Die Weingötter am Rhein

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Die Weingötter am Rhein
Untertitel:
aus: Deutsches Sagenbuch.
Seite 85-86
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Georg Wigand
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Erscheinungsort: Leipzig
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93. Die Weingötter am Rhein.

Zu Bacharach am Rhein, wo nach altem deutschen Reimspruch der besten Weine einer wächst, soll vor Zeiten ein Altar des Bacchus, des Weingottes, gestanden haben, und des Ortes Name soll von diesem Altar: Bacchi ara herrühren, diesen Altarstein nannten die Winzer umher auch den Elterstein. Dort ist auch ein Fels im Rhein, der wird nur bei ganz kleinem Rhein, bei großem Wassermangel und heißem dürren Sommerwetter, sichtbar, und stets für eine dem Weinjahr günstige Prophezeihung genommen, denn es geht ein Sprüchwort, das lautet: kleiner Rhein giebt guten Wein. – Viele meinen, daß dieser Fels selbst der Altar des Bacchus sei, und mit Figuren verziert, und vielleicht hat noch im schwachen Nachhall sich altheidnischer Cult darin erhalten, daß die Schiffleute, wenn der Elterstein sich zeigt, eine Strohpuppe als Bacchus aufputzen und auf dem Stein befestigen, so ist der Sagenglaube im Volke lebendig, wenn auch die Gelehrten ungläubig den Kopf dazu schütteln.

[86] Zu Kaub, nahe der alten Burg Pfalzgrafenstein mitten im Rheinstrom, darin vor Zeiten aller Pfalzgrafen Wiege stand, weil aller Pfalzgräfinnen Wochenbette darinnen aufgeschlagen werden mußte, lebt noch eine Sage von einem wunderlichen Heiligen, Theonest, deß Name wie eine Verstümmelung des griechischen Wortes Dionysos (Bacchus) klingt. Dieser Theonest soll aber doch nicht ein heidnischer Weingott gewesen sein, sondern ein christlicher Martyrer, der in Mainz bis auf den Tod gequält wurde, und dem es gelang, in einer Weinkufe statt Nachens auf dem Rheinstrom zu entkommen und sich abwärts tragen zu lassen. Je weiter Theonest fuhr, um so wohler wurde ihm zu Muthe, und bei Kaub landete er in seiner Kufe an, predigte das Christenthum und pflanzte Weinreben, und zwar süße Trauben tragende, die kelterte er zuerst in seiner Kufe, und davon nahm der Ort, den er hier am Strome gründete, den Namen Kaub an, und in das Stadtsiegel nahmen hernach dankbar die Kauber das Bild des heiligen Theonest, in seiner Kufe sitzend, als ihr Stadtwappen und führen es in ihrem Siegel. Und ist auch hernachmals Kaub ein wichtiger Ort geworden durch Rheinzoll und Stromrhederei.