Die Müllerin (Wilhelm Busch)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Wilhelm Busch
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Müllerin
Untertitel:
aus: Ut ôler Welt. Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime. S. 123-124
Herausgeber: Otto Nöldeke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Lothar Joachim
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[123]
24.

In einer Mühle im Dorfe kamen allezeit die Mühlenburschen um; sie wurden am achten Morgen mit abgebissener Gurgel im Bette gefunden, so daß zuletzt keiner mehr da bleiben wollte. Endlich kam ein beherzter Müllerknecht, der blieb trotz ernster Warnung da.

Der Müller hatte mit seiner Frau keine Kinder, und sie wollte den Knecht verführen; der aber weigerte sich beständig. Des Nachts machte er ein Feuer an, legte ein Beil neben sich und siehe da! um zwölf Uhr ging es trapp! trapp! vor der Thür; eine dicke schwarze Katze stand davor. Der Knecht sagte: »Kumm, Katte, un warme di!« Da rief die dicke noch eine Menge anderer Katzen, sprechend:

»Kättchen, wärme dich!
Spricht Herme zu mich;«

und unversehens fielen sie über den Knecht her, der aber schlug mit dem Beil dazwischen und verwundete mehrere, die dicke am Kopfe und an den Beinen. Die Katzen liefen alle heulend weg. Am anderen Morgen war die Müllerin krank, sie hinkte und hatte den Kopf mit einem Tuche verbunden. Da sah der Bursch, daß seine Meisterin eine Hexe war und ihn als die dicke schwarze Katze mit den anderen Hexen aus der Nachbarschaft so böse geplagt hatte. Er sagte es dem Müller, der wollte es nicht glauben.

In der zweiten Nacht kochte der Knecht sich Brei. Die dicke Katze [124] kam wieder und der Bursche sagte zu ihr: »Kumm, Katte, un warme di!« Die Katze sagte:

»Kättchen, wärme dich!
Spricht Herme zu mich!«

und rief damit die anderen, deren nun eine noch viel größere Zahl wurde als die Nacht vorher. Der Bursche lud sie zum Breiessen ein, bespritzte sie aber sofort mit dem heißen Brei, und der dicken goß er den ganzen Topf voll über den Kopf. Am anderen Morgen lag die Müllerin im Bette, hatte ein Tuch um den Kopf und konnte nicht aufstehen. Da sagte der Bursche zu dem Müller: »Wenn Ihr nun noch nicht glauben wollt, daß Eure Frau eine Hexe ist, so geht hin und seht zu, ob sie einen verbrannten Kopf hat!« Der Müller ging hin. »Ei, Frau, bist du schon wieder krank? Was fehlt dir denn?« »Ach, ich habe so schreckliches Kopfweh, daß es nicht zum Aushalten ist.« »So? Laß mich mal fühlen, ob du auch Hitze hast?« »O nein, o nein! Wenn ’r nur eben angetickt wird, so giebt es mir gleich einen Stich durch und durch.« »Ach, Frau, dann will ich gleich den Doktor holen lassen.« »O ne, O ne! Der kann mir doch nicht helfen; laß mich doch endlich in Ruhe!« – Das that der Mann aber nicht, sondern er riß ihr mit Gewalt das Kopftuch ab; da sah er, daß der ganze Kopf voll Brandblasen war. Da zerrte sie der Mann aus dem Bette, knurrte sie in die Seite und trat sie mit Füßen. Dann ließ er das Gericht kommen.

Als nun die Aussage des Müllerburschen zu Papier gebracht war, nahm man die Hexe in das scharfe Verhör, worin sie dann bekannte, daß ihre Großmutter ihr das Hexen beigebracht hätte, da sie noch ein unmündiges Kind gewesen. Nach zwei Tagen wurde um einen Pfahl her ein Feuer angemacht, darin man die Hexe vor aller Leute Augen so lange braten ließ, bis sie todt war.