Die Sonne wird Dich verrathen

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Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Die Sonne wird Dich verrathen
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 53-54
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[53]
13. Die Sonne wird Dich verrathen.

Ein Schneider schlug einst einen Juden todt, um ihn zu berauben. Der Jude aber sagte, bevor er starb, zu dem Schneider: „Die Sonne wird Dich noch verrathen!“ Und das waren seine letzten Worte.

Viele Jahre vergiengen und Niemand dachte mehr an den gemordeten Juden. Der Schneider nahm eine Frau und war glücklich und wohlhabend und geachtet von seinen Mitbürgern. – Da lag er eines Sonntagmorgens noch im Bett, als die Sonne schon hell durch’s Fenster schien und bis auf sein Bett kam. Da mußte er laut lachen, daß die Frau gar nicht begreifen konnte, was ihrem Manne sei und weshalb er lache, und sie ließ ihm keine Ruhe, bis er ihr Alles entdeckte. „Ich habe, fieng er an, vor vielen Jahren einmal einen Juden umgebracht und der hat sterbend gesagt: die Sonne werde mich noch verrathen. Und wie sie nun eben da auf’s Bett scheint, fällt mir die Geschichte wieder ein und ich mußte lachen, indem ich dachte: die Sonne würde wohl gerne schwätzen; aber sie hat ja keine Zunge!“

Der Frau war es entsetzlich, daß ihr Mann ein Mörder war und sie konnte ihn nimmer lieb haben. Bald bekamen sie Streit mit einander, und da sie es nicht länger bei ihm aushalten konnte und ein Grauen vor ihm hatte, so zeigte sie die ganze Sache dem Gerichte an. Nachdem der Schneider alsdann selbst seine Schuld eingestanden, wurde [54] er hingerichtet. Bevor ihm aber der Kopf mit dem Schwerte abgeschlagen wurde, sagte er noch: „die Sonne hat mich doch noch verrathen!“

Anmerkung des Herausgebers

[302] 13. Die Sonne wird Dich verrathen. Mündlich aus Dußlingen. In Grimm’s Märchen: „die klare Sonne bringt’s an den Tag.“ Zu Grunde liegt hier wohl die uralte Idee von der göttlichen Natur der Sonne, „die Alles durchschaut und die Menschen erspäht,“ wie es im Indischen, im Rigveda heißt.