Die Zimmerpflanzen (Gartenlaube 1889/8)

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Textdaten
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Autor: O. H.
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Titel: Die Zimmerpflanzen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 132
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[132] Die Zimmerpflanzen beginnen im März von neuem zu wachsen, verbrauchen mehr Nahrung als während der verflossenen Wintermonate und müssen deshalb auch mehr als bisher, immer mit angewärmtem Wasser, begossen werden. Die alte Erde des Wurzelballens ist ausgesogen und muß durch frische ersetzt, die treibenden Pflanzen müssen versetzt werden, was der Liebhaber am besten dem nächstwohnenden Gärtner überläßt, der auch die für jede Pflanzenart passende Erde besitzen und wählen wird. Will aber der Liebhaber selbst seine Pflanzen in Moos kultiviren, so nimmt er sie aus dem Topf, schüttelt die Erde ab und spült den letzten Rest derselben in Wasser aus. Inzwischen wurde Wald- oder das weiße Sumpfmoos mit Wasser getränkt, welchem eine Mischung von Mineraldung, 3 g in 1 Liter Wasser, beigegeben ist, die alle Bestandtheile enthält, welche die Pflanze zu ihrer Ernährung nöthig hat und in dem Verhältniß zu einander, in welchem allein sie zu wirken im stande sind. Solche für Liebhaber empfehlenswerthe Mischung ist der nach unserer Anweisung zusammengesetzte E. Dultzsche geruchlose Blumendung, der bei Apotheker E. Dultz, Berlin N Invalidenstraße 153, vorräthig ist. Gute Blumendünger sind übrigens beinahe in jeder Droguerie zu haben. Nachdem die Pflanzen neue Wurzeln gebildet, sind sie, so lange sie wachsen, auch die mit Erdballen, mit durch solchen Dung verstärktem Wasser zu begießen. Die Kultur in Moos, welches durch verzinkten Eisendraht um die Wurzeln zu befestigen ist, hat den Vortheil, daß die Pflanzen wenig Platz einnehmen.

Nachdem unsere Leser die Art und Weise kennen gelernt, in welcher Pflanzen aus Samen zu ziehen sind, genügt es, die Arten zu nennen, welche jetzt auszusäen sind, besonders solche, welche durch Aussaat im März als Blüher im nächsten Winter besonderen Werth gewinnen, z. B. in mäßig feuchtem Torfmüll die neue Levkoje „Ruhm von Elberfeld“ von Handelsgärtner Fritz Beltz in Elberfeld, und die „Dresdener schneeweiße Sommer-Levkoje“, die jeder gute Samenhändler vorräthig hat, wie auch der (zweifarbige) Siphocampylus (Lobelia) bicolor Sweet, ein herrlicher Winterblüher, von welchem die Firma Haage und Schmidt in Erfurt Samen vorräthig hält. Die Sämlinge genannter Pflanzen sind in gewöhnlicher Weise zu behandeln, im April – Mai ins freie Land und im September wieder in Töpfe zu setzen; sie brauchen im Freien gute lockere Erde und wenigstens 50 cm im Quadrat Raum. Wer einen Garten nicht besitzt, wird seine Pflanzen in verhältnißmäßig großen Töpfen mit wenig lehmiger und sandgemischter Landerde, nicht ohne Ziegelstücken, weiter kultiviren müssen. – Rosen zum Treiben sind abzuwaschen, namentlich in den von den Zweigen gebildeten Winkeln, wo sich gefährliche Insekten festgesetzt haben. Ohne sie zu beschneiden, sind die Zweige herunter und an einen Drahtring festzubinden; ihre äußersten Knospen blühen zuerst, die aus den hinteren Augen entstehenden Triebe später, gleichsam zum zweiten Male. Man ersetze die oberste Erde im Topf durch frische Mistbeeterde und beginne das Treiben in einer Wärme von 6 bis 8° R., die von zwei zu zwei Wochen zu erhöhen ist, und halte die Zweige und Triebe durch Spritzen mit warmem, aber nicht heißem Wasser feucht. Nach Beginn des Wachsthums ist öfteres Gießen mit Jauche, im Zimmer mit geruchlosem Blumendung zu empfehlen. O. H.