Die deutsche Künstlerlotterie für Salzburg

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Autor: Robert Keil
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Titel: Die deutsche Künstlerlotterie für Salzburg
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die deutsche Künstler-Lotterie für Salzburg.
(Mit Abbildung.)

Wer kennt sie nicht, jene empörenden Gräuel, welche religiöser Fanatismus und Intoleranz in einem der blühendsten Länder Süddeutschlands noch im Jahre 1731 sich erlaubten? Ueber 22,000, sage zweiundzwanzig Tausend brave, biedre Menschen wurden in Salzburg durch den gewissenlosen, geldgierigen und trunksüchtigen Erzbischof Leopold Anton Eleutherius von Firmian und dessen rohe Creaturen lediglich ihres protestantischen Glaubens wegen von ihren Almen, ihren Heerden, ihren Feldern, von ihren prangenden Thälern und hellen klaren Seeen, von ihren Goldbergwerken, Marmorbrüchen und Salzwerken gerissen, in raffinirtester, brutalster Weise gemißhandelt und, als alle diese Mißhandlungen sie zum „alleinseligtnachenden“ Glauben ihrer Bedränger zurückzuzwingen nicht vermochten, im härtesten Winter, unter allen Qualen des Frostes und Elends, zum Lande hinausgejagt. Sie zogen zum Theil nach Hannover und Holland, zum Theil wanderten sie nach Nord-Amerika aus, die weitaus meisten aber wandten sich nach Preußen und fanden in Preußisch-Litthauen eine neue Wohnstätte. Friedrich Wilhelm I. äußerte hierbei seine Entrüstung.

„wie es eine reichs-kündige Sache sei, mit was großer Hefftigkeit die arme Glaubens-Genossen in dem Erz-Stifft Saltzburg bedränget und verfolgt würden, und daß von Seiten des Corporis Evangelici zu Regensbnrg deshalb nicht allein bei Ihr. Kaiserl. Maj., sondern auch bey dem Ertz-Bischoffe von Saltzburg selbst bewegliche Vorstelligen geschehen, dieselbe aber bey dem Ertz-Bischoffe noch zur Zeit nichts im geringsten verfangen wollten, sondern derselbe einen Weg wie den andern fortfahre, auf eine unchristliche und selbsten von dem grösten Theil seiner Glaubens-Verwandten zum höchsten improbirte Art die härteste Persecutiones wider besagte Evangelische auszuüben, er auch an die Kaiserl. darwider an ihn ergangene Verordnungen sich gar nicht kehren, noch die behörige Parition leisten wolle.“

Er drohte mit Repressalien, nahm auch über 20,000 Salzburger Emigranten auf, die er unterstützte und damit zugleich, wie er sich ausdrückte, „sein wüst Land peuplirte“. 130 Jahre mußten seitdem vergehen, ehe sich endlich, endlich die österreichische Regierung veranlaßt oder vielmehr von dem allgemeinen und lauten Ruf der öffentlichen Meinung nach Glaubens- und Gewissensfreiheit und unbedingter Toleranz genöthigt sah, für die Protestanten die frühern Beschränkungen in Rücksicht auf Errichtung von Kirchen mit Thürmen, Glocken, Begehung von religiösen Feierlichkeiten, des Bezugs von Büchern und Schriften aufzuheben, ihnen die selbstständige Ordnung, Verwaltung und Leitung der kirchlichen Angelegenheiten zu gewähren und ihnen die vollste Freiheit des Glaubensbekenntnisses und den Vollgenuß der bürgerlichen Rechte zuzusichern. Erst von nun an, seit 1861, war den Protestanten in Salzburg die Möglichkeit gegeben, ein kirchliches Leben mit Selbstständigkeit der religiösen Genossenschaft zu begründen, erst von da an eine Aussicht vorhanden, daß die mildere Richtung der Gegenwart den Schandfleck des Jahres 1731 auslöschen möge.

Unter der Aufschrift „Der Salzburger Jammer“ habe ich im Jahrgang 1861 der Gartenlaube Nummer 27 und 28 jene That des brutalsten Fanatismus und ihren Entwicklungsgang, das Salzburger Volk und den erzbischöflichen Hof, die grausamen und unbarmherzigen Mißhandlungen und Bedrückungen, die unerhörten Leiden, aber auch die edle, feste Standhaftigkeit der Evangelischen, ihren Schwur zu Schwarzach und ihre Auswanderung geschildert.

[700] Eben diesen letzten, bedeutsamen Act des Salzburger Drama’s suchte ein deutscher Künstler von bestem Ruf, der Historienmaler Professor Martersteig in Weimar, dem Auge und Herz der Mitwelt gleichsam plastisch vorzuführen, er suchte die bedeutsamsten Momente und Züge jener Auswanderung in ein Ganzes zusammenzudrängen, und so entstand zunächst in Carton jenes ergreifend schöne Bild, welches der beifolgende, so gelungene Holzschnitt wiedergiebt.[1] Von Salzburg her, dessen ragende Festung Hohensalzburg den Hintergrund bildet, bewegt sich unter Militär-Escorte ein Zug vertriebener Protestanten nach der Grenze, um in unbekannter weiter Ferne eine neue Heimath und mit ihr eine Stätte zu finden, wo sie ihrer religiösen Ueberzeugung in Gewissensfreiheit leben können. Sie haben viel Schmach und Qual erdulden müssen, sie haben auch viel, ja fast Alles verloren und verlassen, ihr gewohntes Daheim, ihren häuslichen Heerd, ihre Besitzthümer, aber standhaft, in unerschütterlichem Gottvertrauen ziehen sie der ungewissen Zukunft entgegen. Die kernigen, tröstenden Worte halten sie aufrecht, die ihnen aus der Bibel verlesen werden, aus einer Bibel, die schon bei den frühern nächtlichen Zusammenkünften im Walde als Erbauungsbuch gedient hat und den nachherigen Bibel-Verbrennungen der Pfaffen glücklich entgangen ist. Weil man unter andern auch bei Ruprecht Winter, einem dreiundsiebzigjährigen, kranken Bauer, eines jener verhaßten Bücher im Hause unter der Bank gefunden, wurde er aus dem Bette gerissen, nebst seinem Weibe auf einen Wagen geworfen, an den Füßen geschlossen, ohne Verhör in eines jener schmählichen Gefängnisse gethan und erst, als der kranke Greis den Tod befürchten ließ, gegen hundert Gulden Buße freigelassen. Wir sehen ihn auf dem Bilde links, von inniger Liebe gestützt und von dem treuen Hunde in das Exil begleitet. Einen andern Greis Namens Vierleitner hatten die Unmenschen nicht nur so hart an seinen Füßen geschlossen, daß der eine Fuß unbrauchbar wurde, sondern überdies seinen Sohn an ihn, den Vater, geschlossen und sie beide in ein finsteres, feuchtes, ungesundes Loch, drei Mann tief unter der Erde, geworfen, so daß sie nicht neben, sondern über einander liegen mußten. Auch sie beide erscheinen in unserem Bilde wieder, in dessen Mitte. Ohne Ahnung, ob er wohl die neue Heimath wird erreichen können, schleppt sich der Alte, am Arme des Sohnes und auf die Tochter gestützt, dahin. So ist es, neben der Standhaftigkeit, die Liebe, die uns aus dem Bilde überall entgegenleuchtet. Sie ist es, welche die arme, kranke Frau auf dem Schubkarren dahinführt; sie ist es, welche das Kind in einem umgebundenen Tuche trägt und an sich drückt; sie ist es endlich, welche in Gestalt des kleinen Buben die Mutter, die unglückliche junge Wittwe tröstet, die am Reste ihrer Habe in Schmerz zusammengesunken. Der escortirende Soldat hinter ihr wird sie nicht lange ihrer Trauer überlassen, – und ist sie denn nicht auch noch tausendmal glücklicher, als jene andere Mutter, welcher der Jesuit ihr Kind raubt? Schon im Jahre 1684, als die Tefferegger Protestanten das Land Salzburg zu verlassen gezwungen wurden, mußten dieselben diejenigen ihrer Kinder, die unter vierzehn Jahren waren, zurücklassen. Man steckte sie, wohl 1500 an Zahl, in die Klöster, ohne daß die Vorstellungen der protestantischen Fürsten hiergegen etwas fruchteten. Damals war es die Hochherzigkeit einer deutschen Frau, der Freifrau Henriette Katharine von Gersdorff zu Groß-Hennersdorf, welche wenigstens einige dieser Kinder rettete, indem sie, eine gelehrte Dame, dem Kaiser eine lateinische Ode übersandt hatte und als die ihr nachgelassene kaiserliche Gnade Freilassung der Kinder erbat. Gleiche Grausamkeit, wie 1684, übte man auch bei der Auswanderung im Jahre 1731: man suchte den Eltern die unmündigen Kinder zu rauben und übergab sie den Jesuiten. So hat auch auf unserem Bilde der Pfaffe das Kind bereits gefaßt, und vergebens hält ihn die verzweifelnde Mutter, vergebens schaut der Knabe ängstlich zurück; doch getrost! vielleicht ist es der zehnjährige Balthasar Brandstätter aus Goldegg, welcher, seinen Eltern geraubt und in eine drei Stock hoch gelegene Kammer gesperrt, auf die Straße herabsprang, wohlbehalten unten ankam und allein und auf Umwegen seinen Eltern bis Augsburg nacheilte. Und nun noch eine Figur des Bildes: jenes schlanke, schmucke Mädchen hinter der knieenden Frau und ihrem Knaben. Auch sie hat von dem Land-, Markt- und Berg-Richter den Abzug-Schein erhalten,

„daß sie (so viel wissend) in ihren verrichteten Bauren-Diensten aufrecht und redlich ansonsten sich verhalten, doch aber wegen der verlassenen Römisch-Catholischen Religion, welche in diesem hohen Ertz-Stifft und Lande alleinig geübet und zugelassen, aus eben solchen zu emirgiren und sich zu begeben gehalten worden,“

und weinend blickt sie noch einmal nach dem Dörfchen zurück, das ihr so heimisch lieb, und das sie doch nimmer wiedersehen soll. Sie ahnt nicht, daß auf dieser Wanderung, fern in Altmühl im Oettingischen, ein braver, biederer Bursch in rasch entflammter, inniger Liebe, doch unter dem Vorwand, sie für seinen Vater als Magd zu dingen, sie in das Haus des vermögenden Vaters einführen und ihr ein neues Glück schaffen werde. Sie ahnt nicht, daß sie sechzig Jahre später in dem schönsten aller der Gedichte des größten deutschen Dichters als ein Musterbild deutscher sittiger Weiblichkeit, als Hermann’s Dorothee, wieder aufleben und verewigt werden würde!

Und was nun die übrigen, umgebenden Gruppen des Bildes anlangt, so bitten wir unsere Leser die classischen Verse des eben erwähnten Goethe’schen Gedichts nachzulesen.

Noch war der Künstler, Professor Martersteig, mitten im Schaffen desselben, als der Hülferuf der jetzigen Evangelischen Salzburgs nach den materiellen Mitteln zu einem selbstständigen kirchlichen Leben durch die Zeitungen scholl. Da tauchte in der Künstlerseele der Gedanke auf, ob nicht durch eine patriotische That der deutschen Künstler, durch Beisteuer und Verloosung von Gemälden, jene materiellen Mittel beschafft und damit den Salzburgern geholfen werden könne. Er trug sich mit diesem Gedanken, ließ ihn allmählich reifen und festere Gestaltung gewinnen und theilte ihn sowohl bei Gelegenheit der großen Künstler-Versammlung zu Salzburg im Jahre 1862, als auch nachher in Weimar Geistesverwandten mit. Zu Verwirklichung dieser schönen Idee, aus Beiträgen deutscher Kunstgenossen eine Sammlung von Kunstwerken zu schaffen, durch deren lotteriemäßige Verloosung die Mittel zum Bau einer protestantischen Kirche in Salzburg gewonnen werden könnten, constituirte sich am 23. October 1862 ein Centralcomité in Weimar und erließ zuvörderst an alle Künstler Deutschlands einen Aufruf, in welchem um Unterstützung des Unternehmens durch Zusage und Einlieferung von Kunstwerken gebeten wurde. Die Bitte fand überall, in den Künstlerkreisen Norddeutschlands wie Süddeutschlands, freundliche Aufnahme und guten Anklang. Die Weimarischen Künstler ließen sich nicht die Ehre nehmen, den Reigen zu eröffnen, und zahlreiche Zusagen namhafter Kunstgenossen von fern und nah folgten. Bald, ja in wenigen Monaten verdoppelte sich die Zahl der Geber, während der Werth der Kunstbeiträge seit der Vertheilung des ersten Rechenschaftsberichts das Dreifache erreicht und überstiegen hat. Auch hier war es – nächst dem Vorsitzenden des Comité, Oberhofmeister von Beaulieu-Marconnay zu Weimar – der Professor Martersteig, der durch brieflichen Verkehr mit entfernt wohnenden Künstlern und auf Reisen zu denselben für die gute Sache unermüdlich wirkte. Im zweiten Rechenschaftsbericht konnte das Centralcomité constatiren, daß der Werth der bereits eingegangenen Kunstwerke über 6000 Thaler zu veranschlagen sei, und als zu der protestantischen Kirche in Stadt Salzburg im Laufe dieses Sommers der Grund gelegt wurde, konnte das Comité in den Grundstein ein Denk- und Erinnerungsblatt legen, das mit den Worten schloß:

„Der Grund ist gelegt zu der ersten protestantischen Kirche im schönen Salzburger Lande, gelegt durch die evangelische Standhaftigkeit der Salzburger Protestanten selbst, gelegt unter dem Schutz einer toleranten Regierung. Daß auf diesem Grunde sich bald ein würdiger Bau erhebe, dieses mitzuwirken haben auf den Ruf des Centralcomité schon jetzt viele und namhafte Künstler – ohne Ansehen der Confession – sich bereit und thätig gezeigt, und noch weit mehrere werden gewiß dem gegebenen Beispiele nachfolgen.
Und so dürfen wir in den Grundstein dieses zu erbauenden Gotteshauses – auf den besonderen Wunsch unserer protestantischen Brüder zu Salzburg – dies Gedenkblatt einsenken, als ein Zeugniß frohster Zuversicht für die gedeihliche Vollendung des Werkes und zugleich als eine Bürgschaft werkthätigster Theilnahme daran von Seiten der gesammten deutschen Künstlerschaft – eine Bürgschaft, welche einzulösen diese (so vertrauen wir!) nicht säumen wird.“

[701]
Die Gartenlaube (1863) b 701.jpg

Vertreibung der Protestanten aus Salzburg.
Nach dem Original-Oelbilde von Martersteig.

[702] Sehr richtig ist bemerkt: ohne Ansehen der Confession. Es handelt sich ja durchaus nicht um eine confessionelle Demonstration, durchaus nicht um einen Angriff auf den katholischen Glauben, wir fragen nicht, wer katholisch, wer protestantisch; es handelt sich einfach darum, den Evangelischen Salzburgs nach den empörenden Mißhandlungen und Leiden, welche ihre Vorfahren von dem rohesten und brutalsten Fanatismus haben erdulden müssen, endlich zu ihrem Rechte zu verhelfen, zu dem Rechte der Gewissensfreiheit und freien Gottesverehrung, das jeder Religionsgenossenschaft und jedem Mitgliede derselben gleichmäßig zukommt, und zur Benutzung dieses Rechts, zur Befriedigung ihres religiösen Bedürfnisses ihnen die Mittel zu schaffen – es handelt sich um einen Act der Humanität, würdig unsers Jahrhunderts der Aufklärung und Toleranz. Dies ist der Sinn des Unternehmens, und die deutschen Künstler haben ihn wohl verstanden. Wie damals, im Jahre 1731, die Mißhandlung und das Elend der Salzburger Protestanten bei allen Confessionen, in allen menschlich fühlenden Herzen Theilnahme und Mitleid hervorriefen – wie auf der Wanderung der Vertriebenen zahlreiche Katholiken warmes Mitgefühl für sie zeigten und selbst die Juden in edler Mildthätigkeit sich ihrer erbarmten, so haben sich auch jetzt in Nord- und Süddeutschland, in katholischen wie protestantischen Gegenden die deutschen Künstler – gleichviel ob protestantischen, ob katholischen Glaubens – der guten, edlen Sache mit Eifer angenommen. Sie haben es vom Standpunkte jener idealen, humanen Weltanschauung aus gethan, welche, über die Glaubensverschiedenheiten erhaben, die eigentliche Heimath der echten Kunst ist.

In diesem Sinne gab auch bei Gelegenheit der deutschen Künstler-Versammlung in Weimar am 20. August dieses Jahres in erhebender Verhandlung über die Salzburger Angelegenheit Professor Gräfe aus Wien, von anderen Oesterreichern unterstützt, die Erklärung ab, wie er und viele seiner Genossen und Landsleute es sich, als Deutschösterreicher und Katholiken, zur Ehrenpflicht und Gewissenssache machten, früher begangenes Unrecht zu sühnen und ihre brüderliche Gesinnung gegen die Salzburger Protestanten zu bethätigen, während von Blomberg aus Berlin für die protestantischen Brandenburger die Pflicht in Anspruch nahm, im Hinblick auf den Schutz, den einst die ihres Glaubens willen vertriebenen Salzburger bei ihren Altvordern in der Mark gefunden, in demselben Geiste jetzt, wo eine erleuchtete und duldsame Regierung den Salzburgern gestatte, in der eigenen Heimath ihrer Gottesverehrung zu leben, für deren kirchliche Bedürfnisse mit zu sorgen.

Aus Altenburg, Berlin, Braunschweig, Breslau, Carlsruhe, Cassel, Cöln, Danzig, Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Eisenach, Frankfurt a. M., Gotha, Hamburg, Hanau, Hannover, Heidelberg, Hildesheim, Ilsenburg, Kiel, Königsberg, Landau, Leipzig, Magdeburg, Mannheim, Meiningen, München, Nürnberg, Oldenburg, Rudolstadt, Stuttgart, Weimar, Wien, Wiesbaden u. s. w. haben sich bereits über 220 Künstler dem Unternehmen angeschlossen und Beiträge bereits eingesandt oder doch zugesagt, und ebenso haben die beim Weimarischen Künstlerfest anwesenden Deputirten der verschiedenen Localkunstgenossenschaften Zusage ertheilt, für die Salzburger Angelegenheit in den Kreisen ihrer Genossenschaften zu wirken. Das Comité hat sich daher veranlaßt gesehen, den Termin für die Anmeldung weiterer Gaben bis zum 1. Jan. 1864 zu verlängern, während die Einsendung der Beiträge selbst bis Johannis 1864 geschehen kann und dann mit der Verloosung selbst vorgeschritten werden wird. Im Ganzen mag bis jetzt ein Werth von ungefähr 8000 Thaler eingesandt oder zugesichert sein. Noch sind aber, um ein würdiges protestantisches Gotteshaus in Salzburg entstehen zu lassen, bedeutende Mittel zu beschaffen. Mit dem zweiten Rechenschaftsbericht hat das Central-Comité daher einen erneuten Aufruf an die deutschen Künstler erlassen. Auch durch die Gartenlaube, das gelesenste, verbreitetste deutsche Blatt, das von jeher jeder echt edlen, patriotischen Sache ihre Spalten entgegenkommend geöffnet hat, sei den deutschen Künstlern die Salzburger Sache dringend an das Herz gelegt. Ihnen sei es Ehrensache, durch Beiträge ihrer schönen Kunst das Unternehmen und durch dessen Unterstützung sich selbst zu ehren; den deutschen Kunstanstalten und dem gesammten deutschen Volke sei es Ehrensache, sowohl jetzt bei der Sammlung der zu verloosenden Kunstwerke, als auch nachher bei der Verloosung selbst den guten Zweck nach Kräften zu fördern. „Möge sich dann“ – so schloß der erste Aufruf, und so mögen auch diese Zeilen schließen – „möge sich dann im romantisch-schönen Salzburg die protestantische Kirche erheben, ein Denkmal ebenso evangelischer Standhaftigkeit der Salzburger, als auch edelster Theilnahme und Toleranz der deutschen Künstlerwelt!“

Robert Keil.



  1. Eine vortreffliche Photographie vom Martersteig’schen Carton hat der Maler und Professor Finke zu Altenburg geliefert, ebenso auch von dem sich daran reihenden Bilde Martersteig’s: Der Schwur der Salzburger Protestanten in Schwarzach vom 5. August 1731.