Die Wallachen

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Die Wallachen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 284
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Zustände in der Walachei unter türkischer Herrschaft
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[284] Die Wallachen. Man sieht immer deutlicher ein, daß die Integrität der Türkei gar nicht erhalten werden kann, da in ihren socialen Zuständen nichts Haltbares mehr gefunden werden kann. Der Krieg hat dann auch blos noch den Sinn, daß der wunderschöne, reiche Boden der Türkei möglichst unter den Einfluß des civilisirten Westens komme. – Ohne neue Menschen und Institutionen kommt auch die reformirte Türkei nicht vorwärts. Die Wallachen gehören noch zu den stärksten und besten Volksarten, welche sich in unzähligen Massen uad Mischungen unter dem Begriffe Türkei vereinigen, und doch sieht es ganz miserabel unter ihnen aus. Es ist noch rohestes Mittelalter unter ihnen mit modernester Sittenverderbniß. Der von der Pforte alle drei Jahre gewählte Hospodar, d. h. der, welcher die größte Summe an den türkischen Minister gezahlt, benutzt seine kurze Regentschaft, möglichst viel aus den Leuten zu pressen und alle mögliche Bestechungen anzunehmen. Der Ackerbau, das Hauptgeschäft, ist durch Heerden von Griechen total demoralisirt worden. Die Landeigenthümer, vom Hospodar gepreßt, pressen ihre Leibeigenen und können doch nicht genug schaffen, so verkaufen sie Land an die Griechen, die immer Geld haben (man weiß nicht, woher?), welche damit nun den ausgedehntesten Schacher treiben. Die Leibeigenen thun nur so viel, als die hinter ihnen geschwungene Peitsche aus ihnen heraushaut, sonst gehen sie aus einer Branntweinsbude in die andere und trinken und tanzen zur Zigeunerfidel, bis Gleichgewicht und Geld verloren sind. Aus dem tiefen Schlafe in ihrer Höhle haut sie die Peitsche des Häschers wieder zur Arbeit. Von Natur wohlgebaut, stark, geschickt und in der Unabhängigkeit auch sehr thätig sind sie doch unter Jahrhunderte langer Tyrannei, Erpressung und Peitsche total demoralisirt, und Bauern und Städter stehen nicht an, durch ihre eigenen Töchter von Fremden in Bucharest u. s. w. sich Kuppelpelze zu verdienen. – Ihre Nationalgesänge sind schön und voller Poesie, und ihre malerischen Tänze, von schönen Chorgesängen begleitet, beneidenswerth. Sie tanzen und gesticuliren mit dramatischer Lebendigkeit, wobei namentlich die Mädchen in bunten, malerischen Trachten sich reizend ausnehmen; aber nach solchen Nationalscenen gehen sie von Schenke zu Schenke und vertilgen den scheußlichsten Fusel, bis sie in die tiefste, thierische Verächtlichkeit zusammensinken. Gegen ihre Peiniger werden sie nicht selten rebellisch und zerschlagen oder tödten sie um Mitternacht und stecken ihnen die Häuser an, aber das macht weder Peitschende noch Gepeitschte besser. Den Ausbruch von 1848–49 verhinderten russische und türkische Truppen im Verein, ohne die Wurzeln ausrotten zu können. Andere Menschen, vernünftige Boden- und Eigenthumsverhältnisse, sociale Reformen nur können die Türkei retten, nichts aus ihr selbst.