Die neue Ausgabe der Correspondenz K. Friedrich’s von Württemberg mit Napoleon

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: F. Sauerhering
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die neue Ausgabe der Correspondenz K. Friedrich’s von Württemberg mit Napoleon
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 4 (1890), S. 124-127
Herausgeber: Ludwig Quidde
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Freiburg i. Br
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
De DZfG 1890 04 124.jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[124] Die neue Ausgabe der Correspondenz K. Friedrich’s von Württemberg mit Napoleon[1]. Nachdem Herr Dr. v. Schlossberger bereits in den Jahren 1886/1887 im „Briefwechsel der Königin Katharina und des Königs Jerome von Westphalen mit dem König Friedrich von Württemberg“ auch einige der denkwürdigsten Schreiben veröffentlicht hatte, welche zwischen dem König Friedrich und Kaiser Napoleon gewechselt worden sind, hat er neuerdings (1889) in einem besonderen Werke die politische und militärische Correspondenz der [125] genannten beiden Herrscher zur allgemeinen Kenntniss gebracht. In diesem neuen Werke, dessen Schriftstücke „insgesamt Bestandteile des Kgl. Württ. Geh. Haus- und Staatsarchivs“ bilden, sind, ausser 29 sonstigen Schreiben, 159 Briefe König Friedrich’s an Kaiser Napoleon I. und 88 Briefe Napoleon’s an den König enthalten, welche für den Historiker manches Neue und Interessante bringen. So sehr wir aber auch dem Herausgeber danken müssen, dass er sich der Mühe unterzogen hat, die „schwer leserlichen eigenhändigen, vom Könige selbst wiederholt verbesserten Entwürfe“ zu entziffern, dürften gleichwohl im Interesse vollständiger und genauer Quellenpublication kritische Bemerkungen zu jenem Werke am Platze sein.

Was zunächst die Briefe des Königs Friedrich an Napoleon betrifft, so fragt man, wenn der Herausgeber von Entzifferung der Entwürfe spricht, mit Recht, sind denn die Originalbriefe nicht mehr vorhanden, war eine Vergleichung der letzteren mit den königlichen Concepten nicht möglich? Sodann fehlen unter diesen 4 Briefe Friedrich’s an Napoleon, die in den Antwortschreiben des letzteren mit bestimmtem Datum erwähnt werden: 30. Sep. 1805, 3. Dec. 1805, 30. Nov. 1807, 1. Dec. 1807; über den Verbleib dieser Briefe bleibt uns der Herausgeber die Antwort schuldig.

Aus guten Gründen soll und muss eine Kritik über diese Sammlung der Fridericianischen Briefe unterbleiben; es soll vielmehr nur an den Briefen Napoleon’s an König Friedrich gezeigt werden, dass der Herausgeber durch Vergleichung mit einer längst bekannten officiellen Publication nicht nur sich die grosse Mühe der Edition hätte erleichtern können, sondern auch vor manchen Irrthümern bewahrt geblieben wäre.

Mit ganz geringer Ausnahme (18 Nummern) sind nämlich sämmtliche Briefe Napoleon’s an König Friedrich bereits vor mehr als zwanzig Jahren in der Corresp. de Napoleon I. Tome XI—XXVI bekannt geworden. Was war natürlicher als dass Herr Dr. v. Schlossberger jene Französische Publication (Concepte) bei seiner Arbeit (Originale) zur Vergleichung heranzog? Leider ist aber die Corresp. de Nap. nachzusehen versäumt worden, und es soll nun unsererseits nachträglich eine Vergleichung zwischen den an dieser und an jener Stelle veröffentlichten Briefen der zweiten Gruppe vorgenommen werden.

Zunächst ist zu constatiren, dass 6 Briefe Napoleon’s, die in der Corresp. de Nap. vorhanden, in der Schlossberger’schen Publication fehlen: 5 déc. 1805. XI, 455/456 (Nr. 9545); 30 sept. 1806. XIII, 286 (Nr. 10 913); 5 août 1807. XV, 477 (Nr. 12 998); 22 août 1807. XV, 514 (Nr. 13 061); 25 avril 1809. XVIII, 511 (Nr. 15 120); 23 juillet 1809. XIX, 279 (Nr. 15 583).

[126] Nun die eigentlichen Fehler:

a) Napoléon à Frédéric, roi de W. Munich 7 jan. 1806 (= Schlossb. p. 45), Munich 9 jan. 1806 (= Corresp. XI, 531). Welches ist das richtige Datum? Napoleon schreibt: „- - - je serai retenu encore quelques jours à Munich“. Da sich N. bis zum 17. Jan. in München aufhielt, so würde man, wenn man von diesem Tage die „quelques jours“ rückwärts abrechnete, eher auf den 9. Jan. als auf den 7. Jan. treffen.

b) Napoleon à Frédéric. Ratisbonne 25 mars 1809 (= Schlossb. p. 143), Ratisbonne 25 avril 1809 (= Corresp. XVIII, 511 Nr. 15 120). Schon aus dem Inhalt des Briefes geht klar hervor, dass das Datum 25. April 1809 richtig ist, da im März 1809 der Kampf Oesterreichs gegen Frankreich noch nicht eröffnet war, und Napoleon sich am 25. März noch gar nicht in Regensburg befand[2]. Einmal hätte nun die in dem Briefe erwähnte Kriegsepisode, die thatsächlich im April vorfiel, den Herausgeber auf die falsche Datirung aufmerksam machen müssen, dann aber besonders die Angabe im Briefe König Friedrich’s vom 28. April 1809 (Schlossb. p. 155156). - In demselben heisst es: „J'ai réçu avant-hier au soir la lettre que V. M. J. m’a adressée par courrier en date de Ratisbonne le 25 et en ce moment celle du même jour---“. Bei Schlossberger steht nur ein Brief mit Dat. 25 avril 1809; über den Verbleib des zweiten Briefes wird nichts weiter bemerkt. Jene beiden vom König erwähnten Briefe, die bei ihrem gleichbezüglichen Inhalt zusammengehören, finden sich bereits längst nacheinander abgedruckt: Ratisbonne 25 avril 1809. Corresp. de Nap. XVIII, 510 (15 119); Ratisbonne 25 avril 1809. XVIII, 511 (15 120). Von diesen steht der eine (XVIII 511) eben bei Schlossberger an falscher Stelle in Folge falscher Datumsbezeichnung; er musste also S. 155 anstatt S. 143 eingereiht werden.

c) Schlossberger S. 198 ist statt „le général Busca“ zu lesen „le général Rusca“ (cf. Corresp. de Nap. XIX, 286 Nr. 15 591). Rusca hiess in der That der Divisionsgeneral, der 1809 die Aufgabe hatte, von Klagenfurt und Villach aus den Aufstand der Tiroler zu überwachen (Corresp. XIX p. 82).

d) Vergleicht man den Brief Napoleon’s vom 18. März 1811, Corresp. XXI, 491 Nr. 17 491 mit dem bei Schlossb. S. 225, so findet man Verschiedenheiten in der Zahlenangabe. In Corresp. de Nap. heisst es: „J’ai cru utile de compléter la garnison de Danzig à 15 000 hommes. Elle se compose de six bataillons polonais et de trois [127] bataillons saxons. J’ai demandé au roi de Westphalie trois bataillons, ce qui ferait douze“. Hier stimmt die Rechnung; bei Schlossb., der statt six — dix bataillons polonais liest, stimmt sie nicht. Ferner wenn Napoleon oben gesagt hat, dass er die Garnison von Danzig auf 15 000 M. verstärken will, und am Schluss das Facit zieht, so dürften wohl „de 12 à 15 000 hommes“ der Corresp. richtiger sein, als „de 12 à 13 000 hommes“ bei Schlossberger.

Es sind ja an sich nicht gerade schwerwiegende Fehler, die hier nachgewiesen werden, aber immerhin beeinträchtigen sie den Werth der Ausgabe, und sie wären sämmtlich bei einer durch die Grundsätze heutiger Editionskunst gebotenen methodischen Vergleichung mit der Correspondance de Nap. vermieden worden. Es kann nicht oft genug betont werden, dass auch für die neuere und neueste Geschichte die für Ausgabe mittelalterlicher Quellen ganz selbstverständlichen Grundsätze nicht ungestraft vernachlässigt werden dürfen, wenn sie auch natürlich nur mutatis mutandis anzuwenden sind.

F. Sauerhering.

Anmerkungen

  1. Vgl. Bibliogr. dieser Zeitschrift ’89, 2578 u. 5066. ’90, 1453.
  2. Napoleon verliess am 14. April 1809 Paris und langte am 17. April an der Donau an, um den Oberbefehl über die Truppen zu übernehmen.