Zum Inhalt springen

Die Rhein-Nixen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Charles Nuitter
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Rhein-Nixen
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Langen’sche Buchdruckerei (Adolph Lesimple)
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Köln
Übersetzer: Alfred von Wolzogen
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Musik von Jacques Offenbach
[[d:{{{WIKIDATA}}}|Datenobjekt bei Wikidata]]
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
Die
Rhein-Nixen.


Große romantische Oper in 3 Akten
von


Nuitter.[WS 1]




Deutsch bearbeitet von Freiherrn von Wolzogen.




Musik von J. Offenbach.




Köln.
Langen’sche Buchdruckerei.
(Adolph Lesimple).
Personen.

Conrad von Wenckheim.
Franz Baldung.
Gottfried, ein Jäger aus dem Nahethale.
Hedwig, Besitzerin eines Sicking’schen Pachthofes am Rhein.
Armgard, deren Tochter.
Erster Landsknecht.
Zweiter Landsknecht.
Winzer. Bauern. Landsknechte. Elfen. Nixen. Geister.

     Schauplatz: Im Rhein- und Nahethal.
     Zeit: 1522.

Erster Akt.




Nr. 1. Introduktion.


Chor der Landleute.

Reicher Ernte Segen
Lacht uns froh entgegen
Rings an allen Wegen
Prangt umher
Die Garbe schwer.
Darum jetzt im Chor erschalle
Unser Dank; wir preisen Alle
Den Herrn, unsern Gott.

Gottfr.
Ja, gelobt sei der Herr!

Chor.
Gottfried – seht! Theurer Freund
Sei uns herzlich gegrüßt,
Kommend, uns hier zu sehen,
Wirst Du das Erntefest heiter mit uns begeh’n.

Nr. 2. Gebet mit Chor.

Gottfr.
Wohl, Freunde! Eure Stimm’ erhebet
Mit der Vögel vollem Chor!
Wie ihr Gesang zum Himmel schwebet,
Dring auch unser Dank empor.
Ein fromm Gebet
Gott nicht verschmäht
Wenn es aus reinem Herzen geht.

Chor.
Ein fromm Gebet etc.

Hedwig.
Ruhet euch aus, eh’ den Tanz wir beginnen,
Genießt euer Mahl, bis die Festglocke schlägt.
Zeigen darf ich es nicht, was das Herz mir bewegt.
Nun was für Kunde?
Gottfried sprich!

Gottfr.
Still fand ich Alles weit und breit hier in der Runde,

Die Landsknechte, die der Wenkheim führt,
Sind nach der Pfalz, so scheint’s, abmarschirt,
Sieh, ringsum die Länder der Nachbarn in Flammen,
Wir nur leben noch friedlich zusammen;
Doch oft, ich weiß, ist das Auge Dir naß,
Das Herz Dir schwer, und Kummer beugt Dich tief!
Ja, Armgard auch, senket oftmals die Lider,
Verbirgt sich still und weinet — weßhalb?

Hedwig.
O Tage der Trauer!
O Thaten voll Schauer!
Wilde Banden allein
Umtoben den Rhein;
Sie sengen und brennen
Von Ort zu Ort –
Für Tugend und Habe –
Wo wäre ein Hort?

Gottfr.
Mag der Himmel uns gnädig sein!
Er wende ab den Tag des Schreckens,
Der das Kind dem Vater entreißt,
Und die Gattin dem Gemahl!

Hedwig.
Gemahl? … O schweig!

Gottfr.
Verzeih’, wenn mein Wort dich verletzt,

Hedwig.
Sei ruhig – Niemand kennet
Die Wunde, die hier brennet;
Doch bekümmert mein Herz
Noch tiefer Armgard’s Schmerz.

Gottfr.
Rede, was kann ich thun?
Du weißt, wie sehr Armgard mir theuer.

Hedwig.
Ja, niemals war ein Freund ihr je getreuer.

Gottfr.
O sage mehr, denn ich liebe und hoffe …

Hedwig.
Geheimen Kummer nährt Armgard still in sich,
Zu bergen ihren Gram, läßt sie nicht ab zu singen;
Es wird sie das wohl noch ums Leben bringen
Ach, sie welkt dahin sichtbarlich!

Armgard (in der Ferne)
La – la – la

Hedwig.
Hörst du sie? … Hörst du sie wohl? … Ja, sie singt!
Sie ist es … sie singet … singt fort und fort.

Nr. 3. Bauernmarsch & Chor.

Chor.
Armgard hoch!
Ist sie doch
Weit und breit
Die schmuck’ste Maid!
Seht wie hold
Aehrengold
Ihrem Haar,
Läßt wunderbar!
Trommelschlag und Geigenklang
Vereinen sich mit uns’rem Sang!

Armgard.
Habt Dank, ihr Freunde, für eure Liebe!
Zum Fest erschalle der Gesang!

Chor.
Ja sing’!

Hedwig.
O singe nicht; Blaß ist dein Antlitz,
Es brennt deine Hand!
Kennst du nicht jene Sage, die geht durch das Land,
Von den Jungfrau’n, die zu viel sangen,
Von Lieb’ und Lust umfangen?
Plötzlich in des Lebens Morgenroth,
Fand man sie todt. –

Armgard.
Wozu soll das?
Diese Sorge – um was?
Laß’t uns froh sein,
Uns der Lust weih’n;
Die Elfen im luftigen Reigen
Mögen auf und niedersteigen,
O glaubt mir, nicht entführen sie mich!
Die Sage kenne ich
Und sogleich
Sing’ ich sie euch!

Chor.
Hört, sie singt, seid ganz still!
Laßt sie thun, was sie will!

Nr. 4. Ballade.

Armgard.
Dort, wo hundertjähr’ge Eichen,
Dunkele Tannen stehen,
Luft’ge Schatten sich zeigen,
Wundersam anzuseh’n,
Das sind jene jungen Schönen,

Die gesungen allzuviel,
Krank von hinschmelzenden Tönen,
Früh erreichten des Lebens Ziel. –
Nun ziehen sie vorbei
Mit ihrer süßen Melodei.

Chor.
Ja, sie zieh’n vorbei
Mit süßer Melodei
Sum – Sum – Sum – Sum.

Armg.
Alle die vorüberziehen,
Lockt ihr seltsames Lied,
Besser doch ist’s sie zu fliehen;
Tod ist wer sie sieht.
Wenn sie auf den Wogen gleiten,
Nicht gekräuselt wird das Naß;
Kommen sie über die Haiden,
Keiner sieht ihre Spur im Gras.
Jetzt ziehen sie vorbei
Mit ihrer süßen Melodei.

Chor.
Ja, sie zieh’n vorbei etc.

Hedw.
Halt ein, wenn die Mutter dich flehet.
Halt ein, halt ein!
Ihr meine Freunde gehet,
Bringt den Rest des Getreides herein.
Am Abend kehrt wieder hieher –
Der Freuden gibt’s dann mehr.

Chor.
Armgard hoch!
Ist sie doch weit und breit etc.

Nr. 5. Terzett.


Hedw.
Nun Armgard, höre mich!
Gottfried kam, mir zu sagen,
Daß lange schon für dich
Sein Herz allein geschlagen.

Armg.
Er liebt dich …

Hedw.
Er liebt mich!

Gottfr.
Deine Hand hat er von mir begehrt.
Wie glücklich wär’ ich
Würd’ ich erhört,
Mein Herz nur dich allein begehrt.

Armg.
Nein, niemals nein!

Gottfr.
Ha, was vernahm ich?
Grausames Schicksal, all mein Hoffen dahin!
Welch ein Schmerz!

Hedw.
Kannst du nicht öffnen mir dein Herz?

Der Mutter solltest du vertrauen!
Armgard, o sprich – rede! –

Armg.
Welche Qualen! –
Ganz nah’ von hier, in uns’rem Orte,
Da wohnte Franz – Ihr kanntet ihn!
Sein Herz, es trieb an diese Pforte
Seit lang’ ihn jeden Abend hin.

Hedw.
Und er berückte dir den Sinn?

Gottfr.
Ihm gabst du deine Liebe hin?

Armg.
Wenn wir hier auf einander harrten,
Wer beschreibt meines Herzens Lust!
Konnt’ ich nie doch die Zeit erwarten,
Ach, ich liebt’ ihn, eh’ mir es selbst bewußt –
Da entbrannten des Kampfes Wogen,
Und es kam in das Dorf hieher
Von fern ein Trupp Soldaten gezogen –
Und ich sah meinen Franz nicht mehr!

Hedw.
Die Liebe macht das Herz dir schwer.

Gottfr.
Du harrst auf seine Wiederkehr?

Armg.
Ja, ihm halt’ ich den Schwur der Treue,
Käm’ er auch nimmermehr zurück!
Armgard’s Herz fühlt keine Reue,
Er nur ist mein einzig Glück!

Hedwig und Gottfried.
Ihres Herzens Geheimniß ist mir jetzt klar,
Franz allein ihres Grames Ursach’ war.

Armg.
Ja, ihr kennet mein Geheimniß, ich sag’ es klar;
Franz allein meines Grames Ursach’ war.

Alle drei.
Es ist nun Alles klar!

Gottfr.
Gut, fort denn, fort!
Dahin ist mein Glück!
Doch geb’ ich dir mein Wort,
Ich bringe dir den Theuren zurück.

Armg.
Bleib Gottfried, bleib bei uns!

Hedw.
Bleib doch bei uns!

Gottfr.
Leb’ wohl; opfern kann sich dies Herz
Das einst dich wahrhaft, innig geliebt,
Darum jetzt bezwingt es den Schmerz,
Da es, ach! keine Hoffnung mehr gibt.

Armg.
Dankbar bleib’ ich dir, dem Getreuen,
Du willst mein Herz wieder erfreuen!
Ach, ew’ge Freundschaft weihe ich dir!

Hedw.
Dankbar, Armgard, sei dem Getreuen!
Mitleid fühlt er, will dich erfreuen
Opfert Alles, Alles nur dir.

Gottfr.
Mitleid fühl’ ich, will dich erfreuen,
Nie wird es mich gereuen,
Freundschaft weih’ ich dir.

Recitativ.


Ein Bauer.
O flieht!

Armg. Hedw. Gottfr.
Ha, was ist das?

Bauer.
Ach seht, sie kommen hier!
Ringsum bedroht sind wir;
Seht der Landsknechte Hauf!
Sie sind gefolgt des Rheines Lauf,
Aus der Pfalz kommen sie und plündern –
Wer will daran sie hindern! –
Der Landmann muss ja weichen;
Er erliegt ihren Streichen!

Armg. Hedw. Gottfr.
Gott, großer Gott, es ist um uns gescheh’n!

Bauer.
Conrad von Wenkheim führt
Die fürchterliche Bande,
Verheeren wird
Sie diese Lande;
Denn ach, was uns’rem Herrn, Franz von Sicking, gehört,
Der Verbündeten Fürsten Macht es ganz zerstört!

Hedw.
O Schreckensstunde!

Armg.
Sie sind da!

Gottfr.
Flieht geschwind, gegen sie hilft keine Wehr!
Glaubet dem Freunde!
Doch fern im Wald
Find’ ich bald
Für euch ein Asyl,
Wo ich euch bergen will.
Nur fort, nur fort!

Nr. 6. Soldaten-Chor.


Wir sind echte
Kriegesknechte!
Des Nachbars Gut
Mundet gar gut!
Drum laden wir zu Bier und Wein
Ueberall selber uns ein!
He, Bauern zieht nur herab sogleich den Hut,
Zeigt uns Respect und wir bleiben stets euch gut!
Hurrah, Hurrah, Hurrah!
Auf uns’ren Zügen entgeht
Uns kein schönes Mädchen;
Das haben gleich wir erspäht
In Dorf und in Städtchen.

Chor.
Fürwahr, ein Trunk vom Besten euch gebührt,
Ihr seid’s, die stets zum Siege uns geführt.

Conr.
Rollt die Fässer heraus
Sogleich,
Schaffet Wein aus dem Haus
Für euch!

Chor.
Ja, die Fässer heraus
Sogleich,
Denn an Wein ist dies Haus
Gar reich!
Heda! Wein her!

Nr. 7. Trinklied mit Chor.


Conr.
Das Land hochgepriesen es sei –

Chor.
Es sei!

Conr.
D’rin lebet der Krieger so frei!

Chor.
So frei!

Conr.
Er findet überall Bier da und guten Wein –
Wo könnt’ ein Land dem Soldaten willkomm’ner sein?
Nichts mangelt uns allhier,
Drum trinken wir
Bald Wein, bald Bier!
Kling, kling, klang!
Der deutsche Kriegesmann
Liebt Wein und Sang;
Kann auf der Welt was besser sein?
Nein!

Chor.
Stoßt an, Kamraden etc.

Conr.
Und soll ich euch sagen noch mehr –

Chor.
Noch mehr!

Conr.
Vom Land, das gefällt uns so sehr?

Chor.
So sehr!

Conr.
Es gibt auch allerlei artige Mädchen dort;
Der Schönen, wahrlich, gar viele zählt jeder Ort!
Fehlt uns wohl etwas noch!
Bringt Allen doch
Ein donnernd Hoch!
Stoßt an, Kam’raden stoßt an! etc.

Recitativ.


1. Landsknecht.
Wo bleibt nun Franz?

Chor.
Wo weilet Franz?

Conr.
Genau muß kennen er dies Land.
Unlängst erst er mir gestand,
Er sei an diesem Ort geboren.

Erster und zweiter Landsknecht.
Wie, Franz? Seit das Gedächniß er verloren
Weiß er nichts!

Chor.
Er weiß nichts mehr von sich und seinem Land

Conr.
Schweiget still!
Eine Wunde am Haupt
Hat alle Lust ihm geraubt.
Gestört ist sein Sinn,
Sein Gedächtniß dahin;
Doch gibt es keinen bess’ren Mann;
Im Kampf ist er uns stets voran.

Chor.
Seht, da kommt er, der Arme, da ist er!
Sein Antlitz ist düster.
Nur ganz still haltet euch,
Denn in Wuth ist er gleich! –

Nr. 8. Scene und Arie.


Franz.
Ueberall Stille!
Mein Wort verhallt!
Echo nur lauscht!
Flüsternde Stimme, ach
So ferne; jetzt mir sprach
Vom Vaterland.
Das Jagdhorn schallt

So fröhlich durch den Wald –
Seht sie tanzen – ha! –
Wie lieblich, holde Maid, du blickst;
Ob du mich beglückest!
Aber nein! – ward Franz nicht Soldat?
Ja, das Schwert gewählet er hat!
Nur im blut’gen Schlachtgetümmel
Franz sich zeigt!
Alles weicht
Scheu zurück,
Denn nur sein ist der Sieg und das Glück.
Ja, gegen Höll’ und Himmel
Stürmt er furchtlos an,
Und es haust der Tod
Auf Franzen’s grauser Bahn!
Victoria! – Victoria! –
Ha, wandelt nicht dort im Dunkeln
Liebchen, das ich verließ?
Seht ihre Augen, sie funkeln
Ach und ihr Mund lächelt süß;
Ja, bei dir nur ich fand
Glück und Frieden und Ruh!
O reiche mir deine Hand,
Denn meines Lebens Lust bist nur du!
Doch Franz sich zeigt,
Und Alles weicht
Vor ihm scheu zurück –
Franz hat kein Glück!
Die Sonne sinket –
Ruhe winket –
Der Nebel steigt –
Nacht bricht herein –
Alles schweigt –
Franz schläft ein …

Nr. 9. Recitativ und Chor.


Conr.
Gefährten hört mich an!
Ihr wißt, wozu wir hier sind!
Immer gibt es zu thun;
Nie darf der Krieger ruh’n.
Was so lang wir ersehnt,
Jetzt endlich wird’s vollbracht.

Der Feind, der uns gehöhnt,
Fühl’ unsre Macht.
Ein geheimer Pfad leitet uns zur Ebernburg.
Gesorgt hab’ ich bei Zeiten
Für Pulver und Geschütz,
Einschlagen soll der Blitz
In diese Burg, und Thurm und Wall
Stürzt auf ein Mal!
Morgen Nacht,
Glaubt mir, ist’s vollbracht!

Chor.
Ja, morgen Nacht
Ist’s schon vollbracht!

Conr.
Was unser wartet, sagt’ ich euch;
Jetzt aber seien bis zur Nacht
Die Stunden fröhlich zugebracht.
Ich schickte nach den Mädchen hier im Ort
Schaut hin, befolgt ist mein Gebot,
Sie kommen alle dort.

Nro. 10. Finale.


Chor der Landsknechte.
Das Fest nun beginne
Es lebe die Minne!
Mit fröhlichem Sinne
Nun tanzen und singt!

Conr.
Angefangen!
Was soll das Bangen?
Singet und tanzet und springt!

Chor.
Gnade, Gnade! Ach, Ach!

Conr.
Seht doch … wozu dies Festgepränge?
Wozu die Blumenkränze
Saget an!

Chor.
Heut’ feiert Armgard, die Schöne, ihr Fest!

Conr.
Ach ja, man pries sie überall mir,
Sie sei das schönste Mädchen hier.
Doch warum fehlt Armgard unter euch?
Wer sie bringt, dem zahl’ ich dies sogleich.

Chor der Frauen.
Möge der Herr uns gnädig sein!
Er steh’ uns bei in unsrer Pein!

Gottfr.
Haltet ein!

Conr.
Was ist das? Du allein
Willst uns droh’n?

Es werde ihm sein Lohn!
Ihm gäb’ ich nicht Pardon!

Chor der Landsknechte.
Ha, wie sie schön ist, die junge Maid!

Conr.
Fürwahr! gar lieblich ist sie!
Ihr Augenpaar
Wie hell und klar!

Chor der Landsknechte.
Mein sei die holde Maid!
Nein, nein!
Thu Keiner ihr ein Leid!

Conr.
Lasset sie! Hört mich an!
Vorerst singe sie jetzt
Uns ein Lied, das uns ergötzt!
So mag es sein,
Mein Mägdelein!
Alsdann
Mögt ihr andern Freuden euch weih’n!

Ensemble.


Armg.
Ha, welch neue Pein!
Ach, wer wird mich befrei’n!
Gnade, Gnade!

Hedw.
Ha, welch neue Pein!
Wer wird sie befrei’n?
Gnade, Gnade!

Conr.
Es wird dich Niemand befrei’n!
Höre mein Gebot! Wohlan singe!
Nein, keine Gnade, nein!

Gottfr.
Ach, ihr Tod wird das sein!
Wie soll ich sie befrei’n?
O, könnt’ ich doch
Dich retten noch!
       
Chor der Frauen.
Weh, Armgard, weh!
Wer wird Dich befrei’n?

Chor der Landsknechte.
Weh’, Armgard, weh’!
Niemand wird Dich befrei’n!
Hör auf zu flehen!
Was der Hauptmann gebeut
Das muß geschehen!

Conr.
Singe! Hurtig folge meinem Gebot,
Sonst raschen Tod!

Franz.
Haltet ein!

Armg.
Himmel, es ist Franz! Er wird mich befrei’n!
Ja, Du wirst mein Retter sein!

Chor der Landsknechte.
Ha, ha, ha!
In diesen Wirren
Hofft Rettung sie vom Irren.

Armg.
Irr? Hör’ ich recht?
Franz, Dein Auge richt’ auf mich!

Franz.
Jemand ruft mich beim Namen –

Armg.
O schau mich an!
Sprich, kennst Du mich nicht?

Franz.
Wer bist Du denn?

Armg.
O sieh, wie das Herz mir bricht!
Besinne Dich,
Deine Armgard bin ich!

Franz.
Ja, Armgard!
Nie sah ich jemals Dich.

Conr.
Nun fange an! Thu sogleich was ich gebot!

Chor der Landsknechte.
So fang’ doch an, Thu sogleich was er gebot.

Armg.
Großer Gott! Welche Noth!
Singen jetzt ist mein Tod!

Conr.
Singe oder gewiß ist Dein Tod.

Gottfr.
Was jetzt thun, großer Gott!
Singt sie, so ist’s ihr Tod.

Hedw.
O Tochter!

Armg.
Meine Mutter, lasset mich!
Noch darf mein Herz nicht ganz verzagen,
Ein Gesang aus seliger Zeit
Den er geliebt in der Kindheit Tagen,
Vielleicht ihn jetzt vom Wahn befreit. –

Lied mit Chor.


Armg.
O könnt’ ich’s Allen sagen,
Wie meine Pulse schlagen
Für Dich, mein Vaterland!
Ich habe Dir mein Leben,
Mein Alles hingegeben.

Ich nehm das Glas zur Hand
Und trink’ es Dir und ruf es laut:
Du, Vaterland, bist meine Braut!
Du liebes Land, du schönes Land!
Du schönes, großes deutsches Vaterland

Alle.
Du liebes Land etc.

Armg.
Wer sollte Dich nicht ehren,
Nicht Deinen Ruhm begehren,
O Heimath, hold und traut!
Wo stolze Burgen thronen,
Wo treue Menschen wohnen,
Wo Sangeslust so laut:
Da muß am schönen grünen Rhein,
Ein Leben voller Wonne sein!
O liebes Land etc.

Alle.
O liebes Land etc.

Franz.
O wie schön ist der Gesang!

Chor der Landsknechte.
Ja, gar schön war der Gesang!

Franz
Doch nun sing ein heitres Lied,
Das in Lust das Herz erglüht.

Chor der Landsknechte.
Ja, nun sing ein heitres Lied,
Das in Lust das Herz erglüht.

Franz
Wohlan! fang an!

Armg.
Ach! – – La, la, la, la
Hin ist all’ mein Hoffen!
La–la–la–la! — – Ach!

Franz, Conrad und Landsknechte.
Mehr, mehr, sing uns mehr!

Armg.
Es ist genug.

Hedwig, Gottfried und Frauen.
Ha, mag der Himmel die Schuld bezahlen,
Strafen Euch bald mit ewigen Qualen.

Franz und Conrad.
Sing uns noch mehr,
Es freut uns sehr!

Landsk.
Da die Zeit uns so schnell entflieht,
Würze sie ein heiter’s Lied!

Armg.
Ach ich vergeh’,
Mir wird so weh’!

Hedw.
O, Armgard mein!
Du armes Kind!
Nur im Zerstören
Suchet ihr Ehren!
Gott wird euch lehren
Sein Wort zu hören!
Ja, strafe sie,
Gott ich fleh’,
Für dieses Weh’!

Franz, Conrad und Landsknechte.
Wer kann uns verwehren,
Mehr zu begehren?
Singe, ob die Welt auch untergeht!
Immer zu
Singe Du.

Gottfr.
Ihr lebt vom Zerstören etc.

Frauenchor.
Nur im Zerstören etc.

Armg.
O Gott, ich vergehe!
Wie wird mir so weh!
Ich wanke, ich sinke
Es ist – ach – vorbei!
(Wie im Traum fortsingend.)
Du liebes Land, du schönes Land,
Du großes Land! la, la, la.
Ach, Mutter, ich sterbe – o Franz!
Horch, horch – sie ziehen vorbei
Mit ihrer süßen Melodei!
Ach!

Hedw.
Gott sie stirbt, mein Kind!
O Armgard!

Franz.
Ha, Armgard!
O mein Gott, sie stirbt!

Zweiter Akt.




Nro. 11. Scene und Arie.

Hedwig.
Leb’ wohl, o theure Tochter!
Statt die Augen mir zu schließen,
Die längst von Gram schon halb erloschen sind,
Muß die Mutter jetzt Thränen vergießen,
Da Du ihr starbst mein süßes Kind!

Recitativ.


Gottfr.
Nur Fassung!

Hedwig.
Nein, nein, zu groß ist mein Leiden!
Nicht zu tragen, vermag
Mein Herz den harten Schlag!
Armgard ach!
Du mein Kind, du mein einziges Hoffen,
Durch die grausamste Schmach
Hingestreckt und getroffen!
Ein Verbrechen Dich wirft ins Grab
Wie ein Verbrechen das Leben Dir gab.

Gottfr.
Was sagst Du?

Hedwig.
Das Geheimniß das ich stets bewahrt,
Im Grabesübermaß
Sei jetzt es offenbart! –
Verrathen war ich durch eines Frevlers Betrug,
Für den mein Herz vertrauend, arglos schlug,
Ihm glaubt’ ich mich nach heil’gen Bräuchen
Angetraut vor dem Altar –
Doch nun vernimm die Schmach, mein Elend sonder Gleichen:
Der in der Stille uns verband,
Im Priestergewand,
Ein verruchter Miethling war.

Bald verließ mich der Mann, der ach, mich so betrogen –
Dann der Schmach zu entflieh’n, hieher bin ich gezogen.
Armgard ward hier geboren.
Theuerstes Pfand großer Liebe und Schmerzen
Und jetzt rauben sie, Armgard, Dich,
Mit Gewalt meinem Herzen!

Gottfr.
O fasse Dich!

Hedwig.
Ja, Armgard ich muß dich wiedersehen!

Gottfr.
Hedwig, bleibe hier!

Hedwig.
Ganz sachte will ich gehen
Zum Elfensteine in den Wald.
Du weißt, daß bald,
Wenn Alles im Dunkel lieget
Ihr Schatten flieget
Hin zu den Elfen,
Und daß ihr Sang
Sich mischt mit Geisterklang …

Gottf.
O bleibe!

Hedw.
Umsonst, nimmer kannst du mich halten
Um wieder sie zu schauen
Nicht fürcht ich Nacht noch Grauen
Leb wohl, ich gehe!

Gottf.
O Hedwig – wehe mir!
Ich kann nicht folgen Dir!
Gezwungen durch Feindesmacht,
Soll ich in dieser Nacht
Den wilden Kriegertroß
Geleiten zum Ebernschloß –
Am Morgen soll es fallen!
O Fluch, – Fluch mir – euch Allen!
Ha, ein Gedanke mir tagt!
Willkommen!
Frisch sei’s gewagt,
Meinem Haß wird es frommen
Die Elfen, dort im Wald
Ja … ihr Verderben ist gewiß!
Es lenkt der Himmel selbst meine Sache,
Und so gelingt sicher die Rache!
Ihres Geschickes Herr bin ich!
Wohlan, jetzt räch ich Armgard, Dich!

Nro. 12. Recitativ und Romanze.


Franz.
Welch düsteres Schweigen!
Nur das Echo antwortet mir!
Armgard traut, Armgard süß!
Ach, soll mein Ohr nimmer lauschen Dir?

Romanze.


Die Nacht die meine Seele in Dunkel gehüllt
Also lang,
Sie ward plötzlich erhellt durch ein liebliches Bild,
Durch Gesang,
Der süß und hold mir klang,
Mein krankes Herz so mild durchdrang,
Alle die trüben Gedanken verschlang –
Aller Qual war ich entrückt,
Die mich so ganz erdrückt.




Ich sah, Armgard, Dich liebliche Maid vor mir steh’n,
Hier ganz nah;
Du standest, schöner als je ich vorher Dich geseh’n,
Vor mir da,
Doch ach hier sankest Du,
Der Tod schloß dir die Augen zu!
Dir späh ich nach ohne Rast und Ruh’!
Ach, umsonst – wo ruhest Du?


O hör, o hör mein Flehen!
Komm Armgard zu Franz!
Laß Dich einmal noch sehen!



Nro. 13. Scene und Duett.


Conr.
Wo willst du hin?
 
Franz.
Ich weiß es nicht.
 
Conr.
Dich suche ich schon lange.
Es naht die Stunde, wir müssen geh’n!

Franz.
Ich geh’n – und ohne Armgard zu seh’n?

Conr.
So komm, so komm!

Franz.
Ich komme – wohl! denn hier ist alles vorbei
Schmerz und Gram reißt das Herz mir entzwei!

Conr.
Was sprichst Du da? Nur Muth!
Die Rach’ ist nah und bald im Kampfe
Kühlst Du Dein Blut.
Wohlan denn Franz, ermanne Dich,
Dein starker Arm verleih uns Sieg!
Zum Kampfe, frisch und frei.

Franz.
Mein starker Arm verleiht, euch Sieg!
Zum Kampfe denn, ja, es sei!
Diesem Ruf kann ich nimmer widerstehn!
Laß uns geh’n!

Conr.
Laß uns geh’n!

Nr. 14. Chor der Elfen.


Komm zu uns und sing und tanze,
Komm’ in unsre Reih’n,
Mond im matten Silberglanze,
Ladet selbst Dich ein!
Ja, in grüner Waldesstille
Elfenluft erwacht.
Unsres Sanges Macht und Fülle
Töne durch die Nacht!
Ach – welche Nacht!

Hedwig
Das ist der Ort, von dem man mir oftmals erzählte,
Wo Mancher schon, der seinen Weg verfehlte,
Ward überrascht vom ungeahnten Tod!
Im Schatten dieser Tannenrunde
Da tanzen um die Geisterstunde
Die Elfen bis zum Morgenroth.
Ach, mich hat diesen Weg die letzte Hoffnung geführt!
Um Dich, o Armgard, noch einmal zu sehen,
konnt’ ich nicht widerstehn,
Die Mutter mußte gehen
An den Ort, der Grauen gebiert.

Elfen.
Ah!

Hedw.
Horch, ferne, klagende Harmonien!
Flüchtige seltsame Schatten mich umzieh’n!

Elfen.
Komm zu uns etc.

Hedwig.
O Armgard, gib Antwort doch mir!
Die Mutter, die arme, suchet Dich hier.

Nr. 15. Duett.


Armg.
Als todt beweint man mich,
Dank dir, o Gott, der Du
Aus tiefem Traum mich nun
Erweckt zu neuem Leben.

Franz zu retten, komm ich …
Das ist die Geisterstunde,
Wo die lust’ge Runde
Auf dem klaren Wogenschwall
Die flücht’gen Elfen tanzen all!

Armgard. Hedwig.
O Gott, gnädig sieh’ mich an
Gib Gelingen dem Plan!

Armg.
Alles schweigt um mich her!
Franz, Franz!

Hedwig.
Dieser Ruf … ja sie ist es!
Armgard, ach Armgard!

Armg.
Horch, wer ruft mich?

Hedw.
Meine Tochter!

Armg.
Ha, meine Mutter!

Hedw.
Bleib mein Kind, fliehe nicht!
Theurer Schatten singe wieder!
Ach zu hören deine Lieder,
Kam die Mutter ganz allein,
In der Nacht zum Elfenstein.

Armg.
Mutter flieht von hinnen!
Ach, getrennt hat das Geschick!
Uns auf immer! –
Ich kehre nimmer
Mehr zu Euch zurück.

Hedwig.
Theurer Schatten, ach sprich!
Armgard … Armgard … o Hoffnungsschein

Armg.
O Mutter o Mutter!
O laßt es sein!

Hedwig.
O laß Dich Theure sehen!

Armg.
Ach, ich muß von Dir gehen.

Hedwig.
O hartes Schicksal!

Armg.
Ganz umsonst Euer Fleh’n!
Mutter flieht, wißt Ihr nicht:
Wer die Elfen jemals spricht,
Der kann länger leben nicht

Hedw.
Nicht zu leben verlang’ ich,
Ach nach Dir ja nur bang’ ich,
Höre mich, höre mich,
Eh’ das Herz mir bricht.

Armg.
O nicht länger verweilet
Fort nach Haus – eilet, eilet!

Vielleicht gibt das Geschick
Dort euch Armgard zurück! –
Auf Gott müßt Ihr vertrauen,
Allein auf den Himmel bauen;
Denn seine Gnade ganz allein
Vermag aus Gefahr, Noth und Pein
Uns Alle noch zu befrei’n.

Hedw.
Ach fliehe nicht, bleib’, hör’ mein Flehen.

Armg.
Ach ich muß widerstehen.
Könnt ich fliegen Euch an das Herz

Hedw.
Armgard bleibe, welch’ ein Schmerz!
Sieh, Deine arme Mutter,
Sie will hier
Sterben bei Dir.

Armg.
Ach, es schneidet in’s Herz,
O welch ein Schmerz!
Ich muß fliehen von hier!
O meine Mutter, auf Gott nur vertrauet etc.

Recitativ.


Hedw.
Armgard, ach vergebens ich flehe;
Ha, welch ein Tönen in der Nähe?!

Nr. 16. Chor der Landsknechte.


Frisch Kameraden,
Frisch drauf los,
Unserer Thaten
Ruhm ist groß.
Dunkel der Nacht
Schützt unsern Plan,
D’rum immer rasch bergan
Ganz sachte laßt uns schleichen,
Daß der Feind nicht merke den Ueberfall,
Ha, bald unter unseren Streichen
Wird er erbleichen,
Tod harrt ihrer All!
Sie trifft jetzt der Rache Stahl.
Wer einmal schwer uns gekränket,
Dem wird nichts mehr geschenket,
Für ihn geschärft ist unser Stahl;
Doch laßt uns sachte schleichen
Kameraden durch dies Thal!

Conr.
Wohlan, wack’rer Führer,
Wie weit ist noch bis zur Ebernburg?

Gottfr.
Bald seht den Thurm ihr durch den Wald hindurch.

Conr.
Sind wohl in einer Stunde erreicht die Mauern?

Gottfr.
Kaum so lange wird es dauern.

Conr.
Kameraden, dann rasten wir hier;
Zu zeitig ist es, die Burg schon jetzt zu stürmen.
Warten wir!
Erst morgen früh
Vor dem Tag falle sie.

Gottfr. (f. s.)
O trüg’risch Hoffen,
Eitler Wahn!
Ihr verfehlet
Euren Plan!

Hedw.
Gottfried, ja er ist’s.
Ich rathe fast, was er beginnt;
Rache ist’s, worauf er sinnt.

Conr.
Du hast uns gut geführet,
Voller Lohn Dir gebühret;
Bald bist Du frei.

Gottfr.
Schönen Dank!

Franz.
Welch Glöcklein hört man hier klingen?

Gottfr.
Vom Schlosse tönt es her.
Ach, wie so sehr
Diese Töne uns Herz mir dringen!

Nr. 17. Arie.


Franz.
Trauliches Glockenläuten,
Erinnerst mich an Zeiten,
Ach, die mir längst verschwunden
Sel’ge fröhliche Stunden!
Was soll der Klang bedeuten?
Taufen sie, trauen sie dort im Schloß?
Oder ruft zum Gebete
Dies Geläute blos?
Oder zur Ruhestätte
Sterblichen Leib, aus dem die Seele
Sich rang endlich los?
Glocken, was kündet ihr?
Glocken, antwortet mir!

Chor.
Franz hat wieder trübe Gedanken.

Conr.
Aber ich hab zum Scherzen Lust.

Chor.
Ein muntres Stück
Das bringt uns Glück!

Conr.
Ja, lassen wir den armen Kranken,
Jetzt erzähl’ ich euch
Aus der Jugendzeit
Den tollsten Streich.
 
Hedw.
Diese Stimme … ach der Ton …
Mir bekannt ist er schon.

Nr. 18. Glockenlied mit Chor.


Conr.
Einst durch ein Dörflein that ich gehen,
Sah dort ein feines Mägdlein stehen;
Nur zu tugendsam Hedwig war,
Dachte gleich an den Traualtar;
Nie hatt’ ich solche Unschuld gesehen.

Chor.
Zieb die Glocken, zieh die Glocken,
In die Lüfte hell und weit
Klinge ihrer Töne Locken
In harmonischem Geläut.

Hedw.
Er ist es, – ha, Fluch über Dich.

Conr.
Du willst die Hoheit, holde Schöne?
Das ist ja auch, was ich ersehne!
Einem Kameraden da
Ging die Sache gleich sehr nah –
Reichte den Segen als Pfäfflein uns Beiden.

Chor.
Zieh die Glocken etc.

Nr. 19. Finale.


Ein Landsknecht.
Ha Verrath!

Chor.
Wie – Verrath!

Landskn.
Ich traf hier unsern Führer
Ferne schon von diesem Pfad,
Sicher wollt’ uns entflieh’n!

Conr.
Lag Verrath Dir im Sinn?

Gottfr.
Nein!

Landskn.
Er lügt!
Uns läßt er hier und eilenden Schritts
Dorthin gen Ebernburg er fliegt!
Ist es wahr

Conr.
Welche Frage? Gott rette sie!
Ach, es steigt die Gefahr.
 
Landskn.
Seltsame Stimmen schallen
Um uns so bang.

Hört ihr? Sie droh’n uns Allen
Schmachvollen Untergang.

Conr.
Nun, so schleppt ihn nach Kreuznach in’s Lager,
Bewacht ihn gut.
Und morgen fließe dann sein Blut,
Wenn er Verrath geübt.

Chor.
Es fließe dann sein Blut.

Conr.
Gewiß, doch Tod nicht allein ziemt ihm nur,
Der Verräther verfalle der Tortur!

Chor.
Der Verräther verfalle der Tortur!

Conr.
Und nun Kameraden fort sogleich,
Komm Franz
Nur zu, wir folgen euch!

Chor.
Laßt uns ganz sachte schleichen,
Bald fällt unter unseren Streichen
Die Ebernburg.
Schleicht sachte durch den Wald hindurch.

Franz.
Was hör ich?

Elfen.
Ah!

Franz.
Vernahmst Du wohl dieses ferne Getön?

Chor.
Schweigend, sacht’ laßt uns gehn.

Conr.
Die Landesknechte sind’s, komm Franz!
Ha, welch’ zauberhaftes Klingen?

Hedw.
O Gott willst Rettung du uns bringen?

Elfen.
Ah, Ah!
Komm, die nächt’ge Kühle
Bietet Dir zum Pfühle
Hier ein Bett von Moos!
Komm und leg Dich nieder,
Bette Deine Glieder
In der Blumen Schoos!

Conr.
Stimmen, wie wunderbar ihr klinget!

Hedw.
O singt, ihr seel’gen Schatten, singet!

Franz und Conrad.
Ha, woher kam der Ton, der tief ins Herz mir dringet?

Elfen.
Ach, komm und leg Dich nieder! etc.

Franz und Conrad.
Ach, woher kam der Zauberklang
Der süße Sang?
Ein seltsam Bangen

Hält mich umfangen!
Mir ist als drohte
Mir der Tod!
Aber vielleicht auch ist’s mein Engel,
Der kam, zu retten mich.

Hedw.
O singt, ihr Schatten singt,
O singt, verderbet sie, ja singt,
O leitet sie zum sichern Tod
Noch vor dem Morgenroth.
Singt Rachgeister, ja singt ihnen zum Verderben!
Laßt sie nicht entfliehen!
Gesang soll sie ziehen
Zum Abgrunde fort.

Armg.
Franz, mein Franz, o blicke
Doch auf mich zurücke!
Du eilst entgegen
Auf diesen Wegen,
Dem Tod, ja sicherm Tod.
Ich weiß was dir droht!
O wende den Blick
Doch auf mich zurück
Ach komm, mein Franz
Komm, rasch muß[t] du fliehen.
Den Sang und den Ort,
Die Elfen sonst ziehen
Zum Abgrund dich fort.
Theurer Franz, komm doch mit mir, komm!

Elfen.
So komm, so komm!

Armg.
Du liebes Land, du schönes Land
Du liebes, großes Vaterland!

Elfen.
Komm, die nächt’ge Kühle
Bietet dir zum Pfühle
Hier ein Bett mit Moos!

Armg.
Du liebes Land etc.

Elfen.
So komm, leg Dich nieder.

Conr.
Allmächtiger Zauberglanz,
Umstrickt die Sinne ganz.

Hedw.
Rache, Rache Dir,
Dein Ende finde hier.



Dritter Akt.







Nro. 20. Chor.


Hurtig, nutzt die Zeit!
Alles macht bereit
Flink zum kühnen Streich
Heisa, sputet euch!
Unser Wurfgeschoß
Tödte Klein und Groß
Und es sinkt das Schloß
In Trümmer bald,
Wenn erst die Kanone knallt
Mauern, Thurm und Wall
Bald bringen wir sie zum Fall
Wohlan,
Packt an;
Nichts wiedersteht
Unserer Macht,
D’rum tapfer geht
Und froh zur Schlacht!
Die Stunde naht
Wo der Soldat
Seinen wahren Festtag hat!
Auf denn, sputet euch
Bereitet alles vor zum raschen kühnen Streich.

2. Landsk.
Eine Fackel angefacht
In dieser schönen Nacht
Hat Wenckheim seine Schaar
Schon nah zur Burg gebracht!

1. Landsk.
Ha du Thor, wie unbedacht!
Du kennst nicht die Gefahr
Ein Funke fällt hieher –
Und wir leben nicht mehr!

Ein Blitz, ein Knall,
Todt sind wir all;
Hört ihr zum Aufbruch das Signal
Ja, ’s ist das Marschsignal!

2. Landsk.
’s ist das Signal!

1.Landsk.
Kameraden, hört zum Marsch das Signal
Drum Mann für Mann
Jetzt rasch bergan
Die Stunde naht etc.

Nro. 21. Chor und Scene.


Franz.
Laßt Eure Arbeit sein,
Den Angriff stellet ein.

Chor.
Wie so? Was ist geschehn?
Sagt an!

Franz.
Ihrem Grabe wir haben
Die Todten entsteigen seh’n!

Chor.
So? Ha, ha, ha!
Was sagt er da?
Er redet irr,
Drob lachen wir.

Conr.
Nein, er sprach wahr!

Chor.
Wie, Menckheim hier?
Erzählet Ihr!

Conr.
Schon war der Elfenstein erklommen,
Und wir glaubten die Burg schon halb genommen,
Da schallt
In dem Wald
Gesang, Gesang
So süß und bang!
Wir horchen auf –
Hemmen den Lauf –
Doch Wunder!
Es zieht mit Gewalt,
Tief, ach tief uns in den Wald!
Der Elfen luft’ge Schaar
Gaukelt um uns wunderbar
Mit Zaubertönen.
Die Unsern all folgen den Schönen –
Nichts hält sie zurück –
Sie verschwinden vor meinem Blick.
Ich selber durch diese Zauberinnen

Angelockt und betäubt,
Taumle von hinnen,
Ob das Herz sich auch sträubt

Franz.
Endlich kehr ich zurück
Und reiß ihn aus dem Schwarme
Im günst’gen Augenblick.
Der Elfen Sang verhallt,
Doch nah’ jetzt schallt,
Eine süß’re Stimme mir –
Rettung wir danken dir.
O Armgard traut,
An deinem Herzen laut
Will ich gestehen,
Wie nach Leid und Wehen,
Mein Herz gewesen ist,
Da du gefunden bist.
Zu dir, zu dir
Wohl mir!

Conr.
Und jetzt sogleich bestraf’ ich den Verräther
Der uns geführt
Zum Ort, der solch Grau’n gebiert.
Ich ließ den Missethäter in der Nacht bringen hierher.
Seiner harrt jetzt der Lohn!
Befragen will ich ihn.
Doch vor Allem habet Acht:
Wenn die Elfe wacht!

Chor.
Habet Acht etc.

Conr.
Nun denn, was bringt ihr für Kunde?
Was wollt ihr?

Landsk.
Bemächtigt hat beim Wall
Dieser Frau die Schildwach sich
Da sie rings überall –
Schon lang verdächtig schlich
Der Unsern Einer, entrinnend aus dem Wald
Erkannte wieder sie bald.

Conr.
Laß’ uns allein.

Chor.
Wo Verräther wir jetzt entdecken,
Soll dieses Eisen nieder sie strecken,
Keine Gnade, ein Stoß!
Sterben sei jetzt ihr Loos!

Nr. 22. Duett.


Conr.
Weib antworte mir!
Weßhalb bist hieher du gekommen?

Hedw.
Mich zu rächen!

Conr.
Darum fand man bei dir
Also hier diesen Dolch?

Hedw.
Ja, Verrath zu strafen,
Hatte ich mir vorgenommen.

Conr.
Und wer ist’s der Dich verrieth?
Sag es mir.

Hedw.
Doch zuvor will ich dir entdecken,
Wer ich bin – ja wer ich bin.
Gedenkst du noch an ferner Jugend Zeiten
Da nah bei Wurms vorbei du zogst?
Ob dich wohl je die heißen Schwüre reuten
Womit du damals Liebe logst?
Ach damals kannte ich nur Glück und Jugendprangen,
Doch langer Gram verändert wohl uns sehr,
Und von dem Zauberreize blühn der Wangen,
Nichts findet man in Hedwig Antlitz mehr …

Conr.
O du gemahnst an Zeiten, die vergangen …
Bei Gott ihr herber Kummer drückt mich schwer.
Ach Hedwig … du …

Hedw.
Wohl bin ich Hedwig, ja!
Erkennst du mich nicht?
So höre mehr! – Verlassen und verloren
Blieb ich doch einsam nicht in meinem Schmerz,
Vernimm es denn! Ein Mädchen war geboren,
Ach; Balsam für das wunde Herz!
Doch deine Frevel, der mir geraubt die Ehre,
Barg ich vor ihr und ihrem reinen Sinn.
Wenn sie mich fragte, wer ihr Vater wäre,
Sagt’ ich ihr stets: „Kind beten wir für ihn!“

Conr.
O Vaterglück, das heiß ich jetzt begehre …
Zur Wonne reißt es meine Seele hin!
Ach fühl es mit, wie glücklich ich jetzt bin.
Gott, meine Tochter, o laß zu ihr uns gehn.

Hedw.
Nein, nimmer sollst Du sie seh’n!

Conr.
O Tochter, theures Kind, mein Herz vor Lust und Freund erbebt!

Gewiß, o Kind, ich finde Dich.

Hedw.
Eitler Wahn.

Conr.
Wo weilet sie? Hedwig sprich!

Andante.


Sieh meine wahre Reue,
O lies in meinem Blick!
Dem Schuldigen verzeihe,
Gib mir mein Kind zurück! –
Ach lind’re meine Qualen,
Ich will die Schuld bezahlen!
Gib mir mein Kind zurück!
Hedwig, höre mein Flehen, die Tochter!

Hedw.
Es ist zu spät!
Du wirst sie niemals sehn!
Sie ist todt!

Conr.
Todt? Todt!

Hedw.
Ja und Du hast sie gemordet!
Sie starb dahin, als Opfer Deiner Wuth.

Conr.
Hör ich recht?

Hedw.
Jenes Kind, dem Du gebotest: „singe!“
Und das gestern sank in den Tod,
War Deine Tochter.

Conr.
O mein Gott!
Welche Qual, welche Noth!

Hedw.
Ha, Frevler, Verräther, sei verflucht!
Sei verflucht, sei verflucht durch alle Lande,
Du und die Deinen – die Bande
Des Schreckens – seid alle verflucht!

Conr.
Still nur, still! Wenn sie kämen
Und vernähmen
Was die Verzweiflung aus Dir spricht,
Dann verlangen sie Blut,
Und vor ihrer Wuth
Könnt ich Dich retten nicht.

Hedw.
Mag die letzte Stunde schlagen!
Mögt ihr mich zum Richtplatz tragen!
Ach, das Leben ist mir Höllenpein!

Conr.
Bange fühl mein Herz ich schlagen,
Muthlos will es jetzt verzagen!
Könnte Hedwig mir einmal noch verzeihn,
Was ich gethan zu ihrer Pein!

Kannst Du verzeih’n,
All diese Pein?
Gottfried, Du bist frei!
Führ’ diese Frau auf ihrem Wege,
Nach ihrem Hause zurück.

Gottfr.
Was seh ich, Hedwig?

Finale.

Nr. 23. Recitativ und Scene.


Franz.
Jeder Weg ist versperrt!
Conrad, der Gefangenen Blut
Wird von Dir, dem Hauptmann, begehrt!

Hedw.
So mag denn ihre Wuth
Mich vereinen, o Tochter, mit Dir.

Franz.
Seh ich recht? … O wüßtet Ihr …
Eure Tochter … Armgard …

Hedw.
Nun sprich …

Franz.
Zu Euch führen wollte ich sie …

Hedw. u. Conr.
O Gott, was sagst Du … wie?

Franz.
Sie lebt, sie lebt!

Hedw.
Sie lebt?

Franz.
Seht sie hier!

Hedw.
Du lebst …
Kann höheres Glück es noch geben?
Aber sprich, dieses Wunder, erklär’ es mir.

Armg.
Erfahren Alles werdet Ihr.
Ein Traum nur war es, besinne Dich.
Nur scheintodt … nicht gestorben –
Lag in der Hütte ich da
Auf einmal – mir ganz nah –
Vernahm ich Gottfrieds Ruf nach Deinem Leben –
Und ich durchreiße der Erstarrung Bann –
Kann mich bewegen – mich erheben –
Und wie auch holder Elfen Spiel
Und wie der Mutter Fleh’n mich fesseln will:
Auch dieses Banns erwehr’ ich mich –
Ich eile fort und rette Dich!
Nun zweifle noch, ob ich Dich liebe!

Conr.
Armgard! o mein Gott! … wie bebe ich!

Armg.
O Mutter schützet mich!

Conr.
Ach fürchtet nichts von mir!
Ich werde euch beschützen,
Bald seid gerettet ihr.
Jetzt geh! Sie wiß’ es nie, wer ich bin! Nun so geh!

Hedw.
Wohl – ich versteh!

Conr.
Gemach, ihr Freunde, hört mich!
Ein Pfad, der euch birgt vor Gefahren,
Oeffnet da unten sich;
Ich erwarte indeß hier die wüthenden Schaaren.
Armgard, welch ein Schmerz, mich zu trennen von dir!

Hedw.
All’ mein Zorn, all’ mein Weh’,
Jetzt verschwinden ich seh!
Armgard – er ist dein Vater!

Armg.
Mein Vater?

Franz und Gottfr.
Ihr Vater?

Conr.
Ach, zu theuer erkauft ist dieses Glück,
Geht, eilt alle nach Hause zurück!
Wenn ihr länger verweilet,
Ist es um euch gescheh’n!

Armg.
Wir geh’n – und Ihr mein Vater?

Conr.
Ich kann nicht mit euch geh’n –
Meine Pflicht …

Armg.
Geh’n ohne Euch, nein, nie,
O höret mich! entsagt dem wilden Kriegerstand,
Die Waffen, die ihr tragt, verheeren unser Land,
Sie bringen euch nicht Ruhm noch Glück.
Ach, kommt mit uns zurück!

Franz und Gottfr.
Ach, hört ihr kindlich Flehen,

O Vater willigt ein!
Ja

Sich so geliebt zu sehen,
Muß Seligkeit Euch sein!

Armgard und Hedwig.

Ach hört mein Flehen
ihr

Ja Vater willigt ein!
willigt

Sich so geliebt zu sehen,
Muß Seligkeit Euch sein!

Chor der Landsknechte.
Lasset sie sterben,
Den Lohn erwerben,
Den sie verdient schon lang!
Kein Pardon!
Lange schon –
Ihnen gebührt der Strang.

Conr.
Hört ihr toben sie?
Flieht und fürchtet ihre Wuth.

Armg.
Geh’n ohne Euch? – Nein, nie!

Conr.
Sie fordern Blut.

Armg.
O Vater komm!

Conr.
Du Gott im Himmel, richte mich,
Erhalten hast Du mir der Tochter Leben,
Das Weib, das ich verließ, mir wiederum gegeben
Es sei, mit euch jetzt gehe ich!

Armgard, Hedwig, Franz und Gottfried.
Gott sei gelobt!

Nr. 24. Finale.


Conr.
Wohlan, so laßt uns gehen!

Landskn.
Lasset sie sterben etc.

Conr.
Es ist zu spät!

Armg. u. Hedw.
So sterben wir denn vereint.

Alle.
Lebt wohl, uns winkt ein Wiedersehen,
Es schenkt uns Gott ein fröhlich Auferstehen!
Das Leben geht zu Ende;
In Deine Vaterhände
Nimm unsre Seelen auf!
Es führet Deine Gnadenhand
Uns heim ins ewige Vaterland;
O liebes Land, o schönes Land,
O schönes, ew’ges Vaterland!

Conr.
Hört des Hauptmanns Befehl, folgt meinem Gebote!
Zurück von hier!
Ihr wißt, daß ich niemals zum Scherze nur drohte –
Ein Schritt und in Flammen versinket ihr!

Conr.
Wir sind verloren!

Armg. Hedw. Franz. Gottfr.
O könnt ich Allen sagen,
Wie meine Pulse schlagen
Für dich mein Vaterland!

Conr.
Seht, sie nahen sich uns, sie erklettern die Höhen.

Armg. Hedw. Franz. Gottfr.
Ich habe dir mein Leben,
Mein Alles hingegeben,
Du schönes Vaterland!

Conr.
Lebt wohl, um jenseits uns wieder zu sehen!

Alle.
Du liebes Land, du schönes Land,
Du großes Land!

Conr.
Wohlan denn auf zum letzten Gang!

Chor der Elfen
Komm zu uns und sing’ und tanze …

Armg.
Hört ihr wohl den Gesang?
Gelockt von diesem Ton –

Hedw.
Den Echo hallet wieder,
Seht ihr, sie stutzen schon –

Gottfr.
Es beben ihre Glieder.

Franz.
Schon steigen sie empor.

Conr.
Da tönen Elfenlieder,
Es zieht der Geister Chor
Zum Abgrund sie hernieder –

Alle.
Wir sind gerettet!
Du liebes Land, du schönes Land,
Du schönes, großes deutsches Vaterland etc.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Ruitter