Die lange Nase (Ringelnatz)

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Textdaten
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Autor: Hans Bötticher
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Titel: Die lange Nase
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 41–42
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist
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Erscheinungsort: München, Leipzig
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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[41]
Die lange Nase

(Eine Parabel)

Hans wird der Nasenkönig genannt,
Denn er hat eine lange Nase.
Sie rufen’s ihm nach auf der Straße.
Hans läßt sie rufen; er macht sich nichts draus,

5
Die Eltern und Bruder und Schwester zu Haus,

Sie lachen ja alle so oft ihn aus
Und spotten über die Nase.
Hans kommt in die Schule. Er hört, daß man lacht,
Daß man sich über ihn lustig macht,

10
Daß man vom Nashorn, vom Rüsseltier spricht

Und von der Gurke in seinem Gesicht. –
So folgt ihm der Ulk auf Schritt und Tritt
Und Hans lacht mit.

Er wird ein Soldat. Er wird ein Mann

15
Und überall trifft er den Spottvogel an.

Der pfeift und singt und läßt keine Ruh.
Hans lacht dazu.
Hans lacht dazu, wenn man witzelt und höhnt,
Er hat mit der Zeit sich daran wohl gewöhnt.

20
Hans freite des Nachbars Liesel so gern

Da drüben über der Straße.
Und er fragt ganz schüchtern mal bei ihr an,
Da sagt ihm die Liesel: Sie mag keinen Mann
Mit einer so langen Nase. – –

25
In der Nacht, im Garten vorm Rasenplatz,

Da küßt sich die Liesel mit ihrem Schatz.

[42]
Sie tanzen, sie springen, sie singen vereint,

Und drüben, über der Straße,
Im Stübchen, wo noch die Lampe scheint,

30
Sitzt Hans vorm Spiegel und weint und weint

Über die lange Nase.