der sogenannten Todtenbrücke über den Stadtgraben nach dem Gottesacker, der ausserhalb der Stadtmauer im Nordwesten liegt. Innerhalb des Kirchhofes liegen Superintendentur, Diaconat und Schule.

Denkmal des Bürgermeister Christoph Seydel, † 1747.

Fig. 185. Radeberg, Taufstein.

Sandstein, in derben Barockformen. Ueber einem Sarkophag zwei Inschriftschilde, auf dem bekrönenden Gesims Engelsköpfe. Inschrift[WS 3] nur theilweise lesbar. Bez.:

Der Gerechten Seelen sind in
Gottes Hand und der Leib des . . .
Christoph Seydels | 35 Jahre Bürgermeister |
Besitzer des von Ihm
1715 erfundenen Augustus Bades
. . . . . (geb. zu Seidenberg, den 6. Sept. 1670, 1699 verehelicht, †
11. April 1747) und der Anna Elisabeth (geb. 30. März 1668, † 1743.)

An der Nordmauer der Kirche.

Die Stadt

Radeberg wird als castrum im 13. Jahrhundert genannt, bekam 1400 Stadtgerechtigkeit und die Erlaubniss zum Bau von Mauern, Gräben und Thoren; 1492 erhielt sie einen Jahrmarkt. Zerstört wurde es 1430 durch die Hussiten unter Prokop, 1714 durch einen grossen Stadtbrand, bei dem Schule, Kirche, Rathhaus, Diakonat und 108 Häuser dem Feuer zum Opfer fielen. Blos das Pastorat neben dem Pirnaischen Thor blieb stehen. Ein zweiter grosser Brand erfolgte 1741.

Erwähnenswerth ist das von Preusker beschriebene Gewölbe (Beschreibung einiger bei Radeberg . . . gefundener Urnen, Halle 1828) im vorderen Theile des Schlossberges, in dem man angeblich römische Münzen mit Prägung des Kaisers Constantin fand. Es maass 12:10 Ellen; die 23/4 bis 3 Ellen starke West- und Nordmauer war erhalten, hatte Flachnischen, die zur Aufstellung von Gefässen gedient haben sollen. Eine Würdigung dieser prähistorischen Reste liegt nicht im Rahmen der Inventarisation, doch sei erwähnt, dass Preusker anscheinlich einer Mystifikation zum Opfer fiel. Die im kgl. prähistorischen Museum zu Dresden erhaltenen Gefässe sind jedenfalls modern.

[187] Die Stadt (Fig. 186 u. 187) besteht unverkennbar aus mehreren Theilen, die auch heute nicht völlig verschmolzen erscheinen. Leider bietet der Mangel an Quellenmaterial ein Hinderniss zur genaueren Untersuchung. Der Kirchhof zeigt sich als ein Rundling auf einer Höhe, der noch heute theilweise von Mauern umgeben ist. Ihm gegenüber liegt auf einem Felsen an der Röder die Burg. Diese beiden Elemente und das oberhalb der Burg gelegene Alten-Radeberg dürften die Ansätze der Stadt gebildet haben, zwischen die sich vielleicht erst im 14. Jahrhundert die deutsche Stadtanlage um den rechtwinkligen Markt schob, die auch die Kirche in ihre Ummauerung zog, Alten-Radeberg aber nur theilweise in sich befasste. So blieben die Mühlen ausserhalb dieser. Die in (Fig. 186)

1 Kirche. 4 Markt. 7 Dresdner Thor. 10 Thurm.(?)
2 Superintendentur. 5 Schloss. 8 Oberthor. 11 Pirnaisches Thor.
3 Rathhaus. 6 Freudenberg. 9 Stolpner Thor.
Fig. 186. Radeberg, Stadtplan.

angegebene Linienführung der Mauern ist nicht sicher erweisbar. Denn nur an der Nordfront von der Kirche bis zum Oberthor und südlich von der Kirche steht die Mauer jetzt noch aufrecht; 1825 wurde der grösste Theil mit allen Thoren abgebrochen. Der Bau, der unter 10 in den Plan als Thurm eingezeichnet ist, konnte nur vermuthungsweise als ein solcher erkannt werden.

Eine merkwürdige gesonderte Anlage bildet der Freudenberg, angeblich ein früheres Nonnenkloster. Doch ist ein solches urkundlich nicht nachweisbar. Vielmehr scheint es sich um eine gesonderte Dorfanlage zu handeln.

[188]

Fig. 187. Radeberg, Schloss. Grundriss des Erdgeschosses.

[189]
Das Schloss.
Baugeschichte.

Die Geschichte des Baues in älterer Zeit bietet schon insofern wenig Interesse, als sich erkennbare bauliche Reste nicht erhielten. Der als „Eulenstein“ wohl erst in romantischer Zeit bezeichnete Thurm östlich vom Hauptgeschoss gilt als der älteste Theil. Doch bietet die Untersuchung des Baues selbst keinen sicheren Anhalt hierfür. Es erscheint auch nicht eben wahrscheinlich, dass die Aussenwerke in frühester Zeit schon vollendet waren. Wohl aber bietet der südwestliche Hauptthurm in seinen schweren Mauermassen und Gewölben, sowie der südlich anstossende Anbau (Fig. 188, 189 u. 190) trotz ihrer später eingefügten Renaissancedetails, vielleicht ins 14. Jahrhundert zurückreichende Reste des alten festen Hauses. Die schlichten gothischen Fenster und die Einwölbung der beiden Untergeschosse in der Tonne, mit starken Kappen für die Fenster, weisen hierauf. 1335 wird ein Vogt erwähnt. Auch die Ummauerung des Felsenkegels mit Mauern von 2 Meter und mehr Stärke und 4 bis 5 Meter Höhe über der Hofgleiche dürfte noch auf diese Zeit zurückgehen. Ebenso der östliche Eckthurm.

Chronikalische Nachrichten sagen, das Schloss sei unter dem Namen Klippenstein 1543–46 vom Kurfürsten Moritz erbaut worden und habe 3240 Meissner Gulden 17 Gr. 3 Pf. gekostet. In diese Nachricht dürfte schwerlich Zweifel zu setzen sein. Nach H. von Martius wurde am 7. März 1543 Hans Dehn, bisher Förster, zum Amtmann von Radeberg und Schönfeld bestallt. Eine zweite Bestallung, in die das Lausnitzer Amt mit einbezogen war, erfolgte am 3. August 1547. (Bestallungen 1511–60, Vol. I, Loc. 4519.) Das Zusammenfallen dieser Daten lässt mit Sicherheit vermuthen, dass Dehn den Bau des Radeberger Schlosses leitete. Befanden sich doch nach seinem Tode 1568 die Pläne des Schlosses im Besitze seiner Erben (H. St. A., Cop. 345, Bl. 143).

Wie am Dresdner Schloss (vergl. Heft XXII, S. 352) war Hans Dehn-Rothfelser nur als Verwaltungsbeamter am Bau thätig. Ueber den bauleitenden Architekten ist nichts bekannt. Aber die ganze Formengebung lässt erkennen, dass er der Dresdner Schule, also dem Kreise des Hans Schickentanz angehörte. Somit bietet das Radeberger Schloss kunstgeschichtlich ein wichtiges Mittelglied zwischen dem Georgen- und Moritzbau des Dresdner Schlosses.

Der Bau kam damals zu völligem Abschluss. Ihm gehört an: Die Durchbrechung des alten Mauerwerks mit neuen Fenstern, der Aufbau zweier Obergeschosse und eines hohen Rundthurmes über dem alten festen Hause, sowie die Anlage der Vorburg und des Anstieges von dieser auf das eigentliche Schloss.

Im September 1560 erhielt Melchior Hauffe, der Kommandant von Dresden, vom Kurfürst August Befehl, Kalk und Ziegel zur Wiederaufführung eines Stückes Mauer am Schlosse Radeberg zu schicken. (Cop. 301 Bl. 354.) 1561 wurde Holz zu einer Decke geliefert (Cop. 306 Bl. 161.)

Es handelt sich hierbei wohl nur um Ausbesserungen. 1628 wurde das Schloss von Grund aus bis unter das Dach in- und auswendig für 663 fl. erneuert und verputzt. Die Arbeiten leitete der Baumeister Ezechiel Eckhardt. 1641/42 erfolgte eine zweite Ausbesserung durch denselben für 541 fl., nachdem das Schloss von „Völkern sehr verderblich ruinirt“ und durch ein Schlossenwetter

[190]

Fig. 188. Radeberg, Schloss. Grundriss des ersten Obergeschosses.

[191] die Fenster eingeschlagen worden waren. Den damaligen Zustand giebt Fig. 188 wieder. Endlich wurde 1772 das ganze Schlossdach sammt dem obersten Geschosse abgetragen und „in neuerem Stil“ aufgeführt. Wahrscheinlich wurde bei dieser Gelegenheit auch der frühere offene Gang im Hofe geschlossen ausgebaut und eine neue geradläufige Treppe angelegt. Unsere Grundrisse Fig. 187, 188 und 189 geben den Zustand in der Zeit um 1840 wieder, der sich inzwischen wenig verändert hat.


Baubeschreibung.

Das Schloss erhebt sich jenseits eines Teiches auf einem Felsen. Den Zufluss zum Teich überspannt eine Brücke. Hinter dem Schlosse erhebt sich in steilem Abfall eine Anhöhe.

Fig. 189. Radeberg, Schloss. Grundriss des zweiten Obergeschosses.

Das Schloss nach Süden und Westen umgiebt eine Vorburg. Es besteht in einer dreieckigen, etwa 8 Meter über den Hof der Vorburg erhobenen Anlage. Gegen Südwesten liegt das unregelmässig viereckige alte feste Haus, auf dem im 16. Jahrhundert der schon erwähnte, jetzt abgetragene Rundthurm aufgeführt wurde. Nach Osten zieht sich ein langer Flügel (Fig. 190 und 191) hin, nach Nordosten ein kürzerer (Fig. 192.) Diese Flügel umfassen mit der Nordumfassungsmauer einen bescheidenen dreieckigen Hof mit hölzernen Galerien für das Obergeschoss.

Eine breite Rampe führt derart zum Hauptthor (Fig. 193), dass die Schwertseite des Ansteigenden dem Schlosse zugekehrt ist. Das Thor zeigt in überaus charakteristischen Formen die ersten Zeiten der Renaissance, die eigenartige Pilasterbildung und ein kräftiges

Gebälk. Es trägt nebenstehende Steinmetzzeichen. Die Spitzverdachung, die sich vor einer Restaurirung im 19. Jahrhundert über dem Thore befand, ersieht man aus Fig. 190. Die starken

[192]

                    Fig. 190. Radeberg, Schloss, Südansicht.                                        Eulenthurm.

Mauern des Erdgeschosses durchbrechen zumeist gekuppelte Fenster mit oberem Abschluss im Stichbogen. (Fig. 194). Im oberen Geschosse (Fig. 195) sind die ebenfalls gekuppelten Fenster mit geradem Sturz versehen. Die Thüren im Innern sind rundbogig geschlossen (Fig. 196), ausserdem sind hier und da kleine kreisförmige Lichtöffnungen (Fig. 197) angebracht. Die alten Giebel, die die Pläne der Sammlung für Baukunst noch

Fig. 191. Radeberg, Schloss.
Schnitt durch den Südflügel bei B.

Fig. 192. Radeberg, Schloss.
Schnitt. durch den Nordostflügel bei A.


zeigen, sind bei dem Umbau von 1772 verschwunden, bis auf den südöstlichen des westlichen Schlossbaues, der jetzt verbaut ist. Es erhielten sich hier die kräftigen Theilungsgesimse und Wandpfeiler, nicht aber die Anläufe. Das dritte Geschoss des Südostthurmes zeigt Fenster derselben Zeit (Fig. 198). Doch erkennt man heute noch, dass einst gegen Südwesten hier ein grosser Erker sich anbaute.

[193]

Fig. 193. Radeberg, Schloss, Hauptthor.

[194]

Fig. 194. Radeberg, Fenster.

Fig. 195. Radeberg, Fenster im zweiten Obergeschoss.

Fig. 196. Radeberg, Thüre.

Fig. 197. Radeberg, Lichtöffnung.

Fig. 198. Radeberg, Fenster im zweiten Obergeschoss.

Fig. 199. Radeberg, Säule im Ostraum.

Fig. 200. Radeberg, Kamin im Nordflügel.

[195] Die Raumeintheilung im Innern blieb im Erdgeschosse wesentlich die alte. Das Hauptthor führt in einen schmalen Zugang zum Hofe, seitlich schliessen sich die im Spitzbogenkreuzgewölbe überdeckten Zimmer in ruhiger Folge an. Der letzte Raum besteht aus zwei Gewölbetheilen, die auf einer stämmigen mittleren Säule (Fig. 199) aufsitzen.

Fig. 201. Radeberg, Thüre im Thorbau.

Fig. 202 u. 203. Radeberg, Thüre und Fenster in der Vorburg.

Fig. 204. Radeberg, Schnitt durch das Thorhaus, bei D.

Fig. 206. Radeberg, Strebepfeiler im Hof.

Fig. 205. Radeberg, Schnitt durch den Stall, bei C.

Im Nordflügel schliesst sich an das feste Haus eine offene Diele, in die die Treppe und ein wohl erst um 1580 entstandener Sandsteinkamin (Fig. 200) eingebaut sind. Hier ist nur der letzte kleine Raum eingewölbt. Im Obergeschoss befand sich wohl in dem Ostflügel der „Riesensaal“, von dem in [196] den Chroniken die Rede ist, der die drei mittleren Fensterachsen umfasst und in das Dach hineingereicht haben dürfte. Hier war durch eine Galerie auf dem nordöstlichen Flügel der starken Hofmauer eine Verbindung zum Nordflügel gebildet. Die Hofeinbauten sind durchweg geändert worden.

Zu der Diele führt ein zweiter Aufstieg von theilweise in den Felsen gehauenen Stufen.

Das Schloss umgiebt die Vorburg. Aus der Gestaltung der Thüren (Fig. 201 und 202) und Fenster (Fig. 203) in dem rechts vom Thore liegenden Amtshaus oder Rentnerei erkennt man, dass dieses gleichzeitig mit dem Schloss entstand. Es ist ein schmales, in beiden Geschossen (Fig. 204) gewölbtes Gebäude, das an seinem Ostende durch einen breiten Strebebogen (Fig. 206) mit dem Schlosse verbunden ist.

Fig. 207. Radeberg, Wandteppich.

Aus der Rentnerei stammt ein

Wandteppich (Fig. 207), auf grobem Rupfen gemalt, der in Bahnen von rund 80 cm liegt und derart bei 270 cm Höhe zusammengesetzt ist, dass immer auf zwei Bahnen eine Landschaft mit einer Jagdscene und auf eine Bahn eine ornamentale Borde mit einer roth in Roth gehaltenen statuarischen Gestalt in Nachahmung der Gobelins gemalt ist. Bei einer Landschaft fehlt ein Theil. Vier Jagdscenen, fünf Bordenstreifen.

Im Stil Ludwigs XIV., aber wohl erst in der Mitte des 18. Jahrh. hergestellt.

Weniger bemerkenswerth durch Ausbildung als durch die Technik.

Jetzt im Schlosse Wachau.

[197] Ofen, in weisser Fayence, mit rechteckigem, durch Rococokartuschen verzierten Heizkasten, reich profilirtem, in der Grundform einer Pyramide aufsteigenden Oberbau.

Die reiche und vornehme Ornamentation weist den Ofen etwa in die Zeit um 1780.

Jetzt im Schlosse Wachau.

Die Wirthschaftsgebäude, nördlich vom Thor, sind gegen den Hof zu nur eingeschossig (Fig. 205), nach aussen zweigeschossig und durch starke Streben gestützt. Auch hier weisen Einzelheiten, wie das Fenster (Fig. 203), auf die gleichzeitigen Entstehungen mit den beschriebenen Bauten.

Der „Eulenthurm“, der bei Dillich mit einer Haube versehen erscheint, ist jetzt Ruine.

Fig. 208. Ansicht von Radeberg im 17. Jahrhundert. Nach der Zeichnung von W. Dillich.

Das Rathhaus.

Auf der Zeichnung von Dillich (Fig. 208) erkennt man deutlich die gothischen Giebel und den Renaissance-Dachreiter des alten, wohl in den Bränden von 1714 und 1741 zerstörten Rathhauses.

Der alte Bau war vor diesen Bränden von einfacher rechteckiger Grundform. Die starken Umfassungsmauern des jetzigen Baues (Fig. 209 und 210) bestätigen dies. Er bestand aus erhöhtem Erd- und einem Obergeschoss. 1664 erfolgte ein Umbau. Das dritte Stockwerk wurde 1822 aufgesetzt, wobei wohl der nach dem Brande von 1741 errichtete [198] Dachreiter mit verwendet oder nachgebildet wurde. Er hat quadratische Grundform, an den wenig verbrochenen Ecken schwere Anläufe, mit einem langgezogenen, zwiebelförmigen Dachabschluss. Wetterfahne bez. 1822.

Fig. 209. Radeberg, Rathhaus, Grundriss des ersten Obergeschosses.

Die Façade nach dem Markte, mit sieben Achsen, wird in der Mitte durch eine drei Achsen breite Vorlage mit der im Stichbogen geschlossenen Zugangsthüre gegliedert. Ueber dem Hauptgesims schliesst eine Spitzverdachung ab. Zwischen den schlichten Fensterumrahmungen im Erdgeschoss, die vielfach umgeändert sein dürften, gequaderte Lisenen bis zur Höhe des Gurtgesimses. Es erhielt sich die Eingangsthüre, Holz, in kräftigem Rococo durchgeführt, die Schlagleiste säulenartig, oben beiderseitig Anläufe, darüber ein Oberlicht mit Sprossentheilung. Das Innere bietet nichts Beachtenswerthes, zumal die Eintheilung der einzelnen Räume oft geändert wurde. Die Treppe gehört auch dem 18. Jahrhundert an.

Fig. 210. Radeberg, Rathhaus, Grundriss des Untergeschosses.


Der Wohnhausbau.

Durch die Brände von 1521, 1714 und 1741 sind alle beachtenswerthen Bauten verschwunden; bei dem letzten Brande wurden nur die Kirche, Schule und 28 Häuser in den Vorstädten verschont. Die Bevölkerung war gänzlich verarmt, und so beschränkte man sich beim Wiederaufbau auf das Nothwendigste. Es finden sich meist einfache Stichbogenthüren mit Schlussstein.

Am Markt Nr. 18. Ein schlichtes zweigeschossiges Haus. Im ersten Stock acht Fenster Front. In der Mitte des Erdgeschosses ein Korbbogenthor, einfach kräftig umrahmt, mit Schlussstein, darüber ein horizontales[WS 4] Gesims in der ganzen Thorbreite. Auf dem Schlussstein ein goldener Stern, dazu bez. C. W. | 1742. Seitlich bez.:

Im Glück. Vertraue
und in der Noth nur auf Gott.

Im Dachgeschoss ein zweitheiliges Fenster mit Stichbogenabschluss, darüber eine Rundbogenverdachung mit wenig erhaltenem Aufsatz.

Hauptstrasse Nr. 22. Aus fünfachsigem Erd- und Obergeschoss bestehend, beide durch ein leichtes Gurtgesims getrennt, seitlich einfache Ecklisenen. Die [199] im Stichbogen gebildete Thür ist seitlich angeordnet, kräftig umrahmt, mit Schlussstein und horizontalem Gesims abgeschlossen. Ersterer bez. parva sed mea. Die Dachfenster sind im Stichbogen abgeschlossen, das mittlere etwas reicher ausgebildet.

Hauptstrasse Nr. 18. Schlichter dreigeschossiger Bau von sieben Fenster Front. Ein Stichbogenthor, seitlich angeordnet, vermittelt den Zugang. Im Schlusssteine beistehende Hausmarke und die Jahrzahl 17.60. Es erhielt sich das Erd- und erste Obergeschoss mit Gurtgesimstrennung, das Holzthor in einfachen gefälligen Rococoformen, im Oberlicht leichte Sprossentheilung.

Am Markt Nr. 18, einfaches, zweigeschossiges Haus mit 5 Fenster Front. In der Mitte des ersten Obergeschosses ein reich ausgestattetes Fenster, bez.:

Fürchte Gott, Thue Recht, Scheue Niemand und Ehre den König. 1742.

Langbeinscher Garten, südlich der Röder, hübsches Gartenhaus mit einem Obergeschoss, in Form eines Pilastergiebels über der Mitte, davor ein Balkon. In der terrassenförmigen Anlage zwei Sandsteinstatuen, 18. Jahrh. Der Garten wurde von dem Justizamtmann Langbein (geb. 1757, † 1824) angelegt.


Innungsgeräthe.
Schuhmacherinnung.

Innungslade, Holz, bemalt, 34 cm hoch, 77 cm lang und 45 cm tief. An der vorderen Stirnseite in der Mitte ein Rundbogenfeld, mit Kämpfergesims und kräftiger Quaderung des Bogens. In dem Felde plastisch eine herzförmige Kartusche, auf derselben beiderseitig je ein Messer, in der Mitte ein Falzeisen, oben ein Schuh. Seitlich der Bogenstellung je eine Pilasterstellung auf Postament. Zwischen derselben ein im Rundbogen oben abgeschlossenes Feld, seitlich Kämpfergesims und Diamantquader. Ein leichtes Gesims begrenzt die Lade. An den Seiten sind einfach vertiefte Füllungsfelder.

Handwerkliche derbe Arbeit des 17. Jahrhunderts.

Die gut erhaltenen Innungsnachrichten gehen bis zum Jahre 1532 zurück.

Die Gefässe sind leider abhanden gekommen.


Fleischerinnung.

Krug, Zinn, 100 mm hoch, 160 mm Fussbreite, von sehr gedrückter cylindrischer Form, mit breit ausladender Fussplatte, vertikalem Henkel und überhöhtem Deckel. Bez. D. B. | 1682.

Dresdner Beschau und abgenutzte unklare Marke.

Krug, Zinn, 100 mm hoch, 128 mm Fussweite, von derselben Form wie der vorige, auf dem Deckel zwei gravirte Zweige, bez. H. E. B. | 1682.

Dresdner Stadtmarke, dazu die nebenstehende Marke.

Krug, Zinn, 125 mm hoch, 150 mm Fussweite, ohne besondere Form. Auf dem Deckel bez. C. Z. | 1666. An dem cylindrischen Mantel beiderseitig der Profile ist ein geometrisches Muster eingeschlagen. Der Deckel ist nicht mit dem üblichen Knopfe versehen, sondern hat eine flache fächerartig getheilte Form.

[200] Dresdner Stadtmarke und abgenutzter Meistermarke.

Leuchter, Zinn, 18 cm hoch, 125 mm Fussweite, passicht behandelt, mit kräftig rundem Fusse, birnförmigem Stiel und glockenartigem Kelch.

Unbezeichnet.

Leuchter, Zinn, 16 cm hoch, 125 mm Fussweite, glatt mit tellerförmigem Fusse, sonst wie der Vorige geformt, bez. C. E. K. | 1755.

Humpen, Zinn, 27 cm mit dem Deckel hoch, 10 cm Fussweite, mit rundem Fusse und Stiel, darüber kelchförmig und cylindrisch der Bauch, im oberen Theil halbkreisförmig mit vier plastischen Löwenköpfen mit Löchern. Der horizontale flache Deckel schliesst kugelförmig ab. Bez. M. J. G. L. | 1756.

Humpen, Zinn, 26 cm hoch, 11 cm Fussweite, mit glockenförmigem Fusse, kurzem Stiel. Darüber mit halbkugelförmigem Uebergang der cylindrische Kelch. Der Deckel wenig überhöht. Bez.:

Zum Andencken | an E. E. Handwerck der | Fleischhauer zu Radeberg d. 1. Aprl. |
Meister Johann Heinrich Johne von | Meister Carl Biettner. | Meister Johann Gottlob Schurich. | 1829.

Dazu gravirt das Fleischerwappen. Ungemarkt.

Diese Gefässe erwarb vor einigen Jahren der Friedensrichter Seelig in Langebrück.


Maurerinnung.

Willkomm, Zinn, 30 cm hoch ohne Deckel, 43 cm mit Deckel, 13 cm Fussweite. Der breite Fuss ist kräftig profilirt, der Stiel leicht gewellt, darüber der Bauch mit birnförmigem Uebergang, nach oben breiter werdend. An demselben oben und unten sechs Thiermasken als Schildhalter.

Oben sechs Schilde, zwei davon modern.

Der dritte, mit ausgeschweifter Form, scheinbar Eisenblech, vernickelt, darauf gravirt Kelle und Hammer, bez. G. O. F. H.

Der vierte, Silber, länglich geschweifte Form, darauf gravirt die Embleme des Handwerks. Darüber bez.:

Es grünet und floriret das löbl. | Handwerck derer Maürer u. Zimmerleüte.

Unten bez.:

Johann Siegfried Friebel. | Radeberg, den 14. Junii. | 1754.

Der fünfte, von Silber, 10,8 : 9,2 cm messend, oval mit getriebenem Rankenwerk, in der Mitte bez. Pferfin Schindeler An̄o 1684. Darüber die Handwerksembleme.

Der sechste, genau wie der dritte durchgeführt, 10 : 10 cm messend. Bez.: G. O. F. H. Darüber ein Wappen mit den Emblemen der Innung.

Unten drei Schilde, davon zwei modern, der dritte ovalförmig, Silber, 6,5 : 5,2 cm messend, mit getriebenem Rankenwerk, in der Mitte bez. George Hinrich 1699. Dazu Kelle und Hammer. Der Gefässbauch oben bez.:

Den Löblich | en Handt | wercke der | Meuer In. | Radebergk | Anno | 1671. | Diesen Willkom̅en Verehret | Heinrich | Havenstein.

Im Boden innerlich eine Münze, 4 cm im Durchmesser, darauf in der Mitte ein Schwert, links davon ein Lorbeer, rechts ein Palmzweig, oben hebräisch bez. Jehovah. Am Rande bez.:

stans. acie. pugnans. vincens. moriensque. triumphat.

[201] Auf dem überhöhten Deckel ein Landsknecht mit der Fahne in der linken Hand. Er steht zwischen zwei Schilden, die rechte Hand stützt sich auf den hinteren, bez. 1671. Dazu Zirkel, Kelle, Hammer und Loth. Der vordere Schild bez. H. H. Dazu zwei Spitzhammer in einem Wappen. Fahne bez. J. G. P., auf der Rückseite Zirkel und Kelle.

Im Boden des Deckels abgenutzte, unkenntliche Marken, scheinbar Radeberger Beschau.

Jetzt in Verwahrung des Baumeisters Wägner in Blasewitz als Innungsobermeister.


Schützengilde.

Krug, Zinn, 190 mm hoch, 115 mm Fussweite. Ein breiter Fuss, birnförmiger Bauch, seitlich ein vertikaler Henkel mit überhöhtem Deckel, derselbe bez.:

Gottfried Steltzer | ward | Schützen älster | 1750.

Am Mantel gravirt eine Bretzel, von zwei Löwen gehalten.

Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke und der nebenstehenden Marke.

Humpen, Zinn, 255 mm hoch ohne Deckel, 400 mm hoch mit Deckel, 102 mm Fussweite. Ein breiter glockenförmiger Fuss, am Bauche gedrückte birnartige Formen, im oberen Theile an der am weitesten ausladenden Wulst plastisch vorstehend acht Löwenköpfe. Auf dem stark überhöhten Deckel ein Landsknecht. Auf dem unteren cylindrischen Theile des Bauches bez.:

Christoph Haase. | F. v. W. | 1753.

Ungemarkt.

Krug, Zinn, 180 mm hoch, 142 mm Fussweite, von einfacher Form, mit cylindrischem Bauche ohne Ausgussansatz.
Am Deckel bez.:

Ward Schützen Aeltester 1755.

Am Bauche gravirt das nebenstehende Radeberger Stadtwappen.
Seitlich bez.:

Johann George Heymann Bürgermeister.

Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke und der nebenstehenden Marke.

Krug, Zinn, 168 mm hoch, 128 mm Fussweite, ohne reichere Formen. Auf dem Deckel eingerissen eine Scheibe und zwei gekreuzte Gewehre, dazu bez.:

Ward Schützen Aeltester 1760.

Am Bauche das Kurwappen, dazu bez.:

Christian Gottlob Klette | Amts Steuer Einnehmer.

Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke und der gleichen Marke, wie der vorige.

Krug, Zinn, 16 cm hoch, 14,8 cm Fussweite, von sehr einfacher Form, mit cylindrischem Bauche ohne Ausgussansatz, vertikaler Henkel, überhöhter Deckel.
Derselbe bez. 1765 | J. G. Hühngen | senior. | Schützen. Ael | tester | den 23. May.

Dazu Dresdner Beschau und beistehende Marke.

Kelch, Zinn, 260 mm hoch, 120 mm Fussweite. Ein stark überhöhter Fuss, kurzer Stiel, der Knauf birnförmig. Die Cuppa unten kelchartig, dann cylindrisch. Die ganze Oberfläche des Kelches ist passicht behandelt. Im oberen Theile der Cuppa punktirte Landschaften mit Vögeln, eine andere mit einem Schützen und Scheibenstand. Dazu bez.:

[202]
Den Herren Schützen Aeltesten | und | E. Löbl. Schützen Gesellschafft | zu Radeberg |
verehrte diesen Willkom̅en | zu einen Andencken | Ein aufrichtiger Landsmann |
Johann Christian Heymann | pr. E. E. Raths Keller.Pachter. | in Dreßden. 1765.

Ungemarkt. Ein Deckel fehlt.

Krug, Zinn, 188 mm hoch, 134 mm Fussweite, ähnlich einfach dem vorigen am Mantel in Zwischenräumen leichte Profilirung. Am Deckel bez. Ward Schützen Aeltester 1766. Dazu eingerissen eine Scheibe. Dahinter zwei gekreuzte Gewehre. Am Bauche ein Metzgerzeichen, dazu bez.:

Adam Christoph Schurig | Viertelsmeister.

Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke und mit gleicher Marke wie der Krug von 1755.

Krug, Zinn, 180 mm hoch, 140 mm Fussweite, von der üblichen cylindrischen Form. Am Bauche bez.:
Johann Immanuel Iphoff. | Advoc. immatr. und | Stadtschreiber. | zu Radeberg | Schützen Aeltester. 1769.

Dazu Dresdner Stadtmarke und die der gleichen Marke wie der vorige.

Krug, Zinn, 180 mm hoch, 128 mm Fussweite, von der üblichen cylindrischen Form. Auf dem Deckel eine gravirte Scheere. Am Mantel bez.:

Johann Christoph Wilhelm | Wart. Schützen. Aelster | Anno 1769.

Dresdner Stadtmarke und die nebenstehende Marke.

Krug, Zinn, 190 mm hoch, 140 mm Fussweite. Glatte Fussplatte mit cylindrischem Bauche. Auf dem Deckel bez.

J. G. Sp. | 1779.

Unklare Beschau und die nebenstehende Marke.

Krug, Zinn, 185 mm hoch, 138 mm Fussweite, von der einfachen üblichen Form. Am Bauche das Wappen der Iphoff und bez.:

J. C. Ulbrich | ward Schützen Aelster. | 1777. | und Schützen König. | 1779.

Im Deckel gemarkt mit Dresdner Beschau und der Marke.

Lade der Schützengilde, Holz, einfache durchaus fournierte Arbeit in Eiche und Nussbaum. An der vorderen Seite sind geometrische Muster verwendet. Zweite Hälfte des 18. Jahrh.


Reichenberg.

Kirchdorf, 10,1 km nordnordwestlich von Dresden.

Die Kirche.
Der Bau.

Einschiffiges Langhaus (Fig. 211) mit schmälerem, aus dem Achteck geschlossenen Chor und nördlich an diesen stossender Sakristei. Zwischen beiden eine gothische Thüre mit einfach profiliertem Gewände und reicherem Profil am Bogen.

Der Chor wurde 1513–14 erbaut. Die Inschrift 1513 (Fig. 213) findet sich aussen am südöstlichen Fenster, am gleichen Fenster innen dieselbe Inschrift. Die Inschrift 1514 findet sich am Dachsims über dem südöstlichen (zweiten) Strebepfeiler, die Inschrift 1734 über dem Thürsturz des nördlichen Thorvorbaues und die Inschrift 1769 am äusseren linken Gewände des südöstlichen Fensters.

[203]

Fig. 211. Reichenberg, Grundriss der Kirche.

[204] Actennotizen im Pfarrarchiv bekunden, dass 1685 kleine, 1729 bis 1735 grössere Umbauten vorgenommen wurden, und zwar wurde zu letzterer Zeit die „Halle hinten beim Glockenthurm“, die Treppe zur Empore und einiges mehr hergestellt.

Aus den Formen ergiebt sich, dass das Langhaus vielleicht älter ist als der Chor. Die Profile des Westthores (Fig. 214) weisen eher auf das endende 15., als auf das 16. Jahrhundert. Diesem gehören an das Thor zur Sakristei (Fig. 212) mit seinem hübschen, in Eisen geschnittenen Schlosse, die Südthüre in das Schiff, die Profile an Sockel und Hauptgesims (Fig. 215, 216 und 217). Die

Fig. 212. Reichenberg, Kirchthüre.

Fig. 213. Reichenberg, Inschrift.

Fig. 218. Reichenberg, Fensterprofil.

Fig. 214. Reichenberg, Profil des Westthores.

Fig. 215–217. Reichenberg, Profile.

Fenster haben noch ihre alte Gestalt (Fig. 218), doch ist das Maasswerk ausgebrochen und 1792 durch solches in Holz ersetzt worden.

Die Empore (Fig. 219) dürfte um 1615 entstanden sein. Diese Jahreszahl findet sich am Sturz des Nordfensters der „Todtenkammer“ über der Sakristei. Auf dem Dache dieses Bautheiles findet sich ein kleiner Wetterhahn, ein ähnlicher auf dem Chore. Ebenso ist die leicht cassettirte und übermalte Decke über dem Chor und Schiff ein Werk dieser Zeit. Die Cassetten sind durch aufgelegte Leisten gebildet. Im Chor ist ein Quadrat übereck gestellt und durch einfache Schnitzerei herausgehoben.

Der Thurm sitzt über dem Westende des Schiffes und erhebt sich über dem Dach mit einer reich gegliederten, achteckigen Haube. Seinen Formen nach gehört er dem Ende des 18. Jahrhunderts an.


Kirchenausstattung.

Taufstein, 63 cm hoch, 90 cm oberer Durchmesser. Am oberen Rande umgeben von einfachem Rundbogenfries, der Sockel fehlt. Unverkennbar romanisch. Wohl 13. Jahrh.

[205] Jetzt im Pfarrgarten.

Altar. Die Platte zeigt noch die katholischen Weihekreuze; inmitten der Platte eine jetzt leere Vertiefung mit Steindeckel, das katholische Reliquien-Sepulcrum. Der Altaraufbau und die Orgel darüber sind modern.

Fig. 219. Reichenberg, Empore.

Fig. 220. Reichenberg, Truhe.

Fig. 221. Reichenberg, Truhe.

Fig. 222. Reichenberg, Truhe.

Holzschnitzerei. Das Auge Gottes aus Wolken, von denen Sonnenstrahlen ausgehen. In der Mitte der Triumphbogen. 18. Jahrh.(?) Wohl von einem älteren Altar.

Kanzel, in Holz, bemalt. Sie ruht auf der etwa lebensgrossen, geschnitzten Statue des Moses, der die Gesetzestafeln hält. Die Ausladung und die hermenartigen Eckpilaster in lebhaft bewegtem Ornament. Auf den Füllungen geschnitzte und bemalte Hochreliefs der vier Evangelisten und des segnenden Heilands mit der Weltkugel. Der Schalldeckel verziert mit Engelsgestalten und bekrönt vom Salvator mundi. Bez.: 1620. Der Eingang zur Kanzel durchbricht den breiteren Südpfeiler des Triumphbogens, so dass sich im Chor die Eingangsthüre [206] zur Kanzel befindet. Auf dieser das Bild des stehend schreibenden Evangelisten Johannes. Auf dem offenen Buche, das er in der Linken hält, die Worte:

Joh. am 3. Also hat Gott die Welt geliebet, das er seinen eigenen sohn gab auff,
das alle die an ihn gleuben nicht verlohren.

Daneben innerhalb der eingebauten Loge inneres Abschlussbrett, 77 cm hoch, 43 cm breit, nach der Kanzel mit der Inschrift:

Pastore M. Johanne Fabro: sumptibus Johannis Knautii pro Tempore in arce
Mauriciburgica Ru Storis (?) Scalam hanc posuerunt Johannes Wachsmann Radebergensis et urbanus
Burchardus Minister ecclesiae in Klotsche.
DIE | S. JOHANNIS B: | ANNO | M.DC.XXIX. | V. D. M. I. Æ.

Taufstein, Sandstein, 99 cm hoch, 86 cm Durchmesser. Am Fusse vorn ein Engel als Träger und Guirlanden in Voluten. Das Becken ist vorn mit einem Relief, die Sündfluth, geschmückt. Links zu äusserst eine Stadtansicht, dann die Arche Noah auf den Fluthen, darüber Wolken, aus denen strahlenförmig der Regen sich ergiesst. In den Wellen befinden sich ein Reiter mit einer grossen Tasche in der Linken, nackte weibliche Halbfigur, nackter Frauenoberkörper, mit der Linken die Arche stützend, auf dem Rücken schwimmender, im Mittel von den Wellen bedeckter Mann mit Stierkopf, auf den Wellen zwei Schwäne, dann unter einem zeltartigen Bau eine nackte Frau, ein Kind säugend; hinter ihrem Rücken beginnt bergiges Waldterrain, das von einer Stadt mit Mauern bekrönt wird; unter den Bäumen eine bekleidete Frauengestalt, ein ebenfalls bekleidetes Kind an der Brust und daneben zwischen Baumstämmen sichtbar die nackte Halbfigur eines Jünglings, die Hände anbetend gefaltet; zu den Füssen der Frau, zu ihr aufschauend, ein Hund. Am hinteren Theile des Steinbeckens die (erneuerte) Inschrift:

Philipp Knauth in Moritzburg
Amtsschösser. 1620.

Crucifixus, Holz, 1,15 m hoch, einst bemalt. In der Brust ein Loch zum Anbringen einer Reliquie.

Die Arme abgebrochen, die Füsse bestossen. Gute Arbeit wohl des Anfangs des 16. Jahrh.

Salvator mundi, Holz, bemalt, 63 cm hoch, die segnende Hand fehlt, mit der Weltkugel. Nur Reste der Bemalung erhalten. Anfang 17. Jahrh.

Grabkreuz, Schmiedeeisen, oben der segnende Christus, seitlich zwei Engel, aus Blech geschnitten. Bez. G. W.

Glocken. Die kleine, 44 cm hoch, 53,5 cm im Durchmesser. Im oberen Kranze die Inschrift:

Anno 1718 goß mich Michael Weinhold in Dresden.

Darüber eine Plakette mit dem Bildniss des Kurfürsten Friedrich August und der Umschrift:

D. C. FRID. AUGUST. REX. POL. DUX. SAX. I. G. M. A. & W.

Auf der Vorderseite:

Gott laß dein Wort und Luthers Lehr | Bey uns verduncklen nimmermehr | dabey in
Fried und Sicherheit | Mein’m Klang erschallen jederzeit.

Auf der Rückseite:

Ut Sociis Consonantior et Auctior Redderer | Anno: M: DCC: XVIII | Denuo conflata sum
Tu Qui Nos Audis Ecclesiae | Patriaeque Omnia Bona | Apprecare!

Klöppel gemarkt I G N und 6 zwölfstrahlige Sterne.

Die mittlere, 65 cm hoch, 72,5 cm im Durchmesser, ohne Inschrift.

[207] Die grosse, 77 cm hoch, 96,5 cm im Durchmesser. Um den oberen Kranz die Inschrift:

Anno 1718 goß mich Michael Weinhold in Dresden.

Darüber dieselbe Plakette wie an der kleinen Glocke. Auf der Vorderseite:

Ego Sacrorum Nuncia | Praeco-funeris. Laetorum Interpres. | Longo Temporum Lapsu Fracta | Auspicio | Friderici Augusti. Sarm. Regis et Elect: Sax: | Ephor: D: Valent: Ernst: Loescheri | Dn: Joh: Paul Vokelii. Reg: Consil et Dres: Circ: Praef. | Dn: Pastor: Godofr: Bruhmii Langebr: Misn: | Ludim: Godofr: Christ: Hunichii. Aerar: Eccl. Praefectorum Georg: Thalheim | Georg: Vetter. Mich: Jacob. Mart: Rarisch | Christ: Fischer. Joh: Thalheim. Joh: Schutze. | A. O. R. M. DCC. XIIX. Mense Maio. | Denuo renata. Signum Omnibus Do et Offero | Tu vero Qui Sonos Meos Excipis Reputa: | Humana Omnia. Sonus Inanis! Ergo | Coelum Coeli Hospes Meditare!

Auf der Rückseite zu oberst das Tetragrammaton in ovalem Kranze, der von zwei geflügelten Putten getragen wird. Darunter:

Von M.CCCC.LI her hab ich geklungen
M.DCC.XVIII. bin ich zersprungen
Drauff ist mein Umguß wohl gelungen
Gott sey Lob Ehr und Danck gesungen.


Kirchengeräthe.

Opferstock, Sandstein, 45 cm hoch, mit einem Vexirschloss.

Truhe, Holz, 62 cm hoch, 80 cm tief, 2 m breit, innere Höhe 58 cm (Fig. 220–222). Eine Seitenleiste und die Wände des inneren Faches mit Flachornamenten geschnitzt und bemalt. Anfang 16. Jahrh.

Zwei Zinnleuchter, 21 cm hoch. In derben candelaberartigen Formen mit breitem Fusse. Bez.:

Der Kirche zu Reichenberg 1681. Erneuert 1861.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 224 mm hoch, 154 mm Fussweite. Sechspassiger Fuss, rundlicher Knauf. Auf den Roteln bez. JESVS und eine Rosette. Auf der Cuppa von einem Lorbeerkranze umgeben die Inschrift:

In Alhießigß Gottes Hauß | Diesen Kelch zum angedencken | Auff daß alle trincken drauß | thun alhier wir beede Schenken | Anno 1690.

Am Fusse des Kelches bez.:

Wolff Dietrich von Erdmannsdorff Churf. Sächs: Oberhoff Jägermeister. Reichardt von Wolffersdorff, der Zeit Churf. Sächs: Landt-Cam̅er Rath.

Gemarkt mit Dresdner Beschau und beistehendem Zeichen.

Patene dazu, 165 mm Durchmesser.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 215 mm hoch, 157 mm Fussweite. In rundlichen Formen, auf dem Knauf bez. JESVS †. Auf dem sechspassigen Fusse punzirt: Eisenberg 1690.

Gemarkt mit Dresdner Beschau und der nebenstehenden Marke.

Patene dazu, 16 cm Durchmesser.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 19 cm hoch, 145 mm Fussweite, bez. R F † D F 1690.

Gemarkt mit Dresdner Beschau und derselben Marke wie der vorige.

Patene dazu, 15 cm Durchmesser. Ebenso bezeichnet.

Hostienschüssel, Silber, vergoldet, ganz schlicht, 55 mm hoch, 11 cm Durchmesser. Am Rande bez.:

Maria Elisabetha Schmidin Wittbe Catharina Elisabetha Bruhmin. 1695.

[208] Kreuz, aus Eisen, mit Crucifixus aus Blei. Darunter gemalt Adam und Eva mit der Schlange und der Inschrift: Ich führe dich zur Ruh 1620.

Zinntäfelchen, 63/4 cm hoch, 10,5 cm breit, hierauf Inschrift:

Gott zu Ehren, vnd dießer Kirchen zum Gedächtnüs verehret dießes Crucifix
Michael Weinholdt
Dresden, Sr. Königl. Maje in Pohlen
den 25. December und Churfl. Durchl. zu Sachsen
Ao. 1698. bestalter Stück und Glocken
Gißer.

Geldkiste, eisenbeschlagen, 95 cm breit, 60 cm tief, 50 cm hoch, mit zwei Vexirschlössern.

Hängeleuchter, Bronze, 16armig, der oben mit doppelköpfigem Adler geschmückt ist. Auf der Kugel des Leuchters in der Mitte das Wappen des Zimmermanns, als Helmzier ein Mann mit Winkelmaass, im Schilde Mann mit Zirkel, daneben die Inschrift:

Donat | Samuel | Zimmermann | Symb: | Verbum Domini | Manet in Aeternum | Anno MDCC.

Abendmahlkanne, Zinn, 27,5 cm hoch. Vorn die Inschrift:

Zum Andenken verehret | diese Kanne der Kirchen | zu Reichenberg | Johann Gottlieb
Pfeilschmid | der Zeit Schvlmeister vnd Org: alda den 30. Jvly 1729.

Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke und undeutlichem Zeichen.

Abendmahlkanne, Zinn, 29 cm hoch. Auf dem Deckel:

Kirche Reichenberg 1728.

Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke.

Zwei Blumenvasen, Meissner Porzellan, 15,5 cm hoch, weiss mit Golddecoration. 18. Jahrh.

Taufschüssel, Zinn, rund, auf dem Rande die Inschrift:

Weil die ehemalige Tauf-Schüssel 1793 entwendet worden. So hat diese der damalige
Churfürstliche Oberförster Herr FRIEDERICH WILHELM PLANT in Eißenberg
1794 der Kirche neu verehret.

Gemarkt mit Dresdner Stadtmarke und der Marke J. G. Simon.

Altardecke, blau, in der Mitte ein Stück hellrothe Seide mit Goldstickerei, gesteppt. Sehr beschädigt.


Denkmäler.

Denkmal des Philipp Knaut, † 1621.

Sandstein, 98 cm hoch, 72 cm breit.

Der Stein zeigt das Bild eines Kindes, von zwei Engeln getragen, links oben die Sonne Strahlen sendend. Am Rande die Inschrift:

Philip Knaut gebohren den 27. August 1621 abents umb 7 Uhr balt getauft und vorscheid den 28. Frue umb 10 Uhr sanft und seliglich.

An der Südseite der Kirche, aussen.

Denkmal der Maria Knaut, geb. Langsack, † 1625.

Sandstein, 185 cm hoch, 100 cm breit.

Der Stein zeigt eine Frauengestalt in Relief. Die auf der Brust gekreuzten Hände halten Blumenstrauss und Gebetbuch. Am Rande auf Konsolen Sanduhren, rechts und links Engelsköpfe. Die Inschrift ebenfalls wie bei vorigem in grossen lateinischen Buchstaben, am Rande befindlich:

[209]
Fraw Maria Langsackin H. Hans Knauts: Ambtschössers zur Moritzburg 5 Jahr hertzliebe Hausfraw gebar 1 Sohn 2 Töchterlein starb Anfangs A: 1625 in Wochen sanft und selig 22 Jahr alt.

An der Südseite der Kirche, aussen.

Bildniss des Georg Fornefeist, † 1691.

Auf Leinwand, in Oel, 222 cm hoch, 116 cm breit.

Die lebensgrosse, stehende Figur hält in der rechten Hand ein Buch, während die linke Hand auf eine aufgeschlagene Bibel, die auf einem Altarpulte liegt, hinweist. Auf der Bibel die Worte:

Leichentext: 1. Cor. 2. V. 2. Ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, ohne allein Jesum Christum den Gekreutzigten.

Inschrift zerstört:

Herr George Fornefeist seel. weyland treuverdienter Pfarrer allhier, ward geboren zu Langen Saltza in Thüringe Ao. 16 . .

Auf dem Speicher des alten Pfarrhauses. Sehr stark beschädigt.

Denkmal des Gottfried Christian Hüniche, † 1721.

Einfacher Stein, 140 cm hoch, 70 cm breit. Bez.:

Allhier ruhet in Gott | der Weyland | Wohl Ehrenveste, Vorachtbare und | Kunsterfahrene | Herr | H. Gottfried Christian Hüniche | welcher | nachdem er die Jungen Küchlein Jesu | unter dessen | Flügel durch treufleissigen Unterricht in der Schule | zu Naunhoff 1 Jahr | zu Bärnsdorff 9 Jahr | und allhier in Reichenberg 30 Jahr | zu versamlen bemühet gewesen, | mit | Frauen Annen Dorotheen geb. Schultzin | in 38jähriger Ehe 2 Söhne und 3 Töchter, | von welchen 2 Söhne und 1 Tochter noch am Leben | erzeuget | und sein Leben zusammen | auff 61 Jahr 9 Monath 3 Wochen 1 Tag gebracht | endlich | selbst durch einen | seeligen Tod zu diesem seinem Erlöser | versam̅elt worden | den 1. Decembris 1721.

Bis vor wenigen Jahren als Fussbodenbelag vor dem nördlichen Eingange, jetzt an der Kirchenmauer beim Aufgang zum Orgelchor aufgestellt.

Bildniss des Gottfried Bruhm(?), † 1729.

Brustbild, auf Leinwand, in Oel, 88 cm hoch, 70 cm breit. Sehr zerstört.

Auf dem Speicher des alten Pfarrhauses.

Denkmal des Gottfried Bruhm, † 1729.

Bronze, 130 cm hoch, 64 cm breit.

Ueber der Tafel eine Sanduhr, zu beiden Seiten Flügel; unter der Tafel ein Todtenkopf mit kreuzweis gelegtem Gebein. Auf der Tafel die Inschrift in einem Oval, von dessen Rande Strahlen ausgehen. Bez.:

Ehren Gedächtniß | Eines Andenckenswürdigen Priesters | Des Weyland | Wohl Ehrwürdigen, Großachtbaren | und Wohlgelahrten Herrn | M. Gottfried Bruhmens | so hier in Reichenberg den Reichthum | Evangelischer Gnade 42 Jahre reichlich geprediget | Seines Amtes mit Freuden treulichst gewartet | und jederzeit exemplarisch gelebet | War in Langebrück d. 8. Aug. 1659 gebohren | Kam den 13. Mart. 1687 hieher in das heilige Predigtamt | verehlichte sich d. 7. Febr. 1693 mit damahls | Jgfr. Catharinen Elisabeth Schmiedin | S. T. Herrn Gottfried Schmiedens | Churfürstlich Sächsischen Zeug Lieutenants und Ober Feuer-Wercksmeisters in Dreßden | Eheleibliche Tochter | Zeugete mit dieser in zufriedener 36jähriger Ehe | eine eintzige Tochter | Starb sanfft und selig d. 24. Januar 1729 | Seines Alters 69 Jahre 19 Wochen und 5 Tage. | Leichen Text 2. Tim. IV. v. 17. 18.

Hinter dem Altar an der südöstlichen Chorwand.

Im Fussboden vor der Bronzetafel der Rest eines Grabsteins mit Bronzestern, ohne Inschrift.

[210] Am unteren Rande des Steines eine jetzt bis auf einige Buchstaben völlig verwitterte Inschrift. An der Südseite der Kirche, aussen.

Denkmal eines kleinen Walpurger, † 1735.

Bronzetafel, 39 cm breit, 29 cm hoch. Bez.:

Nur einen Augenblick lebt ich in dieser Zeit,
Und dieser brachte mich zur selgen Ewigkeit,
Wo ich den Engeln gleich Gott ewig werde sehen,
Ihr Eltern weinet nicht: mir ist ganz wol geschehen.
Dieses setzten ihrem am 9. Jan. 1735 gebohr. | und bald nach der Geburth sel: verstorb:|
Söhnl: zum Andenck: und sich zum Trost | die betrübten und leidtragenden Eltern
M: Joh: Gottlieb Walpurger, und sein Eheweib Johanna Concordia geb: Schueckerin.

Am südöstlichen Strebepfeiler eingelassen.

Denkmal des Johann Siegmund Hilliger, † 1772.

Sandstein, zweitheilig, 2 m breit, 1,40 m hoch, darüber ein Kreuz, 60 cm hoch, 48 cm breit, mit Dornenkranz.

In der Mitte der Platte Wappen: aufrechtstehender Bär, ein Zirkelmaass in den Vorderpranken haltend, dasselbe als Helmzier. Unter dem Kreuze, über die beiden Theile des Monumentes sich hinziehend, ein Band mit der Inschrift:

Sum quod eris fueramque quod es.

Nur die (vom Beschauer) linke Hälfte des Denkmals ist mit Inschrift versehen:

Monument des Königl. Pohl. u. Churf. Sächs. Ober.Stall.Amts.Secretarii Herrn Johann Siegmund Hilligers welcher Ao. 1772 in Gott verschieden wie auch dessen Eheliebsten Frauen Sophien Elisabeth gebohr. Schirmerin so anno 1747 im 53. Jahre ihres Alters seel. verstorben. – Ingleichen deren Sohnes Herrn Johann Siegmund Hilliger. Königl. und Churf. Premierlieutenants vom löbl. Gräfl. Stolbergischen Regiment Infanterie, welcher Ao. 1748 im 29 Jahre die Schuld der Natur beglichen.


Der Kirchhof.

Grabstein von eigenartiger Bildung. Unten eine Art Grotte, in der drei Särge stehen, darum die geflügelte Sanduhr, Schlangen, Eidechsen, Kröten. Darüber ein hoher, reich verzierter Obelisk mit zwei Tafeln. Auf diesen eine nicht mehr leserliche Inschrift. Um 1760.

In einer Thüre an der westlichen und südwestlichen Friedhofsmauer zwei prächtige schmiedeeiserne Gitter aus Rundeisen, vielfach durchgesteckt, aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, 1,80 m hoch, 90 bez. 85 cm breit.

Jetzt im K. Kunstgewerbemuseum zu Dresden.


Die Pfarre

wurde 1887 durch eine neue ersetzt. Es erhielt sich ein Thürgewände mit geradem Sturz am Eingang zum Kirchhof, das um 1615 entstanden sein dürfte.


Das Dorf.

Früher soll am Eingang des Ortes eine Kapelle bestanden haben, da, wo die Bezeichung „Kapelle“ für die daselbst befindlichen Häuser sich erhalten hat.

[211]
Schönborn.

Kirchdorf, 5,1 km nordwestlich von Radeberg.

Die Kirche.
Der Bau.

Kirche (Fig. 223). Das Schiff ein Rechteck mit dem quadratischen Altarraum nach Osten zu. Beide waren ehemals getrennt durch einen spitzbogigen

Fig. 223. Schönborn, Grundriss der Kirche.

Triumphbogen. Sakristei nach Nordosten angebaut, mit einem dem 15. Jahrh. angehörigen Netzgewölbe versehen; an Stelle der Rippen unprofilirte Grate mit tief ausgebildeten Kappen im Sinne des Arnold von Westfalen. Weitere Anbauten nach Norden und Süden gehören der späteren Zeit an.

Das Aeussere sehr schlicht; Beachtung verdienen zwei tiefleibige schmale Rundbogenfenster im Altarraume, die wohl noch der romanischen Bauzeit angehören. An der Ostseite erhielt sich alte Bleiverglasung, einfache runde Butzenscheiben. Nach Osten und Westen zu spitze Giebel. Ueber dem Schiff erhebt sich ein achteckiger, in Schiefer eingedeckter Dachreiter mit geschweifter Haube. Einfache Rundbogenthüren mit kräftiger Umrahmung führen vom Altarhaus zur Sakristei und vom Schiff nach der südlichen Vorhalle. An letzterer Schloss und Beschläge alt, in Renaissanceformen.

[212] Die Kirche wurde im Jahre 1892–93 erneuert, dabei der gothische, spitzbogige Triumphbogen entfernt und ein Stichbogen eingeführt; ausserdem erhöhte man das Altarhaus um eine Stufe. Den alten Taufstein kaufte Bildhauer Rietschel in Radeberg mit verschiedenen Denkmälern.

Fig. 224. Schönborn, Westliche Empore.

Im Schiff eine horizontale Decke auf Unterzug mit sichtbaren Balken und Einschub, beides in flacher Profilirung und neu bemalt. Im Altarhaus ebenfalls eine gerade Decke, die Brettstösse in dieser sind einfach mit Leisten verkleidet. Emporen an der West und Nordseite, erstere kräftig profilirt (Fig. 224), letztere einfacher, flach profilirt, Brüstung durch vertikale Bretter in Felder getheilt.


Kirchenausstattung.

Altar, in Holz geschnitzt, 2 m breit, 3 m hoch, in neuer Zeit übermalt, zwischen einer dorischen Säulenstellung auf Postamenten ein Füllungsfeld, 74:77 cm messend, bemalt in Tempera auf Holz, Christus am Kreuze, seitlich gekreuzigt die Schächer, im Vordergrund links knieen zwei Ritter in voller Rüstung, wohl die Gebrüder Grünrodt, die Hände anbetend erhoben; rechts ein Geistlicher in voller Amtstracht in derselben Stellung, dahinter Kriegsvolk. Ueber den Säulen ein kräftiges Gebälk, im Fries bez.: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Beiderseitig das Grünrodt’sche Wappen über dem Gebälk als Abschluss der Säulen. Dahinter baut sich ein Aufsatz auf, in der Mitte eine im Stichbogen geschlossene Oeffnung, 85:55 cm messend, aufgemalt in Tempera auf Holz, die Himmelfahrt Christi, links drei Frauen, rechts die Wächter. Seitlich Console, die sich nach oben in ein Gebälk verkröpfen, Fries bez.: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Geschwungene Anläufer bilden seitlich und nach oben den Abschluss. Auf den Postamenten rechts modern bez. Karl Graf Brühl, links bez. Else von Krosigk. Dazu die entsprechenden Wappen im Jahre der Renovirung 1893 aufgemalt. Zwischen den Postamenten eine Predella, 17:90 cm messend, in Tempera auf Holz gemalt, die Einsetzung des Abendmahles; sehr handwerklich, bunt und verblichen im Ton. Gemarkt C. B. 1664, in Bezug auf Caspar Böhme, den damaligen Pfarrer.

Die Schnitzerei des Altars ist in den derben Formen der Zeit handwerklich durchgeführt, dasselbe gilt auch von der Malerei.

Altarwand, Holz, auf der Rückseite bez.: Nach den Anno 1653 am Festtage Johannis das Wetter in diese | Kirche geschlagen, solche von Grund verhagelt, aber selbige her | nach wieder aufgebaut und unter das Dach gebracht worden. Un | seren Gott und seiner Kirchen allhier zu Dienst u. Ehren. Ihnen selbst sam̅t den hohen Anverwandten zu unsterblichen Ruhmgedecht | nus dero hochedelgeborne gestrenge u. feste u. wohlmanhafte Herr Cas | par Heinrich von Grünrodt, Churfürstl. Durchl. zu Sachsen bei dero | hohen Leibcompagnie hochansehnlicher Rittmeister u. Cam̅erjunker. | Ingleichen der hochedelgeborne gestrenge u. hochbenannte Herr Ullrich | von Grünrodt Erblehns u. Gerichtsherr auf Seifersdorf, Schönborn, Ottendorf u. Cunnersdorf, Gebrüder, gegenwärtigen Altar aus hoch | adelichen christlichen Gemüth setzen u. malen lassen. Dero christlich | wohlgemeintes Werk Gott in Gnaden gedenken Ihnen allerseits | solches mit langen Leben reichen Segen nebst [213] allen selbsterwünsch | ten hochadelichen Wohlergehen u. dermal eins im ewigen Leben | u. in der Seligkeit aus Gnaden belohnen benebenst hinfüro dieses | Gotteshaus von dergleichen u. anderen Unglück gnädigst behü | ten wolle. Welches nebst seinen lieben anvertrauten Pfarr und | Kirchkindern aus schuldiger Pflicht u. Dankbarkeit wünscht u. seufzet | M. Caspar Böhme der Zeit Prediger u. Seellsorger | allhier | den 13. October 1664.

Kanzel, grösstentheils erneuert. Die kräftige, geschweifte Holzsäule dürfte einem älteren Bau des 18. Jahrhunderts angehören.

Zwei Glocken. Die grosse, 78 cm hoch, 1 m im unteren Durchmesser. Am Halse zwischen zwei Streifen mit Rankenornament bez.:

Anno . 1701 . goss mich Michael . Weinholdt . in Dresden.

Am Mantel bez.:

Soli deo gloria | ierem. XV. 16.
Herr erhalte uns dein Wort | Dasselbe ist unser herzens |
Freude und trost.

Fig. 225. Schönborn. Glockenhenkel.

An den Henkeln sechs männliche Masken wie Fig. 225.

Die kleine, 60 cm hoch, 82 cm im unteren Durchmesser, ähnlich wie die vorige ornamentirt, am Halse bez.:

Anno . 1652 . gos . mich . andreas . heroldt . in. dresden.

Am Mantel bez.:

Nach dem vom Wetter. z. zerschm. | Gloken ist diese . z: von einer löbl. | gemein Schenbrun wid: geschaft | worden.

Sechs männliche Masken an den Henkeln.


Kirchengeräthe.

Abendmahlkelch, Zinn, 145 mm hoch, 100 mm im unteren Durchmesser. Kräftiger glockenförmiger Fuss, kurzer profilirter Stiel, Cuppa halbkreisförmig. Am Fusse bez. G. H. S. S. 1.6.53.

Ohne Marken und Beschau.

Patene, 135 mm im Durchmesser.

Dresdner Beschau und die nebenstehende Marke.

Taufschüssel, Zinn, 35 cm im Durchmesser, einfach, am Rande bez.:

Johann Hoffmann Bürgermeister zu Radeberg vorehret dis der Kirch zu Schönborn
Den 15. Martij . Aō 1663.

Im Boden in sorgfältiger Arbeit eingravirt in kreisförmiger Lorbeerkranzumrahmung: die Taufe im Jordan. Christus steht im Wasser, über ihm segnend Johannes die Hände erhoben, ein Fell bedeckt dessen Körper; oben in Wolken eine Taube, im Hintergrund Jerusalem.

Dresdner Beschau, dazu die nebenstehende Marke.

Abendmahlkelch, Silber, 21 cm hoch, 12 cm im unteren Durchmesser. Mit sechspassigem Fuss und Stiel, rundem Knauf, beiderseitig als Eierstab ausgebildet, dazwischen sechs Rodeln, Cuppa aus neuer Zeit. Am Fusse ein Kreuz in Kreisöffnung gravirt. Der ältere Theil gehört der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an. Ungemarkt.

Patene, Silber, 13 cm im Durchmesser, Kreuz in Kreisöffnung gravirt. Ungemarkt.

Abendmahlkanne, Zinn, 20 cm hoch, 13 cm im unteren Durchmesser.

[214]

Einfach, Bauch cylinderförmig, sich nach oben ein wenig verjüngend. Auf dem Deckel bez.: Die Kirche | zu | Schönborn. | 1751.

Im Deckel Marke unkenntlich. Nebenstehend Beschau.

Zwei Altarleuchter, Zinn, 36 cm hoch, 19 cm im unteren Durchmesser. Sehr kräftiger Fuss, kurzer Stiel, wellenförmig gegliedert, oben tellerförmiger Abschluss mit Dorn.

Seitlich am Fusse gemarkt mit Dresdner Beschau. Marke abgearbeitet.

Die Leuchter sind vor einigen Jahren versilbert worden.


Schönfeld.

Kirchdorf, 13 km östlich von Dresden.

Die Kirche.
Der Bau.

Fig. 226. Schönfeld, Grundriss der Kirche.

Die Kirche (Fig. 226) besteht aus zwei Theilen von verschiedener Zeit: dem Langhause in vier Jochen, an der Nordseite erhielten sich die entsprechenden Strebepfeiler, und dem später angefügten Chor.

Die schlanken Fenster des Langhauses sind gekuppelt, je mit einem Rundbogen abgeschlossen und mit einfachem Fischblasenmaasswerk versehen.

Der Chor gehört der Zeit um 1676 an. Er ist aus fünf unregelmässigen Seiten des Achtecks geschlossen, durch Strebepfeiler nach aussen verstärkt und mit einem Netzgewölbe

Fig. 227. Profil.

überdeckt, dessen Rippen (Fig. 227) Renaissanceprofile zeigen. Diese ruhen auf Consolen von Renaissancebildung (Fig. 228). Die Fenster mit beiderseitiger

Fig. 228. Schönfeld, Rippenconsole.

tiefer Leibung haben ebenfalls gothisirendes Maasswerk, sowie Kehlenprofile, welches wohl theils dem 19. Jahrhundert angehört. Der Chor ist drei Stufen über dem Schiff erhöht.

Der Thurm liegt vor der Westfront nach Norden zu, in einer Flucht mit der Kirche, und ist 1896 mit neuem Obergeschoss und Helm versehen worden.

Ein moderner Vorhallenanbau an der Südseite vom Jahre 1896.

[215]
Kircheneinrichtung.

Altar (Fig. 229). Ueber Postamenten eine Säulenstellung, am Schaft derselben geschlungene Weinranken, seitlich daneben zwei in den Formen rundliche und wenig ausdrucksvolle weibliche Figuren, die linke hält ein Kreuz, die rechte eine Säule. Zwischen den Postamenten in der Predella, 85 : 32 cm messend,

Fig. 229. Schönfeld, Altar.

gemalt in Temperafarben auf Holz, die Geburt Christi. Das Kind liegt in ein Tuch gewickelt, von der Mutter gehalten, links die Hirten, eine Magd mit einer Laterne, nach hinten zu Engel, rechts hinten Maria, Joseph mit der Axt. Der Maler erstrebte starke, vom Kinde ausgehende Lichtwirkung im Sinne der Heiligen Nacht Correggios.

Zwischen den Säulen oben, in sehr willkürlich geschweifter Form abgeschlossen, [216] auf Holz in Temperafarben gemalt, die Einsetzung des Abendmahls. Christus steht oben in der Mitte vom Tische, in der linken Hand den Kelch, die rechte segnend erhoben, links von ihm Petrus, rechts Johannes als Jüngling. An den Langseiten des Tisches je drei weitere Jünger, unten die vier

Fig. 230. Schönfeld, Kanzel.

letzten, darunter Judas Ischariot mit dem Beutel. Seitlich vom Tische je ein Diener; der linke trägt einen Kelch, der rechte eine Schüssel.

Die ganze Handlung spielt sich in einem Raume von grossartiger Renaissancearchitektur ab, seitlich Säulenstellungen, oben eine Cassettenwölbung, links im Fries bez. Jonas Eywigk, Mahler zu Pirna 1658.

Das Bild ist die coloristisch unruhige Arbeit eines Malers, der den niederländischen Romanisten nahe stand, wie sie im 16. Jahrh. sich entwickelt hatten.

[217] Ueber dem mittleren Theile ein Aufbau, seitlich Anfang einer durchbrochenen, geschweiften Verdachung, darauf sitzend beflügelte Figuren mit den Marterwerkzeugen, links Nägel mit Hammer, rechts eine Stange mit einem Schwamm. In der Mitte auf Holz in Temperafarben gemalt: Christus am Kreuze, links Johannes, rechts Maria, am Fusse Magdalena, den Kopf an das Kreuz gelegt, hinter demselben Wolken mit Kindengeln, Kreuz oben bez. Jesvs. Nazarenus rex Judaeorum, oben eine durchbrochene, geschweifte Verdachung, in der Mitte eine Thiermaske, darüber auf niedrigem Postament: Christus mit der Siegesfahne in der linken Hand, die rechte erhoben zum Segen.

Das Ganze ist eine handwerkliche Arbeit.

Im Jahre 1898 wurde der Altar übermalt, wobei der Historienmaler Thörmer in Loschwitz die Bilder auffrischte. Das mittlere Bild ist seit kurzer Zeit wieder gerissen und vom Holzwurm stark beschädigt.

Kanzel (Fig. 230), Sandstein, neu bemalt, von runder Grundform, in der Brüstung Muschelnischen mit Figuren. In der Mitte Christus, beiderseitig je zwei Evangelisten, rechts St. Matthäus und St. Markus, links St. Lukas und St. Johannes, dazu die entsprechenden Attribute. Oben schliesst die Brüstung ein Gebälk ab, im Fries Rankenwerk. Unten bilden kräftige Akanthusblätter den Abschluss in flachgeschweifter Form.

Als Kanzelträger dient eine weibliche Figur, die sich über einer Kartusche aus der Wand entwickelt, im Oval bez. M. M. F. V. L., in Bezug auf Maria Margaretha von Friesen geb. von Lützelburg (geb. 1610), die sich 1647 mit dem Geh. Rath Heinrich von Friesen vermählte und 1680 starb.

Schalldeckel, unterer Theil rund, in Holz geschnitzt, neu bemalt, im Fries Festons mit beflügelten Köpfchen. Auf dem Deckel fünf nackte Kindfiguren mit den Marterwerkzeugen. Den oberen Abschluss bildet über einem achtseitigen Aufsatz Christus der Auferstandene mit der Siegesfahne in der linken Hand, die rechte segnend erhoben. Vier durchbrochene Anläufer vermitteln den Uebergang nach dem Aufsatz.

Fig. 231. Schönfeld, Treppengitter.

Die Durchführung ist handwerklich, die Figuren sind von wenig entwickelten Formen.

Der Aufgang zur Kanzel führt durch eine gerade Thüre, seitlich in der Sandsteinumrahmung Fruchtgehänge, oben ein fein profilirtes Gebälk, im Fries Rankenwerk, oben in einer Kartusche das Wappen derer von Lützelburg, bez. M. M. F. V. L. | 1676, seitlich Anläufer, unten seitlich an der Treppe ein einfaches schmiedeeisernes Gitter (Fig. 231). Alles in Spätrenaissanceformen.

Am Austritt der Kanzel einfache Rundbogenthüre mit Schlussstein, oben und seitlich von dieser Thüre folgende Wappen, dazu bez.:

in der Mitte: Henrich Frey Herr von Friesen.,

links davon: Einsiedelin, Schönbergin, Carlowizin, Taubenheim und Pflugin, Haugwizin, Schönbergin, Endin,

[218] rechts davon: Haugwtzin (?), Maltitzin, Bünauin, Zieglerin, Görschin, Bünauin, Bottfeldinn, Endin.

Bei der Renovation theilweise falsch tingirt.

Taufstein (Fig. 230), Sandstein, neu bemalt, ein postamentartiger Fuss, an den vier Seiten beflügelte Köpfchen, darüber das achtseitige Becken, an den geraden Seiten wieder beflügelte Köpfe, an den verbrochenen Gehänge, darüber auf jedem Felde zwei Wappen, und zwar:

Lützelburg und Galen. Falcke und Klemen. (?)
Haxthausen und Karpffen. Lützelburg und Gandersleben. (?)
Schappler und Leisten. (?) Harstal und Treuchlingen. (?)
Krafft (?) und Giesenberg. (?) Elverfeldt und Koverden.

Die Ornamentik ist ziemlich derb, beim Umbau von 1896 neu übermalt.

Emporen nach drei Seiten in zwei Geschossen auf Säulen, wohl im Jahre 1829 neu in derben klassicistischen Formen eingebaut.

Drei Glocken, im Jahre 1850 von Johann Gotthelf Große gegossen.


Kirchengeräth.

Crucifixus, theils Kupfer, Figuren aus Bronze, vergoldet, 40 cm hoch. Ein Kreuz baut sich über einen in Kupfer getriebenen Hügel auf, davor stehen links Johannes, rechts Maria, je 9 cm hoch. Kreuzarme am Ende ausgeschweift. Der Gekreuzigte ist in der üblichen Stellung dargestellt. Ueber dem Kopfe Schriftstreifen, bez. INRI, erst in späterer Zeit angebracht, früher sass nach Inventarverzeichniss der Kirche ein Bild an dieser Stelle. Am vertikalen Kreuzschafte gravirtes Renaissance-Ornament. Der horizontale Arm ist vorn bez.:

Das blut iesu Christi | macht uns rein von allen sunden. | Johan I.

Unter den Füssen des Gekreuzigten bez. 1513.

Am Fusse des Kreuzes auf einem Postament eine Tafel, bez.:

Der thot | ist verschlun | gen Im Sieg | Gott sey danck | der uns den sieg gibt durch
unsern Herrn Jesum. G. I. Corin. 15.

Das Postament ist bez.: Wo ist dein Stachel.

An der Fussplatte des Hügels bez.:

ich wil sie erlösen aus der hellen und von thod erretten . o . thod ich wil dein gift sein .
hell ich wil dir ein pestilentz sein . hosee . 13.

Die Kreuzesarme sind auf der Rückseite bez.:

also hat got die welt gelibet das er seinen eingebornen son gab . auf das alle die an
in gleuben nicht verlore .

Laut Inventarverzeichniss vom Jahre 1698 war das Ganze mit sechs Diamanten, zwei bunten Steinen und sieben Perlen besetzt, die im siebenjährigen Kriege gestohlen wurden; auf dem Hügel sind noch die Löcher für die Steinfassungen sichtbar. Die Figuren sind sorgfältig durchgeführt, mit grosszügigem Faltenwurf.

Die Datierung auf 1513 ist durchaus unglaubhaft. Sie scheint durch eine Aenderung aus 1613 entstanden zu sein. Dieser Zeit entspricht der Stil des Werkes.

Hostienschachtel, Silber, vergoldet, 95 mm Durchmesser, 56 mm hoch. Einfach, auf dem Deckel von einem Lorbeerkranz abgeschlossen beistehende Wappen [219]

der Friesen und Lützelburg, bez. M. M. V. F. G. V. L., in Bezug auf Maria Margaretha von Friesen geb. von Lützelburg.

Im Boden gemarkt wie der Kelch mit nebenstehender Marke.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 235 mm hoch, 155 mm im unteren Durchmesser, mit sechspassichtem Fuss, der Stiel und der birnförmige Knauf sechstheilig, Cuppa breite Form.
Am Fusse gemarkt wie die Schachtel.
Patene, Silber, vergoldet, 183 mm im Durchmesser, dazu die nebenstehende Marke, eine andere unklar.

Taufschüssel, in Messing getrieben, 46 cm im Durchmesser, mit breitem Rande, darauf geometrisches Muster eingerissen, gebildet durch zwei sich überschneidende Stichbogen. Im Innern im Relief getrieben Josua und Kaleb eine Weintraube auf einer Stange tragend, dahinter ein Hirsch, von dem nur die vordere Hälfte sichtbar ist. Bez. H. S. v. F. 1653 (1658?).

Ob die Schüssel selbst aus dieser Zeit stammt, ist fraglich. Die Bezeichnung bezieht sich unverkennbar auf den Stifter Heinrich Freiherrn von Friesen.

Abendmahlkanne, Silber, schwach vergoldet, 22 cm hoch, 15,5 cm im unteren Durchmesser. Einfach cylindrisch kräftig profilirte Fussplatte, seitlich vertikaler Henkel mit Schild am Ende, Deckel überhöht, an dem Anschluss zum ersteren zwei beflügelte Engelsköpfchen. Auf dem Deckel beistehendes Doppelwappen des Freiherrn von Friesen und der Lützelburg.

Ungemarkt. Der Boden ist erneuert. Die Kanne wurde laut Inventarverzeichniss 1668 der Kirche geschenkt.


Die Gruft.

Gruft unter dem Altarplatze, seit 1829 überbaut, wurde beim Umbau von 1898 geöffnet. Dem Cantor Julius Pabst verdanke ich folgende Aufzeichnungen über den Inhalt der Gruft. Sie enthält 7 Metallsärge, 2 grosse Holzsärge, 1 mit schwarzem Sammt überzogenen Holzsarg, 2 erhaltene Kinder-Holzsärge, 5 zusammengebrochene und 1 grossen zerfallenen Sarg.

Die Metallsärge sind bez.:

  1. Allhier ruht in Gott die in Gott selig entschlaffene hochwohlgebohrne Frau Maria Katharina, Freifrau von Maltzhan, geb. Freiin von Friesen, welche geb. den 19. März 1654, vermehlt den 21. May Anno 1672 in wehrender Ehe gezeuget 4 Kinder als zwey Freylein und 2 Herrlein und in Christo Jesu Ihrem Erlöser verschieden den 9. März 1677, indem sie Alter höher nicht bracht als auf 23 Jahr weniger 10 Tage.
  1. Hier ruhet in Gott der hochwohlgebohrne Herr Herr Heinrich Freiherr von Friesen auf Schönfeld, Putzka, Kraupa, Jessen und Pratzschwitz, weiland Churfürstl. Durchl. zu Sachsen Geheimter Raths Director und Kammerberr. Ward gebohren am 25. Sept. Anno 1610, zum 1. mal vermehlet mit der hochedelgebohrnen Frau Ursulen von Loß, zum 2. mit der hochwohlgebohrnen Frau Marien Margarethen von Lützelburg, starb am 14. Mai 1680 seelig in Christo.

[220]

  1. Die Hochwohlgebohrne Frau Frau Maria Margaretha Freifrau von Friesen, gebohrne von Lützelburg auf Schönfelt, geb. zu Imlingen in Lothringen am 28. Mai 1632, in Jesu selig verstorben am 18. Septbr. Anno 1689.
  2. Allhier ruhet in Gott die Hochwohlgebohrne Frau, Frau Maria Sophia verwittibte Freiin von Reichenbach, gebohrne Gräfin von Friesen, Erb- u. Gerichtsfrau zu Jahnshausen, welche geb. in Dreßden am 23. Juli 1652, verehelicht in Schönfeld im October 1667, verwitbet den 24. Decbr. gedachten Jahres und in Christo selig entschlaffen in Jahnshausen den 13. Juny 1718 früh 6 Uhr Ihres Alters 66 Jahr weniger 6 Wochen.
  3. Christiana Eleonora verwitibte Gräffin von Stollberg, gebohrne Freiin von Friesen, war gebohren 1659 den 7. September nachts zwischen 12 und 1 Uhr, starb seelig zu Königsbrück den 21. September früh umb 3. Uhr.
  4. Hier ruht die Hochgebohrne Frau Frau Augusta Constantia Gräfin von Friesen. Ihrer Königl. Majestät in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachsen Herrn Friedrich Augusti mit Frauen Annen Constantien, Gräfin von Kossel, einer gebornen von Brockdorff, erzeugte, während den Reichsvicariat Anno 1711 legitimirte natürliche Tochter. Ward gebohren den 2. Februarii 1707 in Dreßden, verehelichte sich mit dem hochgebohrnen Herrn Heinrich Friedrichen Grafen von Friesen Höchstgedachter Ihrer Königl. Majestät Geheimen Cabinetsministers u. Ober-Cammerherrn den 25. Juni 1725 und starb, nachdem sie mit selbigen zwei Söhne, nahmentlich August Heinrichen und Friedrichen, Grafen von Friesen erzeugt den 4. Februar 1728 in Dresden ihres Alters 20 Jahre 2 Tage.
  5. . . . . . . . . . . . . Frau Henriette Amalia, gebohrne Gräffin von Friesen, Herrn Heinrich VI. ältern Reussen Graffens und Herrn zu Plauen, Greiz, Schleiz, Gera und Lobenstein u. Königl. Maj. von Pohlen und Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen Generalfeldmarschall und geheimten Kriegsrats hinterlassene Frau Wittbe, Sie ward gebohren zu Dresden anno 1668 den 19. März, vermehlt anno 1691, zeugte in ihrer beglückten Ehe drey Kinder, erlebte vier Enkel, starb zu großen Leidwesen Dero hohen Familie, aller auchund jeder Hohen und Niedrigen des Landes nach kurzer Niederlage im Bade Gießhübel den 2. August 1732 Ihres wohlgeführten Lebensalters 64 Jahr 2 Monate und 17 Tage.

Der Anfang ist zerstört. Auf dem Sarge stand in einer vom Roste zerfressenen Blechkapsel ein in gelbbraune Seide eingenähtes Herz, das einem zu Paris im Duell gefallenen von Friesen entnommen und auf den Sarg der Mutter gebracht wurde.

Von den Holzsärgen war nur einer bez.:

Rosamunda Juliana von der Aßeburg ein Muster aller Gottseligkeit und Tugend, welche
in Dreßden entschlaffen im Jahr Christi 1712 den IIX. Novembris.

Der Zugang ist jetzt gänzlich vermauert, an der Ostseite vom Chor unten ein Fenster.


Denkmäler.

Denkstein (Fig. 232), Sandstein, 150 : 54 cm messend, verziert mit einer Zeichnung in leicht erhabenem Relief. Unten ein Halbkreis, aus dem ein schlankes Kreuz hervorwächst, in den Kreuzwinkeln Lilien. Zu beiden Seiten des unteren Kreuzarmes über herabhängenden Lilien zwei kleinere Kreuze.

Der Stein war bis 1896 als Thürpfosten verwendet und zeigt demgemäss an der rechten Seite eine Abfasung. Er ist jetzt an der Südseite der Kirche aufgestellt.

Er dürfte dem 12. Jahrh. angehören und ursprünglich ein Grabstein gewesen sein.

Bildniss des Pfarrers Christian Martini.

Auf Leinwand, in Oel, 74 : 92 cm messend. Bruststück.

[221] Der in Amtstracht Dargestellte legt die Rechte auf die Brust, hält in der Linken ein Buch. Der derbe Kopf unter schwerer Lockenperücke. Seitlich oben zwei grüne Vorhänge. Vielfach beschädigt. Seitlich bez.:

Christianus Martini. | Grünhaina – Mißn. | h. t. Past. Schönfeld. | Natus. d. 17. Maiy. Ao. 1663.

Jetzt auf dem Boden der Pfarre.

Denkmal des Pfarrers Christian Martini der Aeltere, † 1725 und seiner Frau.

Fig. 232. Schönfeld, Denkstein.

Sandstein, 115 cm breit, 200 cm hoch, einfache Platte mit zwei langgezogenen Tafeln, oben eine Verdachung darüber. Inschrift stark zerstört; es ergab sich:

Christian Martini 1663 geb. d. 12. May. 1699 nach Schönfeld berufen 1725 gestorben.

Am Strebepfeiler nach Süden zu aufgestellt.

Denkmal des Pfarrers Carl Friedrich Peck, † 1738 (?).

Sandstein, 210 cm hoch, 120 cm breit.

Ueber einem nach unten sich verjüngenden Unterbau eine Tafel mit der Inschrift, seitlich unten zwei Kinder auf Voluten sitzend, oben eine geschweifte Verdachung, darüber liegen zwei beflügelte Figuren, in der Mitte ein Kreuz in Wolken, von beiden gehalten; die linke Figur hält ausserdem eine Schale, die rechte einen Kelch. Aus der Inschrift geht hervor:

Carl Friedrich Peck 1679 geboren, 1726 nach Schönfeld berufen, am 20. Juni 1738 gestorben.

Das Denkmal steht an der Südseite der Kirche. Inschrift theils zerstört. In handwerklichen Barockformen.

Denkmal des Pfarrers Christian Sigismund Martini, † 1741.

Sandstein. Einfach, oben eine geschweifte Verdachung, seitlich Anläufer, bez.:

M. Christian Sigismund Martini, 1695 am 12. Aug. geb., 1739 nach Schönfeld berufen, gestorben am 23. Feb. 1741.

An der Kirche nach Süden zu aufgestellt, bis auf die Inschrift gut erhalten.

Denkmal des Pfarrers Heinrich Blümner.

Sandstein, 120 cm breit, 210 cm hoch.

Einfacher rechteckiger Stein, oben eine Verdachung, auf einer Tafel die Inschrift, der untere Theil gänzlich zerstört, aus der Bezeichnung geht hervor:

Herr Heinrich Blumner geb. zu Sangerhausen d. 7. Martiy 1655, gestorben . . . . 

An der Südseite der Kirche aufgestellt, sehr verwittert.

Denkmal der Frau Justina Maria . . . . . . . . .

Sandstein, 1 m breit, 2,20 m hoch.

Der untere Theil postamentartig, seitlich durch Anläufe begrenzt, darüber eine Kartusche mit der Inschrift, seitlich ebenso abgeschlossen, oben ein Aufsatz, Wolkenhimmel mit Engelsköpfchen, davor der Gekreuzigte. Ein Arm zeigt aus [222] den Wolken nach ihm. Die Inschrift ist theilweise abgeschlagen, unter Anderem bez.:

Frau Justina Maria Sch . . . . . gebohrnen Böttigerin 3. Nov. 1678 geb. den 1. Ehestand d. 12. Jan. 1695 angefangen mit Jacob Christian . . . . . . . Doctore Medicinae. lebte in 2. Ehe mit . . . . . . . Amtmann in Schönfeld.

Aeusserlich an der Westseite aufgestellt, in derben Barockformen.

Fig. 233. Schönfeld, Grabkreuz.

Grabkreuz (Fig. 233), in Schmiedeeisen, 155 cm hoch, 75 cm breit. In feiner Durchbildung der in Stabeisen hergestellten Füllung. Auf dem Hauptkreuze einige Rosen, darüber ein Halbkreisdach aus Eisenblech. Unten ein Kasten für die nur theilweise lesbare Inschrift, bez.:

Frau Eva Regina H . . . . . Joh. Gottfr. Henters(?) Auszugsbauers in Weißig Ehefrau geb. Hantsche aus Ulbersdorf Sie ist . . . . den 25. M . . . . . . 77 Starb d. Juli . . . .


Lese ich recht: 1835.

Jetzt in der Sammlung des K. S. Alterthumsvereins zu Dresden, Nr. 457 c.

Vergl. Flechsig a. a. O. S. 56 b.

Grabkreuz, 177 cm hoch, 78 cm breit, von ähnlicher Ausführung als das vorige, die Schrift im Kasten nicht mehr lesbar, aber sicher aus dem 19. Jahrh. Vielleicht aber wurde das Kreuz zum zweiten Male benutzt. In der Spitze ein Monogramm aus G W.

Ebendaselbst Nr. 457 b.

In der Friedhofsmauer an der Ostseite nach der Strasse zu sind zwei Sandsteinkreuze mit vermauert, von denen das linke grössere, dessen Kreuzarme nach aussen breiter werden, als frühere Giebelbekrönung erscheint; das andere ist wohl ein Grabkreuz.


Das Schloss.

Das Schloss (Fig. 234, 235, und 236) ist eine einheitliche Schöpfung. Die Entstehungszeit wird am rundbogigen Thore (Fig. 237), vorn im Treppenthurm, durch ein Ehewappen des Geheimen Raths und Kammerraths Dr. Georg Cracow und seiner zweiten Gemahlin Christine Dorothea geb. Funcke erkennbar. Es ist dies bezeichnet mit der Jahreszahl 1573. Danach ist es nicht wahrscheinlich, dass das Schloss für Hans Dehn-Rothfelser errichtet wurde, der das Gut seit 1556 besass und 1561 starb. Auch dessen Erben dürften nicht als Erbauer anzusehen sein. Auch Cracow vollendete das Schloss nicht. Bekanntlich wurde er im April 1574 infolge der cryptokalvinistischen Wirren in Haft genommen und starb am 17. März 1575 in der Pleissenburg zu Leipzig. Das Schloss kam nunmehr in den Besitz seiner Wittwe. Auf diese

[223]

Fig. 234–236. Schönfeld, Schloss, Grundrisse der drei Geschosse.

[224] deutet wohl das im Erdgeschosse an die Wand gemalte Wappen, das bezeichnet ist mit ihrem Monogramm C. D. C. 1577. Das Wappen am Kamin in der Vorhalle des ersten Obergeschosses ist moderne Nachbildung. In der Deckenmalerei (Fig. 238) ist das Wappen der wenig bekannten, angeblich dem Erfurter Patriziat

Fig. 237. Schönfeld, Thor im Treppenthurm.

angehörenden Familie Grieben angebracht. Vielleicht hat es auch Bezug auf den kursächsischen Kammermeister Georg Schilling, der 1585 das Gut von den Cracowschen Erben kaufte.

Das Schloss (Fig. 239) steht auf einer Insel inmitten eines ansehnlichen Teiches und ist über eine Brücke von zwei breiten und einem schmalen Joche nach Westen zu zugängig. An der Rückseite stellt eine zweijochige Brücke die Verbindung [225] nach dem Gottesacker und der Kirche her. Vom Wasser ist dieser Theil freigelegt worden.

Das Aeussere am Baue ist wenig geändert worden. Einige Fenster wurden erweitert und im Jahre 1901 eine Veranda an der südlichen Schmalseite angebaut. Das Gebäude besteht aus drei Geschossen und Dachausbau an den Langseiten, an den Schmalseiten aus vier Geschossen. Das vierte Geschoss baut sich

Fig. 238. Schönfeld, Schloss, Deckenmalerei.

an den Langseiten in zweiachsigen Giebeln auf, wodurch dieselben den Charakter als Stirnseiten von Flügelbauten erhalten. Schlichte Renaissancegiebel im Sinne des Kanzleihauses in Dresden.

An der vorderen Seite tritt hierzu noch der Mittelbau mit dem in drei Seiten des Sechsecks begrenzten Thurme, der über der Höhe des vierten Stockes noch zwei Geschosse hoch kreisförmig ausgebildet ist. Seitlich legen sich Halbgiebel, daran. Auf dem rechten von diesem steht noch ein kleiner Landsknecht, in [226] Sandstein, etwa 1 m hoch. Aehnliche Figuren mögen früher mehrfach angebracht gewesen sein. An den Ecken des durchweg geputzten Baues Ortsteine in Putz. Die Fenstergewände mit schlichten Fasen.

Die rückwärtige Langseite (Fig. 240) wird durch zwei seitliche und einen mittleren kräftigeren Giebel belebt, sämmtlich von schlichter Dreiecksform.

Die oben erwähnte rundbogige Hausthüre (Fig. 237) in dem Thurme zeigt eine einfache Renaissance-Architektur mit einer von Voluten gestützten Bekrönung. In dieser die oben bezeichneten Wappen und die Jahreszahl 1573. Die Thüre ist gemarkt mit nebenstehendem Steinmetzzeichen

An den Fenstern einfache schmiedeeiserne Gitter mit durchgesteckten Ringen

Fig. 239. Schönfeld, Schloss.

oder Herzen. Die hintere Thüre ist einfach im Rundbogen geschlossen, mit Fase versehen und wie beistehend bez. 1574. Darunter bez. Renoviert 1856.

Der Grundriss zeigt eine symmetrische Anlage. In der Mitte der zur Hälfte nach Westen zu vorgelegte stattliche sechsseitige Treppenthurm vor dem rechteckig begrenzten Bau. An den Schmalseiten der südöstlichen und nordöstlichen Ecke ein schmaler Vorbau wohl für Abortanlagen. In der Mitte der Hinterfront östlich eine weitere dreiachsige Vorlage mit einem Wendelstein zur Seite.

[227]
Das Innere.

In jedem Geschoss ist eine Vorhalle angeordnet, in die der Treppenthurm zur Hälfte eingebaut erscheint. Im ersten, zweiten und dritten Obergeschoss ist mit diesem ein Mittelgang verbunden, um die die Zimmer sich gruppiren. Oft wird dieser Mittelgang mit zu den Räumen gezogen. Im 17. Jahrhundert wurden in vielen Räumen Stuckdecken unter den alten Balkendecken angebracht, von denen jedoch der jetzige Besitzer, Generalconsul Alfred Gutmann, die meisten wieder entfernen liess. Es erschienen wieder die alten gemalten Balkendecken,

Fig. 240. Schönfeld, Schloss, rückwärtige Ansicht.

die sich fast durchweg in vorzüglichem Zustande erhielten. Mehrfach sind neue Wände und Raumabtheilungen eingezogen worden.

Das Erdgeschoss (Fig. 234) ist grösstentheils mit einfachen Kreuzkappen überwölbt. Stellenweise finden sich dreieckförmige geputzte Grate, so in der Vorhalle. Mit Holzdecke versehen ist nur der nordwestliche Eckraum. Er hat sichtbare Balken, deren Zwischenräume durch Leisten in quadratische Felder getheilt sind. An der Thüre dasselbe Steinmetzzeichen wie am Thore (Seite 226). Ueber der Thüre eine alte Wandmalerei in bräunlichem Ton (Taf. XI). In dem Kranz in der Mitte das Wappen der Wittwe Cracows. In dem mittleren hinteren Raume bei A eine sehr derbe Säule (Fig. 241). Eine gleiche Säule wurde bei [228] dem Umbau im Jahre 1896 zur Stütze des Obergeschosses eingefügt. In der Vorhalle wurden Reste von Fresken der Thüre gegenüber gefunden: ein Thorwärter in Landsknechtstracht, lebensgross. Seitlich Spuren alter Bemalung. Beides sorgfältig bewahrt.

Fig. 241. Schönfeld, Säule.

Die südliche Seite des Erdgeschosses ist zu Gefängnissen umgebaut worden. Bei B eine schlicht gefaste Thüre (Fig. 242). Die Säule bei C ist vermauert. Sie ist 2,40 m hoch und eigenartig schwülstig profilirt. Das Kapitäl besteht aus einer quadratischen Platte, darunter zweimal abwechselnd aus Wulst, Platte und Kehle. Unter einem Fries ein Architrav aus Wulst, Platte und Flachkehle bestehend. Der Säulenschaft verjüngt sich stark nach oben zu. Die Basis besteht aus ähnlichen Profilen wie das Kopfgesims.

Im ersten Obergeschoss (Fig. 235) erhielten sich in den meisten Räumen die alten Decken. Zwischen den vorstehenden Balken sind quadratische rechteckige Felder durch 15 cm breite, einfache, profilirte Bretter gebildet, in denen verschiedene Muster aufgemalt sind. In den Räumen, mit D bezeichnet, treten Flötner’sche Motive auf (Fig. 238); es ist durch sie Intarsia nachgeahmt: Auf gelbem Grunde schwarzes, symmetrisch und gleichartig durchgeführtes, von der Mitte aus entwickeltes Ornament. Auf dem einen Felde das oben erwähnte Wappen der Grieben, bez. 1577.

Fig. 242. Schönfeld, Schloss, Thüre.

In der Vorhalle und dem Corridor sind in quadratische Felder achteckige, mit Früchten bemalte Felder eingeschoben. Im grossen Raum vor der Halle länglich rechteckige Felder, mit auf weissem Grunde freihändig aufgemalten Formen. Ein schmaler Theil nach der Halle zu wurde im Jahre 1896 durch zwei Joche über einer Säule eingewölbt, weshalb sich die im Untergeschoss erwähnte zweite Säule nöthig machte. Bei E quadratische Felder, in denen sich das Muster von einer Blume im Mittelpunkte aus oder von einem Diamantquader nach zwei Seiten gleichartig entwickelt, in rothbraunem Ton marmorartig.
In der Vorhalle und dem grossen mittleren Raume ein schlicht gebildeter Kamin (Taf. X) mit einem kräftigen, nach klassischer Regel nicht ganz correct gebildeten Abschlussgesims über den in der Linie etwas leeren Consolen. Auf dem Kamin beistehendes Meisterzeichen.

Im zweiten Obergeschoss sind auf der Decke des Vorraumes etwas schwere, sich wiederholende, schablonirte, von der Mitte aus gebildete Muster auf weissem Grunde aufgemalt.

[Bild]

Schloss Schönfeld, Zimmer im I. Obergeschoss. (Taf. X)

[(-)]

[Bild]

Schloss Schönfeld, Wandmalerei im Erdgeschoss. (Taf. XI)

[(-)] [229] Bei F in den Feldern freies Rankenwerk in weissblauem Ton mit schwarzer Contour.

Bei G auf weissem Grunde Rankenwerk von überraschender Feinheit und Weichheit im Ton (Fig. 243).

Fig. 243. Schönfeld, Schloss, Decke im zweiten Obergeschoss.

Bei H dieselbe Art auf weissem Grunde rothbraun abgesetzt.

Bei J in denselben Farben mehr von symmetrischer Art. Das Ornament legt sich um einen in der Mitte sitzenden Kopf.

Alle diese Malereien sind noch gut erhalten und bei der Restaurirung sorgfältig behandelt worden.

Das dritte Obergeschoss zeigt, soweit die Räume zugängig waren, Putzdecken.

[230] Die Kunstschätze, die das Schloss beherbergt, sind ausnahmelos vom jetzigen Besitzer dorthin gebracht worden, entziehen sich also der Inventarisirung an dieser Stelle.


Rittergut.

Wohnhaus des Inspectors in Verbindung mit dem Stallgebäude nach Nordwesten zu gelegen, bestehend aus Erd- und Obergeschoss. Die unteren Räume des ersteren sind grösstentheils mit Kreuzkappen eingewölbt, unter Zuhilfenahme von quadratischen Pfeilern mit Halsglied, eine kräftige Platte mit Hohlkehle. Die Ecken am Schafte des Pfeilers sind abgefast. Ein Fussgesims fehlt.

Im Stallgebäude, einer dreischiffigen Anlage, treten dieselben Pfeiler auf. In der Mitte ein schmäleres Schiff für den Gang; die seitlichen, etwa doppelt so tief ausgebildet, für das Vieh. Die einzelnen Joche sind durch Kreuzkappen eingewölbt ohne sichtbare Gurtbögen.

Das Aeussere ganz schlicht, die Fenster mit einfacher, vorstehender Umrahmung. An der südöstlichen Ecke eine Sonnenuhr. Eine quadratische Holztafel mit der Stundenskala. Oben links bez. Sibilabi- | tur. | aetas.

Unten rechts bez. erectū | Aō 1670. | Renov. 1807 u. 1862.

Auf einer Scheune eine Wetterfahne bez.: H. F. V. F. | 1660. Mit Bezug auf Heinrich Freiherrn von Friesen.


Seifersdorf.

Kirchdorf, 5,8 km nordnordwestlich von Radeberg.

Die Kirche.
Der Bau.

Die jetzige Kirche ist laut Urkunde im Thurmknopfe einheitlich im Jahre 1604 „von Grund auf neu zu erbauen angefangen worden samt einem schönen Altar, Taufstein, Predigtstuhl, Por-Kirchen, Stühlen und andern Stücken darin gehörig, gezieret, von dem Edlen, Gestrengen und Ehrenvesten Wolf Dietrichen von Grünrod, Erb und Lehnherrn allhier zu Seifersdorf. Während des Kirchbaues am 21. Sept. 1604 stürzte der Thurm, der über 25 Ellen hoch über das Dach auferbauet gewesen ist, durch Verwarlosung eines Schwibbogens ein und schlug das halbe neu auferbaute Dach samt einen gewölbtem Chor und einem Stück Mauer darnieder, wodurch sich die Bauzeit bis 1605 verzögerte“.

Die Kirche (Fig. 244), im Grundriss ein langgezogenes Rechteck von drei Jochen, nach Osten zu ein weiteres Joch in drei Seiten des Achtecks abgeschlossen. An das dritte Joch der Südseite ist der Thurm angebaut. Ein Wendelstein schliesst sich nach Osten zu an. An den Achteckseiten des Chores vier Strebepfeiler, zwei übereckgestellte an den Thurmecken, ein dritter zwischen dem ersten und zweiten Joche der Südseite. Nach Norden zu finden sich noch zwei weitere Pfeiler.

Das Aeussere wurde im Jahre 1892 vom Baurath Schramm umgebaut, wobei die westliche Vorhalle mit den Treppen, der Anbau um den Wendelstein und die Heizanlage nach Norden zu entstanden. Bei letzterer wurde das Fenster im dritten Joch mit versetzt. Ausserdem legte man unter den Emporen südlich und [231] nördlich im ersten und zweiten Joch Fenster an, wobei die oberen entsprechend verändert wurden.

In Sachsens Kirchen-Galerie Bd. 7, S. 2 und 3 ist eine Abbildung der Kirche, nach der der Hauptzugang nicht von Westen, sondern im ersten Joch der Südseite erfolgt.

Der Thurm, unten quadratisch, nimmt oben Achteckform an. Er endet in einer geschweiften Renaissancehaube mit Laterne darüber.

Die Fenster sind auch im Jahre 1892 verändert worden; alte Formen finden sich an ihnen nicht mehr vor.

Fig. 244. Seifersdorf, Grundriss der Kirche.

Das Innere ist einheitlich eingewölbt mit aufgeputzten, etwa 8 cm vorstehenden Rippen von Dreiecksform, welche sich auch im Untergeschoss des Thurmes, der Sakristei, vorfinden. Ueber der Sakristei die herrschaftliche Betstube. Von der alten Empore, die mit Sprüchen bemalt war, hat sich nichts erhalten; dasselbe gilt vom Gestühl und der Orgel.


Kirchenausstattung.

Altar (Taf. XII), Sandstein und Holz, bemalt, 4,20 m breit, etwa 5,50 m hoch. In der 70 cm hohen und 1 m breiten Predella ein Relief aus Sandstein: die Einsetzung des Abendmahls. Christus in der Mitte, rechts von ihm sitzen sechs Jünger am Tische, ein siebenter steht seitlich, im Vollbart, an der Seite eine Tasche. Links sechs Jünger, sämmtlich in Vollbärten und langen Gewändern. Dem Herrn gegenüber Judas Ischariot, in der linken Hand den Geldbeutel, Christus reicht ihm das Brot. Beiderseitig seitlich Säulenstellungen, darüber ein flaches Gewölbe. Seitlich von der Predella Postamente mit von Rollwerk umgebenen Kartuschen, diese auf blauem Grunde in Goldschrift bez.:

rechts:

Christus | luc. 18. cap. | Was bey dem me | nschen unmuglich ist, das ist bei got muglich. | Esaias. 44. cap. | Weh dem, der m | it seinem schipf | fer hadert alle | die ihm widerstehn musen zu schandn | werdn.

links

Psal. 33. | Des herren wo | rt ist warhaff | tig und was er | zusagt dass | helt er gew | iss, so er sp | richt so ges | chichts, so er | gebeut, so st | ehets da.

Ueber den Postamenten eine Säulenstellung mit Compositkapitäl, darüber kräftiges Gebälk im Fries; über den Säulen links das Wappen der Loß, rechts der Grünrod, an dem Säulenschaft folgende durch Inschrift erläuterte Wappen in Holz:

links: Bernstein, Leutsch, Karres, Plausigk, Pflug, Münster, Schleinitz.

rechts: Schönberg, Greiffogel, Hirsffelt, Luppa, Kauffung, Schenk v. Tauinberk, Marschalck.

[232] Zwischen den Säulen in einer nischenartigen Vertiefung knieet rechts der Verstorbene, Dietrich von Grünrod, die Hände gefaltet, in voller Rüstung. Der von Vollbart umrahmte Kopf ist nach oben auf einen rechts angebrachten Crucifixus gerichtet. Das Kreuz ist aus Holz, 56 cm hoch, Christus aus Alabaster. Am Fusse des Kreuzes der Helm mit roth und weissem Federbusch. Oben rechts eine Holzkartusche, bez.:

Anno 1603, den 26. martz vorstarb der Dalb (?), gestrenge und Chrundtfeste Ditach
von Grü | nrodt zu Dresten Seelich und wardt her | nach den 4. April alhir ehrlich
zur erden | Bestatedt | Sein altterß 82 Jahr den Gott gnade, | Daß blut Jhesu Christi
Reinigde uns von alle Sünde | 1. Johanis 1.

Die bisher geschilderten, zumeist in Sandstein ausgeführten Theile entsprechen der Form eines Grabmales des letzten Viertels des 16. Jahrhunderts. Die nunmehr zu beschreibenden Theile dürften einer 1604 geschaffenen Erweiterung angehören.

Der obere Abschluss der mittleren Nische ist stichbogenförmig und trägt die Wappen der Grünrod, Loß und Schönberg, darunter seitlich je ein Fruchtgehänge. Ueber den Säulen zwei Engelsfiguren in sehr bewegtem Gewande, Arme erhoben. Ohne Embleme.

Seitlich links nach Art der Altarflügel ein Bild in Tempera auf Holz gemalt, 1 m breit, 1,80 m hoch. Dargestellt sind die männlichen Nachkommen, des Dietrich von Grünrod, alle knieend, die Hände gefaltet erhoben; im Vordergrunde die älteren, Gesicht durch Schnurrbart und Kinnbart begrenzt; weiter hinten zwei jüngere in rother Schärpe, davor unten die jüngsten auf einer stufenartigen Erhöhung, bez.:

sint Wolf Ditrich | v. Grunrat sone, Ditrich, Wolf Ditrich, Hans, Heinrich, Caspar.

Im Hintergrunde das Innere einer Kirche in grossartiger Pfeilerarchitektur, im Fries unter den entsprechenden älteren Figuren bez.:

Jochim Heinrich
von Grunrat
Wolf Diterich
von Grunrat
Melchor v. Grunrat sint vor dem vater gestorben.
Hans v. Grunrat
Ulrich v. Grunrat

Ueber dem Bilde ein Holzgebälk, darüber eine kräftige Volute, auf der eine Kindfigur sitzt, die in der rechten Hand ein Feston hält. Der untere Abschluss ist consolartig. Vor einer Volute ist ein beflügeltes Engelsköpfchen angebracht, weiter links eine kartuschenartig begrenzte Tafel auf grünem Grunde, mit Goldschrift bez.:

Dieses altar haben zum christli | chn gedechtnis ihres Gotseeligen Vatters die
Gestrenge | e Joachim Heinrich und | Wolff Dieterich, gebruder von Grun | rad, zum
zeugnis ihrs Christn | thumbs in erinnerung ihrer | sterblihkeit, und standhafftr |
bekennung, bis an ihr seeliges | end, der augspurgischen unverendrden confession erbaut.
16 – 04.

Rechts vom Mittelbau ein gleiches Bild wie auf der rechten Seite, auf Holz in Temperafarben, die Grünrod’schen Frauen und weiblichen Nachkommen Dietrichs, knieend in zwei Reihen, die vier älteren oben, die fünf jüngeren davor, die Hände gefaltet, mit grosser Halskrause. Unten auf einem Trittbrett bez.:

Sabin, Brigitte, Barbar, Sabina, Angnise sint Wolf Diterich von Grunrat docter.

Die zweite, dritte und fünfte in rothem Kleide, die erste und vierte in schwarzem Kleide, durch ein rothes Kreuz über den gefalteten Händen als bereits verstorben gekennzeichnet. Im Hintergrunde am Fries der Pfeiler bez.:

frau Barbara von Los | frau Monica von Seumbire (Schönberg).

[Bild]

Seifersdorf, Kirche, Altar. (Taf. XII)

[(-)] [233] In schwarzen Gewändern mit weisser Kopfhaube, unten am Knie die entsprechenden Wappen aufgemalt. Weiter links die Frauen von Joachim Heinrich und Wolf Dietrich bez.: frau Sibilla von Schönfelt. | frau Sabina von Schönfelt. Jede in rothem Unterkleide, schwarz und grünem Ueberwurf, in dem Haar ein reifenförmiges Schapel.

Die Malerei, Gruppirung und Haltung der einzelnen Figuren ist zwar sorgfältig, doch schematisch; der Gesichtsausdruck ist ohne tiefere Beseelung.

In der Mitte über der Nische ein Steingebälk, darüber in Renaissanceumrahmung mit seitlichen Anläufen und Gebälk auf Holz in Temperafarben ein Bild: die Grablegung Christi, etwa 1 m breit, 70 cm hoch. Drei Männer legen den Herrn in einen Steinsarg, rechts dahinter Maria und Magdalena.

Den obersten Abschluss bildet die in Holz geschnitzte Figur des Heilands, in der linken Hand die Kugel mit dem Kreuze, die rechte segnend erhoben.

Der stattliche Altar, bei dem Holz und Stein nebeneinander verwendet worden sind, entstand wohl in der Weise, dass ein 1595 gefertigtes Grabdenkmal in Sandstein durch dessen Erben als Altar ausgebaut wurde. Daher würde sich die Verschiedenartigkeit in der Behandlung der Einzelheiten und die Unregelmässigkeit in der Verwendung der Materialien erklären. Das Denkmal gehört der Schule des Hans Walther, die spätere Hinzufügung einem der Manieristen des beginnenden 17. Jahrhunderts an. Der Altar wurde 1892 renovirt.

Auf der Rückseite links bez.:

Auf dieser Tafel sind zu schauen | die edln Frauen und Jungfrauen | Nemlich Frau Barbara von Loß | Dittrich Grünradts erst ehegenoß, | Auch Frau Monick von Schönberg | geb. zum andern ehegemahl auserkoren | Die dritt Sibilla von Schönfeld ist Joachim Heinrich von Grünradt vermählt | Die viert Frau Sabina mit Nahm von Schönfeld aus dem alten Stamm | Ist Wolff Dittrich von Grünradt gemahl, bei welcher stehen Jrer (?) Zahl | Fünf Töchter abgemalet | fein, die erste hieß Sabinelein, | welche in ihrer Jugend zart, von Gott hinweggerufen ward | Die andr Brigitt, die dritt Barbra, die vierte so auch hieß Sabina. | In der Jugend ihr Leben ließ, drauf folgt die fünft so hieß Agnes | Gott woll ihn all aus gnaden geben nach dieser welt das ewge leben.

Rückseite rechts bez.:

An dieser Tafel sind abgemalt die von Grünradt bey Jung und alt | Alls nemlich Johann Heinrich, dazu sein bruder Wolff Dittrich. | Auch Melchior, Hans und Ulrich fein, so Dittrich von Grünradt Söhne sein. | Dabei auch abgemahlet stehn Wolff Dittrich fünff eheliche Söhn. | Die er in seinen ehestand fein, erzeuget mit der frauen sein. | Der ältsten so Dittrich genannt, Nam Gott der herr bald in sein hand | Der andre aber Wolff Dittrich, dazu auch Hannß und Heinerich | So wol auch Caspar, sind noch am leben Gott wol Ihn gnad und segen geb | Das sie fest halten an Gotteswort, so gelehret wird an diesen ort | Und endlich dadurch selig werden wen sie abscheidn von dieser erden | Dessen zum wahren gezeugniß ist aufgericht ein schön begräbniß | Darinnen sie nach ihren absterben Christlich wollen begraben werden.

Rückseite in der Mitte bez. oben:

Ich bin die aufferstehung undt das leben | wer an mich gleubet der würdt leben | ob er gleich stürbe. Undt wer da lebt undt glaubt ahn mich | der wird nimmermehr sterben. | Joh. XI.

Darunter eine Inschrift, die nur teilweise lesbar ist. Sie ist hier nach Königs Adelshistorie I, 444 ergänzt wiedergegeben.

Vita nobilis & strenui viri Theodorici | a Grunradt Senioris verendi. | (So war, wie hier ist abgemahlt,) | Der alte Edle von Grünradt.

1521. Da Er vor 74 Jahren | Auff diese Welt gebohren war. | (Zu Bornitz in dem Meißner Land) | Ward er alsbald ausgesandt, | (Von seinen Eltern, da) nunmehr | Er hat erreicht das 10. Jahr, | (An Hertzog Heinrichs zu Freyberg Hoff,)

1530. Da er in die 8 Jahr verzog. | (Inmittelst Er angefangen) hat, | Die Post zu reiten nach des Kaysers Hoff, | (Daselbst er ist sehr lieb gewonnen) | Von Stallmeister, welches ihm bracht Frommen, | (Weil er durch seine Beförderung), | Zum Obristen ist in Frankreich kommen, | (Da er wahrlich gantzer 8 Jahr,) | In stetigen Krieg und viel Gefahr.

[234] (1542. Gewesen ist, gleichwohl doch noch) | Drei Sprachen drin gelernet auch | (Die Er denn schon hat fein) verstanden, | Wie Hertzog Moriz dan ist kommen. | (Von dann von Käyser Carln Er) ward

1543. Zum Hartschierer gefordert ab, | Denn er denn gleichfalls nach Vermögen |

1546. Beygewohnet, in Schmalkaldischen Zügen, | (Wie er nun 2 Jahr bey ihm hat) Gediehnet, Er sein Abschied bath, |

1548. (Bald wieder ward) gefordert (hin) | Von Marggraf Hannßen nach Küstrin | (Bey dem Er, bis verlieffen 5. Jahr) | In Dienst, und mit für Metz war.

1553. (Von Dannen, wie die Chur-Hertzog | Hertzog) August, nach seines Herrn Bruders Tod, | (Hatt angenommen, sein Urlaub) er nahm | Und an Augusti Hoffe kam. | Da er denn auch 3. Jahr verblieb) | Bis man jetzt 56 schrieb. | (Da fieng er an ein ander Leben), | Und thät sich in den Ehestand begeben | (Mit Jungfer Barbara von) Lohß, | Mit der er lebt in Freuden groß, | (Und in solchem Ehestand sein), | zeugt fünff Söhne und Sechs Töchter fein, | (Als nehmlich Joachim, Heinrich), | Cathrin, Brigitten, Wolff Dietrich, | Maria Barbara und Barbara, | Melchior, Ulrich, und Barbara. | (Die dritte Tochter, als Marie) | Nahm Hans: Wolff von Minckwitz zur Ehe, | (Welche in ihren Ehe-Leben | Zu Erben 10. Söhne und 5. Töchter geben; | Die ältere aber, Frau Barbara, | Christian von Löbn verehelicht war. | Die zeugten in ihren Ehebett rein | Drey Söhne und soviel Töchter fein, | Darneben hat er auch noch Freud | Am Hoff-Leben eine gute Zeit, | Denn er in seinen Dienst verhart, | Biß er wieder aufgefordert ward,)

1569. Von Marggraffen wieder nach Cüstrin, | (Da er bey Ihm solt Hauptmann sein) | Zu Margen Wald, drum er auch | (Verkauffen wolte Wiederod) | Seyn Guth in Meissen, und sich geben | (Unter den Marggraffen, was geschach eben?) | Inmittel Er hiermit umbgieng, | Verstarb (der fromme Fürst geschwind:) | Doch macht Ihn die Fürstl. Witt-Frau | (In Ihrem Leib-Guth zu Storckau,) | Zum Hauptmann, von dann er auch wardt, | (Von Marggraf Hans Görg gefordert ab | Der Ihn alsbald zum Liebenwald, | Und Butzkau zum Hauptmann bestalt) |

1573. In alles Er also 4. Jahr, | (Unter dem Marggraffen blieb aldar,)

1575. Bis er endlich nach Meklenburg kommen, | (Er daselbst in Bestallung genommen ;)

1585. Von dannen Er auch endlich abschied, | (Und sich nunmehr begab in Fried,) | Kaufft Seyfersdorf das Ritter-Guth, | (In Meißen und sich da enthielt) | Etliche Jahr in Fried und Ruh, | Bracht er allda sein Leben zu, | Bis man Sieben und Neuntzig schrieb, | (Verstarb Ihn sein Hertzliebes Weib) | Zu Seyfersdorff, darumb Er sich | (Nach Dreßden begab williglich) | Weil er nunmehr alt, kranck und schwach, | Daß Er sich da all Sorg entschlag;) | In solcher seiner Beschwerung, | (Daß er auch hätte Ergötzung,)

1598. Er wieder zu der Ehr nahm, | (Folgendes Jahr, Jungfer Monicam,) | Von Schönberg, mit der er auch lebt | (Ueber 5. Jahr in Fried und Freud.) | Biß er den 26. Martii fürwar) | (In) 1603 (Jahr) | Verstarb in Herren seeliglich, | (Seines Alters bey 82.) | Zu Dreßden in der Churfürstl. Stadt | (Darinnen er seine Wohnung hatt.) | Als er 44 Kinder zart, | (Ein Vater und ein Groß-Vater wardt;) | Folgends den 4. April Er wurd | (In ansehnl. Process. geführt,) | Nach Seyfersdorff mit grossen (Klag, | Darauff Er wurd den andern Tag) | Geleget in die Kirchen dar, | Zu seinem (Weib, vor das Altar,) | Wie solches zeigt der Leichenstein, | (Der lieget auf dem Grabe sein,) | Darin der Leib seine Ruh-Stadt hatt, | (Der Seelen der liebe Gott genad).

Erbaut 1605. Erneuert 1892.

Kanzel, im unteren Theile bis zur Brüstung alt, Sandstein, neu bemalt. Ueber einer kräftigen, reich gegliederten Console mit seitlichen Voluten entwickeln sich fünf Seiten des Achtecks. Der alte Theil schliesst oben in einem kräftigen Viertelstab ab, an vier Seiten beflügelte Engelsköpfchen, an der vorderen Seite zwei Wappen, links das Schönfeld’sche, rechts das Grünrod’sche. Darunter am Kragstein bez. 1605. Auf einer Platte an der vorderen Seite des Consols bez.:

Die edllen | und viel tu | gentsamen, frau Sabina | geborne v: | Ertmansto | rf, und frau | Sabina gebo | rne Schinfeltin habn dise can | zel erbaut.

Die Brüstung ist aus Holz, 1892 erneuert. Die Kanzel steht jetzt an der Nordseite.

Glocken. Drei von Johann Gotthelf Grosse im Jahre 1850 gegossen.

Eine vierte im obersten Theile des Thurmes als Schlagglocke für die Uhr, 53 cm hoch, 66 cm im unteren Durchmesser, am Halse bez.:

o rex + glorie + veni + cum + pace + ave + maria + in einer Schrift wie nebenstehend. Um 1500.

[235] Altarcrucifix, Holz, bemalt, 115 cm hoch. Zu Füssen des hohen Kreuzes und des sehr schlanken Gekreuzigten ein aus W. D. V. G. zusammengesetztes Monogramm und ein ruhendes Kind. Die Linke auf einen Todtenkopf gelegt (das: hodie mihi, cras tibi). Dazu die Inschrift: Ich habe Dich in v. in geliebet etc. Das Wappen der Grünrod bez.: Anno 1669 und auf einer Seite des unteren Kasten die Inschrift:

Der Hoch Edel | geborne Herr Wolf | gang Dietrich von | Grünrodt auf Thie | men ward auf diese | Welt geboren zu Dreß | den am 13. Septem. 1651 | v. starb in Gott seelig | am 23. Aprilis 1669 sei | nes Alters 17 Jahr 7 | Monath 12 Tage 18 Stu.

Jetzt im Schlosse.

Altarbehang, in grünem Sammt, mit farbig in Plattstich und Applikation aufgestickten Blumenranken, bezeichnet mit dem Monogramm T. v. B. mit Bezug auf die Gräfin Tina von Brühl. Jetzt im Schlosse.

Abendmahlkanne, Zinn, 19,5 cm hoch, 13 cm Fussbreite; einfach, mit vertikalem Henkel und überhöhtem Deckel. Am Bauche bez.:

Eleonora Christiana | Schlegelin gebr. | Treptin. | 1780.

Dresdner Beschau mit der nebenstehenden Marke.

Taufschüssel, Gusseisen. Auf dem Rande die Inschrift:

Ich taufe Euch mit Wasser, Er aber wird Euch mit dem heiligen Geist taufen.

Auf der Rückseite: Geschenkt durch Carl Graf von Brühl MDCCCXXIII. In der Mitte ein klassicistisches Relief: Die Taufe im Jordan. An Christus und Johannes treten noch vier Männer heran. Oben Gottvater, im Hintergrunde Palmen. In der herrschaftlichen Betstube.

Glasgemälde. Die Geburt Christi. Schöne Arbeit der Zeit um 1550, wohl Schweizer Herkunft. Die Malerei ist mindestens zweimal ergänzt worden.

Umgeben von einer reichen farbigen Architektur, namentlich die Bekrönung ist von hohem Reiz.

Holzschnitzerei, Relief, figurenreiche Darstellung der heiligen Sippe Mariä. Neu bemalt und wohl auch theilweise ergänzt.

Auch diese beiden Stücke befinden sich in der herrschaftlichen Betstube. Sie gehören zu den Sammlungsstücken der Grafen Brühl.


Denkmäler.

Denkmal des Jobst von Haugwitz, † um 1570. (Fig. 245.)

Sandstein, 2,40 m hoch, 1,74 m breit.

Eine kräftige Platte, unten und seitlich durch Spitzquaderung begrenzt, in der Mitte eine stark vertiefte Nische, 1,05 m breit, im Stichbogen geschlossen, in derselben im Relief in der Mitte ein Crucifixus, 52 cm hoch; rechts eine weibliche, knieende Figur mit erhobenen gefalteten Händen, in langem Gewande, vom Gesicht ist nur die Augenpartie und Nase frei, den übrigen Theil bedeckt ein Schleier. Links eine männliche, knieende Figur in derselben Haltung in voller Rüstung, vor sich den Helm. Links im Stichbogen bez.:

Johan. XIIII. Christus spricht ich wil | wieder komen und euch zu mihr nemen.

Rechts im Stichbogen bez.:

Ihr solt mich sehen dan ich le | be und ihr solt auch leben.

Ueber der männlichen Figur bez.:

Job. XIX. Ich weis das mein | erloser lebet und | er wird mich her | nach aus der er | den auferwecken und ich werde in | meinem fleisch got | sehen.

[236] Ueber der weiblichen Figur bez.:

NVMZL. IOH. 3. | Wie moses in der | wusten eine schla | nge erhohet hat, | also mus

des mensch | en sohn erhohet wer | den auf das alle die | an ihn gleuben nit ver | lorn

werden sondern | das ewige Le | ben haben.

Ueber der Nische ein Gesims, darüber eine Platte mit acht Wappen, und zwar: 1. Schleinitz. 2. Gränsing. 3. Schlieben. 4. Haugwitz. 5. Miltitz. 6. Geismar. 7. Staupitz. 8. Hundt.

Fig. 245. Seifersdorf, Denkmal des Jobst von Haugwitz.

Denkmal des Dietrich von Grünrod, † 1603.

Sandstein, 1 m breit, 2 m hoch, einfacher Stein, in der Mitte in einem Oval das Grünradt’sche Wappen aus weissem Marmor eingesetzt, 45 : 34 cm messend, bez.:

ossa sepulta senis | Theodrici morte | soluti | Grünradi praesens | saxea tumba | tegit |

Aetatis 86. | Anno Christi 1603 den 26. marti. | Verstarb ihn gott | Dittrich von

Grunradt | uf Seijffersdorff | und Wideradt.

Jetzt hinter dem Altar aufgestellt.

[Bild]

Seifersdorf, Kirche, Statue des Joachim von Grünrod. (Taf. XIII)

[(-)] [237] Denkmal des Joachim von Grunrod, † 1604. (Taf. XIII.)

Sandstein, bemalt, 4,50 m hoch, 90 cm breit.

Ueber einem Schaft baut sich eine kräftige abgeschrägte Platte auf. Die lebensgrosse, in Vollplastik ausgeführte und bemalte Statue des Verstorbenen steht darüber in schwarzer Kleidung, über die rechte Schulter eine rothe Schärpe, in der rechten Hand einen Feldherrnstab, die linke in die Seite eingestemmt, zu den Füssen links der Kürass, rechts Handschuhe und Helm mit Federbusch. Das Gesicht umrahmt ein spitzer Vollbart. Hinter der Figur beiderseitig Pilaster mit folgenden Wappen:

rechts bez. d. v. Loss, d. v. Bernstein, d v. Leutzsch, d. v. Karres, Plausigk, d. v. Phluge, d. v. Münster, d. v. Schleinitz,

links bez. d. v. Grunrade, d. v. Schonbrg, d. v. Greiffogel, d. v. Hirsffelt, d. h. v. Luppa, d. v. Kauffung, d. h. Schenken v. Tautnberk, d. v. Marschalck.

Darüber eine rechteckige Tafel mit Inschrift, oben ein Kindengelsköpfchen, seitlich Rollwerk.

Obere Tafel auf blauem Grunde bez.:

Ano 1604 den 7. novemb: ist der edele gestrenge Joachim von | Grunrat weiland des
rom: keisers und churf. sechisch bestel | ter hauptman in sturm und anlauf des Castels
ostian mit | ein schos tottlichn getrofn und gestorbn hat also 15 iar | in krigeswesn
ales in niederland und ungern sich brauchn | lasen auch sein anbefohln haptmanschaft
threulich und | rittermesig vorsorget, seines altrs 35 iar dem got genade.
In gremio terrae, terra quacunque quiesco. | Spiritus in christi laetus agitque sinu. |
Belli fraude fui mundo, sed laude fideque Ille mihi contra victus. orabo. fuit.(?)

Stirnseite der Fussplatte auf blauem Grunde bez.:

In schos der erd und mutter meinn | Lig ich in frembden land auch fein. | Meine selle
ruhet in christi schos | Und ist von allen iammer los. | Die welt mit krigslist siegt mir
ob | Ich wider ihr mit glaub und lob.

Am Schaft auf grünem Grunde bez.:

Rom. 14. | Unser keinr | lebt ihm sel | br und unser | keinr stirbt | ihm selber | leben
wir | so leben wi | r dem Herr | en sterben | wir so ste | rben wir de | m herrn da | rumb
wir l | ebn oder ste | rbn so sint | wir des Herrn.

Das Denkmal ist an der Südseite aufgestellt, gut erhalten.

Das Werk ist sehr beachtenswerth durch die Freiheit in Auffassung und Haltung. Sie steht als Freistatue ganz vereinzelt in der sächsischen Plastik. Leider ist kein Nachweis über den Meister zu schaffen. Doch sei der Hinweis auf das Grabmal Nossenis gestattet, das sich in der Sophienkirche zu Dresden befindet und als ein Werk des Sebastian Walther gilt.

Denkmal des Wolff Dietrich von Grünrod, † 1606. (Fig. 246.)

Sandstein, bemalt, 5 m hoch, 1,60 m breit, ein consolartiger, reichgegliederter Unterbau, 2 m hoch, in derben Renaissanceformen.

Darüber der Verstorbene, lebensgross, in voller Plastik, stehend, etwa 2 m hoch, in schwarzer Rüstung. Die linke Hand hält den Degengriff, die rechte ist in die Seite gestützt, eine rothe Schärpe über der linken Schulter, zu den Füssen links der Helm mit Federbusch. Das ausdrucksvolle Gesicht wird durch stattlichen Vollbart umrahmt; beiderseitig hinter der Figur Pilaster mit folgenden Wappen:

rechts bez.

d. v. Loss, d. v. Bernstein, d. v. Leutzsch, d. v. Karres, Plausigk, d. v. Phluge, das Wappen der Schad von Leipoltz irrthümlich bez. d. v. Münster d. v. Schleinitz;

[238] links bez.

d. v. Grunrade, d. v. Schonbrg, d. v. Greiffogel, d. v. Hirsffelt, v. Luppa, d. v. Kauffung, d. h. Schenkn. v. Tantnberk, d. v. Marschalck.

Ueber den Pilastern ein Gesims, darüber eine rechteckige Tafel, seitlich durch Rollen begrenzt, als oberster Abschluss in der Mitte ein beflügelter Kindengelskopf. Tafel auf grünlichem Grunde mit Goldschrift bez.:

Fig. 246. Seifersdorf,
Denkmal des Wolff Dietrich von Grünrod.

Anno christi 1606 den 12. Aprilis umb 10 uhr | vormittage ist in gott selig entschlaffen | der edle gestrenge und ehrenveste Wolff | Dietrich von Grunradt, erbher alhier uf seif | ferstorf, seines Alters 44. iar 3. monat 2. wochn | und 2. Tage ligt vorm altar wie der leichstin | ausweiset begrabn welchem gott nebn allen | christglaubigen eine froliche aufferste | hung verleihen wolle.

Unterbau auf blauem Grunde bez.: Im sechzen hundert VI erdten jahr | Diese kirch von neuen erbbauet wahr | Mit altar, predigstul, tauffstein | Herlich und schon gezieret fein | Durch Wolf Dietrich Grunrad genant | Den Gott balt nahm in seine handt. | Und ob er wol verstorben ist | bleibt doch sein lob | zu jeder frist.

Beiderseitig der Pilaster unten zwei Kindengel mit Schrifttafeln:

links bez.: Sterben ist mein Gewinn.

rechts bez.: Christus ist mein Leben.

Das Denkmal steht an der Nordostseite, gut erhalten; es ist das Werk desselben Meisters wie das vorhergehende.

Denkmal des Anthonius Lindehorst, Richter und Kirchvater, † 1609.

Sandstein, 87 cm breit, 175 cm hoch.

Der Verstorbene, im Relief, in voller Rüstung, stehend, etwas seitlich gewendet, beide Arme seitlich eingestemmt, an der linken Seite das Schwert, unten zu den Füssen der Helm. Das Gesicht wird von einem Backenbarte umrahmt. Am Rande bez.:

Anno 1609 den 3. July ist alhir in Herren

seeliglich entschlafen der ehrenveste und manhaffte Anthonius Lindeforst alhier zu seyfersdorff vorsteher seines alters 68 iar

dem gott genade.

Beiderseitig vom Kopfe das Linderhorst’sche und Domisch’sche (?) Wappen.

Jetzt am Strebepfeiler südwestlich aufgestellt, gut durchgeführte Arbeit.

Der rechte Fuss ist beschädigt.

[239] Auf dem Altarplatze eingelassen drei weitere einfache Grabdenkmäler, Sandstein, 1 m breit, 1,85 m hoch, Verstorbene aus dem Hause Grünrod, in der Mitte im Oval das Grünrod’sche Wappen, Inschrift theils zerstört.

Ein vierter Stein betrifft die Frau Sabina Hellwigsdorffin geb. Schönfelt,

Fig. 247. Seifersdorf, Denkmal des Wolff Dietrich von Grünrod.

Frau auf Lindenau, † 1630 am 22. September. In der Mitte im Sechseck eingelassen das Schönfelt’sche Wappen, 1 m breit, 1,85 hoch, aus weissem Marmor, sonst unverziert. Inschrift theils unkenntlich.

Denkmal des Wolff Dietrich von Grünrod, † 1655. (Fig. 247.)

Sandstein, bemalt, 1,80 m breit, gegen 5 m hoch.

Ueber einem reichgegliederten consolartigen Unterbau, mit Tuchgehänge [240] seitlich begrenzt, in der Mitte ein Todtenschädel, darüber eine runde Tafel, umgeben von Lorbeerzweigen. Darüber steht die überlebensgrosse Statue des Verstorbenen in lebhaft bewegter Stellung. Gesicht mit Schnurrbart und Kinnbart

Fig. 248. Seifersdorf, Denkmal des Caspar Heinrich von Grünrod.

umrahmt, Kopf nach der Seite gewendet, über der rechten Schulter eine Feldbinde, die linke Hand umfasst das Schwert, die rechte in die Seite gestemmt. Hinter der Figur eine kräftig durchgeführte Tafel mit nischenartiger Oeffnung, seitlich davon je acht Wappen aus weissem Marmor, und zwar:

rechts: 1. unzugängig (wohl Grünrod),
2. Schönberg,
3. Schönfeldt,
4. Hirschberg,
5. Loß (in Gips ergänzt),
6. Loß,
7. Erdmannsdorf,
8. Creutzen,
rechts: 1. Zehmen,
2. Hirschfeld,
3. unzugänglich,
4. Leutsch,
5. Schönfeld,
6. Bernstein,
7. Loß,
8. Karras.

Ueber der Nische eine Tafel, darüber als oberer Abschluss eine Stichbogenverdachung mit zwei liegenden Kindengeln, die eine Adelskrone halten, oben in der Verdachung das Monogramm des Verstorbenen. Den äussersten seitlichen Abschluss bilden gefällig durchgebildete Blumengehänge. Oben bez.:

Der Hoch Ehrwurdige Hoch Edel | geborne gestrenge und veßte Herr Wolff Dietrich | von Grünrod auf Seyfersdorf des Hochlöblichen | Stifts zu Wurzen Thumherr, ward gebohren anno | MDXCII zu Wiederoda den XX. octobris frühe | gegen X. uhr starb [241] seelig alhier zu Seyfersdorf am IV. | octobris abents umb VIII. uhr MDCLV seines alters | LXIII. iahr | dem | gott gnade.

Unten am Consol bez.:

leichen text: Hiob am. XIX. vers 25. | Ich weis das mein Erlö | ser lebet und er wird mich | hernach aus der erden aufer | wecken und werde darnach mit | dieser meiner haut umbgeben wer | den u. werde in meinem Fleisch Gott | sehen denselben werde ich mir | sehen und meine Augen wer | den ihn schauen und | kein fremder.

Fig. 249. Seifersdorf, Denkmal des Hans Wolff von Ponigkau.

Das Denkmal steht an der Südostseite und ist von allen, was die Durchführung und das Material anbelangt, das reichste. Die seitlich angebrachten Marmorwappen sind theils durch solche von Gips falsch ergänzt worden.

Denkmal des Caspar Heinrich von Grünrod, † 1675. (Fig. 248.)

Sandstein, bemalt, 3,20 m hoch, 1,80 m breit, im Aufbau ganz ähnlich dem [242] des Hannß Ulrich von Grünrod. Unten als Abschluss ein Todtenkopf mit gekreuzten Lorbeerzweigen. Die Statue des Verstorbenen, 2 m hoch, hält in der rechten Hand eine schwarze Rolle, die linke liegt an der Seite; rechts seitlich ein Baumstumpf, auf demselben der Federhelm, Gewand schwarzbläulich mit vertikalen Goldstreifen und Knöpfen, Gesicht bartlos, auf dem Kopfe eine schwarzgraue Perücke, um den Hals ein weisses Tuch.

Auf dem herzförmigen Unterbau folgende Wappen:

1. Grünrod, 09. Osterhausen,
2. Schönfelt, 10. Carlowitz,
3. Loß, 11. Bose,
4. Schönberg, 12. Ende,
5. Bernstein, 13. Kain,
6. Erdmannsdorff, 14. Kottwitz,
7. Zehmen, 15. Honsberg,
8. Hirschfeld, 16. Salhausen.

In der Mitte bez.:

In Gott ruhet alhier Der Hoch Edelgebohrne, gestrenge und Hoch. Mannveste Herr Caspar Heinrich von Grünrod, auff Seyffersdorff, schönborn und Ottendorff, | Sr. Churfl. Durchl. Zu Sachßen. Herzog Johann Georgen des II. wohlbestalt | gewesener Cam̅er H. und Obristerleutenant bey dero Teutschen Leibguardie zu Roß. | welcher im Jahr Christi 1626 den 22. May frühe v. 5. uhr auff den Hause | Seyffersdorff gebohren u. den 9. Oktobr. umb. 4. U. nachmittage 1675. | in Christo Seel. verschieten, Seineß alters
49. Jahr 4. M. 2. W. 3. Tag.

Denkmal an der Südseite ziemlich hoch frei in ein Fenster gestellt, gut erhalten, bis auf die Bezeichnung der Wappen, die durch Uebermalung unkenntlich geworden.

Denkmal des Hans Wolff von Ponigkau, † 1676. (Fig. 249.)

Sandstein, bemalt, 1,80 m breit, 2,60 m hoch.

In dem oberen Theile des rechteckigen Steines eine nischenartige, im Rundbogen geschlossene Vertiefung, darin im Relief lebensgross das Brustbild des Verstorbenen, darunter die Wappen seiner Eltern, rechts des Hans Christof von Ponikau und links der Anna Elisabeth von Grünrod. Oben als Abschluss eine Kartusche mit siebenzackiger Krone, seitlich kräftige, gut durchgeführte Anläufer, aus denen sich beiderseitig Blatt- und Fruchtgehänge entwickeln. In dem Oval der Kartusche das Monogramm des Verstorbenen. Unter der Nische bez.:

Alhier ruhet in seinen Erlöser Christo Jesu | der Hoch Edelgebohrne gestrenge und veste Herr | Hanß Wolff von Ponigkau, welcher den 22. | Martij 1657. des Nachts zwischen 1. und 2. uhr in Dreßden | gebohren, den 17. Februarij 1676 zu mittage 3. virtel auf 12. uhr Zu Leipzig auf der Universität von seinen Erlöser sanft | und seelig abgefordert und den 7. Martij 1676 in seiner vorfahrē | Erbbegräbnis zu Seyffersdorff Adelich beygesetzet worden, | Als er sein Junges Adeliches Alter auf 18. Jahr 47. wochen 2. | Tage und 10. stunden gebracht. Gott wolle dem verblichenen | Adelichen Cörper in den Schoß der Erden eine sanffte Ruhe, | und dermahl einst eine fröliche Aufferstehung verleihen.

Um die Nische bez.:

Erklärten Leichen Text: Psalm 42. Wie der Hirsch schreyet nach frischen Waßer so schreyet meine Seele Gott zu dir, Meine Seele dürstet nach Gott.

Jetzt hinter dem Altar rechts aufgestellt, gut erhalten, Architektur in gefälligen, kräftigen Barockformen. Der Reliefkopf ist mit grossem Geschick in der Seitenansicht durchgeführt, das Werk eines in der schwierigen Aufgabe sicheren Meisters.

[243] Denkmal des Hans Ulrich von Grünrod, † 1682. (Fig. 250.)

Sandstein, neu bemalt, 3,50 m hoch, 1,40 m breit.

Fig. 250. Seifersdorf, Denkmal des Hans Ulrich von Grünrod.

Der Verstorbene, 2 m hoch, steht über einem herzförmigen Unterbau in voller Rüstung, Gesicht bartlos, Kopf etwas nach rechts gewendet, volles Kopfhaar, um den Hals ein Tuch; rechts seitlich ein Baumstumpf, auf demselben der Helm mit Federbusch, über die linke Schulter eine Schärpe.

Der Unterbau schliesst mit einem Todtenschädel, dahinter mit Fledermausflügeln, nach unten ab. Seitlich auf der kräftigen Herzform folgende Wappen, bez.:

D. v. H. (Hirschfeld),
D. v. Z. (Zehmen),
D. v. E. D. (Erdmannsdorff),
D. v. B. (Bernstein),
D. v. S. (Schönberg),
D. v. L. (Loß),
D. S. (Schönfeld),
D. G. (Grünrod),
D. O. (Osterhausen),
D. v. K. (Karlowitz),
D. B. (Bose),
D. E. (Ende),
D. K. (Kain),
D. v. S. (Salhausen),
D. v. K. (Karras),
D. v. K. (Kottwitz).

In der Mitte der Herzform eine Tafel, bez.:

In Gott ruhet allhier der hoch Edel ge | bohrne, gestrenge und hoch Mannveste Herr Hannß Ulrich von Grünrod, auff Seyffersdorff, Schönborn und Ottendorff. | Seiner Churfürstlichen Durchl. zu Sachßen Hertzog | Johann Georgen des II Wohlbestalt. gewesener Cam̅er Herr | Welcher im Jahr Christi 1627. den 24. May abends umb 8. uhr, auff dem Hauße Seyffersdorff gebohren und | den 13. Febr. umb 5. Uhr nachmittage 1682 in Christo Seelig verschieden. Seines Alters 50. Jahr 9. Mo̅a̅th 2. Wochen 1 Tag. 21. Stunden.

Jetzt an der Südseite über dem Kanzelaufgange aufgestellt, gut erhalten, kräftig durchgeführt.

Denkmal des Herrn Gottfried Schneider, † 1772.

Sandstein, 80 cm breit, 260 cm hoch.

Ein reichgegliederter kräftiger Unterbau mit rechteckiger, an den Ecken abgerundeter Füllung, darüber obeliskartiger Aufbau mit Rococokartusche, oben als Abschluss ein einfaches Kreuz. Oben bez.:

[244]
Ein | Beyspiel zur | Nachahmung für rechtschaffene | Kinder nehmlich das letzte Andencken welches | der T. H. Gottfried Schneider | Churfürstl. Sächs. Amtsverwalter zu Elsterwerda | seinen alhier ruhenden Eltern aus Dankbarkeit . . . . . . . . sen laßen. Sein H. Vater Gottfried Schneider | ward geb. zu . . . . . . . bey . . . . . . d. 29. Okt. 1696 . . . . . . . . . . . . starb alhier 1777 im 81. Jahre Seine Frau Marien Dorothea Elisabeth | geb. Röderin erblickte das Licht der Welt zu . . . . . . . . . . 1696 | d. 22. . . . . | wurde sie allhier abgelöset im Jahre. 1774 d. 20. Aug. | da sie ihr 78. Jahr verlebt hatte.

Unten bez.:

Beide sind viele Jahr im Alter | von ihrem H . . . . Sohne aufs beste verpflegt und endlich mit Ehren | zur Ruhe gebracht worden. | leser gehe hin und thue desgleichen.

Denkmal der Johanna Christina Schneiderin, † 1750.

Sandstein, 80 cm breit, 260 cm hoch, genau wie das vorige durchgebildet. Aus der theils zerstörten Inschrift geht hervor:

S. J. Johanna Christiana Schneiderin geb. 1725 d. 4. Decbr. in Dohna verh. mit Gottfried Schneidern bestverdienten Amtsverwaltern . . . . . . . . . . . . . . . . gestorben d. 10. Mart. 1750. Ihr Alter gebracht auf 24 Jahr 3 Monath und 6 Tage.

Beide Denkmäler sind an der Südseite der Kirche aussen aufgestellt und bis auf die Inschrift gut erhalten.

Denkmal der Frau Margaretha von Schleierweber, † 1790.

Sandstein. Ueber einem Steinhügel erhebt sich ein würfelförmiges glattes Postament. Darüber eine Urne, 120 cm hoch, um die sich eine Schlange windet.

Am Postament bez.:

Hier ruhet Margaretha v. Schleierwe | ber und Friedenau geb. von Spengler | gebohren den 6. Septbr. 1712. gestorb. d. 21. Okt. 1790. | Seifersdorf.

Auf einer anderen Seite bez.:

Dieses Denkmal | weihet | die dankbare Tochter | Christina Gräfin von Brühl | Ihrer
verewigten Mutter.
Die Thränen der Armen | deren Wohlthäterin Sie war | sind die stärksten Lobreden |
Ihres stillen Verdienstes.

Das Denkmal steht an der Südwestseite vor der Kirche und zeichnet sich durch klassische Vornehmheit aus. Die Urne ist von selten schöner Form. Die Schlange theilweise beschädigt.


Das Schloss
ist ein Bau, der 1531 im Wesentlichen errichtet sein dürfte. Darauf weisen die jetzt an der Schauseite decorativ angebrachten Wappen der Haugwitz und Schlieben, bez. 1531.

Diese stehen zwischen zwei Pilastern und unter einer Verdachung, in Formen der Frührenaissance. Auf dieselbe Zeit weisen drei gothische Rundbogenthüren im Hausflur, mit Ueberschneidungen der Profile und nebenstehenden Steinmetzzeichen, endlich die schlichte Säule im Pferdestalle.

Der Bau hat sichtlich mehrfach Umgestaltungen erfahren. Auf eine solche weist ein Inschriftsstein im Hofe, bez.: W. D. V. G. 1625 mit Bezug auf Wolf Dietrich von Grünrod. Die Steinnachbildung eines Baumstammes mit daran hängendem Wappen der Grünrod, bez.: H. G. V. G. 1690, die jetzt als Mittelsäule in einem gekuppelten Hoffenster dient, ist um 1890 aus alten Fundstücken zusammengesetzt worden. An der Schauseite finden sich die Ehewappen der Grünrod und Nostitz, bez.:

H. G. V. G. 1698 S. E. V. N. Alles nach Gottes Wilen

[245] mit Bezug auf Hans Georg von Grünrod und dessen Gemahlin Susanne Eleonore geborne von Nostitz.

Die Wappen und das sie umgebende Spruchband erscheinen als an Baumstämmen aufgehängt. An der Vorderfront die Wappen der Brühl und Schleierweber, bez.: Moritz v. Brühl 1792 und Christiane von Schleierweber 1792. An der Rückseite die Wappen der Brühl und Pourtales, bez.: 1818.

Der ganze Bau wurde unter dem Generalintendanten der Königl. Preuss. Schauspiele Karl Grafen Brühl umgebaut. Im gräflichen Besitz erhaltene Pläne und Skizzen weisen darauf, dass zunächst ein Architekt mit der Planung betraut wurde, der einen Entwurf in gothischem und einen solchen in „verbessertem“ Stil lieferte, sichtlich in der Absicht, den Grafen von seinen gothischen Neigungen abzubringen. Andere Skizzen beweisen, dass Karl Friedrich Schinkel die Anregung zu der endlich gewählten romantischen Ausgestaltung des Schlosses gab. Unter ihm scheint der Maler Janus Genelli, der Vater des Bonaventura und dessen Bruder, der Architekt Johann (Hans) Christian Genelli († 1813) einen wesentlichen Antheil gehabt zu haben. Von letzterem erhielten sich Skizzen zu einem klassischen Musentempel für das Seifersdorfer Thal, dessen Abschluss eine Nische mit der Büste Wielands bilden sollte. Im Wesentlichen dürften aber des Grafen eigene romantische Anschauungen an dem Umbau Antheil haben, der als einer der frühesten Werke der Neugothik in Sachsen Beachtung verdient. Seine Fertigstellung bekundet die Inschrift an einer Gartenseite:

Eine veste Burg ist unser Gott | MDCCCXXII.


Baubeschreibung.

Der alte Bau liegt inmitten eines Wassergrabens, der an der Nordseite 1881 ausgefüllt wurde. Er erhebt sich in vier Geschossen. Das Untergeschoss, das bis auf den Wasserspiegel herabgeht, enthält noch heute den Pferdestall, einen im Kreuzgewölbe über kurzer Säule eingedeckten Raum. Die alte Gestaltung und Eintheilung der Obergeschosse, die sich in drei Flügeln um einen engen Hof legen, ist infolge der Umbauten jetzt nicht mehr erkennbar. Doch liess sie sich mit einiger Sicherheit aus den erhaltenen Plänen wieder herstellen. Das Schloss (Fig. 251) legte sich in drei Flügeln um einen schmalen Hof: Rückwärts war dieser zur Hälfte durch den niedrigeren Küchenbau abgeschlossen. Das Gebäude umgab ein Wassergraben mit zwei Zugbrücken.

Bei dem Umbau (Fig. 252) wurde zunächst die Front dadurch gerade gerichtet, dass die etwas zurückweichende rechte Seite abgebrochen und in der Flucht aufgeführt wurde. Vorher schon dürfte der Hof verkleinert und eine Treppe eingebaut worden sein. Die Fenster wurden fast durchweg spitzbogig angelegt, dem Bau ein Zinnenstrang angefügt, das Mansardendach durch ein steiles Dach ersetzt. Der Graben an der Vorderfront wurde zugeschüttet, ein erkerartiger Anbau an Stelle der Brücke geschaffen. Trotz dieser eingreifenden Aenderungen erscheint die Gothik als an den Bau äusserlich angefügte Decoration.


Einrichtung.

Unter den zahlreichen Kunstwerken, die das Schloss bewahrt, entzieht sich der Behandlung in diesem Buche zunächst das erst im 19. Jahrhundert durch [246] die Besitzer Erworbene, auch mancherlei kunstgewerbliche Gegenstände, schöne Glasmalereien, Gläser, Silber, Schmuck. Hervorzuheben ist namentlich das aus Familienbesitz stammende prachtvolle Meissner Porzellan. An Bildern sind nur diejenigen hier aufgestellt, die aus Familienbesitz stammen.

Von der alten Einrichtung des Baues nichts.

Unter den Bildern seien hervorgehoben:

Bildniss der Anna Constanze Gräfin von Kosel.

Volle Figur, auf Leinwand, in Oel.

Fig. 251. Seifersdorf, Schloss, Zustand zu Ende des 18. Jahrh.

Die Gräfin sitzt auf einem Stuhl mit rothen Kissen, in silbergrauem, reich besetztem, stark ausgeschnittenem Kleid. Die Rechte hält ein auf dem Schoosse sitzendes schwarzweisses Hündchen. Zur Seite ein blauer Sammtmantel. Der geistvolle Kopf in der Vorderansicht. Schwarzer Hintergrund.

Das Bild ist angeblich von Louis de Sylvestre, doch fand ich keine Bezeichnung. Es gilt als eine der besten Darstellungen der Gräfin und dürfte um 1710 entstanden sein. In altem geschnitzten und vergoldeten Barockrahmen.

[247] Bildniss der Agnes Elisabeth Christiane Wilhelmine von Brühl, geb. von Thümen auf Blankensee.

Halbfigur, auf Leinwand, in Oel, 60 : 80 cm messend.

Die blühende junge Blondine mit ruhigen, offenen Zügen trägt ein ausgeschnittenes silbergraues Seidenkleid mit reichem Spitzenbesatz, um den Hals und rechten Arm reiche Perlenschnüre, Brillanten im Haar und Ohr.

Fig. 252. Seifersdorf, Schloss, Grundriss des Erdgeschosses. Zustand nach dem Umbau.

Das nicht gut erhaltene, im Ton etwas kalte Bild scheint aus einem grösseren herausgeschnitten zu sein; schwerlich wäre sonst die linke Hand abgeschnitten.

Bildniss des Königs Philipp V. von Spanien.

Kniestück, auf Leinwand, in Oel, 112 : 143 (?) cm messend.

Der König steht nach links gewendet, den Kopf nach vorn, in der Rechten einen Kommandostab, die Linke befehlend ausgestreckt. Mit grosser Allongeperücke, blauem Ordensband, blauem Rock, röthlicher Schärpe. Vor ihm rechts [248] ein Fels, auf dem ein umgestülpter Helm liegt. Im Hintergrunde eine Landschaft mit Reitern. Auf der Rückseite bez.:

Philippe de France, Nom. Roy des Espagnes. J. Ranc pinx. 1726.

Das farbenprächtige Bild gehört also dem Südfranzosen Don Juan Ranc, † 1784 an, dem Schüler Rigauds und Kammermaler Philipps V., ein im Tone feines, aber manchmal etwas gläsernes, sauber durchgeführtes Werk von stattlicher repräsentativer Wirkung.

Bildniss der Königin Isabel von Spanien.

Kniestück, Gegenstück zum vorigen.

Die Königin lehnt den rechten Arm auf einen weissen Pelz und zeigt die feine, herabhängende Hand. Sie steht vor einem blauen, nach rechts gerafften Vorhange, in violettem, pelzverzierten und gefütterten Kleide. Am ausgeschnittenen Mieder ein prächtiger Brillantschmuck mit wundervollen Saphiren, am Halse ein blaues Band. Das Gesicht nach vorn gerichtet. Auf der Rückseite bez.:

Elisabeth Farnese, reine des Espagnes. J. Ranc pinx. 1726.

Das fein getönte Bild zeigt gelbliche Flecken auf dem Halse und im Gesicht, die von einer Restaurirung stammen. Es steht an künstlerischem Werth über dem vorigen.

Bildniss des Heinrich Reichsgrafen von Brühl. Von 1745.

Kniestück, auf Leinwand, in Oel, 104 : 137 cm messend.

Der Graf steht vor einer Säule neben einem Tische, auf dem Bücher, Briefschaften, Eisenhandschuhe und ein Helm liegen, in dessen Halstheil man hineinsieht. Auf diesen stützt er die Rechte, die einen Kommandostab hält. Die Linke befehlend nach unten gestreckt. Sehr bunt ist die Tracht: Ein rother, reich gestickter Rock, Brokatweste unter dem Harnisch, ein blausammtener Pelzmantel über dem rechten Arm, eine weisse Seidenschärpe, dazu ein blaues Ordensband und den Andreasorden auf der Brust. Trotzdem ist das Bild von einheitlicher Wirkung. Der feine Ausdruck des Kopfes ist bemerkenswerth. Bez.:

Heinrich Graf v. Brühl 1745.

Das Bild gilt als Arbeit von Sylvestre, doch scheint mir dies nicht eben wahrscheinlich.

Bildniss der Franciska Maria Anna Gräfin von Brühl, geb. Gräfin Kolowrat-Krakowsky.

Kniestück, auf Leinwand, in Oel, 104 : 138 cm messend.

Die Gräfin in silbergrauem, reich mit Spitzen besetztem Seidenkleid, nimmt mit der Rechten eine Blume aus einem Korbe, den ihr ein kleiner Page hinhält. Auf dem sehr steifen Mieder trägt sie auf der Brust das Bildniss wohl der Königin Marie Josepha, in Brillanten, deren Oberhofmeisterin ihre Mutter war. Daneben einen Orden mit goldenem Kreuz auf rothem Grunde. Der Page, ein junger H. von Polenz, hat auf der Blechmütze das Brühl’sche und Kolowrat’sche Ehewappen. Im Hintergrunde eine Vase und Bäume.

Das Bild ist kalt im Ton und steif in der Haltung, steht als Kunstwerk nicht hoch, wohl aber als Kostümstück.

Bildniss des Aloysius Friedrich Grafen von Brühl. Um 1750.

Volle Figur, auf Leinwand, in Oel, 97 : 132 cm messend.

[249] Der Graf, als Starost von Polen, von etwa 12 Jahre alt, in langem, ärmellosem, grünem Sammtrock über Unterkleidern von grauem Brokat, die Rechte auf den Kopf eines braunen Hundes legend, der am Halsband die Inschrift G. V. B. trägt. Die Linke weist auf einen Tisch, auf dem Festungspläne, ein Globus und Bücher (le Telemach) liegen. Ein Gewehr lehnt sich an den Tisch.

Das Bild ist ziemlich trocken, doch nicht ohne Geschick gemalt.

Nach der Inschrift auf der Rückseite ist der Graf 1738, nach anderen Quellen 1739 geboren.

Bildniss der Maria Amalie Gräfin von Brühl. Um 1750.

Ganze Figur, auf Leinwand, in Oel. Gegenstück zum vorigen.

Die etwa 14jährige Gräfin trägt in der Linken einen Blumenkorb, führt mit der Rechten eine Nelke zur Nase, Blumen liegen zu Füssen. Sie trägt ein dunkelgrünes Kleid mit karriertem Ueberwurf über dem sehr weiten Rock, mit reichem Spitzenschmuck. Die Gräfin ist am 10. Juli 1736 geboren.

Tieftöniges, namentlich im Kostüm interessantes Gemälde.

Vier Bildnisse, Bleistiftzeichnungen auf Papier, 30 : 38 cm messend, Kopfstücke, die Söhne des Grafen Heinrich darstellend, und zwar: Aloys Friedrich, Albert Heinrich, Hans Moritz und Karl Adolf. Etwas glatte, sorgfältige Arbeiten.

Bildniss des Hans Moritz Grafen von Brühl.

Auf Leinwand, in Oel, halbe Figur. Auf schwarzem Grund, aufrecht stehend, nach links gewendet, unter dem linken Arm den Hut, in Silberbrokatweste und blauem Rock, gepudertem eigenen Haar. Wirkungsvolles Bild mit feiner Behandlung des Kopfes und flotter Darstellung des Kostüms.

Bez.: C. F. R. Lisiewsky 1755.

Also eine Arbeit des Christof Friedrich Reinhold L., geb. 1725, † 1794.

Sechs Bildnisse, in Pastell, oval, 38 : 44 cm messend, Brustbilder, sämmtlich auf der Rückseite bez.: peint. par Huin à Strasbourg 1771, und zwar:

Hans Moritz Graf von Brühl, in tiefblauem, mit Pelz verbrämtem Rock, gelber Weste, offenem Jabot.

Margarethe Christiane Gräfin von Brühl, in rosa, mit Pelz besetztem, ausgeschnittenem Kleid.

Ernest Paulus von Schleierweber und Friedenau, älterer Herr in hellblauem, weiss ausgeschlagenem Waffenrock.

Margaretha von Schleierweber, ältere Frau in Haube und grauem Mantel, dunklem Kleid, feinem würdigen Ausdruck.

Joh. Ernst Ludwig von Schleierweber und Friedenau, in gleichem Anzug.

Albrecht Heinrich Graf von Brühl, in tiefblauem, goldgesticktem Waffenrock.

Die Bilder wurden gelegentlich der Hochzeit des Grafen Hans Moritz gefertigt. Der Künstler, über dessen Wirksamkeit sehr wenig bekannt ist, erweist sich als ein feiner, sorgfältig arbeitender Meister, der dem Liotard nahe steht.

Bildniss des Friedrich Wilhelm Grafen von Brühl auf Martinskirchen und Bedras.

Auf Leinwand, in Oel, Bruststück, in Panzer mit blauem Ordensband und Stern auf dem Mantel. Nicht eben bedeutendes Bild.

Drei Bildnisse, in Pastell, Brustbilder, oval, 18 : 24 cm messend.

[250] Ein Knabe mit grauem, grün eingefasstem Filzhut und rosa Federstutz, blauer Weste, rothem Kleid. Bez.:

Carl Graf Brühl 1775, seines Alters 3 Jahre, gemalt von Schmiedt.

Trotz der Buntheit der Kleidung einheitliches, geschicktes Werk.

Chevalier Forbes, junger Mann in rothem Rock, schwarzer Haarschleife, gepudertem Haar, gelber Weste, Spitzenjabot. Bez.: J. H. Schmid fec. a Dresde 1775.

Christine Gräfin Brühl, in grauem Lockenhaar, grünem Kleid, einer Rose am Halsschluss und im Haar. Bez.: 1775 von Schmiedt gemalt.

Gemeint ist der Hofmaler Joh. Heinrich Schmidt († 1829), der sich namentlich in den beiden letzteren Bildern als ein tüchtiger Pastellmaler zu erkennen giebt.

Bildniss des Dichters Wolfgang von Goethe.

Brustbild, oval, 45 : 58 cm messend. Auf Papier (?), in Oel gemalt.

Mit gepudertem Haar und grünem Rock, nach rechts schauend, vor leicht getöntem grünlichen Hintergrund. Auf der Rückseite bez.:

Göthe im Jahr 1787 in Carlsbad vo. Darbes.

Vergl. Fr. Zarncke, Verzeichniss der Originalaufnahmen von Goethes Bildniss, Leipzig 1888.

Bildniss des Königs Friedrich Wilhelm II. Von 1792.

Pastell, oval, 45 : 58 cm messend, Bruststück.

Der König in blauer Uniform, mit rothen Aufschlägen, orangefarbigem Ordensband.

Bildniss der Königin Friederike Louise von Preussen, geb. Landgräfin von Hessen-Darmstadt. Von 1788.

Gegenstück zum vorigen.

Die Königin in blauem Kleid, mit reichen natürlichen Locken.

Die beiden flott behandelten Pastelle sind bez.:

Darbes pinx. 1792 und Darbes pinx. 1788.

Josef Friedrich August Darbes galt von 1785 bis zu seinem 1810 erfolgten Tode als einer der besten Portraitisten in Berlin.

Bildniss des Karl Friedrich Moritz Paul Grafen von Brühl. Von 1790. (Der spätere Generalintendant.)

Kniestück, auf Leinwand, in Oel, 94 : 135 cm messend.

Der damals 18jährige Graf steht in der Tracht der preussischen Jagdjunker: grünschwarzem Frack, ein Bandelier über die Brust, einem Ordenskreuz, grauer Weste, weisser Hose, offenem Hemd mit schwarzem Halstuch. Er lehnt sich nach seiner Linken auf einen Fels, auf dem sein Hut liegt; an der stark herausgebogenen rechten Hüfte liegt der rechte Arm, in diesem das Jagdgewehr. Der blonde junge Mann trägt natürliche Locken. Bez.: A. Graff pinx. 1790.

Das Bild ist etwas härter, als man es sonst bei Graff gewöhnt ist, auch etwas absichtlicher in der Haltung. Es drückt sich in ihm etwas von der Graff ferner stehenden Geniezeit aus.

Bildniss der Johanna Margarethe Christiane Gräfin von Brühl, geb. von Schleierweber und Friedenau. Von 1796.

Auf Leinwand, in Oel, 94 : 135 cm messend.

Die junge Frau sitzt in einem blauen Stuhl, über den ein rothes Tuch gebreitet [251] ist. Sie lässt die behandschuhte Rechte über die Lehne fallen, stützt mit der Linken eine Geige auf den Schenkel und blickt lebhaft nach ihrer Rechten. Das braune Lockenhaar ist mit violettem Stirnband gehalten, das vorn weit geöffnete weisse Kleid durch eine lebhaft blaue Schärpe. Bez.: A. Graff pinx. 1796.

Das Bild ist ausgezeichnet durch Lebhaftigkeit der Bewegung und Feinheit des Kolorits. Die damals 40jährige Gräfin erscheint in jugendlicher Frische, Beweglichkeit und Lebhaftigkeit des Geistes.

Bildniss derselben, Brustbild, Pastell, oval, etwa 45 : 60 cm messend, in weissem schalartig gelegten offenen Kleide. Fein empfundenes Werk.

Bildniss des Komponisten Johann Gottlieb Naumann, Sepiamalerei auf Papier, oval, 24 : 30 cm, halbe Figur, ausdrucksvoll dargestellter Kopf.

Bildniss des Hans Moritz Grafen von Brühl. Von 1796.

Auf Leinwand, in Oel, 95 : 131 cm messend.

Auf einem Felsen vor einem grauen Wolkenhimmel sitzend, den geneigten Kopf auf die rechte Hand gestützt, die Linke ruht auf dem Knie und hält einen Plan. Zur Rechten liegt der Hut. Der blaue Rock mit rothen Aufschlägen, die weisse Weste und weissen Hosen und hohen Stiefeln deuten wohl seine Stellung als Oberst von der Suite an. Bez.: A. Graff 1796.

Das schöne Bild ist ausgezeichnet durch leuchtende Wirkung und gute Erhaltung. Der damals 50jährige Graf ist von wohlwollend sinnendem Ausdruck.

Bildniss der Jenny Gräfin von Brühl, geb. Gräfin Pourtales.

Kniestück, in tiefrothem Kleid, mit kleinen Puffärmeln, entblössten Armen und Hals. Das schwarze Haar kunstreich angeordnet. Im Hintergrunde eine Landschaft mit einem See, angeblich dem von Neufchatel, wo sie sich mit Graf Karl verlobte.

Das Bild dürfte zur Zeit der Hochzeit gefertigt sein. Eine brave, doch nicht eben hervorragende Arbeit.

Bildniss des W. Shergeld.

Brustbild, auf Leinwand, in Oel, 42 : 45 cm messend.

Junger Mann von nicht eben bedeutendem Ausdruck, doch lebhaften Farben, nach rechts blickend, in grünschwarzem Rock, weissem Halstuch.

Auf der Rückseite bez.:

W. Shergeld, ein junger Engländer, welcher hier in Seifersd. beim Pastor Hilliger gewohnet von 1799 bis 1800 um die deutsche Sprache zu erlernen, gemahlt von Ant. Graff, Dresden.

Mehr eine durchgeführte Skizze als ein abgeschlossenes Bild, aber als solche von besonderer Frische.

In dem Werke von R. Muther über Anton Graff, Leipzig 1881, sind die hier bezeichneten Bilder nicht erwähnt.

Bildniss des Herzogs Karl Christian Josef von Kurland.

Kniestück, auf Leinwand, in Oel, 95 : 125 cm messend.

In rothem Rock, mit befehlender Bewegung der Linken, in der Rechten einen Kommandostab. Kräftig getöntes, ausdrucksvolles Werk.

Da der Prinz 1731 geboren wurde und hier in jugendlichem Alter erscheint, dürfte das Bild in seine Kurländer Regierungszeit 1758–63 fallen.

Bildniss der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen, seit 1747 Dauphine von Frankreich.

[252] Halbfigur, auf Leinwand, in Oel, 58 : 76 cm messend.

In rothem, verschnürtem Kleid. Der Kopf in grünlichen Tönen.

Bei der Jugend der Dargestellten und bei dem polnischen Kostüm ist anzunehmen, dass das Bild vor ihrer Vermählung, die in ihrem 16. Lebensjahre erfolgte, hergestellt wurde. Auf der Rückseite bez.:

Maria Anna Sophia . . . . . . . Dauphine.

Dies beruht auf einem Irrthum. Die ältere Schwester dieses Namens wurde 1747 Gemahlin des Kurfürsten Max Joseph von Bayern.

Bildniss des Herzogs Leopold von Anhalt-Dessau. Um 1740.

Bruststück, auf Leinwand, in Oel.

Tieftönige Arbeit, wohl gleichzeitige Kopie nach dem mehrfach vorkommenden von Aug. Hoffmann gestochenen Bild.

Bildniss der Königin Maria Lescynska von Frankreich.

Bruststück, Pastell, 52 : 62 cm messend.

In reich mit Spitzen besetztem blauen Kleid, mit schwarzem Schleier über dem Kopf, nach rechts gewendet, den Blick nach vorwärts gerichtet.

Bildniss des Königs Ludwig XV. von Frankreich.

Bruststück, Pastell, ca. 50 : 60 cm messend.

Nach rechts gewendet, im Panzer, blauem, mit Lilien geschmückten Hermelin, das Goldene Vliess um den Hals.

Bildniss des Kaisers Franz I.

Kniestück, Leinwand, in Oel, 113 : 150 cm messend. In rothem Sammtrock, Kommandostab in der Rechten. Hermelinmantel, mit dem Goldenen Vliess. Neben ihm die Krone auf einem Tisch, im Hintergrund eine Türkenschlacht. Etwas bunt und glasig im Ton.

Bildniss der Kaiserin Maria Theresia.

Gegenstück zum vorigen, sitzend, in weissem ausgeschnittenen Seidenkleid, Hermelinmantel, auf dem Tische links die Krone auf rothem Kissen. Von weisslicher, kühler Grundfärbung.

Das Bild ist weisslich und tonlos im Licht, aber ein wirkungsvolles Decorationsstück.

Bildniss der Herzogin Dorothea von Kurland geb. Gräfin Medem.

Bruststück, auf Leinwand, in Oel.

Gläsernes, künstlerisch wenig bedeutendes Werk.

Zwei Kostümbilder.

Auf Leinwand, in Oel, 74 : 57 cm messend.

Auf jedem drei Bedienstete des Grafen Brühl in den kostbaren Trachten, die sie bei der Vermählung des Kurprinzen Friedrich Christian mit der Prinzessin Maria Antonie Walpurgis von Bayern im Juni 1747 trugen.

Flotte skizzenhafte Darstellungen.

Bildniss des Prinzen Louis Ferdinand von Preussen, † 1806. Brustbild.

Auf Leinwand, in Oel, 49 : 62 cm messend.

Mit umgeschlagenem Mantel, nach rechts gewendet.

In kühler, glatter Farbenbehandlung.

Miniaturen von Richard van Orley. Bez.: 1706.

[253] Bildniss, angeblich der Herzogin Katharine von Sachsen und ihres Sohnes Herzog Moritz.

Auf Holz, in Oel, 40 : 54 cm messend.

Eine der bekannten Fälschungen des 1878 in Nürnberg gestorbenen Malers Rohrich. Erkenntlich als solche schon durch die Bezeichnung LUCKAS KRANACH MASONRVI (?), durch den weichlicheren Ton und manche Unsicherheit in der stilistischen Formgebung des Schnittes.

Hervorragend schöne Möbel, namentlich solche in Mahagoni und in chinesischer Lackarbeit mit Bronzebeschlägen, Miniaturen, darunter ein Werk Chodowieckis von 1804, Elise von der Recke darstellend, Meissner und Berliner Porzellan, Silber, Gläser, Waffen, Landsknechtsrüstungen, Jagdwaffen usw. Besonders hervorzuheben ist ein Lackschrank, in grünlichem und Goldlack, mit feiner Bemalung und vornehmstem Bronzebeschlag, in chinesirenden Formen. Mitte 18. Jahrh.


Das Seifersdorfer Thal.

Das Seifersdorfer Thal, einst eines der Hauptziele der Dresdner Naturfreunde, liegt südlich vom Dorfe und wird von der Röder gebildet, die von der Grundmühle (212,9 m über der Nordsee) bis zur Papierfabrik (194,5 m über der Nordsee, 2 km in der Luftlinie lang) in mehreren Krümmungen nach Nordwesten durch das Hügelland fliesst. Das Thal bildet einen 40 bis 50 m tiefen bewaldeten Einschnitt in dieses. Die Landschaft ist durchaus auf Anmuth gestimmt.

Die Einrichtung des Thales zu einem romantischen Park geht im Wesentlichen auf die Thätigkeit der Gräfin Christiane (Tina) von Brühl zurück. Sie begann mit dem Bau eines Tempels am unteren Theil, der am 26. Juli 1781 zum Geburtstage des Grafen Hans Moritz eingeweiht wurde. 1792 erschien ein Kupferwerk über das Thal: W. G. Becker, Das Seifersdorfer Thal, mit 40 Kupfern von J. A. Darnsted, Leipzig (zweite verkürzte Auflage 1800), das den Schmuck des Thales als im Wesentlichen fertig zeigte. Schon 1797 erschien ein zweites Werk: M. C. A. N(icolai), Wegweiser durch das Seifersdorfer Thal zum Gebrauch für Fremde und Reisende, Leipzig. Ferner ist es beschrieben in S. Ruge, Das Seifersdorfer Thal vor hundert Jahren, Dresden (1881) und Th. Seelig, Führer durch das Seifersdorfer Thal, Langebrück.

Von Südwesten nach Nordosten fortschreitend, begegnet man folgenden noch erhaltenen Denkmälern:

Altar der Tugend. Sandstein, in Form eines Postaments, mit Fuss- und Kopfgesims, 110 cm hoch, oben 62 cm im Quadrat breit. An einer Seite ein Kranz mit Rosen, darüber eine Schleife. Dazu bez.: der Tugend.

Ruine der Vergänglichkeit, wovon sich wenige Steinreste erhielten.

Altar der Wahrheit. Rechteckiger gemauerter Aufbau, Reste 1 m hoch mit ovaler Sandsteintafel, bez.:

Göttliche | Pflanze du | vertreibst den Wahn | der Meinungen, | reinigst das | Herz von | Leidenschaften.

Darüber auf kleiner rechteckiger Tafel bez.: Wahrheit.

[254] Lorenzos Grab. Ein Syenitblock, 90 cm breit, 155 cm hoch. Mit Bezug auf den englischen Humoristen Laurence Sterne (Yorick, † 1713) und dessen Sentimental journey through France and Italy 176 . (?)

Lorenzos Hütte. Jetzt verschwunden, stand auf einem erhaltenen abgerundeten Platze, der nach hinten durch trockenes Böschungsmauerwerk gebildet wird. Seitlich eine Treppe.

Quelle: Vergessenheit der Sorgen. Rechteckige gemauerte Fassung für einen Quell in der Berglehne. In der Stirnmauer eine kleine rechteckige, wohl früher für eine Inschrifttafel bestimmte Oeffnung.

Vom Tempel der Musen, den Johann Genelli entworfen, erhielt sich nur der Plan in Besitz des Grafen Brühl (s. o. S. 245).

Hermannseiche. An einer sehr starken Eiche ein Steinaltar, 100 cm breit, 140 cm hoch, 170 cm lang, aus unbearbeiteten Findlingen aufgeschichtet. Davor eine halbkreisförmige Plattform. Auf der anderen Seite des Baumes ein Findling mit eingelassener Eisenplatte. Bez.: Hermann | dem Befreyer Teutschlands.

Denkmal Lauras. Mal aus Bruchsteinen, darüber ein Würfel von Sandstein und ein Säulenstumpf, 280 cm hoch. An einer Seite ein Medaillon, bez.: Laura. Mit Bezug auf Petrarcas Geliebte.

Hütte des Petrarca. Ein rechteckiger Raum mit aus losen Steinen zusammengefügten Mauern, die sich theils bis zu 250 cm Höhe erhielten; dabei Reste eines Steinbeckens für einen Quell.

Denkmal des Prinzen Leopold von Braunschweig.

115 cm breit, 228 cm lang, 220 cm hoch.

Ein mächtiger, rechteckiger Unterbau aus Sandstein, darüber ein Sarkophag, seitlich eine rechteckige Tafel, im unteren Theil bez.:

Der Adler besucht die Erde, | doch saeumt er nicht, | schüttelt vom Flügeln den
Staub | und kehrt zur Sonne zurück.

Darüber plastisch ein Adler, der nach der Sonne fliegt. Ueber dem Sarkophag eine Vase, seitlich daran Tuchgehänge über zwei Medaillons. Auf einem ein Relief, bez.: Prinz Leopold von Braunschweig. Mit Bezug auf den auch von Goethe besungenen Tod des Herzogs (27. April 1785) bei einer Hochfluth der Oder.

Stark beschädigt.

Denkmal der Herzogin Amalie von Weimar, Schwester des Vorigen.

Vor einer rechteckigen Nische eine klassicistische Umrahmung mit gerader Verdachung; in den seitlichen Gewänden je vier Cannelüren. Bez.:

Amalie, Herzogin von Weimar.

In der Nische auf niederem Postament eine bunt bemalte, lebensgrosse Büste der Herzogin. Das hoch frisirte Haar fällt auf die mit einem Tuch bedeckten Schultern. Durch Anstriche entstellt. Das Postament bez.:

Einen Tempel der | nimmer zerfiele | suchten die Grazien | und Musen | sie fanden
ihn in | Amaliens | Geist.

Da die Herzogin am 10. April 1807 starb, dürfte das Denkmal erst dieser Zeit angehören.

Obelisk, in Sandstein, gegen 8 m hoch, auf etwa 5 m hohem angeschütteten Hügel. Der durch zwei breite Bänder gegliederte Obelisk steht auf schlichtem rechtwinkligen Sockel. Auf dem unteren Band bez.:

[255]

Heil Ihm! der gütig an uns denckt,
Wie Vater an den Sohn
Der liebent sorgt, uns Freuden schenckt,
Danck Ihm, und Gottes Lohn.

Gross ist er durch ein Ahnen Heer,
Doch ist er durch Sich selbst noch mehr,
Verstand und Tugend hält Er höhr
Als Siege, Schätz und Titel.

Er liebt sein Weib und Kind so sehr,
Ist fromm und gut wie keiner mehr,
Bricht jeden hungrigen sein Brod,
Fühlt fremden Schmertz und fremde Noth.

Wohl uns des Grafen den wir ha'n,
Er ist gut Herr und braver Mann,
Wir treten keck zu ihm heran,
Den̅ Er hat keinen Stachel.

Das obere Band bez.: Dem besten Herrn Hanß Moritz Grafen von Brühl gewidmet von den 3 Gemeinden Schönborn, Seyfersdorf, Ottendorf.

Am Sockel bez.: Anno MDCCLXXXIIII. Monumentum Amoris Christinae Com: A. Bruhl.

Brücke über die Röder bei der Marienmühle, am Schlussstein flussaufwärts bez.: H. M. G. V. B. 1780.

Denkmal des Ernst Paul von Schleierweber und Friedenau.

Steinhügel mit einer kräftigen Vase, ähnlich jener seiner Gattin (s. o. S. 244), um die sich eine Schlange windet, leider sehr zerstört. Einige Schritte rückwärts im Berge eine Tafel von Sandstein, bez.:

Dem Andenken meines Vaters | Thränen bring ich dir und Dank. | Zum traurigen Todten-Opfern. | Bitter rinnende Thränen, | Das letzte was Liebe dir geben | kann. | 1784 | Tina Brühl.

Altdeutsche Freundschaft. Vase, Sandstein, 85 cm hoch, am Fusse 37 cm breit, auf losem Steinhaufen am Felsen stehend. Von geschweifter Form, die Ecken wenig verbrochen. An den vier Seiten Tuchgehänge, die sich um die Ecken legen und den Uebergang zum Viereck bilden. Der obere Theil fehlt. Die noch von Seelig als „unkenntlich“ bezeichnete Inschrift wurde nicht gefunden.

Denkstein auf der Waldwiese. Ein kräftiges Sandsteinpostament mit einfacher Fussplatte, auf losem Steinhügel, oben eine gusseiserne Vase. Das Ganze 3 m hoch. An zwei Seiten des Postaments vertiefte rechteckige Felder.

Hinten bez.: Zeugt ihr friedlichen | Gefilde | Von den Thaten seiner | Milde; | Zeugt ihr friedlichen | Gefilde | Von der Tugend | Glück.

Vorn auf Eisenplatte bez.:

Diesen Platz zierte einst ein | ländlicher Festsaal; | Moritz und den ländlichen Freuden | gewidmet von Tina. | Er war durch Christina Gr. v. Brühl am Geburts-Tage ihres Gatten den 26sten | Juli 1781 errichtet, und den Festen bestimmt | welche alljährlich an diesem Freuden-Tage | den umwohnenden Landleuten gegeben wurden! – Die Zeit hat dies Denkmal der Liebe | und Menschenfreundlichkeit zerstört; – | die Erinnerung an dasselbe soll dieser | Stein zu den späten Enkeln bringen.




1833.
Carl Graf Brühl.

Gastfreiheit. Gemauerter Tisch mit Sandsteinplatte und zwei Steinbänken.

Denkmal des Grafen Karl von Brühl.

Eine lose geschichtete schräge Steinwand vor einem Baume mit zwei Sandsteinplatten.

Die obere, rechteckig, 61 : 94 cm messend, bez.:

Wilst o Sohn du das | Meer des gefährlichen Lebens | froh durchschiffen und froh | landen im Hafen dereinst. | Lass, wen̅ Winde dir Heucheln | dich nicht vom Stolze behegen. | Lass, wen Sturm dich ergreift, | nim̅er dir rauben den Muth. | Män̅liche Tugend sey dein Ruder | der Anker die Hoffnung | Wechselnd bringen sie dich | durch die Gefahren | ans Land.

[256] Die untere, quadratisch, 56 cm, auf vorstehendem Oval bez.:

Unserem | einzigen | geliebten | Sohn Carl | zu seinem Geburtstag | Anno 1791.

Der Graf ist am 18. Mai 1772 geboren.

Denkmal: Dem Sänger des Thales.

In runder Begrenzung auf einem Steinhügel ein rundes Postament von Sandstein mit Fuss- und Halsgesims, 80 cm hoch, bez.: Den Sängern des | Thales. Auf der Rückseite: Naumann und Neumann.

Mit Bezug auf den Componisten Johann Gottfried Naumann, † 1801 und den Dichter und Kriegssekretär Neumann.

Hütte des Pythagoras.

Kleine Plattform, an die Berglehne ein kleiner, in spitzbogiger Tonne überwölbter Keller, 2,80 m tief, 2,20 m breit, mit vorderer Stirnmauer.

Bergquell. Mauer aus Bruchstein, darin eine Sandsteinplatte, 83 : 157 cm messend. Darunter ein quadratisches Becken in Sandstein. Die Platte bez.:

Schöpfe schweigend, | warum? | So schöpfe nicht, und | warum nicht? | Nur dem stillen Genuss | ström ich | erquickenden Trank.

Denkmal des Grafen Heinrich von Brühl.

Rechteckiger Hügel aus losen Steinen, etwa 1 m hoch, mit vier eisernen Inschriftplatten, gesetzt von der Gräfin Christine, als Geburtstagsgeschenk an ihren Gatten Hans Moritz, jüngsten Sohnes des Ministers.

Die erste, 47 : 122 cm messend, bez.:

Memorabili oblito. Erex. Maur. Com. a Bruhl Ao MDCCLXXXII D. 26 IV. I

Die zweite 47 : 70 cm messend, bez.:

Grand par ses dignités | mais plus grand par lui-même.

Die dritte, gleich der ersten, bez.:

Urit enim fulgore suo, | qui praegravat artes | infra se positas, Extinctus | amabitar idem.

Die vierte, gleich der zweiten, bez.:

Unsterblich | und doch des Todes | Raub.

Denkmal des Grafen Moritz und der Gräfin Christina von Brühl, genannt „Den freundlichen Pflegern dieses Thales“.

Sandstein, 155 cm hoch, oben 68 cm breit.

Eine Sockelplatte, darüber ein kräftiger Schaft von quadratischer Grundform mit der Inschrift. Oben eine Abdeckplatte, einfach profilirt, mit klassicistischen Spitzverdachungen nach allen vier Seiten. Vorn bez.:

Die Stätte, die ein guter Mensch | betrat | Ist eingeweiht, – nach hundert | Jahren | klingt sein Wort und seine That | den Enkeln wieder.

Seitlich rechts bez.:

Dem Grafen Moritz von Brühl, | der Gräfin Christina von Brühl, | die dankbaren Kinder.

Seitlich links bez.: Den freundlichen Pflegern | dieses Thales.

Hinten bez.:

Noch wandeln Sie, die diese Stätte | schufen, | In diesen Schatten, Jeder Westhauch bringt | Den frommen Kindern und den | Kindeskindern. | Die diesen Denkstein setzten: | Geistergruss.

Carl Graf von Brühl. | Johanna Gräfin von Brühl. | 1824.

Sonnenuntergang. Eine etwa 150 cm hohe Böschungsmauer von Bruchsteinen mit einer Sandsteintafel, 55 : 86 cm messend, bez.:

Wiedersehn, das werde ich | dich untergehende Sonne | wiedersehn! – | holder

Gedanke! – | Entschwundenes, Edles, Geliebtes | wiedersehen werde ich dich | und

nie das letzte mal sehn! – | 1830.

[257] Denkmal Amors.

Einfaches Würfelpostament, darüber die nackte Figur, 112 cm hoch, Kopf ist nach links oben gewendet, beide Arme sind gehoben, die Hände halten je eine Sanduhr; auf dem Rücken kurze Flügel. Derbe Arbeit, durch Anstriche beeinträchtigt. Unten davor eine schräg liegende Sandsteintafel, 120 : 90 cm messend, bez.:

Eine Sanduhr in jeglicher Hand | erblick ich den Amor | Wie? der leichtsin̅ige Gott

doppelt | misst er die Zeit? | Langsam rinnen aus einer die | Stunden entfernter

Geliebten. | Gegenwärtigen fließt eilig die | zweite herab.

Denkmal des Dichters Johann Gottfried Herder.

Auf einem Hügel stehend, in Sandstein, 170 cm hoch.

Ein breiter, quadratischer Sockel, darüber ein rechteckiger, schlanker, nach oben breiter werdender Stein, mit Gesims, kräftiger Platte und kleinerem Carnies abschliessend, darüber die lebensgrosse Büste Herders, aus Sandstein, stark überstrichen, in derber Durchführung. Platte bez.: Herder. Darunter am Schaft bez.:

Des Menschen Leben | beschränkt ein enger | Raum. | Ein engerer beschränkt | seinen Sinn, | Sein Herz der engste | Um sich her zu sehen. | Zu ordnen, was man | kann. | Unschuldig zu ge | niessen, | Was uns die Vorsicht | gönnt, | Und dankbar froh | hinweg zu gehen | Das ist des Menschen | Lebensgeschichte. | Nicht Idee, | es ist Gefühl.

Am Sockelstein schwer erkenntlich bez.: A. Dorestan. Mit Bezug auf die Dichtung des Jean François Marmontel, † 1799.

Die Büste Herders ist erst in einer späteren Zeit an Stelle einer Urne aufgestellt worden.

Hütte der Hirtin der Alpen.

Reste von Böschungsmauerwerk in dem ansteigenden Gelände, davor eine kleine Terrasse, vorn etwa im Halbkreis begrenzt.

Das Bad.

Reste der Ufermauer am linken Röderufer.

Ach, wie schön.“

Links am Wege weiter hinauf eine Bruchsteinmauer, etwa 150 cm hoch, mit zwei eingemauerten rechteckigen Sandsteintafeln, deren Ecken verbrochen sind. Die obere im Oval bez.: Für | Johanna | und | Moritz | 1820. Die untere bez.: Ach wie schön.

Denkmal des Pan.

Auf einem Rundtheil der Rest eines Sandstein-Sockels mit einfachem Profil. 23 cm hoch, 30 : 20 cm breit.

Steinkreuz, mit abgerundeten Kreuzarmen; am Steinberge, bez. 1678.


Trachenberge.

Dorf, 4,65 km nördlich von Dresden.

Denkmal des J. B. J. Hirsch. (Fig. 253.)

Auf einem Bruchsteinsockel ein Granitwürfel, 78 : 80 : 92 cm messend. Darüber ein schöner Helm klassischer Form mit Haarkamm und Schweif, in Bronze. Bez.:

[258]
Dem | Koen. Sächs. Hauptmann | des Artillerie Corps | und Ritter des Sanet Heinrichs Ordens | I. B. I. Hirsch | von | seinen trauernden Waffenbrüdern | den 7. October 1822.

Auf der Rückseite bez.: Renov. 1872. 1900.

Auf dem Artillerieexerzierplatze in der Dresdner Haide. In der Art des Pettrich.

Fig. 253. Trachenberge, Denkmal des J. B. J. Hirsch.

Gasthaus zum Wilden Mann. Die alten Gebäude wurden vor einigen Jahren entfernt. Ueber der Thür des Neubaues eingemauert eine nackte, stehende männliche Figur, Sandstein, etwa 70 cm hoch, mit Vollbart, auf dem Haupte und um die Hüften ein Blattgewinde. Der linke Arm liegt an der Seite des Körpers, der rechte an einer langen Holzkeule. Darüber vermauert ein geschwungenes Sandsteinband, bez.: 17. Gast Hoff zum wilden Man̅. 75.

Es dürfte dies der einzige Ueberrest der alten Anlage sein.

Gasthof zum Heller. An der Landstrasse vor Rähnitz gelegen, über dem Dache ein Thurm von quadratischer Grundfläche. Wetterfahne bez.: S. 1787. [259]

Fig. 254. Trachenberge, Scheune und Weinkeller.

Fig. 255 u. 256. Trachenberge, Scheune, Grundriss des Kellers u. Schnitt durch diesen.

Fig. 257. Trachenberge, Weinkeller.


[260] Gebäude im 19. Jahrhundert durch einen Umbau stark verändert, wobei die alte Fahne mit verwendet wurde.

Abseits der Strasse, nach Osten zu, unter der jetzigen Scheune (Fig. 254) erhielt sich ein Kellerraum, 8 m breit, 18 m tief bei 3,80 m lichter Höhe (Fig. 255, 256), in Quadermauerwerk hergestellt. Schlussstein des

kräftigen Stichbogenthores wie nebenstehend. Vor dem Keller ein Vorraum in zwei Geschossen, im halben Achteck geschlossen. Beleuchtet wird der Raum durch zwei ovale Fenster. Portal (Fig. 257) in kräftigen Formen, im Kämpferstein, rechts das Erdmannsdorf’sche Wappen, bez.: W. D. V. E. in Bezug auf den sächs. Oberlandjägermeister Wolf Dietrich von Erdmannsdorf; links das Pflugsche Wappen, bez.: J. C. G. P. in Bezug auf dessen Gemahlin Johanna Christiane geb. Pflugk.

An der Unterseite des Schlusssteins derselbe Namenszug wie an dem hinteren Thor.

Obergeschoss, verputzter Fachwerksbau, der sich an den Scheunengiebel anlegt, mit kräftigem Holzgesims, darüber Ziegelbedachung. Das Ganze giebt ein äusserst malerisches Bild.


Uebigau.

Dorf, 4 km nordwestlich von Dresden.

Das Schloss.
Baugeschichte.

Das Schloss wurde vom Grafen Jacob Heinrich von Flemming seit etwa 1724 am Ende der etwa 2,6 km langen, vom Elbufer oberhalb dem Zwinger ausgehenden, das Ostragehege durchschneidenden Allee am rechten Ufer der Elbe errichtet, um „den von Dresden aus seienden Prospekt zur Zierde des Landes zu bessern“. Schon 1725 dachte der Graf den Bau zu beziehen, beschloss aber eine Vergrösserung durch die den fertig gestellten Kern umgebenden Arkaden. Architekt war Johann Friedrich Eosander von Göthe. Graf Wackerbarth begutachtete im Mai 1726 den Plan, der König August der Starke griff persönlich in die Gestaltung ein und kaufte das Schloss am 26. April desselben Jahres gleichzeitig mit dem Flemmingschen Palais in der Landhausstrasse. Nach dem Erwerb scheinen erst die Terrassen, die Treppe nach der Elbe und die Laubgänge und Pavillons entstanden zu sein, die den Garten zierten.

König August II. schenkte 1733 das Schloss dem Grafen Alexander Josef von Sulkowsky, kaufte es jedoch 1736 zurück. 1831 wurde es meistbietend versteigert und befindet sich seitdem in Privatbesitz. Zur Zeit dient es als Gasthaus.

Vergl. Hänel & Adam und Gurlitt, Sächsische Herrensitze und Schlösser, S. 19 flg.

Baubeschreibung.

Das Schloss besteht aus zwei Geschossen (Fig. 258 und 259). Der Kernbau enthält eine stattliche Treppe mit schmiedeeisernen Gittern (Fig. 260) und in jedem Geschoss vier grössere Zimmer, einen kleineren Raum und eine Nebentreppe. Er

[261]

Fig. 258 und 259. Uebigau, Schloss, Erd- und Obergeschoss.

[262]

Fig. 260. Uebigau, Schloss, Treppengitter.

wird umgeben von einer offenen, jetzt theilweise geschlossenen Bogenhalle (Fig. 261), deren untere zur Aufstellung der Orangenbäume diente. Sie ist gequadert. Ueber dem Consolenhauptgesims findet sich in der Mitte eine Gruppe von je zwei Figuren mit dem Wappen der sächsisch-polnischen Könige. Die Architektur unterscheidet sich durch strengere, der italienischen Hochrenaissance nahestehenden Haltung ganz erheblich von der sonst in Dresden üblichen.

Die alte Gartenanlage zeigt Fig. 262. Zwei Thorhäuser und ein Wirthschaftsflügel befanden sich an der Landseite. In der Hauptachse des Gartens schlossen sich Laubgänge mit Garten, Teich, Springbrunnen und Orangerie an. Im vorderen Garten waren verschiedenartige Schmuckanordnungen. Doch erhielt sich von diesen nichts als die Freitreppe zur Elbe und auf der Terrassenmauer eine Anzahl Kindergruppen und Vasen.

Vier Figurengruppen in der Mitte über der Brüstung der Treppe, Sandstein, 115 bis 120 cm hoch.

Fig. 261. Uebigau, Schloss von der Elbseite.

[263] 1. Zwei nackte Knaben (Fig. 263) als Kugelträger, stehen mit dem Rücken gegeneinander, ein Tuch dient als Unterlage für die Last. Zwischen den Füssen Gestein.

2. Tanzendes Paar (Fig. 264), in der Tracht der Zeit, zwischen beiden ein Baumstumpf.

Fig. 262. Uebigau, Schloss, Gartenanlage nach einem alten Plane.

A. Schloss.
B. Thorhaus.
C. Orangerie.
D. Thorhaus.
E. Wirthschaftsgebäude.


3. Der Tänzer legt einen Blumenkranz auf das Haupt der Tänzerin, indem sie sich die Rechte reichen. (Fig. 265.)

4. (Gegenstück zu 1.) Zwei nackte Knaben stehen auf Steingerölle mit den Seiten gegeneinander. Geschlechtstheile und Nase beschädigt.

Auf der rechten Seite fünf Postamente:

[264]

Fig. 263. Uebigau, Figurengruppe.

Fig. 264. Uebigau, Figurengruppe.

Fig. 265. Uebigau, Figurengruppe.

Fig. 266. Uebigau, Figurengruppe.

[265]

Fig. 267. Uebigau, Figurengruppe.

Fig. 268. Uebigau, Vase.

Fig. 269. Uebigau, Figurengruppe.

Fig. 270. Uebigau, Figurengruppe.

[266] 1. Tanzende in klassischer Kleidung (Fig. 266). Das Mädchen hält in der Rechten eine Maske und reicht die Linke dem Tänzer, der mit dem Hute in der Hand die Ankommenden begrüsst.

2. Eine Vase, 130 cm hoch, Sandstein, unten stark zerstört, an zwei Seiten Köpfe, der eine zerschlagen, vorn und hinten Muscheln. Der Gefässbauch ist mit einem Schuppenumhang bedeckt.

3. Ein junges Paar, 115 cm hoch (Fig. 267), nach links schauend. Der Tänzer hält in der Linken den Hut, die Tänzerin in der Rechten einen Federfächer. Die Köpfe sind theilweise beschädigt.

Fig. 271. Uebigau, Figurengruppe.

4. Eine Vase (Fig. 268), Sandstein, 140 cm hoch, quadratischer Fuss, mit sehr bewegtem Aufbau, vorn und hinten je eine Muschel, seitlich je ein weiblicher Kopf mit Strahlenkreuz darunter. Die Fläche ist rauh gestuckt. Unter den Vasen die noch am besten erhaltene; der Aufsatz fehlt.

Linke Seite. Auf sieben Postamenten erhielten sich fünf Figurengruppen und zwei Vasen, Sandstein, erstere etwa 115 cm, letztere 140 cm hoch.

1. An der Treppe ein junges Paar (Fig. 269), das Mädchen blickt nach unten, dem Ankommenden entgegen, der Knabe nach dem Garten, um den Ankommenden zu begrüssen. Die linke Hand hält einen Schlapphut. Die Tänzerin wirft eine Kusshand. Von bewegter Form.

2. Vase, mit seitlichen Anläufen und Blumengehängen und Muscheln an den Stirnseiten.

3. Stark bewegte männliche und weibliche Figur, die sich umschlungen halten; er hat den linken Arm am Hut, den rechten auf dem Rücken von ihr liegen.

4. Zwei musizirende Knaben, der rechte auf einem Baumstamm Cello spielend, der linke geigend. Arme und Beine beschädigt.

5. Ein Paar, Menuet tanzend, im Zeitkostüm. (Fig. 270.)

6. Es erhielt sich der alte Untersatz einer Vase mit den seitlichen Anläufen. Die jetzige Vase ist modern.

7. Paar in türkischer Tracht (Fig. 271). An den Aermeln Blumengewinde. Der rechte Arm drückt den Tänzer scheinbar fort, der ihr Blumen aus dem Haar nehmen will.

Die gefällige Arbeit ist leider sehr verwittert.

Zwei weitere Postamente ohne Figuren schliessen sich diesen Gruppen an, nach Westen zu.

Im Innern erhielten sich einige in sehr schlechtem Zustande befindliche Bildnisse.

[267]

Wachau.

Kirchdorf, 5,1 km nördlich von Radeberg.

Die Kirche.

Die Kirche war mittelalterlichen Ursprungs; 1689 wurde von dem Maurermeister Ambrosius Friedel in Radeberg und dem Zimmermeister Martin Pfützner in Bischheim (Oberlausitz) der heute noch stehende Thurm angebaut. Dieser wurde 1750 erneuert, 1820 die neue Kirche an diesen Thurm angebaut durch Maurermeister Hoffmann in Dresden und Zimmermeister Kliemann in Radeberg. Sie ist ein geräumiger rechteckiger Saal mit stark verbrochenen Ecken an der Ostseite; in der Achse legt sich nach Westen der Thurm, nach Osten die Sakristei an. Das Aeussere ist schlicht; die hohen im Stichbogen geschlossenen Fenster mit glatter Umrahmung gehen durch die Emporengeschosse durch. Die im Stichbogen geschlossenen Thüren befinden sich in der Mitte der beiden Langseiten; eine weitere Thüre führt von Westen durch den Thurm. Ueber den Thüren eine gerade Verdachung auf einfachen Consolen.

Südthür bez.: Religioni sacrum. Ao̅. M.D.CCCXXIII.

Nordthür bez.: Neu erbauet im Jahr 1823.

Der Thurm ist bis zur Dachhöhe quadratisch, dann achteckig, eine Schräge vermittelt den Uebergang. Ueber dem Achteckgeschoss mit der Glockenstube eine glockenförmige Dachhaube, darüber eine achtseitige, mit stark bewegter Dachform versehene Laterne, Wetterfahne bez. mit den Initialen der Patrone von 1689 und 1820 und dem Wappen von Wachau, dem wachsamen Kranich.

Das Innere ist sehr hell, hat eine horizontale Decke und nach drei Seiten schwerfällige Emporen auf Stützen. Ueber dem dreitheiligen Altaraufbau die Kanzel. Alles dies ist handwerklich derb durchgeführt. Die Malerei der Kirche wurde 1898 ausgeführt.

Vier Glocken. Die erste, 80 cm hoch, 104 cm im unteren Durchmesser, am Halse beiderseitig der Inschrift reiches Ornament, Rankenwerk mit Masken in Renaissanceformen. Am Mantel auf der einen Seite das Wappen derer von Schönfeld, bez.: J. N.–V. S. | 1664, mit Bezug auf den sächsischen Kammerdirektor Johann Nicol. von Schönfeld. Auf der anderen Seite das Wappen des Andreas Herold, bez.: A. H.

An der Krone sechs männliche Masken. Der Bolzen ist unten etwa 12 cm hoch, achtseitig geformt, die Seiten sind durch vertiefte Flachbogen belebt. In zwei Zeilen oben bez.:

Herr Johann Adam von Schone-Feld hatt Gott zu Ehren und der Kirchen zu Wachau

zum Andencken. | Diese Glocke auf seine eigene Kosten giesen lasen goss mich Andreas

Herold in Dresden. Anno 1693.

Die zweite, 64 cm hoch, 83 cm im unteren Durchmesser, am Halse wie die vorige durchgebildet, auf der einen Seite das Wappen derer von Schönfeld, bez.: J. N.-V. S. | 1664.

An den Aufhängern sechs weibliche Masken, oben bez.: mich gos Andreas Herold in Dresden.

[268] Die dritte, 43 cm hoch, 56 cm im unteren Durchmesser, wie die vorige durchgebildet, seitlich das Schönfeld’sche Wappen, bez.:

J. N.–V. S. | 1664.

Sechs männliche Masken an der Krone. Am Halse bez.: mich gos Andreas Herold in Dresden.

Die vierte, in der achtseitigen Laterne als Schlagglocke aufgehangen, 54 cm hoch, 71 cm im unteren Durchmesser, wie die vorstehenden zwei durchgebildet. Oben bez.: mich gos Andreas Herold in Dresden.

Unten bez.:

J. N.–V. S. | 1664.

Dazu das Schönfeld’sche Wappen. An der Krone sechs männliche Masken.


Altargeräthe.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 178 mm hoch, 130 mm im unteren Durchmesser, mit sechspassichtem Fuss, Stiel und Knauf mit Roteln, am Fuss ein Gekreuzigter, 27 mm hoch, ohne Kreuz. Gravirtes Maasswerk zieht sich vom Stiel über den Knauf nahe dem Fuss herunter. Cuppa trichterförmig. Roteln bez.: Jhesvs. Darunter am Stiel bez.: Maria †. Darüber am Stiel bez.: Jhesvs. Wohl um 1520 entstanden.

Patene, 14 cm im Durchmesser, mit beistehendem Zeichen.

Ungemarkt.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 137 mm hoch, 131 mm im Durchmesser, mit rundem Fuss, Stiel und Knauf, letzterer glatt durch eiförmige Glieder zusammengesetzt. Am Stiel oben bez.: Hilf Got. Unten bez.: Maria h. An der Fussplatte oben ein Crucifixus, 23 mm hoch, am Kreuz. Aus gleicher Zeit.

Patene dazu, 152 mm im Durchmesser, mit beistehendem Kreuz im Kreis.

Ungemarkt.

Vortragkreuz, Schmiedeeisen, der Korpus vergoldet, bez. 1645 J. N. v. S. wieder mit Bezug auf Johann Nicol. von Schönfeld, 1881 erneuert.

Hostienschachtel, Silber, 10 cm im Durchmesser, runde Form, einfach, mit Fussplatte, seitlich am Mantel kräftig getriebenes Rankenornament in Barockform, auf dem Deckel ein Kreuz; aus der Zeit um 1680. Am Boden bez.:

Der Kirche zu Wachau von A. v. E. 1829.

Wohl in Bezug auf eine Erneuerung am Deckel. Darunter, die anscheinend ältere Bezeichnung: W. F. v. D. mit Bezug auf Wolf Dietrich von Döring.

Crucifixus (Fig 272), in weissem Porzellan, ausgezeichnete Meissner Arbeit, die Figur 46 cm hoch, an schwarzem Holzkreuz, mit Postament. Ueber dem Kopf in drei verschiedenen Sprachen auf Porzellantafel bez.:

Jesus nazarenus rex iudaeorum.

Die Tafel, die Dornenkrone, die Finger und ein Schenkel sind beschädigt.

Taufschüssel, Zinn, 45 cm Durchmesser, einfach, mit breitem Rand. Bez.:

Der Kirche zu | Wache. | 1736. | Renoviret zur Einweihung | der neuen Kirche. | 1823.

Marken abgearbeitet.

[269] Zwei Altarleuchter, Zinn, 46 cm hoch, mit kräftigem Fuss und auffallend kurzem Schaft, der sich nach oben verjüngt, in dem tellerförmigen Kopf ein Dorn. Bez.: mit Bezug auf Johann Georg Grafen von Schönfeld:

J. G. G. V. S. | 1736. | renoviret zur Einweihung | der neuen Kirche. | 1823.

Ungemarkt.

Abendmahlkanne, Zinn, 260 mm hoch, 155 mm im unteren Durchmesser, einfach, mit Bezug auf den Pastor Vollrath bez.:

Zum Andenken | von | M. C. F. V. Past. | und | C. H. V. gebr. B. | am 15. Febr. | 1781.

Wie nebenstehend gemarkt.

Fig. 272. Wachau, Crucifixus.

Taufkanne, Zinn, 10 cm fussweit, 14 cm hoch, ebenso gemarkt.

Abendmahlkanne, Zinn, 195 mm hoch, 135 mm im unteren Durchmesser, einfach, von kurzer Form, bez.:

Zum Andenken | von | C. H. V. g. B. am 15. Febr. | 1781.

Ebenso gemarkt.


Denkmäler.

Denkmal eines Herrn von Gersdorf.

Sandstein, ca. 1 : 2 m.

Die mittlere grosse Inschrift ist zerstört, an den vier Ecken die Wappen der Gersdorf (undeutlich) Lüttitz und wahrscheinlich Haugwitz.

D. v. Görsdorff. D. v. L.
D. v. . . . . gsdorff.      D. . . . . . . .

18. Jahrhundert.

Jetzt im Park des Schlosses.

Denkmal des Pfarrers Christian Rothe, † 1735, geb. 1674.

Sandstein, 2 m hoch, 1 m breit.

Ein rechteckiger Stein, oben mit geschweifter Verdachung, mit einer Krone darüber, darunter drei geflügelte Kindengel aus Wolken mit Strahlen umgeben, seitlich bilden Anläufer eine etwas bewegtere Abgrenzung.

Der Stein ist beiderseitig bezeichnet, Inschrift sehr verwittert. Auf der Rückseite der Leichentext.

Das freistehende Denkmal befindet sich auf dem südlichen Theil des Friedhofs.

Denkmal der Jungfrau Christiane Elisabeth Rothe, † 1729.

Sandstein, 60 cm breit, 130 cm hoch.


[270] In der Durchführung der Architektur ähnlich wie das Denkmal des Vaters; oben zwei Kindengel symmetrisch angeordnet, darunter im Relief, oval begrenzt, ein Rosenstock, nach dem ein Arm langt, um einen Zweig zu brechen. Bez.:

Unter diesen Stein, | Ist eine vor der Zeit abgebrochene | Rose beygelegt | nehmlich | Jungf. Christiane Elisabeth Rothin | Herrn Christian Rothens Pfarrer allhier. | und Frauen Marien Christinen Rothin gebohrne | Metzlerin hertzge Tochter, welche gebohren in Rithnitz den 15. Jan. 1712 auf ihren Heyland seelig verschieden in Dres | den den 13. Nov. 1729. Ihres alters 17 . . . . 10 Monath . . . . . Zeug mich dir nach | so laufen wir.

Fig. 273. Wachau, Denkmal des Johann Georg Grafen
von Schönfeld.

Der Stein steht auf dem südlichen Theil des Friedhofs frei. Inschrift theilweise unkenntlich.

Denkmal des Johann George Grafen von Schönfeld, † 1770. (Fig. 273.)

Sandstein, theils vergoldet, 250 cm hoch, 130 cm breit.

Ein dreitheiliges Postament, darüber eine sich nach oben verjüngende, durch geschweifte Verdachung geschlossene Steinplatte. Eine Vase dient als oberer Abschluss, seitlich links eine gebrochen gebildete Säule. Das Ganze absichtlich in Art der Ruine gebildet. Unter der Verdachung drei Kindengelsköpfe, umgeben von Strahlen und Wolken, darunter eine Rococokartusche. Aus der theils zerstörten Inschrift geht hervor:

Diese Grufft verwahret den weiland-Hochgebohrenen Grafen und Herrn, Herrn Johann George des H. R. R. Graf von Schönfeld, auf Wachau Liegau, Groß . . . . . ten . . . . . Churfurst. Sächß. kam̅er auch Hof und Justitien Rath. Ward geboren den 19. Sept. 1718. vermählte sich den . . Nov. 17 . . mit Fräulein Sabinen Julianen v. Pflugk aus dem Hauße Strehla. Starb im Jahre 1770 am 11. Okt. seines Alters 53. Jahr. 3. Wochen 1 Tag.

Das Denkmal ist an der Ostseite der Kirche aufgestellt.


Das Schloss.

Das Schloss wurde angeblich seit 1730 für Grafen Johann Georg von Schönfeld, unter der Vormundschaft der Gräfin Magdalene Sophie Elisabeth, geb. Gräfin von Werthern begonnen. Es soll 24 Jahre lang daran gebaut worden sein. Es besteht aus Erdgeschoss, Hauptgeschoss und Halbgeschoss.

[271]

Fig. 274. Wachau, Schloss, Hauptfaçade.

[272] Die Hauptfaçade (Fig. 274) besteht aus einem Mittelbau von drei auffallend breiten Achsen, je einer Rücklage von zwei Achsen und einem Eckrisalit, wieder von zwei Achsen. Nur der Mittelbau ist reicher gegliedert. Er zeigt im Erdgeschoss vier schwere Consolen tragende Lisenen, auf den Consolen einen stark geschwungenen Balcon. Ueber den Fenstern des Hauptgeschosses Barockverdachungen mit Kartuschen über den im Stichbogen gebildeten Oeffnungen. Auch die Fenster des Halbgeschosses haben hier Stichbogen. Der Mittelbau ist überdeckt von breitem Giebel. In diesem unter gräflicher Krone das Wappen derer von Schönfeld und auf zwei Kartuschen je die Bezeichnung G. v. S.

Fig. 275. Wachau, Schloss, Grundriss des Erdgeschosses.

Vor der Façade eine stattliche Rampe mit geschweifter Balustrade und Treppenanlage.

Im Innern (Fig. 275) ist die grossartige Anordnung des Vestibules, über diesem des Festsaales, sowie der dreiläufigen Treppe beachtenswerth. Die Flügelbauten enthalten die Nebenräume zu beiden Seiten eines schmales Flurs.

Von der alten Innendecoration des Schlosses erhielt sich nichts. Es wurde 1883 durch den Architekten Weidenbach in Leipzig, nach Angaben des jetzigen Besitzers, Herrn G. A. G. Kühne, neu eingerichtet.

Das Schloss steht auf einer von Wassergraben gebildeten Insel. Der Park ist anglisirt worden.

[273] Im Schlosse befindet sich eine überaus reichhaltige Sammlung von europäischen und asiatischen Webereien, Teppichen aller Art, Rococomöbeln, namentlich Leipziger Herkunft, Erzeugnissen der Keramik, Gemälden etc., die der

Fig. 276. Wachau, Schloss, Ofen.

Fig. 277. Wachau, Schloss, Ofen.

jetzige Besitzer durch Erbschaft und Kauf zusammenbrachte.

Erwähnt möge nur sein ein Gemälde von Lucas Cranach, Lucrezia, sich den Dolch in die Seite stossend, Kniestück, gemarkt mit geflügelter Schlange und 1538.

[274]

Fig. 278. Wachau, Schloss, Stück eines Ofens.

Truhe, Holz, mit Wismuthmalerei, bez.:

B. | 1595. | Chr. Fr. V. T. | O. F. 1595 | Z. G. S. M. V. T. B. T. G. S.

Mit Bezug auf Christian Friedrich von Tschirnhaus u. eine geb. v. Sommerfeldt.

Im Innern reich bemalt. Höchst interessant, leider stark beschädigt.

Ofen, aus dem Pfarrhaus (Fig. 276), in weisser Fayence, von reichem und vornehmem Aufbau. Zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Jetzt im Schlosse.

Die gemalten Wandteppiche und den Ofen (Fig. 277), siehe unter Radeberg, Seite 196 und 197.

Stück eines bäuerlichen Ofens (Fig. 278) mit einer bemerkenswerthen Darstellung eines Töpfers mit seinen Geräthen. Zweite Hälfte 18. Jahrh.

Stuhl (Fig. 279), mit gemustertem Plüsch auf Sitz und Rückenlehne, Lederbezug auf der Rückseite. Auch 18. Jahrh.


Statuen.

Zwei Sandsteinfiguren, ca. 85 cm hoch, Italiener mit zwei Flaschen unter dem


Fig. 279. Wachau, Stuhl.

     

Fig. 280. Wachau, Statue.

[275] Arm, Filzhut, lächelnder Miene. Narr (Fig. 280) mit hohem Spitzhut, enormem Bauch, eingestemmten Armen. Wohl um 1700.

Die zweite Figur entspricht den Nippes aus monstrosen Perlen. Beide sind aber in Oesterreich erkauft. Vor dem Schlossthore aufgestellt.

Fünf Büsten, Sandstein, 65 bis 70 cm hoch, darunter Janus, die Wahrheit (mit verschleierter oberer Gesichtshälfte), Minerva (mit Lampe und Buch), ein bärtiger Greis (Winter?), weibliche Büste, an deren Brust eine Maske angelehnt ist. Interessante, ausserordentlich flott gearbeitete Barockwerke aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Büsten stammen aus Oberlichtenau. Jetzt an der Schlossrampe, die letzte im Park.

Sechs Sandsteinfiguren (Fig. 281–284), in dreiviertel Lebensgrösse die Gestalten der italienischen Komödie darstellend, in der Art des Kändler. Aus Oberrabenstein stammend. Jetzt im Park aufgestellt. Um 1700.

Sandsteinfigur, Saturn (Fig. 285), etwa Lebensgrösse, in heftiger Bewegung nach rechts gewendet, die Linke auf einen Fels gestützt, die Rechte packt eines seiner Kinder, in das er, während es mit dem Kopf nach unten hängt, einbeisst. Zu Füssen liegen Papierballen, Zirkel, Meissel. Die ausgezeichnete Arbeit, etwa um 1720 gefertigt, stammt aus Merseburg. Jetzt im Parke.

Sandsteinfigur (Fig. 286), 3/4 Lebensgrösse. Lebhaft geschwungene weibliche Gestalt, Aehren in dem linken Arm tragend. In der Art der Dresdner Zwingerfiguren. Um 1720. Jetzt in einer Nische am Gutseingange. Die letzten Beiden in der Art des Permoser.

Vier Sandsteinfiguren, Kinder, 100 bis 110 cm hoch. Eins auf einem Felsen sitzend, das an einer Muschel horcht; eins, das in beiden Händen den Stengel einer Frucht (Melone) hält, die es mit der Rechten zu verbergen scheint; eins, das die Rechte erhebt; das vierte lässt aus der Linken einen Rettich (?) herabhängen. Derbe, für höhere Aufstellungen berechnete Werke der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus einem Garten an der früheren Badergasse in Dresden.

Sandsteinfigur, Putte, ca. 90 cm hoch, ein Gewandstück zwischen den Beinen nach der Schulter heraufziehend. Derbe Arbeit, wohl der Zeit um 1730 angehörend. Aus dem Maxpalais in Dresden. Jetzt hinter dem Schlosse stehend.

Drei Figuren verschiedener Herkunft. Ein Krieger mit Löwenfell um den Kopf, Gorgonenschild und Schwert (oder Keule?) in der Linken, 95 cm hoch. Putte auf hübschem, geschweiftem Postamente stehend, neben ihm eine Bombarde, die er eben losgebrannt zu haben scheint. Mädchen mit Federschurz, mit der Rechten eine Medaille an die Brust drückend, in der Linken ein Stab. Alle drei wohl aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts. Vor dem Schlosse aufgestellt, aus Thüringen stammend.

Sandsteinfigur, Putte, auf einem Säulenstumpf sitzend, den rechten Arm auf einen Todtenkopf gestützt, mit der Linken eine Sanduhr auf das Knie stützend. Wohl um 1750, von einem Grabmal aus Dresden stammend.

Zwei Sandsteinfiguren, Kinder, ca. 80 cm hoch. Einer einen brennenden Feuertopf vor sich haltend, der andere lebhaft nach rechts sich wendend, neben ihm ein Delphin. Wohl Feuer und Wasser. Mitte 18. Jahrhundert. Aus Dresden stammend. Jetzt auf der Brücke vor dem Schlosse.

[276]

Fig. 281–284. Wachau, Statuen, Figuren aus der italienischen Komödie.

[277] Vier Sandsteinfiguren: Kinder, ca. 1 m hoch, mit dem Tamburin. Hirt (Treue?) mit einem Hunde auf dem Arm; Amor (Wachsamkeit?) laufend, mit Flügeln, ein Hahn zu Füssen; Säemann, mit dem Getreidesack ausstreuend.

Derbe Arbeiten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Aus der Riesaer Gegend. Jetzt auf der Brücke vor dem Schlosse.

Fig. 286. Wachau, Schloss, Statue.

Sandsteinfigur, 110 cm hoch, Mädchen in einem eng den Unterkörper einhüllenden Gewand, die Rechte auf die Brust gelegt. Um 1760. Aus Freiberg stammend. Jetzt im Blumengarten.

Fig. 285. Wachau, Statue des Saturn.

Sandsteinfigur, der Tod, ca. 1 m hoch, mit beiden Armen auf die umgestülpte Fackel gestützt, mit überschlagenen Füssen, mit Flügeln, Tuch um die Lenden. Feine, stimmungsvolle Arbeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts. Vielleicht von Fr. Pettrich. Vom alten katholischen Friedhof in Dresden. Jetzt im Blumengarten.

Büste, des berühmten Landwirthes Albert Thaer, † 1828. In streifigem weissen Marmor. Meisterhafte Arbeit in der Art des Gottfried Schadow.

Julius Friedländer, Gottfried Schadow, II. Aufl., Stuttgart 1890, nennt freilich unter Schadows Werken eine Büste Thaers nicht.

[278]
Wahnsdorf.

Dorf, 10,6 km nordnordwestlich von Dresden.

Im Gut Nr. 9. Auf den Thorpfeilern zwei Figuren, Sandstein, 63 cm hoch, links ein Bacchus, in der rechten erhobenen Hand ein Pokal, in der Linken und im Haar Weintrauben; der Körper ist durch ein Fell theilweise bedeckt. Hübsche charakteristisch durchgeführte Arbeit.

Rechts ein alter sinnender Mann, mit Vollbart, das geneigte Haupt wird von dem rechten Arm gestützt, der andere liegt über demselben. Der Vorderkörper grösstentheils nackt, über den Rücken fällt ein schwerfällig durchgeführtes Tuch.

Handwerklich derb durchgeführt. Wohl zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Im Gut Nr. 1. (Oestlich der grauen Presse.) Auf einfachen Thorpfeilern zwei etwa 110 cm hohe weibliche Figuren, Sandstein, vielleicht Sommer und Winter.

Ersterer, mit erhobenem etwas nach rechts gewendeten Haupte. Das hoch gegürtete Gewand lässt das linke Bein bis über das Knie frei, der linke Arm zieht es mit nach oben. In der rechten Hand ein Getreidebüschel. Solches ist auch in dem Haar mit verflochten. Die zweite Figur hält das Haupt geneigt, die Arme liegen vorn über der Brust zusammen, Kopf und Körper sind verhüllt durch ein Fell, von dem eine Tatze auf dem Rücken sichtbar ist.

Hübsche, wenn auch derbe und wenig künstlerische Arbeiten. Wohl um 1700.

Der Pfeifer (Restaurant). Auf dem östlichen Höhenzuge des Lössnitzgrundes gelegen. Ein einfacher, schlichter, rechteckiger Bau, aus Erd- und Obergeschoss bestehend. An der Langseite in der Mitte eine dreiachsige Vorlage, die oben als Spitzverdachung mit einer Halbkreisöffnung abschliesst, seitlich je zwei Achsen, an den Schmalseiten deren drei. Die Thür liegt in der Mitte der Vorlage und die darüber liegenden drei Fenster mit einfacher gerader Verdachung auf Consolen.

Das Innere steht mit dem Aeusseren nicht im Zusammenhang. Die Formen des kräftigen Hauptgesimses und der Verdachungen weisen den Bau wohl in die Zeit um 1830.


Wallroda.

Kirchdorf, 3,1 km östlich von Radeberg.

Kirche. Einfach rechteckiger Saal, die Sakristei ist östlich in der Mitte angebaut, ein weiterer Anbau, die Vorhalle, nordwestlich. Der Aufbau ist äusserst schlicht: steiles Dach mit zwei Fachwerksgiebeln an der Ost- und Westseite. Ein Hauptgesims fehlt, die Sparren und das Dach laden stark über die Umfassung aus. Als Glockenträger dient ein achtseitiger Dachreiter mit einfachem spitzen Zeltdach.

Im Innern Holzdecke, die mit Mauresken und Blumen bemalt gewesen zu sein scheint, jedoch weiss übertüncht wurde. Sie ist durch aufgelegte Profilleisten in quadratische Felder geteilt.

[279] Emporen an der West-, Nord- und Ostseite, weiss, mit gelben Streifen abgesetzt, Brüstung einfach durch vertikale Bretter in Felder getheilt. Das untere Rahmenholz mit vertieftem Profil und kräftigen quadratischen und rechteckigen Spitzquadern.

Gestühl, weiss, ebenfalls mit gelben Streifen abgesetzt, von einfachster Renaissanceform.

Fig. 287. Wallroda, Flügelaltar.

Betstube an der Südostseite vor der Kanzel, Rückenlehne mit Rundbogenfüllung, seitlich Kämpfergesims mit Rollwerk am Bogen, getrennt durch dorische, auf zwei Drittel cannelirte Pilaster. An der Westseite einfache Rundbogenthür mit glatter Umrahmung. Am Gebäude selbst finden sich keine Baureste aus gothischer Zeit, es deutet vielmehr alles auf einen einheitlichen Bau im 17. Jahrhundert.

Flügel-Altar (Fig. 287), geschlossen 107 cm breit, 145 cm hoch. Auf den Flügeln aussen in Malerei: die Verkündigung. Die Figuren sind 85 cm hoch, links: der Engel hält in der linken Hand einen beschriebenen Papierstreifen, die rechte erhoben; rechts: Maria, 90 cm hoch, in langem Haar, durch schwarzes Band oben gehalten. Hinter dem Haupt eine Strahlenkrone. Die Arme über die Brust gekreuzt, um den Körper ein grüner Umhang. Im Innern an den Flügeln je zwei Bilder übereinander, die 60 : 40 cm messend, in Temperafarben auf Holz [280] gemalt. Links oben: Saulus auf niederbrechendem Pferde, rechts vor ihm drei Männer, nach ihm mit den Händen hinweisend. Links unten: Apostel Paulus, knieend, Hände gefaltet, hinter ihm ein Krieger mit erhobenem Schwert, um ihm den Kopf abzuschlagen, seitlich rechts zwei weitere Männer. Rechts oben: Apostel Petrus hinter vergittertem Fenster, Hände gefaltet, um das Haupt einen Glorienschein, vor dem Fenster des Gefängnisses drei Männer (?). Rechts unten: Apostel Petrus, gekreuzigt, Kreuz auf den Kopf gestellt; zwei Krieger binden ihm die Füsse, ein dritter steht dahinter.

Im Mittelschrein unter drei im Stichbogen gebildeten durchbrochenen Ornamenten drei ca. 1 m hohe Gestalten, in Holz geschnitzt, bemalt, in der Mitte die heilige Jungfrau mit der Krone auf dem Haupte, der rechte Fuss steht auf der Mondsichel, in dem linken Arme das Knäblein mit dem Apfel, rechts ein Scepter. Hüftbewegung stark durchgebildet. Zur Linken: Apostel Paulus, das Schwert in der Linken, ohne Kopfhaar mit rothem Vollbart, in der Rechten das aufgeschlagene Evangelium. Zur Rechten: Apostel Petrus mit weissem Vollbart, einen Schlüssel in der rechten Hand, in der linken das zugeschlagene Evangelium.

Die einzelnen Figuren sind sorgfältig durchgearbeitet und in gutem Zustande. Die Haltung ist noch stark bewegt, doch von feiner Linienführung. Die Köpfe lang gestreckt und von etwas mürrischem Ausdruck.

Predella, 50 : 215 cm messend, mit der gemalten Darstellung Christi und der zwölf Jünger, Christus in der Mitte, die Weltkugel mit dem Kreuz segnend. Zu seiner Linken Petrus, St. Matthäus mit dem Speer, St. Paulus mit dem Schwert, St. Matthias mit dem Beil. Zur Rechten: St. Johannes mit dem Kelch, St. Simon mit der Säge, St. Andreas mit dem Kreuz.

Sehr ausdrucksvolle Arbeit, von einer gewissen Leidenschaftlichkeit durchdrungene Darstellung. Namentlich der Christus von überraschender Lebendigkeit.

Der Altar wurde um 1885 gereinigt und lackirt. Er dürfte der Zeit um 1520 angehören, obgleich der Schnitzer einer alten Richtung angehört.

Kanzel, Holz, bemalt. Gewänder der Figuren roth und grün.

Ueber einer modernen, achtseitigen, leicht geschweiften Säule baut sich die Brüstung auf in vier Feldern, oben bildet ein kräftiges Gebälk den Abschluss. In den Füllungen, die im Rundbogen geschlossen, seitlich Kämpfergesims mit Rollwerk. Die vier Evangelisten, je vor einem Pulte stehend, mit einem Buche, Feder und Tintenfass, oben die Taube, hinter ihnen die entsprechenden Attribute. Oben im rechteckigen Felde bez.: S. Matthes. S. Marcus. S. Lucas. S. Johannis.

Die einzelnen Felder sind durch weibliche Hermen getrennt; im Fries des Gebälkes bez.:

Diese Zeichen aber | durch den Glauben | sindt geschrieben | das Leben hartin das ihr gleubet jesus | seinen namen | sey Christ der sohn. | Johan. 20.

An der Kanzeltreppe setzt sich die Brüstung in gleicher Art fort in vier Feldern, die innerlich im Rechteck geschlossen, darin vier weibliche Figuren, 26 cm hoch, im Relief, die oben und unten entsprechend bezeichnet sind und zwar: Fides, der Glaube, mit Kreuz und Kelch; Spes, die Hoffnung, mit Anker; Charitas, die Liebe, mit zwei Kindern; Patientia, die Geduld, rechte Hand erhoben.

[281] Das Ganze ist von einer derben Architektur, die Figuren sind sehr handwerklich durchgeführt. Gut erhalten.

Vom Schalldeckel, in fünf Seiten des Achtecks geschlossen, ist nur noch das Gebälk vorhanden.

Im August 1902 wurde die Kirche erneuert, wobei man innerlich der Kanzelbrüstung ein mit Schrift versehenes Brett vorfand, bez.:

Fig. 288. Wallroda, Taufstein.

Lector. Salve.
Nach unsers herren
undt heilandes iesu Chris | ti geburt im 1625 iahre ist | got undt dem h. predig | ambt zu ehren diesem Got | teshause zur besondern Zierde dieser Gemeihne | bey ihren Nachkommen | zu gutem Gedechtnus | da churf. s. Amt. schösser | zu Radeberck Herr Melchior | Richter, alhie aber pfarrer | war herr M georg | Wagner, der Richter | eorg Eger undt Kirch | vater Matthaeus Mülle von Meister Jacob Mül | lern bilden schnützlern zu Radeberg | dieser Predigstuell | verfertiget undt ge | seztet worden.
lector vale.
Ambrosius Kretzschmar.
Schuel       meister alhier.

Taufstein (Fig. 288), Sandstein, 1 m hoch, 74 cm im oberen Durchmesser.

An dem runden birnenförmigen Schaft über einer Platte drei kräftige Akanthusblätter, darüber das schüsselförmige Becken mit cylindrischem Aufbau, an dem Kindköpfe abwechselnd mit Kartuschen im Relief angebracht sind, die Füllung der letzteren bez.:

Matthe 28. Gehet hin und leret alle | volcker und teuffet sie in | namen des vaters und des | Sons und des heiligen Geistes.
Marcy 10. lasset die Kintlein zu mir | kommen, und weret inen nicht | denn solcher ist das | reich Gottes.
Johan. 3. Es sei den das imand geboren | werde aus dem Wasser und | heiligen Geist, so kann er nicht | in das reich Gottes kommen.

Feinere Renaissancearbeit, dürfte nach der Taufschüssel um 1650 entstanden sein. Der birnenförmige Schaft leider stark angesprungen.

Orgel, bemalt weiss und rosafarbig, gelb und roth abgesetzt; sie baut sich in drei Theilen auf. Der obere Theil mit den Pfeifen ist in reichem Stichbogengesims abgeschlossen, darunter schön geschnitztes Rankenwerk mit einer Kartusche als Schlussstein am Bogen, seitlich bilden Pilaster unter Consolen den Abschluss.

[282] Das gefällige Werk dürfte dem Anfang des 18. Jahrhunderts angehören. Nach Mittheilung des Orgelbauers Eduard Berger in Dresden ist das Werk der Positivorgel das erste Werk Johann Gottfried Silbermanns.

Sakramentshäuschen, länglich rechteckige Oeffnung, 48 cm breit, 75 cm hoch, mit einfacher Sandsteinumrahmung, verschlossen durch Eisenblechthür mit diagonal angeordneten Bandeisenstreifen und Rosetten. Hinter dem Altar, es wurde 1902 mit vermauert.

Glocken. Die grosse, 62 cm hoch, 78 cm im unteren Durchmesser. Am Halse zwischen zwei kräftigen fadenförmigen Schnüren verkehrt bez. (Fig. 289):

Fig. 289. Wallroda, Inschrift der grossen Glocke.

Es ergiebt dies: o     .     rex     .     glorie     .     veni     cum     .     pace. +

Die kleine, 40 cm hoch, 51 cm im unteren Durchmesser, bez. (Fig. 290):

o     +     rex     +     glorie     +     veni     +     cum     +     pace.

Fig. 290. Wallroda, Inschrift der kleinen Glocke.

Am Bolzen nebenstehende Marke.


Altargeräth.

Abendmahlkelch (Fig. 291), Kupfer und Silber, vergoldet, der übrige Teil Silber, vergoldet, 19 cm hoch, 14,5 cm Fussweite.

Der Fuss im Sechspass in Kupfer steht auf einer durchbrochenen, reich mit Blattwerk ornamentirten Galerie. In den Winkeln der Passe je ein aufgelegtes fein ciselirtes gothisches Blatt. Auf dem Fusse in einem Kreise gravirt das Signum Christi 𝖎 𝖍 𝖘, daneben grösser 𝖐. 𝖆 und im Anschluss an das 𝖆 kleiner O S A Dies wie die weiteren Inschriften:

Bastian Gerlach
eyn anheber

in Gravirung.

Nachträglich aufgebracht scheinen sechs kleine plastische Gestalten heiliger Frauen, alle aus einem Modell gegossen, jedoch eine mit Krone und Spiegel, eine mit einem Pfeil (Ursula?) und eine mit einem Korb (Elisabeth?). Zierlich reich gefaltetes Gewand. Dieser Theil des Kelches dürfte um 1450 entstanden sein. Der untere Theil des silbernen Stieles ist verkehrt eingesetzt, bez.: J . E . S . V . S . +, an den Roteln in Schmelz: J . H . E . E . V . S ., am oberen Stiel: M . A . R . J . A . Dieser Theil dürfte schwerlich vor 1520 entstanden sein. Darüber die Cuppa, die unten von einem durchbrochenen wiederkehrenden Rankenormanent [283] umschlossen wird und wohl erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstand. Cuppa bez.:

Dieser Kelch | ist 1593 und 1802 d. 2. Febr. gestohlen, und | das letztemal von der Gemeinde zu Wallroda reparirt und d. 1. Adv. Sont. 1802 wieder | eingeweihet worden.

Ungemarkt.

Patene, Silber, vergoldet, 162 mm im Durchmesser, mit nebenstehendem Zeichen.

Fig. 291. Wallroda, Abendmahlkelch.

Taufschüssel, Zinn, einfach, 74 cm im äusseren, 47 cm im inneren Durchmesser. Der breite Rand aussen rund, innen achtseitig begrenzt. Darauf bez.

ich . wil . rein . Wasser . uber . euch . sprengen . das ihr . rein. werdet . von . alle. ewer . unreinigkeit . Christof . Möller. in Walroda . verehret . dieses . der . kirchen . im . Jahr . Christi . 1650 . Ezechiel . 36 . Ver. 2,5.

Dresdner Stadtzeichen und die nebenstehende Marke.

Abendmahlkanne, Zinn, 16 cm hoch, 14 cm im Durchmesser, einfach, von auffallend gedrückter Form mit vertikalem Henkel. Seitlich bez.: 1719.

Abendmahlkrug, Zinn, 21 cm hoch, 10 cm im unteren Durchmesser, runder kräftiger Fuss, am Bauch ein senkrechter Henkel und Ausgussrand mit Schrauben angesetzt, oben ein flacher horizontaler Deckel. Bez.:

A. M. Königin. R. Dreßlerin.
S. Hoffgin.
A. R. Frömmelin. | A. M. Litzin.
| Anno 1.7.43.

Bei einer Erneuerung modern gemarkt.

Hostienlöffel, Silber, vergoldet, Schale durchlöchert. Bez.: M. C. G. K. | 1750

Abendmahlkelch, Zinn, 16 cm hoch, 95 mm im unteren Durchmesser, runder Fuss, Stiel reich profilirt, auffallend schlank, bez.:

Johanne Susan. | verwittibte. | Knackfußin | d. 26. Aug. 1753.

Ungemarkt.

Altarkreuz, Figur des Gekreuzigten aus Eisenblech oder Zink, vergoldet, 17 cm hoch, das Kreuz über einem Postament, Holz, 62 cm hoch. Am Fusse des Kreuzes der übliche Schädel und die Knochen. Am Postament einfacher Schild, bez.: S. E. F. K. | D. S. E. T. | 1753.

[284] Zwei Krüge, Zinn, 19 cm hoch, 9 cm unterer Durchmesser. Ein einfacher kräftiger Ringfuss, darüber der birnenförmige Bauch, der in den Hals übergeht, Ausgussrand ausgebogen. Ein vertikaler Henkel setzt am Gefässbauch an und steigt bis zum Ausgussrand empor. Beide am Bauche bez.:

Der eine: Johanne Friedericka | M. C. G. K. | Pfarrers in Wallerode | iüngste Tochter | 1753. | d. 26. Aug.

Der andere: Johanne Sophia Dorothea | M. C. G. K. | Pfarrers in Wallrode | alteste Tochter | 1753. | d. 26. August.

Ungemarkt.

Fig. 292. Wallroda Pfarrhaus, Ofen.

Zwei Standleuchter, Zinn, 54 cm hoch, mit dreitheiligem klauenartigen Fuss. Der Schaft, birnen- und stangenförmig, trägt oben einen tellerförmigen Abschluss. Unten an den drei Seitenflächen bez.

Wie soll ich den Her | ren vergelten alle seine Wohl | that die er an mir | thut. Psalm. | C. XVI. | V. 12. | Martin Frömmel | alter Bauer in | Wallrode. | Schenckete diese Leich | ter der hiesigen Kirche, aus liebe | zu Gott und den | öffentlichen | Gottesdienste. | d. 26. August | 1753.

In ausgesprochenen Barockformen. Ungemarkt.

Hostienschachtel, Zinn, passicht gedreht, 11,5 cm im Durchmesser, 13 cm hoch, Mantel cylindrisch geformt, ohne Fuss, Deckel stark überhöht durch liegende Carniesform. Bez.: Der Kirche zu | Wallroda verehrt. | von J. C.H. 1793.

Ohne Marken und Beschau.

Abendmahlkanne, Zinn, 17 cm hoch, 12,5 cm im Durchmesser, einfach. Am Deckel bez.: Kirche zu Wallroda. | 1797. Im Rechteck bez.: F. W. Schnabel | Dresden.

Dresdner Beschau und die nebenstehende Marke.

Taufschüssel, Zinn, 315 mm im Durchmesser, von einfacher Form, am Rücken bez.:

Der Kirche zu Walrodthe | Zum Andencken von J. G. Frömel | Bauer zu Walrothe. | 1805.

Dazu bezeichnet in einem Rechteck: C. W. Simon. | Dresden.


Pfarrhaus.

Hausthür, im Korbbogen geschlossen mit Schlussstein, darunter ein Oberlicht, getrennt von der eigentlichen Thür durch horizontalen Sturz, bez.:

Dieses Pfarrhaus ist auf Kosten beider Kirchen und Gemeinden 1794 erbauet worden.

Ofen (Fig. 292) aus gleicher Zeit, aus Thon, von rechteckiger Grundform, mit grün und weiss gefärbten Kacheln hergestellt. Füsse sind modern ergänzt, oben fehlt der Abschluss.

Jetzt in der guten Stube des Pfarrers aufgestellt, ausser Gebrauch.

[285]
Weisser Hirsch.

Dorf, 6,8 km östlich von Dresden.

1664 wird hier die erste Wohnungs- und Weinbergsanlage genannt, 1697 der Gasthof zum „Weissen Hirsch“. Aus diesem erhielten sich nachfolgende, anscheinend der Mitte des 17. Jahrhunderts angehörige Einrichtungsstücke.

Vergl. M. J. Nestler, Kurort Weisser Hirsch und nächste Umgebung, Dresden 1883.

Truhe, aus weichem Holz, mit hübschen schmiedeeisernen Beschlägen, 90 : 62 : 52 cm messend, mit seitlichen Thüren und festem Deckel.

Kronleuchter, gedrechselte Holzspille, darum in einem eisernen Kranz sechs geschmiedete Arme mit schlichten Tüllen.

Jetzt in der Sammlung des K. S. Alterthumsvereins, Inv.-Nr. 272 und 355.


Weissig.
Die Kirche.
Der Bau.

Kirchdorf, 11,5 km östlich von Dresden, 8,8 km südsüdwestlich von Radeberg.

Die Kirche wurde im Jahre 1901 durch den Architekten W. Kandler

Fig. 293. Weissig, Kirche, Grundriss. Zustand vor 1901.

in Dresden durchweg erneuert, bis auf den Thurm und einen Theil der Umfassungsmauer. Die alte Anlage wurde nach dessen mir gütigst zur Verfügung gestellten Aufmessungen dargestellt.

1631 wurde die Kirche zerstört, 1632–33 wieder in der Gestalt aufgebaut, die sie bis zum Jahre 1900 behielt, bis auf die langen Rundbogenfenster und einige Erneuerungen im Innern vom Jahre 1838.

Der Grundriss (Fig. 293) war ein schlichtes Rechteck, die Sakristei nordöstlich angebaut. In der Mitte nach Westen zu der Thurm (Fig. 294), dessen gewaltige Mauern im Untergeschoss bis über 2 m Stärke besitzen und wohl einer älteren Anlage angehören. An der Südseite zwei Strebepfeiler und einer an der Nordseite.

[286]

Fig. 294. Weissig, Schnitt durch den Thurm. Zustand vor 1901.

Das Aeussere war sehr nüchtern, nur die Anbauten von Thurm und Sakristei trugen zu einer besseren Wirkung bei. Die Strebepfeiler waren mit einfachem Pultdach abgedeckt. An der Ostseite ein spitzer Giebel ohne Kunstformen, oben ein Hahn. Der Thurm behielt seine fast quadratische Grundform bei, er war von einem Satteldach bedeckt, an dessen Ost- und Westseite spitze Giebel angebracht sind. Ueber dem Dache ein achtseitiger Dachreiter mit spitzem Helm. Im Innern (Fig. 295) eine flache Decke über dem Kirchenraum; Sakristei und Thurmhalle waren dagegen mit einem Tonnengewölbe versehen. Emporen nach drei Seiten in zwei Geschossen, wohl vom Jahre 1631, wie die Rundbogenthüre vom Thurme zum Kirchenschiff. Altar und Kanzel waren ein Aufbau in klassicistischen Formen vom Jahre 1838.

Drei Glocken. Die erste und grösste, 71 cm hoch und 99 cm im unteren Durchmesser. Ueber dem Anschlage drei fadenförmige Schnuren als Uebergang zum Körper. Am Halse zwei breite Streifen, mit Thiermasken und Weinranken belebt, in Renaissanceformen. Dazwischen bez.:

Anno 1665 mich gos Andreas Herold in Dresden.

An den Bügeln der Krone über der Haubenplatte sechs männliche charakteristisch durchgebildete Renaissancemasken.

Die zweite, 57 cm hoch, 78 cm im unteren Durchmesser, wie die vorige decorirt.

[287] Die dritte, 57 cm hoch, 77 cm im unteren Durchmesser. Ueber dem Schlage drei schmale Reifen, am Halse zwischen zwei kräftigeren bez.:

W. Hillger. F. M.DCXXVI domine conserua nos in pace.

Darunter eine fortlaufende Blattdecoration in Renaissanceformen.

Glocken im Jahre 1901 vom Glockengiesser Bierling zerschlagen, vorher die hier wiedergegebenen Aufzeichnungen gemacht.


Kirchengeräthe.

Abendmahlkanne, Zinn, 165 mm hoch, 148 mm im unteren Durchmesser, sehr gedrückte Form. Der cylindrische Bauch wird nach unten breiter und läuft mit der Fussplatte durch flache Kehle zusammen, Deckel überhöht, bez.:

R. Z. Weisig. | 1695.

Ohne Marken.

Fig. 295. Weissig, Schnitt durch die Kirche. Zustand vor 1901.

Abendmahlkanne, Zinn, 165 mm hoch ohne Deckel, 115 mm im unteren Durchmesser. Der kegelförmige Bauch steht auf drei Füssen, Figuren, die unten angegossen sind. Am Bauche oben und unten Ringe, dazwischen punktirt Blumen mit Vögeln. Im Boden die Kreuzigung im Flachrelief, links Johannes, rechts Maria. Deckel bez. G. E. 1741. Am Bauche bez. Elias Behme. Der Deckel ist abgeschlagen. Ungemarkt.

Abendmahlkelch, Zinn, 22 cm hoch, 10 cm im unteren Durchmesser, mit kräftigem breiten Fusse, Stiel birnförmig.

Gemarkt mit Dresdner Beschau. Meistermarke abgearbeitet.

Patene dazu, 104 mm im Durchmesser.

Crucifix, in Holz, 63 cm hoch, der Corpus in Bisquit–Porzellan, 145 mm hoch. Ende 18. Jahrh.

[288] Abendmahlkanne, Zinn, 185 mm hoch, 135 mm im unteren Durchmesser, einfach, cylindrischer Bauch, überhöhter Deckel, Fussplatte, durch Viertelstab profilirt. Am Deckel bez.:
Der Kirche zu Weisich | d. 28. Märtz | 1782.

Am Bauche bez.:

Verehret von Jgfr. Christiana Friderica | Beckmannin | aus neu Piehlau.

Dazu Dresdner Beschau und die nebenstehende Marke.

Jetzt in der Schule.

Zwei Altarleuchter, Zinn, 58 cm hoch, auf dem dreitheiligen Fusse mit dreiseitigem Postament, auf den Seiten Rococokartuschen, Stiel kräftig profilirt, oben eine Dille mit Dorn. Auf der Postamentseite bezeichnet der eine:

Joh. Sop. Patzboltin verehret 1793 der Kirchen zu Weisig.

der andere:

Joh. Rosina Lönharden verehret 1793 der Kirchen zu Weisig.

Teller sehr zusammengedrückt. Ungemarkt.

Taufbecken, einfach, Kupfer, 40 cm im Durchmesser, bez.:

Kirche Weißig. | 1794 (1). | Joh. Gottlob Müller.

Denkmal der Frau Anna Rosina Schmiedin geb. Erdmannin, 1669.

Sandstein, 170 cm hoch, 87 cm breit.

Einfache Platte, am Rande seitlich breite Streifen in Renaissancebarockformen, eigenartig behandelte und unter einander verbundene Anläufe, bez.:

Hier ruhet in Gott und | wartet der zukünff | tigen fröhlichen Aufferstehung. Tit. Fr. Anna Ro | sina Schmiedin, gebohrne Erdmanin sambt Ih | rem einigen Töchterlein Johanna Elisabeth Titt: | H. M. Adami Schmiedens Pfarrers alhier zu Weißig Ehefrau, geb. zu Kreischau bei Togau 1649 am 27. May. 1668 in den Ehestand begeben. Ist in Christo selig entschlafen 1669. etc

Beim Umbau im Jahre 1901 wurde der Stein unter den Bänken aufgedeckt, jetzt an der Nordostseite der Kirche aufgestellt; gut erhalten.

Fig. 296. Weissig, Wegkreuz.

Pfarrhaus. Interessanter, wohlerhaltener Bau, 1728 errichtet, 1742 umgebaut.

Wegkreuz (Fig. 296), Stein, 77 cm breit, an der Strasse zwischen Weissig und Bühlau auf der linken Seite der Böschung; es ragt nur etwa 48 cm aus dem Erdreich hervor. Darauf in Vertiefung dargestellt eine Armbrust.


Wilschdorf.

Kirchdorf, 8,4 km nördlich von Dresden.

Kirche.

Ein schlichtes um 1500 entstandenes Rechteck mit einer Vorhalle nach Westen und einem nordöstlichen Sakristeianbau. An der Ostseite eine Freitreppe zur Herrschaftskapelle und der Empore hinter dem Altar. Aeusserlich Stichbogenfenster mit tiefen Leibungen, an der Ost- und Westseite einfache spitze [289] Giebel ohne ältere Bauformen. Etwa in der Mitte ein achtseitiger Dachreiter mit geschweifter Haube und Schieferbedeckung.

Die Kirchrechnungen gehen bis zum Jahre 1595 zurück, wo Reparaturen am Kirchthurmknopf erwähnt werden.

Das Innere sehr primitiv: Holzdecke ohne Kunstformen, an der Ost- und Westseite höher gezogen. Emporen nach allen vier Seiten in einzelne Felder durch Pilaster getheilt, sehr derb und handwerklich. Alle diese Formen deuten auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Altar, in Holz geschnitzt, 200 cm breit, 250 cm hoch, bemalt. Eine derbe, handwerkliche Arbeit. Unten ein durchgehender Sockel, bez.: kom̅t her zu mir! Darüber seitlich dorische Säulen über Postamenten, die sich oben in dem Gebälk verkröpfen. Eine durchbrochene Spitzverdachung schliesst das Ganze ab. Zwischen den Säulen ein rechteckiges Feld mit einem modernen Bild von Carl Gottlob Schönherr: Christus mit dem Lamm. Darüber bez.: „In Einem Steht Unsre Seligkeit.“ Seitlich der Säulen schliessen den Altar Anläufe ab, von ausgeschnittenen Brettern hergestellt.

Kanzel, Holz, bemalt, in vier Seiten des Achtecks geschlossen, von schlichter Form. In der Brüstung sind die vier Evangelisten mit ihren Attributen aufgemalt in Leimfarbe. Der Schalldeckel, achtseitig, mit geschweiften Aufsatzstücken, bez.: Verbum domini manet in aeternum. Um 1600.

Laut Kirchrechnung wurden 1680 50 gl. H. Christoph Zormehlen dem Maler vom Predigtstuhl wieder zu malen gegeben.

An der Südseite aufgestellt.

Orgel aus dem 19. Jahrhundert.

Taufstein, 104 cm Durchmesser, 85 cm hoch, der Fuss in der Höhe von 20 cm abgebrochen. Die Kelchwände sind durch Pfeifen gegliedert, in deren oberen Halbkreisabschlüssen Reliefdarstellungen sich befinden, und zwar Lilien und pickende Vögel abzuwechseln scheinen.

Mehrere dieser Reliefs unkenntlich, am Rande theilweise ausgebrochen.

Der grosse Taufstein ist aus Granit (?) und dürfte der Zeit bald nach 1200 angehören. Jetzt in der Sammlung des K. S. Alterthumsvereins Nr. 380.

Fig. 297.
Wilschdorf, Relief an einer Glocke.

Glocken. Die grosse, 58 cm hoch, 66 cm im unteren Durchmesser, am Halse zwischen je zwei fadenförmigen Schnuren neun Reliefs wohl des auferstehenden Christus im Dreieck (Fig. 297, nach einem Abdruck hergestellt), ein zehntes am Mantel. Ohne Bezeichnung. 15. Jahrhundert.

Die mittlere, 51 cm hoch, 54 cm unterer Durchmesser, mit zwei fadenförmigen Schnuren, am Halse unbezeichnet.

Die kleine, 40 cm hoch, 46 cm unterer Durchmesser, von sehr schlanker Form und weit ausladendem Anschlag.


[290]
Altargeräth.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 19 cm hoch, 12 cm Fussbreite, mit sechspassichtem Fuss, dergleichen Stiel, und kräftigem Knauf. Am Fusse bez.:

Caspar Gumlich 1650.

Ohne Marken und Patene.

Crucifixus, in Holz geschnitzt, 54 cm hoch, bessere Arbeit, wohl um 1680. Ueber dem Altar an der Empore.

Abendmahlkelch, Silber, vergoldet, 26 cm hoch, 16,5 cm im unteren Durchmesser, von einfach schlanker Form mit weit ausladendem Fuss.

Marken unkenntlich.

Bez.:
Sey Lob und Ehr | dem höchsten Guth. | Dieses zu unauffhörlicher verherrlichung | des Lobes Preises und Danckes | des Dreyeinigen Gottes | gestiftet von | G. G. den 18. Post Trinitatis 1742.

Patene dazu, 165 mm im Durchmesser, auf der oberen Seite nebenstehendes Kreuz im Kreis.

Beide dürften wohl der Zeit um 1680 angehören.

Crucifix, in Holz und Zinn, 93 cm hoch, der Zinnkörper gegen 36 cm lang. Tüchtige, leider stark beschädigte Arbeit. Auf einem Medaillon in Zinn die Inschrift: S. H. Pönitz, S. E. Pönitzin geb. von der Lochau 1749.

Zwei Altarleuchter, Zinn, 49 cm hoch, 21,5 cm Fussweite, mit kräftigem, weit ausladendem Fuss, schlankem, nach oben zu birnförmig sich erweiterndem Schaft, der Uebergang zum Kelch erfolgt durch eine kräftige Kehle.

Dresdner Beschau. Gemarkt wie beistehend.

Taufschüssel, Zinn, 36 cm im Durchmesser, von einfacher Form, am Rande bez.:

Der Kirche zu Wilschdorf | d. 23. Februarius. | Ao. 1766.

Dresdner Beschau. Marken unklar.

Hostienschachtel, Zinn, 120 mm im Durchmesser, 55 mm hoch, von einfach cylindrischer Form, auf dem Deckel ein 45 mm hohes Kreuz.

Gemarkt mit Dresdner Beschau und einer mit Böhmer bezeichneten Marke.

Zwei Abendmahlkannen, Zinn, 19 cm hoch, 13 cm im Durchmesser, von einfacher Form, mit vertikalem Henkel, im Deckel nebenstehende Marken und der des Meisters Böhmer.


Denkmal.

Der Friedhof liegt etwas erhöht und ist mit einer Mauer umgeben, sehr malerische Zugänge erfolgen durch je ein Rundbogen- und Korbbogenthor mit Dachziegelabdeckung.

Denkmal des Pfarrers Johann Friedrich Gerhardt, † 1781, aus Sandstein, 1 m breit, 220 cm hoch; ein sockelartiger Unterbau, mit zwei Kartuschen, darauf unkenntliche Schrift, darüber ein schwaches Gesims mit zwei kräftig modellirten Kartuschen, welche seitlich symmetrisch durchgeführt sind; [291] eine beflügelte Figur, in der Mitte dahinter stehend, hält dieselben beiderseitig. Hinter der Figur ein Obelisk mit baldachinartigem Abschluss nach vorn. Obere Kartuscheninschrift auch sehr zerstört, aus der Bezeichnung geht hervor:

Rechts:
Johann Friedrich Gerhardt Pfarrer in Wilschdorf gestorben am 21. Aug. 1781. seines Alters 69. Jahr 1. Monat 3. Wochen und 6 Tage.
Links:
Eleonore Sophien Gerhardtin geb. Heiligenhauerin aus Stolpen gestorben 1771. 55. Jahre 6. Monate 3. Wochen 2 Tage.

Der Stein steht an der westlichen Kirchenmauer und ist theilweise stark verwittert. Architektur in kräftigen Barockformen, die Figur ist handwerklich behandelt.


Die Pfarre

besteht aus einem schlichten Rechteck, und erhielt ihre alte Raumeintheilung wenig verändert. Ein Wirthschaftshof mit Scheune und Stallgebäude, nach Norden zu die breite Thoröffnung, vervollständigen das Ganze. Nach der Kirchrechnung von 1611–13 werden für den Pfarrbau grössere Posten Bauholz und Löhne aufgeführt. Es handelte sich um einen Neubau, bei dem alte Theile verwendet wurden.

Eine Sandsteintafel seitlich rechts der Hausthür, 83 cm lang, 55,5 cm mittlere Höhe, mit Renaissanceanläufen, berichtet darüber:

Ao̅. 1612. | ist dis pharhaus | gebawet, damals lehenherr- | der edle gestrenge und
ehren- | veste George von Bindauf uf | Hermsdorf churf. S. stalmeis | ter und hauptman
zu Kalckreit. | pharrer George Khün. Fribergensis.

Die Tafel war früher der mittlere Theil des oberen Abschlusses des Rundbogenthores, das im 18. Jahrh. entfernt und in der südlichen Pfarrgartenmauer eingefügt wurde. Es hat seitlich tief ausgekehlte Gewände mit Sitzplätzen und reich profilirte Archivolte ohne Vermittelung am Kämpfer. Die Gewände über den Sitzplätzen sind theilweise durch Ziegelmauerwerk ergänzt. Die feinen Profile in dem Rundbogen und die gothisirenden Formen an den Sitzen sprechen für die Zeit von 1612.

An der nordwestlichen Giebelseite des Pfarrhauses die Zahl 1781, wohl in Bezug auf einen Umbau.


Zitzschewig.

Dorf, 13 km nordwestlich von Dresden.

Kynast Weinberg, Kataster-Nr. 14.

Schlichtes Haus aus dem 18. Jahrhundert. Auf dem Nebengebäude ein hübscher Dachreiter in den Formen etwa von 1760.

Die beiden Glocken in diesem waren mir nicht zugänglich.

Grundstück Bischofspresse Nr. 66.

Das Wohnhaus aus massivem Erd- und Obergeschoss und Fachwerk bestehend. Im Grundriss ein langgezogenes Rechteck mit durchgehender Mittelwand, die Zimmer beiderseitig angeordnet. Das Dach ist nach allen vier Seiten abgewalmt. Die Fenster und Thore sind im Stichbogen geschlossen.

In einem Zimmer des Obergeschosses ein rechteckiger Kamin mit hübscher, [292] stark geschwungener Umrahmung von Sandstein, ähnlich wie im Spitzhaus, darüber seitlich eine einfache Pilasterstellung, die sich bis zur Decke fortsetzt.

Nach Westen zu liegt das frühere Presshaus mit einem weiteren Wirthschaftsgebäude. In dem ersteren eine Rundbogenthür. Auf der jetzt entfernten Zinkspitze bez.: G. A. 1773.

Der Rest eines Ofens, es erhielt sich der mittlere Theil von rechteckiger Grundform, aus Thon mit weisser Glasur. An den Langseiten eine Stichbogenöffnung, umgeben von Gehängen, das Ganze in einer rechteckigen Vertiefung. An den Schmalseiten, die nach unten durch eine Kehle vorgezogen sind, ovale Scheiben mit Gehängen. Die Empireformen machen sich schon geltend, wohl um 1780.

Denkmal in Form eines Rundtempels, 2,30 m im Durchmesser, Sandstein. Ueber einem einfachen Stufenunterbau sechs Säulen in dorischer Art, ein kräftiges Gebälk tragend, darüber eine Flachkuppel. Ein Aufsatz auf derselben ist nur im unteren Theil vorhanden. Am Fries eine verputzte Inschrift, angeblich bez.: Uns ward der Tot, den Frevler scheun, Geburt zum ewigen und edlern Leben.

In dem Tempel stand bis vor einigen Jahren auf einem Postament eine Urne von Sandstein. Das Ganze, etwa 1,50 m hoch, liegt zerschlagen in dem früheren Presshause. An dem Postament bezeichnet auf der ersten Seite:

Wenn hier von uns die Gott vereint. | Der lezte auch hat ausgeweint. | Dann wird ein freudig Wiedersehn | Auf ewig unser Glück erhöhn.

Auf der zweiten Seite: Der sehnsuchtvolle Wunsch | der Wiedervereinigung, wo keine | Trennung mehr ist, wurde erfüllt. | den 17. Januar 1820.

Auf der dritten Seite: Dieses Band ehlicher Liebe | umschloß auf ewig eine unzertrenliche | zärtlich liebende Schwester. | den 21. Aug. 1824.

Die vierte Seite ist unzugänglich. Das Ganze in klassicistischen, aber verhältnisslosen derben Formen, etwa in der Mitte des Gartens aufgebaut.

Das Hohe Haus, ein stattlicher, am Bergabhange malerisch liegender Bau mit 2 Geschossen an der Bergseite und hohem Walmdach ist vor einigen Jahren völlig umgebaut worden, so dass der alte Zustand nicht mehr erkennbar ist.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: im Original wurden die Seiten 173/174 u. 175/176 beim Binden vertauscht
  2. Vorlage: cm
  3. Vorlage: Inchrift
  4. Vorlage: horizotales